Kategorie -Jugendliche

Erziehung: Ab wann Kinder mitentscheiden dürfen

“Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, sage ich, wo es lang geht!“ Solche autoritären Sprüche gelten als überholt, moderne Eltern begreifen sich nicht mehr als allmächtige “Bestimmer” ihrer Kinder. Doch ab welchem Alter und bei welchen Themen dürfen Kinder mitentscheiden? Hier finden Sie Anhaltspunkte.

Moralische und politische Reife sowie die Fähigkeit, über sein Leben alleinverantwortlich zu bestimmen, ist jungen Menschen in Deutschland erst mit 18 Jahren gesetzlich zugesichert. Dennoch werden Jugendliche mit Erreichen der Volljährigkeit nicht von heute auf morgen zu mündigen Bürgern.

Identitätsbildung und die Reife” zur Mitbestimmung

Wann Kinder bewusst und reflektiert entscheiden können, hängt von ihrem Alter und ihrer kognitiven Entwicklung ab. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je älter das Kind ist, desto weiterreichende und komplexere Entscheidungen kann es treffen.

Entscheiden will gelernt sein

Mitbestimmung muss also altersgerecht sein und muss geübt werden. Das geht am besten mit Führung der Eltern, die bestimmte Entscheidungen durch eine Vorauswahl lenken und vereinfachen können. Denn lässt man noch nicht schulpflichtigen Kindern zu viele Wahlmöglichkeiten, fühlen sie sich schnell überfordert bei der Abwägung ihrer Pro- und Kontra-Argumente. Besser ist es, das “Mitbestimmen” in kleinen Schritten zu lernen, indem man zunächst nur zwei Möglichkeiten anbietet, die jedoch einander nicht ausschließen dürfen.

Diplomatisch könnten Eltern beispielsweise die Buchauswahl beim Vorlesen so angehen: “Möchtest du zuerst die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz und dann das Pixie-Buch oder umgekehrt?” Durch diese Fragestellung wissen die Kinder, dass sie nichts verlieren können und freuen sich über die “Freiheit” ihrer Auswahlmöglichkeiten.

Welche Art Mitbestimmung kann man Kindern in welchem Alter zumuten? Hier einige Richtwerte:

  • Kinder bis vier Jahre sollten noch keine ausschließenden Entscheidungen treffen müssen. Sie können aber mit einer Vorauswahl durch die Eltern auswählen, was sie essen wollen oder was sie anziehen.
  • Kinder bis sechs Jahre können ihre Entscheidungen schon mit weniger Hilfe treffen. Sie verkraften schon kleinere Fehlentscheidungen mit möglichen unangenehmen Konsequenzen. Geeignete Mitsprachethemen in diesem Alter sind Geburtstagswünsche, die Entscheidung über einen Aufenthaltsort (“Willst du lieber mit Mama zum Einkaufen oder bei Papa im Garten bleiben?”) oder Freizeitaktivitäten (Spielplatz oder Schwimmbad).
  • Kinder bis zehn Jahre sind schon in der Lage, in die Zukunft zu denken und Entscheidungen zu treffen, deren Konsequenzen nicht sofort spürbar sind. Kinder in diesem Alter können deshalb gut mitbestimmen, wie sie ihr Kinderzimmer umgestalten wollen und mitreden, wo oder wie der Familienurlaub verbracht werden soll.
  • Bei Kindern ab zehn Jahren werden die Entscheidungskompetenzen immer größer. Sie können komplexere Zusammenhänge betrachten, abstrakt und logisch denken, Konsequenzen vorab berücksichtigen und Argumente gegeneinander abwägen, um eine Entscheidung zu treffen. Ab einem Alter von zwölf Jahren haben Kinder auch rechtlich ein Mitspracherecht. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind. Dann kann das Kind bei der Wahl des Wohnortes mitbestimmen, beziehungsweise, bei welchem Elternteil es leben will.
  • Bei Jugendlichen gibt es oft Konflikte um Ausgehen, Verabredungen mit Freunden, TV- und Internetnutzung. Sie sollten in der Lage sein, mit sachlichen Argumenten zu begründen, warum sie etwas möchten und einzusehen, dass sie Rechte und Pflichten haben. Auf dieser Basis können sie mit den Eltern Kompromisse aushandeln und verbindliche Regeln verabreden. Eltern sollten für Vorschläge und Argumente von Jugendlichen offen sein: “Sie haben oft gute Ideen, auf die Erwachsene nicht immer kommen”, sagt der Vorsitzende der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, Ulrich Gerth.

Mitspracherecht heißt auch Konfliktpotential

Kindliche Entscheidungen werden nicht immer von Eltern gutgeheißen, auch wenn sie beratend beiseite gestanden haben. Vor allem bei noch nicht schulpflichtigen Kindern ist es schwierig, Entschlüsse in Frage zu stellen. Das endet allzu häufig in einem trotzigen Wutanfall und frustriert, da die Kinder das Gefühl bekommen, dass ihr Mitspracherecht nachträglich zunichte gemacht wird.

Konfliktpotential gibt es in diesem Alter vor allem bei den Themen Schlafen, Essen oder Kleidung. Ein typischer Fall: Ein Vierjähriger hat sich alleine angezogen und möchte im Winter gerne seine Sommerjacke in den Kindergarten mitnehmen. Doch die Mutter will dies unbedingt verhindern.

Der bekannte dänische Pädagoge Jesper Juul rät in seinem Buch “Das kompetente Kind” in solchen Situationen dazu, die Entscheidung des Kindes zu respektieren und Alternativen anbieten, zum Bespiel: “Aha, das hast du also angezogen, ich glaube, das ist ein bisschen wenig. Du kannst so bleiben, aber du solltest noch deinen Anorak mitnehmen, wenn du frierst.”

