Kategorie -Jugendliche

Stark-Watzinger über Lockdown: Für FDP-Ministerin waren Schulschließungen ein Fehler

Zu Spitzenzeiten der Coronavirus-Pandemie blieben Schulen geschlossen. Kinder und Jugendliche wurden digital unterrichtet. Bildungsministerin Stark-Watzinger sieht in der Retrospektive vor allem die „gravierenden Nebenwirkungen“ der Maßnahme. Das soll sich nicht wiederholen.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat vor erneuten breiten Schulschließungen zur Eindämmung des Coronavirus gewarnt. „Im Ergebnis waren die flächendeckenden Schulschließungen ein Fehler, den wir nicht wiederholen dürfen“, sagte die FDP-Politikerin im Rückblick auf die vergangenen zwei Pandemie-Jahre. „Es darf keine flächendeckenden Schulschließungen mehr geben.“

Bettina Stark-Watzinger (FDP)

Es gibt Studien, die zeigen, dass es etwa im Bereich der Lesekompetenz von Viertklässlern bis zu sechs Monate Rückstand gibt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Stark-Watzinger verwies auf „gravierende Nebenwirkungen“ wie Gewichtszunahme, psychische Auffälligkeiten und Vereinsamung sowie auf deutliche Lernrückstände bei Kindern und Jugendlichen. „Es gibt Studien, die zeigen, dass es etwa im Bereich der Lesekompetenz von Viertklässlern bis zu sechs Monate Rückstand gibt.“ Zudem gehe es um Bildungsgerechtigkeit. So seien junge Menschen, die zu Hause Unterstützung bekämen und gut selbstorganisiert lernen könnten, besser durch die Pandemie gekommen als diejenigen ohne diese Voraussetzungen.

Im Frühjahr 2020 sowie im folgenden Winter und Frühjahr 2021 hatten die Bundesländer zur Eindämmung der Pandemie ihre Schulen monatelang geschlossen oder nur eingeschränkt im Betrieb. Im vergangenen Winter verhinderte dann eine auf starkes Betreiben der FDP beschlossene Änderung des Infektionsschutzgesetzes die Möglichkeit, Schulen erneut flächendeckend zu schließen. In den Klassen kam es aber über Wochen hinweg zu zahlreichen Ausfällen von Lehrkräften und Schülern wegen vieler Corona-Infektionen und aufgrund der Quarantänevorschriften.

Ampelkoalition plant Startchancen-Programm

Um die entstandenen Bildungsrückstände abzubauen und die sozialen und psychischen Probleme in Folge der Pandemie abzufedern, legte der Bund ein Corona-„Aufholprogramm“ über zwei Milliarden Euro auf für Lernförderprogramme und die Aufstockung sozialer Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien. Die Kultusminister der Länder forderten zuletzt, dieses Programm zu verlängern und um weitere 500 Millionen Euro aufzustocken.

Stark-Watzinger sagte dazu: „Der Bund hat den Ländern zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die noch gar nicht komplett ausgegeben sind. Insofern sollte dieses Geld zunächst eingesetzt werden.“ Als Möglichkeit hierfür nannte sie die Aufarbeitung der Corona-Folgen, aber auch einen langfristigen Prozess. „Und da bin ich mir einig mit der Kultusministerkonferenz. Wir müssen allerdings über den richtigen Weg beraten.“

Die Ministerin sprach sich dafür aus, Schülerinnen und Schüler „sehr gezielt“ zu unterstützen und warb für das sogenannte Startchancen-Programm, das die Ampelkoalition plant. Mit diesem Programm sollen bundesweit 4000 Schulen „in besonders schwierigem Umfeld“ unterstützt werden, mit mehr Geld, zusätzlichen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und besserer Infrastruktur.

