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Rauchen: Was tun, wenn das Kind raucht?

Seit Jahren sind die Zahlen der jugendlichen Raucher in Deutschland rückläufig. In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen liegt der Anteil nur noch bei zwölf Prozent, und 72 Prozent der Teenies haben laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) noch nie an einer Zigarette gezogen. Für Eltern ist es aber meistens ein Schock, wenn sie ihr Kind beim Rauchen erwischen. Wie sollten Eltern dann reagieren?

So war es eigentlich schon immer: Irgendwann will fast jeder Jugendliche einmal das Rauchen ausprobieren. Das gehört zu Jugend und Pubertät dazu. Wichtig ist, dass Kinder in dieser Phase bereits wissen, mit welchen Risiken Tabakkonsum verbunden ist. Das gilt für Zigaretten genauso wie für das momentan angesagte Shisha-Rauchen. So lässt sich in manchen Fällen verhindern, dass aus dem Testen eine Gewohnheit wird. Es ist daher sinnvoll, wenn Eltern schon frühzeitig ein aufklärendes Gespräch mit dem Kind suchen. Am besten findet ein solches Gespräch sogar schon vor der ersten Zigarette statt, denn auch wenn Jugendliche ab etwa 13 Jahren das Rauchen für cool halten, zuvor finden sie es meistens gar nicht gut.

Mit einigen deutlichen Argumenten lässt sich diese negative Einstellung gegenüber dem Rauchen beibehalten. In dem Gespräch sollten Eltern auf Vorwürfe und Strafandrohungen verzichten, sondern sachlich erklären, welche Folgen das Rauchen haben kann. Statt nur auf Gefahren wie Lungenkrebs und Raucherlunge hinzuweisen, sollten kurzfristige Folgen in den Vordergrund gerückt werden: der schlechte Atem, stinkende Kleidung, weniger Geld, nachlassende Ausdauer beim Sport. Jugendliche interessieren sich weniger für das, was einmal in 20 Jahren sein kann.

Zwei Zigaretten am Tag können schon süchtig machen

Auch das Problem der Abhängigkeit und die Schwierigkeit, mit dem Rauchen wieder aufzuhören, sollten Eltern ansprechen – denn Teenager täuschen sich, wenn sie glauben, sie könnten schnell wieder mit dem Rauchen aufhören. Um eine Sucht zu entwickeln, reichen für 13- bis 17-Jährige laut einer Studie der Universität in San Francisco schon zwei Zigaretten täglich.

Jugendliche greifen selten zur Zigarette, wenn sie allein sind, sondern meist nur gemeinsam mit Freunden. Am besten überlegen Eltern mit ihren Kindern, wie diese mit dem Gruppendruck umgehen können: Zum Beispiel was Kinder antworten können, wenn ihnen eine Zigarette angeboten wird oder sie zum Mitrauchen aufgefordert werden. Vor allem Mädchen rauchen auch, weil sie glauben, dadurch ihr Gewicht halten zu können. In diesem Fall sollten Eltern auf Alternativen wie Sport oder gesunde Ernährung hinweisen.

Eltern sollten das Rauchen in der Wohnung verbieten

Was aber tun, wenn das Kind bereits regelmäßig raucht? Auch wenn Eltern, die versuchen ihren Kindern das Rauchen auszureden, “nerven”, ist eine eindeutige Haltung seitens der Eltern angebracht. Jugendliche rauchen, um attraktiver, interessanter, einfach cooler zu erscheinen – ein Verhalten, das Eltern als Teil des Erwachsenwerdens verstehen müssen. Daher sollten sie Verständnis für ihre Kinder haben und versuchen mit sachlichen Argumenten und Informationen zu überzeugen und nicht mit sich wiederholenden Vorwürfen.

Eltern sollten das Rauchen im Kinderzimmer und in der restlichen Wohnung nicht einfach akzeptieren. “Da darf nicht geraucht werden, schon im Hinblick auf das Jugendschutzgesetz”, sagt Gabriele Bartsch von der Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. Bei allem Verständnis der Eltern darf das Kind nicht den Eindruck bekommen, dass die neue Gewohnheit geduldet wird. Zudem sollten Eltern darauf achten, ihre Kinder im Rauchen nicht unfreiwillig zu unterstützen: “Bei 25 Euro Taschengeld die Woche können sie sich natürlich locker eine Stange leisten.”

“Aber du rauchst doch auch!”

Wenn Eltern hingegen selbst Raucher sind, bestehen gleich zwei zusätzliche Probleme: Die gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens und die Schwierigkeit als Raucher glaubwürdig gegen das Rauchen zu argumentieren. In diesen Fällen ist der Satz “aber du rauchst doch auch!” beinahe vorprogrammiert. Doch gerade diese Konstellation kann sogar in den Gesprächen mit dem Kind zum Vorteil werden, man weiß schließlich, wovon man spricht.

Eine frühere Untersuchung der BZgA zeigte, dass rauchende Eltern ihre Kinder vom regelmäßigen Rauchen abhalten können, wenn sie das Rauchen ablehnen und das den Kindern auch klar machen. Sprechen sie über ihre eigenen Probleme mit der Sucht, gewinnen sie an Glaubwürdigkeit. Trotzdem zeigen Studien, dass Kinder von Rauchern ein größeres Risiko tragen, ebenfalls einmal Raucher zu werden.

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Rauchen: Verteuerung von Zigaretten schreckt Jugendliche ab

Noch immer gibt es in Deutschland Kinder und Jugendliche, für die Rauchen zum Alltag gehört – doch ihre Zahl ist in den letzten zehn Jahren stark gesunken. Der Bewusstseinswandel beim Thema Rauchen, der große Teile der Gesellschaft erfasst hat, ist auch bei den Jüngeren angekommen. Krebsforscher sind sich sicher: Preiserhöhungen sind die beste Prävention.

Krebsforscher: Es rauchen immer noch zu viele Jugendliche

Betrug der Raucheranteil unter den zwölf- bis 17-Jährigen im Jahr 2001 noch 28 Prozent, rauchten 2012 nur noch zwölf Prozent. Trotz dieses deutlichen Rückgangs gebe es immer noch viel zu viele junge Raucher, sagt die Leiterin der DKFZ-Stabsstelle Krebsprävention, Martina Pötschke-Langer. Sie warnt vor den gesundheitlichen Folgen des Rauchens: Atemwegsbeschwerden, geringere körperliche Leistungsfähigkeit, Asthmagefahr, ein schnellerer Alterungsprozess. Und dann sei da natürlich der Krebs: Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs.

