Kategorie -Jugendliche

Vincent aus Eltville auf Atlantik-Überfahrt

Vincent aus Eltville auf Atlantik-Überfahrt

Am Anfang hab ich Segeln gehasst und wollte zuerst auch nicht mit auf die Reise“, sagt Vincent Mühlhause. Seine spätere Leidenschaft wurde von seinen Eltern geprägt. Mit vier Jahren betrat der heute 18-Jährige zum ersten Mal das Deck eines Segelschiffes. Sein 21-jähriger Bruder überzeugte Vincent, auf die Segeltour mitzukommen. Auf der einjährigen Reise besuchte Vincent mit seinem Vater Stefan, einem Architekten, seiner Mutter, der Lehrerin Frauke Rellermaier, und seinem Bruder, der grade sein Abi gemacht hatte, mehr als sieben Länder sowie mehr als 20 karibische Inseln und das berüchtigte Bermudadreieck. Bevor es losging, gab die Familie eine große Abschiedsfeier in ihrer Villa am Rhein bei Eltville. Sie übersegelten mit ihrem Boot „Lykke“, einer Hallberg-Rassy 46 aus dem Baujahr 2003, die Nordsee, die Keltische See, den Nordatlantik und das Karibische Meer. Die für ihn interessanteste Insel war „Saint Martin“. Die halb französische und halb holländische Insel wurde 2017 von einem Hurrikan verwüstet und zu großen Teilen zerstört. „Als wir dort waren, sah man noch zerstörte Häuser und die Folgen des Hurrikans.“ Eines Morgens wachte Vincent auf, und das Deck war voll mit Asche, weil einmal in der Woche ein riesiger Haufen Müll verbrannt wird.

Kindheitstraum des Vaters

„Mein Vater hat sein ganzes Leben darauf hingearbeitet, es war für ihn eine Art Kindheitstraum, den er nie aus den Augen verloren hat“, sagt er. Ein besonderer Moment sei es gewesen, als er in der Karibik am Strand saß, sich grade eine „Piña Colada“ bestellte und ein Kolibri vorbeigeflogen kam und sich auf die Bar setzte. Sein schrecklichstes Erlebnis war ein Mastbruch mitten auf dem Atlantik. „Es war gegen vier Uhr nachts, als ein Schichtwechsel war. Mein Bruder und ich waren gerade mit unserer Schicht fertig und wollten uns schlafen legen, als ich eine laute Erschütterung hörte. Meine Mutter rannte zu uns und schrie, dass der Mast bricht. Mein Bruder und ich zogen uns schnell was an und rannten zum Deck.“ Ein Schockmoment. Jetzt hieß es Ruhe bewahren, da das Hauptantriebsmittel 5000 Meter tief im Atlantik versank. Ein Segelboot, das sie anfunkten, kam zu Hilfe und fuhr bis zum nächsten Anlegepunkt mit, wo sie dann für viel Geld einen neuen Mast kauften. Sie bewegten sich nun mit Hilfe des Bootmotors, der für Notfälle da war.

„Ich vermisste meine Freunde sehr“

Das Zusammenleben auf so engem Raum beschreibt Vincent als schwierig. „Auf dem Atlantik gab es keine Zeit für Konflikte und Streitigkeiten, da man jederzeit fokussiert sein musste, dafür entluden sich die ganzen angestauten Emotionen dann, als wir mal anlegten.“ Auf die Frage, wie es gewesen sei, komplett von der Außenwelt abgeschottet zu sein, antwortet er: „Eine schöne Scheiße, ich vermisste meine Freunde sehr, im Nachhinein war es aber gut, mal kein Internet zu haben, keine Ablenkungen und die Leute wie früher persönlich kennenzulernen und nicht übers Internet.“ Die Familie plant für 2023 eine Weltumseglung mit einer Überquerung des Atlantiks und des Pazifiks in mehreren Etappen. Dann wird Vincent seine Ausbildung als Industriemechatroniker abgeschlossen haben.

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Zu wenig Hilfe für Jugendliche: Corona verschärft psychische Probleme drastisch

Ein UNICEF-Bericht zeigt, dass viele Jugendliche psychische Probleme haben: Weltweit nimmt sich alle elf Minuten ein junger Mensch das Leben. Die Pandemie habe die Probleme zwar „gravierend“ verstärkt, aber nicht verursacht. Bei Hilfsangeboten werde häufig gespart.

Angststörungen, Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten: Jeder siebte junge Mensch im Alter zwischen zehn und 19 Jahren leidet nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF unter einer diagnostizierten psychischen Störung. Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie kommen nun noch Auswirkungen hinzu, die „gravierend“ seien und „über viele Jahre“ spürbar, warnte UNICEF in einem neuen Bericht. Die Corona-Folgen für die Psyche von Kindern und Jugendlichen seien aber „nur die Spitze des Eisbergs, denn bereits vor der Pandemie litten viel zu viele Kinder an psychischen Belastungen“, mahnte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

UNICEF verwies darauf, dass es weltweit eine große Lücke zwischen dem Bedarf an Hilfsangeboten und den verfügbaren Geldern für die Behandlung psychischer Auffälligkeiten und Störungen bei jungen Leuten gebe. Die Regierungen würden weniger als zwei Prozent ihres Gesundheitsbudgets dafür ausgeben, heißt es in dem neuen „Bericht zur Situation der Kinder in der Welt“, der erstmals den Schwerpunkt auf mentale Gesundheit legt.

Nach Angaben von UNICEF nehmen sich weltweit jedes Jahr rund 46.000 junge Menschen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren das Leben – ein junger Mensch alle elf Minuten. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ist demnach Suizid die vierthäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen, Tuberkulose und Gewalttaten – wie viele der Selbsttötungen von psychischen Erkrankungen herrühren, geht aus den UN-Angaben nicht hervor.

„Müssen Thema aus der Tabuecke holen“

„Die Förderung der psychischen Gesundheit junger Menschen ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag für ihr Wohlbefinden, ihre Entwicklung und ihre Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft“, erklärte Christian Schneider, der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Wir müssen das Thema aus der Tabuecke holen und Kindern und jungen Menschen die Unterstützung geben, die sie brauchen.“

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33

  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der Deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Während der Corona-Pandemie war laut UNICEF mindestens eines von sieben Kindern von landesweiten Lockdowns betroffen. 1,6 Milliarden Kinder haben Schulunterricht verpasst und Lernstoff versäumt. Durch die Corona-Einschränkungen in Schule und Familie würden viele unter Angstgefühlen leiden, seien wütend oder machten sich Sorgen.

Den Ergebnissen einer internationalen Umfrage von UNICEF und Gallup im Sommer 2021 zufolge gab unter Heranwachsenden und Erwachsenen in 21 Ländern jeder fünfte befragte junge Mensch (19 Prozent) zwischen 15 und 24 Jahren an, sich häufig deprimiert zu fühlen oder wenig Interesse an Dingen zu haben oder daran, etwas zu unternehmen. In Deutschland sagte dies einer von vier der befragten jungen Menschen (24 Prozent).

