Kategorie -Jugendliche

Migräne bei Kindern: Schmerzmittel meiden und Ursache feststellen

Auch Kinder können unter Migräne leiden. Der Griff zum Schmerzmittel ist dann meist kein guter Rat. Oft können schon Ruhe in einem abgedunkelten Raum und ein kühles Tuch auf der Stirn helfen. Am besten lassen Eltern sich aber vom Arzt beraten.

Bei Migräne-Attacken sollten Eltern ihren Kindern “keinesfalls eigenständig Medikamente geben beziehungsweise Jugendliche ohne ärztliche Beratung zu Schmerzmitteln greifen”, warnt der Kinderarzt Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Denn es kann passieren, dass diese langfristig weniger wirken oder auf Dauer zusätzliche Kopfschmerzen auslösen.

Kinder legen sich am besten in einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Ein kühles, feuchtes Tuch auf der Stirn lindert die Schmerzen. Außerdem kann es helfen, wenn Eltern die Schläfen, den Scheitel und den Nacken mit Pfefferminzöl einreiben. 

Mögliche Auslöser finden

Wichtig ist, dass andere Erkrankungen ausgeschlossen sind, bevor der Arzt die Diagnose Migräne stellt. Dann sollten Kinder und Jugendliche über ihre Migräne und mögliche Auslöser aufgeklärt werden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung können Migräne-Attacken vorbeugen.

“Bei stärkeren Kopfschmerzen gibt es eine Auswahl von Substanzen, die sich für Kinder und Jugendliche eignen”, erklärt Nentwich. Darüber sollten Eltern sich beraten lassen – im Zweifel überweist der Kinder- und Jugendarzt an einen spezialisierten Facharzt.

Migräne: Das sind Symptome

Die Symptome der Migräne bei Kindern sind ähnlich wie bei Erwachsenen: starke, hämmernde Kopfschmerzen, die oft mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden sind. Meist dauert eine solche Attacke bei Kindern einige Stunden.

Der BVKJ verweist auf Schätzungen, nach denen zehn Prozent der Kinder zwischen fünf und 15 Jahren sowie gut ein Viertel (28 Prozent) der Jugendlichen zwischen 15 bis 19 Jahren von Migräne betroffen sind.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Dutzende Autos angezündet: Krawallnacht beunruhigt Schweden


Im Westen Schwedens gehen etliche Autos in Flammen auf. Kaum löscht die Feuerwehr einen Brandherd, geht es schon zum nächsten. Die Täter sind vermummte Jugendliche. Zwei von ihnen werden festgenommen.

Vermummte Jugendliche haben in der Nacht im Südwesten Schwedens rund 100 Autos in Brand gesetzt und die Polizei angegriffen. Nach Medienberichten wurden allein in Göteborg mindestens 88 Fahrzeuge zerstört oder schwer beschädigt, in weiteren Orten, darunter Helsingborg und Malmö, spielten sich ähnliche Szenen ab. Teils seien Polizisten mit Steinen beworfen worden.

Augenzeugen berichteten von vermummten, schwarz gekleideten Jugendlichen, die die Fahrzeuge in Brand gesetzt hatten. Die Vermummten seien in kleinen Gruppen von Auto zu Auto gelaufen, hätten die Scheiben eingeschlagen, brennbare Flüssigkeit in die Fahrzeuge gekippt und diese angezündet.

Recht schnell konnte die Polizei mehrere der mutmaßlichen Täter identifizieren. Zwei junge Männer wurden festgenommen, ein weiterer wurde noch gesucht. Die meisten Täter sind laut Polizei ältere Teenager oder um die 20 Jahre alt. 

Die Ermittler gingen von einer koordinierten Aktion aus, sagte ein Sprecher. Möglicherweise hätten sich die Jugendlichen über soziale Medien abgesprochen. Es habe eine Art Startsignal gegeben. Der sozialdemokratische Regierungschef Stefan Löfven sagte im Radio: “Ich bin richtig wütend.” Die schwedische Gesellschaft werde auf diese Zerstörung reagieren, versprach er. “Was zur Hölle tut ihr da?” Die Angriffe seien scheinbar wie eine Militäroperation koordiniert gewesen.

Konservative Politiker kritisierten, Schweden habe solche Aufruhr schon viel zu lange toleriert. Jetzt müsse damit Schluss sein. Die Aktion kam nur wenige Wochen vor der schwedischen Parlamentswahl im September.

Welche Gründe die Jugendlichen für ihre Angriffe hatten, war zunächst unbekannt. Allem Anschein nach sei es allein darum gegangen, den Nachbarn und Mitmenschen zu schaden, erklärte die Polizei Göteborg. Ein Mitarbeiter der dortigen Sicherheitskräfte sprach von einer «beängstigenden Lage». Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Das doppelte Plänchen

Rupert-Mayer-PlatzDas doppelte Plänchen

Der den Jugendlichen zugedachte Platz  unter der Paulinenbrücke ist ohnehin eher schaurig als schön und inzwischen auf einen Quadratmeterzahl nahe null geschrumpft. Foto: Achim Zweygarth

S-Mitte/S-Süd – Das Ärgernis hat Geschichte. Die Einfahrt war dort, sie ist dort, sie bleibt dort. Vor allem: Sie war nie, auch nicht zwischenzeitlich, gestrichen oder an einer anderen Stelle geplant. So würde es jedenfalls Wolf Gläser vom Stadtplanungsamt schwören. „Alle, auch die, die sich jetzt wundern, wussten das“, sagt er. „Ich könnte Ihnen die E-Mails zeigen“.

