Kategorie -Jugendliche

Illegale Downloads: So vermeiden Eltern die Tauschbörsenfalle

Eltern können sich leicht vor Abmahnungen wegen illegaler Downloads schützen. Oft hilft es schon, einen Internetvertrag mit den Kindern abzuschließen und sie auf legale Alternativen aufmerksam zu machen.

Ein Klick auf den Download-Button und schon landet die CD auf der eigenen Festplatte. Mit Pech kassieren Eltern dafür eine Abmahnung wegen illegalen Downloads. Das kann teuer werden: Pro Musikalbum oder Film fordern die Abmahnkanzleien zwischen 800 und 900 Euro. Auch der eigene Anwalt kostet viel Geld: zwischen 300 und 600 Euro, schätzt Christian Solmecke, Rechtsanwalt für Internetrecht in Köln. Vor Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen können sich Eltern aber schützen. Diese sechs Vereinbarungen sollten sie mit ihren Kindern absprechen.

Internetvertrag abschließen

Der beste Schutz vor einer Abmahnung ist, gar nicht erst illegale Tauschbörsen zu nutzen. Das sollten Eltern ihren Kindern frühzeitig erklären, sagt Thomas Hollweck, Anwalt für Verbraucherrecht in Berlin. Solmecke rät Eltern, mit ihren Kindern eine Art Internetvertrag abschließen. Darin protokollieren sie, dass sie die Kinder beispielsweise belehrt haben, keine Filesharing-Programme zu nutzen.

Legale Alternativen nutzen

Auch wenn Musikstücke, Filme, Hörbücher, E-Books, Rezepte und Spiele scheinbar kostenlos auf Internetseiten heruntergeladen werden können, laute die Grundregel: “Wenn etwas normalerweise Geld kostet, sollte man skeptisch sein, da niemand etwas zu verschenken hat”, sagt Alexander Krolzik von der Verbraucherzentrale Hamburg. Alternativen sind laut der EU-Initiative Klicksafe die Nutzung legaler Online-Shops und kostenloser Streamingdienste oder das Mitschneiden von Musik über das Internetradio. Besonders für Musik gibt es bereits eine Vielzahl an legalen Angeboten im Internet wie Spotify, Simfy und Youtube.

Softwareinstallation einschränken

Jüngeren Kindern sollten Eltern keine Administrationsrechte am Computer einräumen, rät Solmecke. So können sie die Installation von Tauschbörsen-Software verhindern.

Keine Streaming-Software herunterladen

Generell sollten sich Jugendliche und Eltern vor dem Herunterladen einer Software mit deren Hintergrund beschäftigen, erklärt Solmecke. Er warnt vor der neuen, illegalen Video-Streaming-Software Popcorn Time. Durch die Nutzung der Plattform sei die Anzahl der Abmahnungen in den vergangenen Monaten wieder gestiegen. Popcorn Time sieht wie ein Streaming-Dienst für Filme und Serien aus, ist in Wirklichkeit aber eine Maske, die auf eine Tauschbörse aufgesetzt wurde.

WLAN-Router sichern

Um den Internetanschluss vor unberechtigtem Zugriff zu sichern, sollten Eltern den WLAN-Router verschlüsseln und nur für angemeldete Geräte freigeben, sagt Hollweck.

Computer schützen

Den Computer schützen Eltern durch ein umfassendes Anti-Virenprogrammm, das Schadsoftware entdecken kann.

Weitere Informationen:

Internetvertrag zwischen Eltern und Kindern: http://wbs.is/internet-vertrag

Broschüre von Klicksafe: Runterladen ohne Reinfall

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Diabetes-Risiko: Schon Grundschüler haben krankhaft veränderte Fettzellen

Starkes Übergewicht bei Kindern ist nicht harmlos. Schon im Grundschulalter zeigen sich krankhafte Veränderungen am Fettgewebe und die Kinder haben ein erhöhtes Risiko, an Diabetes vom Typ 2 zu erkranken. Deshalb raten Wissenschaftler, früh gegenzusteuern, wenn Kinder übergewichtig sind.

Fettzellen sind ein wichtiger Indikator. Eine Arbeitsgruppe des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositas-Erkrankungen am Uniklinikum Leipzig untersuchte das Fettgewebe von Mädchen und Jungen unter 18 Jahren. Schon bei Sechsjährigen mit Übergewicht waren deutliche Veränderungen feststellbar. Übergewichtige Kinder und Jugendliche hatten fast doppelt so viele und deutlich größere Fettzellen wie normalgewichtige.

Außerdem war die Zahl der Makrophagen erhöht. Das deuten die Wissenschaftler als Anzeichen für eine Entzündungsreaktion im Fettgewebe. Makrophagen sind “Fresszellen”, die erkrankte und abgestorbene Gewebezellen identifizieren und beseitigen. Es zeigten sich auch Veränderungen bei der Bildung von Botenstoffen, die das Hungergefühl beeinflussen. Bereits bei jungen Studienteilnehmern mit Übergewicht war die Menge dieser Hormone verändert.

Mit dieser Studie konnten die Forscher erstmals einen Zusammenhang zwischen vergrößerten Fettzellen und beginnender Insulinresistenz nachweisen. Diese Stoffwechselstörung ist eine Vorstufe zum Typ 2 Diabetes. Das Hormon Insulin hat eine wichtige Funktion im Zuckerstoffwechsel des Köpers, denn es senkt den Blutzuckerspiegel. Bei Diabetes kommt es zu einer Überzuckerung des Blutes, die langfristig schwere Gewebeschäden verursachen kann.

Täglich 60 bis 90 Minuten Bewegung

Gegen Übergewicht bei Kindern gibt es eine einfache Formel: weniger Glotze und Fast-Food, mehr Bewegung. Viele Kinder nehmen zu, wenn sie vom Kindergarten in die Schule wechseln. Der Grund dafür ist, dass sie dort stundenlang stillsitzen. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention erklärt, dass Schüler täglich 60 bis 90 Minuten bewegen brauchen. Ein Beitrag dazu ist, dass sie den Schulweg mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen. Außerdem sollten Eltern den Medienkonsum der Kinder einschränken oder sogar einen Tag in der Woche ganz ohne Computer und Fernseher gestalten.

