Kategorie -Jugendliche

Vergesslichkeit in der Pubertät

Wie ein roter Faden zieht sich die Schusseligkeit von Pubertierenden durch den Alltag: Hausaufgaben? Ups, vergessen. Den Sportbeutel? Oh, in der Schule liegen gelassen. Viel Verständnis, Unterstützung und kleine Organisationstricks helfen.

Fast zwei Wochen stand sein Fahrrad am Supermarkt. Mattes (13) hatte es dort beim Einkaufen abgestellt – und vergessen. “Ich bin danach zu Fuß nach Hause gegangen, hab’ gar nicht mehr daran gedacht, dass ich mit dem Rad da war.” Ständig passieren dem Jungen aus Bremen solche Dinge: “Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Manche Sachen fallen mir eben einfach aus dem Kopf.”

“Strukturiertes Denken einfach nicht möglich”

“Das ist ganz normal für dieses Alter”, sagt Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinderpsychatrie und -psychosomatik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In der Pubertät fänden große Umbauprozesse im Gehirn statt. Ein rundum organisiertes und strukturiertes Denken, so wie Erwachsene es kennen, sei jetzt einfach noch nicht möglich: “Die Verbindungen zwischen dem kontrollierenden und dem emotionalen System im Gehirn sind in der Pubertät noch sehr dünn und entwickeln sich erst bis zum 25. Lebensjahr vollständig.”

Eltern sollten sich nicht aufregen

Hinzu komme ein verändertes Zeitgefühl, sagt Schulte-Markwort: “Jugendliche haben Tage und Wochen nicht im Gefühl, sie leben sehr im Augenblick.” Wer Teenager bittet, etwas über die vergangene Woche zu erzählen, erlebt meist großes Grübeln: “Und dann fangen sie mit Erlebnissen von gestern an, weil sie sich an mehr gar nicht erinnern.” Auch das Wörtchen “gleich”, das Jugendliche auf die Bitte um Erledigungen gerne benutzen, sei zeitlich sehr dehnbar: “Die meinen wirklich gleich, auch wenn es dann in drei Stunden ist.” Schulte-Markwort rät Eltern, sich darüber nicht aufzuregen, auch wenn es anstrengend ist.

Dinge fallen durchs Raster

Auch Dieter Scholz, Coach und Elternberater aus Gundelfingen bei Freiburg, rät Eltern zu Gelassenheit: “Für die Kinder selbst ist die Vergesslichkeit ja schon anstrengend genug, da müssen die Eltern nicht noch zusätzlichen Druck machen.” Die Phase der Pubertät sei generell geprägt von so vielen Anforderungen und Einflüssen, dass es nur eine logische Konsequenz sei, wenn Dinge durch das Raster fallen.

“Gehirn ist mit anderen Sachen beschäftigt”

Dass in der nächsten Woche ein Zahnarzttermin ansteht, wird dann vielleicht einmal abgespeichert, abgerufen jedoch nicht: “Das Gehirn der Kinder ist mit anderen, wichtigeren Sachen beschäftigt”, sagt Elisabeth Raffauf, Diplompsychologin und Autorin des Ratgebers “Pubertät heute” aus Köln. Viele Eltern fühlten sich dann persönlich angegriffen, wenn die Jugendlichen zum wiederholten Male genau das Gegenteil von dem tun, was sie kurz vorher noch versprochen haben. Die Folge sind Streitereien und persönliche Befindlichkeiten. Raffauf rät Eltern aber dringend dazu, entspannt zu bleiben und nicht gekränkt oder sauer auf Distanz zu gehen.

Balance zwischen Unterstützung und Freiheit finden

Doch wie geht man konkret mit der Vergesslichkeit um? Müssen Eltern zum Erinnerungsboten werden? “Warum nicht?”, fragt Scholz. “Wenn es den Eltern selbst wichtig ist, können sie doch kurz etwas sagen, anrufen oder eine SMS schreiben.” Entscheidend dabei ist eine Balance zwischen Unterstützung und Freiheit: “Man darf den Kindern natürlich nicht den ganzen Tag hinterher telefonieren und alles managen. Sie dürfen ruhig noch eigene Erfahrungen machen.” Raffauf empfiehlt Eltern, sich selbst darüber klar zu werden, bei welchen Ereignissen sie intervenieren und bei welchen nicht: Erinnerung an den Arzttermin ja, sich jedes Mal ins Auto schwingen und die Fußballschuhe nachbringen – nicht zwingend.

Unterstützung anbieten

Um ständigen Stress in der Familie zu vermeiden, sei ein grundsätzliches Gespräch geeignet. In ihm wird geklärt, wie man zukünftig mit Vergesslichkeit umgeht und diesen vorbeugt. “Fragen Sie Ihr Kind, welche Unterstützung es gebrauchen kann”, rät Scholz. Ob ein Zettel auf dem Küchentisch, ein Familienplaner, Erinnerungsnachrichten per WhatsApp oder eine abendliche Besprechung des kommenden Tages: “Probieren Sie verschiedene Sachen aus.”

Für Entspannung sorgen

Da Vergesslichkeit auch ein Zeichen von Überlastung sein kann, sei es zudem sinnvoll, den Terminkalender zu betrachten: “Allein die Ansprüche aus der Schule sind heute für viele Kinder schon eine enorme Belastung. Wenn dann noch viele Freizeitaktivitäten dazu kommen, läuft das Fass eben irgendwann über.” Mehr Pausen, mehr Zeit für Müßiggang und Entspannung können den Teenagerkopf dann spürbar entwirren.

“Das hat nichts mit Verwöhnen zu tun”

Die Sporttasche auf Vollständigkeit kontrollieren, die Hausaufgaben durchgehen, an Klausuren erinnern: Mütter und Väter, die solche Aufgaben übernehmen, gelten schnell als Glucken. Schulte-Markwort sieht das anders: “Es ist toll, wenn Eltern ihre Kinder unterstützen, das hat überhaupt nichts mit Verwöhnen zu tun.” Angst, dass die Jugendlichen so nicht selbstständig werden, bräuchten Eltern nicht haben: “Das passiert sowieso, mit oder ohne Hilfe. Mit geht es für alle Beteiligten nur deutlich angenehmer.”

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Pöbeleien im Fall Tugce: Beschimpfungen als Teil der Jugendkultur?

