Kategorie -Jugendliche

Vorfall in Bonn: Polizei nimmt Schüler wegen Bedrohungslage fest

Weil ein 17-Jähriger in Bonn in mehrere „Stresssituationen“ gerät und seine Familie fürchtet, er könne mit einem Messer zu seiner Schule zurückkehren, rückt die Polizei mit zahlreichen Beamten an. Zunächst können sie den Jugendlichen nicht ausfindig machen. Dann greifen Spezialkräfte ein.

Nach einem Einsatz an einer Schule in Bonn hat die Polizei einen Schüler vorläufig festgenommen. Auslöser sei ein Hinweis auf „eine mögliche Bedrohungssituation“ gewesen, teilten die Beamten mit. Daraufhin sei das Schulgebäude im Stadtteil Bad Godesberg durchsucht worden. Der gesuchte Jugendliche sei dann aber nicht dort, sondern in der Nähe seiner Wohnanschrift angetroffen worden. Spezialkräfte fixierten ihn.

Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte sich zuvor in der Schule zunächst eine „Stresssituation“ entwickelt, in die der 17-Jährige involviert gewesen sei. Danach sei er nach Hause gegangen – wo es zu einer ähnlich stressbeladenen Situation gekommen sei. Schließlich sei ein Hinweis aus dem familiären Umfeld des Jugendlichen eingegangen: Er sei womöglich wieder auf dem Weg zur Schule. Zudem könnte er ein Messer dabei haben.

Die Polizei reagierte darauf mit einem Großeinsatz. Die Schule wurde durchsucht, allerdings ohne Auffälligkeiten, wie die Polizei mitteilte. Zunächst sei der Aufenthaltsort des 17-Jährigen unklar gewesen. In der Nähe seiner Anschrift habe man ihn dann aber gefunden. Eine Waffe habe er nicht dabei gehabt. Allerdings sei in der Nähe des Ortes tatsächlich ein Messer gefunden worden. Dieses werde nun untersucht.

Der 17-Jährige kam den Angaben zufolge in Gewahrsam. Verletzte gab es nicht. Nach Angaben der Polizei mussten Schüler und Lehrkräfte während des Einsatzes an der Schule in ihren Räumen bleiben.

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Luftüberwachung im Zürcher Oberland


Verlassen liegen die Rollbahnen des Flugplatzes Dübendorf bei Zürich in der Sonne, umgeben von einem hohen Zaun aus Stacheldraht. In der Ferne dröhnen die Rotorblätter eines Hubschraubers. Neben dem Rollfeld ragt das graue Gebäude der Luftüberwachung in den Himmel. Jürg Müller, ein großer Mann mit breiten Schultern und kurzem Haar, wartet in der Eingangshalle. Er trägt T-Shirt, Jeans und eine Fliegeruhr mit tiefblauem Ziffernblatt – dasselbe Blau wie seine Augen.

Karte mit Sperrzonen

Der 51-jährige „Identification Operator“, so seine Berufsbezeichnung, deutet auf die Bilder an der Wand. Sie zeigen Radarschirme, Karten und Flugzeuge. „Hier drüben siehst du ein Radarbild, wie wir es bei der Luftüberwachung haben. Jeder Punkt ist ein Flugzeug. Und auf diesem Bild ist eine Karte mit sämtlichen Sperrzonen in der Schweiz. Wenn ein Flugzeug in eine dieser Zonen vordringt, ohne uns über Funk zu kontaktieren, haben wir ein Problem.“ In diesem Fall müssen Müller und sein Team versuchen, über die zuständigen Dienststellen mit dem Flugzeug Kontakt aufzunehmen. Falls dies über Funk nicht gelingt, stehen zwei Piloten mit ihren F/A-18-Kampfjets Tag und Nacht startbereit, um mit den Flugzeugen direkt in der Luft zu kommunizieren – im Notfall auch mit Handzeichen aus dem Cockpit.

Im Fall eines Blaulichteinsatzes

„Die Aufgabe der Luftüberwachung ist es, die Sicherheit und Neutralität im Schweizer Luftraum zu wahren.“ Müller muss verhindern, dass Flugzeuge ohne Erlaubnis in den Luftraum eindringen, und die Flugzeuge, die über die Schweiz fliegen, überwachen. Dies tut er mittels eines Radarschirms. Unzählige Punkte, mit Abkürzungen und Symbolen gekennzeichnet, fliegen mit kontinuierlicher Geschwindigkeit kreuz und quer über den Bildschirm. Militärflugzeuge, Linienflugzeuge und Privatmaschinen sind alle mit unterschiedlichen Markierungen versehen. „Mit der Zeit hat man ein Auge dafür“, sagt Jürg Müller. Neben der Überwachung auf dem Radarschirm hört er verschiedene Funkfrequenzen ab. Falls er einen Verstoß gegen die Luftverkehrsregeln beobachtet oder ein Notsignal empfängt, informiert er den „Chief Air De­fense“. Sein Vorgesetzter entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Im Falle einer „hot mission“, eines Blaulichteinsatzes, werden Militärflugzeuge, die sich bereits in der Luft befinden, eingesetzt, um ein Flugzeug abzufangen oder ihm Hilfe zu leisten. „Der Einsatz aus der Luft soll schnell und kosteneffizient sein.“ Erst dann, wenn sich kein Flugzeug in der Luft befindet, oftmals nachts, lässt der Chief Air Defense die Alarmstaffel starten.

