Kategorie -Jugendliche

Magersucht: Vorsicht vor gefährlichen Seiten im Internet

Essstörungen wie Magersucht und Bulimie haben in aller Regel schwere gesundheitliche Folgen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Betroffene durch Aufklärung über die meist psychisch bedingten Krankheiten zu helfen. Im Internet finden sich jedoch auch viele gefährliche Foren und Blogs, die genau das Gegenteil erreichen sollen – mit fatalen Folgen für die Betroffenen.

Warnung durch das Bundesministerium für Gesundheit

Wie gefährlich solche Internetseiten sind, lässt sich nicht zuletzt daraus ableiten, dass sich das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) dazu veranlasst sah, vor diesen zu warnen. Auf der Suche nach Websites, die über die Essstörungen wie Magersucht und Bulimie aufklären sollen, stößt man immer wieder auch auf Seiten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Betroffene in ihrem krankhaften Essverhalten zu bestärken. Häufig laufen diese Foren und Blogs unter den verniedlichenden Bezeichnungen “Pro Ana” oder “Pro Mia”, womit auf die lateinischen Bezeichnungen für Magersucht (Anorexia nervosa) und Bulimie (Bulimia nervosa) Bezug genommen wird.

Was macht die Internetseiten so gefährlich?

Die größte Gefahr, die von solchen Seiten ausgeht, ist folgende: Anstatt Menschen, die an einer Essstörung leiden, über die Krankheit aufzuklären und sie darin zu bestärken, die Essstörung zu bekämpfen, erreichen Betreiber solcher Seiten genau das Gegenteil. Es wird ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt, das Betroffenen suggeriert, dass sie hier gut aufgehoben sind.

Das Gefährliche ist, dass sich die Mitglieder dieser Foren und Blogs gegenseitig dazu anspornen, weiter abzunehmen und noch dünner zu werden: “Die Magersucht wird dort als Lebensideal dargestellt und Essstörungen werden verharmlost. Es entsteht ein lebensgefährliches ‘Wir-Gefühl’, das gerade psychisch Kranke von Therapien abhält, zur Geheimhaltung animiert und immer weiter in den Strudel der Krankheit treibt”, so Katja Rauchfuß vom Internetdienst “jugendschutz.net” gegenüber der “Bild am Sonntag”. (So erkennen Sie eine Essstörung bei Jugendlichen)

Tipps: So erkennen Sie “Pro Ana”- und “Pro Mia”-Seiten

Wer unter Magersucht oder Bulimie leidet, sollte auf der Suche nach Aufklärungsseiten im Internet entsprechende Seiten dringend meiden. Angehörige von Betroffenen sollten ebenfalls ein wachsames Auge darauf haben, ob sich die erkrankte Person auf solchen als gefährlich eingestuften Internetseiten informiert.

lifestyle.t-online.de: Magersucht und Bulimie – Angehörige sollten Betroffene beobachten

Das BMG hat eine Liste verschiedener Anzeichen herausgegeben, die darauf hinweisen können, dass es sich um eine “Pro Ana”- oder “Pro Mia”-Seite handelt. Neben diesen Bezeichnungen findet sich demnach häufig ein “Brief” von Ana beziehungsweise Mia. Dieser stellt die Essstörung als einzig wahre Freundin dar. Eine Vielzahl an Fotos und Videos dient häufig als Motivation, weiterhin dünn zu bleiben oder noch dünner zu werden.

Foren dieser Art besitzen zudem oft einen “religiösen” Charakter. Das heißt, dass die dort aufgestellten Regeln als Gesetze oder Gebote aufgeführt sind, die an Glaubensregeln erinnern. Außerdem werden die unter Magersucht und Bulimie leidenden User direkt dazu aufgefordert, weiter abzunehmen. Dies kann beispielsweise in Form von Abnehmwettbewerben geschehen oder durch die Vermittlung von Abnehmpartnern. Schließlich finden sich hier viele Tipps, wie das weitere Abnehmen gelingt und wie sich die Essstörung geheim halten lässt.

Gefährliche Internetseiten melden

Weil der Zugang zu diesen Foren zumeist mit einem Passwort geschützt ist, entsprechende Foren und Blogs nur schwer zu identifizieren. Wer trotzdem auf eine solche gefährliche Internetseite stößt, den fordert das BMG dazu auf, diese zu melden. Wenden Sie sich hierfür an die Verantwortlichen der Seiten “jugendschutz.net” oder “internet-beschwerdestelle.de”, oder aber wenden Sie sich an Ihren Internetanbieter. (Magersucht bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen)

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Bulimie und Magersucht: Emma kämpft gegen ihre Essstörung an

Unser Kind hat Magersucht. Für Eltern ist diese Erkenntnis ein Schock. Sie sind überfordert, fühlen sich oft schuldig und haben Angst, dass ihnen das Kind vor vollen Tellern verhungert. Meistens hilft nur eine professionelle Therapie, um die Essstörung zu überwinden. Die zwölfjährige Emma lernt in 100-Gramm-Schritten, steigendes Körpergewicht zu akzeptieren und wieder normal zu essen.