 

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Felix Finkbeiner will die Welt retten

Mit neun Jahren pflanzte Felix Finkbeiner seinen ersten Baum. Wenig später gründete er die mittlerweile weltweit aktive Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet. Heute gehört der siebzehnjährige Schüler aus Bayern zu den prominentesten Klimaschützern, findet sogar vor der UNO Gehör. Jetzt fordert er gemeinsam mit anderen Jugendlichen das Wahlrecht für Kinder mit dem Ziel, der jungen Generation mehr Mitspracherecht in der Politik zu verschaffen. Ein ungewöhnlicher junger Mann mit Visionen, der aber dennoch ziemlich bodenständig geblieben ist.

Wie tausende andere Jugendliche hat Felix an seiner Schule, der “Munich International School” in Starnberg, gerade ziemlich viel zu tun. Klassenarbeiten werden geschrieben, wichtige Prüfungen müssen am Jahresende abgelegt werden. Soweit unterscheidet sich der Siebzehnjährige, der mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern in der kleinen bayrischen Gemeinde Uffing lebt, nur wenig von gleichaltrigen Gymnasiasten – wenn da nicht sein leidenschaftlicher Einsatz für das Weltklima und die Zukunft der Kinder wäre.

Bäume pflanzen für eine bessere Welt

Begonnen hat alles vor über sieben Jahren in der Schule. Da war Felix neun Jahre alt: “Ich musste ein Referat über die Klimakrise halten”, erzählt er im Bayrischen Rundfunk. “Damals hab ich von Wangari Maathai erfahren, einer Friedensnobelpreisträgerin aus Kenia, die in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat, zusammen mit ganz vielen anderen Frauen. Dadurch kam die Idee, dass wir auch Bäume pflanzen können.”

Den Anfang macht einen kleiner, von den Schülern finanzierter Zierapfelbaum vor dem Schulgebäude. Nicht viel später gründete Felix mit Unterstützung seines Vaters die Initiative Plant-for-the-Planet mit dem Slogan: “Wir pflanzen Bäume für eine bessere Welt. Hilf uns Kindern unsere Zukunft zu retten”.

Sie traten eine Lawine los. Die Resonanz war riesig, was sicherlich auch damit zusammenhing, dass der Initiator so jung war. Mittlerweile sind zwischen Japan und Südamerika fast 13 Milliarden weitere Bäume dazugekommen. Rund 30.000 junge Mitstreiter aus 44 Ländern, die in Plant-for-the-Planet Akademien ausgebildet wurden, unterstützen das Projekt. Bis 2020 sollen eine Billion (1000 Milliarden) Bäume neu gepflanzt werden.

“Wir sind die Generation, die das Problem ausbaden muss”

So wurde Felix innerhalb kurzer Zeit zum Repräsentanten einer mehrheitlich von Kindern getragenen Initiative, die durch ihre Pflanzaktionen nicht nur sensibilisieren, sondern dazu beigetragen will, eine drohende Klimakatastrophe abzuwenden. “Sich um die Klimakrise zu kümmern, ist auch deshalb so wichtig”, erklärt der junge Zukunftsaktivist im Gespräch mit t-online.de, “weil wir die Generation sein werden, die das Problem ausbaden muss. Denn die Natur braucht etwa 25 Jahre, um auf Veränderungen wie auf den wachsenden CO2-Ausstoß zu reagieren. Deswegen ist unser Engagement auch eine Art Egoismus.”

Besonders stört Felix, dass die Mächtigen der Welt zwar seit langem die Probleme kennen, aber nicht genug dagegen unternehmen. “Auf den vielen Umweltkonferenzen seit 1992 – das ist länger, als die meisten von uns alt sind – diskutieren alle Verantwortlichen immer nur”, beklagt er sich. “Dann werden aufgrund von kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen Entscheidungen, die die Erderwärmung bremsen könnten, wieder und wieder verschoben, ohne eine länderübergreifende Einigung zu erzielen.”

Auf der ganzen Welt wirbt der “Klimaretter” für seine Ziele

Mit dieser kritischen Botschaft wird der mittlerweile altgediente Jung-Aktivist nun seit Jahren weltweit zu Vorträgen eingeladen. So fehlte er in den letzten Jahren öfter in der Schule, was seinen guten Noten jedoch bisher nicht schadete. In dieser Zeit durfte er Erfahrungen machen, die für einen Heranwachsenden seines Alters eher untypisch sind: Über seine wichtige Mission sprach er bereits auf Klimakonferenzen, vor dem Europäischen Parlament und sogar vor der UN-Vollversammlung – immer perfekt vorbereitet und im allerbesten Englisch.

Aber Felix‘ Zeit ist begrenzt. Damit er nicht zu viele Fehltage in der Schule ansammelt, übernehmen nun mehr und mehr Botschafter von Plant-for-the-Planet angefragte Vorträge. Außerdem ist es ihm ein Anliegen, seinen CO2-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Daher versucht Felix, gerade bei Anfragen aus dem Ausland, die Forderungen von Plant-for-the-Planet per Videobotschaft oder Liveschaltung zu vermitteln.

Wahlrecht für Kinder und Jugendliche

Für Felix sind diese Anerkennung und das öffentliche Interesse an ihm kein Grund, abzuheben und sich auf seinen Erfolgen auszuruhen. Obwohl der junge Bayer mehr als ausgelastet ist, treiben ihn gerade neue Ideen um. Zusammen mit andere Kindern und Jugendlichen will er vor dem Bundesverfassungsgericht durchsetzen, dass das Wahlalter in Deutschland gesenkt wird.

“Unser Anliegen ist deshalb von großer Bedeutung”, betont Felix, “weil junge Menschen so nicht mehr von politischen Entscheidungen ausgeschlossen wären. Bisher wird vor allem für die zunehmende Anzahl der über 55-jährigen Wähler Politik gemacht. Das hat zur Folge, dass es für diese große Altersgruppe Wahlgeschenke gibt, wie jetzt etwa die Rentenreform, deren Finanzierung aber leider auf Kosten der jüngeren Generation geht.”

In der Praxis schwebt Finkbeiner folgendes Wahlmodell vor: Jeder Mensch sollt sein Wahlrecht ausüben dürfen, sobald er selbst es kann und möchte – unabhängig vom Geburtstag. Es könnte also eine reguläre Altersgrenze von 16 oder 14 geben, ab der man offiziell zur Wahl geladen wird. Wer aber schon vorher seine Stimme abgeben möchte, um so die eigene Zukunft frühzeitig mitgestalten zu können, kann sich im Rathaus seines Wohnortes ins Wählerverzeichnis eintragen. Wann die Richter in Karlsruhe über diese Forderungen entscheiden werden, ist noch unklar.  

