Kategorie -Studien für junge Leute

“Die Angst sitzt uns in den Knochen”

Berlin – Wenn es nach den Zahlen der jüngsten Shell-Jugendstudie geht, wächst in Deutschland eine Bilderbuch-Generation heran: Sie ist leistungsbereit und zielorientiert, legt Wert auf eine gute Bildung, wünscht sich eine Familie und schätzt soziales Engagement. Die Jugendlichen sind weniger politikverdrossen als vor vier Jahren und erteilen extremistischen Parteien eine Absage. Doch zugleich ist die Jugend zutiefst verunsichert. Sie hat Angst vor Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen und Armut. Und es mag auch die Sorge mitschwingen, gar nicht gebraucht zu werden, sagte der Sozialforscher und Studienkoordinator Klaus Hurrelmann bei der Präsentation der Studie am Donnerstag in Berlin.

Für die Studie haben Forscher 2500 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren interviewt. Sie haben jedem 100 Fragen gestellt, zu ihrer Lebenssituation, ihren Glaubens- und Wertvorstellungen und ihrer Einstellung zur Politik. “Eine pragmatische Generation unter Druck” nennen die Forscher diese Jugend nach der Analyse der Ergebnisse. “Die Angst sitzt uns in den Knochen. Viel mehr als in jeder Generation in der Nachkriegszeit”, hat ein 23-jähriger Student geantwortet.

Als “neue Bildungselite” machte Hurrelmann junge Frauen aus. Beim Besuch höherer Schulen verbuchten Mädchen deutlich stärkere Zuwächse als Jungen. Da sich dies voraussichtlich auch in besseren Berufschancen der Frauen niederschlagen werde, könne künftig eher ein “Krieg der Geschlechter” als ein “Krieg der Generationen” drohen, so Hurrelmann. Die jungen Männer nämlich tickten anders, viele Jungs stiegen beim Wettlauf um Abi und Beziehung einfach aus. Sie igelten sich laut Studie möglichst lange im “Hotel Mama” ein und klammerten sich an ein traditionelles Männerbild, das von der Realität längst überholt wurde.

“Die wollen nur noch Tischler mit Abi”

Das Auseinanderdriften der Generation sei auch an anderen Stellen spürbar, so Hurrelmann. Ostdeutsche Jugendliche,
besonders auf dem Land, glauben demnach, dass sie bei ihren Zukunftswünschen per se benachteiligt sind. Jedes dritte Kind aus einer Migrantenfamilie fühlt sich wegen seiner Herkunft diskriminiert. Und bereits die 17-jährigen ahnen, dass sie mit einer mäßigen Schulausbildung auf der Strecke bleiben werden. “Die wollen jetzt nur noch Tischler mit Abi”, hat ein Hauptschüler wütend beim Interview gesagt. “Das geht doch nicht.”

Verantwortlich dafür sei vor allem die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder gar nicht erst einen
angemessenen Job zu finden. Hatten 2002 noch 55 Prozent der befragten 12- bis 25-Jährigen diese Furcht geäußert, waren es in diesem Jahr 69 Prozent. Deutschland verfüge zwar über eine “bemerkenswerte, kreative junge Generation”. Diese treffe jedoch “auf Verhältnisse, die sie nicht zur Entfaltung bringt”, sagte Hurrelmann.

Der Experte bescheinigte der Jugend eine “erstaunlich pragmatische Grundhaltung” sowie eine “sehr hohe” Leistungsbereitschaft. Zu dieser Generation könne sich das Land “beglückwünschen”. Allerdings hingen die Bildungs- und damit Zukunftsaussichten weiterhin in erster Linie von der sozialen Herkunft ab. Der Erhebung zufolge stuften sich lediglich 38 Prozent der Hauptschüler, aber 57 Prozent der Gymnasiasten als “eher zuversichtlich” ein.

Unzufriedenheit mit den persönlichen Perspektiven hat nach Ansicht Hurrelmanns auch Auswirkungen auf politische Entscheidungen der Jugendlichen. Zwar ordne sich der Durchschnitt leicht links der Mitte ein. Der Erfolg der rechtsextremen NPD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern bei den Erstwählern sei damit weniger Ausdruck einer grundsätzlich
rechten Haltung. Vielmehr nutzten Parteien wie die NPD die soziale Unzufriedenheit der jungen Wähler aus, die sich von den etablierten Parteien nicht ernst genommen fühlten. Der Anteil der politisch Interessierten stieg leicht von 34 auf 39 Prozent. 1991 hatte er noch 57 Prozent betragen.

cpa/ddp/dpa

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Jedes dritte Kind hat Angst vor Schulversagen

Wenn Jugendliche nach ihren größten Ängsten befragt werden, nennen sie meist an erster Stelle die vor Versagen in der Schule. So auch beim “Kinderbarometer”: Knapp ein Drittel der 9- bis 14-Jährigen hat Furcht vor schlechten Noten, besonders ausgeprägt ist diese Angst in Bayern und Sachsen – just jene Bundesländer, die bei den Pisa-Studien stets gut abschneiden.

Auch andere Ergebnisse des “Kinderbarometers”, das heute in Berlin vorgestellt wurde, lassen die Schulen in keinem günstigen Licht erscheinen. Mehr als 6000 Kinder und Jugendliche aus sieben Bundesländern machten mit. Und mehr als die Hälfte gab an, in der Woche vor der Umfrage in der Schule
beleidigt, gehänselt oder bloßgestellt worden zu sein.