Für Juul sind solche Kompromisslösungen wichtig, damit Kinder lernen selbstständig zu werden. Eltern sollten dies nicht als Beschneidung ihrer Autorität verstehen: “Kinder wollen selber bestimmen und man denkt, es hätte mit Macht zu tun. Aber darum geht es den Kindern nicht. In Wirklichkeit meinen sie: ‘Ich möchte gerne selber dafür verantwortlich sein.’ Die Konfliktlösung funktioniert also nur über Begleitung und nicht über Machtkampf.”

Entscheidungen im Familienrat treffen

Eine klassische Instanz, um Mitsprache in der Familie zu kultivieren, ist ein regelmäßig tagender Familienrat. Er ist vor allem für Kinder im schulpflichtigen Alter die ideale Spielwiese, um Mitbestimmung zu lernen. Gegenseitiger Respekt ist die Grundvorrausetzung. Dabei sind alle Familienmitglieder gleichwertig. Jeder darf das ansprechen, was ihn bewegt, und alle anderen hören erst einmal nur zu. Eine Tagesordnung kann dem Familienrat eine Struktur geben. Am Schluss sollten gemeinsame Lösungen gefunden werden, die allen behagen.

Vor allem für die Kinder sind solche Zusammenkünfte wichtig: Sie lernen wichtige Kommunikationsregeln und bekommen das Gefühl, ernst genommen und als vollwertiges Familienmitglied akzeptiert zu werden. Und wer sich ernst genommen fühlt, nimmt auch Vereinbarungen ernst, die den Eltern wichtig sind.

Manche Themen sind nicht verhandelbar

Nicht alle Themen sind jedoch für einen Familienrat geeignet. Partnerschaftliche Probleme zum Beispiel sollten nie mit den Kindern diskutiert werden. Passend sind dagegen alle Bereiche des Familienalltags von “A” wie Aufräumen über “M” wie Müll raustragen bis “Z” wie Zubettgehen.

Mitreden heißt allerdings nicht grundsätzlich mitentscheiden. Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) Bayern, nennt Themen, bei denen das Wort der Eltern gilt: “Aufsteh- und Schlafenszeiten unter der Woche sind nicht verhandelbar.”

Genauso sieht es beispielsweise auch mit dem Zähneputzen aus. Hilfreich ist es laut Dana Mundet von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, wenn die Eltern klar für sich definieren, in welchen Bereichen klare Regeln gelten sollen und wo das Kind mehr Spielraum bekommen kann – zum Beispiel beim Auswählen der Kleidung oder beim Programm am Wochenende.

Zur Mitbestimmung gehört auch die Einsicht, dass man nicht nur Rechte einfordern kann. Das Ganze funktioniert wie ein Tauschgeschäft: Je mehr Rechte man bekommt, desto mehr Pflichten muss man übernehmen, verdeutlicht Becker-Stoll.

Verantwortung und demokratisches Handeln

Mit selbstständiger Entscheidungsfindung lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen und begreifen, dass dies immer eine Konsequenz nach sich zieht, zu der man stehen muss. Die Möglichkeit zur Mitbestimmung fördert bei Kindern demokratisches Denken und Handeln und stärkt die familiäre Harmonie. Jesper Juul sagt: “Persönliche Verantwortung schafft eine gesunde Basis für unser Sozialverhalten. In Familien, in denen die Eltern dies zu erkennen bereit sind, findet man sehr viel weniger Konflikte, mehr Nähe und stärkere Kinder.”

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Kinderernährung: Bekommt Ihr Kind genug Vitamine und Mineralstoffe?

Gerade für einen Körper, der noch wächst und sich entwickelt, ist Mangel an Nährstoffen ein großes Problem. Diese Tabellen zeigen, welche Nährstoffe Kinder brauchen und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind.

Zu den Mineralstoffen und Vitaminen, die Kinder und Jugendliche besonders dringend brauchen, gehören Calcium für die Knochen, Eisen fürs Wachstum, Jod für die Schilddrüse, Vitamin A fürs Wachstum und für die Augen und Vitamin C fürs Wachstum und Immunsystem.

Der Nährstoff-Bedarf von Kindern nach Alter in mg/Tag

Alter

Vitamin C*

Jod*

Calcium*³

Vitamin A*

Eisen*²

0 bis 4 Monate

50

40

 

 

0,5 mg

4 bis 12 Monate

55

80

 

 

8 mg

1 bis 4 Jahre

60

100

600

0,6 – 0,8 mg

8 mg

4 bis 7 Jahre

70

120

700

 

8 mg

7 bis 10 Jahre

80

140

800

 

10 mg

10 bis 13 Jahre

90

180

900

 

Mädchen:
15 mg
Jungen:
12 mg

13 bis 15 Jahre

100

200

1000

 

Mädchen:
15 mg
Jungen:
12 mg

15 bis 18 Jahre

100

200

1200

 

Mädchen:
15 mg
Jungen:
12 mg

Quelle*: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
Quelle*²: http://www.ferro.de/1/226.html
Quelle*³: www.kinder.de

So bekommen Kinder genug Calcium  

Der Bedarf von 800 mg Calcium eines sieben bis zehnjährigen Kindes wird zum Beispiel gedeckt durch:

  • 50 g Emmentaler + 250 ml Kakao oder
  • 150 ml Milch mit 30 g Haferflocken + 150 g Fruchtjoghurt + 150 g Broccoli + 30 g Gouda oder
  • 200 g Vanillepudding + 500g Buttermilch

Diese Lebensmittel liefern Vitamin A

Der Bedarf von mindestens 0,6 mg Vitamin A eines Kindes kann alternativ durch folgende Lebensmittel gedeckt werden.

