Kategorie -Jugendliche

Tödlicher Schuss jährt sich: Schülerdemonstration in Athen eskaliert


Neun Jahre ist es her: Ein Polizist schießt auf einen 15-Jährigen. Der ist auf der Stelle tot. Jedes Jahr gedenkt die griechische Jugend dieses tragischen Falles, nun kommt es am Jahrestag in Athen zu Randale und Gewalt gegen Polizisten.

Am neunten Jahrestag des Todes eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel ist es in Athen zu Ausschreitungen gekommen. Rund 200 Vermummte schleuderten Steine gegen die Polizei, zerstörten Cafés und andere Geschäfte und zündeten Müllcontainer an. Sie hatten sich zuvor aus einer friedlichen Schülerdemonstration gelöst.

Die Polizei setzte massiv Blendgranaten ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben, wie das Fernsehen zeigte. Anschließend zogen sich die Beamten zurück und beobachteten die Lage aus der Ferne. Die Vermummten zerstörten daraufhin mehrere Ampeln, Verkehrskameras und Bushaltestellen. Sie zündeten mehrere Müllcontainer an. Zwei U-Bahn-Stationen mussten geschlossen werden. Aus Polizeikreisen hieß es, die Beamten hätten den Befehl erhalten, Distanz zu halten, damit es zu keinen schweren Zusammenstößen und Verletzungen komme.

Der konservative Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis warf der linken Regierung auf Twitter vor, der Polizei nicht zu erlauben, ihre Arbeit zu machen. „Nocheinmal chaotische Szenen im Zentrum Athens“, schrieb Mitsotakis. Am Abend gingen erneut Demonstranten auf die Straßen. Diesmal waren es verschiedene autonome und anarchistische Gruppierungen sowie Mitglieder außerparlamentarischer Linksparteien. Diese Demonstration verlief zunächst friedlich, wie die Polizei mitteilte.

Insgesamt waren mehr als 2500 Beamte im Einsatz, hieß es aus Polizeikreisen. Nach dem Tod des damals 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos war Griechenland im Dezember 2008 von einer beispiellosen Welle der Gewalt erfasst worden. Randalierer zerstörten Geschäfte in Athen und anderen Städten. Parallel demonstrierten Zehntausende Jugendliche friedlich gegen Staatsmacht, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Die schweren Ausschreitungen dauerten fast eine Woche lang. Im Oktober 2010 wurde der Schütze zu lebenslanger Haft verurteilt.



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Mindestens 28 Mädchen bei Brand in Kinderheim getötet

GuatemalaMindestens 28 Mädchen bei Brand in Kinderheim getötet

Trauer in Guatemala: Beim Brand eines Jugendheims sind mindestens 28 Mädchen ums Leben gekommen. Foto: AP

Nach einem Feuer in einem Heim für Kinder und Jugendliche in Guatemala ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 28 gestiegen. Mehrere Jugendliche seien in der Nacht ihren schweren Verbrennungen erlegen, teilten Krankenhaussprecher am Donnerstag mit. Randalierende Jugendliche hatten am Vortag in der Einrichtung in der Ortschaft San José Pinula nahe Guatemala-Stadt Matratzen in Brand gesteckt. Das Feuer griff schnell auf den Rest des Anwesens über.

Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. „Die Regierung bedauert den Tod der Mädchen und Jugendlichen zutiefst“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Nationalflaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt.

Heim stand wegen mutmaßlichen Missbrauchs in der Kritik

38 Jugendliche wurden in Krankenhäusern behandelt. Viele Verletzten waren in einem kritischen Zustand. „Sie haben Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten“, sagte der Direktor des Roosevelt-Hospitals in Guatemala-Stadt, Carlos Soto, der Zeitung „Prensa Libre“. „Die Verbrennungen, die ich gesehen habe, betreffen 50 Prozent der Körperoberfläche.“

Im Hospital San Juan de Dios wurden 16 Jugendliche mit schweren Verbrennungen behandelt. „Einige wurden operiert. Andere werden künstlichen beatmet“, sagte Klinikdirektor Juan Antonio Villeda.

Die Jugendeinrichtung wird von der staatlichen Wohlfahrt betrieben. In dem Haus leben Kinder und Jugendliche, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Allerdings wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in der Einrichtung untergebracht. Das führte zu erheblichen Spannungen.

Die gemeinsame Unterbringung sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas. Die Chefjuristin der Regierung, Anabella Morfin, verwies darauf, ihre Behörde habe zuletzt bei zwei Richtern um die Verlegung besonders auffälliger Jugendlicher gebeten. Die Genehmigung sei aber nicht erteilt worden. „Diese Tragödie hätte verhindert werden können“, sagte Morfin.

Zuletzt hatten sich die Minderjährigen über schlechte Behandlung durch die Betreuer und schlechtes Essen beschwert. Nach Angaben einiger Parlamentarier gab es seit 2015 Hinweise darauf, dass Jugendliche aus der Einrichtung als Prostituierte rekrutiert wurden.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef bedauerte das Unglück. „Diese Mädchen, Jungen und Jugendliche müssen beschützt werden“, schrieb die Organisation auf Twitter. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, forderte eine rasche Aufklärung des Vorfalls.

Die Generalstaatsanwaltschaft leitete eine Ermittlung ein. „Der Vorfall ist sehr bedauerlich. Als Staat müssen wir uns fragen: Was tun wir?“, sagte Generalstaatsanwältin Thelma Aldana. Der Kongress forderte die verantwortlichen Beamten zum Rücktritt auf. Zudem beantragten die Abgeordneten die Schließung des Heims.

