Kategorie -Jugendliche

Wert des Lebens vermitteln: Suizide bei Jugendlichen beunruhigt Japan


In Japan nehmen sich immer mehr junge Menschen das Leben. Das zeigt der Vergleich 2017 zum Vorjahr. Besorgniserregend ist dies auch vor dem Hintergrund, dass die Gesamtzahl der Suizide in dem Land abnimmt.

Japan haftet noch immer das Klischee vom „Land der Selbstmörder“ an. Dabei ist die Zahl der Suizide insgesamt rückläufig. Neue Zahlen untermauern den Trend der vergangenen Jahre: Demnach nahmen sich im vergangenen Jahr 21.140 Menschen das Leben, das waren 3,5 Prozent weniger als im Jahr davor. Das teilte die nationale Polizeibehörde in Tokio mit. Damit geht die Zahl der Selbsttötungen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt seit nun acht Jahren in Folge zurück. Auf 100.000 Bewohner kamen 16,7 Suizide. (In Deutschland beträgt die Rate aktuell 12,2 Suizide auf 100.000 Einwohner.)

Große Sorgen bereiten dem Land indes die Selbsttötungen unter Minderjährigen. Während Suizide unter Erwachsenen im vergangenen Jahr zurückgingen, stiegen sie in der Altersgruppe bis 20 Jahre an – um 29 Menschen auf 516. „In Anbetracht dessen, dass Kinder in Grund- und Mittelschulen Selbstmord begehen, sollten wir als Gesellschaft entschlossen sein, dies zu verhindern“, sagte Yutaka Motohashi, Vorsitzender eines Regierungsgremiums, das neue Richtlinien für den Kampf gegen Suizide erarbeitete. Er warnte angesichts der seit Jahren rückläufigen Suizidzahlen vor einem Nachlassen der öffentlichen Aufmerksamkeit für das nach wie vor ernste Thema.

Hilfe durch soziale Netzwerke

Sorge bereiten gerade die Kinder. Zwar gibt es Telefonhotlines für Kinder. Da diese heutzutage jedoch zwecks Kommunikation eher soziale Medien als Telefone benutzen, soll jungen Menschen, die Opfer von Schikanen wurden – ein ernstes Problem in Japan – über Soziale Netzwerkdienste Beratungen angeboten werden. Zudem sollen Schulkinder durch entsprechende Erziehung ermutigt werden, bei Problemen Hilfe aufzusuchen.

Suizidprävention an Schulen habe sich bisher darauf konzentriert, den Kindern den Wert des Lebens beizubringen. Am wichtigsten sei es jedoch, den Kindern beizubringen, wie sie um Hilfe bitten, wenn sie depressiv sind, sagte Motohashi. Dazu sind auch die Lehrkräfte und Erziehungsbehörden aufgefordert. So sollen japanische Pädagogen verstärkt darin trainiert werden, Anzeichen für Suizidgefahr bei Kindern besser zu erkennen. Es gibt zugleich Berichte, wonach Schulen verschwiegen haben sollen, dass Suiziden Schikanierung durch andere Kinder vorausgegangen war.

Gesetze sollen helfen

Die japanische Regierung hatte 2006 ein Gesetz zur Selbstmordvermeidung umgesetzt, das alle fünf Jahre überarbeitet wird. Ziel ist es, das Land vom zweitschlechtesten Niveau unter großen Nationen nach Russland, immerhin auf das Niveau von Deutschland zu verbessern. Länder wie Großbritannien oder Italien haben allerdings noch weit niedrigere Raten.

Per Gesetz will Japan jetzt die chronisch langen Arbeitszeiten in Unternehmen reduzieren. Tod durch Überarbeitung hat in dem Land ein eigenes Wort: „karoshi“. Auch der Erfolgsdruck in Schulen durch lange Unterrichtszeiten und Nachhilfe soll angegangen werden wie auch Schikanen am Arbeitsplatz durch Vorgesetzte.

Ein weiteres Problem, das der Staat verstärkt durch Aufklärung angehen will, sind Selbsttötungen unter Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen des Landes, die oft unter Diskriminierung und Schikanen zu leiden haben. Auch Depressionen bei Schwangeren sowie jungen Müttern, die ebenfalls zu Suiziden führen können, werden im jüngsten Präventionsprogramm der Regierung aufgeführt. Auch hier sollen Unterstützungsmaßnahmen für die Betroffenen verstärkt werden.

Wie in Deutschland begehen auch in Japan Männer die meisten Suizide. Allerdings lag deren Zahl mit 14.693 erstmals seit 22 Jahren unterhalb der Marke von 15.000, wie aus den vorläufigen Angaben hervorgeht.



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Naturwissen von Kindern erschreckend schlecht

Jugendreport Natur 2016Naturwissen von Kindern erschreckend schlecht

Stuttgart – „Geh nach draußen spielen.“ Was in den 1970er und 1980er Jahren für Kinder noch eine ganz normale Ansage der Mutter war, würde heute viele Kids ratlos zurücklassen. Draußen spielen? Was soll ich da? Mit wem soll ich spielen? Da ist doch niemand. Lieber gehe ich zu meinem Freund und wir gucken eine DVD an oder holen die Spielkonsole raus. Natur, Wald und Wiesen sind vielen Heranwachsenden fremd und Eltern suspekt. Was da nicht alles passieren kann? Da lauert der „böse Mann“, man macht sich schmutzig, kann sich verletzen und ist aus dem Blickfeld. Besser die Kids spielen im Kinderzimmer, wo sie unter Kontrolle sind.

Natur ist heute für viele Kinder und Jugendliche das, was Australien im 18. Jahrhundert für den berühmten britischen Seefahrer und Entdecker James Cook war: „Terra incognita“ – ein unbekanntes Land. „Die Entfremdung von der Natur nimmt immer stärker zu. Das Interesse an ihr ist deutlich zurückgegangen, ja verloren gegangen“, sagt Rainer Brämer. Seit mehr als drei Jahrzehnten untersucht der Soziologe, Jugend- und Naturforscher aus der hessischen Gemeinde Lohra bei Marburg das Verhältnis des modernen Menschen zur Natur.