Dem tödlichen Schlag gegen die Studentin Tugce sind üble Pöbeleien vorausgegangen. Was manchen Zuschauer in dem Darmstädter Gerichtsprozess schockiert, ist nach Einschätzung einer Expertin kein neues Phänomen. Es ist Teil von Jugendkulturen.

Beschimpfungen unter jungen Leuten seien kein neues Phänomen, sagt die Leiterin des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, Gabriele Rohmann. “Dieses Verhalten von Jugendlichen zieht sich durch die Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts mit unterschiedlichen Ausformungen.” Jugendliche seien früher allerdings stärker darauf bedacht gewesen, herabsetzende Wörter nicht in Anwesenheit Erwachsener zu gebrauchen. “Es gibt schon Verrohungserscheinungen, die auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun haben”, erläutert die Sozialwissenschaftlerin.

Der 18-jährige Sanel M. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, der 22 Jahre alten Studentin Tugce im November 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Lokals im hessischen Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass sie stürzte, mit dem Kopf hart aufschlug und später starb.

Kinder lernen von Erwachsenen

Beleidigungen seien keine Erfindung Jugendlicher, sondern sie lernten diese von Erwachsenen. Schon Grundschüler schnappten Schimpfwörter auf und nutzten sie, ohne immer die Bedeutung zu kennen. “Irgendwann merken sie dann, das hat eine Wirkung und setzten sie gezielter ein”, so Rohmann.

Junge Leute im Alter von Tugce und dem Angeklagten Sanel M. wollten andere mit Pöbeleien dagegen stoppen oder kränken. In Konfliktsituationen – so wie es sie im Fall Tugce wohl auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Offenbach gab – gehe es oft darum, mit Beschimpfungen Stärke und Dominanz zu zeigen. Nach dem Motto: “Wer ist der- oder diejenige, der oder die mehr zu sagen hat?”

Ein Schimpfwort kann auch eine Anerkennung sein

Welches Schimpfwort genutzt wird, hänge mit der Sozialisation, dem Habitus, dem Wissen und dem kulturellen Kontext zusammen. “Jemand, der die Mutter als sehr zentral, rein und untouchable (unantastbar) wahrnimmt, den trifft das härter, wenn jemand ‘Hurensohn’ sagt.” Auch die Musik, die viele Jugendliche hörten, sei voll mit Schimpfwörtern. “Damit wird aber auch gespielt in den Jugendbewegungen”, betont Rohmann. So könne ein Begriff wie “Bitch” – übersetzt aus dem Englischen kann das Miststück oder Schlampe heißen – herabsetzend verwendet werden, aber auch für emanzipierte, starke Frauen stehen.

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Johanna Wanka plädiert für Schulfach “Alltagswissen”

Ein Unterrichtsfach zur Vorbereitung auf die Herausforderungen des Alltags – dafür plädiert Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Außerdem ist die CDU-Ministerin, wie die meisten Deutschen, für den Erhalt der Schreibschrift.

“Das Fach ‘Alltagswissen’ fände ich gut. Dort könnten die Schüler Dinge lernen, die für ihr praktisches Leben wichtig sind”, sagte Wanka der “Bild am Sonntag.” Sie denke etwa an Fallen in Handyverträgen, handwerkliche Fähigkeiten, aber auch an Grundkenntnisse in richtiger Ernährung und Kochen. “Viele Jugendliche schauen mit Begeisterung Kochsendungen, können aber ohne Mikrowelle keine Lebensmittel mehr zubereiten.”

Die Einführung des Fachs “Benehmen”, für die sich in einer Umfrage 75 Prozent der Deutschen ausgesprochen haben, hält Wanka dagegen nicht für nötig: “Bestimmte Verhaltensweisen – Pünktlichkeit, Höflichkeit – sind nicht nur in der Schule, sondern auch in Beruf und Gesellschaft wichtig. Ich halte es für richtig, dass sie in der Schule nicht nur vermittelt, sondern auch bewertet werden. Aber wir brauchen kein eigenes Schulfach dafür.”

“Es muss noch was getan werden”

Wanka drängt angesichts des bundesweit immensen Unterrichtsausfalls darauf, auch wirklich zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auszugeben: “Unterrichtsausfall ist quer durch die Republik ein großes Problem. Eine gute Lehrerversorgung muss sichergestellt sein. Wer da zu knapp kalkuliert, riskiert, dass in manchen Klassen ganze Themenblöcke nicht behandelt werden und die Schüler zurückfallen”, sagte die Ministerin der “BamS”.

2008 wurde zwischen Bund und Ländern verabredet, dass zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung ausgegeben werden. “Derzeit stehen wir bei neun Prozent, es muss also noch etwas getan werden”, sagte Wanka.

“Schreibschrift fördert Feinmotorik”

Zum derzeit umstrittenen Thema Schreibschrift (Finnland hatte sie abgeschafft) sagte Wanka: “Bei uns gibt es Tendenzen, sie abzuschaffen, weil es auf den ersten Blick leichter wirkt, gleich Druckbuchstaben zu benutzen. Das wäre ein Fehler. Wir müssen die Schreibschrift retten.” Studien würden belegen, dass bewusster schreibe, wer Schreibschrift schreibe. “Schreibschrift fördert außerdem die Feinmotorik und das logische Denken.”

Auch eine deutliche Mehrheit von 83 Prozent der Deutschen will, dass Schüler weiterhin die Schreibschrift erlernen, wie eine Emnid-Umfrage für die Zeitung ergab. Bei jüngeren Befragten (14 bis 29 Jahre) plädieren nur 59 Prozent dafür.

Die Bildungshoheit haben allerdings die Länder. Die meisten geben den Schulen bei dem Thema bisher freie Hand, mehr und mehr Schulen verzichten auf die Schreibschrift.

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Deutscher Schulpreis 2015 für Gesamtschule Barmen

Aus dem sozialen Brennpunkt in Nordrhein-Westfalen auf die große Bühne in Berlin: Die Gesamtschule Barmen in Wuppertal hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2015 gewonnen. Die Begründung der Jury: Etwas mehr als die Hälfte der 1361 Schüler wachse mit nur einem Elternteil auf, ein Drittel habe ausländische Wurzeln. Trotz der so unterschiedlichen Startbedingungen gelinge es den Lehrern, die Schüler zu besseren Leistungen zu führen als von der Grundschule am Ende der vierten Klasse prognostiziert, hieß es bei der Preisverleihung mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Obwohl nur 17 Prozent der Barmener Jugendlichen eine Empfehlung fürs Gymnasium erhielten, wechseln rund 60 Prozent in die gymnasiale Oberstufe, meist mit Erfolg. Seit Jahren habe kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlassen.

