Kategorie -Jugendliche

Dejan Zavec Boxer

Dejan Zavec Boxer

Wer sich einen Boxweltmeister als großen Menschen vorstellt, der sofort im Mittelpunkt steht, der wird von Dejan Zavec enttäuscht. Zavec ist 1,72 Meter groß und bescheiden. Man kann ihm begegnen, ohne zu erkennen, dass er ein international erfolgreicher Mann ist. Viele nennen ihn deshalb „Mister Simpatikus“. So ist er auch im Interview, in der Dorfschule in Juršinci, acht Kilometer nördlich von Ptuj, wo er 1976 geboren wurde. Er möchte Menschen und Projekte unterstützen, die oft übersehen werden. „Mein Idol ist ein einfacher Mensch, der arbeitet, etwas verdient, eine Familie gründet, positiv auf das Leben blickt und einen Sinn im Leben findet, obwohl er in keinem Bereich besonders auffällt. Das ist große Kunst.“

So wird es wertvoller, findet er

Zavec ist ein großer Künstler, denn er hatte in seinem Leben nicht den besten Start, hat aber viel daraus gemacht. Nachdem den Eltern das Sorgerecht entzogen worden war, wuchs er auf dem kleinen Bauernhof einer Tante auf, die ihn adoptierte. „Ab meinem dritten oder vierten Lebensjahr war mir klar: Wenn ich fleißig bin und alles gut erledige, dann bekomme ich was zu essen. Und das habe ich auch im Sport gelernt. Die Arbeit muss zu Ende geführt werden, damit sie sich auszahlt.“ Für ihn wurde klar: „Wenn man für etwas kämpfen muss, wird es viel wertvoller. Die Sachen, die man einfach so bekommt, verlieren schnell ihren Glanz. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nicht den gleichen Weg wollen. Aber er hat aus mir gemacht, was ich heute bin. Es ist also alles richtig so, wie es ist.“

Zum Boxen ist Zavec durch Zufall gekommen, eigentlich wollte er Fußballer werden, aber als er zum ersten Training ging, fand das nicht statt, und er traf den Boxtrainer Ivan Pučko. Der hat ihn mit seiner Einstellung sofort fasziniert. „Er hatte eine Art der Ausstrahlung und Wärme, die ich bis dahin bei niemandem erkennen konnte.“ Als 16-Jähriger fing er in Ptuj mit dem systematischen Boxtraining an. Nach dem dritten oder vierten Kampf beschwerte er sich: „Er hat mich so hart geschlagen.“ „Dann schlag von Anfang an zurück!“, antwortete der Trainer. Langsam entwickelte Zavec ein Gefühl für den Sport. Über Stationen in Österreich, Serbien, wieder Slowenien kam er nach Magdeburg. Dort hatte er seine größten Erfolge. Deutschland wurde zur zweiten Heimat. „Das Land hat mir eine gewisse Breite gegeben, eine Einstellung zu Mitmenschen, Respekt vor Unterschieden.“ Deutsch zu können habe ihm ein größeres Ansehen gegeben: „Es ist wie eine Würze für das Leben.“

Der Erfolg hat sein Leben verändert

International trat der Boxer im Weltergewicht, der Klasse zwischen 63,503 und 66,678 Kilogramm, an. Zunächst kämpfte er nicht unter seinem richtigen Namen, den kaum einer aussprechen kann, sondern als Jan Zaveck. Am 11. Dezember 2009 wurde er überraschend in Johannisburg erster slowenischer Boxweltmeister. „Das gab mir das Gefühl, große Zufriedenheit und Frieden erkämpft zu haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Und für mein Heimatdorf Juršinci und für Ptuj war das ein Traum. Die Menschen hatten mich nie für das geschätzt, was ich hatte, sondern schätzten mich nun für das, was ich bin.“

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Anklage wegen Körperverletzung: Ärzte spritzten wohl Kochsalz statt Impfstoff

Sie geben vor, Kinder und Jugendliche gegen Mumps, Masern oder Röteln zu impfen. Stattdessen sollen ein Arzt und eine Ärztin aus Gifhorn einen wirkungslosen Stoff in die Arme ihrer Patienten injizieren: Kochsalzlösung. Dafür müssen sich beide nun vor Gericht verantworten.

