Kategorie -Jugendliche

Stark unterkühlt im Krankenhaus: 17-Jährige klammert sich an fahrenden Güterzug

Der Versuch einer 17-Jährigen aus Magdeburg, auf dem Trittbrett eines Güterzugs zur nächsten Station mitzufahren, geht schief. Denn der Zug fährt weiter als gedacht. Bei Tempo 100 und Minusgraden muss die Jugendliche fast eine Stunde auf dem Zug ausharren.

Eine 17-Jährige ist verbotenerweise auf dem Trittbrett eines Güterzugs ab Magdeburg mitgefahren und hat sich damit in Lebensgefahr gebracht. Die Jugendliche habe sich in der Nacht fast eine Stunde lang bei Tempo 100 auf dem Zug festklammern müssen, teilte die Bundespolizei in Hannover mit.

Als der Zug an einer Baustelle in Cremlingen bei Braunschweig hielt, habe das Mädchen beim Lokführer an die Tür geklopft. Wegen der Temperatur von minus 3,5 Grad Celsius sei die Jugendliche stark unterkühlt gewesen, zudem völlig verschmutzt und habe nur noch einen Schuh gehabt.

Das Mädchen musste laut Polizei von der Lok gehoben und in eine Klinik gebracht werden. Das Krankenhaus verständigte die Eltern. Es wurde eine Strafanzeige gestellt. Die Kosten für die erheblichen Verspätungen im Betriebsablauf könnten jetzt von der Jugendlichen eingeklagt werden, hieß es weiter.

Nach den bisherigen Ermittlungen war das Mädchen gemeinsam mit anderen Jugendlichen auf den Güterzug gestiegen, um bis zur nächsten Station mitzufahren. Doch ein Güterzug hält nicht an allen Personenbahnhöfen. Als sie diesen Irrtum bemerkten, sprangen alle anderen ab, was die 17-Jährige zu spät bemerkte, wie es weiter hieß.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 17. Januar 2022 erstmals veröffentlicht.)

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Der Manager des Golfclubs Bad Kissingen über den Breitensport


Ein in Deutschland immer noch mit Klischees behafteter Sport ist das Golfen. So stellt man sich doch Golfer als reiche, Zigarre rauchende Männer mit teurer Kleidung und schicken Autos vor. Christian Keul, Clubmanager des Golfclubs Bad Kissingen, will diese Klischees aus der Welt räumen, indem er einen kleinen Einblick in die große Welt des Golfens gibt. Keul erscheint sportlich mit Baseball-Cap zum Gespräch, ab und zu klingelt zwischendurch das Handy und entlarvt ihn als „Star Wars“-Fan. Der 54-Jährige, der vor dem Golfen dreißig Jahre lang erfolgreich Eishockey in Bad Kissingen gespielt hat, ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann.

Weiterbildung zum Golfsbetriebswirt

Er war lange Zeit Geschäftsführer seines eigenen Textilhandelsunternehmens, das Heimtextilien importiert und deutschlandweit vertrieb. 2008 wurde er Key Account Manager im Bereich von Konsumgütern. „2016 gab es dann für mich eine berufliche Umorientierung“, sagt Christian Keul. In dieser Zeit war er auf Jobsuche. „Ich habe vermehrt gegolft in der Zeit, kannst ja nicht immer nur zu Hause Bewerbungen schreiben“, lacht er. Der Golfclub in Bad Kissingen suchte zur gleichen Zeit einen Clubmanager. Diese Arbeit hatte für Keul einen ganz besonderen Reiz. Er konnte sein Hobby teils zum Beruf machen und musste von nun an nicht mehr durch ganz Deutschland reisen. So konnte er mehr Zeit mit seinen zwei Kindern und der Familie verbringen. Nach der Weiterbildung zum Golfbetriebswirt beim Deutschen Golf-Verband ist er für den organisatorischen Ablauf auf der Golfanlage zuständig.

Der Club Bad Kissingen besitzt die älteste Golfanlage Bayerns. Sie wurde 1910 erbaut und ist seit dem Jahr 2000 im Eigentum des Vereins. Vorher war die rund 50 Hektar große Fläche Eigentum des Freistaates Bayern. Sie zählt neuerdings außerdem zum Welterbe Bad Kissingen. Zusätzlich dazu existiert auch ein 111 Jahre altes Clubhaus, das nach Aussagen Keuls vor elf Jahren mit einer Investition von etwa 1,2 Millionen Euro in einen zeitgemäßen Zustand gebracht worden ist. Der Gesamthaushalt des Vereins liegt bei rund 900 000 Euro im Jahr.