Der Erziehungswissenschaftler Michael Schratz, Sprecher der Schulpreis-Jury, lobte: “Die Lehrer fordern die Kinder und Jugendlichen heraus, sie führen sie gezielt an ihre Leistungsgrenzen – und darüber hinaus.” Dazu setzen die Lehrer sehr verschiedene Methoden des individuellen Lernens ein. Besonders beeindruckt war die Jury vom hervorragenden Schulklima.

Merkel: Schüler lernen heute “Selbstbewusstsein und Ausprobieren”

Nach den Worten der BUndeskanzlerin sollten Schüler vor allem lernen, “die richtigen Fragen zu stellen und sich mit Hilfe der Antworten in ein neues Gebiet hineinzubewegen”. Ihr imponiere angesichts der nominierten Schulen, dass den Kindern und Jugendlichen heutzutage “Selbstbewusstsein, Ausprobieren, Erfahrung sammeln und Teamwork” vermittelt würden.

Vier weitere Schulen ausgezeichnet

Vier weitere Schulen wurden in Berlin für vorbildliche Konzepte und Leistungen mit je 25.000 Euro belohnt: die Grundschule am Buntentorsteinweg in Bremen, das Ganztags-Gymnasium Klosterschule in Hamburg, die Jenaplanschule in Rostock sowie die Waldschule der Stadt Flensburg. Der ebenfalls mit 25.000 Euro dotierte “Preis der Jury” ging an die Berufsschule Don Bosco in Würzburg.

Insgesamt 15 Schulen aus zehn Bundesländern hatten sich um die sechs Auszeichnungen des Deutschen Schulpreises 2015 beworben. Die Jury bewertete sechs “Kennzeichen für gute Schulqualität”: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung vergeben den Preis seit 2006 in Zusammenarbeit mit dem Magazin “Stern” und der ARD.

Beispiele für vorbildliche Konzepte unter den nominierten Schulen:

  • Gorch-Fock-Schule Kiel: Diese Schule sagt von sich: “Wir leben Inklusion”. In sechs der acht Grundschulkassen werden Jungen und Mädchen mit Förderbedarf im geistigen oder körperlichen Bereich mit den anderen Grundschulkindern gemeinsam unterrichtet. Es gibt keinen Schulgong, der die Arbeitszeiten zwangsweise unterbricht. “Wir haben Ruhe im Schulalltag”, heißt es. Die 45-Minuten-Taktung der Stunden wurde aufgebrochen, unterrichtet wird in 60-Minuten-Blöcken. So könnten die Kinder besser gemäß den entwicklungsgemäßen Bedürfnissen lernen.

  • Die Waldschule Flensburg wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. “In der Waldschule legen wir Wert auf eine offene und fröhliche Atmosphäre”, heißt es im pädagogischen Konzept. 300 Kinder lernen auf unterschiedlichen Leistungsebenen nach individuellen Plänen, die dem einzelnen Kind gerecht werden sollen. Das Motto: Es ist normal, verschieden zu sein. Hochbegabte und langsam lernende Kinder können gemeinsam zu Erfolgen kommen, so die Überzeugung. Sie lernen in Klassen, die bewusst heterogen zusammengesetzt sind.

  • Die Klosterschule Hamburg-St. Georg ist seit 1992 Ganztagsgymnasium und damit nach eigenen Angaben die älteste Schule dieser Art in der Hansestadt. Zu ihren Besonderheiten zählten positive Schulatmosphäre, Studienzeiten statt Hausaufgaben und eine “Rhythmisierung” des Schulalltags. Dadurch hätten alle rund 1000 Schüler unabhängig vom sozialen Hintergrund und Bildungsstand der Eltern Lernerfolge. “Das ist wissenschaftlich nachgewiesen”, sagt Direktor Ruben Herzberg.

  • Die Grundschule am Buntentorsteinweg Bremen hat 250 Schüler. “Wir setzen Inklusion um, indem wir jedem Kind den passenden Lernweg zu geben versuchen”, sagt Schulleiterin Meike Baasen. Jedes Kind solle seine individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten auch umsetzen können. “Es geht nicht um Förderung, sondern um die Anerkennung, dass jedes Kind eine eigene Entwicklung hat und dass jedes Kind entsprechend seiner Entwicklung lernen muss.” Selbstständiges Lernen und Lernzielorientierung werden an der Grundschule groß geschrieben.

  • Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Osnabrück sieht laut Schulleiter Hartmut Bruns schon die Nominierung als positives Zeichen für die Gymnasien. Seine Schule lebe Integration, sagt Bruns: Schüler aus 53 Nationen würden unterrichtet. Zu Beginn des Schuljahres habe er fünf Schüler aus Syrien, Kasachstan und Russland aufgenommen, die noch kein Deutsch konnten und die besonderen Sprachunterricht erhalten. “Wir versuchen, das irgendwie hinzukriegen. Und wenn sich die Schüler wohlfühlen, dann arbeite ich gerne.”

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Vermisste Kinder: EU-weite Notrufnummer gibt Eltern Rat und Hilfe

Mein Kind ist weg! Eine Horrorvorstellung für Eltern. Rund 1800 Kinder und Jugendliche gelten zum Jahresanfang 2012 in Deutschland als dauerhaft vermisst. Jedes Jahr verschwinden ungefähr 100.000 Kinder und Jugendliche. In der Hälfte der Fälle geben die Eltern eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf. In den meisten Fällen handelt es sich um Ausreißer, die bald wieder heimkehren. Doch bis dahin vergehen bange Stunden und Tage. Wo Eltern rasch Rat und Hilfe finden.

Mehr Ausreißer als 2010

Die aktuelle Zahl der vermissten Kinder sei im Vergleich zu den Vorjahren in etwa konstant, sagte der Leiter und Mitbegründer der Initiative Vermisste Kinder, Carl Bruhns, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. “Die meisten Kinder sind innerhalb weniger Stunden oder spätestens nach zwei Wochen wieder zu Hause.” Das betreffe 98 Prozent der vermisst gemeldeten Kinder und Jugendliche. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl derjenigen, die von zu Hause wegliefen und kurze Zeit später wieder auftauchten, um etwa zehn Prozent gestiegen.