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Unicef schlägt Alarm: Millionen syrische Kinder brauchen Hilfe


Der Krieg in Syrien betrifft auch und vor allem diejenigen, die am wenigsten dafür können: Millionen Kinder und Jugendliche sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein neuer Unicef-Bericht.

Kinder und Jugendliche leiden besonders unter den Folgen des Syrienkonflikts: Mehr als fünf Millionen Minderjährige sind in dem zerrütteten Staat auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das geht aus einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Demnach wurden in Syrien allein in der ersten Jahreshälfte 2017 mehr als 300 Kinder getötet und mehr als 200 Minderjährige verletzt.

Deutschlands Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider (l.) und Unicef-Regionaldirektor Mittlerer Osten und Afrika, Geert Cappelaere stellten den Bericht in Berlin vor.

„Der Krieg in Syrien ist alles andere als vorbei“, betonte Geert Cappelaere, der Unicef-Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika. „Das Ausmaß der von Menschen gemachten Zerstörung ist unvorstellbar.“

Im vergangenen Jahr haben die Vereinten Nationen rund 2500 Fälle von schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Minderjährige dokumentiert. Laut Unicef war 2016 das „bisher brutalste Jahr“ für Kinder in dem Bürgerkriegsland. Auch in diesem Jahr habe es schwere Gewalttaten gegeben: Mindestens 322 Kinder wurden laut Unicef in der ersten Jahreshälfte 2017 getötet. Viele weitere seien verstümmelt oder als Kindersoldaten rekrutiert worden.

An Rückkehr Geflüchteter „nicht zu denken“

„Jedes Kind, das ich getroffen habe, hat eine erschütternde Geschichte von Tod, Vertreibung und Verlust zu erzählen“, erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Bei einer Reise nach Syrien im November sei er selbst Zeuge des „unglaublichen Ausmaßes“ der Zerstörung geworden. In Aleppo habe sich ihm ein „apokalyptisches Trümmerbild“ geboten, sagte Schneider.

Auch in vermeintlich stabilen Regionen gehe eine unvermindert große Gefahr von versteckten Minen und Blindgängern aus. „Für Kinder, die über Trümmer klettern und dort spielen, ist das wirklich lebensgefährlich“, betonte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland. An eine Rückkehr von geflüchteten Kindern sei derzeit „nicht zu denken“.

Mit Unicef-Hilfe soll Kindern auch wieder der Schulbesuch ermöglicht werden.

Der Syrienkonflikt hat Unicef zufolge eine der größten Fluchtkrisen der Welt ausgelöst. Rund sechs Millionen Syrer seien derzeit Flüchtlinge im eigenen Land, fünf Millionen weitere Menschen seien in die Nachbarländer geflohen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist dem Kinderhilfswerk zufolge dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Demnach leben 69 Prozent der Syrer in extremer Armut und verfügen umgerechnet über weniger als zwei US-Dollar am Tag.

Spendenkampagne läuft

Da sich viele Familien in einer finanziellen Notlage befänden, seien sie auf die Arbeitskraft ihrer Kinder angewiesen. Vor dem Konflikt wies Syrien unter Grundschülern eine Einschulungsrate von fast hundert Prozent auf – derzeit können 1,75 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Von den unter 25-Jährigen seien drei Viertel arbeitslos.

Das Kinderhilfswerk warnte in diesem Zusammenhang vor dem Heranwachsen einer „verlorenen Generation“. Langfristig könne der Bildungsnotstand dazu führen, dass in Syrien qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Deswegen müsse „alles getan werden“, um die Zukunft der Kinder zu sichern.

Angesichts des einsetzenden Winters hat Unicef eine große Spendenkampagne begonnen. In Nordsyrien, wo sich die Temperaturen bereits jetzt um den Gefrierpunkt bewegen, werde dringend Hilfe benötigt. Das Kinderhilfswerk will in den kommenden Wochen Hunderttausende Kinder mit warmer Kleidung, Decken und Heizöfen versorgen.

„Es besteht die Sorge, dass gedanklich die Karawane weiterzieht und Syrien an Aufmerksamkeit verliert“, sagte Schneider. Das dürfe auch im achten Kriegsjahr unter keinen Umständen passieren: „Zur Kriegskatastrophe darf nicht noch eine Winterkatastrophe hinzukommen.“



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Erziehung: Zu harte Erziehung produziert Versager

Obwohl es Eltern verboten ist, ihre Kinder zu schlagen, praktizieren immer noch viele eine Erziehung mit harter Hand oder harten Worten. Aber: Übermäßig strenge Erziehung geht oft nach hinten los. Eine Langzeitstudie belegt, dass sie dem Schul- und Lebenserfolg eines Kindes schaden kann.

Eine besonders strenge Erziehung führt nicht zu besonders guten Leistungen – sondern vielfach sogar zu Schulversagen. Derart erzogene Heranwachsende orientierten sich stärker an Freunden als an ihren Eltern, berichten Forscher im Fachmagazin „Child Development“. Sie geben demnach eher an, Zeit mit Freunden zu verbringen statt Hausaufgaben zu machen, oder Regeln zu brechen, um Freunde zu behalten. Als „harte Erziehung“ galten bei der Analyse Anschreien, Schlagen und die Androhung von verbalen oder körperlichen Strafen.