Überlebensfähig mit rund 600 Mitgliedern

Der Golfclub ist mit rund 600 Mitgliedern überlebensfähig. „Wenn Vereine deutlich weniger Mitglieder zählen, haben sie oft Schwierigkeiten, kostendeckend zu arbeiten. Die Kosten für den Unterhalt der Spielbahnen und Freiflächen sind enorm, da das Gras dauerhaft kurz gehalten, die Bäume intakt und das Gesamterscheinungsbild stets ansprechend gehalten werden müssen. Diese Gelder können nur durch Mitgliedsbeiträge, Spielgebühren für Gäste oder Spenden erwirtschaftet werden. Acht Mitarbeiter sind derzeit im Verein beschäftigt, darunter fünf Greenkeeper inklusive des Head-Greenkeepers. Ihre Aufgabe ist nicht nur das Rasenmähen, sondern die gesamte Pflege des Platzes, etwa um Pilz- und Rasenkrankheiten vorzubeugen: „Es gibt zum Beispiel den Schneeschimmel als Pilz-Krankheit. Da wird das Gras dann braun.“ Ein Clubsekretär in Teilzeit und ein Golfprofessional zählen auch zur Liste der Mitarbeiter. Der „Golfpro“ ist Golflehrer in Teilzeit. Das Mannschafts- und Jugendtraining wird so vom Verein finanziert. Er arbeitet aber zudem hauptsächlich als privater Golflehrer.

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„Herrschte das wilde Chaos“: Illegale Mallorca-Partys alarmieren Behörden

Im Januar finden auf Mallorca viele Volksfeste statt. Im Zentrum von Sa Pobla feiern vor allem Jugendliche ausgelassene Partys. Die vorgeschriebene Maske trägt dabei kaum einer. Die Behörden fürchten hohe Ansteckungsraten mit der Omikron-Variante und schließen vorsorglich die ersten Lokale.

Illegale Partys und Massenansammlungen auf Mallorca im Rahmen der Januar-Volksfeste bereiten den Behörden der spanischen Ferieninsel angesichts der weiter steigenden Corona-Zahlen große Sorgen. Man befürchte, dass diese Ausgelassenheit im Kampf gegen die hochansteckende Omikron-Variante schwerwiegende Folgen habe, warnte in Palma die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez. Das, was man am Wochenende zum Beispiel in der Gemeinde Sa Pobla im Norden der Insel gesehen habe, könne sich am Donnerstag in Palma, der Hauptstadt Mallorcas, im Rahmen des Sant-Sebastià-Festes in noch größerem Umfang wiederholen, sagte Gómez.

Neben anderen Maßnahmen habe man die Zwangsschließung von vier Lokalen angeordnet, die sich nicht an das vorgeschriebene Limit der Gäste-Zahl gehalten hätten. Obwohl es auf Mallorca derzeit kaum Touristen aus Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern gibt, macht die Mittelmeer-Insel ihrem Ruf als Party-Hochburg auch dieser Tage alle Ehre: Auf dem Dorfplatz von Sa Pobla versammelten sich am Sonntagabend zahlreiche vorwiegend jüngere Menschen, um am Vorabend des Sant-Antoni-Festes dichtgedrängt zu feiern, zu singen und unter anderem auch Alkohol zu trinken. An die aktuell auch im Freien landesweit geltende Maskenpflicht hielten sich nur wenige Teilnehmer, wie die „Mallorca Zeitung“ und andere Regionalmedien berichteten.

„Es herrschte wildes Chaos“, titelte „Última Hora“. Die Polizei schritt nicht ein. Die Feierlichkeiten der Januar-Feste Sant Antoni und Sant Sebastià – unter anderem mit Konzerten und Feuerwerk – waren wegen Corona zwar offiziell abgesagt worden. Die Menschen verabredeten sich aber in Sa Pobla und anderen Ortschaften den Berichten zufolge über soziale Netzwerke. Ministerin Gómez räumte ein, die meisten Menschen seien „nach dem zweijährigen Kampf“ der Corona-Restriktionen überdrüssig. Auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln wurden zuletzt 1218 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen registriert, landesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Spanien bei 1654. Zum Vergleich: In Deutschland betrug dieser Wert am Montag 528.