Welche Schulen das sein werden, nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden und um wie viel Geld es sich handeln wird, darüber sei man im intensiven Austausch mit den Bundesländern, sagte Stark-Watzinger. Sie kündigte ein Konzept bis zum Herbst an. Dann kenne man auch die Größenordnungen. „Wir werden jetzt also in die konkrete Planung gehen und die Länder dabei einbinden.“

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Freilichtbühne Kreuzlingen


Das hellblaue Wasser glitzert im Licht der Abendsonne, die für jedes Theaterstück eigens gebaute Bühne steht am Bodenseeufer, die Stimmen des Publikums verklingen, und die Schauspieler sind bereit. Die Atmosphäre ist voller Vorfreude und gespannter Erwartung. Jeden Sommer von Juli bis August führt das Schweizer See-Burgtheater im Kreuzlinger Stadtpark ausgewählte Stücke vor. Die Tribüne besteht aus zehn Reihen und sichert 400 Zuschauern den Blick auf das Bühnenbild mit dem See im Hintergrund. Sie wird nach dem Festspiel wieder abgebaut. Ein Bistrozelt verkauft regionale Produkte, wie selbst gebrautes Bier, Würstchen und Brezeln. Der Park ist ein Ort des Zusammenkommens: Es gibt das Schloss Seeburg, das Seemuseum, Tierpark, Spielplatz, Tennis- und Minigolfplätze sowie ein Restaurant.

Das in den Neunzigerjahren von Gregor Vogel und Hans-Ruedi Binswanger gegründete Theater spielte zu Beginn im Schloss Seeburg und zog nach einigen Jahren an das 30 Meter entfernte Ufer um. Die Mitbegründerin Astrid Keller machte mit ihrem Mann Leopold Huber das Theater groß, nachdem sie 1994 offiziell die Leitung übernommen hatte. Als Ko-Leiterin, Regisseurin und Schauspielerin ist sie in alle Entscheidungen eingebunden. Seit 1976 ist die heute 65-Jährige „mit Aufs und Abs“ in der Theaterbranche tätig. Ein „Ab“, das Keller noch lange nach dem Vorfall beschäftigte, hatte sich während des Stückes „Land ohne Worte“ von Dea Loher ereignet. Während die Schauspielerin einen eineinhalbstündigen Monolog hielt, erlitt einer der Zuschauer einen Herzinfarkt. Die Situation zwischen Fiktion auf der Bühne und der Begebenheit im Publikum war verwirrend. „Ich spielte etwas auf der Bühne, einem Zuschauer ging es schlecht, aber ich konnte nicht fragen, ob er Hilfe brauche, weil ich wegen des Theatergesetzes weiterspielen musste.“ Das Theatergesetz besagt, dass keiner auf der Bühne das Spiel abbrechen darf. Die einzige dazu berechtigte Person ist der Abendspielleiter. Die gebürtige Schaffhauserin absolvierte eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und spielte bisher mehr als 150 Rollen. Highlights waren das von ihr inszenierte Stück „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ im See-Burgtheater und „Der Bettelstudent“ in Vaduz. Aber auch andere nationale und internationale Schauspieler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich wirken in den Vorstellungen mit. Klassiker wie „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch, Brechts „Dreigroschenoper“ und „Die Schweizermacher“ von Rolf Lyssy führte das Theater bereits auf.

Bis die Mikrofone ausgehen

Das Konstanzer Stadttheater in der deutschen Nachbarstadt, das ebenfalls jeden Sommer am Münsterplatz Freilichtvorstellungen gibt, stelle keine Konkurrenz dar: „Eine Gegend kann nicht genug Theater haben.“ Die Mutter von drei erwachsenen Kindern sagt, dass das Schauspiel sich letztendlich qualitätsmäßig durchsetzen muss, „wenn man nicht gut genug ist, kommen die Leute nicht“. Damit die Worte der Schauspieler auch die letzten Reihen erreichen, werden die ausgebildeten Stimmen über Mikrofone verstärkt. Das war aber nicht immer so: Eine lange Zeit hatte das See-Burgtheater keine Mikrofone, weswegen die Schauspieler häufig schreien mussten. Heute ist das Ensemble glücklich darüber, Mikrofone nutzen zu können, über die Variation der Tonlage kann der Schauspieler seine Rolle gestalten. „Durch die Schreierei ist viel von der Interpretation der Rollen weggenommen worden“, sagt die Frau mit dem grauen Bob. Schlechtes Wetter macht den Schauspielern keine Angst: „Wir spielen, bis die Mikrofone ausgehen.“ Tatsächlich werden die Schauspieler sogar sehr oft nass, aber daran sind sie gewöhnt. Zum Beispiel gab es 2021 bei 18 von 20 Aufführungen des Stücks „Die Schweizermacher“ immer wieder Regenschauer. Bei starken Stürmen muss die Vorstellung aufgrund der hohen schwankenden Laubbäume, die das Areal umgeben, jedoch abgebrochen werden.

