Kategorie -Jugendliche

Mutige Worte bei Ersatz-Wiesn: Cathy Hummels spricht über Depressionen

Da das Oktoberfest in diesem Jahr wieder ausfällt, heißt es stattdessen auf der “Wiesn Wiesn Charity Night” für viele Promis: “O’zapft is!” Dass es dabei auch um einen guten Zweck geht, macht Cathy Hummels deutlich und spricht über eine schwere Zeit in ihrer Jugend.

Cathy Hummels hat bei einer Oktoberfest-Ersatzveranstaltung auf Depressionen aufmerksam gemacht. “Ich hatte meine erste Depression, als ich 15 Jahre alt war”, sagte die Influencerin und Moderatorin bei der “Wiesn Wiesn Charity Night” am Freitagabend in München. Sie wolle die “Schwelle brechen”, dass Menschen über seelische Krankheiten wie Depressionen, Angstzustände oder Panikattacken leichter sprechen könnten. Es sei wichtig, auch zu feiern, “weil das der Seele guttut”.

Das Oktoberfest ist eigentlich ein Fix-Termin für Prominente. Da es in diesem Jahr das zweite Mal wegen Corona ausfällt, gibt es mehrere Ersatzveranstaltungen zum Anstich, der am heutigen Samstag gewesen wäre. Zu Hummels’ Spendengala für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe kamen Wiesn-Playmates, Models, Sängerinnen und TV-Promis wie Victoria Swarovski, Verona Pooth, Lilly Becker oder Oliver Pocher.

Seit geraumer Zeit ranken sich Gerüchte über eine mögliche Trennung von Cathy Hummels und ihrem Ehemann Mats Hummels. Die Moderatorin hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Thema geäußert. Zuletzt geriet die 33-Jährige aufgrund eines Prozesses vor dem Bundesgerichtshof um das Kennzeichnen von Werbung in die Schlagzeilen, welchen sie für sich entscheiden konnte.

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Zwischen Ziegenhaarzelt und römischer Wachanlage: Besuch im Bibeldorf Rietberg.


Das rhythmische Hämmern der Handwerker schallt durch das Dorf, einzig unterbrochen von den Rufen des vorbeimarschierenden Römertrupps. Die Düfte des Kräutergartens vermischen sich mit dem Geruch frisch gebackenen Fladenbrotes. In dem Dorf mit den ockergelben Häusern fühlt man sich in den Nahen Osten zur Zeit Jesu katapultiert. Tatsächlich befindet man sich aber mitten in Deutschland im Bibeldorf Rietberg im Teutoburger Wald. „Wenn wir biblische Geschichten erzählen, schwingt ganz schnell bei jedem etwas aus seinem Leben mit“, meint Eva-Maria Fricke, Geschäftsführerin des Bibeldorfes. „Und dabei geht es nicht darum, jemandem die christliche Religion überzustülpen“, fügt sie hinzu. Für die 57-Jährige sei schon immer die Frage gewesen, wie man junge Menschen in Kontakt mit biblischem Wissen bringen könne. Die Begeisterung, mit der sie über das handlungsorientierte Museum berichtet, ist durch die randlose Brille in ihren leuchtenden Augen wiederzuerkennen. Ihr brauner Lockenkopf steckt voller Ideen. An ihren Füßen entdeckt man zu fast jeder Tages- und Jahreszeit ihre braunen Birkenstock-Sandalen.

Vom Klärwerk zum Erklärwerk

Seit zwanzig Jahren setzt sich die Lehrerin für Deutsch, Musik und katholische Religion dafür ein, Interesse für die Bibel und deren Geschichten zu wecken, besonders bei jungen Menschen. 2007 wurde das Bibeldorf hierfür als „ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet. „Vom Klärwerk zum Erklärwerk“ lautet der Leitspruch des Bibeldorfes, denn wo heute das Bibeldorf steht, befand sich früher das Klärwerksgelände der Stadt Rietberg. Heute können Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen hier das Leben im Alten und Neuen Testament erfahren, während sie von Hand Körbe flechten, Seile drehen oder Kräutersalz herstellen. Fricke und ihr Team bieten thematisch verschiedene Projekte und Führungen an, auch für Erwachsenengruppen. Daneben gibt es öffentliche Touren während der regulären Öffnungszeiten.

Grundlage dafür bietet die Montessori-Pädagogik, für die Fricke sich noch während ihres Studiums ausbilden ließ. Besonders deutlich sei ihr Montessoris Leitsatz „vom Greifen zum Begreifen“ geworden, als sie mit ihrer damals dreijährigen Tochter ein Museum besucht habe. „Sie sagte zu mir: ,Mama, lass mich mal sehen, aber mit meinen Händen.‘ Das hat mir gezeigt, dass Kinder mit allen Sinnen fühlen müssen, um zu lernen“, schmunzelt die dreifache Mutter in die Kamera der SkypeÜbertragung. Umgesetzt wird diese Museumspädagogik in Projekten wie „Vom Korn zum Brot“. Dabei lernen Kinder und Jugendliche zunächst unter einem Nomadenzelt etwas über die Lebensweise der Nomaden im Altertum und mahlen dann wie zur damaligen Zeit Mehl mit originalen Steinmühlen. Aus dem entstandenen Mehl wird schließlich ein Fladenbrot gebacken und gemeinsam gegessen. „Dabei wird schnell klar, dass keiner richtig satt wird, aber wer Nachschub möchte, muss noch einmal Mehl mahlen“, erzählt die pädagogische Leiterin. Die Teilnehmenden sollen so erfahren, wie viel körperliche Arbeit in einem Brot steckt.

Der Jugendkreis baute eine Synagoge

Begonnen hat alles im Jahr 2003, als Fricke das Bibeldorf bei Paderborn gründete, zusammen mit ihrem Mann Dietrich, Theologe und Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Rietberg. Mit dem damals zehnköpfigen Jugendkreis der Gemeinde begannen sie eine schlichte Synagoge im Stil der damaligen Zeit zu bauen. „Wir hatten ja so gut wie kein Geld und mit dem wenigen, das wir hatten, haben wir angefangen“, erinnert sie sich und lacht. Neben Einzelbesuchern kamen bald ganze Schulklassen, und die Kirchengemeinde Rietberg kaufte das gepachtete Gelände von der Stadt. Durch Besuchereinnahmen und Spenden konnten neue Gebäude gebaut werden, und das Bibeldorf wächst bis heute. „Inzwischen sind wir ein richtiges Freilichtmuseum“, erklärt die Geschäftsführerin stolz.

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Vier Festnahmen: Es bestand Gefahr eines Anschlags auf Hagener Synagoge

Nach dem Großeinsatz an einem jüdischen Gotteshaus in Hagen werden mehrere Personen festgenommen. Darunter ist ein Jugendlicher. Womöglich hat die Polizei dadurch einen Terroranschlag verhindert.

Die Sicherheitsbehörden haben möglicherweise einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen vereitelt. Die Polizei nahm vier Verdächtige fest, darunter einen 16-Jährigen in Hagen. Parallel liefen Durchsuchungen, um mögliche Beweismittel zu sichern, sagte eine Sprecherin. Nach Worten des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul gab es eine ernste extremistische Bedrohung. “Es bestand die Gefahr eines Anschlags auf die Synagoge in Hagen”, sagte Reul bei der Vereidigungsfeier junger Polizistinnen und Polizisten in Köln. “Ihre Kolleginnen und Kollegen haben das vermutlich verhindert.” Nach ntv-Informationen war ein Verdächtiger dem Staatsschutz bereits bekannt. Er wurde am Busbahnhof in Hagen festgenommen.

Polizeikräfte durchsuchten in Hagen mehrere Objekte. In Sicherheitskreisen hieß es, es werde im Zusammenhang mit der Gefährdungslage an der Synagoge auch ein islamistischer Hintergrund untersucht. Die Polizei hatte am Vorabend eine Gefährdungslage gemeldet und die Synagoge abgesichert.

