Kategorie -Jugendliche

„Time“-Ranking der einflussreichsten Teenager weltweit

Weltfrieden, Bildung, Gleichberechtigung für Transsexualität, freier Forschergeist – dafür lohnt es sich zu kämpfen. Das US-Magazin „Time“ hat ein Ranking der 30 einflussreichsten Teenager der Welt erstellt. Und die stehen für diese Begriffe. Wir stellen die Top 3 vor.

Das Magazin „Time“ wollte den Einfluss weltweit ermitteln und sichtete die Präsenz der Namen in sozialen Netzwerken und den klassischen Nachrichten. Darunter finden sich junge Unternehmer, Politikerkinder, Sportler und Top-Models, aber eben auch diese drei beeindruckenden jungen Menschen. 

An der Spitze: Malala Yousafzai

Angeführt wird die Liste von der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten: Malala Yousafzai. Ihren Kampf für Bildung musste die heute 18-jährige Pakistanerin teuer bezahlen. Die Kinderrechtsaktivistin aus dem Swat-Tal wurde im Oktober 2012 Opfer eines gezielten Attentats. Taliban schossen ihr in Kopf und Hals. Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt. Bis dahin hatte sie seit 2009 unter Pseudonym in einem Tagebuch-Blog für die BBC über die Gewalttaten der Taliban berichtet: Über die Verbote für Mädchen, die keine Schulen mehr besuchen sollten, keine Musik hören und sich nicht unverschleiert zeigen sollten. 

Selbst Barack Obama wird gerüffelt

Anlass für den Anschlag war Malalas Weigerung gegen das Schulverbot und ihr Einsatz für Bildung von Frauen und Mädchen. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Großbritannien und setzt sich für das globale Recht der Kinder auf Bildung ein. Sie ist Gastrednerin vor den Vereinten Nationen und wird im Weißen Haus empfangen. Sie scheut sich nicht, Barack Obama für seinen Drohnenkrieg zu kritisieren. Das nennt man Courage.

Transgender-Aktivistin auf Platz 2

Visionen und Aktionen, Mut und Inspiration – das verbindet die Idole der Jugend. Das zeichnet auch Jazz Jennings aus. Die 15-jährige Amerikanerin ist transsexuell. In ihrer eigenen Fernsehshow kämpft sie für die Rechte Homosexueller, Bisexueller und Transsexueller. Die Aktivistin formulierte schon früh ihr Anliegen und trat 2012 in einer populären Show im amerikanischen Fernsehen auf. 

Ihr Markenzeichen ist eine lila Meerjungfrauen-Flosse. Die ist auch das Symbol der „Transkids Purple Rainbow Foundation“, die Jazz 2007 mit ihren Eltern gegründet hat, um jugendliche Transgender zu unterstützen. Seit Juli 2015 hat der Youtube-Star auch eine eigene TV-Serie: „I am Jazz“, deren Thema ihr Leben als Transgender-Teenager ist. 

Islamophobie wird Ahmeds Forschergeist zum Verhängnis

Der dritte Jugendliche an der Spitze des „Time“-Rankings wurde durch ein verhängnisvolles Missverständnis zum Social-Media-Star: Der 14-jährige Ahmed Mohamed aus den USA bastelte aus Schrott eine elektronische Uhr und brachte sie in die Schule. Sein Englischlehrer hielt die Uhr für eine Bombe und rief die Polizei. Ahmed wurde in Handschellen abgeführt und stundenlang ohne seine Eltern verhört. Der Fall der „Hoax Bomb“ verbreitete sich unter dem Hashtag #StandWithAhmed rasch im Netz als Beispiel für die herrschende Islam-Furcht. 

Barack Obama, Hillary Clinton und Mark Zuckerberg schrieben an Ahmed Mohamed. „Cool Clock“ war Obamas Twitter-Reaktion. Viele Prominente nahmen den Fall zum Anlass, Jugendliche zu mehr Forschergeist zu ermuntern, der Amerika groß gemacht habe. Doch Ahmeds Familie entschied sich nach Katar zu ziehen, dort wurde dem Jungen ein Stipendium angeboten. 

Jazz Jennings freut sich auf Facebook über die große Ehre, in diesem Ranking so weit oben platziert zu sein. 

