Vergängliche Kunst unter der Autobahn

Graffiti-Wand in Stuttgart-Vaihingen
Vergängliche Kunst unter der Autobahn

An der Unterführung haben sich bereits die ersten Künstler verewigt. Foto: Sandra Hintermayr

Mit bunten Graffiti wurde die Hall of Fame in der Unterführung der A 831 in Stuttgart-Vaihingen eingeweiht. Dafür haben nicht nur die Vaihinger Jugendlichen lange gekämpft.

Vaihingen – Die Autobahnunterführung zeigt Farbe: Am Samstag ist die Vaihinger Hall of Fame in der Verlängerung der Kurmärker Straße offiziell eingeweiht worden. Stuttgarter Graffiti-Künstler und Jugendliche haben zur Sprühdose gegriffen und der grauen Wand einen bunten Anstrich verpasst. Ein langes Leben werden die Kunstwerke aber vermutlich nicht haben: Auf der legalen Graffiti-Wand darf sich jeder verewigen. „Es gibt aber eine Art Ehrenkodex in der Szene. Es darf nur der ein Kunstwerk übersprühen, der es mindestens ebenso gut kann“, erklärt Anna Deparnay-Grunenberg. Die Grünen-Stadträtin hat das Projekt Hall of Fame in den vergangenen zwei Jahren begleitet. „Aber jedes Kunstwerk wird fotografiert und damit für die Zukunft festgehalten“, sagt Deparnay-Grunenberg.

Entstanden war die Idee für eine legale Graffiti-Wand bereits vor einigen Jahren. „Wir suchen schon länger eine weitere Fläche neben der Hall of Fame unter der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt“, sagt Florian Schupp, der Graffiti-Beauftragte der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft (Stjg). Im Jugendforum 2015 haben sich Jugendliche intensiver mit dem Projekt befasst. Nun haben sie ihr Ziel erreicht. Die Stadträtin Anna Deparnay-Grunenberg stand als Projektpatin helfend beiseite, ebenso wie Vertreter der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft und Johannes Götz. Der Schulsozialarbeiter leitet den Graffiti-Club am Hegel-Gymnasium in Vaihingen.

Die Jugendlichen sind am Ball geblieben

„Die Kids waren über die ganze Zeit engagiert dabei und haben Geduld bewiesen. Auch wenn die Mühlen der Bürokratie manchmal langsam mahlten“, sagt Deparnay-Grunenberg. So hätten die Jugendlichen Orte ausgemacht, an denen sie sich ihre Hall of Fame vorstellen konnten, Fotos geschossen und ihre Vorschläge an die Stadtverwaltung weitergegeben sowie ihre Idee im Vaihinger Bezirksbeirat vorgestellt. Die Lokalpolitiker zeigten sich begeistert von der Idee, einen legalen Rahmen für die Graffiti-Kunst zu schaffen. Lediglich die Frage nach der Abfallbeseitigung war zunächst noch offen. Letztlich verständigte sich der Bezirksbeirat darauf, die Leerung der Mülleimer durch die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) im ersten Jahr des Projekts zu finanzieren.

Mit einem kleinen Straßenfest mit Livemusik und Gegrilltem nahmen die Künstler die Wände am Samstag in Beschlag. Während die „Profis“ sich an der breiten Unterführung der A 831 verewigten, probierten sich die Jugendlichen unter der kleineren Brücke der Gründgensstraße aus. Ein Schild an der Autobahnunterführung weist die Stellen aus, an denen das Sprayen erlaubt ist. Alte Hasen und junge Hüpfer hätten sich gleichermaßen für die Wände begeistert. „Es war schon fast ein generationenübergreifendes Event“, sagt Johannes Götz.

So schön kann Graffiti sein

„Wir sind unheimlich froh über die neue legale Graffiti-Wand. Da steckt viel Arbeit dahinter“, sagt Florian Schupp. Die Unterführung sei ein stark frequentierter Ort, wo Fußgänger und Radfahrer die Möglichkeit haben, mit der Kunst in Berührung zu kommen. „Dieser Austausch ist uns wichtig“, sagt Schupp. „Wir möchten den Bürgern zeigen, wie schön Graffiti sein kann.“ Johannes Götz ergänzt: „Qualität setzt sich durch.“ Gute Kunstwerke bleiben länger, schlechtere werden schneller wieder übersprüht. „Auch, wenn man sich erst einmal trauen muss, ein Graffiti zu übermalen“, sagt Götz. In erster Linie sei die Vaihinger Hall of Fame dafür gedacht, dass die jungen Künstler sich in ihrer Freizeit dort ausprobieren können. Aber der Schulsozialarbeiter möchte die Wand auch mit seinem Graffiti-Club nutzen.

„Die Vaihinger Hall of Fame ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Jugendbeteiligung“, sagt Anna Deparnay-Grunenberg. Für die Jugendlichen sei das eine wichtige Erfahrung. „Schön, dass wir das nach zwei Jahren Engagement geschafft haben. Die Vaihinger Hall of Fame ist der Lohn für die viele Arbeit der Jugendlichen. Ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht“, sagt die Grünen-Stadträtin.

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