Kategorie -Jugendliche

„Bleib am Leben und raus hier“: Brooke Shields macht Vergewaltigung öffentlich

Schon als Jugendliche wird Brooke Shields in den 80er-Jahren als Schauspielerin berühmt. Heute berichtet sie in einem Dokumentarfilm über ihr Aufwachsen in der Unterhaltungsindustrie. Dabei schildert sie auch eine Vergewaltigung durch einen Vertreter der Filmbranche.

US-Schauspielerin Brooke Shields ist nach eigenen Worten als junge Frau von einem Vertreter der Filmindustrie vergewaltigt worden. In einem beim Sundance-Filmfestival vorgestellten Dokumentarfilm mit dem Titel „Pretty Baby: Brooke Shields“ berichtet die heute 57-jährige Shields, sie habe den ihr bereits vorher bekannten Mann kurz nach ihrem College-Abschluss zu Gesprächen über ein Casting getroffen.

Anschließend habe der Mann sie mit in sein Hotel genommen, um ihr angeblich von seinem Zimmer aus ein Taxi zu rufen. Stattdessen sei er ins Badezimmer gegangen, nackt zurückgekehrt und habe sie angegriffen. „Es war wie ein Ringen. Ich hatte Angst, mir würde die Luft abgewürgt“, schildert die Schauspielerin in dem Film. Aus Angst habe sie sich kaum gewehrt, sondern sei erstarrt. „Ich dachte nur ‚bleib am Leben und raus hier'“.

Nach dem Vorfall habe sie ihren Freund und Sicherheitschef Gavin de Becker angerufen, der ihr sagte, bei dem Angriff handele es sich um eine Vergewaltigung. Sie habe das nicht wahrhaben wollen und bis heute nie öffentlich darüber gesprochen.

Die Schilderung spiegelt Vorfälle wider, die zahlreiche prominente Hollywood-Schauspielerinnen in den vergangenen Jahren im Zuge der MeToo-Affäre um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein öffentlich gemacht hatten. Shields war in den 80er-Jahren als Jugendliche durch den Film „Die blaue Lagune“ berühmt geworden. Schon mit elf Jahren spielte sie zudem in „Pretty Baby“ eine kindliche Prostituierte.

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Linguistin Christa Dürscheid


Mehr Eigeninitiative“, das gefalle Christa Dürscheid an den Studenten in Zürich im Vergleich zu den Studenten, die sie in Deutschland unterrichtet habe. „Die Studierenden sind auf einem höheren Niveau, wenn sie an der Universität anfangen“, meint die Gewinnerin des Konrad-Duden-Preises 2020, der bedeutendsten Auszeichnung auf dem Gebiet der deutschen Linguistik. Sie forscht zur Gegenwartssprache, etwa zur Kommunikation in den neuen Medien oder zur Geschichte des Hashtags. Die Professorin an der Universität Zürich sieht die Studenten in der Schweiz gut vorbereitet. Grund dafür ist ihrer Meinung nach die Matura in der Schweiz. „Im Vergleich zum Abitur in Deutschland wird sie von weniger Schülern bestanden. Das macht sich unter anderem in der Mitarbeit bemerkbar, und die Studenten haben auch eine bessere Vorstellung, wie sie eine wissenschaftliche Arbeit entwerfen können.“

Gast in Tschechien, Ungarn und China

Christa Dürscheid wuchs in der Nähe von Offenburg in Baden-Württemberg auf. Das Abitur machte sie in Kehl und ging zwei Jahre an die Universität Freiburg, wo sie Deutsch, Französisch und Erziehungswissenschaften studierte. Sie wollte Lehrerin werden und wechselte fürs Hauptstudium, das heutige Masterstudium, nach Köln. Ihre Pläne änderten sich. „Ich war glücklicherweise zur rechten Zeit am rechten Ort. Als ich meinen Abschluss machte, bot mir einer meiner Professoren durch mein auffallendes Interesse an der Linguistik an, als Doktorandin zu arbeiten.“ Sie absolvierte die höchstrangige Hochschulprüfung, die zur Erteilung der Lehrberechtigung an Universitäten vorausgesetzt wird. „Mein Plan, an einer Schule zu unterrichten, rückte immer weiter in die Ferne.“ Gastaufenthalte in Tschechien, Ungarn und China folgten. 2002 bekam sie die Stelle als Professorin für deutsche Sprache an der Universität Zürich. Im ersten Jahr lebte sie weiterhin in Deutschland und pendelte.