UNICEF forderte die Regierungen, die Privatwirtschaft und die Öffentlichkeit auf, die mentale Gesundheit von Kindern und jungen Menschen besser zu schützen. Nötig seien dringend mehr Investitionen, nicht nur im Gesundheitswesen. „Das Schweigen über psychische Erkrankungen muss gebrochen“ werden, forderte UNICEF. Exekutivdirektorin Fore betonte: „Eine gute psychische Gesundheit ist entscheidend dafür, dass Kinder ihre Potenziale verwirklichen können.“

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4444 Seemeilen rudern

4444 Seemeilen rudern

Land! Wir sehen seit drei Monaten zum ersten Mal wieder Land! Barbados, wir kommen.“ Am 6. Oktober 2020 um 12 Uhr legt ein kleines, weißes Boot am Ufer der Antilleninsel an. Nach 105 Tagen und geruderten 4444 Seemeilen ohne Pause – einem Wechsel alle zwei Stunden – gehen Maksim und sein Vater Stefan Ivanov an Land. Maksim besucht die 11. Klasse der St.-George-Schule in Sofia. Der 17-Jährige nimmt an Debatten teil, bereitet sich auf die Universität vor, und manchmal an Wochenenden fährt er den ganzen Tag leidenschaftlich mit dem Rad. Sein Vater Stefan ist Immobilienunternehmer von Beruf. Der 48-Jährige weckte die Leidenschaft für Abenteuer in Maksim. Vor zwei Jahren scherzte der Vater, dass sie in der Zeit vor den Orkanen den Atlantischen Ozean von Osten nach Westen mit einem einzelnen Ruderboot überqueren. Vor der Reise lesen Maksim und sein Vater viel über das Rudern, den Ozean, das Bootbauen. Mithilfe von Freunden bauen sie selbst nach den angelesenen Informationen in zwei Jahren ein Boot. Der Motor fehlt, nur zwei Ruder sind vorhanden. Neverest ist sein Name: „You should never rest until you reach your Everest“, erklärt Maksim. Die Familie ist selbstverständlich besorgt. Maksims Mutter und Schwester sagen, dass sie jede mögliche Minute den beiden Abenteurern durch die Koordinatensysteme folgen und sie sich täglich am Telefon hören sollen.

„Erfahrung ist der Mörder meiner Angst“

Der Tag des Aufbruchs war der 14. Juni. Vater und Sohn befinden sich allein inmitten des unendlichen Ozeans. Stürme ziehen auf. Gewitter und Blitze, neun Meter hohe Wellen, räuberische Haifische, Schäden am Navigationsgerät oder am Boot, die zum Untergang führen können. „Am Anfang hatte ich Angst. Ich will nicht aufgeben, und ich kann nicht mehr. Falls wir in der Mitte des Nichts eingesperrt bleiben, würde es das Ende sein“, berichtet Maksim. Ideen mussten entwickelt werden, wenn etwas entzweiging. Das Boot ist jeden Tag mit hundert Litern Wasser überflutet. Die Wassermengen sind abzupumpen. Der Autopilot bricht zusammen, die Solarzellenplatten, die das Navigations- und Kommunikationssystem laden, hören auf zu funktionieren. Die Ruderanlage geht kaputt. Ohne sie können Vater und Sohn sich nicht in der gewünschten Richtung bewegen. Nach der sechsten Reparatur ist sie fester als zuvor. Die Solarzellenplatten stellen beide wieder her, indem sie die Halbleiter zwischen ihnen und den Geräten verstärken. Die Verbindung mit der Familie ist wieder da. „Diese Bedingungen zwingen meinen Körper und meinen Geist, sich anzupassen. Anfänglich, als wir den Boden des Boots von Seeschnecken befreiten, bin ich ängstlich vor Haifischen gewesen. Nach zwei Wochen habe ich mich daran gewöhnt. In Pausen springe ich sogar ins Wasser, um mich abzukühlen. So mache ich die Angst um mein Leben zum Herrn meines Schicksals, zum Herrn meines Lebens. Meine Erfahrung ist der Mörder meiner Angst.“

„Das Wichtigste ist die psychische Einstellung“

Eine positive Sichtweise den alltäglichen Dingen gegenüber wird zum Schlüssel. Jede zweite Stunde muss ein Wechsel stattfinden. Statt an die stickige Kajüte zu denken, freut sich Maksim darauf, in der Pause ein Buch zu lesen oder einen Podcast anzuhören. Die meisten Tage spricht er mindestens eine Stunde mit Freunden und Verwandten am Handy. „Ich stelle mir vor, dass der Mensch vor mir steht, und unterhalte mich mit ihm. Es ist nicht leicht, aber schenkt mir Kraft.“ Diese Methode erleichtert es, die Pflichten zu erledigen. „Heute denke ich über die heutigen Probleme nach, morgen werde ich über die zukünftigen Probleme nachdenken. Ich wusste, dass wir eines Tages unser Ziel erreichen werden.“ Ruhe und Zuversicht haben geholfen. „Das Wichtigste ist die psychische Einstellung! Ich bin in eine Zen-Zone geraten“, sagt er lachend. Wenn sie niedergedrückt sind, geben sie sich doppelt Mühe. Zwei Stunden brauchen sie, um 200 Meter zu überbrücken. Für die Zeit, den Wechsel zwischen beiden durchzuführen, verlieren sie fast 200 Meter. Der Wind mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Stundenkilometern treibt sie zurück. „Es ist furchtbar! 30 Sekunden Pause, und der Trübsinn kehrte zurück und stellte uns auf null.“ Der Ozean stärkt die Psyche eines Menschen. „Ich beginne das Wichtige zu schätzen, das Leben und die Gesundheit, und sie nicht als Gegebenheiten anzunehmen. Mein Vater ist sehr stolz auf mich“, sagt Maksim froh. „Wir sind zu einem einzigen Menschen geworden.“ Lächelnd sagt er: „Ich kann es nicht glauben, als David aus Französisch-Guayana uns trifft, um uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Einen anderen Menschen erblickt er. Ich schaue aus, als ob ich ein Außerirdischer wäre.“

Unterstützung für die Organspende

Vor der Reise entscheiden sich die Ivanovs, die Organspende in Bulgarien zu unterstützen. „Wir wollen uns für etwas Karitatives in Bulgarien entscheiden und erfahren, dass es hier ein großes Problem mit der Organspende gibt.“ Sie hoffen mit ihrer Reise die Aufmerksamkeit hierfür zu erhöhen. Auf ihrem Boot sind die Zeichen des bulgarischen Fonds, der die Organspende unterstützt. 105 Tage dauerte das Abenteuer. Nach dem Rückflug nach Bulgarien ist der Teenager abgehärtet und gefestigt in seiner Persönlichkeit und wartet darauf, neue Hürden zu meistern.

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Coronavirus-Liveticker: +++ 12:10 Norden impft Jugendliche am schnellsten +++

Schleswig-Holstein ist mit deutlichem Vorsprung Spitzenreiter beim Impffortschritt unter Jugendlichen, gefolgt von Niedersachsen. Am langsamsten geht es bei den 12- bis 17-Jährigen in Ostdeutschland voran – dort sind in der Altersgruppe nicht einmal halb so viele geimpft.

+++ 11:48 Impfkampagne erreicht Tiefpunkt +++
Die tägliche Impfleistung in Deutschland erreicht einen neuen Tiefpunkt. Am Tag der Deutschen Einheit wurden laut offiziellem RKI-Impfquoten-Monitoring bundesweit lediglich 12.741 Impfungen verabreicht. Das ist der geringste Tageszuwachs seit Beginn der Impfkampagne. Selbst am 27. Dezember 2020 – Tag 1 der deutschen Impfbemühungen – wurden mehr Impfdosen gespritzt als am Sonntag. Die Quote der mindestens einmal Geimpften steigt in entsprechend kleinen Schritten von 68,1 auf 68,2 Prozent.

+++ 11:29 Rio hofft auf Karneval ohne Abstandspflicht +++
Der Bürgermeister von Rio de Janeiro hofft auf einen Karneval ohne Abstandsregeln im kommenden Jahr. „Wer wird im Karneval weiter Abstand halten? Es ist absurd, einen Meter Abstand zu fordern“, findet Eduardo Paes. Bis November solle „die gesamte Bevölkerung“ der brasilianischen Millionenmetropole mit zwei Impfdosen gegen das Coronavirus geimpft werden. „Ab dann werden wir voraussichtlich keine Beschränkungen mehr haben, und wir werden bestimmt einen Karneval ohne Beschränkungen haben.“ In diesem Jahr war der Karneval abgesagt worden. Brasilien verzeichnet nach den USA die weltweit höchste Zahl von Corona-Toten.