Weil sie Kindern und Jugendlichen Kochsalzlösung statt Impfstoff gespritzt haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft Hildesheim Anklage gegen einen Arzt und eine Ärztin aus dem Landkreis Gifhorn erhoben. Dem 64-jährigen Mediziner werde Körperverletzung in 34 Fällen, Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse in 85 Fällen sowie gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug in sechs Fällen zur Last gelegt, teilte die Behörde mit.

Der Mann schweige zu den Vorwürfen. Seiner 58 Jahre alten Kollegin werde gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug in sechs Fällen, Körperverletzung in zwei Fällen und das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse in drei Fällen vorgeworfen, was die Ärztin bestreite.

Der 64-Jährige soll 34 Mal Kinder und Jugendliche nicht gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft, sondern stattdessen lediglich Kochsalzlösung gespritzt haben. Dadurch hätten die Kinder unnötige Schmerzen erlitten, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Der Ärztin werden zwei solche Fälle vorgeworfen. Zudem soll der Arzt in 85 Fällen eine Impfung in Impfausweisen bescheinigt, tatsächlich aber nicht vorgenommen haben.

Schaden von 3031,91 Euro für Kassen

Die Medizinerin soll drei falsche Impfungen bescheinigt haben. Durch die Abrechnung nie erbrachter Leistungen soll den Krankenkassen ein Schaden von 3031,91 Euro entstanden sein. Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht, bei einer Durchsuchung waren Beweismittel sichergestellt worden.

Bei Blutuntersuchungen der Betroffenen wurden laut Staatsanwaltschaft später keine Antikörper festgestellt. Gegen den 64-Jährigen erging nach Behördenangaben am 10. März 2022 ein Haftbefehl, der gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde.

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Fachhochschule für Gastgewerbe in Maribor

Fachhochschule für Gastgewerbe in Maribor

Schulküchen haben einen schlechten Ruf. Bei Sedem ist das anders. Das sagt schon der slowenische Name, der sowohl „7“, die Hausnummer des Gebäudes in der Cafova-Straße in Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, als auch „ich setze mich“ bedeutet. Denn im „Restavracija 7“ bleibt man gerne sitzen und genießt. Tanja Angleitner, die Direktorin der Fachhochschule für Gastgewerbe und Tourismus, zu der das Restaurant gehört, hat gute Laune. Im April hat ihr Student Benjamin Harb den ersten Preis im 16. Internationalen Wettbewerb für Bar-Mixer gewonnen. Die Auszeichnung gesellt sich zu vielen weiteren, die die Direktorin stolz präsentiert. Die Pokale und Trophäen füllen einen Ausstellungsraum.

Nach dem Studium in Graz

Angleitner ist seit 25 Jahren im Tourismus tätig. Nach einem Studium in Graz verbrachte sie mehrere Berufsjahre im Ausland. Seit drei Jahren leitet die 50-Jährige die FH in Maribor. Besonders gefällt ihr, „dass die Arbeit so vielfältig“, die Kontakte untereinander „einfach, direkt, lebhaft und inspirierend“ seien. Die FH mit 22 Lehrkräften, drei Köchen, einem Konditor und 250 Studierenden wurde 1998 gegründet und befindet sich in einem modernen, mehrstöckigen Gebäude mit großen Fenstern. Die Unterrichtsräume für Köche, Kellner, Barmixer, Someliers, das Wellness-Management-Programm und auch die Bibliotheks- und Konferenzräume sind modern eingerichtet. Der große Hörsaal mit Multimediaanlage hat Platz für 150 Personen. Von der Dachterrasse aus hat man einen Blick über die Stadt und die Berge mit der Skipiste für Weltcup-Rennen.

Tanja Angleitner schaut weit über die Region hinaus. Nach ihrer internationalen Karriere liebt sie es, zu reisen. Sie verbindet das nun mit der Ausbildung ihrer Studierenden, die durch Erasmus-Projekte und internationale Wettbewerbe viel fachliches und interkulturelles Wissen erwerben. So gehören selbstverständlich auch Fremdsprachen zum Unterrichtsangebot. „Viele junge Menschen wollen bei uns eine Ausbildung machen, weil sie bei uns in der Praxis lernen und wir eine international sehr anerkannte Schule sind. Keiner, der bei uns gelernt hat, bleibt nach der Ausbildung ohne Job“, sagt sie stolz.