  • 6-7 g Leber
  • 66 g Leberwurst
  • 100 g Butter
  • 140 g Camembert, Thunfisch
  • 200 g Emmentaler, Mozzarella
  • 220 g Gouda
  • 1350 g Fisch
  • 2 l Vollmilch

So hoch ist der Eisenbedarf eines Kindes

Ein einjähriges Kind hat also den gleichen Eisenbedarf wie ein 7- oder 10-Jähriger. Das führt dazu, dass Eisenmangel bei 1-2- Jährigen sehr verbreitet ist. In diesem Alter nimmt die Blutmenge sprunghaft zu. Das gleiche gilt für 11- bis 14- jährige Kinder. Auch bei ihnen ist der Bedarf deutlich erhöht. Ein Verdacht auf Eisenmangel besteht zum Beispiel, wenn ein Kind lustlos ist, ein auffallendes Verhalten an den Tag legt oder sich schlecht konzentrieren kann, oft krank ist und sich schneller ansteckt als sonst, brüchige Haare oder rissige Fingernägel hat oder rötlichen oder rosafarbenen Urin ausscheidet.

Lebensmittel

Eisengehalt

Anmerkung

Vollkornprodukte aus Hirse, Soja, Quinoa (Reismelde), Amaranth (Fuchsschwanz, Samen), Keimlinge

+++

 

Vollkornprodukte aus Roggen, Weizen, Hafer, Dinkel (Grünkern), Buchweizen, Gerste, Reis

++

 

Petersilie, weiße Bohnen, Sojabohnen, Kichererbsen, Linsen

+++

 

Fenchel, Schwarzwurzel, Portulak, Topinambur, Batate, Löwenzahnblätter, Pfifferlinge, Brunnenkresse

+

 

Cashewnüsse (geröstet), Kürbiskerne, Sesamsamen (trocken + geröstet), Mohn (trocken), Pinienkerne, Pistazien, Sonnenblumenkerne

++

sehr fett- und kalorienreich.

Haselnüsse, Erdnüsse, Paranüsse

++

sehr fett- und kalorienreich.

Trockenobst

++

sehr zucker- und kalorienreich

Dunkle Trauben, Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, Heidel-, Preisel-, Maul- und Himbeeren

+

 

Innereien, Miesmuscheln, Austern, Blut- und Leberwurst

+++

 

Dosenwürstchen, Jagdwurst, Mortadella, Rotbarsch geräuchert, (Öl)sardinen, Wildfleisch

++

 

Muskelfleisch allgemein, Kochschinken, Leberkäse, Hühnerei, Salzhering, Zander, Garnele, Flusskrebs

+ bis ++

 

+ bis 2,5 mg ++2,5 – 5 mg +++ 5 mg Eisen

Quelle: http://www.qualimedic.de/eisen.html

Da Eisen besser in Kombination mit Vitamin C aufgenommen werden kann, sollten die Mahlzeiten mit Vitamin C-reichen Gemüse, wie Paprika, Rosenkohl, Sauerkraut oder Kartoffeln kombiniert oder durch ein Glas Orangensaft ergänzt werden. Auch schwarze Johannisbeeren, roher Weißkohl, Kiwis, Zitrusfrüchte und Erdbeeren sind gute Vitamin-C- Lieferanten, ebenso wie Leber, Petersilie, Kohl, Hagebutten und Sanddorn.

Kinder und Jugendliche essen zu wenig Gemüse

Natürlich kann keine Mutter und kein Vater täglich die Nährstoffe zusammenrechnen, die Kinder zu sich nehmen. Aber wenn Eltern wissen, welche Nährstoffe in welchen Lebensmitteln enthalten sind, wird deutlich wie wichtig eine gesunde Mischung ist und sie können immer mal wieder überprüfen, ob Kinder von allem etwas bekommen haben. Ein wichtiger Baustein zur Deckung des Nährstoffbedarfes ist Gemüse. Mit der so genannte Donald-Studie vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund haben Wissenschaftler überprüft, ob die Empfehlungen zum Verzehr von Gemüse von Kinder umgesetzt werden.

Sie empfehlen pro Tag für Einjährige 120 Gramm und für Jugendliche 300 bis 350 Gramm Gemüse. Tatsächlich verzehrten Kinder unter sechs Jahren etwa 75 Gramm und Jugendliche 140 Gramm. Damit nahmen die Einjährigen nur 64 Prozent und Klein- und Schulkinder sogar nur etwa die Hälfte der empfohlenen Menge Gemüse zu sich.

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Facebook-Party in Isselburg: Polizei muss 150 “Gäste” vertreiben

Nur mit Hilfe der Polizei hat ein 17-Jähriger eine aus dem Ruder gelaufene Party in den Griff bekommen. Der Jugendliche hatte für Freitagabend zur Feier nach Isselburg (in Nordrhein-Westfalen) in sein Elternhaus geladen und erwartete rund ein Dutzend Freunde. Das sollte sich als Trugschluss erweisen:

Über Facebook und den Messaging-Dienst WhatsApp hatte sich die Einladung so stark verbreitet, dass am späten Abend rund 150 Menschen vor der Tür des 17-Jährigen standen.

Erst mit mehreren Streifenwagen und zwei Diensthunden gelang es den herbeigerufenen Beamten, die Feier zu beenden.

Es wurden unter anderem drei Rollläden beschädigt und ein Feuerlöscher in der Garage versprüht. Außerdem zerstörte die Menge einen Spiegel und – sicherlich zum Ärger des Familienvaters – eine Sammlung von Modellautos. Die Polizei leitete ein Strafverfahren ein. Verletzt wurde niemand.

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Jugendliche plagen sich in Pubertät oft mit Zukunftsängsten

Auf dem Weg ins Erwachsenenleben verändert sich bei Jugendlichen nicht nur der Körper. Auch die eigene Zukunft rückt in der Pubertät stärker in den Fokus. Viele haben Angst vor dem, was da auf sie zukommt – das ist normal. Mit ein paar Tipps kommt man mit Zukunftssorgen klar.

Junge Menschen haben noch Träume, heißt es. Genauso ist die Jugend von heute aber von Zukunftssorgen geplagt. Finde ich den richtigen Job? Finde ich überhaupt einen Job? Wie entwickelt sich die Welt? Wie entwickle ich mich selbst? Im Laufe der Pubertät fängt man an, sich solche Fragen zu stellen. Grundsätzlich sind Zukunftsängste ganz normal – nur auf den richtigen Umgang mit ihnen kommt es an.