+++ 11:29 Maskenpflicht endet an vielen französischen Grundschulen +++
Grundschüler brauchen in weiten Teilen Frankreichs keinen Mund-Nasen-Schutz mehr zu tragen. In 47 von 101 Départements, in denen der Inzidenzwert unter 50 liegt, entfällt die Maskenpflicht für Grundschüler. Die Lehrer müssen weiter Masken tragen. Auch für die Mittel- und Oberstufe ändert sich vorerst nichts. Gewerkschaften weisen darauf hin, dass in Frankreich verhältnismäßig wenige Schüler getestet werden.

+++ 11:10 Weniger Studenten kommen aus dem Ausland +++
Deutschland gehört weiterhin zu den weltweit beliebtesten Standorten fürs Studium. Doch im Corona-Jahr 2020 ist die Zahl der ausländischen Studienanfänger in Deutschland nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) deutlich zurückgegangen. 64.000 Erstsemester nahmen im Wintersemester 2020/2021 ein Studium in Deutschland auf, 15.000 weniger als im Jahr davor. Fast ein Viertel der Studienanfänger aus dem Ausland starteten ihr Studium in Deutschland online; im Jahr davor waren es nur 14 Prozent. Der DAAD rechnet jetzt mit einer Stabilisierung der Zahlen.

+++ 10:50 Haushaltsloch der Kommunen wird kleiner +++
Die Gemeinden und Gemeindeverbände weisen für das erste Halbjahr dieses Jahres ein Finanzierungsdefizit von 5,7 Milliarden Euro aus. Das Defizit war damit deutlich niedriger als zu Beginn der Corona-Krise im ersten Halbjahr 2020 (9,6 Milliarden Euro) – aber auch klar höher als vor Beginn der Pandemie im ersten Halbjahr 2019 (0,3 Milliarden Euro). Das teilt das Statistische Bundesamt mit. Die Stadtstaaten sind in der Statistik nicht enthalten.

+++ 10:26 Neuseeland weicht Null-Covid-Strategie auf +++
Neuseeland rückt vorsichtig von seiner ehrgeizigen Null-Covid-Strategie ab. Premierministerin Jacinda Ardern sagt, die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus habe sich als „Wendepunkt“ erwiesen. In Auckland habe das Coronavirus auch mit dem strengen Lockdown der vergangenen Wochen nicht ausgemerzt werden können. Sie kündigt an, die Strategie noch nicht unmittelbar aufzugeben. Die Regierung werde die Beschränkungen in Auckland aber leicht lockern. Ardern fügte hinzu, dass diese Strategie-Änderung erst durch die deutliche Steigerung der Impfquote möglich geworden sei.

+++ 10:07 Fauci: Nicht auf neues Medikament vertrauen +++
US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci warnt davor, auf das neue Medikament von Merck zu setzen und sich deshalb nicht impfen zu lassen. Das berichtet die „New York Times“. Die Pille könne zwar das Risiko für einen schweren Verlauf senken, der beste Schutz sei aber, eine Infektion zu vermeiden. Die Zahl der Todesopfer in den USA stieg in diesem Monat auf über 700.000. Fauci betonte, die rund 70 Millionen Amerikaner, die für einen Impfstoff in Frage kommen, müssten geimpft werden.

+++ 09:38 Miniatur-Wunderland-Macher nutzt Zeit für Söhne +++
Wegen der Corona-Pandemie hat Miniatur-Wunderland-Macher Frederik Braun seit einigen Monaten mehr Zeit zum Fußballspielen mit seinen kleinen Söhnen. „Ich habe aus meinen beiden Jungs, die zum Beginn des Lockdowns vier und fünf Jahre alt waren, echte Fußballtalente gemacht, weil ich jeden Tag eine Stunde früher nach Hause gekommen bin und wir mit einem Plastikball aufs Garagentor geschossen haben“, sagt Braun im Podcast „Wie ist die Lage?“ von Lars Meier und der „Hamburger Morgenpost“. Braun hat das Miniatur-Wunderland vor 20 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Gerrit eröffnet. Die Lockdowns nutzten sie, um neue Welten zu bauen und Sehenswürdigkeiten zu erneuern sowie das Gebäude zum Teil zu modernisieren.

+++ 09:18 Kommunen warnen vor Unterricht ohne Maskenpflicht +++
Der Städte- und Gemeindebund warnt vor einer vorschnellen Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen. Schülerinnen und Schüler seien eine besonders gefährdete Gruppe, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie könnten zum großen Teil noch nicht geimpft werden und müssten über viele Stunden auf vergleichsweise engem Raum täglich am Unterricht teilnehmen. „Deswegen ist es weiterhin wichtig, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet werden und insbesondere in Gebieten, wo die Inzidenzzahlen vergleichsweise hoch sind, auch an der Maskenpflicht festgehalten wird.“

+++ 08:59 Zahl der Regionen mit erhöhtem Fallaufkommen steigt +++
Seit einigen Tagen nimmt die Zahl der Kreise und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 wieder zu. Aktuell überschreiten den Wert 53 Regionen. Die Anzahl ist aber weit entfernt vom vergangenen Höhepunkt im April, als rund 360 Regionen eine so hohe Inzidenz hatten. Am 10. September lag der Wert bei 113.

+++ 08:32 Delta treibt Zahl der Todesfälle in US-Heimen in die Höhe +++
Die Delta-Variante führt in amerikanischen Pflegeheimen zu einem deutlichen Anstieg der Todesfälle. Das zeige eine Analyse der „Kaiser Family Foundation“, berichtet die „New York Times“. Zwar reiche die Zahl bei Weitem nicht an den Höhepunkt Ende des vergangenen Jahres heran, doch als Delta im August durchs Land fegte, nahmen die Todesfälle demnach stark zu. Mit 1.800 hätten die Heime so viele Tote wie seit Februar nicht gemeldet.

+++ 08:12 Hochschulen schließen noch immer Schwangere aus +++
Mit dem Vorlesungsstart der Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist die coronabedingte Online-Phase an den Hochschulen offiziell vorbei – doch in Bayern werden schwangere Studentinnen mancherorts weiterhin an den heimischen Schreibtisch verbannt. So heißt es etwa im Corona-Update der Hochschule München (HM): „Als schwangere Studentin dürfen Sie die HM nicht betreten, selbst wenn Sie geimpft oder genesen sind.“ Auch andernorts wird Schwangeren zumindest nachdrücklich empfohlen, zu Hause zu bleiben.

+++ 07:52 Sechs der zehn stark betroffenen Regionen liegen in Bayern +++
Sechs der zehn aktuell am schwersten betroffenen Kreise und kreisfreien Städte sind bayerisch. Der Landkreis Traunstein verzeichnet mit 250,7 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz, gefolgt von Bremerhaven mit 245,7. Neben fünf weiteren bayerischen Kreisen und Städten liegen drei der am stärksten betroffenen in Baden-Württemberg.

+++ 07:32 Bayern und Berlin lockern Maskenpflicht an Schulen +++
In zwei Bundesländern greifen ab sofort Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen. In Berlin wird die Maskenpflicht im Unterricht bis zur sechsten Klasse aufgehoben, in Bayern müssen an den Schulen im Unterricht generell keine Masken mehr getragen werden. Über die Aufhebung wird seit Tagen erbittert gestritten. Ärztevertreter hatten eine generelle Fortsetzung der Maßnahme an Schulen als unangemessen bezeichnet. Befürworter halten hingegen eine Aufhebung angesichts der hohen Zahl an Ungeimpften und der Infektionslage gerade unter jungen Menschen für verfrüht. Das Coronavirus geht nach RKI-Daten besonders stark bei Kindern ab dem Vorschulalter und Jugendlichen bis 19 Jahren um.

