Kategorie -Jugendliche

Ein Professor für Klassische Philologie über die Freude an antiken Sprachen

Ein Professor für Klassische Philologie über die Freude an antiken Sprachen

Bücher schmiegen sich dicht an dicht. Neben säuberlichen Notizen liegen ein Buch mit dem Titel „The Hellenistic philosophers“ und ein dicker schwarzer Ordner, auf dem „Epikureismus – Buch“ prangt. „Er enthält das Manuskript für mein neues Buch über Epikur“, sagt Christoff Neumeister. Der emeritierte Professor für Klassische Philologie mit der runden Brille auf der Nase und den vielen Lachfältchen um die Augen strahlt. 1944 kam er in Chemnitz aufs humanistische Gymnasium und lernte als Fremdsprachen Latein und Altgriechisch, später kam Russisch hinzu. „Wir waren die vorletzte Klasse, in der die beiden alten Sprachen noch gelehrt wurden“, berichtet der voller Lebensenergie sprühende 84-Jährige.

Ein Jahr in Yale

1952 machte er sein Abitur und studierte in West-Berlin und Heidelberg Mathematik. Nach fünf Semestern merkte er, dass er sein Leben lieber doch nicht Zahlen und Formeln widmen wollte und besuchte andere Vorlesungen. Besonders gut kann er sich an die Vorlesung eines Graezisten erinnern. „Man merkte, dass er sich mit seinem Fach innerlich vollständig identifizieren konnte und aus ihm heraus lebte, das hat mich überzeugt.“ Von da an studierte er Altphilologie in Heidelberg und verbrachte ein Jahr an der Yale University. Nach seiner Habilitation mit einer Schrift über „Die psychologische Geschichtsschreibung des Tacitus“ war er Dozent an der Uni Heidelberg, bis ihn 1972 der Ruf auf die Professur für Klassische Philologie mit Schwerpunkt Latinistik an der Universität Frankfurt erreichte. Dort blieb er bis zu seiner Emeritierung. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich auch jetzt noch Kurse geben und den Kontakt zu Studenten halten kann und nicht nur in Pantoffeln vor dem Fernseher sitze und ,Sturm der Liebe‘ glotze.“ Neumeister zeigt die fünf Bücher, die er veröffentlicht hat. „Jetzt wird hoffentlich auch noch das Werk über die Philosophie Epikurs folgen. Es macht immer unheimlich viel Spaß, diesen alten Dingen auf den Grund zu gehen. Epikur hat immerhin 300 Jahre vor Christus gelebt.“

Das zwingt zur Intensität

Dass die antiken Sprachen heute als tote Sprachen bezeichnet werden, sei insofern richtig, als dass diese Sprachen nicht mehr gesprochen werden. Man müsse akzeptieren, dass diese Kulturen vergangen seien. Aber sie seien nicht tot in dem Sinne, dass es sich nicht mehr lohne, sich mit ihnen zu beschäftigen. Das Lesen und Übersetzen altsprachlicher Literatur zwinge zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Text. Man müsse an jeder Stelle sorgfältig abwägen, in welcher ihrer vielen möglichen Bedeutungen eine Vokabel gerade verwendet werde. Der Altphilologe deutet auf mächtige Wörterbücher. Die Beschäftigung mit den antiken Sprachen erfordere das Erlernen und Anwenden vieler grammatikalischer Regeln, die man nicht imitativ, sondern bewusst lerne. So werde der reflektierte Umgang mit der eigenen sowie mit anderen Fremdsprachen gefördert und die sprachlichen Fähigkeiten ganz allgemein geschult. Einer seiner Schwerpunkte ist die Gedichtinterpretation, in die er deutsche Gedichte des 20. Jahrhunderts einbezieht.

Von einem Lachanfall geschüttelt

Er entschuldigt, dass er ausschweife. „Aber es gibt bei jeder Sache so viele spannende Aspekte.“ Dieses Fasziniertsein brauche ein Lehrer der Altphilologie, um die eigene Begeisterung auf seine Schüler zu übertragen. In Erinnerung geblieben ist seinen ehemaligen Studenten eine Vorlesung über den römischen Dichter Martial, bei der der Professor von der Komik des Schriftstellers so überwältigt wurde, dass er einen Lachanfall bekam und die Vorlesung nicht fortsetzen konnte. „Das ist das Schöne bei der Altphilologie. Es ist ein kleines Universitätsfach. So kann ein persönlicher Kontakt zwischen Studenten und Dozenten entstehen.“ Zu seiner Studienzeit gingen Lehrende und Studenten nach den Seminaren in ein Lokal der Heidelberger Altstadt und diskutierten bei Pfälzer Wein weiter. Die Eltern eines Mitstudenten besaßen einen Weinberg, wohin der Seminarkreis im Herbst wanderte. „Danach verstand man die Weingedichte von Horaz gleich viel besser.“

Was den Helden um den Verstand bringt

Die Zahlen von Studenten der Klassischen Philologie nehmen zu. Wie Christoph Leidl, akademischer Oberrat am Heidelberger Seminar für Klassische Philologie, berichtet, entschieden sich heute viele Studenten für Latinistik, um in Bereiche zu gehen, in denen sprachliche Formulierungsfähigkeiten gefragt seien, zum Beispiel Publizistik oder Kulturmanagement.

Aber natürlich ist es auch spannend zu erfahren, wie die schöne Helena die Helden um den Verstand bringt und Theseus den Minotaurus bezwingt. „Als wir damals im Schulunterricht Homer lasen, haben mich die Geschichten regelrecht gefesselt und entzückt. Odysseus war mein geheimer Held.“ Der alte Professor erzählt von Spaziergängen, die er mit seiner dreijährigen Schwester auf dem Rücken unternahm. „Ich habe ihr vorgetragen, wie Odysseus gegen die Seeungeheuer kämpft. Scheinbar beeindruckte sie das auch. Ihren Teddy jedenfalls nannte sie Oddi.“

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Prozess am Landgericht Ulm: Mordete 15-Jähriger aus Schwulenhass?