Verteuerung von Zigaretten ist der stärkste Hebel

Das weniger Jugendliche rauchen, ist nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) aber nicht in erster Linie der Einsicht zu verdanken, dass Rauchen der Gesundheit schadet. Größeren Einfluss hätten Nichtraucherschutzgesetze und die lebhafte öffentliche Debatte über das Rauchen – vor allem aber die Erhöhung der Tabaksteuer. Pötschke-Langer meint: “Je teurer das Produkt wird, desto weniger wird geraucht.” Deshalb fordert sie auch eine schrittweise weitere Erhöhung der Steuer. “Das Geld ist wirklich ein entscheidender Faktor für Kinder und Jugendliche.” Wer an dieser Stellschraube drehe, könne die Zahl der jugendlichen Raucher noch weiter senken.

Fadenscheinige Argumente der Tabaklobby

Eine Sprecherin des Tabakkonzerns Philip Morris International betont zwar ebenfalls: “Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche rauchen.” Bei einer dramatischen Erhöhung der Tabaksteuer bestehe aber die Gefahr, dass sich der illegale Zigarettenhandel weiter verstärke. “Vor dem Hintergrund sind wir gegen exzessive Steuererhöhungen. Denn die großen organisierten Zigarettenschmuggler und die kleinen Straßenhändler halten sich an keine Regulierung.”

Viele Eltern tolerieren Kippen in Kinderhänden

Ob Kinder und Jugendliche anfingen zu rauchen, hänge stark vom Elternhaus und vom Freundeskreis ab, betont Pötschke-Langer. “Diejenigen, die schon schwerst abhängig sind, haben oft stark rauchende Eltern – die lernen das Rauchen praktisch am Küchentisch. Für diese Kinder ist es unglaublich schwierig, aus diesem Verhalten wieder rauszukommen. Es ist schließlich das Verhalten ihrer Eltern.”

Es bieten zwar einige Beratungsstellen Raucherentwöhnungskurse für Jugendliche an, doch die Nachfrage ist gering. Nicht etwa, weil niemand sie bräuchte, sagt der Leiter der Heidelberger Fachstelle Sucht, Ralf Krämer. “Viele Eltern regen sich nicht auf, solange es nichts Schlimmeres als Rauchen ist. Nur in krassen Ausnahmefällen rufen Eltern hier bei uns an.” Zumal längst nicht alle jungen Raucher ihr Laster ablegen wollten.

Nichtraucher-Kampagnen für Schüler verpuffen

Auch die Schulprogramme zur Tabakprävention erreichen nur einen geringen Teil der Kinder und Jugendlichen, beklagt das DKFZ. Die beiden größten Programme “Klasse 2000” und “Be Smart – Don’t Start” gingen an 85 Prozent der Erstklässler und an 91 Prozent der elf- bis 14-Jährigen vorbei. “Sie können daher in Deutschland – wenn überhaupt – nur einen geringen Beitrag zum Rückgang des Raucheranteils unter Jugendlichen geleistet haben”, heißt es in einer DKFZ-Publikation.

Rauchen ist immer noch ein Ritual

Wenn Freunde rauchten, gehöre für Jugendliche unheimlich viel dazu, wieder aufzuhören, sagt Krämer. “Es bedeutet, sich auszuschließen. Die anderen haben dann etwas gemeinsam und teilen sich dieses Ritual.” In diesem Alter mache es den Reiz aus, richtig dabei zu sein, anstatt nur dabeizustehen. Zigaretten dienten einigen Schülern noch immer als Mittel zur Selbstinszenierung. Erwachsen, cool, interessant, frei, tragisch: Attribute, die dem Bild des Rauchers für viele noch immer anhaften – trotz Nichtraucherschutzgesetzen und Tabaksteuer.

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Wie Jugendliche Rassismus im Alltag erleben

In Deutschland haben rund 16 Millionen Menschen eine Zuwanderungsgeschichte. Auch wenn die Hälfte von ihnen eine deutschen Pass hat: Wer als “Ausländer” wahrgenommen wird, sieht sich häufig mit diskriminierenden Klischees konfrontiert. Solche Erfahrungen müssen auch viele Kinder und Jugendliche machen, insbesondere wenn sie durch ihre Hautfarbe nicht als typisch europäisch wahrgenommen werden. Eine junge Frau mit somalischen Wurzeln erzählt, wie sie seit ihrer Kindheit mit Ungerechtigkeiten, Ausgrenzung und rassistischen Äußerungen umgeht.

Glaubt man offiziellen Statistiken, so ist es im Einwanderer- und Multi-Kulti-Land Deutschland nicht weit her mit der Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen, die keine europäischen beziehungsweise deutschen Wurzeln haben. Denn jeder fünfte – so die Zahlen einer Studie der Friedrich-Ebert Stiftung und der Uni Bielefeld – hat tendenziell eine ausländerfeindliche Einstellung, und jeder zweite hat Angst vor Überfremdung.

Solche Ressentiments treten meist nicht offen zutage. Rassismus und Diskriminierung im Alltag finden nämlich meist eher beiläufig statt und sind so unterschwellig, dass es kaum als gesellschaftliches Problem wahrgenommen wird, und im öffentlichen Bewusstsein verharmlost, beziehungsweise verleugnet wird.

Das “N-Wort” ist aus dem Wortschatz nicht verbannt

Was es heißt, augenscheinlich anders zu sein und damit immer wieder konfrontiert zu werden, weiß die 19-jährige Leila seit ihrer frühen Kindheit. Als sie drei Jahre alt war, flohen ihre Eltern vor dem Bürgerkrieg in Somalia und begannen im Rhein-Main-Gebiet ein neues Leben. Heute hat Leila einen deutschen Pass und fühlt sich mit ihrer Familie hier zu Hause. Wie eine “Einheimische” wird sie aber trotzdem nicht immer behandelt. Das bekommt sie vor allem dann zu spüren, wenn sie zum Beispiel Sticheleien von anderen Jugendlichen ausgesetzt ist.

“Von wegducken halte ich nichts”

“Manchmal werde ich blöd angemacht. Einfach so. Dann fällt auch mal das böse ‘N-Wort’. Viele in meinem Alter kennen nämlich gar nicht die negative Bedeutung des Ausdrucks und haben keine Ahnung, dass man Sklaven früher so nannte und beschimpfte. Dann werde ich wütend und sage meine Meinung. Das hat bisher gut funktioniert und ich werde dann in Ruhe gelassen. Von wegducken halte ich nichts. Das macht einen nur ängstlich und klein.”