Mädchen laufen häufiger weg

Vor allem in den Sommermonaten “haben wir verstärkt festgestellt, dass Jungen und Mädchen in Metropolen wie Berlin oder Frankfurt gehen”, so Bruhns. Dabei seien Mädchen deutlich stärker betroffen als Jungen. In 80 Prozent der Fälle liefen Mädchen von zu Hause weg. Die Hauptgründe dafür seien Probleme in der Familie, Schwierigkeiten in der Schule oder einfach Abenteuerlust, sagte Bruhns.

Einige Vermisstenfälle bleiben ungeklärt

Bei den Kindern und Jugendlichen die über einen längeren Zeitraum als vermisst gelten, sei nur sehr schwer zu sagen, was zu ihrem Verschwinden führt. Der Mitbegründer der Initiative Vermisster Kinder nannte als Beispiel den Fall der 14-jährigen Georgine Krüger. 2006 verschwand das Mädchen in Berlin auf dem Weg von der Bushaltestelle zu ihrem Elternhaus. “In solchen Fällen kann über die Gründe nur spekuliert werden”, sagte Bruhns.

Was tun, wenn ein Kind verschwindet?

Wenn ein Kind verschwindet, sollten Eltern umgehend die Polizei unter 110 informieren oder den europaweit einheitlichen Notruf 112 wählen. Darüber hinaus finden sie über die neue, EU-weite Vermissten-Notrufnummer 116000 Unterstützung bei der Suche nach dem Kind und für den Umgang mit dieser Extremsituation. Der Service wird in Deutschland von der “Initiative vermisste Kinder” betrieben, die eng mit der Polizei zusammenarbeitet.

Hotline ist 24 Stunden kostenlos erreichbar

Die 116000 ist eine offizielle Notrufnummer, über die Eltern speziell ausgebildete Mitarbeiter der Initiative erreichen, die Hilfe organisieren und beraten. Die Sonderrufnummer steht 24 Stunden am Tag zur Verfügung und kann aus dem Festnetz und allen Mobilfunknetzen kostenfrei angerufen werden. Die Notfall-Hotline 116000 ist mittlerweile in 16 europäischen Ländern geschaltet. Ziel ist es, in allen EU-Mitgliedstaaten einen gleichwertigen Service zu bieten, der Eltern im Falle des Verschwindens ihres Kindes umgehend hilft. Für die einheitliche Nummer hat sich “Missing Children Europe” bei der EU eingesetzt. Die Dachorganisation, der auch die “Initiative vermisste Kinder” angehört, organisiert in ganz Europa eine einheitliche Betreuung über die Notfall-Hotline.

Vermisstenmeldungen werden multimedial verbreitet

Die “Initiative vermisste Kinder” ist seit 14 Jahren aktiv. Sie verweist auf ihre verschiedenen Möglichkeiten, Eltern umgehend bei der Suche zu unterstützen: Die Vermisstenmeldung könne auf rund 1400 Infoscreens auf Flughäfen und Bahnhöfen in ganz Deutschland sowie auf der Facebook-Seite der Initiative mit rund 120.000 Mitgliedern veröffentlicht werden. Zudem könne die Suchmeldung über die App “Vermisst” verbreitet werden. Diese Sofortmaßnahmen ließen sich innerhalb einer halben Stunde umsetzen, heißt es. Bei der Notrufnummer, aber auch auf der Internetseite www.vermisste-kinder.de bekommen Eltern unter anderem Hinweise zum Verfassen einer Vermisstenmeldung, aber auch Tipps, wie sie ihre Kinder schützen und auf bedrohliche Situationen vorbereiten können.

Keine Scheu vor falschem Alarm

Ins Spiel vertieft, können Kinder schnell die Zeit vergessen oder auf dem Heimweg trödeln. Eltern sollten nicht überbesorgt sein, doch Experten raten, dem Bauchgefühl zu folgen, wenn ein Kind ungewöhnlich lange wegbleibt und niemand weiß, wo es sich aufhält. Nicht warten, sondern handeln sei die Devise. Eltern sollten zunächst Freunde der Kinder, Schulkameraden und Nachbarn abtelefonieren, um zu klären, ob das Kind bei ihnen ist. Als nächstes sollte man Haus und Grundstück absuchen, den üblichen Heimweg abgehen an den Lieblingsspielplätzen und Treffpunkten des Kindes nachschauen. Die “Initiative vermisste Kinder” betont: “Haben Sie keine unnötige Scheu vor einem falschen Alarm. Im Notfall entscheidet dies über das Wohlergehen Ihres Kindes.”

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Tausende Jugendliche fallen in Deutschland durchs soziale Raster

Sie sind auf der Rutschbahn Richtung dauerhafte Obdachlosigkeit und Drogensucht: Mehr als 20.000 junge Menschen in Deutschland rutschen nach einer Studie derzeit aus Schule und Ausbildung, aber auch aus sozialen Einrichtungen komplett heraus. Das Deutsche Jugendinstitut warnt deshalb in seinem Report “Entkoppelt vom System” vor einer Vernachlässigung der Jugendhilfe.

Die meisten Jugendlichen können den Übergang ins Erwachsenenalter nutzen, um ihren Bildungsweg einzuschlagen und Freiwilligendienste oder Praktika einzulegen, während jedoch eine Gruppe junger Menschen scheitert: die sogenannten “entkoppelten Jugendlichen“. Sie drohen sowohl aus dem Bildungssystem und der Erwerbsarbeit, als auch aus allen Hilfestrukturen herauszufallen.

Hier werden die Weichen falsch gestellt

Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern Schätzungen zufolge um mehr als 20.000 junge Menschen, die nach Wahrnehmung der Fachkräfte aus dem Jugendbereich unter seelischen und psychosozialen Störungen leiden.

Die Studie zeigt, an welchen Punkten im Leben der Jugendlichen die Weichen falsch gestellt werden und wie die Jugendhilfe dort verstärkt werden sollte. Die damit verbundenen Kosten wären auch gesamt-gesellschaftlich gesehen eine gute Investition, denn laut der Studie zeigen bereits frühere wissenschaftliche Berechnungen: Für jeden im Rahmen der Jugendhilfe ausgegebenen Euro wird im weiteren Lebensverlauf das Dreifache entweder an staatlichen Ausgaben eingespart oder durch Steuer- und Wertschöpfung zusätzlich eingenommen.

