Kategorie -Jugendliche

Smartphones können Kinder krank machen

Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen können schon bei Säuglingen auftreten. Deutschlands Kinderärzte raten deshalb: Smartphones sollen erst ab 12 Jahren genutzt werden. Denn zuviel Daddeln – so eine neue Studie – kann krank machen.  

Mangelnde Konzentration, Zappeligkeit, Fettleibigkeit – das können Folgen übermäßiger Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen sein. Die Bundesdrogenbeauftragte zeigt sich bei der Vorstellung einer neuen Studie alarmiert. Experten raten zu Grenzen und festen Regeln – ein Überblick:

Wann können Handys zum Risiko werden?

Laut der neuen Studie ist das Risiko von Konzentrationsstörungen bei mehr als einer halben Stunde Smartphone-Nutzung pro Tag bei Zwei- bis Fünfjährigen drei Mal höher als normalerweise, bei Acht- bis Dreizehnjährigen sogar sechs Mal höher. Auch die Sprachentwicklung kann bei Jüngeren behindert werden, das Risiko für motorische Hyperaktivität liegt 3,5 Mal höher.

Welche Folgen können noch auftreten?

Die Studienautoren sagen, sie hätten auch Hinweise gefunden, dass Säuglinge eher Bindungsstörungen entwickeln, wenn Mütter neben der Betreuung ins Handy gucken. Auch der Konsum von Süßigkeiten und gezuckerten Getränken bei Kindern steige im Schnitt bei regelmäßiger Smartphonenutzung – und damit das Risiko, dick zu werden.

Ist Fernsehen genauso riskant?

Nicht ganz – so die Erhebung. Das Risiko von Konzentrationsstörungen liege bei mindestens einer halben Stunde Fernsehen pro Tag bei Zwei- bis Fünfjährigen nur zwei Mal höher, bei den Acht- bis Dreizehnjährigen fünf Mal höher – jeweils etwas weniger als bei Smartphones.

Wie kamen die Ergebnisse zustande?

In 79 Kinderarztpraxen bundesweit wurden Fragebögen für mehr als 5500 Teilnehmer ausgefüllt, befragt wurden die Kinder, bei kleinen Kindern die Eltern. Laut den Studienautoren ist die Erhebung repräsentativ.

Waren frühere Computerspiele nicht genauso riskant?

Studienautor Rainer Riedel meint: Nein. Denn die Verbreitung der Smartphones sei größer, so der Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung Köln. Und Kinder und Jugendliche könnten mit den kleinen Geräten auch leichter unbemerkt in die virtuelle Welt versinken – manchmal stundenlang.

Ab wann sollen Kinder überhaupt Smartphones bekommen?

Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sagt: „Ein Handy braucht ein Kind nicht vor dem 12. Geburtstag.“ Die Medien-Pädagogin Kristin Langer gab zu bedenken, Smartphones seien teuer und dürften nicht geklaut werden. „Ein Smartphone ist also auch mit mehreren Stressfaktoren belegt, das kann ein zehnjähriges Kind belasten.“ Gerade die Kleinen schickten sich aber eher harmlose Dinge zu.

Wie häufig nutzen Kinder Handy oder Smartphone?

Laut der „KIM-Studie“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest nutzen 67 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen Handy oder Smartphone selten oder öfter. Das Kommunizieren mit Textnachrichten steht bei 38 Prozent von ihnen an erster Stelle, etwa jeder Vierte nutzt täglich Apps oder das Internet.

Was sollten Eltern tun?

Pädagogin Langer rät dazu, dass Eltern beim Elternabend Bedenken ansprechen – dann falle es gemeinsam leichter, den Kindern den Wunsch nach einem Smartphone noch nicht in der fünften oder sechsten Klasse zu erfüllen. „Wichtig ist, passwortgeschützte Sicherheitseinstellungen vorzunehmen, so dass Kinder nicht allein ins Internet gehen können“, sagt sie.

Kinderarzt Büsching rät zu einer automatischen Zeitabschaltung. Vor dem Handykauf sollten Eltern und Kinder Regeln vereinbaren – in Form eines Vertrags. Die Eltern müssten dann aber auch gucken, ob die Regeln eingehalten werden.

Was sollten Eltern noch beachten?

Sie sollten darauf hinwirken, dass ihre Kinder andere Dinge tun, die ihnen Spaß machen – malen, klettern, schwimmen, Fußballspielen. Handyfreie Zeit und handyfreie Orte könnten helfen, so der Experte Riedel.

Gibt es auch technische Angebote für mehr Jugendschutz?

Ja, etwa die Filtersoftware JusProg, die die Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten im Internet schützt. Riedel meint zudem, gegen mögliches Online-Mobbing kann es helfen, wenn Eltern die Chats der Kinder mitlesen.

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Unschuldig hinter Gittern von Hohenschönhausen: Hans Schulze klärt auf

Unschuldig hinter Gittern von Hohenschönhausen: Hans Schulze klärt auf

Es wird irgendwann mal eine Situation geben, in der Sie so eine Angst haben, dass Sie sich wortwörtlich in die Hose machen. Und diese Angst, so müssen Sie sich das vorstellen, hatte man dort jeden einzelnen Tag“, erinnert sich Hans Schulze. 1986 saß er zu Unrecht achteinhalb Monate im Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit war in der Zeit von 1945 bis 1989 in Betrieb. Dort waren mehr als 11 000 Menschen inhaftiert, die dem kommunistischen Regime im Wege standen. Nachdem alle Häftlinge nach dem Mauerfall befreit worden waren, drohten die Gebäude zu verfallen. Das änderte sich jedoch 1994, als in diesen Räumlichkeiten die Gedenkstätte gegründet wurde. Sie hat die Aufgabe, die Geschichte der Haftanstalt zu erforschen, mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen darüber zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen.