Thanks TIME for this great honor.❤️http://time.com/4081618/most-influential-teens-2015/?xid=fbshare

Posted by Jazz Jennings on Mittwoch, 28. Oktober 2015

Malala Yousafzai kann sich zeitgleich mit dem Erscheinen des Rankings über einen weiteren Erfolg freuen. Auf Facebook teilt ihre Stiftung mit, dass eine Million Menschen die Petition #withMalala für globale Bildung gezeichnet haben.  

VICTORY! More than 1,000,000 people stood #withMalala and signed her petition to the Global Partnership for Education….

Posted by Malala Fund on Donnerstag, 29. Oktober 2015

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Therapie gegen Computersucht: Hier finden Jugendliche zurück ins echte Leben

Der Sohn hängt nur noch am Computer, zockt die halbe Nacht lang Onlinespiele, rutscht in der Schule immer weiter ab und hat kein Interesse mehr an früheren Hobbys. Viele Eltern verzweifeln und scheitern an diesem exzessiven Spielekonsum. Manchmal kann nur eine Therapie die Jugendlichen aus ihrer Sucht holen.

In Dortmund haben die Malteser eine Therapieeinrichtung für computersüchtige Jugendliche gegründet. Der Name „Auxilium Reloaded“ steht für „Neustart“. In der betreuten Wohngruppe können insgesamt 14 junge Leute zwischen 15 bis 25 Jahren aufgenommen werden. Sie kommen aus ganz Deutschland und bleiben ein bis eineinhalb Jahre.

Bei Lukas hat das Jugendamt eingegriffen

Lukas ist 15 und heißt eigentlich anders. Er kommt aus Hessen und ist der jüngste Zugang der Wohngruppe für computersüchtige Jugendliche in Dortmund. Lukas spricht freiwillig über sein Schicksal. Ebenso der 20-Jährige Justin aus dem Rheinland. Der Unterschied: Justin wollte aus eigenem Antrieb aus der virtuellen Welt ausbrechen. „Ich bin selbst auf die Idee gekommen. Ich habe das meinem gesetzlichen Betreuer gesagt.“

Bei Lukas, der bei seiner Mutter gewohnt hat, griff das Jugendamt ein. Mit zehn Jahren fing das Spielen bei ihm an. Als er 15 war, drohte die Schule den Bach herunterzugehen. Die Außenwelt sah er kaum noch. „Bei der Tante war ich manchmal noch im Swimmingpool.“ Das war es mit den Außenkontakten.

Justin ist seit Juli in der Wohngruppe. Er hatte sich in der eigenen Wohnung hinter dem PC abgeschottet. Einen Schulabschluss hat er nicht. Eine Sechs in Mathe bedeutete das Ende in Klasse acht.

Anerkennung der anonymen Mitspieler macht süchtig

„Ich habe mit einer Playstation II angefangen“, erinnert er sich. Das reichte nicht. Justin wollte online zocken. „Ich hab Egoshooter gespielt.“ Die Spieler erlangen Ruhm und steigen in immer höhere Ebenen auf. Das kann süchtig machen. Die Spielpartner sind andere Internetzocker, die sich nicht kennen. Echte Freunde: Fehlanzeige.

Noch nicht als Krankheit anerkannt

„Anerkannt als Krankheit ist die Computersucht noch nicht“, sagt  Bert te Wildt von der Internetambulanz der Uniklinik Bochum. Die Ambulanz kooperiert mit den Dortmundern. Bei den Kosten müssen te Wildt und die stationären Einrichtungen um die Kostenübernahme ringen. Das sind Krankenkassen, Jugendhilfe oder die Rentenversicherung. „Die Krankenkassen sind eher nicht das Problem“, meint der Psychotherapeut.

Extrovertierte landen bei Drogen, Ängstliche flüchten in Spielwelten

Patrick Portmann ist der Leiter von „Auxilium Reloaded“. Dort landen vor allem junge Menschen, die bei Onlinespielen wie dem Ballerspiel „Call of Duty“ den Zugang zur Realität verloren haben.

