Kategorie -Studien für junge Leute

Zukunft in Deutschland – so denken Jugendliche

Die allermeisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland blicken optimistisch in die eigene Zukunft. Nur knapp jeder Fünfte äußert sich pessimistisch – und glaubt außerdem, dass es ihm einmal schlechter gehen wird als seinen Eltern. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und des Sinus-Instituts, die dem SPIEGEL vorliegt und am Montag vorgestellt werden soll.

Forscher haben mehr als 1000 Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt, wie sie in die Zukunft blicken, wie gut sie sich auf die Zukunft vorbereitet fühlen und welche Kompetenzen sie für wichtig halten. Die Ergebnisse im Überblick:

Wie sehen junge Menschen ihre eigene Zukunft?

Auf die Frage, wie sie sich die eigene Zukunft vorstellen, äußerten sich 58 Prozent
der Befragten “eher zuversichtlich”. Uneingeschränkt zuversichtlich zeigten sich 24 Prozent. “Eher düster” sehen 15 Prozent der jungen Menschen die Zukunft, nur 3 Prozent “sehr düster”.

Zwischen Mädchen und Jungen zeigten sich bei dieser Antwort keine großen Unterschiede, wohl aber hinsichtlich des Alters und Bildungsgrades der Befragten.

  • 27 Prozent der sogenannten bildungsfernen Jugendlichen und jungen Erwachsenen schauen pessimistisch in die eigene Zukunft. Unter den angehenden Abiturienten sind es nur 12 Prozent.
  • Der Optimismus lässt außerdem mit dem Alter nach: Die jüngeren Befragten sind etwas häufiger positiv gestimmt als die älteren.

Wie werden Chancen zum sozialen Aufstieg beurteilt?

Nur ein Drittel der Befragten glaubt, dass es ihnen im Vergleich zu ihren Eltern in Zukunft besser gehen wird. Knapp jeder Fünfte geht von einer Verschlechterung aus. Fast die Hälfte rechnet damit, dass es ihnen gleich gut gehen wird.

Junge Männer sind den Angaben zufolge etwas zuversichtlicher, was sozialen Aufstieg betrifft, als junge Frauen. Wer jünger und höher gebildet ist, zeigt sich im Schnitt ebenfalls etwas optimistischer als andere.

Studien haben wiederholt gezeigt, dass der soziale Aufstieg in Deutschland schwieriger ist als in vielen anderen Industrienationen stärker vom Elternhaus abhängt als in vielen anderen Ländern.

Mehrheit ist pessimistisch, wenn es um die
Gesellschaft geht

Deutlich weniger rosig als die eigene Zukunft sehen Jugendliche und junge Erwachsene die Zukunft der Gesellschaft in Deutschland, wie es in der Studie heißt. Dieser Unterschied lasse sich auch in Studien feststellen, bei denen nur Erwachsene befragt werden, schreiben die Autoren. Er sei in der jungen Generation allerdings noch ausgeprägter.

  • Rund ein Drittel ist optimistisch, wenn es um die Zukunft der Gesellschaft geht.
  • “Eher düster” blickt hingegen mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer in die Zukunft der Gesellschaft, 9 Prozent sogar “düster”.
  • Jugendliche und junge Erwachsene mit hoher Bildung antworten hier optimistischer als Befragte mit niedriger und mittlerer Bildung.

Wie gut sehen sich Jugendliche auf die Zukunft vorbereitet?

Die meisten jungen Menschen fühlten sich “eher gut” auf das vorbereitet, was sie in den kommenden Jahren erwartet. Rund ein Drittel schätzte die eigenen Kompetenzen “eher schlecht” oder “sehr schlecht” ein, heißt es in der Studie. Junge Männer zeigten sich demnach selbstbewusster als junge Frauen: 71 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent.

Die größte Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung und der Beurteilung, worauf es künftig im Job ankommt, offenbart sich der Studie zufolge bei Fähigkeiten, die die Forscher den Bereichen
Coolness und Charisma
zuordnen.

  • Nur zwei Drittel der Befragten sagen, dass sie “bei Stress einen kühlen Kopf bewahren”, aber fast alle rechnen damit, dass dies in Zukunft wichtig sein wird.
  • 6 von 10 attestieren sich ein “gutes Zeitmanagement”, aber 9 von 10 halten dies für eine wichtige Zukunftskompetenz.
  • Knapp die Hälfte der Befragten finden, dass sie gut darin sind, “vor fremden Leuten etwas vorzutragen”, aber fast Dreiviertel rechnen damit, dass diese Fähigkeit im Berufsleben wichtig sein wird.

Die Autoren erklären sich diese Unterschiede damit, dass junge Menschen oft noch wenig Erfahrungen gesammelt hätten. Deshalb würden sie “schüchterner” antworten.

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Mehrheit der Jugendlichen glaubt, die Regierung verschweige “die Wahrheit”

Die Jugend von heute? Weltgewandte Teenager, die Freitag für Freitag in deutschen Innenstädten gegen die Klimapolitik protestieren, sich auf Englisch mit Mitstreitern auf der ganzen Welt austauschen, sich in Flüchtlingsprojekten engagieren – das ist für viele das derzeit vorherrschende Bild.