Meist sind es die Mitschüler, die andere Kinder mobben – aber ziemlich oft der Studie zufolge auch die Lehrer, die sonst ihrerseits gern lautstark über
Mobbing durch Schüler klagen. “Jedes fünfte Kind hat das Gefühl, auch von seinen Lehrern beleidigt zu werden. Das müssen wir ernst nehmen”, erklärte Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Deutschland.

Viele andere Ergebnisse der Jugendstudie fallen deutlich positiver aus. “Die Kinder fühlen sich rundherum wohl in ihrem Freundeskreis”, die deutliche Mehrheit auch in der Familie, etwa die Hälfte in der Schule, so Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). “Seine Freunde kann man sich aussuchen, das Klassenzimmer nicht.”

Kopf- und Bauchweh als Stress-Symptome

Die Umfrage-Teilnehmer konnten auf kindgerechten Skalen eintragen, wo es ihnen wie gut geht und welche Faktoren sie beeinflussen: ein kleines, kugeläugiges Männchen mit Regenschirm ist links auf dem Blatt zu sehen, eines ohne Schirm rechts. Getrennt werden die putzigen Gestalten von sieben Kästchen, in denen alle Wetterlagen von strahlendem Sonnenschein (für “alles bestens”) bis zur zornigen Gewitterwolke (für “schlimmer geht es nicht”) eingezeichnet sind – und fertig ist das siebenstufige Kinderbarometer.

Die Untersuchung zählt zu den größten repräsentativen Studien der Kindheitsforschung in Deutschland. Die Westdeutsche Landesbausparkasse (LBS) organisiert sie schon seit 1997 in Nordrhein-Westfalen und dieses Jahr das erste Mal bundesweit, in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund, der World-Vision-Kinderstudie, dem Deutschen Jugendinstitut und Unicef.

Auch körperlich gab es deutliche Warnsignale: So reagiert ein Drittel der Kinder auf Stress häufig mit Kopfschmerzen, ein Viertel mit Bauchschmerzen. Ebenfalls ein Viertel leidet unter Allergien. Kopf- und Bauchweh seien “ein ganz klassischer Ausdruck von Kindern für Druck”, sagte die gelernte Ärztin von der Leyen.

Sie wies außerdem auf einen “deutlichen Zusammenhang” zwischen Ernährung und Krankheitssymptomen hin: Ein Viertel der Kinder treibe zu wenig Sport, bei einem Drittel sei die Ernährung schlecht. So esse knapp jedes fünfte Kind nur gelegentlich bis selten mit den Eltern zusammen an einem Tisch. Und mehr als ein Drittel der Befragten gab an, vor der Schule nur ab und an zu frühstücken.

Vater soll anklopfen

Mit der körperlichen Fitness sind knapp zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen zufrieden. Jedes fünfte Kind fühlt sich zu dick, jedes zehnte zu dünn. 17 Prozent finden sich zu klein, sieben Prozent zu groß.

Unter Krankheiten und Stressbeschwerden leiden Kinder aus schlechten sozialen Verhältnissen am stärksten. Ihnen fehle es an Perspektiven und Handlungsspielräumen, sagte von der Leyen: “In solchen Fällen müssen wir den Kindern helfen, sich aus dieser unverschuldeten Ohnmacht zu befreien.”

Die Kinder selbst wünschen sich der Befragung zufolge besonders den Schutz vor Gewalt und Drogen, das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie auf Spiel und Freizeit. Sie wollen auch ihre Intimsphäre gewahrt sehen. Als Beispiel nannte von der Leyen, dass die Mutter nicht im Tagebuch der Tochter schnüffeln und der Vater anklopfen sollte, bevor er das Kinderzimmer betritt. “Wir Erwachsenen machen oft den Fehler, dass wir unsere Kinder weit unterschätzen”, sagte die Ministerin, “aber sie können viel mehr, nehmen viel mehr Dinge wahr und interessieren sich für viel mehr Themen, als wir uns vorstellen können.”

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Zehntausende Schüler sind computerspielsüchtig

Hamburg – Die größte deutsche Jugendstudie zur Nutzung von Computerspielen, die das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) durchgeführt hat, kommt nach Informationen des SPIEGEL zu alarmierenden Ergebnissen.

Es zeigte sich, dass Jugendliche heute deutlich länger am Rechner sitzen als noch im Jahr 2005. Hatten Jungen sich damals an Schultagen noch im Schnitt 91 Minuten lang mit solchen Spiele die Zeit vertrieben, waren es bei der aktuellen Befragung 130 Minuten. An Wochenendtagen stieg die Zahl von 140 auf 167 Minuten.

Die Spielzeiten liegen bei Mädchen deutlich niedriger. Dennoch kam es auch hier fast zu einer Verdreifachung an den Schultagen und zu einer Verdoppelung an den Wochenenden. Fast jeder sechste Junge spielt am Tag sogar länger als viereinhalb Stunden. Das KFN hatte bundesweit 44.610 Jugendliche im Alter von 15 Jahren zu ihrem Umgang mit Computerspielen befragt.

Zwar führt selbst exzessives Spielen allein noch nicht automatisch zu einer suchtartigen Abhängigkeit. Jedoch ist nach Erkenntnissen der KFN-Studie das Spielen von Online-Rollenspielen ein risikoverstärkender Faktor. Dies gilt laut Studie insbesondere für das Spiel “World of Warcraft” des Herstellers Blizzard, das mit 11,5 Millionen Nutzern weltweit das meistverkaufte in diesem Genre ist.