Monitore, Radarschirme, Telefone

Auf dem Weg von der Halle zur Einsatzzentrale liegt eine Sicherheitstür, die nur mit einer Chipkarte geöffnet werden kann. Dahinter erstreckt sich ein hell beleuchteter Gang, die Wände voller Flugaufnahmen von Kampfflugzeugen, Luftakrobatikfliegern und Militärhubschraubern. Im Vorbeigehen grüßt Jürg Müller die Frau vom Reinigungspersonal freundlich. Er kennt die meisten Mitarbeiter beim Namen. Hinter einer weiteren Tür verbirgt sich sein Arbeitsort – das Herzstück der Luftüberwachung. Die Einsatzzentrale ist ein großer Raum, ausgestattet mit Monitoren, Radarschirmen und Telefonen. Von seinem Bürostuhl aus hat Müller den gesamten Flugverkehr im Blick. Auf dem Radarschirm sind die Grenzen der Schweiz und der umliegenden Länder zu sehen. Zwei weitere Bildschirme informieren über die Flugzeuge und den Luftverkehr. Um verschiedene Dienststellen zu kontaktieren, hat er drei Telefone, dazu noch das Headset.

Als Kind auf der Zuschauerterrasse

Er verbrachte seine Kindheit im Limmattal, wo er tagtäglich Flieger im Landeanflug beobachten konnte. Zudem besuchte er oft die Zuschauerterrasse des Flughafens Zürich. „Als Kind war es einfach das Größte, wenn man dem Jumbo-Piloten zuwinken konnte und dieser einem zurückwinkte.“ Militärflugzeuge haben ihn besonders angesprochen. „Die Schnelligkeit, Wendigkeit und die Leistung der modernen Kampfjets haben mich fasziniert“, schwärmt der Aviatik-Fan. Nach dem Besuch der Sekundarschule war Jürg Müller unsicher, welche Berufsrichtung er einschlagen wollte. „Ein großer Traum war der Beruf als Pilot. Deshalb besuchte ich auf Anraten meines Vaters die Verkehrsschule, eine Diplommittelschule, die zwei Jahre dauerte. Leider reichten meine Noten nicht aus, um den Berufsweg des Piloten einzuschlagen.“ Er nahm einen Job bei der Sicherheitspolizei des Flughafens Zürich an. 21 Jahre lang arbeitete er bei der Grenzpolizei, als Polizeigrenadier und als Bombenentschärfer im „Bomb Squad“, dort musste er sich vor allem um herrenlose Gepäckstücke kümmern, bei denen es Verdacht auf Sprengstoff gab.

Den Verlust einer PC-7 miterleben

Vor fünf Jahren nahm der ehemalige Polizist ein Stellenangebot bei der Luftwaffe an. „Persönlich gibt es mir ein gutes Gefühl, einen Beitrag zur Sicherheit und Souveränität des schweizerischen Luftraums zu leisten“, hält der Vater von drei Kindern stolz fest. Was ihn beschäftigt, sind Unfälle und Abstürze. Zusammen mit seinem Kollegen, mit dem er die Schicht teilte, musste er den Verlust einer PC-7 miterleben. „Für mich verschwindet nur ein Punkt vom Bildschirm, aber ich stelle mir vor, wie ein Flugzeug abgestürzt ist und Menschen gestorben sind. Das gibt mir ein beklemmendes Gefühl.“ Draußen ist es dunkel geworden, die Fahnen wehen im stürmischen Wind. Jürg Müllers Schicht wird bis tief in die Nacht dauern. Hellwach und mit aufmerksamen Augen wird er das Geschehen in der Luft beobachten.

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Nach Geiselnahme in Synagoge: Britische Polizei nimmt neue Verdächtige fest

Nach der Geiselnahme in einer Synagoge in Texas nimmt die Polizei zuerst zwei Jugendliche fest. Kurze Zeit später dürfen die beiden die Wache jedoch ohne Anklage wieder verlassen. Nun gehen den Beamten zwei andere Verdächtige ins Netz, die möglicherweise eine Verbindung zu Faisal Akram hatten.

Wenige Tage nach der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas hat die britische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. „Zwei Männer wurden heute Morgen in Birmingham und Manchester festgenommen. Sie bleiben in Polizeigewahrsam“, erklärte eine Anti-Terror-Einheit der Polizei. Bereits am Sonntag hatte die britische Polizei zwei Jugendliche in Zusammenhang mit dem Fall festgenommen, diese wurden jedoch ohne Anklage wieder freigelassen.