200 Zellen und Vernehmerzimmer

Die inmitten der Plattenbauten stehende Gedenkstätte fällt nur aufgrund der hohen, sie umgebenden Mauern auf. Ist die Mauer jedoch durchquert, sieht man das große gelbliche Gebäude mit vergitterten Fenstern, in dem sich mehr als 200 Zellen und Vernehmerzimmer befinden. Die Zellen sind mit großen Türen mit schweren Türriegeln versehen. In einigen befindet sich noch heute die alte Möblierung, die lediglich aus einem kleinen Bett, einem Tisch mit einem Stuhl sowie einem Waschbecken besteht. An einem Haken hängt ein blauer Häftlingsanzug, den alle Insassen zu tragen hatten. Wegen ihrer geographischen Lage in der Bundeshauptstadt gilt die Gedenkstätte als einer der wichtigsten Erinnerungsorte für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland. Die Führungen durch die Gedenkstätte werden größtenteils von Zeitzeugen, die das Geschehen hautnah miterlebt haben, begleitet. Dabei werden die Informationen über die Haftbedingungen und Verhörmethoden im ehemaligen Stasi-Gefängnis um persönliche Erfahrungen und Schicksale ergänzt.

Inoffizielle Top-Agentin

Der 1952 geborene West-Berliner Hans Schulze arbeitete für einen westdeutschen Chemiekonzern, bei dem er für das gesamte DDR-Geschäft zuständig war. Im März 1986 lernte er auf dem Weg zur Leipziger Messe eine junge Ost-Berlinerin an einer DDR-Raststätte kennen. Aus dieser Begegnung entwickelte sich später eine Beziehung, in deren Verlauf er erfuhr, dass seine Freundin den Plan hatte, aus der DDR zu fliehen. „Was ich zu dieser Zeit nicht wusste, war, dass sie in Wahrheit eine inoffizielle Top-Agentin der Staatssicherheit war“, erklärt Schulze. Deshalb versuchte sie zunächst auf legalem Weg aus der DDR auszureisen, indem sie ihrem Führungsoffizier anbot, im „Operationsgebiet“ als Agentin tätig zu werden. Als dies abgelehnt wurde, suchte sie sich eine andere Möglichkeit, die DDR zu verlassen. So habe sie laut Schulze der Staatssicherheit mit dem Verrat von Staatsgeheimnissen gedroht, wenn sie nicht ausreisen dürfe. Da der Staatssicherheit die Beziehung der beiden bekannt war, vermutete man, er würde sie bei ihrem Plan unterstützen.

In eine abgelegene Villa außerhalb Berlins

„Als ich nach der Leipziger Herbstmesse 1986 die DDR verlassen wollte und an der Grenze zu einer intensiven Kontrolle angehalten wurde, wurde mir klar, was die Uhr geschlagen hatte“, erinnert sich Schulze. Er hatte Wertgegenstände, einen großen Geldbetrag sowie einen von seiner Freundin verfassten Brief bei sich. In diesem Brief waren Stasi-Geheimnisse vermerkt, die sie von ihrem Ex-Mann erfahren hatte, der ebenfalls ein hochangesehenes Mitglied der Staatssicherheit war. Hans Schulze hatte den Brief nicht gelesen, da er ihn nur nach West-Berlin bringen und in einem Bankschließfach deponieren sollte. So wurde er unter dem vorläufigen Verhaftungsgrund § 97 „Spionage“ festgenommen und am selben Abend von zwei Herren in schwarzen Lederjacken in eine abgelegene Villa außerhalb Berlins gebracht. In einen vergleichsweise freundlich gestalteten, wohnzimmerähnlichen Verhörraum musste er sich erneut für die Funde in seinem Auto rechtfertigen. Am nächsten Morgen wurde er in einem komplett abgedunkelten Wagen nach Hohenschönhausen gebracht.

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Realschüler helfen Kindern in Not

LeonbergRealschüler helfen Kindern in Not

Jugendliche helfen Kindern. Foto: factum/Granville

Leonberg – Stolz schichten die Schülerinnen und Schüler der Gerhart-Hauptmann-Realschule (GHR) die Pakete im Foyer der Schule auf. Die 59 Kartons bilden schon eine kleine Wand, hinter der sich die Jüngeren fast verstecken können. Die Jugendlichen, die sich alle in der Schülermitverantwortung (SMV) engagieren, sind zufrieden, denn sie wissen, dass sich in Kürze 59 Kinder in Albanien über den Inhalt der Pakete freuen werden.

Mit der ersten SMV-Aktion im Schuljahr 2012/2013 stehen die Schülerinnen und Schüler der Gerhart-Hauptmann-Realschule Kindern bei, mit denen es das Leben nicht so gut meint und die sich nicht so viel leisten können wie sie selbst. Die Schule beteiligt sich nämlich an der Aktion „Kinder helfen Kindern“ der Hilfsorganisation Adra Deutschland.

„Die Anregung kam von Brigitte Thiel, der Mutter eines unserer Schüler, die diese Aktion schon seit mehreren Jahren betreut“, sagt die Verbindungslehrerin Ina Gutekunst. Die beiden SMV-Lehrer Gutekunst und ihr Kollege Jens Reina-Schiffers haben daraufhin die 38 Klassensprecher der GHR in der ersten SMV-Sitzung Anfang Oktober über diese Aktion informiert mit der Bitte, dass sie diese Informationen an ihre Klassen weitergeben mögen.

„Unser Hauptgedanke war der, dass sich jeder Schüler beteiligen kann, egal wie alt er oder sie ist“, sagt Ina Gutekunst. Denn jeder Schüler habe Spielsachen zuhause, die noch völlig in Ordnung seien, aber die man trotzdem einem anderen Kind schenken wolle. „Außerdem musste ja niemand einen Karton alleine packen, sondern die gesamte Klasse konnte sich um einen Karton kümmern und ihn mit Spielsachen, Schulsachen, Hygieneartikeln wie Zahnbürste oder Kamm, Süßigkeiten sowie Wärmespendern wie Mütze, Schal oder Handschuhe packen.“

Das Mitmachen war keine Pflicht, sondern jeder Schüler durfte entscheiden, ob er sich beteiligt oder nicht. Doch der Eifer sei überwältigend gewesen. „Plötzlich bekam die Aktion eine tolle Eigendynamik und alle Klassen machten mit“, sagt die Lehrerin Ina Gutekunst erfreut. In den Klassen wurde festgelegt, was jeder bringen kann und will. „Auch die Eltern haben gerne mitgemacht, denn vieles wurde auch neu gekauft“, sagt die SMV-Lehrerin.

