Darum kommt „Die Tribute von Panem“ bei Jugendliche so gut an

Ab dem 19. November strömen erneut massenhaft die zumeist jugendlichen Zuschauer in die Kinos, um Katniss Everdeens (Jennifer Lawrence) Kampf gegen ein diktatorisches Regime beizuwohnen.

Mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ kommt es nun zum großen Finale der 2012 gestarteten Filmreihe. Zwischen 700 und 865 Millionen Dollar konnte jeder einzelne Auftritt Katniss‘ bislang weltweit an den Kinokassen einspielen.

Das ist umso bemerkenswerter, weil „Die Tribute von Panem“ in ihrer pessimistischen, gesellschaftskritischen Ausrichtung fast nichts mit anderen Jugendbuchverfilmungen wie „Harry Potter“ oder „Twilight“ gemein haben.

„Die Tribute“ treffen den Nerv der 13- bis 20-Jährigen

Dennoch oder gerade deswegen treffen die Filme genauso wie die zugrunde liegenden Romane von Suzanne Collins genau den Nerv der heute 13- bis 20-Jährigen. Die englische Wirtschaftswissenschaftlerin Noreena Hertz, die die Wünsche und Sorgen dieser Altersklasse untersuchte, spricht deshalb auch von der „Generation K“, wobei K für Katniss steht.

Aber was macht „Die Tribute von Panem“ zu so etwas Besonderem? Was unterscheidet sie von anderen Jugendbuch-/Filmreihen? Wo sieht die „Generation K“ die eigene Lebensrealität und auch die eigenen Ängste wiedergespiegelt? Wir haben versucht, das Erfolgsgeheimnis zu entschlüsseln.

Unterschiede zwischen den Geschlechterrollen verschwimmen

In „Die Tribute von Panem“ sind die Unterschiede zwischen den Geschlechterrollen nahezu aufgehoben. Frauen üben die gleichen Jobs wie Männer aus und sind bei den Hungerspielen gleichwertige Gegner. Einige männliche Charaktere wie Moderator Flickerman (Stanley Tucci) oder Kostümdesigner Cinna (Lenny Kravitz) wirken hingegen androgyn.

Misstrauen gegenüber den Institutionen

Das diktatorische Panem basiert auf Unterdrückung. Die Staatsmacht geht willkürlich vor, kontrolliert und manipuliert die Menschen. Recht und Gesetz dienen nur noch denen, die die Macht innehaben. In Zeiten von Abhörskandalen, Politikverdrossenheit und diffusen Bedrohungsgefühlen können sich viele junge Menschen in der Welt von Panem wiederfinden.

Erwachsene bieten keine Sicherheit

Wo bei „Harry Potter“ erwachsene Charaktere wie Dumbledore die jugendlichen Helden noch leiten können, sind Katniss und ihre Freunde auf sich selbst gestellt. Erwachsene Figuren wie Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) können zwar helfen und unterstützen, sind den Verhältnissen aber in der gleichen Weise ausgesetzt und strahlen keine Sicherheit aus.

Man kann sich nur noch auf sich selbst verlassen

Ein Gefühl der Sicherheit existiert sowieso nicht in Panem – weder im System an sich noch im persönlichen Umfeld. Die Figuren bleiben ambivalent, aus Freunden werden Feinde und umgekehrt. Hundertprozentig vertrauen kann man nur noch sich selbst. Das gipfelt in den Hungerspielen, wo Koalitionen zum Überleben geschlossen werden müssen, letztlich aber auch diese zerbrechen: Denn überleben wird nur einer. Das dürfte Jugendlichen, die schon in ihren jungen Jahren vielerorts angehalten werden, die Ellenbogen zu benutzen, durchaus bekannt vorkommen.

Massenmedien machen aus Brutalität ein Spektakel

Die Hungerspiele treiben die Konzepte Reality-TV und den damit verbundenen Hype und die Inszenierung auf die Spitze. Gewalt, Brutalität und Tod werden zu einem dauerhaften, vollkommen akzeptierten Begleiter im bonbonbunten Mega-Spektakel.

Gewalt wird ernst genommen

In den Filmen und den Büchern selbst wird die Gewalt sehr ernst genommen. Sie wird einerseits für ein jugendliches Publikum bemerkenswert drastisch dargestellt, wird aber andererseits nie zelebriert. Gewalt und Tod sind also nie effekthascherischer Selbstzweck, sondern immer ein außergewöhnliches Ereignis voller Gräuel und Schrecken. Damit stellt „Die Tribute von Panem“ einer überinszenierten Mediengesellschaft eine neue Ernsthaftigkeit und Echtheit gegenüber.

Kinostart „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“: 19. November 2015

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