Kategorie -Studien für junge Leute

Mädchen erinnern sich eher an Träume als Jungen

Basel – Die einen rational, die anderen verträumt? Das Klischee von Jungen und Mädchen ist offenbar nicht völlig aus der Luft gegriffen, wie eine Studie der Universität Basel zeigt. Die Forscher ließen rund 5600 Jugendliche aus verschieden Schulformen Fragebögen ausfüllen. Die Fragen drehten sich um die Themengebiete Träume,
Schlaf und Stress.

Rund 20 Prozent der Befragten gaben an, sich oft oder üblicherweise am nächsten Tag an ihre Träume zu erinnern. Etwa 30 Prozent wissen dagegen am Morgen nur sehr selten oder praktisch nie, was sie geträumt haben. Die andere Hälfte der Jugendlichen erinnert sich selten bis manchmal an ihre Träume.

Wie die Forscher im Fachblatt “Journal of Adolescent Health” schreiben, gibt es einen deutlichen Geschlechterunterschied: Mädchen erinnern sich wesentlich häufiger (4,9 auf einer Skala von 1 bis 6) an ihre Träume als Knaben (4,2). Die Träume hätten für Mädchen eine größere Bedeutung als für Jungen. sagte Serge Brand von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPKBS). Sie würden weniger gut schlafen als Jungen und häufiger aufwachen. “Dadurch wechselt ihr Wach- und Bewusstseinszustand schneller, und die Chancen erhöhen sich, sich an Träume zu erinnern”, erklärte der Forscher. Mädchen würden ihrem Innenleben zudem grundsätzlich eine höhere Bedeutung geben als Jungen.

Bei Erwachsenen seien die Unterschiede in der Wahrnehmung von Träumen bereits bekannt gewesen, sagte Brand. Doch für Jugendliche existierten bislang kaum Daten. Frühere Studien hätten sich meist auf den Inhalt der Träume konzentriert, sagte Brand. So fand eine kanadische Untersuchung, dass die Träume von Jugendlichen, unabhängig vom Geschlecht, meist um fünf Themengebiete kreisen: Verfolgt werden, Fallen, sexuelle Erfahrungen, Zuspätkommen, sowie Schule, Studium und Lehrer.

Bei vielen Jugendlichen bleiben die Träume nicht folgenlos: 39 Prozent kreuzten an, die Träume beeinflussten manchmal bis immer ihre Laune am Tag darauf. 48 Prozent gaben an, das komme bei ihnen selten bis gar nie vor. Im Gegensatz zu Alpträumen stehe das Erinnern von normalen Träumen im Zusammenhang mit Gesundheit und Wohlbefinden, schreiben die Forscher. Dazu passt, dass Jugendliche, die gute Laune hatten und sich selber als gute Schläfer bezeichneten, sich auch eher an ihre Träume erinnern können.

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Zwei Millionen Kinder von Armut bedroht

Wiesbaden – Die Zahl der Kinder in Deutschland ist auf 13,1 Millionen gesunken, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mitteilte. Das sind 14 Prozent weniger als noch im Jahr 2000: Damals lebten noch 15,2 Millionen Kinder in Deutschlands Haushalten. Die rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre setzt sich damit fort – trotz Elterngeld und Kita-Ausbau.

Deutschland ist das kinderärmste Land Europas. Nur noch 16,5 Prozent der Bundesbürger sind jünger als 18 Jahre. Andere Länder wie Frankreich, Großbritannien und die Niederlande kommen auf einen Anteil von über 20 Prozent. In der Türkei ist fast jeder dritte (31,2 Prozent) der mehr als 72 Millionen Menschen jünger als 18 Jahre. Schlusslichter in Europa sind neben Deutschland Bulgarien (16,7) und Italien (16,9).

Die in Berlin vorgestellte Studie “Wie leben Kinder in Deutschland” zeigt aber noch eine weitere alarmierende Bilanz: Viele Kinder drohen in die Armut abzurutschen. Den Zahlen des Statistische Bundesamtes zufolge gelten

  • 15 Prozent der Kinder in Deutschland als arm.
  • Besonders betroffen sind dabei Kinder von Alleinerziehenden. 37,5 Prozent der von ihnen gelten als armutsgefährdet, weil die Bezüge ihrer Eltern unter dem statistischen Schwellenwert von jährlich 11.151 Euro liegen.
  • Rund ein Drittel der Kinder von Single-Eltern leben in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften.
  • Sieben Prozent der gesamten Haushalte gaben an, ihren Kindern keine regelmäßigen Hobbys finanzieren zu können.
  • Ein Fünftel der Haushalte verzichtete auf eine jährliche Urlaubsreise.
  • Elementare Bedürfnisse wie Kleidung und Essen, auch das Feiern von Geburtstagsfesten, werden in den meisten Haushalten jedoch erfüllt.

Michael Kruse, Sprecher des Deutschen Kinderhilfswerks, nannte diese Zahlen “nicht hinnehmbar”. Er forderte die Bundesregierung dazu auf, Kinder- und Jugendarmut “endlich ernsthaft zu bekämpfen”. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber machte “prekäre Arbeit und Niedriglohn” für das Armutsrisiko der Kinder verantwortlich. Huber forderte eine “faire Ordnung auf dem Arbeitsmarkt”. Dazu gehörten die Umsetzung des Prinzips “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” in der Leiharbeit, Mindestlöhne und bessere Chancen für Frauen, von Teilzeit- in Vollzeitstellen zu wechseln.

Von Armut bedroht sind Kinder der Erhebung der Statistiker zufolge vor allem in Ostdeutschland. Dort entwickeln sich auch die Geburtenraten besonders stark zurück. Im Jahr 2010 gab es in den neuen Bundesländern 29 Prozent weniger Mädchen und Jungen als zehn Jahre zuvor.

