Kategorie -Jugendliche

Wie viel Alkohol dürfen Jugendliche bei der Konfirmation trinken?

Wer konfirmiert wird, ist schon ein bisschen erwachsen. Alkohol spielt bei der Feier oft eine große Rolle. Verhindern müssen Eltern das nicht. Aber sie sollten klar machen, dass das Anstoßen mit Sekt nur eine Ausnahme ist.

Ein schicker Anzug, ein tolles Kleid, dazu ein Fest mit vielen Gästen und jede Menge Geschenke: Die Konfirmation ist für viele Teenager eine große Feier. Auf Familienfesten wird mit Alkohol angestoßen, in einigen Regionen Deutschlands ist es sogar üblich, dass die Konfirmanden von Haus zu Haus ziehen und alkoholische Getränke ausgeschenkt bekommen.

Erst Konfirmation, dann Alkoholvergiftung

Harald Nolte, Diplom-Sozialpädagoge von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege, kennt die Folgen: “Wir erleben in jedem Jahr, dass Jugendliche am Tag der Konfirmation so viel Alkohol trinken, dass sie erbrechen oder sogar mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus müssen.”

Trinken hat Tradition

Dass die Konfirmation ein Startschuss zum Trinken ist, hat laut Nolte eine lange Tradition: “Die Konfirmation steht in ihren Ursprüngen als Übergangsritual von der Kindheit zur Erwachsenenwelt.” Auch im 20. Jahrhundert war es noch lange so, dass die Jugendlichen zeitgleich zur Konfirmation eine Lehre anfingen und damit dann auch Alkohol trinken durften.

Gesetz: Alkohol für 14-Jährige verboten

Heute sieht das anders aus: Laut Jugendschutzgesetz ist es 14-Jährigen verboten, Alkohol zu trinken – zumindest in der Öffentlichkeit. “Zu Hause im geschützten Rahmen unter der Aufsicht eines Erwachsenen kann ein Jugendlicher aber schon mal probieren”, sagt Nolte. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Muss das überhaupt sein?

Was kommt ins ins Glas: Sekt oder Limo?

Nötig wird die Antwort spätestens am festlichen Tisch. Das Essen ist serviert, die Gäste warten auf das Anstoßen des Gastgebers. Doch was bekommt der ins Glas: Sekt oder Limo? “In so einer Festsituation können Eltern ein Nippen oder Anstoßen mit einer kleinen Menge Sekt ruhig einmal zugestehen”, sagt Ralf Kremer, DAK-Experte für Suchtthemen. So ein Brauch verbinde und nehme den Jugendlichen den Reiz des Verbotenen. Schnaps oder andere harte Sachen sind aber tabu. “Wichtig ist, dass den Kindern der Ausnahmecharakter des Festes deutlich wird.”

Mit den Gästen sprechen

Ist der Brauch also Pflichtprogramm? “Nein, natürlich nicht”, sagt Nolte. Nicht alle Jugendlichen seien scharf darauf, endlich trinken zu dürfen. Manche 14-Jährige haben schon längst Erfahrungen gemacht, andere sind noch völlig ahnungslos. Wenn der Konfirmand also lieber Limo trinkt, sollten Eltern auf keinen Fall auf den Sekt zum Anstoßen bestehen.

Das gilt auch für die Gäste. “Kinder lernen am Vorbild, deshalb sollte gerade an einer Konfirmation ein maßvoller Umgang mit Alkohol üblich sein”, sagt Kremer. Bei Verwandten, von denen man weiß, dass sie gerne den Verführer spielen, sei es ratsam, schon vorher über seine Erwartungen zu sprechen: “Ich würde dem Gast persönlich sagen, dass ich Zurückhaltung wünsche”, rät Kremer.

Was tun bei Trinkspielen?

Komplizierter wird es für Eltern, wenn vor Ort Trinkspiele unter Konfirmandengruppen üblich sind. Kremer appelliert an die elterliche Verantwortung: “Man darf nicht vergessen, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in der Öffentlichkeit weder Bier, noch Wein, Sekt oder anderen Alkohol trinken dürfen.” Doch die Teilnahme einfach zu untersagen, sei in vielen Familien schwierig, sagt Klaus Hurrelmann, Sozial- und Bildungswissenschaftler an der Hertie School of Governance in Berlin: “Viele Eltern können das gar nicht mehr umsetzen, weil die Jugendlichen sowieso nicht darauf hören würden.”

“Keinen Alkohol zur Verfügung stellen”

Eltern dürfen nicht zum Mittäter werden: “Stellen Sie selbst keinen Alkohol zur Verfügung”, rät Hurrelmann. Nolte empfiehlt, mit anderen Eltern das Gespräch zu suchen, zum Beispiel in Form eines Elternabends. “Äußeren Sie Ihre Bedenken gegenüber den Trinkritualen. Sie werden sicher nicht die einzigen sein.” Auf diese Weise können alle Eltern über Alternativen nachdenken und diese zu Hause leichter umsetzen.

“Das Trinken zu Hause üben”

Auch Hurrelmann begrüßt eine Kooperation der Eltern, glaubt aber, dass es dafür häufig schon zu spät ist. Er gibt Eltern daher einen unkonventionellen Ratschlag: “Wenn Sie spüren, dass Ihr Kind ganz scharf auf Alkohol ist, dann üben Sie den Umgang damit zu Hause.” Wie fühlt sich der Körper nach einem Bier an? Wie nach zweien? “Ihr Kind soll sich dabei natürlich nicht betrinken. Aber es erlebt, dass der Alkohol die Wahrnehmung und das Körpergefühl deutlich verändert.” Diese Erfahrung sei wichtig, um einen gefährlichen Rausch zu verhindern.

Vor dem Fest mit dem Kind über Alkohol sprechen

Nolte empfiehlt Eltern, das Konfirmationsfest gemeinsam mit dem Kind zu planen: “Dabei kann dann auch der Umgang mit Alkohol besprochen werden.” Wenn Treffen oder regionale Trinkbräuche mit anderen Konfirmanden zur Diskussion stehen, sollten Eltern auch auf die Bedeutung des Festes für die ganze Familie eingehen, frei nach dem Motto: “Wir wollen alle mit dir feiern, da kannst du dich nicht woanders betrinken gehen.” Um bewusst ein Zeichen gegen Alkohol zu setzen, könnten Eltern sich gemeinsam mit dem Jugendlichen leckere alkoholfreie Getränke, zum Beispiel Cocktails, überlegen. “Die kann der Konfirmand auch selbst zubereiten und seinen Gästen servieren.”

