Kategorie -Jugendliche

Hier unterrichten Lehrer Menschen – und keine Fächer

Hier unterrichten Lehrer Menschen – und keine Fächer

Die Martinschule in Greifswald hat den Deutschen Schulpreis 2018 erhalten. Am Schulzentrum, das in einem Plattenbaugebiet liegt, ist vieles anders: Schüler lernen in Stammgruppen, Inklusion wird seit Jahren gelebt. Der Abiturschnitt liegt über dem des Landes.

Der Greifswalder Stadtteil Schönwalde 1 ist ein typisches DDR-Plattengebiet, die meisten Häuser sind inzwischen saniert, dennoch sind die Mieten vergleichsweise gering. Schönwalde 1 ist kein sozialer Brennpunkt, aber auch kein Stadtteil der Reichen.

Martinschule in Greifswalld erhält für ihr Konzept Schulpreis

Inmitten des Viertels liegt das Evangelische Schulzentrum Martinschule. In der freien Schule lernen körperlich und geistig behinderte Kinder mit Durchschnittsschülern und Hochbegabten. Auf dem Schulflur grüßen die Schüler die Lehrer und umgekehrt, an den Türen der Unterrichtsräume hängen Fotocollagen der Klassen, die ab der 5. Jahrgangsstufe “Stammgruppen” heißen. Auf einer Fotocollage steht: “Die Welt ist voller Wunder und wir sind 11 davon.” Für ihr Konzept hat die Schule am Montag den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung erhalten.

Während sich viele staatliche Schulen mühevoll an das Thema Inklusion herantasten, wird der Begriff hier seit 16 Jahren gelebt. 1992 wurde die Einrichtung als Schule für geistig behinderte Kinder gegründet. Seit 2002 besteht die Grundschule. 2006 wurde die Integrierte Gesamtschule gegründet. Sie führt inzwischen Schüler bis zum Abitur. Als freie Schule erhebt das Schulzentrum Schulgeld und das in einer Gegend, wo viele Familien von Hartz IV leben.

Deutscher Schulpreis: Benjamin Skladny (vorne links), Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule in Greifswald, sowie Schüler und Lehrer nehmen von Anja Karliczek (M, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2018 den ersten Preis entgegen. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Deutscher Schulpreis: Benjamin Skladny (vorne links), Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule in Greifswald, sowie Schüler und Lehrer nehmen von Anja Karliczek (M, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2018 den ersten Preis entgegen. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Morgenkreis, Lernen in Schulwohnungen, Selbstplanung

Schulleiter Benjamin Skladny erinnert sich an die Vorurteile, die ihm damals entgegenschlugen: “Da gründet ihr hier eine Schule, zu der die Reichen ihre Kinder mit fetten Autos kutschieren.” Heute schmunzelt der 56-Jährige darüber. Inzwischen gingen viele Kinder aus dem Viertel in die Schule. Es gebe Eltern, die sparten das Schulgeld zusammen. Manchmal legen Oma und Opa etwas dazu. Wessen Eltern nicht mehr zahlen können, fliege nicht von der Schule. In der Grundschule zahlen Eltern 95 Euro, in der Gesamtschule 170 Euro pro Monat. Für Geschwisterkinder gelten Rabatte.

Vieles ist zunächst verwirrend anders: Die ersten und zweiten Klassen lernen in Schulwohnungen, der Schultag beginnt hier mit sanftem Glockengeläut statt einer schrillen Klingel. Ab der dritten Klasse beginnen die Kinder mit der Selbstplanung ihrer Schulwoche. “Die Lehrer achten darauf, dass sich Kinder frühzeitig ihren eigenen Lernweg suchen”, sagt Grundschulkoordinatorin Liane Massow. Jeder Schultag beginnt mit einem Morgen- und endet mit einem Abschlusskreis, in dem die Kinder ihre Tagesziele formulieren und zum Abschluss bilanzieren.

Der Abiturdurchschnitt an der Martinschule liegt bei 2,1

Auf der Homepage der Martinschule heißt es, man sei eine “Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen willkommen sind, Mädchen und Jungen mit Begabungen aller Art, mit Handicap und Kinder aus verschiedenen Kulturen, mit und ohne Religionen”. Der Abiturdurchschnitt an der Martinschule liegt mit 2,1 über dem Landesdurchschnitt von Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3.

Wie kann das sein? Ein Grund mag der bessere Personalschlüssel an einer Schule mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sein. An der Martinschule haben 45 Prozent der 553 Kinder diesen Bedarf. Für sie gelten höhere Schulkostensätze, die die Schule in Personal investiert.

In Klasse 1a sitzen 13 Kinder mit Klassenlehrerin Anne Daedelow, zwei Integrationshelfern und einer Pädagogischen Unterrichtshilfe auf dem Teppich. In der Mitte steht eine Kerze. Die Kinder singen: “Ich kann mich freuen, denn ich bin nicht allein.” Melinda ist eine von drei geistig behinderten Kindern. Sie sitzt in den Armen von Daniela Schubert, ihrer Integrationshelferin. “Melinda profitiert in dieser Klasse so stark von ihren Mitschülern”, sagt Schubert. Sie habe gelernt, erste Wörter zu sprechen, könne sich für mehrere Minuten konzentrieren. Melindas Schulziel wird es sein, später möglichst ein selbstständiges Leben zu führen.

