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Helmut Querhammer leistet mit den Tieren Landschaftsschutz

Helmut Querhammer leistet mit den Tieren Landschaftsschutz

Die Tiefwerder Wiesen sind ein idyllisches Plätzchen in Berlin-Spandau. Umschlossen von Wald und Wasser, findet man hier einen für Berliner Verhältnisse großen Artenreichtum an Tieren und Pflanzen. Vögel zwitschern, Insekten schwirren, und hin und wieder fliegt ein Reiher vorbei. Bei näherer Betrachtung entdeckt der Spaziergänger ein Tier, das eigentlich nicht in diese Umgebung passt. Mitten auf den Feuchtwiesen grasen Asiatische Wasserbüffel. Die massigen, schwarzen Tiere mit ihren großen, geschwungenen Hörnern bieten schon von weitem einen imposanten Anblick. Die Zahlen sprechen für sich: Bis zu 900 Kilo kann ein Wasserbüffel-Bulle schwer werden, die Kühe erreichen ein Gewicht von etwa 700 Kilo.

In Brandenburg verkamen Flächen

Die Tiere gehören Helmut Querhammer und sind seit 2011 Bestandteil eines Projekts der Berliner Senatsverwaltung sowie einiger Bezirksämter zur natürlichen Beweidung von Landschaftsschutzgebieten. „Früher wurden die großen Wiesen gemäht, und das Gras wurde abtransportiert, was einen deutlich größeren Aufwand und entsprechende Kosten bedeutete“, erläutert der Züchter. Die Idee der natürlichen Beweidung entstand vor 25 Jahren. Nach der Wende verkamen in Brandenburg immer mehr Grünflächen. Um diesen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere zu bewahren, begann man, diese Flächen mit Galloway- Rindern zu beweiden. Querhammer hat heute 45 Kühe samt Nachkommen. Vor sechs Jahren kamen die Wasserbüffel dazu.

In ihren Suhlen leben Amphibien

Zurzeit residiert eine Herde von sechs Tieren auf dem 15 Hektar großen, eingezäunten Areal in Spandau. Franz, der Bulle, und seine fünf Kühe grasen hier seit Beginn des Projekts. Warum Wasserbüffel? Hätten es normale Rinder nicht auch getan? „Die Tiefwerder Wiesen sind als Teil des ehemaligen Flussdeltas der Spree sehr feucht und morastig“, erklärt Querhammer. „Normale Rinder kämen auf diesem Terrain nicht gut voran.“ Sie seien auf anspruchsvolles Futter angewiesen. „Wasserbüffel hingegen, die neben dem Afrikanischen Kaffernbüffel auch die einzigen echten Büffel sind, kennen dieses Problem nicht.“ Die robusten Tiere sind als Wiederkäuer in der Lage, das Gras optimal zu verwerten. Das hat den Vorteil, dass im Sommer kein Zufüttern erforderlich ist: „Sie können sich auch von minderwertigem Futter wie Schilf gut ernähren. Ferner schaffen sie durch Anlage von Suhlen wichtige Lebensräume für Vögel, Insekten und Amphibien.“

Sie kühlen sich im Wasser ab

Zudem entsprechen die Feuchtwiesen ihrem natürlichen Lebensraum. „Der Büffel hat deutlich weniger Schweißdrüsen als ein Rind und muss sich somit, wenn es ihm zu warm wird, regelmäßig im Wasser abkühlen.“ Das passiert häufig schon bei Temperaturen von etwa 20 Grad. Weitere Herden Querhammers weiden in einem anderen Feuchtgebiet, dem Tegeler Fließ in Reinickendorf. Er hat 15 Wasserbüffelkühe, deren Nachkommen und zwei Zuchtbullen. Für den Winter werden die Tiere nach Potsdam-Fahrland umgesiedelt. Dort halten sie sich im Freien auf, können sich aber in Ställe zurückziehen. Diese Option nehmen sie aufgrund ihres dünnen Fells gerne in Anspruch. Zudem werden sie mit Heu gefüttert. Muss man die Büffel für den Transport ruhigstellen? Helmut Querhammer lacht: „Nein. Die Büffel sind mittlerweile so routiniert, dass sie den Ablauf kennen. Wenn wir mit dem Hänger kommen, dann stehen sie schon vorne an.“

Streicheleinheiten kommen gut an

Man müsse nur darauf achten, dass die Tiere zusammen transportiert werden, die sich auch verstehen. „Auch wenn man es nicht vermutet, sie haben jeder für sich eine eigene Persönlichkeit.“ Sie wollten eine persönliche Ansprache. Daher gebe er ihnen Namen, das führe zu einer emotionalen Bindung zu den Tieren, vor allem bei älteren Herden. Wenn er ruft, kommen sie zu ihm. Sie werden gerne gestreichelt, genießen die Nähe vertrauter Personen und sind im Allgemeinen friedfertige Tiere. „Dennoch sollte man als Unbekannter vor allem den Kühen nicht zu nahe kommen, da das den Bullen nur unnötig provozieren würde“, warnt Querhammer. „Zudem sind sie sich ihrer Masse nicht bewusst. Selbst wenn sie also nur neugierig sind, kann es passieren, dass sie einen Menschen verletzen.“

Ihnen steht ein schlimmeres Schicksal bevor

Die in den Tiefwerder Wiesen beheimatete Fauna nimmt keinen Schaden durch das Projekt, ganz im Gegenteil: „In den ersten zwei Jahren war es so, dass den Wildschweinen das etwas unheimlich war mit den Büffeln“, sagt Querhammer. Mittlerweile haben aber auch sie sich an die fremden Nachbarn gewöhnt.“ Um Inzest zu vermeiden, werden die weiblichen Kälber im Alter von einem Jahr von der Herde getrennt, damit sie nicht vom Leitbullen besprungen werden. Sie werden verkauft oder in neue Herden eingegliedert. Ein erwachsenes Tier kostet bis zu 1500 Euro. Den männlichen Kälbern steht ein schlimmeres Schicksal bevor. Wie bei freilebenden Büffeln werden junge Bullen aussortiert: Sind sie groß genug, stellen sie eine Konkurrenz für den Leitbullen dar. Dieser Konflikt endet in der Natur nicht selten tödlich. Einmal aus der Herde herausgenommen, werden die domestizierten Tiere entweder geschlachtet, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben, oder mit ihnen wird eine neue Herde gegründet. Für einen Zuchtbullen zahlt man 2500 Euro.