Der “Spiegel” berichtete, ein 16-jähriger Syrer habe eine Sprengstoffattacke vorbereitet. Demnach durchsuchte die Polizei am Vormittag die Wohnung des Jugendlichen. Laut “Spiegel” hatten die Sicherheitsbehörden einen Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes erhalten. Der Partnerdienst habe vor einem mutmaßlichen Islamisten in Deutschland gewarnt, der sich im Internet verdächtig verhalten habe. Die Ermittlungen hätten zu dem 16-Jährigen geführt, der in Hagen in einer Wohnung mit seinem Vater lebe. Der 16-Jährige solle in einem Chat von einem Sprengstoffanschlag auf eine Synagoge gesprochen haben, heißt es in dem Bericht weiter.

Dem “Spiegel” zufolge ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gegen den Jugendlichen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa wollte ein Sprecher der Behörde zunächst nur bestätigen, dass die bei der Behörde angebundene Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen in die Ermittlungen eingebunden ist.” Nähere Angaben können zum jetzigen Zeitpunkt nicht gemacht werden”, so der Sprecher. Aus nordrhein-westfälischen Sicherheitskreisen verlautete unterdessen, dass der Generalbundesanwalt eingeschaltet worden sei.

Polizei in stetigem Kontakt mit jüdischer Gemeinde

Am Mittwochabend hatten schwer bewaffnete Polizisten die Synagoge umstellt. Eine Hundertschaft war im Einsatz, der Bereich um die Synagoge war weiträumig abgesperrt. Ein geplanter Gottesdienst zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurde kurzfristig abgesagt. Laut Polizeiangaben wurden die Maßnahmen in der Nacht abgeschlossen. “Es konnten vor Ort keine Hinweise auf eine Gefährdung festgestellt werden”, teilte die Polizei Dortmund mit.

Die Polizei befinde sich weiterhin im stetigen Kontakt mit der betroffenen jüdischen Gemeinde. Zusätzlich finde eine enge Abstimmung mit den weiteren jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen statt. Derzeit lägen keine Hinweise auf eine Gefährdung weiterer Einrichtungen vor. Zudem war die Polizei am Morgen dennoch weiterhin präsent: Ein dpa-Fotograf berichtete von mehreren Streifenwagen in der Nähe der Synagoge und von Beamten, die mit Maschinenpistolen bewaffnet waren.

Der Einsatz weckte Erinnerungen an den Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019. Damals hatte, ebenfalls an Jom Kippur, ein rechtsextremer Attentäter versucht, schwer bewaffnet in die Synagoge in Halle einzudringen und dort ein Massaker unter den versammelten 51 Menschen anzurichten. Als er scheiterte, erschoss er auf offener Straße eine zufällig vorbeilaufende Passantin und später einen jungen Mann in einem Dönerimbiss. Der Täter ist inzwischen wegen zweifachen Mordes und vielfachen Mordversuchs verurteilt.

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Die Hundestaffel des DRK Berlin trainiert oft für den seltenen Ernstfall

Die Hundestaffel des DRK Berlin trainiert oft für den seltenen Ernstfall

Von Westen ist ein leichter Wind zu spüren. Die Bäume rascheln, und die Äste knarzen. Inmitten des Waldes sind einige Personen aller Altersgruppen mit ihren Hunden unterwegs. Die kleine Gruppe trainiert ihre Hunde und bildet sie aus, um später mit ihnen auf Einsätze zu gehen. Die Hunde des Deutschen Roten Kreuzes Berlin-Zentrum werden auf Abruf zur Flächen- und Trümmersuche sowie zum Mantrailing, zur Spurensuche von lebenden Personen, benutzt. Auch wenn es im Einsatzbereich des DRK Berlin-Zentrum relativ selten Vorfälle gibt, bei denen Bedarf für den Einsatz der Hunde besteht, kommt es vor, dass bei Gasexplosionen in Häusern oder Einbrüchen von leer stehenden Fabrikgebäuden Trümmer entstehen und Leute unter diesen begraben werden. Aufgrund ihrer guten Nase sind Hunde mit der richtigen Ausbildung und regelmäßigem Training für solche Suchaktionen gut geeignet. Dennoch gibt es Einschränkungen, welcher Hund ein Rettungshund werden kann und welcher nicht. „Die Hunde sollten einerseits mindestens 35 bis 40 Zentimeter groß sein, andererseits sollten sie auch nicht zu groß oder zu schwer sein, um eine gewisse Geschwindigkeit vorauszusetzen“, sagt Stefanie Schindler. Die 41-Jährige dunkelblonde Mutter von zwei Kindern ist Mitglied der Hundestaffel.

Es ist windstill und somit einfacher

Nach zwei Stunden intensiven Trainings ist fast die Hälfte geschafft. Mittlerweile ist es windstill, und die Hunde haben es einfacher, die Fährten zu verfolgen. Einer von ihnen verfolgt gerade eine Spur zwischen zwei Bäumen hindurch. Und schon hat er sein Ziel gefunden: eines der freiwilligen Mitglieder der kleinen Gruppe. Dafür erhält er erst mal eine Belohnung, ein Leckerli oder ein Spielzeug. Durch die wiederholte Belohnung der Hunde für erfolgreiches Training geben sie ihr Bestes, wenn es bei einem echten Einsatz darauf ankommt. Alle Hunde müssen vor der Vollendung des zweiten Lebensjahres das Training aufgenommen haben, weil die Ausbildung bis zu drei Jahre lang dauern kann und die Hunde sonst nicht mehr lange eingesetzt werden können, bevor sie aufgrund von Krankheiten aufhören müssen. Dieser Zeitpunkt ist meistens erreicht, wenn die Tiere zehn oder elf Jahre alt sind. Das Training wird mit der Zeit immer intensiver. Nach und nach werden neue Situationen und Umstände sowie Orte genutzt, sodass die Hunde möglichst viele unterschiedliche Beispiele bekommen, wie ein Einsatz aussehen könnte. Dazu wird nach Möglichkeit auf frische Baustellen zurückgegriffen. Es werden je nach Fortschritt des Trainings bis zu vier Personen versteckt, die der Hund dann suchen muss. Wegen Corona können die ehrenamtlichen Mitglieder nur unregelmäßig trainieren. Oftmals fällt das Training einfach aus, manchmal findet es trotzdem statt, doch zweimal in der Woche für rund fünf Stunden, so wie es vor der Pandemie war, wird nicht trainiert.

Knallige Kenndecken mit Glöckchen

Weitere drei Stunden später rennen mehrere Hunde aus dem kleinen Waldstück, dicht gefolgt von ihren Besitzern. Laut ist ein Klingeln zu hören, das von den „Kenndecken“ der Hunde stammt. In knalligem Orange und mit Glöckchen ausgestattet, sind diese perfekt, um die Hunde von Weitem hören und sehen zu können. Fröhlich, trotz starker Erschöpfung, verabschieden sich alle Menschen sowie Hunde voneinander und machen sich auf den Rückweg. Alle Mitglieder haben ihren eigenen Hund, mit dem sie trainieren und mit dem sie auf Einsätze gehen. Vor ein bis zwei Jahren war es so, dass jeder nur einen Hund hatte, mittlerweile ist es jedoch erlaubt, bis zu zwei Hunde zu trainieren, vorausgesetzt, dass ein Hund die Ausbildung bereits abgeschlossen hat. Jeder, der beitreten möchte, stellt sich den Mitgliedern mit seinem Hund vor. Auch wenn grundsätzlich jeder mitmachen kann, sollte man wirklich gewillt sein, da viel Zeit vonnöten ist. Schließlich geht es nicht nur um Spaß, sondern in erster Linie darum, Leben zu retten. Wenn man einmal gesundheitlich angeschlagen ist und das nicht gewährleisten kann, legt man eine Auszeit ein. „Bei einem echten Einsatz werden wir von der Polizei oder Feuerwehr alarmiert“, erklärt Stefanie Schindler, „es ist uns sogar erlaubt, mit Sonderrechten zu fahren.“ Auch wenn über den Einsatz von Hundestaffeln nicht oft berichtet wird, ist es wichtig, dass sie existieren. Trainierte Hunde haben Möglichkeiten, die Menschen nicht haben. So kann effektiver nach Vermissten gesucht werden.