Die Mitarbeiter der Einrichtung schauen sich in den ersten Wochen an, wie die Jungs zocken. Mädchen gibt es derzeit noch nicht, weil die Onlinespiele mehr auf Jungs ausgerichtet sind. Spiele wie „Candy Crush“ könnten das aber bald ändern, glaubt Portmann.

Die Therapeuten wollen die Wurzeln erkennen, wie es zur Sucht kam und wie sie sich ausdrückt. Die Gründe sind ähnlich: Überlastung in der Schule oder Mobbing. „Die Extrovertierten finden sich bei den Drogen wieder, die Ängstlichen verlieren sich eher in den Spielen.“

Nur für eine Stunde dürfen die Patienten an den Computer

Nach der Diagnose folgt die Therapie. „Wir müssen erst einmal den Tag-Nacht-Rhythmus wieder hinbekommen“, sagt Therapeut Markus Hofmann. An Smartphone oder Computer kommen die Bewohner nur noch eine Stunde am Tag. Später wird es mehr.

Justin stöhnt bei dem Thema Tagesrhythmus: „Montags bis freitags werden wir um halb Sieben geweckt. Dann gibt es Frühstück. Putzen müssen wir auch.“ Gemeinsames Kochen und Einkaufen gehört ebenfalls zur Gewöhnung an die reale Welt. Amüsiert sind Portmann und Hofmann bei der Frage, ob die Jungs auch allein raus und mal in der Kneipe was trinken dürfen. „Die dürfen natürlich draußen feiern“, sagt Portmann. „Wir freuen uns sogar. Das ist das richtige Leben.“

Lukas will auf Schach umsteigen

Lukas hat schon Vorstellungen von Außenbeschäftigung. „Ich spiele ein bisschen Schach.“ Er liebäugelt mit einem Verein. Und bald geht es in der Nähe in die Realschule. Die Schule abschließen will auch Justin, zumindest die Hauptschule. Er wartet auf das nächste Halbjahr bei der Volkshochschule oder der Abendschule.

Jeder Zehnte an der Schwelle zur Internetsucht

Laut einer EU-Studie nimmt die Internet-, beziehungsweise Computernutzung bei jedem zehnten Jugendlichen in Deutschland bedenkliche Ausmaße an. Ein Prozent der jungen Deutschen gilt als internetsüchtig. 

Symptome für Computersucht bei Jugendlichen

  • stetige Steigerung der Spielzeit am Computer trotz Verbots
  • Verharmlosung des Computerspielkonsums
  • Rückzug aus dem Freundeskreis
  • Vernachlässigung von Hobbys, Schule oder Arbeit
  • unregelmäßige Schlafzeiten und Übermüdung
  • Veränderung des Essverhaltens mit Fehlernährung
  • Ungewöhnliche Stimmungswechsel und zunehmende Aggressivität

Weitere Informationen und Hilfsangebote finden Eltern auf der Homepage von „Auxilium Reloaded“ und beim Fachverband für Medienabhängigkeit.

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Darum kommt „Die Tribute von Panem“ bei Jugendliche so gut an

Ab dem 19. November strömen erneut massenhaft die zumeist jugendlichen Zuschauer in die Kinos, um Katniss Everdeens (Jennifer Lawrence) Kampf gegen ein diktatorisches Regime beizuwohnen.

Mit „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“ kommt es nun zum großen Finale der 2012 gestarteten Filmreihe. Zwischen 700 und 865 Millionen Dollar konnte jeder einzelne Auftritt Katniss‘ bislang weltweit an den Kinokassen einspielen.

Das ist umso bemerkenswerter, weil „Die Tribute von Panem“ in ihrer pessimistischen, gesellschaftskritischen Ausrichtung fast nichts mit anderen Jugendbuchverfilmungen wie „Harry Potter“ oder „Twilight“ gemein haben.

„Die Tribute“ treffen den Nerv der 13- bis 20-Jährigen

Dennoch oder gerade deswegen treffen die Filme genauso wie die zugrunde liegenden Romane von Suzanne Collins genau den Nerv der heute 13- bis 20-Jährigen. Die englische Wirtschaftswissenschaftlerin Noreena Hertz, die die Wünsche und Sorgen dieser Altersklasse untersuchte, spricht deshalb auch von der „Generation K“, wobei K für Katniss steht.