“Wir müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen”

Ginge es nach Felix Finkbeiner und seinen Altersgenossen, müssten Politiker dem globalen Gerechtigkeits- und Armutsproblem genauso wie der Rettung des Weltklimas einen viel höheren Stellenwert einräumen. Immerhin verhungerten auf der Erde täglich 30.000 Menschen. Und rund eine Milliarde Erdenbewohner müssten mit nur einem Dollar am Tag auskommen.

“Wir können die Dinge nur in weltweiter Zusammenarbeit lösen, auch weil wir durch die Globalisierung immer mehr zu einer einzigen großen Gesellschaft werden. Deshalb wünsche ich mir, dass es eines Tages eine weltumspannende, demokratische Ordnung gibt, bei der auch Kinder und Jugendliche ein Mitspracherecht haben. Wir müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. Und das das Tollste dabei ist, dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann, den konkreten Problemen und Bedrohungen entgegenzuwirken. Zum Beispiel durch Bäume pflanzen.”

Die nächste größere Herausforderung, die auf Felix Finkbeiner zukommt, sind nächstes Jahr die Abiturprüfungen. Gemessen an dem, was er sonst schon bewegt hat und vielleicht noch bewegen wird, dürfte das aber einer seiner leichteren Übungen sein.

Weitere Informationen unterhttp://www.plant-for-the-planet.org

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Hausarbeit: Eltern haben die Pflicht, Kindern Pflichten zu übertragen

Den Müll rausbringen, das eigene Zimmer aufräumen, Blumen gießen, Tisch decken und kleine Besorgungen erledigen – das sind die typischen Kinderaufgaben im Familienverbund. Ist der Nachwuchs noch klein, ist er meist mit Begeisterung bei der Sache. Je älter Kinder aber werden, desto eher versuchen sie, sich zu drücken. Doch Eltern dürfen ohne schlechtes Gewissen die Mithilfe einfordern.

Jugendliche können sehr vielfältige und teils auch sehr kreative Verweigerungsstrategien an den Tag legen, wenn es um das Thema Mithilfe im Haushalt geht. Doch was will man anderes erwarten? Viele Teenager befinden sich in einem Zustand “erlernter Hilflosigkeit”, meint der Entwicklungsexperte Ralph Dawirs. “Haben sie doch über die zurückliegende lange Zeit ihrer behüteten Entwicklung vom Kleinkind bis zu den ersten Pickeln günstigenfalls erfahren dürfen, dass Mama und Papa für alles Nötige sorgen. Und das nicht schlecht, vor allem sehr verlässlich. Warum sollte sich das plötzlich ändern? Kann man sich doch auf das alte bewährte Bodenpersonal prima verlassen.”

Mit Erziehung an sich kommt man hier nicht mehr weit. Denn mit der Pubertät endet die Kindheit und damit der Erziehungsauftrag. Ab sofort gilt also die Hausordnung.

Eltern haben die Pflicht, ihren Kindern Pflichten zu übertragen

Theoretisch haben Eltern gesetzliche Rückendeckung, wenn es um die Mithilfe im Haushalt geht. Denn in Paragraf 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuches steht, dass ein Kind, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet ist, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten. Übersetzt heißt das, dass Kinder zur Mitarbeit im Haushalt verpflichtet sind – und zwar, solange sie die Füße unter den elterlichen Tisch stellen.

Wobei sich Art und Umfang der zu erbringenden Pflichten nach der Reife und den Kräften des Kindes richten müssen, und das Recht auf die freie Gestaltung einer Ausbildung nicht eingeschränkt werden darf. Andersherum ist es, per Gesetz, sogar die Pflicht der Eltern, ihr Kind an die Übernahme eigener Verantwortlichkeiten und Pflichten heranzuführen, beschrieben im Paragraf 1626 unter dem Stichwort “Elterliche Sorge”.

Kann ich mein Kind auf Mithilfe im Haushalt verklagen?

Für ein Kind ab 14 seien sieben Stunden pro Woche angemessen, findet der Bundesgerichtshof. Bei jüngeren entsprechend weniger. Sind die Eltern krank, beide berufstätig oder alleinerziehend oder besteht gar ein familiärer Notfall, kann sich die Pflicht zur Mithilfe noch erhöhen. Doch wie, werden sich jetzt viele Eltern fragen, soll ich das durchsetzen? Wo doch sowohl der Unterhaltsanspruch als auch das Recht auf Taschengeld auf der Seite der Faulenzer stehen? Soll ich vielleicht einen Prozess gegen mein in seinem Zimmer herumlungerndes Kind führen? Geht das überhaupt?

“Von so einem Prozess habe ich noch nie gehört”, erklärt der Dresdner Rechtsanwalt Ulrich Nolte. “Er macht auch keinen Sinn. Denn zum einen ist er gegen minderjährige Kinder schwer durchführbar und zum anderen wäre ein Urteil im Wege der Zwangsvollstreckung nicht durchsetzbar. Dafür würde man bei keinem Gericht Verständnis finden, die Belastung für die Familie wäre viel zu hoch und der Paragraf ist so auch gar nicht gedacht, sondern wird höchstens im Rahmen von Schadenersatzansprüchen in ganz anderen Fällen verwendet.”

Das Recht auf Mithilfe der Kinder im Haushalt fällt damit unter die Rechte, die zwar aus dem Gesetz ableitbar sind, im Zweifel aber nur auf dem Papier stehen und abbilden, was gesellschaftlich erwünscht ist.

Kinder im Kindergartenalter helfen noch spielerisch

Kinder zwischen drei und fünf Jahren kann unter Mithilfe der Eltern das Aufräumen ihres Zimmers durchaus zugemutet werden, genauso wie ein Helfen beim Tischdecken, beim Blätterzusammenfegen, beim Wäscheaufhängen oder zum Beispiel auch beim Backen. Wobei Kinder in diesem Alter Gefahren noch nicht selbst erkennen können, gerade im Umgang mit Küchengeräten also besondere Vorsicht geboten ist. Aber ein Ei in die Schüssel schlagen oder dem Teig das Mehl hinzufügen, das geht prima.

Natürlich läuft im Kindergartenalter alles noch spielerisch ab. Eine Entlastung darf man hier nicht erwarten. Manchmal dauert einiges sogar länger oder macht zusätzliche Unordnung, weil viele Tätigkeiten für die Kinder motorisch noch schwierig sind. Aber der Zeitaufwand lohnt sich. Er ist sozusagen eine Investition in die Zukunft.