Auch das traditionelle Zusammenleben von Vater, Mutter und Kind wird im Osten zum Auslaufmodell. Während in Westdeutschland 79 Prozent der Kinder bei ihren verheirateten Eltern leben, ist das in Ostdeutschland nur bei 58 Prozent der Fall. Dort werden 17 Prozent der Kinder von nicht verheirateten Partnern erzogen. In den westdeutschen Ländern sind es nur sechs Prozent. 15 Prozent der westdeutschen und 24 Prozent der ostdeutschen Kinder wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf.

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“Depressive Stimmung”

Hamburg-Volksdorf ist ein Stadtteil mit großem Waldgebiet, verkehrsberuhigten Zonen und gepflegten Vorgärten voller bunter Plastikrutschen und Trampoline. Das Viertel wirkt idyllisch, familienfreundlich und kindgerecht, doch die schlechten Nachrichten über Deutschlands Nachwuchs reißen auch hier nicht ab.


Titelbild

Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 34/2011
Gelduntergang

Die zerstörerische Macht der Finanzmärkte


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In Volksdorf sitzt die Sprachheilkundlerin Karen Grosstück im Büro ihrer logopädischen Praxis, schenkt stilles Wasser ein und erzählt über Entwicklungen, die man bisher eher aus Problemvierteln zu kennen glaubte. Auch hinter den Fassaden der schmucken Einfamilienhäuser plagten sich viele Kinder mit Wortfindungsschwierigkeiten, phonologischen Schwächen und vielen anderen Entwicklungsstörungen, erklärt die Logopädin. “Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer”, sagt Grosstück, die sich 1992 als erste Sprachtherapeutin in dem Stadtteil niederließ. Jetzt gebe es drei Konkurrenzpraxen, alle seien gut ausgelastet und hätten Wartelisten.

Volksdorf, das Idyll im Hamburger Nordosten, erstaunt und alarmiert gleichermaßen. Denn es steht für ein bundesweites Phänomen: Geht es um die sprachliche Entwicklung, das Verhalten und die psychische Verfassung von Deutschlands Kindern, folgt seit Wochen eine Hiobsbotschaft auf die nächste.

“Therapie statt Spielplatz”

“Therapie statt Spielplatz”, schrieb die Techniker Krankenkasse kürzlich in einer Pressemitteilung. Die Zahl der Kinder, die zum Logopäden gingen, sei laut Heilmittelstatistik innerhalb eines Jahres um 15 Prozent gestiegen – und zwar quer durch alle Schichten. “Jeder dritte Schüler hat
Depressionen”, schrieb “Bild” und bezog sich auf Zahlen von der DAK und der Universität Lüneburg. “Druck macht die Kinder seelisch krank”, meldete das “Hamburger Abendblatt” auf seiner Internetseite.

Mehr denn je gehörten Angstattacken, hoher Blutdruck und Ohrensausen zum Alltag in den deutschen Kinderzimmern, berichteten Krankenkassen und Ärzte. Burnout treffe nicht nur Lehrer, sondern mittlerweile auch Schüler. Der Nachwuchs wälze sich mit Schlafproblemen im Bett, plage sich mit psychosomatisch bedingten Rückenschmerzen und Neophobie, wie das Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung kürzlich spekulierte. Dabei handelt es sich um die Angst vor allem Neuem, also zum Beispiel die Angst vor ungewohnten Gemüse- und Obstsorten.

Es sind bedrohliche Botschaften und steile Thesen, die in den vergangenen Monaten über Pressemitteilungen, Zeitungen und TV-Sender verbreitet wurden. Und sie werden auch gierig, fast dankbar, angenommen, von besorgten Müttern und Vätern, von Kindeswohl-Verbänden, von professionellen Apokalyptikern und dem heilenden Gewerbe im weißen Kittel. Nur: Belegen lässt sich derzeit lediglich, dass die Zahl der behandelten Kinder steigt – aber so gut wie gar nicht, dass Deutschlands Nachwuchs von Jahr zu Jahr kränker wird.

Schon “wegen Kleinigkeiten” würden Kinder heutzutage “einer intensiven Diagnostik unterzogen” und dann “pathologisiert”, relativiert etwa der Bonner Kinderneurologe Helmut Hollmann. Vieles, was früher dem Bereich des Normalen zugerechnet worden sei, werde heute – wohl in einigen Fällen auch zu Recht – als “behandlungsbedürftige Gesundheitsstörung” bewertet, berichtet Martin Schlaud, Leiter des Fachgebiets Gesundheit von Kindern und Jugendlichen am bundeseigenen Robert Koch-Institut (RKI). Diese Neubewertung von Symptomen treibt die Statistiken nach oben und verstärkt den Eindruck, dass es den Kindern immer schlechter gehe. Nebenbei dient sie der
Pharmaindustrie: Allein die Verordnung von Psycho-Stimulanzien wie Ritalin, das in erster Linie Kindern verabreicht wird, stieg zwischen 2006 und 2009 um 41 Prozent.

Schlauds Team arbeitet in einer Außenstelle des RKI in Berlin-Tempelhof. Weil auch die Bundesregierung das Mysterium des kränkelnden Nachwuchses aufgeklärt haben will, befragt es nun etwa 24 000 Kinder und Jugendliche. Was die Forscher bei dieser Studie erfahren, soll mit Ergebnissen einer Basisuntersuchung aus den Jahren 2003 bis 2006 verglichen werden. Erst danach werden bundesweit gültige Aussagen möglich sein wie: “Immer mehr Kinder haben Kopfschmerzen.” Bis dahin können sich zum Beispiel Kinderärzte fast nur auf ihren subjektiven Eindruck stützen.