“Generation Y ” plagt sich oft mit Zukunftsängsten

Was sind eigentlich die Zukunftsängste der heutigen Jugend? Ganz oben stehen aktuell große politische Themen. Terror und Umweltverschmutzung – vor allem die Belastung von Trinkwasser und anderen Ressourcen – seien Beispiele, erklärt Klaus Hurrelmann. Er ist Professor für Public Health und Education an der Hertie School of Governance in Berlin und Experte im Bereich Jugendforschung.

Dieser Spitzenplatz mag überraschen: Terror und Umweltschutz klingen als Sorgen erstmal sehr abstrakt. Hurrelmann aber findet diese Ängste keineswegs irrational: “Sie spiegeln Schlüsselerfahrungen der Generation Y wider.” Diese Generation habe während ihrer Jugendzeit zwischen 2000 und heute die Anschläge vom 11. September 2001 oder die atomare Katastrophe in Fukushima als prägende Ereignisse erlebt.

Angst vor Arbeitslosigkeit nimmt ab

Ängste persönlicher Natur kommen laut Hurrelmann an zweiter Stelle. Das kann etwa die Furcht vor schweren Erkrankungen sein oder der Verlust eines wichtigen Menschen. Dahinter stehen ökonomische Sorgen. “Vor zwei bis drei Jahren war das Thema Arbeitsplatzsicherheit noch präsenter, ist inzwischen aber abgeklungen.”

Rainer Schütz hat in seiner täglichen Arbeit vor allem mit konkreten Zukunftssorgen zu tun. Er ist Geschäftsführer des Vereins “Nummer gegen Kummer” in Wuppertal. Diese kostenlose Hotline können Jugendliche wählen, um über Probleme zu sprechen. Häufig seien Ängste vor möglichen Schwangerschaften und Schulsorgen Thema am Telefon, sagt Schütz. Der diplomierte Sozialwissenschaftler rät bei solchen konkreten Zukunftsängsten zum Handeln. “Wer ungeschützten Sex hatte, sollte sich schnell mit einem Test Klarheit verschaffen.” Denn: “Ängste mit sich herumschleppen, macht die meist nur schlimmer.”

Über Zukunftsängste sprechen 

Es kann auch helfen, sich einem Freund oder Verwandten mit seinen Zukunftsängsten anzuvertrauen. “Erzählen eignet sich gut, um seine Sorgen und Nöte einmal zu sortieren und zwischen begründeten und unbegründeten Ängsten zu unterscheiden”, sagt Schütz.

Auch die Ellenbogengesellschaft stellt Heranwachsende manchmal vor Probleme. In der Schule wird schon Leistung verlangt, um später für den Kampf um die besten Arbeitsplätze gerüstet zu sein. Oft machen hier auch die Eltern Druck. “Die Jagd nach guten Noten ist der rationale Weg, um auf diese Anforderungen zu reagieren”, sagt Hurrelmann. Wer das jedoch nicht schafft, sieht sich häufig auf der Verliererstraße – und bekommt wegen der entstehenden Zukunftsängste im Extremfall sogar psychische Probleme.

Hilfe holen bevor eine psychische Störung entsteht

Akute Zukunftsangst macht sich körperlich bemerkbar. “Anspannung, ständige innere Unruhe, Probleme mit dem Schlaf sind mögliche Folgen von Ängsten”, erklärt Christiane Wempe, Entwicklungspsychologin an der Universität Mannheim. Grundsätzlich sei Angst kein negatives Gefühl, betont sie. “Ängste gelten erst dann als psychische Störung, wenn sie das tägliche Leben erheblich beeinflussen.” Meist seien Betroffene regelrecht gelähmt in ihrem Tun. “Ihnen gelingt es dann etwa nicht, ihre Ausbildung zu Ende zu machen.”

Wer sich von Zukunftsängsten erdrückt fühlt, sollte sich helfen lassen. Neben den Beratungsstellen an Universitäten und Schulen empfiehlt Wempe auch den Blick ins Internet. “Gerade junge Männer haben beim Thema Angst Hemmungen, sich anderen anzuvertrauen”, beobachtet die Psychologin. Im Netz können sie sich laut Wempe erst einmal orientieren und Hilfsangebote sondieren.

Bei etwas Anspannung muss aber nicht gleich ein Experte ran. Hier helfe oft schon Sport weiter, um Druck abzubauen, weiß Wempe. Ein klares No-go seien hingegen Alkohol und Drogen. “Das ist nur Problembewältigung für einen kurzen Moment. Danach kehren die Sorgen umso stärker zurück”, warnt die Psychologin.

Durch Fehler lernt man

Auch wenn es einfach klingt: Schütz rät bei Gedanken an die persönliche Zukunft zu Gelassenheit. Junge Leute sollten keine Angst haben, sich auszuprobieren. Und keine Furcht vor dem Scheitern empfinden. “Fehler gehören dazu. Die können genauso eine Chance für etwas Neues sein.”

Ein gewisses Maß an Zukunftsangst sei manchmal sogar nützlich, findet wiederum Wempe. “Damit kann eine Extraportion Energie aktiviert werden.” Die hilft dann vielleicht in Prüfungen und bei anderen Herausforderungen, etwa einem Vorstellungsgespräch.

Angst gehört zum Lebensabschnitt Pubertät dazu 

Angst vor der Zukunft ist im Jugendalter übrigens normal. “Sie gehört zu dem Lebensabschnitt dazu”, betont Hurrelmann. “Familie, Schule, Gesellschaft. All das wird kritisch beäugt.” Und weil Jugendliche dazu neigen, wahrgenommene Probleme und deren Folgen auch auf sich selbst zu projizieren, machen diese Beobachtungen schnell Angst. Einen kleiner Trost: “Mit zunehmenden Alter nehmen die Zukunftsängste wieder ab.”

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Shell Jugendstudie 2015: So denken unsere Jugendlichen

Wie tickt die Jugend in Deutschland? Dieser Frage geht seit 1953 die Shell Jugendstudie nach. Diesmal war das Thema Zuwanderung ein wesentlicher Aspekt.