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Abi-Party in Göttingen eskaliert nach Polizeieinsatz

Mit Parolen wie “Bullenschweine”, “Scheißbullen” und “All Cops are Bastards” sind zwei Polizeistreifen bei einer Abi-Party in Göttingen empfangen worden. Die Beamten waren angerückt, nachdem über Notruf eine Schlägerei auf der Party gemeldet worden war, an der mehrere Personen beteiligt gewesen sein sollen. Das gab die Polizei in Göttingen bekannt.

Bei dem Einsatz gaben sich dann aber weder Opfer noch Täter einer Schlägerei oder anderen Straftaten zu erkennen.

Bild der Verwüstung

Dafür trafen die Beamten auf zahllose stark betrunkene Jugendliche. Vor dem Gebäude und auf der Tanzfläche war der Boden übersät mit zerschlagenen Flaschen und Gläsern. Die Veranstalter der Party entschlossen sich dann in Absprache mit der Polizei, die Party gegen zwei Uhr in der Nacht zu beenden, weil sie außer Kontrolle zu geraten drohte.

Jugendlicher schlägt Polizistin ins Gesicht

Nachdem sich einige Partygäste geweigert hatten, die Feier zu verlassen, sprach die Polizei Platzverweise aus und nahm drei Jugendliche vorübergehend fest. Ein 17-Jähriger leistete dabei Widerstand und verletzte eine Beamtin mit einem gezielten Faustschlag im Gesicht. Vorsorglich waren zu dem Einsatz von umliegenden Polizeidienststellen insgesamt zehn Streifenwagen zusammengezogen worden.

Bereits vor Mitternacht war es zu einem Polizeieinsatz auf der gleichen Feier gekommen, weil ein 17-Jähriger mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Die Veranstalter hatten laut Polizeiangaben ursprünglich mit 200 Gymnasiasten auf ihrer “AbiExtreme-Party” gerechnet. Erschienen seien dann im Laufe des Abends über 400 Personen, von denen mindestens die Hälfte keinerlei Bezug zu Göttinger Gymnasien gehabt habe.

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Macht Internet Jugendliche einsam?

Schreckensszenario für Eltern: Der Computer oder das Smartphone wird zum besten Freund des Kindes – und ab und zu auch zum einzigen. Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz hat nun untersucht, wie stundenlanges Streunen durch virtuelle Welten und echte Einsamkeit zusammenhängen.

Mit einem Nachtelfen lässt sich schlecht ins Kino gehen. Und ein Troll wird einen wohl kaum auf ein Eis einladen. Dennoch sind Helden wie diese aus dem Onlinespiele-Klassiker “World of Warcraft” vielen Jugendlichen so vertraut wie reale Freunde. Kann es sein, dass vor lauter Online-Zockerei die Freundschaft zum Nachbarsjungen zerbricht? Und die Schulnoten in den Keller sacken? Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz, wollte das auch wissen. Er hat daher die gefragt, um die es geht: die Jugendlichen.

Drei Prozent sind internetsüchtig

Rund 2400 junge Menschen zwischen zwölf und 18 Jahren haben an seiner Befragung teilgenommen. Dabei ging es nicht nur um Onlinespiele, sondern auch um viele andere Dinge, die sich im Netz abspielen – etwa die sozialen Netzwerke wie Facebook oder youtube. Beutel stieß dabei auf einige echte Hardcore-Surfer. Bei rund drei Prozent der Befragten geht er von einer suchtartigen Nutzung des Internets aus – und von echten Problemen in der Welt jenseits von Pixeln und Gigabytes.

Internetsucht: Das sind Symptome

Bei den Suchtkriterien habe er sich an der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung orientiert, sagt Beutel. “Da ist zum Beispiel der ausufernde Gebrauch: Ist man immer länger online? Kann man es eingrenzen oder ist man länger online als man vorhatte? Geht der erste Gang zum Computer? Und gibt es schädliche Folgen?” Dazu zählen etwa Streit mit den Eltern oder schlechte Schulnoten.

“Reale Kontakte werden vernachlässigt”

Jugendliche, die häufig online zocken und auf Sexseiten unterwegs sind, haben demnach eine schlechtere Bindung zu ihren Freunden. Sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden nicht so sehr und fühlen sich entfremdet. Bei den sozialen Netzwerken ist es etwas anders gelagert. Probleme gibt es aber auch dort.

“Die vorwiegend soziale Nutzung der Internets – beispielsweise von Facebook – geht zunächst einher mit mehr Vertrauen und Kommunikation”, sagt Beutel. “Dennoch: Bei den drei Prozent, bei denen es suchtartig ist, treten auch die negativen Wirkungen auf. Dann werden reale Kontakte vernachlässigt.”

Jungs suchen nach Sex und Spielen, Mädchen nach sozialen Kontakten

Laut Beutel treffen die Suchtkriterien bei Jungen und Mädchen ähnlich häufig zu – wobei Jungs eher bei den Onlinespielen, Glücksspiel und Sexseiten zu finden sind, Mädchen eher bei den sozialen Netzen. Auf die Frage, ob das Internet einsam macht oder ob es vor allem Einsame ins Internet zieht, sagt Beutel, er gehe von einem Teufelskreis aus.

Anonymität macht attraktiv

“Wir sehen beides. Wir sehen auch eine gewisse Veranlagung”, sagt Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Dresden. Es gebe verschiedene Gründe, warum das Internet attraktiv für Jugendliche sei. Einer sei die Anonymität. “Man muss nicht die Angst haben, als Person verletzt zu werden. Eine Online-Abfuhr ist etwas anderes als wenn man wirklich zu einem Mädchen hingeht und einen Korb kriegt.”