Ein Mann stirbt in einer Lache aus Blut, sein Körper ist übersät mit Messerstichen. Welcher Mensch mordet derart brutal? Angeklagt ist ein Jugendlicher, der zur Tatzeit gerade einmal 15 Jahre alt war. Eines seiner möglichen Motive: Hass auf Schwule.

Keine Kameras, keine Reporter, kein Publikum: „Nicht öffentliche Sitzung“ steht am Eingang zu Saal 126 des Landgerichts Ulm. Seit Dienstag wird dort über einen Mord verhandelt, den ein damals 15-Jähriger begangen haben soll. Mit drei Messern soll er einen 64 Jahre alten Mann in dessen Wohnung getötet haben. Und zwar – so die Staatsanwaltschaft – „aus Abneigung gegenüber Homosexuellen und um Wertsachen des Mannes an sich zu nehmen“.

Verhandelt wird die Tat des 16-Jährigen nach Jugendstrafrecht. Eigentlich sind selbst die Angehörigen eines Beschuldigten von solch einem Prozess ausgeschlossen. Das Gericht macht in diesem Fall aber eine Ausnahme: Bei der Verlesung der Anklage dürfen Mitglieder der türkischstämmigen Familie des Beschuldigten, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat, noch anwesend sein. Ihre Gesichter sind von Sorgen gezeichnet, als sie auf den Einlass warten. Eine Frau in traditioneller Kleidung, die Stiefmutter, ist den Tränen nahe. Der Vater des Angeklagten legt ihr einen Arm um die Schulter.

Die Familie lebt in Mannheim, nach einem Schulverweis war der Sohn von zu Hause ausgerissen. In Ulm lebte er auf der Straße – immer auf der Suche nach Essen, Trinken und einem Schlafplatz. Das war er auch an jenem verhängnisvollen Abend des 23. Mai. Am Hauptbahnhof begegnete der junge Mann seinem späteren Opfer, das ihn mit in seine Wohnung im nahegelegen Dichterviertel nahm.

Bei seinen Nachbarn war der 64-Jährige bekannt und beliebt. „Man konnte gut mit ihm reden“, sagt eine Frau. Dass der Alleinstehende vielleicht schwul war, störte niemanden. Seinen späteren Mörder jedoch soll es stark abgestoßen haben. Als der Mann ihm 50 Euro für Fotoaufnahmen bot und ihn dann noch – „ohne Nachdruck“, wie das Gericht betont – zu sexuellen Handlungen aufforderte, soll der 15-Jährige ausgerastet sein.

Opfer starb aufgrund des enormen Blutverlusts

Immer wieder habe er mit einem Küchenmesser auf sein Opfer eingestochen. Als es abbrach, so heißt es in der Gerichtsmitteilung unter Berufung auf die Anklage, habe der Junge mit anderen Gegenständen auf das Opfer eingeschlagen. Dann habe er zwei weitere Messer aus der Küche geholt und weiter auf den Schwerverletzten eingestochen, „bis dieser aufgrund des enormen Blutverlustes an Ort und Stelle verstarb“.

Anschließend soll der Angeklagte Bargeld und eine Digitalkamera eingesteckt haben, ehe er das Sofa und diverse Kleidungsstücke anzündete. Ein Nachbar schlug Alarm, die Feuerwehr konnte den Wohnungsbrand rasch löschen. Der Tatverdächtige wurde wenig später gefasst. Bei der Vernehmung war er weitgehend geständig. Aufgrund seiner Angaben geht die Anklage von einer Diebstahlsabsicht und – hinsichtlich des Mordes – von „homophoben Motiven“ aus.

„Unter Homophobie verstehen wir eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Ablehnung von Schwulen und Lesben sowie auch von Bisexuellen und von Transgender-Menschen“, erläutert Oberarzt Marc Allroggen von der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Gründe dafür seien „sehr verschieden“ und könnten „von persönlichen negativen Erfahrungen mit Homosexuellen über Neid auf beruflich oder in der Schule erfolgreiche Nicht-Heterosexuelle bis hin zu Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen sexuellen Orientierung reichen“. Allerdings spiele bei einer so extremen Tat wie einem Mord „zusätzlich wohl auch ein erheblicher Hang zu gewalttätigen Reaktionen eine Rolle“.

Bis Ende Januar will das Gericht unter Vorsitz des erfahrenen Richters Wolfgang Tresenreiter zu einem Urteil kommen – auch mit Hilfe eines psychiatrischen Gutachtens. Dass es in den vergangenen Jahren laut Bundesinnenministerium eine deutliche Zunahme von Gewaltdelikten gegen Homosexuelle gegeben hat, wird den Richtern nicht entgangen sein. Zu urteilen haben sie jedoch allein nach der Beweislage sowie den Tatumständen und dem Bild, das sie sich vom mutmaßlichen Täter und den konkreten Motiven machen. Dabei wird es an den kommenden Verhandlungstagen auch um dessen angebliche Homophobie und deren Ursachen gehen. Damit der Jugendliche seine Aussagen ohne Rücksichtnahme und ohne jedwede potenzielle Einschüchterung machen kann, darf dann auch niemand mehr von seiner Familie im Saal sein.