Zum siebten Mal hat der 72-Jährige jetzt den Jugendreport Natur veröffentlicht. Dafür befragten Brämer und seine beiden Mitstreiter, der Biologie-Didaktiker Hubert Knoll von der Universität Köln und der Waldpädagoge Hans-Joachim Schild 1253 Schüler der Klassenstufen sechs und neun in Nordrhein-Westfalen. Für ihren letzte Jugendreport Natur 2010 hatten die Forscher noch Schüler aus sechs Bundesländern befragt. „Die Ergebnisse aus alle sieben Studien zeigen, dass die zunehmende Naturentfremdung ein bundesweites Phänomen ist und nicht auf nur einzelne Bundesländer zutrifft“, erklärt Brämer.

Die Fragen zielten wie schon in den vergangenen Umfragen auf das Alltagswissen der Kinder in puncto Natur die Art und Häufigkeit ihres Kontakts etwa bei Waldspaziergängen oder in den Ferien sowie ihr Naturverständnis. „Das Ergebnis ist in vielerlei Hinsicht erschreckend“, schreiben die Autoren in ihrem Report „Natur Nebensache?“ Simple Wissensfragen können immer weniger Jugendliche richtig beantworten. Stattdessen neigen sie zu einem verklärten Naturbild. Fast drei Viertel der Heranwachsenden bejahte die pauschale Aussage: Was natürlich, ist gut?“ 77 Prozent meinten, dass Tiere die gleichen Lebensrechte wie Menschen besitzen. Und 51 Prozent glauben, dass „Bäume eine Seele haben“.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Tatort Schule: So können Kinder und Jugendliche straffällig werden

Das eigene Kind in Konflikt mit dem Gesetz – schon im schulischen Umfeld überschreitet der Nachwuchs leicht die Grenze zwischen jugendlichem Übermut und Vergehen, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können – auch für die Erwachsenen.

Daran ist nicht zu rütteln: Strafunmündig und damit geschützt vor strafrechtlicher Verfolgung sind nach deutscher Gesetzgebung alle unter 14-Jährigen – ganz gleich, was sie angestellt haben. Ältere Schüler hingegen müssen für das geradestehen, was sie ausgefressen haben, wenn auch nicht immer vor Gericht.

Erste Instanz ist die Schule

Hintergrund dafür ist, dass ihre Missetaten in einen Bereich zwischen Schul- und Strafrecht fallen. Geraten Schüler aus der Spur, greife in der Regel als erste Instanz die Schule ein – und zwar im Rahmen ihrer Aufsichts- und Schutzpflicht gegenüber Schülern und Lehrpersonal mit entsprechenden Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen, sagt Edith Schwab, Fachanwältin für Familienrecht. Je nach Art und Schwere des Vorfalls sowie der Einschätzung des Geschädigten müssen strafmündige Jugendliche aber unter Umständen mit einer Anklage rechnen.

Dass Kinder und Jugendliche in deutschen Schulen gar nicht so selten deutlich über das Ziel hinausschießen,

Laut der Befragung wurde rund jede vierte Lehrkraft hierzulande in den vergangenen fünf Jahren schon einmal von einem Schüler bedroht, beleidigt, beschimpft oder gemobbt. Sechs Prozent der Umfrageteilnehmer berichteten von körperlichen Angriffen, genauer: von Fausthieben, Tritten oder dem Bewerfen mit Gegenständen. Zunehmend entwickelt sich nach der Analyse außerdem das Mobbing von Lehrern im Internet zum Problem: 77 Prozent der Befragten klagten über verstärkte Online-Schikanen.

Online-Schikanen sind kein harmloser Spaß

Entwickeln sich unsere Schulen zum Tummelplatz für kriminellen Nachwuchs? Eher nicht. Viele Jugendliche, die etwa einen Lehrer oder Klassenkameraden mit einem fiesen Bild oder Video auf Instagram oder Facebook bloßstellen, sind sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass es sich dabei juristisch um eine Beleidigung und damit um eine Straftat handelt.

Ob Schüler ab 14 Jahren deswegen einen Strafprozess fürchten müssen, hängt zum einen vom Ausmaß der Verunglimpfung ab und vom Grad ihrer Verbreitung, die in einem sozialen Netzwerk natürlich stärker ist als im Klassenzimmer. Zum anderen spielt die Einsicht des Übeltäters eine wichtige Rolle – ungeachtet seines Alters.

In einem ersten Schritt werde die Schule mit dem ausfällig Gewordenen sprechen, ihn auffordern, den beleidigenden Beitrag zu löschen und sich bei seinem Opfer zu entschuldigen, sagt Schwab. So verfahren die Schulverantwortlichen auch, wenn die Schmähung nicht online, sondern in der Klasse oder auf dem Schulhof stattgefunden hat.

Zeige das Gespräch nicht den gewünschten Erfolg, lade die Schule die Eltern vor und erinnere sie an ihre Aufsichts- und Erziehungspflicht. Bei besonders gravierenden oder mehrfachen Beleidigungen werde zudem das Jugendamt eingeschaltet, das dann seinerseits individuell entscheidet, ob und mit welchen Maßnahmen es eingreift.

Physische Gewalt führt oft zu Schulverweis

Und was, wenn es sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, wie in der Forsa-Umfrage beschrieben? „Greift ein Schüler einen Lehrer oder Mitschüler tätlich an, gilt das als Körperverletzung und stellt eine Straftat dar“, sagt Anwältin Schwab. Schon die Androhung von Gewalt sei strafbar, zum Beispiel das Erheben der Faust gegen eine Lehrkraft. Eine solche Attacke setze ein ähnliches schulinternes Prozedere in Gang wie im Falle einer Beleidigung, meist jedoch mit einem Schulverweis als Ergebnis.