Ulrich Fegeler, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, betreibt seit über 20 Jahren eine Praxis in Berlin-Spandau. Er erlebe zwar jeden Tag kleine Patienten, die am Nachmittag “nur vor der Glotze” hingen und deswegen viele körperliche und psychische Probleme entwickelt hätten. Gerade in sozial schwächeren und “anregungsarmen” Familien liege da einiges im Argen, sagt der Kinderarzt.

Gleichzeitig verschreibe sein Berufsstand heute aber auch viel schneller Rezepte für Heilmittel, oft schon bei kleineren Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten. Grund sei unter anderem, dass manche Eltern “ungeheuren Druck” ausübten.

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Kiefernholz statt Kifferbude

Frau Heumann hat den 18-jährigen Jan Müller noch nie gesehen, weiß aber alles über ihn. Sie weiß, dass er ein Kamasutra-Buch in der obersten Nachttischschublade hat, Kondome und Taschentücher, sie weiß, dass er mit 15 Jahren zum ersten Mal Sex hatte, dass er karierte Hemden im Schrank hat, die seine Mutter ihm gekauft hat, obwohl er eigentlich lieber Kapuzenpullis trägt. Sie weiß, dass er noch nicht gekifft, aber schon mal geraucht und gesoffen hat – aber weit entfernt ist von jener Generation Wodka, der sich gerade ein neues Buch widmete.

Manchmal fragt sie sich: Warum ist er nicht rebellischer? Wieso will er nicht zu Hause ausziehen? Das ist ja total langweilig, denkt sie dann. Und dennoch, sagt Karen Heumann, finde sie die Jugend sympathisch, je länger sie sich mit ihr beschäftige.

Die Jugend. Darum geht es. Karen Heumann sitzt im Vorstand der Werbeagentur
Jung von Matt, und sie ist Jan Müllers geistige Mutter.
Vor sieben Jahren erschuf sie in Hamburg die Fiktiv-Familie Müller: Vater Thomas, 43, Mutter Sabine, 40, und Sohn Alexander, 13, und
ließ ihnen eine deutsche Durchschnittsstube einrichten, um hautnah zu studieren, wie die typisch deutsche Zielgruppe tickt. Alexander ist inzwischen 18 und heißt heute Jan, weil im Jahr 2011 18-Jährige am häufigsten so heißen.

50 Studien, 700 Arbeitsstunden

Denn wie im typisch deutschen Wohnzimmer folgt auch in Jans Raum alles einer statistischen Logik. Alles basiert auf einer Fülle von Daten, die sich in den Zimmern zu einer erlebbaren Welt addieren. In Jans Fall haben Karen Heumann und zwei Strategen der Agentur mehr als 50 Studien und Fachpublikation ausgewertet, die Shell-Jugendstudie, Jim-Studie, Bravo Faktor Jugend, sie haben Zeitungen, Bücher, Doktorarbeiten studiert.

Sie brauchten rund 700 Arbeitsstunden, um die deutsche Jugend in ein Zimmer einziehen zu lassen. Jan lebt zwar eigentlich in einer typisch deutschen Großstadt – in seinem Fall Köln, deswegen der FC-Schal an der Wand – in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung. So will es die Statistik. Doch sein Zimmer befindet sich beim Jung-von-Matt-Ableger in Stuttgart.

Früher saßen hier, in dem ehemaligen Arbeitsamt, Menschen auf dem Flur, die Arbeit suchten oder Hartz IV beantragten, heute schweben junge Männer und Frauen über den Gang, als wäre er ein Laufsteg, in einer sehr kurzen Hose und Overknee-Socken beispielsweise. Auf den Schreibtischen stehen MacBooks Pro oder iMacs, in der Bücherwand Design-Fotobände, dazu kommen ein Kicker und ein kleines Heimkino für den Freitagabend.

Jans Zimmer passt etwa so gut zur Agentur wie der Behördenstaub des Arbeitsamts. Vom Flur geht ein kurzer Gang ab, der spitz auf das Zimmer zuläuft. Dahinter offenbart sich dem Betrachter eine Ansammlung von Mittelwerten, Häufigkeitsgipfeln und qualitativen Forschungsergebnissen – die pure Normalität.

“Niemand ist gern Durchschnitt, und doch trägt jeder sehr viel Durchschnitt in sich”, sagt Karen Heumann. Deswegen kommt einem das Zimmer wohl so seltsam bekannt vor: 14,4 Quadratmeter, Kiefernschrank, Kiefernbett, Kiefernschreibtisch, Laminatfußboden und Dartscheibe – dazu ein penetranter Axe-Geruch.

“Raus aus den Agenturräumen, rein in den Alltag”

Wenn Karen Heumann die geistige Mutter ist, dann ist Daniel Adolph so etwas wie der Erzeuger: Der Geschäftsführer von Jung von Matt Stuttgart richtete mit einem Kollegen das Zimmer ein und ersteigerte beispielsweise bei Ebay von einem 17-Jährigen die Kiefernmöbel. Der Raum erde ihn und seine Mitarbeiter, sagt Adolph. “Raus aus den Agenturräumen, rein in den Alltag. Es hat etwas Exhibitionistisches, aber es beruhigt auch.”

Denn der häufigste 18-Jährige hat mit der Generation Wodka, Porno oder der Generation Doof wenig zu tun. Es gibt auch keine Parolen, keine politischen Statements, keine Anzeichen von Wut auf das System. Wenn man Jan stempeln möchte, dann allenfalls mit: Generation Pragmatisch.