Die Einfahrt ist die Zufahrt in die Tiefgarage des „Pauline“ getauften Bürokomplexes an der Paulinenstraße 21. Die Strabag baut den siebenstöckigen Komplex, dessen 4400 Quadratmeter Fläche im Herbst nächsten Jahres bezogen sein sollen. Die Einfahrt führt unter der Paulinenbrücke durch. Eben dort wollten die Nachwuchsparlamentarier der Jugendräte Mitte und Süd anderes bauen: eine Fläche für die Jugend. Die Pläne dafür reifen bereits seit 2008. Die Stadt hat mit der Ausarbeitung sogar ein externes Büro beauftragt. Allerdings offenbarte sich durch einen Text in dieser Zeitung den Jugendräten, dass sie an einem Plan arbeiten, der höchstwahrscheinlich keine Chance auf eine Verwirklichung hat, auch wenn, wie Gläser sagt, „Stand heute die Pläne genau so verwirklicht werden können, wie sie sind“. Dazu müsste aber die Strabag auf die Zufahrt verzichten, was theoretisch möglich, praktisch höchst unwahrscheinlich ist.

Bezirksvorsteherin fordert Ersatzgrundstück

Die Jugendräte sind keineswegs die einzigen, die sich jetzt genarrt fühlen. Selbst Veronika Kienzle, die ansonsten stets bestens informierte Bezirksvorsteherin der Stadtmitte, ahnte nichts von den Strabag-Plänen. „Das ist wirklich bitter“, sagt sie und fordert, dass die Stadt ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellt. Der Bezirksbeirat Mitte will das Rätsel zunächst geklärt wissen. Danach wird er sich Kienzles Forderung wohl anschließen. Die Ratskollegen im Süden werden sich im Herbst besprechen. Ihr Protest ist ebenso gewiss.

Für die Pläne der Jugendräte ist das Gartenamt zuständig, für die von der Strabag das Stadtplanungsamt. Der Gemeinderat hat die Pläne für den Pauline-Komplex bereits vor zehn Jahren genehmigt. Allerdings verschob die Strabag den Baubeginn immer wieder. Zwischenzeitlich sollten in dem Neubau keine Büros eingerichtet werden, sondern eine Tagesklinik. Ungeachtet dessen „gibt es den Vertrag seit 2002“, sagt Gläser. „Da gibt es nichts zu deuteln.“ Immer war in jenen Plänen jene Zufahrt eingezeichnet. Nachdem der Gemeinderat begann, mit dem Abriss der Paulinenbrücke zu liebäugeln und Phoenix gleich nebenan sein Einkaufszentrum Gerber plante, schlug das Stadtplanungsamt vor, die zwei Zufahrten für beide Komplexe zu vereinen. Die Stadträte interessierten sich dafür nicht sonderlich, die beiden Unternehmen halten von der Umplanung wenig. „Einer der Beteiligten lehnt das ab“, sagt Gläser, „weil ein Investor ungern über ein fremdes Grundstück zufährt.“ Es ist also kein Problem der Technik, sondern des Eigentumsrechts. Kienzle fasst das so zusammen: „Wenn zwei Erwachsene sich nicht einig werden, muss die Jugend zurückstehen.“

Ungeachtet dessen bleibt ein Rätsel, warum ein Amt ein Grundstück überplant, das ein anderes längst überplant hat. „Alle beteiligten Ämter wissen, dass es diesen Plan gibt“, sagt Gläser und meint selbstverständlich den des Stadtplanungsamts. Ursprünglich wollte der Bezirksbeirat Mitte in seiner letzten Sitzung vor der politischen Sommerpause erklärt bekommen, warum „hier Arbeitskraft und Geld verschwendet wurde“, wie es der SPD-Beirat Karl-Stephan Quadt formulierte. Dies Sitzung verging allerdings ohne Erklärung. Nun wird die Frage nach den Sommerferien beantwortet – wenn überhaupt.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Cybermobbing per WhatsApp trifft immer mehr Schüler

Von Cybermobbing waren zunächst nur wenige betroffen. Inzwischen ist ein weit verbreitetes Phänomen – auch weil Schulen nicht genug dagegen vorgehen.

Um ihrem Freund zu gefallen, schickt ihm die 14-jährige Sophie (Name geändert) Bilder von sich mit nacktem Oberkörper. Nach der Trennung gibt er die Fotos per WhatsApp an gemeinsame Mitschüler weiter. Sophie habe sich damals selbst die Schuld gegeben, erzählt Birgit Kimmel von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen. Sie habe sich gedacht: “Ich hab’s ja selbst weitergeschickt”.

Erst Fotos verschickt, dann in psychologischer Betreuung

Die 14-Jährige schämte sich zu sehr, um sich Hilfe zu holen. Medienscouts ihrer Schule bemerkten die Fotos und intervenierten, berichtet Kimmel. Das Mädchen könne inzwischen dank psychologischer Betreuung mit dem Vorfall umgehen und sei an ihrer Schule geblieben.