Alltagsrassismus ist eine harte Probe für das Selbstwertgefühl

Etwas mehr Verständnis als für Gleichaltrige bringt Leila für ältere Menschen auf, die ihr gegenüber misstrauisch sind und auf Distanz gehen. Als sie vor drei Jahren ein Praktikum im Seniorenheim machte, erlebte sie manchmal sogar offene Feindseligkeit, erinnert sie sich:  “Ein alter Mann beschimpfte mich dort regelmäßig und sagt mir, Afrikaner hätten in diesem Land nichts zu suchen. Aber so eine Haltung kann ich sogar irgendwie nachvollziehen und verzeihen. Diese Generation ist eben anders aufgewachsen. In deren Jugend gab es kaum Menschen, die von anderen Kontinenten stammten und eine andere Hautfarbe hatten.”

Als besonders kränkend empfand Leila vor nicht allzu langer Zeit das unangenehme Ende einer Shoppingtour, bei der sie in einer Filiale einer großen Modekette von einem Detektiv des Diebstahls bezichtigt wurde, obwohl eigentlich keine Verdachtsmomente vorlagen, wie sie sagt: “Auch als die Leute von dem Laden nach gründlicher Durchsuchung nichts in meinen Taschen fanden, musste ich trotzdem noch dableiben und mich bis auf die Unterhose ausziehen, um nachzuweisen, dass ich auch wirklich nichts geklaut hatte. Das war sehr demütigend. Ich frage mich, ob ich auch so behandelt worden wäre, wenn ich eine andere Hautfarbe hätte.”

Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten auch in der Schule

Leilas Psyche scheint aber trotz solcher verletzender Erlebnisse offenbar keinen großen Schaden genommen zu haben. Die junge Frau mit somalischen Wurzeln gibt sich sehr selbstbewusst. Sie ist zielstrebig und versucht auch in der Schule ihr Bestes zu geben: Gerade macht sie ihren Realschulabschluss und will danach das Fachabitur schaffen. Trotzdem: Auch in der Schule läuft bei ihr nicht immer alles glatt, denn sie hat regelmäßig mit Hindernissen zu kämpfen, die vielleicht nicht existieren würden, so Leilas Annahme, wenn ihre Herkunft eine andere wäre.

“In meiner Schulzeit gab es bisher immer wieder Ungerechtigkeiten. Öfter habe ich mit denselben Noten bei Klassenarbeiten eine schlechtere Gesamtbewertung bekommen als zum Beispiel Kinder, deren Eltern nicht aus Somalia, Marokko oder der Türkei stammen. Häufig wurden diese Schüler auch bei der mündlichen Mitarbeit vorgezogen und ich wurde gar nicht dran genommen, obwohl ich mich genauso viel meldete.”

Studien: Migrantenkinder sind in der Schule häufig benachteiligt

Obwohl ungerechte Benotungen grundsätzlich ein heiß diskutiertes Thema unter Schülern sind und es oftmals schwer fällt, die wirklichen Gründe dafür zu benennen, bestätigen Untersuchungen von Soziologen der Evangelischen Hochschule Berlin, dass Migrantenkinder tatsächlich häufig benachteiligt werden. Seit den PISA-Ergebnissen von 2001 sähen viele Eltern durch Mitschüler mit Migrationshintergrund in derselben Klasse ein Bildungsrisiko für den eigenen Nachwuchs.

Dabei sei der “geringere Bildungserfolg” – so die Studien – eine Folge “einer spezifischen, institutionellen Bildungsdiskriminierung”: Die Zweisprachigkeit dieser Schüler werde oft als Defizit betrachtet, sie würden häufiger bei der Einschulung zurückgestellt oder an Sonderschulen verwiesen. Und bei gleichem Notendurchschnitt würden sie seltener für das Gymnasium empfohlen, erhielten oftmals bei gleicher Leistung schlechtere Bewertungen und würden zudem auch weniger gefördert.

Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch bei einer Untersuchung über “Diskriminierung am Arbeitsplatz” des Sachverständigenrats Deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Dabei schrieben die Forscher fiktive Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz. Sie wollten so herausfinden, ob bei gleicher Qualifikation der Lehrstellenanwärter mit typisch deutschem oder der mit türkischem Namen gewinnt. Das Ergebnis: Jugendliche mit ausländischen Wurzeln müssen deutlich mehr Bewerbungen schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Und: Auf ihre Post wurde häufiger gar nicht reagiert und wenn doch, wurden die fiktiven Bewerber mit Migrationshintergrund in den Antwortbriefen überdurchschnittlich oft geduzt.  

Harmlose Vorurteile hat fast jeder im Kopf

Trotz der Diskriminierungen, die auch Leila aufgrund ihrer Herkunft im Alltag erlebt, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Sie mag Deutschland. Doch als Deutsche wird sie trotz ihres deutschen Passes fast nie wahrgenommen. So sei man irgendwie immer zwischen zwei Welten, erzählt sie. Denn auch ihre Landsleute aus Somalia behandelten sie wie eine Ausländerin, vor allem weil sie deren Sprache kaum noch beherrsche.

Manchmal aber bringt das Schubladendenken ihrer Mitbürger Leila auch zum Schmunzeln: “Ich bin mal gefragt worden, ob ich denn noch afrikanisch sprechen kann. Ich fragte dann zurück, wie es denn so mit der europäischen Sprache läuft. Dann haben die Leute erst gemerkt, wie dumm ihre Frage war. Denn Afrika ist ja kein Land mit einer Sprache, sondern ein riesiger Kontinent. Aber es passiert häufig, dass vieles über einen Kamm geschoren wird. Genauso, wenn die meisten nicht glauben wollen, dass ich eine miserable Sängerin bin. Denn für sie gilt: Alle Afrikaner oder Afroamerikaner können natürlich super singen oder auch tanzen. Doch über solche eher harmlosen Vorurteile, die fast jeder im Kopf hat, kann ich nur lachen. Da steh ich drüber.”

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So viel geben Eltern in Deutschland für ihre Kinder aus

Knapp 600 Euro monatlich geben Eltern mit einem Kind in Deutschland für ihren Nachwuchs aus – ein gutes Fünftel der gesamten Konsumausgaben eines Familienhaushalts. Das geht aus der Studie “Konsumausgaben von Familien für Kinder” des Statistischen Bundesamtes hervor.