Selbstständigkeit fördern

Wirklich regelmäßig zu erledigende Aufgaben zu verteilen, macht frühestens im letzten Kindergartenjahr Sinn. Erst im Grundschulalter können diese dann auch komplexer werden. Dazu kann zum Beispiel schon das Kochen erster, einfacher Gerichte gehören. Oder auch das Versorgen eines Haustieres. Das fördert die Selbstständigkeit, aber vor allem auch das Selbstwertgefühl. Und das Kind lernt, dass Hausarbeit viel Arbeit ist, die regelmäßig gemacht werden muss und die man sich in einer Familie teilt.

“Mein Sohn ist seit seinem dritten Jahr der Herr über unsere Spülmaschine”, berichtet Frauke. “Sie ist vollautomatisch, mit Touchscreen und tollen Lichtern, das hat ihn schon immer fasziniert. Früher hat er sie immer gemeinsam mit mir eingeschaltet und dann gespannt auf das rote Laserlicht am Fußboden gewartet. Heute, mit sieben, räumt er die Spülmaschine auch aus. Und irgendwann, so hoffe ich, auch mal ein”, schmunzelt die 45-jährige Münchnerin.

Die Diskussionen kosten mich den letzten Nerv”

Die Aufgabenverteilung richtet sich, genau wie die Art der Aufgaben, nach dem Entwicklungsstand des Kindes. “Unser Fünfjähriger sortiert jeden Tag die Schuhe im Flur, die zwölfjährige Tochter dagegen weiß, dass das Bad immer sonntags von ihr geputzt sein muss – wann sie es macht und ob sie sich die Aufgaben einteilt oder alles auf einmal übernimmt, ist ihr überlassen.” Die dreifache Mama Melanie ist selbst sehr ordentlich und ihre Kinder haben das von ihr übernommen.

Nur der Große streikt seit einigen Wochen, erledigt die ihm übertragenen Aufgaben nur noch sporadisch oder gar nicht. Er ist genervt von den dauernden Bitten und Befehlen. Das geht seiner Mutter auch nicht anders: “Das Hinterhergerenne und die dauernden Diskussionen kosten mich den letzten Nerv. Wenn ich ihn dann gefühlte 100 Mal gebeten habe, etwas zu tun, mach’ ich es dann doch selbst. Ich kann nun mal nicht bis übermorgen warten, wenn kein Wasser mehr im Haus ist.”

“Ich mach’s gleich”, spricht der Nachwuchs und nichts geschieht

Die Wörter “Gleich” und “Später” sind wohl die typischen Antworten älterer Kinder auf die elterliche Bitte um Mithilfe. Die einzige Chance dagegen anzukommen, sind eine große Portion Konsequenz und Geduld, gepaart mit klaren Ansagen. Statt mehrmals zu fragen, ob der Nachwuchs denn gewillt wäre, heute noch den Rasen zu mähen, sei es einfacher, deutlich zu formulieren, raten Erziehungsexperten.

Der Arzt und fünffache Vater Werner Bartens beschreibt in seinem Buch “Glückliche Kinder”, warum es für die heutige Elterngeneration so schwer ist, ihren Kindern mit einem freundlichen, aber bestimmten Basta zu signalisieren, dass jetzt Schluss ist mit der Diskutiererei. Der Grund sei, dass viele Eltern selbst in einem Umfeld aufgewachsen sind, das aus schier endlosen Diskussionsrunden bestand. Klare Ansagen seien daher eine neue Erfahrung, ein Lernprozess und vor allem eine ungeliebte Hürde.

Vorlieben nutzen

Das eine Kind hat Freude an der Arbeit im Garten, ein anderes kann Stunden damit verbringen, die Duschkabine mit Essig zu wienern und wieder ein anderes geht lieber einkaufen oder passt auf die kleineren Geschwister auf. Wenn man solche Vorlieben für die Aufgabenverteilung nutzt, gibt es weniger Diskussionen. Vor allem dann, wenn die Kinder größer werden, und zwar wie Erwachsene behandelt werden wollen, von erwachsenem Verhalten aber noch meilenweit entfernt sind. Was wohl auch an ihrer etwas anders gearteten Toleranzschwelle bezüglich Dreck und Unordnung liegen könnte.

Schlechte Vorbilder machen Erziehung schwer

Zum Ende der Grundschule hin steigt nicht nur das Pensum dessen, was das Kind schulisch und in Form von Sport- oder anderen Freizeitaktivitäten zu bewältigen hat, es sinkt proportional dazu auch die Motivation zu helfen. Man mogelt sich gern um seine Aufgaben herum. Hat das Kind früh gelernt, dass mithelfen selbstverständlich ist, dann ist es einfacher. Gibt es aber zum Beispiel andere Familienmitglieder, die sich eher bedienen lassen, als selbst den Finger zu rühren, zum Beispiel größere Geschwister oder auch der Partner, dann stößt man auch beim Nachwuchs auf weniger Verständnis. Erziehung lebt nun mal vom Vorbild, leider auch vom schlechten.

Selbstständige Kinder dürfen trotzdem mal verwöhnt werden

Wenn Jugendliche die Mithilfe im Haushalt verweigern, dann sitzen sie sowieso meistens am längeren Hebel, das müssen Eltern akzeptieren, meint der Erziehungsexperte Andreas Engel. “Manchmal besteht aber die Gelegenheit, sein Kind die Erfahrung der natürlichen Folgen machen zu lassen. Schließlich ist Mama jetzt nicht mehr für alles zuständig.” Engel ist wie Dawirs auch der Ansicht, dass Verantwortung übernehmen in unserer Kultur regelrecht ferngehalten wird von Teenagern. “Manchmal kann da die Einberufung einer Familienkonferenz gute Ergebnisse bringen, da der Jugendliche dann selbst an der Suche nach von allen akzeptierten Absprachen mitbeteiligt ist.”

Denn natürlich ist es schön, wenn man auch mit 15 noch ein liebevoll zubereitetes Brot mit in die Schule bekommt. Wenn man aber nicht möchte, dass der Nachwuchs einem mit 30 immer noch die Dreckwäsche bringt, dann sollte man frühzeitig dafür sorgen, dass er selbst in der Lage ist, eine Waschmaschine oder ein Bügeleisen zu bedienen.

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Überfall auf 14-Jährige: Jugendliche zu Haftstrafen verurteilt

Nach der brutalen Misshandlung eines Mädchens sind zwei zum Tatzeitpunkt 17-Jährige zu Jugendstrafen von drei Jahren Haft verurteilt worden. Die große Jugendkammer des Oldenburger Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der Junge und das Mädchen die 14-Jährige im Mai in Wilhelmshaven massiv ins Gesicht geschlagen und getreten hatten, als diese am Boden lag.