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Preise von „Jugend schreibt“ 2022: Recherche ist das A und O

Ich habe vor allem dank der Interviews gelernt, offen mit fremden Menschen zu kommunizieren, mit denen ich ansonsten gar nichts zu tun gehabt hätte. Zunehmend ist mir das leichter gefallen“, sagt Daniel Rief, einer von rund 2000 Schülern, die am „Jugend schreibt“-Projekt der F.A.Z. teilgenommen haben. Zusammen mit Linus Zerzer hat er für seine Artikel gestern bei einer Onlineveranstaltung den Preis der Fazit-Stiftung erhalten. Offen und unbefangen mit anderen zu kommunizieren – und sei es phasenweise auch nur in Skype-Interviews –, das ist für die von Schulschließungen und Homeschooling gebeutelten Schülerinnen und Schüler in Zeiten der Pandemie ein schöner Nebeneffekt des Projekts. Die Mitarbeit hat zusätzlich Schwung in den Schulalltag gebracht, wie die Projektlehrer berichten.

52.000 Schülerinnen und Schüler

Ursula Kals

Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

An der Lese- und Schreibwerkstatt haben bisher rund 52.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Vor 35 Jahren sind die ersten Beiträge erschienen – die F.A.Z. war die erste überregionale Zeitung, die sich das in ihrem Mantelteil getraut hat. Inzwischen sind 1283 Zeitungsseiten entstanden. Nachzulesen sind die Beiträge auf FAZ.NET im Ressort Gesellschaft. Lesenswert sind die Artikel alle. Das betonte der Vorsitzende des Kuratoriums der Fazit-Stiftung, Karl Dietrich Seikel, in seiner Begrüßung: „Ich gestehe Ihnen, dass ich als Mitveranstalter die Artikel unserer Seiten ‚Jugend schreibt‘ sehr gerne und oft mit großem Vergnügen lese. Das gilt nicht nur für die Beiträge der heutigen Gewinner, sondern generell für viele Geschichten, aus denen ich lerne, wie die jungen Autoren heute die Welt sehen.“

Die Konkurrenz war auch dieses Jahr wieder groß. Zwei jungen Autoren ist es gelungen, jeweils mindestens drei oder mehr Artikel zu schreiben, die es auf den Aufmacherplatz in der gedruckten Ausgabe geschafft haben. Beide Preisträger haben gründlich recherchiert und sich in fremde Fachgebiete eingearbeitet. Ihr Schreibstil ist sachlich, hier und da betont nüchtern. Blumige Formulierungen sind so gar nicht ihr Ding. Ihnen geht es um Fakten und genaue Schilderungen. Beobachtungen und Zitate gestalten ihre Beiträge lebendig. Es mag Zufall sein, aber beide lesen gerne, und sie machen Musik und treiben alle möglichen Sportarten.

Daniel Rief


Daniel Rief
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Bild: Privat

Der zuständige F.A.Z.-Herausgeber Gerald Braunberger würdigte in seiner Laudatio die beiden Preisträger. Daniel Rief besucht das Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg. Er erhält einen Ausbildungsbeitrag von 2500 Euro. Daniels Musikalität spiegelt sich in seinen Texten, er hat über die Hugo-Wolf-Akademie berichtet und einen türkischen Tenor porträtiert. Zwei seiner Themen sind besonders relevant: ein Bericht über die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in seiner Heimatstadt und die Initiative „Meet a Jew“ über den Besuch einer jüdischen Studentin an Daniels Schule. Als sein geplantes Berufsorientierungspraktikum in einer Notfallpraxis coronabedingt ausfiel, verschaffte sich Daniel im Sommer Arbeitserfahrung, indem er bei einem Straßenbau-Unternehmen anheuerte. Was er nach dem Abitur studieren will, weiß er noch nicht. Vielleicht aber etwas in Richtung Journalismus.

Ebenfalls einen der mit 2500 Euro dotierten Fazit-Preise hat Linus Zerzer erhalten. Er besucht das Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium im unterfränkischen Münnerstadt. Linus hat einen Hubschrauberpiloten bei der Bundeswehr befragt, erschienen ist der Beitrag unter dem Titel „Feuer, Flut, Tod“. Das Gespräch mit dem Oberstleutnant war herausfordernd, das lag auch am Fachjargon, und Linus berichtet: „Also gab es eine längere Recherchearbeit nach dem Interview, um die vielen Begrifflichkeiten im Themenzusammenhang des Fliegens und der Bundeswehr zu klären. Darunter fielen sowohl die verschiedenen Dienstgrade und Ränge des Bundes als auch die Bezeichnungen der Einsätze und die Flugtechniken, wie zum Beispiel Autorotation.“ Etwas leichtfüßiger waren eine Begegnung mit einem Marktforscher und Linus’ Abstecher zum Golfplatz seines Heimatortes und das Gespräch mit dem Klubmanager: „Dessen Handy klingelte während des Interviews, das wir in seiner Dienstzeit durchführten. Es entlarvte ihn eindeutig als ‚Star Wars‘-Fan. Dies machte mir deutlich, dass man durch ungeplante Zwischenfälle an interessante Details kommen kann.“ Linus leitet die Jugendgruppe der Ministranten und verbringt viel Zeit bei der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes. Das hat ihn in seinem Plan bestärkt, nach dem Abitur Medizin zu studieren. Bodenhaftung beweist auch er, er hat einen Nebenjob in der Gebäudeinstandhaltung. „So gewinne ich einige handwerkliche Grundkenntnisse für die Zukunft hinzu.“