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Schweinfurt in Unterfranken hält eine Partnerschaft mit Châteaudun am Loir

Schweinfurt in Unterfranken hält eine Partnerschaft mit Châteaudun am Loir

Anderthalb Stunden von Paris entfernt liegt Châteaudun, eine malerische Kleinstadt mit 13 000 Einwohnern, die Dunois genannt werden. Seit 1963 unterhält das unterfränkische Schweinfurt eine Partnerschaft mit der französischen Stadt am Loir – nicht zu verwechseln mit der etwas weiter südlich fließenden Loire. Besiegelt wurde die Jumelage 1964, nachdem sich zwei Lehrer aus Schweinfurt und aus Châteaudun im Urlaub kennengelernt hatten. Wegen des am 22. Januar 1963 geschlossenen deutsch-französischen Vertrags war die Euphorie zu Beginn groß, und es gab einen regen Austausch zwischen den Städten.

Jeder ist willkommen

„Nach einiger Zeit ist der Kontakt leider etwas eingeschlafen“, klagt Anna-Margareta Vogel-Jehli, ehemalige Französischlehrerin und Vorsitzende des Freundeskreises Châteaudun e.V. „Die Leute, die in den 60ern davon so begeistert waren, sind ja immer älter geworden, und die Jugend hat das immer weniger interessiert.“ Von den rund 170 Mitgliedern sei ein großer Anteil schon mehr als 60 Jahre alt. Deshalb freut man sich über jeden Eintritt. „Der Mitgliedsbeitrag beträgt bei uns zehn Euro, für Schüler sind es fünf. Und falls sich jemand Gedanken bezüglich der Sprache macht, die muss er nicht haben. Natürlich sprechen bei uns viele Mitglieder Französisch, aber hauptsächlich reden wir Deutsch. Bei uns ist jeder willkommen.“

Für einen Verein braucht man mindestens sieben Leute

Ihr Mann Kurt Vogel, ehemaliger Stadtrat und Schriftführer des Vereins, ergänzt: „Wir sind privat immer wieder nach Châteaudun gereist, 1982 zum Beispiel habe ich eine Radtour organisiert. Bei der Fahrt war auch meine Frau dabei, und da haben wir natürlich intensiver die Stadträte und sonstige Bürger der Stadt kennengelernt. Die damalige Oberbürgermeisterin in Schweinfurt hat mich letztendlich angesprochen, ob ich nicht etwas machen könne.“ Was es für Schweinfurts andere Partnerstädte, North Lanarkshire und Seinäjoki, schon gab, das fehlte für Châteaudun. „Vielleicht hat das ein bisschen an der Sprache gelegen, dass nicht schon früher ein Verein gegründet wurde. Unsere französischen Freunde hatten uns ja immer wieder angesprochen, ob wir nicht ein Pendant zum Verein Amis d’Europe gründen wollen“, berichtet Vogel-Jehli. „Für einen Verein braucht man mindestens sieben Personen. Damals habe ich zuerst in meinem Französischkurs an der VHS nachgefragt. Bei der Gründungsversammlung im März 2009 waren gleich 30 Personen anwesend, wovon 19 sofort Mitglieder geworden sind.“

Bei Rotwein und Baguette steigt die Stimmung

Wieder Kontakt zu knüpfen und diesen auch zu halten sowie den Jugendaustausch zu fördern – das sei die Hauptaufgabe des Vereins. „Beispielsweise hatte unsere Feuerwehr jahrelang engen Kontakt, was dann aber leider aufgrund eines Führungswechsels abgeklungen ist“, sagt ihr Mann. Zurzeit zählt der Verein 172 Mitglieder. Für die wird einiges geboten. Der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag, wird traditionell mit einem Gartenfest gefeiert. „Einmal im Jahr veranstalten wir ein Pétanque-Turnier in den Schweinfurter Wehranlagen.“ Der Freundeskreis organisiert viele kulturelle und gesellige Veranstaltungen. Seien es Reisen nach Frankreich, Ausflüge quer durch Deutschland, Picknicke oder ein klassischer Chansonabend mit französischen Künstlern. „Den Chansonabend haben wir jetzt viermal veranstaltet, und es war immer ein großer Erfolg. Aber gleich, was wir auch planen, wir versuchen immer einen Bezug zu Frankreich zu haben“, erklärt Vogel-Jehli. Das anschließende Beisammensein ist ein wichtiger Teil. „Bei uns heißt es: Wo immer wir hingehen, Rotwein, Käse, Baguette! Das gehört dazu und dann steigt die Stimmung“, sagt Kurt Vogel.

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Hilfe – nicht nur bei schwerster Atemnot

Chronisch kranke KinderHilfe – nicht nur bei schwerster Atemnot

Eine überdimensionale Luftröhre: Das Krabbeln durch den  Asthma-Tunnel soll den Kindern helfen, ihre Krankheit besser zu verstehen. Foto: Fachkliniken

Wangen/Allgäu – Es ist ein herrlicher Tag in Wangen im Allgäu. Die Sonne sorgt für frühlingshafte Temperaturen, die Natur entfaltet ihre Pracht, und rechtzeitig haben die Cafés im Ort ihre Stühle nach draußen gestellt, um Besucher anzulocken. Es riecht nach Urlaub hier in der oberschwäbischen Idylle unweit des Bodensees. Doch zum Vergnügen ist Daniele Schröder nicht aus dem hessischen Borken angereist. „Wir müssen hart arbeiten“, sagt sie.

Das deutet schon die Wahl des Domizils an: die Fachkliniken Wangen, vor den Toren der Stadt auf einer Anhöhe gelegen. Daniele Schröder ist mit ihrer Tochter Lilly hier fünf Wochen lang zur Rehabilitation. Seit ihrer Geburt leidet das sechsjährige Mädchen unter Neurodermitis, unter schwerstem Asthma bis hin zu sogenannten anaphylaktischen Reaktionen und Nahrungsmittelallergien. Selbst Spuren von Haselnüssen oder Ei in der Nahrung setzen Lilly so heftig zu, dass ein normales Leben kaum möglich ist. „Ohne Notfallset“, sagt die Mutter, „gehen wir nie aus dem Haus.“ Medizinische Behandlungen sollen Verbesserungen bringen.