Computerspiele sind auch ein Gemeinschaftserlebnis

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) betont, dass Computerspiele oft auch ein Gemeinschaftserlebnis seien. “Das gemeinsame Spielen ist seit jeher eine zentrale Komponente vieler Spiele und ist in den vergangenen Jahren durch die zunehmende Internet-Nutzung noch deutlich wichtiger geworden”, sagt BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk. “Im Gegensatz zu anderen Medien wie dem Fernsehen stärken Computer- und Videospiele Beziehungen und Freundschaften.”

“Man kann nicht online küssen”

Auch Mediziner Rößner benennt Vorteile. “Unsere Arbeitswelt verändert sich immer mehr zum schnellen Multitasking und zur Computernutzung”, sagt er. Feinmotorik der Hand, Aufmerksamkeitsleistung oder räumliche Wahrnehmung – Computerspieler seien da häufig gut trainiert. “Auf der anderen Seite kann man das Soziale nur näherungsweise erlernen”, sagt Rößner. “Man kann nicht online küssen.”

Was Eltern tun können

Doch was können Eltern tun, wenn der Sohn sich bereits abgekapselt hat, nur noch vor dem Computer hockt, und dafür die Schule sausen lässt? Oder die Tochter nicht mehr vom Smartphone wegkommt? Der Psychologe Beutel kennt solche Fälle aus seiner Praxis.

Interesse zeigen

“Ich würde Eltern empfehlen, sich frühzeitig damit vertraut zu machen, was ihre Kinder online machen”, sagt Beutel. Das bedeute auch, Kindern zu helfen, ihre Online-Zeiten zu regulieren. “Sie müssen frühzeitig lernen, dass es Zeiten für Online-Aktivitäten gibt, aber auch genug Zeiten für Offline-Aktivitäten.”

Sozialkontakte fördern

“Eltern sollten darauf achten, wie die Sozialkontakte ihrer Kinder sind, und nach Möglichkeit helfen. Also lieber einmal mehr zu den Freunden fahren oder Einladungen aussprechen”, sagt Beutel. Sie dürften sich nicht nur auf den Online-Aspekt fixieren, sondern auch im Blick haben, was das Kind ansonsten macht.

Vorbild sein

Es sei wichtig, den Umgang mit Medien in der Familie zu betrachten, sagt Beutel. Wenn im Wohnzimmer ständig der Fernseher läuft, sei von einem Jugendlichen kaum zu erwarten, dass er seinen Computer ausschaltet.

Alternativen bieten

“Ich frage die Eltern und Kinder auch immer: Was macht ihr denn gemeinsam, was gibt es für gemeinsame Aktivitäten? Das ist dann manchmal etwas dünn”, sagt Beutel. Es sei aber wichtig, dass Eltern Alternativen bieten.

Ist mein Kind süchtig? Checkliste für Eltern

Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de für Eltern eine Broschüre zu Internet- und Computerspielabhängigkeit an. Sie enthält eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben können, ob ihr Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

  • Die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen Beschäftigungen ständig um Computer, Internet oder Spielkonsole.
  • Das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht.
  • Dem Kind fällt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen.
  • Das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss.
  • Es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurück.
  • Internetnutzung verdrängt andere Interessen und Hobbys.
  • Die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert.
  • Das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben.
  • Es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt übermüdet.
  • Das Kind reagiert Gefühle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab.

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Kinder mit Depressionen: “Sie denkt, sie ist nichts wert”

Keine Lust aufzustehen, Freunde zu treffen, in die Schule zu gehen. Kinder und Jugendliche mit Depressionen kämpfen tagtäglich gegen ihre Schwermut an. Die 14-jährige Annabel aus Leipzig (Name geändert) ist eine von ihnen.

Ein zarter Händedruck, ein schüchterner Blick. Nur leise kommen die Worte aus Annabels Mund. “Vor zwei Jahren hat es angefangen. Ich hatte keine Lust zu nichts, wollte nur im Bett liegen. Ich war sehr traurig.” Annabel wendet sich ab. Nur ein kurzer Augenkontakt, dann huscht ihr Blick zu Boden. Ein unsicheres Lachen, dann Stille.

Annabel ist 14 Jahre alt und depressiv. Heute wissen es ihre Mitschüler, besten Freunde und ihre Mutter. Ihr hat sich Annabel erst spät anvertraut. “Am Anfang habe ich ihr Verhalten auf die Pubertät geschoben. Doch irgendwann waren die Stimmungsschwankungen nicht mehr normal”, berichtet sie. Vor einem Jahr haben Mutter und Tochter dann professionelle Hilfe gesucht. Seitdem steht die Diagnose Depression fest.

Zahl der depressiven Kinder drastisch angestiegen

Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen wird mittlerweile eine Depression diagnostiziert, wie Statistiken zeigen. Danach leidet jeder 20. Jugendliche bundesweit daran. Schaut man auf die stationären Klinikaufenthalte, hat sich die Zahl sogar versechsfacht: Im Jahr 2000 zählte das Statistische Bundesamt noch 2145 Fälle in Deutschland. Zwölf Jahre später wurden 12.567 Jugendliche wegen einer Depression stationär behandelt. Auch Annabel war fünf Monate lang in einer Tagesklinik.

Der Kinder- und Jugendpsychologe Martin Holtmann vom Universitätsklinikum Hamm erklärt sich diesen Anstieg nicht allein mit der verbesserten Diagnostik und größeren Bereitschaft, sich mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen. “Auch höhere Leistungsanforderungen in der Schule sowie Veränderungen im Familienbild können eine Depression begünstigen”, sagt Holtmann. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) verweist auf das frühere Eintreten der Pubertät, das die Wahrscheinlichkeit einer Depression wiederum erhöht.

Die Ursachen sind oft nicht bekannt

Was genau eine Depression auslöst, lässt sich selten herausfinden. Oftmals ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Das könne von Stress in der Schule bis zur Trennung der Eltern reichen, so Holtmann. Auch Annabel kennt die Gründe für ihre Depression nicht genau. “Schulisch und persönlich” flüstert sie. Mehr verrät die Realschülerin nicht.