Früherkennung von Risiken muss verbessert werden

Die Studienautoren fordern eine bessere Früherkennung von Risikolagen. Schließlich kommen viele der betroffenen Jugendlichen aus stark belasteten Familien, in denen sie emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung und Gewalt erlebt haben, wovon die Jugendhilfe erst zu spät erfahren hat. Um dem vorzubeugen, sollten beispielsweise Lehrer in ihrer Aus- und Fortbildung noch stärker sensibilisiert werden, und an allen Schulen sollte es eine angemessene Schulsozialarbeit geben sowie beim Jugendamt einen direkten Ansprechpartner für problematische Fälle.

Zu viel Bürokratie, zu wenig effektive Hilfe

Wenn die Jugendlichen einmal in den staatlichen Hilfestrukturen seien, sollten diese so individuell, unbürokratisch und effektiv wie möglich gestaltet werden. Bisher arbeiten die zuständigen Behörden in der Regel nach ihren standardisierten Vorgaben, die jedoch den besonders brüchigen Lebensläufen und komplexen Problemlagen der “entkoppelten Jugendlichen” nicht gerecht würden. Deshalb sollten für diese Jugendlichen künftig alle Angebote gebündelt werden, so dass sie nicht mit zu vielen Ansprechpartnern und Antragsverfahren konfrontiert, sondern aus einer Hand betreut werden.

Volljährigkeit wird zum Problem

Ein besonderes Problem entsteht, wenn die Jugendlichen volljährig werden. Viele von ihnen wachsen in der Obhut der Jugendhilfe auf und werden mit Beginn ihres 18. Lebensjahres in die formalrechtliche Selbständigkeit und somit auch in eine eigene Wohnung entlassen, die vom Jobcenter finanziert wird.

Häufig zeige sich, dass sie noch nicht die persönliche Reife haben, um mit dieser neuen Freiheit zurechtzukommen. Sie geraten dann oft in finanzielle Schwierigkeiten, Alkohol- und Drogenprobleme und driften ab in die “falschen Kreise”.

Ausgerechnet in einer Lebensphase, in der sie für negative Einflüsse besonders anfällig sind, werden die Jugendlichen aus dem Jugendhilfesystem herausgedrängt. Das erhöht das Risiko zu scheitern.

Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, diesen jungen Menschen durch eine längere sozialpädagogische Begleitung und Betreuung die nötige Stabilität zu bieten, um sich gesund zu entwickeln und sich auf ihren schulischen und beruflichen Werdegang zu konzentrieren. Das wäre nach deutschem Kinder- und Jugendhilfegesetz bereits möglich, wird aber zu selten angewandt, da die finanziell klammen Kommunen die Kosten übernehmen müssten.

Knackpunkt Übergang in den Beruf

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund empfiehlt, “Übergänge Jugendlicher von der Schule in den Beruf besser zu gestalten, Zeiten im Übergangssystem auf das notwendige Maß zu verkürzen und Abbrüche mit deren demotivierenden Folgen für die Jugendlichen zu vermeiden”. Es sollte für alle jungen Menschen eine Anlaufstelle geben, in der Unterstützungsstrukturen gebündelt zusammenlaufen. Schulen seien “zwingend in die gemeinsame Arbeit einzubinden”.

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Vater berichtet im ZDF: Wenn die Kinder in den Dschihad ziehen

“So etwas passiert nur Unterschicht-Familien” – das ist ein gängiges Vorurteil, wenn man hört, dass Jugendliche ihre deutsche Familie verlassen, um sich in Syrien den Kämpfern des radikalislamischen IS anzuschließen. Doch das ist nicht richtig. “Es trifft ganz normale Familien aus sämtlichen Schichten”, berichtet Thorsten Gerald Schneiders, Politik- und Islamwissenschaftler, im ZDF-Talk von Peter Hahne. Zu Gast ist auch ein betroffener deutscher Vater, dessen beide Söhne von den Salafisten angeworben wurden und die heimlich nach Syrien gereist sind. Er erzählt: “Sie haben sich nie für Religion oder Politik interessiert, sie haben einfach ihr Leben gelebt.” Doch dann traten sie zum Islam über.

Die Söhne sind heute 22 und 18 Jahre alt. Seit Anfang März hat der Vater, der seinen Namen nicht nennen will, keinen Kontakt mehr zu ihnen. Zuletzt hatte er vom Handy eines seiner Söhne eine Nachricht erhalten, dass sie beide im Kampf für Allah gefallen seien. “Ich habe die Todesanzeige bekommen, aber ich glaube nicht daran”, sagt der Mann und kämpft mit den Tränen.

2014 waren die Jungen heimlich nach Syrien gereist und hatten zunächst noch Kontakt mit ihrer Familie in Deutschland gehalten. Doch seit mehr als drei Monaten gibt es nun kein Lebenszeichen mehr. Der verzweifelte Vater erklärt, er “würde alles tun, um meine Söhne da rauszuholen”. Hilfe bekommt er jedoch keine.

Als die beiden verschwunden waren, fand ihre Mutter Abschiedsbriefe, in denen sie erklärten, dass sie nach Syrien ausreisen wollten, um den Menschen dort zu helfen. Die Polizei nahm alles auf, doch handeln konnte sie nicht. Es sei keine Straftat auszureisen, erklärte man dem Vater. Er klagt: “Ich vermute, wenn die Kinder weg sind, dann sind die erst mal froh drum. Hauptsache, die kommen nicht zurück. Ich habe definitiv keine Hilfe bekommen.”

Wie Salafisten deutsche Jugendliche anwerben

Moderator Hahne fragt, wie alles angefangen hat. “Der Große kam aus Berlin zurück in unsere Kleinstadt und kam wieder in Kontakt mit einem Freund, der schon drei Jahre zuvor zum Islam übergetreten war. Er hat sich dann da extrem reingesteigert. Wenn mein Großer etwas macht, macht er es immer zu hundert Prozent. Wir haben damals sehr viel diskutiert zu Hause. Ich war auch fünf- oder sechsmal mit in der Moschee. Ich war überrascht, wie viele junge Deutsche dort waren.”