So können die 19 Klassen der Gerhart-Hauptmann-Realschule am Ende der Aktion insgesamt 59 Hilfspakete auf den Weg nach Albanien schicken, denn in diesem Jahr sammelt Adra in Baden-Württemberg Pakete für das arme Balkanland. „In den 13 Jahren, seit es die Adra-Aktion ,Kinder helfen Kindern’ gibt, haben wir auch Pakete in andere Länder im ehemaligen Jugoslawien oder nach Moldawien geschickt“, erinnert sich die Leonbergerin Brigitte Thiel.

Mit fast 400 000 solcher Hilfspakete in den 13 Jahren hat die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe dafür gesorgt, dass Kinder in armen Familien und Kinder in Heimen zu Weihnachten nicht leer ausgehen, sondern ein Geschenk erhalten haben. Die Aktion „Kinder helfen Kindern“ ist dabei nur eines der Adra-Projekte, denn der Schwerpunkt liegt bei Projekten in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Ernährung, also Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Not der Kinder und ihrer Familien dauerhaft gelindert wird. „Es ist immer gut, wenn die Kinder und Jugendlichen lernen, etwas vom eigenen Wohlstand abzugeben, im Wissen, dass es vielen Kindern nicht so gut geht “, lobt die GHR-Schulleiterin Christiane Schwellinger die Aktion. „Etwas Eigenes abzugegeben und sich dabei vorzustellen, was ein anderes Kind wohl benötigen könnte, ist ein gutes Lehrstück gewesen“, meint die Pädagogin.

Derweil ist im Schulfoyer plötzlich viel Bewegung. Die Schüler schnappen sich die Pakete und laden das Auto von Brigitte Thiel voll. „Das haben wir gut gemacht“, meint eine Achtklässlerin stolz und verfrachtet ein weiteres Paket ins Auto.

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Durch die Methoden der Stasi gebrochen: Drei Zeitzeugen berichten

Durch die Methoden der Stasi gebrochen: Drei Zeitzeugen berichten

Weil ich mich in diesem Staat nicht frei fühle“, antwortete Helmuth Frauendorfer als 14-Jähriger auf die Frage seiner Deutschlehrerin, warum er nichts Lustigeres und Hoffnungsvolleres schreibe. Früh in die Fänge des rumänischen Geheimdienstes Securitate geraten, weiß der Banater Schwabe und spätere Schriftsteller genau, was es bedeutet, Verfolgter in einem totalitären Regime zu sein. Deshalb engagiert er sich heute im ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen. Als stellvertretender Direktor der Gedenkstätte steht er in engem Kontakt mit Zeitzeugen, die seit ihrer Kindheit und Jugend ebenfalls Unrecht erlebt haben.

Die Lehrer schikanierten ihn

Die sozialistische Erziehung der DDR-Bürger begann bereits im Kindergarten: Ein durchgetakteter Tagesplan schränkte eigenes und kreatives Denken ein. Die Erziehungsdiktatur zielte darauf ab, eine Individualisierung der Kinder zu verhindern und sie ideologisch gleichzumachen. „Die Lehrer hassten mich, weil ich als Einziger schon lesen konnte“, erinnert sich Mischa Naue, der 1984 als junger Erwachsener vier Monate in Hohenschönhausen inhaftiert war. Da seine Oma Hedwig ihm im Vorschulalter das Lesen beigebracht hatte, unterschied er sich von seinen anderen Klassenkameraden. Daher schikanierten ihn seine Lehrer regelmäßig, nicht selten wurde er vom Unterricht ausgeschlossen. Einige Schuljahre später, von seinen zwei besten Freunden bespitzelt, wurde er mit 14 Jahren von der Schule verwiesen und zu einer Lehre als Gleisbauer gezwungen.

Zu funktionierenden Zahnrädern erziehen

„Als Lehrer waren wir nach Maßgabe der SED Beauftragte des Arbeiter-und-Bauern-Staates und hatten die Vorgaben der SED als Staatsfunktionäre umzusetzen“, erklärt Birgit Siegmann, ehemalige Geschichts- und Staatsbürgerkundelehrerin, die sich seit 1990 durchaus selbstreflektiert in verschiedenen Projekten mit der Aufarbeitung der DDR-Erziehungsdiktatur beschäftigt, derzeit als Besucherreferentin in der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Allgemein galt für die Lehrer in der DDR, alle anderen Systeme, insbesondere das der Bundesrepublik Deutschland, abzulehnen. „So wollten sie die Schüler zu funktionierenden Zahnrädern der Diktatur erziehen“, erklärt Mario Röllig, den die Stasi 1987 als 19-Jährigen wegen versuchter Republikflucht für drei Monate in Hohenschönhausen festhielt. Auch er wurde bereits in seinen Kinder- und Jugendjahren durch das Unrecht, das er während des Schulalltags erleiden musste, stark geprägt.

Denunziert wegen eines Beckenbauer-T-Shirts

Als Siebenjähriger zum Beispiel trat er an einem Montagmorgen zum Fahnenappell an, einem Ersatz für in der DDR verhasste religiöse Rituale, und trug dabei stolz ein knallgelbes T-Shirt mit einem Aufdruck von Franz Beckenbauer, das ihm seine Tante aus dem Westen geschickt hatte. Zwei Lehrer zeigten sich schockiert, denunzierten ihn beim Schulleiter, der Rölligs Klasse aufsuchte und ihn vortreten ließ: „Schaut euch euren Mitschüler an. Der trägt ein T-Shirt eines Fußballspielers aus dem Westen, der vom Klassenfeind für seinen Sport Geld bekommt. Wollen wir hier in unserer Schule weiterhin so etwas sehen?“ Die Klasse musste geschlossen „nein!“ schreien. Als Teenager stellte er dann aus jugendlicher Selbstverständlichkeit kritische Fragen. Im Geschichtsunterricht zum Thema „Berliner Mauer“ wurde den Schülern beigebracht, dass diese einen antifaschistischen Schutzwall darstelle, woraufhin Röllig die Frage stellte: „Wo sind denn die Faschisten? Vor oder hinter dem Schutzwall?“ Bewussten politischen Widerstand habe er mit solchen Äußerungen aber nicht leisten wollen. Denn die nötige Erkenntnis war zu diesem Zeitpunkt für viele Jugendliche noch nicht vorhanden.