Aber was macht „Die Tribute von Panem“ zu so etwas Besonderem? Was unterscheidet sie von anderen Jugendbuch-/Filmreihen? Wo sieht die „Generation K“ die eigene Lebensrealität und auch die eigenen Ängste wiedergespiegelt? Wir haben versucht, das Erfolgsgeheimnis zu entschlüsseln.

Unterschiede zwischen den Geschlechterrollen verschwimmen

In „Die Tribute von Panem“ sind die Unterschiede zwischen den Geschlechterrollen nahezu aufgehoben. Frauen üben die gleichen Jobs wie Männer aus und sind bei den Hungerspielen gleichwertige Gegner. Einige männliche Charaktere wie Moderator Flickerman (Stanley Tucci) oder Kostümdesigner Cinna (Lenny Kravitz) wirken hingegen androgyn.

Misstrauen gegenüber den Institutionen

Das diktatorische Panem basiert auf Unterdrückung. Die Staatsmacht geht willkürlich vor, kontrolliert und manipuliert die Menschen. Recht und Gesetz dienen nur noch denen, die die Macht innehaben. In Zeiten von Abhörskandalen, Politikverdrossenheit und diffusen Bedrohungsgefühlen können sich viele junge Menschen in der Welt von Panem wiederfinden.

Erwachsene bieten keine Sicherheit

Wo bei „Harry Potter“ erwachsene Charaktere wie Dumbledore die jugendlichen Helden noch leiten können, sind Katniss und ihre Freunde auf sich selbst gestellt. Erwachsene Figuren wie Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) können zwar helfen und unterstützen, sind den Verhältnissen aber in der gleichen Weise ausgesetzt und strahlen keine Sicherheit aus.

Man kann sich nur noch auf sich selbst verlassen

Ein Gefühl der Sicherheit existiert sowieso nicht in Panem – weder im System an sich noch im persönlichen Umfeld. Die Figuren bleiben ambivalent, aus Freunden werden Feinde und umgekehrt. Hundertprozentig vertrauen kann man nur noch sich selbst. Das gipfelt in den Hungerspielen, wo Koalitionen zum Überleben geschlossen werden müssen, letztlich aber auch diese zerbrechen: Denn überleben wird nur einer. Das dürfte Jugendlichen, die schon in ihren jungen Jahren vielerorts angehalten werden, die Ellenbogen zu benutzen, durchaus bekannt vorkommen.

Massenmedien machen aus Brutalität ein Spektakel

Die Hungerspiele treiben die Konzepte Reality-TV und den damit verbundenen Hype und die Inszenierung auf die Spitze. Gewalt, Brutalität und Tod werden zu einem dauerhaften, vollkommen akzeptierten Begleiter im bonbonbunten Mega-Spektakel.

Gewalt wird ernst genommen

In den Filmen und den Büchern selbst wird die Gewalt sehr ernst genommen. Sie wird einerseits für ein jugendliches Publikum bemerkenswert drastisch dargestellt, wird aber andererseits nie zelebriert. Gewalt und Tod sind also nie effekthascherischer Selbstzweck, sondern immer ein außergewöhnliches Ereignis voller Gräuel und Schrecken. Damit stellt „Die Tribute von Panem“ einer überinszenierten Mediengesellschaft eine neue Ernsthaftigkeit und Echtheit gegenüber.

Kinostart „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“: 19. November 2015

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Homosexuelle Jugendliche werden oft diskriminiert

Von gesellschaftlicher Normalität kann noch keine Rede sein. Homosexuelle Jugendliche erleben in Deutschland oft Ablehnung. Erstmals ist ihre Situation in einer Studie untersucht worden.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München befragte mehr als 5000 junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren, die lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell sind. 

Acht von zehn sind wegen ihrer Homosexualität oder geschlechtlichen Identität schon diskriminiert worden. Das geschieht in der Schule oder am Ausbildungsplatz, aber auch in der Familie oder in der Öffentlichkeit.

Homosexuelle Jugendliche haben Angst vor Ablehnung

Das innere Coming-out, also der Prozess, in dem sich die Jugendlichen der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität bewusst werden und sich damit auseinandersetzen, kann sehr lange dauern. Oft wird er als belastend erlebt.