Der große Bruder überzeugte den kleinen Bruder, Freunde ziehen Freunde mit in die Szene. Nach dem Übertritt in den Islam folgt der Kontakt zu Salafisten, die aktiv junge Leute rekrutieren. Islamwissenschaftler Schneiders betont: “Die konvertieren zum Salafismus, nicht zum Islam.”. Und der Vater der beiden jungen Männer pflichtet ihm bei: “Sie werden angezogen von dem guten Glauben, denn der Islam ist ja ein guter Glauben. Die Jugendlichen werden angezogen von dem Guten, dem Netten, was da drin ist. Und dann kommen die anderen, die Salafisten.”

Die Jugendlichen seien auf der Suche nach Sinn und Halt, man appelliere an ihre Hilfsbereitschaft. Viele reisten nach Syrien, um dort zu helfen und nicht etwa, um zu kämpfen. “Man erzählt ihnen, ihr könnt dort frei leben, ihr bekommt ein Haus, ihr bekommt Internet. Helft uns, die Stadt aufzubauen”, sagt der Vater.

“Papa, wir haben mit dem IS nichts zu tun”

Der Vater dachte, die intensive Beschäftigung seiner Kinder mit dem Islam sei nur eine Phase: “Sie haben sich auch nicht verändert, sind nicht radikal geworden. Sie haben mir immer versprochen: ‘Papa, wir haben mit dem IS nichts zu tun, wir gehen auch nicht nach Syrien, wir bringen auch keine Leute um. Wir haben nur den Glauben angenommen, schau mal, wir rauchen nicht mehr, wir trinken keinen Alkohol mehr, wir wollten das alles nicht mehr.’ Die Freundin meines älteren Sohnes ist dann auch zum Islam übergetreten und sie haben geheiratet.”

Aus der Kleinstadt des Vaters seien rund 40 Jugendliche nach Syrien rekrutiert worden, berichtet er. Käme tatsächlich mal einer zurück, werde er verhaftet und als Terrorist abgestempelt. Islamwissenschaftler Schneiders kritisiert das ebenfalls und fordert, dass Heimkehrern zunächst Hilfe angeboten werden müsse, anstatt sie automatisch zu kriminalisieren. Auch müsse eine bessere Prävention stattfinden, damit überhaupt nicht so viele Jugendliche von Salafisten angeworben werden könnten. “Da gibt es ganz viel Leid in den Familien”, berichtet Schneiders.

Bedrohungen als Druckmittel

Vor Ort in Syrien drohe man den jungen Deutschen, sie würden erschossen, wenn sie zurückkehren wollten. Oder aber sie würden in Deutschland sofort verhaftet und für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt. Für beide Fälle gibt es genügend Beispiele. Auch ein Freund der beiden Söhne kehrte zurück und wurde verhaftet. So sei es möglich, ein Bedrohungsszenario aufzubauen und die rekrutierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen dazu zu bringen, schließlich für den IS zu kämpfen.

Nach offiziellen Zahlen sind rund 700 junge Deutsche nach Syrien oder in den Irak ausgewandert, um sich dem IS anzuschließen. Doch die Dunkelziffer ist laut Schneiders nicht abzuschätzen. Am Telefon berichtete der Sohn dem Vater, dass ihre Gruppe aus der deutschen Kleinstadt mit Bussen an die türkisch-syrische Grenze gebracht wurde, weil Pkws nicht ausreichten, um alle zu transportieren. Moderator Hahne vermutet, dass es in Wirklichkeit weit mehr 700 Deutsche sein müssen. Doch die Eltern gehen nicht an die Öffentlichkeit, aus Furcht und aus Scham.

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Pubertät: Jugendliche schämen sich für ihre Eltern

Irgendwann trifft es alle Eltern: Die Kinder fangen an, Mutter oder Vater als peinlich zu empfinden. Dinge, die bis eben noch völlig normal im Familienleben waren, sind den Teenagern plötzlich unangenehm: die flippigen Klamotten der Mutter, die dummen Witze vom Vater, der Abschiedskuss. Obwohl alle Eltern wissen, dass die Pubertät naht, kommt für die meisten das ablehnende Verhalten doch überraschend.

Umfrage: Das sind die fünf peinlichsten Momente mit Eltern

In einer Umfrage haben wir die Leser von t-online.de gefragt, was ihren Kindern besonders unangenehm ist. Es haben sich über 15.000 User an der Abstimmung beteiligt. Das ist die Top fünf der peinlichsten Situation mit Eltern:

  1. Vor anderen Leuten kritisiert werden (15,9 Prozent)
  2. Elternküsse (15,1 Prozent)
  3. Nach der ersten Liebe fragen (13,1 Prozent)
  4. Kinderzimmer betreten, wenn Besuch da ist (11 Prozent)
  5. Anekdoten aus der Kindheit erzählen (9,4 Prozent)

Auch kleinere Kinder schämen sich

Doch was sind die Gründe, warum sich Kinder und Teenager so häufig für ihre Eltern schämen? Das Hauptmotiv bei kleineren Kindern ist der Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit und die Angst, durch auffallendes Verhalten der Eltern aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ist es besonders schwierig, wenn das Verhalten ihrer Eltern nicht der Norm in ihrem Umfeld entspricht. Wenn die Eltern zum Beispiel aus Überzeugung kein Auto fahren, während alle anderen in schicken Schlitten daherkommen.

Kaum noch eine Chance

In der Pubertät haben Eltern dann kaum noch eine Chance, etwas richtig zu machen. Denn Jugendliche wollen in diesem Alter vor allem eins: sich von ihren Eltern abgrenzen und ihre eigene Identität finden. Deshalb ist es zum Beispiel auch besonders unangenehm, wenn die Mutter vielleicht unbewusst die Jugendsprache übernimmt und die neue Hose als “stylisch“ oder die Frisur als “cool” bezeichnet. Oder wenn sich Papas Kleidung nicht von der der Freunde unterscheidet.

Aber auch die pure Anwesenheit eines Elternteils kann ausreichen, damit sich die Kinder schämen. Sich raushalten und das Jugendzimmer nicht betreten ist da das Sicherste. Und so werden manche Eltern angewiesen, sie bräuchten nicht witzig zu sein, wenn ihre Freundinnen da sind, und sollten einfach nur “Guten Tag” sagen.