Doch es zeigt anscheinend nur die halbe Wahrheit – das legen die Ergebnisse der 18. Shell-Jugendstudie nahe, die nun in Berlin vorgestellt wurde.

Zwischen Januar und März befragten die Wissenschaftler um “Jugend-Erklärer” Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance mehr als 2500 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 27 Jahren. Aus den Antworten erstellten sie das Portrait einer so ganz und gar nicht einheitlichen Generation.

Im Schatten der Engagierten, das ist eine Haupterkenntnis der Studie, wächst eine Gruppe heran, die sich von Politik missverstanden, ignoriert und sogar manipuliert fühle – und die in Teilen Denk- und Verhaltensmuster von Populisten übernommen habe, schreiben die Autoren.

  • “In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden” – dieser Aussage stimmen 68 Prozent der Befragten zu.
  • Mehr als die Hälfte (53 Prozent) glaubt, “die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit”.
  • Ein gutes Drittel ist der Meinung, die deutsche Gesellschaft werde “durch den Islam unterwandert”.

Aus Aussagen wie diesen spricht ein Misstrauen gegenüber dem Establishment, gegenüber politischen und gesellschaftlichen Eliten. Sie knüpfen an “latente Ängste” an, “dass man selbst zu kurz kommen könnte”. Und sie zeugen von Intoleranz, die sich in einem Teil der sonst so offen wirkenden Altersgruppe festgesetzt hat.

Zwar betont die Mehrheit der Jugendlichen (57 Prozent), sie fänden es gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen habe. Gleichzeitig gibt ein Fünftel an, sie fänden es nicht so gut, wenn in der Wohnung nebenan eine Flüchtlingsfamilie einziehen würde. 18 Prozent lehnen es ab, neben einer türkischen Familie zu wohnen.

Mit Optimismus in die Zukunft

Die positiven Entwicklungen rücken angesichts dieser Tendenzen fast in den Hintergrund. So blicken Jugendliche heutzutage überaus optimistisch in ihre persönliche Zukunft, zum ersten Mal seit 2006 liegen junge Menschen in Ost- und Westdeutschland hier gleich auf. Auch in anderen Gebieten nivellieren sich 30 Jahre nach dem Mauerfall die Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern.

Die Zuversicht der jungen Generation speist sich auch aus ihrer Überzeugung, dass es in Deutschland weitgehend gerecht zugeht. Sie glauben den Wissenschaftlern zufolge daran, dass jeder und jede in diesem Land etwas aus sich machen kann, wenn man zu Leistung bereit ist. 87 Prozent der Auszubildenden sind sich demnach sicher, im Anschluss an die Lehre eine Anstellung zu finden – so viele wie nie zuvor.

Bei der Berufswahl achten junge Menschen allem Optimismus zum Trotz vorrangig auf Sicherheit. Damit setzt sich ein Trend fort, den die Studienautoren schon seit einigen Jahren beobachten – auch wenn der Wert seit der Finanzkrise 2009 und 2010 wieder leicht abgenommen hat. Gleichzeitig steigen die Ansprüche: Eine breite Mehrheit wünscht sich neben dem Beruf ausreichend Freizeit (85 Prozent) und ein hohes Einkommen (77 Prozent).

Politisch interessiert – aber trotzdem unzufrieden

Viele interessieren sich für das, was in der Welt um sie herum passiert. Im Vergleich zur Vorgängerstudie 2015 ist das politische Interesse zwar leicht gesunken – von 43 auf 41 Prozent. Es liegt aber noch immer weit über den Werten von 2002. Damals charakterisierten die Autoren der Shell-Studie die Generation von Jugendlichen als pragmatisch und unideologisch.

Ein grundsätzliches Interesse an Politik und Gesellschaft muss allerdings nicht bedeuten, dass die jungen Menschen mit der Arbeit der Volksvertreter zufrieden wären. So glauben 71 Prozent von ihnen nicht, dass sich “Politiker darum kümmern, was Leute wie ich denken”. Diese Verdrossenheit ist bei niedriger Gebildeten tendenziell stärker verbreitet.

Klimawandel und Terror – was Jugendlichen Angst macht

Die Ängste der Jugendlichen spiegeln, wie auch schon in vergangenen Shell-Studien, die gesellschaftlichen Debatten der letzten Zeit wider: Fürchteten sich junge Leute 2015 noch am meisten vor Terroranschlägen, steht heute Umweltverschmutzung an erster Stelle. Wie gespalten die junge Generation auch in ihren Ängsten ist, zeigt sich mit Blick auf das Thema Zuwanderung: Die Angst vor Zuwanderung nimmt zu, die Angst wegen Ausländerfeindlichkeit überwiegt aber.

Rückhalt in der Familie

Schon in den vergangenen Shell-Studien zeigte sich, dass Jugendliche und ihre Eltern gut miteinander zurechtkommen – Generationenkonflikte, wie sie angesichts der zunehmend hitzigen Klimadebatten zu erwarten gewesen wären, zeichnen sich nicht ab.