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Erster Freund: Wenn plötzlich ein Fremder im Badezimmer steht

Die ersten zaghaften Beziehungen von Teenagern nehmen Eltern oft noch nicht ernst. Aber wenn der Nachwuchs zum ersten Mal den Freund oder die Freundin zum Übernachten mit nach Hause bringen, kommt schnell Panik auf. So sollten Väter und Mütter mit der Situation umgehen.

Das Wort „übernachten“ beinhaltet für die meisten Eltern automatisch Sex. Die Vorstellung, dass die eigene Tochter oder der eigene Sohn – gerade erst den Kinderschuhen entwachsen – bereits sexuell aktiv ist und das vielleicht auch noch, während man selbst im Zimmer nebenan verzweifelt auf den Schlaf wartet, ist oft unerträglich. Genau wie die Vorstellung, morgens beim verschlafenen Gang ins Badezimmer auf einen fremden Jüngling bei seinen Rasierversuchen zu treffen.

Aufklärung beginnt lange vorher

Auf die Sexualität von älteren Jugendlichen haben Eltern nur noch wenig Einfluss. Das Umfeld spielt da eine viel größere Rolle, denn mit den eigenen Eltern darüber zu sprechen, ist den meisten peinlich. Das Grundwissen über Geschlechtsverkehr und Verhütung sollte in diesem Alter sowieso vorhanden sein. Bei Jugendlichen genügt es, darauf hinzuweisen, dass man jederzeit für Fragen zur Verfügung steht. Und manchmal kann es auch hilfreich sein, auf ein entsprechendes Buch oder Informationsbroschüren zurückzugreifen.

Eltern als sichere Basis

Eltern können trotzdem auch jetzt noch viel machen, damit ihre heranwachsenden Kinder den Start ins Beziehungsleben positiv erleben. Vertrauen und Selbstbestimmtheit sind die Voraussetzung, um Verantwortung für sich und den Partner zu übernehmen. Das bedeutet aber nicht, dem Jugendlichen das Gefühl zu geben, dass es einem egal sei, was er tue. Alle Freiräume zuzugestehen, wird häufig als Gleichgültigkeit empfunden und nicht als Vertrauensbeweis verstanden.

Willkommen in der Familie

Eltern machen es allen Beteiligten am leichtesten, wenn sie dem ersten Freund oder der ersten Freundin des Kindes offen gegenübertreten und ihn oder sie in der Familie willkommen heißen, rät Joachim Armbrust, Diplom-Sozialpädagoge aus Schwäbisch-Hall und selbst Vater von zwei Kindern. Sie sollten den Gast freundlich begrüßen, ihm jedoch auch Zeit geben, in der Familie anzukommen. „Teenager mögen es nicht, wenn man sie überfällt“, fügt der Experte hinzu.

Neugierige Fragen seien nicht angebracht und verschüchterten Jugendliche eher. „Um mehr über den Partner des Kindes herauszufinden, könnte man ihn beispielsweise in Familienrituale wie gemeinsames Kochen integrieren oder ihn zu Aktivitäten einladen“, schlägt Armbrust vor. Das lockere den Kontakt zwischen Eltern und dem ersten Partner der Tochter oder des Sohnes.

Zum Erwachsenwerden gehören nicht nur mehr Rechte

Teenager wollen ernst genommen werden. Und man kann im Gegenzug durchaus für mehr Rechte auch zusätzliche Pflichten einführen, mit denen der Nachwuchs zeigen kann, dass er sich tatsächlich erwachsen verhält. Dazu gehört, die Bedürfnisse der Eltern zu respektieren und zum Beispiel gemeinsam mit dem Übernachtungsgast gewisse Regeln zu beachten und gegenseitig die Privatsphäre zu respektieren.

Kontrolle sollte vermieden werden

Auch wenn man als Elternteil theoretisch bereit dazu ist, sich nicht in das Intimleben der eigenen Kinder einzumischen, so führt doch die Angst um das Kind oft zu einer (eigentlich ungewollten) Kontrolle. Man will sein Kind schützen: vor dem falschen Partner, vor negativen Erfahrungen, vor einem schlechten Umfeld… Diese Kontrolle stört die Vertrauensbasis, löst heftige Diskussionen aus. Oft werden Verbote ausgesprochen, die mit ziemlicher Sicherheit sowieso ignoriert werden. Im schlimmsten Fall lassen sich Jugendliche aus Trotz zu Dingen Verleiten, mit denen sie sich sonst noch Zeit gelassen hätte.

Ein Zeichen der Abgrenzung

Besser ist es, den Jugendlichen in seiner Entwicklung zu unterstützen, offen zu sein ohne zu drängen oder sich einzumischen, ihm oder ihr mit einem Rat zur Seite zu stehen, wenn das gewünscht ist und sich sonst zurückzuhalten. Das gilt bereits dann, wenn einem der erste Freund oder die erste Freundin vorgestellt wird. Dies ist ein deutlich gesetztes Zeichen der Ablösung von den Eltern und die unausgesprochene Bitte um Anerkennung der persönlichen Reife. Es ist aber auch ein sehr schöner Vertrauensbeweis den Eltern gegenüber. Und nur, wenn ein offenes und tolerantes Klima in der Familie herrscht, ist es möglich, die erste Liebe ohne Notlügen, heimliche Dates und schlechtes Gewissen zu erleben.