2003 zog sie zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in die Schweiz. „Ich habe es optimal, meine Arbeit ist mein Hobby. Die Sprachwissenschaft und das Erforschen der deutschen Sprache mache ich mit ganz großer Leidenschaft, und ich kann das Ganze in der Schweiz machen.“ Sie publiziert Texte und Fachbücher. „Mein Traum, Romane zu schreiben, hat sich zwar nicht verwirklicht, jedoch verfasse ich viele Aufsätze und Bücher.“ Dürscheid merkt aber auch immer wieder, was für einen Einfluss ihr Beruf auf ihr Verhalten hat. „Da ich mich detailliert mit unserer Sprache auseinandersetze, analysiere ich ständig auch mich selbst beim Gebrauch meiner Sprache. Das verführt mich dazu, genauer auf alles zu achten. So sage ich beispielsweise zu einem Kollegen, dass ich in Fachbüchern auch gerne die Vorwörter lese – und denke sofort darüber nach, ob es nun Vorwörter oder Vorworte heißt.“

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Franziska Giffey im „Frühstart“: „Bei schneller Reaktion gibt es auch Verhaltensänderungen“

Die Berliner Bürgermeisterin Giffey will eine Wiederholung der jüngsten Silvesterkrawalle verhindern. Im Mittelpunkt dabei: jugendliche Täter, denen der Respekt vor dem Staat abhandengekommen ist.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat nach den Silvesterkrawallen die Rolle einer schnellen staatlichen Reaktion auf jugendliche Täter betont. „Es ist ganz klar, drei Viertel der Täter sind unter 25 Jahre alt. Es ist eine junge Generation. Es sind viele, die hier in Berlin geboren und aufgewachsen sind und die hier sehr große Ferne teilweise haben, zur Demokratie, zu Teilhabe, und auch nicht den nötigen Respekt haben vor den Vertretern des Staates“, sagte die SPD-Politikerin im „Frühstart“ von ntv. Mit Jugendsozialarbeit könne man hier viel machen. „Aber man muss auch sagen: Wenn eine Grenze überschritten wird, braucht es auch Konsequenzen, also auch konkrete Strafen.“

Die Berliner Polizei habe die Arbeit an Schulen vergrößert. „Wenn also zum Beispiel ein Vorfall in der Schule ist, dass sofort Polizei, Schulsozialarbeit, Eltern zusammengerufen werden“, so Giffey. Nur wenn schnell reagiert werde, „selbst wenn es nur um Kommunikation geht, um verbale Gewalt“, dann gebe es auch Verhaltensänderungen.

Unter dem Eindruck der Silvesterkrawalle kündigte Giffey eine bessere Ausstattung der Polizei an, insbesondere mit sogenannten Bodycams. „Denn schon allein die Tatsache, wenn jemand eine Bodycam hat, wirkt das deeskalierend“, sagte Giffey. „Wenn eine Straftat geschieht, dann haben wir eben besseres Beweismaterial, das der Strafverfolgung dient.“

„Wir kommen natürlich ein Stück weit an unsere Grenzen“

In Feuerwehrfahrzeugen sowie in Rettungsfahrzeugen könnten Dashcams zum Einsatz kommen. Dies habe sich bereits in der Neujahrsnacht vereinzelt bewährt. „Wir haben jetzt auch zu Silvester viel Videomaterial, was wir auswerten, was der Beweissicherung dient.“

Mit Blick auf die Aufnahme von Geflüchteten sagte Giffey, Berlin habe 100.000 Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen. Hinzu kämen noch die Asylsuchenden. „Das ist eine riesengroße Herausforderung, allein im Dezember über 1000 Menschen“, sagte die Regierende Bürgermeisterin. Sie habe sich darüber am Mittwoch „mit München, Hamburg und Bremen ausgetauscht“. Die großen Städte seien ganz besonders gefordert. „Wir kommen natürlich ein Stück weit an unsere Grenzen.“ Man müsse darüber sprechen, besser zu verteilen. Giffey verwies auf Orte in Deutschland, an denen mit Bevölkerungsrückgang umgegangen werden müsse. Demgegenüber würde sich „alles“ in den Städten konzentrieren. Sie wolle sich nicht der Aufnahme, Unterbringung und Integration der Menschen verschließen. Nur könnten die Städte das nicht allein schaffen. „Wir brauchen eine bundesweite Anstrengung“, so Giffey.

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Intensivstation Münsterlingen


Gekleidet in Schutzmaske, Schutzbrille, Visier und Haarhaube, eilen die unterbesetzten Pflegekräfte durch die Gänge des Herz-Neuro-Zentrums Bodensee im schweizerischen Münsterlingen von einem Patienten zum anderen. Verängstigte Infizierte wissen nicht, was auf sie zukommt, besorgte Verwandte schauen durch das Schaufenster der Intensivstation auf die Beatmungsgeräte. Die meisten Angehörigen werden dazu aufgefordert, das Krankenhaus zu verlassen, ohne dem Familienmitglied beistehen zu können. Die Angehörigen verlassen das nach Desinfektionsmittel riechende Krankenhaus. Die Patienten hoffen unterdessen auf Hilfe der Krankenhausangestellten. Rettungssanitäter sowie auch Krankenpfleger auf der Intensivstation haben seit 2020 engen Kontakt mit coronainfizierten Personen. Die beiden Leiter des Rettungsdienstes und der Intensivstation, Felix Petschkuhn und Raphael Wunderlich, erleben die Pandemie als große Veränderung: „Infektionen waren immer vorhanden. Es waren die Häufigkeit und die Dauer der Infektion, die sich gewandelt haben“, sagt Felix Petschkuhn. Petschkuhn ist seit zwei Jahren Leiter des Rettungsdienstes des Herz-Neuro-Zentrums, Raphael Wunderlich hat 2021 die Leitung der Intensivstation übernommen.