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Der Tag: Grüne Jugend fordert Verlängerung des 9-Euro-Tickets

Für manche ist es Beweis für das enorme Potenzial, das im deutschen Bus- und Bahnverkehr steckt. Andere sehen es als Beleg für dessen strukturelle Verdorbenheit. Das 9-Euro-Ticket für den deutschen Nahverkehr hat in den vergangenen Wochen immer wieder für überfüllte Züge gesorgt, einzelne Bahnen mussten sogar gestoppt und geräumt werden. Für die Jugendorganisation der Grünen sind 30 Prozent mehr ÖPNV-Nutzer ein Hoffnungsschimmer: Sie will das 9-Euro-Ticket verlängern. Mobilität sei eine Frage der gesellschaftlichen Teilhabe und müsse deshalb erschwinglich sein, schreibt die Grüne Jugend in einem Forderungspapier, das ntv vorliegt. Bereits durch die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen wie des Dienstwagenprivilegs, des Dieselprivilegs und der Steuerbefreiung für Kerosin sei das zu finanzieren.

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Kino in Dorfen

Kino in Dorfen

Es ist stockdunkel. Keine Geräusche sind zu hören, man ist komplett abgeschottet von der Außenwelt. Wenn die Leinwand mit ihrer übermächtigen Größe den ganzen Saal erhellt und das Soundsystem von allen Seiten dröhnt, dann ist das für Georg Schmederer Kino. Er ist schon sein ganzes Leben von dieser Institution fasziniert und bereist gerne die unterschiedlichsten Länder, um dort ins Kino zu gehen: „Jedes Land hat seine eigene Kultur, und das spürt man auch in der Art, wie sie Filme machen.“

Als 1997 das einzige Kino in seiner Heimatstadt Dorfen in Oberbayern schließt, flammt in dem heute 66-Jährigen schon bald der Wunsch auf, ein eigenes Kino zu gründen: „Die Menschen brauchen das als Teil ihrer Kultur und um gemeinsam etwas zu erleben.“ Er schmunzelt und erinnert sich an den Moment, in dem er die Idee seiner Frau vorschlug: „Da hat sie gelacht und gesagt: ‚Jaja, mach mal‘, weil ich immer so Schnapsideen hab.“ Als das Kino dann aus finanziellen Gründen nicht zustande kam, war er umso mehr begeistert, als ihm einige Jahre später angeboten wurde, ehrenamtlich die Leitung als Geschäftsführer eines Kinos zu übernehmen. Heute leitet der ehemalige Vertriebsleiter eines japanischen Halbleiterproduzenten das Kino „s’Kino im Jakobmayer“, das die Gemeinde als kommunales Kino eröffnet hat und das seit zehn Jahren besteht. Vor zwei Jahren wurde Georg Schmederer mit dem Kulturpreis der Stadt Dorfen ausgezeichnet.

Matinee mit Nouvelle-Vague-Stücken

Das Kino schafft es, die Kultur der Stadt zu fördern, obwohl es nur einen Saal mit 50 Plätzen hat. Neben ein paar wenigen Blockbustern und den üblichen Kinderfilmen gibt es einige andere Genres, mit denen der typische Kinobesucher vielleicht nicht so oft in Berührung kommt. Das Matinee-Programm, das jeden Sonntag gezeigt wird, beinhaltet alte Filme aus der Zeit des Neuen Deutschen Films, aber auch französische Nouvelle-Vague-Stücke und Filme aus dem Großraum Asien. Hier sucht Schmederer auch den persönlichen Kontakt, indem er vor der Vorstellung eine zwanzigminütige Einleitung zu dem jeweiligen Film gibt, denn ohne die Hintergründe zu verstehen, vor denen diese Filme gedreht wurden, seien sie eigentlich nicht richtig zu erleben. Der ebenfalls 66 Jahre alte Rainer Schlienz ist ein wichtiger Stammgast und begeistert von diesem Programm: „Wenn ich in so einen besonderen Film gehe, komme ich nachher wieder raus und sage: Das hat sich jetzt richtig gelohnt.“ Der Rentner schätzt das Kino so, dass er oft Filme in großen Kinos auslässt und wartet, bis sie in Dorfen anlaufen.