Für die Untersuchung wurden Ergebnisse der “Einkommens- und Verbrauchsstichprobe” ausgewertet, an der 2008 etwa 60.000 Haushalte teilgenommen haben. Neuere Daten dazu gibt es nicht. Im Vergleich zum Jahr 2003 (549 Euro) sind die Ausgaben für ein Kind demnach um 6,4 Prozent gestiegen.

Einzelkinder sind am teuersten

Die höchsten Ausgaben für den Nachwuchs haben den Statistikern zufolge Paare mit einem Einzelkind. Sie geben im Durchschnitt 584 Euro im Monat für ihr Kind aus. Eltern von zwei Kindern geben je Kind 515 Euro aus, im Fall von drei Kindern sinkt der Betrag auf 484 Euro.

Das liegt besonders daran, dass Eltern von Einzelkindern höhere Erstanschaffungskosten haben. In Familien mit mehr als einem Kind werden beispielsweise Spielzeuge und Kleidung mehrfach genutzt, wodurch die Kosten pro Kind sinken.

So investieren Eltern das Geld für den Nachwuchs

Fast die Hälfte der Konsumausgaben für das Kind wird zur Deckung der materiellen Grundversorgung – also Ernährung, Bekleidung, Wohnen – gebraucht. Alleinerziehende mit einem Kind setzen sogar 57 Prozent ihrer Ausgaben dafür ein. Für andere Zwecke, wie zum Beispiel Urlaub, Sportverein, Musikunterricht oder auch hin und wieder einen Restaurantbesuch, bleibt dementsprechend weniger übrig.

Konsumausgaben für Kinder nach Ausgabebereichen in Prozent:

Ausgabenart Paare mit einem Kind Paare mit zwei Kindern Paare mit drei Kindern
Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren 19,3 20,5 20,9
Bekleidung und Schuhe 8,4 7,8 7,2
Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung 21,9 23,2 24,3
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 5,2 5,0 4,6
Gesundheitspflege 4,4 4,2 3,6
Verkehr 8,3 7,1 10.8
Nachrichtenübermittlung 4,2 3,5 3,2
Freizeit, Unterhaltung und Kultur 14.9 15,8 14,9
Bildungswesen 4,5 4,4 3,4
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 4,5 4,9 4,2
Andere Waren und Dienstleistungen 4,4 3,6 3,0

Konsumausgaben von Alleinerziehenden für Kinder nach Ausgabebereichen in Prozent:

Ausgabenart Alleinerziehende mit einem Kind Alleinerziehende mit zwei Kindern
Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren 20,1 22,7
Bekleidung und Schuhe 7,3 7,3
Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung 29,6 29,4
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 4,6 4,1
Gesundheitspflege 3,6 3,3
Verkehr 7,0 6,5
Nachrichtenübermittlung 5,4 4,9
Freizeit, Unterhaltung und Kultur 12,1 12,9
Bildungswesen 2,8 2,0
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 3,5 2,9
Andere Waren und Dienstleistungen 4,0 3,9

Kinder kosten mit dem Alter immer mehr

Es gilt, je älter die Kinder, desto höher sind die Kosten: Paare mit einem Kind im Alter von bis zu sechs Jahren benötigen durchschnittlich 519 Euro im Monat. Ein großer Ausgabeposten in dieser Altersgruppe ist die Kinderbetreuung. Für Jugendliche von zwölf bis unter 18 Jahren gaben die Eltern mit 700 Euro im Monat deutlich mehr aus. In dieser Gruppe fallen der höhere Verbrauch an Nahrungsmitteln, besondere Bekleidungswünsche, aber auch Ausgaben für das Schulessen stärker ins Gewicht.

Riesige Kluft: Reiche Haushalte geben das Dreifache für Kinder aus

In der Studie wurden außerdem die Ausgaben für Kinder von armen und reichen Haushalten miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass die ärmsten zehn Prozent für ein Einzelkind lediglich 328 Euro im Monat ausgeben, während die reichsten Eltern mit 900 Euro im Monat für ihr Kind fast das Dreifache zahlen.

Die höheren Ausgaben bei den einkommensstarken Haushalten betreffen sowohl die Grundbedürfnisse als auch alle andere Ausgabenarten. In Bücher und Schreibwaren investieren sie beispielsweise fast den vierfachen Betrag.

Alleinerziehende haben es am schwierigsten

Am härtesten ist die Situation für Alleinerziehende. Im Bericht des Statistischen Bundesamtes heißt es, dass sie “finanziell erheblich schlechter” gestellt sind als Paarhaushalte mit Kindern. Je nach Alter des Kindes geben Alleinerziehende dafür bis zu 80 Euro weniger aus als Haushalte mit zwei Elternteilen.

Die Statistiker weisen in der Studie darauf hin, dass die genannten Kosten für den privaten Konsum der Kinder niedriger sind als die tatsächlichen Kosten. So fehlten in der Auswertung alle über den privaten Konsum hinaus anfallenden Aufwendungen für Kinder, wie etwa für Versicherungsschutz und Vorsorge. Auch Opportunitätskosten, die entstehen, wenn ein Elternteil wegen der Kinder beruflich kürzer tritt und dadurch auf Einnahmen verzichtet, wurden nicht berücksichtigt.

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Kriminologe Christian Pfeiffer: Gewalt gegen Kinder geht zurück

Die Zahlen der Kriminalstatistik sind alarmierend: 153 Kinder sind 2013 in Deutschland an den Folgen von Gewalt oder Vernachlässigung gestorben. Fast 14.000 wurden sexuell missbraucht und rund 4000 misshandelt. Werden Kinder heutzutage öfter Opfer von Gewalt als früher? Nein, sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer. Er forscht dazu seit Jahrzehnten. Die offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik hält er in vielen Bereichen für wenig aussagekräftig.

Herr Pfeiffer, wie ist der Trend bei Gewalt gegen Kinder insgesamt?

Christian Pfeiffer: Die offiziellen Zahlen sind nur das Hellfeld. Das hängt massiv davon ab, was überhaupt angezeigt wird. Die einzig verlässliche Methode ist, dass man die Menschen selber befragt. Wir haben 1992 und 2011 einen repräsentativen Bevölkerungsschnitt danach befragt, ob er misshandelt und geschlagen wurde. In Niedersachsen haben wir gerade 10.000 Jugendliche im Alter von 15 Jahren gefragt, ob sie als Kind misshandelt wurden. Wir fragen auch danach, wie oft man in den Arm genommen wurde, ob die Eltern gelobt haben, ob man getröstet wurde, wenn man weint.