Erschöpft und ermüdet

Die beiden 34-Jährigen haben sich bereits an die Veränderungen in der Pandemie gewöhnt. „Eine gewisse Routine stellt sich ein, jedoch darf diese nicht überhandnehmen, da immer neue Updates des Bundesamtes für Gesundheit kommen“, sagt der Leiter des Rettungsdienstes. Es sind vor allem die Schutz- und Hygienemaßnahmen, die sich stark verschärft haben. Laut dem ausgebildeten Krankenpfleger müssen alle Pfleger, die in Kontakt mit infizierten Patienten kommen, während ihres ganzen Arbeitstages stets eine FFP2-Maske tragen – sowie eine Schutzbrille, ein Visier, eine Haarhaube und einen Ganzkörperanzug. „Vor allem an heißen Sommertagen ist dies über eine längere Arbeitsschicht recht ermüdend“, beschwert sich der Leiter der Intensivstation. Die strengen Schutz- und Hygienevorschriften gelten aber ebenfalls im „normalen“ Rettungsdienst und sorgen auch dort für Erschöpfung und Ermüdung. Sobald die Rettungssanitäter den Einsatzort erreichen, müssen sie zuerst ihre Schutzkleidung anziehen, bevor sie dem Patienten überhaupt helfen dürfen. „Dies ist recht zeitaufwendig. Und gerade bei Einsätzen, bei denen die Zeit von großer Bedeutung ist, erschwert dies unsere Aufgabe“, erklärt der Leiter der Rettungsstation. Nichtsdestotrotz war es bislang immer möglich, trotz Zeitverlust durch Schutzkleider, den Patienten für den Transport ins Krankenhaus zu stabilisieren. Einem Patienten aufgrund der Schutzmaßnahmen nicht helfen zu können ist noch nie vorgekommen.

Patienten beruhigen und beistehen

Eine weitere Schwierigkeit im Einsatz des Rettungsdienstes ist das Unwissen, ob eine Person coronainfiziert ist oder nicht. „Vor einem Einsatz wissen wir oft nicht, ob ein Patient an Covid-19 erkrankt ist, daher versuchen wir am Telefon so viele Informationen wie möglich herauszufinden“, erklärt Petschkuhn. Bei Verdacht auf eine Coronainfektion wird versucht, dass nur einer der Einsatzkräfte den betroffenen Patienten berührt. Die andere Arbeitskraft versucht zum Beispiel die Angehörigen zu beruhigen oder fährt das Einsatzfahrzeug.

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Wachsende Zukunftsangst: Habeck: Klima lässt Jugend am Kinderwunsch zweifeln

Bundeswirtschaftsminister Habeck will beim Klimaschutz Tempo machen. Momentan arbeitet sein Ministerium an einem Gesetz zur Energieeffizienz. Eine Motivation für Habeck: Jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Diese zweifelten nämlich aufgrund der Umweltzerstörung an einer Familiengründung.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sorgt sich wegen einer wachsenden Zukunftsangst der Jugend. „Mich treibt um, dass ein Teil der jungen Generation droht, die Hoffnung zu verlieren“, sagte Habeck dem „Spiegel“. „20-Jährige überlegen heute, ob sie überhaupt Kinder kriegen wollen.“ Diese Debatte kenne er aus seiner Jugend, 30 Jahre lang sei sie verschwunden gewesen. „Jetzt ist sie wieder da. Verständlich, die Klimakrise ist Realität“, so Habeck.

Der Vizekanzler verspricht, das Tempo beim Klimaschutz in diesem Jahr zu steigern. Es gehe jetzt darum, in den nächsten Jahren „den Unterschied zu machen“, damit 2045 das Land klimaneutral werde. „Da haben die jungen Menschen, über die wir hier reden, vielleicht gerade eine Familie gegründet. Die werden mit den Folgen der Vergangenheit leben müssen. Es geht also um ihre künftige Freiheit, um die wir uns heute kümmern müssen“, sagte Habeck.

Sein Ministerium habe ein neues Gesetz zur Energieeffizienz geschrieben, das gerade in der Regierung abgestimmt werde. Außerdem werde man ein Gesetz vorlegen, das „den Umstieg auf Heizungen mit erneuerbaren Energien pusht“, so Habeck. Zudem kritisierte Habeck die Proteste von Klimaaktivisten im Dorf Lützerath gegen den Braunkohletagebau. „Es gibt viele gute Anlässe, für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, meinetwegen auch gegen die Grünen. Aber Lützerath ist schlicht das falsche Symbol“, sagte er.

Autobahnbau „in Einzelfällen sinnvoll“

Das Dorf sei eben nicht das Symbol für ein Weiter-so beim Braunkohletagebau, sondern „es ist der Schlussstrich“, wie Habeck sagte. Man ziehe den Kohleausstieg im Rheinischen Revier um acht Jahre auf 2030 vor, was immer auch Ziel der Klimabewegung gewesen sei. „Die Vereinbarung gibt uns Planungssicherheit. Ihretwegen werden jetzt Investitionen in eine klimaneutrale Energieversorgung, in Wasserstoffkraftwerke getätigt“, verteidigt Habeck einen entsprechenden Vertrag zwischen dem Bund, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Energiekonzern RWE.