Die Forscher um Rochelle Hentges von der Universität Pittsburgh hatten Daten von 1060 Teilnehmern der Langzeitstudie „Maryland Adolescent Development in Context“ (MADICS) genutzt. Die Studie handelt vom Einfluss sozialer Bedingungen auf die akademische und psychosoziale Entwicklung Heranwachsender vom 12. bis 21. Lebensjahr. Erfasst wird, inwiefern die jungen Menschen verbalen oder körperlichen Attacken ihrer Eltern ausgesetzt waren. Zudem gibt es Fragen zur Interaktion mit Gleichaltrigen, kriminellem Verhalten und Sexualität. Abschließend wird der höchste erreichte Bildungsabschluss abgefragt.

Streng erzogene Kinder schlagen später über die Stränge 

Die Forscher stellten fest, dass die Kinder, die in der siebten Klasse sehr streng und aggressiv erzogen wurden, zwei Jahre später Gleichaltrige und Freunde oft als wichtiger ansahen als elterliche Regeln. Dies wiederum führe zu einem riskanteren Verhalten in der elften Klasse. Während Mädchen früher sexuell aktiv seien, zeigten Jungen einen größeren Hang zu Kriminalität als moderat erzogene Gleichaltrige. Dies wiederum beeinflusse den Schulerfolg und führe zu höheren Abbruchraten in High School oder College.

„Jugendliche, deren Bedürfnisse nicht durch ihre primären Bezugspersonen erfüllt werden, suchen Bestätigung bei Gleichaltrigen“, erklärt Hentges. Das könne zu gesteigerter Aggression, Kriminalität und frühem Sexualverhalten führen – auf Kosten von Langzeitzielen wie einem höheren Bildungsabschluss.

Gewalt in der Erziehung ist auch in Deutschland verbreitet

Überraschend seien diese Zusammenhänge nicht, sagt Holger Ziegler von der Universität Bielefeld. Die Studie bestätige, „dass sich Beschimpfungen und Körperstrafen nicht gedeihlich auf die Entwicklung junger Menschen auswirken“. Der Erziehungswissenschaftler hatte 2013 mit einer Umfrage gezeigt, dass Gewalt für viele Heranwachsende in Deutschland noch immer Alltag ist. Fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen wird demnach von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen.

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„Die Anonymität erleichtert den Kontakt“

Online-Beratung für Jugendliche und Eltern„Die Anonymität erleichtert den Kontakt“

Sigrun Schmiedl-Hellwig kann jeden Hilfesuchenden  in Deutschland  beraten. Dazu braucht sie nur ihren Laptop. Foto: factum/Granville

Böblingen – Bankgeschäfte, Einkaufen, Reisen buchen – längst erledigen viele Menschen solche Dinge selbstverständlich online. Dieser Wandel reicht aber weiter. Auch psychologische Beratungsstellen nutzen mittlerweile die Möglichkeiten der virtuellen Welt. Speziell an Jugendliche und Eltern richtet sich das die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) mit ihrer Online-Beratung. Daran beteiligt sich seit anderthalb Jahren Sigrun Schmiedl-Hellwig von der psychologischen Beratungsstelle des Kreises Böblingen.