+++ 07:13 Polizisten brauchen mehr Seelsorge +++
Die hessischen Polizisten suchen während der Pandemie mehr seelsorgerische Unterstützung. Für die Polizeiseelsorge werde zwar keine Statistik geführt, teilt Innenminister Peter Beuth auf eine Anfrage der Linke-Fraktion mit. Grundsätzlich habe es aber im vergangenen Jahr im Zuge der Pandemie eine Zunahme von seelsorgerischer Begleitung gegeben.

+++ 06:54 Tierheimen gehen nach dem Lockdown die Helfer aus +++
Die Tierheime in Sachsen-Anhalt sind voll, doch für die Arbeit fehlen den Einrichtungen die helfenden Hände. „Wir haben zu viele Tiere und zu wenig Mitarbeiter“, sagt Rudolf Giersch, Landesvorsitzender des Deutschen Tierschutzbunds. Während des Lockdowns hätten einige Leute mehr Zeit gehabt und deshalb mehr geholfen. Mit Ende der Einschränkungen seien die Ehrenamtlichen wieder weniger geworden. Für Minijobber oder geringfügig Beschäftigte fehlt in den meisten Fällen das Geld.

+++ 06:34 Städten fehlen fast 20 Milliarden an Steuereinnahmen +++
Städtetagspräsident Burkhard Jung hat die potenziellen Koalitionspartner in Berlin und die Länder aufgefordert, die coronabedingten Steuerverluste der Kommunen auch für dieses und das nächste Jahr auszugleichen. Es fehlten in den beiden Jahren fast 20 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, sagte der Leipziger SPD-Oberbürgermeister der „Rheinischen Post“. „2020 haben uns Bund und Länder erfolgreich geholfen und Steuerverluste ausgeglichen. Das brauchen wir jetzt auch für 2021 und 2022.“

+++ 06:14 Corona führt zu mehr illegaler Prostitution +++
In der Pandemie wandern viele Prostituierte in Deutschland in die Illegalität ab. Hedwig Christ von der Beratungsstelle Kassandra in Nürnberg betrachtet das mit Sorge: „Wir hören von Frauen, die illegal arbeiten, dass die Kunden mehr verlangen.“ Andere Prostituierte wollten sich nach den Erfahrungen in den vergangenen beiden Jahren jetzt beruflich verändern und einen krisenfesten Job suchen. Trotz der Lockerungen der Corona-Maßnahmen in allen Bundesländern sind viele Prostitutionsstätten nach Angaben des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen nach wie vor geschlossen, weil die Geschäfte zu schlecht liefen oder Prostituierte fehlten.

+++ 05:55 Karliczek: Bei Ende der Maskenpflicht mehr Tests in Schulen +++
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek begrüßt ein Ende der Maskenpflicht in einigen Ländern. Zugleich mahnt sie zusätzliches Testen als Sicherheitsmaßnahme an. Sie könne nachvollziehen, „wenn auch die Maskenpflicht in dieser Phase der Pandemie nun gelockert wird. Das Tragen von Masken beeinträchtigt einen normalen Unterricht und ist für die Schülerinnen und Schüler belastend“, sagt die CDU-Politikerin der „Rheinischen Post“. „Allerdings muss bei einer Lockerung der Maskenpflicht weiter oder sogar vermehrt in den Schulen getestet werden.“ Karliczek bezieht dies vor allem auf die Zeit nach den Herbstferien. „Denn dann kann es nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit durchaus sein, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Nach wie vor ist eine Infektionsprävention an den Schulen auch zum Schutz der Kinder und Jugendlichen wichtig.“

+++ 04:52 RKI meldet leicht steigende Inzidenz +++
Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist am fünften Tag in Folge etwas gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 64,7 an. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 3088 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 3022 gelegen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden sieben Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf 93.793.

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

+++ 04:20 Städtetagspräsident fordert Ausweitung der 2G-Regeln auf weitere Einrichtungen +++
Städtetagspräsident Burkhard Jung fordert angesichts der steigenden Inzidenzwerte die Ausweitung der 2G-Regeln auf weitere Einrichtungen und kritisiert die Schließung der Impfzentren scharf. „Wir müssen alles tun, um noch mehr Menschen fürs Impfen zu motivieren und um die Impfquote zu steigern. Etwa 70 Prozent der Erwachsenen sind aktuell geimpft. Das ist zu wenig“, sagt er der „Rheinischen Post“. „Wir wollen unbedingt die Schließung von Kitas und Schulen vermeiden, sorgenfrei Weihnachtsmärkte und -konzerte besuchen“, so der Leipziger Oberbürgermeister. „Deshalb brauchen wir weitere 2G-Regeln, besonders in pädagogischen und pflegerischen Zusammenhängen. Und auch in Kinos, Clubs, Fitnessstudios sollten nur Geimpfte und Genesene Zutritt haben.“

+++ 03:45 Stöhr fordert Corona-Exit-Fahrplan +++
Der Virologe Klaus Stöhr fordert von der Politik die Vorlage eines konkreten Corona-Exit-Fahrplans. „Zahlen und Fakten sprechen dafür, dass wir dem Pandemie-Ende entgegengehen“,sagt Stöhr bei „Bild TV“. Es seien schon mehr als 75 Prozent der über 12-Jährigen geimpft. Ein Exit-Fahrplan müsse genau in Stufen darlegen, was aufgemacht werden könne, wenn bestimmte Parameter erfüllt seien. Entscheidend sei dafür die Impfrate der über 60-Jährigen. Wenn 85 Prozent von ihnen vollständig geimpft seien, solle man noch vier Wochen für eine Impfkampagne für alle die nutzen, die man bislang nicht erreicht habe. Danach müsse man zur Normalität übergehen. Diesen Zeitpunkt erwarte er nach der Winterperiode.

+++ 02:03 Melbourne ist Lockdown-Weltmeister – kein Ende in Sicht +++
Gut eineinhalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie stellt die australische Millionenmetropole Melbourne einen unrühmlichen Rekord auf. Die Hauptstadt des Bundesstaats Victoria an der Ostküste komme auf zusammengezählt 246 Tage im Lockdown-Modus, berichtet der australische Rundfunksender ABC – und habe so dem bisherigen Rekordhalter Buenos Aires den Rang abgelaufen. In Victoria haben die Corona-Neuinfektionen zuletzt drastisch zugenommen, vergangene Woche fiel ein Rekordwert nach dem anderen. Dabei befindet sich die Region seit fast zwei Monaten in einem strikten Lockdown, zum sechsten Mal bereits. Nachdem 80 Prozent der Bevölkerung zumindest eine erste Impfdosis haben, wurden die Regeln jüngst leicht gelockert. Australien mit seinen rund 25 Millionen Einwohnern hatte lange eine Null-Covid-Strategie. Mit der Ausbreitung der Delta-Variante mussten mehrere Regionalregierungen aber einräumen, dass die Strategie nicht mehr aufgeht. Inzwischen liegt der Fokus der Behörden darauf, eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen.

+++ 00:31 Drei Schweizer Gardisten verweigern Impfung und müssen Korps verlassen +++
Weil sie gegen eine Impf-Anordnung des Heiligen Stuhls verstoßen, verlassen drei Mitglieder die Schweizer Garde des Vatikans. Leutnant Urs Breitenmoser sagt, dass alle Schweizer Gardisten zu einer Impfung gegen Covid-19 aufgefordert waren, „um ihre Gesundheit und die anderer, mit denen sie im Rahmen ihres Dienstes in Kontakt kommen, zu schützen“. Drei Gardisten hätten sich dieser Anweisung widersetzt und seien freiwillig zurück in die Schweiz gereist. Drei weitere Mitglieder des Korps seien aktuell suspendiert und warteten auf eine Impfung.