Der gute Ruf hat sich bald verbreitet

Und so ist natürlich auch das „Restavracija 7“ im Erdgeschoss keine Schulkantine, sondern „ein Fine-Dining-Restaurant“, wie Angleitner betont. Auch hier gibt es viel Glas und Holz in modernem Design. Aus dem Gästebereich kann man in die Küche und dem Personal bei der Arbeit zusehen. Dort gibt es chromblitzende Töpfe und Pfannen. Das Geschirr ist aus hochwertigem Drava-Ton von einem Mariborer Töpfer speziell für das Restaurant hergestellt. Vor allem aber stehen auf der Karte für Dienstag bis Samstag mehrere mehrgängige Menüs, von kalten und warmen Vorspeisen bis zu aufwendigen Desserts und ausgefallenen Mixgetränken. „Die Gerichte wechseln wöchentlich, unsere Gäste loben vor allem die Aromenvielfalt, die besonderen Weine und die Freundlichkeit unseres Service-Personals.“

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Höhere Ansprüche an Jugendliche: Weniger Berufe für gering Gebildete erwartet

Für Jugendliche mit geringer Schulbildung wird es künftig noch schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Experten gehen davon aus, dass die Voraussetzungen für Ausbildungen strenger werden. Die Folge: Während Betriebe händeringend nach Auszubildenden suchen, steigt die Zahl der Ungelernten weiter an.

Jugendliche mit geringer Schulbildung haben einer Umfrage unter Experten zufolge künftig noch weniger Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. 53 Prozent der befragten Berufsbildungsexperten rechnen bis 2030 mit steigenden Qualitätsanforderungen in Ausbildungsberufen, wie aus einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung hervorgeht. Das gelte auch für Berufe, die für Jugendliche mit geringer Schulbildung relevant sind.

Etwa die Hälfte der Befragten rechnet mit einem weiteren Anstieg der Ungelernten bis 2030. 61 Prozent erwarten, dass die Zahl der ungelernten Jugendlichen zunehmen wird, weil Beschäftigungsmöglichkeiten fehlen. Fast alle Befragten gehen davon aus, dass die duale Berufsausbildung auch 2030 noch eine hohe Bedeutung haben werde. Gleichzeitig rechnen 85 Prozent damit, dass Ungleichgewichte weiter bestehen bleiben. So würden auch künftig Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, während Jugendliche keinen Platz finden. 60 Prozent erwarten, dass Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, zunächst Übergangsmaßnahmen durchlaufen müssen.

Die schulische Berufsorientierung berge für 80 Prozent der Befragten großes Potenzial, um die Übergangschancen von Jugendlichen mit niedrigen Schulabschlüssen zu verbessern. 83 Prozent der Experten fordern, Jugendliche kontinuierlich und individuell beim Übergang von der Schule in die Ausbildung zu begleiten.

Bildungserfolg hängt weiter von Herkunft ab

60 Prozent halten es für sinnvoll, das Ausbildungssystem über beispielsweise Teilqualifikationen flexibler zu gestalten. Dass es dazu kommt, glauben hingegen nur 40 Prozent. 70 Prozent erwarten aber, dass Betriebe zunehmend nach Menschen mit Teilqualifikationen suchen werden. Für 82 Prozent ist es unwahrscheinlich, dass bis zum Jahr 2030 die Kopplung zwischen Herkunft und Bildungserfolg durchbrochen sein wird. Für die Umfrage wurden rund hundert Experten aus Wirtschaft, Verwaltung, Bildung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft befragt.

„Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, ob wir es uns weiter leisten können und wollen, dass jedes Jahr viele Jugendliche keinen Anschluss finden und gleichzeitig die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze steigt“, erklärte Andreas Knoke von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Der Fachkräftemangel sei ein drängendes Thema.

„Es braucht endlich entschlossenes Anpacken, um wirklich allen Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung und damit individuelle Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen“, führte Knoke weiter aus. Die Initiatoren der Studie forderten, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Ausbildungsgarantie schnell und wirksam umzusetzen.