Sein Motiv sei Idealismus

Das hochwertige Fleisch verkauft Querhammer auf seinem Hof in der Döberitzer Heide. Geschmacklich sei das etwas Besonderes, fett- und cholesterinarm. Die Haltung der Büffel sei zwar verhältnismäßig einfach, doch das entbinde den Halter nicht von täglichen Kontrollen. So müssten die Zäune instand gehalten und die Tiere auf Krankheiten und Verletzungen untersucht werden. Das Projekt in Berlin sei „gerade einmal kostendeckend“, die Haltung der Galloway-Rinder auf den großen Flächen in Brandenburg sei deutlich wirtschaftlicher. Die Büffel halte er aus Idealismus: „Es ist mir wichtig, dem Städter landwirtschaftliche Tierhaltung nahezubringen und dabei kostengünstig und naturschutzfachlich hochwertige natürliche Lebensräume zu pflegen.“

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Besuch auf einer gut geführten Farm im bayrischen  Kolbermoor

Besuch auf einer gut geführten Farm im bayrischen Kolbermoor

Man hört schon von weitem das Schreien der Esel. Bald gibt’s Futter. Mit einem netten „Servus“ wird man von Irmgard Pross-Kohlhofer, die Gummistiefel und eine alte Jeans trägt, in eine große Holzscheune gebeten. Die Esel hausen in einem teils überdachten, teils freien Gehege im oberbayrischen Kolbermoor bei Rosenheim. Mit einem hohen Schritt über die Türschwelle ist man schon im Futterparadies – falls man ein Esel ist. Heuballen stapeln sich, auf dem Boden liegt kein einziger Strohhalm, denn die Urbayerin legt großen Wert auf Sauberkeit.

300 Kilogramm Heu in zehn Tagen

Neben dem Eingang stehen hohe Metallregale mit Leckerlis, Bürsten und Werkzeugen. Schwere Säcke mit Stalleinstreu lehnen an der Wand; sie helfen gegen den beißenden Gestank von Urin. Gegenüber liegt ein zerfallener, halb aufgebrauchter Rundballen. „In zehn Tagen fressen die einen 300 Kilogramm schweren Heuballen“, sagt die Eselfreundin. Morgens gibt es 13 Kilogramm, mittags neun und zum Abendessen nochmal 13 Kilogramm Heu für die zehn teils wuscheligen, teils glatthaarigen Esel.

Zuerst war es ein einziger, einsamer Esel

Es sei nie ein großer Traum von ihr gewesen, eine Eselgemeinschaft zu leiten, das kam alles durch Zufall. Die Kolbermoorerin wurde vor 15 Jahren im Internet auf die Esel & Muli Freunde aufmerksam, so wurde der Traum von einem eigenen Esel geboren. Zuerst war es nur ein einziger, einsamer Esel, in wenigen Jahren wurden es sechs Stück. Weil sie auch anderen Menschen die flauschigen Tiere nahebringen wollte, begann sie 2008 Trekkingtouren und Patenschaften anzubieten. Bis jetzt habe es noch nie Probleme mit den Paten gegeben. Sie nennen sich „Eselfreunde Kolbermoor“ und sind im Internet zu finden. Neben der Leitung des Eselstalls ist Irmgard Pross-Kohlhofer als Verwaltungsfachangestellte tätig. Neben den Eseln hat sie zwei Hunde, die sie mit derselben Liebe behandelt. In ihrer Freizeit geht sie es gerne gemütlich an: entspannt in einem Biergarten oder mit Freunden grillen. Viel Zeit bleibt dafür jedoch nicht.

Touristenattraktionen ignorieren das

Viele haben eine komplett falsche Vorstellung von Eseln, denn sie sind keine Rasenmäher wie Kühe. Bei zu vielem frischen Gras bekommen sie schnell Koliken, die bis zum Tod führen können. Esel sind extrem sensible und komplizierte Tiere. Viele denken zum Beispiel, sie seien Lasttiere, die schwere Ladungen tragen könnten. „Auf gar keinen Fall“, sagt die 44-Jährige. Esel dürfen gerade mal 20 Prozent ihres eigenen Gewichts auf ihrem Rücken schleppen, das heißt auch keine Menschen. Denn bei einem durchschnittlichen Gewicht eines Esels von 150 bis 200 Kilogramm bleibt nicht viel Spielraum für Erwachsene. Das werde jedoch für zahlreiche Touristenattraktionen in südlichen Ländern ignoriert.

Wüstentiere ohne dickes Fell

Durch eine Eisentür gelangt man in einen umzäunten Bereich, den Paddock, der mit Kies befestigt ist. Jedoch sieht man gerade keinen einzigen Esel. „Die verstecken sich alle im Unterstand“, erklärt Irmgard Pross-Kohlhofer lächelnd. Es regnet und ist dazu auch noch kalt. „Das mögen die gar nicht.“ Esel sind eigentlich Wüstentiere, die kein dickes Fell wie Pferde haben, und zudem saugt sich das Fell mit Wasser auf. Das kann nicht angenehm sein. Deswegen ist es immer wichtig, einen Schutz für die Tiere zu haben. Schnell merken die wuscheligen Gesellen aber, dass etwas anders ist. Mit der großen Nase voraus beschnuppern sie neue Besucher zwar noch ein wenig zurückhaltend, aber neugierig: natürlich immer im Hinterkopf, der Neue könnte etwas zu fressen dabei haben.

