Borussia Mönchengladbach – Ein Wunderheiler wäre teurer als Neymar


Es war eine der bittersten Niederlagen der jüngeren Vereinsgeschichte Borussias: das Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison. Die Erinnerung kommt nun wieder hoch, da die Eintracht am Samstag erneut im Borussia-Park antritt. Das verlorene Halbfinale ist zum Symbol geworden für die verpassten Chancen der Vorsaison, aber auch für das eklatante Verletzungsproblem, das Borussia in der Schlussphase der Saison hatte. Raffael fehlte, Thorgan Hazard, Tony Jantschke, Christoph Kramer und Fabian Johnson, dazu kamen die Langzeitverletzten Josip Drmic, Marvin Schulz und Mamadou Doucouré. Oscar Wendt brach sich im Spiel den Ellenbogen.

Drmic und Doucouré fehlen auch jetzt noch, wenn es am Samstag wieder gegen die Eintracht geht. Doucouré wird nach seinem Muskelbündelriss nach wie vor vorsichtig an größere Belastungen herangeführt und Drmic ist zwar „heiß“, wie Trainer Dieter Hecking sagt, doch wegen seiner Knieverletzung ist er wie Doucouré weiterhin weit weg von einer Kaderrückkehr. Zudem fehlen Tobias Strobl (Kreuzbandriss), Ibo Traoré (Muskelbündelriss) und Vincenzo Grifo (Kapselverletzung). Gladbach ohne Fünf also. Jeder Ausfall bedeutet einen Malus in der Kaderzusammenstellung, natürlich. Immerhin ist Tony Jantschke zurückgekehrt ins Mannschaftstraining. In den ersten drei Pflichtspielen gab es im Schnitt sechs Ausfälle. Borussia wollte das Manko eigentlich minimieren.

Der promovierte Sportwissenschaftler Andreas Schlumberger ist im Sommer geholt worden, um als „Supervisor“ die Abläufe und die Kommunikation in der medizinischen Abteilung zu schärfen. „Es wäre toll, wenn wir jemanden holen und gleich gäbe es keine Verletzungen mehr. Das ist jedoch ein Wunschtraum. So etwas braucht Zeit“, sagt Manager Max Eberl. „Wir arbeiten an der Optimierung, aber es geht nicht von jetzt auf gleich“, sagt auch Hecking.

Die Gründe für Verletzungen sind vielfältig. Die Belastung, das Alter der Spieler, ihre körperliche Konstitution, die Abläufe in der Behandlung und in der Reha spielen eine Rolle, zuweilen Glück oder Pech. Der Kreuzbandriss, den sich Strobl beim Testspiel in Leicester zugezogen hat, ist „ein tragischer Unfall“, sagt Eberl. Aktuell ordnet er die Verletztensituation bei den Borussen als „völlig normal“ ein. „Es dürfen nur nicht mehr sechs, sieben oder mehr sein, wie in der letzten Saison“. Tatsächlich liegt Borussia mit fünf Verletzten nur leicht über dem Ligaschnitt. 64 Bundesligaspieler sind derzeit laut „transfermarkt.de“ verletzt, das sind im Schnitt 3,5 pro Verein. Beim kommenden Gegner Frankfurt fehlen auch fünf Spieler, so ist es zum Beispiel bei Borussia Dortmund.

Generell sei die Zahl der Verletzten in den vergangenen Jahren gestiegen, hat Eberl festgestellt. Gerade Muskelverletzungen haben zugenommen. So war es bei Tony Jantschke, der 33 Tage fehlte, ein Muskelfaserriss, der ihn an der Arbeit hinderte, das gab Hecking nun bekannt. „Man muss feststellen, dass die Belastung generell größer geworden ist, körperlich und geistig“, sagt Eberl. In der Ära Lucien Favre spielten die Borussen abwartender, es gab mehr Ruhephasen. Jetzt ist das Spiel schneller und fordernder geworden, es gibt mehr Sprints. Das hat Konsequenzen. „Früher, als ich noch Spieler war, reichte ein Pflegetag. Heute muss jeder Spieler individuell betreut werden – und man muss sich fragen, ob nicht auch eine Belastungsgrenze erreicht ist“, sagt Eberl.

Er versteht die neuen Anforderungen als Herausforderung. „Wir versuchen, die Zahl der Verletzten möglichst zu minimieren. Vielleicht ist Andreas Schlumberger nur der Anfang. Es kann unser Vorteil sein, wenn wir in dem Bereich schneller und besser sind. Dazu müssen die Abläufe immer mehr geprüft und verbessert werden. Wir werden aber nicht alle Verletzungen verhindern können“, sagt er. Um das hinzukriegen, bedürfte es eines Wunderheilers. Gäbe es den, „wäre er mit den 222 Millionen, die Neymar gekostet hat, nicht zu bezahlen“, sagt Eberl.

Sie können mehr von den nachrichten auf lesen quelle

Weer

background