Nur in Einzelfällen entschließt sich das Jugendamt dazu, den Täter aus dem elterlichen Zuhause zu nehmen und beispielsweise in einer betreuten Wohnmaßnahme unterzubringen.

Eine Verurteilung droht einem strafmündigen Schüler, wenn ihm ein Vergehen zweifelsfrei nachzuweisen ist und sich das Opfer entschließt, einen Strafantrag zu stellen. Laut Schwab kann der junge Täter in dem darauf folgenden Gerichtsverfahren von einem Arbeitsdienst bis hin zu einer Geldstrafe verdonnert werden in einem Rahmen, wie er auch bei Erwachsenen angewendet wird. Doch soweit kommt es meist nicht. 

Lehrer scheuen sich, Straftaten von Schülern anzuzeigen

Die Forsa-Studie zeigt: Nur sieben Prozent der betroffenen Pädagogen zogen vor Gericht. Stattdessen setzten die Schulen auf interne pädagogische Lösungen. Diese reichten von der Einschaltung der Eltern (25 Prozent), dem Reflektieren der Tat durch den Schüler (23 Prozent) sowie Ordnungsmaßnahmen (17 Prozent) über einen temporären oder dauerhaften Schulverweis, eine Klassenkonferenz, das Hinzuziehen der Schulleitung oder anderer Autoritäten bis hin zum Ausschluss von Aktivitäten, Nachsitzen oder Strafarbeiten. Außerdem wurden psychotherapeutische Maßnahmen und soziale Tätigkeiten angeordnet.

Schulschwänzer begehen Ordnungswidrigkeit 

Massiven Ärger handeln sich jedoch nicht nur Schüler ein, die psychische oder physische Gewalt gegen andere ausüben. Aus juristischer Sicht problematisch können auch ganz klassische „Jugendsünden“ werden. Nach einer Schätzung des Deutschen Lehrerverbandes machen zum Beispiel 100.000 Kinder täglich blau – und Schwänzen ist nicht wirklich ein Kavaliersdelikt. Schüler, die sich eigenständig Freistunden oder freie Tage gönnen, verstoßen gegen die gesetzliche Schulpflicht und begehen eine Ordnungswidrigkeit.

Nur volljährige Schüler dürfen allein entscheiden, ob sie zum Unterricht gehen wollen oder nicht. In der Folge riskieren sie zwar einen Schulverweis – wem aber ohnehin nichts an der Teilnahme am Unterricht liegt, den wird das kaum belasten.

Eltern droht Geldstrafe

Bei allen anderen Schulvermeidern stünden die Eltern in der Pflicht, erläutert Anwältin Schwab. Mütter und Väter seien verpflichtet dafür zu sorgen, dass ihr Spross im Klassenzimmer erscheint. 

Grundsätzlich gilt für Minderjährige: Strafmündig werden Kinder hierzulande erst mit 14 Jahren. Jüngere könnten selbst für objektiv strafbares Verhalten strafrechtlich nicht belangt werden, erklärt die Frankfurter Rechtsanwältin Adelheid Viesel. 14- bis 18-Jährige fallen demnach unter ein besonderes – im Jugendgerichtsgesetz (JGG) geregeltes – Jugendstrafrecht. Dieses sei dem Erziehungsgedanken verhaftet und weniger dem Strafrecht. Bei auffällig gewordenen jungen Menschen ordne das Jugendgericht gewöhnlich Erziehungsmaßnahmen an. 18- bis 21-jährige hingegen müssen laut Juristin Viesel damit rechnen, dass geprüft wird, ob in ihrem Fall das Jugend- oder das Erwachsenenstrafrecht angewandt wird. Paragraph 3 des JGG legt fest, dass Jugendliche sich strafrechtlich verantworten müssen, wenn sie reif genug sind einzusehen, dass ihr Verhalten nicht rechtens war. Das Jugendstrafrecht greift hingegen bei typischen Jugendverfehlungen oder wenn der Heranwachsende „in seiner Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichsteht“ (§ 105 JGG).

Andernfalls bestelle die Schule die Eltern ein und fordere sie auf, für einen regelmäßigen Schulbesuch zu sorgen. Schwänzt der Nachwuchs weiterhin, können den Eltern Bußgeldbescheide in Höhe von mehreren hundert Euro ins Haus flattern. Die Familienrechtlerin rät, diese nicht zu ignorieren. Sie kennt Fälle, in denen einem ersten Bescheid über eine Strafe von 300 Euro nach einer gewissen Frist eine Forderung von 600 Euro folgte.

In der Praxis gelänge es Eltern einfach nicht immer, ihr Kind ohne professionelle Hilfe zur Einsicht zu bewegen, sagt Fachfrau Schwab. Bei einer guten Kooperation von Schule und Jugendamt könne ein Schüler, der immer wieder schwänze, zwar notfalls per Polizei-Eskorte von seinem Zuhause bis zur Schulbank begleitet werden. Voraussetzung dafür sei allerdings eine gerichtliche Verfügung, die das Sorgerecht in Bezug auf den Schulbesuch dem Jugendamt übertrage. Nach Schwabs Erfahrung sparen sich die Behörden diesen Aufwand gerne – vor allem bei Jugendlichen, die bald volljährig werden.