Emma ist ein hübsches Mädchen und zählt auf dem Gymnasium zu den Besten in ihrer Klasse. Sie wirkt wie ein unbeschwertes Kind an der Schwelle zum Teenager. Doch da ist die heimliche Angst vor der Waage. Die gibt jede Woche an, wie es um Emma steht. Das Mädchen leidet seit rund zweieinhalb Jahren an Magersucht. An einen konkreten Auslöser kann sie sich nicht erinnern – oder sie verschweigt ihn.

“Emma hatte kein Problem mit ihrer Optik”, glaubt ihre Mutter. Mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4000 Gramm und auch später sei sie ein “kerniges Kind” gewesen. In der Schulzeit hätten sich Probleme eingestellt: “Vielleicht war das stressbedingt. Emma ist eine Perfektionistin, will immer gute Leistungen bringen und hat sich möglicherweise zu sehr unter Druck gesetzt.”

“Angst, dass mein Kind verhungert”

Im Herbst 2012 war der Mutter klar, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. “Anfangs will man das nicht wahrhaben. Man denkt, das sind Flausen, die gehen auch wieder weg.” Zunächst habe sie mit ihrem Mann das Problem allein zu lösen versucht: “Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr kann. Ich habe nachts davon geträumt und bekam Angst, dass mein Kind verhungert.” Die Kinderärztin erkannte die Erkrankung nicht. “Wir hatten uns eine Grenze gesetzt: Wenn Emma bei 28 Kilogramm anlangt, muss sie in die Klinik”, erzählt die Mutter, die zwei weitere Töchter hat.

Der Punkt war schnell erreicht. Das Mädchen kam als Notfall auf die Spezialstation für Essstörungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Dresdner Uniklinikum. Elf Wochen blieb sie auf der Station. In den ersten eineinhalb Wochen musste sie viel ruhen, dann begann eine Verhaltenstherapie.

Handy gegen Kilos

“Ständiges Gedankenkreisen um Themen wie Essen und Gewicht sowie ständiger Bewegungsdrang sind oft quälend für die Betroffenen und ihre Familien. Deswegen helfen wir bei vielen Entscheidungen oder machen auch Vorgaben”, erklärt Klinikchef Veit Roessner. Damit sich die Patienten auf die Therapie konzentrieren können, gibt es Regeln: Ein Handy oder freien Ausgang gibt es nur bei steigendem Gewicht.

Die Mädchen und Jungen sollen mindestens 700 Gramm pro Woche zunehmen, aber nicht mehr als 1,5 Kilo. Dann bekommen sie Schritt für Schritt mehr Verantwortung, etwa bei der Auswahl der Essensportionen. Wenn eine bestimmte Gewichtsgrenze erreicht ist, kommt auch wieder Sport dazu. Die Unterstützung der Gruppe hilft. “Eine gute Gruppendynamik wirkt manchmal Wunder”, sagt Roessner.

Nach der Station begann für Emmas Familie eine Gruppentherapie in der Familien-Tagesklinik. Bis zu sechs Familien teilen dort ein ähnliches Schicksal. Viele Gespräche werden per Video aufgezeichnet und ausgewertet. Die Teilnehmer können sich auch zu anderen Kindern äußern: “Das bewegt manchmal mehr, als wenn wir hundertmal das Gleiche sagen”, betont Roessner. Den Eltern mache er klar, dass sie liebevoll, aber konsequent bleiben müssen: “Ein Kind muss auch mal zehn Minuten am Tisch sitzen bleiben.”

Die Familie nutzte das Angebot nur kurze Zeit. Weil Emma die Jüngste in der Runde war, fürchtete ihre Mutter, der Kontakt mit den Größeren könne die Situation verschärfen. “Die haben sich nur darüber unterhalten, ob sie sich noch im Schwimmbad im Bikini zeigen können”, erinnert sich das Mädchen.

Gramm für Gramm zurück zum Normalgewicht

Seit eineinhalb Jahren ist Emma bei der Psychotherapeutin Cornelia Zimmermann in Behandlung. Emma ist mit ihrer Mutter gekommen, um über die vergangenen Wochen zu berichten und neue Ziele festzulegen. Für diesen Tag waren 45 Kilogramm ausgemacht. Zimmermann beginnt jede Sitzung mit Wiegen und Messen. Was Emma auf die Waage bringt, reicht noch nicht. 300 Gramm fehlen, so dass sie vorerst auf ihr Handy verzichten muss.