+++ 23:21 Israel vergibt Grünen Pass nur noch mit Dritt-Impfung +++
Israel verschärft die Bestimmungen für den Grünen Pass. Nur wer eine dritte Impfung gegen Covid-19 erhalten hat, bekommt ab Dienstag das Dokument. Mit dem Grünen Pass erhalten Personen Zutritt zu Restaurants, Fitnessstudios oder anderen kulturellen Veranstaltungen. Zuvor waren nur zwei Impfungen notwendig. Rund 37 Prozent der 9,4 Millionen Israelis haben die Auffrischungsimpfung (dritte Immunisierung) bekommen. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie erhöht Israel damit den Druck auf doppelt Geimpfte.

+++ 22:09 Leichter Anstieg: 55.700 Neuinfektionen in aktueller Woche erfasst +++
In der zurückliegenden Kalenderwoche (KW 39) haben die Behörden der Bundesländer insgesamt 55.703 neue Fälle verzeichnet. Wie aus einer ntv.de-Auswertung der Angaben hervorgeht, ist das im Vergleich zur Vorwoche ein Anstieg um 2,5 Prozent. In der KW 38 waren 54.340 Neuinfektionen registriert worden. Die Zahlen des aktuellen Wochenendes sind allerdings unvollständig, da Thüringen keine Daten geliefert hat. Der Anstieg im Wochenvergleich dürfte also höher ausfallen.

+++ 21:38 Mehrheit der Bundesländer registriert sinkende Fall-Inzidenz +++
Neun Bundesländer registrieren eine sinkende Sieben-Tage-Inzidenz: Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen-Anhalt. Das geht aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Länder hervor. Thüringen hat als einziges Bundesland am Wochenende keine aktuellen Daten gemeldet. Das höchste Fallaufkommen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche weist unverändert Bremen auf. Im Vergleich zum Samstag sinkt die dortige Inzidenz jedoch leicht um 1,77 auf nunmehr 113,3. Die niedrigste Inzidenz meldet Schleswig-Holstein (mit leicht steigender Tendenz): 28,6.

+++ 20:58 Aktuelle Datenlage in Deutschland: 15 Bundesländer melden 5032 neue Fälle +++
Die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Infektionen in Deutschland ist auf 4.253.326 gestiegen. Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Landesbehörden von 15 Bundesländern hervorgeht, kamen damit 5032 neue Fälle hinzu. Wie bereits am Samstag hat Thüringen auch am heutigen Abend keine aktuellen Daten geliefert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Infektion stieg um 10 auf 93.777. Als aktuell infiziert gelten rund 142.500 Personen.

Die Ansteckungsrate (7-Tage-R-Wert) wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) mit 1,07 angegeben (Vortag: 1,12). Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 1336 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 795 davon werden beatmet. Rund 4170 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Die Entwicklungen des Vortags lesen Sie hier.

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Sorge über den Klimawandel. Ein Engadiner Bergsteiger mit Weitblick

Sorge über den Klimawandel. Ein Engadiner Bergsteiger mit Weitblick

Ich bin überaus glücklich, meinen Arbeitsplatz in der freien Natur zu haben und gemeinsam mit meinen Gästen die Bergwelt erkunden zu können.“ Markus Locher aus Bever im Kanton Graubünden arbeitet seit zehn Jahren als Bergsteiger. Der ausgebildete Forstwirt ist etwa 180 Zentimeter groß, hat braune, kurze Haare, tiefblaue Augen. Selbst in seiner Freizeit mache er nichts lieber, als mit seiner Frau und Hund am warmen Felsen zu klettern. Der Hund begleitet ihn vor allem auf Wanderungen und in Klettergärten. Im Winter, unterwegs mit Tourenskiern, hat er den Hund sogar schon über den Gletscher zur Engadiner Bovalhütte mitgenommen. Dabei ist der Hund mit einem Seil gesichert worden, denn auch ein Hund könnte in einen Gletscherspalt stürzen. „Ich habe mich zusammen mit dem Hund sogar auch schon eine 20 Meter hohe Felswand abgeseilt. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn man sich gegenseitig voll vertraut.“

Der Piz Bernina und der Piz Morteratsch

Locher steht in der Alpinen Rettung auch für Rettungseinsätze zur Verfügung und hat schon viele Rettungseinsätze mit dem Helikopter geübt. Er hat beinahe die ganze Schweiz erklommen, wobei seine Lieblingsberge der Eiger im Berner Oberland und die beiden Gipfel bei Pontresina sind, der Piz Bernina und der Piz Morteratsch. Das Motto bei seiner Arbeit lautet dabei stets: „Die Berge sicher erleben“. Bergsteigen sei nicht nur großartig, sondern könne auch gefährlich sein. Er selbst ist zum Glück noch nie in eine gefährliche Situation geraten. „Jeder kleine Ausrutscher hätte aber gefährlich enden können“, betont er. Man müsse immer vorausschauen, um mögliche Gefahren zu erkennen und richtig handeln zu können. Gefahren können jederzeit drohen. Jede Situation sei anders, und selbst ein kleiner Fehler könne fatale Folgen haben. „Als Bergführer muss man also immer in Alarmbereitschaft sein und jedes Zeichen der Umwelt und des Gastes wahrnehmen. Einen Ausrutscher eines Gastes auf einem Grat muss man als Zeichen deuten. Für mich bedeutet das: Pass auf, mein Gast ist entweder erschöpft oder überfordert. Entweder kehrt man dann um, oder aber man legt öfters eine Pause ein“, erklärt Locher.

Steinschlaggefahr durch die enorme Wärme

„Es gibt Unfälle, welche man hätte vermeiden können, aber auch solche, bei denen man machtlos ist. Im Falle eines Steinschlags ist man zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt er und kommt auf das Thema des Klimawandels zu sprechen. „Früher wurde die Eiger-Nordwand immer im Sommer bestiegen, da die Verhältnisse immer sehr sicher waren. Heute jedoch besteigt man die Nordwand im Sommer nur noch selten. Durch die enorme Wärme, die wir neuerdings im Sommer haben, ist die Wand extrem steinschlaggefährdet. Will man die Nordwand besteigen, muss man also in den Wintermonaten losziehen.“ Allerdings bringe es natürlich nicht mehr Sicherheit, wenn man bei viel Neuschnee die Wand besteige. Es bestehe dann zwar keine Steinschlaggefahr mehr, wenn die Temperaturen tief seien, dafür aber große Lawinengefahr. „Der Klimawandel ist in vollem Gange. Die Menschen nehmen das ganze Thema noch viel zu wenig ernst, denn uns geht es noch viel zu gut hier in Europa“, fährt Markus Locher besorgt fort. Als er die Gletscherabfahrt am Morteratsch-Gletscher in einem Seitental des Engadin bei Pontresina 2001 das erste Mal gemacht habe, sah die Umgebung noch völlig anders aus. Dieser Gletscher ist eine große Touristenattraktion. Ein schöner Weg führt am Gletscherfluss entlang, bis man die Gletscherzunge erreicht. Hier macht sich der Klimawandel deutlich bemerkbar. Alle zehn Jahre wird ein Pfosten mit Datum hingestellt, der zeigt, wie weit die Zunge reicht. „Ging man vor 20 Jahren wandern, musste man eine viel kürzere Strecke zurücklegen, bis man den Gletscher erreichte. Ich finde das besorgniserregend! Hunderte von Menschen reisen jährlich dorthin und bestaunen den Rückgang des Gletschers, jedoch kehrt niemand nach Hause und will etwas gegen den Klimawandel unternehmen“, meint der 35-Jährige.