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Raducanu und Fernandez im Duell: Sensationelle Teenies spielen Finale der US Open


Tennisspielerin Leylah Fernandez setzt sich gegen Angelique Kerber und Naomi Osaka durch. Nun erreicht die 19-Jährige völlig überraschend das Finale der US Open. Dort trifft die Kanadierin auf eine noch jüngere Gegnerin: Die Britin Emma Raducanu macht das Teenie-Finale perfekt.

Teenie-Finale bei den US Open: Leylah Fernandez und Emma Raducanu duellieren sich völlig überraschend um den Titel beim letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres. Die 19 Jahre alte Kanadierin Fernandez setzte sich in ihrem Halbfinale trotz anfänglicher Probleme gegen die Weltranglistenzweite Aryna Sabalenka aus Belarus mit 7:6 (7:3), 4:6, 6:4 durch. Die sogar noch ein Jahr jüngere Britin Raducanu folgte ihr mit einem dominanten 6:1, 6:4-Erfolg gegen die Griechin Maria Sakkari.

Raducanu ist die erste Qualifikantin der US-Open-Geschichte, die es ins Finale des Hartplatzklassikers geschafft hat. Zwei Teenager im Endspiel gab es zuvor siebenmal, zuletzt vor 22 Jahren beim Duell zwischen Serena Williams und Martina Hingis.

“Das sind Jahre, Jahre, Jahre harter Arbeit und Tränen und Blut und allem. Ich wollte wirklich ins Finale kommen”, sagte Fernandez. “Ich bin froh, dass ich im Finale bin.” Sie erklärte weiter: “Auch Aryna wollte es. Ich weiß gar nicht, wie der letzte Ball reingegangen ist.”

Fernandez geriet in der unterhaltsamen Begegnung in New York früh unter Druck, verlor 12 der ersten 14 Punkte und lag nach acht Minuten bereits 0:3 im Rückstand. Doch nach diesem nervösen Beginn steigerte sie sich und gewann den ersten Satz im Tiebreak. Die an Position zwei gesetzte Sabalenka holte sich im zweiten Satz das Break zum 5:4 und erzwang den entscheidenden dritten Satz. Dort begeisterte die junge Kanadierin die Zuschauer weiter mit ihrem schwungvollen Spiel und holte sich beim 4:2 ein Break, das Sabalenka sofort konterte. Fernandez ließ sich davon nicht verunsichern – und nutzte später den ersten Matchball zum Einzug ins Finale.

Raducanu, 150. im WTA-Ranking, war schon im Halbfinale von New York die erste Qualifikantin überhaupt und erst die dritte Tennisspielerin jenseits der Top 100 nach Billie Jean King 1979 und Kim Clijsters 2009, die es so weit schaffte.

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Coronavirus-Liveticker: +++ 11:54 500er-Inzidenzen bei Jugendlichen – Viele Neuinfektionen auch bei über 80-Jährigen +++

Nach wie vor treiben vor allem jungen Menschen, insbesondere im schulpflichtigen Alter das Pandemiegeschehen. In drei Kreisen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz der 0-14-Jährigen über 500. In mehr als 20 Kreisen liegt sie zumindest über 300. Es zeigt sich allerdings, dass die Neuinfektionen sich wieder stärker in andere Altersgruppen verschieben. So steigt die Inzidenz mittlerweile auch bei den über 80-Jährigen spürbar. In Wuppertal liegt bereits bei fast 100, in Rosenheim sogar nur knapp unter 300. Allerdings gibt es zahlreiche Kreise, in denen die Inzidenz bei den über 80-Jährigen bei Null liegt.

+++ 11:29 Studie: Animiertes Coronavirus erscheint weniger furchteinflößend +++
Je ansprechender eine bildliche Darstellung des Coronavirus ausfällt, desto weniger furchteinflößend und ansteckend wird der Erreger empfunden. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von Wissenschaftlern der Autonomen Universität von Barcelona. Hingegen wird das Virus als ansteckender empfunden, wenn es als Schwarz-Weiß-Foto abgebildet wird, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin “Plos One”. Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler umfangreiche Fragebögen aus, die die 333 anonymen Teilnehmer online zwischen April und Mai 2020 ausfüllten. Der Studie zufolge wurden seit Beginn der Pandemie vor allem stark bearbeitete und kolorierte Fotos sowie dreidimensionale Illustrationen des Coronavirus in den Medien wahrgenommen, die die Teilnehmer als “schön” empfunden hätten. Zugleich sei solchen Darstellungen jedoch kaum ein wissenschaftlicher Wert beigemessen worden und das Virus sei als weniger ansteckend und gefährlich eingeschätzt worden. Echte Fotos des Virus, die nur mit einem Elektronenmikroskop möglich sind, seien anders als die “schönen” Abbildungen schwarz-weiß und zweidimensional.

+++ 11:05 Kein Indiz für steigende Impfquote im Osten +++
In Deutschland gibt es kaum noch Fortschritte bei der Impfkampagne: Nach wie vor ist rein rechnerisch gut ein Viertel der Bevölkerung im impffähigen Alter (also abzüglich der Kinder unter zwölf Jahren) noch gar nicht geimpft. Das entspricht gut 18,5 Millionen Menschen.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung haben sogar nur 62,2 % den vollen Impfschutz.

Im Wochenmittel wurden in den vergangenen sieben Tagen etwa 180.000 Impfungen pro Tag verabreicht. Auch Auffrischungsimpfungen sind darin bereits enthalten. Ihre Zahl steigt kontinuierlich. Sie erreichte am 9. September mit mehr als 27.000 Impfungen ihren Tageshöchstwert.

66,5 % der Einwohnerinnen und Einwohner in Deutschland sind mindestens einmal geimpft (gut 55,3 Millionen), 62,2 % sind zweifach geimpft (mehr als 51,7 Millionen).

Nach wie vor gibt es große Diskrepanzen bei den Impfquoten der Bundesländer. Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, das Saarland und Bremen haben mittlerweile Erstimpfungsquoten von über 70 Prozent erreicht. Bremen kommt mit 72,4 Prozent auch bei den Zweitimpfungen über diesen Schwellenwert. Nach wie vor gering sind sowohl die Quoten der Erst- als auch der Zweitimpfungen in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Dort scheint es auch keinerlei Indiz zu geben, dass mit einem Aufschwung zu rechnen ist. Denn etwa in Thüringen beträgt die Differenz zwischen Erst- und Zweitimpfungen gerade 2,2 Prozentpunkte. Ein hoher Differenzwert würde dagegen darauf hindeuten, dass die Zahl der vollständig Geimpften demnächst steigt. In Nordrhein-Westfalen etwa liegt die Differenz bei 6 Prozentpunkten, selbst in Bremen, wo die Impfquote schon sehr hoch ist, liegt die Differenz bei 4,6 Prozentpunkten. Das heißt, dort haben noch viele Menschen vor, den vollständigen Impfschutz zu erlangen.

Zusätzlicher Beleg ist, dass 12- bis 17-Jährige sich noch nicht so lange impfen lassen können, aber selbst in dieser Gruppe die Impfquote in den genannten Bundesländern am geringsten ist. Sind also gerade Minderjährigen in einigen Bundesländern aktuell noch die Lichtblicke in der Impfkampagne, fügen sie sich in den östlichen Bundesländern eher in das bestehende Bild ein.

+++ 10:32 Spahn: Mobile Teams sind einfache Gelegenheit sich impfen zu lassen +++
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche zur Teilnahme an der Corona-Impfung aufgerufen. Es gehe darum, vor Herbst und Winter nochmal mehr Menschen zu überzeugen, sagt Spahn dem Sender WDR 5. “Jetzt, wo auch die Impfzentren Ende September schließen werden, wechseln wir stärker auf mobile Teams.” Bei “ganz vielen” bislang noch Ungeimpften gehe es um eine einfache Gelegenheit, sich impfen zu lassen. Die Bundesregierung will mit der Aktionswoche Schwung in die ins Stocken geratene Impfkampagne bringen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen an vielen Orten anzusprechen und auf einfachem Wege Impfungen zu ermöglichen. Beispiele dafür sind Spiel- und Sportplätze, Fußgängerzonen, Geschäfte oder Vereine. Ausführliche Informationen gibt es auf der Website www.hierwirdgeimpft.de.