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Schweizer Schneiderin Monica Peixoto


Monica Peixoto steht vor ihrem Schneidertisch und misst mit einem Pfiffikus, einem zehn Zentimeter langem Saummaß, das Gurtband ab. Die 27-Jährige vergrößert gerade ein rotes Hundegewand. Ein unüblicher Auftrag für eine Damenschneiderin. „Der Hund hat ein bisschen zugenommen“, meint sie lachend, „und jetzt passen ihm seine Regenjäckchen nicht mehr.“ Nachdem sie das Ende des Gurtbands abgemessen hat, legt sie es unter die Nähmaschine. Schon geht deren schnelles Rattern los, während im Hintergrund das Radio ertönt. 2016 hat die Schneiderin ihr Nähatelier in Bubikon im Kanton Zürich eröffnet. Seither führt sie dieses allein und voller Begeisterung.

„Es war schon lange mein Traum gewesen, mein eigenes Atelier zu führen. Mich hat das Nähen wie auch das kreative Arbeiten mit verschiedenen Stoffen schon immer fasziniert“, sagt sie und blickt durch ihre roségoldene, runde Brille auf. Bereits als Kind habe sie gerne genäht und Kleidungsstücke entworfen. Deshalb machte sie die Ausbildung zur Damenschneiderin, die sie in der Berufsfachschule in Winterthur im Jahr 2015 beendete. Dieses Schneiderinnen-Atelier an der Berufsfachschule schloss jedoch aufgrund von Sparmaßnahmen. Es gibt kaum Jugendliche, die eine Schneiderlehre absolvieren wollen. Wenige lassen sich heute noch ein Hemd bei einem Schneider anfertigen. Daher ist die Präsenz dieses Berufes für viele Jugendliche in Vergessenheit geraten und somit auch der Reiz, ihn zu erlernen.

Sie drückt aufs Pedal

Nun geht Monica Peixeto zu den Schnallen. Sie versucht das Gurtband wieder durch diese zu fädeln, aber mit wenig Erfolg. Nach einigen Versuchen sagt sie: „Oh ich glaube, mir ist der Zwanziger gefallen! Ach, warum mach ich das so kompliziert?“ Sie setzt sich rasch an die Nähmaschine und drückt aufs Pedal, damit die Nähmaschine einfädelt. Anschließend legt sie das Band darunter und näht vorsichtig und rasch die Schlaufe zu, sodass die Schnalle nicht rausfällt. Somit hat sie das eine Gurtband für das Hundejäcklein angepasst. Als Damenschneiderin schneidert sie normalerweise nicht für fellige Vierbeiner, aber auch nicht nur für Frauen. Männer und Kleiderläden bilden ebenfalls einen Teil ihrer Kundschaft. Letztere bringen Kleidungsstücke zu ihr, die den Kunden und Kundinnen noch angepasst werden müssen. Die Maße der Kunden wurden schon im Laden genommen.

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Der Tag: Attacke in Tram: Jugendliche schlagen Transfrau krankenhausreif

Schon wieder kommt es in Deutschland zu einer transfeindlichen Attacke. Erst vor wenigen Tagen war ein 25-jähriger Transmann nach einem Faustschlag seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Er war mehreren Frauen zur Hilfe gekommen, die von einem 20-Jährigen am Rande des CSD in Münster homofeindlich beleidigt worden waren. Jetzt wird ein neuerlicher Übergriff bekannt: Eine Gruppe Jugendlicher verletzte am Samstagabend eine Transfrau in Bremen in einer Straßenbahn schwer. Die Jugendlichen flüchteten nach der Tat, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der Staatsschutz ermittelt wegen Hasskriminalität und gefährlicher Körperverletzung.

Die 57 Jahre alte Bremerin war gegen 19.35 Uhr in der Tram unterwegs, als an einer Haltestelle in der Innenstadt eine Gruppe von 10 bis 15 Jugendlichen zustieg. Sie beleidigten die Frau und rissen ihr die Perücke vom Kopf. Ein Täter, der von Zeugen auf 14 bis 16 Jahre geschätzt wurde, schlug der Frau mit beiden Fäusten ins Gesicht. Die anderen in der Gruppe feuerten den Angreifer an, wie die Polizeisprecherin sagte. Erst als andere Fahrgäste eingriffen, ließ die Gruppe von der Frau ab und stieg aus der Bahn aus. Das Opfer kam mit schweren Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus.