Die Gefühle des Teenagers respektieren

Am besten ist es, dem neuen Gast genauso freundlich und offen gegenüberzutreten wie jedem anderen und ihn nicht auszufragen. Indiskrete Fragen sollten tabu sein, genauso wie das Betreten des Zimmers unter einem Vorwand. An dieser Stelle ist es wichtig, die Gefühle seines Kindes nicht zu verletzen. Auch dann nicht, wenn einem der gewählte Partner nicht gefällt. Es ist allein die Entscheidung des Teenagers und für diesen eine sehr wichtige Erfahrung im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Und wenn es ganz schlimm kommt und man sich so gar nicht mit dem Partner des Kindes anfreunden kann, dann kann man sich ja vor Augen halten, dass die erste Beziehung selten ein Leben lang hält.

Die gewohnte Umgebung schafft Sicherheit

Eines sollte man sich jedenfalls immer wieder bewusst machen: Die erste Liebe ist etwas ganz Besonderes. Und Sex kann man nicht nur nachts in einem Bett erleben. Allein die Tatsache, dass die Jugendlichen in einem Zimmer übernachten, muss nämlich nicht unbedingt bedeuten, dass sie bereits miteinander schlafen. Im Gegenteil: Wird ihnen auf diese Art und Weise die Freiheit gelassen, selbst zu entscheiden, so kommt es – aufgrund der ausbleibenden Trotzreaktion – oft deutlich später zum Geschlechtsverkehr und es wird zunächst einfach der Raum für Nähe genossen. Hinzu kommt, dass sich der Teenager, und das betrifft vor allem die Mädchen, in der eigenen Umgebung sicherer fühlt und dann auch nur soviel zulässt, wie er bereit ist zu gehen.

Machen Eltern sich strafbar?

Viele Eltern haben Bedenken, sie könnten sich des Verdachts der Kuppelei aussetzen, wenn sie den Freund oder die Freundin des eigenen Nachwuchses bei sich übernachten lassen. Doch die aktuelle Rechtslage lässt da einigen Spielraum. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass ein Jugendlicher ab dem vollendeten 14. Lebensjahr in der Lage ist, in einem gewissen Rahmen seine Sexualität selbstbestimmt zu leben. Jeder sexuelle Kontakt zu Kindern unter 14 Jahren ist aber grundsätzlich strafbar. Sind beide unter 14, gilt das allerdings nicht.

Schwierig wird es nur dann, wenn zum Beispiel der Junge 14 und das Mädchen 13 Jahre alt ist. Theoretisch könnten die Eltern des Mädchens dann Anzeige erstatten. Hier gilt – natürlich vorausgesetzt die Beziehung verläuft von beiden Seiten auf freiwilliger Basis: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Sexuelle Selbstbestimmung mit Vollendung des 14. Lebensjahres

Ab dem 14. Lebensjahr bekommen Jugendliche vom Gesetzgeber eine Eigenverantwortlichkeit zugestanden, allerdings darf kein Abhängigkeitsverhältnis bestehen, kein Zwang ausgeübt werden und kein Geld fließen. Es geht dem Gesetzgeber im Paragraph 180 StGb (Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger) darum, genau diese Dinge zu regeln. Er ist nicht auf Sorgeberechtigte anzuwenden, es sei denn, sie verletzen ihre Erziehungspflicht.

Das bedeutet, Eltern dürfen ihren Kindern das erlauben, was sie im Rahmen einer verantwortungsbewussten Sexualerziehung für angebracht halten. Grob gesagt kann man davon ausgehen, dass angebracht das ist, was ein Großteil der Bevölkerung für vertretbar halten würde.

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„Kein Land für junge Männer“: Italiens verlorene Generation


Italiens Jugendarbeitslosigkeit liegt seit sechs Jahren über 30 Prozent. Allein im Jahr 2015 sind rund 50.000 Italiener unter 40 Jahren ausgewandert. Italien „blutet aus“, sagen Fachleute. Nun reagiert die Regierung. Aber ihr Spielraum ist begrenzt.

Eine beliebte Radiosendung in Italien heißt in Anlehnung an einen bekannten Filmtitel „No Country for Young Men“ (Kein Land für junge Männer). Angesichts einer stagnierenden Wirtschaft, die insbesondere jungen Männern und Frauen kaum Möglichkeiten bietet, verwundert das kaum.

Italiens Jugendarbeitslosigkeit liegt seit sechs Jahren über 30 Prozent. Allein im Jahr 2015 sind rund 50.000 Italiener unter 40 Jahren ausgewandert, um anderswo zu arbeiten. Knapp die Hälfte von ihnen ging mit Universitätsabschluss. Italien „blutet aus“, was junge Talente betrifft, sagt Luca Paolazzi, Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbands Confindustria. Die Auswanderungen kosten Italien rund ein Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr, ist er überzeugt. „Wir sprechen hier von einer echten Krise.“

Die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat die Situation erkannt und will jetzt gegenzusteuern. Der kommende Haushalt werde Maßnahmen vorsehen, um Unternehmen dazu zu motivieren, junge Menschen einzustellen, verspricht sie. „Mit Blick auf die Grenzen des Etats gibt es zwar sehr wenig Mittel (für mehr Staatsausgaben)“, sagte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan. Trotzdem werde die Jugendarbeitslosigkeit aber „mit Sicherheit eines der sehr wenigen Themen sein, die bei den Haushaltsplanungen angegangen werden“.

Weniger Sozialabgaben für Junge

Derzeit liegt die Idee auf dem Tisch, für neu eingestellte Arbeitnehmer unter einem bestimmten Alter die Sozialabgaben zu senken. Für Arbeitgeber fallen damit für frisch eingestellte junge Arbeitnehmer die Kosten, die sie neben dem Lohn bezahlen müssen – wodurch es für sie attraktiver wird, junge Menschen anzuheuern. Darüber hinaus erwägt Italiens Regierung, bis zu einer halben Million Angestellte im öffentlichen Dienst in den vorgezogenen Ruhestand zu schicken. So will sie diese Jobs für junge Arbeitnehmer freigeben.

Kritiker bemängeln, dass die Senkung der Sozialabgaben Firmen auch lediglich dazu bringen könnte, angestellte junge Menschen wieder zu entlassen, sobald sie älter werden und die – noch festzulegende – Altersgrenze überschreiten. Und das Versprechen neuer Jobs beim Staat wirkt für einige wie ein Wahlgeschenk – Gentilonis Regierung muss sich kommendes Jahr der Wiederwahl stellen. 