+++ 10:05 “Rätselhafte” Ansteckungen – Auckland verlängert Lockdown +++
Der Corona-Lockdown in Neuseelands größter Stadt Auckland wird verlängert. Wie Premierminister Jacinda Ardern mitteilt, müssen sich die zwei Millionen Einwohner noch mindestens eine Woche lang an strenge Ausgangsbeschränkungen halten. Zur Begründung sagt Ardern, in der Stadt tauchten immer wieder neue “rätselhafte” Ansteckungsfälle auf, die sich nicht auf bekannte Infektionsherde zurückverfolgen ließen. Nach dem bis 21. September dauernden Lockdown soll in der Stadt aber wieder eine niedrigere Corona-Warnstufe gelten. Am Montag wurden in Auckland 33 Neuinfektionen verzeichnet.

+++ 09:35 Biontech-Chef: Impfstoff für Fünf- bis Zwölfjährige noch dieses Jahr +++
Biontech-Chef Ugur Sahin geht davon aus, dass noch in diesem Jahr der Impfstoff seines Unternehmens für fünf- bis elfjährige Kinder zum Einsatz kommen kann. “Wenn alle Daten gut aussehen und die Behörden das entsprechend so bestätigen und eine Genehmigung geben”, dann halte er das “für realistisch”, sagt Sahin dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Er ruft zugleich zu weiteren Anstrengungen in der laufenden Impfkampagne auf. “Wir erwarten, dass wir Daten Ende September vorliegen haben, die wir auch den Behörden in Europa und in den USA vorlegen werden”, so Sahin weiter mit Blick auf den Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige. Er plädiert auch für Auffrischungsimpfungen für bereits vollständig geimpfte Erwachsene. Es sei “sinnvoll, dass diejenigen mit einem abbauenden Immunschutz noch eine dritte Impfung bekommen.” Zur derzeit eher stockenden Impfkampagne sagte Sahin: “Wir dürfen nicht einfach resignieren und akzeptieren, dass wir noch keine ausreichende Impfquote haben.” Es müsste weiter versucht werden, die Menschen zu überzeugen, Gespräche zu führen “und vielleicht auch den Zugang zum Impfstoff nochmal zu vereinfachen, so dass Impfungen weiter erleichtert werden”.

+++ 08:57 Laschet weiter gegen Impfpflicht – “Kaum echte Impfverweigerer” +++
Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet lehnt eine Impfpflicht in Deutschland weiterhin kategorisch ab. “Ich vertraue noch auf die Einsicht der Menschen”, sagt Laschet im ARD-“Morgenmagazin”. Er habe den Eindruck, dass manche beim Thema Impfen nur zu nachlässig seien und nicht darüber nachgedacht hätten. “Echte Impfverweigerer gibt es gar nicht so viele.” Er hoffe, dass sich bei der am Montag beginnenden sogenannten Impfwoche nun möglichst viele weitere Menschen impfen lassen würden, fügt der CDU-Chef hinzu. Er verwies zugleich darauf, dass ab Oktober etwa die für Ungeimpfte vielfach nötigen Schnelltests von den Bürgern selbst bezahlt werden müssten. Das sei “Druck”.

+++ 08:37 3G-Regel an Unis kaum umsetzbar – teils 100.000 Kontrollen täglich nötig +++
Die Hochschulrektoren in Nordrhein-Westfalen halten die 3G-Regel an Universitäten längst nicht überall für praktikabel. “Die Pflicht, alle Studierenden lückenlos mehrfach am Tag auf ‘3G’ zu testen, ist personell und logistisch nicht für alle Veranstaltungsgrößen zu realisieren”, sagt Lambert T. Koch, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW, der “Rheinischen Post”. Denn anders als in Schulen wechselten in den Hochschulen die Lerngruppen im Tagesverlauf mehrfach: “Schon Hochschulen mit zum Beispiel 30.000 Studierenden müssen bis zu 100.000 3G-Kontrollen pro Tag vornehmen, wenn die Studierenden zwei bis drei Veranstaltungen, die Bibliothek, die Mensa und den Hochschulsport besuchen.” In den Gängen vor den großen Hörsälen würden sich dadurch lange Schlangen bilden. Um dies zu bewältigen, müsse zusätzliches Personal gefunden werden. Koch richtet einen Appell an die Landesregierung: “Vor diesem Hintergrund bitten wir auch Gesundheitsminister Laumann, dass ‘3G’ zwar Pflicht bleibt, wir aber bei größeren Veranstaltungen mit Stichprobenkontrollen arbeiten dürfen, wie das zum Beispiel die baden-württembergische Regelung vorsieht.” Die Forderung trifft im NRW-Wissenschaftsministerium bisher nicht auf Gegenliebe: “Nach den aktuellen Bestimmungen werden die drei G – geimpft, genesen, getestet – bei einer Inzidenz von mehr als 35, die derzeit landesweit überschritten wird, die Grundlage für den Präsenzbetrieb an den Hochschulen im Wintersemester sein”, sagt eine Sprecherin des Ministeriums.

+++ 08:10 FDP-Fraktionsvize: Aktionswoche ist Vorwand für Impfzwang +++
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, kritisiert die Initiative für vermehrtes Impfen. “Die Impfaktionswoche der Bundesregierung ist der klägliche Versuch von eigenem Versagen abzulenken”, sagt er dem “Handelsblatt”. Eine Informationskampagne mit Prominenten hätte vor Monaten gestartet werden können. Stattdessen diene die Impfaktionswoche der Bundesregierung als “fadenscheiniger Vorwand, doch noch einen Impfzwang einzuführen”.

+++ 07:47 Inzidenz pendelt um Wert 80 – Todesfälle nehmen zu +++
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat aktuell keine klare Richtung. In den letzten 15 Tagen pendelt sie zwischen 74,8 und 84,3 – aktuell steht sie bei 81,9.

Von den 16 Bundesländer weisen aktuell zwei eine Sieben-Tage-Inzidenz über 100 aus. In Hessen beträgt der Wert 103,9, in Bremen 117,3. Die geringste Inzidenz besteht momentan mit 27,3 in Sachsen-Anhalt.

Auf Kreisebene weist die bayrische Stadt Rosenheim mit 246,9 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz aus. Sieben Kreise oder kreisfreie Städte liegen aktuell über einem Inzidenzwert von 200. Auffällig ist, dass viele Kreise in Bayern eine hohe Inzidenz aufweisen, obwohl dort gerade erst die Sommerferien enden. Deutschlandweit gehen viele Neuinfektionen – und damit auch die gestiegene Inzidenz – im Moment auf junge Menschen, vor allem Schüler, zurück. Die konnten bisher in Bayern und Baden-Württemberg, wo auch erst heute die Schule wieder startet, noch keine Rolle spielen.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt in der zurückliegenden Woche. In der Woche vom 30. August bis 5. September werden 216 Todesfälle gemeldet. In der Woche vom 6. bis zum 12. September sind es 260. Die Zahl der Todesfälle, die am heutigen Montag gemeldet werden (12), ist ebenfalls höher als an beiden vergangenen Montagen.

Beim bundesweiten Blick auf die Kreisebene zeigt sich nach wie vor eine klare Trennung zwischen dem Nordosten/Osten und dem Süden und dem Westen.