Der britische Staatsbürger Malik Faisal Akram hatte am Samstag in einer Synagoge in Colleyville in Texas den Rabbiner und drei weitere Menschen in seine Gewalt gebracht. Nachdem eine Geisel bereits zuvor freigelassen wurde, stürmte die Polizei die Synagoge. Die drei verbliebenen Geiseln blieben unverletzt, der Täter wurde getötet.

Akram war dem britischen Geheimdienst offenbar bekannt. Der MI5 hatte 2020 vorübergehend gegen ihn ermittelt, wie mehrere Medien am Dienstag unter Berufung auf britische Regierungskreise berichteten. Die Untersuchung wurde demnach jedoch eingestellt.

Biden verurteilte Tat als „Terrorakt“

US-Präsident Joe Biden deutete an, dass der Täter die Freilassung der Pakistanerin Aafia Siddiqui verlangt hatte, die in den USA wegen Terrorvorwürfen inhaftiert ist. Dem Sender Sky News zufolge war Akram kurz vor Silvester über den JFK-Flughafen in New York in die USA eingereist und hatte dann die Waffe gekauft, die er bei der Geiselnahme benutzte.

Der Brite sei zwischen 1996 und 2012 vier Mal festgenommen worden, unter anderem wegen Ruhestörung, Belästigung und Diebstahl. Biden verurteilte die Tat als „Terrorakt“.

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Als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr


Ursprünglich war es nicht das Lebensziel Paul Altenhöfers, viele Stunden in den Lüften zu verbringen. Der Junge aus Hausen bei Würzburg wollte lieber Tierarzt werden. An das humanistische Gymnasium in Münnerstadt, das er 1976 mit Abitur verlassen hat, erinnert der heute 65-Jährige sich gerne. Am 1. Juli des gleichen Jahres wird er als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingezogen. In der Kaserne in Cham erlebt er eine Vorstellung von Hubschraubern. Diese weckt einen Kindheitstraum an der „Fliegerei“ neu. Er verpflichtet sich acht Jahre als Zeitsoldat und entscheidet sich, eine „fliegerische Ausbildung“, wie er sagt, anzutreten.

Pädagogikstudium in München

Drei Hürden gilt es noch zu überwinden. Zunächst die Auswahl nach dem Ergebnis des Eingangstestes bei der Bundeswehr, eine psychologische Untersuchung, bei der unter anderem die Mehrfachbelastbarkeit, die Koordinationsfähigkeit sowie die Fähigkeit, sich zu fokussieren, untersucht wird. Zuletzt wird die körperliche Gesundheit und Fitness in einem zweitägigen Untersuchungsmarathon in Fürstenfeldbruck am Flugmedizinischen Institut der Bundeswehr festgestellt. Im gleichen Jahr beginnt Altenhöfer seine Offiziersausbildung mit der fliegerischen Ausbildung auf Alouette II. Nach dem Studium an der Bundeswehruniversität in München zum Diplom-Pädagogen 1981 startet am Standort Niederstetten 1983 seine Zeit als Einsatz-Luftfahrzeugführer in der 1. Fliegenden Abteilung 301.

Ab 1982 fliegt er mit dem Transporthubschrauber UH-1D Einsätze. So wird er als Pilot bei der Bergung von Verletzten im Rettungshubschrauber, beim Transport von Außenlasten oder bei Waldbränden eingesetzt. Als ein Beispiel seiner Einsätze bei Katastrophen nennt er das Oderhochwasser 1997, bei dem er als Organisator im Krisenstab den Einsatz der Hubschrauber koordiniert hat. Um die Dämme zu stabilisieren, wurden Sandsäcke tonnenweise zu den passenden Stellen geflogen und abgeworfen. In dieser Zeit endet seine Verwendung als Einsatzpilot. Dies bedeutet für ihn, weniger selbst den Hubschrauber zu steuern, sondern das ihm anvertraute Personal auszubilden und richtig einzusetzen.

Im letzten Moment verhindert

Im Laufe seiner Karriere sammelt er aber auch viel militärische Einsatzerfahrung. So ist er 1996 Leiter des Flugbetriebes der gemischten Heeresfliegerabteilung IFOR in Kroatien und 2000/2001 Kommandeur der Hubschrauberabteilung KFOR in Toplicane im Kosovo. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Nachttiefflug von Zadar nach Trogir mit einem verletzten Soldaten an Bord. Flächenbrände zu löschen war eine sich immer wiederholende Aufgabe. Ein Moment, der sich tief ins Gedächtnis eingeprägt hat, war ein Großbrand in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes. „Wir hatten seit mehr als zwei Stunden mit allen verfügbaren Kräften versucht, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Meine Aufgabe war die Koordination der Flieger beim Löschvorgang und der reibungslose Ablauf des Löscheinsatzes. Mit dem letzten Reservehubschrauber und Außenlastlöschbehälter bin ich dann noch mitgeflogen, und wir haben mit gemeinsamer Anstrengung das Überspringen der Flammen auf das Lager und unseren Spritvorrat im letzten Moment verhindern können. Der Befehl zur Räumung der dort stationierten Soldaten der Bundeswehr war schon gegeben.“