Frau Schmiedl-Hellwig, wer wendet sich an Sie?
Wir sind ein bundesweites Angebot, das die Jugendministerkonferenz bereits 2003 beschlossen hat. Seit anderthalb Jahren beteiligt sich der Kreis Böblingen mit mir von der Böblinger Beratungsstelle daran. Unsere virtuelle Beratung richtet sich an Jugendliche im Alter bis 21 Jahre und an Eltern mit Erziehungsfragen.
Welche Fragen haben die Jugendlichen?
Die meisten Nutzer sind 15 bis 18 Jahre alt. Es geht viel um das Thema Liebe und Sexualität. Aber auch um Stress in der Schule, Mobbing und Ausgegrenztwerden, Streit mit den Eltern. Es wenden sich auch viele mit Ängsten und Sinnfragen an uns.
Und die Eltern?
Da geht es um ganz klassische Erziehungsthemen. Viele Eltern wollen wissen, wie sie mit dem Medienkonsum ihrer Kinder umgehen können. Oder auch, wie sie reagieren sollen, wenn das Kind immer wieder ausrastet. Dauerbrenner sind Pubertätsprobleme und Trennung/Scheidung
Wie beraten Sie?
Wir haben verschiedene Formen. Es gibt die webbasierte Mailberatung. Da schickt man uns eine Mail mit seinem Anliegen, und wir antworten per Mail darauf. Daraus entwickelt sich häufig ein längerer Kontakt. Dann haben wir Chats: Beratung im Einzelchat, aber auch Gruppenchats – offene und themenbezogene, zum Beispiel zum Thema Drogensucht oder Schulstress. Daran können bis zu 15 Leute gleichzeitig teilnehmen. Die Termine werden auf der Webseite angekündigt. Die offenste Form sind Foren, in denen die Teilnehmer untereinander in Kontakt treten. Ähnlich einer Selbsthilfegruppe, die aber immer von einem Berater fachlich moderiert wird.
Was ist anders bei der virtuellen Beratung als bei der Face-to-face-Situation?
Ich erhalte keine direkte Reaktion auf das, was ich schreibe. Deswegen muss ich viel genauer formulieren und überlegen, wie meine Formulierungen ankommen.
Können Sie ein Beispiel geben?
Wenn mir eine Mutter erzählt, dass sie ihrem Kind gelegentlich einen Klaps gibt, dann kann ich in der Face-to-face-Beratung auch durch nonverbale Signale meinem Gegenüber mitteilen, dass das keine akzeptable Erziehungsmethode ist. Aber wenn ich das so direkt in eine Mail schreibe, besteht die Gefahr, dass der Kontakt abbricht.
Was schreiben Sie dann?
Ich formuliere vielleicht so: „Ich kann verstehen, dass es Situationen gibt, in denen Sie sich überfordert fühlen und sich nicht anders zu helfen wissen. Sollen wir uns diese genauer anschauen?“
Das funktioniert?
Ja. Ein Vorteil der Online-Beratung ist, dass man viel schneller direkt auf den Punkt kommt. Durch die Anonymität trauen sich die Nutzer mehr als bei direkten Gesprächen, vor allem bei so sensiblen Themen wie sexueller Missbrauch oder auch Gewalt.
Da kommen Sie aber vermutlich schnell an Ihre Grenzen.
Wir können virtuell nur beraten, nicht therapieren. Aber wir vermitteln Jugendliche auch weiter an Beratungsstellen. Vor allem können wir Ängste abbauen. Für Jugendliche ist eine psychologische Beratung häufig schambehaftet, man ist ja nicht „verrückt“. Da können wir informieren und Vorurteile abbauen.
Gelingt diese Vermittlung ?
Ja. Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen. Manche bleiben noch in Kontakt mit uns, fragen, ob sie bestimmte Dinge dem Therapeuten erzählen sollen.
Der Umgangston im Netz ist lockerer als bei klassischen Beratungen?
In den Foren und Chats der Jugendlichen sind alle per du, auch ich als Beraterin. Die Online-Beratung hat auch die Qualität meiner Arbeit in der klassischen Beratung verändert. Ich formuliere jetzt in direkten Gesprächen noch bewusster.
Wie viele Berater sind Sie?
Bundesweit sind wir insgesamt 85 Berater, in Baden-Württemberg fünf in vier Beratungsstellen. Ich bin die einzige aus dem Kreis Böblingen. Aber ich weiß nicht, woher meine Klienten sind. Ich chatte mit Leuten aus ganz Deutschland. Alles ist anonym. Auch die Nutzer wissen nicht, wer ich bin und wo ich arbeite.
Erreichen Sie mit diesem Angebot mehr Leute als durch die klassische Beratung?
Wir erreichen vermutlich andere Leute, die sonst vielleicht nicht den Weg zu uns finden würden. Ich denke, es ist eine Form, junge Leute zu erreichen. Deshalb wollte ich auch unbedingt in die Online-Beratung einsteigen und habe die Fortbildung dazu gemacht.

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Handykonsum kann gut für Ihr Kind sein: Überraschende Studie

Sie machen sich Sorgen, weil Ihr Kind zu viel Zeit am Handy und vor dem Computer verbringt? Dann wird Sie diese neue Studie wahrscheinlich etwas beruhigen. Denn Forscher haben nun festgestellt, dass Jugendlichen der Gebrauch des Smartphones unter bestimmten Bedingungen sogar gut tut.

Ob vor dem Fernseher, an der Spielkonsole, am Computer oder am Handy – Kinder verbringen ihre Freizeit gerne vor Bildschirmen. Britische Wissenschaftler haben nun eine Studie im Fachjournal „Psychological Science“ veröffentlicht, die Jugendliche freuen und Eltern zumindest ein wenig besänftigen dürfte. Bis zu einem gewissen Maß steigert die Zeit vor dem Bildschirm nämlich das Wohlbefinden der Kinder – jedenfalls nach eigenen Angaben der Jugendlichen.

Ablauf der Studie

„Als wir die vorhandene Literatur zur Nutzung digitaler Medien als Wissenschaftler und als Eltern betrachteten, sahen wir ein Gebiet, das reich an Meinungen ist, aber kaum Beweise liefert“, erklären Andrew Przybylski, Leiter der Studie von der Universität Oxford und seine Co-Autorin Netta Weinstein von der Cardiff Universität ihre Idee für die Studie.

Deshalb werten die Forscher Daten von mehr als 120.000 britischen Jugendlichen im Alter von 15 Jahren aus. Dafür greifen sie auf die nationale Schülerdatenbank des britischen Bildungsministeriums zurück. In einer wissenschaftlichen Befragung geben die Teenager Auskunft über ihr Wohlbefinden in Verbindung zur Bildschirmnutzung, mit welchen digitalen Aktivitäten sie sich beschäftigen und wie viel Zeit sie damit verbringen.

Das Ergebnis

99 Prozent der Teenager geben an, mindestens einer digitalen Beschäftigung am Tag nachzugehen. Spitzenreiter ist dabei das Smartphone. Außerdem verbringen sie an Wochenenden mehr Zeit vor dem Bildschirm als an Werktagen.