Für den Englischunterricht in ihrer 5. Klasse an der Martinschule in Greifswald bereitet Sophie (3.v.l.) eine Präsentation vor. (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)Für den Englischunterricht in ihrer 5. Klasse an der Martinschule in Greifswald bereitet Sophie (3.v.l.) eine Präsentation vor. (Quelle: Bernd Wüstneck/dpa)

Inklusion wird in den höheren Klassen zur Herausforderung

Ihr Klassenkamerad Mika strebt schon jetzt nach Höherem: Aus einem Blumenkreis mit Fotos und Namensbezeichnungen sucht er die passenden Frühblüher heraus. Möglich werde die Förderung der individuellen Begabungen durch die Erstellung von Lernplänen, die dem jeweiligen Niveau der Kinder angepasst seien, sagt Daedelow.

Schulleiter Skladny verschweigt nicht, dass Inklusion für die Lehrer in den höheren Klassen zur Herausforderung werden kann, wenn die Schere der individuellen Lernniveaus auseinandergeht. Die Klassenverbandsstrukturen sind ab der 5. Klasse aufgelöst. Nach dem Morgenkreis suchen sich die Schüler ihre Lerngruppen innerhalb der Jahrgangsstufe. Für alle gilt der gleiche Stundenplan, doch wird in den Gruppen verschieden gelernt: mal schneller, mal praktischer. Die Abiturstufe sei frontaler als die unteren Klassenstufen, sagt Skladny. “Noch!” Ansatz der Lehrer sei, Menschen zu unterrichten und keine Fächer.

Ob es an der Martinschule besser ist als woanders? “Es ist bei uns grundsätzlich anders als das gesamte Schulsystem in Deutschland, das ich für fast unreformierbar halte”, antwortet Skladny. Ausgehend von einer Behindertenschule seien an der Martinschule alle daran gewöhnt gewesen, im Team zu arbeiten. “Inklusion kann gelingen, sie muss aber aus den Schulen wachsen und kann nicht von oben verordnet werden.”

Verwendete Quellen:

  • dpa

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Jugendämter haben zu wenig Zeit für die Arbeit mit Familien

Viele Jugendämter in Deutschland können ihren Aufgaben beim Kinderschutz laut einer Studie nur unzureichend nachkommen. Die Sozialarbeiter müssen zu viele Fälle gleichzeitig betreuen.

In deutschen Jugendämtern herrschen Missstände. Auf die rund 13.300 Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) kämen mehr als eine Million Fälle – viel zu viel, sagte die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz bei der Vorstellung einer repräsentativen Studie. Die von der Deutschen Kinderhilfe geförderte Publikation beruht auf Befragungen von rund 650 Fachkräften aus 175 Jugendämtern via Fragebogen. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Jugendämter: Viel Zeit wird für Dokumentation verwendet

Die meisten Sozialarbeiter betreuen laut der Studie zwischen 50 und 100 laufende Fälle – als angemessen gelten 35. Defizite sieht Autorin Beckmann zudem bei der finanziellen und räumlichen Ausstattung, bei der Einarbeitung und der Weitergabe von Erfahrungen. Statt in die Arbeit mit Familien fließe viel Zeit in Dokumentation, vor allem um sich rechtlich abzusichern.

Das Fallaufkommen und die Personalsituation hätten in den vergangenen Jahren oftmals nur das Einschreiten im Akutfall erlaubt, sagte die Leiterin des Jugendamts Berlin-Mitte, Monika Goral. Nötig sei aber proaktives Handeln, etwa wenn eine Kindes-Gefährdung zunächst unklar ist. Die Umstände erschwerten es, Fachkräfte zu halten, sagte Goral.

Etwa 560 Jugendämter gibt es deutschlandweit

Bundesweit gibt es rund 560 Jugendämter. Kritik flammt öfters dann auf, wenn Misshandlungsfälle publik werden und Kinder nicht geschützt werden konnten. Der ASD berät unter anderem zu Themen wie Erziehung und häusliche Gewalt und regelt das Vorgehen im Krisenfall.

Verwendete Quellen:

  • dpa

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“Die deutsche Gesellschaft blendet Kinderinteressen aus”

Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht Versäumnisse bei der konkreten Umsetzung von Kinderrechten in Deutschland. Eine Umfrage unter Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern zeigt demnach Defizite vor allem in der Möglichkeit der Meinungsäußerung auf.

Ein Recht auf Meinungsäußerung und die Berücksichtigung des eigenen Willens – das sind nur einige der Ansprüche, die sich aus der UN-Kinderrechtskonvention ergeben. Das Deutsche Kinderhilfswerk sieht Defizite in der Umsetzung dieser. Eine Umfrage in seinem Auftrag ergab unter anderem, dass nur zwei Prozent der Heranwachsenden bei kommunalen Angelegenheiten häufig nach ihrer Meinung gefragt werden, 13 Prozent gelegentlich.

In der Schule werden 24 Prozent der befragten Kinder häufig um ihre Meinung gebeten. Etwa die Hälfte der befragten Eltern bewertete die Mitbestimmungsrechte ihrer Kinder in der Schule als “weniger gut” beziehungsweise “überhaupt nicht gut”. In der Umfrage wurden 1.600 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren sowie 1.600 ihrer Erziehungsberechtigten befragt.