Zwei der RWE-Kohlekraftwerke, die jetzt hätten abgeschaltet werden sollen, blieben noch etwas länger am Netz. „Das ist nichts, worauf ich stolz bin, aber es ist unumgänglich, weil Putin gegen die Ukraine Krieg führt und wir uns gegen die Energiekrise stemmen“, sagte Habeck. „Wir retten fünf Ortschaften und Höfe mit rund 450 Bewohnern. Der Hambacher Forst ist gesichert worden. Die genehmigte Abbaumenge für Kohle im Tagebau wurde durch die Vereinbarung halbiert.“

Habeck lehnt zudem den Neubau von Autobahnen nicht pauschal ab. „Es kann in Einzelfällen sinnvoll sein, bei Autobahnen Lücken zu schließen“, sagte er. Damit widerspricht er Teilen seiner Partei, die ein Moratorium beim Neubau fordern. Allerdings drängt der Vizekanzler darauf, genau zu prüfen, welche Neubauprojekte sinnvoll sind. „Wir sollten nicht alles, was an Straßenneubau irgendwann mal irgendwie ersonnen wurde, einfach blind durchziehen – das ist nicht gut für die Umwelt und nicht gut fürs Klima“, so Habeck.

Habeck macht Druck auf Wissing

Es gehe in der Verkehrspolitik um die Frage der Planungsbeschleunigung und was dafür prioritär sei. „Die Sanierung von Brücken ist es ohne Frage. Aber wenn alles gleichzeitig die gleiche Priorität hat, dann hat nichts mehr Priorität“, warnt Habeck. Kritik übte er an zu wenig Klimaschutz im Verkehrssektor und erinnerte an die Verantwortung des zuständigen Ministers Volker Wissing: „Der Verkehrssektor muss vorankommen“, so der Minister.

Sein Amtskollege Wissing wisse, dass er liefern müsse. „Volker Wissing arbeitet mit gebundenen Händen“, so Habeck. Die finanz- und steuerrechtlichen Möglichkeiten seien für ihn reduziert. Habeck spielte damit auf die strenge Haushaltspolitik des FDP-Vorsitzenden und Bundesfinanzministers Christian Lindner an.

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Triathletin Laura Sagadin aus Slowenien


Triathlon besteht nicht nur aus drei Disziplinen.“ Laura Sagadin weiß das genau. Die 17-Jährige aus dem slowenischen Maribor schafft ihr Tagesprogramm nur, wenn sie Triathlon und Schule und Freizeit und noch viel mehr unter einen Hut bringt. „Dazu braucht es Multitasking und viel Disziplin“, sagt die Athletin in einem Videogespräch während der Fahrt zu einem Schwimmwettbewerb in Kranj. Einfach so sich mal zu einem Gespräch mit ihr treffen, das ist kaum möglich. Die Gymnasiastin steht beispielhaft für den Start in einen sportlichen Erfolg in Slowenien. Gerade einmal zwei Millionen Menschen leben hier.

Weltelite aus einem kleinen Land

Einige der weltweit erfolgreichsten Athleten kommen aus dem Land zwischen Alpen, Adria und den Ausläufern der pannonischen Tiefebene. Dazu gehört Tadej Pogačar, der zweimal die Tour de France gewonnen hat. Kristjan Čeh wurde im Juli 2022 mit einer Rekordweite zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten im Diskuswerfen. Einer der bekanntesten Basketballspieler ist Luka Dončić, der in der US-amerikanischen NBA zu den besten Spielern gehört. Janja Garnbret ist die erste Gewinnerin einer Goldmedaille im Sportklettern. Diese vier internationalen Sportstars sind erst 23 Jahre alt. Nimmt man andere hinzu, wie den dreifachen Sieger der Spanienrundfahrt Primož Roglič, oder die Brüder Prevc, die als Skispringer Erfolge feiern, oder das slowenische Olympiateam, das bei den Winterspielen in Peking sieben Medaillen gewann, stellt sich die Frage: Wie kommen aus einem Land, das so viele Einwohner wie Hamburg hat, so viele in die Weltelite des Sports?