Urkundenfälschung ist kriminell

Eine andere in strafrechtlicher Hinsicht kritische Situation kennen zahlreiche Eltern sicher aus der eigenen Jugend: Wer noch nicht volljährig ist, benötigt hin und wieder die Unterschrift eines Elternteils, etwa unter einer Klassenarbeit oder Entschuldigung. Um Ärger wegen schlechter Noten oder Fehltagen zu entgehen, lässt sich mancher Schüler dazu verleiten, den elterlichen Schriftzug zu fälschen. „Im Einzelfall sehen Lehrer darüber eventuell sogar hinweg“, sagt Schwab. „Manipuliert ein strafmündiger Schüler allerdings ein behördliches Dokument – zum Beispiel ein ärztliches Attest oder ein Schulzeugnis – , ist das eine kriminelle Handlung. Ebenso strafbar machten sich Gehilfen und Anstifter.“

Und Vorsicht: Das unter Teenagern beliebte Anpassen des Geburtsdatums auf dem Schülerausweis ist ebenfalls Urkundenfälschung. Fliegt der Schwindel auf, kommen Ersttäter gewöhnlich mit einer Ermahnung oder Sozialstunden davon. Je nach Einsatz des Ausweises wird aber möglicherweise eine Strafe nach dem Jugendstrafrecht fällig.

Finger weg von Zeugnissen!

Kein Pardon haben volljährige Manipulatoren zu erwarten. Die Jugendkammer des Amtsgerichts Kassel verurteilte beispielsweise eine 24-Jährige, die die Schule in der zwölften Klasse abgebrochen, später das Abiturzeugnis ihrer Freundin genutzt und mit ihren Daten versehen hatte, nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldbuße von 400 Euro. Die junge Frau hatte sich laut einem Medienbericht mit dem getürkten Dokument an der Kasseler Universität einschreiben wollen. Der Plan scheiterte, als die Hochschule die Zeugnisse kontrollierte und bei der Schule nachfragte.

Sogar zehn Tagessätze à 60 Euro bekam ein 27-jähriger Student aufgebrummt, der sich mit einem gefälschten Abschlusszeugnis einer Fachoberschule einen Studienplatz erschlichen hatte. Seine Immatrikulation war selbstverständlich hinfällig. 

Dass derartige Schummeleien sich noch nach vielen Jahren als Zeitbombe erweisen können, belegt die Geschichte einer Frau, die jahrzehntelang als Lehrerin gearbeitet hatte, bis ihre Hochstaplerei auffiel. Schon das Abiturzeugnis, auf das die falsche Pädagogin ihre Karriere aufgebaut hatte, war unecht. Sie wurde nach Informationen des „Spiegel“ fristlos entlassen und wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Maßnahmenkatalog des Jugendstrafrechts

„Das Jugendstrafrecht stellt einen breiten Katalog von Rechtsfolgen zur Verfügung, mit denen das Gericht im Einzelfall angemessen reagieren kann“, sagt Juliane Baer-Henney, Pressesprecherin des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV):

  • Weisungen zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs oder an einem Täter-Opfer-Ausgleich
  • gemeinnützige Arbeitsleistungen
  • Schadenswiedergutmachung
  • Jugendarrest
  • Jugendstrafe.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Der Tag: Zwölfjähriger soll auf Jugendlichen eingestochen haben

Ein Streit in Dresden endet blutig, nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt – einen Zwölfjährigen. Er soll einen 17 Jahre alten Jugendlichen mit einem Messer attackiert haben.

  • Der Junge sei als Tatverdächtiger einer Messerattacke am Hauptbahnhof ermittelt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
  • Er soll dem Älteren bei einer Auseinandersetzung zweier Gruppen Stichverletzungen zugefügt haben. Der Vorfall ereignete sich Ende 2017.
  • Nach ersten Erkenntnissen waren die Gruppen zufällig aneinandergeraten. Eine verbale Provokation soll Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sein.



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Platz an der Schule könnte ein Treffpunkt werden

Jugendfreizeitplatz in DitzingenPlatz an der Schule könnte ein Treffpunkt werden

An der Konrad-Kocher-Schule soll  nach dem Wunsch des Jugendgemeinderats ein Ort der Begegnung entstehen. Foto: factum/Archiv

Ditzingen – Mit großer Mehrheit hat sich der Gemeinderat für den Standort Konrad-Kocher-Schule zur Einrichtung eines Jugendfreizeitplatzes ausgesprochen. Er folgte damit einer entsprechenden Empfehlung des Ausschusses für Finanzen, Kultur und Soziales. Einzig Dieter Schnabel (Unabhängige Bürger) stimmte dagegen. Beschlossen und gebaut ist der Platz damit freilich nicht: In einem nächsten Schritt folgt nun eine öffentliche Bürgerinformation, um Kritik und Anregungen bereits im Vorfeld in die Planungen aufzunehmen. Für dieses Vorgehen hatten sich sowohl die Verwaltung als auch der Jugendgemeinderat ausgesprochen. Erst danach will der Gemeinderat endgültig darüber befinden. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von bis zu 50 000 Euro.

Allerdings regt sich schon Widerstand gegen den geplanten Platz. Etliche Anwohner haben sowohl die Sitzung des Fachausschusses als auch des Gemeinderats in Anwesenheit ihres Anwalts verfolgt. Dass dieser Standort – wie andere Plätze auch – nicht konfliktfrei sein würde, hatte der Oberbürgermeister Michael Makurath den Jugendlichen bereits mitgeteilt. Die Anwohner befürchten vor allem Lärm.

Neben den Anwohnern waren auch zahlreiche Jugendliche in den Gremien anwesend gewesen, um der Diskussion zu folgen. Die Initiative für die Einrichtung eines Treff- und Grillplatzes war vom Jugendgemeinderat ausgegangen.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Erziehung: Schmollende Kinder bloß nicht „beleidigte Leberwurst“ nennen

Manchmal ziehen sich Kinder nach Auseinandersetzungen oder wenn sie sich über etwas geärgert haben, beleidigt in ihr Schneckenhaus zurück. Wie sollen Eltern in solchen Situationen mit ihrem schmollenden Nachwuchs umgehen? Ein Experte weiß Rat.