Es konnte sogar eine bestimmte Zeitdauer durch die statistische Erhebung ermittelt werden, nach der das Wohlbefinden der Jugendlichen nach einer Aktivität pro Tag durchschnittlich besonders hoch ist. An Wochentagen ist dies nach Auswertung der Forscher für folgende Werte der Fall:

  • 1 Stunde und 40 Minuten für Videospiele am Computer oder der Spielkonsole
  • 1 Stunde und 57 Minuten für Handynutzung zum Pflegen sozialer Kontakte
  • 3 Stunden und 41 Minuten für Filmeschauen am Fernseher
  • 4 Stunden und 17 Minuten für den Computer zum Surfen im Internet und zum Email schreiben

Am Wochenende lägen die Werte jeweils um 25 Minuten bis zu einer Stunde höher. Und selbst nach Überschreitung der „Wohlfühlzeit“ habe die weitere Nutzung der Medien nur einen schwachen negativen Effekt auf das Wohlbefinden der Teenies.

Streitthema digitale Medien

„Digitale Medien gehören heute einfach zur modernen Kindheit dazu. Je nachdem, wen Sie fragen, sind sie entweder dafür geeignet, um eine Generation von digitalen Experten zu schaffen oder schädlich, weil sie junge Menschen auf alle möglichen Arten von ihren eigentlichen Pflichten abhalten“, sagt Przybylski. „Unsere Arbeit bestätigt, dass politische Leitlinien zur Bildschirmnutzung auf Arbeiten basieren sollten, die explizite Annahmen über mögliche technische Folgen untersuchen.“

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es sich mit der Nutzung der digitalen Medien wie mit so vielem verhält: Genuss in Maßen und nicht in Massen. Solange Jugendliche ihre Pflichten nicht vernachlässigen, können Sie als Elternteil der Studie zufolge also auch mal ein Auge zudrücken und so das Wohlbefinden Ihrer Kinder erhöhen.

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Netflix‘ erste deutsche Serie: Düster, dunkel, „Dark“

In Winden ist es düster. Die Serie „Dark“ trägt ihren Namen schon zu Recht. Im deutschen Wald entfaltet sich der Sci-Fi-Grusel für ein Weltpublikum. Baran bo Odar und Jantje Friese erzählen n-tv.de von ihrem ganz besonderen Netflix-Debüt.

Winden ist ein beschauliches Städtchen im mittleren Schwarzwald mit knapp 3000 Einwohnern. In der neuen Fernsehserie „Dark“ wird der Ort zum Mittelpunkt des Verbrechens. Die Einwohner haben von den Dreharbeiten nichts mitbekommen. Denn produziert wurden die zehn Episoden in Berlin, zum Teil mit Hilfe von Computeranimation.

Der 1. Dezember ist für Netflix ein denkwürdiger Tag. Erstmals versucht sich den US-Streamingdienst, der ebenso wie Amazon Prime in den vergangenen zwei Jahren wie ein Wirbelwind Deutschlands Serienunterhaltung aufmischte, mit einer in Deutschland hergestellten Serie auf dem internationalen Markt durchzusetzen – bei einem Publikum von derzeit knapp 110 Millionen Abonnenten in 190 Ländern, wie das Unternehmen derzeit angibt.

Zugriffszahlen unbekannt

Dabei haben andere schon vorgelegt: zum Beispiel der vermutlich drittstärkste Streamingdienst Deutschlands, die ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome, die im Januar die Comedy „Jerks“ mit Fahri Yardim und Christian Ulmen veröffentlichte und in Staffel zwei geht. Und auch Netflix-Konkurrent Amazon Prime, der mit großem Tamtam im Frühjahr Matthias Schweighöfers sechsteilige Thrillerserie „You are Wanted“ auf Sendung schickte und ebenfalls bereits die zweite Staffel ankündigte.

Alles in allem müssen Amazon Prime und Maxdome mit den Klickzahlen zufrieden gewesen sein, denn sonst gäbe es kaum Anschlussproduktionen. Andererseits geben die Dienste nie genaue Nutzerzahlen bekannt, so wie es die öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sender linearer Prägung tun. Das heißt, das Freizeitverhalten vieler Deutscher, die nur noch der Fiktion wegen im Internet unterwegs sind, wird künftig weitgehend ein Rätsel bleiben. Auch wer sich „Dark“ anschaut, wird nicht genau zu ermitteln sein.

Deutschland-Version von „Twin Peaks“

Wer „Dark“ verpasst, versäumt eine der TV-Serien, die – wie ihr Produzent Quirin Berg sagt – als eine der wenigen in Deutschland horizontal erzählt werden. Das heißt, nicht in abgeschlossenen Episoden, sondern in einem Rutsch durch. Der Vorteil: „Da wir die Figuren immer weiter entwickeln, haben wir die Chance, einen ganz anderen Sog zu entwickeln“, sagt Berg.

In der Coming-of-Age-Story, die an eine Deutschland-Version des Mystery- und Thrillerklassikers „Twin Peaks“ erinnert, geht es um vier verschiedene Familien und um zwei verschwundene Kinder mit Zeitreisen in die 1950er- und 1980er-Jahre. Neben zwei Jungdarstellern wie Louis Hoffmann und Lisa Vicari sind bewährte Kräfte wie Oliver Masucci, Jördis Triebel, Mark Waschke, Karoline Eichhorn, Sebastian Rudolph, Anatole Taubman, Maja Schöne und Stephan Kampwirth dabei.

„Dark“ ist ab dem 1. Dezember abrufbar über Netflix.