Nicht den eigenen Willen aufzwingen

„Das ist Cinderella“, sagt Irmgard Pross-Kohlhofer. Ein weißer, etwa 1,20 Meter großer kontaktfreudiger Esel mit gespitzten Ohren tastet sich langsam heran. Er war eines ihrer ersten Tiere. „Ein Esel hat einen eigenen Charakter. Man kann ihm nicht seinen eigenen Willen aufzwingen“, sagt die Tierfreundin. Deswegen kann es länger dauern, bis ein Esel zu einem kommt. Aber genau das interessiere sie. Einen Stall mit zehn Eseln zu pflegen sei nicht leicht: Jeden Tag den Mist wegräumen, die Futtertröge auffüllen und sich Gedanken machen, wo man am besten die nächsten Heuballen kauft. An gutes Heu heranzukommen, das nicht zu nahrhaft ist, ist leichter gesagt als getan. „Am liebsten hätte ich einen eigenen Bauernhof, auf dem ich alles selbst machen kann.“

Regierungsbeamte als Paten

Sie erfreut sich immer wieder daran, wenn sie anderen Menschen den Esel näherbringen und ihnen durch das Tier Freude bereiten kann. Daher kann man eine Eselpatenschaft übernehmen. Das geht aktiv, indem man seinen auserwählten Lieblingsesel so oft man will besuchen kommt, ihn streichelt oder pflegt oder ihn bei Trekkingtouren eigenständig führt. Wem das zu viel Zeitaufwand ist, der kann eine passive Patenschaft übernehmen und seinen Esel nur ab und zu besuchen. Die Paten kommen aus den verschiedensten Schichten: vom Regierungsbeamten bis zum Flughafensicherheitspersonal, meist ab 30 Jahren aufwärts. Manche kommen aus dem Raum München oder aus Kufstein in Österreich. Es gebe genauso viele Männer wie Frauen. Endlich ist Futterzeit. Die gesamte Herde steht in Reih und Glied am Futtertrog und kaut genüsslich das gut riechende Heu. Da vergisst man schnell das schlechte Wetter.

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Kinderärzte: mehr Kinder mit chronischen Leiden

Das vielfältige Angebot an Fast Food wirkt sich nachhaltig schlecht auf die Gesundheit aus. Kinderärzte sehen jetzt schon mehr kleine Patienten, die durch Übergewicht unter Bluthochdruck und Diabetes leiden. Für die Zukunft rechnen sie mit noch mehr chronischen Erkrankungen. Und das aus bestimmte Gründen.

Kinderärzte rechnen in Zukunft mit mehr chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Mediziner benennen die Gründe 

Ursachen dafür seien unter anderem die Folgen von Übergewicht, mehr Autoimmunerkrankungen und auch mehr Verhaltensauffälligkeiten, sagte Klaus-Michael Keller vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

„Die Verführung durch Zucker und Fast Food lauert für Kinder an jeder Ecke“, ergänzte Keller, der wissenschaftlicher Leiter 47. Kinder- und Jugendärztetages in Berlin ist. Bereits jetzt sei jedes sechste Kind zu dick und jedes 16. krankhaft fettleibig.

Das hat Folgen. Häufiger als früher müssten Kinder wegen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Fettlebern behandelt werden.

Nach Verbandsangaben haben heute jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche, die in einer Kinderarztpraxis behandelt werden, eine chronische Grunderkrankung.

Dazu zählen zum Beispiel:

  • Allergien
  • Asthma
  • Neurodermitis
  • chronische Darmentzündungen
  • Rheuma
  • Epilepsien
  • Krebs.

Das Robert Koch-Institut berichtet nach Verbandsangaben in seiner Langzeit-Kindergesundheitsstudie (Kiggs) von 11,4 Prozent Mädchen und 16 Prozent Jungen zwischen 0 und 17 Jahren mit chronischen Gesundheitsstörungen, die länger als ein Jahr andauern. Ältere Statistiken zum Vergleich gibt es laut Verband nicht.

Ursache liegt auch in den Fortschritten der Medizin

Mehr kleine Patienten mit chronischen Leiden sind aber auch ein Ergebnis der modernen Medizin. Extreme Frühchen und Kinder mit angeborenen Herzfehlern hätten heute oft einen langen medizinischen Versorgungsbedarf, sagte Keller.

„Vor 30 Jahren hätten wir ihnen aber gar nicht helfen können, sie wären nach der Geburt gestorben.“ Besser als früher ließen sich auch seltene Leiden wie Mukoviszidose behandeln. Viele Kinder mit dieser Stoffwechselstörung erreichten heute das Erwachsenenalter – früher starben sie häufig als Jugendliche.

Verbandspräsident Thomas Fischbach sieht aber auch eine Zunahme psychosozialer Erkrankungen bei Kindern. Dazu zählten vor allem die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, aber auch Folgen von Bindungsstörungen und Vernachlässigung.

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Ein ehemaliger Vertriebsleiter führt heute Lamas spazieren

Die dunkelgrauen Krallen des Tieres sind fingerdick. Sein Fell ist braun und zottelig. Der lange Hals ist aufmerksam gestreckt, während das Lama aus freundlichen, dunklen Augen in die Sonne blinzelt. Der Hengst heißt Chico; angebunden wartet er mit neun seiner Artgenossen auf die Gäste der Tour. Denn Johannes Nüdling, dem die 21 Tiere gehören und der bis vor 14 Jahren als Vertriebsleiter arbeitete, führt heute hauptberuflich Lamas spazieren.