Da Emma zuletzt deutlich gewachsen ist, muss das Mindestgewicht neu bestimmt werden. Bei 1,62 Meter Körpergröße müsste sie eigentlich 47 Kilo wiegen – so lautet nun die neue Zielmarke: “Dein Körper braucht Kraft”, macht Zimmermann dem Mädchen klar.

Bei der einstündigen Sitzung dreht sich vieles ums Essen, aber auch um Selbstbewusstsein und Körperwahrnehmung. Die Therapeutin und Emma sprechen über den Alltag, ob Emma gut schläft, ob sie vor etwas Angst hat, was ihre Hobbys sind. Das Mädchen liebt Fußball und bewegt sich gern. Zimmermann stellt in Aussicht: “Du darfst dich erst mehr bewegen, wenn du zunimmst.” Die Therapeutin rät ihr, immer einen Müsliriegel oder Studentenfutter dabei zu haben: “Wichtig ist, das Essen über den Tag gleich zu verteilen, damit du in keine Löcher fällst. Du trägst Verantwortung für dein Essen.”

Was Mädchen in die Magersucht treibt

Essstörungen zählten zu den häufigsten Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sagt Professor Ulrich Voderholzer. Er leitet mit der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee eine der bundesweit größten Einrichtungen zur Behandlung solcher Störungen. “Risikofaktoren sind Ängstlichkeit, Unsicherheit, ein geringes Selbstwertgefühl, starke Leistungsorientierung und Perfektionismus. Auslöser sind oft eine Diät sowie negative Bemerkungen wichtiger Bezugspersonen über Figur und Aussehen.” Auch das Schlankheitsideal in der Gesellschaft spiele eine Rolle.

Professor Stefan Ehrlich, Chef des Zentrums für Essstörungen in Dresden, hat festgestellt, dass in betroffenen Familien überdurchschnittlich viel über Essen oder Diäten gesprochen wird: “Da gibt es Kinder, die nicht so werden wollen wie ihre Eltern. Oder aber sie möchten bei Diäten die Besten sein.”

Einer von 100 Jugendlichen hat eine Essstörung

Die Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland betroffen sind, gehen weit auseinander. Voderholzer rechnet mit 200.000 bis 300.000 Magersüchtigen und 500.000 bis 700.000 Ess-Brech-Süchtigen. In der Pubertät sei ein Jugendlicher von 100 betroffen – überwiegend Mädchen. Der Anteil der Jungen liegt derzeit bei nur drei Prozent, allerdings jedoch mit steigender Tendenz.

Und noch einen Trend stellen Experten fest: Die Patienten werden immer jünger. Das hängt in erster Linie mit der früher einsetzenden Pubertät zusammen. Aber in Dresden werden schon Kleinkinder mit Essstörungen behandelt. Ehrlich berichtet von einem fünfjährigen Mädchen, das nur noch Pudding aß.

Der Bundesfachverband Essstörungen, ein Zusammenschluss von Ärzten, Therapeuten und Beratern, verweist auf eine weitere Entwicklung: Die Zahl der jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Borderline oder Zwangsstörungen wächst. Manchmal treten sie zusammen mit Essstörungen auf. “Der Druck auf Jugendliche wird immer größer”, sagt Verbandschef Andreas Schnebel.

Jeder zehnte Betroffene stirbt

An vielen deutschen Universitäten wird heute an Essstörungen geforscht. In Dresden hat man sich unter anderem auf Schrumpfungen der Hirnrinde konzentriert. Das Team um Professor Ehrlich fand heraus, dass sich die Dicke der Hirnrinde im akuten Stadium der Magersucht stark verringert – bei vollständiger Therapie meist aber wieder regeniert. “Das Ausmaß der Veränderungen am Hirn ist denen bei einer Alzheimer-Erkrankung beobachtbaren Abbauprozessen sehr ähnlich”, beschreibt Ehrlich die Folgen der Essstörung.

“Etwa zehn Prozent der Patienten mit einer Essstörung sterben daran oder nehmen sich später das Leben”, sagt Ehrlich. Rund die Hälfte könne man heilen. 40 Prozent der Betroffenen neigten zu Rückfällen, vor allem in Stress- und Krisensituationen. Meist unterscheiden sich Essgestörte im Verhalten. Wer an Ess-Brech-Sucht (Bulimie) leidet, schämt sich oft und bleibt in der Defensive. Bei Magersucht-Patienten (Anorexie) spürt man bisweilen einen gewissen Stolz. Alle sozialen Schichten sind betroffen.

Für Emma und ihre Eltern dürften Statistiken zweitrangig sein. Im Rückblick habe die Krise die Familie gestärkt, sagt die Mutter. “Emma ist auf einem sehr guten Weg”, findet Cornelia Zimmermann. Das Mädchen werde es schaffen.