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Der Tag: Jugendliche klammert sich Stunde lang an fahrenden Zug

Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert! Eine 14-jährige blinde Passagierin aus Sachsen-Anhalt musste sich fast eine Stunde lang außen an einem Güterzug festhalten. Nach Angaben der Bundespolizei hatte sich die Jugendliche bei Magdeburg gemeinsam mit mehreren Begleitern auf ein Trittbrett eines Güterzugs gestellt. Im Gegensatz zu den anderen verpasste sie den Absprung.

Daraufhin musste sich die 14-Jährige bei hundert Kilometern pro Stunde und einer Lufttemperatur von minus dreieinhalb Grad während der nächtlichen Fahrt an einen Haltegriff klammern, bis der Güterzug kurz vor Braunschweig wegen einer Baustelle hielt. „Stark unterkühlt, völlig verschmutzt und mit nur noch einem Schuh“ habe das Mädchen beim Lokführer an die Tür geklopft, berichten die Beamten.

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Feuerwerker bei der Bundeswehr


Ein Moment Ruhe mitten auf einem Feld, jeder ist in Deckung. Dann ein lauter Knall und eine Druckwelle, die durch den ganzen Körper geht: eine Sprengung, um Munition zu vernichten, dies ist eine typische Situation im Alltag eines Feuerwerkers bei der Bundeswehr. Oberfeldwebel Jonas Loosen hat die wohl schwerste Ausbildung der Bundeswehr gemeistert und hat nun einen Beruf, bei dem jeder Fehler sein letzter sein könnte. Er ist ein athletischer, 23 Jahre junger Mann, dem man ansieht, dass er nicht nur Soldat ist, sondern diesen Beruf auch lebt. „Ich bin in einer Militärfamilie groß geworden und wollte schon immer zur Bundeswehr“, erzählt er begeistert. Deshalb kam eine Ausbildung zum Feuerwerker der Polizei oder im zivilen Bereich für Jonas Loosen nicht in Frage. Er absolvierte nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Metallbauer in seiner Eifler Heimat nahe Mayen. Durch deren Anerkennung als Eingangsberuf konnte er gleich mit höherem Dienstgrad eingestellt werden. Er ist eingesetzt als Feuerwerker in einer Logistikkompanie und hat sich für zwölf Jahre verpflichtet. Zurzeit ist er stationiert in Walldürn in Baden-Württemberg.

Sicherheit auf dem Truppenübungsplatz

Bei der Bundeswehr gibt es drei Arten von Feuerwerkern. Die Ausbildung, die dort alle Feuerwerker absolvieren müssen und die als die „höchste Ausbildung im Umgang mit Munition“ angesehen wird, dauert zwei bis drei Jahre und ist anfangs für alle gleich. Später unterteilt sie sich in drei Fachgebiete. Zum einen den Bereich Schießsicherheit. Das sind die Feuerwerker, die auf Truppenübungsplätzen für Sicherheit sorgen, die übende Truppe kontrollieren und Blindgänger entschärfen oder sprengen. Die Feuerwerker in den Logistikkompanien, zu denen auch Loosen gehört, sorgen unter anderem für die Bewirtschaftung von Munitionsdepots im Einsatz, sind verantwortlich für die fachgerechte Lagerung und den Transport von Munition. Den dritten Bereich decken die Pioniere ab. Sie sind die wohl bekanntesten Feuerwerker der Bundeswehr. Sie suchen Straßen, Brücken und Gebäude im Einsatz ab und beseitigen Sprengfallen, Minen und nicht gezündete Munition, um die Truppe vor diesen Gefahren zu schützen. Darüber hinaus werden Feuerwerker auch auf Schiffen eingesetzt, und es gibt weitere Spezialisierungen wie zum Beispiel die Minentaucher.

Bewirtschaften eines Desinfektionmittellagers

Im Berufsalltag sind unter anderem „die eigene Weiterbildung und sich in Übung zu halten“ laut Jonas Loosen seine Aufgaben: „Man muss ständig auf dem neusten Sachstand sein, da die Munition sich immer verändert und weiterentwickelt.“ Coronabedingt kam zu diesen Aufgaben auch das Bewirtschaften eines Desinfektionsmittellagers dazu. Seit er die Ausbildung abgeschlossen hat, darf er auch selbst in seinen Fachgebieten ausbilden. Die Ausbildung mit einer hohen Durchfallquote besteht aus viel Theorie, aber natürlich ebenso Praxis. Der Berufsalltag ist nicht einfach. Doch genau das macht für ihn den Reiz aus. „Einen der wohl kompliziertesten Berufe der Bundeswehr auszuüben, obwohl dieser einem wirklich viel abverlangt.“ Denn bei dem Umgang mit Munition, Sprengstoff und Blindgängern besteht immer ein Risiko. Deshalb wird Sicherheit „ganz groß geschrieben“, betont er: Es erfolgt kein Schritt ohne Absprache, Sicherheitsbestimmungen wie das Beachten des Sicherheitsabstandes oder das Tragen spezieller Handschuhe, und noch viele weitere Vorschriften müssen eingehalten werden.