“World of Warcraft”-Nutzer unter den befragten 15-jährigen Jungen spielten im Schnitt 3,9 Stunden am Tag; der Anteil der Schüler, die dabei ein suchtartiges Verhalten mit Kontrollverlust und Entzugserscheinungen zeigte, lag demnach bei 8,5 Prozent der Nutzer. Der Leiter des KFN, Christian Pfeiffer, fordert daher, die Alterseinstufung für das Spiel von 12 auf 18 Jahre heraufzusetzen.

Nach SPIEGEL-Informationen ergab die Auswertung von Tim K.s Rechner, dass der Teenager am Abend vor dem Amoklauf gegen 19.30 Uhr das Spiel “Far Cry 2” startete und den PC schließlich gegen 21.40 Uhr ausschaltete. Bei diesem Spiel handelt es sich um einen sogenannten Ego-Shooter, bei dem der Spieler die Aufgabe hat, in einem fiktiven, afrikanisch erscheinenden Land einen skrupellosen Waffenhändler zu eliminieren.

Im Internet hatte sich K. offenbar schon vor Monaten mit Massakern an Schulen auseinandergesetzt. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Jugendliche unter mehreren Pseudonymen wie “JawsPredator1” im Internet aktiv und hatte unter anderem bei der Plattform “MyVideo” ein entsprechendes Profil.

In einem der Diskussionsforen zu den Schulmassakern von Erfurt und Emsdetten meldet sich am 23. August vergangenen Jahres “JawsPredator1” zum Thema Amokläufer zu Wort: “Das witzige ist ja selbst wenn diejenigen es ankündigen glaubt es ihnen niemand.” Als Autor vermuten die Ermittler den späteren Täter.

Auch im Berufskolleg diskutierte Tims Klasse das Thema “Amoklauf in Erfurt” und die neuen Waffengesetze. Dabei habe Tim sich mit den Vorschriften ausgekannt und gewusst, dass eine der Regeln sei, nicht auf Menschen zu zielen. Die “Winnender Zeitung” hatte berichtet, K. habe im Januar einen Besinnungsaufsatz zum Thema “Verschärfung der Waffengesetze, ja oder nein?” schreiben müssen.

Auf dem heimischen Computer des Mörders fanden die Fahnder auch etwa 200 Pornobilder, davon mehr als 120 sogenannte Bondage-Bilder, die nackte, gefesselte Frauen zeigen. Neben “Far Cry 2” hatte K. auch die Schießspiele “Counter Strike” und “Tactical Ops” installiert.

Aussagen seines Vaters bei der Polizei zufolge soll Tim ihn mindestens dreimal zu Schießübungen im Schützenverein begleitet haben, zuletzt vor drei Wochen. Der Sohn habe darauf gedrängt, den Umgang mit den Waffen zu lernen. Die Übungen fanden mit der späteren Tatwaffe, einer Beretta, statt. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht bisher “keine Anhaltspunkte, dass ein noch strengeres Waffenrecht den Amoklauf in Wendlingen und Winnenden hätte verhindern können”, wie er dem SPIEGEL sagte.

Es sei aber nun die “Aufgabe der Politik, nach solchen Erfahrungen vorbehaltlos zu analysieren und zu überlegen: Muss ein Mitglied eines Schützenvereins wirklich so viele Waffen und so viel Munition zu Hause haben? Nehmen Waffenbesitzer und Schützenvereine ihre Verantwortung ernst genug? Darauf gilt es Antworten zu finden”, so Schäuble.

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Im rechtsextremen Dunkelfeld

Berlin – Wolfgang Schäuble schien ehrlich schockiert: “Dass die Zahlen hoch sind, war ja bekannt. Aber dass sie so hoch sind, das hat mich erschreckt.”

5,2 Prozent der 15-Jährigen im Land sollen rechtsextrem sein, 3,8 Prozent sogar einer einschlägigen Gruppierung angehören – die Werte, die der Kriminologe Christian Pfeiffer gerade neben dem Bundesinnenminister in der Bundespressekonferenz vorgestellt hatte, sind in der Tat dramatisch.
Sie sind das Ergebnis einer groß angelegten Studie der Schäuble-Behörde und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN).

Rechtsextremisten in Altenburg: Erfassung des Dunkelfeldes

Noch dramatischer erscheinen sie, führt man sich die absoluten Zahlen vor Augen, die sich hinter den Prozentgrößen verbergen. Denn wenn die Erhebungen der Forscher aus Hannover stimmen, sind allein von den deutschen Neuntklässlern mehr als 30.000 rechtsextrem organisiert. Kann das sein?

“Die Zahlen haben mich stutzig gemacht”, sagt Eberhard Seidel, Geschäftsführer der Initiative “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Seine Zweifel rühren nicht allein aus der täglichen Erfahrung in einem Projekt, das bundesweit mit rund 540 Schulen und etwa 400.000 Schülern zusammenarbeitet. Seidel verweist auf den jüngsten Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Der Inlandsgeheimdienst schätzt die Zahl aller Rechtsextremisten im Land auf insgesamt 31.000. Darunter fallen Neonazis, Parteimitglieder von NPD und DVU, sonstigen rechtsextremen Organisationen oder nicht-organisierten Subkulturen.

