Jugendliche in der Schuldenfalle

Schuldnerberatung in S-MitteJugendliche in der Schuldenfalle

Rechnen, rechnen, rechnen – das ist der Haupttipp für die Jugend. Foto: dpa

Da staunen die Jugendlichen nicht schlecht: Klaus Harzer rechnet vor, dass satte 945 Euro für das selbstständige Leben in Stuttgart anfallen. Miete, Nebenkosten, Versicherung, Lebensmittel, Smartphone und Ausgehen am Wochenende übersteigen somit leicht die 600 Euro, die Philipp, 19, in seiner Ausbildung zum Fachinformatiker netto verdient. Ein hoher Anteil der Jugendlichen gibt ihr Geld mit vollen Händen aus und rutscht in die Überschuldung ab. Die Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart (ZSB) verstärkt ihre Bemühungen, Heranwachsende mit ihrem Beratungsangebot zu erreichen.

Die ZSB veranstaltet Finanzworkshops für Jugendliche wie Philipp. Diese sollen den Heranwachsenden helfen, nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Martin Tertelmann, Präventionsbeauftragter bei der ZSB und die ehrenamtlichen Helfer Harzer und Lukas Gottschick hatten für vergangenem Montag zum Workshop „Umgang mit Geld“ eingeladen. Thema waren nicht nur die monatlichen Kosten, sondern auch eine Beratung, welche Versicherung unbedingt abzuschließen sei.

Dem Gruppendruck bei Anschaffungen widersetzen

Viele junge Menschen unter 25 Jahren können die anfallenden Kosten für ein eigenständiges Leben nicht überblicken. Vielfach überziehen sie unbedacht ihre Girokonten und kalkulieren die anschließenden Dispozinsen nicht ein. „Auch mehrere Handy-Verträge oder eine Ratenabzahlung auf Kredit sind Wege in die Überschuldung“, sagt Tertelmann. Gottschick und Harzer raten dazu, sich einen Überblick über die persönliche Finanzlage durch schlichte Buchhaltung zu verschaffen. „Wir wollen den Jugendlichen ihre finanziellen Grenzen aufzeigen und ihnen beibringen, sich nicht immer dem Gruppendruck bei Anschaffungen zu beugen“ , sagt Gottschick.

Besonders junge Menschen, die im Niedriglohnsektor etwa als Bäckereifachverkäuferin arbeiteten, seien dafür anfällig, mehr Geld auszugeben als sie verdienen. Ein weiterer Fallstrick ist, sich durch Schwarzfahren zu überschulden. „Die Jugendlichen werden erwischt und können anschließend die laufenden Forderungen der Verkehrsbetriebe nicht bedienen“, sagt Tertelmann. Deshalb ist es wichtig, sofort die Rechnungen zu begleichen und regelmäßig gewisse Summen zu sparen. „Man muss die Summe wie einen Versicherungsbeitrag vom Monatsgehalt abziehen. Nicht mal hier und da sich eine Packung Zigaretten verkneifen“, sagt Harzer. Jugendliche unterschätzten zudem den Abschluss einer Haftpflichtversicherung. „Sie verhindert, dass man sich möglicherweise unverschuldet mit Millionenforderungen konfrontiert sieht, die man im Leben nicht bedienen kann,“ sagt Gottschick.

Für Phillipp hat sich der Workshop gelohnt. „Die Buchführung und Budgetplanung haben auf jeden Fall weitergeholfen“, sagt er.

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