Es sei wichtig, das Kino für jeden zugänglich zu machen, sagt der Geschäftsführer. Deshalb gibt es von Anfang an vormittags eine Vorstellung für Mütter mit ihren Babys, in der der Ton deutlich leiser ist. Über die Zeit habe sich herausgestellt, dass nicht nur Mütter diese Vorstellungen nutzen, sondern zum Beispiel auch Schichtarbeiter. Die beliebtesten Filme seien aber regionale Kriminalkomödien wie das „Kaiserschmarrndrama“, „Leberkäsjunkie“ oder „Sauerkrautkoma“ – typisch bayrisch eben.

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Verbrannte Leiche in Hamm: Polizei verhaftet Ex-Freund von toter 17-Jähriger

Eine vermisste 17-Jährige wird zehn Tage nach ihrem Verschwinden tot aufgefunden. Die Jugendliche soll laut Obduktion an „massiver Gewalt gegen den Hals“ gestorben sein. Nun nimmt die Polizei den Ex-Freund des Opfers wegen dringenden Verdachts des Totschlags fest.

Die Polizei in Dortmund hat nach dem Fund der verbrannten Leiche einer 17-Jährigen den 26-jährigen Ex-Freund der Jugendlichen festgenommen. Verschiedene Indizien, über die noch nicht gesprochen werden könne, hätten die Ermittler zu ihm geführt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Paar soll sich eine Woche vor dem Verschwinden der 17-Jährigen getrennt haben. Ihre Eltern hatten sie am 14. Juni vermisst gemeldet.

Der 26-Jährige war nach dem Verschwinden des Teenagers bereits als Zeuge vernommen worden. Von seiner Festnahme sei er überrascht gewesen, heißt es. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Totschlags beantragt. Er sollte noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Obduktion der Leiche hatte ergeben, dass die junge Frau nicht an den Flammen starb, sondern durch „massive Gewalt gegen den Hals“. Ein Radfahrer hatte die brennende Leiche nach Polizeiangaben am Freitagmorgen gegen 5.30 Uhr in dem westlich von Hamm gelegenen Naturschutzgebiet „Am Tibaum“ an einem Weg entdeckt. Die 17-Jährige stammte aus dem Märkischen Kreis und hatte dort bei ihren Eltern gewohnt. „Wir gehen davon aus, dass sie schon mehrere Tage tot war und der Leichnam dort verbrannt wurde, um Spuren zu beseitigen“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund.

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Musical „Rats“ Hameln

Musical „Rats“ Hameln

Die familiäre Atmosphäre, die glücklichen Kinderaugen und der Spaß auf und hinter der Bühne mit dem Ensemble machen jeden Sommer immer zu etwas Besonderem“, sagt Valentino Karl. Der 32-jährige Musiktheaterdarsteller ist seit zwölf Jahren in Produktionen und Stücken im deutschsprachigen Raum auf der Bühne und vor der Kamera tätig. Zudem betreibt er ein eigenes kleines Theater in der Lüneburger Heide. Für seine Rolle als Rattenfänger im Musical „Rats“, das jährlich in den Sommermonaten in Hameln aufgeführt wird, reist er jeden Mittwoch von Hamburg nach Niedersachsen. Das Freilichtspiel erzählt die Sage des Rattenfängers mit fabelhaften Gesangs- und Tanzeinlagen. Hameln war der Sage nach von einer Rattenplage befallen, was für viel Aufruhr unter den Bürgern sorgte.

Er führte sie in die Grube eines Hügels

Wie es das Schicksal wollte, kam 1284 ein merkwürdig gekleideter Mann mit seiner Zauberflöte zu Hilfe geeilt, um das Ungeziefer in der Weser zu ertränken. Das Blatt der großen Freude wendete sich schnell, als der Bürgermeister dem Pfeifer den versprochenen Lohn verwehrte. So verzauberte der einstige Rattenfänger die Kinder und führte sie in die Grube eines Hügels außerhalb der Stadtmauern. Die Eltern suchten vergeblich nach ihren Kindern. In der Straße, durch die die Kinder zum Tor hinausgegangen sind, ist noch heute jegliche Art von Tanz und Musik verboten. Der Berg bei Hameln, in dem sie angeblich verschwanden, ist als Koppenberg bekannt. An das Verschwinden erinnern dort zwei Steine in Kreuzform. Bis heute ist es ein Mysterium, was genau mit den Hamelner Kindern geschehen sein mag. Die Bürger haben den Verlust in ihr Stadtbuch einzeichnen lassen. Am alten Rathaus stand: „Im Jahr 1284 na Christi gebort to Hamel worden uthgevort hundert und dreißig Kinder dasülvest geborn dorch einen Piper under den Köppen verlorn.“