Die nun veröffentlichte Studie werfe die Frage auf, ob der Geheimdienst das rechtsextreme Potential in Deutschland seit Jahren verharmlose oder aber die niedersächsischen Wissenschaftler unsauber gearbeitet haben, sagt Seidel. “Dramatisiert der Forschungsbericht die Lage im Land unnötig oder ist die innenpolitische Bedrohungslage tatsächlich viel größer, als der Staat bisher zugegeben hat?” Diese Frage müsse geklärt werden, bevor irgendwelche Schlüsse aus der Studie gezogen würden.

Das KFN hatte im Rahmen einer umfassenden Jugendgewaltstudie in den vergangenen beiden Jahren mehr als 20.000 Neuntklässler aller Schulformen zu möglichen rechtsextremen Einstellungen befragt. Sie waren im Schnitt 15 Jahre alt und lebten in bundesweit 61 repräsentativ ausgewählten Landkreisen.

Die Frage nach der Mitgliedschaft in einer “rechten Gruppe oder Kameradschaft” gehörte zu einem ganzen Fragenkatalog, in dem es um Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensmuster ging.

Zweifel an seinem Zahlenwerk weist KFN-Direktor Pfeiffer zurück: “Wir halten unsere Ergebnisse für sehr realistisch.” Die Divergenzen zu den Angaben im Verfassungsschutzbericht erklärt der Kriminologe mit Unterschieden zwischen dem sogenannten Hell- und Dunkelfeld. “Wir erfassen auch das Dunkelfeld und damit jene, die der Verfassungsschutz nie erfassen würde”, sagt Pfeiffer.

Grundsätzlich jedoch bestätige die Studie jene Trends, die auch der Verfassungsschutz feststelle. So sei der Anteil der rechtsextremen Teenager im Osten der Republik höher als in anderen Landesteilen, zudem seien Haupt- und Förderschüler besonders anfällig für braunes Gedankengut, elterliche Gewalterfahrungen, Alkoholkonsum und der Konsum gewalthaltiger Medien gehörten ebenfalls zu den Belastungsfaktoren.

Das Bundesinnenministerium erklärte am Mittwoch auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, dass eine “unmittelbare Vergleichbarkeit” der Studienergebnisse und der Angaben des Verfassungsschutzes “von vornherein” ausscheide. In einer Stellungnahme heißt es, dass das vom Geheimdienst genannte rechtsextreme Personenpotential jene Personen umfasse, “bei denen sich eine Zugehörigkeit zu rechtsextremistischen Organisationen objektiv feststellen lässt”.

Das Forschungsprojekt dagegen stelle nicht auf den Organisationsgrad von Jugendlichen in rechtsextremen Gruppierungen, sondern auf “das subjektive Zugehörigkeitsgefühl der Befragten, ihre persönliche Affinität zur rechten Szene” ab. Es sei ein großer Unterschied, erklärte das Ministerium von Schäuble, “ob Jugendliche eine gewisse Affinität verspüren oder in festen Strukturen organisiert sind”.

Zur endgültigen Klarheit trägt die Erklärung allerdings nur bedingt bei: Zwar handelt es sich bei den Angaben der Schüler in der Tat um schwer nachprüfbare Selbstauskünfte der Jugendlichen. Gefragt wurde jedoch ausdrücklich nicht nur nach einer Affinität oder einem Zugehörigkeitsgefühl, sondern explizit nach der Mitgliedschaft in einer rechten Gruppierung oder Kameradschaft. Gleichzeitig erkundigten sich die Forscher bei den Schülern auch nach der Mitgliedschaft in demokratischen sozialen oder politischen Organisationen. Ergebnis: Der Zulauf ist bei rechtsextremen und demokratischen Gruppen fast gleich.

Am Ende bleibt bei allen Tücken der Methodik vor allem eine Feststellung, die auch das Innenministerium teilt: Das Ergebnis gibt “Anlass zu erheblicher Sorge”. Schäuble sei der Auffassung, “dass eine frühzeitige Intervention notwendig ist”.

Wie diese aussehen könnte, dass wollen die Forscher aus Niedersachsen nun anhand der gewonnen Daten herausfinden. Kriminologe Pfeiffer ist sich sicher: “Die Studie eröffnet ungeheure Chancen.”

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Krankenhaus-Einweisungen schrecken wenig ab

Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholmissbrauchs haben einer Studie zufolge kaum eine abschreckende Wirkung auf Jugendliche. Rund 17 Prozent behielten ihr Trinkverhalten nach einer Alkoholvergiftung bei oder steigerten es sogar, wie die Gmünder Ersatzkasse (GEK) bei der Vorstellung der Untersuchung berichtete. 83 Prozent der Jugendlichen mit der Erfahrung einer Alkoholvergiftung tranken später eigenen Angaben zufolge zwar weniger, konsumierten aber immer noch weitaus häufiger und mehr Alkohol als andere Jugendliche.

Jugendlicher Alkoholkonsum: Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Alkoholmissbrauch hat sich in den letzten Jahren verdoppelt

Für die Studie hatte das Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsforschung (ISEG) 1168 bei der GEK versicherte Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren befragt, die in den vergangenen drei Jahren mindestens einmal wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet waren. Außerdem wurde eine ähnlich große Gruppe von Gleichaltrigen ohne entsprechende Erfahrung einbezogen.