Überblick
  • Politik
  • Flüchtlinge
  • Sorgen
  • Beruf und Familie
  • Werte
  • Internet

“Eine Generation im Aufbruch” nennen Wissenschaftler unsere Jugendlichen und haben viel Lob für sie übrig. Sie seien anspruchsvoll und wollten neue Horizonte erschließen, sagt der Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld. Der Blick der Jugendlichen sei nicht mehr nur auf das eigene Leben und und das private Umfeld gerichtet, sondern auch wieder politischen Inhalten zugewandt.

Optimistischer Blick in die Zukunft

61 Prozent der Befragten sehen optimistisch in die Zukunft – das sind mehr als bei den letzten beiden Untersuchungen 2010 und 2006. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen bewerten auch die gesellschaftliche Zukunft positiv.

Zunehmendes Interesse an Politik

Immer mehr junge Leute interessieren sich für Politik. Im Vergleich zum Tiefpunkt 2002 mit 30 Prozent bezeichneten sich zuletzt 41 Prozent der Jugendlichen als politisch interessiert. Nach Erkenntnissen der Forscher hat der Wandel auch damit zu tun, dass die 12- bis 25-Jährigen die gesellschaftliche Lage in Deutschland wieder positiver sehen.

Etablierte Parteien profitieren allerdings nicht vom steigenden Interesse an Politik. 69 Prozent meinen: “Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken.” Parteien genießen wenig Vertrauen, ebenso wie große Unternehmen, Kirchen und Banken. Als vertrauenswürdig haben sich dagegen Polizei, Gerichte und Menschenrechts- und Umweltgruppen erwiesen.

Das denken Jugendliche über Flüchtlinge

Der großen Mehrheit der Jugendlichen (82 Prozent) ist es wichtig, “die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren”. Das geht auch aus ihren Antworten speziell zu Flüchtlingen hervor: Demnach sprachen sich 39 Prozent der 12- bis 25-Jährigen dafür aus, dass künftig genauso viele Menschen aus dem Ausland zuwandern dürfen wie bisher. 15 Prozent der Befragten befürworteten sogar mehr. Zum Vergleich: 2006 sprachen sich noch 58 Prozent dafür aus, Zuwanderung zu verringern. Aktuell ist dieser Anteil auf 37 Prozent gesunken. Etwa jeder Dritte wünschte sich indes weniger Flüchtlinge in Deutschland. 

Die Sorgen der Jugendlichen

Auffällig ist die Sorge in Bezug auf die internationale Politik. Auf die Frage nach ihren Ängsten nannten die Jugendlichen mit 73 Prozent am häufigsten Terroranschläge – gefolgt von einem möglichen Krieg in Europa (62 Prozent). Für Deutschland wünschen sich die Jugendlichen in der internationalen Politik eine wichtige, vermittelnde, aber keine militärisch eingreifende Rolle.

Beruf und Familie sollen vereinbar sein

Die Ansprüche an Bildung, Beruf und Arbeitgeber sind hoch. Der Beruf soll interessant sein, am wichtigsten ist für 95 Prozent jedoch die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Fast drei Viertel der Jugendlichen gehen davon aus, ihre Berufswünsche verwirklichen zu können.

Die Vereinbarkeit von Privatleben und Arbeit bedeutet den Jugendlichen dabei mehr, als Karriere zu machen. Drei Viertel möchten in Teilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben.

Weniger Jugendliche wünschen sich Kinder

Gute Noten gibt es von den meisten Jugendlichen für die Eltern. Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, ein gutes Verhältnis zu Mutter und Vater zu haben. Fast drei Viertel möchten ihre Kinder ähnlich erziehen, wie sie selbst erzogen wurden.

64 Prozent wollen später einmal Kinder haben, 2010 waren es noch 69 Prozent. Bei männlichen Jugendlichen ist der Kinderwunsch stärker zurückgegangen als bei weiblichen. Von den Befragten der unteren Schicht wünschten sich mehr als die Hälfte Kinder, bei der oberen Schicht waren es drei Viertel.

Gesetz und Ordnung sind wichtige Werte

Neben der Familie sind Jugendlichen Freundschaft (89 Prozent) und Partnerschaft (85 Prozent) besonders wichtig. 64 Prozent legen großen Wert auf Respekt vor Gesetz und Ordnung, viele wollen fleißig und ehrgeizig sein. Die Studienautoren geben an, dass Macht oder ein hoher Lebensstandard an Bedeutung verloren haben.

Alle sind im Internet

Obwohl nahezu alle Jugendlichen das Internet nutzen (99 Prozent), werden Konzerne wie Google und Facebook durchaus kritisch betrachtet. Vier Fünftel glauben, dass mit ihren Daten Geld verdient wird. Die Online-Zeit wird in der Studie mit 18,4 Stunden pro Woche angegeben – 2006 lag sie noch unter zehn Stunden pro Woche.

Für die Erhebung werden seit 1953 alle drei bis fünf Jahre rund 2500 Jugendliche zu ihren Einstellungen befragt. Die jüngste Befragung fand Anfang dieses Jahres statt.Shell Jugendstudie 2015 (Quelle: obs/Shell Deutschland Oil GmbH)Shell Jugendstudie 2015 (Quelle: obs/Shell Deutschland Oil GmbH)

Shell Jugendstudie 2015 (Quelle: obs/Shell Deutschland Oil GmbH)Shell Jugendstudie 2015 (Quelle: obs/Shell Deutschland Oil GmbH)

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Falsche Freunde? So erleben Eltern die Clique ihres Kindes

Muss es ausgerechnet die stadtbekannte Party-Clique sein? Nicht immer sind die Eltern einverstanden mit den Freunden ihrer Kinder. Die Angst vor schlechtem Einfluss treibt sie um. Doch wann dürfen – oder müssen – sie sich einmischen?