Und wie sind die Ergebnisse ihrer Untersuchungen?

Christian Pfeiffer: Alle Indikatoren, die wir erfasst haben, kommen zu dem selben Befund: Wir haben einen radikalen Wandel der elterlichen Erziehung ins Positive. Die Zuwendung ist gestiegen und die Tendenz zum Schlagen deutlich gesunken. Das massive Schlagen hat abgenommen, von früher 15 Prozent der Bevölkerung auf elf Prozent. Bei den Mädchen ist der Rückgang noch stärker ist als bei den Jungen: bei den Mädchen von 17 auf sechs Prozent, bei den Jungen von 14 auf acht Prozent.

Misshandlungen oder Missbrauch spielen sich oft innerhalb der Familie ab. Werden diese Taten überhaupt angezeigt?

Christian Pfeiffer: Sexueller Missbrauch ist nach unseren Forschungen drastisch zurückgegangen, etwa um zwei Drittel. Das konnte aber gar nicht erkennbar werden, weil sich die Anzeigebereitschaft der Opfer verdreifacht hat. Die polizeilichen Daten sind in solchen heiklen Bereichen wie sexuellem Missbrauch oder Kindesmisshandlung absolut unzuverlässig. In diesen schambesetzen und schwierigen Feldern ist die Dunkelfeldforschung unverzichtbar.

Wer misshandelt und missbraucht Kinder? Sind das bestimmte soziale Gruppen?

Christian Pfeiffer: In erster Linie sind es die Eltern. Und die Menschen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld. Wir haben Kindestötungen untersucht, verantwortlich sind in aller Regel die Eltern. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind die Delikte um die Hälfte zurückgegangen. Tötungsdelikte durch Fremde kommen natürlich auch vor, etwa dass ein Kind aus sexuellen Gründen attackiert wird und der Täter es danach aus Angst vor Entdeckung umbringt. Aber solche Sexualmorde von Fremden gibt es im Schnitt maximal drei pro Jahr.

Wenn Kinder älter werden, können sie selber zu Tätern werden. Wie hat sich die Jugendgewalt entwickelt?

Christian Pfeiffer: Die Jugendgewalt in Deutschland ist seit 2007 um 41 Prozent rückläufig. Dass die Zuwendung der Eltern gestiegen ist und ihre Tendenz zum Schlagen deutlich gesunken, hat positive Wirkung in doppelter Hinsicht: Einerseits im starken Rückgang der Jugendgewalt, aber in den letzten zehn Jahren auch im Rückgang des Jugendselbstmordes um 33 Prozent.

Aber es gibt doch auch Gewalt unter Jugendlichen, zum Beispiel Mobbing im WhatsApp-Chat, Schlägereien auf dem Schulhof. Taucht das in den offiziellen Statistiken auf?

Christian Pfeiffer: Bis zum Alter von zehn Jahren passiert nicht viel außerhalb der Familie. Der Schulhof ist der sicherste Bereich überhaupt, was das Dunkelfeld angeht. In dem Augenblick, wo ein Arzt auf den Schulhof kommt, weil ein Kind schwer verletzt wurde, wird das zu 100 Prozent erfasst. Die kommunalen Unfallversicherer geben dazu alle zwei Jahre ihre Statistiken heraus. Daraus wissen wir, dass die Zahl der krankenhausreif geschlagenen Kinder auf dem Schulhof seit 1997 um 56 Prozent zurückgegangen ist.

Also ist die öffentliche Wahrnehmung verzerrt, dass es mehr Gewalt unter Jugendlichen gibt?

Christian Pfeiffer: Ja, das ist eine mediale Wirklichkeit. Egal wo wir hinschauen, wir haben einen Rückgang der Gewalt. Aber es gibt Einbrüche in der öffentlichen Wahrnehmung, etwa wenn mal wieder ein “Tatort” gelaufen ist, in dem es um Jugendgewalt ging. Das sind dann aber die Fantasien von Drehbuchautoren, die nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern uns an den Bildschirm fesseln wollen.

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Computerspiele: Jugendliche verdaddeln täglich eineinhalb Stunden

Mehr als eineinhalb Stunden täglich verbringen Kinder und Jugendliche in Deutschland durchschnittlich mit Computerspielen. Jeder Fünfte der 16- bis 18-Jährigen daddelt sogar drei Stunden und länger. Diese Zahlen ermittelte der Branchenverband Bitkom.

98 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren spielen Computer- oder Videospiele. Im Schnitt verbringen sie dabei 104 Minuten täglich am Computer, der Spielekonsole, dem Smartphone oder Tablet-PC. Das entspricht mehr als zwei Schulstunden.

Je älter die Jugendlichen sind, desto höher ist die Spieldauer: Während die zehn bis zwölf Jahre alten Jungen und Mädchen durchschnittlich 76 Minuten spielen, sind es bei den 13- bis 15-Jährigen bereits 111 Minuten, und die 16- bis 18-Jährigen 124 Minuten. Jungen spielen deutlich mehr als Mädchen. Während die zehn- bis 18-jährigen Jungen im Schnitt 122 Minuten pro Tag spielen, sind es bei den Mädchen nur 82 Minuten.

“Spielverhalten des Kindes im Blick halten”

“Wenn es um die Mediennutzung in der Freizeit geht, sind Computer- und Videospiele bei Kindern und Jugendlichen heute genauso beliebt wie das Fernsehen”, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Bei einigen nimmt die Leidenschaft für Computerspiele allerdings exzessive Ausmaße an: Knapp ein Fünftel der 16- bis 18-Jährigen spielt demnach pro Tag im Schnitt drei Stunden oder länger. Unter den 13- bis 15-Jährigen sind zwölf Prozent, bei den zehn bis zwölf Jahre alten Kindern sechs Prozent als “Vielspieler” einzuschätzen. “Eltern sollten das Spielverhalten ihrer Kind im Blick behalten”, rät Rohleder.