Die Tat hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Andere Jugendliche hatten den Überfall mit Handys gefilmt, waren aber nicht eingeschritten. Die Videos tauchten später im Internet auf. Daraufhin verabredeten sich etwa 40 junge Leute über soziale Netzwerke, um einen der Verdächtigen in seinem Haus aufzusuchen. Die Polizei musste die Versammlung auflösen.

Gegen neun Zuschauer der brutalen Misshandlungen wurden Ermittlungen eingeleitet. Oberstaatsanwältin Frauke Wilken sagte, es werde noch geprüft, ob sie sich möglicherweise wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar gemacht hätten oder ob sie gar an der Tat beteiligt gewesen seien. Möglicherweise werde es weitere Anklagen geben. Gewalttaten von Jugendlichen wurden in der Vergangenheit immer wieder gefilmt und ins Internet gestellt – meist von den Tätern selbst.

Tötungsabsicht nicht nachzuweisen

Das Opfer hatte nach dem Angriff im Krankenhaus behandelt werden müssen. Nach Auffassung des Vorsitzenden Richters hätte die Gewalteinwirkung lebensgefährlich sein können. Nur durch Zufall habe das Opfer keine schwereren Folgen davongetragen. Eine Tötungsabsicht habe den Tätern aber nicht nachgewiesen werden können, sagte ein Gerichtssprecher nach der nichtöffentlichen Urteilsverkündung.

Verurteilt wurde das Duo deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung, angeklagt war es wegen versuchten Totschlags. Die Haftbefehle wurden unter Auflagen zunächst außer Vollzug gesetzt. Die beiden Verurteilten kamen deshalb zunächst auf freien Fuß.

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Als Lehrerin im Knast: Wo Schläger und Diebe zur Schule gehen

Autorität hat nichts mit Körpergröße zu tun. Nichts damit, wie laut man spricht oder wie stark man ist. Carmen Scheithauer ist 1,58 Meter groß, und Kampfsport macht sie nicht. Die Jungs folgen trotzdem. Seit 16 Jahren unterrichtet Scheithauer Straftäter in der Justizvollzugsanstalt Adelsheim in Baden-Württemberg.

Sie bereitet sie auf den Hauptschulkurs vor. Immer acht Jungs, drei Monate lang. “Es macht mir Spaß”, sagt die 49-Jährige in Jeans, grauem Wollpulli und roten Turnschuhen. “Wenn ich denen Wertschätzung und Empathie entgegenbringe, kommt es zu 99 Prozent zurück.”

Im August eskalierte im Jugendgefängnis Adelsheim eine Schlägerei beim Hofgang: 50 Jugendliche prügelten sich, gingen auch auf Beamte los und verletzten sechs von ihnen. Doch Scheithauer sagt: “Ich habe keine Angst. Wenn ich Angst hätte, dürfte ich nicht in Adelsheim arbeiten.” Beim Kochunterricht ist sie allein mit den Schülern. Die Messer zum Petersilie- oder Zwiebelschneiden sind scharf.

Die Küche liegt im Untergeschoss der Schule mitten auf dem Gefängnisgelände. Daniel steht am Herd und wendet die Frikadellen, Jefferson schneidet die grünen Peperoni klein, Nory zerbricht die Schokolade für den Nachtisch, Yakup blickt ratlos auf den Teig vor sich. “Stell dich nicht so an. Mach einfach”, sagt Scheithauer. Yakup packt das Nudelholz und rollt den Teig aus. “Wie meine Mutter”, sagt Nory und lacht. Zehn Minuten später steht das Essen auf dem Tisch.

“Wenn die Hälfte es schafft, dann ist es schon viel”

Die jungen Männer sind 17 bis 19 Jahre alt. Sie haben versucht, Menschen umzubringen, sie niedergeschlagen, ausgeraubt. Beim Kochen sind sie hilfsbereit und höflich. In den 16 Jahren in Adelsheim sei ihr nie etwas passiert, sagt Scheithauer. Selbst den Notfallknopf an ihrem Handy musste sie nie drücken. Die Jacken dürfen die Schüler nicht mit in die Küche nehmen, um einen möglichen Messerklau zu erschweren.

Scheithauer stammt aus Mosbach, wo sie heute noch lebt. Als sie in Heidelberg Grund- und Hauptschullehramt studierte, absolvierte sie ein Praktikum in Adelsheim. Ihre Examensarbeit schrieb sie über die Zukunftschancen der Jugendlichen. “Wenn es von meinen acht Schülern die Hälfte schafft, dann ist es schon viel”, sagt die Lehrerin. Studien verweisen auf eine Rückfallquote von rund zwei Dritteln.

Anstaltsleiterin Katja Fritsche hält die Schule für sehr wichtig, auch weil sie Möglichkeiten für eigene Erfolge bietet. “Wenn du zufrieden bist mit dir, bist du im Zweifel weniger aggressiv”, sagt Fritsche. Bei den Schülern gebe es weniger Meldungen und Disziplinarmaßnahmen als bei den anderen Insassen.

Eine ganz normale Schule – aber ohne Frontalunterricht

Scheithauer hat sich bewusst gegen eine normale Schule entschieden, weil sie dort so viele Schüler hätte betreuen müssen. “Ich habe gesagt, ich habe lieber acht Schüler und kann pädagogisch mit denen arbeiten.” In ihren Klassen sitzen Jugendliche vom Niveau eines Viertklässlers bis zum Niveau eines Neuntklässlers. “Ich mache so gut wie nie Frontalunterricht”, sagt Scheithauer. “Ich betreue die einzeln.” Das Prinzip der Gemeinschaftsschule im Knast.

Das Klassenzimmer sieht aus wie in anderen Schulen: eine Tafel, eine Karte mit den “Staaten Europas”, ein großes Fenster, keine Gitter. Die Jugendlichen sitzen an Einzeltischen. Jeder bearbeitet seinen Stoff in seinen Heften: Mathe, Deutsch, Erdkunde oder Biologie. Scheithauer wandert mit ihrem Stuhl von Tisch zu Tisch. “Was ist 48 geteilt durch 6?” “7?”, fragt Daniel. “8!”. “Oh Alter”, der junge Mann seufzt. Scheithauer kontrolliert die Hausaufgaben einzeln – und schätzt, wie viel Zeit die Schüler dafür gebraucht haben. Schließlich sind drei Stunden Hausaufgaben pro Tag Pflicht in der Ganztagsschule.