“Die deutsche Gesellschaft blendet Kinderinteressen aus”

“Auch wenn wir bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention an einigen Stellen in den vergangenen Jahren Fortschritte erzielt haben, müssen wir in der Gesamtschau feststellen, dass die deutsche Gesellschaft Kinderinteressen anhaltend ausblendet und verdrängt”, sagt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerk.

Die eigene Meinung spielt den befragten Schülern zufolge am ehesten eine Rolle, wenn es um Sitznachbarn, Klassenregeln und Schulausflüge geht. Von den Schülern, die häufiger oder gelegentlich in der Schule nach ihrer Meinung gefragt werden, gaben bis zu 80 Prozent an, dass bei diesen Themen jeweils ihre Ansichten gefragt sind. Weniger können diese demnach bei der fachlichen Ausrichtung der Schule eingebracht werden (17 Prozent).

Kinder werden in der Familie häufiger nach ihrer Meinung gefragt

“Wir wollen die Mitbestimmung und Beteiligung von Kindern ins öffentliche Bewusstsein rücken”, sagt Krüger. “Kinder wollen befragt werden.” In der Schule gehe es schließlich nicht nur darum, Kinder für den Arbeitsmarkt vorzubereiten, sondern auch um die Ausbildung einer eigenen Persönlichkeit.

In der Familie besteht offenbar das größte Interesse an den Ansichten der Kinder. Zumindest 59 Prozent der befragten Heranwachsenden gaben an, im familiären Umfeld nach ihrer Meinung gefragt zu werden. Ihre Eltern schätzen die Beteiligungsmöglichkeit ihrer Kinder höher ein: 73 Prozent sagen, ihr Kind werde häufig bei familiären Entscheidungen nach ihrem Standpunkt gefragt.

Weitere Ergebnisse der Umfrage: Mehr als Dreiviertel (78 Prozent) der Kinder und Jugendlichen sind der Meinung, dass alle Kinder an ihrer Schule die gleichen Chancen auf einen guten Schulabschluss haben. Knapp ebenso viele sagen, dass sich Jungen und Mädchen an ihrer Schule meistens respektieren. Dennoch spielt Mobbing an Schulen in Deutschland offenbar eine Rolle: 61 Prozent der Befragten gaben an, dass an ihrer Schule jemand gemobbt werde.

Umfrage ist Teil des “Kinderrechte-Index”

Die Umfrage wurde im Zusammenhang der Pilotstudie “Kinderrechte-Index” durchgeführt. In dieser werden verschiedene Kinderrechte-Indikatoren entwickelt und der Stand der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in verschiedenen Lebensbereichen von Kindern gemessen. Dadurch sollen nicht nur die Defizite aufgezeigt werden, sondern auch konkrete Handlungsvorschläge gemacht werden. Im Fokus stehen die Themen Schutz, Armut, Beteiligung und Bildung.

Das ist die UN-Kinderrechtskonvention

Die UN-Kinderrechtskonvention wurde 1989 verabschiedet. Sie gilt als das wichtigste internationale Menschenrechtsinstrumentarium für Kinder. Bis auf die USA haben alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Konvention ratifiziert. Sie beruht auf vier Grundprinzipien: dem Recht auf Gleichbehandlung, dem Vorrang des Kindeswohls, dem Recht auf Leben und Entwicklung und der Achtung vor der Meinung des Kindes.

Daraus leiten sich folgende Kinderrechte ab:

  • Recht auf Gleichheit
  • Recht auf Gesundheit
  • Recht auf Bildung
  • Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung
  • Recht auf eine eigene Meinung, Information und Gehör
  • Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause
  • Recht auf gewaltfreie Erziehung
  • Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung
  • Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht
  • Recht auf Betreuung bei Behinderung
  • Recht auf Privatsphäre und persönliche Ehre

Verwendete Quellen:

  • eigene Recherchen

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Schlechtes Zeugnis? So sollten Eltern bei miesen Noten reagieren

Die Sommerferien stehen an und damit auch die Zeugnisse: So mancher Schüler zittert und manchen Eltern wachsen graue Haare bei den Noten ihrer Sprösslinge. Doch gerade sie sind in der Pflicht, ihre Kinder bei schlechten Leistungen zu unterstützen. Das geht auf verschiedenen Wegen.

Viele Schüler bringen ihr Zeugnis mit einem mulmigen Gefühl nach Hause. Neben der eigenen Enttäuschung ist es meist die erwartete Reaktion der Eltern, die Unbehagen auslöst. Eltern sollten aber verständnisvoll reagieren, rät Klaus Seifried. Er ist Diplom-Psychologe und leitete bis 2016 das Schulpsychologische und inklusionspädagogische Beratungszentrum im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. “Erstmal sollte das Positive betont werden”, sagt er. Das heißt: Die guten Noten sollten gewürdigt werden. “Das Selbstvertrauen von Kindern wächst durch Anerkennung.”

Schlechte Noten haben viele mögliche Ursachen

Eltern sollten schlechte Noten aber auch nicht ignorieren. “Hier hilft aber kein Donnerwetter, sondern Ursachenforschung”, betont Seifried. Die Ursachen für schlechte Noten können vielfältig sein. Sie reichen von hohem Erwartungsdruck, fehlender Motivation, mangelhaftem Fleiß und Lernproblemen, über schlechten Unterricht und Konflikte mit den Lehrern bis hin zu Schlafmangel und einem falschen Umgang im Freundeskreis.