„Sei mal nicht so eingeschnappt“, sagt die Mutter ärgerlich. Doch ihre zehnjährige Tochter Lena sitzt unbeirrt mit einer trotzigen Schnute auf dem Sofa, die Hände überm Bauch verschränkt und schaut grimmig Löcher in die Luft. Lena schmollt. Das tut sie öfter – vor allem dann, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hat oder sie bei einem Streit nicht mehr weiter weiß. Dieses Mal ist Lena wegen des Fernsehverbots eingeschnappt, das ihre Mutter verhängt hat, weil sie trotz mehrfacher Aufforderung ihr Zimmer nicht aufgeräumt hat.

Schmollen ermöglicht eine Auszeit und Abstand

Für Kinder, die bei Konflikten ähnlich wie Lena reagieren, ist der Rückzug in die Schmollecke häufig die einzige Möglichkeit mit ihrer Wut und ihrem Ärger klar zu kommen. Sie fühlen sich in solchen Augenblicken unverstanden, wehrlos und gekränkt und haben das Gefühl – wie in dieser Auseinandersetzung mit der Mutter – nicht auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Doch Schmollen ist nicht nur reiner Protest: Verschiedene Gefühle mixen sich hier zu einem widersprüchlichen Cocktail.

Ein Cocktail widersprüchlicher Gefühle

„Schmollen ist eigentlich Ausdruck von Frustration und Überforderung, was Kinder ihrer Umgebung meist deutlich signalisieren‚ indem sie in Ruhe gelassen werden wollen und weitere verbale Kommunikation unterbrechen,“ erklärt Diplompsychologe und Familientherapeut Andreas Engel gegenüber t-online.de.

„Zugleich strafen sie dabei auch den anderen ab, um so Einfluss auf sein Verhalten nehmen zu können und vielleicht doch noch ihre Interessen und Wünsche durchzusetzen.“

Doch Schmollen sei auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und der nach außen gerichtete Apell: „Kümmer dich um mich und hilf mir wieder raus aus dem Loch!“ Dieses Verhalten habe etwas sehr Demonstratives.

Schmollen schauen sich Kinder bei anderen ab

Eine Schnute zu ziehen und eingeschnappt zu sein will allerdings gelernt sein. Kleinkinder unter drei Jahren wissen nämlich noch nicht, „wie Schmollen geht“. Erst ab dem Kindergartenalter beginnt der Nachwuchs – abgeschaut bei Erwachsenen oder bei älteren Kindern – die entsprechenden Verhaltensweisen nachzuahmen.

Auch Jugendliche schmollen

Typisch und häufig ist der demonstrative Rückzug allerdings während der Pubertät: In dieser Phase ist es ein wesentliches Werkzeug für Kinder im sozialen Umgang mit anderen. Es gehört dann zum festen Repertoire der Jugendlichen so mit ihrer Frustration umzugehen und sich deutlich abzugrenzen.

Eltern sollten Schmollen ihrer Kinder nicht belächeln

Doch wie sollen Väter und Mütter auf eingeschnappte Kinder beziehungsweise Teenager reagieren, um ihnen aus dem Gefühlstief herauszuhelfen? Wichtig sei, kommentiert Psychologe Engel, dass Eltern die abweisende Haltung ihrer Kinder nicht persönlich nehmen dürfen. So seien auch Ironie und Zynismus fehl am Platz, genauso wie die Kinder mit abwertenden Kommentaren zu belächeln und sie etwa als „beleidigte Leberwurst“ oder „Schmoll-Zicke“ abzutun.

„Wenn man in solchen Momenten das Kind noch zusätzlich herabwürdigt und nicht ernst nimmt“, so Engel, „macht es alles nur noch schlimmer. Man sollte stets versuchen, die Beziehung positiv mit einer Portion Humor und Gelassenheit anzugehen und nicht noch zusätzlich in Wunden rumstochern.“

Auszeit respektieren und Gesprächsbereitschaft signalisieren

Die beste Strategie für Eltern, um ihren eingeschnappten Kindern zu helfen, ist die Distanz und das „Time-Out“ zu respektieren und zunächst einige Zeit verstreichen zu lassen, bevor sie den ersten Versuch unternehmen, wieder behutsam Kontakt zu ihrem Nachwuchs aufzunehmen und einfühlsam Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, rät Andreas Engel.

„Gerade die selbst gewählte Auszeit, in der Kinder häufig in einen inneren Dialog treten, kann bewirken, dass sie über die Konfliktsituation nachdenken und sich so ihre Emotionen nach und nach von alleine verändern. Sie machen dann vieles mit sich selbst aus und das erhitzte Gemüt kühlt dann oft wieder runter.“

Zu schnell zu intervenieren und Machtworte zu sprechen oder ein Ultimatum zu setzen, um der Schmollerei ein schnelles Ende zu bereiten, sei dagegen keine gute Strategie. Dann reagierten die Kinder oftmals nur noch trotziger und abweisender, zögen sich noch mehr zurück.

„Schmollen ist eine kulturell verfeinerte Form der Aggression“

Kindliche Schmollreaktionen sollten von Müttern und Vätern also nicht negativ bewertet oder gar bekämpft werden, denn sie haben eine wichtige Funktion: „Dieses Verhalten, das man als kulturell verfeinerte Form der Aggression bezeichnen kann, ist für Heranwachsende eine frühe Möglichkeit, den Umgang mit Frustration zu lernen und dabei gleichzeitig mit anderen im sozialen Kontakt zu bleiben“, so das Fazit von Engel.

Gerade für jüngere Kinder, die sich in der Auseinandersetzung mit ihren Eltern oft klein und hilflos fühlten und noch nichts gegen die verbale Übermacht der Erwachsenen setzen könnten, sei Schmollen deshalb ein äußerst wirkungsvolles Instrument. So könnten sie sich einfach der Kommunikation entziehen.“

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

„Mirror, Mirror“: kein Modelbuch: Das Teenie-Trauma der Cara Delevingne


Wer war schon gerne Teenager? Eben. Jugend fühlt sich oft mies an und lässt sich erst retrospektiv zur besten Zeit des Lebens stilisieren. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Ihr nähert sich Supermodel Cara Delevingne in ihrem Debütroman „Mirror, Mirror“.