Für das Kind geht es aber nicht zuletzt auch darum, rechtzeitig vor der Einschulung die Selbstständigkeit zu üben: Bisher traut sich Lilly kaum alleine irgendwohin. Und für die Mutter wie für die eigens mitgereiste Zwillingsschwester Lena heißt es im Gegenzug, loslassen zu können. „Da sind wir schon einige Schritte weitergekommen“, sagt Daniele Schröder.

So wie der kleinen Lilly geht es vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Nach einer großen Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin leidet fast jeder Fünfte der Gruppe im Alter bis zu 17 Jahren an einer chronischen Krankheit – Tendenz steigend. Unter dem Strich dürften zwei bis drei Millionen Buben und Mädchen durch irgendeine Malaise deutlich beeinträchtigt sein. Betroffen sind sehr häufig die Atemwege, es geht um psychische und soziale Störungen, um Allergien, aber auch Fettleibigkeit und Überernährung gehören zu den häufigsten Diagnosen. Immer damit verbunden sind fundamentale Einschränkungen im Alltag, die oft den Schulbesuch und eine spätere Ausbildung erschweren.

Linderung verspricht in solchen Fällen eine ganzheitlich angelegte Rehabilitation. Doch diese war bisher nur eine freiwillige Leistung der gesetzlichen Rentenversicherung. Seit Anfang des Jahres ist dies anders. „Wir sind froh, dass der Rahmen deutlich erweitert wurde“, sagt Alwin Baumann, der Klinikleiter in Wangen und zugleich der Sprecher des Bündnisses für Kinder- und Jugendreha. Viele Jahre lang hat die Initiative gekämpft: Jetzt sorgen Passagen im „Flexirentengesetz“ dafür, dass künftig deutlich mehr gesundheitlich beeinträchtigten und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen geholfen werden kann.

Immer mehr Buben und Mädchen sind chronisch krank – und dadurch teilweise extrem beeinträchtigt. Pro Jahr hat allein die Deutsche Rentenversicherung zuletzt fast 32 000 Reha-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche finanziert mit einem Betrag von rund 170 Millionen Euro. Bei den Diagnosen stehen Atemwegserkrankungen an erster Stelle, gefolgt von psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, Adipositas­ und Hauterkrankungen wie Neurodermitis.

Die Kliniken in Wangen im Allgäu zählen bundesweit zu den führenden Fach- und Spezialhäusern für Atemwegserkrankungen, Allergien­, psychosomatische Erkrankungen und schwerste neurologische Erkrankungen. Neben vier Akutkliniken befindet sich auf dem Gelände unter anderem auch die Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche, in der sich die Patienten im Durchschnitt rund fünf Wochen aufhalten.

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Savoir vivre, ja gerne, wäre nur Französisch nicht so schwer

Savoir vivre, ja gerne, wäre nur Französisch nicht so schwer

Du hast überhaupt keinen französischen Akzent? Das überrascht mich aber.“ „Sind deine Eltern eigentlich aus Frankreich?“ Immer häufiger wird man als Saarländer mit solchen Fragen oder Aussagen konfrontiert. Das Klischee vom saarländischen Franzosen bedient das Saarland allerdings auch selbst allzu gerne in der Außenwerbung mit dem Hinweis auf das „saarvoir vivre“, die französische Lebensart auf saarländische Art und Weise, oder den daran angelehnten Grundsatz: „Hauptsach gudd gess“.

„In unserer Gesinnung waren wir immer Deutsche“, erklärt Karin Michels freundlich. Die schlanke fast 80-Jährige sitzt entspannt beim Kaffeeklatsch auf der Gartenterrasse ihrer Nachbarin in Güdingen, einem 1974 eingemeindeten Stadtteil von Saarbrücken. Die ehemalige Gynäkologin erzählt bei Kaffee und selbstgebackenem Tante-Erna-Kuchen, einem aus schneckenförmig aufgerollten Kringeln bestehenden Hefegebäck mit viel Butter und Zucker obendrauf, von ihrer Jugend. Sie wurde 1937 geboren, in einer Zeit, in der das Saarland an das Reich angeschlossen war. Davor war das Deutsche Saarland mal französisch, mal deutsch und für kurze Zeit sogar unabhängig.

Mix aus drei Sprachen

Von der Terrasse sieht man nach Westen über die bewaldeten Hügel bis nach Frankreich. Wo Deutschland aufhört und wo Frankreich anfängt, kann man nur vage bestimmen; eine markierte Grenzlinie gibt es schon lange nicht mehr. Am Wochenende fährt man über die Grenze, um Baguette, Croissants und „ebbes“ zum Frühstück zu kaufen. Die Kassiererinnen im Supermarkt begrüßen ihre Kunden in einem Mix aus Französisch, Deutsch und Saarländisch. Nicht selten trifft man hier am Wochenende auf mehr Deutsche als Franzosen. Auch umgekehrt kommen viele Franzosen nach Saarbrücken, um einzukaufen oder zu arbeiten. Täglich pendeln 18 000 Franzosen in die Hauptstadt des Saarlandes. Deutlich erkennbar sind die französischen Feiertage. Die Stadtautobahn, die parallel zur Saar läuft, ist überfüllt, und auf den Hinweisschildern steht „Feiertag in France“ geschrieben.