Auch für Eltern eine schwierige Situation

Gerade hatten wir noch die liebsten Kinder und unser fürsorgliches Verhalten wurde gerne angenommen, jetzt sollten wir uns – wenn es nach unseren Sprösslingen ginge – am liebsten in Luft auflösen oder zumindest einen großen Sicherheitsabstand einhalten. Auch den Mund sollten wir am besten halten. Für manche Eltern kann das verletzend sein.

Das können Eltern tun

Gelassenheit ist angesagt! Machen Sie sich klar, dass es Ihnen nicht alleine so geht und dass diese Aufmüpfigkeit zum normalen Abnabelungsprozess gehört. Hinter dem Verhalten steckt keine böse Absicht. Indem ihre Kinder ihre Lebensweise und ihr Verhalten in Frage stellen, entwickeln sie eigene Vorstellungen vom Leben. Versuchen Sie, das Verhalten ihres Kindes zu verstehen. Erinnern Sie sich an ihre eigene Kindheit und wie peinlich Ihnen das Verhalten ihrer Eltern war. Dann erscheinen uns manche Wünsch der Kinder nachvollziehbarer, zum Beispiel das an die Tür-Klopfen oder die Bitte, Küsse in der Öffentlichkeit zu unterlassen. Und versuchen Sie zu genießen, dass Sie sich wieder mehr eigenen Hobbies widmen können.

Es gibt auch Grenzen

Bei allem Verständnis gibt es für das Verhalten der Pubertierenden auch um Grenzen. Wenn sie sich gar nicht mehr mit den Eltern sehen lassen wollen und nur noch ablehnend reagieren, sollten sie das Gespräch mit ihren Kindern suchen. Erklären Sie ihnen, wie schmerzlich das Verhalten für Sie ist und fragen Sie nach Gründen. Manchmal liegen diese ganz nah. Wenn Ihr Kind sich zum Beispiel so sehr für Ihre Frisur schämt, dass es sich nicht mehr mit Ihnen zeigen will, sollten Sie von ihm Toleranz einfordern, so wie Sie auch gegenüber ihrem Kind tolerant sind.

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Kindersoldaten werden von Rebellen in der Ostukraine an der Waffe ausgebildet.

Er ist erst 14 Jahre alt, weiß aber, wie man eine Kalaschnikow auseinander baut und wieder zusammensetzt. Denis ist ein Kindersoldat im Wartestand. Wenn er könnte, würde der Junge aus dem Osten der Ukraine sich schon jetzt den bewaffneten Kämpfern gegen die vom Westen unterstützte Regierung in Kiew anschließen, sagt er. Der magere Junge mit dem verstrubbelten Bürstenhaarschnitt fügt hinzu: “Ich will Krieg erleben, lernen, wie man schießt, Panzer sehen.” Zwei erwachsene Rebellen an seiner Seite nicken mit dem Kopf.

Die Szene spielt sich in Charzysk ab, einer Industriestadt im Bezirk Donezk im Osten der Ukraine. Die Sommerferien haben begonnen, und etwa 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren nehmen an der militärischen Grundausbildung teil.

Denis’ Eltern sehen die Aktivitäten ihres Sprösslings mit gemischten Gefühlen. “Sie sprechen mit mir nicht über den Krieg. Sie hassen das alles. Nicht einmal die Nachrichten gucken sie”, sagt der Junge. Dass sich die Eltern Sorgen machen angesichts eines bewaffneten Konflikts, bei dem in etwas mehr als einem Jahr bereits 6500 Menschen getötet wurden, kommt ihm wohl nicht in den Sinn.

“Wir sind noch Kinder”

Alina nimmt an einem von den Rebellen organisierten Erste-Hilfe-Kurs teil. “Wir sind noch Kinder und nicht bereit, an die Front zu gehen”, sagt sie. “Aber wenn etwas geschieht, werde ich in der Lage sein auszuhelfen”, fügt die 17-Jährige hinzu.

Veranstalter der Ausbildung ist die Organisation Patriotischer Donbass. Donbass ist der Kurzname für das Donezbecken, die Region mit Kohle-, Bergbau- und Stahlindustrie beiderseits der ukrainisch-russischen Grenze. Dazu gehören die von den Rebellen ausgerufenen “Volksrepubliken” von Donezk und Luhansk.

Die Stadt Charzysk zählte zu Beginn des Konflikts 60.000 Einwohner. Heute sind es weniger, viele Menschen sind vor den Kämpfen in friedlichere Gebiete geflohen. Die mehrheitlich aus ethnischen Ukrainern bestehende Stadtbevölkerung ist zu vier Fünfteln russischsprachig.

Sowjet-Tradition

Der Chef von Patriotischer Donbass, Juri Zupka, sieht sich mit den Ausbildungskursen in der Tradition ähnlicher Programme an den Schulen in der Sowjetunion. “Wir werden ihnen auch beibringen, Gräben auszuheben und sich im Terrain zu bewegen”, sagt der 53-Jährige, der einen Kampfanzug trägt.

An Schulen in der Region sind nach Zupkas Worten mittlerweile mehrere solcher Militärclubs entstanden. Allein in Nachbarstädten seien es vier. Einige der Zöglinge schlossen sich später den Rebelleneinheiten etwa 20 Kilometer östlich von Donezk an – mit 1,1 Millionen Einwohnern vor dem Ukrainekrieg die fünftgrößte Stadt des Landes.

Die Zwillinge Anja und Katja lebten und studierten in Donezk, als im März 2014 die “Anti-Terroroperation” des neuen ukrainischen Präsidenten Petro Petroschenko gegen die Aufständischen im Osten begann. “Als wir hörten, dass Kinder getötet wurden, beschlossen wir, von der Fachhochschule abzugehen und uns der Rebellion gegen Kiew anzuschließen”, sagt die 19-jährige Katja.

Heute befinden sich die Schwestern in den Reihen einer der örtlichen Milizen, tragen schwere Kampfstiefel. “Am Anfang wollte unsere Mama uns nicht ziehen lassen”, sagt Katja. Doch dann habe sie sich auf die Seite ihrer Töchter geschlagen. Mittlerweile kümmere sie sich um Aufständische, die an der Front verletzt wurden. “Vor dem Krieg hatte ich Angst vor Blut, vor dem Geruch”, sagt Katja. “Aber das hat sich gelegt.”