+++ 07:18 Lauterbach: Politik versäumt Schutz von Kindern +++
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wirft den politischen Entscheidern im Bund, in den Ländern und Kommunen gravierende Versäumnisse beim Schutz kleiner Kinder vor der vierten Coronawelle vor. “Viele politisch Verantwortliche haben keine Schutzkonzepte für die Kitas entwickelt”, sagt Lauterbach dem “Spiegel”. “Die Kita-Kinder sind fast ungeschützt: Masken und Abstand lassen sich kaum durchsetzen. Es gibt oft keine Luftreiniger und keine Lollitests.” Und bei sinkenden Temperaturen werde sich das Kita-Leben bald wieder in die Innenräume verlagern. Covid-19-Impfstoffe sind für unter 12-jährige Kinder noch nicht zugelassen. Lauterbach zufolge haben sich die Entscheider verkalkuliert. “Große Teile der Politik haben auf das Pandemieende im Oktober gewettet. Das war bar jeder Hinterlegung durch wissenschaftliche Fakten.” Nun komme es anders als erhofft: “Wir werden das Problem im Herbst nicht gelöst haben”, sagt Lauterbach voraus. In Kitas wie auch in den Schulen werde es in den kommenden Wochen deutlich steigende Infektionszahlen geben.

+++ 06:51 Keine Tests vor Klassenfahrten in NRW? +++
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, fordert klarere Corona-Regeln vor Klassenfahrten in NRW. “Ministerin Gebauer sollte einheitliche Regeln für das Testen vorgeben”, sagt der SPD-Abgeordnete der “Rheinischen Post”. Es hat nach seinen Angaben Fälle gegeben, in denen die Schulleitung im Einklang mit Vorschriften des NRW-Schulministeriums PCR-Tests im Unterricht vor Beginn der Klassenfahrt abgelehnt hätte. Der SPD-Bildungspolitiker fordert auch die Übernahme von Transport- und Stornierungskosten bei Schulfahrten durch das Land. Bislang schließen Eltern selbst eine Reiserücktrittsversicherung vor Klassenfahrten für ihre Kinder ab.

+++ 06:30 IT-Systeme von Unternehmen in Pandemie stärker bedroht +++
Die Corona-Krise wirkt sich häufig negativ auf die IT-Sicherheit von Unternehmen aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsbericht des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Arbeit im Homeoffice und die Nutzung privater Hard- und Software erhöhen demnach das Risiko einer Infektion mit Schadenssoftware sowie von Phishing-Attacken. Das sind E-Mails vermeintlich seriöser Absender, mit denen Betrüger zum Beispiel an Passwörter gelangen wollen. Bedroht seien vor allem Firmen mit angespannter wirtschaftlicher Situation, die seltener zusätzliche IT-Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Die Autoren des Berichts hatten in den Jahren 2018/19 insgesamt 5000 Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten befragt. An einer Folgebefragung zwischen Juli und September 2020 nahmen mehr als 600 Firmen erneut teil. 60 Prozent von ihnen berichteten, dass sie innerhalb eines Jahres mindestens auf einen Cyberangriff reagieren mussten. Automatisch abgewehrte Angriffe, durch eine Firewall etwa, sind darin nicht enthalten. In 85 Prozent der Fälle konnten die Cyberkriminellen in einem frühen Versuchsstadium abgewehrt werden.

+++ 06:08 Impf-Aktionswoche startet – Karliczek: Hohe Impfquote schützt vor allem Kinder +++
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ruft zum Start der bundesweiten Impf-Aktionswoche zu einer breiten Teilnahme auf. “In dieser Woche sollten sich alle die, die sich bisher nicht haben impfen lassen, einen Ruck geben”, sagt sie. Sie wolle “daran erinnern, dass eine hohe Impfquote jetzt auf besondere Weise unseren Kindern nützt”. Für Kinder unter zwölf gibt es bisher keine zugelassenen Corona-Impfstoffe. “Ihre Gesundheit ist also umso besser geschützt, je mehr Jugendliche und Erwachsene sich impfen lassen”, betont Karliczek. “Eine hohe Impfquote wird auch dazu beitragen, dass die Schule in den nächsten Monaten weiter normal laufen kann. Wir alle können und sollten dazu beitragen, die Zeit der Unsicherheit an den Schulen endgültig zu überwinden.” Auch Jugendlichen ab zwölf Jahren empfiehlt Karliczek die Impfung. “So können sie aktiv dazu beitragen, dass wir das allgemeine Infektionsgeschehen in den Griff bekommen.” Vor allem aber könnten die jungen Menschen dann “sorgenfreier leben und haben auch wieder mehr Möglichkeiten, das Leben zu genießen”.

+++ 05:12 RKI meldet 5511 Neuinfektionen – Inzidenz steigt auf 81,9 +++
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 5511 neue Positiv-Tests. Das sind 762 mehr als am Montag vor einer Woche, als 4749 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 81,9 von 80,2 am Vortag. Zwölf weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 92.618. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 4,08 Millionen Corona-Tests positiv aus.

+++ 04:24 Mehrheit will weiterhin im Homeoffice arbeiten +++
Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland, die während der Pandemie im Homeoffice gearbeitet haben, wollen das einer Yougov-Umfrage zufolge auch weiterhin tun. Die Beliebtheit des Arbeitens in den eigenen vier Wänden habe im Zuge der Pandemie noch zugenommen, teilte der Energieversorger Eon mit, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Bei der Umfrage hätten 71 Prozent der Befragten den Wunsch geäußert, auch künftig im Homeoffice arbeiten zu können. Zu Beginn der Pandemie seien es im Mai vergangenen Jahres nur 58 Prozent gewesen. Ständig zu Hause arbeiten möchte ein gutes Viertel (26 Prozent) der Befragten.

+++ 03:22 Bundesweite Impfaktionswoche startet +++
Mit einer bundesweiten Impfaktionswoche soll in den kommenden Tagen die Impfquote nach oben getrieben werden. Ob am Fußballplatz, im Einkaufszentrum oder bei Festen: Alle Bürger sollen teils ohne Termin und kostenfrei eine Schutzimpfung erhalten können. Neben den dauerhaften Impfmöglichkeiten etwa in den Impfzentren stehen zahlreiche temporäre Angebote zur Verfügung. Auf der Webseite zusammengegencorona.de sind zahlreiche der besonderen Impfaktionen aufgelistet. Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU rief die Bürger gestern auf, die Angebote zu nutzen. “Nie war es einfacher, eine Impfung zu bekommen. Nie ging es schneller”, sagte sie. Die Aktionswoche dauert bis zum 19. September. Derzeit sind rund 62 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig gegen Corona geimpft.

+++ 02:15 Städte- und Gemeindebund fordert Einsatz von Promis als “Impfbotschafter” +++
Zum Start der bundesweiten Aktionswoche für die Corona-Impfungen hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund einen verstärkten Einsatz von Promis in der Werbung für die Immunisierung gefordert. Es sei immer hilfreich, “wenn Prominente aus Kunst, Kultur und Sport sich klar zur Impfung bekennen und dazu aufrufen”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, der Düsseldorfer “Rheinischen Post”. “So wie wir etwa Lesebotschafter haben, sollte es auch Impfbotschafter geben”, verlangte er.

+++ 23:57 Aiwanger: Ungeimpfte in Quarantäne sollen weiter Lohn bekommen +++
Der bayerische Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger hat sich dagegen ausgesprochen, Ungeimpften in Quarantäne künftig keinen Ausgleich für Lohnausfälle mehr zu zahlen. Das sei die Einführung eines Corona-Impfzwangs durch die Hintertür, sagte der Chef der Freien Wähler in Mainz mit Blick auf entsprechende Pläne mehrerer Landesregierungen. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek von der CSU hatte vor einigen Tagen im ZDF gefordert, dass Ungeimpfte keinen Anspruch mehr auf Lohnfortzahlung haben sollen, wenn sie in Quarantäne müssen.

+++ 22:19 Irak erhält mehr als 100.000 Impfdosen über Covax-Initiative +++
Der Irak hat 100.800 Impfdosen des Vakzins Astrazeneca erhalten. Es handele sich um eine Spende Italiens im Rahmen der internationalen Initiative Covax, teilt das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit. Insgesamt habe Italien die Lieferung von 15 Millionen Dosen zugesagt. Covax versorgt Entwicklungsländer mit Impfstoffen gegen das Coronavirus. Die irakische Bevölkerung steht der Impfung gegen das Coronavirus mehrheitlich skeptisch gegenüber. Bislang haben nach jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als vier Millionen Iraker eine oder zwei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten, das sind etwa zehn Prozent der rund 40 Millionen Iraker.