Krankenhausaufenthalte wegen Alkoholmissbrauchs hatten demnach nur begrenzte Effekte auf das anschließende Trinkverhalten. So hatten die Jugendlichen, die bereits einmal wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus waren, in den vergangenen 30 Tagen mit 10,5 Mal häufiger und auch mehr Alkohol getrunken als Gleichaltrige, die im statistischen Durchschnitt nur 6,2 Mal zu Bier, Schnaps, Wein oder Ähnlichem gegriffen hatten. Fast jeder Dritte hatte exzessives Trinken, das so genannte Binge Drinking, praktiziert. Bei den Jugendlichen ohne Vergiftungserfahrung waren es hingegen nur 13 Prozent.

Knapp 20 Prozent der wegen Alkoholvergiftungen behandelten Jugendlichen gaben an, Alkohol bereits vor dem zwölften Lebensjahr konsumiert zu haben. Im Freundeskreis spiele Alkohol eine zentrale Rolle.

Laut GEK steigt die Zahl der 15- bis 19-Jährigen, die wegen Alkoholmissbrauchs behandelt werden, seit 20 Jahren stetig an. Seit 2002 habe sich der Anteil der behandelten Mädchen und Jungen sogar mehr als verdoppelt. So stieg die Behandlungsrate bei Mädchen von 18 auf 37 pro 10.000 Versicherte, bei gleichaltrigen Jungen von 24 auf 52 pro 10.000 Versicherte.

Nach Angaben der Autorin der Studie, Eva Bitzer, lässt sich der drastische Anstieg nicht allein dadurch erklären, dass heutzutage Krankenhäuser eher in Anspruch genommen werden. Die Ergebnisse belegten einen komplexen Trend, der durch die bisherige Diskussion oder vereinzelte gesetzgeberische Maßnahmen wie die Alkopopsteuer im Jahr 2004 weder gebremst noch umgekehrt worden sei, erläuterte sie.

GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker vertrat die Auffassung, Verbotsstrategien wie Alkoholverbote in Innenstädten seien auf Dauer keine Lösung. Stattdessen müsse eine “Präventionskultur” gefördert werden. Die GEK setze deshalb auf jugendgerechte Information, Sportförderung und jugendärztliche Betreuung.

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Zahl der dicken Mädchen in Deutschland steigt rasant

Berlin – 2001 waren 5,5 Prozent der 15-jährigen Mädchen in Deutschland fettleibig. 2006 hatte sich der Anteil auf elf Prozent verdoppelt.
Das geht aus einer Gesundheitsstudie hervor, die die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag veröffentlicht hat.

Damit ist der Anteil so schnell gestiegen wie in keinem anderen OECD-Land – nicht einmal in den USA. Allerdings betrug dort der Anteil fettleibiger 15-jähriger Mädchen im Jahr 2006 sogar 26 Prozent, fünf Jahre zuvor waren es noch 15 Prozent. Ein wenig besser sieht es bei den deutschen Jungen aus: Hier stieg der Anteil der Fettleibigen zwischen 2001 und 2006 von 13,7 auf 16 Prozent. Damit liegt Deutschland bei den Mädchen knapp über dem OECD-Durchschnitt von 10,1 Prozent, bei den Jungen (17,2 Prozent) darunter.

Die Organisation macht vor allem die ungesunde Lebensweise für den drastischen Trend verantwortlich: Die Jugendlichen in Deutschland bewegen sich vergleichsweise wenig und essen nur selten Obst, führt die OECD-Studie an. Außerdem habe der Anteil der rauchenden Frauen in den vergangenen Jahren zugenommen: Bei 15-jährigen Mädchen etwa liege Deutschland mit einem Raucherinnenanteil von 22 Prozent nach Österreich und Tschechien an dritter Stelle in der OECD.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die OECD bescheinigt Deutschland ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleiste. Allerdings gebe Deutschland der Studie zufolge im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung bieten, verhältnismäßig viel Geld aus. Wichtige Kostenfaktoren seien “viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, relativ hohe Ärztehonorare und überdurchschnittlich hohe Verwaltungskosten”. In der Krankenpflege seien – auch aufgrund der dort eher mäßigen Bezahlung – Engpässe zu befürchten.

Außerdem hat Deutschland nach Angaben der Studie mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner). Mit 7,5 Arztbesuchen pro Jahr und Einwohner gehen die Menschen in Deutschland etwas häufiger zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner und Jahr). Allerdings hat in hierzulande die Zahl der Arztbesuche so schnell zugenommen wie in fast keinem anderen OECD-Land.

Lebenserwartung: Platz 14

Im Jahr 2007 gab Deutschland laut OECD 10,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus. Dies war nach den USA, Frankreich und der Schweiz der höchste Wert. Die kaufkraftbereinigten Ausgaben pro Kopf liegen hierzulande um 20 Prozent über dem OECD-Schnitt. “In vielen OECD-Ländern sind die Menschen gesünder, leben länger und das bei geringeren Kosten”, so die OECD. So liege die deutsche Bevölkerung bei der Lebenserwartung nur auf Platz 14. Hier führen Japan, die Schweiz und Australien. Bei Herzinfarkt und unterschiedlichen Krebsleiden liegt die Todesrate mal knapp über, mal unter dem OECD-Schnitt. Auch die Kindersterblichkeit ist etwa so hoch wie im Mittel.