Atemberaubende Rundumsicht

Die unterschiedliche Kundschaft mache seinen Beruf spannend. Es bereitet ihm Freude, mit Menschen gemeinsam in die Berge aufzubrechen. Seine Touren sind stets andere, wobei er zwei bis manchmal zwölf Stunden unterwegs ist. „Etwas ist aber immer dabei: mein Glücksbringer, das ist ein besonderer Stein, und ein Funkgerät. So muss ich mir auch in den schlimmsten Situationen keine Sorgen machen.“ Sein Lieblingsberg ist der Piz Morteratsch, von dem man eine atemberaubende Rundumsicht auf das ganze Engadin genießen kann. „Im Gegensatz zum viel besuchten Morteratsch-Gletscher ist man dort meistens alleine. Man trifft höchstens noch ein paar wenige andere Bergführer an, wobei wir immer per Du sind.“ Am liebsten geht er im Sommer klettern. Obwohl er nicht gerne früh aufsteht, gibt es für ihn nichts Schöneres, als im Dunkeln aufzubrechen und den neuen Sommertag zu begrüßen.

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Bayers Jugendstil top in Europa: Wirtz soll das „Paradies“ aufmischen

Bayer Leverkusen setzt auf die Jugend. Und ist damit erfolgreich. Allen voran Florian Wirtz beweist seine herausragenden Qualitäten auf dem Fußballplatz. Mit ihm hat der Werksklub den Jugendstil zum Programm gemacht. Das soll auch bei Celtic Glasgow erfolgreich sein.

Den Auftritt im Fußball-Paradies haben sich die jungen Wilden von Bayer Leverkusen redlich verdient. Florian Wirtz, Jeremie Frimpong und Co. dürfen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten nach einem gelungenen Bundesliga-Start als erste Bayern-Verfolger nun im „Paradise“ vorführen. So heißt der Celtic Park im Volksmund, die Heimat des schottischen Kultklubs Celtic Glasgow und Bayer-Gegners in der Europa League (21 Uhr/RTL und im ntv.de-Liveticker). „Die Atmosphäre in Schottland ist immer besonders. Wir freuen uns drauf, und ich glaube, dass wir morgen alles raushauen werden“, sagte Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes vor dem Abflug vom verregneten Flughafen Köln/Bonn.

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Junge und talentierte Spieler sind seit geraumer Zeit die Basis für den sportlichen – und auch finanziellen – Erfolg bei Bayer Leverkusen. Das weiß man spätestens seit dem Bundesliga-Königstransfer 2020, als Nationalspieler Kai Havertz kurz nach seinem 21. Geburtstag für 100 Millionen Euro zum FC Chelsea wechselte und damit zum teuersten deutschen Spieler wurde. Da hatte sein legitimer Nachfolger Wirtz bereits als jüngster Leverkusener mit 17 Jahren und 15 Tagen sein erstes Bundesliga-Spiel absolviert – beim 4:1 Bayers in Bremen an der Seite von Havertz.

„Der ist sensationell. Ich glaube, dass wir bei ihm das Gleiche erleben wie bei Kai Havertz. Er ist sicher das größte Talent, das wir gerade in Deutschland haben“, sagte der RTL-Experte und einstige Dortmunder Champions-League-Sieger Karl-Heinz Riedle über Wirtz.

Der mittlerweile 18-Jährige führt eine ganze Riege großer Bayer-Talente an, die in der Bundesliga für beste Unterhaltung sorgen. Der Niederländer Jeremie Frimpong mit seinen 20 Jahren, der Wirtz am Samstag das Rekordtor beim 1:0 gegen Mainz auflegte, der 21-jährige Paulinho und der 22-jährige Moussa Diaby oder die Neuzugänge Mitchel Bakker mit 21 Jahren, Odilon Kossounou mit 20 Jahren, der 21-jährige Amine Adli und Piero Hincapié mit gerade einmal 19 Jahren gehören alle zum Gerüst des neuen Trainers Gerardo Seoane.

Statistische Auszeichnung für Bayer

„Diese Spieler sind gekommen, um sich hier zu entwickeln und mit Bayer 04 erfolgreich zu sein. Sie müssen spüren, dass es sich lohnt, länger hierzubleiben, etwas erreichen zu können und dann vielleicht den Schritt in die Weltspitze zu machen“, sagte Bayer-Sportdirektor Rolfes in der „Sport Bild“ zur Strategie von Bayer Leverkusen. Und die Investitionen von rund 50 Millionen Euro für Adli, Koussounou, Hincapie und Bakker können sich im Ertrag mittelfristig um ein Vielfaches vergrößern – wie im Fall Havertz.

In der Gegenwart sorgt der Jugendstil bei Bayer für die erhofften sportlichen Ergebnisse. Wirtz spielte am Wochenende gegen Mainz wie ein abgeklärter Stratege und erzielte sein bereits zehntes Bundesligator. Mit 18 Jahren und 145 Tagen ist er nun der jüngste Spieler, dem dies gelang. Sein Vorlagengeber Frimpong, der einst bei Celtic sein Debüt als Profi feierte, lieferte eine bärenstarke Vorstellung auf der rechten Seite ab. Koussounou, der für 24 Millionen Euro vom FC Brügge kam, spielte einen abgeklärten Innenverteidiger, der eingewechselte Amine Adli machte fast direkt das vermeintliche 2:0, das wegen Abseits nicht gegeben wurde.

„Es gibt auch junge Spieler, die schon so gut sind, dass sie einer Mannschaft Stabilität verleihen können“, sagte Rolfes in der Sommervorbereitung der „Rheinischen Post“ zur Transferstrategie. Sie zahlte sich bislang aus und spiegelt sich in einer Statistik des CIES Football Observatory wider: Bayer Leverkusen ist der Klub in den fünf europäischen Top-Ligen, wo die Spieler unter 21 Jahren mit 24 Prozent die meisten Spielminuten erhalten. Diese Statistik dürfte auch nach dem Auftritt im „Paradies“ weiterhin gültig sein.

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Seilschaft für die Umwelt


Bettina Junkersdorf sitzt auf einem großen, grünen Sessel in ihrem Arbeitszimmer und lächelt freundlich in die Kamera. Die blonden Haare glänzen im Sonnenlicht. Nach dem Abitur studierte sie in München an der LMU Soziologie, beendete das Studium allerdings nicht. Eine ihrer großen Leidenschaften war es, Musik zu machen. Ein Semester lang studierte die Rosenheimerin Gitarre am L.A. Musicians GIT in Los Angeles und machte Jahre später einen „Master of Guitar“ über ein Fernstudium. „Neben der Band und Auftritten habe ich zusammen mit meinem damaligen Freund ein Tonstudio ausgebaut und betrieben.“ Nebenbei hat die 1,65 Meter große Frau angefangen, Hundezubehör upzucyceln. Auch ihr langjähriges Hobby Klettern gab der umweltbewussten Bayerin die Idee, alte Kletterseile upzucyceln. „Am Anfang war es ein Seil, das ich hatte, und ich habe mir überlegt, was ich damit machen könnte. Ich wollte es natürlich nicht wegwerfen, da daran ja auch Erinnerungen hängen.“ Die 39-Jährige war schon immer jemand, der nicht sofort etwas Neues kauft, sondern bedacht mit Ressourcen umgeht. Also überlegte sie sich, was man aus alten, nicht mehr brauchbaren Kletterseilen basteln könnte. Eine Situation in der Kletterhalle im oberbayerischen Stephanskirchen führte letztendlich zum Startschuss: „Ich war beim Klettern und hatte blöderweise meine Kletterschuhe vergessen, also wurde ich in den Materialraum geführt, um in den Fundsachen nach Schuhen zu suchen, die ich mir ausleihen könnte. Da sah ich dann, wie viel Material zurückbleibt, und dachte mir, vielleicht würde es Sinn machen, diese Seile zu recyceln.“