Cybermobbing sei ein bundesweites Phänomen und durchaus keines, das sich auf Großstädte beschränke, sagt Maria Große Perdekamp von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE). Weil inzwischen fast alle Jugendliche Smartphones hätten, sei das Problem eher größer geworden. Hinzu komme, dass das Alter der Kinder, die Smartphones nutzen, sinke.

Beleidigen, bloßstellen, bedrohen

Kinder und Jugendliche mit Hilfe von WhatsApp, Snapchat, Twitter, Facebook und Co. bloßzustellen, zu beleidigen oder auszugrenzen, ist mittlerweile Alltag.

Studien aus Rheinland-Pfalz zufolge sind etwa 15 bis 30 Prozent der Schüler betroffen. Weil im digitalen Raum der direkte Kontakt zwischen Tätern und Opfern fehle, sinke die Hemmschwelle, sagt Katja Waligora von der schulpsychologischen Beratung des Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach. Mobbing, egal in welcher Variante, hinterlässt psychische Spuren.

Das sind Folgen von Mobbing

Gefühle von Ausgrenzung gehörten dazu, bis hin zu Depressionen, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Selbstverletzung und Suizid, erklärt Susanne Rödiger. Sie ist die medienpädagogische Projektmanagerin der Selbstschutzplattform juuuport mit Sitz in Hannover, über die sich junge Menschen zu Themen rund ums Internet anonym beraten lassen können.

“Alle sehen es”

Einer der ehrenamtlichen juuuport-Helfer ist der 17-jährige Schüler Jonas Hotze. Er findet vor allem die Reichweite erschreckend. “Alle sehen es. Und der Betroffene wird wahrscheinlich in der Schule oder beim Spazierengehen darauf angesprochen”, sagt er.

Bei Anfragen versucht Hotze, Ratschläge zu geben und vor allem, den Betroffenen Mut zu machen. “Sie haben oft Angst, dass wieder ein neuer beleidigender Post ins Internet geladen wird oder das Mobbing in der Schule weitergeht.”

Die Täter wollen Macht ausüben

In fast allen Fällen geht dem Online-Mobbing Mobbing im realen Leben voraus. Birgit Kimmel spricht von etwa 80 Prozent der Fälle. “Das beginnt schon ganz früh.” Typische Situationen seien, wenn sich eine Gruppe neu findet oder wenn zum Beispiel eine neue Person in die Klasse kommt. Den Tätern gehe es darum, Macht auszuüben und auf Kosten anderer anerkannt zu werden.

Schulen tun nicht genug

Gegen das Cybermobbing vorzugehen sei eine der Pflichten der Schulen – der sie allerdings nicht ausreichend nachkämen, kritisiert Kimmel. “Menschenbildung” und das Erlernen von Mitgefühl sei in der Schule “nicht mehr so das Thema”. Der Fokus liege auf Informationsvermittlung.

Prävention schon in der Grundschule beginnen

Dieses Versäumnis beginne schon bei der Ausbildung von Lehrern. Sie seien bei Mobbing in ihren Klassen dann schlicht überfordert, meint Kimmel. Dabei müsste präventive Arbeit bereits in der Grundschule anfangen. Vor allem müsse den Lehrern bei Interventionen und der Suche nach Lösungen klar sein: “Schnell geht nicht”.

Irgendwann reagieren die Opfer

Leidtragende reagieren Kimmel zufolge sehr unterschiedlich: “Je länger ein Mobbing andauert, umso unberechenbarer werden die Reaktionen des Opfers.” Einige tickten irgendwann aus und brüllten in der Klasse herum. Das erschwert es anderen, Verständnis für ihre Probleme zu entwickeln. Denn solches Verhalten führe langfristig dazu, dass die Mitschüler zu dem Schluss kämen: “Das ist ja wirklich ein Idiot, der hat es verdient.”

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Jugendhaus bleibt noch bis November geschlossen

Jugendhaus ZuffenhausenJugendhaus bleibt noch bis November geschlossen

Während im Innern von Haus 11 Rohre und Leitungen saniert werden, wird im Außenbereich ein Klettergarten gebaut. Foto: Bernd Zeyer

Zuffenhausen – Eigentlich hätten Arbeiter und Baumaterialien Ende August aus dem Kinder- und Jugendhaus verschwinden sollen. Im Frühsommer war mit umfangreichen Sanierungen begonnen worden, weshalb das Haus zunächst auch offiziell bis 31. August geschlossen worden war. Die Wiedereröffnung Anfang September musste dann aber buchstäblich ins Wasser fallen. Bei den Bauarbeiten war nämlich festgestellt worden, dass einige der Steigleitungen derart beschädigt waren, dass sie herausgerissen und durch neue ersetzt werden müssen. „Die Arbeiten dauern bis zur zweiten Novemberhälfte“, sagt Sieghard Kelle, Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft (STJG).

900 000 Euro hatte der Gemeinderat im Doppelhaushalt 2012/2013 für die Sanierung des 51 Jahre alten Gebäudes an der Bartensteiner Straße 11 zur Verfügung gestellt. Von Anfang an war klar, dass Rohre und Leitungen zum Teil verrottet waren – was auch der Grund für üble Gerüche gewesen ist. Dass der Zustand der Rohre aber dermaßen schlecht ist, kam dann aber doch relativ überraschend. Auch die Heizung hatte jahrelang für Ärger gesorgt. Einer der beiden Kessel war komplett ausgefallen, der andere funktionierte auch nicht mehr einwandfrei.