Hilfe bei Essstörungen

  • Bundesfachverband Essstörungen
  • Zentrum für Essstörungen Dresden
  • Beratungsangebote in Ihrer Nähe finden

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Kids-Verbraucheranalyse 2015: Das sind die Statussymbole unserer Kinder

Schon die Kleinen haben teure Wünsche: ein eigenes Handy, Markenturnschuhe und coole Klamotten. Die Kids-Verbraucheranalyse des Egmont Ehapa Media Verlags zeigt, wie viel Taschengeld die Kinder bekommen und wofür sie es ausgeben. Für die Studie wurden Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und deren Eltern befragt.

Kinder zwischen sechs und 13 Jahren haben jeden Monat im Durchschnitt 26,36 Euro Taschengeld zur Verfügung. Das ist etwas weniger als in den Vorjahren: 2014 waren es noch 27,50 Euro, 2013 sogar noch mehr. “Vielleicht ist ein Limit erreicht”, sagt Ralf Bauer, der beim Ehapa-Verlag die Marktforschung leitet. Eine anderer Grund könnte sein, dass Eltern den Kindern Kinokarten und andere Dinge spendierten und das Taschengeld länger vorhalte.

Das in der Umfrage ermittelte Monatsbudget der Kinder liegt allerdings immer noch über der Taschengeld-Empfehlung des Deutschen Jugendinstituts.

Wofür sie das Geld ausgeben, dürfen die meisten Kinder selbst entscheiden. 63 Prozent investieren in Süßigkeiten, Kekse und Kaugummi. Jedes zweite Kind kauft Zeitschriften oder Comics. Auch für Eis und Getränke machen sie ihr Taschengeld locker.

Taschengeld wird großzügig aufgestockt

Das Taschengeld ist nicht die einzige Einnahmequelle: Zu Feiertagen und zum Geburtstag können Kinder und Jugendliche mit Geldgeschenken rechnen. Zehn- bis 13-Jährige bekommen zu Weihnachten rund 96 Euro, zum Geburtstag 84 Euro und zu Ostern weitere 30 Euro zugesteckt. Insgesamt haben sie dadurch 209 Euro zusätzlich zur Verfügung. Bei den Jüngeren zwischen sechs und neun Jahren sind es insgesamt 165 Euro.

Jedes zweite Kind hat ein eigenes Handy

Anruf bei Mutti oder chatten mit Freunden? Inzwischen haben 56 Prozent der Kinder ein eigenes Handy. Am häufigsten verwenden sie es zum Telefonieren und zum Versenden von Nachrichten, gefolgt von Spielen und Musikhören. Apps nutzen Kinder hauptsächlich für Spiele. Bei älteren Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren besitzen schon 92 Prozent ein eigenes Handy oder Smartphone, wie eine Forsa-Umfrage ergab.

Brettspiel behauptet sich neben Online-Games

Die Studie untersuchte auch die Mediennutzung. In zwei von drei Haushalten steht eine Spielkonsole. Mehr als jedes dritte Kind zockt kostenlose Online-Spiele. Das klassische Brettspiel hat trotzdem nicht ausgedient: 73 Prozent der zehn- bis 13-Jährigen holt mindestens einmal pro Woche Spielkästen aus dem Schrank, 62 Prozent Brett- und Kartenspiele. “Natürlich interessiert das Neue, Digitale”, weiß Bauer. “Aber die Kinder wollen nach wie vor was zum Anfassen.”

Bücher sind beliebter als E-Books

Bücher lesen Kinder noch immer am liebsten auf Papier. E-Reader sind beim Nachwuchs noch nicht so populär. 88 Prozent der Kinder gaben an, Bücher nicht auf elektronischen Medien zu lesen. Der Anteil der E-Book-Verweigerer hat seit der Kids-Verbraucheranalyse 2014 sogar leicht zugenommen. Womöglich liegt das am Einfluss der Eltern. Wenn Kinder ins Lesealter kommen, gäben sie ihnen lieber ein Buch zum Anfassen, sagt Bauer.

Auch Zeitschriften stehen hoch im Kurs. 89 Prozent der Kinder gaben an, sie meist komplett durchzublättern. 82 Prozent meinen, dass sie dabei etwas lernen können.

Schon Dreijährige gehen ins Internet

Jedes fünfte Kind zwischen sechs und 13 Jahren geht mit eigenem Laptop oder PC ins Internet. Weitere sieben Prozent haben ein Tablet. Die Mehrheit (56 Prozent) kann einen Computer mitbenutzen. Musikhören und E-Mails checken sind für die Mehrheit die wichtigsten Gründe, ins Internet zu gehen. Auf Platz drei liegt eine Aktivität, die Erwachsene freuen dürfte: Infos für die Schule sammeln.

Mit dem Internet kommen aber auch schon Kleinkinder in Berührung. Nach dem Report “Kinder in der digitalen Welt” wird es schon von Dreijährigen genutzt und gehört bei vielen Grundschulkindern bereits zum Alltag.