Gespräche mit dem Kind und auch mit seinen Lehrern können Hinweise auf die Gründe geben. Manche Probleme sind für Eltern kaum alleine zu lösen. “Wenn es wegen schulischer Probleme Konflikte und Streit in der Familie gibt oder man bei Lernproblemen überfordert ist, sollte man sich beraten lassen und Hilfe in Anspruch nehmen”, sagt Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologen.

Eltern sollten sich ruhig Hilfe holen

Helfen können die Erziehungs- und Familienberatung oder die Schulpsychologen. Manchmal reicht auch ein Nachhilfelehrer für das Kind. Das sei kein Makel: “Das entlastet die Familie, und die Eltern können sich auf eine positive Beziehung zum Kind und gemeinsame Freizeitaktivitäten konzentrieren, die dem Nachwuchs Halt geben.”

Dennoch sind sie auch praktisch gefragt. Schwächeln Schüler in einzelnen Fächern, können Arbeitspläne helfen. Die müssen realistisch sein, sagt Seifried. Wenn zum Beispiel Englisch ein Problem ist und das Fach Dienstag und Donnerstag ansteht, können Montag und Mittwoch für zehn Minuten Vokabeln geübt werden.

Ist das Kind in mehreren Fächern versetzungsgefährdet, kann es ebenfalls von Arbeitsplänen profitieren. Mit der Brechstange sollte man den Umschwung aber nicht forcieren. “Kleine bewältigbare Ziele, realistische Erwartungen und kleine Zeitperspektiven sind wichtig, um Erfolge zu erreichen”, erklärt Seifried.

Überschaubare Ziele setzen – das hilft beim Durchhalten

Anstatt zu sagen “Jetzt machst du nichts außer Schule”, sei es besser, ein nachvollziehbares Zeitfenster zu nennen. Etwa: “Die nächsten vier Wochen arbeitest du jeden Tag eine halbe Stunde für die Schule.” In dem Fall sollten Eltern auch in kleinen Schritten denken und nicht gleich die Endjahresnoten in den Blick fassen. Schritt für Schritt, lautet die Devise. Das heißt: Klausur für Klausur. Dort sind dann schon einzelne Verbesserungen zu würdigen. “Denn um Leistung zu bringen, braucht das Kind Erfolge.” Und die beginnen im Kleinen.

Welche Maßnahmen man ergreift, hängt auch vom Alter des Kindes ab. Wichtig sei, dass Kinder und Jugendliche selbst die Verantwortung für ihre schulischen Leistungen übernehmen – und nicht die Eltern, betont Seifried. Denn Eltern können beim Einteilen der Zeit und beim Motivieren helfen, aber lernen und arbeiten müssen die Schüler selbst – auch schon in der Grundschule. Das beginnt dort laut dem Experten damit, dass das Kind selbst die Hefter sortiert und die Schultasche für den nächsten Tag packt.

Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagntur dpa-tmn

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Cybermobbing: Das können Eltern gegen die Beleidigungen tun

Schon längst hat das digitale Zeitalter Einzug in deutsche Kinderzimmer gehalten. Souverän bewegen sich Kinder und Jugendliche im Internet und nutzen ganz selbstverständlich auch soziale Netzwerke wie Facebook. Leider haben Schulen genauso wie Eltern es in der Vergangenheit häufig versäumt, den Nachwuchs auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Eines der eklatantesten Probleme, das daraus resultiert, ist das Phänomen Cybermobbing.

Wut, Trauer, Suizidgedanken

Jeder Dritte der Zwölf- bis 19-Jährigen kennt laut der JIM-Studie 2016 jemanden, der im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde. Cybermobbing ist eine moderne Form psychischer Gewalt. Die Verleumdungen und Schmähungen im Internet nehmen dabei eine ganze Bandbreite an Formen an. Neben der Veröffentlichung peinlicher Informationen, Bilder und Videos sind Kinder und Jugendliche häufig mit der Verbreitung von Gerüchten und Beleidigungen über soziale Netzwerke konfrontiert.

“Cybermobbing löst bei Kindern und Jugendlichen Wut, Trauer, Konzentrationsschwierigkeiten, körperliche Beschwerden bis zu Suizidgedanken aus”, wissen auch die Experten von Pro Juventute. Die Schweizer Stiftung, die sich für die Rechte der Kinder einsetzt, musste bereits hunderte Kinder beraten und betreuen, die Opfer der virtuellen Beleidigungen wurden.

Verschiedene Formen von Cybermobbing

Es gibt unterschiedliche Formen von Cybermobbing. Eine Studie der TU Berlin zum Thema listet folgende Formen auf:

  • Flaming: gegenseitiges Provozieren und Beschimpfen
  • Harassment: wiederholte Beleidigungen
  • Denigration: Verleumdung, Verbreiten von Gerüchten
  • Outing and Trickery: Bloßstellen und Betrügen
  • Exclusion: sozialer AUsschluss
  • Impersonation: Identitätsdiebstahl, Auftreten unter falschem Namen
  • Happy Slapping: Veröffentlichung entwürdigender Fotos / Videos
  • Cyberstalking: fortwährende Belästigung und Verfolgung
  • Cyberthreat: Androhung von körperlicher Gewalt

Opfer geraten in eine ausweglose Situation

Der Leidensdruck bei den Opfern von Cybermobbing ist enorm, zum Teil sogar größer als bei Mobbingopfern in der “echten” Welt. Denn über die sozialen Netzwerke erreichen peinliche Fotos oder Gerüchte nicht nur einen lokal begrenzten Kreis von Menschen, etwa eine Schulklasse, sondern werden öffentlich.