Wenn eine Detonationswelle durch den Körper läuft

Im Ernstfall muss man das Risiko jedoch ausblenden. und das klappt nur durch eine gute Vorbereitung. „Der mentale Druck muss dann ausgeschaltet werden, denn die Auftragserfüllung steht ganz klar im Vordergrund.“ Umso wichtiger ist es, dass man keine Zweifel hat. Dies wird bei Jonas Loosen noch mal verstärkt durch den Zuspruch von Freunden, Familie, aber auch durch die starke Kameradschaft bei der Bundeswehr. „Hoffentlich verrutscht die angebrachte Ladung nicht“, das ist meist sein letzter Gedanke vor einer Sprengung. Denn wenn die erste Sprengung nicht funktioniert, muss man erneut an das Objekt. „Ein zweites Mal hingehen ist wieder ein höheres Risiko.“ Seine erste Sprengung, die Sprengung eines Artilleriegeschosses, war die für ihn bisher prägendste Erfahrung. „Wenn einem zum ersten Mal so eine Detonationswelle durch den Körper läuft, das war schon beeindruckend, was da für Kräfte aufeinander wirken“, erinnert er sich deutlich. Dabei walten Kräfte, bei denen jeder Fehler tödlich enden kann. Dennoch hat er keinerlei Zweifel an seiner Berufswahl. Obwohl es immer wieder zu Verletzungen und leider auch Todesfällen kommt, denkt er über dieses Risiko nicht nach: „Dies muss man ausblenden, sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.“ Angst habe er nicht. „Ein Einsatz reizt mich natürlich. Ich habe die Ausbildung durchlaufen und kann dort zeigen, wofür ich ausgebildet wurde. Ich sehe den Einsatz als Prüfung und Herausforderung, mein Können unter Beweis zu stellen.“

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Auffrischung für Jugendliche: STIKO empfiehlt Booster ab 12 Jahren

Auch bei jungen Menschen lässt die Wirkung der Corona-Impfung nach wenigen Monaten spürbar nach. Gesundheitsminister Lauterbach bitte die STIKO daher, die Möglichkeit eines Boosters für sie zu prüfen. Die Kommission reagiert zügig.

Auch Jugendliche können sich ab sofort ihre Booster-Impfung abholen. Angesichts der Omikron-Variante hat die Ständige Impfkommission (STIKO) Booster-Impfungen für Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen. Der starke Anstieg der Neuinfektionen mache „eine Ausweitung der Impfkampagne erforderlich“, schreibt sie in einem Statement. Für die Auffrischimpfung empfiehlt die Kommission den mRNA-Impfstoff von Biontech und einen Mindestabstand von mindestens drei Monaten zur vorangegangenen Impfung.

Bisher hatte die STIKO einen Booster nur für Erwachsene ab 18 Jahren empfohlen. Für ihre Empfehlung nennt sie zwei Gründe: Auch bei Jugendlichen nimmt die Wirksamkeit der Doppel-Impfung nach einigen Monaten ab. Außerdem sei der Impfschutz bei der hoch ansteckenden Omikron-Variante ohnehin reduziert.

„Durch eine Auffrischimpfung – Dritt-Impfung – wird der Impfschutz wieder verbessert und auch die Übertragungswahrscheinlichkeit von Sars-CoV-2-Infektionen reduziert“, schreibt die STIKO. Das Risiko für schwere Impfnebenwirkungen sei „als sehr gering“ einzuschätzen.

Auch für Jugendliche, die als Erstimpfung den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten haben, empfiehlt die STIKO eine Auffrischung. Zuerst sollte eine zweite Dosis mit einem mRNA-Impfstoff verabreicht und dann nach weiteren drei Monaten eine Booster-Impfung.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach begrüßt die Empfehlung. „Jetzt haben alle Jugendlichen und ihre Eltern Gewissheit: Auch bei 12- bis 17-Jährigen ist Boostern empfehlenswert“, sagte der SPD-Politiker. „Gut, dass die Impfkommission so schnell reagiert hat“. Er hatte die STIKO gebeten, eine Empfehlung für Booster-Impfungen von Jugendlichen auszuarbeiten.