Große Smartphone-Dichte bei Jugendlichen

Laut der Umfrage besitzt die Hälfte der zehn- bis 18-Jährigen eine eigene stationäre Konsole wie Playstation, Xbox oder Wii U. Etwas mehr als ein Drittel nutzen eine mobile Spielkonsole wie Nintendo DS. Über ein Smartphone, um Spiele-Apps zu nutzen, verfügen in dieser Altersgruppe sogar 79 Prozent. Für die repräsentative Forsa-Umfrage wurden im Auftrag des Bitkom 962 Kinder und Jugendliche befragt.

Diese Umfrage erfasste nur die Zeit, die Jugendliche mit Computerspielen verbrachten. Hinzu kommen Surfen im Internet, Kontaktpflege in sozialen Medien und Fernsehen. Alles in allem verbringen Jugendliche noch viel mehr Zeit am Monitor. Nach einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der Krankenkasse DAK aus dem Jahr 2012 verbringen 45 Prozent der 15- und 16-Jährigen täglich zwei bis vier Stunden vor PC und Fernseher.

Wo beginnt Spiel- und Internetsucht?

Wenn sich Jugendliche kaum noch von PC, Konsole und Smartphone losreißen können, machen sich viele Eltern Sorgen, ob das Kind online-süchtig ist. Nach der aktuellen Studie zur Internetabhängigkeit (Pinta-Diari) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums trifft dies auf etwa vier Prozent der 14- bis 16-Jährigen zu. Das sind rund 100.000 Jugendliche.

Wie lange jemand spielt, ist allerdings noch kein Kriterium für Suchtverhalten. Entscheidend ist, ob beispielsweise Entzugssymptome, Kontrollverlust, Vernachlässigung sozialer Kontakte und die Täuschung von Familienmitgliedern und Freunden hinzukommen.

Ist mein Kind süchtig? Checkliste für Eltern

Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de für Eltern eine Broschüre zu Internet- und Computerspielabhängigkeit an. Sie enthält eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben können, ob ihr Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

  • die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen Beschäftigungen ständig um Computer, Internet oder Spielkonsole
  • das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht
  • dem Kind fällt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen
  • das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss
  • es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurück
  • Internetnutzung verdrängt andere Interessen und Hobbys
  • die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert
  • das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben
  • es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt übermüdet
  • das Kind reagiert Gefühle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab

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KiGGS: Jugendliche in Deutschland rauchen deutlich weniger

Wer angesichts regelmäßiger Schreckensstatistiken zum Komasaufen glaubt, die Jugend von heute lebt extrem ungesund, liegt daneben. Im Gegenteil, Jugendliche rauchen und trinken immer weniger, treiben Sport und gehen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. Die Folge: Den allermeisten Kindern und Teenagern in Deutschland geht es gesundheitlich gut. Zu diesem Ergebnis kommt die Gesundheitsstudie KiGGS des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) in ihrer Befragung “KiGGS Welle 1”.

94 Prozent der 2009 bis 2012 befragten Eltern halten den Gesundheitszustand ihrer Kinder demnach für gut oder sehr gut. “Erhöhte Risiken tragen vor allem Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status”, sagt RKI-Präsident Reinhard Burger.

Etwa 16 Prozent der Kinder haben ihren Eltern zufolge ein chronisches Gesundheitsproblem. Allerdings ist von den Betroffenen nur jeder Fünfte im Alltag eingeschränkt.

Jugendliche trinken und rauchen weniger

Besonders das Verhalten von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf ihre Gesundheit hat sich zum Positiven verändert. Zwölf Prozent der Elf- bis 17-Jährigen in Deutschland rauchen, weniger als die Hälfte davon täglich. Damit hat sich die Raucherquote seit der letzten Befragung von 2003 bis 2006 fast halbiert (20,4 Prozent). Als Grund nennen die Autoren verstärkte politische Bemühungen zur Eindämmung des Rauchens wie Tabaksteuererhöhungen und Nichtraucherschutzgesetze.

Auch der Alkoholkonsum ging zurück: Waren es sechs Jahre zuvor noch 62,8 Prozent, gaben nun 54,4 Prozent der Jugendlichen an, jemals Alkohol getrunken zu haben. Einen riskanten Alkoholkonsum stellten die Autoren bei einem von sechs Jugendlichen (15,8 Prozent) im Alter von elf bis 17 Jahren fest. Unter 14- bis 17-jährigen Jungen ist regelmäßiges Rauschtrinken stärker verbreitet als unter gleichaltrigen Mädchen.

Sportliche Aktivitäten hängen auch vom Elternhaus ab

Mehr als drei Viertel (77,5 Prozent) der Drei- bis 17-Jährigen treiben regelmäßig Sport, knapp 60 Prozent sind in einem Sportverein aktiv. Einen Unterschied machen jedoch Alter und Sozialstatus der Befragten aus: Jüngere Kinder sind häufiger und länger aktiv als ältere Kinder und Jugendliche; Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus machen weniger Sport und sind seltener in Sportvereinen als Gleichaltrige mit höherem Sozialniveau.

Verbringen Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren häufig Zeit vor dem Bildschirm, sinkt die Chance, dass sie Sport treiben.

Bessere ärztliche Vorsorge bei Kindern und Jugendlichen

91,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen gehen einmal pro Jahr zum Arzt – 8,7 Prozent mehr als bei der Basiserhebung. Als Erklärung dafür nennen die Autoren zusätzlich eingeführte Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen.

Insgesamt nahmen an der Folgebefragung zwischen 2009 und 2012 mehr als 12.000 Kinder und Jugendliche bis zu 17 Jahren sowie Eltern teil. Vergleichswerte liefert die Basiserhebung mit Daten aus 2003 bis 2006. Die nächste Datenerhebung (“KiGGS Welle 2”) beginnt im September 2014.

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Mindestlohn: Alles zu Ausnahmen, Übergangsregelungen und mehr

Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde ist unter Dach und Fach. Am Donnerstag segnete der Bundestag die Reform ab. Für das Gesetz votierten in namentlicher Abstimmung 535 von 601 Abgeordneten, dagegen waren fünf, bei 61 Enthaltungen. Ab 1. Januar 2015 werden nach Regierungsangaben rund 3,7 Millionen Menschen von der gesetzlichen Lohn-Untergrenze profitieren, da sie bislang weniger als 8,50 Euro verdienen. Kontrolliert werden soll die Einhaltung der Mindestlöhne von den Zollbehörden. Nachfolgend die wichtigsten Fakten zum Mindestlohn.