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Vorfall in Bonn: Polizei nimmt Schüler wegen Bedrohungslage fest

Weil ein 17-Jähriger in Bonn in mehrere „Stresssituationen“ gerät und seine Familie fürchtet, er könne mit einem Messer zu seiner Schule zurückkehren, rückt die Polizei mit zahlreichen Beamten an. Zunächst können sie den Jugendlichen nicht ausfindig machen. Dann greifen Spezialkräfte ein.

Nach einem Einsatz an einer Schule in Bonn hat die Polizei einen Schüler vorläufig festgenommen. Auslöser sei ein Hinweis auf „eine mögliche Bedrohungssituation“ gewesen, teilten die Beamten mit. Daraufhin sei das Schulgebäude im Stadtteil Bad Godesberg durchsucht worden. Der gesuchte Jugendliche sei dann aber nicht dort, sondern in der Nähe seiner Wohnanschrift angetroffen worden. Spezialkräfte fixierten ihn.

Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte sich zuvor in der Schule zunächst eine „Stresssituation“ entwickelt, in die der 17-Jährige involviert gewesen sei. Danach sei er nach Hause gegangen – wo es zu einer ähnlich stressbeladenen Situation gekommen sei. Schließlich sei ein Hinweis aus dem familiären Umfeld des Jugendlichen eingegangen: Er sei womöglich wieder auf dem Weg zur Schule. Zudem könnte er ein Messer dabei haben.

Die Polizei reagierte darauf mit einem Großeinsatz. Die Schule wurde durchsucht, allerdings ohne Auffälligkeiten, wie die Polizei mitteilte. Zunächst sei der Aufenthaltsort des 17-Jährigen unklar gewesen. In der Nähe seiner Anschrift habe man ihn dann aber gefunden. Eine Waffe habe er nicht dabei gehabt. Allerdings sei in der Nähe des Ortes tatsächlich ein Messer gefunden worden. Dieses werde nun untersucht.

Der 17-Jährige kam den Angaben zufolge in Gewahrsam. Verletzte gab es nicht. Nach Angaben der Polizei mussten Schüler und Lehrkräfte während des Einsatzes an der Schule in ihren Räumen bleiben.

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Luftüberwachung im Zürcher Oberland


Verlassen liegen die Rollbahnen des Flugplatzes Dübendorf bei Zürich in der Sonne, umgeben von einem hohen Zaun aus Stacheldraht. In der Ferne dröhnen die Rotorblätter eines Hubschraubers. Neben dem Rollfeld ragt das graue Gebäude der Luftüberwachung in den Himmel. Jürg Müller, ein großer Mann mit breiten Schultern und kurzem Haar, wartet in der Eingangshalle. Er trägt T-Shirt, Jeans und eine Fliegeruhr mit tiefblauem Ziffernblatt – dasselbe Blau wie seine Augen.

Karte mit Sperrzonen

Der 51-jährige „Identification Operator“, so seine Berufsbezeichnung, deutet auf die Bilder an der Wand. Sie zeigen Radarschirme, Karten und Flugzeuge. „Hier drüben siehst du ein Radarbild, wie wir es bei der Luftüberwachung haben. Jeder Punkt ist ein Flugzeug. Und auf diesem Bild ist eine Karte mit sämtlichen Sperrzonen in der Schweiz. Wenn ein Flugzeug in eine dieser Zonen vordringt, ohne uns über Funk zu kontaktieren, haben wir ein Problem.“ In diesem Fall müssen Müller und sein Team versuchen, über die zuständigen Dienststellen mit dem Flugzeug Kontakt aufzunehmen. Falls dies über Funk nicht gelingt, stehen zwei Piloten mit ihren F/A-18-Kampfjets Tag und Nacht startbereit, um mit den Flugzeugen direkt in der Luft zu kommunizieren – im Notfall auch mit Handzeichen aus dem Cockpit.