Ihre Mutter ist ratlos: “Ich sage ihr immer wieder, sie muss mir das erklären. Ich kann mich nicht in ihre Lage versetzen.” Doch Annabel schweigt. Sie vertraut sich anderen an. Auch zu ihrem Psychologen musste sie erst einmal Vertrauen fassen. Heute geht sie einmal die Woche zu ihm, spricht über ihr Gefühlsleben, über das, was sie belastet. Ab und an ist auch ihre Mutter dabei. Denn die Psychotherapie von Kindern ist auch immer eine Familienbehandlung, weiß Holtmann. Annabels Mutter bleibt dennoch oft hilflos zurück. “Wenn ich denke, jetzt sind wir auf einem guten Weg, dann fällt Annabel wieder in ein Loch.”

“Sie denkt, sie ist nichts wert”

Damit umzugehen, fällt beiden schwer, Mutter und Tochter. “Jedes Tief ist anders”, sagt Annabel fast entschuldigend. Es fange bei ihr immer mit schlechter Laune an und dann setze es sich fest, versucht sie zu erklären. Manchmal würden schon Schlafstörungen reichen. Sie sind ein Symptom der Krankheit neben Konzentrationsproblemen, Antriebsarmut und vermindertem Selbstvertrauen.

“Sie denkt, sie ist nichts wert und alle haben sich gegen sie verschworen”, erzählt ihre Mutter fassungslos. Woher diese schweren Gedanken kommen, weiß sie nicht. Sie hat Angst um ihre Tochter, versteht nicht, was in Annabel vorgeht.

Hat Annabel Suizidgedanken?

Vielleicht könne ihr der Austausch mit ebenfalls betroffenen Eltern helfen, sagt Julia Ebhardt, Projektleiterin von Fideo, einer Internetplattform zum Thema Depression. Auf Fideo (Fighting Depression Online) können Angehörige und Betroffene anonym diskutieren und sich über die Krankheit informieren. “Viele Jugendliche quälen sich mit Themen wie Mobbing, schlechten Schulnoten oder dem Umgang mit ihren Eltern”, sagt Julia Ebhardt.

Annabel will sich nicht mit Fremden beraten. Es fällt ihr schwer. “Dafür redet sie mit anderen depressiven Jugendlichen, die sie aus der Therapie kennt. Das gefällt mir gar nicht”, klagt Annabels Mutter. “Ich weiß nicht, worüber sie reden und ob sie sich auf dumme Gedanken bringen”, fügt sie hinzu.

Mit dummen Gedanken meint sie Selbstmordgedanken. Nicht selten bei depressiven Jugendlichen, erklärt Kinder- und Jugendpsychologe Holtmann. Annabel ist verstummt. Schüttelt nur abwehrend den Kopf. Ein letztes Lächeln, ein Händedruck und sie huscht in ihr Zimmer.

Topthema auf Twitter: #NotJustSad

Dass das Thema Depression bei jungen Menschen längst die Tabuzone verlassen hat, zeigte zuletzt auch der Fall von Jana Seelig. Seit die junge Berlinerin auf dem Social-Media-Kanal Twitter öffentlich über ihre Depression sprach, wurde es eines der bestimmenden Themen in dem sozialen Netzwerk. Tausende von Tweets befinden sich inzwischen unter dem Hashtag #NotJustSad.

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Steuererklärung: Anlage Kind – Tipps für Eltern

Die Steuererklärung macht keiner gern, Eltern können hier aber Geld vom Staat zurückbekommen. Dazu müssen sie bei der Einkommenssteuererklärung die “Anlage Kind” für jedes Kind einzeln ausfüllen. Der Aufwand lohnt sich: Eltern können von Kinderfreibeträgen profitieren und Ausgaben für die Betreuung und Ausbildung ihrer Kinder von der Steuer absetzen.

Kinder sind etwas Schönes, aber sie kosten auch Geld. Deshalb fördert der Staat Familien mit Steuervergünstigungen. In der Anlage Kind tragen Eltern in Zeile 6 ein, wie viel Kindergeld sie im vergangenen Jahr erhalten haben. Für die ersten beiden Kinder sind das je 2208 Euro, für das Dritte 2280 Euro und für alle weiteren Kinder je 2580 Euro. Das Geld bekommen Eltern unabhängig vom Einkommen von der zuständigen Familienkasse (Zeile 7).

Wer mehr verdient, profitiert vom Kinderfreibetrag

“Ab einer bestimmten Einkommenshöhe profitieren Eltern zudem von Kinderfreibeträgen”, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Das Finanzamt prüft nach Abgabe der Steuererklärung automatisch, ob Eltern durch die Kinderfreibeträge mit größeren Steuerersparnissen rechnen könnten. “Die Freibeträge werden dann mit dem bereits ausgezahlten Kindergeld verrechnet.”

Freibetrag soll das Existenzminimum sichern

Anspruch auf die Freibeträge haben beide Elternteile. Wer dauerhaft getrennt lebt oder nicht verheiratetet ist, bekommt jeweils 2184 Euro. Bei gemeinsam veranlagten Eltern verdoppelt sich der Betrag auf 4368 Euro, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Zum Freibetrag, der das Existenzminimum sichern soll, kommt ein Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1320 Euro je Elternteil hinzu.

Das Kind muss im Haushalt leben

Auch Adoptiv-, Pflege-, Stief- oder Großeltern können Freibeträge beantragen, wie Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) ergänzt (Zeilen 10 bis 14 beziehungsweise 41 bis 43). “Voraussetzung dafür ist, dass das Kind bei ihnen im Haushalt lebt oder sie dem Sprössling gegenüber unterhaltspflichtig sind.”

Kindergeld gibt es auch für Erwachsene

Kindergeld gibt es grundsätzlich für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr. “Wer eine Ausbildung absolviert, wird sogar bis zum 25. Lebensjahr steuerlich berücksichtigt”, sagt Klocke. Vor Abschluss der ersten Berufsausbildung oder eines Erststudiums werde das Kindergeld unabhängig vom Einkommen des Nachwuchses gezahlt (Zeilen 15 bis 27). “Wer sich in einer zweiten Ausbildung befindet, erhält die Familienförderung nur, wenn er wöchentlich regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden nebenbei oder in einem Minijob arbeitet”, sagt Klocke.