Er ist ein junger Mann, der die 11. Klasse besucht. Er ist halb Kind, halb erwachsen; die Comic- und Harry-Potter-Bücher stehen noch im Regal, gleichzeitig hat er einen Morgenstern im Nachtschrank, gleich unter den Kondomen. “Eine martialische Waffe”, sagt Adolph, “um seinem Erwachsenensein und seiner Männlichkeit Ausdruck zu verleihen.”

Auf seinem Schreibtisch ein Vokabelheft, er hat am Gymnasium gerade seine Leistungskurse gewählt, unter anderem Englisch. “Er glaubt, dass man gute Englischkenntnisse braucht, um sich im Leben durchzusetzen”, sagt Adolph. Er streitet sich kaum mit seinen Eltern, höchstens wenn sein Zimmer mal wieder unordentlich ist.

Jan reibt sich nicht an seinen Eltern, nicht an der Gesellschaft. Manche nennen das unpolitisch, Karen Heumann sagt: “Er ist leistungsfähig, er funktioniert in der Gesellschaft.” Er weiß, was er erreichen will, aber nicht, wie er dort hinkommt. “Er lässt sich nicht so treiben, wie man denken könnte.”

Mobil und vorurteilsfrei

Unter dem Flachbildschirm in Klavierlack-Optik steht eine Sony Playstation 2, eine Sony PSP und eine Nintendo Wii. Seine Eltern und Großeltern schenken ihm meist Geld zu Weihnachten und zum Geburtstag, ansonsten könnte er sich die Spielkonsolen nicht leisten, schließlich bekommt er nur 35 Euro Taschengeld, wovon 17 Euro fürs Handy draufgehen. Internet, Fernsehen, Spiele, Handy – gern nutzt er alles gleichzeitig. “Jan kann viel, was wir nicht können”, sagt Adolph. Multitasking gehört dazu. “Außerdem ist er in multikulturellem Kontext groß geworden und dementsprechend vorurteilsfrei.” Er ist mobil und bereit, für seinen Beruf die Stadt zu wechseln.

Das sagt zumindest die Statistik. Ob ein Zimmer der Jugend gerecht wird? “Wir nähern uns Jan mit diesem Zimmer an”, sagt Karen Heumann. “Wir tun damit mehr als viele andere”, sagt Daniel Adolph.

Außerdem haben sie es nicht beim Statistik-Studium belassen: Denn sie besuchten auch 20 echte 18-Jährige. Sie heißen Marvin, Marcel oder Moritz und sitzen in Kapuzenpullis vor Kiefernmöbeln, dem Fernseher oder der Dartscheibe. Sie reiben sich nervös die Hände, streichen sich die Haare aus dem Gesicht und lachen verlegen. “Eigentlich gehören die lustigen Taschenbücher nicht mehr in das Zimmer eines Jungen meines Alters”, sagt einer, “aber sie sind so eine schöne Kindheitserinnerung.” Ein anderer sagt: “Ich mag eigentlich fast alles hier.”

Das ist gut für ihn. Denn statistisch gesehen wird er erst mit 25 Jahren ausziehen. Schließlich ist alles so schön praktisch zu Hause.

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Junge glauben eher an Integration als Alte

Es sieht ganz danach aus, als seien die Aufgeregtheiten und Ängste rund um die Sarrazin-Debatte vor allem eine Frage der Generationen: Denn jüngere Menschen sind beim Thema
Integration deutlich optimistischer als Ältere. Das geht aus einer repräsentativen Emnid-Umfrage hervor, erstellt im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Während drei Viertel der über 59-Jährigen in Deutschland nicht glauben, dass Integration funktioniert, wie aus der Umfrage hervorgeht, hält es jeder zweite Jüngere zwischen 14 und 29 Jahren für den normalfall, dass Integration erfolgreich ist.

Auch das Zusammenleben zwischen Zuwanderern und Einheimischen schätzen Jüngere positiver ein als Ältere. Bei den Befragten unter 30 Jahren glaubt nur ein Drittel, dass die Zuwanderer in den nächsten zehn Jahren häufig unter sich bleiben werden. Dagegen hält das jeder Zweite ab 59 Jahren für realistisch.

Als entscheidendes Integrationshindernis gelten über alle Altersgruppen hinweg fehlende Sprachkenntnis der Zuwanderer. Als großes Hemmnis für die Integration empfinden zudem gut zwei Drittel der unter 30-Jährigen die Diskriminierung der Zuwanderer aufgrund der Herkunft. Von den über 59-Jährigen glaubt das nur knapp die Hälfte.

Weitgehend einig sind sich Junge und Alte, wenn es um die Kriterien gelungener Integration geht. Dazu gehören demnach das Achten von Verfassung und Gesetzen, das Beherrschen der deutschen Sprache sowie gleiche Berufs- und Bildungschancen. Für die Umfrage wurden 1847 Personen ab 14 Jahren befragt, erstellt wurde sie Ende Juli, Anfang August 2011 (Einzelne Ergebnisse als pdf:
hier).

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Drei junge Menschen sterben pro Tag durch Unfälle oder Gewalt

Wiesbaden – Täglich sterben in Deutschland drei Kinder und Jugendliche bei Unfällen, weil ihnen Gewalt angetan wird oder sie sich umbringen. Das geht aus einer Studie des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Demnach kamen im Jahr 2009 1076 Jungen und Mädchen im Alter unter 20 Jahren ums Leben. Aktuellere Daten liegen noch nicht vor. “Unfälle, Gewalt, aber auch Suizid zählen somit zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen”, heißt es in der Studie. Allerdings nimmt die Zahl der Todesfälle seit Jahren in allen Altersstufen ab.