Neun von zehn Befragten verstehen sich “gut” oder “bestens” mit den eigenen Eltern. 74 Prozent der Jugendlichen würden ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen worden sind. Gleichzeitig fällt vielen der Abnabelungsprozess schwer: Drei Viertel der Auszubildenden und rund 40 Prozent der Studierenden und Erwerbstätigen wohnen noch zu Hause.

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Populismus auf dem Pausenhof

Der alte weiße Mann, aus Funk und Fernsehen bekanntes Symbol von Uneinsichtigkeit und Beharrlichkeit, kann wohl bald in den Vorruhestand gehen. Denn laut der am Dienstag in Berlin vorgestellten Shell-Jugendstudie sind auch junge Menschen – gleich welchen Geschlechts oder ihrer Herkunft – anfällig für plumpe Vorurteile, rassistische Ausgrenzung und Verschwörungstheorien.

Über zwei Drittel der jungen Befragten stimmen ganz oder teilweise der Aussage zu, in Deutschland dürfe man “nichts Schlechtes über Ausländer sagen”, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden. Mehr als die Hälfte findet, die Regierung verschweige tendenziell “die Wahrheit”. Und fast genauso viele meinen, der Staat kümmere sich stärker um Flüchtlinge als um “hilfsbedürftige Deutsche”.

Rumms. Die erst vor Kurzem entdeckte Generation Greta scheint damit hinfällig. Und das alles, obwohl in den vergangenen Monaten Hunderttausende für mehr Klimaschutz, Seenotrettung oder Feminismus auf die Straße gingen. Ist die Jugend in Deutschland mehrheitlich doch ganz anders? Womöglich latent – oder gar offen – rechts?

Tatsächlich zeigt der Populismus-Befund der Studie vor allem, dass auch Jugendliche mitbekommen, wie um sie herum diskutiert wird. Die populistischen Antworten bilden eine gesellschaftliche Stimmungslage ab: Der rauer werdende Tonfall in Talkshows, sozialen Netzwerken und bei manchen Familienfesten bleibt jungen Menschen nicht verborgen, im Gegenteil. Dass viele diese Stimmung aufgreifen, ist erschreckend. Aber auch nicht so neu, wie es scheint.

Schon bei den vergangenen Shell-Jugendstudien zeigte sich zuverlässig, welche Ängste am Abendbrottisch und in der Schule weitergegeben wurden.

Die Konjunktur der Ängste

2002, kurz nach dem 11. September, waren “Terroranschläge” die größte Sorge. Die folgenden acht Jahre blieb es die Angst um die “wirtschaftliche Lage und steigende Armut” – passend zu Hartz-IV-Debatten und Krisen-Diskussionen. Bei der bislang letzten Studie 2015 war es dann wieder – dieses Mal kurz nach den Anschlägen von Paris – der Terrorismus, der jungen Menschen am meisten Angst machte.

Jetzt geht es also um Populismus auf dem Pausenhof. Doch auch wenn die Zahlen erschreckend sind, lassen sie sich kaum als Beleg für einen Millennial-Rechtsruck heranziehen: Noch immer schätzen sich 41 Prozent als links oder eher links ein, vier Prozentpunkte mehr als 2015. Nur 13 Prozent halten sich für rechts oder eher rechts. 77 Prozent sind mit der Demokratie eher oder sehr zufrieden. Die größte Angst ist 2019 übrigens nicht mehr Terror, sondern Umweltverschmutzung.

Das zeigt einerseits, dass längst nicht jeder Jugendliche, der sich für progressiv und aufgeklärt hält, frei von Vorurteilen ist. Es zeigt aber auch, dass vielen jungen Menschen nicht mehr klar zu sein scheint, was der Unterschied zwischen Widerspruch und Ausgrenzung ist. Gerade im Umgang mit jungen Menschen bleibt es deshalb wichtig, Kritik nicht nur reflexhaft, sondern auch inhaltlich zu begründen. Das gilt allerdings nicht nur bei rassistischen Aussagen, sondern beispielsweise auch beim Klimastreit.

Ein unfairer Gedanke

Es ist natürlich ein schöner Gedanke, dass ausgerechnet die Jugend mit ihrem Engagement die ganze Welt vor Rechtspopulismus und Klimawandel bewahren könnte. Aber er ist auch unfair, denn die nach dem Jahr 2000 Geborenen machen zusammen etwa 18 Prozent der Bevölkerung aus. Wer dazugehört, wird zwischen vielen alten Menschen und vielen neuen Ansprüchen erwachsen. Nischen gibt es kaum noch, das stellt auch die Shell-Studie fest. “Es wird für Jugendliche immer schwieriger, eine von Kommerzialisierung unabhängige Identität auszubilden”, heißt es an einer Stelle.

Dass die neuen Zahlen jetzt für so viel Aufsehen sorgen, dürfte nicht zuletzt aber auch daran liegen, dass die Populismus-Fragen in der Shell-Jugendstudie zum ersten Mal gestellt wurden. Ältere Generationen mussten sie deshalb nie beantworten. Vielleicht ist es für den gesamtgesellschaftlichen Frieden auch besser, nicht zu wissen, wie junge Menschen vor 15 Jahren über Langzeitarbeitslose und Frührentner geredet hätten.