Sara spielt seit zwölf Jahren mit

„Rats“ wird seit mehr als 20 Jahren als Freilichtspiel in der Innenstadt, unter der Leitung der Produzentin Anke Rettkowski, aufgeführt. Neben dem Rattenfänger werden natürlich auch die Rollen des Bürgermeisters und eines „Rattenkönigs“ mit Leben gefüllt. Der Sage nach gibt es ein Kind, das überlebte und die Zuschauer durch das Musical führt. Das sogenannte „behinderte Kind“ schaffte es nicht, mit den anderen Kindern mitzuhalten, als der Pfeifer sie aus Hameln herausführte. Sie zählt zu den Hauptrollen und singt sich in die Herzen der Zuschauer. Zum Ensemble gehören zwölf Leute. Die 26-jährige Sara Azizi spielt seit zwölf Jahren mit und hat große Bühnenerfahrung sammeln können. Heute ist sie staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, unterrichtet Gesang in der Musicalschule Anke Rettkowski und ist als Hochzeitssängerin tätig. „Rats“ ist für sie wie eine zweite Familie geworden. Sie beschreibt die familiäre Art und den Spaß an der Freude als unbezahlbar. Gastauftritte beim Hamburger Hafengeburtstag und der Auftritt auf der Expo in Mailand zählt sie zu „den Highlights“. In Hamburg gab es gutes Wetter und einen einzigartigen Gruppenzusammenhalt.

Unglaubliche Ehre in Mailand zu sein

„Wir haben neben einem riesigen Schiff, auf dem auch unsere Requisiten gelagert waren und wir uns umgezogen haben, auf einem Ponton gespielt.“ Ein herausfordernder Ort, um das Musical aufzuführen, im Gegensatz zur Hochzeitshausterrasse in Hameln, wo es sonst aufgeführt wird. Auch Mailand war beeindruckend. „Es war eine unglaubliche Ehre für uns, Teil des deutschen Programms im deutschen Pavillon zu sein. Wir hatten ein ziemlich straffes Programm, drei bis fünf Kurzvorstellungen pro Tag, innerhalb von drei Tagen.“ Viel Zeit blieb nicht. Trotzdem nutzen sie jede Minute, um das Gelände zu erkunden. Valentino Karl stimmt den positiven Erfahrungen zu. Er wuchs teilweise in Italien auf und nutzte die Chance, dem Publikum die Geschichte auf Italienisch nahezubringen. Sara Azizi erinnert sich auch noch gut an einen Auftritt, bei dem während des strömenden Regens kein Kleidungsstück trocken blieb. Trotz der erschwerten Bedingungen gab das Ensemble wie immer alles, obwohl ihr Publikum nur aus fünf Touristen bestand.

Das Hamelner Musical zeichnet sich nicht nur durch eine mystische Sage aus, die noch tief in den Wurzeln der Hamelner Gassen und Bewohnern verankert ist. Mit Gesang und Tanz schafft es das Ensemble, dem Publikum ihre Heimat ein Stück näherzubringen. Ob Groß oder Klein – am Ende der Aufführung geht niemand ohne einen Ohrwurm nach Hause. Einige der Schauspieler begleiten das Musical schon seit Tag eins, sie schaffen es immer wieder, neue Anreize und neuen Input in ihre Leidenschaft zu investieren und das Publikum mit ihrer Aufführung zu fangen und für eine gewisse Zeit in ihren Bann zu ziehen, wie es einst der Rattenfänger schaffte. Zu sehen ist dies bei Youtube unter „Rats – das Musical“. Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause geht die Rattenfänger-Freilichtspiel-Saison bis zum 18. September.

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„Sprengkörper in seinem Auto“: Russischer Behördenvertreter stirbt bei Attentat

Anschläge auf Verwaltungsmitarbeiter des Kremls sind in der besetzten Stadt Cherson keine Seltenheit. Nun trifft es nach russischen Angaben einen Mann, der für die Administration im Bereich Sport und Jugend tätig war.