Beim Essen dürfen Kinder mitbestimmen

Für viele gilt: “Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.” Aber was das ist, entscheidet das Kind mit, sagt Bauer. 84 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen dürfen beim Einkauf von Lebensmitteln ein Wörtchen mitreden. Bei den Sechs- bis Neunjährigen sind es immerhin 72 Prozent. Wenn es allein nach den Kindern ginge, dürften dann oft Kekse und Gebäck im Einkaufswagen landen. 43 Prozent essen täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich süßes Knabberzeug, dicht gefolgt von Kaugummis und Bonbons. Überraschend: Ihren Durst löschen die meisten Kids am liebsten mit Mineralwasser.

Markenbewusst bei Schuhen, Elektronik und Klamotten

Nicht nur beim Essen, sondern auch in anderer Hinsicht haben Kinder heute viele Freiheiten. “Wir merken, dass die Eltern ihre Kinder sehr früh teilnehmen lassen”, sagt Marktforscher Bauer. 80 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen dürfen sich so kleiden, wie es ihnen gefällt. Da wundert es kaum, dass jüngst eine Schule in Baden-Württemberg Hotpants verboten hat. Die Mehrheit der Deutschen befürwortet übrigens ein Verbot aufreizender Kleidung an Schulen, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov ermittelt hat.

Markenprodukte stehen hoch im Kurs – zumindest wenn es um Kleidung und Technik geht. Bei Sportschuhen sind Kindern und Teenagern Markennamen demnach besonders wichtig. Großen Wert legen sie darauf auch bei Handys, Kleidungsstücken, Spielkonsolen sowie Taschen und Rucksäcken. Ob Limonade oder Müsli von bekannten Herstellern kommen, verliert für sie hingegen an Bedeutung.

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Gute Laune gegen Depressionen – Psychisch gesunde Freunde schützen

Lachen ist gesund – und auch ansteckend. Doch hinter dieser Binsenweisheit könnte mehr stecken als bislang vermutet: Psychisch gesunde Freunde können Jugendliche vor Depressionen schützen, je mehr es sind, desto besser. Britische Forscher wollen dafür einen mathematischen Beleg gefunden haben.

Genügend psychisch gesunde Freunde können Jugendliche vor Depressionen schützen. Das zumindest wollen Forscher von der britischen University of Warwick mit Rechenmodellen belegt haben. Das Risiko einer Depression sinke, wenn man von genügend psychisch gesunden Freunden umgeben ist. Wer aber schon betroffen ist, könne sich im Kreise gesunder Freunde besser erholen, berichten die Wissenschaftler um den Mathematiker Edward Hill in ihrer in den “Proceedings B” der britischen Royal Society vorgestellten Studie.

350 Millionen Menschen leiden an Depression

Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 350 Millionen Menschen an einer Depression. Die Erkrankung ist häufig mit einem sozialen Stigma behaftet. Die britischen Forscher prüften jetzt unter anderem die Wahrscheinlichkeit, mit der sich die psychische Erkrankung in einem Freundeskreis ausbreitet.

Ihr Ergebnis weise darauf hin, dass eine Depression nicht um sich greift – solange betroffene Jugendliche genügend gesunde Freunde haben. Die gute Laune von Freunden könne zudem vor einem Absturz bewahren. Bisher galt der Studie zufolge das Umgekehrte: dass sich Depression wie eine ansteckende Krankheit verbreitet, ein gesunder Gemütszustand aber nicht.

Studie sorgt für Kritik

In der psychiatrischen Praxis stoßen die Schlussfolgerungen allerdings auf Skepsis. “Die Studie ist klinisch nicht wirklich relevant, da sie etwas beschreibt, was wir schon wissen: Stabile Kinder haben gute soziale Kontakte und werden weniger depressiv”, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Martin Jung.

In der Studie fehle ein Maß für den Schweregrad der Depression. “Ich halte es für unwahrscheinlich, dass schwer depressive Kinder mit positiven Sozialkontakten sozusagen angesteckt werden können”, sagte Jung. Schwerer depressive Kinder brächen den Kontakt mit gesunden Freunden ab und umgekehrt. Teil der klinischen Arbeit sei es, die Kontakte dann wieder aufleben zu lassen. “Positive Kontakte sind sicherlich ein Schutzfaktor, aber dass dadurch eine Heilung möglich wäre, ist mit der Studie nicht nachgewiesen.”

Auch Sibylle Winter von der Charité-Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters hat Zweifel. “Aus der klinischen Praxis kann ich nicht nachvollziehen, dass sich depressive Stimmung nicht ausbreiten soll. Das sollte man zumindest noch mal überprüfen.” Zudem fänden sich in Freundeskreisen eher Gleichgesinnte.