Eine ökonomische Beratungsfirma hat im März eine radikalere Lösung vorgeschlagen: Wohlhabende Rentner sollen mit einer Steuer belegt werden, um von diesem Geld Wohlfahrtsmaßnahmen für Jüngere zu finanzieren. Das sei „nicht nur von einem ethischen Standpunkt aus angemessen, sondern auch sozial und wirtschaftlich sinnvoll“. Die Denkfabrik hat berechnet, dass das Alter, in dem junge Italiener durchschnittlich erwarten können, finanziell von ihren Eltern unabhängig zu werden, immer weiter steigt: Lag es im Jahr 2004 noch bei 30 Jahren, soll es bis 2020 auf 38 steigen, bis 2030 gar auf 48.

Angewiesen auf Hotel Mama

Viele von ihnen überleben nur, weil es sozial akzeptiert wird, auch mit über 30 noch zu Hause zu leben, ist sich auch Alessandro Rosina, Demografie-Professor an der Katholischen Universität Mailand, sicher. Ein gewisses Einkommen verdienten sie nebenher schwarz. Ein besonderes Beispiel für die Situation der jungen Generation in Italien ist Enzo Lattuca. Der 29-Jährige ist der jüngste Abgeordnete des italienischen Parlaments. Knapp ein Drittel seiner Mitschüler seien ausgewandert, sagt er. Das sei aber kein Grund, die Jungen gegen die Alten auszuspielen.

„Ich glaube nicht an die Idee, dass der einzige Weg, die Jungen besser zu stellen, darin liegt, die Älteren schlechter zu stellen“, sagt Lattuca, Parteikollege von Ministerpräsident Gentiloni. Italiens Gewerkschaften bringen sich mit ähnlichen Argumenten in Stellung. Pläne der Regierung, das Renteneintrittsalter im Jahr 2019 um fünf Monate – auf 67 Jahre – zu erhöhen, lehnen sie strikt ab. Zugleich solle die Regierung aber auch „die künftigen Renten der jungen Menschen unterstützen“.

Kann es genug für jeden geben? Auch wenn Italiens Wirtschaft beginnt, nach der Krise besser zu laufen, sitzt das Land auf einem riesigen Schuldenberg – der Spielraum für neue Staatsausgaben ist stark begrenzt. „Ist die Decke kurz, wird es schwer, alle warm zu halten“, fasst es Massimiliano Valerii zusammen, Direktor des Sozialforschungsinstituts Censis. Valerii verweist zudem auf sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung. „Es ist eine Tatsache, dass wir heute weniger junge Menschen haben als früher – das macht die Jüngeren politisch weniger relevant“, sagt der Sozialforscher über Italiens Gesellschaft. „Es ist traurig, aber alte Menschen, die für Renten kämpfen, haben mehr Einfluss als junge Menschen, die für Arbeitsplätze kämpfen.“



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Hoher Schaden nach Feuer in Asylbewerberunterkunft

Brand im EnzkreisHoher Schaden nach Feuer in Asylbewerberunterkunft

Engelsbrand – Ein Feuer in einer Asylbewerberunterkunft in Engelsbrand (Enzkreis) hat am Montag einen hohen Schaden angerichtet. Menschen wurden nicht verletzt, teilte die Polizei mit.

Demnach war der Brand in einer Unterkunft für Asylsuchende am Montag, gegen 16.35 Uhr in der Engelsbrander Grösselbergstraße ausgbrochen. Bis zum Eintreffen der örtlichen Feuerwehren hätten die insgesamt drei Bewohner das Gebäude bereits selbst verlassen. Sicherheitshalber sei ein weiteres, unmittelbar angebautes Gebäude ebenfalls geräumt worden. Verletzte worden sei bei dem Feuer niemand.

Im Zuge der von der Kriminalpolizei übernommenen Ermittlungen ergaben sich laut der Polizei hinsichtlich der möglichen Brandausbruchstelle Hinweise auf einen im Erdgeschoß betriebenen Kachelofen. Hinweise auf Brandstiftung habe man hingegen nicht gefunden. Die Ermittlungen durch das Kriminalkommissariat Pforzheim würden nun wegen des Verdachts einer fahrlässigen Brandstiftung geführt.

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Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland armutsgefährdet

Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Insgesamt 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren leben in einem Haushalt, dessen Einkommen unter der sogenannten Armutsgefährdungsschwelle liegt.

Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat, die die Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann ausgewertet hat.

Als armutsgefährdet gelten laut Eurostat Haushalte, deren gesamtes Einkommen weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens betrug. Der Eurostat-Statistik zufolge traf dies in Deutschland im Jahr 2015 für 14,6 Prozent der unter 16-Jährigen zu.

Im Jahr 2006 hatte die Zahl der armutsgefährdeten Kinder mit 1,5 Millionen noch deutlich niedriger gelegen.

3,3 Millionen können nicht in den Urlaub

Nach einer Sonderauswertung von Eurostat sind noch weit mehr Kinder von finanziellen Engpässen ihrer Eltern betroffen: So lebten 2015 etwa 3,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einem Haushalt, der sich keine Urlaubsreise leisten kann.

Dies entspreche einem Anteil von 22,6 Prozent in dieser Altersgruppe. Etwa fünf Millionen der unter 18-Jährigen – also 35 Prozent – lebten in einem Haushalt, der Schwierigkeiten hatte, unerwartete Ausgaben aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Die Situation ist „beschämend“

Zimmermann nannte es „beschämend, dass so viele Kinder von finanziellen Problemen und Einschränkungen betroffen sind“. Die Bundesregierung müsse endlich ein Konzept gegen Kinderarmut vorlegen, „verharrt aber in Untätigkeit“, sagte die Linken-Politikerin.

Zimmermann verlangte, die Leistungen für Kinder zu erhöhen und eine eigenständige Kindergrundsicherung einzuführen. Es gebe zu wenig gute Arbeit, prekäre Beschäftigung müsse zurückgedrängt werden.

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Italiens Jugend: Ciao, Mamma!