Sie schickten ihre Kinder „rüber zu den Feinden“

Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern war nicht immer so gut. „Vieles an der Zusammenarbeit scheiterte an der Sprachbarriere“, sagt Karin Michels, „erst Anfang der 60er Jahre endeten die Feindseligkeiten.“ Sie nahm als junges Mädchen an einem Austausch nach Frankreich teil, heute für junge Saarländer fast alltäglich, damals ungewöhnlich. „Mein Vater gab mir einen Brief mit für die Gasteltern, in dem er darum bat, die Feindseligkeiten zu beenden. Sie müssen sich das vorstellen, unsere Eltern schickten ihre Kinder rüber zu den Feinden.“ Seit den 70er Jahren finden vermehrt gemeinsame Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung statt. Grundsteine dafür legten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit dem Elysée-Vertrag 1963. Das Festival Perspectives, ein deutsch-französisches Festival für zeitgenössische Bühnenkunst, das 1978 ins Leben gerufen wurde, ist eines der besten Beispiele. Die Aufführungsorte liegen sowohl im Saarland als auch in der französischen Grenzregion.

Arbeit am Jean-Monnet-Lehrstuhl

Im Bildungsbereich wird großer Wert auf Bilingualität gelegt. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte 2003 die „Frankreich-Strategie“ vor; ein Konzept zur Stärkung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Und die entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass die Menschen miteinander sprechen können: auf Deutsch und auf Französisch. „Die Frankreich-Strategie sieht nicht, dass so was auf Freiwilligkeit beruhen muss“, wirft Karoline Schmidt ein. Sie hat 2015 ihren Master of European Law in Lille gemacht und steckt jetzt im Ersten juristischen Staatsexamen. Als studentische Hilfskraft arbeitet sie am Jean-Monnet-Lehrstuhl der Universität des Saarlandes. Karoline Schmidt lernte bereits als Kindergartenkind Französisch von ihrer französischen Tagesmutter. „Die ersten Lieder, die ich gelernt habe, waren auf Französisch. Dieser frühe Kontakt hat auf jeden Fall meine Aussprache verbessert und mir den Zugang zur Sprache erleichtert.“

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Ihr Kind rebelliert nicht? Keine Sorge!

Ordentlich, fleißig und so gar nicht auf Revolte gegen die Eltern gebürstet: Kinder mit scheinbar stockkonservativem Verhalten können Müttern und Vätern, die einen eher kreativen Lebensstil pflegen, Kopfzerbrechen bereiten. In dem jungen Spießer steckt aber vielleicht ein cleverer Stratege.

„Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!“  – mit diesem Berufswunsch schockt in einem alten TV-Werbespot einer Bausparkasse ein kleines Mädchen ihre Hippie-Eltern, mit denen es in einer bunten Bauwagen-Kommune haust. Nur Spießer lebten in großen Wohnungen mit eigenen Zimmern für die Kinder, hatte ihr der Papa zuvor erklärt – und ist nun fassungslos, weil sein Kind offenbar vollkommen aus der Art schlägt.

Ähnlich mag es Eltern von Kindern gehen, die niemals aus der Reihe tanzen, sich stets vollkommen anpassen. Vor allem, wenn das Verhalten des Kindes weder seiner Erziehung noch der Weltsicht von Mama und Papa entspricht.

Lebensvorstellungen klaffen auseinander

Ein jüngeres Kind zum Beispiel, das nie mit Schwung in eine Regenpfütze springt oder das nie aufgefordert werden muss, sein Zimmer aufzuräumen, ist ein einziges Rätsel für Eltern, die Spontanität und ein bisschen Chaos lieben. Sie argwöhnen schnell: Mit dem Nachwuchs stimmt etwas nicht.

Zu diesen Eltern zählt etwa Annette. Ihre Tochter Jennifer lernt fleißig für das Abitur und hat seit mehr als einem Jahr eine feste Beziehung mit einem Jungen in ihrem Alter. Der ist nicht weniger ambitioniert, die beiden planen schon jetzt eine gemeinsame Zukunft – nach einem schnellstmöglich durchgezogenen Studium.

Annette selbst hat sich erst mit Mitte Dreißig dazu entschieden, zu heiraten. Als Jennifer zur Welt kam, war sie 37. Ihr Geld verdient die ausgebildete Pädagogin, die getrennt von ihrem Mann lebt, in verschiedenen Jobs, zum Beispiel als Inneneinrichtungsberaterin. Und das möchte sie so. Nie gehen ihr die Ideen aus, und ebenso wenig plant Annette für die Ewigkeit. Sie liebe ihr Leben bunt, das sei ihr wichtiger als eine Vollzeitanstellung mit einem höheren Gehalt, sagt sie.

Kreatives Chaos versus Sicherheitsstreben

Die Unordnung in der Wohnung ist für Annette Ausdruck eines kreativen Chaos und stört sie nicht. Jennifer sieht das anders. „Wie es hier wieder aussieht!“, seufzt sie hin und wieder und zieht sich dann in ihr eigenes Zimmer zurück, wo alles an seinem Platz liegt.

Annette versteht die 18-Jährige nicht und sorgt sich: Müsste Jennifer ihr Leben nicht mehr genießen, sich Optionen offenhalten? Stattdessen spielt ihre strebsame Tochter ihrer Meinung nach viel zu sehr nach den Regeln, die unsere Gesellschaft vorgibt. Von ihr jedenfalls hat sie das nicht.

Konservative Haltung liegt im Trend

Und woher dann? Ist in der Erziehung etwas falsch gelaufen? Müssen Eltern von Spießerkindern etwas gegen so viel Konformität tun? Das Ergebnis der jüngsten Shell-Jugendstudie sollte betroffene Mütter und Väter beruhigen. Demnach wünscht sich ein Großteil der Heranwachsenden hierzulande vor allem Sicherheit und positive soziale Beziehungen, akzeptiert Leistungsnormen als zentrale Orientierungspunkte und lehnt Tradition sowie Tugenden nicht ab.