Ursprünglich wollte er Damwild für die Obstwiese

Da seine Eltern Landwirtschaft nahe dem Rhöner Örtchen Poppenhausen besaßen, suchte Nüdling ursprünglich bloß nach Tieren, die eine kleine Wiese mit Apfelbäumen beweiden sollten. Seine Idee, dafür Damwild zu halten, scheiterte an der zu geringen Bewaldung der Fläche, weshalb ihm die Haltung von Wild dort nicht genehmigt wurde. Schließlich entschied er sich für Lamas. So kam dem damals 43-Jährigen die Idee, Lama-Trekkingtouren für Touristen anzubieten, womit er sich dann selbständig machte.

Geschenk zu Opas Geburtstag

Durch Mundpropaganda und über das Internet wurde Nüdling schnell bekannt. Auch heute ist er ausgebucht. 21 Besucher wollen mit den Lamas losziehen. Die meisten Teilnehmer gehören zu einer Geburtstagsgesellschaft. Der 80-jährige Großvater bekam die Tour zum Ehrentag geschenkt, wie seine Frau erzählt. Außer ihnen sind noch Leanne und Leo in Begleitung von Mutter und Großmutter sowie die Freundinnen Annette und Gabi dabei. Johannes Nüdling trägt schwarze Wanderstiefel und eine blaue Kappe und begrüßt alle. Auf dem T-Shirt prangt das Emblem des Familienbetriebs RhönLamas. Seine Hauptzielgruppe beschreibt er so: „Alle, die ein bisschen runterfahren wollen.“ Auch Firmgruppen und Schulklassen melden sich an. Inzwischen hat er Stammkunden, die bis zu sechsmal im Jahr kommen. „Einige von ihnen haben insgesamt schon 80 bis 100 Tage hier verbracht“, erklärt der 57-Jährige strahlend. Denn die Lamatouren gibt es für ein paar Stunden, aber auch für bis zu drei Tage.

Alle wollen das fluffige Fell berühren

In freudiger Erwartung betreten alle die Koppel. Manche zunächst ein wenig zögerlich. Die Kinder machen den ersten Schritt. Neugierig gehen sie auf die Kleinkamele zu, die die Besucher ihrerseits aufmerksam beäugen. Bald schon wollen alle das fluffige Fell der Lamas berühren. Darüber wachsen längere Haare, die vor Nässe und Kälte schützen. Am Bauch sind sie jedoch komplett kahl. Die meisten Tiere sind weiß oder hellbraun. Gaucho sticht als pechschwarzes Lama hervor und kaut entspannt. Dabei schiebt er seine Zähne nach vorne und öffnet das Maul einen Spaltbreit, fast sieht es aus, als würde er grinsen. Ähnlich wie Schafe haben Lamas nur im Unterkiefer Zähne, oben stattdessen eine Kauplatte. Doch auch damit können sie herzhaft zubeißen, wie sie nachdrücklich beweisen. Bald hier, bald dort rupfen sie in saftigen Büscheln Gras.

Mit dem dicken Führstrick gelenkt

Die Teilnehmer stehen in einem Halbkreis um Johannes Nüdling. „Die Namen der Lamas nenne ich Ihnen dann, wenn sie Ihres gefunden haben. Denn die Namen sind alle spanisch und wenn Sie Ihr Lama falsch anreden, hört es vielleicht nicht“, meint er mit einem Augenzwinkern. Die Lamas werden ausschließlich über den dicken, blauen Führstrick gelenkt, was er mit dem weißen Leithengst Antonio de Sturmio demonstriert. „Gegen den Hals drücken wie bei Pferden funktioniert hier nicht“, erklärt Nüdling. Er zupft am Strick und sofort macht Antonio einen Schritt. Ähnlich wie Hunde oder Pferde müssen auch Lamas erst trainiert und erzogen werden.

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Die alternative Bundestagswahl: Kinder wählen ganz anders als Erwachsene

Bei der U18-Wahl kommen jene zu Wort, die kein Wahlrecht haben: Kinder und Jugendliche. Sie dürfen bestimmen, wer Deutschland hypothetisch regieren soll. Dabei zeigt sich, dass sie die Wahl sehr ernst nehmen und wichtige Themen setzen.

14 Millionen Menschen in Deutschland dürfen am 24. September keine Stimme bei der Bundestagswahl abgeben. Sie alle haben das 18. Lebensalter noch nicht erreicht. Dafür können sie seit 1996 an der U18-Wahl teilnehmen, die vom Deutschen Bundesjugendring, dem Bundesfamilienministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtet wird.

Bundeskoordinatorin Anne Bergfeld rechnet in diesem Jahr mit mehr Teilnehmern als 2013. Vor vier Jahren gaben rund 200.000 Wähler unter 18 Jahren ihre Stimme ab. „Wir sehen, dass das Interesse an den U18-Wahlen insgesamt sehr zunimmt“, sagte sie n-tv.de. Mehr als 1600 Wahllokale gibt es in ganz Deutschland. Auf der Website der Initiative heißt es dazu: „Wenig muss, viel kann“. Das beutet, dass die Anforderungen an die Wahllokale sehr gering sind. Es müssen lediglich ein Wahlleiter, sowie eine selbstgebastelte Wahlurne und Wahlkabine zur Verfügung stehen.

„Wir behaupten nicht, eine repräsentative Wahl zu sein“, sagte Bergfeld. Deshalb könne man mögliche Manipulationen auch nicht nachweisen, aber die Kinder und Jugendlichen gingen sehr verantwortungsvoll damit um. So könnten Doppelwahlen zwar nicht vermieden werden, würden aber bei 200.000 Stimmen kaum ins Gewicht fallen.