Ein Model schreibt ein Buch – ohne kalorienreduzierte 5-Minuten-Rezepte, ohne Einrichtungstipps. Die Erwartungen könnten kaum geringer sein. Das Model ist Cara Delevingne, eine der meistfotografierten Frauen unserer Zeit. Und eine von den Promi-Damen, die sich mühen, zu beweisen, dass sie mehr sind als ein hübsches Gesicht. Delevingne musste dazu erst einmal der Modebranche den Rücken kehren. Seit 2015 nennt sie sich Schauspielerin. Sie war der Star eines Teenie-Mystery-Streifens, die Schurkin in einem Superhelden-Film, eine Prostituierte im Tulpenfieber und schließlich das Gesicht eines Weltraum-Epos. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre erste Single „I Feel Everything“. Nun also ein Buch.

Ein bisschen will man „Mirror, Mirror“ belächeln. Doch allzu einfach macht es Delevingne einem damit nicht. Los geht es schon bei der Autorenschaft. Während der Titel des Buchs auf dessen Cover hinter Delevingnes Namen verschwindet, tut der ihrer Ko-Autorin während der Promo-Arbeit für „Mirror, Mirror“ nicht. Delevingne hat die britische Bestseller-Schreiberin Rowan Coleman engagiert, ihren Gedanken Form zu geben und das, was sie sich unbedarft überlegt hat, lesbar zu gestalten. Ein Geheimnis hat sie daraus nicht gemacht. Sie allein hätte sich selbstverständlich nie zugetraut, einen Roman zu verfassen, erzählt Delevingne in Interviews – schon allein wegen ihrer miesen Schulnoten damals.

Von Emojis bis Dark Net

Delevingne hat ihre Jugend nicht nur einmal öffentlich zum Thema gemacht. Sie hat davon gesprochen, wie es war, mit einer süchtigen Mutter aufzuwachsen, und davon, wie es sich anfühlt, wenn man selbst nicht mehr leben will. Als sie eine Frau liebte und die Welt ihr so gern ein Label aufgedrückt hätte, berichtete sie davon, wie man sie schon als Kind nicht hatte zuordnen können – und wie sehr sie darunter gelitten hatte. Jüngst ging auch sie mit einer Geschichte über Harvey Weinstein an die Öffentlichkeit, den mit ihr Dutzende Frauen sexueller Übergriffe beschuldigen. Auch wenn „Mirror, Mirror“ nicht autobiografisch sein will, man liest ganz viel Delevingne heraus.

Das Herz der Geschichte bildet die Band, die dem Buch ihren Namen gibt. „Mirror, Mirror“ droht auseinanderzubrechen, als ein Mitglied verschwindet. Während die jugendlichen Außenseitertypen ihre sexuellen Identitäten verhandeln und die eigenen Eltern verkraften, müssen sie nun außerdem noch ihre Freundin finden. Je länger sie fortbleibt, desto deutlicher wird: Etwas Furchtbares muss passiert sein. Die Kombination aus Kriminalfall und jugendlichen Emotionen ist in der Teenie-Literatur populär. Wenig ist wirklich gut, vieles gefällt. Deutlich positiv sticht bei „Mirror, Mirror“ heraus, wie selbstverständlich Gegenwartskultur von Emojis bis Netflix in die Geschichte eingewoben ist. Da traut sich jemand, den Plot ins Dark Net zu führen – ein Unort, den die meisten Erwachsenen bis heute nicht begriffen haben.

Klare Botschaft: „Liebe dich selbst“

Für „Mirror, Mirror“ spricht außerdem die Härte, mit denen der Plot seinem Leser die Schlechtigkeit der Welt um die Ohren haut. Es soll gar nicht erst der Verdacht aufkommen, es handle sich um Teenie-Sorgen, die die Zeit in Form von Reife einmal zerstreuen wird. Es geht um Sex, Drogen und Misshandlung. Um familiäre Traumata, die zu verdauen ein Leben kaum reicht. Der jugendliche Leser wird ernst genommen, der erwachsene aufgeklärt. Vieles dabei ist Pose. Delevingne will aufklären über psychische Krankheiten und denjenigen Mut machen, die sich um ihren Platz im Leben sorgen. So hat sie das erklärt. Statt wirklich streitbarer Charaktere bedeutet das immer wieder Parolen à la „Liebe dich selbst“ und „Du bist perfekt, so wie du bist“. Das muss einem nicht gefallen, jedenfalls aber muss man anerkennen, dass sich solche Slogans nicht zufällig eingeschlichen haben und es sich dabei um eine gezielte Prioritätensetzung Delevingnes handelt.

Delevingne hat mit maximal viel Authentizität Millionen Fans hinter sich versammelt und so in mehr als einer Branche Fuß gefasst, die für gewöhnlich unter dem Vorwurf der Künstlichkeit ächzt. Die Literaturwelt wird sie nicht im Sturm erobern. Dafür fehlt es „Mirror, Mirror“ nicht zuletzt am ausgefeilten Spannungsbogen. Es braucht so circa 150 Seiten, bis die Geschichte einen erfasst, dann aber tut sie es – überraschend heftig und ungestüm. Jedenfalls stört es kaum mehr, dass sich die große Auflösung der Geschichte bereits deutlich vor der letzten Seite abzeichnete.