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„Freaky Friday“ soll Filderstadt partytauglich machen

Filderstadt„Freaky Friday“ soll Filderstadt partytauglich machen

Tanzen und feiern können Jugendliche bei der neuen Veranstaltungsreihe des Jugendgemeinderats von Filderstadt von Oktober an. Foto: dpa

Filderstadt – Tote Hose – diese Worte dürften bei einem Großteil der Filderstädter Jugendlichen zutreffen, wenn es um die Partytauglichkeit ihrer Stadt geht. Teenager und junge Erwachsene, die in ihrer Freizeit feiern oder tanzen wollen, zieht es seit jeher auf die Stuttgarter Partymeile. Das soll sich nach dem Willen des Jugendgemeinderates ändern.

„Eine Filderstädter Partykultur existiert nicht“, sagte Florian Wußmann vom JGR. Der Ruf der Kommune sei bei Jugendlichen als langweilig verschrien. Die gewählten Jugendvertreter wollen Filderstadt deshalb partytauglich machen. Hierfür hat sich das Gremium den bekannten Veranstalter „Filly’s Finest“ ins Boot geholt, um gemeinsam ein neuartiges sowie nachhaltiges Konzept für die Zielgruppe im Altersbereich des Jugendgemeinderates zu erstellen. Gelingen soll dies mit der Veranstaltungsreihe „Freaky Friday“ in den Räumen des Club Hotspot, die am 27. Oktober beginnt und dann jeden letzten Freitag im Monat durchgeführt werden soll.

Konzeptionell teilt sich die Party in zwei Teile. Unter Berücksichtigung des Jugendschutzgesetzes können Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren von 20 bis 0 Uhr im Clubsixteen feiern. Dementsprechend soll im Clubsixteen eine angepasste, entschärfte Getränkekarte ohne branntweinhaltige Getränke ausgeschenkt werden. Alkoholfreies soll stets zu günstigeren Preisen angeboten werden.

Partygänger, die über 18 Jahre sind, dürfen von 22 Uhr nachts bis 5 Uhr morgens im sogenannten Doubletime die Bude rocken. Damit Filderstadt wieder partytauglich wird, wollen die Initiatoren über Social-Media-Kanäle und Flyer für die Veranstaltung werben. Durch die Partyreihe wolle man versuchen, an alte Hochzeiten der Filderstädter Feierkultur wie das „UFO“ anzuknüpfen, sagte Wußmann. Die durch den JGR initiierte Nachtbuslinie N 92 wird in die Konzeption des Projekts eingebunden.

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„Alarmierende Entwicklung“: Mehr Jugendliche saufen bis zum Notfall


Jahrelang ging die Zahl der Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung in Notaufnahmen behandelt werden mussten, zurück. Doch neue Zahlen beunruhigen die Mediziner. Vor allem im Osten ist Komasaufen wieder auf dem Vormarsch.

Die Zahl der mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelten Kinder und Jugendliche steigt erstmals seit 2012 wieder. Im vergangenen Jahr kamen bundesweit 22.309 Zehn- bis 20-Jährige völlig betrunken in die Klinik. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit hatte die Daten recherchiert.

Im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich um einen Anstieg um 1,8 Prozent. Bei den 15- bis 20-Jährigen ist der Anstieg mit zwei Prozent auf 19.679 Betroffene dabei höher als bei den Zehn- bis 15-Jährigen. In den drei Jahren zuvor hatte die Zahl der Betroffenen stetig abgenommen. 2016 waren 12.972 Jungen und junge Männer betroffen und 9337 Mädchen und junge Frauen. Die meisten Kinder und Jugendlichen mit Alkoholvergiftung gab es seit 2000 mit 26.673 im Jahr 2012, zehn Jahre zuvor waren es nur 12.807.

Die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern ist sehr unterschiedlich. So gab es in Sachsen-Anhalt einen Anstieg um 26,2 Prozent, in Brandenburg um 20,9 und in Sachsen um 11,9 Prozent. Den größten Rückgang verzeichneten Berlin mit minus 6,3 Prozent sowie Bremen und Schleswig-Holstein mit jeweils minus 6,1 Prozent. „Dass jetzt erstmals seit drei Jahren die Zahlen wieder ansteigen, ist eine alarmierende Entwicklung“, sagte der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm.

Immer wieder erregen Fälle von Komasaufen bei Jugendlichen Aufsehen – auch in den vergangenen Monaten. So trank eine Realschülerin in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern während der Unterrichtszeit fast eine Flasche Wodka und kam per Rettungswagen ins Krankenhaus. Am Berliner Alexanderplatz griff die Polizei eine 13-Jährige auf, die sich mit Wodka aus einem Spätkiosk bewusstlos getrunken hatte. In Stralsund betranken sich eine Zwölf-Jährige und ein 14-Jähriger auf dem Schulhof mit Schnaps. In Garmisch-Partenkirchen griff die Polizei eine bewusstlose 13-Jährige in einem Wald auf, die von älteren Jugendlichen zum Trinken verleitet worden war.

Erst im Mai hatte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Rückgang beim Alkoholkonsum von Jugendlichen gemeldet. Demnach greift durchschnittlich jeder zehnte befragte Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren einmal in der Woche zu alkoholischen Getränken. 2004 waren es noch mehr als doppelt so viele (21,2 Prozent). Nicht zuletzt über das Internet können Jugendliche leicht an harten Alkohol kommen – auch über genau auf die Zielgruppe zugeschnittene Angebote, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warnt.