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Narkolepsie: Schweinegrippe-Impfung kann offenbar Auslöser sein

Sie nicken mehrmals am Tag ein, bei intensiven Gefühlen versagen ihre Muskeln. Für Narkolepsie-Patienten gibt es bisher keine Heilung. Einige Fälle gehen offenbar auf eine Impfung gegen Schweinegrippe zurück. Entschädigungsforderungen laufen – auch in Deutschland.

Lucy ist 13 Jahre alt, als sie plötzlich dauernd vor dem Fernseher einschläft. Wenn sie lachen muss, kommt es vor, dass sie unvermittelt nach vorn sackt. Einige Monate vor dem Auftreten der merkwürdigen Symptome war das Mädchen gegen Schweinegrippe geimpft worden – wie etwa sechs Millionen andere Briten in den Jahren 2009 und 2010. Heute ist Lucy 18 Jahre alt – und leidet nach wie vor unter Narkolepsie. Etwa 40 Mal am Tag schläft sie ein, ohne sich dagegen wehren zu können, wie sie der britischen Tageszeitung “Guardian” berichtete.

Impfstoff Pandemrix kann Narkolepsie auslösen

Vorbeugende Impfungen sollen vor Krankheiten schützen. Umso größer war der Schock, als für den Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix ein gegenteiliger Verdacht aufkommt: Im August 2010 informierte die schwedische Arzneimittelbehörde über Narkolepsie-Fälle bei Kindern und Jugendlichen nach der Impfung. Weitere Analysen in Finnland, Irland, Frankreich und England stützten diese Vermutung, dass Pandemrix in seltenen Fällen die unheilbare Schlafkrankheit auslösen kann. Inzwischen fließen Entschädigungszahlungen – von Behörden, nicht vom Hersteller.

Regierung muss zahlen – nicht der Hersteller

Die Forderungen richteten sich zwar gegen den Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK), sagt Anwalt Peter Todd, der 75 Betroffene in Großbritannien vertritt. “Aber letztlich wird die britische Regierung GSK entschädigen müssen.” Denn sie habe den Impfstoff gekauft und die Impfung empfohlen. In Deutschland wurde die Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfohlen.

Immunsystem wird fehlgeleitet

Eine im Fachjournal “Science Translational Medicine” vorgestellte Studie zeigt nun, dass ein bestimmtes Virus-Protein, das einer Andockstelle im Gehirn ähnelt, Auslöser für die Erkrankung sein könnte. In der Folge richte sich das Immunsystem gegen bestimmte, für das Schlafverhalten wichtige Zellen im Gehirn, berichten Forscher um Lawrence Steinman von der Stanford University in Kalifornien. Weitere Studien seien aber nötig, um den vorgestellten Mechanismus zu bestätigen, kommentiert Hartmut Wekerle, emeritierter Neuroimmunologe des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried.

Das sind die Symptome der Narkolepsie

Die Narkolepsie ist eine seltene Schlaf-Wach-Störung, typische Symptome sind Tagesschläfrigkeit und sogenannte Kataplexie, ein plötzlicher Verlust des Muskeltonus bei starken Gefühlen.

166.000 Euro bei “schwerer Schädigung”

In Großbritannien steht die Schweinegrippe-Impfung neben Pocken und Mumps auf der Liste jener Impfungen, nach denen eine Entschädigung beantragt werden kann. 120.000 Pfund, umgerechnet rund 166.000 Euro, bekommt, wer nach einer Impfung “schwer behindert” ist – also zu mindestens 60 Prozent. Doch die Regierung hat lange, wie auch in Lucys Fall, alle Anträge abgewiesen mit der Begründung, die Patienten seien nicht ausreichend geschädigt für die Auszahlung.

Betroffene hoffen auf mehr Entschädigung

Das sah ein britisches Gericht im Fall eines 12-jährigen Jungen anders. Er kann, so berichten seine Eltern, nicht unbeaufsichtigt duschen oder mit dem Bus fahren und hat große Probleme in der Schule. Nun soll er die Standard-Entschädigung von 120.000 Pfund für schwere Impfschäden bekommen. Anwalt Peter Todd von der Kanzlei Hodge Jones & Allen ist zuversichtlich, dass auch seine anderen Fälle Erfolg haben werden. Dabei gehe es ihm nicht nur um die 120.000 Pfund: “Ich hoffe, dass wir vollen Schadenersatz bekommen, was sehr viel mehr sein wird.” Derzeit sei man mit GSK im Gespräch.

Das sagt die Pharmafirma GSK

“Wir nehmen die Sicherheit der Patienten, die ihre Gesundheit unseren Impfstoffen und Medikamenten anvertrauen, sehr ernst”, heißt es dazu bei dem britischen Pharmakonzern. Ein Sprecher sagt, das Unternehmen erforsche den beobachteten Zusammenhang zwischen Pandemrix und Narkolepsie sowie Wechselwirkungen, die der Impfstoff mit anderen Risikofaktoren im Körper der Betroffenen gehabt haben könnte. Zudem unterstütze GSK die Forschung externer Experten dazu.

Pandemrix wird in der EU derzeit nicht eingesetzt

Pandemrix war im September 2009 in der Europäischen Union (EU) zum Schutz gegen den Virusstamm H1N1A/v zugelassen worden. Während der Grippe-Welle 2009/2010 wurden fast 31 Millionen Menschen damit geimpft. Daneben gab es noch Impfstoffe anderer Konzerne. Zurzeit wird Pandemrix in der EU nicht mehr eingesetzt.

51 Verdachtsfälle in Deutschland

Entschädigungsforderungen gibt es auch in Finnland, Norwegen, Schweden, Frankreich und Dänemark. Für Deutschland hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen 51 Verdachtsfälle erfasst, in denen ein Zusammenhang zwischen Impfung und Narkolepsie bestehen könnte. 27 davon sind Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen je zwölf Frauen und Männer.

Lebenslange Grundrente möglich

Mehr als 20 Narkolepsie-Patienten haben einen Antrag auf Entschädigung bei den zuständigen Landesämtern gestellt. Wird ihm stattgegeben, erhalten Betroffene ab einem bestimmten Schädigungsgrad eine lebenslange Grundrente, deren Höhe sich bundesweit einheitlich nach Schweregrad und Einkommensverhältnissen richte, erklärt Bernd Stöber vom Niedersächsischen Landessozialamt.

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