Wer mitarbeitet, verdient Geld

Wer sein Soll erfüllt, hat die Chance auf den Tagessatz von 11,94 Euro für den Schulbesuch – oder mehr. Die Jugendlichen bekommen genau so viel, wie wenn sie eine Ausbildung im Gefängnis machen würden, und mehr als die ungelernten Arbeiter. Einen Großteil des Geldes müssen sie zurücklegen, den Rest dürfen sie im Gefängnis-Laden ausgeben.

Scheithauer bietet den Jugendlichen Kunstkurse an, eine Schreibwerkstatt, Lesestoff. Einige lesen hier das erste Buch ihres Lebens. “Meine Schüler lernen die Freiheit in der Unfreiheit. Sie lernen das Denken”, sagt Scheithauer. Manche Schüler schaffen hier mit Anfang 20 den Schulabschluss, den sie draußen nie erreicht hätten. Manche Schüler schaffen sich hier selbst eine Chance.

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Hermann Gröhe: Krankenkassen sollen mehr U-Untersuchungen zahlen

Grundschüler und Teenager sollen künftig nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) häufiger zur Vorsorge beim Kinderarzt gehen. Er will deshalb das Untersuchungsprogramm für Kinder und Jugendliche ausweiten. Dazu sollen bis zu drei neue Vorsorgeuntersuchungen zu Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen werden – die U10 und die U11 für Grundschüler sowie die J2 für Jugendliche.

“Wir wollen, dass die bewährten U- und J- Untersuchungen beim Kinder- oder Hausarzt künftig bis zum 18. Lebensjahr regelmäßig möglich sind”, sagte Gröhe der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”.

Die Kassen zahlen bis zur J1 für Teenager

Die Weichen für ein gesundes Leben würden im Kindes- und Jugendalter gestellt. “Deshalb ist es wichtig, dass auch die Früherkennung von gesundheitlichen Risiken schon bei den Kleinsten beginnt und in allen Altersgruppen gestärkt wird”, sagte Gröhe. Bislang sind nur die Vorschulalter-Untersuchungen (U1 bis U9) und die Untersuchung J1 für Zwölf- bis 14-Jährige gesetzliche Kassenleistungen.

Im Grundschulalter und im späteren Teenager-Alter klafft dagegen eine Lücke: Zwar übernehmen immer mehr Kassen freiwillig die Kosten für die U10, die U11 und die J2 – doch laut Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte gehen nach wie vor etliche Familien leer aus.

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Komasaufen unter Jugendlichen nimmt deutlich ab

Jahrelang hieß es: Immer mehr Jugendliche trinken Alkohol bis der Arzt kommt beziehungsweise sie in die Klinik müssen. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Zeigt die Aufklärung über die Gefahren von Bier, Wein und Schnaps endlich Wirkung?

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik kommen, ist nach Informationen der Krankenkasse DAK rückläufig. Im Jahr 2013 seien in neun der 16 Bundesländer weniger Fälle von Komasaufen gezählt worden als im Vorjahr, teilt die Krankenkasse mit.

Die vorläufigen Angaben der statistischen Landesämter summieren sich auf 18.500 Fälle. Das ist ein Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zu 2012.

Niedrigster Wert seit 2008 erwartet

Für ganz Deutschland erwartet die Krankenkasse eine Zahl von deutlich unter 25.000. “Das wäre der niedrigste Wert seit 2008”, sagt DAK-Sprecher Rüdiger Scharf.

Im Jahr 2012 waren bundesweit 26.673 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs in Krankenhäuser gebracht worden. Das war der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2000. Die endgültigen Zahlen für alle Bundesländer will das Statistische Bundesamt in Kürze vorstellen.

Stärkster Rückgang von Komasaufen in Hessen

Nach den vorläufigen Angaben aus den neun Bundesländern war der Rückgang in Hessen mit 31 Prozent am stärksten. Beinahe ebenso groß ist die Abnahme in Berlin mit 29 Prozent. Sachsen-Anhalt (minus 22 Prozent), Rheinland-Pfalz (minus 18) und Nordrhein-Westfalen (minus 15) verzeichneten ebenfalls starke Rückgänge. Um zweistellige Prozentzahlen verringerten sich die Fälle von schwerem Alkoholmissbrauch auch in Baden-Württemberg (minus zwölf) und Brandenburg (minus zehn). Bayern und Sachsen meldeten ein Minus von 8 beziehungsweise 5,5 Prozent.

Aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen lagen noch keine Angaben vor.

Weitere Präventionsmaßnahmen geplant

Die bekannten Zahlen deuteten auf eine Trendwende hin, erklärt Scharf. “Offensichtlich zeigt es Wirkung, dass die Jugendlichen verstärkt über die Gefahren des Alkoholmissbauchs aufgeklärt werden.”

Gemeinsam mit der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler startet die DAK 2015 erneut den Plakatwettbewerb “bunt statt blau”. Die Krankenkasse sprach sich zugleich dafür aus, die Einhaltung des Jugendschutzes beim Alkoholverkauf oder nächtliche Verkaufsverbote wie in Baden-Württemberg durch Testkäufe zu überprüfen. “Je leichter Jugendliche an Alkohol kommen, umso größer wird die Gefahr für das Rauschtrinken”, meint Scharf.

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ZDFzoom: “Obdachlose Kinder in Deutschland”

Obdachlose Kinder in Deutschland gibt es nicht. Zumindest nicht offiziell, denn bis zum 18. Lebensjahr gelten Jugendliche als “obhutlos”, werden im Zweifel formal der Wohnadresse ihrer Herkunftsfamilie zugerechnet. Doch die Realität sieht ganz anders aus, wie die “ZDFzoom”-Reportage “Obdachlose Kinder in Deutschland” zeigt.

Die Bundesregierung verkündete zuletzt 2005 offizielle Zahlen. Damals war von 7200 obdachlosen Kindern und Jugendlichen die Rede. Heute gibt es Schätzungen, dass die Zahl der Heranwachsenden ohne festen Wohnsitz zwischen 9000 bis 20.000 liegt. Viele von ihnen leben in Berlin, verbringen ihre Zeit lieber auf dem Alexanderplatz als in ihren zerrütteten oder gewalttätigen Familien. Streetworker sprechen aktuell wieder von einer “Verjüngung auf der Straße”.

Tausende Kinder in einem Wohlstandsland auf der Straße – wie kann das sein? Hat Deutschland diese Jugendlichen aufgegeben?