„Kein Grund, sie nicht mitreden zu lassen“

Wählen kann jeder unter 18 Jahren – unabhängig von körperlichen oder geistigen Handicaps, Herkunft oder Aufenthaltsstatus. „Dort, wo Kinder und Jugendliche sich einbringen möchten und Engagement zeigen, gibt es keinen Grund, sie nicht mitreden zu lassen“, sagte Bergfeld. Die U18-Wahl könnte möglicherweise auch ein Argument dafür sein, dass Wahlalter generell abzusenken. Die meisten Wähler sind nämlich zwischen 15 und 16 Jahren alt.

Im Vorfeld der U18-Wahl fanden in einzelnen Wahlkreisen Veranstaltungen statt, bei denen sich Politikerinnen und Politiker Redezeit erspielen und die Fragen der Unter-18-Jährigen beantworten mussten. „Die Kinder und Jugendlichen bereiten sich sehr ernsthaft auf diese Veranstaltungen vor und lassen sich auch nicht rhetorisch abwimmeln“, erzählte die Bundeskoordinatorin. Das ermögliche einen Dialog, der sonst so nicht stattfinden würde. „Politikerinnen und Politiker werden mit Themen und Fragen konfrontiert, die sie vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hatten.“

Mitmachen können bei der U18-Wahl alle Parteien. Allerdings haben die Organisatoren vor allem jene angesprochen, die bei der vergangenen Bundestagswahl ins Parlament eingezogen sind oder in den Umfragen Anfang Mai mindestens die Fünf-Prozent-Hürde genommen haben. Eine Ausnahme gibt es: „Die Bundes-AfD hat nie auf unsere Anfrage geantwortet“, sagte Bergfeld in Bezug auf die Inhaltsübersichten, die die Organisatoren mithilfe der Parteien für die Unterachtzehnjährigen erstellt haben. Dafür habe die Partei aber auf Landesebene die Fragen der Kinder und Jugendlichen beantwortet.

Viele mit Merkel aufgewachsen

Zwar kennen viele Teilnehmer der U18-Wahl nur Angela Merkel an der Spitze Deutschland, dennoch würden etablierte Parteien kritisch hinterfragt.  „Das Spannende ist, dass Kinder nicht per se Frau Merkel wählen, weil sie sie kennen“, sagte Bergfeld. Es gehe um die Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen im Wahlkampf und in der Auseinandersetzung mit den Themen gemacht hätten. Zwar sei eine Sympathie für die Kanzlerin vorhanden, „aber es ist nicht so, dass alle sie wählen, weil sie das bestehende System verkörpert.“

Vor allem das Thema Sicherheit ist für die Kinder und Jugendlichen von zentraler Bedeutung. Das liegt auch an den zunehmenden politischen Konflikten und Terrorattentaten. Daneben spielen Bildung, Nachhaltigkeit sowie Integration und Inklusion eine entscheidende Rolle bei der Wahl. „Ich habe den Eindruck, dass sehr vernünftige, überlegte und themenorientierte Wahlentscheidungen getroffen werden“, meint die Bundeskoordinatorin.

Dass nur die Eltern eine mögliche Wahlentscheidung ihrer Kinder beeinflussen, bezweifelt Bergfeld. Stattdessen sollte man den Kinder und Jugendlichen die Kompetenz zugestehen, eine qualifizierte Wahl zu treffen. Dadurch könne ein offenerer Zugang zu politischen Themen geschaffen werden.

Die Wahlergebnisse der Bundestagswahl 2013 zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen nicht automatisch das wählen, was möglicherweise die Eltern vorgeben. So kamen CDU und CSU bei den Erwachsenen auf knapp 42 Prozent, bei den Unterachtzehnjährigen hingegen nur auf 27 Prozent. Den größten Zugewinn konnten hingegen die Grünen verzeichnen: Bei der Bundestagswahl schnitten sie mit 8 Prozent ab, bei den U18-Wahlen kamen sie auf 17 Prozent.

Hier gelangen Sie zur Karte der U18-Wahllokale.



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Mit 17 Jahren Mutter und später das Fachabitur

Mit 17 Jahren Mutter und später das Fachabitur

Es war der 17. Mai 2012, als Mia (Name geändert) mit 17 Jahren erfuhr, dass sie schwanger ist. Ein ganz normaler Tag, an dem Mia in die Schule gehen wollte, als sie mit Übelkeit zu kämpfen hatte. Sie erzählt, dass ihr in dem Moment klarwurde, dass sie seit zehn Tagen überfällig war. Sofort ging sie in die Apotheke, um einen Schwangerschaftstest zu kaufen und ihn zu Hause zu machen. Ihre Mutter war arbeiten. Nach fünf Minuten voller Aufregung war der Test ausgewertet. Zwei Streifen, positiv. Auf die Frage, was sie in dem Moment gefühlt hat, antwortete sie: Angst. Angst vor ihrer Zukunft, Angst vor Familie und Freunden.

Keine Erklärung dafür

Mia besuchte zu dem Zeitpunkt die 12. Klasse eines Gymnasiums in Wiesbaden, um ihr Abitur zu machen. Ihr gingen tausend Fragen durch den Kopf: „Wie konnte das passieren?“ „Was mache ich nun?“ „Wie sage ich es Mama?“ All diese Fragen quälten sie den ganzen Tag, bis ihre Mutter abends von der Arbeit nach Hause kam und Mia weinend vorfand. Sie zeigte den positiven Schwangerschaftstest unter Tränen ihrer Mutter. Diese reagierte zunächst geschockt und fing erst mal mit Mia an zu weinen. Ihre Mutter fragte sie, wie das passieren konnte, doch Mia hatte selbst keine Erklärung dafür, da sie immer verhütet hatte.