Ausnahmen

Der Mindestlohn gilt nicht für Jugendliche unter 18 Jahren. Keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben auch Lehrlinge in der Ausbildung sowie Ehrenamtliche.

Praktika während Ausbildung und Studium zur Berufsfindung dürfen drei Monate dauern, ohne dass ein Mindestlohn anfällt. Ursprünglich waren sechs Wochen vorgesehen. Nach Ausbildung und Studium fällt für Praktikanten dagegen der Mindestlohn grundsätzlich an. Eine Ausnahme soll es allerdings geben, wenn sich jemand nach der Ausbildung in einem neuen Berufsfeld orientieren will.

Wer mehr als zwölf Monate arbeitslos war, soll in den ersten sechs Monaten des neuen Jobs nicht unter den Mindestlohn fallen.

Auch Selbständige oder Freiberufler bleiben außen vor. Laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben 25 Prozent aller 4,4 Millionen Selbständigen in Deutschland Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro. Das betrifft unter anderem auch freischaffende Künstler oder Dozenten. Bekannt sind auch Fälle von Paketzustellern, die als Sub-Sub-Sub-Unternehmer für große Konzerne Pakete ausfahren und auf weniger als 6 Euro pro Stunde kommen.

Übergangsregelungen

Bis 2017 wird es eine Übergangszeit geben, für die die Tarifpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) auch Stundenlöhne unter 8,50 Euro für die jeweiligen Branchen vereinbaren können.

So wird der Mindestlohn für Zeitungszusteller von 8,50 Euro zwischen 2015 und 2017 stufenweise eingeführt. Den Angaben zufolge müssen Verleger für ihre etwa 160.000 Mini-Jobber im ersten Jahr nur 75 Prozent des Mindestlohns von 8,50 Euro zahlen, im zweiten Jahr sollen es dann 85 Prozent sein. Von 2017 an gilt der Mindestlohn von 8,50 Euro dann auch für Zeitungszusteller. Dies soll selbst dann für ein Jahr der Fall sein, wenn die Lohnuntergrenze bereits angehoben wurde.

Branchen, die als Übergang selbst Tarifverträge für einen Mindestlohn getroffen haben, sollen bis 2017 noch die vereinbarte Höhe weiterzahlen. Auch Beschäftigte in Niedriglohn-Branchen wie Wach- und Sicherheits-Dienste, Wäscherei-Dienstleistungen oder Friseure bekommen dann auch ab 2017 mindestens 8,50 Euro Stundenlohn. Derzeit sind es 7,50 Euro.

Saisonarbeiter wie Erntehelfer oder Aushilfen in der Gastronomie, erhalten vom kommenden Jahr an prinzipiell den Mindestlohn. Kost und Logis dürfen davon abgezogen werden. Um die Arbeitgeber zu entlasten, sollen solche Jobs zudem für 70 statt wie bisher für 50 Arbeitstage von Sozialabgaben befreit sein. Diese Regelung wird auf vier Jahre befristet.

Regelmäßige Anhebung des Mindestlohns

Das Parlament legt den Mindestlohn mit seinem Beschluss lediglich zur Einführung fest. Erhöhungen liegen künftig in der Hand einer Kommission aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, die alle zwei Jahre die Lohnuntergrenze überprüft. Das erste Mal soll das Gremium im Jahr 2016 über die Höhe beraten. Für 2017 zeichnet sich damit eine erste Anhebung ab.

Der Zoll stellt 1600 neue Mitarbeiter ein, um die Umsetzung des von 2015 an geplanten Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde besser kontrollieren zu können.

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Ralf Bongartz erklärt richtiges verhalten bei Gewaltattacken

Brutale Angriffe in der U-Bahn oder aggressive Täter, die ihr Opfer drangsalieren, die Szene filmen und das Geschehen später wie eine Trophäe ins Netz stellen. Fast wöchentlich berichten Medien von solchen Attacken, die häufig junge Menschen treffen. Wie sich Jugendliche im Ernstfall verhalten sollten, erklärt Konflikt- und Deeskalationsmanager Ralf Bongartz, der lange als Kriminalhauptkommissar tätig war.

t-online.de: Ist der Eindruck richtig, dass Jugendkriminalität zunimmt und zudem brutaler wird?

Ralf Bongartz: Nein. Die Bereitschaft zur Gewalt verringert sich laut der Kriminalstatistiken seit Jahren. Es gab zum Beispiel noch nie so wenig Gewalt an Schulen wie heute. Das Anzeigeverhalten ist aber deutlich gestiegen und die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt massiv gesunken. Doch in einigen Bereichen etwa bei der Jugendgewalt und der Gewalt an öffentlichen Orten scheint die Hemmschwelle niedriger als früher. Dies sind aber wenige Ausnahmesituationen, die unter anderem durch Veröffentlichungen von Überwachungskamera-Aufnahmen nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Inwieweit sind Teenager und junge Erwachsene besonders gefährdet, Opfer einer Attacke zu werden?

Wenn man Liebespartner sucht, schaut man in der Regel auf Menschen, die sich in einer bestimmten Altersspanne befinden. So ist es auch bei “Hasspartnern”. Sie bieten eine bessere Projektionsfläche für den eigenen Hass als Menschen, die zu weit weg sind von der eigenen Unzufriedenheit. Außerdem lassen sich junge Menschen leichter in Streitigkeiten hineinziehen.

Durch welche Verhaltensweisen können Jugendliche das Risiko eines Übergriffs mindern?

Täter verhalten sich wie Raubtiere. Sie suchen Schwächere oder von der Gruppe isolierte Personen, die so eine leichtere Beute sind. Daher helfen in erster Linie das Zusammensein mit anderen sowie Wachsamkeit mit einem Gespür für äußere Gegebenheiten, Veränderungen und Stimmungen und schließlich ein selbstsicheres Auftreten, das lockere und neutrale Präsenz demonstriert. Nicht hilfreich ist es dagegen, wenn man sich klein und unsichtbar macht, um so der Aufmerksamkeit eines Angreifers zu entgehen. Das ist meist Wasser auf die Mühlen der Täter und erhöht sogar den “Beute-Reiz”.

Wie soll das selbstsichere Auftreten genau aussehen?

Die Körpersprache spielt eine entscheidende Rolle, weil Täter aufgrund dieser Signale die Entscheidung treffen, anzugreifen. Daher hilft eine selbstbewusste und raumgreifende Körpersprache, die möglichst entspannt, geschmeidig und “groß” bleiben sollte und ein Blick, der nicht nach unten gesenkt wird, sondern am Horizont bleibt.