„Trotz der zusätzlichen Maßnahmen kann der Kostenrahmen eingehalten werden“, sagt Sieghard Kelle. Aus Gründen der Bausicherheit müsse das Haus allerdings weiterhin geschlossen bleiben. Lediglich der Saal könne für die eine oder andere Veranstaltung genutzt werden. Ausfallen musste ein für den Weltkindertag am vergangenen Samstag geplantes Event. Die Jugendhaus-Mitarbeiter werden während des Umbaus auf andere Einrichtungen verteilt.

Nicht nur im Innern von Haus 11 wird kräftig geschafft. Auch außen gibt es eine Frischzellenkur. Die große Asphaltfläche ist verschwunden, stattdessen gibt es nun einen Klettergarten. Diese Arbeiten sind von den Sanierungen komplett abgekoppelt. Bezahlt werden sie nicht von der Stadt, sondern vom Träger des Kinder- und Jugendhauses, der STJG. „Der Außenbereich ist fast fertig“, sagt Sieghard Kelle. Theoretisch sei vorstellbar, dass er bereits vor Ende der eigentlichen Haussanierung in Betrieb gehe. Der Klettergarten ist vor allem für Schulklassen und Gruppen gedacht, mit denen dort erlebnispädagogisch gearbeitet werden soll. Auch Kinder und Jugendliche aus anderen Einrichtungen werden die Kletteranlage nützen dürfen.

Noch nicht geklärt ist, wer die Nachfolge von Melanie Haumann antritt. Sie hatte das Kinder- und Jugendhaus Ende August verlassen, um als Yogalehrerin tätig zu sein. Knapp vier Jahre lang hatte Haumann die Einrichtung geleitet. „Ihre Entscheidung hat uns schon überrascht“, sagt Kelle. Allerdings wäre es im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit nicht unüblich, dass sich Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit beruflich neu orientieren.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Der Sport-Tag: Madrids Supercup und Herthas Jugend – das wird wichtig

Guten Morgen, werte Leserinnen und Leser!

Starten wir gleich mal durch: Das Highlight des Tages startet um 21 Uhr: der europäische Supercup. Real Madrid spielt als Champions-League-Sieger gegen den Europa-League-Gewinner Atlético Madrid. Schön, dass die spanischen Hauptstadtklubs dafür nach Tallinn reisen.

  • Fußball: Außerdem blicken wir in unserem Bundesliga-Check heute auf die deutlich verjüngte Hertha aus Berlin. Passend dazu spielt der Klub einen Test gegen den Halleschen FC (16 Uhr).
  • Fußball: Ebenfalls testen will der Hamburger SV – ausgerechnet gegen den FC Bayern (18 Uhr).
  • Tennis: Beim ATP-Turnier in Cincinnati trifft Alexander Zverev ab 17 Uhr auf Robin Haase. Die deutsche Frauen-Nummer 1 Angelique Kerber muss gegen Anastasia Pawljuschenkowa bestehen, Tatjana Maria spielt gegen Slane Stephens.
  • Transfers: Wechselt Sebastian Rudy nun zu RB Leipzig – oder nicht? Diese und weitere Personalien haben wir für Sie im Blick.

Mein Name ist Anja Rau, lassen Sie uns in den Sport-Tag starten. Auf die Plätze, fertig, los!



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Privatsphäre von Kindern: Hinterherschnüffeln gehört sich nicht

Kinder und Teenager haben ein Recht auf Privatsphäre – auch gegenüber den Eltern. Für sie ist es tabu, ihren Kindern hinterherzuschnüffeln, an sie gerichtete Briefe und SMS zu lesen, in ihren Sachen kramen oder das Tagebuch aufschlagen. Erstens ist das eine Frage des Respekts, zweitens gibt es Dinge, die Eltern nicht wissen müssen.

Neugierig sind alle Eltern. Und sie möchten ihr Kind schützen, möchten seine Gedanken und Gefühle kennen, um möglichst früh einzugreifen, wenn Gefahr droht, sei es durch vermeintlich falsche Freunden, eine in Elternaugen verrückte Weltanschauung oder durch Aktivitäten im Internet. Das bedeutet aber nicht, dass man die Privatsphäre des Kindes verletzen darf – und wenn es noch so verlockend ist, sich mal schnell ins Handy des Kindes einzuloggen, um zu sehen, worüber es sich mit Freunden austauscht, oder gar das beim Staubsaugen unter dem Bett gefundene Tagebuch nur mal kurz aufzuschlagen.

“Das gehört sich einfach nicht”, unterstreicht Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, auf Nachfrage der Elternredaktion von t-online.de. “Ein Tagebuch zum Beispiel ist eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit für das Kind, die der Stabilisierung dienen kann. Der Gefühlswirrwarr nimmt darin Form an und wird so greifbarer. Wenn man dies stört, nimmt man dem Kind etwas sehr Wichtiges und riskiert, dass sich Probleme noch vergrößern.”

Jeder Mensch hat das Recht auf Geheimnisse

In der UN-Kinderrechtskonvention heißt es: “Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr ausgesetzt werden.” Auch nicht von den eigenen Eltern.

Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Schutz des Kindes. Das zeigt sich insbesondere bei Medien- und Internetnutzung. Trotzdem bedeutet Privatsphäre, ungestört sein zu dürfen. Das gilt für das Badezimmer, in das sich das zehnjährige Mädchen einschließen möchte, genauso wie das Zusammensein mit Freunden, die Kinder sich selbst aussuchen dürfen, das Telefonieren und Chatten und für die Auswahl der Kleider. Es sollte für Eltern selbstverständlich sein, anzuklopfen, bevor sie das Zimmer betreten, und es sollte genauso selbstverständlich sein, kleine Geheimnisse zu respektieren. Befürchtet man, dass das Kind etwas Gefährliches verheimlicht, sollte man das aber ansprechen und dem Kind die emotionale Sicherheit geben, dass es sich anvertrauen kann.

Eltern, deren Kinder sehr offen sind, haben es leichter. Sie erfahren ihre Gedanken, Gefühle, Freundschaften, Wünsche und Probleme. Schwieriger wird es bei verschlossenen Charakteren, die die Dinge lieber mit sich selbst ausmachten. Vor allem Jugendliche ziehen sich gern zurück und es fällt Eltern nicht leicht, zu warten, bis das Kind Gespräch sucht.

Schnüffelnden Eltern fehlt das Vertrauen in die eigene Erziehung

Privatsphäre hat nicht nur etwas mit Respekt und Vertrauen zu tun, sondern auch mit Loslassen. “Eltern, die ihren Kindern hinterherschnüffeln, haben wenig Vertrauen in ihre erzieherische Kompetenz”, bringt es Diplom-Psychologe Gerth auf den Punkt. “Die zeigt sich nicht dadurch, dass man jeden Schritt begleitet. Man kann das eher sehen wie einen Samen, der sich entwickelt. Man hat etwas angebahnt und jetzt muss das Kind seinen Weg finden dürfen. Abgesehen davon liegt der Bereich, den Eltern beeinflussen können, bei einem Jugendlichen nur noch bei fünf bis zehn Prozent.”

Schon die Privatsphäre kleiner Kinder muss geschützt werden

Auch bei kleinen Kindern müssen Eltern die Privatsphäre respektieren. Dabei geht es weniger um Rückzugsraum, sondern zum Beispiel um ungefragtes Weggeben von Spielsachen oder um die nette Nachbarin, die es nicht lassen kann, das Kleine in die “ach-so-süße” Backe zu zwicken. “Der Wunsch nach Privatsphäre kann sich bei einem kleinen Kind auch dahingehend äußern, dass es einfach nur dasitzen und träumen möchte, ohne gestört zu werden.”

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

“Ich will manchmal gar nicht wissen, was mein Sohn so alles treibt”, sagt Julia über ihren 14-Jährigen. Sie weiß, sie kann Konrad vertrauen. “Aber den einen oder anderen Blödsinn heckt er sicher aus, wenn er mit seiner Clique unterwegs ist. Wir waren doch da auch nicht anders, oder?” Sie sucht das Gespräch mit ihrem Sohn, beobachtet seine schulischen Aktivitäten, lebt aber sonst frei nach dem Motto “was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß”. Einzige Ausnahme: das Internet. “Wir schnüffeln Konrad auch hier nicht hinterher, aber wir reden viel mit ihm über die Gefahren im Netz und über die Grundregeln zum Beispiel beim Chatten. Und wir beschränken die Zeit, die er dort verbringen darf.”

Das direkte Gespräch suchen

Besonders schwierig wird für Eltern das Respektieren der Privatsphäre, wenn sie glauben, es gibt einen Grund, sich Sorgen zu machen. “Die allerdings werden sicher nicht geringer, wenn man dem Kind hinterherschnüffelt. Und selbst, wenn man etwas findet, kann man mit dem Kind nicht einmal darüber reden”, gibt Ulrich Gerth zu bedenken. “Besser ist es doch, das Gespräch zu suchen Sorgen direkt anzusprechen.”

Gelingt es allerdings nicht mehr, ein vernünftiges Gespräch mit seinem Kind zu führen, dann sollte man sich lieber Hilfe von außen holen, statt hinterherzuspionieren, rät Gerth, der das Caritas-Beratungszentrum St. Nikolaus in Mainz leitet. Es gibt in jeder Stadt Erziehungsberatungsstellen, die auch in ausweglos erscheinenden Situationen helfen können, wieder Zugang zueinander zu finden. Denn das Sprichwort “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” hat so noch nie gestimmt.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Mobbing bringt Eltern und Schule an Grenzen

Mobbing unter JugendlichenMobbing bringt Eltern und Schule an Grenzen

Im Unterricht bewegten sich die Schüler unter Anleitung im Netz, was am Nachmittag geschehe, entziehe sich der pädagogischen Kontrolle, sagt der Schulleiter Foto: dpa

Filder – Offenbar gibt es sie, die jungen Frauen, die tough und scheinbar mühelos alles unter einen Hut bekommen: Kind, Job, Beziehung, Haushalt, persönliche Interessen. Doch manchmal bekommt der schöne Schein auch Risse: Partnerschaften gehen auseinander, das Geld wird knapp, Kinder sind plötzlich nicht mehr knuddelig, sondern kratzbürstig. „Natürlich streiten wir“, sagt eine alleinerziehende Mutter und entlockt ihrer halbwüchsigen Tochter, die hinter dem Computer hervorlugt, ein schräges Grinsen. Nicht so lustig gestaltete sich allerdings das vergangene halbe Jahr für die beiden, die der Filder-Zeitung ihre Geschichte erzählt haben.