Drei Viertel der Jugendlichen befürchten, von Freunden abgelehnt zu werden. Sieben von zehn haben Angst vor Ablehnung durch Familienmitglieder. Knapp zwei Drittel fürchten, dass ein Coming-out zu Problemen in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz führt.

Schwieriges Outing gegenüber den Eltern

Das äußere Coming-out erfolgt deshalb erst nach Jahren. Die Mehrheit der Jugendlichen vertraut sich zuerst einem Freund oder einer Freundin an. Von ihnen wird die Neuigkeit oft gut aufgenommen. Dagegen sind sie Reaktionen der Eltern und in der Schule meist weniger positiv.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums, das das Projekt förderte, handelt es sich um die bundesweit erste „Coming-out“-Studie.

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Demenz bei Großeltern: So erklärt man Kindern die Situation

Kinder verstehen oft, was Erwachsene nicht verstehen können oder wollen. Sie sind unvoreingenommener. Auch beim Thema Demenz. Sind die Großeltern betroffen, finden Kinder schnell einen natürlichen Umgang mit der Krankheit. Viel schwieriger ist die Situation für Jugendliche, deren Eltern dement werden.

Till Schweigers Tragikkomödie „Honig im Kopf“ hat den Nerv getroffen. Das kleine Mädchen, das als einzige zu verstehen scheint, wie der demente Großvater sich fühlt und was er braucht, ist Sinnbild für den Umgang von Kindern mit dem Thema.

„Solche Filme mögen ein wenig kitschig sein, aber sie bewegen auf eine gute Art“, fasst es Michael Schmieder im Gespräch mit t-online.de zusammen. Er ist der Leiter der schweizerischen „Sonnweid“, eine in Fachkreisen als führend bezeichnete Institution für Menschen mit fortgeschrittener Demenz. Dorthin kommen immer öfter Kranke, die zwischen 1950 und 1980 geboren sind und die entweder unter Alzheimer oder einer sogenannten sekundären Demenz leiden. Eine sekundäre Demenz kann beispielsweise die Folge einer Hirnblutung sein. Es sind Patienten, deren Kinder oft wirklich noch Kinder sind.

Demenz verschweigen schützt Kinder nicht

Momentan leben allein in Deutschland etwa 1,5 Millionen demenzkranke Menschen. Jedes Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf, so die Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. 6000 davon betreffen die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen.

Das ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem viele Erwachsene nicht umgehen können. Sie wollen ihre Kinder schützen, verschweigen vieles, um Ängste zu verhindern. Aber gerade dadurch erzeugen sie welche.

Dabei sind Kinder im Vor- und Grundschulalter sehr gut in der Lage, sich in den Zustand der Dementen zu versetzen. „Den Kindern selbst ergeht es oftmals ähnlich (…): Sie leben sehr intensiv in ihrer magischen Welt. Wie oft erleben sie, dass Hexen, Geister, Feen und die vielen anderen Wesen aus einer anderen Welt deutlich vor ihren Augen zu sehen sind, aber Mama und Papa schimpfen, sie sollen doch keinen Blödsinn reden“, heißt es im Buch „Demenz, ist das ein Tier wie Krebs?“ von Bianca Mattern, Eva-Maria Popp und Iris Weißer.

Worte finden für das Verlieren von Wörtern

Kinder und Demenzkranke sprechen eine ähnliche Sprache: Einfache Fragen, kurze Sätze, viel Mimik und Gestik. Und vor allem viel Gefühl. Die Autorinnen raten, Kinder zum Ausdruck dieser Gefühle anzuleiten, sie in Farben oder Worte zu fassen.

„Demenz schmeckt wie Kaugummi, der langsam seinen Geschmack verliert“, beschreibt es der zehnjährige Robert. Für die neunjährige Rija hat Demenz die Farbe Grau. Die befragten Kinder vergleichen die Krankheit mit Watte, mit schmelzendem Eis, mit matschigem Kartoffelbrei, mit einem Bücherschrank, aus dem die Bücher fallen oder mit einem explodierten CD-Player. Aber auch mit Vogelgezwitscher, Seifenblasen, bunten Farben und einem Regenbogen. 