Geld hatte sie auch keins

Nachdem sich beide von dem ersten Schock erholt hatten, sagte ihre Mutter, dass sie das gemeinsam schaffen würden, somit stand eine Abtreibung nicht mehr im Raum. Mia berichtet, dass sie so eine Reaktion niemals erwartet hätte, da ihre Mutter sich für Mia ein Abitur gewünscht hat, was nun erst mal nicht erreichbar war. Sie wusste nicht, wie sie ihr Kind versorgen sollte, und Geld hatte sie auch keins. Doch mit dem Zuspruch ihrer Mutter, erkannte sie, wäre es möglich. Mia ist ohne Vater aufgewachsen, da dieser keine Verantwortung für sie übernehmen wollte.

Geschockt, aber sie boten Hilfe an

Mia erzählt mit trauriger Stimme, dass sie dem Kindsvater, ihrem damaligen Freund, die Neuigkeit am nächsten Tag übermittelte. Die erhoffte Reaktion auf ein „Wir schaffen das!“ blieb aus. Der 21-Jährige wollte diese Verantwortung nicht übernehmen und schlug eine Abtreibung vor. Für Mia war dies keine Option. Sie trennte sich. In den folgenden Tagen hat Mia mit den Eltern des Freundes gesprochen: Sie waren geschockt über das unreife Verhalten ihres Sohnes und boten ebenfalls Hilfe an.

Die Blicke der Leute wurden ihr egal

Mia verließ nach Abschluss der 12. Klasse die Schule und bereitete sich auf ihr neues Leben als 17-jährige Mutter vor. Mittlerweile ist sie Mutter eines dreijährigen Sohnes und war noch nie in ihrem Leben glücklicher. Anfangs war es ihr unangenehm, mit ihrem Kind rauszugehen, denn sie merkte, wie die Leute sie anschauten. Doch nach einiger Zeit war ihr dies egal. Mia und ihre Mutter sind ein eingespieltes Team. Als Tim zwei Jahre alt war, ging er in den Kindergarten, damit Mia ein Freies soziales Jahr machen konnte, um ihr Fachabitur zu erlangen. Mias Mutter brachte Tim jeden Morgen hin, Mia holte ihn nach der Arbeit dort wieder ab. Mittlerweile hat Mia ihr Fachabitur und beginnt demnächst ihr Studium im Bereich der Sozialen Arbeit.

Große Familienfeier zu Tims Geburtstag

Mia sagt, sie könne ihrer Mutter nicht genug danken, all die Jahre und ihren Abschluss hätte sie ohne ihre Hilfe nie geschafft. Oma und Opa seitens des Kindsvaters unterstützen Mia auch. Sie erzählt, dass es an Tims Geburtstag immer eine große Familienfeier gibt. Die junge Mutter blickt zuversichtlich in die Zukunft. Nach dem Studium hat sie vor, in eine eigene Wohnung mit Tim zu ziehen, denn das werde dann auch mal Zeit, meint sie. Mia bereut keine Sekunde in ihrem Leben, allerdings – so beteuert sie – würde sie es bereuen, wenn sie entschieden hätte, Tim nicht zu bekommen.

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Der Tag: Jugendliche greifen immer seltener zur Zigarette

Bei jungen Menschen geht der Trend weg von der „klassischen“ Zigarette. Dagegen sind Shisha und E-Zigarette auf dem Vormarsch.

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist die Raucherquote bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren im Jahr 2016 auf 7,4 Prozent gesunken. 15 Jahre davor waren es noch 27,5 Prozent. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Zahl der Raucher demnach mit 26,1 Prozent deutlich niedriger als in der Vergangenheit.

Allerdings sagten 5,5 Prozent der Befragten, in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten konsumiert zu haben, sogar 18,1 Prozent hatten Wasserpfeife geraucht. „Niemand kann heute verlässlich sagen, wie gefährlich die neuen Produkte wirklich sind“, warnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mortler.



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Polizei ermittelt gegen Jugendgang

Vaihingen an der Enz
Polizei ermittelt gegen Jugendgang

Die Polizei ermittelt gegen neun Jugendliche (Symbolbild). Foto: dpa

Sie sollen mehrere Gartenhäuschen aufgebrochen haben und einen Brand gelegt haben: Die Polizei im Kreis Ludwigsburg ermittelt gegen neun Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren.

Ludwigsburg – Derzeit ermittelt die Polizei Vaihingen an der Enz und das Kriminalkommissariat Ludwigsburg gegen neun Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren, die im Verdacht stehen, im vergangenen Monat mehrere Gartenhausaufbrüche sowie eine Brandstiftung in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) verübt zu haben.

Zwischen dem 6. und 18. Mai brach offenbar die Jugendgruppe im Bereich der Straße „Unter den Weingärten“ mindestens zwei Gartenhäuser auf. Die Jugendlichen hatten es in den Gartenhäuschen überwiegend auf Alkohol abgesehen, den sie mitnahmen.

Scheune mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt

Am 18. Mai mussten die Freiwilligen Feuerwehren Vaihingen an der Enz und Enzweihingen mit vier Fahrzeugen und 28 Einsatzkräften ausrücken, nachdem gegen 20:40 Uhr ein Scheunenbrand gemeldet worden war. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Scheune vermutlich durch die jungen Leute zuerst aufgebrochen und dann mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt.

Die Flammen griffen in der Folge auf abgestellte landwirtschaftliche Arbeitsgeräte und auf eine angrenzende Holzhütte über. Die beiden Gebäude gerieten daraufhin in Vollbrand, wodurch ein Schaden von etwa 30.000 Euro entstand.