Mutter und Tochter Ist es tatsächlich die andere Mentalität? An ihrem früheren Wohnort in einem anderen Bundesland habe es jedenfalls nie Schwierigkeiten gegeben, sagt die jugendliche Mutter, die auf den Fildern eine Ausbildung begonnen hat. Auf dem Weg zur Arbeit lieferte sie ihre Tochter morgens an der Schule ab, doch das Mädchen machte tagelang am Hoftor wieder kehrt. Nach gehässigen Beschimpfungen sei sie einfach panisch gewesen, beteuert das Mädchen, das gerade an der Schwelle zum Teenageralter steht. Die Klasse habe sie gemobbt, real auf dem Schulhof und virtuell über Facebook. Die Mutter ist ratlos: Dies ist hier bereits die zweite Klasse, in der das Mädchen keinen Anschluss findet. Doch drastisch formulierte Drohungen via Facebook („ich schwör, die schlagen dich, du Hure“) und die Entdeckung, dass sich das Mädchen zu ritzen beginnt, machen der Mutter Angst. Mehrfaches Vorsprechen beim Lehrer, im Rektorat und selbst im Schulamt bleiben aus ihrer Sicht „ohne Ergebnis“, auf den versprochenen Rückruf des zuständigen Sozialen Dienstes wartet sie vergeblich. Die Frau hat „irgendwann keine Nerven mehr“, die Tochter weint. Der Unterrichtsausschluss wegen Schwänzens wird schließlich wieder aufgehoben und dem Mädchen eine pädagogische Betreuung zur Seite gestellt. Doch mehr als „Chillen“ sei bei dieser Einzelbetreuung nicht herausgekommen, meint die verzweifelte Mutter, die den Eindruck hat, mit ihrer Bitte um Hilfe rundum auf taube Ohren zu stoßen.

Die Schule Das Thema Cybermobbing treibt auch die Schulen um: mindestens zweimal jährlich würden externe Experten zu Aufklärungsveranstaltungen geladen, betont der Rektor. Im Unterricht spiele der verantwortungsvolle Einsatz von Computern fast täglich eine Rolle – und dennoch: die Sorglosigkeit im Umgang mit Facebook & Co. sei bei den jungen Leuten erschreckend. Ohne sich auf die konkrete Situation zu beziehen, steckt der Schulleiter die Grenzen seiner Einflussmöglichkeit ab: Im Unterricht bewegten sich die Schüler unter Anleitung im Netz, was aber am Nachmittag geschehe, entziehe sich der pädagogischen Kontrolle. Manche Kinder schafften es auch auf dem Pausenhof geschickt dem Erwachsenenblick auszuweichen – mit der Folge, dass Aggressionen und gegenseitige Pöbeleien unentdeckt bleiben. Die Schulen bemühten sich „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, meint der Rektor, der allerdings auch von Müttern und Vätern weiß, die eigene Schwierigkeiten gern auf die Lehrer projizierten und das Heil ihrer Kinder als „Schulnomaden“ suchten. „Eltern und Schule sitzen im selben Boot, aber manchmal kommen wir alle an unsere Grenzen“, sagt der Pädagoge, „dann sind auch die Sozialen Dienste gefragt“.

Bezirkssozialdienst Dem Eindruck von Schule und Eltern, die sozialen Dienste reagierten nur zäh, weil sie notorisch unterbesetzt seien, widerspricht Barbara Hagedorn energisch. Innerhalb von zwei Wochen sei ein normaler Gesprächstermin üblich, sagt die Leiterin. Warum die Mutter ohne Antwort geblieben war, bleibt unerklärlich. Der Hilfebedarf sei allenthalben groß, stellt auch Hagedorn fest – was sich aber weniger in einer eklatanten zahlenmäßigen Zunahme als vielmehr in der Komplexität der „Fälle“ niederschlage. Ein erstes Ziel sei manchmal schon erreicht, wenn sich Eltern und Kinder die Last von der Seele reden könnten und das Gefühl hätten, tatsächlich gehört zu werden. Um zum Kernproblem vorzudringen, gehe es aber um das gesamte familiäre Beziehungsgeflecht. Ohne die Bereitschaft der Eltern, sich in die Karten schauen zu lassen, könne dabei eine Beratung kaum erfolgreich verlaufen. Zur Lösung eines Konflikts pflege der Bezirkssozialdienst enge Kooperationen mit den beiden Partnern Schule sowie Stiftung Jugendhilfe aktiv als freiem Träger. Die materielle und emotionale Überforderung der Eltern habe zweifellos zugenommen, konstatiert Barbara Hagedorn und benennt einige Gründe: „die Trennungszahlen gehen nach oben, psychische Erkrankungen sind häufiger geworden, und natürlich stellen die neuen Medien altgediente (Sozial-)Pädagogen vor völlig neue Herausforderungen“.

Erste Ansprechpartner bei Schulproblemen sind im Allgemeinen die Klassen- und Vertrauenslehrer sowie die Schulsozialarbeiter. Eltern ebenso wie Kinder und Jugendliche können sich wegen eines Konflikt- oder Beratungsgesprächs aber auch an die Erziehungshilfestationen im Landkreis wenden. Die Telefonnummer für Filderstadt lautet 39 02-29 80, die für Leinfelden-Echterdingen 94 55 23-90.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Was ist Pubertät? Definition, Dauer, Besonderheiten

Gestern noch ein Kind, heute schon auf dem Weg zum Erwachsenen: In der Pubertät machen junge Menschen in wenigen Jahren eine beachtliche Entwicklung durch. Was die Pubertät genau ist, wie sie sich äußert und welche Unterschiede es zwischen Jungen und Mädchen gibt.