85 Prozent der Befragten finden es der Analyse zufolge wichtig, einen Partner zu haben, dem sie vertrauen können, für 72 Prozent hat ein gutes Familienleben oberste Priorität. Fast zwei Drittel der Jugendlichen legen großen Wert auf den Respekt vor Gesetz und Ordnung, viele wollen zudem fleißig und ehrgeizig sein. Die Analyse stützt sich auf eine Befragung von knapp 2558 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 25 Jahren.

Zu viel Harmonie erschwert Abgrenzung

Ein wenig spießig klingt das schon. „Generation Gartenzwerg“ sind die jungen Konservativen schon genannt worden. Ulrich Gerth, Leiter des Beratungs- und Jugendhilfezentrums St. Nikolaus des Caritasverbandes Mainz, findet die Bezeichnung allerdings nicht zutreffend. Der Begriff spiegele einfach nicht die Vielfalt der Lebenshaltungen von Jugendlichen heutzutage wider.

Außerdem sei es nicht wirklich neu, dass sich Jugendliche eine gesicherte Existenz, einen festen Job und ein beständiges, harmonisches Familienleben wünschten. „Neu ist hingegen, dass die Opposition gegenüber den Eltern zurückgeht und Kinder sagen ‚Toll, wie mich meine Eltern erziehen!‘“, sagt der Diplom-Psychologe. Der Grund für so viel Harmonie in den Familien: Eltern unterschieden sich derzeit ungern von ihren Kindern, sagt Gerth.

Die Abgrenzung vom Nachwuchs fiele ihnen schwer – ebenso wie den Jugendlichen. In der Folge sinken laut dem Experten Konfliktbereitschaft und Konflikttraining für Söhne und Töchter, Reibungspunkte fallen weg.

Wenn Eltern ihre Kinder merkwürdig finden

Doch auch diese Auflösung der Grenzen zwischen den Generationen kann zu Zoff führen: Wenn Mama dieselben hippen Jeans mit großen Rissen trägt wie die Tochter, Papa in Konzerten der Lieblingsband des Sohnemanns auftaucht. „Ihr seid nur peinlich!“, heißt es dann. Aber solche Opposition sei sinnvoll, das müssten Eltern aushalten, sagt Gerth.

Entsprechend kann sich hinter dem Lebensstil eines „spießigen“ Kindes der Wunsch verbergen, sich von dauerjugendlichen Eltern abzuheben. Diesen rät Gerth, ihren Töchtern oder Söhnen genau zuzuhören und zu überlegen: Ist das wirklich mein Stil, ist das die Welt, in die ich gehöre? Lautet die Antwort ja: alles bestens. Ansonsten lohnt es sich eventuell, den eigenen Auftritt anzupassen.

Revolte mit Bausparvertrag

Was aber sollen Eltern von Spießerkindern tun, auf die das nicht zutrifft? Müssen sie frühzeitig eingreifen, um zu verhindern, dass sich das Kind die Zukunft verbaut? Gerth gibt in dem Fall Entwarnung. Solange der Spross sich nicht selbst im Wege stünde und sich das Leben durch seine vermeintlich spießige Haltung erschwere, sollten sich Eltern seiner Ansicht nach entspannen.

Vielleicht hilft es Müttern und Vätern, deren Kinder sie mit demonstrativem Spießertum erschrecken, sich zu erinnern: Grundsätzlich möchte die junge Generation anders sein als ihre Eltern. Sind diese schon unkonventionell, kann der Nachwuchs eigentlich nur mit guten Zensuren, Faltenrock und Bausparvertrag dagegenhalten. Vor diesem Hintergrund lässt sich etwa Jennifers Ehrgeiz in der Ausbildung und ihre private Zielstrebigkeit deuten.

Bei Druck von außen gelassen bleiben

Mütter und Väter von noch kleinen Spießern bekommen jedoch nicht selten zusätzlich Druck von außen zu spüren – etwa von anderen Eltern oder pädagogischen Betreuern, die ihnen zu verstehen geben: Euer Kind verhält sich „merkwürdig“, nicht altersgemäß oder sogar „altklug“. Gelassen bleiben und akzeptieren, dass die Art, die das Kind an den Tag legt, vielleicht nicht der Norm entspricht, rät Gerth. Eltern hätten keinen Anlass zur Besorgnis, solange der Nachwuchs ausreichend Kontakt zu anderen Kindern habe.

Andernfalls gehe es darum, den Lebenskreis des Juniors zu erweitern und seine Spontanität zu fördern, erläutert der Psychologe. Ein Eingreifen werde erst nötig, wenn eine Verhaltensweise nicht konservativ sei, sondern auf eine Entwicklungsstörung hinweise, sich beispielsweise dauerndes Händewaschen zu einem Zwang entwickle.

Spießertum als clevere Strategie

Bei Teenagern oder noch älteren Kindern kann ein ausgeprägter Konservatismus im Übrigen eine durchaus nachvollziehbare Strategie bilden, um in der derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Situation nicht durchs Raster zu fallen. Wer Arbeitslosigkeit und Hartz IV fürchtet, geht lieber kein Risiko ein, steuert mit Fleiß, Sparsamkeit und Verlässlichkeit dagegen – und zieht eine gesicherte Existenz einem Schuss Punk im Leben vor.

So sei zum Beispiel der Beruf, den ein Kind heute wähle, meist ein Einstiegsberuf, sagt Gerth. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser bis zur Rente ausgeübt wird, ist gering. Angesichts des wechselhaften Arbeitsmarktes setze der Nachwuchs auf Sicherheit und sei bemüht, die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft zu erfüllen.

Die jungen Menschen passten sich zunächst an in dem Bewusstsein, zu einem späteren Zeitpunkt mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu bekommen. Ihr Verzicht auf Opposition sei manchmal Strategie, sagt Gerth. Das heißt: Junge „Spießer“ sind häufig alles andere als eingeschlafen, sondern eher darauf bedacht, ihre Ziele zu erreichen – ohne Revolte. Das haben schließlich die Eltern schon erledigt.

