Sammlung olympischer Objekte


Runder Bauch, Knopfaugen, Karottennase, Tirolerhut, das „Schneemandl“ war das Maskottchen von Olympia 1976 in Innsbruck. Was vor vierzig Jahren mit Pins aus Moskau begann, ist über die Jahre zu einer Sammlung aus mehr als 70 000 Stücken gewachsen. Sein ganzes Herzblut steckte der Archivar Markus Osterwalder in die Sammlung olympischer Objekte. Maskottchen, Diplome, Sportanzüge und Medaillen bewahrt er in seinem Archiv im appenzellischen Herisau auf. In Jeans und Pulli, eine schwarze Brille im freundlichen Gesicht, erzählt der 58-Jährige, wie alles in Ecuador, wo er seine Kindheit verbrachte, begann. Während in München die Sommerspiele stattfanden, organisierten Nachbarn eine „Familien-Olympiade“ mit Sackhüpfen. Die Sieger wurden mit einer Medaille geehrt, die aus einem alten, golden gefärbten Wasserhahn bestand. Sein erstes Objekt erstand der Schweizer acht Jahre später. Der Vater eines Freundes war Delegierter des ecuadorianischen Sportverbandes und brachte eine Unmenge an Pins von den Olympischen Sommerspielen aus Moskau mit. „Ich habe ihm diese richtig abgebettelt.“ Diese Abzeichen waren der Beginn eines Lebensprojektes.

Eine Urkunde von Federer

Mit 19 Jahren zog er mit seiner Familie in die Schweiz, wo er ein Studium an der Kunstgewerbeschule absolvierte. Er nahm an seiner ersten Sammlerbörse in Lausanne teil, für ihn eine völlig neue Welt. „Ich war damals noch Student und hatte kein Geld, weshalb ich einfach hier mal einen Pin und dort mal ein kleines Buch gekauft habe.“ In seinem Haus in Herisau hängt eine Bildercollage mit Diplomen aus 120 Jahren olympischer Geschichte, darunter eine Urkunde der Tennisikone Roger Federer. Ein Hingucker ist die Goldmedaille, die die Athletin Christine Stückelberger 1976 in Montreal gewann. Da die Dressurreiterin keine Nachkommen hat, vermachte sie ihre fünf olympischen Medaillen Osterwalder, der sie würdevoll aufbewahrt: „Bei mir sind sie sicher geschützt, und sie kann sie jederzeit ansehen kommen.“ Auch weniger kostbare Dinge haben für den Archivar eine Bedeutung, da sie meist eine einzigartige Geschichte erzählen. Eine, die ihm am Herzen liegt, ist jene des „Schneemandls“, eine Erfolgsgeschichte mit tragischem Ende. Der Designer des Maskottchens Walter Maria Pötsch lernte seine Frau Eva auf der Vermarktungstour kennen. Dabei zogen sie mit einem Konvoi durch ganz Österreich und befestigten lebensgroße „Schneemandls“ auf den Dächern der Autos. So eine Kampagne gab es noch nie, sie erwies sich als voller Erfolg. Zu seinem Unglück waren die Stoffe, die zur Herstellung der Riesenmaskottchen genutzt wurden, jedoch schädlich, und Pötsch starb 2006 an den Folgen dieser Vergiftung. Seine Frau Eva musste all die Informationen und Skizzen des Maskottchens selbst an Osterwalder übergeben.

Zum Generalsekretär der Olympischen Historiker ernannt

Meist sucht er über Jahre hinweg nach einem bestimmten Stück, was für ihn einen großen Teil des Spaßes ausmacht. 1994 reiste er zu den Winterspielen in Lillehammer. Seither ließ er sich nicht einen dieser Großevents nehmen und war immer selbst vor Ort. Nur in den letzten zwei Jahren machte ihm Corona einen Strich durch die Rechnung. Die Spiele sind für ihn keine Zeit zum Entspannen, im Gegenteil. Er versucht sich von möglichst allem ein Bild zu machen, führt Interviews, macht Fotos und besucht unterschiedlichste Sportanlagen, den Fokus immer auf das Design gerichtet. Seit 1995 ist der Grafikdesigner selbständig, schreibt Fachartikel, hält Vorträge oder macht Ausstellungen. Auch sein Buch brachte ihm Geld ein: „16 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 16 Monate lang habe ich nichts anderes mehr gemacht, als daran zu arbeiten.“ Mehr als 200 Designer aus aller Welt stellt er vor, von denen er viele besucht hat, um an Fotos, Unterschriften und Originalskizzen von Piktogrammen zu kommen. Die 6000 Objekte, die er präsentiert, stammen zum größten Teil aus seiner eigenen Sammlung. Das Standardwerk wird auch vom Internationalen Olympischen Komitee genutzt. 2016 wurde er zum Generalsekretär der Olympischen Historiker ernannt, eine internationale Organisation von rund 500 Journalisten, Historikern und Professoren, die sich mit dem olympischen Design auseinandersetzen. Voller Vorfreude blickt er auf die Spiele in Paris. Das Design ist streng geheim. „Ich kenne die hauptverantwortliche Person sehr gut und versuche immer, etwas aus ihr herauszulocken, doch sie ist knallhart“, lacht er. Er hofft auf eine moderne Umsetzung des Art-déco-Stils. „Das stelle ich mir richtig toll vor.“

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