Von wegen Muttersöhnchen. Immer mehr junge, gut ausgebildete Italiener bauen sich ihre Zukunft im Ausland auf. Das bringt das traditionelle Bild der italienischen Familie ins Wanken.

„Ich würde schon gerne in Italien bleiben“ sagt Luca Guccione, ein 23 Jahre alter gebürtiger Mailänder mit einem Master in Management der London School of Economics in der Tasche. „Ich liebe dieses Land, ich liebe meine Stadt, nur für junge Leute mit meiner Ausbildung ist das Angebot alles andere als attraktiv“. Er selber habe zig Lebensläufe verschickt, ohne auch nur eine Rückmeldung zu bekommen. Jetzt hat ihn über das Netzwerk Linkedin ein englischer Headhunter kontaktiert. Und es sieht gut aus. Man hat ihm für ein Vorstellungsgespräch in London sogar das Flugticket bezahlt. Sollte er ein konkretes Angebot bekommen, wird er nach London ziehen.

Denn eine Sache stand für Luca schon immer fest: Einen Ganztagjob für 400 bis 500 Euro im Monat würde er anders als einige seiner Freunde nicht annehmen. „Natürlich wäre ich bereit, auch etwas weniger zu verdienen, um hier zu bleiben, das Geld muss aber auf jeden Fall reichen, um selbständig für meinen Lebensunterhalt aufkommen zu können.“ Viele italienische Unternehmen stellten jedoch hohe Ansprüche an die Kandidaten, ohne es aber zu honorieren. Er selber spreche auch Deutsch und Englisch fließend.

Sie wollen nur eine Chance

Die ehemalige Arbeitsministerin Elsa Fornero mahnte einst ihre jungen Landsleute, „nicht so choosy zu sein“. Doch Lucas Geschichte ist die Geschichte von Tausend anderen jungen Italienern, die weder „choosy“, wählerisch, noch „Mammoni“, Mamasöhnchen, -töchter sind. Sie wollen eine Chance haben, im Beruf sowie im Leben.

Assunta, 31 Jahre alt, aus der süditalienischen Region Apulien, erzählt der Tagezeitung „Corriere della Sera“ ihre Geschichte. Zuerst das Jurastudium in Rom, dann zwei Master in Madrid, eines in Entwicklungshilfe, das zweite in internationalem Business. Und jetzt hat man ihr eine Professur in Ecuador angeboten. „Ich freue mich irrsinnig“ schreibt sie zum Schluss. „Nach all der harten Arbeit und den Strapazen kann ich jetzt nicht für 500 Euro im Monat zurück nach Italien ziehen.“

Wunsch nach eigenständiger, selbstbestimmter Zukunft

Der Wunsch nach einer eigenständigen, selbstbestimmten Zukunft hat in den letzten acht Jahren, auch infolge der Wirtschaftskrise, 115.000 Italiener dazu bewegt, die Koffer zu packen und ihr Glück woanders zu versuchen. Die Hälfte davon ist zwischen 20 und 40 Jahre alt, ein Drittel davon hat einen Hochschulabschluss.

Die meisten versuchen, nicht all zu weit weg zu ziehen, wenn möglich in Europa zu bleiben, wie man aus einer Eurostat-Studie entnimmt. Die beliebtesten Länder sind Großbritannien, gefolgt von Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Es gibt aber auch welche, die ihr neues Zuhause viel weiter weg finden: in den USA, in Neuseeland, Australien und seit Kurzem auch in China.

Eine Migrationswelle, die sich vielleicht in nicht all zu ferner Zukunft auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes niederschlagen wird – immerhin ist eine ganze Generation gebildeter, kluger und talentierter Jugendlicher ausgewandert. Doch schon jetzt schon bringt sie das traditionelle Familienbild ins Wanken.

Natürlich kann man sich heutzutage, wo immer man sein mag, per Skype und WhatsApp auch jeden Tag sprechen und per Video sehen. Sogar zu einer gemeinsamen Kochstunde verabreden, wie es Barbara Tonelli in Rom mit ihrer Tochter Chiara in London macht. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es nicht mehr wie früher ist und wahrscheinlich auch nie wieder sein wird. Vor noch nicht allzu langer Zeit, war es Brauch, wenn nicht Tür an Tür, dann zumindest nur wenige Häuserblocks voneinander entfernt zu wohnen.

Es ist aber gar nicht die Trennung, die den Eltern zu schaffen macht, erklärte unlängst der Psychologe Massimo Ammaniti: „Es ist vielmehr so etwas wie ein Schuldgefühl, das sie quält. Sie meinen versagt zu haben, weil sie ihren Kindern keine Zukunft hier in ihrer Nähe ermöglichen konnten.“ Aber natürlich sind sie auch stolz über ihre Jungs und Töchter und kompensieren Trennung und Schuld. Vorausgesetzt, die Kinder sind jetzt nicht am anderen Ende der Welt, indem sie, dank der Billigflüge, so oft wie möglich „vorbeikommen“ und nach dem Rechten sehen.



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Ein oberbayrischer Künstler schafft Kunst aus Torf

Ein oberbayrischer Künstler schafft Kunst aus Torf

Frische Bergluft, leises Tröpfeln und überall Torf. Was wie ein Besuch im Gartencenter im Chiemgau klingt, ist tatsächlich ein Besuch im Basislager von Karl Weibl. In Schleching, einer Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Traunstein, hat sich der Künstler niedergelassen. Der 57-Jährige selbst, ruhig, schwarz gekleidet mit seinen längeren, weißen Haaren könnte glatt als Verkörperung von Yin und Yang durchgehen. „Torf ist meine Identität“, sagt Weibl, während er durch sein Atelier führt, das neben alten und hölzernen Fensterläden auch mit einer modernen, gläsernen Tür und Wänden aus Glas versehen ist. Beinahe alle Wände sind von Bilderrahmen bedeckt, die mit dunkelbraunem Torf befüllt sind. Egal, wohin der Blick wandert, dem Torf entkommt man nicht.