Hannah: “Man sieht Dinge, die man nicht sehen will”

ZDF-Reporterin Stephanie Gargosch begleitet mehrere obdachlose Kinder in ihrem Alltag. Eine von ihnen ist Hannah aus München, 17 Jahre alt. Sie sagt: “Ich bin auf die Straße gegangen, weil ich keine andere Möglichkeit hatte.”

Immer wieder hatte sie sich heftig mit ihrer Mutter gestritten, bis sie sich mit 14 Jahren ans Jugendamt wendete. Es folgten mehrere psychologische Gutachten über die Mutter, die alle empfahlen, Hannah aus der Familie zu nehmen. Aber genau das geschah nicht. Stattdessen genehmigte das Jugendamt nur eine ambulante Erziehungshilfe. “Das führte dazu, dass einmal in der Woche jemand mit mir und meiner Mutter redete, oft sogar nur mit mir”, erklärt Hannah enttäuscht. “Also nicht viel mehr als eine bezahlte Freundin.”

Zu Beginn der Reportage war Hannah gerade zum dritten Mal aus München weggelaufen – nach Berlin, auf die Straße. Was Hannah sucht, ist eine dauerhafte Lösung, sie will heimisch werden können und nicht zurück zur Mutter oder in eine Notfallunterkunft für Jugendliche. Um Druck auf das Jugendamt auszuüben, lebt sie lieber auf der Straße. Obwohl sie inzwischen weiß, wie hart das ist: “Wer einen schwachen Körper, einen schwachen Charakter, vor allem eine schwache Psyche hat, hält das nicht aus. Denn man sieht Dinge, die man nicht sehen will”, berichtet die Jugendliche und ergänzt auf Nachfrage: “Es können Leute direkt neben dir sterben.”

Greeny fühlt sich im Stich gelassen

Ein anderer Fall ist der Teenager, den sie nur Greeny nennen. Auch er ist 17 und seit fünf Jahren obdachlos. Greeny lebt in Essen – abwechselnd bei Freunden, der Notfallstelle für Jugendliche oder auf der Straße.

Schon oft habe er versucht, über das Jugendamt einen Platz in einer Wohngruppe oder einem Heim zu bekommen: “Es hieß immer, wir kümmern uns darum. Aber es kam nie etwas.” Wie so viele andere Straßenkinder fühlt sich Greeny vom Jugendamt im Stich gelassen. Er wünscht sich mehr Kommunikation und Verbindlichkeit vom Amt, auch mehr individuelle Angebote.

Jugendämter kommen ihrer Pflicht nicht nach

Hat wirklich das Jugendamt bei diesen Kindern und Teenagern versagt? Die Redaktion von “ZDFzoom” macht einen Test: Eine Mitarbeiterin gibt sich als Jugendliche aus und ruft bei mehreren deutschen Jugendämtern an. Sie erzählt am Telefon, dass sie unbedingt von zu Hause weg müsse, Angst vor ihrer Mutter habe und woanders unterkommen müsse. Was sie zu hören bekommt, sind Aussagen wie “Ich muss in einer halben Stunde nach Hause”, “Sorry, aber der Kollege ist krank”, “Wenn du Probleme hast, geh’ halt zur Polizei, wir sind nicht zuständig”.

Nur eines von zehn Jugendämtern bietet unverzüglich Hilfe. Dabei verlangt es sogar das Gesetz: Das Jugendamt ist verpflichtet, einen Minderjährigen in Obhut zu nehmen, wenn er darum bittet. Geschieht das nicht, ist das ein klarer Rechtsbruch.

Familienministerin gesteht großen Nachholbedarf

Doch es besteht Hoffnung für Jugendliche wie Greeny. Im September 2014 fand erstmals der Bundeskongress für Straßenkinder in Berlin statt. Deutschland solle endlich sehen, dass es auch hier Straßenkinder gibt: In Arbeitsgruppen diskutierten Betroffene aus dem ganzen Land zwei Tage lang über ihre Situation und ihre Zukunft.

Dabei wurde ein Ideen- und Forderungskatalog erstellt, der kurze Zeit später an Bundesfamilienmisterin Manuela Schwesig weitergereicht wird. Es ist das erste Mal, dass es zu einem Kontakt zwischen Straßenkindern und der deutschen Politik kommt. Schwesig gesteht dem ZDF, dass der Bund viel zu wenig wisse und dringend herausfinden müsse, warum es junge Menschen gibt, die “durch das Netz des Kinderschutzes rutschen”.

Die Ministerin verspricht Unterstützung: 400.000 Euro sollen für zwei Jahre auf vier Straßenkinder-Projekte in Berlin verteilt werden. Für Greeny, der bei dem Treffen mit Schwesig dabei ist, immerhin ein Anfang.

“Housing-First”: ein Konzept für Deutschland?

Andere Länder in Europa sind Deutschland in der Bekämpfung der Obdachlosigkeit voraus. Als Paradebeispiel nennt “ZDFzoom” Dänemark: Schnell und unbürokratisch bekommen obdachlose Jugendliche eine Unterkunft gestellt. Ihnen werden auch Betreuer zugewiesen, die notfalls rund um die Uhr für sie da sind. Der Ansatz besagt, dass eine stabile Unterkunft am wichtigsten ist und andere Angelegenheiten erst anschließend angegangen werden sollten.

Infolge dieser sogenannten “Housing-First”-Strategie fanden 90 Prozent der ehemals Obdachlosen in die Gesellschaft und schließlich in die Arbeitswelt. Ein Konzept, das sich laut der dänischen Behörden lohnt: Es macht andere Einrichtungen für Obdachlose überflüssig und sorgt dafür, dass viele der Begünstigten zu Steuerzahlern werden.

Auch ein Modell für Deutschland? Erste Versuche sind bekannt. Allerdings ist betreutes Einzelwohnen in Deutschland noch immer die Ausnahme. Den ZDF-Reportern zufolge fehlt es größtenteils noch immer an maßgeschneiderten Lösungen und Wegen weg von der Straße.

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Kein Frohes Fest? Familienstress an Weihnachten vermeiden

Eigentlich sollte Weihnachten eine friedliche und besinnliche Zeit sein, eine Zeit für die Familie. Aber auch wenn Jugendliche ebenfalls Wert darauf legen, haben sie oft ganz andere Vorstellungen von einem guten Weihnachtsfest als die Eltern. Warum Konflikte da so manches Mal unvermeidbar sind, erklärt der Diplom-Psychologe Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke), im Gespräch mit t-online.de.