+++ 21:28 So entwickelt sich die Sieben-Tage-Inzidenz in den Bundesländern +++
Die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz in den einzelnen Bundesländern stellt sich wie folgt dar.

  • In neun von 16 Bundesländern (Vortag: fünf von 16) steigt der Wert im Vergleich zum Vortag an
  • In 7 von 16 Bundesländern (Vortag: elf von 16) sinkt der Wert im Vergleich zum Vortag
  • Weiterhin liegen drei von 16 Bundesländern über einer Inzidenz von 100
  • “Spitzenreiter” bleibt Bremen – “Schlusslicht” bleibt Sachsen-Anhalt

+++ 20:57 Wochenbilanz: Behörden registrieren 73.173 Infektionen +++
In den zurückliegenden sieben Tagen haben die Landesbehörden bundesweit insgesamt 73.173 neue Fälle registriert. Das sind 277 neu gemeldete Fälle weniger als in KW 35 (damals 73.450 neu gemeldete Fälle). Damit gibt es nach zuvor neun Wochen in Folge mit jeweils im Wochenvergleich steigenden Zahlen erstmals wieder einen Rückgang, wenn auch nur einen minimalen um 277 Fälle (-0,38 Prozent). Die Zahl der übermittelten Todesfälle erhöhte sich in der zu Ende gehenden Kalenderwoche 36 um insgesamt 263 Verstorbene (Vorwoche: plus 216 Verstorbene).

+++ 20:25 Aktuelle Datenlage in Deutschland: 7516 neue Fälle gemeldet +++
Die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Infektionen in Deutschland ist auf 4.080.601 gestiegen. Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Landesbehörden hervorgeht, kamen damit 7516 neue Fälle hinzu (Vorwoche: 9090). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Infektion stieg um 10 (Vorwoche: 18) auf 92.604. Als aktuell infiziert gelten rund 169.000 Personen.

Die Ansteckungsrate (7-Tage-R-Wert) wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) mit 0,97 angegeben (Vortag: 1,04). Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 1452 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 757 davon werden beatmet. Rund 4255 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Weitere Informationen zu den wichtigsten Corona-Daten können Sie hier nachlesen.

+++ 20:03 Braun: Bürgernahe Impfangebote auch noch nach Aktionswoche +++
Die in der neuen Woche geplanten besonderen Impfangebote sollen auch danach fortgeführt werden. Das kündigt Kanzleramtsminister Helge Braun im ZDF an. “Das endet nicht mit der Impfwoche, das wird in den nächsten Wochen fortgesetzt”, sagt er. Die direkten und bürgernahen Impfangebote im Rahmen der Aktionswoche sollen dazu beitragen, eine vierte Welle der Pandemie im Winter noch zu verhindern. “Wenn wir nichts tun, dann kommt sie ziemlich sicher”, sagt Braun.

+++ 19:03 Bericht: Lockdown wäre viermal teurer als Ausschluss von Ungeimpften +++
Ein erneuter Lockdown für alle Bundesbürger würde einem Bericht zufolge viermal so hohe finanzielle Schäden verursachen wie ein Ausschluss Ungeimpfter. Das zeigen Berechnungen des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), wie das “Handelsblatt” berichtet. Erneute Einschränkungen würden demnach je nach Ausgestaltung zwischen 6,5 und 52 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten. Als akut von Einschränkungen bedroht gelten dem Bericht zufolge die Anbieter von kontaktintensiven Dienstleistungen. Dazu gehören Restaurants, Tourismus, Kunst und Kultur.

Alle Entwicklungen des Vortages lesen Sie hier.

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Täglich tote Tiere, aber ein Gewinn für die Lebenden: Arbeit in der Tierhygiene


Aus den großen metallenen Lüftungsrohren strömt ein stechender Verwesungsgeruch. Die gelben Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht, Biogefährdung“ und „Betreten verboten“ lassen auf den Herkunftsort dieser Ausdünstungen schließen: eine mit einer schweren Eisentür verschlossene Kühlkammer. „Im Sommer ist dieser Geruch besonders schlimm“, sagt Klaus-Jürgen Danner, Tierarzt und Virologe des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts in Freiburg im Breisgau, kurz CVUA. Seit 30 Jahren arbeitet der hobbymäßige Motorradfahrer nun schon in der Tierhygiene, obwohl er früher ganz andere Pläne hatte: „Ursprünglich wollte ich Großtierpraktiker werden.“ Dann habe er am Labor jedoch so großen Gefallen gefunden, dass er seinen jetzigen Berufspfad einschlug. „An dieser Entscheidung habe ich auch nichts verloren, weil ich nun nicht Wind und Wetter ausgeliefert bin, sondern stattdessen in einem warmen Labor sitze, ein sicheres Einkommen kriege und einen unheimlich spannenden Beruf habe, der mir viel Freude bereitet.“ Das Tolle an seinem Beruf sei, dass er ständig vor neue Herausforderungen gestellt werde, wie zum Beispiel zurzeit bei der Geflügelpest und der Afrikanischen Schweinegrippe.

Von Pferden bis zu Bienen

Seit Weihnachten beschäftigen der 63-Jährige und seine Kollegen sich mit der Geflügelpest bei Hausgeflügel und Wildvögeln. Dabei bekommen sie öfters sogenannte Tupferproben, das sind Wattebäusche mit Abstrichen von den Schleimhäuten der toten Tiere. Diese werden im Labor mit Auge und Mikroskop untersucht und anschließend bei einem Erregernachweis auf das Virus geprüft. Neben den erwähnten Tupferproben werden im Labor Blutproben, Kotproben, Gewebeproben und auch Sockentupferproben untersucht. Sockentupferproben, erklärt Herr Danner, seien dabei Socken mit einer bauschigen Unterseite, die man über die Schuhe ziehen kann. Mit ihnen läuft man dann zum Beispiel im Hühnerstall durch den Kot und die Flüssigkeit, sodass die aufgenommenen Stoffe dann anschließend überprüft werden können. Im CVUA wird eine große Bandbreite an Tieren untersucht. Von Pferden, Rindern und Hunden gehe es bis zu Mäusen, Fischen und sogar Bienen. Das genaue Prozedere beim Sezieren laufe so ab: Die Tierleichen werden aus dem Kühlraum geholt. Großtiere werden dann mit einem Kran auf Sektionswagen gehoben und mit verschiedenen Werkzeugen aufgeschnitten, für Kleintiere gibt es größenverstellbare Edelstahltische. Im weiteren Verlauf werden Organe angeschaut, entnommen und in Labore weitergegeben, die diese dann auf Viren und Krankheiten untersuchen. In so einem Labor arbeitet Klaus-Jürgen Danner. Um 8 Uhr früh Am Moosweiher 2 im Dienstgebäude der Tierhygiene beginnt für ihn sein Arbeitstag. Am Morgen kommen die ersten Tierkörper und Proben mit der Post an, die dann nach und nach im EDV-System des Laborjournals erfasst werden.

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Ritzen: Warum ritzen sich so viele Jugendliche? | Behandlung von SVV

Für viele mag das unvorstellbar sein, dennoch kommen Ritzen und andere Selbstverletzungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer wieder vor. Was sind die Gründe? Wie können Eltern helfen? Tipps von Medizinern und Psychologen lesen Sie hier.

Überblick
  • So viele Jugendlichen haben sich schon einmal geritzt
  • Was ist Selbstverletzendes Verhalten (SVV)? 
  • Was sind die Ursachen für das Ritzen?
  • Ritzen ist keine Lösung – was wirklich Hilfe verspricht
  • Hilfe: Strategien zur Bewältigung negativer Gefühle entwickeln
  • So können Eltern helfen

Zuerst kneifen sie sich vielleicht nur in den Arm oder schlagen mit der Faust an die Wand. Doch irgendwann reicht das nicht mehr, um die große innere Spannung abzubauen – und Betroffene ritzen sich mit einem Messer in den Unterarm.