Im von der russischen Armee besetzten Cherson in der Südukraine ist ein Behördenvertreter nach russischen Angaben bei einem Attentat getötet worden. „Das war ein gezielter Angriff“, gaben die Behörden laut der russischen Nachrichtenagenturen bekannt. „Ein Sprengkörper war in seinem Auto angebracht.“ Das Opfer sei für Sport und Jugend in der Verwaltung für die Region Cherson zuständig gewesen.

Derartige Anschläge auf Vertreter Russlands häufen sich in den von der russischen Armee kontrollierten Gebieten in der Ukraine. Die russische Armee hatte das an die annektierte Krim-Halbinsel grenzende Gebiet um Cherson bereits kurz nach Beginn ihrer Ukraine-Offensive Ende Februar eingenommen. Seitdem wird das Gebiet immer näher an Russland herangeführt. Vor anderthalb Wochen begann Russland mit der Ausgabe russischer Pässe, außerdem wurde der russische Rubel als Zahlungsmittel eingeführt.

Derweil halten die Kämpfe im Donbass an. Das ukrainische Militär erlitt dabei herbe Rückschläge. So kündigte die Ukraine einen Truppenrückzug aus der seit Wochen umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes an. Im Gebiet Luhansk eroberten russische und prorussische Kämpfer nach eigenen Angaben die Siedlungen Hirske und Solote. Die Luhansker Separatisten zeigten das Hissen einer sowjetischen Flagge auf dem Gebäude der Stadtverwaltung von Solote, das südlich von Lyssytschansk, der Zwillingsstadt Sjewjerodonezks, liegt. Eine Bestätigung der ukrainischen Seite gab es zunächst nicht.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass russische Truppen das Gebiet rund um Hirske und Solote eingeschlossen haben. Unklar blieb, ob zumindest Teile der ukrainischen Einheiten sich rechtzeitig zurückziehen und somit retten konnten. Russland war vor vier Monaten in die Ukraine einmarschiert und hat seitdem weite Teile der Ost- und Südukraine erobert. Im Gebiet Luhansk kontrollieren ukrainische Truppen nur noch die Großstadt Lyssytschansk. Auch dort sind russische Soldaten schon bis an den Stadtrand vorgedrungen.

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Dark Knights Münnerstadt


Im Oktober steht ein Sportereignis in Frankfurt am Main an: Der German Bowl, das Finale der „German Football League“. Der kleine deutsche Bruder des nordamerikanischen Super Bowls wird bereits seit Ende der 70er-Jahre ausgetragen und musste lediglich 2020 aufgrund der Pandemie ausbleiben. Dass die Sportart American Football aus den Vereinigten Staaten endgültig in Deutschland angekommen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass sich im Amateursport ebenfalls Footballmannschaften gebildet haben. Dies trifft unter anderem auch auf die Mannschaft des Turn- und Sportvereins Münnerstadt zu, einer Kleinstadt in Unterfranken, zu. Gegründet wurden die Dark Knights, wie sich die Footballer nennen, im Mai 2019, als eine Abteilung im TSV Münnerstadt 1863 e. V. Früher, in den 1990er-Jahren, gab es bereits ein Football-Team im Bad Kissinger Ortsteil Poppenroth, da lautete der Name noch Poppenroth Knights. Die Ritter-Bezeichnung nimmt Bezug auf die nahe gelegene Burgruine Botenlauben.

Zehn von Hundert wurden übernommen

„Derzeit sind wir ohne Trainer 30 Personen, und dann kommen noch mal fünf Personen für Abteilungsleitung und Trainerstab hinzu“, erzählt Joe Seitz, der Headcoach der Mannschaft. Ihn begleitet der Sport sein ganzes Leben. Als sein Interesse für American Football geweckt wurde, wohnte er in München. Damals hörte er von einem Probetraining bei den Munich Cowboys, das er absolvierte. So wurde er mit neun anderen aus hundert Anwärtern in die Mannschaft übernommen: „Da habe ich ganz oben in der ersten Liga das Footballspielen von Amerikanern gelernt“, er­innert Seitz sich. Er und Eric Sanders, ein US-Amerikaner, sind die Trainer, die die Spieler der Dark Knights sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff schulen. Unterstützung bekommen die beiden von zwei sogenannten Assistant Coaches, die gleichzeitig auch Spieler sind. Außerdem kommt bei Bedarf ein amerikanischer Trainer aus Schweinfurt, der der Mannschaft bei Trainingslagern seinen Dienst erweist. Fünf Coaches sind für eine Staffel im American Football alles andere als viel, wie Seitz weiß: „In einem Profiteam gibt es auch mal ganz leicht 30 Trainer, weil jede Position so individuell ist, dass es dafür auch eigene Trainingsmethoden gibt.“