Laura Sagadin träumt von einer Zukunft als Profisportlerin. Mit dem Schwimmtraining begann sie in der zweiten Klasse der Grundschule eher zufällig. Ihr Arzt hatte ihr den Sport empfohlen, da sie Probleme mit der Wirbelsäule hatte. Schon kurze Zeit nach dem Start wurde das Schwimmen ihre große Leidenschaft. „Ich habe mich oft gefragt, wie ich so eine komplizierte Sportart mögen kann. Aber ich liebe es einfach, im Wasser zu sein. Deshalb macht es mir auch nichts aus, während des Trainings zu leiden, denn das Training ist manchmal richtig brutal.“ Trotzdem hat Sagadin ihr Pensum erhöht, denn durch die Pandemie hat sie mehr freie Zeit, einer ihrer Trainer empfahl ihr, es doch mit dem Laufen und Radfahren zu versuchen. So schwimmt die Triathletin derzeit etwa 2600 Kilometer, läuft 1200 Kilometer und fährt mit dem Rennrad etwa 3900 Kilometer im Jahr. Alles zusammen eine Strecke von 7700 Kilometern, ungefähr so weit wie von der slowenischen Hauptstadt Ljubljana nach Peking. Als ob das nicht schon genug wäre, nimmt Laura Sagadin auch ihre schulischen Pflichten ernst. „Es ist schon mal passiert, dass ich im Unterricht eingeschlafen bin“, erzählt sie lachend, „weil ich nach dem Training nachts lernen musste.“ Aber das komme selten vor, denn sie habe ein großes Talent zum Zeitmanagement. Das zeigt sich bei unserem zweiten Gespräch, als sie auf dem Weg von der Schule zum Schwimmtraining kurz Pause in einem Café macht. Ihre Mutter fährt mit dem Auto vor, packt den Schulrucksack ein, übergibt die Tasche mit den Sportsachen, und das Gespräch geht fast ununterbrochen weiter.

Sie müssen Schule und Training ernst nehmen

Obwohl dies außergewöhnlich erscheinen mag, ist es am II. Gymnasium Maribor, das Sagadin besucht, nichts Besonderes. Junge Athletinnen erhalten hier besondere Unterstützung, um ihre Träume verwirklichen zu können, aber auch die Schule erfolgreich abzuschließen. Um sich in eine der vier Sportklassen mit jeweils etwa 20 Schülern einschreiben zu können, müssen sportlich erfolgreiche Jugendliche zunächst ein Bewerbungsgespräch führen. Laura Sagadin hat mit ihren Eltern teilgenommen: „An dem Gespräch nahmen ein Lehrer und der zuständige Abteilungsleiter teil. Sie haben sich meine Noten und die Ergebnisse im Sport angesehen. Dann haben sie mich nach meinen Zielen, meinen Plänen für die Zukunft und danach gefragt, wie ernsthaft ich mein Training betreibe. Es war offensichtlich, dass sie nur solche Sportlerinnen aufnehmen, die sowohl das gesamte Schulprogramm als auch ihr Training völlig ernst nehmen.“ Da der Andrang groß ist, sind gute Schulnoten eine entscheidende Voraussetzung.

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Auch bei Menschen möglich?: Biotech-Unternehmen kann Mäuse verjüngen

Seit Jahren versucht die Wissenschaft, eine Therapie oder ein Mittel zu entwickeln, das den Alterungsprozess verlangsamt oder sogar rückgängig macht – ohne Erfolg. Doch nun präsentiert ein Biotech-Unternehmen die ersten Ergebnisse einer möglichen Quelle für ewige Jugend.

Könnte es eine Art Jungbrunnen werden? Ein amerikanisches Biotech-Unternehmen hat einer Studie zufolge das Leben von Mäusen verlängert. Das berichtet die US-Zeitschrift „MIT Technology Review“. Mithilfe einer Technologie namens Reprogrammierung will Rejuvente Bio eines Tages sogar älteren Menschen helfen, mit einer Spritze ihre biologische Uhr zurückzudrehen und sie dadurch buchstäblich jünger werden lassen.

Die Biotech-Firma hat drei sogenannte Reprogrammierungsgene in den Körper von Mäusen eingebracht, die dem Alter eines 77-jährigen Menschen entsprachen. Die Mäuse lebten nach der Behandlung durchschnittlich weitere 18 Wochen, während die Kontrollmäuse nach 9 Wochen starben, erklärt der wissenschaftliche Leiter von Rejuvenate Bio, Noah Davidsohn, der Zeitschrift. Insgesamt lebten die behandelten Mäuse etwa sieben Prozent länger.

Die Preprint-Studie von Rejuvenate Bio wurde noch nicht begutachtet. Die Arbeit ist aber der lang erwartete Beweis dafür, dass die Reprogrammierungs-Methode tatsächlich das Leben von Tieren verlängern kann.

Mit Proteinen wieder jung werden

Bei der Reprogrammierungstechnik werden Zellen in einen jüngeren Zustand versetzt. Dabei werden einzelne Zellen drei oder vier Proteinen ausgesetzt, die in Embryonen im Frühstadium aktiv sind. Nach ein paar Tagen verwandelt sich die alte Zelle in eine jugendlich wirkende Stammzelle.

Dieser Vorgang wurde vor zehn Jahren von dem japanischen Biologen Shinya Yamanaka entdeckt. Für seine Arbeit erhielt er 2012 den Nobelpreis. Zunächst funktionierte es jedoch nur im Labor mit einzelnen Zellen. Nach und nach versuchten immer mehr Forscherteams, diese Technik auf lebende Mäuse anzuwenden.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Salk Institute im US-Bundesstaat Kalifornien wandten die Technik erstmals 2016 auf kranke Mäuse an, die an vorzeitiger Alterung litten. Sie stellten fest, dass einige von ihnen länger leben. Der Durchbruch begeisterte die wissenschaftliche Gemeinschaft – wurde aber noch nicht als echter Jungbrunnen wahrgenommen.