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Gebrauchter mit Ecken und Kanten: Suzuki Swift: Nur der Fahrspaß ist zuverlässig


Schick, flott aber nicht wirklich günstig: Der Suzuki Swift sollte vor allem junge Fahrer begeistern. Doch wie seine gewünschte Klientel ist der jugendliche Kleinwagen aber auch ein wenig unbeständig. Deshalb sollte man beim Kauf eines Gebrauchten zweimal hinschauen.

Sein Retro-Stil spricht das Auge an, das Fahrverhalten die Sinne. Die Rede ist nicht von einem Sportwagen, sondern vom Suzuki Swift, dem Fahrspaßmobil für Fahrer mit dynamischen Ansprüchen, aber beschränktem Budget. Mit ihrem Preis und einer annehmbaren Qualität haben die von 2010 bis 2017 gebauten Fahrzeuge eine erkleckliche Fangemeinde um sich geschart.

Stadtflitzer ohne Kofferraum

Hinter der Heckklappe befinden sich lediglich 200 Liter Stauraum.

Dass es sich beim Swift vom Typ FZ um ein neues Modell handelt, war bei der Premiere im Jahr 2010 kaum zu erkennen, so sehr glich der Neue dem Vorgängermodell MZ. Allerdings ist der Jüngere der beiden der Größere. Bietet so satte zehn Zentimeter extra und damit mehr Platz im Fond. Dabei misst der Japaner von Kennzeichen zu Kennzeichen lediglich 3,85 Meter. Damit ist der Suzuki beim City-Wuseln und der Parkplatzsuche ein echter Gewinn.

Neben dem günstigeren Dreitürer gibt es den praktischeren Fünftürer, der allein deswegen schon die bessere Wahl ist, weil so die Hinterbank als zusätzlicher Stauraum genutzt werden kann. Denn der Kofferraum ist mit 200 Litern Fassungsvermögen sehr klein. Hohe Erwartungen sollten auch nicht an das Cockpit gestellt werden, das zum großen Teil aus preiswertem Hartplastik besteht. Ein Pluspunkt gibt es aber doch: Die Schalter und Regler sind gut platziert, so dass die Bedienung locker von der Hand geht.

Kräftige Motoren, schmale Ausstattung

Selbst in der gehobenen Ausstattung geht es in einem Suzuki Swift eher nüchtern zu.

Besonderheit des Swift ist der in der Kleinwagenklasse extrem seltene Allradantrieb. Ebenfalls ungewöhnlich: Die 4×4-Technik ist ausschließlich mit dem Einstiegsbenziner kombinierbar gewesen, einem 94 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinderbenziner. Auch das optionale Viergang-Automatikgetriebe ist dieser Motorvariante vorbehalten, konnte aber wiederum nicht mit dem Allradantrieb kombiniert werden. Mit Frontantrieb und manueller Schaltung kommen die beiden Motor-Alternativen daher, ein 75 PS starker 1,3-Liter-Diesel – der bis 2015 angeboten wurde – und ein 1,6-Liter-Benziner mit 136 PS. Letzterer treibt ausschließlich den Ende 2011 eingeführten Swift Sport mit seinem nochmals strafferen Fahrwerk und der schärferen Optik an.

Um den Betrag auf dem Preisschild möglichst niedrig zu halten, hat Suzuki beim Basismodell kräftig an der Ausstattung gespart. Servolenkung und Fensterheber vorne sind da, ansonsten nicht viel. Beim Gebrauchten sollte es daher mindestens das Niveau „Club“ mit Klimaanlage, Drehzahlmesser und geteilt umlegbarer Rücksitzbank sein. Die Top-Linie „Comfort“ gibt es nur für den Fünftürer, sie bietet unter anderem Klimaautomatik, Leichtmetallräder und Fensterheber rundum. Wirklich üppig bestückt ist aber nur der Swift Sport, mit knapp 19.000 Euro Neupreis aber auch das mit großem Abstand teuerste Modell. Dort sind unter anderem Xenon-Scheinwerfer, Metalliclack und Sportsitze an Bord. In jedem Fall zur Serienausstattung zählen sieben Airbags und der Schleuderschutz ESP.

Keine japanische Superqualität

Litt der Vorgänger noch an zahllosen Problemen – angefangen beim Getriebe, nicht endend bei den Achsen – schlägt sich der Swift FZ deutlich besser. Typisch japanische Superqualität darf man von dem kleinen Suzuki aber nicht erwarten, schon bei der ersten HU fallen laut TÜV Report Mängel an der Beleuchtung sowie Ölverlust am Motor auf. Auch die Handbremse wird häufig beanstandet. Zu den typischen Ärgernissen zählen auch die schwächelnde Batterie und eine knackende Vorderachse. Insgesamt spürt man beim Swift den Preisdruck in der Produktion genauso wie die häufig ruppigen und wenig schonenden Vorbesitzer.

Fazit: Der Swift zählt sicher nicht zu den zuverlässigsten Kleinwagen, gleicht das aber mit stylischer Optik und flottem Fahrverhalten aus. Wer ein spaßiges Auto für Stadt und Land sucht, findet in dem Japaner eine viel günstigere Alternative zum äußerlich und fahrdynamisch ähnlichen Mini. Gut 6000 Euro müssen aber mindestens investiert werden, um ein halbwegs taugliches Fahrzeug zu finden. Beim Händler steigt der Preis schnell in Richtung 10.000 Euro.



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Kaum ein Entrinnen: Forscher ruft zu Boykott sozialer Medien auf


Weder ein Like noch ein Dislike, sondern einen Boykott der sozialen Medien – das fordert der Hamburger Zukunftsforscher Opaschowski . Er appelliert an die Jugend: Macht nicht mehr mit, legt euch in die Hängematte! Für den Aufruf hat er einen Grund.