“Auch Volljährige, die 2014 einen Ausbildungsplatz gesucht, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolviert oder einen begünstigten Freiwilligendienst im In- oder Ausland geleistet haben, erhalten Kindergeld”, erklärt Rauhöft. Wer gesetzlichen Grundwehr- oder Zivildienst geleistet hat, trägt die Dauer der Dienste ein (Zeile 22). Dann verlängern sich die Altersgrenzen um den Zeitraum.

Mit entsprechenden Unterlagen könnten Eltern zudem belegen, was das Kind in dieser Zeit genau gemacht habe, so Rauhöft. “Die Familienkasse zahlt für Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr sogar, wenn diese in Deutschland, einem EU-Land oder der Schweiz als arbeitssuchend gemeldet sind”, sagt er. “Die Altersgrenzen entfallen jedoch, wenn ein Kind vor seinem 25. Lebensjahr eine geistige oder körperliche Behinderung erleidet und sich dadurch finanziell nicht um sich kümmern kann”, sagt Rechtsanwalt Nöll (Zeile 21).

Bei Bedarf den Ausbildungsfreibetrag beantragen

“Wenn der Nachwuchs für eine Ausbildung oder ein Studium in einer anderen Stadt lebt, können Eltern zusätzlich zum Kindergeld den Ausbildungsfreibetrag beantragen”, ergänzt Erich Nöll. Dadurch können sie zusätzlich 924 Euro als außergewöhnliche Belastung steuermindernd geltend machen (Zeilen 50-52).

Das gilt für Alleinerziehende

Alleinerziehende können den halben Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf sich übertragen lassen, wenn der etwa seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt (Zeilen 38 und 39). “Erhält ein Elternteil den vollen Kinderfreibetrag, muss es auch den vollen Kindergeldbetrag angeben – und zwar unabhängig davon, an wen das Kindergeld ausgezahlt wurde”, sagt Nöll. Ist das Kind nur bei einem Elternteil gemeldet, könne dieser auch die Übertragung des halben Betreuungsfreibetrags oder Ausbildungsbetrags beantragen (Zeile 40).

Zusätzlich können Alleinerziehende vom Entlastungsbetrag profitieren, der bislang bei 1308 Euro pro Jahr lag (Zeilen 44 bis 49). Die Voraussetzung dafür ist laut Klocke, “dass ein Anspruch auf Kindergeld besteht und das Kind im selben Haushalt lebt.” Es dürfe aber kein weiterer Erwachsener dort wohnen – es sei denn, es handelt sich dabei um volljährige Geschwister, für die ebenfalls noch ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag besteht.

Am 16. April haben hat die Regierungskoalition sich darauf verständigt, die Alleinerziehenden stärker zu entlasten. Geplant ist, dass der Freibetrag mit Wirkung zum 1. Januar 2015 auf 1908 Euro erhöht wird.

Betreuungskosten bis 4000 Euro absetzbar – pro Kind

Für Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können Eltern Kosten bis 6000 Euro abrechnen – davon werden dann zwei Drittel steuerlich berücksichtigt (Zeilen 67 bis 69). “Der Höchstbetrag von 4000 Euro pro Jahr gilt für jedes Kind”, sagt Klocke. “Unter Betreuungskosten fallen Ausgaben für den Kindergarten, den Hortplatz, aber auch für eine Tagesmutter”, so Nöll.

Im Sinne der Kinder – Entscheidungen des Bundesfinanzhofes: Der Bundesfinanzhof hat mehrere Urteile gefällt, die Eltern von Volljährigen in Ausbildung begünstigen: So erhalten sie von der Familienkasse weiterhin Kindergeld, auch wenn der Nachwuchs beispielsweise in einem dualen Studiengang nach Ende der integrierten Ausbildung bis zu 20 Stunden pro Woche arbeitet (BFH, Az. III R 52/13) oder wenn er während der Ausbildung geheiratet hat. Das gilt unabhängig vom Einkommen des Angetrauten (BFH, Az. III R 22/13).

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Akne bei Teenagern behandeln

Unreine Haut, Mitesser oder Pickel: Sieben von zehn Teenagern leiden an Akne. “Akne lässt sich gut behandeln, aber man braucht Geduld. Die ersten Erfolge zeigen sich oft erst nach mehreren Wochen”, sagt Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. Was aber hilft wirklich gegen Pickel und Akne und wie lässt sich Narbenbildung vermeiden?

Gegen leichte Akne helfen rezeptfreie Medikamente, bei schwereren Formen kann der Hautarzt Cremes oder Tabletten verordnen. Die fachgerechte Behandlung vermeidet nicht nur Akne-Narben – Jugendliche mit “blühender” Akne werden von Gleichaltrigen oft ausgegrenzt oder haben sogar Schwierigkeiten, einen guten Ausbildungsplatz zu finden.

Pickel nicht einfach ausdrücken

Typisch für Akne sind Mitesser und Pickel. Mitesser sind Talgdrüsen, die durch einen Pfropf aus Talg und Horn verstopft sind. Sie bilden sich, wenn in der Haut zu viel Talg produziert wird und dieser Überschuss nicht abfließen kann. Offene Mitesser sind auf der Haut als dunkle Punkte erkennbar, geschlossene (weiße) Mitesser liegen unter der Hautoberfläche. Entzündet sich ein Mitesser, bildet sich ein Pickel. Das unsachgemäße “Herumdrücken” an Mitessern oder Pickeln verschlimmert das Hautbild. Eine regelmäßige professionelle Hautreinigung hingegen beugt Narben vor.

Welche Präparate helfen gegen Akne?

Gegen Akne werden oft rezeptfreie Präparate mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid eingesetzt. Sie wirken hornhautauflösend, dadurch kann der Talg besser abfließen, erläutert Engelen. Die Präparate zum Abwaschen oder zum Verbleib auf der Haut werden auf die gesamte erkrankte Haut aufgetragen, nicht nur punktuell auf Pickel und Mitesser. Ein Nebeneffekt: Der Wirkstoff wirkt wie ein Bleichmittel. Deshalb sollte man während der Behandlung weiße Handtücher und Bettwäsche benutzen, sonst gibt es Flecken. Bessert sich die Haut nach mehreren Wochen täglicher Anwendung nicht, kann der Arzt andere Wirkstoffe zum Auftragen oder Einnehmen verschreiben.