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Jugendliche müssen bei der Hausarbeit helfen

Kleine Kinder helfen noch gern bei der Hausarbeit. Bei Jugendlichen sieht es schon anders aus. Was viele nicht wissen: Kinder und Jugendliche sind gesetzlich zur Mithilfe im Haushalt verpflichtet. Erziehungsberater geben Tipps, wie Eltern ihre Kinder zum Anpacken bewegen und welcher Aufgaben zumutbar sind.

„Kinderarbeit ist verboten!“, grinst der 14-jährige Roman seiner Mutter frech ins Gesicht, als diese ihn dazu auffordert, den Tisch abzuräumen. Doch damit kommt er nicht weit, denn Andrea kennt sich aus mit den Gesetzen. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet zwar die Kinderarbeit, erlaubt aber ausdrücklich „die Beschäftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt“.

Ältere Kinder dürfen mehr

Ab der Grundschule ist es realistisch, dass Kinder kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen. Dazu gehören Dinge wie Müll entsorgen, den Tisch abräumen oder den Boden im Kinderzimmer für das Staubsaugen zu entrümpeln. „Am besten spricht man die Aufgabenverteilung in der Familie ab und fragt das Kind, welche es übernehmen würde“, rät Maria Große Perdekamp, Leiterin der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). 

Je älter die Kinder sind, desto größer wird das Spektrum: Tätigkeiten in Haushalt und Garten, Botengänge, die Betreuung von Kindern oder Senioren sowie Einkaufstätigkeiten sind ihnen zuzumuten.

Ab 14 sind sieben Stunden pro Woche angemessen

Das Bürgerliche Gesetzbuch (§1619 BGB) sieht das Mithelfen gar als Gegenleistung für den Erziehungsauftrag und das Dach über dem Kopf. Dass man den Nachwuchs dabei nicht zum Aschenputtel macht, versteht sich von selbst und auch der Entwicklungsstand und die Kräfte des Kindes müssen von den Eltern berücksichtigt werden. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres betrachtet der Bundesgerichtshof sieben Stunden Mithilfe im Haushalt pro Woche als angemessen. Ist jemand krank, besteht ein Notfall oder müssen beide Eltern voll arbeiten, dann kann sich die Stundenzahl noch erhöhen.

Mit seiner persönlichen Haushaltshilfe darf man aber auch einen Jugendlichen nicht verwechseln. Fühlt dieser sich ausgenutzt, so steht ihm nämlich der Gang zum Jugendamt offen.

Es muss nicht immer Geld zur Belohnung sein

Roman entscheidet sich dann doch lieber murrend fürs Tisch abräumen, versucht es aber noch auf einem anderen Weg: „Moritz bekommt immer Geld, wenn er mithilft. Das könnten wir doch auch mal einführen?“ Seine Mutter ist davon nicht begeistert. Sie bekommt ja auch kein Geld dafür, wenn sie seine Sportsocken wäscht.

Ob man Kindern und Jugendlichen Leistungen im Haushalt bezahlen sollte oder nicht, darüber scheiden sich die Geister. Es gibt zahlreiche Varianten: Die einen zahlen kleine Beträge für die Hilfe und geben dafür kein Taschengeld. Die anderen erwarten kleine Arbeiten wie Tischabräumen und entlohnen Zusatzaufgaben wie Autowaschen.

Weitere entscheiden sich für eine Putzfrau, zu deren Bezahlung Jugendliche seinen Teil beitragen muss. Die Variante, außergewöhnliche Arbeiten mit Außergewöhnlichem zu belohnen, wird von Erziehungsberatern als „pädagogisch wertvoll“ empfohlen. Zur Belohnung muss es nicht immer Geld geben, denkbar sind auch ein Ausflug, eine Zeitschrift oder für die Kleinen eine Extra-Vorlesestunde.

„Wenn man als Jugendlicher wie ein Erwachsener behandelt werden will, dann sollte man sich auch wie einer benehmen“, findet Norbert, Vater von zwei Söhnen und einer Tochter. „Dazu gehört für mich, ein paar kleinere Aufgaben im Haushalt zu übernehmen – ohne monetäre Gegenleistung.“ Zwischen den Geschlechtern macht er keinen Unterschied: „Ich finde es einfach wichtig, dass Theresa auch einen Nagel in die Wand schlagen kann und die Jungs die Funktionen der Waschmaschine kennen.“

Die Schule darf nicht zu kurz kommen

Eleonore meint dagegen: „Ein bisschen mithelfen ist okay, mal den Tisch abräumen oder so, aber eigentlich finde ich, dass die Kids von heute genug zu tun haben. Wenn ich mir das Schulpensum meiner Großen anschau, das entspricht doch einer 40-Stunden-Woche. Ich finde, sie sollte ihre Freizeit lieber mit Sport und Freunden verbringen. Putzen muss sie doch noch früh genug!“

Jugendliche haben bei der Mithilfe im Haushalt nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Wenn die familiären Aufgaben ihren schulischen Erfolg verhindern, etwa weil kaum Zeit für das Lernen bleibt, sind sie nicht zulässig. Denn der Schulbesuch sollte analog zum Jugendarbeitsschutzgesetz auch bei Familienarbeit als geschützt gesehen werden, erklärt Gerd Engels von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ). Auch häusliche Arbeit vor und während der Schulzeit sei demnach verboten.

Hauptanteil der Hausarbeit sollte bei Eltern liegen

Zwischen Pflichten im Haushalt und Freizeit muss ein passender Mittelweg gefunden werden. Grundsätzlich sollten sich Jugendliche angemessen beteiligen. „Zwei Drittel des Zeitkontingents sollten aber die Eltern übernehmen“, sagt Klaus Neumann, Psychologe aus München.