„Jeder in der Forschungsgemeinschaft weiß, dass das entscheidende Experiment darin besteht, normale Mäuse zu behandeln und zu sehen, ob sich die Lebensdauer verlängert oder die Gesundheit insgesamt verbessert“, sagt Martin Borch Jensen, Gründer von Impetus Grants, einer Organisation, die Mittel für die Alternsforschung bereitstellt, der „MIT Technology Review“.

Im vergangenen Jahr konnte ein Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zum ersten Mal Mäuse von Geburt an genetisch so verändern, dass sie Yamanakas Technik bereits in ihrem Körper produzierten. Dabei stellten die Forscher und Forscherinnen des National Institute of Health and Medical Research fest, dass auch diese Mäuse länger lebten.

Das Besondere an den neuen Erkenntnissen von Rejuvenate Bio ist, dass sie alten, gesunden Mäusen eine Therapie verabreicht haben, die ihr Leben verlängert. Das ist viel näher an einer Therapie, die Menschen verabreicht werden könnte, sagt Davidsohn. Der wissenschaftliche Leiter des Biotech-Unternehmens möchte in Zukunft auch Menschen mit dieser Technik verjüngen. „Ich würde nicht daran arbeiten, wenn ich nicht daran glauben würde“, sagt er.

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Sammlung olympischer Objekte


Runder Bauch, Knopfaugen, Karottennase, Tirolerhut, das „Schneemandl“ war das Maskottchen von Olympia 1976 in Innsbruck. Was vor vierzig Jahren mit Pins aus Moskau begann, ist über die Jahre zu einer Sammlung aus mehr als 70 000 Stücken gewachsen. Sein ganzes Herzblut steckte der Archivar Markus Osterwalder in die Sammlung olympischer Objekte. Maskottchen, Diplome, Sportanzüge und Medaillen bewahrt er in seinem Archiv im appenzellischen Herisau auf. In Jeans und Pulli, eine schwarze Brille im freundlichen Gesicht, erzählt der 58-Jährige, wie alles in Ecuador, wo er seine Kindheit verbrachte, begann. Während in München die Sommerspiele stattfanden, organisierten Nachbarn eine „Familien-Olympiade“ mit Sackhüpfen. Die Sieger wurden mit einer Medaille geehrt, die aus einem alten, golden gefärbten Wasserhahn bestand. Sein erstes Objekt erstand der Schweizer acht Jahre später. Der Vater eines Freundes war Delegierter des ecuadorianischen Sportverbandes und brachte eine Unmenge an Pins von den Olympischen Sommerspielen aus Moskau mit. „Ich habe ihm diese richtig abgebettelt.“ Diese Abzeichen waren der Beginn eines Lebensprojektes.

Eine Urkunde von Federer

Mit 19 Jahren zog er mit seiner Familie in die Schweiz, wo er ein Studium an der Kunstgewerbeschule absolvierte. Er nahm an seiner ersten Sammlerbörse in Lausanne teil, für ihn eine völlig neue Welt. „Ich war damals noch Student und hatte kein Geld, weshalb ich einfach hier mal einen Pin und dort mal ein kleines Buch gekauft habe.“ In seinem Haus in Herisau hängt eine Bildercollage mit Diplomen aus 120 Jahren olympischer Geschichte, darunter eine Urkunde der Tennisikone Roger Federer. Ein Hingucker ist die Goldmedaille, die die Athletin Christine Stückelberger 1976 in Montreal gewann. Da die Dressurreiterin keine Nachkommen hat, vermachte sie ihre fünf olympischen Medaillen Osterwalder, der sie würdevoll aufbewahrt: „Bei mir sind sie sicher geschützt, und sie kann sie jederzeit ansehen kommen.“ Auch weniger kostbare Dinge haben für den Archivar eine Bedeutung, da sie meist eine einzigartige Geschichte erzählen. Eine, die ihm am Herzen liegt, ist jene des „Schneemandls“, eine Erfolgsgeschichte mit tragischem Ende. Der Designer des Maskottchens Walter Maria Pötsch lernte seine Frau Eva auf der Vermarktungstour kennen. Dabei zogen sie mit einem Konvoi durch ganz Österreich und befestigten lebensgroße „Schneemandls“ auf den Dächern der Autos. So eine Kampagne gab es noch nie, sie erwies sich als voller Erfolg. Zu seinem Unglück waren die Stoffe, die zur Herstellung der Riesenmaskottchen genutzt wurden, jedoch schädlich, und Pötsch starb 2006 an den Folgen dieser Vergiftung. Seine Frau Eva musste all die Informationen und Skizzen des Maskottchens selbst an Osterwalder übergeben.