Grundlage der Behandlung von Akne ist die richtige Hautpflege

Basis jeder Akne-Behandlung ist eine an den Hauttyp angepasste Hautpflege. Die Kosmetika sollen die überschießende Talgbildung eindämmen, dürfen die Haut aber nicht zu stark reizen. Aknepatienten brauchen zur Hautreinigung pH-neutrale Syndets oder Waschgele. Hoch konzentrierte alkoholhaltige Gesichtswasser sind ungünstig: Sie wirken stark entfettend und können eine Nachproduktion von Talg auslösen.

Peelings sind bei unreiner Haut oder leichter Akne empfehlenswert, da sie die verstopften Talgdrüsen öffnen. Jugendliche, die sehr viele Pickel haben, verzichten aber besser darauf. Sonst wird durch das Rubbeln der Eiter über die gesamte Haut verteilt.

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“Pornokompetenz” für Jugendliche nötig

Pornografie ist fast überall zu entdecken und im Internet frei verfügbar. Das kann eine Gefahr für Kinder und Jugendliche sein. Sie brauchen nach Expertenmeinung neben der allgemein bekannten Medienkompetenz auch eine “Pornokompetenz”.

Kinder und Jugendliche brauchen nach Ansicht von Pädagogen Hilfe im Umgang mit Pornografie. “Die Kinder müssen Fragen stellen dürfen, da hilft kein verschämtes Wegducken”, sagte die Rostocker Pädagogin Katharina Zillmer von der Landesfachstelle für sexuelle Gesundheit und Familienplanung Mecklenburg-Vorpommern.

Jugendliche brauchen eine Pornokompetenz

Angelehnt an den Begriff der Medienkompetenz bräuchten sie eine “Pornokompetenz”. Dabei müsse klar sein, dass Verbote nichts nutzen. “Pornografie ist allgegenwärtig, zusätzlich birgt alles Verbotene einen noch höheren Reiz”, betonte Zillmer. Auch Vorwürfe helfen nach den Worten der Expertin nicht weiter.

Kinder sind meist überfordert

Trotz einer angeblich immer freizügigeren Gesellschaft sei das Thema Sexualität und Pornografie emotional hochbelastet, erläuterte Zillmer. Viele Kinder kämen schon mit elf, zwölf Jahren erstmals mit Pornos im Internet in Berührung. “Sie sind meist zunächst überfordert”, sagte Zillmer. Die Reaktionen reichten von schockiert und erschrocken bis hin zu äußerlich völlig cool und abgebrüht.

Was Jugendliche wissen wollen

Mit zunehmendem Alter kämen Fragen zu bestimmten Sexualpraktiken oder zur oft in den Filmen dargestellten freien Verfügbarkeit von Frauen. “Die Jugendlichen brauchen dann einen Raum, in dem alle Fragen gestellt werden dürfen und sie sich sicher sein können, dass die Probleme in diesem Kreis bleiben.”

Die Jugendlichen ernst nehmen

In den wenigsten Fällen seien dann Eltern die ersten Ansprechpartner. Meist ist es der Freundeskreis, aber auch Lehrer und Schulsozialarbeiter könnten hier eine wichtige Funktion erfüllen. Erwachsene sollten die Jugendlichen sehr ernst nehmen. “Das heißt auch, nicht immer gleich Antworten parat haben zu müssen”, sagte Zillmer.

Pornografie und Liebe haben nichts miteinander zu tun

Kindern müsse klargemacht werden, dass Pornografie mit dem Leben und der Liebe nur wenig zu tun haben. So seien Pornoschauspieler gecastet, zum Beispiel nach Aussehen und Figur. Trotzdem seien pornografische Darstellungen per se nicht schädlich, betonte Zillmer. Dafür müsse aber der soziale Hintergrund der Kinder in Ordnung sein. Zudem zeigten die Erfahrungen, dass die meisten jungen Erwachsenen sagen, dass sie früher viel Pornos geschaut hätten – das nun aber der Vergangenheit angehöre.

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“Tanjas BH” entfacht Feminismus-Debatte – Kritik am Oetinger-Verlag

Da will jemand witzig sein, aber es geht nach hinten los. Ausgerechnet der renommierte Oetinger-Verlag, der Astrid Lindgrens Bücher vertreibt, hat es sich jetzt mit Müttern, Feministinnen und ziemlich vielen Internet-Nutzern verdorben. Schuld ist Tanjas BH oder vielmehr ein Plakat, das für ein neues Jungsbuch werben soll. Der Titel: “Die inneren Werte von Tanjas BH”. Dafür erntete der Verlag einen Shitstorm.

Die Zeichnung auf dem Poster bedient sämtliche Rollenklischees, aber sicherlich ist das nur Ironie, die Jungen mit 14 bestimmt sofort verstehen. Sie haben ja auch ein “Superhirn”, wo Mädchen nur einen “Hohlraum” haben und eine “Intelligenzausgabestation” an der Stelle, die beim weiblichen Pendant eine “Quasselstation” einnimmt. Das Poster beschreibt auf diese Weise fast alle Körperteile von Jungen und Mädchen. Ben ist komplett angezogen, er trägt Jeans und T-Shirt. Tanja ist im knappen Bikini abgebildet. Ihre Brust ist das “Verwirrmodul” und Ben hat im Schritt einen “Undercover-Sensor”.

Fazit: Der Junge ist cool, witzig und intelligent, das Mädchen ist hübsch und – äh? War da noch was?

Rollenklischees mit Verwirrmodul contra Undercover-Sensor untermauert

“Witzig, respektlos und mit einem ultracoolen Mädchen- und Jungsposter in jedem Buch.”, so wirbt der Oetinger-Verlag dafür. Das hat die Kampagne @feminismusheute aufgegriffen. Der Tweet “#IchbraucheFeminismus, damit solche Werbung nicht mehr in Schulen aufgehängt werden darf!” hat die Aufregung im Netz ausgelöst. Das Bild zeigt das Plakat in einem Gymnasium in Mecklenburg-Vorpommern.