Aber es ist auch nicht sinnvoll, die Kinder vor der Hausarbeit zu verschonen. Denise musste zu Hause nie mithelfen und bereut es jetzt: „Es ist mir nicht bekommen. Ich habe echt ein Problem, Ordnung zu machen und sie auch beizubehalten.“

Das Elternhaus: Hotel oder Zuhause?

Letztendlich muss jede Familie für sich entscheiden, wie der Haushalt gehandhabt wird. „Es gibt nur selten Grund, die tägliche Praxis zu verändern, wenn die Erwachsenen fröhlich und zufrieden sind – unabhängig davon, was wir Experten meinen oder schreiben“, sagt dazu der Familientherapeut Jesper Juul. Er wundert sich aber über Eltern, die sich beklagen, ihre Kinder benähmen wie in einem Hotel. „Meine – zugegeben – ein wenig schroffe Antwort lautet meistens, dass Jugendliche dies in der Regel tun, wenn ihre Eltern ihnen auch nicht mehr angeboten haben, als ein Hotel seinen Gästen anbietet, nämlich guten Service.“

Helfen heißt nicht nur putzen

Kleine Aufgaben in der Familie haben eine große Bedeutung: Es tut jedem Menschen gut, wenn er etwas für die Gemeinschaft tun kann und merkt, dass er gebraucht wird. Das muss nicht heißen, dass jedes Kind spült oder Waschbecken putzt. „Meine Tochter kann Hausarbeit überhaupt nicht leiden. Aber sie passt gerne auf ihre kleineren Geschwister auf, spielt mit ihnen oder erklärt ihnen die Hausaufgaben. Auch geht sie immer klaglos einkaufen, wenn ich Kleinigkeiten vergessen habe“, freut sich Eleonore.

Wenn Kinder auf die jüngeren Geschwister aufpassen müssen, ist das grundsätzlich okay. Eltern haben aber nach wie vor für alle Kinder die Fürsorgepflicht. Wenn sich Jugendliche vom Babysitten überfordert fühlen, muss das offen besprochen werden.

Kindern feste Aufgaben zuteilen

Am sinnvollsten ist, gemeinsam zu überlegen, welche Aufgaben das Kind übernehmen kann und möchte, wie der zeitliche Rahmen aussieht und unter welchen Umständen Arbeit aufgeschoben werden kann. Bei der Umsetzung ist Konsequenz nötig. Ist eine Absprache für einen nicht mehr in Ordnung, dann muss neu verhandelt werden. Bindet man das Kind bereits wenn es klein ist in altersgerechte Aufgaben ein, wird es später ganz selbstverständlich seinen Teil zum Familienhaushalt beitragen.

Trotzdem darf man sich nicht darauf verlassen, denn es gibt bei fast allen Jugendlichen eine Zeit, in der alles andere wichtiger ist als das Wischen einer Treppe oder das Leeren des Mülleimers. Teenager befinden sich in einer Phase der Selbstfindung. Hinter Provokation versteckt sich das Austesten von Grenzen, hinter frechen Sprüchen Unsicherheit. Aber wenn Eltern sowieso schon gereizt sind, fallen schnell die falschen Worte. Besser ist es, sich kurz zurückzuziehen und das Thema später noch einmal anzusprechen.

Wer ernst genommen werden will, muss auch andere ernst nehmen

Wutausbrüche und Strafen haben selten Erfolg. Natürlich kann man Kinder und Jugendliche mit dem Resultat ihres Verhaltens konfrontieren. Man kann ihnen abends das Essen auf dem zurückgebliebenen Teller vom Mittag servieren, den stinkenden Abfalleimer ins Zimmer stellen oder darauf verzichten, ihnen saubere Wäsche in den Schrank zu räumen.

Aber letztendlich muss man sich klarmachen: Ein Machtkampf wird nichts bringen. Man wird ihn langfristig verlieren, selbst wenn man mal eine Schlacht gewinnt. Besser ist es, sich gesprächsbereit zu zeigen, einen sachlichen Ton anzuschlagen und zu signalisieren, dass man den Jugendlichen ernst nimmt und ihm zuhört. Gleiches aber auch von ihm erwartet. Dass beim Ausführen der Arbeit gemault wird, ist oft unumgänglich. Hier sollte man auf Durchzug schalten und auf keinen Fall das Gemosere damit belohnen, dass man dem Nachwuchs die übertragene Aufgabe einfach so abnimmt.

Eltern müssen es aushalten, wenn es länger dauert

Oft passiert es, dass Kinder die Aufgaben nicht dann erledigen, wenn Eltern es für nötig halten, oder viel länger dafür brauchen. „Es ist dann aber kontraproduktiv, wenn Eltern die Dinge wieder an sich reißen“, warnt Große Perdekamp. An Kinder sende das eine widersprüchliche Botschaft. Das heißt: Eltern müssen es aushalten, dass Geschirr einmal stehenbleibt oder rund ums Spülbecken alles unter Wasser steht. Beim Aufteilen der Hausarbeit sei ja nicht Ziel, dass Kinder die Aufgaben genauso schnell erledigten wie die Eltern. „Sie sollen lernen: Familie ist eine Gemeinschaft, zu der jeder etwas beiträgt.“

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