Trotz eines erheblichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1000 Einwohner kommen laut OECD 5,7 Betten – bezogen auf die Bevölkerung ist dies nach Österreich und Frankreich die höchste Zahl. Im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten. Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden komme mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. Nach den Japanern seien die Menschen in Deutschland diejenigen, die sich am längsten im Krankenhaus aufhalten. Bei der Zahl der Einweisungen liegt Deutschland auf Platz drei.

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Wer früh ins Bett geht, hat seltener Depressionen

Unzureichender Schlaf macht nicht nur müde, sondern kann auch zu Depressionen führen. Das wissen Psychologen schon länger, und nun hat es sich in einer Studie mit knapp 16.000 Teilnehmern in den USA bestätigt. Forscher der Columbia University New York hatten Schlafgewohnheiten und auch psychische Probleme wie Depressionen oder Selbstmordgedanken von Jugendlichen erfasst. Auch die Eltern der Jugendlichen wurden befragt.

Die statistische Auswertung ergab, dass Befragte, die früh zu Bett gehen, ein deutlich geringeres Depressionsrisiko hatten. Wenn die Eltern ihren Kindern erlaubten, statt spätestens 22 Uhr erst nach Mitternacht schlafen zu gehen, dann litten 24 Prozent der Jugendlichen häufiger unter Depressionen. Selbstmordgedanken traten im Vergleich zu den Jugendlichen mit 22 Uhr Nachtruhe um 20 Prozent öfter auf, berichteten James Gangwisch und seine Kollegen im Fachblatt “Sleep”.

54 Prozent der Eltern hatten angegeben, dass ihre Kinder an Wochentagen bis 22 Uhr ins Bett müssen. Bei 21 Prozent ist um 23 Uhr Nachtruhe, 25 Prozent der Eltern schicken ihren Nachwuchs erst um Mitternacht oder später schlafen.

Der Zusammenhang von Schlafzeit und Depressionen spiegelte sich auch in den Auskünften der Jugendlichen wider: Diejenigen, die nach eigener Aussage regelmäßig fünf oder weniger Stunden pro Nacht schliefen, hatten ein um 71 Prozent erhöhtes Depressionsrisiko im Vergleich zu Acht-Stunden-Schläfern. Suizidgedanken traten um 48 Prozent häufiger auf.

Umgang mit Freunden beeinträchtigt

“Unsere Erkenntnisse sind konsistent zu der Theorie, dass ungenügender Schlaf ein Risikofaktor für Depressionen ist”, sagte Gangwisch. Ausreichender Schlaf könne als Präventionsmaßnahme genutzt werden.

Es gebe eine Reihe möglicher Mechanismen, die den Zusammenhang von Schlafmangel und Depressionen erklären könnten, erklärt Gangwisch. Müdigkeit könne die Stressbewältigung erschweren und auch den Umgang mit Freunden. Zudem würden Urteilsvermögen und Konzentration beeinträchtigt.

Weil die Forscher allein einen statistischen Zusammenhang (Korrelation) von Schlafdauer und Depression festgestellt haben, kommt jedoch auch eine ganz andere Erklärung in Frage: Womöglich fügen sich psychisch stabilere Jugendliche eher einer frühen Nachtruhe als jene, die zu Depressionen neigen.

Als durchschnittliche Schlafdauer ermittelten die Forscher übrigens sieben Stunden und 53 Minuten. Dies liege ein ganzes Stück unter der Empfehlung der American Academy of Sleep Medicine von mindestens neun Stunden.

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Generation der Pessimisten

Hamburg – Würde man Deutschland eine Schulnote dafür geben, wie es sich um seine Kinder und Jugendlichen kümmert, dann würde dabei so etwas wie eine 3+ herauskommen: nicht wirklich brillant, aber auch nicht wirklich schlecht. Guter Durchschnitt, solides Mittelfeld. Es könnte besser sein – aber in vielen Bereichen auch deutlich schlechter.

Die zweite internationale Unicef-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland Platz acht von 21 im Vergleich der Industrieländer belegt. Die Untersuchung der Soziologen Hans Bertram und Steffen Kohl hat die Situation anhand von sechs Faktoren verglichen:

  • materielles Wohlbefinden
  • Gesundheit und Sicherheit
  • Bildung und Ausbildung
  • Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen
  • Verhaltensrisiken
  • Subjektives Wohlbefinden

Immerhin hat sich Deutschland im Vergleich zur vorangegangenen Studie von 2007 um drei Plätze verbessert. Spitzenreiter in dem Wettbewerb um das Engagement der Staaten für die Kinder und Jugendlichen waren erneut die Niederlande – sie gingen als kinderfreundlichstes Land aus der Untersuchung hervor. Im Gesamtvergleich schneiden auch Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark sowie Spanien und die Schweiz besser ab als Deutschland.

Anders als beispielsweise die Pisa-Studie versucht die Untersuchung, die verschiedenen Lebensbereiche der Kinder zu integrieren und somit ein umfassendes Bild ihrer Situation zu zeichnen. Materielle, soziale und leistungsbezogene Einschätzungen werden mit der subjektiven Wahrnehmung verbunden.

Besorgniserregend ist trotz zahlreicher Fortschritte vor allem ein Faktor: In keinem anderen untersuchten Industrieland sehen die Jugendlichen ihrer Zukunft so pessimistisch entgegen wie in Deutschland. Knapp 25 Prozent erwarten, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung Arbeiten ausüben werden, die gering bezahlt werden. Jeder vierte junge Mensch sieht schwarz für die eigene Zukunft. Dabei liegt die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen in Deutschland niedriger als in den meisten anderen OECD-Ländern.