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Wäscheladen Elfi in Berlin

Wäscheladen Elfi in Berlin

Auch diesen Nachbarn hat sie überlebt. Nach sechs Monaten verschwanden endlich die Absperrungen, die Bodenmarkierungen und die langen Warteschlangen vor ihrem Schaufenster. Wand an Wand mit einem Corona-Testzentrum, das hatte sich Petra Aenge­neyndt, Inhaberin des Wäschegeschäftes „Elfi“ in der Berliner Einkaufsmeile Schloßstraße, wohl nie erträumt. In den vergangenen 35 Jahren hat sie viele kommen und vor allem wieder gehen gesehen. „Elfi“ ist noch da. „Früher gab es in der Schloßstraße einen schönen Laden nach dem nächsten. Heute gibt es hier nichts mehr zum Flanieren. Niemand macht mehr ein schönes Schaufenster. Es gibt ja auch kaum Dekorateure“, sagt die Geschäftsfrau. Sie ist eine der wenigen, die noch eine Schauwerbegestalterin beschäftigt. Alle drei Monate kommt diese und dekoriert das Fenster. So schweben zum Beispiel Nachthemden in floralen Mustern und zur Jahreszeit passenden Farben im Schaufenster. Ein Blick in das Ladeninnere ist kaum noch möglich. Bleibt die messinggefasste Glastür, über der in goldener, geschwungener Schrift „Elfi“ prangt. Seit 65 Jahren ist der Schriftzug unverändert, so wie vieles andere hier auch.

Stofftaschentuch für 19,90 Euro

Petra Aengeneyndt steht hinter einem gläsernen Vitrinentisch, in dem sich akkurat gefaltete Stofftaschentücher reihen. Eines kostet 19,90 Euro. Die Inhaberin löst ein Kreuzworträtsel. Nebenbei verpackt sie ein rosa geblümtes Nachthemd in eine Box und bindet eine Satinschleife darum. Eine Stammkundin möchte später noch vorbeikommen, um es abzuholen. Außer dem Knistern der Schleife, dem Rascheln des Seidenpapiers und dem gedämpften Rauschen des Verkehrs ist es still. Musik wird bei „Elfi“ nicht gespielt. Die Hektik der Schloßstraße bleibt draußen.

„Schon als vierjähriges Mädchen habe ich immer da vorne auf der Stufe gesessen und zugeguckt“, sagt die 63-Jährige. Sie lächelt und deutet hinter einen wattierten weißen Vorhang. In der Weihnachtszeit durfte sie ihrer Mutter, der Gründerin von „Elfi“, immer beim Verpacken der Geschenke helfen. „Für ein Päckchen ohne Schleife habe ich 25 Pfennig bekommen, mit Schleife gab es 50 Pfennig.“ Seit ihrer Kindheit hat sich der Laden nicht verändert. Der Kronleuchter mit den Kristalllüstern, das kleine Sofa, selbst die Kleiderbügel sind noch aus den frühen 60er-Jahren. Hier, auf 25 Quadratmetern Raum, steht die Zeit still. Das Wertvollste in dem Laden, vor der Ware, dem Interieur und dem Inhalt der Kasse, ist ein kleiner Kasten, der auf dem Vitrinentisch steht: die Kundenkartei. „Ich kenne meine Stammkunden auf einer Ebene, die in der heutigen Zeit gar nicht mehr vorstellbar ist. Wenn ich Ware einkaufen gehe, habe ich den individuellen Geschmack jedes Einzelnen im Hinterkopf und suche dementsprechend aus“, sagt Petra Aengeneyndt. Neben Namen, Adressen, Telefonnummern dokumentiert sie die Größen, Farb-, Schnitt- und Mustervorlieben ihrer Kundinnen. Hat sie das Richtige für die Richtige in der Hand, ruft sie an und vereinbart einen Termin. Viele kennt sie schon seit Jahrzehnten. Es ist eine überschaubare Anzahl, die immer wiederkehrt. Hier finden sie das, was sie woanders nicht finden: Neben persönlicher Beratung, individuellen, zum Teil maßgeschneiderten Größen sind es vor allem die Verbindlichkeit, Herzlichkeit und gegenseitige Wertschätzung, die den Einkauf so besonders machen. „Es ist wie der Besuch bei einer lieben alten Freundin“, sagt eine Kundin, die seit 20 Jahren regelmäßig vorbeischaut.