So viele Jugendlichen haben sich schon einmal geritzt

Wie viele Menschen davon betroffen sind, ist nicht genau erfasst. Eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg ergab vor einigen Jahren, dass sich rund ein Drittel aller Schülerinnen zwischen 14 und 16 Jahren im Rhein-Neckar-Kreis schon einmal absichtlich eine Schnittverletzung zugefügt hat. Etwa 18 Prozent der Schülerinnen und acht Prozent der Schüler tun dies demnach häufiger.

Was ist Selbstverletzendes Verhalten (SVV)? 

“Unter selbstverletzendem Verhalten (SVV) wird das absichtliche Zufügen von äußerlichen Wunden verstanden”, erklärt der Psychiater Michael Armbrust, Chefarzt der Schön Klinik Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein und langjähriger Experte auf dem Gebiet der Persönlichkeitsstörungen. Dazu gehörten zum Beispiel Schnitte mit dem Messer oder anderen Klingen, Beißen, Verletzungen mit einem heißen Bügeleisen oder das Ausdrücken von Zigaretten auf der Haut. “Dabei werden meist die Arme und Beine verletzt”, sagt er. Ritzen ist nur eine Form von selbstverletzendem Verhalten.

Was sind die Ursachen für das Ritzen?

Aber woher kommt der Drang, sich selbst zu verletzen? “Das kann verschiedene Ursachen haben”, berichtet die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Inka Saldecki-Bleck. Meist spiele eine depressive Entwicklung eine wichtige Rolle. “Oft liegt es an Störungen in der Kindheit.” Es könne zum Beispiel sein, dass jemand als Kind abgelehnt wurde, wenig Liebe erfahren hat und so kaum ein Selbstwertgefühl entwickeln konnte.

“Auch ein traumatisches Erlebnis kann eine Ursache sein”, sagt die Psychologin. Beispiele sind sexueller oder emotionaler Missbrauch, eine schlimme Scheidung der Eltern oder der frühe Tod eines Elternteils. Auch Liebeskummer oder Mobbing in der Schule können überfordern und zu autoaggressivem Verhalten führen. “Dinge wie diese können unter anderem dazu führen, dass man innerlich wütend ist, viel mit sich machen lässt und sich nicht durchsetzen kann.” Dadurch kann sich Spannung aufbauen, die irgendwie raus muss.

Tipp: Auch nach einem psychischem Heilungsprozess bleiben oft Narben auf der Haut zurück. So pflegt man diese am besten.

“Betroffene berichten, dass sie durch das Ritzen oder anderes selbstverletzendes Verhalten inneren Druck abbauen können”, sagt der Mediziner Armbrust. Außerdem hätten viele Betroffene das Gefühl, neben sich zu stehen, sich und ihr Leben von außen zu beobachten – ein Gefühl von Taubheit und gewisser Leere. “Sie berichten, dass sie sich durch das Ritzen wieder spüren und lebendig fühlen.”

Ritzen ist keine Lösung – was wirklich Hilfe verspricht

Eine wirkliche Hilfe ist das selbstverletzende Verhalten nicht. Denn die eigentlichen Probleme verschwinden damit nicht. Besser ist es, sich jemandem anzuvertrauen – und professionelle Hilfe zu holen. “Man muss sich für dieses Verhalten nicht schämen”, betont Expertin Saldecki-Bleck. “Es ist besser, sich Hilfe zu suchen, als das alles mit sich selber abmachen zu wollen.” Zum Beispiel könnten Kinder- und Jugendberatungsstellen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten oder spezielle Ambulanzen erste Anlaufstellen sein – auch für Eltern, die bemerken, dass sich ihre Kinder selbst Verletzungen zufügen.

Hilfe: Strategien zur Bewältigung negativer Gefühle entwickeln

Hilfe gibt es auch in vielen Kliniken. “Wir können zum Beispiel Medikamente geben, um die unerträgliche Spannung abzubauen”, sagt Armbrust. “Das kann schon sehr schnell helfen.” Noch besser ist jedoch eine spezielle Therapie, die häufig stationär in einem Krankenhaus erfolgt. “Dabei lernen die Patienten, mit dem selbstverletzenden Verhalten aufzuhören.” Viele der Betroffenen ritzten sich nach vier bis sechs Wochen nicht mehr.

Als Ersatz könne dabei ein Verhalten dienen, das einen ähnlichen Effekt zum Spannungsabbau hat, aber deutlich weniger schädlich ist, zum Beispiel kaltes Duschen oder der Verzehr einer Chilischote. “Außerdem trainieren wir in einer Verhaltenstherapie, wie man mit seinen Problemen anders umgehen kann.” Dafür muss man aber Geduld mitbringen: “Nach etwa zwei Jahren spüren viele Patienten eine deutliche Besserung und Linderung.”

So können Eltern helfen

Diese Tipps von Professor Jörg Fegert, ehemaliger Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP), können besorgten Eltern eine erste Hilfe sein. Wichtig ist aber immer, sich rasch professionelle Hilfe zu suchen, um dem Jugendlichen zu helfen.

  • Verletzen sich Kinder selbst, sollten Eltern darauf nicht mit Vorwürfen oder Drohungen reagieren. Dies könne Kinder unter Druck setzen und die Situation noch weiter verschärfen.
  • Am besten wenden sich Mutter oder Vater zunächst an eine Beratungsstelle, bevor sie mit ihrem Kind reden. So können sie herausfinden, wie sie das Problem am besten ansprechen.
  • Im Gespräch mit ihrem Kind sollten Eltern zeigen, dass sie es ernst nehmen und ihm helfen möchten.
  • Selbstverletzendes Verhalten wie Ritzen tritt meist begleitend zu einer psychischen Störung oder Krankheit wie Depression, Borderline- oder Essstörung auf. Die Selbstverletzung ist für Erkrankte oft ein Mittel, um inneren Druck abzubauen oder sich von unangenehmen Gefühlen abzulenken.
  • Ist das Kind gesprächsbereit, sollten Eltern es dazu ermutigen, sich in therapeutische Hilfe zu begeben. In der Therapie geht es darum, die Ursachen für die Selbstverletzung herauszufinden und andere Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
  • Das Forum “Rote Tränen” bietet erste Hilfe und Informationen für Betroffene und Angehörige.
Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, dpa-tmn

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Zahl der Hauptschulen in Deutschland nahezu halbiert

Die Zahl der Hauptschulen in Deutschland hat sich binnen zehn Jahren nahezu halbiert. Den Realschulen erging es ähnlich. Schuld ist ein bundesweiter Trend.

Die Zahl der Hauptschulen in Deutschland ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts zwischen den Schuljahren 2006/07 und 2016/17 um 45 Prozent auf 2.600 zurückgegangen. Doch auch die Zahl der Realschulen ist rückläufig. Diese verringerte sich im gleichen Zeitraum um 30 Prozent.

Zugleich stieg die Zahl der integrierten Gesamtschulen stark an, wie die Behörde in der Broschüre “Schulen auf einen Blick 2018” weiter mitteilt. Ihre Zahl verdreifachte sich zwischen 2006/07 und 2016/17 fast auf 2.100. Auch die Zahl von sonstigen Schulen mit mehreren Bildungsgängen erhöhte sich in dieser Zeit um 40 Prozent.

Hauptschulen: Grund für den Rückgang

Hintergrund dieser Entwicklung sind demnach Umstrukturierungen in der Schullandschaft. Viele Länder schafften die Hauptschule ab oder sind dabei, dies zu tun. Entsprechend verschoben sich die Gewichte.

Während der Anteil der Gymnasien an allen allgemeinbildenden Schulen sich in zehn Jahren lediglich leicht von 8,5 Prozent auf 9,3 Prozent erhöhte, sanken der Anteil der Hauptschulen von 13,3 Prozent auf 7,8 Prozent und der Anteil der Realschulen von 8,1 Prozent auf 6,2 Prozent. Der Anteil integrierter Gesamtschulen stieg von 1,9 Prozent auf 6,1 Prozent.