Die Ergebnisse der neuen Studie spiegeln vor allem das, was junge Menschen heute alltäglich in unserer Gesellschaft erleben. Doch es wäre unehrlich so zu tun, als sei es die Schuld der Jugend, nicht klüger zu sein als Lehrer und Eltern. Dass auch erschreckend viele Deutsche über 25 regelmäßig ausgrenzen und abwerten, muss keine neue Studie beweisen, die Leipziger Mitte-Studien und ähnliche Erhebungen dokumentieren es seit Langem. Von dort stammen übrigens auch die meisten Populismus-Fragen der Shell-Jugendstudie.

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Gewalt unter Schülern nimmt wieder zu

Meist sind es krasse Einzelfälle, die es in die Medien schaffen: In Lünen erstach im vergangenen Jahr ein 16-Jähriger seinen Mitschüler. In München schikanierte ein 15-Jähriger einen anderen Jungen, indem er ihn bei Ebay zum Verkauf anbot. Auf einer Klassenfahrt nach Lennestadt prügelten sich Schüler so heftig, dass ein Rettungshubschrauber anflog.

Doch wie ist die Stimmung unter Jugendlichen im Alltag? Nimmt die Gewalt auf Schulhöfen zu, wie es Lehrer und Eltern oft beklagen? Das ist schwierig auszuwerten, weil offizielle Polizeistatistiken wenig aussagekräftig sind. Sie bilden in der Regel nur das Hellfeld ab – also die Vergehen, die zur Anzeige gebracht wurden.

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat nun jedoch eine Studie veröffentlicht, die auch die Gewalt unter Jugendlichen im Dunkelfeld untersucht. Die Forscher befragten 2017 fast 9000 Neuntklässler in allen niedersächsischen Schulformen – und zwar zum dritten Mal. Auch 2013 und 2015 hatte das Institut den sogenannten Niedersachsensurvey durchgeführt.

Die jüngsten Ergebnisse seien, so die Wissenschaftler, teilweise beunruhigend. Der Überblick:

  • Fast jeder sechste Jugendliche berichtete (17,7 Prozent), schon mindestens eine Gewalttat im bisherigem Leben begangen zu haben. Zwei Jahre zuvor hatten nur 14,8 Prozent der Neuntklässler angegeben, mindestens einmal gewalttätig geworden zu sein. In den meisten Fällen ging es um Körperverletzung ohne Waffen: Sie hatten jemanden geschlagen, getreten, gewürgt oder auf andere Weise verletzt.
  • Vergleicht man die aktuellen Ergebnisse allerdings mit denen aus dem Jahr 2013, hat die Gewalt nicht signifikant zugenommen: Damals hatten 16,7 Prozent der Schüler angegeben, schon einmal eine Gewalttat verübt zu haben.
  • Im Hinblick auf die Taten der vergangenen zwölf Monate verläuft der Trend ähnlich: 2013 waren 7,9 Prozent der Jugendlichen in diesem Zeitraum mindestens einmal gewalttätig geworden, 2015 waren es 6,1 Prozent und 2017 wieder etwas mehr, nämlich 7,7 Prozent.
  • Die Zahl der Schüler, die in den vergangenen zwölf Monaten selbst Gewalt erfahren haben, stieg ebenfalls wieder an. 2017 gab mehr als jeder vierte Schüler (27,2 Prozent) an, verprügelt oder – viel seltener – sexuell belästigt, ausgeraubt oder erpresst worden zu sein. 2015 waren es 23,7 Prozent der Neuntklässler, im Jahr 2013 24 Prozent.
  • Nur in etwa jedem dritten Fall waren der oder die Täter dabei volljährig. Meistens waren sie genauso alt wie ihre Opfer. Die weitaus meisten Vorfälle passierten entweder in der Schule, auf dem Schulweg oder zu Hause.
  • Die Schülerinnen und Schüler wurden auch gefragt, ob und wie oft sie eine Waffe bei sich tragen, also ein Messer, einen Schlagring oder einen Schlagstock. Obwohl es in Niedersachsen grundsätzlich verboten ist, solche Gegenstände mit in die Schule zu bringen, gaben 7,8 Prozent der Schüler an, sie gelegentlich oder sogar häufig auf dem Schulgelände dabeizuhaben. 2013 und 2015 lag der Anteil bei knapp unter sechs Prozent.
  • In der Freizeit führte 2017 sogar gut jeder fünfte Jugendliche (21,8 Prozent) mindestens ab und zu ein Messer, einen Schlagring oder einen Schlagstock mit sich. Auch dieser Anteil stieg im Vergleich zu 2015 und 2013, als er noch jeweils unter 19 Prozent lag. Dabei waren Jungs weitaus öfter mit Waffen unterwegs als Mädchen.