Neuerdings raucht die Tochter, weil alle Freundinnen es auch tun. Und der Sohn zockt stundenlang beim Nachbarsjungen Ballerspiele. Eltern haben dann schnell Angst, dass ihr Kind die falschen Freunde hat.

“Vor allem für Jugendliche sind Gleichaltrige sehr wichtig”, sagt Diplom-Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Das sei grundsätzlich positiv. “Es ist wichtig für die Entwicklung der Kinder, über den Horizont der Familie hinauszublicken. Der Kontakt zu Freunden hilft den Kindern, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden”, sagt er.

Ab dem Schulalter entscheiden Kinder selbst

Je älter die Kinder werden, desto größer ist der Stellenwert der Freunde. “Im Kindergartenalter bedeutet Freundschaft vor allem physische Gemeinschaft: Freunde sind die Kinder, mit denen man viel Zeit verbringt”, erklärt Marion Pothmann, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche in Hamburg und Autorin des Buchs “Kinder brauchen Freunde”. Das kann heute Max sein und morgen Anna.

Ab dem Grundschulalter rücken ähnliche Interessen mehr und mehr in den Vordergrund. Kinder schauen schon genauer hin, mit wem sie befreundet sein möchten.

Kinder im Grundschulalter pflegen ihre Freundschaften selbstständig. Nicht die Eltern machen die Spieltermine aus, sondern die Kinder nehmen das immer mehr selbst in die Hand. “Freundschaften zu schließen, heißt, Menschen genauer zu durchleuchten”, sagt Maria von Salisch, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Lüneburg: “Man wird aufgrund von Äußerlichkeiten aufeinander aufmerksam, sucht dann nach Gemeinsamkeiten, sieht sich gleichzeitig nach Alternativen um.” Das sei die erste soziale Leistung außerhalb des Schutzraums der Familie.

Eltern wissen oft wenig über die Aktivitäten der Kinder

Je älter die Kinder werden, umso weniger spielt sich ihre Freizeit mit Freunden im Elternhaus ab. Jugendliche treffen sich in der Stadt, im Sportverein, kommunizieren via Smartphone – die Freunde werden zur unbekannten Größe für die Eltern. Wer neugierig nachbohrt (“Was macht ihr eigentlich die ganze Zeit?”), bekommt selten eine zufriedenstellende Antwort. Das kann Ängste schüren.

“Umso wichtiger ist es, vom frühen Kindesalter an eine Gesprächskultur in der Familie zu entwickeln”, rät Psychologin Pothmann. Wer es gewohnt ist, dass in der Familie erzählt und zugehört wird, der wird auch als Jugendlicher eher von Erlebnissen mit der Clique erzählen oder die Freunde mal mit nach Hause bringen. “Oft erweisen sich elterliche Sorgen als unbegründet, wenn man sich persönlich kennengelernt hat”, sagt Erziehungsberater Andreas Engel.

Auch negative Erfahrungen gehören dazu

Der Einfluss der Eltern auf die Freundschaften ihrer älteren Kinder ist begrenzt, weiß die Entwicklungspsychologin von Salisch. Natürlich sei es schmerzhaft zu erleben, wenn eine Freundschaft missbraucht wird oder zerbricht. “Aber auch das ist eine wichtige Erfahrung.”

Doch was, wenn Drogen im Spiel sind oder Gewalt? “Verbote sollten, wenn überhaupt, die letzte Notlösung sein”, sagt Pothmann. Verbote rufen bei Jugendlichen Trotzreaktionen hervor: Wenn die Eltern die Freunde verbieten, werden sie erst so richtig interessant.

Stattdessen gilt auch hier: “Miteinander reden, fragen, warum das Kind so gern mit dem Freund zusammen ist, die eigenen Sorgen äußern.” 

Bei schiefen Machtverhältnissen behutsam helfen

Schmerzhaft können einseitige Freundschaften sein, in denen einer den anderen dominiert und klein hält. “Das merkt man daran, dass das Kind sich unsicherer verhält, nicht mehr mit seinen anderen Freunden spielt”, sagt Pothmann. Dann gehe es darum, dem Sohn oder der Tochter zu helfen, sich aus der Bindung zu lösen und neue Freundschaften zu schließen.

So einseitig sind die Machtverhältnisse jedoch selten. “Die These, dass die eigenen Kinder verführt wurden, entlastet zwar, ist aber in der Regel zu einfach”, sagt Engel. Manchmal sind nämlich nicht nur die anderen die falschen Freunde – sondern auch die eigenen Kinder.

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Pubertät: Die zehn goldenen Regeln durch alle Phasen der Pubertät

Pubertät. Ein Wort, bei dem vielen Eltern der Schweiß ausbricht. Das klingt nach Hormon-Chaos, schlechter Laune und Streit ums Ausgehen. Mit diesen zehn goldenen Regeln überstehen Eltern die Pubertät ihrer Kinder.

Die Pubertät ist keine üble Laune der Natur, sondern ein sehr sinnvoller Plan. Dabei werden Tausende von Nervenverbindungen im Gehirn auf ihre Nützlichkeit hin überprüft und, wenn nötig, entsprechend aussortiert. Leider geht dieser Umbau aber auch mit unangenehmen Begleiterscheinungen einher:Jugendliche werden risikofreudiger und stellen die Beziehung zu den Eltern in Frage. Dieser Prozess geht mit extremen Stimmungsschwankungen einher. Wie Eltern trotzdem sicher durch alle Phasen der Pubertät navigieren, erklären Angela Kling und Eckhard Spethmann in ihrem Buch “Pubertät”.

Der biologische Aspekt der Pubertät

Pubertät bedeutet Geschlechtsreife. Hormonell gesteuert beginnen im Alter von elf, zwölf Jahren bei den Jungen die Hoden und bei Mädchen die Eierstöcke Geschlechtshormone herzustellen und diese ins Blut auszuschütten. Allmählich erfolgt so eine Umwandlung des Körpers: die sekundären Geschlechtsmerkmale bilden sich aus, bei den Mädchen setzt die erste Blutung ein, bei den Jungen die Spermienproduktion. Nach durchschnittlich vier Jahren ist der körperliche “Umbau” in der Regel abgeschlossen.