Für die Studie wurde die amtliche Statistik zum Verletzungsgeschehen ausgewertet. So mussten 2009 etwa 199.000 Kinder unter 15 Jahren wegen einer Verletzung oder Vergiftung in einem Krankenhaus behandelt werden. Bei den Jugendlichen (15 bis 19 Jahre) waren es 88.000, teilte das Bundesamt weiter mit. Dies entspreche täglich 786 Kindern und Jugendlichen, die in die Klinik müssen.

Der Bericht benennt typische Muster für Unfälle und andere Ereignisse. Demnach besteht bei Säuglingen ein hohes Risiko für schwere oder sogar tödliche Verletzungen durch Unfälle im häuslichen Bereich sowie Gewalt. Etwa Dreiviertel aller wegen Verbrennungen behandelter junger Menschen waren Kleinkinder unter fünf Jahren.

Jungen gefährdeter als Mädchen

“Zwei von drei betroffenen Kleinkindern haben sich verbrannt, weil sie in eine heiße Flüssigkeit wie Tee oder Kaffee gegriffen haben”, sagte die Fachärztin Gabriele Ellsäßer vom Brandenburger Landesgesundheitsamt. “Viele Eltern können sich kaum vorstellen, wie schwer sich ein Kind an heißem Tee verletzen kann.” Ein besonderes Risiko seien zudem Bügeleisen und Herdplatten sowie Wasserkocher, die umkippen oder von Kindern heruntergezogen werden können.

Säuglinge sind nach Angaben Ellsäßers auch besonders gefährdet, bei einer Gewalttat ums Leben zu kommen. Zwischen den Jahren 2000 und 2009 stand jeder dritte Todesfall eines Babys im Zusammenhang mit Gewalt. Diese Rate bleibt dem Bericht zufolge auf hohem Niveau.

Jugendliche setzen sich im Straßenverkehr dem höchsten Sterberisiko aus. Als zweithäufigste Todesursache folgen Suizide, betroffen sind dort vor allem Jungen. In der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren brachten sich insgesamt 194 Jugendliche selbst um, 21 weitere begingen vor ihrem 15. Geburtstag Suizid.

Abgesehen vom ersten Lebensjahr verletzen sich oder sterben Jungen häufiger als Mädchen, am stärksten fällt dieser Unterschied bei Jugendlichen auf, sagt Fachärztin Ellsäßer.

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Perfekte Dürre

Grazil laufen die Mädchen über den Catwalk, keine Delle ist an den Oberschenkeln auszumachen, kein überflüssiges Schwabbel-Pfündchen sitzt an den Hüften: Zum siebten Mal sucht Germany’s Next Topmodel” (GNTM). Schon jetzt dürfte aber feststehen: Mädchen mit Makeln haben keine Chance, Normalgewicht ist Rausschmiss-Faktor.

Doch die etablierte Klum-Show bekommt Konkurrenz: Ab Dienstag gehen auch Eva Padberg und Karolina Kurkova für Beim offenen Casting in Hürth wurde schon ein Mädchen mit Kleidergröße 36 wieder nach Hause geschickt – weil sie auf den internationalen Laufstegen wohl keine Chance hätte, urteilte die Jury.

Ein fatales Zeichen an die jungen Mädchen vor dem Fernseher. Die nehmen sich die Modelsuche offenbar stärker zum Vorbild als wünschenswert wäre: “Dann denk’ ich mir meistens, warum ich nicht so dünn bin”, beschreibt etwa ein 15-jähriges Mädchen seine Gefühle während der ProSieben-Sendung. Ein elfjähriges Mädchen sagt, dass es seinen Bauch und seine Beine zu dick finde, seitdem es die Show mit Heidi Klum sehe – schließlich müssten Topmodels ja schlank sein.

Andere finden nicht nur vermeintliche Fehler an sich, sondern wollen diese auch gleich ausmerzen: “Alle, die da sind, haben so eine tolle Figur, das gibt mir Anreize, abzunehmen”, sagt beispielsweise eine 14 Jahre alte GNTM-Seherin. “Alle wollen Modelmaße”, bringt es eine 13-Jährige auf den Punkt.

Bauch, Beine, Po – eine einzige Problemzone

Die Schilderungen der Mädchen sind Teil der Studie “Castingshows und ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche”, die vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks in Auftrag gegeben wurde. Knapp 1200 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 21 Jahren wurden dafür im Sommer 2009 persönlich und schriftlich, qualitativ und standardisiert befragt.

Die These vom “schlechten Einfluss” von Model-Sendungen auf das Selbstbild der jungen Zielgruppe ist freilich nicht neu – doch bieten die Befunde der Autorinnen Maya Götze und Johanna Gather nun zum ersten Mal eine handfeste Diskussionsgrundlage. Die ist im Januar zusammen mit weiteren Untersuchungen im Band “Auf Augenhöhe? Rezeption von Castingshows und Coachingsendungen” erschienen, das von Daniel Hajok, Olaf Selg und Achim Hackenberg herausgegeben wird.

Viele der Befragten beschrieben darin Gefühle gegenüber den Model-Anwärterinnen, die zwischen Bewunderung und Neid schwanken. Zudem veranlasse der GNTM-Konsum die Jugendlichen dazu, weniger zu essen und mehr Sport zu treiben. Doch nicht nur die älteren Jugendlichen stellen ihren eigenen Körper den medial vermittelten kritisch prüfend gegenüber. “Bereits in der 5. Klasse formulieren Mädchen den Wunsch, ähnliche Körper wie die der gezeigten Models zu haben”, heißt es in der Studie.