Alle Beleidigungen wirken somit ins gesamte Leben des Opfers hinein. So bieten unter Umständen selbst ein Klassen- oder gar Schulwechsel keine Garantie für einen unbelasteten Neuanfang. Das Opfer empfindet seine Situation zunehmend als ausweglos.

Cybermobbing bis zum Selbstmord

Im Extremfall können die digitalen Beleidigungen Kinder und Jugendliche sogar in den Selbstmord treiben. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder solche Vorfälle, die durch die Medien gingen. Und auch die Netflix-Serie “Tote Mädchen lügen nicht” thematisiert Cybermobbing und Selbstmord.

Mehr Medienkompetenz, auch bei den Eltern

Um die übelsten Auswüchse von Cybermobbing in den Griff zu bekommen, fordern Experten eine bessere Ausbildung der Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und vor allem auch bei den Eltern. Noch immer wissen allzu viele Erziehungsberechtigte wenig darüber, was ihr Nachwuchs den lieben langen Tag im Internet treibt, geschweige denn, wie man im Ernstfall auf die virtuellen Mobbing-Attacken reagieren und sich zur Wehr setzen kann. Dabei ist es wichtig, schnell einzugreifen, damit sich beim Kind gar nicht erst der Eindruck verfestigt, allen Angriffen schutz- und machtlos ausgesetzt zu sein.

Beweise sichern: Wie Eltern mit Cybermobbing umgehen können

Um auf die Täter oder deren Eltern zugehen zu können oder gegebenenfalls auch Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten, sollten Sie Beweise sichern. Speichern Sie die rufschädigenden Inhalte ab und versuchen sie denjenigen herauszufinden, der diese veröffentlicht hat. Oft weiß das Opfer zumindest ungefähr, aus welcher Richtung die Attacken kommen. Außerdem sollten Sie die Schule, vor allem den Klassenlehrer über die Situation Ihres Kindes aufklären, damit Cybermobbing und die möglichen drastischen Folgen in der Schule thematisiert werden.

Mobbing-Inhalte löschen lassen

Außerdem solltten Sie die Betreiber der Webseiten, auf denen Sie Mobbing-Inhalte gefunden haben, informieren. Der Betreiber ist dazu verpflichtet, die Verunglimpfungen aus seinem Angebot zu löschen. Das gilt auch bei Videos auf YouTube, wenn diese die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzen. Sollte ein Betreiber das nicht tun oder sollten Sie hier in einer anderen Form Hilfe benötigen, können Sie sich an eine Beschwerdehotline wie www.jugendschutz.net wenden. In Fällen von massiven Beleidigungen und Drohungen und groben Persönlichkeitsrechtsverletzungen ist eine Strafanzeige gegen den oder die Täter möglich.

Klar ist allerdings auch: Inhalte, die einmal ihren Weg ins Internet gefunden haben, sind dort kaum wieder restlos zu löschen. Niemand kann ausschließen, dass ein gelöschtes Video schon bald an anderer Stelle wieder auftaucht. Versuchen Sie, Ihr Kind über Gespräche stark zu machen, damit es möglichst gut damit umgehen kann. Das Gefühl, nur ein ohnmächtiges Opfer zu sein, das allen Angriffen wehrlos ausgesetzt ist, muss auf jeden Fall verhindert werden. Lassen Sie die Situation also nicht einfach laufen und hoffen auf Besserung, sondern handeln Sie.

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Taschengeld aufbessern: Gesetze für junge Neben- und Ferienjobber

Zeitungen austragen, Babysitten, Botengänge übernehmen: Mit kleinen Jobs möchten viele Heranwachsende ihr Taschengeld aufbessern – und sich damit ein Stück Unabhängigkeit von den Eltern erwirtschaften.

Gesetzliche Regelungen schränken die Beschäftigungsoptionen für Kinder und Jugendliche jedoch stark ein – und auch Eltern sollten im Blick haben, dass sich der Nachwuchs nicht übernimmt.

Gesetzlicher Schutz: Kinderarbeit ist verboten

Kinderarbeit ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Darunter fallen nach der UN-Kinderrechtskonvention Tätigkeiten, die jungen Menschen unter 18 Jahren Schaden zufügen oder sie am Schulbesuch hindern. Eine reguläre Arbeit darf demnach erst ausüben, wer nicht mehr schulpflichtig ist. Den entsprechenden Schutzschirm hierzulande bilden das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und die Kinderarbeitsschutzverordnung. Der Gesetzgeber unterscheidet dabei zwischen Kindern und Jugendlichen: Als Jugendliche werden 15- bis 18-Jährige eingestuft, Jüngere als Kinder. Für vollzeitschulpflichtige Jugendliche gelten laut JArbSchG die gleichen Bestimmungen wie für Kinder. Allerdings gibt es Ausnahmen.