Im Fall eines Blaulichteinsatzes

„Die Aufgabe der Luftüberwachung ist es, die Sicherheit und Neutralität im Schweizer Luftraum zu wahren.“ Müller muss verhindern, dass Flugzeuge ohne Erlaubnis in den Luftraum eindringen, und die Flugzeuge, die über die Schweiz fliegen, überwachen. Dies tut er mittels eines Radarschirms. Unzählige Punkte, mit Abkürzungen und Symbolen gekennzeichnet, fliegen mit kontinuierlicher Geschwindigkeit kreuz und quer über den Bildschirm. Militärflugzeuge, Linienflugzeuge und Privatmaschinen sind alle mit unterschiedlichen Markierungen versehen. „Mit der Zeit hat man ein Auge dafür“, sagt Jürg Müller. Neben der Überwachung auf dem Radarschirm hört er verschiedene Funkfrequenzen ab. Falls er einen Verstoß gegen die Luftverkehrsregeln beobachtet oder ein Notsignal empfängt, informiert er den „Chief Air De­fense“. Sein Vorgesetzter entscheidet dann über das weitere Vorgehen. Im Falle einer „hot mission“, eines Blaulichteinsatzes, werden Militärflugzeuge, die sich bereits in der Luft befinden, eingesetzt, um ein Flugzeug abzufangen oder ihm Hilfe zu leisten. „Der Einsatz aus der Luft soll schnell und kosteneffizient sein.“ Erst dann, wenn sich kein Flugzeug in der Luft befindet, oftmals nachts, lässt der Chief Air Defense die Alarmstaffel starten.

Monitore, Radarschirme, Telefone

Auf dem Weg von der Halle zur Einsatzzentrale liegt eine Sicherheitstür, die nur mit einer Chipkarte geöffnet werden kann. Dahinter erstreckt sich ein hell beleuchteter Gang, die Wände voller Flugaufnahmen von Kampfflugzeugen, Luftakrobatikfliegern und Militärhubschraubern. Im Vorbeigehen grüßt Jürg Müller die Frau vom Reinigungspersonal freundlich. Er kennt die meisten Mitarbeiter beim Namen. Hinter einer weiteren Tür verbirgt sich sein Arbeitsort – das Herzstück der Luftüberwachung. Die Einsatzzentrale ist ein großer Raum, ausgestattet mit Monitoren, Radarschirmen und Telefonen. Von seinem Bürostuhl aus hat Müller den gesamten Flugverkehr im Blick. Auf dem Radarschirm sind die Grenzen der Schweiz und der umliegenden Länder zu sehen. Zwei weitere Bildschirme informieren über die Flugzeuge und den Luftverkehr. Um verschiedene Dienststellen zu kontaktieren, hat er drei Telefone, dazu noch das Headset.

Als Kind auf der Zuschauerterrasse

Er verbrachte seine Kindheit im Limmattal, wo er tagtäglich Flieger im Landeanflug beobachten konnte. Zudem besuchte er oft die Zuschauerterrasse des Flughafens Zürich. „Als Kind war es einfach das Größte, wenn man dem Jumbo-Piloten zuwinken konnte und dieser einem zurückwinkte.“ Militärflugzeuge haben ihn besonders angesprochen. „Die Schnelligkeit, Wendigkeit und die Leistung der modernen Kampfjets haben mich fasziniert“, schwärmt der Aviatik-Fan. Nach dem Besuch der Sekundarschule war Jürg Müller unsicher, welche Berufsrichtung er einschlagen wollte. „Ein großer Traum war der Beruf als Pilot. Deshalb besuchte ich auf Anraten meines Vaters die Verkehrsschule, eine Diplommittelschule, die zwei Jahre dauerte. Leider reichten meine Noten nicht aus, um den Berufsweg des Piloten einzuschlagen.“ Er nahm einen Job bei der Sicherheitspolizei des Flughafens Zürich an. 21 Jahre lang arbeitete er bei der Grenzpolizei, als Polizeigrenadier und als Bombenentschärfer im „Bomb Squad“, dort musste er sich vor allem um herrenlose Gepäckstücke kümmern, bei denen es Verdacht auf Sprengstoff gab.