Erwachsene müssen sich ihren eigenen Ängsten stellen

Kinder brauchen Vorbilder im Umgang mit der Krankheit und sie brauchen Antworten auf ihre Fragen. „Die wichtigste Voraussetzung für ein Gespräch mit Kindern über die Demenz ist die eigene Souveränität. Sollten eigene Ängste im Raum stehen, ist es wichtig, sich dazu zu bekennen und das zu kommunizieren“, heißt es in dem Buch.

Auch die Kinder haben Ängste. Vor Ansteckung zum Beispiel, aber auch vor dem veränderten Verhalten des Angehörigen. „Meine Uroma war immer total lieb und plötzlich wurde sie so gemein. Und wenn sie vergessen hat, wer ich bin, dann wurde ich sehr traurig“, erinnert sich die 14-jährige Hannah. Sie war vier als die Erkrankung bekannt wurde.

„Wie ein kleines Mädchen hat sie ausgesehen“

Ihre Schwester und sie haben oft mit der alten Dame gespielt.  Einfache Spiele, die sie noch von früher kannte, und mit Puppen. „Sie hat das geliebt und konnte das viel besser als die anderen Erwachsenen. Manchmal hat sie der Puppe die Windel als Mütze aufgesetzt.“ Irgendwann aber kam die Uroma ins Heim. Die Belastung für die Familie war zu stark, der Zeitaufwand zu hoch. Und es war zu gefährlich. „Das war so schlimm für mich. Sie stand da am Aufzug und wollte mit uns mit, aber mein Papa hat sie zurückgeschoben und ihr gesagt, sie müsse dableiben. Ihren Gesichtsausdruck vergesse ich nie. Sie hat nicht verstanden, warum wir sie dort lassen und wo sie ist. Wie ein kleines Mädchen hat sie ausgesehen“, erzählt Hannah.

Jungs haben große Schwierigkeiten mit dem Thema Demenz

Dass Angehörige immer mehr Fähigkeiten verlieren, ist für Jugendliche schwer zu verkraften. Besonders, wenn es die eigenen Eltern betrifft. Schmieder gibt zu bedenken: „Hinzu kommt die Angst, was aus einem selbst wird – diese Angst ist bei Jugendlichen viel größer als bei Kindern.“ Sie können die Tragik besser überschauen. „Mädchen sind resilienter, aber Jungs können das alles nur sehr schwer verkraften“, so Schmieders Erfahrung.

Vor allem in den Phasen, in denen sich die Persönlichkeit stark verändert, wird es für die Familie schwierig. Aber auch bei bestimmten Demenzformen, bei denen die Erkrankten stark enthemmt sind, ist der Umgang nicht einfach. Kinder und Jugendliche sollten dann wissen, dass die Kranken es nicht verletzend meinen, wenn sie ruppig sind, und dass sie weiterhin Respekt und Würde erwarten können. Auf der anderen Seite ist es Aufgabe der erwachsenen Angehörigen, auf die Grenzen der Kinder zu achten.

Zu wenig Hilfe für Kinder demenzkranker Eltern

Kinder und Jugendliche mit einem demenzkranken Elternteil brauchen Hilfe. Statt die Kinder in Entscheidungen einzubeziehen und den schleichenden Verlust gemeinsam zu verarbeiten, lassen von der Situation überforderte Eltern sie oft mit ihren Gefühlen alleine. Hier klafft eine Lücke im Beratungsangebot. „Betroffene Kinder und Jugendliche werden einfach vergessen. Leider oft auch vom gesunden Elternteil. Da spielen sich manchmal Tragödien ab“, sagt Schmieder.  

Die Mitarbeiter von „Sonnweid“ suchen den Kontakt zu diesen Kindern und Jugendlichen, auch nach dem Tod des Elternteils. Sie versuchen, psychologische Hilfe zu vermitteln, um den jungen Menschen einen Weg aus ihrer Verzweiflung und Traurigkeit aufzuzeigen.

Infos zu Beratungsstellen, zum Umgang mit Demenz und Kontakt zu ebenfalls betroffenen Jugendlichen gibt es unter anderem bei der Seite www.alzheimerandyou.de der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

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