Normale Aufgaben in der Familie nicht extra bezahlen

Genauer heißt das: Kinder unter 13 Jahren dürfen gar keiner Beschäftigung nachgehen – eine dem Alter entsprechende Mithilfe im Haushalt oder Garten schließt das natürlich nicht aus. Für ältere Kinder entwickelt sich nicht selten das Waschen von Papas Auto oder das Mähen von Omas Rasen zu einer regelmäßigen Geldquelle. Sozialwissenschaftlerin Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) rät Eltern aber, normale Aufgaben innerhalb der Familie nicht zu honorieren, sondern ausschließlich einmalige Arbeiten im wörtlichen Sinne zu “belohnen” – etwa das Zusammenfegen des Laubs im Herbst.

Im Rahmen der in §6 JArbSchG festgeschriebenen „Behördlichen Ausnahmen für Veranstaltungen“ dürfen auch deutlich jüngere Kinder unter Umständen bei Theateraufführungen, Musikveranstaltungen sowie Film- oder Fotoaufnahmen mitwirken. Dazu ist allerdings eine Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde erforderlich.

Kleine Jobs sind ab 13 Jahren erlaubt

13- bis 15-Jährigen ist es schon erlaubt, einen Job außerhalb der Familie anzunehmen. Sie brauchen dazu die Zustimmung der Sorgeberechtigten. Unbegrenztes Schuften ist für diese Altersgruppe nicht vorgesehen: Gestattet sind nach §5 JArbSchG Jobs, die an Werktagen – also montags bis samstags – nicht mehr als zwei Stunden täglich zwischen 8 und 18 Uhr in Anspruch nehmen. Die Arbeitsstunden dürfen zudem nicht vor oder in der Schulzeit liegen. Für den Nachwuchs in landwirtschaftlichen Familienbetrieben liegt die Grenze bei drei Stunden am Tag.

Schüler dürfen in den Ferien arbeiten

Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, die „hauptberuflich“ noch zur Schule gehen, steht es frei, sich in den Ferien einen Job zu suchen – wenn sie diesen nicht länger als jeweils vier Wochen im Kalenderjahr und ausschließlich in der Ferienzeit ausüben. Die Arbeit darf nach dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) maximal acht Stunden täglich umfassen – also 40 Wochenstunden. Um auf der sicheren Seite zu sein, lassen sich Arbeitgeber von noch schulpflichtigen Ferienjobbern oft eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorlegen.

Welche Nebentätigkeiten sind geeignet?

Aber was genau darf der Nachwuchs tun? Grundsätzlich müsse es sich um eine leichte, körperlich nicht anstrengende Beschäftigung handeln, die Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen nicht gefährde, betont Sozialwissenschaftlerin Alexandra Langmeyer. Geeignet sei etwa das Austragen von Zeitungen oder Wochenblättern, Babysitten – wenn dies nicht bis spät in die Nacht dauere –, das Gassigehen mit Hunden oder Füttern der Katze in der Nachbarschaft.

Für Jugendliche ab 15 Jahren erweiterten sich die Optionen. Da sei beispielsweise ein Ferienjob in einem Getränkemarkt denkbar, sagt die DJI-Spezialistin. Über 16-Jährigen, die im Gaststättengewerbe anheuern, gestattet das JArbSchG sogar, bis 22 Uhr und in mehrschichtigen Betrieben bis 23 Uhr zu arbeiten.

Schulbesuch hat Vorrang

Generell gilt: Jobben Minderjährige neben der Schule, darf der Unterricht selbstredend nicht darunter leiden. Schule habe Vorrang vor dem Geldverdienen, sagt Fachfrau Langmeyer. Nicht akzeptabel ist eine Arbeit daher etwa, wenn der junge Arbeiter wegen Übermüdung dem Unterricht nicht mehr folgen kann oder Schule gleich ganz Schule sein lässt.

Bei Stress am Arbeitsplatz sollten Eltern eingreifen

Unabhängig von den gesetzlichen Bestimmungen sollten auch die Eltern am besten darauf achten, wo ihr Kind wie lange welche Tätigkeiten übernimmt, und wie es ihm mit dem Job gehe, empfiehlt Alexandra Langmeyer. Hat das Kind eventuell einen zu langen Weg zur Arbeit beziehungsweise nach Hause? Oder gibt es am Arbeitsplatz Druck, weil dort zu viel in zu kurzer Zeit verlangt wird? Mütter und Väter sollten aus Sicht von Alexandra Langmeyer vor allem eingreifen, wenn die Aufgabe den Nachwuchs unter Stress setzt.

Ferienarbeit bleibt oft sozialversicherungsfrei

Bei der Vergütung junger Ferienjobber werden laut den Experten des Portals “nebenjob.de” die gleichen Lohnsteuer- und Sozialversicherungsregelungen angewendet wie bei anderen Arbeitnehmern. Nur die Arbeitslosenversicherung falle weg, da eine Ferienaushilfe nach dem Einsatz schließlich nicht arbeitslos werde, erläutern die Nebenjob-Profis. Die meisten Beschäftigungen liegen demnach sowieso im Rahmen eines Mini- oder Saisonjobs und bleiben damit sozialversicherungsfrei. Die pauschale Lohnsteuer führt der Arbeitgeber ans Finanzamt ab.