In der Pubertät ist es mit Erziehung vorbei

Eltern wollen es meist nicht wahrhaben, aber wenn die Pubertät beginnt, ist es mit der Erziehung im Großen und Ganzen vorbei. Für viele ist es sicher ein schmerzlicher Prozess, dass ihre Meinung nichts mehr zählt. Stattdessen ziehen sich die Jugendlichen zurück, vertrauen lieber auf das Urteil von Gleichaltrigen. Gemeinsam mit Freunden erkunden sie ganz neue Pfade, suchen den Kick in Grenzerfahrungen, Drogen, Alkohol, Sex. Eltern sollten Ruhe bewahren, geduldig sein, auf die Früchte ihrer Erziehung bauen. Auch die Pubertät ist nur eine Phase!

Auch wenn Teenager nach außen hin eine ablehnende Haltung zeigen, ist es wichtig, dass die Eltern mit ihren Kindern in Kontakt bleiben. Eltern sollten deutlich machen, dass sie sich für das Leben der Heranwachsenden interessieren, aber gleichzeitig die nötige Distanz wahren. Die Balance zwischen Interesse und Überwachung ist dabei sicher nicht immer leicht finden.

“Zehn goldene Regeln”

Anhand von “zehn goldenen Regeln” geben Kling und Spethmann Tipps, wie Eltern das Zusammenleben während der Pubertät gelingt.

  1. Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind sich von der Familie zurückzieht.
  2. Leben Sie die Werte vor, die für Sie im Leben wichtig sind.
  3. Hören Sie Ihrem Kind auch in den unmöglichsten Situationen zu.
  4. Verhandeln Sie faire Regeln und halten Sie diese konsequent ein.
  5. Stellen Sie sich den Konflikten.
  6. Bleiben Sie mit Ihrem Kind in Kontakt und bieten Sie gemeinsame Aktivitäten an.
  7. Übertragen Sie Heranwachsenden nach und nach mehr Verantwortung. Auch für Geld.
  8. Ermutigen Sie Ihr Kind, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.
  9. Nutzen Sie Gelegenheiten für Gespräche über Leben, Liebe und Tod.
  10. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, Rituale für seinen persönlichen Übergang ins Erwachsenenalter zu finden.

Im “Pubertäts-ABC” finden sich Antworten auf häufig gestellte Fragen: Wie sage ich meinem Sohn, dass er Kondome benutzen soll, was kann ich tun, wenn mein Kind die Schule abbrechen will, und wie bringe ich ihm bei, dass mir seine Freunde nicht gefallen? Zusätzlich liefern die Autoren viele praktische Tipps, zum Beispiel woran Eltern Drogengebrauch erkennen, um Missbrauch entgegenwirken zu können.

Buchtipp: Angela Kling, Eckhard Spethmann: “Pubertät. Der Ratgeber für Eltern. Mit 10 goldenen Regeln durch alle Phasen der Pubertät”, Humboldt, 2010, 9,95 Euro, ISBN: 978-3-86910-613-7

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Pflegeeltern dringend gesucht

Manche Kinder müssen von den leiblichen Eltern weg – aus welchen Gründen auch immer. Ein Heim ist dann nur die zweitbeste Wahl. Jugendämter bringen diese Kinder lieber zu Pflegeeltern. Aber es gibt zu wenige. Dieses Paar kann sich ein Leben ohne Pflegekinder gar nicht mehr vorstellen: Fatma und Olaf Behrens. 

Ein gepflegtes Reihenhaus in Hamburg-Eidelstedt: Vor der Tür stehen diverse Schuhe, durch den Flur hallt Kindergeschrei. Eine ganz normale Familie in Deutschland? Nicht ganz. Fatma und Olaf Behrens sind Pflegeeltern, ihre Kinder Dominik und Daniel* sind nicht ihre leiblichen Kinder. Aber fast schon trotzig sagt Olaf Behrens: “Wir sind ganz normale Eltern.” Und seine Frau Fatma ergänzt: “Wir sind zu einer wahren Familie zusammengewachsen.”

Pflegeeltern dringend gesucht

Bundesweit lebten 2013 fast 68.000 Kinder und Jugendliche bei Vollzeit-Pflegeeltern, mehr als 69.000 in Heimen oder anderen betreuten Wohnformen. Beispiel Hamburg: Hier können rund 2300 Kinder nicht bei den leiblichen Eltern aufwachsen, aber nur 1300 von ihnen leben bei Pflegeeltern.

“Wir hatten leider nicht die Möglichkeit, eigene Kinder zu bekommen”, sagt Olaf Behrens. “Da haben wir gedacht, unser Schicksal ist es, anderen Kindern ein Zuhause zu geben.” Zuerst bekamen sie Dominik. Er war damals ein halbes Jahr alt, heute ist er sieben. Ein Jahr später kam der heute sechsjährige Daniel dazu, erzählt Behrens.

Fatma ist die Herzensmama

Die Pflegeeltern, beide 46, fühlen sich vom Jugendamt gut vorbereitet und betreut. In der Familie gebe es natürlich auch mal besondere Probleme. Zum Beispiel den Brüdern zu erklären, warum sie, anders als ihre Freunde, zwei Mütter und zwei Väter haben. “Bei uns gibt es eben eine ‘Bauchmutti’, die sie geboren hat, und eine ‘Herzensmama’, und das bin ich”, sagt Fatma und lacht. “Natürlich ist das schwer zu erklären, aber die Kinder sind damit aufgewachsen.”

Kontakt mit den leiblichen Eltern bleibt bestehen

“Man sollte genau wissen, was auf einen zukommt”, sagt Ralf Portugall von der Organisation PFIFF, die Pflegeeltern und Fachkräfte berät und schult. “Gewöhnungsbedürftig für viele ist, dass das Pflegekind weiterhin Kontakt mit den leiblichen Eltern hat.” Außerdem müsse sich die Familie für das Jugendamt quasi transparent machen.