Produktion mit der Lebenshilfe in Brandenburg

Ihr kam die Idee, überall in den Kletterhallen Tonnen aufzustellen, damit dort die alten Seile abgegeben werden können. Im Jahr 2020 verwerteten sie und ihr Geschäftspartner, mit Hilfe von Freelancern, einer Marketingagentur und der Produktionsfirma, insgesamt fünf Tonnen Kletterseil wieder. „Ich bin peu à peu kleine Schritte gegangen“, sagt die Initiatorin des Projekts, die mit ihrem Freund in Rosenheim lebt. Vieles kann aus Kletterseilen angefertigt werden. Anfangs hat Bettina Junkersdorf alles allein hergestellt: Gürtel, Taschen, Schmuck, Chalkbags oder Schlüsselanhänger. Die Produkte können auf der Website bestellt oder vor Ort in ausgewählten Bergsportläden und Kletterhallen gekauft werden. Es gibt auch Tischsets, Untersetzer und sogar Liegestühle aus alten Kletterseilen. „Alles ist bunt, um in den routinierten, vielleicht grauen Alltag etwas mehr Fröhlichkeit zu bringen.“ Ihr Wohnzimmer war gleichzeitig ihr Arbeitsplatz. „Da war mein Zuhause überhaupt kein Zuhause mehr. Ich war mit der Zeit überfordert und am Limit meiner Kräfte.“ Mit der Zeit, als das Projekt größer wurde, wurde die Produktion in die Lebenshilfe nach Guben in Brandenburg nahe der polnischen Grenze verlagert. Anfangs sei es schwierig gewesen, eine geeignete Möglichkeit für die Produktion zu finden, da viele potentielle Werkstätten absagten. Die Werkstatt in Guben bot dann die vollständige Produktion an einem Ort an. Die Produkte, die online bestellt werden, werden zurzeit noch im Lager in Rosenheim verpackt und von dort aus versendet. In naher Zukunft soll dieser Schritt nach Guben verlagert werden. Mittlerweile arbeiten dort neun Mitarbeiter mit Handicap. „Es macht total Spaß, mit diesen Menschen zu arbeiten“, berichtet die Powerfrau.

Abwechslung mit einem coolen Produkt

In dieser Werkstatt werden die Seile nach ihrer Ankunft gewaschen und vernäht. Der Ort habe durch das Projekt eine auffallende Verwandlung durchgemacht. Am Anfang seien die Wände grau und sei von Freude an der Arbeit keine Spur gewesen. Jetzt ist der Arbeitsplatz der neun Mitarbeiter zur bunten, fröhlichen Werkstatt geworden. Die Wände sind mit Kletterseilen verziert. Mit Guben ist sie in ständigem Kontakt und besucht den Produktionsort jedes Jahr für eine Woche. „Am Anfang war ich natürlich viel öfter dort, aber mittlerweile läuft dort alles.“ Für ein derartiges Projekt muss man viel Motivation aufbringen, die Bettina Junkersdorf, die damit ihren Unterhalt verdient, auf jeden Fall hat. „Es macht einfach Spaß, etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen und dann auch noch ein so cooles Produkt, für das nicht einmal neue Ressourcen verwendet werden mussten.“ Auf die Frage, was ihr an ihrem Beruf am meisten Freude mache, sagt sie voller Begeisterung: „Abwechslung.“ Abwechslungsreich ist Junkersdorfs Job allemal. „Mal setze ich mich an die Nähmaschine und probiere etwas aus, mal gehe ich raus und mache Bilder für unsere Website.“ Für die Musik bleibt ihr nur noch wenig Zeit. Momentan spielt sie nur noch für Freunde oder für sich Gitarre. Als Unternehmerin hat sie ein Ziel für die Zukunft: „Ich wünsche mir, dass kein Kletterseil mehr weggeworfen wird und dass Leute durch uns angeregt werden, Materialien einzusammeln und wiederzuverwerten. Man kann beim Thema Umwelt nie alles richtig machen, sonst wird man verrückt, aber man kann achtsamer sein, was man kauft und wie man mit seinen Sachen umgeht.“

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„Gehört nicht ins Kanzleramt“: Grüne Jugend will Kanzler Laschet verhindern

Für die Grüne Jugend ist klar: Eine „Jamaika“-Koalition ist für die Regierungsbildung keine Option. Für den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet gibt es harte Worte. Vor Gesprächen mit dem designierten Koalitionspartner hat man aber auch „Angst und Respekt“.

Nach der Bundestagswahl hat die Grüne Jugend einer Koalition aus CDU, Grünen und FDP eine Absage erteilt. „Es gibt keinen Grund für Jamaika“, sagte der Sprecher der unabhängigen Jugendorganisation von Bündnis90/Die Grünen, Georg Kurz, dem „Tagesspiegel“. Die Union sei abgewählt worden und müsse in die Opposition. „Die Union hat jeden Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung verloren“, sagte Kurz. Die Grüne Jugend vertritt rund 15.000 Mitglieder und gilt als deutlich linker als die Gesamtpartei. Auch einer Ampel-Koalition mit SPD und FDP steht sie skeptisch gegenüber: „Mit der FDP haben wir sehr wenig gemein. Wir müssen jetzt Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit zusammenbringen“, sagte Kurz.

Sprecherin Anna Peters hat sich ebenfalls klar gegen ein künftiges Dreierbündnis mit der CDU ausgesprochen. „Ich bin ganz klar für die Ampel“, sagte Peters im ARD-„Morgenmagazin“ mit Blick auf ein mögliches rot-gelb-grünes Bündnis. Jungliberalen-Chef Jens Teutrine wollte sich indes nicht festlegen und sagte, es komme auf die Inhalte an. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet habe im Wahlkampf keine gute Figur gemacht, sagte Peters. „Für uns ist klar, der Mensch darf nicht ins Kanzleramt.“

„Respekt und Angst“ vor Gesprächen mit Liberalen

Bei den Verhandlungen mit der FDP habe die Grüne Jugend „Respekt und Angst“ vor dem Thema Soziales. „Die FDP liefert nicht die Antworten, die wir liefern“, sagte sie etwa mit Verweis auf den Klimaschutz. Übereinstimmungen sehe sie dagegen etwa mit der liberalen Auffassung von Gesellschaft.

Teutrine sagte, er sehe bei den anstehenden Gesprächen mit den Grünen Probleme bei der Vereinbarkeit von Klimaschutz und Wohlstand. Beides müsse vereint werden, der Wohlstand dürfe nicht gefährdet werden. Schnittmengen gäbe es indes bei der Verteidigung der offenen Gesellschaft. Er warnte aber, bei den Gesprächen dürfe es nicht darum gehen, „sich an Spiegelstrichen zu orientieren“.

Baerbock betont Schnittstellen

Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock hat im RBB ebenfalls auf Schnittstellen zwischen Liberalen und Grünen verwiesen, „gerade im Bürgerrechtsbereich, im Bereich einer modernen Gesellschaft und Einwanderungsgesellschaft.“ Wichtig für eine gute Zusammenarbeit sei Vertrauen. Sie werde deshalb nicht sagen, wann und wo Gespräche stattfänden.

Die Aufgabe der nächsten Bundesregierung sei die Modernisierung des Landes, betonte Baerbock. Es sei jetzt nicht hilfreich, vorab auf Unterschiede hinzuweisen: „Das Wichtige ist jetzt, dass man aus diesem alten Blockadedenken herauskommt – auf der einen Seite Klimaschutz, auf der anderen Seite Wirtschaftspolitik“, erklärte Baerbock.

Die SPD hatte die Bundestagswahl am Sonntag mit leichtem Vorsprung vor der Union gewonnen. Die bisherigen Regierungspartner lehnen eine Fortsetzung ihrer seit acht Jahren existierenden Großen Koalition ab. Möglich wären damit zwei Dreierbündnisse unter Beteiligung von Grünen und FDP: entweder eine „Ampel“ unter Führung der SPD oder „Jamaika“ mit der Union an der Spitze.