Überblick
  • 1. Eine Frage der Definition
  • 2. Wie lange dauert die Pubertät?
  • 3. Pubertät bei Jungen und Mädchen

1. Eine Frage der Definition: Was ist Pubertät?

Zwar verändern sich in der Pubertät auch Ansichten, Gefühle und das soziale Umfeld eines Menschen. Der Begriff selbst bezieht sich aber auf eine körperliche Veränderung. Das Wort Pubertät leitet sich vom lateinischen ab, was übersetzt so viel bedeutet wie Geschlechtsreife.

Was ist Pubertät? Eigentlich ganz einfach: die Entstehung sekundärer Geschlechtsmerkmale. Das sind Merkmale, die nicht von Geburt an vorhanden sind. In der Pubertät werden junge Menschen fähig, sich fortzupflanzen – eine an sich triviale Erkenntnis, die jedoch immense Auswirkungen auf das Leben von Mädchen und Jungen haben kann.

2. Wie lange dauert die Pubertät? Drei Phasen

Die Pubertät lässt sich laut dem Gesundheitsportal “Onmeda” in verschiedene Phasen einteilen. Demnach beginnt die sogenannte Vorpubertät bereits mit dem Grundschulabschluss und dauert zwischen einem und zwei Jahren. Mädchen und Jungen fangen in dieser Zeit an, sich öfter von den Eltern abzukapseln und die häuslichen Regeln infrage zu stellen. Auch das Interesse am anderen Geschlecht verstärkt sich.

Wenn die jungen Menschen ein Alter von zwölf bis 16 Jahren erreicht haben, kommen sie in die Hochphase der Pubertät. Der Austausch mit anderen Jugendlichen nimmt im Leben einen immer höheren Stellenwert ein. Sie verlieben sich und haben oft zum ersten Mal Sex.

In der spätpubertären Phase, die meist ab dem 16. Lebensjahr beginnt, festigen sich die Verhältnisse wieder. Sowohl Eltern als auch Kinder haben sich an ihre neuen Rollen gewöhnt. Die Loslösung der jungen Erwachsenen vom Familienverband etabliert sich.

3. Pubertät bei Jungen und Mädchen: Wo liegen die Unterschiede?

Grundsätzlich bestehen viele Parallelen zwischen der Pubertät bei Jungen und bei Mädchen. Das Gehirn produziert erstmals spezielle Hormone, die einerseits zu einem generellen Wachstumsschub führen. Andererseits setzen Testosteron bei Jungen und Östrogen bei Mädchen die Entwicklung der primären und insbesondere der sekundären Geschlechtsmerkmale in Gang.

Bei Jungen nehmen während der Pubertät Penis und Hoden an Größe zu, es kommt zum Stimmbruch und verstärkter Körperbehaarung. Auch bei pubertierenden Mädchen sprießen die Haare an ungewohnt vielen Körperstellen. Dazu sind Vagina- und Brustwachstum sowie die erste Regelblutung Ergebnisse der Östrogenproduktion im Gehirn heranreifender Frauen.

Ein vielleicht entscheidender Unterschied der Pubertät bei Jungen und Mädchen ist das Alter, in dem die Phase des Umbruchs beginnt. Bei Mädchen fängt die Pubertät nämlich weit früher an, im Alter von acht bis zehn Jahren. Jungen kommen in der Regel frühestens im zehnten Lebensjahr in die Pubertät, spätestens aber mit 16 Jahren.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Regelblutung mit elf Jahren: Chemikalien lösen frühere Pubertät aus


Die erste Periode bekommen manche Mädchen schon mit elf Jahren und damit deutlich früher als in der Vergangenheit. Mediziner und Umweltschützer machen Stoffe verantwortlich, die das Hormonsystem beeinflussen. Diese finden sich etwa in Schnuller oder Zahnbürste.

Bei zehnjährigen Mädchen wachsen schon Brüste, die erste Regelblutung kann mit elf oder zwölf einsetzen. Im Jahr 2007 lag der Durchschnitt für die erste Periode bei Mädchen in Deutschland bei 12,8 Jahren. Das war nicht immer so: Vor rund 110 Jahren setzte die Pubertät bei Kindern noch rund zwei bis drei Jahre später ein. Lässt sich das mit der gesellschaftlichen Entwicklung erklären, anderen Arbeits- und Essgewohnheiten etwa? “Dazu braucht es Langzeituntersuchungen, die aufwendig und teuer sind”, sagt der Biochemiker und Endokrinologe Josef Köhrle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, die sich mit Hormonen und dem Stoffwechsel beschäftigt. “Die Antwort darauf ist komplex. Die Zahlen von 2007 stammen aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), das vom Robert Koch-Institut ausgewertet wurde. Das Bundesinstitut teilt mit, dass das Thema Pubertätsstatus “kapazitätsbedingt” seitdem nicht weiter verfolgt wurde.

