Fußball-WM 2018: Der Fall Erdogan: Gündogan spricht, Özil schweigt


Fußball-WM 2018 Der Fall Erdogan: Gündogan spricht, Özil schweigt Gruppenbild mit umstrittenem Präsident: Ilkay Gündogan (links), Mesut Özil und Cenk Tosun (rechts) mit Recep Tayyip Erdogan.

Die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit Recep Tayyip Erdogan halten den deutschen Fußball weiter in Atem – und das Krisenmanagement des Verbandes ist fragwürdig. Özil fehlt als Einziger beim Medientag, und Ilkay Gündogan spricht nur mit ausgewählten Medien.

Eppan – Der sogenannte Medientag im Trainingslager der Nationalelf ist an sich eine tolle Sache. Es gibt Interviewmöglichkeiten mit allen Spielern, was im abgeschirmten Zirkel des DFB-Teams so oft vorkommt wie eine Niederlage gegen die Fußballzwerge San Marino oder Luxemburg. Auf der sonnigen Hotelterrasse in Eppan an der Weinstraße sind die Tische am Dienstagnachmittag mit naturtrübem Südtiroler Apfelsaft und Namensschildern vorbereitet. Ein Schild jedoch fehlt.

Der DFB lässt vorher ausrichten, dass Mesut Özil sich weiterhin nicht zu dem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan äußern wolle, dass in seinen Augen alles dazu gesagt sei – und dass er deshalb beim besagten Medientag fehlen werde.

Wenn der DFB seine Pforten öffnet, macht Özil also dicht. Wenn alle anderen 22 Nationalspieler reden, schweigt er. Seine Abwehr steht. Felsenfest. Özils Teamkollege Ilkay Gündogan, der Erdogan bei der umstrittenen Zusammenkunft in London ein Trikot mit Widmung überreicht hatte, gab sich etwas offener. Zumindest in einem kleinen Kreis wollte er zu dem politisch hochbrisanten Thema Stellung beziehen. Gündogans Aussagen wurden später vom DFB autorisiert – im Gegensatz zu allen anderen des Medientags und erst am Abend übrigens.

„Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss“

Gündogan also sagte ganz offiziell: „Einige Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen. Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss.“ Für Kritik, so Gündogan weiter, sei er immer offen. „Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deswegen haben wir auch die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich. Genau dafür fühle ich mich privilegiert, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht.“

Für Gündogan sei es eine Erfahrung gewesen, „die nicht leicht war. Wir haben durch unsere türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir je behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Es war nie das Thema, ein politisches Statement zu setzen.“

Die allgemeine Blockade- und Kontrollhaltung des DFB im Fall Özil/Gündogan am Dienstag passte ins Bild der vergangenen Tage. Nach heftiger öffentlicher Kritik hatten sich Özil und Gündogan in Berlin ja mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier getroffen und zuvor ein klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze geführt – danach war die Sache für den Verband und die sportliche Leitung der Nationalelf erledigt.

Schöne, heile Welt in Südtirol

Das zumindest war der Plan. Wenn irgendjemand, sei es Oliver Bierhoff, der Manager, oder Joachim Löw, der Trainer, danach im Interview oder auf den Pressekonferenzen in Südtirol danach gefragt wurde, gab es die Standardantwort: Wir haben mit beiden gesprochen, wir konzentrieren uns aufs Sportliche, die Sache ist abgehakt. Und so weiter. Schöne, heile Welt in Südtirol.

Dass die Sache sich aber nicht wie vom DFB vorgesehen unter den Tisch kehren lässt, zeigte sich auch am Samstag, als vor allem Gündogan beim Test in Klagenfurt gegen Österreich von Teilen der deutschen Fans ausgepfiffen wurde. Mit Spannung darf man nun die Reaktion des Leverkusener Publikums im WM-Test gegen Saudi-Arabien am Freitag erwarten . „Man ist Pfiffe von gegnerischen Fans gewohnt“, sagte Gündogan, „aber wenn die eigenen Fans pfeifen, dann ist es schwierig, damit umzugehen. Mal sehen, wie es in Leverkusen ist.“

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