So lief die Untersuchung

Dem Vorwurf allerdings kamen die Forscher aus England zuvor. “Wir haben sichergestellt, dass unsere Methode nicht beeinflusst wurde von Homophilie – also der Tendenz, sich mit ähnlichen Menschen anzufreunden”, wird Hill in einer Mitteilung zitiert. Die Wissenschaftler begründen ihren Fund mit psychologischen Mechanismen, zum Beispiel: Depressive zögen sich eher aus ihrem sozialem Umfeld zurück und übten deshalb weniger Einfluss auf andere aus als Gesunde. Wer allerdings sich von einer Depression erholen oder gesundbleiben soll, brauche Kontakt mit Nicht-Depressiven.

Für die Untersuchung griff das Team auf Daten von 3084 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren zurück, die in den USA in den Jahren 1994 und 1995 befragt worden waren. In der damaligen Studie “Add Health” gaben die Teilnehmer Auskunft über Traurigkeit und Interesselosigkeit, Appetit, Schlaf oder das Gefühl von Wertlosigkeit. Die Angaben haben die britischen Forscher anhand mathematischer Modelle neu untersucht. Ähnliche Methoden werden genutzt, um die Ausbreitung infektiöser Krankheiten zu untersuchen.

Das genaue Ergebnis der Berechnungen: Wer mindestens fünf gesunde Freunde hat, hat eine doppelt so hohe Chance wie jemand ohne gesunde Freunde, nicht innerhalb sechs bis zwölf Monaten depressiv zu werden. Und depressive Jugendliche erholen sich zweimal so häufig, wenn sie zehn statt drei gesunde Freunde haben.
Die Zahl der Fälle von Depression bei Jugendlichen könne gesenkt werden, indem die Gesellschaft zum Beispiel durch Jugendclubs Freundschaften fördere, sagte der Mathematiker Thomas House von der University of Manchester, der zum Team um Hill gehörte. Dann steige die Wahrscheinlichkeit, genügend gesunde Freunde zu haben.

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Städte und Gemeinden fordern: Kein Alkohol an der Tanke nach 22 Uhr

Ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen, Kiosken und Supermärkten in der Nacht hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund gefordert. “Sachbeschädigungen, Belästigungen und Gewalt anlässlich exzessiver Alkoholgenusse werden seltener, wenn Alkoholverbote ausgesprochen werden können”, begründete der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Gerd Landsberg, die Forderung.

In Baden-Württemberg habe sich ein entsprechendes Verkaufsverbot ab 22 Uhr bewährt. Es gilt seit fünf Jahren. Eine Tankstellenpächterin hatte erfolglos dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geklagt.

In der “Passauer Neuen Presse” sprach sich Gerd Landsberg außerdem dafür aus, “dass die Länder durch Verordnung festlegen können, dass auf bestimmten öffentlich zugänglichen Flächen sowie in Bussen und Bahnen alkoholische Getränke nicht konsumiert werden dürfen”. Denn in Städten und Gemeinden komme es immer wieder zu erheblichen Störungen durch betrunkene Jugendliche.

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Mädchen stürzt durch Dach in den Tod

Ein 14-jähriges Mädchen ist in Baden-Württemberg durch das Dach einer Sporthalle gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Auch in München kam es zu einem schweren Unfall gleicher Art.

Wie die Polizei in Karlsruhe mitteilte, war die Jugendliche am Freitagabend zusammen mit einer 13-jährigen Freundin und einem Jungen auf das Hallendach in Illingen geklettert. Bei dem Sturz aus etwa zehn Metern Höhe wurde sie so schwer verletzt, dass sie noch an der Unglücksstelle starb.

Ihre Freundin fiel ebenfalls in die Tiefe und kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik. Der Junge konnte sich durch einen Sprung zur Seite retten. Er blieb unverletzt.

Freundin wollte in Hotelzimmer von Freund klettern

In München stürzte ein 14 Jahre altes Mädchen aus Katar bei dem Versuch, ins Hotelzimmer ihres neuen Freundes zu klettern, elf Meter in die Tiefe und verletzte sich dabei schwer. Nach Polizeiangaben stieg sie im dritten Obergeschoss aus dem Fenster und balancierte auf einem 30 Zentimeter breiten Vorsprung zu einem anderen Balkon.

Nach ersten Erkenntnissen verlor sie ohne Fremdeinwirkung den Halt und stürzte hinab auf eine Teerdecke. Die 14-Jährige kam in der Nacht auf Samstag mit schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Bereits in den vorherigen beiden Nächten war das Mädchen nach Polizeiangaben aus dem Hotelzimmer weggelaufen.

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Urteil wegen Sexting: Schüler hat intime Fotos von 13-jähriger Freundin verbreitet

Ein Jugendlicher muss seiner Ex-Freundin Schmerzensgeld zahlen, weil er intime Fotos der damals 13-Jährigen über WhatsApp verbreitet hat. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sprach dem Mädchen 1000 Euro zu.