Sie wissen genau, was sie wollen

Wer bei „Elfi“ einkauft, hat einen Plan. Angora-Unterhemden für den Winter, ein warmes Nachthemd, blickdichte Strümpfe: Die meisten wissen genau, was sie wollen. Die wenigsten kommen per Zufall, Laufkundschaft gibt es so gut wie gar nicht. Sie vereinbaren vorab telefonisch einen festen Termin, gerne unter der Woche, denn samstags ist die Schloßstraße den meisten zu voll. „Werktags kommen Menschen zu mir, die das Einkaufserlebnis noch zele­brieren wollen und nicht von einem Shoppingcenter in das nächste springen.“ Woanders würde man diesen Service wohl Personal Shopping nennen. Bei „Elfi“ bedarf es dafür keiner Worte.

Lieber spricht Petra Aengeneyndt über Qualität. „Mir ist nicht egal, woher etwas kommt. Ich achte darauf, dass alles, was ich verkaufe, in Europa produziert wird.“ Sollen die anderen doch werbewirksam über Nachhaltigkeit reden, hier bei „Elfie“ wird sie gelebt. Billigware aus Asien kommt der Inhaberin nicht in den Laden. „Ich kann sehr gut zwischen guter und mangelhafter Qualität unterscheiden. Dieses Bewusstsein geht leider den Menschen allmählich verloren.“ Dass „Elfi“ existiert, grenzt eigentlich an ein Wunder. „Immer mehr inhabergeführte Läden müssen schließen, sie können dem Wettbewerb nicht mehr standhalten.“ Petra Aengeneyndt versucht es noch nicht einmal. „Elfi“ mit Onlineshop, Rabatt-App & Co. zukunftsfähig zu machen – wozu? Ihre Kundinnen, da ist sie sich sicher, brauchen und wollen das nicht. Angst vor Konkurrenz? Sie lacht. „Welche Konkurrenz? Früher gab es allein auf der anderen Straßenseite zwei Wäscheläden. Jetzt gibt es hier nur noch mich.“

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Bei Mutprobe selbst erwürgt: 14-Jähriger stirbt bei „Blackout“-Challenge

Sich würgen, bis man das Bewusstsein verliert? Das machen Kinder und Jugendliche, um Teil einer lebensgefährlichen Challenge auf Tiktok zu sein. Der Ohnmachtszustand vor der Kamera übt offenbar einen zu großen Reiz aus. Ein Junge überlebt diese „Mutprobe“ nicht – nur der jüngste tragische Fall.

Ein Junge aus dem schottischen Cumbernauld ist bei einer Internet-Challenge ums Leben gekommen. Der 14-jährige Leon Brown wurde am 25. August von seiner Mutter Lauryn Keating leblos in seinem Zimmer aufgefunden. Der Teenager hatte die sogenannte Blackout-Challenge ausprobiert und sich selbst vor der Kamera die Luft abgeschnürt, damit er das Bewusstsein verliert. Das berichtet das Nachrichtenportal Glasgow Live.

Bei dem Versuch, sich selbst zu würgen, soll der 14-Jährige dem Bericht zufolge tödliche Gehirnverletzungen erlitten haben. Seine Mutter entschied sich, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, um andere Eltern vor dem lebensgefährlichen Trend zu warnen. Die 30-Jährige sagte der „Daily Record“: „Einer von Leons Freunden sagte mir, er habe die Challenge auf Facetime mit ihm gemacht, nachdem er sie auf Tiktok gesehen hatte. Mein Leon dachte, er wäre derjenige, der es zuerst versucht. Leon und seine Freunde dachten wahrscheinlich, es sei ein Witz.“ Statt seine Freunde zu beeindrucken, starb Leon vor ihren Augen.

Der Fall erinnert an Archie Battersbee: Der zwölfjährige Brite hatte im vergangenen April ebenfalls an der Challenge teilgenommen und sich selbst so stark gewürgt, dass er nicht nur kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Ärzte erklärten den Jungen später für hirntot. Nach einem monatelangen Rechtsstreit mit den britischen Behörden bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen Anfang August schließlich eingestellt.