Insgesamt besuchte 2016/17 etwa ein Drittel aller Schüler nach der Grundschule ein Gymnasium (34,2 Prozent), etwa ein Fünftel eine Realschule (20,6 Prozent) und ebenfalls beinahe ein Fünftel eine integrierte Gesamtschule (18,3 Prozent). Mehr als ein Zehntel ging auf eine Schule mit mehreren Bildungsgängen (12,6 Prozent) und lediglich rund ein Zehntel auf eine Hauptschule (10,3 Prozent).

Verwendete Quellen:

  • AFP

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Hier unterrichten Lehrer Menschen – und keine Fächer

Hier unterrichten Lehrer Menschen – und keine Fächer

Die Martinschule in Greifswald hat den Deutschen Schulpreis 2018 erhalten. Am Schulzentrum, das in einem Plattenbaugebiet liegt, ist vieles anders: Schüler lernen in Stammgruppen, Inklusion wird seit Jahren gelebt. Der Abiturschnitt liegt über dem des Landes.

Der Greifswalder Stadtteil Schönwalde 1 ist ein typisches DDR-Plattengebiet, die meisten Häuser sind inzwischen saniert, dennoch sind die Mieten vergleichsweise gering. Schönwalde 1 ist kein sozialer Brennpunkt, aber auch kein Stadtteil der Reichen.

Martinschule in Greifswalld erhält für ihr Konzept Schulpreis

Inmitten des Viertels liegt das Evangelische Schulzentrum Martinschule. In der freien Schule lernen körperlich und geistig behinderte Kinder mit Durchschnittsschülern und Hochbegabten. Auf dem Schulflur grüßen die Schüler die Lehrer und umgekehrt, an den Türen der Unterrichtsräume hängen Fotocollagen der Klassen, die ab der 5. Jahrgangsstufe “Stammgruppen” heißen. Auf einer Fotocollage steht: “Die Welt ist voller Wunder und wir sind 11 davon.” Für ihr Konzept hat die Schule am Montag den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung erhalten.

Während sich viele staatliche Schulen mühevoll an das Thema Inklusion herantasten, wird der Begriff hier seit 16 Jahren gelebt. 1992 wurde die Einrichtung als Schule für geistig behinderte Kinder gegründet. Seit 2002 besteht die Grundschule. 2006 wurde die Integrierte Gesamtschule gegründet. Sie führt inzwischen Schüler bis zum Abitur. Als freie Schule erhebt das Schulzentrum Schulgeld und das in einer Gegend, wo viele Familien von Hartz IV leben.

Deutscher Schulpreis: Benjamin Skladny (vorne links), Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule in Greifswald, sowie Schüler und Lehrer nehmen von Anja Karliczek (M, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2018 den ersten Preis entgegen. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Deutscher Schulpreis: Benjamin Skladny (vorne links), Schulleiter des Evangelischen Schulzentrums Martinschule in Greifswald, sowie Schüler und Lehrer nehmen von Anja Karliczek (M, CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2018 den ersten Preis entgegen. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Morgenkreis, Lernen in Schulwohnungen, Selbstplanung

Schulleiter Benjamin Skladny erinnert sich an die Vorurteile, die ihm damals entgegenschlugen: “Da gründet ihr hier eine Schule, zu der die Reichen ihre Kinder mit fetten Autos kutschieren.” Heute schmunzelt der 56-Jährige darüber. Inzwischen gingen viele Kinder aus dem Viertel in die Schule. Es gebe Eltern, die sparten das Schulgeld zusammen. Manchmal legen Oma und Opa etwas dazu. Wessen Eltern nicht mehr zahlen können, fliege nicht von der Schule. In der Grundschule zahlen Eltern 95 Euro, in der Gesamtschule 170 Euro pro Monat. Für Geschwisterkinder gelten Rabatte.

Vieles ist zunächst verwirrend anders: Die ersten und zweiten Klassen lernen in Schulwohnungen, der Schultag beginnt hier mit sanftem Glockengeläut statt einer schrillen Klingel. Ab der dritten Klasse beginnen die Kinder mit der Selbstplanung ihrer Schulwoche. “Die Lehrer achten darauf, dass sich Kinder frühzeitig ihren eigenen Lernweg suchen”, sagt Grundschulkoordinatorin Liane Massow. Jeder Schultag beginnt mit einem Morgen- und endet mit einem Abschlusskreis, in dem die Kinder ihre Tagesziele formulieren und zum Abschluss bilanzieren.

Der Abiturdurchschnitt an der Martinschule liegt bei 2,1

Auf der Homepage der Martinschule heißt es, man sei eine “Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen willkommen sind, Mädchen und Jungen mit Begabungen aller Art, mit Handicap und Kinder aus verschiedenen Kulturen, mit und ohne Religionen”. Der Abiturdurchschnitt an der Martinschule liegt mit 2,1 über dem Landesdurchschnitt von Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3.

Wie kann das sein? Ein Grund mag der bessere Personalschlüssel an einer Schule mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sein. An der Martinschule haben 45 Prozent der 553 Kinder diesen Bedarf. Für sie gelten höhere Schulkostensätze, die die Schule in Personal investiert.

In Klasse 1a sitzen 13 Kinder mit Klassenlehrerin Anne Daedelow, zwei Integrationshelfern und einer Pädagogischen Unterrichtshilfe auf dem Teppich. In der Mitte steht eine Kerze. Die Kinder singen: “Ich kann mich freuen, denn ich bin nicht allein.” Melinda ist eine von drei geistig behinderten Kindern. Sie sitzt in den Armen von Daniela Schubert, ihrer Integrationshelferin. “Melinda profitiert in dieser Klasse so stark von ihren Mitschülern”, sagt Schubert. Sie habe gelernt, erste Wörter zu sprechen, könne sich für mehrere Minuten konzentrieren. Melindas Schulziel wird es sein, später möglichst ein selbstständiges Leben zu führen.

Für den Englischunterricht in ihrer 5. Klasse an der Martinschule in Greifswald bereitet Sophie (3.v.l.) eine Präsentation vor. (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)Für den Englischunterricht in ihrer 5. Klasse an der Martinschule in Greifswald bereitet Sophie (3.v.l.) eine Präsentation vor. (Quelle: Bernd Wüstneck/dpa)

Inklusion wird in den höheren Klassen zur Herausforderung

Ihr Klassenkamerad Mika strebt schon jetzt nach Höherem: Aus einem Blumenkreis mit Fotos und Namensbezeichnungen sucht er die passenden Frühblüher heraus. Möglich werde die Förderung der individuellen Begabungen durch die Erstellung von Lernplänen, die dem jeweiligen Niveau der Kinder angepasst seien, sagt Daedelow.

Schulleiter Skladny verschweigt nicht, dass Inklusion für die Lehrer in den höheren Klassen zur Herausforderung werden kann, wenn die Schere der individuellen Lernniveaus auseinandergeht. Die Klassenverbandsstrukturen sind ab der 5. Klasse aufgelöst. Nach dem Morgenkreis suchen sich die Schüler ihre Lerngruppen innerhalb der Jahrgangsstufe. Für alle gilt der gleiche Stundenplan, doch wird in den Gruppen verschieden gelernt: mal schneller, mal praktischer. Die Abiturstufe sei frontaler als die unteren Klassenstufen, sagt Skladny. “Noch!” Ansatz der Lehrer sei, Menschen zu unterrichten und keine Fächer.

Ob es an der Martinschule besser ist als woanders? “Es ist bei uns grundsätzlich anders als das gesamte Schulsystem in Deutschland, das ich für fast unreformierbar halte”, antwortet Skladny. Ausgehend von einer Behindertenschule seien an der Martinschule alle daran gewöhnt gewesen, im Team zu arbeiten. “Inklusion kann gelingen, sie muss aber aus den Schulen wachsen und kann nicht von oben verordnet werden.”

Verwendete Quellen:

  • dpa

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