Hinzuverdienen ohne Abzüge für die Eltern

Die Höhe des Verdienstes ist bei Minderjährigen im Übrigen unproblematisch: Bis zum 18. Geburtstag besteht keine Gefahr, dass den Eltern das Kindergeld gekürzt wird. Aber Achtung: Jedes Einkommen von Familien, die Arbeitslosengeld-II-Leistungen (Hartz IV) erhalten, wird bei der Berechnung der Bezüge berücksichtigt.

  • Kinderkonto: 

Betroffene Kinder unter 25 Jahren, die noch auf allgemeinbildende oder berufsbildende Schulen gehen, können während der Ferien arbeiten und insgesamt 1200 Euro im Jahr verdienen, ohne dass sie etwas abgeben müssen. Die Dauer eines solchen Ferienjobs ist ebenfalls auf vier Wochen im Jahr beschränkt.

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Jugendarbeitsschutzgesetz: Arbeiten – wie lange in Schulzeit und Ferien?

Sie wollen Klamotten kaufen oder das neueste Smartphone haben – mit zunehmendem Alter wachsen bei Jugendlichen die Ansprüche. Wenn das Taschengeld nicht reicht, gehen viele jobben. Doch dabei muss das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSCHG) beachtet werden.

Voraussetzung für einen Job ist, dass die Einschränkungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSCHG) beachtet werden. Es regelt, wie viel und wie lange Jugendliche arbeiten dürfen.

Kinder ab 13 Jahren dürfen Taschengeld aufbessern

Demnach dürfen Kinder bis zu einem Alter von 13 Jahren überhaupt nicht arbeiten, und auch ältere Jugendliche nur unter bestimmten Voraussetzungen. 

Schüler ab 13 Jahren dürfen ihr Taschengeld durch leichte Arbeiten aufbessern – Zeitungen austragen, Babysitten, Hilfe beim Einkaufen, Handreichungen beim Sport (also zum Beispiel Balljunge beziehungsweise -mädchen) oder Nachhilfe geben sind erlaubt. Während der Schulzeit dürfen Kinder und Jugendliche maximal zwei Stunden pro Tag und nur zwischen acht Uhr morgens und sechs Uhr abends Geld verdienen.

Arbeiten in den Ferien ab 15 Jahren

Schüler ab 15 Jahren können dagegen bis zu vier Wochen im Jahr, also 20 Arbeitstage zu jeweils acht Stunden einem Ferienjob nachgehen. Die Arbeitszeit muss zwischen sechs Uhr morgens und acht Uhr abends liegen.

Es gibt auch einige Ausnahmen:

  • Im Bäckerhandwerk – nicht in Konditoreien – dürfen 16-Jährige um 5 Uhr anfangen, 17-Jährige um 4 Uhr. In der Landwirtschaft dürfen Jugendliche über 16 Jahre ab 5 Uhr oder bis 21 Uhr tätig sein. Im Gaststättengewerbe dürfen über 16-Jährige bis 22 Uhr arbeiten.
  • In künstlerischen Bereichen dürfen 14- oder 15-Jährige mit Erlaubnis des Jugendamtes auch bis 22 Uhr arbeiten. An Wochenenden und Feiertagen gilt, von einigen Ausnahmen abgesehen, ein Arbeitsverbot für Jugendliche.
  • Wenn Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren nicht mehr Vollzeit schulpflichtig sind, können sie bis zu acht Stunden täglich arbeiten, dürfen aber die Arbeitszeit von 40 Wochenstunden nicht überschreiten.

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Jugendschutzgesetz 2020: Alkohol – ab wann und was ist erlaubt?

Ab welchem Alter sind Alcopops erlaubt? Welche alkoholische Getränke dürfen Jugendliche trinken und welche sind für sie verboten? Das Jugendschutzgesetz macht Vorgaben zum Thema Alkohol, an die sich auch Eltern halten sollten. Die Tabelle zeigt, was erlaubt ist und was nicht.

Der Verkauf von branntweinhaltigen Produkten (Spirituosen, auch branntweinhaltige Mischgetränke) an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist verboten. Gleiches gilt für deren Verzehr. Andere alkoholische Produkte (Bier, Wein, Sekt, auch Mischgetränke) dürfen an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht abgegeben werden. Diese Altersgrenze sinkt auf 14 Jahre, wenn Jugendliche von Personensorgeberechtigten (meist Vater, Mutter, Vormund) in eine Gaststätte begleitet werden.

unter 14 14 bis 15 16 bis17 ab 18
Bier verboten nur in Begleitung
der Eltern erlaubt
erlaubt erlaubt
Wein/Sekt verboten nur in Begleitung
der Eltern erlaubt
erlaubt erlaubt
Mix-
Getränke
mit Wein
oder Bier
verboten nur in Begleitung
der Eltern erlaubt
erlaubt erlaubt
Mix-
Getränke
mit
Spirituosen
verboten verboten verboten erlaubt
Spirituosen verboten verboten verboten erlaubt

Bei Privatpartys ist der Jugendschutz Elternsache

Bei privat ausgerichteten Partys seien die Eltern in der Pflicht, so die Jugendpfleger Jörg Cordruwisch und Rainer Schott. Eltern könnten sich strafbar machen, wenn auf der privat ausgerichteten Party ihres minderjährigen Sprösslings die Regelungen zum Alkoholausschank an Jugendliche missachtet würden.