„Mirror, Mirror“ von Cara Delevingne bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden



Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Bei den Special Olympics treten geistig behinderte Sportler an

Bei den Special Olympics treten geistig behinderte Sportler an

Dabei sein ist alles.“ Unter diesem Leitmotiv finden auch die Special Olympics statt, die weltweit größte, vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Damit einher gehen oft auch körperliche Behinderungen. Die Paralympics für Athleten mit ausschließlich körperlichem Handicap sind weltweit bekannt. Die Idee, auch geistig behinderte Menschen für den Sport zu begeistern, stammt aus den sechziger Jahren. Eunice Kennedy Shriver, Schwester von John F. Kennedy, rief die Organisation ins Leben. Auslöser war die Behinderung ihrer älteren Schwester Rosemary. „Bei den Special Olympics geht es um weitaus mehr als nur um den sportlichen Wettbewerb. Es soll die Integration fördern und Menschen mit Behinderung die Chance geben zu beweisen: ,Ich kann was‘“, erklärt Marga Fluhr. Die sportliche 61-Jährige ist die Vorsitzende der Special Olympics Saarland, eines der 14 Landesverbände Deutschlands.

Leichtathletik, Boccia und Floorball

Hauptberuflich arbeitet Fluhr als Lehrerin an der Förderschule Winterbachroth in Saarbrücken. „Ich habe damals mit einer Kollegin aus Thüringen gesprochen. Dort war Special Olympics schon viel stärker vertreten.“ Kurz darauf habe sie eine Versammlung von Kollegen und Sportbegeisterten einberufen, um Special Olympics auch im Saarland ins Leben zu rufen. Anfangs waren es fast nur gemeinsame Sportveranstaltungen von Schulen. Seit zehn Jahren existiert die Organisation Special Olympics Saarland. Im vergangenen September fanden die ersten Landesspiele statt. Ein großer Erfolg. Mehr als 550 Teilnehmer traten in sechs Sportarten gegeneinander an. Leichtathletik, Tischtennis, Boccia, Radfahren und Floorball wurden in der mitten im Saarbrücker Stadtwald gelegenen Hermann-Neuberger-Sportschule ausgetragen. Das Schwimmen fand in einem Schwimmbad in der Nähe von Saarbrücken statt. Boccia wurde erst vor kurzem als neue Sportart eingeführt. Besonders bei Athleten im Rollstuhl ist diese Sportart beliebt. „Ein Schüler, der im Rollstuhl sitzt, hatte vor den Landesspielen große gesundheitliche Probleme. Er konnte nur wenig trainieren und auch nur stundenweise in die Schule gehen. Aber er wollte unbedingt teilnehmen, vermutlich auch um zu beweisen, dass er etwas kann und durchaus sportliche Fähigkeiten besitzt. Tatsächlich hat er es geschafft anzutreten und konnte sogar die Silbermedaille gewinnen. Seine Mutter war den Tränen nahe. Es war ein ergreifender Moment“, erinnert sich Fluhr.

Andere brauche doppelt so lang, niemand wird ausgeschlossen

Unterteilt werden die Sportler in verschiedene Leistungsgruppen. „Wir haben Athleten, die 1500 Meter in fünf Minuten laufen. Andere brauchen für 50 Meter doppelt so lang. Aber niemand wird ausgeschlossen. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings das Training. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler schließlich zum Sport animieren“, erklärt sie. Die Sportler und ihre Trainer schicken bestimmte Vorzeiten ein, also Zeiten aus anderen Wettkämpfen oder Trainingsläufen. Danach erfolgt die Einteilung in Gruppen, die aus maximal acht Teilnehmern bestehen. Damit niemand schummeln kann und keine falsche Vorzeiten einschickt werden, um in eine andere, womöglich schwächere Leistungsgruppe eingeteilt zu werden, gilt die 15-Prozent-Regel. Weicht die tatsächliche Leistung der Athleten um mehr als 15 Prozent von der Vorzeit ab, dann gehen die Teamleiter davon aus, dass sie falsch ist. Überdies gibt es eine Altersdifferenzierung. Eine wirkliche Leistungskurve gibt es allerdings nicht.

Sie können mehr von den nachrichten auf lesen quelle

Jugendliche entscheiden mit

Kulturinsel Bad CannstattJugendliche entscheiden mit

Wo wollen Jugendliche sich gerne treffen und aufhalten? Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Bad Cannstatt – Mit dem Projekt „Junges Stuttgart – Eure Orte“ will die Stadtverwaltung die Planung und Ausstattung von Räumen für Jugendliche im Stadtbezirk auf neue Standbeine stellen. Bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, 14. Oktober, in der Kulturinsel an der Güterstraße 4 (beim Zollamt) sind Jugendliche eingeladen, sich zu äußern und zu informieren. Für den Hunger zwischendurch gibt es Hotdogs und Pizza, zudem gibt es eine Fahrt zum Europapark zu gewinnen. Beginn ist um 17 Uhr.

Grundlage für künftige Planungen und Entscheidungen

Bis 2017 soll ein Masterplan „Räume für Jugendliche“ erstellt werden. Es sind unter anderem Beteiligungsaktionen und eine Bürgerbefragung geplant. Beteiligt an dem Projekt sind das Institut für Stadtplanung und Sozialforschung Weeber+Partner sowie das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart. Die Ergebnisse sollen dem Jugendgemeinderat und der Stadtverwaltung als Grundlage für künftige Planungen und Entscheidungen dienen. Zwei Bewegungsangebote sollen direkt nach Projektende umgesetzt werden.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

Ohrloch stechen: Ab wann sind Ohrringe bei Kindern unbedenklich?

Mädchen-Eltern wissen, dass sich häufig schon die ganz Kleinen Ohrringe wünschen. Aber ab wann sind Ohrlöcher bei Kindern eigentlich unbedenklich? Wir sagen, worauf Eltern achten sollten.

Bereits kleine Mädchen sind fasziniert von Schmuck – viele Mamas machen es vor und auch der Handel offeriert ein großes Angebot an Armreifen, Ketten und Haarspangen schon für die Allerkleinsten. Einem Kleinkind oder gar Baby Ohrlöcher stechen zu lassen, geht über das reine „Schmücken“ jedoch hinaus.