Die Aussicht auf die Zukunft: düster

So hätten die Teenager in den USA weit größeren Anlass, schwarz zu malen – tun es aber nicht. Die Vereinigten Staaten schneiden im Gesamtvergleich der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener am schlechtesten ab. “Aber im Gegensatz zu den deutschen Jugendlichen meinen die amerikanischen: Yes, we can!”, sagt der Soziologe Hans Bertram SPIEGEL ONLINE. Nur neun Prozent der Teenager in den USA haben eine negativ geprägte Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. Sie hätten allen Grund, sich zu sorgen, sind aber die optimistischsten. “Und der eigene Optimismus ist schon die halbe Miete”, so Bertram.

Die deutschen Kinder und Jugendlichen könnten demgegenüber eigentlich beruhigt sein: das deutsche Ausbildungssystem erreicht mehr Kinder und Jugendliche als der Durchschnitt der europäischen Länder. Anders als beispielsweise in Großbritannien, fallen die Mädchen und Jungen hierzulande nicht so schnell durchs Netz – und ohne Alternative von der Schule. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die sich in Schule oder Ausbildung befinden, liegt bei 92,4 Prozent. Nur in Polen ist die Situation noch besser. In Großbritannien besuchen dagegen nur 75,5 Prozent eine Ausbildungseinrichtung.

Und auch die Qualität der Bildung kann sich in Deutschland dem Bericht zufolge sehen lassen. Nach dem schlechten Abschneiden bei der Pisa-Studie hat Deutschland einiges getan, neuere Daten belegen Leistungsverbesserungen vor allem in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften.

Die Erwartungen der Jugendlichen an ihren Job: gering

Trotz der objektiv guten Bedingungen sorgen sich die Jugendlichen, was aus ihnen wird. Diese Schlussfolgerung wird durch die Ergebnisse einer weiteren Dimension belegt. Auch die subjektive Lebenszufriedenheit der Kinder und Jugendlichen hat sich verschlechtert. Deutschland ist von dem zwölften auf den 18. Platz abgerutscht – es ist der viertletzte im Ranking.

Die junge Generation zeichnet ein besonders dunkles Bild von sich und ihrer Situation. Sechs Prozent der Kinder sagen, sie seien Außenseiter. Elf Prozent der befragten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler geben an, sich “unbehaglich und fehl am Platz” zu fühlen. Etwa jeder Dritte fühlt sich “alleine”. Die Daten zeigen, dass ein Teil der Jugendlichen sich in dieser Gesellschaft nicht akzeptiert fühlt. Fast jeder Dritte der befragten Elf-, 13- und 15-Jährigen ist nach eigenen Angaben schon einmal von anderen Jugendlichen gemobbt oder drangsaliert worden.

Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von einem “fast depressiven Zukunftsbild”. Geben die Erwachsenen den Kindern keine Möglichkeit, den Glauben an sich selbst und an ihre eigene Leistungsfähigkeit zu entfalten? Verkünden Politik, Medien und Wissenschaft ein Weltbild, das zur Folge hat, dass die Jugendlichen voller Selbstzweifel sind? Sind die Deutschen gar notorische Schwarzmaler, die stets von Problemen, nie aber von Lösungen sprechen?

Die Erwartungen der Eltern an die Kinder: riesig

“Auffällig ist, dass die Zukunftsaussichten der einzige Aspekt sind, bei dem Deutschland den letzten Platz einnimmt”, sagt Steffen Kohl SPIEGEL ONLINE. Auch Wissenschaftler Bertram bezeichnet den Pessimismus der Jugendlichen als das augenfälligste Ergebnis der Studie. “Wir Erwachsenen projizieren unsere eigenen Ängste in die nächste Generation”, sagt Bertram. Die Deutschen würden ihre gesellschaftspolitischen Sorgen schlicht vererben.

“Anstatt unseren Kindern zu vermitteln, dass Schule Spaß macht, setzten wir sie unter enormen Leistungsdruck”, schätzt Bertram die Ergebnisse ein. “Die Erwartungen sind immens: Englischunterricht im Kindergarten, andere Fremdsprachen in der Grundschule. Die Kinder selbst haben Angst, zurückzubleiben. Sie erfüllen die Leistungserwartungen, aber sie merken, dass sie es zunehmend nicht mehr schaffen.”

Somit halten die Ergebnisse der Unicef-Studie zugleich auch den Erwachsenen den Spiegel vor: Die Untersuchung zeigt, was im Umgang mit Kindern in Deutschland schief läuft. “Wir sind in den letzten Jahren in einen Pessimismus reingerutscht”, erklärt Bertram. “Und als Erwachsene, als Eltern und Lehrer müssen wir uns fragen, ob wir die Erwartungen so hoch schrauben, dass die Kinder schlicht nicht mehr mitkommen.”

Was wird nun aus den jungen Deprimierten? “Ich hoffe sehr, dass sie ihre Meinung im Laufe ihres Lebens noch ändern”, sagt Bertram. Man müsse das Selbstvertrauen der Kinder stärken, ihnen die Botschaft vermitteln, dass sie etwas können. “Und vor allem müssen wir uns allen mehr Gelassenheit beibringen.”