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Erinnerung an die Augsburger Familie Bernheimer

Erinnerung an die Augsburger Familie Bernheimer

Standort Friedberger Straße 9 in Augsburg: Ein unscheinbarer, grauer Garagenhof, umgeben von einer zwei Meter hohen Mauer. Nicht schön, nicht hässlich. Funktionell. Keine Spur, nichts weist darauf hin, dass hier noch vor 76 Jahren eine prächtige Villa gestanden haben soll. „Wer wohnte hier? Wer lebte, arbeitete, existierte hier? Und was ist hier geschehen? Was ist mit den Menschen passiert, die aus dieser Straße ausziehen mussten?“ Diese grundsätzlichen Fragen stellen sich unvermeidlich, als die Schülerinnen an der Garagenmauer stehen und auf das Foto einer Villa blicken, das ihnen der Stadtarchivar Mario Felkl mitgegeben hatte. Die kleine Gruppe, Rebekka Graf, Hannah Lehmann, Maya Müller, Leonie Weise und Ornella Vargiu, damals Schülerinnen der Klasse 9a am Maria-Ward-Gymnasium und heute in der zehnten Klasse, nimmt gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Joanna Linse die Herausforderung an.

Villa in der Friedberger Straße

Sie begibt sich auf eine spannende Reise durch die Geschichte, bei der sie entdeckt, dass hinter diesem Haus eine besondere und tragische Geschichte steckt. Die Geschichte der Villa in der Friedberger Straße 9 beginnt 1910, als Louis Bernheimer (1875 bis 1942), ein erfolgreicher jüdischer Unternehmer, das Grundstück erwirbt, um den Sitz seiner sich rasch entwickelnden Firma dorthin zu verlegen. Schon im Jahre 1911 lässt er an der Stelle ein Haus erbauen, das die Räumlichkeiten der Firma beherbergt und auch viel Platz zum Wohnen bietet. Die Firma „Louis Bernheimer, Ingenieurbüro und Tiefbauunternehmen mit Installationsgeschäft“, in die auch Louis’ Bruder Alfred (1877 bis 1947) als Teilhaber einsteigt, erfreut sich in Augsburg eines guten Rufes.

„Innerlich sehr berührt“

Die Familie behält aber nicht nur das Geschäft im Auge. Beide Brüder, begeistert von der Idee Herzls, eine jüdische Heimstätte in Palästina zu errichten, unterstützen angesichts der wachsenden Bedrohung viele junge Menschen auf dem Weg zur Auswanderung. In dem Haus in der Friedberger Straße 9, dem sogenannten Beth Chaluz, Haus der Pioniere, leben und lernen viele jüdische Auszubildende, bis sie nach Palästina auswandern dürfen. Die wachsende Überwachung und Gewalt gegenüber den jüdischen Mitbürgern, die sich seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wie eine Flut über Deutschland ausbreitet, verleitet Alfred Bernheimer dazu, alles aufzugeben und in ein fernes Land zu fliehen. Er und seine Familie können in den Vereinigten Staaten überleben. Louis Bernheimer, der womöglich zu lange an der Heimat, an seinem Unternehmen hängt und nicht diesen Mut hat, weiter als nach Frankreich zu gehen, ereilt das Schicksal der im Holocaust ermordeten Juden. Er und seine Frau Paula werden 1942 aus dem französischen Drancy nach Auschwitz deportiert und höchstwahrscheinlich gleich nach ihrer Ankunft vergast. „Die Geschichte der Familie hat uns innerlich sehr berührt“, sagt Ornella Vargiu, die das Schicksal der Familie in Zeichnungen verarbeitet, „wir haben mit ihnen gefeiert, gehofft und gelitten“. Ihre Mitschülerin Maya Müller ergänzt: „Und jetzt werden sie nicht mehr vergessen, weil wir durch unsere Recherchen das Leben und Leiden von Louis Bernheimer zusammentragen und im Online-Gedenkbuch der Stadt Augsburg veröffentlichen konnten. Außerdem wollen wir ein Erinnerungsband für ihn und seine Frau errichten. So kann jeder, der an der Friedberger Straße 9 vorbeigeht, die Geschichte des Ehepaares Bernheimer erfahren.“

Festakt im Jüdischen Museum Berlin

Die Mädchen möchten vor allem aber eines: Alle dazu ermutigen, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen. Das Schicksal von so vielen jüdisch-deutschen Menschen lässt sich zwar in der Vergangenheit verorten – es wirkt aber in die Gegenwart, dies ist deutlich spürbar und wichtig. Es genügt schon, sich ein Stück von dem Schulgebäude wegzubewegen, um auf Erinnerungsorte zu stoßen, in denen vor weniger als hundert Jahren Menschen gelebt haben, die das grausamste Schicksal erleiden mussten. Für das Projekt Jewish Traces sind die Augsburger Schülerinnen mit dem ersten Preis beim Rolf-Joseph-Wettbewerb ausgezeichnet worden, der ihnen während eines Festakts im Jüdischen Museum Berlin verliehen wurde. Während des Aufenthalts in Berlin ist den Preisträgerinnen bewusst geworden, dass Juden auch heute noch extremem Hass ausgesetzt sind und dass Antisemitismus nicht nur ein Thema der Vergangenheit ist, sondern leider immer noch aktuell.