In den Entwicklungsjahren verändert sich das Hormonsystem des Körpers. Der Prozess beginnt im Gehirn: Es schüttet Hormone aus, die in den Eierstöcken oder Hoden die Bildung von Sexualhormonen steigern und die Geschlechtsfunktionen des Körpers beeinflussen, Schamhaare und Geschlechtsorgane wachsen und werden funktionsfähig.

Als einen der Hauptgründe für die nach vorne verschobene Pubertät sieht Köhrle die Gewichtszunahme bei Kindern. Eine schlechte Qualität der Nahrung, wenig Schlaf und zu wenig Bewegung, weil viel Freizeit vor Bildschirmen verbracht wird, seien einige Ursachen für Übergewicht. Fettgewebeeinlagerungen führten zu früherer Reifung, darauf gebe es klare Hinweise aus Tierversuchen. Der gegenteilige Effekt zeigt sich bei Magersuchtpatientinnen oder Hochleistungssportlerinnen, die häufig keinen Zyklus mehr haben.

Gefährliche Stoffe in Alltagsprodukten

Hinzu kommt laut Köhrle die Belastung mit hormonaktiven Substanzen, sogenannten endokrinen Disruptoren, bereits in der Schwangerschaft. “Dadurch werden mehr Fettzellen statt Muskel- und Knochenzellen gebildet, besonders bei Mädchen.” Für die Belastung des Kindes über die Mutter gebe es solide Daten aus Urin-Messungen von Schwangeren. Hormonell wirksame Stoffe finden sich etwa in Kunststoffen und Körperpflegeprodukten. In einer Studie untersuchte die Umweltorganisation BUND im Jahr 2013 Kosmetika in Deutschland und fand in nahezu jedem dritten Produkt solche Chemikalien, auch in Babyschnullern und Zahnbürsten.

Die Substanz ist Bisphenol-A (BPA). Die EU schätzt diesen Stoff seit Dezember 2017 als besonders besorgniserregend ein, auch weil er fortpflanzungsschädigend sei. Ab 2020 ist die Verwendung von BPA in Thermopapier in der EU verboten. Das Umweltbundesamt weist aber darauf hin, dass es noch in vielen Alltagsprodukten wie Trinkflaschen, Konservendosen und DVDs steckt. “Bisphenol-A ist jetzt das Aufregerwort, aber es gibt eine ganze Reihe von gefährlichen Substanzen, die einen giftigen Cocktail ausmachen können”, sagt Köhrle. Über die Hauptverursacher gebe es aber zu wenige Informationen. “Ob es jetzt die Butterdose ist, die Plastikfolie, in die das Essen eingewickelt ist, das Getränk, die Kleidung oder einfach die Luft, die Substanzen finden sich überall”, sagt Köhrle.

Auch in medizinischen Produkten gebe es diese Stoffe, zum Beispiel in weichen Kathetern oder Schläuchen. Für Pflanzenschutzmittel hat die EU Kriterien für die Bestimmung von hormonellen Stoffen festgelegt, die seit Juni 2018 verpflichtend sind. Regelungen für Spielzeug, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen sind laut Kommission geplant.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie kritisiert an der neuen Vorschrift allerdings, dass es “zu viele Schlupflöcher im Bewertungssystem” gebe, zu viele gefährliche Substanzen kämen durch. “Die Richtlinie ist nicht rigide genug”, sagt Präsident Köhrle.

Höheres Depressionsrisiko bei Frühentwicklern

Ähnlich sehen das europäische Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen. 70 von ihnen, darunter der BUND und Greenpeace, fordern von der EU-Kommission eine umfassende Strategie zum Umgang mit solchen Substanzen. Aktuell gehe es nur darum, wie hormonell wirksame Stoffe als solche identifiziert werden könnten. Dies werde aber kaum dazu beitragen, solche Stoffe schnell zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen, sagt Ulrike Kallee, BUND-Referentin für Chemie. “Die Nachweishürden zur Einstufung als Hormongift sind dafür schlicht zu hoch.” Die Organisationen sehen daher dringenden Handlungsbedarf, da solche Substanzen auch mit hormonbedingten Krebserkrankungen, sowie Fortpflanzungs- und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden.

Probleme in der Pubertät mit ihrem Körper haben wohl alle Kinder. Für die, bei denen es sehr früh oder sehr spät losgeht, ist die Belastung aber besonders groß. “Einige Studien zeigen, dass sowohl Früh- als auch Spätentwickler durchschnittlich ein erhöhtes Risiko für verschiedene soziale und emotionale Anpassungsstörungen haben”, sagt Entwicklungspsychologin Michaela Riediger von der Universität Jena. “Besonders gut belegt ist ein erhöhtes Depressionsrisiko bei vergleichsweise früh pubertierenden Mädchen.”

Eine frühere Pubertät bedeutet aber nicht automatisch einen früheren Beginn des Sexuallebens. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für ihren Bericht 2015 ermittelt hat, ist die Zahl der sexuell aktiven 14-Jährigen deutscher Herkunft wieder deutlich zurückgegangen: Nach teilweise zweistelligen Werten im Zeitraum 1998 bis 2005 (zwischen 10 und 12 Prozent) liegen die Zahlen wieder im einstelligen Bereich (zwischen 3 und 6 Prozent). Junge Menschen fühlen sich demnach auch insgesamt viel besser aufgeklärt als noch in den 80ern. 90 Prozent der 14- bis 17-Jährigen reden über Verhütung.



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

background