Während der Beziehung hatte der 13 Jahre alte Junge seine gleichaltrige Freundin immer wieder aufgefordert, ihm Fotos von sich in aufreizender Posen zu schicken. “Sexting” nennt sich dieser Austausch erotischer Fotos per Smartphone-Nachricht. Die Unterwäsche-Selfies des Mädchens, blieben aber nicht privat, sondern machten schnell die Runde bei Freunden und Mitschülern.

Gericht: “einschneidende Wirkung” auf das Leben des Mädchens

Daraufhin klagte die Schülerin Ende 2014 auf Schmerzensgeld und Schadensersatz für Anwaltskosten. Das Gericht sprach ihr 1000 Euro zu (Az. 239 C 225/14). Die Weiterverbreitung der Bilder sei für sie peinlich gewesen und könne “die ungestörte sexuelle und persönliche Entwicklung der Klägerin beeinträchtigen”, urteilte das Gericht nach Angaben des IT-Nachrichtenportals golem.de.

Wegen der “allgemeinen Erfahrungen von Jugendlichen im Umgang mit sozialen Netzwerken, Medien und deren Gefahren” sei der Beklagte “deliktsrechtlich voll einsichtsfähig”, heißt es weiter.

Dem Bericht zufolge einigten sich das Gericht und der Anwalt des Jungen bei der Verhandlung auf einen Kompromiss: Der Jugendliche muss nur 500 Euro zahlen, wenn er das Geld durch eigene Arbeit verdient. Dazu wollte er einen Ferienjob annehmen.

Wann Sexting strafbar ist

Sexting ist ein Mischwort aus “Sex” und “texting”, dem englischen Begriff für das Verschicken von Kurznachrichten. Umfragen aus den USA und Großbritannien zufolge, hat jeder vierte Jugendliche schon einmal erotische Fotos oder Videos von sich verschickt. Strafbar wird dies, wenn die Aufnahmen ohne Einverständnis der abgebildeten Person weitergeleitet werden. Dann werden Persönlichkeitsrechte verletzt.

Bei einer Veröffentlichung im Internet haben Betroffene Unterlassungsanspruch gegenüber dem Betreiber der Webseite. Auch können zivilrechtlich Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Bei minderjährigen Opfern muss ein Strafantrag jedoch durch Erziehungsberechtigte gestellt werden – was voraussetzt, dass sich die Jungen und Mädchen ihren Eltern oder Lehrern anvertrauen.

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Burnout bei Kindern: Schon 9-Jährige verzweifeln am Leistungsdruck

Schulstress, Hausaufgaben, Nachhilfe und schließlich noch Sporttraining. Immer mehr Kinder fühlen sich durch allgegenwärtigen Leistungsdruck überlastet. Die Folge sind oft Erschöpfungsdepressionen. Psychiater Michael Schulte-Markwort geht den Ursachen dieses Phänomens auf den Grund und zeigt Lösungswege auf.

Burnout, was nichts anders als eine Erschöpfungsdepression ist, galt jahrelang als Krankheitsbild gestresster Erwachsener. Aber auch Kinder und Jugendliche fühlen sich immer öfter ausgebrannt und überfordert. “Wenn die Diskrepanz zwischen Leistungsvermögen und Ansprüchen hoch genug ist, wird jeder Mensch irgendwann depressiv”, erklärt der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Hamburger Universitätsklinikums, Michael Schulte-Markwort.

Symptome für Burnout bei Kindern

Die Depression beginnt bei Kindern häufig mit einem Leistungsknick in der Schule. Weitere Symptome sind schlechter Schlaf, Bauchschmerzen, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Appetitlosigkeit. Später kann sich das psychische Tief dadurch bemerkbar machen, dass Kinder traurig oder sogar verzweifelt sind. Manchmal sagen sie, dass sie nicht mehr können.

20 bis 30 Prozent der deutschen Kinder zwischen elf und 17 Jahren fühlen sich oft erschöpft. Das ist das Ergebnis der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierten Studie “Health Behaviour in School-aged Children”. In den zurückliegenden fünf Jahren habe sich das Problem verstärkt, sagt Schulte-Markwort. In seinem aktuellen Buch “Burnout-Kids – Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert” schildert er anhand von Fallbeispielen aus seiner Praxis, warum junge Menschen, die so behütet und materiell abgesichert aufwachsen wie noch nie, vor ihrem Leben kapitulieren.

Familien sind straff organisiert wie Kleinunternehmen

Auf den ersten Blick scheinen die Ursachen für ein Burnout auf der Hand zu liegen: Volle Stundenpläne, Hausaufgaben, Nachhilfe und Musikunterricht, außerdem noch sportliche Hobbys. So kommt schnelle eine stramme 50-Stunden-Woche zusammen.