Das größte Problem sei, Eltern für die Bereitschaftspflege zu finden, sagt Portugall. Bei diesen werden Kinder in Notfällen für höchstens ein halbes Jahr untergebracht. Für diese Aufgabe bräuchte man eigentlich viermal so viele. “Die Pflegeeltern müssen das Kind erst annehmen und wenig später wieder loslassen”, sagt Portugall. “Die Dauerpflege besteht dagegen in der Regel bis zur Volljährigkeit des Kindes.”

“Ohne uns wären sie im Heim”

Fatma und Olaf Behrens können sich ein Leben ohne ihre Jungs gar nicht mehr vorstellen – sie hoffen darauf, dass die Kinder bei ihnen bleiben können. Und wenn sie doch wieder zur leiblichen Mutter zurückkämen? “Es wäre trotzdem alles 1000 Mal richtig gewesen”, sagt Olaf Behrens. “Denn ohne uns wären sie in diesen Jahren im Heim gewesen.” Seine Frau fügt hinzu: “Aber natürlich würde uns das das Herz brechen.”

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“Time”-Ranking der einflussreichsten Teenager weltweit

Weltfrieden, Bildung, Gleichberechtigung für Transsexualität, freier Forschergeist – dafür lohnt es sich zu kämpfen. Das US-Magazin “Time” hat ein Ranking der 30 einflussreichsten Teenager der Welt erstellt. Und die stehen für diese Begriffe. Wir stellen die Top 3 vor.

Das Magazin “Time” wollte den Einfluss weltweit ermitteln und sichtete die Präsenz der Namen in sozialen Netzwerken und den klassischen Nachrichten. Darunter finden sich junge Unternehmer, Politikerkinder, Sportler und Top-Models, aber eben auch diese drei beeindruckenden jungen Menschen. 

An der Spitze: Malala Yousafzai

Angeführt wird die Liste von der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten: Malala Yousafzai. Ihren Kampf für Bildung musste die heute 18-jährige Pakistanerin teuer bezahlen. Die Kinderrechtsaktivistin aus dem Swat-Tal wurde im Oktober 2012 Opfer eines gezielten Attentats. Taliban schossen ihr in Kopf und Hals. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Bis dahin hatte sie seit 2009 unter Pseudonym in einem Tagebuch-Blog für die BBC über die Gewalttaten der Taliban berichtet: Über die Verbote für Mädchen, die keine Schulen mehr besuchen sollten, keine Musik hören und sich nicht unverschleiert zeigen sollten. 

Selbst Barack Obama wird gerüffelt

Anlass für den Anschlag war Malalas Weigerung gegen das Schulverbot und ihr Einsatz für Bildung von Frauen und Mädchen. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Großbritannien und setzt sich für das globale Recht der Kinder auf Bildung ein. Sie ist Gastrednerin vor den Vereinten Nationen und wird im Weißen Haus empfangen. Sie scheut sich nicht, Barack Obama für seinen Drohnenkrieg zu kritisieren. Das nennt man Courage.

Transgender-Aktivistin auf Platz 2

Visionen und Aktionen, Mut und Inspiration – das verbindet die Idole der Jugend. Das zeichnet auch Jazz Jennings aus. Die 15-jährige Amerikanerin ist transsexuell. In ihrer eigenen Fernsehshow kämpft sie für die Rechte Homosexueller, Bisexueller und Transsexueller. Die Aktivistin formulierte schon früh ihr Anliegen und trat 2012 in einer populären Show im amerikanischen Fernsehen auf. 

Ihr Markenzeichen ist eine lila Meerjungfrauen-Flosse. Die ist auch das Symbol der “Transkids Purple Rainbow Foundation”, die Jazz 2007 mit ihren Eltern gegründet hat, um jugendliche Transgender zu unterstützen. Seit Juli 2015 hat der Youtube-Star auch eine eigene TV-Serie: “I am Jazz”, deren Thema ihr Leben als Transgender-Teenager ist. 

Islamophobie wird Ahmeds Forschergeist zum Verhängnis

Der dritte Jugendliche an der Spitze des “Time”-Rankings wurde durch ein verhängnisvolles Missverständnis zum Social-Media-Star: Der 14-jährige Ahmed Mohamed aus den USA bastelte aus Schrott eine elektronische Uhr und brachte sie in die Schule. Sein Englischlehrer hielt die Uhr für eine Bombe und rief die Polizei. Ahmed wurde in Handschellen abgeführt und stundenlang ohne seine Eltern verhört. Der Fall der “Hoax Bomb” verbreitete sich unter dem Hashtag #StandWithAhmed rasch im Netz als Beispiel für die herrschende Islam-Furcht. 

Barack Obama, Hillary Clinton und Mark Zuckerberg schrieben an Ahmed Mohamed. “Cool Clock” war Obamas Twitter-Reaktion. Viele Prominente nahmen den Fall zum Anlass, Jugendliche zu mehr Forschergeist zu ermuntern, der Amerika groß gemacht habe. Doch Ahmeds Familie entschied sich nach Katar zu ziehen, dort wurde dem Jungen ein Stipendium angeboten. 

Jazz Jennings freut sich auf Facebook über die große Ehre, in diesem Ranking so weit oben platziert zu sein. 

Thanks TIME for this great honor.❤️http://time.com/4081618/most-influential-teens-2015/?xid=fbshare

Posted by Jazz Jennings on Mittwoch, 28. Oktober 2015

Malala Yousafzai kann sich zeitgleich mit dem Erscheinen des Rankings über einen weiteren Erfolg freuen. Auf Facebook teilt ihre Stiftung mit, dass eine Million Menschen die Petition #withMalala für globale Bildung gezeichnet haben.  

VICTORY! More than 1,000,000 people stood #withMalala and signed her petition to the Global Partnership for Education….

Posted by Malala Fund on Donnerstag, 29. Oktober 2015

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