Polizisten durchsuchten die Wohnungen

Während der Ermittlungen ergab sich anhand von Zeugenhinweisen der erste Verdacht gegen die neun Jugendlichen. Am vergangenen Dienstag wurden sechs Wohnungen mit richterlicher Anordnung durchsucht. Hierbei fanden die Polizisten Diebesgut, das offenbar aus den Einbrüchen stammte. Die zum Teil geständigen Tatverdächtigen, die nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen wurden, müssen nun mit einer Anzeige wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall und Brandstiftung rechnen.

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Eine Uni-Mitarbeiterin über Höhen und Tiefen der Gleichberechtigung

Eine Uni-Mitarbeiterin über Höhen und Tiefen der Gleichberechtigung

Es hat meine Kampfeslust geweckt, dass ich das Gefühl bekam, beschissen zu werden“, sagt Evi Poblenz und grinst breit. Sie sitzt an einem von zwei sich gegenüberstehenden, Schreibtischen. Beide sind über und über mit Bergen von Aktenordnern und Unterlagen bedeckt. An den Wänden türmen sich zwei große Aktenschränke. Trotzdem ist in dem winzigen Büro noch Platz für die unzähligen Kübel mit tropischen Farnen und Palmen. Ein süßlicher, pflanzlicher Duft schwebt in der Luft, die von Poblenz’ ruhiger Stimme erfüllt wird. „Ich war geschockt, dass, obwohl es immer schon Gleichberechtigung hieß, Frauen es in bestimmten Studiengängen schwieriger hatten“, sagt die 56-jährige technische Angestellte, die in der Arbeitsgruppe Makromoleküle am Institut für Physik an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin arbeitet. Immer wieder ist sie in ihrem Berufsleben auf das Thema der Gleichberechtigung gestoßen. Jahrelang hat sie deshalb ehrenamtlich als Frauenbeauftragte am Institut gearbeitet.

Sie wollte Kriminalistik studieren

Eigentlich wollte Poblenz Kriminalistik studieren, damals noch in der DDR. „Da wurde mir gesagt, dass sich für die nächsten zwei Jahre keine Frauen bewerben brauchen. Das hat mich damals ziemlich verunsichert“, berichtet sie empört. Ihre goldblonden Haare umrahmen das runde Gesicht, dessen klare Augen sich fest auf ihr Gegenüber richten. Sie wollte dann über den Umweg eines Studiums der Werkstoffwissenschaften doch noch ihren Traumberuf anstreben. Die Frauenquote unter den Studienanfängern in den Ingenieurwissenschaften lag damals laut einer Studie des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit bei etwa 8 Prozent. „Diese Arroganz, Frauen hätten keine Ahnung von Technik, dieses unterschwellige Anzweifeln der Kompetenz hat sich schon bemerkbar gemacht hat.“ Nach ihrem Abschluss ist Poblenz über die Absolventenvermittlung der DDR an das Institut für Physik der HU gekommen. Nach der Wende hat sie in der Arbeitsgruppe der Physik von Makromolekülen eine unbefristete Stelle bekommen, was in der Forschung durchaus eine Rarität ist. „Es ist nie langweilig, weil man hier diesen Überlapp zwischen Physik, Chemie und Biologie hat. Man ist immer am Zahn der Zeit.“

Komplexere Experimente für Schülerinnen

Vor 17 Jahren wurde Poblenz, die zwei Kinder hat, vom damaligen Institutsdirektor gefragt, ob sie nicht Frauenbeauftragte werden wolle, weil sie ja so eine engagierte Frau sei. „Ich habe mich schon immer für Kinder und Frauen auch in meiner Freizeit engagiert.“ Bis 2008 hat sie sich diese Arbeit zeitweise noch mit einer Wissenschaftlerin und einer Doktorandin geteilt. „Das war wirklich eine schwierige Zeit. Wofür wir richtig hart gekämpft haben, wurde teilweise bis ins Lächerliche gezogen.“ Dazu gehörte Poblenz’ Herzensprojekt Club Lise. Es ermöglicht Schülerinnen ab der 10. Klasse, auch komplexere Experimente selbst durchzuführen und Frauen, die Physik studiert haben, an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen. „Da soll man nicht nur diesen Nerd im Kopf haben, diese Mädchen mit dicker, fetter Hornbrille, sondern attraktive, hübsche Frauen mit spannender Arbeit von der Bionik bis zur Hirnforschung.“ Dass sie ihre Aufgabe als Frauenbeauftragte so ernst genommen haben, hätte der Institutsleitung dann doch nicht gepasst. „Am liebsten wäre ihnen wohl eine gewesen, die alles einfach nur unterschreibt.“

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Wählen wie die Großen: Hier würden Grüne den Kanzler stellen

Kinder und Jugendliche interessieren sich sehr wohl für Politik. Das zeigt die U18-Wahl am Berliner Primo-Levi-Gymnasium. Die Stimmen zählen zwar nicht für die Bundestagswahl, werden aber trotzdem nicht leichtfertig vergeben.

„Du gehst in Wahlkabine eins, du in die zwei und die nimmst die drei“, dröhnt es durch die Aula des Primo-Levi-Gymnasiums in Berlin-Weißensee. Der 18-jährige Gustav gibt den Schülerinnen und Schülern deutliche Anweisungen. Bei der U18-Wahl soll alles reibungslos laufen.

Das Gymnasium ist eines von mehr als 1600 Wahllokalen deutschlandweit, in denen Kinder und Jugendliche wie bei der Bundestagswahl ihre Stimme abgeben können. Die Wahl der Unterachtzehnjährigen liefert einen Eindruck davon, was die junge Generation denkt und welche Themen für sie von Bedeutung sind.