Jeder hat seine Aufgabe, sonst hat keiner eine Chance

Vincent Michel übernimmt bei den Dark Knights den Posten des Wide Receivers. Er ist dem Team im Winter 2020 beigetreten, nachdem ihn ein Freund dazu angeregt hatte. „Das funktioniert bei uns eigentlich hauptsächlich so, dass jeder Spieler so viel Spaß am Sport hat, dass er auch ein paar andere Kollegen mitnimmt“, erklärt Vincent, der selbst auch einen Freund und seinen Bruder mit ins Team geholt hat. Seine Größe von 1,92 Meter sind in der Position des Wide Receivers von Vorteil, denn dieser ist dafür zuständig, die Pässe zu empfangen: „Ich fange den Ball und versuche dann, damit so weit wie möglich zu laufen und so viele Yards wie möglich zu holen.“

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„Motiv nicht endgültig geklärt“: Zwei Teenager sollen 15-Jährige in Salzgitter getötet haben

In einer Grünanlage im niedersächsischen Salzgitter finden Ermittler eine Mädchenleiche. Wenig später steht für sie fest, dass die 15-Jährige, zuvor als vermisst gemeldet, Opfer einer Gewalttat wurde. Unter Verdacht stehen ein 14-Jähriger und ein 13-Jähriger.

Nach dem Fund einer toten 15-Jährigen in Salzgitter gelten zwei Jugendliche als dringend tatverdächtig. Es handele sich um einen 13-Jährigen und einen 14-Jährigen, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig heute mit. Für den 14-Jährigen sei beim Amtsgericht Salzgitter ein Haftbefehl wegen Mordes beantragt worden. Es sei aufgrund der Gesamtumstände von einem Tötungsdelikt auszugehen. Eine Inhaftierung des 13-Jährigen sei wegen der Strafunmündigkeit nicht möglich, über den Tatverdacht gegen ihn sei das Jugendamt informiert worden.

Beamte hatten am Vortag den Leichnam der 15-Jährigen bei einer intensiven Suchaktion in einer Grünanlage am Hans-Böckler-Ring unweit von Wohnhäusern im Ortsteil Fredenberg entdeckt, nachdem das Mädchen zuvor als vermisst gemeldet worden war.

„Das Motiv für die Tat ist noch nicht endgültig geklärt, liegt nach derzeitigen Erkenntnissen aber im persönlichen Bereich“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Weitere Angaben machte die Behörde bisher nicht. Die beiden Tatverdächtigen sind Deutsche aus Salzgitter.

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Pfarrer und Football-Fan

Pfarrer und Football-Fan

Ich möchte meine Lebenszeit dort investieren, wo ich glaube, dass es Hoffnung gibt.“ Deshalb entschloss sich Pascal Götz, Pastor zu werden. Für ihn eine Berufung, mit der er den Menschen zeigen möchte, dass das Leben auch nach dem Tod weitergeht. Der Schweizer sitzt an seinem Schreibtisch in der Chrischona-Gemeinde in Pfäffikon bei Zürich auf seinem Gymnastikball. „Ich brauche die Bewegung, die ganze Zeit still sitzen kann ich nicht.“ Deswegen ist er auch ein American-Football-Fan. „Football hat so viele Facetten, man entdeckt immer etwas Neues.“ Als Teenager sah er den Film „Remember the Titans“ über die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten, in dem es um ein gemischtes Footballteam geht. Schon als Jugendlicher war er fasziniert von Komplexitäten, so weckte auch American Football sein Interesse. Ein Sport, bei dem eine Mannschaft 30 bis 50 Spieler hat, aber nur elf zusammen auf dem Feld stehen. Begierig, mehr über Football zu lernen, begann Götz „Madden“ zu spielen. Durch dieses Videospiel, benannt nach dem Footballkommentator John Madden, lernte er viel über den Sport. „Das Highlight war, als die deutschen Sender anfingen, den Superbowl zu übertragen.“