Der Fall des kleinen Archie bewegte Menschen auf der ganzen Welt. Auch Lauryn Keating hatte vom tragischen Unfall des Jungen aus Southend erfahren. „Ich hatte von dieser Challenge gehört, wegen dem, was Archie passiert ist“, sagte Leons dem „Daily Record“. „Trotzdem erwartest du nicht, dass dein eigenes Kind so was tut.“

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Klöppeln trainiert

Klöppeln trainiert

Vor ihr liegen hundert verschiedene Spulen aus Holz, in denen grüne, blaue und rote Baumwollfäden eingespannt sind. Rosmarie Giezendanner hat ein besonderes Hobby: Die 73-Jährige klöppelt. Von einer selbst gemachten hellblauen Halsschleife, die sie trägt, bis zu aufwendigen Weihnachtskarten, alles ist dabei. Geschickt geht die Frau mit der weißen Kurzhaarfrisur mit ih­rem modernen Mobilgerät um und führt das Interview über Whatsapp. Ihren Wohnsitz hat die gebürtige Toggenburgerin im schweizerischen Schaffhausen.

Musterbriefe aus dem Erzgebirge

In Annaberg, im Erzgebirge, wurden die ersten Musterbriefe aus dem 16. Jahrhundert gefunden. Diese sind wichtig, um, im wahrsten Sinne des Wortes, den Faden nicht zu verlieren. Denn dieser Brief wird auf dem Klöppelkissen befestigt und mit einer Folie abgedeckt, damit keine Druckerschwärze auf die Arbeit abfärbt. Auf ihm sind der genaue Verlauf der Fäden wie auch die Punkte, an denen die Nadeln zur Befestigung angebracht werden, ersichtlich. Die ältesten Kunstwerke entstanden in Herrenhäusern und dienten als Verzierungen an Hemdärmeln Adeliger sowie in den Kirchen als Altardecken. Eine Ge­schichte besagt, dass in Annaberg eine junge Adelige namens Barbara Uthmann lebte. Sie brachte den armen Frauen der Bergleute im Erzgebirge die Klöppelei bei und ermöglichte ihnen, einen geringen Nebenverdienst durch die Knüpfkunst zu erwerben.

Um klöppeln zu können, müssen einige Utensilien erworben werden: ein Kissen als Unterlage, die spindelförmigen und namengebenden Klöppel, um die der Faden gewickelt wird, ein Musterbrief und Stecknadeln, eine Schere, gutes Licht und eventuell eine Lupe, um den Faden deutlich zu sehen. Dabei kommt ein ordentlicher Betrag zusammen. „S’Chüssi allei chostet scho schnell bis zu 100 Franke, also du muesch scho chli Geld id Hand neh, sodass du überhaupt chasch aafange zum Klöpple“, sagt Rosmarie Giezendanner. Gearbeitet wird paarweise. Die beiden Schlegel werden übereinander gekreuzt und gedreht, sodass ein Fadenkreuz entsteht. Die Fäden sind dann miteinander verknüpft oder verwoben. Die Unterlage, auf der die Kunst entsteht, ist ein Kissen oder eine Rolle. In Deutschland ist das Klöppeln auf der Rolle beliebter.

Sogar mit Metall wird geklöppelt

In früheren Zeiten wurde vor allem mit Seide und Leinen gearbeitet. Heute kann mit allem Möglichen geklöppelt werden, sogar mit Metall, was die Schweizerin aber nicht angenehm findet. Sie klöppelt am liebsten mit Seide oder Baumwolle, diese Materialien liegen angenehm in den Händen. Immer wieder schlägt im Hintergrund eine Kuckucksuhr, die hörbar macht, wie schnell die Zeit vergeht. Rosmarie Giezendanner scheint fit zu sein. Das ist auch über die Kamera gut erkennbar. Als sie ein junges Mädchen war, hatte sie in der Dorfbibliothek das Jugendbuch „Klöppel-Anneli“ ausgeliehen. Dieses handelte von einem Mädchen in Lauterbrunnen, das unbedingt die Klöppelei erlernen wollte. „Das Buech hett mich sehr beidruckt, und ii han au wölle klöpple.“ Der Wunsch hielt an, aber erst vor 25 Jahren besuchte sie einen Kurs. Doch das Hobby ist zeitaufwendig und hatte im Leben der damals noch Berufstätigen keinen Platz. Die gelernte Kindergärtnerin arbeitete mit psychisch beeinträchtigten Erwachsenen. Nach der Pensionierung aber wurde die Kunst zu ihrer absoluten Leidenschaft. „Klöpple isch für mich e richtigs Ghirntraining. Ich muess nämlich luege, wie ii jetzt wiitervorgo muess.“ Einmal im Monat trifft sie sich mit einer Klöppelgruppe zu einem Abend, an dem geklöppelt wird. Voller Freude berichtet sie von der Feier zu ihrem 70. Geburtstag. Die Gäste schenkten der Jubilarin einen Gutschein für handgemachte Klöppel. So besitzt sie nun rund 100 Klöppel-Unikate, die extra für sie angefertigt und gekennzeichnet wurden.