Über Seneca und Cicero

„Ein Meter Torf sind 1000 Jahre“, erklärt Weibl und zeigt auf vier 70 Zentimeter breite und zweieinhalb Meter hohe Bilderrahmen, die zu etwa drei Viertel mit Torf gefüllt sind, „und das sind die Wurzeln unseres Denkens.“ Es handelt sich hierbei um sein Werk „Die vier Philosophen“, das als Metapher gewachsener Menschheitsgeschichte zu verstehen ist. Die rund zwei Meter hohe Torfschichten in jedem Rahmen verdeutlichen die 2000 Jahre literarischen Einflusses der Römer Lukrez, Seneca, Cicero und Mark Aurel auf uns, beginnend bei deren Geburt bis zum heutigen Tag. Der leere, noch unbefüllte Teil stellt die Zukunft dar. Viele seiner anderen Werke befassen sich mit Shakespeare, den zwölf Aposteln oder Galileo Galilei. Der Hauptaspekt bei allen bleibt jedoch gewonnenes Wissen. „Dadurch soll uns Menschen klarwerden, dass wir auf so ein enormes, zwei Jahrtausende altes Fundament an Wissen aufbauen müssen, anstatt ganz neu anzufangen. Warum das Rad neu erfinden?“

Die kurze Zeit auf Erden ist ihnen nicht bewusst

Das Knacksen der Bodendielen, während man beim Erkunden des Ateliers von einem Bild zum nächsten wandert, wird übertönt von einem kräftigen: „Und das ist mein Leben in Torf ausgedrückt.“ Eine große, blanke Wand umhüllt von schwarzen Bilderrahmen sticht ins Auge. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man einen sechs Zentimeter hohen, im Vergleich zu den vier Philosophen aber winzigen Torfstreifen. „Vielen Menschen ist ihre kurze Zeit auf Erden gar nicht bewusst. Erst durch Visualisierungen mit Hilfe eines Naturprodukts wie Torf wird Endlichkeit klar. Nachteil dabei ist, dass man jedes Jahr eine kleine Prise nachfüllen muss, damit auch mein aktuelles Alter von 57 Jahren mit der Torfhöhe von 57 Millimetern übereinstimmt“, scherzt Weibl.

Protest gegen die Moorabbaustelle

„Schon früh, mit etwa 16, war mir klar, dass ich mit Torf Kunst machen wollte“, erzählt er entspannt in seinem Holzstuhl. „Es hat mich stark geprägt, vom Fahrrad aus das große, mystische Hochmoor Kendlmühlfilzen im Süden des Chiemsees fast täglich zu besichtigen und dabei einfach vom Alltag abzuschweifen.“ Genau deshalb ist allein der Gedanke, tatenlos zuzuschauen, wie ein Teil seiner eigenen Vergangenheit, ein Stück Identität Bayerns und das Wesen der Natur einfach für Brennstoff zerstört wird, für den jungen Weibl schlicht unerträglich gewesen und war Grund genug zum Protest gegen diese Moorabbaustelle. Mit der Hilfe von Umweltaktivisten und ehrenamtlichen Bürgern ist die Torfstichstelle heute als Bayerisches Moor- und Torfmuseum Rottau bekannt und steht seit 25 Jahren unter Denkmalschutz.

Manche Betrachter haben geweint

Eines seiner kuriosesten und berühmtesten Werke mit Torf ist immer noch das Projekt „Zeitgeschehen“, das er seit drei Jahrzehnten vorführt. Geprägt von der Einfachheit des Minimalismus und der gedankenorientierten Konzeptkunst entschälte Weibl 1987 erstmals im oberbayerischen Weiler Landertsham einen zweieinhalb Meter hohen Würfel aus Torf von seiner Schale aus Holzwänden. Mehrere Wochen wurden Blut, Schweiß und Tränen in Form von Planung, Aufregung und Arbeit vergossen. All das, damit der Torfkubus später in sich zusammenfällt. Ohne die einzelnen Holzwände, die den Torf in Form gehalten hatten, wurde aus dem einst graziösen Würfel nach einem langwierigen Prozess, der ein Jahr dokumentiert wurde, ein Haufen Torf. „Dadurch wird Vergänglichkeit klar. Manche Betrachter haben sogar geweint, als sie den Würfel sahen“, erzählt Weibl selbst heute, 30 Jahre später, noch erstaunt. Weil es so viel Mühe gekostet hat, den Torf in Würfelform zu bringen und dort bis zum Ende zu halten, könne man diese Form als die Mühe jedes Menschen interpretieren, die für eigene Ziele erbracht worden ist: sei es der Durchbruch in der Karriere oder das Aufbauen einer Beziehung, all das kostet uns Aufopferung. Und obwohl wir wissen, dass aufgrund der Vergänglichkeit all diese Errungenschaften irgendwann vorübergehen, nach Monaten, Jahren oder einem ganzen Menschenleben, sind wir Menschen doch immer diszipliniert genug, uns dafür anzustrengen.

In ganz Europa hat er ausgestellt

Weibl, der in München lebt, pendelt zwischen Ausstellungen in Wien, Venedig oder Hanau. „Es ist etwas Besonderes, mit Künstlergrößen wie Frank Stella, Robert Wilson oder Sean Scully zusammen auszustellen“, schwärmt er über seine Teilnahme an der internationalen Kunstausstellung im Vitaria-Museum in Venedig 2014. „Wahrscheinlich vorerst der größte Erfolg meines Lebens.“ In ganz Europa hat er schon ausgestellt, von Zypern über die Tschechische Republik bis Italien, zurzeit wird er unter anderem von der Galerie König vertreten und ist dreimal in der Woche am Karolinen-Gymnasium in Rosenheim als Lehrer anzutreffen, der seinen Schülern um jeden Preis das Fach Kunst näherbringen möchte. Typisch sind seine Kunstexkursionen nach Italien zu den „Floating Piers“ am Iseo-See von Umhüllungskünstler Christo vergangenes Jahr oder zur Kunst-Biennale in Venedig. „Schon als Schüler wollte ich unbedingt wissen, wie es ist, auf der anderen Seite des Unterrichts zu stehen. Ich hab es mir schwieriger vorgestellt, die Schüler heute sind so ruhig und diszipliniert, wir waren damals anstrengender.“

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