Den Verlust einer PC-7 miterleben

Vor fünf Jahren nahm der ehemalige Polizist ein Stellenangebot bei der Luftwaffe an. „Persönlich gibt es mir ein gutes Gefühl, einen Beitrag zur Sicherheit und Souveränität des schweizerischen Luftraums zu leisten“, hält der Vater von drei Kindern stolz fest. Was ihn beschäftigt, sind Unfälle und Abstürze. Zusammen mit seinem Kollegen, mit dem er die Schicht teilte, musste er den Verlust einer PC-7 miterleben. „Für mich verschwindet nur ein Punkt vom Bildschirm, aber ich stelle mir vor, wie ein Flugzeug abgestürzt ist und Menschen gestorben sind. Das gibt mir ein beklemmendes Gefühl.“ Draußen ist es dunkel geworden, die Fahnen wehen im stürmischen Wind. Jürg Müllers Schicht wird bis tief in die Nacht dauern. Hellwach und mit aufmerksamen Augen wird er das Geschehen in der Luft beobachten.

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Nach Geiselnahme in Synagoge: Britische Polizei nimmt neue Verdächtige fest

Nach der Geiselnahme in einer Synagoge in Texas nimmt die Polizei zuerst zwei Jugendliche fest. Kurze Zeit später dürfen die beiden die Wache jedoch ohne Anklage wieder verlassen. Nun gehen den Beamten zwei andere Verdächtige ins Netz, die möglicherweise eine Verbindung zu Faisal Akram hatten.

Wenige Tage nach der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas hat die britische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. „Zwei Männer wurden heute Morgen in Birmingham und Manchester festgenommen. Sie bleiben in Polizeigewahrsam“, erklärte eine Anti-Terror-Einheit der Polizei. Bereits am Sonntag hatte die britische Polizei zwei Jugendliche in Zusammenhang mit dem Fall festgenommen, diese wurden jedoch ohne Anklage wieder freigelassen.

Der britische Staatsbürger Malik Faisal Akram hatte am Samstag in einer Synagoge in Colleyville in Texas den Rabbiner und drei weitere Menschen in seine Gewalt gebracht. Nachdem eine Geisel bereits zuvor freigelassen wurde, stürmte die Polizei die Synagoge. Die drei verbliebenen Geiseln blieben unverletzt, der Täter wurde getötet.

Akram war dem britischen Geheimdienst offenbar bekannt. Der MI5 hatte 2020 vorübergehend gegen ihn ermittelt, wie mehrere Medien am Dienstag unter Berufung auf britische Regierungskreise berichteten. Die Untersuchung wurde demnach jedoch eingestellt.

Biden verurteilte Tat als „Terrorakt“

US-Präsident Joe Biden deutete an, dass der Täter die Freilassung der Pakistanerin Aafia Siddiqui verlangt hatte, die in den USA wegen Terrorvorwürfen inhaftiert ist. Dem Sender Sky News zufolge war Akram kurz vor Silvester über den JFK-Flughafen in New York in die USA eingereist und hatte dann die Waffe gekauft, die er bei der Geiselnahme benutzte.

Der Brite sei zwischen 1996 und 2012 vier Mal festgenommen worden, unter anderem wegen Ruhestörung, Belästigung und Diebstahl. Biden verurteilte die Tat als „Terrorakt“.

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Als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr


Ursprünglich war es nicht das Lebensziel Paul Altenhöfers, viele Stunden in den Lüften zu verbringen. Der Junge aus Hausen bei Würzburg wollte lieber Tierarzt werden. An das humanistische Gymnasium in Münnerstadt, das er 1976 mit Abitur verlassen hat, erinnert der heute 65-Jährige sich gerne. Am 1. Juli des gleichen Jahres wird er als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingezogen. In der Kaserne in Cham erlebt er eine Vorstellung von Hubschraubern. Diese weckt einen Kindheitstraum an der „Fliegerei“ neu. Er verpflichtet sich acht Jahre als Zeitsoldat und entscheidet sich, eine „fliegerische Ausbildung“, wie er sagt, anzutreten.

Pädagogikstudium in München

Drei Hürden gilt es noch zu überwinden. Zunächst die Auswahl nach dem Ergebnis des Eingangstestes bei der Bundeswehr, eine psychologische Untersuchung, bei der unter anderem die Mehrfachbelastbarkeit, die Koordinationsfähigkeit sowie die Fähigkeit, sich zu fokussieren, untersucht wird. Zuletzt wird die körperliche Gesundheit und Fitness in einem zweitägigen Untersuchungsmarathon in Fürstenfeldbruck am Flugmedizinischen Institut der Bundeswehr festgestellt. Im gleichen Jahr beginnt Altenhöfer seine Offiziersausbildung mit der fliegerischen Ausbildung auf Alouette II. Nach dem Studium an der Bundeswehruniversität in München zum Diplom-Pädagogen 1981 startet am Standort Niederstetten 1983 seine Zeit als Einsatz-Luftfahrzeugführer in der 1. Fliegenden Abteilung 301.