Feine Tüllspitze in Belgien

Sie sagt, die Klöppelei sei wieder modern. Im Kunstgewerbe wird stark damit experimentiert. Klöppeln sei eher „frauenlastig“, doch die Schaffhausenerin kennt drei klöppelnde Männer. Einer ist mit dem Computer vertraut und entwarf seiner Frau Musterbriefe. Diese waren zwar schön, jedoch ließen sie sich nicht ausführen, da er keine Ahnung von der Klöppeltechnik hatte. Er erlernte die Kunst, sodass er nun selbst seine Musterbriefe nachklöppeln kann. Klöppelzentren sind das Erzgebirge in Deutschland, Lauterbrunnen in der Schweiz und das belgische Brügge. Jedes Land verwendet andere Spitzen: In Belgien wird oft ganz feine Tüllspitze benutzt, während in den östlichen Staaten eher mit Bändern gearbeitet wird.

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Prozessauftakt in Memmingen: Ex-Pärchen schweigt zu Mord an 16-Jähriger

An einem Novembertag 2021 sollen eine Jugendliche und ihr Ex-Freund eine 16-jährige Freundin zum Flughafen in Memmingen gelockt, ihr Ecstasy-Pillen gegeben und sie schließlich mit mehreren Messerstichen ermordet haben. Nun stehen beide vor Gericht. Zum Motiv schweigen sie.

Eine 16-Jährige wird in Memmingen getötet – jetzt beginnt der Mordprozess. Die mutmaßlichen Täter wollen vor Gericht in der schwäbischen Stadt die Aussage verweigern. Der 26-Jährige und die 16-Jährige würden zunächst keine Angaben machen, teilten ihre Verteidiger zum Prozessauftakt vor dem Memminger Landgericht mit. Dem Duo wird vorgeworfen, die Jugendliche im November 2021 in der Nähe des Memminger Flughafens unter einem Vorwand unter Drogen gesetzt, mit einer Flasche niedergeschlagen und erstochen zu haben. Die Tat hätten die Jugendliche und der Mann zuvor geplant.

Ein mögliches Motiv nannte die Staatsanwaltschaft bisher nicht. Das Opfer und das angeklagte Duo seien befreundet und die beiden Verdächtigen vor der Tat einmal ein Paar gewesen, sagte ein Sprecher der Behörde. Sollten die beiden deutschen Angeklagten wegen Mordes verurteilt werden, droht dem 26 Jahre alten Mann nach Angaben des Gerichts eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das 16-jährige Mädchen könnte wegen des Jugendstrafrechts zu höchstens zehn Jahren Haft verurteilt werden.

Was der Auslöser für die Tat war, habe „nicht mit hinreichender Sicherheit geklärt werden“ können, so die Staatsanwaltschaft. Nach dem Fund der Leiche hatte die Polizei zwar mitgeteilt, dass der 26-Jährige den Ermittlern zuvor bekannt war – allerdings nicht wegen Gewaltdelikten. Die Eltern der 16-Jährigen hatten ihre Tochter am 15. November als vermisst gemeldet, nachdem die Jugendliche am Abend zuvor nicht nach Hause gekommen war. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass das Opfer von der inzwischen ebenfalls 16 Jahre alten Verdächtigen zu einem Treffen am Memminger Flughafen gelockt wurde.

Dort habe ihr die Jugendliche Kapseln mit dem Ecstasy-Wirkstoff MDMA gegeben – unter dem Vorwand, es handle sich um Vitaminpillen. Daraufhin habe die damals 15-Jährige das Opfer mit einer Wodka-Flasche niedergeschlagen. Der heute 26-Jährige soll die am Boden liegende Jugendliche danach mit mehreren Messerstichen getötet und sie in der Nähe des Flughafens zurückgelassen haben.

Für den Prozess sind nach Angaben des Gerichts 93 Zeugen an 31 Verhandlungstagen geladen. Mit einem Urteil wäre demnach erst Anfang Dezember zu rechnen.

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