Ein Schweigen wäre gefährlich, Verstummen fatal

„Wie kann man anderen Menschen so etwas antun?“, eine Frage von Rebekka Graf gestellt, wird durch Leonie Weise ergänzt: „Weshalb werden noch immer Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht akzeptiert?“ Ist Antisemitismus eine Krankheit, eine Seuche, ein Virus, der immer wieder aufflammt, um sich greift und deshalb immer wieder bekämpft werden muss, Jahr für Jahr, Epoche für Epoche, ein immerwährender Kampf – gegen das Vergessen, gegen die Boshaftigkeit, gegen die Sturheit . . . Auch ohne klare Antwort versucht die kleine Gruppe aus der Geschichte zu lernen und gibt die Erkenntnisse weiter, an die, die sich interessieren und an dem Projekt weiterarbeiten, und hoffentlich auch an jene, welche sich noch nicht interessiert haben; ein Schweigen wäre gefährlich, ein Verstummen wäre fatal. Zurück in Augsburg. Ein unscheinbarer Garagenhof, mit einer hohen Mauer. Nicht schön. Nicht hässlich. Wie man sich doch täuschen kann.

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US-Daten zu Impfnebenwirkungen: Kaum Herzmuskelentzündungen bei Kindern

Herzmuskelentzündungen gelten als eine mögliche Nebenwirkung der Corona-Impfung auch bei Kindern und Jugendlichen. In den USA wird nun ausgewertet, wie häufig dieses Phänomen auftritt. Die Zahlen sind für Eltern und Kinder beruhigend.

Eine der tatsächlich beobachteten Nebenwirkungen der Corona-Impfung sind Herzmuskelentzündungen. Studien haben bereits gezeigt, dass sie deutlich seltener nach einer Impfung auftreten, als bei einer durch das Coronavirus ausgelösten Covid-19-Erkrankung. Da aber besonders junge Leute als gefährdet galten, machten sich Eltern im Zusammenhang mit der Impfung Sorgen.

Nun liegen Daten vor, die es ermöglichen, die Gefahr einer Herzmuskelentzündung bei Kindern besser einzuordnen. Dafür wertete die US-Gesundheitsbehörde CDC Angaben zu Impfnebenwirkungen aus, die über das Meldesystem „Vaers“ registriert wurden. Demnach entwickelten bei insgesamt rund 8,7 Millionen an Fünf- bis Elfjährigen verimpften Dosen des Coronaimpfstoffs von Biontech/Pfizer nur zwölf Kinder in den USA eine Herzmuskelentzündung.

Die Impfungen fanden zwischen dem 3. November und dem 19. Dezember 2021 statt. Keines dieser Kinder musste wegen einer Myokarditis im Krankenhaus behandelt werden. Bei acht von ihnen ist die Entzündung laut CDC bereits wieder ausgeheilt.

Kaum Beschwerden

Bei 98 Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen habe es sich der CDC zufolge um leichte Reaktionen wie Schwindel oder Kopfschmerzen gehandelt. Fieber und Erbrechen seien die häufigsten schwereren Nebenwirkungen gewesen. 16 Kinder mussten den Angaben zufolge im Krankenhaus behandelt werden.

Nach der Impfung starben zwei Mädchen im Alter von fünf und sechs Jahren. Ein Zusammenhang mit der Impfung konnte nicht bestätigt werden. Beide litten laut CDC an schweren Vorerkrankungen.

Auch für Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren wurden die Nebenwirkungen untersucht. In dieser Altersgruppe entwickelten 265 Kinder auf 18,7 Millionen Impfdosen eine Herzmuskelentzündung. 251 von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Auffällig ist: 90 Prozent der Fälle traten dabei bei Jungen auf.

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Beth-Elieser-Heim Israel

Beth-Elieser-Heim Israel

Inmitten eines beschaulichen Wohngebiets führt eine Einfahrt zu zwei hellgelben Gebäuden. Rechts steht ein längliches mit Flachdach, links ein mehrstöckiges Haus mit roten Ziegeln. Es gibt viele Olivenbäume, Palmen und pinke Bougainvilleen. Ungewöhnlich wird es, wenn man sich mit dem beschäftigt, was hier in Ma’alot, einer Stadt im Norden Israels, seit 1984 aufgebaut wurde. Der christliche, in Maisenbach bei Bad Liebenzell ansässige Verein Zedakah e. V. gründete damals in Israel ein Pflegeheim für Juden, die den Nationalsozialismus überlebt haben. Zedakah ist das hebräische Wort für Wohltat. Damit definieren die Verantwortlichen ihr Anliegen. Als Christen und Deutsche, als die „größten Feinde von Israel und den Juden in der Geschichte“, sähen sie aus ihrer religiösen Überzeugung heraus den Auftrag, dort Gutes zu tun, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Frank Clesle.