Angesichts der wachsenden Macht von sozialen Netzwerken hat der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski Jugendliche zur „digitalen Diät“ aufgerufen. Sie sollten häufiger offline sein, zeitweilig aus dem Erreichbarkeits- und Beschleunigungswahn aussteigen und stattdessen echte Freundschaften pflegen, so der Erziehungswissenschaftler.

Anlass für den Appell sind die selbstkritischen Bemerkungen des ehemaligen Facebook-Präsidenten und Erfinders der Musik-Tauschbörse Napster, Sean Parker. Der Milliardär hatte kürzlich auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebseite Axios in Philadelphia erklärt, am Anfang aller sozialen Netzwerke habe die Frage gestanden, wie man möglichst viel Zeit der Nutzer beanspruchen könne und dabei ihre bestmögliche Aufmerksamkeit bekomme. Die User sollten zum Opfer einer sozialen „Wertschätzungsschleife“ werden und in einen Kreislauf der sozialen Bestätigung geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gebe.

„Den Zeitkrieg erklären“

Opaschowski fordert nun Konsequenzen: „Wir müssen beginnen, die Zeit der Menschen genauso konsequent zu beschützen wie ihre Privatsphäre.“ Es werde Zeit zur Gegenwehr oder zum Boykott. Die Verbraucher müssten den sozialen Medien „den Zeitkrieg erklären“. Andernfalls liefen sie Gefahr, ihren Zeitwohlstand zu verlieren und ihre persönliche und soziale Lebensqualität einzubüßen.

Der Zukunftsforscher räumte zugleich ein, dass sich die Uhr im digitalen Zeitalter nicht mehr zurückdrehen lasse. Aber man könne sie für Momente anhalten. Insbesondere Jugendliche sollten neue Wege aus der Zeitfalle finden. Opaschowski rät ihnen: „Die Angst überwinden, im Leben etwas zu verpassen, wenn man nicht alles mitmacht.“ Ein weiterer Tipp lautet: „Die Hängematte wiederentdecken und sich öfter fragen: Was ist eigentlich wichtig für mich und was nicht?“



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Jugendgang verprügelt 17-Jährigen

BacknangJugendgang verprügelt 17-Jährigen

Ein 17-Jähriger wird am Dienstag von einer Jugendgang in Backnang verprügelt. Foto: dpa

Backnang – Eine vierköpfige Jugendgruppe hat am Dienstagabend einen 17-Jährigen in Backnang (Rems-Murr-Kreis) verprügelt.

Wie die Polizei mitteilt, war das Opfer gegen 20.20 Uhr mit seinem Fahrrad auf einem Verbindungsweg zwischen Maubach und Waldrems in Richtung des Gewerbegebiets von Waldrems unterwegs. Dort wurde er von der Jugendgruppe angehalten und nach Geld gefragt. Nachdem er erwiderte, keines zu haben, wurde er vom Fahrrad gezogen und mehrmals in den Bauch geschlagen. Dabei wurde er festgehalten. Danach flüchteten die Jugendlichen in Richtung Maubach.

Diese werden als etwa 16 bis 18 Jahre alt beschrieben. Sie waren mit Schildmützen und schwarzen Bomberjacken bekleidet. Der Haupttäter war etwa 1,75 Meter groß, stämmig, trug einen Vollbart sowie orange/blaue Airmax-Schuhe von Nike. Das Polizeirevier Backnang hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet um weitere Hinweise auf die Personengruppe. Die Jugendlichen fielen unter Umständen vor oder nach der Tat im Bereich Maubach oder Waldrems auf. Hinweise werden unter der Telefonnummer 07191/9090 entgegengenommen.

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Gaga-Begriff gewinnt Wahl: „I bims“, das Jugendwort


30 Begriffe stehen für das Jugendwort 2017 zur Auswahl. Doch am Ende kann es nur einen Sieger geben, in diesem Jahr macht „I bims“ das Rennen. Von der Schlüssigkeit her geht da vielleicht noch was.

„I bims“ ist das „Jugendwort des Jahres“. Es bedeute, „Ich bin“, teilte der Langenscheidt-Verlag in München mit. Zur Auswahl hatten 30 Begriffe gestanden, die zeigen sollen, wie die Jugend von heute spricht.

Eine 20-köpfige Jury hatte das Wort gewählt. In einer unverbindlichen Online-Abstimmung war „I bims“ auf dem zehnten Platz gelandet.

Spitzenreiter war der Ausdruck „Geht fit“ als Bezeichnung für etwas, das klar geht. Auf Platz zwei folgte „napflixen“ für ein Nickerchen während eines Films. Zur Auswahl standen zudem Wörter wie „gefresht“ (satt), „unfly“ (uncool) und „schatzlos“ (Single).

„Vong … her“

Populär wurde „I bims“ durch die Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“, die Bilder mit Texten voller Rechtschreibfehler und Verballhornungen kombiniert. Von dort stammt auch der Gaga-Begriff „vong … her“.

Rund eine Million Stimmen waren diesmal für das Jugendwort abgegeben worden – laut Verlag so viele wie noch nie.

Im vergangenen Jahr lag „isso“ als Zustimmung oder Unterstreichung von etwas vorne. Die Jury entschied sich aber für „Fly sein“, einen Begriff aus der Hip-Hop-Szene, der so viel heißt wie: jemand oder etwas „geht besonders ab“.

Die Wahl ist eine Werbeaktion des Langenscheidt-Verlags für sein Jugendsprachen-Lexikon und findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Bei der Auswahl wird häufig hinterfragt, ob die Beispiele wirklich dem Sprachgebrauch von Jugendlichen entsprechen.



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