Bei den Probanden zeige sich vor allem ein Hang zur Professionalisierung des Körpers, sagt die Wissenschaftlerin Götz. Eine austrainierte Seitenlinie, schmeichelndes Licht und eine vorteilhafte Pose sind demnach für die Jugendlichen fast schon ein “Muss” bei der Selbstinszenierung. Diese kritische Haltung zum eigenen Körper deckt sich mit den Ergebnissen der “Dr.-Sommer-Studie” von 2009. Obwohl rund 80 Prozent der Mädchen normalgewichtig sind, ist über die Hälfte mit ihrem Aussehen, vor allem ihrem Gewicht, nicht zufrieden. Besondere Steigerungen finden sich beim Wunsch, noch schlanker werden zu wollen und beim Traum von einem “flachen Bauch” sowie von Veränderungen an Beinen und Gesicht.

Model-Wahn bald im Doppelpack

Nun ist die Klum-Show beileibe nicht das einzige mediale Produkt, das Modelmaße als besonders erstrebenswert inszeniert. Doch gerade die GNTM-Zuschauer neigen laut Studie häufiger zur Idealisierung der professionell inszenierten Size-Zero-Frau als Jugendliche, die speziell diese Sendung nicht sehen. So wurden den Jugendlichen Fotos von verschiedenen Frauen vorgelegt. Die Probanden sollten entscheiden, welche ihrer Meinung nach die schönste ist. Das Ergebnis: Regelmäßige GNTM-Seher wählten den Körper eines sehr schlanken Models, bei dem die Knochen zu sehen sind, deutlich häufiger als die Nie-Seher.

Unter den gezeigten Fotomodellen war auch ein “normales”, nicht übergewichtiges Mädchen abgebildet, deren Hüfte allerdings etwas breiter wirkte. Die Topmodel-Fans wählten sie auf den letzten Platz ihres Schönheits-Rankings. “Genau dieser ganz normale Mädchenkörper, der einfach abfotografiert wurde, wird von regelmäßigen GNTM-Sehern so gut wie nicht mehr als schön empfunden”, resümieren die Wissenschaftlerinnen.

Ihr Fazit: Durch GNTM würden die Mager-Maße nicht nur zum Schönheitsideal erhoben, sie seien durch die hohe Attraktivität der Sendung und ihrer Präsenz in der Jugendkultur auch ständiges Thema und ein Symbol für Erfolg und Anerkennung. “Dass genau dies nicht der Fall ist, erkennen die Jugendlichen nicht”, heißt es in der Studie. Das dürfte durch die neue Doppelbeschallung aus “GNTM” und “Das perfekte Model” sogar noch zunehmen.

Doch das Problem sind nicht nur die gezeigten Inhalte, sondern auch die mangelnde Medienkompetenz der jungen Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer, die sich nicht ausreichend von dem TV-Format distanzieren können. Eltern und Pädagogen rät Götz deshalb, den Jugendlichen klar zu machen, dass ein normales Mädchen nicht aussieht wie die Kandidatinnen, die aus Tausenden herausgesucht wurden. Auch eine kritische Mediendistanz zu vermitteln, sei wichtig – denn aus dem Fernsehalltag werden die günstig zu produzierenden und quotenträchtigen Formate so schnell nicht wieder verschwinden.


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Jugendliche berauschen sich weniger

Berlin – Junge Leute in Deutschland greifen seltener zur Zigarette, trinken weniger Alkohol und rauchen seltener Cannabis. Der Drogenkonsum von Personen im Alter von 12 bis 17 Jahren ist in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgegangen. Das geht aus einer Studie hervor, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am Freitag vorstellte.

“Bei minderjährigen Jugendlichen hat in den letzten Jahren eine Trendumkehr im Suchtmittelkonsum stattgefunden”, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Das lasse sich daran festmachen, dass der Tabakkonsum auf einen neuen Tiefstand gesunken sei, beim Cannabiskonsum und jetzt auch beim Rauschtrinken ein Rückgang zu verzeichnen seien. Pott betonte, die positiven Trends müssten fortgesetzt werden, um sich auch im Erwachsenenalter niederzuschlagen. Dafür sei vor allem bei der Alkoholprävention eine Fortsetzung von Kampagnen unverzichtbar.

Besonders deutlich wird der rückläufige Drogenkonsum beim Rauchen. Der Erhebung zufolge hat sich der Anteil von Rauchern unter Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert. Demnach rauchten 2001 noch 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen. 2010 waren es noch 12,9 Prozent, im vergangenen Jahr weniger als 12 Prozent. Der Anteil derjenigen, die noch nie in ihrem Leben geraucht haben, wuchs in dieser Altersgruppe sprunghaft von 40,5 auf 70,8 Prozent an. Damit wurde ein Trend fortgesetzt, der schon in den vergangenen Jahren deutlich zu erkennen war.

Die Bundeszentrale erklärte die Entwicklung zum Teil mit Präventionsmaßnahmen wie der 2003 gestarteten Rauchfreikampagne. Deren Ziel ist es, Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren von den Vorteilen des Nichtrauchens zu überzeugen. Rauchern biete sie Ausstiegshilfen an, darunter ein Online-Ausstiegsprogramm. Als weitere Ursache des Rückgangs sieht die Bundeszentrale neue Gesetze. Aufgrund der Erhöhung der Tabaksteuer könnten sich viele Jugendliche nicht mehr so leicht Zigaretten leisten. Außerdem habe das Rauchverbot in Schulen und Gaststätten dazu geführt, dass sich die Teenager stärker mit den gesundheitlichen Problemen des Rauchens beschäftigten.

Problem Rauschtrinken

Auch beim Alkoholkonsum ist ist bei den 12- bis 17-Jährigen ein Rückgang zu erkennen: Im vergangenen Jahr tranken der Studie zufolge 14,2 Prozent “regelmäßig” Alkohol, das heißt mindestens einmal pro Woche. 2001 hatte dieser Anteil noch bei 17,9 Prozent gelegen. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren bliebt dieser Wert mit 39,8 Prozent gegenüber 2001 jedoch unverändert.