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Viele Computerspieler haben Probleme in der Schule

Fast jeder zehnte Jugendliche, der regelmäßig oder täglich Computerspiele spielt, berichtet von Problemen in der Schule. Das ergab eine Umfrage unter rund 3500 Hamburger Schülern zwischen 14 und 18 Jahren im Auftrag der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen.

Demnach sagten neun Prozent der regelmäßigen Spieler, sie hätten Probleme in der Schule. Elf Prozent gaben an, ihre schulischen Leistungen würden schlechter. Schüler, die lediglich ab und zu am Computer spielen, berichten nur zu einem Prozent von Schulproblemen und zu zwei Prozent von schwächeren Leistungen.

Für die Studie wurden die Jugendlichen auch nach dem Zusammenhang von Computerspielen und der Schulform befragt und machten Angaben zu ihrem Geschlecht, psychischen Problemen und ihrem Migrationshintergrund. Die Ergebnisse waren wenig auffällig: Schüler an Haupt- und Berufsschulen spielen etwa ebenso häufig wie Gymnasiasten. Insgesamt können sich für Computerspiele aber eher Jungen deutlich mehr begeistern als Mädchen.

Daddeln gegen die Langeweile

Entsprechend glauben zehn Prozent der Jungen, aber nur ein Prozent der Mädchen, dass ihre Schulleistungen durch das Computerspiel beeinträchtigt werden. Einen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Leidenschaft für Computerspiele konnten die Forscher nicht entdecken.

Die Studie ergab weiter, dass etwa die Hälfte der Jugendlichen Computerspiele mehrfach wöchentlich nutzt. Dabei können sich jüngere Schüler schwerer von ihrem Spiel trennen als 18-Jährige. In jeder Altersklasse sind die Spiele vor allem ein Mittel gegen Langeweile. Für die Spiele geben die Jugendlichen durchschnittlich etwa sieben bis elf Euro im Monat aus. Teuer sind vor allem Poker und Sportwetten; regelmäßige Zocker investieren rund 50 Euro monatlich.

Die Hälfte der Hamburger Jugendlichen setzt sich mehrmals in der Woche oder täglich zum Daddeln vor den Bildschirm. Am häufigsten werden dabei Shooter, Rollenspiele, Adventures, Strategie- und Simulationsspiele gespielt. Weniger beliebt sind Denk- oder Glücksspiele.

“Etwa ein Viertel der Jugendlichen berichtet, durchschnittlich rund 20 Stunden pro Woche spielend vor dem PC zu verbringen und häufig nicht aufhören zu können”, sagte Gesundheitssenator Dietrich Wersich am Dienstag bei der Vorstellung der Studie.

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Jung, muslimisch, brutal

Berlin – Eine neue Studie hat eine besorgniserregende Entwicklung unter jungen Muslimen festgestellt: Demnach wächst ihre Gewalttätigkeit mit zunehmender Bindung an den Islam. Zudem nehme mit der Religiosität auch die Akzeptanz von Machokulturen und die Nutzung gewalthaltiger Medien zu.

Dies geht aus dem zweiten Bericht zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesinnenministeriums und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) hervor, das von dem Kriminologen Christian Pfeiffer geleitet wird.

Als Erklärungsansatz ziehen die Autoren Befunde des türkischstämmigen Religionswissenschaftlers Rauf Ceylan heran. Dieser hatte festgestellt, dass die Mehrheit der Imame in Deutschland, also der muslimischen Geistlichen, den Rückzug in einen konservativen Islam und in die eigene Ethnie fördert. Die meisten Imame seien nur zeitweise in Deutschland, könnten kein Deutsch und deshalb keine positive Beziehung zur deutschen Kultur aufbauen. Für sie sei die Dominanz der Männer selbstverständlich. Ihre Lehren förderten entsprechende Einstellungen bei muslimischen Jugendlichen.

“Kein Problem des Islam”

Verantwortlich für die beschriebenen Phänomene sei nicht der Islam selbst, meinte Pfeiffer: “Das ist kein Problem des Islam, sondern der Vermittlung des Islam.” Die muslimische Religiosität fördere eine “Akzeptanz der Machokultur”. Ceylan erklärte, zur Erklärung der Ergebnisse müssten viele Faktoren herangezogen werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) teilte auf Anfrage mit, die Ergebnisse der Studie aus Hannover sollen unter anderem auch in die Diskussionen bei der Deutschen Islamkonferenz einfließen.

Das KFN befragte 2007/2008 bundesweit in 61 Städten und Landkreisen rund 45.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse. Ein Schwerpunkt war die Frage, wie sich die Zugehörigkeit zu einer Religion und die persönliche Religiosität auf die Einstellungen und Verhaltensweisen von 14- bis 16-Jährigen und insbesondere auf die Integration junger Migranten auswirken. Das Ergebnis: Während junge Christen mit steigender Religiosität weniger Gewalttaten begehen, ist bei jungen, männlichen Muslimen das Gegenteil der Fall.

Die Gruppe junger Migranten ohne Konfession sei am besten in die deutsche Gesellschaft integriert. “Sie steuern beispielsweise zu 41,2 Prozent das Abitur an, haben zu 62,9 Prozent deutsche Freunde und fühlen sich zu 66,1 Prozent als Deutsche”, erklären die Autoren der Studie. Bei jungen Muslimen sei dies anders: Sie verfolgten zu 15,8 Prozent den Abiturabschluss, hätten zu 28,2 Prozent deutsche Freunde und fühlten sich zu 21,6 Prozent als Deutsche.

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