Die Forscher beobachteten weitere Trends:

  • Fast jeder zweite Schüler gab an, im vergangenen Schulhalbjahr gehänselt, ausgeschlossen oder ignoriert worden zu sein (48,3 Prozent). Noch etwas mehr berichteten von Cybermobbing im selben Zeitraum (49,3 Prozent). In beiden Fällen war das ein Anstieg um mindestens zwei Prozentpunkte.
  • Niedersachsens Neuntklässler schwänzten 2017 deutlich häufiger die Schule als noch 2015. Vor vier Jahren war es etwas über ein Fünftel der Befragten, das mindestens einmal geschwänzt hatte, 2017 stieg der Anteil auf knapp ein Viertel.
  • 1,7 Prozent der Jugendlichen konnten als rechtsextrem kategorisiert werden, schreiben die Forscher. Das heiße, dass sie sowohl ausländerfeindlichen Aussagen zustimmten, als auch rechte Verhaltensweisen ausführten. Der Anteil habe sich seit 2015 nicht signifikant verändert. Allgemein seien islamfeindliche, antisemitische und ausländerfeindliche Einstellungen unter den Schülern sogar leicht zurückgegangen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, rund 5300 Neuntklässler hätten die Fragebögen beantwortet. Es waren jedoch fast 9000 Schülerinnen und Schüler. Wir haben die Stelle korrigiert.

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Viel Hoffnung und viel Sehnsucht

Was wird die Zukunft bringen? Wenn man jungen Menschen in Mexiko, Nigeria oder Kenia glaubt, dann vor allem Gutes. Denn in diesen drei Ländern schaut die Jugend sehr optimistisch nach vorn – anders als zum Beispiel in Schweden oder Frankreich.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die Meinungsforscher des Instituts Ipsos in 15 Ländern durchgeführt haben. Die Forscher teilten die Staaten dabei in zwei Gruppen auf: Die sieben Länder Australien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Saudi-Arabien und die USA haben im Schnitt vergleichsweise hohe Einkommen. In Brasilien, China, Indien, Indonesien, Kenia, Mexiko, Nigeria und Russland leben deutlich mehr Menschen unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Es zeigten sich deutliche Unterschiede darin, was junge Menschen in den jeweiligen Ländern in den kommenden Jahren erwarten. Demnach schauen Jugendliche in ärmeren Ländern tendenziell hoffnungsvoller auf ihr eigenes Leben und ihr Land – aber auch auf die Zukunft des gesamten Planeten.

Das hat vor allem damit zu tun, wo junge Menschen derzeit stehen. “Es macht einen Unterschied, ob man aus einem armen Land kommt und sich – hoffentlich realistisch – vorstellen kann, dass es eigentlich nur bergauf gehen wird”, sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann dem SPIEGEL. “Da schwingen viel Hoffnung und viel Sehnsucht nach Verbesserung mit.”

In einem wohlhabenderen Land werde Jugendlichen hingegen eher klar, dass eine weitere Verbesserung schwer zu erreichen sein dürfte. “Deshalb kommt hier die sehr zurückhaltende Einschätzung zustande”, sagt Hurrelmann.

Auffällig ist: Obwohl es der deutschen Wirtschaft sehr gut geht, stimmt deutsche Jugendliche die Frage, wie sich ihr Lebensstandard in den kommenden 15 Jahren entwickeln wird, am pessimistischsten. Nur etwa jeder Dritte erwartet hier eine Verbesserung. 46 Prozent der deutschen Jugendlichen fanden, dass es ihnen besser gehe als ihren Eltern. Nur russische und französische Jugendliche stimmten dieser Aussage seltener zu.

Warum deutsche Jugendliche skeptisch in die Zukunft schauen, obgleich Deutschland wirtschaftlich vergleichsweise gut dasteht, wird in der Studie nicht näher erläutert. Eine Erklärung könnte die andauernde Berichterstattung in den vergangenen Jahren über die Finanz- und Eurokrise sein. Außerdem ist trotz der eher niedrigen Jugendarbeitslosigkeit die Situation auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen hierzulande teilweise schwieriger geworden. So unterschreiben Berufseinsteiger zum Beispiel häufiger befristete Verträge.

Junge Menschen in Ländern wie China, Indien und Nigeria scheinen zudem selbstbewusster, wenn es um ihre Möglichkeiten zur Mitbestimmung in Politik und Gesellschaft geht. So antworteten in China neun von zehn und in Indien und Nigeria fast acht von zehn Jugendlichen, dass ihre Generation einen positiveren Einfluss auf die Welt haben werde als die ihrer Eltern. In Deutschland und Frankreich glauben das nur rund vier von zehn Jugendlichen.

In Indien glauben sieben von zehn Jugendlichen, dass sie selbst mitgestalten können, wie ihr Land regiert werde. In Deutschland glauben das nur zwei von zehn jungen Menschen.

Weniger zufrieden mit der Gegenwart

Es spielt dabei wohl auch eine Rolle, dass die Jugend in ärmeren Staaten meist einen viel größeren Anteil an der Bevölkerung stellt. So sind in Kenia sechs von zehn Einwohnern jünger als 25 Jahre. “Wenn junge Menschen mobil machen wollen, könnten alle Regierungen in Ostafrika in wenigen Tagen zu Fall gebracht werden”, zitierte die britische Zeitung “The Guardian” den Wissenschaftler Alex Awiti vom Ostafrika-Institut der Aga Khan University, an der rund 2200 Menschen in sechs Ländern studieren.