Allein die Fülle des Alltagsprogramms sei aber nicht der Grund für die Überforderung. Es sei ein Puzzle aus unterschiedlichen Ursachen, betont der Kinder- und Jugendpsychiater. Insbesondere das Prinzip Leistung trage zur Überlastung bei. “Hier spiegeln sich gesamtgesellschaftliche Realitäten wider. Ich nenne das ‘durchdringende Ökonomisierung’, die in allen Bereichen des Lebens wirkt. Familien, wo sich die Eltern zwischen Beruf, Partnerschaft, Haushalt und Erziehung aufreiben, funktionieren heute wie Kleinunternehmen und Kinder wachsen mit dem Renditedenken heran. Es zählt nur, was einen Mehrwert bringt. Die Kinder verinnerlichen das.”

Schon Neunjährige denken: ohne Abi keine Zukunft

Diese leistungsorientierte Haltung zeigt sich vor allem in der Schule. Mittlerweile ist es nicht ungewöhnlich, dass Neunjährige sagen: “Wenn ich nicht aufs Gymnasium komme, ist meine Zukunft gelaufen.” Oder dass Oberstufenschüler überzeugt sind, nur mit einem Abiturschnitt von mindestens 1,5 glücklich zu werden, weil sie sonst nicht ihr Wunschfach studieren können. Ein Abschluss mit schlechteren Noten ist deshalb für sie wertlos.

So ehrgeizige Ziele setzen sich die Kinder häufig selbst und geraten in die Burnout-Spirale. “Es sind nicht unbedingt die überfürsorglichen Eltern, die diese hohe Erwartungshaltung haben”, weiß Schulte-Markwort. “Im Gegenteil. Immer öfter sitzen auch Mütter und Väter vor mir, die beteuern, sie verlangten von ihrem Nachwuchs gar keine überdurchschnittlichen Leistungen. Die Kinder empfinden solche Äußerungen häufig als zynisch. ‘Ihr müsst ja nicht mehr studieren’, argumentieren sie dann.”

Keine Wertschätzung in der Schule

Doch nicht nur die eigenen Ansprüche der Kinder erzeugen Druck. Das Klima in deutschen Klassenzimmern trägt ebenfalls zu Stress bei. “Schule ist hierzulande kein Ort, wo Kinder und Jugendliche das Gefühl haben, Wertschätzung zu erfahren”, kommentiert der Psychiater. “Hier wird eher ein defizitorientiertes System gepflegt, wo immer darauf geachtet wird, was nicht funktioniert – nicht selten eingebettet in eine sanktionierende Pädagogik des Mittelalters.” Diese demotivierende Lernkultur zeige sich anschaulich in Schülerjahrbüchern. Darin seien Lehrerzitate zu lesen, die vor allem beleidigten, abwerteten und verletzten. “Die Pädagogen müssten vor Scham im Boden versinken.”

Mit Psychotherapie aus der seelischen Krise

Eine Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit einer Erschöpfungsdepression dauert in der Regel ein halbes Jahr. Schulte-Markwort und sein Team entwickeln für jeden Patienten ein individuell zugeschnittenes Behandlungskonzept, oft begleitet von Physiotherapie und Sport. Ist das Krankheitsbild schwerwiegender, sind manchmal auch Medikamente notwendig.

“Wir versuchen gezielt, die Kinder fit zu machen, ihnen Strategien an die Hand zu geben, so dass sie den Anforderungen der heutigen Zeit widerstehen können. Das hat oft den Charakter von Coaching und Lerntherapie. Dabei trainieren die Patienten unter anderem, ihren Selbstwert anders zu definieren und sich Fragen zu stellen, wie etwa ‘Wo sind meine Ressourcen?’ oder ‘Wie kann ich auf mich vertrauen, dass auch etwas aus mir wird, wenn ich kein Abitur mit 1,5 mache?'”

Bei der Behandlung sollten die Eltern mit ins Boot genommen werden. Denn nur wenn die gesamte Familiensituation analysiert wird, kann das Leistungsprinzip aufgebrochen werden. So lässt sich bereits mit wenigen praktischen Maßnahmen Alltagsdruck abfedern. Schulte-Markwort empfiehlt zum Beispiel, sich die Kalender aller Familienmitglieder vorzunehmen, um zu schauen, wer an welchem Tag Zeit hat. So könne man Inseln mit gemeinsamer Zeit für Spaß und Erholung schaffen.

Der Mediziner wünscht sich erhöhte Sensibilität und Aufmerksamkeit von Müttern und Vätern. “Eltern sollten ihr Kind so begleiten, dass sie immer merken, wenn sich deren Verhalten auffällig verändert. Das darf man nicht abtun, sondern sollte möglichst frühzeitig zur Diagnostik kommen. Sonst riskiert man, dass sich eine Depression manifestiert.”

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