Alkohol zur Stressbewältigung

Jugendliche unterscheiden sich in ihren Motivationen zum Trinken nicht so sehr von Erwachsenen: Eine Studie des Bundesministeriums für Gesundheit zeigt, dass Jugendliche überwiegend aus “Spaßgründen” trinken, aber Alkohol soll auch bei der Bewältigung von Stress und anderen Problemen helfen.

Die Wirkung von Alkohol auf Kinder

  • Das Nervensystem von Kindern reagiert wesentlich empfindlicher als das von Erwachsenen auf Alkohol. Bereits mit 0,5 Promille Alkohol im Blut kann ein Kind bewusstlos werden.
  • Je geringer das Körpergewicht des Kindes ist, umso mehr bewirkt die aufgenommene Alkoholmenge einen höheren Blutalkoholgehalt im Körper. Bereits kleine Mengen Alkohol können für Kinder gefährlich sein. Bei einem Schulkind liegt die riskante Menge bei drei Gramm je Kilogramm Körpergewicht, bei einem Erwachsenen braucht es die doppelte Menge.
  • Beispiel: Gefährlicher Konsum beginnt für Männer bei 60 Gramm und bei Frauen bei 40 Gramm. Zum Vergleich: Der Konsum von einem Liter Bier entspricht etwa 40 Gramm Reinalkohol.
  • Bei Kleinkindern fehlt das rauschhafte Stadium, in dem Erwachsene noch die Notbremse ziehen können, das bedeutet kleine Kinder können schlagartig in einen rauschhaften Zustand fallen.
  • Alkohol wirkt auf die seelisch-geistige und die körperliche Entwicklung von Kindern.
  • Alkohol bewirkt bei Jugendlichen die Auskühlung bei Partys im Freien.
  • Alkohol ist ein Zellgift
  • Schon Schnapspralinen können für Kinder gefährlich sein.

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Abschied von Maurice K. – Jugendlicher starb bei Schlägerei in Passau

Bei einer Schlägerei in Passau stirbt ein 15-Jähriger. Das Entsetzen ist groß, erst recht die Trauer. Nun haben Familie und Freunde in einem Gottesdienst von Maurice K. Abschied genommen.

Am Eingang der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Obernzell bei Passau steht eine schwarz gekleidete Frau, in ihrer Hand ein Stapel Karten. Mit einem Nicken drückt sie jedem Gottesdienstbesucher eine in die Hand. Auf der Karte sind zwei Fotos von Maurice K. abgebildet, einem blondhaarigen Jugendlichen mit Kopfhörern im Ohr. “Pfiat Eich…bis späda! Eia Maurice”, steht in kursiver Schrift daneben. Manchen Trauernden huscht beim Anblick des 15-Jährigen ein Lächeln über das Gesicht. Aber viele können die Fotos kaum anschauen, sie legen die Karte verkehrt herum auf die Kirchenbank. 

Die Pfarrkirche in Maurice Heimatgemeinde ist am Samstagnachmittag rappelvoll. Familie, Freunde und Nachbarn drängen sich auf den Bänken. Einige müssen stehen. Die Urnenbeisetzung war schon am Vormittag im engsten Kreis. Nun wollen sie bei einem Trauergottesdienst in aller Öffentlichkeit Abschied nehmen von Maurice. 

Der Schüler hatte sich am Montagabend mit einem Gleichaltrigen an einer Unterführung in Passau verabredet, um einen Streit auszutragen. Die Situation eskalierte. Maurice ging verletzt zu Boden und starb wenig später im Krankenhaus. Fünf Tatverdächtige im Alter von 15, 17, 21 und 25 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Für einen 14-Jährigen ordnete ein Haftrichter die Unterbringung in einer geschlossenen pädagogischen Einrichtung an. Allen wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

“Maurice, wir werden dich nicht vergessen”

“Ein blühendes Leben verschwand, wurde buchstäblich zu Boden getrampelt”, sagte Pfarrer Josef Remberger zu Beginn seiner Predigt. “Die Frage nach dem Warum kann niemand erklären.” Nach der Predigt ist es mucksmäuschenstill. Zwei Freundinnen des 15-Jährigen wagen sich nach vorne, sie haben ein Gedicht geschrieben: “Dear Maurice, ich will nur noch zu dir…”, setzt eine der beiden mit brüchiger Stimme an. Auch die Lesungen und Fürbitten werden von Jugendlichen übernommen.

Auch der Schulrektor von Maurice spricht ein paar Worte. “Maurice, wir werden dich nicht vergessen”, verspricht er. Es ist eine besondere Messe, das ist klar. Dass ein 15-Jähriger am helllichten Tag unter den Augen von dutzenden Passanten totgeprügelt wurde, kann niemand fassen. 

“Bei uns auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung, dachte ich bis Dienstagmorgen”, sagt Josef Würzinger, Bürgermeister von Obernzell. Er appelliert an die Zivilcourage der Trauernden. “Vielleicht ist Maurices Tod eine Mahnung und zugleich eine Aufforderung an uns.” Nach seinen Worten stimmt der Chor ein letztes Stück an: “Wind of Change” von der Band Scorpions. Es soll das Lieblingslied von Maurice gewesen sein.

Verwendete Quellen:

  • dpa

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