Ärzte warnen vor Ohrlöchern bei Minderjährigen

Für Kinderärzte ist der Fall klar. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor dem Stechen von Ohrlöchern bei Kindern. „Ohrlochstechen, Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen sind aus unserer Sicht Körperverletzung“, sagt BVKJ-Ehrenpräsident Wolfram Hartmann. „Jeder Eingriff in den intakten Körper eines Kindes ist problematisch.“

Angriff auf die körperliche Integrität

Die selbe Meinung vertritt der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, Friedrich-Wilhelm von Hesler. „Jeder Angriff auf die körperliche Integrität ist eine Körperverletzung – auch das Ohrlochstechen“, findet der in Hannover und Berlin praktizierende Arzt. „Das Kind kann nicht einwilligen und die Eltern dürfen nicht in alles einwilligen.“ Kinder ab 14 Jahren sollten selbst entscheiden – wenn sie strafmündig sind – aber ausdrücklich nur mit Einwilligung der Eltern.

Ohrlöcher bei kleinen Kindern seien nicht notwendig, sagt von Hesler. „Die Ohrringe sind doch eher Schmuck für die Eltern.“ Er habe schon erlebt, dass die Wunden nicht gut heilten. „Wenn das Ohrläppchen abfault, ist man fürs ganze Leben entstellt.“

Wann Juweliere und Piercing-Studios Einwilligung verlangen

Derzeit gibt es für Tätowierungen und Piercings – und damit auch das Stechen von Ohrlöchern – in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze. Die Berufsverbände haben sich unterschiedliche Regelungen auferlegt. Die Europäische Vereinigung für professionelle Piercings (EAPP) spricht sich gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus.

„Das lehnen wir grundsätzlich ab“, sagt die EAPP-Vorsitzende Martina Lehnhoff. Bei älteren Jugendlichen werde die Zustimmung beider Elternteile gefordert. Diese müssten auch beim Vorgespräch anwesend sein, wo sie über die Risiken, die Pflege sowie die Nachsorge aufgeklärt würden.

Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) sieht hingegen keine Notwendigkeit für eine Altersgrenze. „Wir können den Erziehungsberechtigten ihre Verantwortung nicht abnehmen“, sagt BVJ-Geschäftsführer Joachim Dünkelmann. Die Empfehlung des Verbandes lautet, bei unter 16-Jährigen die Einwilligung und Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten zu fordern.

Bei Jugendlichen ab 16 Jahren ist nach Ansicht des BVJ eine schriftliche Einverständniserklärung ausreichend. Der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) lehnt Tätowierungen für Jugendliche unter 18 Jahren ab.

Das sind die Risiken von Ohrschmuck

Ohrlochstechen wird landläufig als harmlos betrachtet. Doch tatsächlich bestehen einige Risiken:

  • Nickel-Allergie: Seit 1998 dürfen die ersten Stecker, die in der frischen Wunde verbleiben, nicht mehr als 0,05 Prozent Nickel enthalten. Immer wieder ergeben Messungen, dass Ohrstecker weit mehr Nickel enthalten. Entwickelt sich eine Allergie, ist diese dauerhaft. Allerdings ist es äußerst schwierig, im Alltag Nickel zu vermeiden, da der Allergieauslöser in so vielen Gegenständen enthalten ist: Beispielsweise in Schmuck (Gold und Silber), Armbanduhren, Türklinken, Reißverschlüssen, Knöpfen, Scheren, Münzen, Implantaten aus Chirurgenstahl. Achtung: Der Hinweis „Oberfläche nickelfrei“ bedeutet meist nichts anderes, als, dass das nickelhaltige Schmuckstück nur mit einer Lackierung überzogen ist, die sich auflösen kann.
  • Das Schießen: Meist wird eine sogenannte Ohrlochpistole verwandt. Diese Methode ist verbreitet, aber nicht empfehlenswert. Der stumpfe Erststecker wird mit Druck durch das Gewebe gepresst und zerfetzt es gleichsam, es wird geschädigt und heilt langsamer. Die schonendere Methode ist das Stechen mit einer sterilen Einmalnadel von einem Arzt oder in einem seriösen Piercingstudio.
  • Sterilisieren: Ein weiteres Problem der Ohrlochpistolen ist, dass sie nicht medizinisch einwandfrei sterilisiert werden können. Sie könnten also auch Krankheitserreger in die offene Wunde einbringen.
  • Verschlucken: Vor allem bei kleinen Kindern besteht die Gefahr, dass sie Kleinteile verschlucken könnten, wenn sie an den Ohrringen herumspielen und die sich lösen. Am besten sollte man Kleinkindern nur flache Stecker, nicht hängende Ringe oder baumelnden Ohrschmuck geben.

Die richtige Pflege für Ohrlöcher

  • Für die Erststecker eignet sich am besten Titan, der nickelfrei ist. Diese Erstecker verbleiben mehrere Wochen im Ohr. Ist das Ohr abgeheilt, kann auch Gold- und Silberschmuck getragen werden.
  • Juweliere empfehlen zwar häufig, die ersten Stecker täglich im Ohrloch zu drehen, das ist aber nicht nötig, verletzt sogar den Heilprozess im Hautkanal. Verkrustungen und festsitzende Stecker lösen sich von selbst wieder.
  • Diese Erststecker müssen auch beim Sport getragen werden. Dann wegen der Verletzungsgefahr unbedingt mit Pflaster abkleben. Später müssen Ohrringe beim Sport – vor allem bei Mannschaftssportarten mit Körperkontakt – entfernt werden.
  • Reizung meiden: Nicht an den Steckern herumspielen, nicht sofort Haare waschen, zwei Wochen nicht baden gehen, nur mit sauber gewaschenen Händen an das Ohr fassen, täglich Desinfektionslösung an das Loch tröpfeln.
  • Das Einsetzen und Herausnehmen so üben, dass der Stecker nicht verloren gehen kann.

Sie können mehr von den Nachrichten auf lesen quelle

background