Respektlos und überhaupt nicht witzig finden zahlreiche User in den sozialen Netzwerken die Kampagne. Rollenklischees würden bedient und verfestigt. “Ultracool” wie der Verlag selbst, findet es keiner. Auf Twitter fragt “Die_Mutti”: Oetinger-Verlag – geht’s noch?”

Der Oetinger-Verlag, der unter anderem “Pippi Langstrumpf”, Bücher von Kirsten Boie und “Die Tribute von Panem” im Sortiment hat, verteidigt sich auf seiner Facebook-Seite und ruft zur Diskussion von Rollenklischees auf:

“Heute online heiß diskutiert: Dieses Plakat, das dem Buch ‘Die inneren Werte von Tanjas BH’ beiliegt, zeigt den Blick des dreizehnjährigen Ben auf gleichaltrige Mädchen. Ben tappt von einem Fettnapf in den nächsten, weil er sich von Geschlechterklischees leiten lässt. Der Leser lacht über Bens ironisch zugespitzte Verirrungen. Das Plakat folgt dem gleichen Prinzip und ist absichtlich so deutlich überzeichnet, um keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen: Hier geht es nicht um eine ernst gemeinte Darstellung von Geschlechtereigenschaften, sondern um unter Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitete Vorurteile. Wir als Jugendbuchverlag nehmen dieses Thema ernst und greifen hier zum Mittel der Ironie. Welche Geschlechterklischees nerven Euch?”

Oetinger-Verlag wollte ironisch sein

Laut “Buzzfeed” sagte Geschäftsführerin Doris Jahnsen, der Verlag habe das Buch verlegt, um mit Geschlechterklischees zu spielen, man wolle sie nicht zementieren, sondern ironisch vorführen. Die Zeichnungen seien so überzogen, dass man über die Geschlechterklischees doch nur lachen könne. “Und Humor ist bekanntermaßen die beste Waffe gegen stereotype Vorstellungen.”

Heute online heiß diskutiert: Dieses Plakat, das dem Buch „Die inneren Werte von Tanjas BH“ beiliegt, zeigt den Blick…

Posted by Verlagsgruppe Oetinger on Mittwoch, 8. April 2015

Lieber Oetinger-Verlag! Wir raten, nächstes Mal unbedingt “Ironie” in dicken Lettern dazuschreiben. Klar sind die Klischees überzogen, richtig lustig ist das trotzdem nicht, schon deshalb, weil kein Jugendlicher aus der Zielgruppe so spricht – egal ob er eine Intelligenzausgabestation oder eine Quasselstation besitzt.

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DGB-Studie: Hauptschüler nahezu ohne Chance auf Ausbildungsplatz

Die Unternehmen in Deutschland beklagen den Mangel an Fachkräften. Trotzdem haben Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss weiterhin schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) waren von knapp 44.000 offenen Stellen der bundesweiten IHK-Lehrstellenbörse knapp 62 Prozent Jugendlichen mit niedriger Schulbildung verschlossen.

Selbst im Hotel- und Restaurantgewerbe seien 60 beziehungsweise 40 Prozent der Ausschreibungen so formuliert, dass sie Jugendliche mit Hauptschulabschluss ausschließen.

Ausschlussquote bei Bankberufen quasi bei 100 Prozent

Der DGB analysierte Ende März die offenen Ausbildungsplätze des Lehrstellenportals der 80 Industrie- und Handelskammern (IHK). Bei den Bank- und Büroberufen gehe die Chance von Hauptschulabsolventen auf eine Lehrstelle “ohnehin gegen Null”, heißt es in dem Bericht. Im Büromanagement, im Groß- und Außenhandel oder bei Industriekaufleuten liege die Ausschlussquote bei mehr als 90 Prozent. Im gewerblich-technischen Bereich würden Hauptschulabsolventen ebenfalls oft ausgegrenzt.

Das passe nicht zu “den ewigen Klagen über den vermeintlichen Fachkräftemangel”, kritisierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack in der “Süddeutschen Zeitung”. Wer künftig seinen Fachkräftenachwuchs sichern wolle, der müsse verstärkt Jugendlichen mit Hauptschulabschluss eine Chance geben.

Zahl der Hauptschulabsolventen stark zurückgegangen

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, dagegen verwies darauf, dass die Anzahl der Hauptschüler in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent zurückgegangen sei. Nur noch 17 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs verließen die Schule mit einem Hauptschulabschluss. Deren Ausbildungschancen seien hervorragend und würden “immer besser”. In anspruchsvollen Ausbildungsberufen reiche ein Hauptschulabschluss aber leider nicht aus.

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Wie sich Teenager heute von ihren Eltern abgrenzen

Mit der Pubertät beginnt das Chaos. Hormone wirbeln nicht nur im Körper alles durcheinander, auch , wo wichtige Verbindungen wieder neu geknüpft werden müssen. Eigentlich ist jetzt auch die Zeit der Rebellion, in der Jugendliche mit elterlichen Konventionen brechen, um sich damit von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen. Doch ist das heute nicht mehr so einfach, denn viele moderne Mütter und Väter sind ebenfalls in der allgegenwärtigen Jugendkultur verwurzelt. Wie Teenager es trotzdem schaffen, sich abzugrenzen und Autonomie zu erlangen, erklärt eine Expertin.

Es gehört zu den spannnesten Lebensphasen, wenn sich Kinder langsam zu Erwachsenen mausern. Sie erleben die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen und machen die ersten Schritte hin zu einem autonomen Leben. Im Weg stehen dabei aus Sicht der Jugendlichen häufig nur die Eltern, die versuchen die Reifung ihres Nachwuchses in möglichst vernünftige und reibungsfreie Bahnen zu lenken. Verständlich, dass es da auf dem Weg zur Selbstfindung zu Konflikten kommt.

Revolte hilft bei der Ablösung

Das jugendliche Aufbegehren auf der Suche nach dem eigenen Ich findet zunächst in alltäglichen Situationen in kleineren Dosen statt. Etwa wenn die dreizehnjährige Tochter ihrer Mutter trotzig entgegnet: “Du hast ja keine Ahnung, was man jetzt trägt und außerdem geht dich das sowieso nichts an.”