Zum Generalsekretär der Olympischen Historiker ernannt

Meist sucht er über Jahre hinweg nach einem bestimmten Stück, was für ihn einen großen Teil des Spaßes ausmacht. 1994 reiste er zu den Winterspielen in Lillehammer. Seither ließ er sich nicht einen dieser Großevents nehmen und war immer selbst vor Ort. Nur in den letzten zwei Jahren machte ihm Corona einen Strich durch die Rechnung. Die Spiele sind für ihn keine Zeit zum Entspannen, im Gegenteil. Er versucht sich von möglichst allem ein Bild zu machen, führt Interviews, macht Fotos und besucht unterschiedlichste Sportanlagen, den Fokus immer auf das Design gerichtet. Seit 1995 ist der Grafikdesigner selbständig, schreibt Fachartikel, hält Vorträge oder macht Ausstellungen. Auch sein Buch brachte ihm Geld ein: „16 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 16 Monate lang habe ich nichts anderes mehr gemacht, als daran zu arbeiten.“ Mehr als 200 Designer aus aller Welt stellt er vor, von denen er viele besucht hat, um an Fotos, Unterschriften und Originalskizzen von Piktogrammen zu kommen. Die 6000 Objekte, die er präsentiert, stammen zum größten Teil aus seiner eigenen Sammlung. Das Standardwerk wird auch vom Internationalen Olympischen Komitee genutzt. 2016 wurde er zum Generalsekretär der Olympischen Historiker ernannt, eine internationale Organisation von rund 500 Journalisten, Historikern und Professoren, die sich mit dem olympischen Design auseinandersetzen. Voller Vorfreude blickt er auf die Spiele in Paris. Das Design ist streng geheim. „Ich kenne die hauptverantwortliche Person sehr gut und versuche immer, etwas aus ihr herauszulocken, doch sie ist knallhart“, lacht er. Er hofft auf eine moderne Umsetzung des Art-déco-Stils. „Das stelle ich mir richtig toll vor.“

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200 Personen wüten in Borna: Polizei Sachsen fahndet nach Silvester-Randalierern

Randalierende Jugendliche, beschädigte Gebäude, mit Feuerwerkskörpern angegriffene Einsatzkräfte – nein, es handelt sich hier nicht um Berlin, sondern um eine kleine Stadt in Sachsen. Angesichts der verheerenden Zerstörung zum Jahreswechsel in Borna sucht die Polizei jetzt nach Zeugen.

In der Silvesternacht kam es vielerorts in Deutschland zu heftigen Ausschreitungen. Betroffen waren dabei nicht nur Großstädte wie Berlin und Hamburg. Auch in der sächsischen Kleinstadt Borna bei Leipzig randalierten rund 200 Personen in der Silvesternacht. Das teilte die Stadt bereits vor einigen Tagen mit. Jetzt hat die Polizei Leipzig eigens dafür ein Hinweisportal geschaltet. Zeugen könnten dort Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machen oder auch Videos des Geschehens hochladen, teilten die Beamten mit.

Schwere Schäden und auch Angriffe sind der Grund für die aufwendige Suche nach den Tätern. So wurden laut Polizei Fenster des Rathauses eingeschlagen und dessen Fassade beschädigt. Im gesamten Stadtgebiet gebe es zahlreiche zerstörte Verkehrsschilder. Die Attacken konzentrierten sich nach Angaben der Polizei auf den Marktplatz. Dort hätten sich etwa 200 Personen versammelt.

„Ein Teil der Anwesenden versuchte mittels Pyrotechnik den dortigen Weihnachtsbaum zu entzünden“, schrieben die Beamten in einer Mitteilung. Eintreffende Einsatzkräfte seien aus der Menschenmenge mit Böllern und Raketen angegriffen worden. Dabei sei ein Einsatzfahrzeug beschädigt worden.

„Sieg Heil“-Rufe registriert

Der Bornaer Oberbürgermeister Oliver Urban veröffentliche bei Facebook ein Foto des Marktes, auf dem ein halb zerstörter Zeitungskiosk zu sehen ist. Urban regte in dem Beitrag Böllerverbotszonen in der Stadt an. „Wir lassen uns unsere gute Stube nicht zerstören“, schreibt er. Einer Kommentatorin gehen Verbotszonen nicht weit genug. Sie fordert ein generelles Böllerverbot und zusätzliche Videoüberwachung. „So könnte man die hirnlosen Idioten ausmachen, die in der Silvesternacht nichts besseres zu tun hatten als mit ‚Sieg….‘ und Knaller durch die Stadt zu marschieren“, schreibt sie.

Es gebe tatsächlich Anhaltspunkte, dass derartige Parolen wie „Sieg Heil“ an dem besagten Abend gerufen wurden, sagte ein Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig auf Anfrage von ntv.de. Der politische Hintergrund der Verdächtigen sei Gegenstand weiterer Ermittlungen.

Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs, sie spricht aber auch von „Sachbeschädigung und Personenverletzungen“. Zwei Tatverdächtige seien noch in der Nacht festgenommen worden, beide sind junge Männer im Alter von 19 Jahren.