Ab 1982 fliegt er mit dem Transporthubschrauber UH-1D Einsätze. So wird er als Pilot bei der Bergung von Verletzten im Rettungshubschrauber, beim Transport von Außenlasten oder bei Waldbränden eingesetzt. Als ein Beispiel seiner Einsätze bei Katastrophen nennt er das Oderhochwasser 1997, bei dem er als Organisator im Krisenstab den Einsatz der Hubschrauber koordiniert hat. Um die Dämme zu stabilisieren, wurden Sandsäcke tonnenweise zu den passenden Stellen geflogen und abgeworfen. In dieser Zeit endet seine Verwendung als Einsatzpilot. Dies bedeutet für ihn, weniger selbst den Hubschrauber zu steuern, sondern das ihm anvertraute Personal auszubilden und richtig einzusetzen.

Im letzten Moment verhindert

Im Laufe seiner Karriere sammelt er aber auch viel militärische Einsatzerfahrung. So ist er 1996 Leiter des Flugbetriebes der gemischten Heeresfliegerabteilung IFOR in Kroatien und 2000/2001 Kommandeur der Hubschrauberabteilung KFOR in Toplicane im Kosovo. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Nachttiefflug von Zadar nach Trogir mit einem verletzten Soldaten an Bord. Flächenbrände zu löschen war eine sich immer wiederholende Aufgabe. Ein Moment, der sich tief ins Gedächtnis eingeprägt hat, war ein Großbrand in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes. „Wir hatten seit mehr als zwei Stunden mit allen verfügbaren Kräften versucht, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Meine Aufgabe war die Koordination der Flieger beim Löschvorgang und der reibungslose Ablauf des Löscheinsatzes. Mit dem letzten Reservehubschrauber und Außenlastlöschbehälter bin ich dann noch mitgeflogen, und wir haben mit gemeinsamer Anstrengung das Überspringen der Flammen auf das Lager und unseren Spritvorrat im letzten Moment verhindern können. Der Befehl zur Räumung der dort stationierten Soldaten der Bundeswehr war schon gegeben.“

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Der Tag: Jugendliche klammert sich Stunde lang an fahrenden Zug

Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert! Eine 14-jährige blinde Passagierin aus Sachsen-Anhalt musste sich fast eine Stunde lang außen an einem Güterzug festhalten. Nach Angaben der Bundespolizei hatte sich die Jugendliche bei Magdeburg gemeinsam mit mehreren Begleitern auf ein Trittbrett eines Güterzugs gestellt. Im Gegensatz zu den anderen verpasste sie den Absprung.

Daraufhin musste sich die 14-Jährige bei hundert Kilometern pro Stunde und einer Lufttemperatur von minus dreieinhalb Grad während der nächtlichen Fahrt an einen Haltegriff klammern, bis der Güterzug kurz vor Braunschweig wegen einer Baustelle hielt. „Stark unterkühlt, völlig verschmutzt und mit nur noch einem Schuh“ habe das Mädchen beim Lokführer an die Tür geklopft, berichten die Beamten.

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Feuerwerker bei der Bundeswehr


Ein Moment Ruhe mitten auf einem Feld, jeder ist in Deckung. Dann ein lauter Knall und eine Druckwelle, die durch den ganzen Körper geht: eine Sprengung, um Munition zu vernichten, dies ist eine typische Situation im Alltag eines Feuerwerkers bei der Bundeswehr. Oberfeldwebel Jonas Loosen hat die wohl schwerste Ausbildung der Bundeswehr gemeistert und hat nun einen Beruf, bei dem jeder Fehler sein letzter sein könnte. Er ist ein athletischer, 23 Jahre junger Mann, dem man ansieht, dass er nicht nur Soldat ist, sondern diesen Beruf auch lebt. „Ich bin in einer Militärfamilie groß geworden und wollte schon immer zur Bundeswehr“, erzählt er begeistert. Deshalb kam eine Ausbildung zum Feuerwerker der Polizei oder im zivilen Bereich für Jonas Loosen nicht in Frage. Er absolvierte nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Metallbauer in seiner Eifler Heimat nahe Mayen. Durch deren Anerkennung als Eingangsberuf konnte er gleich mit höherem Dienstgrad eingestellt werden. Er ist eingesetzt als Feuerwerker in einer Logistikkompanie und hat sich für zwölf Jahre verpflichtet. Zurzeit ist er stationiert in Walldürn in Baden-Württemberg.