Für Entwicklungspsychologen ist dieser pubertierende Aufstand, der sich bei den meisten Teenagern irgendwann in fast allen Lebenslagen bemerkbar macht, zwar ein Kampf um Akzeptanz, aber kein komplettes Abwenden von den Eltern. “Klar ist, dass die Ablösung von Mutter und Vater im Jugendalter ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt ist. Im optimalen Fall bedeutet es zunehmende Autonomie der Jugendlichen bei gleichzeitig hoher emotionaler Verbundenheit mit den Eltern. Das ist das Ziel”, so die Psychologin Eva-Verena Wendt vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) gegenüber t-online.de.

Jugendliche haben heute mehr Entscheidungsmacht

Dabei ist die deutliche Abgrenzung vom Erwachsenenkosmos heute schwerer als noch ein oder zwei Generationen zuvor: “Die Eltern der heutigen Jugendlichen”, erklärt die Expertin weiter, “sind circa zwischen 1960 und 1975 geboren. Das heißt, diese Eltern haben ihrerseits schon eine gewandelte, teils ausgesprochen anti-autoritäre Erziehung erlebt und setzen bei ihren eigenen Kindern auch deshalb ganz andere Ziele, als das Eltern in der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren getan haben.”

So haben pädagogische Prinzipien wie Gehorsam und Unterordnung seit der Nachkriegszeit kontinuierlich an Bedeutung verloren. “Immer wichtiger werden dagegen Selbständigkeit und freier Wille. Jugendliche haben heutzutage mehr Entscheidungsmacht als früher und werden durch Diskussionen und Erklärungen an Entscheidungen beteiligt, und nicht wie früher in Form von Anweisungen – gegen die ja rebelliert wurde. Trotzdem bleibt die Ablösung eine Herausforderung für Jugendliche und Eltern”, kommentiert die Psychologin.

Wenn sich das Styling und der Musikgeschmack gleichen

Auch die Themen, über die zwischen den Generationen gestritten wird, haben sich mittlerweile verändert. Insbesondere bei Äußerlichkeiten wie etwa bei Kleidung und Styling haben sich Jung und Alt einander angenähert.

Viele jung gebliebene Eltern vereinnahmen inzwischen auch für sich solche sichtbaren Attribute, die noch vor 30 Jahren als Insignien des Heranwachsens und der Rebellion galten und allein Teenagern und jungen Erwachsenen vorbehalten schienen. Dazu gehören zerschlissene Jeans genauso wie Piercings und Tattoos oder punkige Frisuren. Sogar bei den musikalischen Vorlieben sind die Schnittmengen größer geworden.

Es bleibt genug Konfliktpotential

Trotz solcher Verschmelzungen bestehe aber bei bestimmten Fragen zwischen pubertierenden Kindern und ihren Eltern immer noch genug Konfliktpotential mit entsprechender Reibungshitze, betont Wendt. “Diskussionsbedarf über andere Bereiche gibt es genauso wie früher – etwa wenn es um Zeitgrenzen beim Ausgehen, Übernachtungsregeln, Alkoholkonsum, Lernen und Schule, Wahl der Sozialkontakte, Sexualität oder um die Nutzung des elterlichen Autos und das Taschengeld geht. In nahezu jeder Familie werden sich deshalb Felder finden lassen, wo diese wichtigen Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Jugendlichen entstehen, wo die Teenager auf dem Weg zur Autonomie ihre Grenzen austesten, wo sie versuchen werden, heimlich Grenzen zu erweitern.”

Jugendlicher Netzjargon im digitalen Kosmos

Eine besondere Rolle bei diesem jugendlichen Selbstfindungs- und Ablösungsprozess spielen heute moderne Kommunikationsmittel und ihre Nutzung. Hier sind Teenager oftmals nicht nur technisch ihren Eltern haushoch überlegen, sondern bewegen sich beim Twittern und Chatten in einem Sprachraum, der für viele Väter und Mütter zum großen Teil ein Mysterium bleibt.

“Jugendliche entwickeln hier eigene Kommunikationstraditionen in ihren Kontaktkreisen, beispielsweise Kommunikation im Dialekt oder Nutzung von Abkürzungen. Sie verwenden also einen eigenen Netzjargon, den die Eltern unter Umständen nicht verstehen können, weil sie da einfach nicht mehr auf dem Stand der Zeit sind”, erklärt die Expertin des DJI.

Teenie-Sprache als wirkungsvolles Abgrenzungsinstrument

Dabei ist eine spezielle Jugendsprache als Abgrenzung zu anderen absolut nichts Neues. Schon immer war sie mit charakteristischen codierten Ausdrucksweisen ein wichtiger Bestandteil der Selbstinszenierung Heranwachsender und innerhalb von Teenie-Cliquen außerdem identitätsstiftend. Insiderformulierungen lösen Zugehörigkeitsgefühl unter Gleichgesinnten aus, brechen aber zugleich auch mit bestimmten Normen der Älteren und wollen provozieren.

Zu den bevorzugten kreativen Sprachbasteleien, die sowohl sprechend als auch schreibend benutzt werden, gehören zum Beispiel Wortverfremdungen, Übertreibungen und Wortneuschöpfungen, die oft mit abgewandelten Anglizismen verknüpft werden oder Vokabeln, die in einem neuen Kontext verwendet werden. Dabei wird mit der Muttersprache und deren Regeln oft ziemlich rabiat umgesprungen: Grammatik ist dann dazu da, ignoriert zu werden, Rechtschreibung gilt höchstens als Empfehlung.

Sprachliche Anleihen beim Jugendslang

Doch Jugendsprache, die sich ohnehin ständig in einem Wandel befindet, muss sich mehr denn je permanent erneuern – gleich welcher Jugendkultur sie entstammt. Denn gerade unsere auf Jugend fokussierte Gesellschaft adaptiert gerne Begriffe aus diesem Kommunikationskosmos, die über die Medien und die Werbung manchmal sogar als genormtes Sprachgut den Weg in den Duden schaffen. Zur klaren Abgrenzung von der Erwachsenenwelt taugen solche Vokabeln und Redewendungen dann jedenfalls nicht mehr.

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