Wie Jugendliche die Gegenwart beurteilen, ist nicht so eindeutig an den Wohlstand des Landes gekoppelt, aus dem sie kommen. So sind junge Menschen in Nigeria und Schweden auf der Zufriedenheitsskala des Ipsos-Instituts am unglücklichsten, in Mexiko, Saudi-Arabien und den USA zeigten sie sich am zufriedensten.

Junge Nigerianer treibt dabei besonders die Sorge um, keinen guten Job zu finden. Außerdem sehen sie den Einfluss, den die Regierung auf ihre Leben nehmen kann, skeptisch. Mexikaner sind hingegen außerordentlich zufrieden mit den Beziehungen, die sie zu Freunden und Familie unterhalten.

Das Ipsos-Institut fragte auch, über welche Probleme sich Jugendliche am meisten Gedanken machen. So sorgt sich in China und Russland jeder Zweite um das Bildungssystem, in Frankreich fürchtet sich fast jeder Zweite vor der Arbeitslosigkeit. Die persönliche Sicherheit ist für rund vier von zehn Jugendliche in Mexiko, Indonesien, Nigeria und Schweden ein Thema.

Auch für deutsche Jugendliche ist die Sicherheit das Thema Nummer eins: Hier beschäftigt das jeden dritten 12- bis 15-Jährigen. Auf Rang zwei folgt der Umweltschutz, jeden vierten treibt das Thema Einwanderung um.

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Jugendlichen ist Reisen wichtiger als das neueste Smartphone

Raus in die Welt, fremde Menschen, fremde Länder: Laut einer Untersuchung des Bundesumweltministeriums ist jungen Menschen in Smartphone oder angesagte Klamotten folgen erst deutlich weiter hinten.

Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) bezeichnete es als persönlich sehr wichtig, viele Reisen zu unternehmen und viel zu erleben. Die neueste Technik und Kleidung der neuesten Mode finden dagegen nur 18 beziehungsweise 13 Prozent sehr wichtig.

Besonders bei den jungen Frauen und Mädchen ist die Lust aufs Reisen sehr ausgeprägt. Jungs und junge Männer können sich dafür stärker für die neueste Technik und neueste Mode begeistern.

Das Auto bleibt vielen wichtig

Keine Geschlechtsunterschiede gibt es bei der Frage, ob man ein Auto besitzen sollte. Das halten immerhin 39 Prozent für sehr wichtig. Insgesamt zeigt die Untersuchung den Autoren zufolge, dass besonders für junge Menschen aus Haushalten mit einem überdurchschnittlichen Lebensstandard statusorientierter Konsum äußerst wichtig ist.

Allerdings schauen die 14- bis 22-Jährigen auch auf die Umwelt: 40 Prozent von ihnen ist es demnach auch wichtig, weniger Plastik zu benutzen, 31 Prozent legen demnach Wert auf nachhaltige Produkte. 45 Prozent verzichten der Umfrage zufolge auf Plastiktüten, 33 Prozent benutzen Recyclingpapier und 29 Prozent kaufen Biolebensmittel. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) sagt über sich, er oder sie verzichte auf Flugreisen. Für 44 Prozent der jungen Menschen gehört eine “intakte natürliche Umwelt” unbedingt zu einem guten Leben.

Für die repräsentative Studie waren im vergangenen Sommer mehr als 1000 Teilnehmer zwischen 14 und 22 Jahren online befragt worden. Nach Angaben des Ministeriums war die Zielgruppe auch an der Erstellung der Studie sowie an ihrer Auswertung beteiligt.

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Ost-West: Die Unterschiede werden immer größer

Ost-West Vergleiche – auch ein methodisches Problem

Als die Autoren bei den Vorbereitungssitzungen zur 11. Shell Jugendstudie in den Jahren 1990 und 1991 die Thematik festlegten, war es selbstverständlich, dass der Schwerpunkt der Studie ein Vergleich zwischen den Jugendlichen im Osten und Westen sein musste. Immerhin handelte es sich um die erste repräsentative Jugendstudie im vereinten Deutschland, und die Frage, wie groß denn – qualitativ und quantitativ – die Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Jugendlichen waren, drängte sich nicht nur in der Forschung auf. Spekulationen über die Größe der Unterschiede beherrschten die Diskussionen, mangels verlässlicher Vergleichsuntersuchungen spielten persönliche Erfahrungen – nur unwesentlich verallgemeinert – eine große Rolle. Der Autor dieser Zeilen erwartete große Unterschiede und sah der Möglichkeit gefasst ins Auge, zwei unterschiedliche Fragebögen für ost- und westdeutsche Jugendliche entwickeln zu müssen, wobei er das Ziel, möglichst nahe an die Lebenswelt und die Sichtweisen der Jugendlichen zu kommen, über das ebenfalls erstrebenswerte Ziel von instrumenteller Vergleichbarkeit und Fortschreibbarkeit stellte. Qualitative Voruntersuchungen und die Ratschläge ostdeutscher Kollegen stellten klar, dass eine solche dramatische Maßnahme nicht notwendig war. Westliche Jugendkulturen und Lebensweisen bestimmten – vor allem über das Medium Fernsehen – längst den Alltag der DDR-Jugendlichen, der gemeinsame Fragebogen war gerettet.