Besorgniserregend sind immer noch die Angaben zum Rauschtrinken, das oft als Komasaufen bezeichnet wird. Darunter verstehen die Forscher den Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Trinkgelegenheit. Die Verbreitung dieses sogenannten Binge-Trinkens erfasst die BZgA seit 2004. Damals sagten 22,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, sie hätten in den vergangenen 30 Tagen exzessiv getrunken. 2011 lag diese Quote bei 15,2 Prozent.

Auch in der Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren ist ein Rückgang zu verzeichnen – allerdings nur ein geringer. Gaben im Jahr 2004 noch 43,5 Prozent der Befragten in dieser Gruppe an, im vergangenen Monat an einem Rauschtrinken teilgenommen zu haben, bejahten 2011 immer noch 41,9 Prozent diese Frage.

Einen deutlichen Rückgang verzeichneten die Forscher beim Cannabiskonsum. Bei den Jugendlichen unter 18 Jahren hat er sich seit 2004 (15,1 Prozent) mehr als halbiert und lag 2011 bei 6,7 Prozent. Etwas zurückgegangen ist kiffen auch bei den 18- bis 25-Jährigen, von 43,0 Prozent 2004 auf 39,2 Prozent im vergangenen Jahr.

Seit mehr als zehn Jahren führt die BZgA eine repräsentative Erhebung zum Drogenkonsum junger Leute durch. Für die neue Studie wurden im vergangenen Jahr bundesweit 5001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.

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Jugendliche mit Schulfrust sehen mehr fern

Kinder und Jugendliche, die viel Zeit vor dem Computer oder Fernseher verbringen, haben weniger Lust auf Schule als ihre Altersgenossen. Das kam bei einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der Krankenversicherung DAK-Gesundheit heraus (pdf). Unter den Schülern, die täglich sechs Stunden oder mehr vor dem Bildschirm sitzen, sei jeder Fünfte unzufrieden mit seinen Leistungen in der Schule, heißt es in dem Papier, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Bei Schülern, die weniger als zwei Stunden jeden Tag vor Computer oder Fernseher verbrachten, war nur jeder Zehnte nicht glücklich mit seinen Noten.

Laut den Machern der Studie lassen sich diese Ergebnisse verschieden deuten: “Diejenigen, die Schwierigkeiten in der Schule haben, könnten versuchen, sich mit hohem Medienkonsum abzulenken”, schreiben sie. Es sei aber ebenso denkbar, dass sich übermäßiger Medienkonsum negativ auf die Schulleistungen auswirke.

Für die Studie wurden 5840 Schüler zwischen 11 und 18 Jahren befragt. Sie gingen auf berufs- und allgemeinbildende Schulen in sieben Bundesländern. Die meiste Zeit verbringen Schüler von Haupt- und Realschulen und Regionalen Schulen mit Fernseher, Computer oder Musik. Dort liegt zum Beispiel der Anteil derer, die drei oder mehr Stunden täglich fernsehen, bei fast 40 Prozent – und ist damit mehr als doppelt so hoch wie an Gymnasien.

Je älter die Schüler werden, desto mehr beschäftigen sie sich mit den Medien TV, Computer und Musik, wobei Kinder und Jugendliche über alle Altersstufen hinweg am häufigsten Musik hören. Unter den Elf- und Zwölfjährigen verbringt etwa jeder Zehnte täglich mehr als sechs Stunden mit Fernseher und Computer, unter den 15- und 16-Jährigen ist es gut jeder Fünfte.

40 Prozent dieser sogenannten Intensivnutzer klagten, dass sie keine Lust auf Schule haben. Der Unwille, in den Unterricht zu gehen, nimmt mit sinkendem Medienkonsum ab. Unter denen, die weniger als zwei Stunden fernsehen oder den Computer benutzen, hatten nur 21 Prozent keine Lust auf Schule.

Auf die Zahl der Freunde hat die Mediennutzung hingegen offenbar kaum Einfluss. So haben 90 Prozent der Befragten vier oder mehr Freunde, unabhängig vom Geschlecht oder der Dauer, die sie mit Fernsehen, Musik und Computer verbringen.

Insgesamt mehr als die Hälfte der befragten Schüler unternimmt dreimal oder öfter pro Woche nach der Schule etwas mit Freunden. Bei denen, die täglich mehr als sechs Stunden vor Computer und TV sitzen, liegt dieser Anteil besonders hoch, nämlich bei 61 Prozent – im Vergleich zu 47 Prozent unter denen, die diese Medien weniger als zwei Stunden täglich nutzen. Die intensive Nutzung von Medien habe also auch eine soziale Komponente, heißt es in der Studie – wenn sich Schüler zum Beispiel treffen, um gemeinsam Computer zu spielen.

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So fühlt Deutschlands Jugend

Es ist eine triste Lebenswelt. An den Wänden hängen Poster von Bushido, im Regal steht ein Deoroller und sonst nicht viel. Wer hier lebt, interessiert sich “eigentlich für nichts”. Wer hier lebt, empfindet die Schule als Ort des Konflikts, des Misserfolgs, der Demütigung. Der sagt Sätze wie: “Man kann den Freunden halt nicht immer vertrauen” und fürchtet, später von Hartz IV leben zu müssen.