Das Primo-Levi-Gymnasium ist eine der größten Schulen Berlins.

„Ey Gustav, gibt's auch eine Erststimme?“, fragt ein Elftklässler den FSJler, wie Gustav hier genannt wird. Gemeinsam mit einem Kollegen absolviert der ehemalige Schüler im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein Jahr an der Primo-Levi-Schule und kümmert sich um den Schülerklub, Veranstaltungen und Projekte wie die U18-Wahl. Gemeinsam mit dem Leistungskurs Politikwissenschaft haben die FSJler zwei professionelle Wahllokale aufgebaut: Umgekippte Tische dienen als Sichtschutz und die Wahlurne wird mit einem Papier zugedeckt – genau wie bei den Erwachsenen. Gewählt werden aber nur Parteien. Gustav sagt: „Nein, hier gibt's nur die Zweitstimme.“

Niemand wird zur Wahl gezwungen

Zunächst müssen sich die Wähler bei den freiwilligen Helfern der Abiturstufe anmelden. Anschließend bekommen sie ihren Stimmzettel ausgehändigt und können dann wählen. „Es gibt aber auch die Option, nichts anzukreuzen und somit trotzdem von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen“, erklärt Gustav. Das Letzte, was man wolle, sei irgendwen zur Wahl zu zwingen.

Rund 1250 Schüler und Schülerinnen gibt es an dem Berliner Gymnasium. Sie alle dürfen bei der U18-Wahl mitmachen. „Ich denke, Jugendliche können sich eine eigene Meinung bilden“, sagt der 15-jährige Sebastian, der die zehnte Klasse besucht. Er fühle sich von der Politik nicht ernst genommen, „weil meine Meinung einfach nicht zählt“. Wie ihm geht es auch der 14 Jahre alten Adriana. „Nur weil man unter 18 Jahren ist, heißt das nicht, dass man keine eigene Meinung hat“, sagt die Neuntklässlerin. Sie fühlt sich bei der U18-Wahl zwar repräsentiert, denkt aber nicht, dass die Wahlergebnisse Einfluss auf die Bundestagswahl haben.

Auf den Stimmzetteln sind alle Parteien zu finden, die auch bei den Erwachsenen zur Wahl stehen.

Fenja und Luca aus der zehnten Klasse haben die Grünen gewählt. „Deren Wahlprogramm ist am besten und sie setzen gute Themen“, sagen die beiden 15-Jährigen. Von ihren Eltern sei ihre Wahl nicht beeinflusst. Stattdessen tausche man sich Zuhause über die Bundestagswahl aus und schaue gemeinsam die TV-Duelle. „Aber meine Eltern erzählen mir nicht, wen sie wählen“, sagt Luca.

Nicht nur bei der Wahl der Partei sind sich die Freundinnen einig. „Selbst wir bekommen mit, dass das, was Merkel und Schulz im Wahlkampf erzählen, nie umgesetzt wird“, sagt die Zehntklässlerin und bekommt ein zustimmendes Nicken von ihrer Freundin Fenja. Im Unterricht haben sie sich mit den Parteiprogrammen auseinandergesetzt und mussten verschiedene Positionen vertreten. „Jede Partei hat gute und schlechte Punkte – selbst die AfD“, erzählt Fenja. Sie habe die AfD repräsentieren müssen und sei überrascht gewesen, dass die Partei sich derart für ein Verbot von Tierquälerei einsetze.

Tiere spielen auch für Hanna eine wichtige Rolle. Die 13-Jährige hat ihre Stimme der Tierschutzpartei gegeben. „Die würde ich bei der Bundestagswahl auch wählen“, sagt die Neuntklässlerin. Bei der U18-Wahl in Berlin-Pankow kommt die Tierschutzpartei immerhin auf 5,8 Prozent der Stimmen. Wahlsieger sind die Grünen mit 24,2 Prozent, gefolgt von der CDU/CSU mit 18,8 Prozent, den Linken mit 16,9 Prozent und der SPD mit 13,9 Prozent. Dahinter liegen Die Partei mit mit 6,2 Prozent, die AfD mit 4 Prozent und die FDP mit 3,3 Prozent.

Kinder wählen linker als Erwachsene

Schulleiter Uwe Schramm ist sich sicher: „So links wie die Kinder wählen die meisten Eltern nicht.“ Er hält es für eine Selbstverständlichkeit, die U18-Wahl an seiner Schule durchzuführen – auch wenn im Unterricht kaum Zeit bleibt, die Kinder und Jugendlichen darauf vorzubereiten. „Die Kindern bilden sich ihre Meinung vor allem durch die Wahlplakate, die sie sehen“, sagt Schramm. Deshalb würden sie vermehrt Exoten wählen.

Die Zwölftklässler Nico und Emma haben ihre Stimme der FDP gegeben. „Die Partei hat sich am besten entwickelt. Die geben sich dieses Jahr richtig Mühe“, sagt die 16-jährige Emma. Ihr Freund Nico meint: „Mir gefällt die Einstellung, dass jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist.“ Der 18-Jährige, der für die U18-Wahl eigentlich zu alt ist, will auch bei der Bundestagswahl am 24. September die FDP wählen.

FSJler Gustav ist überzeugt, dass die U18-Wahl das Demokratiebewusstsein der Kinder und Jugendlichen fördert. „Nicht jeder hat dasselbe Verständnis von Politik, aber die U18-Wahl trainiert das“, sagt der 18-Jährige. Immerhin ist der Anteil der Nichtwähler in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Am Primo-Levi-Gymnasium ist die Wahlbeteiligung dagegen hoch: 1090 von knapp 1250 Schülern und Schülerinnen haben beim letzten Mal gewählt. Die Zahlen für dieses sind noch nicht veröffentlicht.



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