Die damaligen Kontroversen führten stets zu einem rituellen Friedensschluss: Man rede schließlich nur über temporäre Probleme, spätestens in 10 Jahren, wenn dann die Jugendlichen eine entsprechende Zeit gemeinsam im vereinten Deutschland gelebt hätten, sei der Ost-/Westvergleich höchstens noch aus historischen Gründen interessant.

Weit gefehlt. Eigene und fremde Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass zwischen Ost- und Westdeutschen weiterhin große Unterschiede bestehen. Die Vermutung, dass gegenüber früheren Zeiten diese Unterschiede sogar größer geworden seien, wurde zum Bestandteil der öffentlichen Diskussion, ebenso wie die gegenseitigen Vorwürfe, für die spezifischen Probleme des jeweils anderen Landesteiles kein Verständnis aufzubringen. Objektiv bestehende Unterschiede wurden flugs als Konsequenzen unterschiedlicher Charakterstrukturen aufgefasst, eine (offene) Ostalgie und eine (eher versteckte) Westalgie prägten die Sichtweise vieler Menschen. Auch der Jugendlichen? Dieser Frage soll in diesem Abschnitt nachgegangen werden.

Ein solches vergleichendes Vorgehen birgt aber eine große Gefahr in sich. Es besteht ja die Möglichkeit, dass man zwei Regionen miteinander vergleicht, große Unterschiede feststellt und diese dann (aus Mangel an Verständnis für regionsspezifische sozialhistorische, soziokulturelle und -ökonomische Gegebenheiten) mit dem Signum “Ost-West-Unterschied” versieht. Zur Vermeidung dieses Artefaktes unternahmen wir den Versuch, einen Vergleich der Daten auch unter sozioökonomischen Gesichtspunkten durchzuführen. Das heißt, Regionen nicht nur in “Ost-West” einzuteilen, sondern sie unter dem Aspekt von Industrialisierungsgrad, gewachsener Branchenstruktur und regionalen Wachstums-/Entwicklungspotenzialen (Ausbildungs- und Beschäftigungsvoraussetzungen) vergleichend zu analysieren. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass sozialökonomisch verschieden gestellte Bundesländer innerhalb des Westens und innerhalb des Ostens möglicherweise mindestens genauso zwischen den Jugendlichen differenzieren wie die schlichte Gegenüberstellung von “Ost” und “West”.

Diese Auswertung nach der Ähnlichkeit verschiedener Bundesländer in Ost und West gab keine Hinweise darauf, dass die Ost-West-Divergenz zu relativieren sei. Vielmehr bestätigte sich, was nach der öffentlichen Diskussion zu befürchten stand. Die Urteilsdifferenzen zwischen Ost und West fallen so eklatant aus, dass sie Differenzen zwischen den Bundesländern überlagern. Mit anderen Worten: Die Differenzen in den Lebenslagen und Einstellungen sind größer zwischen Sachsen und Bayern/Baden-Württemberg als zwischen Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie sind größer zwischen Schleswig-Holstein und Brandenburg/ Mecklenburg-Vorpommern als zwischen Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg. Diese Einzelanalysen können hier nicht dargestellt werden, sie sind anhand der Originaldaten oder der kompletten Auszählungen aber leicht nachzuvollziehen.

Die folgende Darstellung orientiert sich grob an der Reihenfolge der Fragen im Fragebogen. Aus den verschiedenen Bereichen konnte selbstverständlich nur eine äußerst begrenzte Anzahl von Merkmalen ausgewählt werden. Dabei handelt es sich um:

  • Quelle und Höhe der Mittel für den eigenen
    Lebensunterhalt
  • Biografische Planung der Jugendlichen
  • Beurteilung der Zukunft, Einstellung zu
    Politik und Europa
  • Einstellung zu Ausländern

Bei einigen Fragen verfügen wir über die Möglichkeit, anhand von Zeitreihenvergleichen die Entwicklung in Ost und West darzustellen.

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ARTHUR FISCHER

aus: “Jugend 2000 – 13.Shell Jugendstudie”
Herausgeber: Deutsche Shell AG, Konzeption und Durchführung: Arthur Fischer, Yvonne Fritzsche, Werner Fuchs-Heinritz, Richard Münchmeier; Verlag Leske + Budrich; 900 Seiten (zwei Bände); 29,80 Mark.


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Selbstbewusstsein und Optimismus

Berlin – Die jungen Menschen in der Bundesrepublik sind offenbar selbstbewusster und unabhängiger geworden. Anstatt an Prinzipien und Ideologien festzuhalten, basteln sie sich der Untersuchung zufolge ihre eigene
Lebensgestaltung zusammen. Sie zeigten eine “optimistische Grundhaltung” und seien größtenteils überzeugt, Familie und Beruf miteinander verbinden zu können. Zu diesen Ergebnissen kommt die Shell-Studie
“Jugend 2000”, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Im Auftrag des Mineralölkonzerns hatten Wissenschaftler 4546 junge Deutsche und 648 Ausländer zwischen 15 und 24 Jahren befragt.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann hob hervor, dass der Umfrage zufolge eine qualifizierte Ausbildung sowie Beruf und Familie im Mittelpunkt der Lebensplanung der jungen Leute stünden. Zwar trage die Bundesregierung mit ihrem Sofortprogramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit diesem Bedürfnis Rechnung. Im
Hinblick auf eine bessere Chancengleichheit müsse sich die Politik jedoch noch mehr um diejenigen kümmern, die von Haus aus weniger gute Startchancen hätten. Alle Jugendlichen müssten die Möglichkeit haben, den Umgang mit den modernen Technologien zu lernen und diese zu nutzen. Dazu müssten vor allem junge Frauen weit mehr als bisher ermutigt werden.