Es ist die Lebenswelt jener Jugendlichen, die es von vornherein schwer haben: Ihre Eltern haben keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss, sind oft arbeitslos, leben an der Armutsgrenze. Die Lebenswelt der “Prekären”, so nennen sie die Autoren der neuen Sinus-Jugendstudie, die an diesem Mittwoch vorgestellt wurde. Die Autoren warnen: Jugendliche aus solch prekären Verhältnissen werden massiv ausgegrenzt. Dass bei den Abgehängten die Resignation wächst, hatte bereits die letzte Shell-Jugendstudie gezeigt.

“Wie ticken Jugendliche?”, so lautet die Leitfrage und der Titel der Untersuchung, wobei auch die Autoren klarstellen: Es ist unmöglich, die Frage allgemeingültig zu beantworten. Die Jugend lasse sich nicht beschreiben, sondern nur in ihrer Unterschiedlichkeit betrachten. Dafür haben die Forscher 72 Interviews mit Jugendlichen aus verschiedenen Städten geführt, sie haben sie zudem schriftlich Fragen zu ihrem Leben beantworten lassen, und die Forscher haben die Jugendlichen ihre Zimmer fotografieren lassen, in denen manchmal eben Bushido-Poster an den Wänden hängen und ein Deoroller im Regal steht.

Daraus lassen sich zwar keine statistisch repräsentativen Ergebnisse ableiten, doch die Methode macht die Perspektiven und Nöte der Jugendlichen so anschaulich wie kaum eine andere. Aus den Antworten und Bildern haben sie sieben Lebenswelten modelliert, die zeigen sollen, wie die Jugend in Deutschland im Jahr 2012 denkt und fühlt:

  • Die sogenannten Prekären schämen sich demnach oft für die soziale Stellung ihrer Eltern. Sie nehmen wahr, dass sie ausgegrenzt werden und würden sich gerne aus der eigenen Situation herausarbeiten, wissen aber nicht so richtig, wie sie das anstellen sollen. Ihnen fehlt das Geld, um mangelnde Teilhabe durch Konsum zu kompensieren. Die Studien-Autoren bescheinigen ihnen aber eine “Durchbeißermentalität”.
  • Die materialistischen Hedonisten setzen hingegen vor allem auf Konsum, wollen sich nicht kontrollieren lassen, keine Autoritäten akzeptieren, streben nach einem “gechillten Leben”. Oper, Theater, klassische Musik – die Hochkultur insgesamt lehnen sie eher ab. “Geld macht jeden glücklich”, sagt einer der befragten Jugendlichen. Die Forscher nennen sie die “freizeit- und familienorientierte Unterschicht mit ausgeprägten markenbewussten Konsumwünschen”.
  • Die experimentalistischen Hedonisten wollen ihr Leben einfach genießen und möglichst kreativ gestalten. Sie distanzieren sich vom Mainstream, sie sind die Reserve der Subkultur. Die Forscher zitieren einen Jugendlichen etwa mit dem Satz: “Ich lasse mir von niemandem sagen, wie ich mein Leben leben soll, bisher hat es auch ganz gut geklappt.”
  • Die Adaptiv-Pragmatischen sind so etwas wie die angepassten Neo-Spießer: Sie orientieren sich am Machbaren, planen voraus, streben nach Wohlstand, wollen eigentlich nichts ändern. Auf andere, die weniger leistungsbereit sind, schauen sie herab.
  • Die Sozialökologischen sind die, die sich am ehesten engagieren und andere von ihren Ansichten überzeugen wollen. Materialismus und Konsum sehen sie kritisch. “Ohne Geld würde unsere Welt viel schöner aussehen”, sagt eine Jugendliche aus dieser Gruppe.
  • Die Konservativ-Bürgerlichen finden Selbstdisziplin wichtiger als Selbstentfaltung. Es sind die Frühvergreisten unter den Jugendlichen, sie wollen, dass sich möglichst wenig ändert. Es geht ihnen darum, einen Platz in der Erwachsenenwelt zu finden – der Traum ist die “Normalbiografie”, wie die Forscher schreiben.
  • Die Expeditiven werden von den Forschern als flexibel, mobil und pragmatisch beschrieben. Es sind die Hipster unter den Jugendlichen, sie wollen etwas leisten und sich selbst verwirklichen; vor allem aber von der Masse abheben.

Insgesamt, so die Studien-Autoren, stehen die Jugendlichen unter großem Druck: Die Berufsaussichten sind unsicher, die Leistungsanforderungen hoch. Sie würden früh die Rolle von “Mini-Erwachsenen” übernehmen.

Bei aller Verschiedenheit schätzen fast alle Jugendlichen traditionelle Werte wie Sicherheit, Pflichtbewusstsein, Familie und Freundschaft. Aber sie tun es nicht auf traditionelle Weise, sondern leben ein individuelles Werte-Patchwork. “Hart arbeiten und auch hart feiern, Job und zugleich Familie, sparen und sich auch etwas leisten”, sagt Marc Calmbach, der an der Studie mitgearbeitet hat. Neu sei die deutliche soziale Abgrenzung, die “Entsolidarisierung”. Viele Jugendliche haben sich demnach abfällig über Hartz-IV-Empfänger und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln geäußert, wenn auch zum Teil verklausuliert, etwa mit Formeln wie “Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass…”.

Der Studie wurde in Auftrag gegeben von sechs kirchlichen und gesellschaftspolitischen Institutionen. Das Sinus-Institut erforscht seit über 30 Jahren die deutsche Gesellschaft und gruppiert jene Menschen, die ähnliche Lebensweisen haben und ähnliche Einstellungen zu Arbeit, Familie, Freizeit, Geld und Konsum. Die Politik hat schon auf die Ergebnisse des Instituts zurückgegriffen, um beispielweise ihren Wahlkampf zu optimieren, und auch die Werbewirtschaft bedient sich.

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