Sicherheit auf dem Truppenübungsplatz

Bei der Bundeswehr gibt es drei Arten von Feuerwerkern. Die Ausbildung, die dort alle Feuerwerker absolvieren müssen und die als die „höchste Ausbildung im Umgang mit Munition“ angesehen wird, dauert zwei bis drei Jahre und ist anfangs für alle gleich. Später unterteilt sie sich in drei Fachgebiete. Zum einen den Bereich Schießsicherheit. Das sind die Feuerwerker, die auf Truppenübungsplätzen für Sicherheit sorgen, die übende Truppe kontrollieren und Blindgänger entschärfen oder sprengen. Die Feuerwerker in den Logistikkompanien, zu denen auch Loosen gehört, sorgen unter anderem für die Bewirtschaftung von Munitionsdepots im Einsatz, sind verantwortlich für die fachgerechte Lagerung und den Transport von Munition. Den dritten Bereich decken die Pioniere ab. Sie sind die wohl bekanntesten Feuerwerker der Bundeswehr. Sie suchen Straßen, Brücken und Gebäude im Einsatz ab und beseitigen Sprengfallen, Minen und nicht gezündete Munition, um die Truppe vor diesen Gefahren zu schützen. Darüber hinaus werden Feuerwerker auch auf Schiffen eingesetzt, und es gibt weitere Spezialisierungen wie zum Beispiel die Minentaucher.

Bewirtschaften eines Desinfektionmittellagers

Im Berufsalltag sind unter anderem „die eigene Weiterbildung und sich in Übung zu halten“ laut Jonas Loosen seine Aufgaben: „Man muss ständig auf dem neusten Sachstand sein, da die Munition sich immer verändert und weiterentwickelt.“ Coronabedingt kam zu diesen Aufgaben auch das Bewirtschaften eines Desinfektionsmittellagers dazu. Seit er die Ausbildung abgeschlossen hat, darf er auch selbst in seinen Fachgebieten ausbilden. Die Ausbildung mit einer hohen Durchfallquote besteht aus viel Theorie, aber natürlich ebenso Praxis. Der Berufsalltag ist nicht einfach. Doch genau das macht für ihn den Reiz aus. „Einen der wohl kompliziertesten Berufe der Bundeswehr auszuüben, obwohl dieser einem wirklich viel abverlangt.“ Denn bei dem Umgang mit Munition, Sprengstoff und Blindgängern besteht immer ein Risiko. Deshalb wird Sicherheit „ganz groß geschrieben“, betont er: Es erfolgt kein Schritt ohne Absprache, Sicherheitsbestimmungen wie das Beachten des Sicherheitsabstandes oder das Tragen spezieller Handschuhe, und noch viele weitere Vorschriften müssen eingehalten werden.

Wenn eine Detonationswelle durch den Körper läuft

Im Ernstfall muss man das Risiko jedoch ausblenden. und das klappt nur durch eine gute Vorbereitung. „Der mentale Druck muss dann ausgeschaltet werden, denn die Auftragserfüllung steht ganz klar im Vordergrund.“ Umso wichtiger ist es, dass man keine Zweifel hat. Dies wird bei Jonas Loosen noch mal verstärkt durch den Zuspruch von Freunden, Familie, aber auch durch die starke Kameradschaft bei der Bundeswehr. „Hoffentlich verrutscht die angebrachte Ladung nicht“, das ist meist sein letzter Gedanke vor einer Sprengung. Denn wenn die erste Sprengung nicht funktioniert, muss man erneut an das Objekt. „Ein zweites Mal hingehen ist wieder ein höheres Risiko.“ Seine erste Sprengung, die Sprengung eines Artilleriegeschosses, war die für ihn bisher prägendste Erfahrung. „Wenn einem zum ersten Mal so eine Detonationswelle durch den Körper läuft, das war schon beeindruckend, was da für Kräfte aufeinander wirken“, erinnert er sich deutlich. Dabei walten Kräfte, bei denen jeder Fehler tödlich enden kann. Dennoch hat er keinerlei Zweifel an seiner Berufswahl. Obwohl es immer wieder zu Verletzungen und leider auch Todesfällen kommt, denkt er über dieses Risiko nicht nach: „Dies muss man ausblenden, sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.“ Angst habe er nicht. „Ein Einsatz reizt mich natürlich. Ich habe die Ausbildung durchlaufen und kann dort zeigen, wofür ich ausgebildet wurde. Ich sehe den Einsatz als Prüfung und Herausforderung, mein Können unter Beweis zu stellen.“

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