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Blick auf den Botev


Ein regenreicher Montag. Der Himmel ist hinter den düsteren Wolken verschwunden, und der strömende Regen hört nicht auf. Boris Lazarov Marinov stützt sich auf seinen langen Regenschirm. Der 89 Jahre alte Mann mit Hut beschäftigt sich beruflich mit Schreiben, Alpinismus und Seminaren an der Sofioter Universität. Er hat zahllose Gipfel weltweit bestiegen, wie zum Beispiel den 5642 Meter hohen Elbrus, den 4134 Meter hohen Mestia-Tau oder den Gumachi mit 3805 Metern im russischen Kaukasus. Im Rahmen einer bulgarisch-sowjetischen Expedition ins Pamir-Gebirge bestieg er sogar einen bisher nicht bestiegenen Gipfel mit einer Höhe von 5111 Metern. Boris Marinov erinnert sich: Er musste den vom Gletscher fließenden Fluss entlanglaufen, um einen Platz mit ruhigem Wasser zu finden. Diesen Ort hat er als Spiegel benutzt, um sich zu rasieren, weil, wie er erklärt, „auf Expeditionen keine unnötigen Dinge mitgebracht werden dürfen“.

Von der Westseite auf den Everest

Im Jahr 1984 nahm Boris Marinov an der ersten bulgarischen Expedition zum Mount Everest als stellvertretender Vorsitzender des Organisationskomitees zur operativen Unterstützung teil. Die Vorbereitung für diese Expedition war außerordentlich schwierig. Den Everest wollten sie von der Westseite erklimmen. Solche Expeditionen werden heutzutage staatlicherseits nicht mehr durchgeführt, weil sie zu teuer und zu aufwendig sind. Daher gibt es viele Organisationen, die sich um alle Bedürfnisse der Bergsteiger kümmern. Die Teilnehmer bezahlen die Expedition vollständig. Sie müssen aber keine Erfahrung im Bereich des Alpinismus mitbringen. Diese Organisationen konkurrieren alle miteinander darum, wer mehr Leute auf den Gipfel bringt.

Was damals schief lief, weiß er nicht

An der Expedition 1984 hat der bulgarische Alpinist Hristo Prodanov teilgenommen, aber er blieb für immer auf dem Gipfel. 41 Jahre alt war er und der 13. Mann, der ohne zusätzlichen Sauerstoff den Western Ridge bestieg. Boris Marinov sagt, dass er „ein Mann mit Erfahrung“ gewesen sei. Was schieflief, weiß Marinov nicht. Niemand weiß, was am Berg passierte. Die Toten bleiben immer oben. Trotz des tragischen Zwischenfalls haben sie ihr Hauptziel erreicht – den Everest zu erklimmen. Sogar ein Buch schrieb er darüber: „Waren wir bereit für Everest’84?“. Darin erzählt er über die schwierigen Vorbereitungen. Alpinisten, Spezialisten für Sporttraining, Ärzte, Psychologen und Ingenieure waren beteiligt. Bis zur letzten Minute haben sie viel an der Absicherung, der Bereitstellung und der Verpackung der Verpflegung und des Gepäcks gearbeitet. Spezialisten haben Informationen über die Geländeschwierigkeiten, die Mühsamkeiten und die Risiken des Aufstieges, die niedrigen Temperaturen, den Sauerstoffgehalt in der Luft gesammelt und die physikalischen sowie psychologischen Reaktionen des Menschen hierauf untersucht.

Empfang bei Indira Gandhi

Nach seiner Rückkehr blieb Boris Marinov der Empfang bei Indira Gandhi lebendig in Erinnerung. Die indische Politikerin und Premierministerin traf er in den Jahren 1966 bis 1977 und 1980 bis1984 anlässlich einer internationalen Alpin-Konferenz. In vier Büchern erzählt er heute von seinem eigenen Dorf Skandaloto. Es liegt am Fluß Vidima zwischen Troyan und Apriltsi. Sein Haus, das gleichzeitig sein eigenes Basislager ist, liegt hoch im Zentralen Balkangebirge mit Blick auf den Botev, mit 2376 Meter dessen höchster Gipfel. Er hat das Haus in ein ethnographisches Museum verwandelt. 1000 Gegenstände hat er gesammelt. In seinem Museum gibt es Holzbretter, Entenfedern und Pilztinte, mit denen die Kinder in der alten Schule schrieben. 50 Exponate, darunter alpine Ausrüstungsstücke und Gegenstände des alltäglichen Lebens, spendete Boris Marinov dem Museum in Troyan, weil das dortige Museum trotz seiner Größe solche Exponate nicht besaß. Nun erforscht er die Geschichte seines Dorfes, in das die Menschen vor der osmanischen Fremdherrschaft flohen. Hierüber und über die Architektur des Dorfes kann er den ganzen Tag erzählen, denn es gibt viele Besonderheiten der Häuser aus verschiedenen Jahrhunderten, typische Bauernhäuser aus der Frühzeit oder mehrstöckige Gebäude mit zurückspringenden Untergeschossen aus der Zeit der nationalen Wiedergeburt. Sein eigenes, 200 Jahre altes Haus stammt aus dieser Periode. Die Distanz zum Gipfel auf dem gegenüberliegenden Bergrücken Varenite kennt er genau: 2009 Schritte oder 20 Minuten.

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Vorhersage für Großbritannien: Mehrheit der Kinder wird sich anstecken

Großbritannien impft erst seit wenigen Tagen Kinder und Jugendliche. Das wird zusätzlich zu den anhaltend hohen Gesamtinfektionszahlen deutliche Auswirkungen haben. Ein Experte vermutet, dass es in dieser Altersgruppe zu vielen Ansteckungen kommen wird.

Angesichts hoher Corona-Fallzahlen in britischen Schulen geht ein Experte davon aus, dass sich die meisten Kinder im Winter mit dem Virus anstecken werden oder bereits infiziert waren. „Ich denke, dass sich in sechs Monaten die Mehrheit infiziert haben wird“, sagte der Public-Health-Experte Azeem Majeed vom Imperial College London. Seit Ende der Schulferien in England sind die Fallzahlen unter den 5- bis 14-Jährigen enorm gestiegen. Die Inzidenz liegt mehr als doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen, wie etwa in einer Auswertung der „Financial Times“ zu erkennen ist.

Großbritannien impft erst seit kurzem auch 12- bis 15-Jährige. „Es wäre besser gewesen, damit früher zu beginnen“, sagte Majeed. „Da waren wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern spät dran.“ Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keine zugelassenen Corona-Impfstoffe, allerdings erkranken sie auch seltener schwer. Das Risiko sei eher, dass Kinder das Virus an Erwachsene weitergäben, die nicht oder weniger wirksam durch Impfstoffe geschützt seien, sagte der Mediziner.

Das britische „Joint Committee on Vaccination and Immunisation“ (JCVI) hatte sich Anfang September mit dem Hinweis auf potenzielle myo­kar­diale Schäden gegen eine generelle Coronaimpfung von 12- bis 15-Jährigen ausgesprochen und war dafür hart kritisiert worden. Dem JCVI wurde daraufhin vorgehalten, die Gefährdung der Jugendlichen durch ein Long Covid-Syn­drom zu ignorieren und die Rolle der Kinder als Überträger zu unterschätzen. Seit Mitte September erhalten nun Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe eine Impfung mit Biontech. Ob sie auch – wie Erwachsene – eine zweite Dosis erhalten, soll noch geprüft werden.

Wenig Hoffnung auf weniger Tote

Majeed hat keine großen Hoffnungen, dass die noch immer sehr hohen Corona-Fallzahlen in Großbritannien vor dem nächsten Frühjahr deutlich sinken werden. Die Inzidenz hat sich seit längerem um die 300 eingependelt. Pro Woche sterben im Schnitt etwa 1000 Menschen an oder mit Covid-19. „Die Regierung scheint das akzeptiert zu haben“, sagte der Experte. Dabei handele es sich um einen der höchsten Werte in Europa.

Die Corona-Beschränkungen sind in England seit Mitte Juli fast vollständig aufgehoben. In den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreichs gelten ähnlich Regeln, allerdings setzt man dort zum Beispiel noch stärker auf die Maskenpflicht.

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