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Curling für Gehörlose


Im Restaurant der Eisbahn in Baden im Kanton Aargau gibt eine große Glasscheibe den Blick auf die Eisfläche frei. Neun Spieler sitzen hier und unterhalten sich angeregt. Es ist jedoch still bis auf das Surren des Kühlschranks. Gesprochen wird mit den Händen, zwischendurch wird aufgelacht. Sie bilden die einzigen zwei Curling-Teams, ein Frauen- und ein Männerteam, mit Hörbehinderung in der Schweiz. Der hörende Trainer, Bastian Wyss, und die Gebärdensprachübersetzerin stoßen hinzu. Spieler Ruedi Graf organisiert das Training. Wyss erklärt die erste Übung zum Aufwärmen. Die Dolmetscherin übersetzt die Aufgabe für die Spieler gleichzeitig mit ihren Händen. Im Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern ihre Steine möglichst nahe an den Mittelpunkt eines Zielkreises zu stoßen. Dies geschieht abwechselnd, das andere Team bespricht in dieser Zeit seine Taktik. Es werden acht Runden gespielt, wobei jedes Team acht Steine stoßen kann. Der Spieler, der den Stein gestoßen hat, schätzt die Geschwindigkeit und die Entfernung ein, die der Stein hat. Um diese zu verlängern, wischen zwei weitere Spieler den Weg davor mit einem Besen. Der hat einen Stiel aus Karbon, der Wischkopf ist mit weichem Material gefüllt und rauem Stoff überzogen.

Ob und wie lange gewischt werden soll

Durch Zurufe wird kommuniziert, ob und wie lange gewischt werden soll. Im Gehörlosen-Curling funktioniert dies nicht, weswegen die Curler Zeichen erfunden haben: Mit der Hand auf und ab zu wedeln bedeutet Wischen, die Arme waagrecht und seitlich vom Körper zu schlagen bedeutet aufhören. Blickkontakt ist essenziell, und dadurch verzögert sich das Spiel. Der Nachteil macht sich aber an Turnieren gegen Hörende wieder wett: Bei Wettkämpfen kann es laut werden, alle rufen durcheinander, die Zeichen verdeckt aber niemand. „Hörende haben ein paar von unseren Zeichen adaptiert, um sich nicht misszuverstehen“, sagt Wyss. Um einen Stein nach vorne zu befördern, wird er mit einer Hand gehalten, mit der anderen stützt sich der Spieler mit dem Besen ab. Mit einem Bein stößt man ab und rutscht auf einem Fuß auf dem Eis. Dies ist für Gehörlose schwer, um die Balance zu halten. Die Zentrale des Gleichgewichtssinns ist Teil des Ohrs. „Die Leute, die von Geburt an gehörlos sind, können es besser, ich musste sehr viel üben“, sagt der Sportler, er wurde mit vier Jahren gehörlos.

Erfahrung zählt hier zählt ganz besonders

Nicht nur körperlich ist die Wintersportart anstrengend, sondern auch mental fordernd und wird „Schach auf dem Eis“ genannt. Es gibt verschiedene Arten, seine Steine zu spielen. Bei einer offensiven Taktik werden Steine vor die Zielscheibe, das House, gestellt. Diese Steine heißen Guard, weil sie die anderen Steine im Haus verdecken und sie schwerer anzuspielen sind. Die defensive Taktik ist das Gegenteil. Die Steine werden einfach im House platziert. Über Squash, Leichtathletik und Volleyball ist Graf zum Curling gekommen. „In der Leichtathletik verbessert man sich irgendwann nicht mehr, aber im Curling zählt die Erfahrung.“ Und diese hat das Männerteam, das ein Durchschnittsalter von 49 Jahren aufweist. An den Curling-Weltmeisterschaften in Kanada gewann es 2009 Silber und 2013 Bronze in der Schweiz. Das Frauenteam spielt seit 2020 miteinander. „Die Gehörlosenwelt ist klein, wir kennen uns alle von der Schule oder Berufsschule“, sagt Franziska Gass. Sie hat vorher Volleyball gespielt, Spielerin Monika Häberlin fährt gerne Ski.

Feedbackrunde mit Dolmetscherin

Einmal im Monat treffen sich die Curler. Da sie aus der ganzen Schweiz kommen, trainieren sie unter der Woche im Curling-Verein im eigenen Kanton. Die Trainingswochenenden sind intensiv. „Wir haben klare Ambitionen, wir möchten international konkurrenzfähig sein und an Weltmeisterschaften teilnehmen“, sagt Graf. Die Frauen möchten nächstes Jahr an den Deaflympics teilnehmen, den Olympischen Spielen für Hörbehinderte. Durch Corona entfielen Trainings, mit den Masken zu kommunizieren ist schwierig. In der Gebärdensprache sind die Mimik und das Mitbewegen der Lippen von großer Bedeutung. Das Training ist zu Ende, die Spieler diskutieren über die Dolmetscherin mit dem Trainer in einer Feedback-Runde. Wyss besucht einen Gebärdensprachkurs. „Mit den Hörenden ist es schwierig, Anschluss zu finden“, sagt Monika Häberlin. „Dem Gespräch zu folgen ist sehr schwierig für uns, und wir haben einen anderen Humor, weshalb wir uns untereinander wohler fühlen.“

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