“Weihnachten ist ganz klar ein Fest der Familie, das in der Regel mit riesigen Erwartungen verbunden ist. Das bietet wenig Ausweichmöglichkeiten und garantiert eine erhöhte Grundanspannung. Das kann sich positiv entwickeln und dann wird es ein ganz tolles Fest. Es kann aber auch passieren, dass Konflikte, die man unter dem Deckel halten will, doch hochkommen. Gerade bei Jugendlichen kommen dann oppositionelle Grundhaltungen so richtig zutage.”

Auf die persönliche Einstellung zu Weihnachten kommt es an

Eine Dynamik, die man ganz allgemein von Familienfesten kennt. Die Erwartungen sind zu hoch. “Das hängt auch ganz stark davon ab, was das Weihnachtsfest in der Familie bedeutet. Wird es mehr religiös gesehen oder einfach nur als Familientreffen – was übrigens auch völlig in Ordnung ist. Ist es ein Höhepunkt im Jahr oder gestaltet es sich eher wie jeder andere Feiertag auch? Diese Frage, wie ich es selbst mit dem Fest halte und welche Bedeutung es für mich hat, muss ich mir stellen, bevor ich meine Erwartungen an den Jugendlichen richte”, sagt Gerth.

Wenn das Fest für die Eltern völlig sinnentleert ist, können sie von den Jugendlichen nicht erwarten, dass sie begeistert sind. “Wird es aber traditionell gehalten, dann kann man mit einer gewissen Beteiligung, in Maßen zumindest, durchaus rechnen.”

Das ist auch eine Frage des Respekts, denn gewisse Rituale gehören zu einem Fest einfach dazu – für alle Familienmitglieder. Doch die meisten Jugendlichen muss man darauf gar nicht explizit hinweisen, denn Traditionen stehen bei ihnen interessanterweise relativ hoch im Kurs, auch wenn sie das nicht immer sofort zugeben würden. “Ob man Traditionen mag und wie man damit umgeht, das zeigt sich oft erst Jahre später, meist dann, wenn man eine eigene Familie hat. Zwischendurch muss es aber auch mal eine Phase geben dürfen, in der man sich distanziert und eventuell auch einfach nur nicht zugibt, dass es einem eigentlich gefällt.”

Freunde sind in diesem Alter genauso wichtig wie die Familie

Eine vor wenigen Jahren durchgeführte Umfrage hat bereits den Beginn dieses Trends gezeigt: Rund 80 Prozent aller Deutschen unter 40 Jahren feiern bevorzugt im Kreise der Familie, nur jeder zehnte lässt den Abend im Club ausklingen. Dabei dürfte es sich um Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene handeln. Denn für die meisten gehört zu Weihnachten eben nicht nur der Baum und die Gans, sondern auch der Ausklang mit den Freunden. Das muss nicht der angesagteste Club der Stadt sein, das beginnt bei den etwas Jüngeren oft bereits mit dem Besuch der Christmette am späten Abend, bei der man die anderen treffen kann.

“Das ist für viele Jugendliche ihre Art, Weihnachten zu feiern”, weiß Gerth. “Die meisten gehen relativ spät weg, da kommt erst die Familie und dann kommen die Freunde und das ist, wie ich finde, eine gute Kompromisslösung. Immerhin ist es doch sehr schön, dass die Jugendlichen zumindest einige Stunden da sind.” Und wenn es einem schwerfalle, sie dann ziehen zu lassen, dann helfe es oft, sich an die eigene Jugend zu erinnern und das Verhalten einfach zu akzeptieren.

Gemeinsames Weihnachtsfest bei Patchworkfamilien selten

Eine besondere Situation ergibt sich für die vielen Patchworkfamilien. “Es gibt Familien, da funktioniert es ganz wunderbar, wenn alle Teile zusammen Weihnachten feiern”, sagt Gerth. Seine Erfahrungen zeigen aber, dass es sich hier eher um Ausnahmen handelt. Er rät von einem gemeinsamen Fest ab, weil an einem solchen Tag zu viele Erwartungen und Erinnerungen hochkommen, die sich störend auswirken könnten. Besser ist es, den Level für sich selbst eher niedrig zu hängen und die Kinder an ihren unterschiedlichen Lebensorten feiern zu lassen.

“Bei getrennt lebenden Eltern haben es die Jugendlichen hier leichter als die Kleinen, da sie emotional lange nicht so gefangen sind. Sie haben viel mehr Entscheidungsfreiheit, wobei für die Kleinen die Eltern die Entscheidung über das Wie und Wo des Festes treffen. Jugendliche kann man dagegen durchaus selbst entscheiden lassen, wo und bei welchem Teil der Familie sie ihr Weihnachtsfest verbringen wollen. Allerdings funktioniert das nur dann wirklich gut, wenn sie wissen, dass sie, egal, wie sie sich entscheiden, nicht ins Kreuzfeuer geraten.” Man darf also auch nicht beleidigt sein, wenn das Los auf den anderen fällt.

Kompromisse finden

Am besten ist es, bereits im Vorfeld die eigenen Erwartungen und Perfektionsansprüche nicht allzu hoch zu hängen und etwas mehr Gelassenheit zu zeigen. Denn sonst wird es umso schwieriger, Abweichungen zu ertragen. Statt verbiestert an der Familientradition festzuhalten, ist es besser, über seine Wünsche und Erwartungen zu sprechen, um Frust und schlechte Stimmung zu vermeiden.

Warum nicht einfach offen sein für kleine Änderungen des Ablaufs, wenn es möglich ist, damit alle Familienmitglieder glücklich zu machen? Hier lassen sich in der Regel immer Kompromisse finden, die für beide Seiten zufriedenstellend sind. Es ist wichtig für Jugendliche, zu merken, dass auch die eigenen Vorstellungen ernst genommen werden. Und zu wissen, wo die persönlichen Grenzen der Eltern sind. Schließlich bricht man sich auch mit 15 keinen Zacken aus der Krone, wenn man sich an ein paar Regeln hält.

Freiraum bedeutet nicht, auf Grundregeln zu verzichten

Am besten ist es, bereits im Vorfeld zu verhandeln. Allerdings früh genug und nicht erst in letzter Minute: “Denn auch, wenn Jugendliche gerne von einem Tag auf den anderen leben, der Familie hilft es, rechtzeitig vorher zu planen. Wobei man allerdings nie vergessen darf, ein wenig Verhandlungsspielraum einzukalkulieren”, rät Gerth. “Denn so kann man sich ein wenig hin und zurück bewegen, ohne dass die eigene ‘Erwachsenenvorstellung‘ von Weihnachten gleich dahin geht.”

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