Inwieweit sollte der bedrängte Jugendliche mit den “Angreifern” in Kontakt treten?

Wenn man provoziert wird, sollte man diese Kontaktversuche am besten einfach ignorieren und möglichst souverän weiter gehen, so dass Täter nicht “andocken” können. Und wenn es doch zu einer Art Kommunikation kommt, sind kurze knappe Sätze am besten, wobei die Jugendlichen dann am besten immer die “Sie-Anrede” verwenden sollten. Sätze wie “gehen Sie zurück!” “warum bedrohen Sie mich?” oder “ich kenne Sie nicht!” signalisieren nämlich Distanz. Noch besser ist, mit möglichen Helfern anstatt mit den Tätern in Kontakt zu treten.

Gibt es bestimmte Orte beziehungsweise Vorausetzungen, die Attacken auf Jugendliche begünstigen?

Jeder Ort, an dem das eigene Gefahrenradar beziehungsweise das Bauchgefühl anschlägt, sollte überprüft und wenn nötig gemieden werden. Doch eigentlich kann jeder Ort zur Gefahrenzone werden, wenn bestimmte Befindlichkeiten gegeben sind: Wenn man beispielsweise angetrunken, sehr müde, schlecht gelaunt oder in Gedanken ist. Erhöhtes Risiko besteht auch dann, wenn man sich in einer urbanen Gegend überhaupt nicht auskennt und nicht weiß, dass es sich dabei um eine “No-Go-Area” handelt.

Welche präventiven Verhaltensweisen empfehlen Sie Jugendlichen?

Präventionsverhalten kann schon sehr früh und “im Kleinen” eingeübt werden, indem man etwa in relativ alltäglichen Situationen etwas wagt, wo man normalerweise vielleicht nichts sagen würde: Zum Beispiel in einem Restaurant schlechtes Essen zurückgehen lassen, in einem Geschäft auf einen Umtausch bestehen oder zu Hause beziehungsweise bei Freunden in kleinen Konflikten sofort Farbe bekennen. Das erzeugt Zuversicht und Präsenz, weil es den Selbstwert anspricht und daher Aktion anstelle von Erdulden setzt. Und wer “im Großen” Konfliktmanagement und Präventionsverhalten trainieren will, ist in den Kursen der Polizeibehörden oder bei Zivilcourage-Verbänden an guten Adressen.

Wie sollen Jugendliche im Ernstfall reagieren und sich wehren?

Da die Täter mit Schwäche rechnen, hat man in der Regel gute Karten, wenn man sich “ungemütlich”, stark und entschlossen zeigt und dabei laut und expansiv agiert. Gegenattacken sollten aber nur in höchster Not und bei körperlichen Angriffen eine Option sein.

Wie kann man andere am besten auf die eigene Notsituation aufmerksam machen?

Indem der Attackierte frühzeitig handelt, auch wenn der Verstand signalisiert, dass man gerade “übertreibt”. Wer allein unterwegs ist und sich bedroht oder belästigt fühlt, sollte schnell Kontakt zu anderen suchen und sie persönlich ansprechen. Zum Beispiel: “Sie mit der gelben Jacke, können Sie mir helfen, der Mann da drüben beleidigt mich und ich kenne ihn nicht.” Man kann auch laut um Hilfe rufen und unkontrolliert brüllen: Wer agiert, hat nämlich die Führung!

Welchen Unterschied macht es, ob Jugendliche sich mit einem oder mehreren Tätern konfrontiert sehen?

Mehrere Täter wollen voreinander nicht dumm dastehen und das Gesicht verlieren. Sie unterliegen einer Gruppendynamik, fühlen sich so stärker und geben deshalb nicht so schnell auf. Der beste Grund für eine solche Gruppe die Tat abzubrechen, ist daher die Gefahr, erwischt zu werden. Deshalb sollte man auch hier frühzeitig Kontakt zu anderen suchen, Hilfe alarmieren, indem man die 110 wählt, oder gezielt, aber nicht kopflos flüchten.

Wie können jugendliche Zeugen helfen, ohne sich selbst zu gefährden?

Wirkungsvoll ist es, wenn sie vom “Schaulustigen” zum “Handlungslustigen” werden. Das heißt: Stehen bleiben, das Geschehen beobachten und einschätzen und dann die Dinge tun, die der Situation entsprechen – wie etwa andere ansprechen, Teams bilden und fragen, ob jemand Hilfe braucht, laut rufen, dabei bleiben und Zeuge sein, die Polizei anrufen oder einfach hingehen und mit anderen zusammen ein Opfer in Schutz nehmen. In München sprang zum Beispiel ein 15-jähriges Mädchen einem bereits Bewusstlosen, auf dessen Schädel eingetreten wurde, zu Hilfe und nahm seinen Kopf in den Schoß. Dies hatte einen Zündeffekt auf andere Zusehende, die dann auch zu Handelnden wurden und schließlich das Mädchen und den Verletzten schützten. Eine einzige beherzte und mutige Initialhandlung kann also eine gefährliche Situation entschärfen. Dabei bedarf es ja nicht immer solcher großen Aktionen wie in diesem Fall. Manchmal reicht schon ein Ruf.

Buchtipp: “Nutze deine Angst. Wie wir in Gewaltsituationen richtig reagieren” von Ralf Bongartz. 272 Seiten, Fischer-Verlag, 2013.

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Polnische Oma geht auf Verbrecherjagd

Eine 80 Jahre alte Polin hat nach einem Raubüberfall selbst die Verfolgung der Verbrecher aufgenommen. Nachdem zwei Jugendliche ihr im oberschlesischen Kattowitz (Katowice) eine Kette mit Goldanhänger abgerissen hatten, wollte sich die Seniorin nicht mit der Opferrolle abfinden.

Die Frau hielt eine Autofahrerin an und bat sie, die Flüchtenden zu verfolgen, wie die Tageszeitung “Gazeta Wyborcza” am Freitag unter Berufung auf einen Polizeisprecher berichtete. Als die beiden Frauen eine 16-Jährige entdeckten, die an dem Überfall beteiligt war, stieg die 80-jährige aus und hielt einen anderen Autofahrer an, der der jungen Frau den Weg abschnitt und sie bis zum Eintreffen der Polizei festhielt. Der 18-Jährige Komplize wurde wenige Stunden danach festgenommen.

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