„Gott ist meine Hilfe“

An einem normalen Arbeitstag unterscheidet das Beth Elieser, was so viel wie Haus „Gott ist meine Hilfe“ bedeutet, nichts von gewöhnlichen Pflegeheimen. So gehören zu den alltäglichen Aufgaben von Renate Hirrle die Pflege der Bewohner mit Waschen und Duschen, Medikamentenverteilung und Hilfe beim Essen, die Organisation und das Putzen. Die 39-jährige deutsche Krankenschwester arbeitet seit fünf Jahren hier und hat auch die israelische Anerkennung zur Krankenpflegerin. Als Langzeitmitarbeiterin ist Renate Hirrle auch für die restlichen Mitarbeiter der Station zuständig. Die meisten von ihnen sind keine Fachkräfte, denn ein Großteil der Arbeit von Zedakah wird von freiwilligen Mitarbeitern getragen.

Nach einer ausführlichen Bewerbungs- und Vorbereitungsphase kommen diese meist für ein Jahr nach Ma’alot. Dort leben alle Mitarbeiter, Festangestellte und Freiwillige, in einer engen Gemeinschaft. Diese Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft ist für Renate Hirrle ein wesentliches Kennzeichen von Zedakah. Gemeinsame Mahlzeiten, Wohnen im Doppelzimmer und Andachten gehören genauso wie der praktische Dienst zu einem Freiwilligeneinsatz. Ein Muss sind unter normalen Umständen auch Ausflüge durch ganz Israel, um Land und Leute kennenzulernen. Wenn sich die Volontäre am richtigen Platz fühlen, entscheiden manche, ihren Dienst länger einzubringen. So auch die 26-jährige Friederike Gehring, die aufgrund der Mitarbeiternot durch die Corona-Krise ein halbes Jahr länger als geplant blieb. In der schwierigen Corona-Situation wurde die Krankenpflegerin stark eingespannt und berichtet, sie habe nicht erwartet, dass sie so an ihre Grenzen kommen und herausgefordert werden würde.

Ein Stück weit Versöhnung und Heilung

Trotz solcher Schwierigkeiten und Rückschläge haben die Mitarbeiter im Vertrauen auf ihren Glauben einen besonderen Ort aufgebaut – in einer Umgebung, wo nachts die Schakale heulen und der Bunker unter der Erde zum Schutz vor Luftangriffen aus dem nahen Libanon eine Selbstverständlichkeit ist. Für die Mitarbeiter ist es das Wichtigste, egal unter welchen Umständen, die Bewohner im Beth Elieser als wertvolle, individuelle Menschen zu betrachten und zu behandeln. Dadurch entwickeln sich teilweise tiefe persönliche Beziehungen. Auch wenn manche der Pflegebedürftigen zunächst abweisend reagieren. Renate Hirrle erzählt von einer Frau, die sich zuerst ablehnend verhielt und sagte, sie spreche nicht die Sprache von Hitler. Heute haben die beiden eine besonders gute Beziehung. Die Mitarbeiter spüren, wie ein Stück weit Versöhnung und Heilung für die Überlebenden möglich sind. Laut Renate Hirrle können die tiefen Wunden nicht durch die Zeit geheilt werden, höchstens durch Liebe, wie sie sie im Pflegeheim zu leben versucht.

Die Wertschätzung für die Heimbewohner zeigt sich in vielen Elementen der Tagesgestaltung: Vom Beschäftigungsprogramm über die Feier zum Sabbat-Eingang am Freitagabend bis zu großen Festen an jüdischen Feiertagen gibt es einige Lichtblicke. Am Freitagabend feiern jüdische Bewohner, überwiegend christliche Mitarbeiter und ihre Kinder sowie Gäste zusammen mit Festessen und Gesang. Die großen Feiertage werden mit den Angehörigen im gepflegten Garten unter Granatapfel- und Grapefruitbäumen gefeiert. Volontärin Friederike Gehring berichtet, wie die Bewohner bei der festlichen Atmosphäre der Feiern aufleben. Zedakah hat die klare Einstellung, niemanden zu missionieren. Die Bewohner leben ihren jüdischen Glauben und ihre Traditionen Dazu gehört natürlich auch eine Küche, die unter der Kontrolle eines Rabbiners koscheres Essen zubereitet.

Von Träumen geplagt

Aber es ist ein Altenheim für Überlebende des Nationalsozialismus. So zählen für Clesle herausfordernde Begegnungen mit schweren Schicksalen dazu. Wenn die Bewohner von Träumen geplagt werden, sieht Renate Hirrle sich immer wieder hilflos danebenstehen. Den Mitarbeitern merkt man die Hingabe für die Arbeit an. In Israel leben mehr als 160 000 Überlebende der Shoah. Zedakah plant einen Erweiterungsbau: anstatt der jetzigen 24 Betten noch 48 für neue Bewohner. Ein Ort, so sagt Frank Clesle, „wo sie statt Hass Liebe erfahren sollen, statt Verachtung Wertschätzung, statt Ablehnung Annahme“.

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