Auch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Iris Gleicke, beklagte die Unterrepräsentierung junger Frauen in Berufen der Informationstechnologie. Lediglich 13 Prozent der Mädchen machten der Shell-Studie zufolge eine entsprechende Ausbildung. Der jugendpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die
Grünen, Christian Simmert, bezeichnete die Ergebnisse der Shell-Studie als Herausforderung: “Das Bündnis für Arbeit hat bisher zu wenig greifbare Ergebnisse für Jugendliche gebracht”, kritisierte er. Die jugendpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Maria Eichhorn, nannte eine umfassende Medienkompetenz unerlässlich für die berufliche Entwicklung der jungen Generation und ebenso für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Ein Teil der Studie beschäftigte sich auch mit den Beziehungen junger Deutscher und Ausländer. Diese seien “aufs Ganze gesehen undramatisch”, konstatierte der Wissenschaftler Richard Münchmeier. Die Mehrheit der Jugendlichen sei der Ansicht, dass sie voneinander lernen könnten. Zwar meinten rund 62 Prozent der deutschen
Jugendlichen, es gebe zu viele Ausländer im Lande. Dabei handle es sich jedoch nicht um gesinnungsmäßige Ausländerfeindlichkeit. Vielmehr sei die Aussage als Sorge um ausreichende Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu verstehen.

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Internet und Handy boomen

In diesem Jahr hatten 57 Prozent der rund 1200 Befragten angegeben, das Internet zu nutzen. 1999 lag der Anteil bei nur bei 29 Prozent. Noch drastischer ist der Anstieg bei den Mobiltelefonen. Waren es vor einem Jahr nur 14 Prozent der Befragten, die ein Handy besaßen, nennt jetzt bereits jeder Zweite eines sein Eigen.

Bei den Computern steigen die Zahlen indessen nur noch langsam an. Statt 42 Prozent im Vorjahr hatten in diesem Jahr 46 Prozent einen Rechner zu Hause stehen. Jeder Zweite der jugendlichen Surfer geht mehrmals pro Woche online, ein Viertel nutzt das Internet eher sporadisch. Mädchen und junge Frauen holen im Umgang mit dem Internet immer weiter auf: Ihr Anteil kletterte von 39 Prozent 1999 auf nunmehr 44 Prozent.

Das Netz wird von den Jugendlichen vor allem als Kommunikationsmedium genutzt: E-Mails-Schreiben und Chatten wurden neben der Suche nach Informationen als Hauptnutzungsart angegeben.

Die JIM-Studie zum Mediennutzungsverhalten der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland gibt es bereits zum dritten Mal. Sie wird erstellt vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest – einer Kooperation zwischen der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, der Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter Rheinland-Pfalz und dem Südwestrundfunk.

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Die Generation “Ego”

Hamburg – Die 12
bis 25-Jährigen seien sehr selbstbezogen und auf den eigenen
Vorteil bedacht, sagte Klaus Hurrelmann, Leiter der Studie, gegenüber dem “Stern”. Die typische Frage der “Ego-Taktiker” sei: “Was bringt mir das”, sagte Hurrelmann dem Magazin.

Auch an der Politik hätten die jungen Menschen nur wenig
Interesse. Engagiert zeigten sie sich nur, wenn sie selbst betroffen
seien: “Lehrermangel oder Sparmaßnahmen gehen sie
auf die Straße”, so der Bielefelder Soziologe. Von den großen politischen Themen blieben sie
aber unberührt. Diese Einstellung drücke sich auch im Wahlverhalten
aus. “Wir müssen damit rechnen, dass nur 60 Prozent der Erstwähler
bei der Bundestagswahl an die Urnen gehen werden”, sagte Hurrelmann.

Wichtig sei den jungen Leuten der Spaß. Genau wie ihre Eltern
setzten sie aber auch auf Sicherheit und Leistung. Besonders auffällig sei der
Wandel bei den Mädchen: Für sie sei es selbstverständlich, voll in
Ausbildung und Beruf zu investieren. Der Ehrgeiz, es einmal zu etwas
bringen zu wollen, ziehe sich durch alle Gesellschaftsschichten. Praktisch keine
junge Frau wolle mehr ausschließlich Hausfrau und Mutter sein. Zum
Teil sei es sogar bereits zum Rollentausch mit den Jungs gekommen: “An den
Realschulen und am Gymnasium haben die Mädchen die Jungs längst
überrundet – in den Noten wie in den Abschlussquoten”, berichtet Hurrelmann.
Die komplette Jugendstudie soll am Montag veröffentlicht werden.

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