Spitzenmannschaft aus Dallas

Sein Lieblingsteam sind die Dallas Cowboys. „Das Team liebt man oder hasst man.“ Sie gehörten zu den Spitzenmannschaften der Neunzigerjahre, Götz war fasziniert von den Spielern und Taktiken. Mittlerweile sind jedoch nur noch die hohen Ambitionen geblieben. Doch obwohl sich Pascal Götz oft die Frage stellen muss: „Wieso, wieso, wenn ihr die guten Mannschaften schlagt, warum schlagt ihr nicht auch die schlechten?“, hält er zu ihnen. „Es ist eine Frage der Loyalität, sobald du dich für ein Team entschieden hast, bleibst du diesem treu.“

Aber nicht nur Football weckte in dem neugierigen Teenager Begeisterung, sondern auch ein Gespräch in einem Ferienlager. Dort schlug ihm ein Leiter vor, Pastor zu werden. Er dachte eine Zeit lang darüber nach: „Es ergab Sinn, eigentlich war der Beruf offensichtlich für mich, ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen.“ Seinen Studienplatz fand der damals Achtzehnjährige, als er in Basel an einem Schnupperwochenende eines Theologischen Seminars teilnahm. „Ich stieg aus dem Bus aus, lief hoch, und in diesem Moment wusste ich, das ist der richtige Ort für mich.“ In seinem letzten Studienjahr erhielt der sportbegeisterte Student die Chance, dort dem Footballclub, den Gladiators, beizutreten. Da dieser in der Topliga der drei Schweizer Footballligen spielte, erkannte er schnell: „Als Quereinsteiger auf diesem Niveau bist du hauptsächlich auf der Ersatzbank, außer du bist ein Ausnahmetalent.“ Der stämmig gebaute Mann mit dem Vollbart sagt schmunzelnd, dass er selbst mit fünf- bis sechsmal Training in der Woche nicht mit der Spielerfahrung der anderen mithalten konnte, auch wenn er damals in Topform war. So wurde ihm bewusst: „Um einfach nur ein bisschen mitzuspielen, bin ich zu ehrgeizig.“ Er beschloss einen klaren Schlussstrich zu ziehen und mit dem Footballspielen aufzuhören.

Zwei Leidenschaften, die gut zusammenpassen

„Mein Job und mein Hobby haben nicht viel gemein, es sind lediglich zwei Leidenschaften, die man zwar selten zusammen sieht, die aber gut zusammenpassen.“ An Football mag der 31-Jährige die Bewegung und die vielen Taktiken, die durch die unzähligen Spielzüge möglich werden. „Es gibt vermutlich kein Spiel, bei dem der Trainer so viel Einfluss hat. Sei es durch die Entscheidungen, die er trifft, wie man sich aufstellt oder welche Spielzüge gespielt werden. Es ist aber auch kein Schach, körperlich intensiver geht es kaum.“ Für seinen Beruf ist er dankbar: „Es gibt keine Vergebung auf dem Spielfeld, wenn du einen Fehler machst, leidet das ganze Team. Deshalb bin ich froh, dass das Leben nicht nur aus Football besteht, sondern dass es auch einen Gott gibt, der nicht nur unsere Fehler sieht.“

Wichtig ist ihm, anderen den christlichen Glauben näherzubringen. Sport hilft ihm, viele zu erreichen. Er wurde sogar gefragt, ob er nicht vor dem Spiel für das Team beten könnte. Da wurde ihm klar: „Das ist es, wofür mein Herz schlägt.“ Nach seinem Abschluss zog er nach Pfäffikon und stieß in seinem alten Wohnort auf den neu gegründeten Football Club, die Zürich State Spartans. „Ich war sofort Stammspieler.“ Im Herbst 2020 gewann das Team den Cup der Liga C. Der ehemalige Defensive-Tackle-Spieler hat im Herbst den Club in Dübendorf verlassen, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. „Ich muss nicht Football spielen, um Menschen von Gott zu erzählen; es reicht, mit meiner Tochter auf den Spielplatz zu gehen und mit den anderen Eltern zu reden.“

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