Kategorie -Jugendliche

„Mirror, Mirror“: kein Modelbuch: Das Teenie-Trauma der Cara Delevingne


Wer war schon gerne Teenager? Eben. Jugend fühlt sich oft mies an und lässt sich erst retrospektiv zur besten Zeit des Lebens stilisieren. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Ihr nähert sich Supermodel Cara Delevingne in ihrem Debütroman „Mirror, Mirror“.

Ein Model schreibt ein Buch – ohne kalorienreduzierte 5-Minuten-Rezepte, ohne Einrichtungstipps. Die Erwartungen könnten kaum geringer sein. Das Model ist Cara Delevingne, eine der meistfotografierten Frauen unserer Zeit. Und eine von den Promi-Damen, die sich mühen, zu beweisen, dass sie mehr sind als ein hübsches Gesicht. Delevingne musste dazu erst einmal der Modebranche den Rücken kehren. Seit 2015 nennt sie sich Schauspielerin. Sie war der Star eines Teenie-Mystery-Streifens, die Schurkin in einem Superhelden-Film, eine Prostituierte im Tulpenfieber und schließlich das Gesicht eines Weltraum-Epos. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre erste Single „I Feel Everything“. Nun also ein Buch.

Ein bisschen will man „Mirror, Mirror“ belächeln. Doch allzu einfach macht es Delevingne einem damit nicht. Los geht es schon bei der Autorenschaft. Während der Titel des Buchs auf dessen Cover hinter Delevingnes Namen verschwindet, tut der ihrer Ko-Autorin während der Promo-Arbeit für „Mirror, Mirror“ nicht. Delevingne hat die britische Bestseller-Schreiberin Rowan Coleman engagiert, ihren Gedanken Form zu geben und das, was sie sich unbedarft überlegt hat, lesbar zu gestalten. Ein Geheimnis hat sie daraus nicht gemacht. Sie allein hätte sich selbstverständlich nie zugetraut, einen Roman zu verfassen, erzählt Delevingne in Interviews – schon allein wegen ihrer miesen Schulnoten damals.

Von Emojis bis Dark Net

Delevingne hat ihre Jugend nicht nur einmal öffentlich zum Thema gemacht. Sie hat davon gesprochen, wie es war, mit einer süchtigen Mutter aufzuwachsen, und davon, wie es sich anfühlt, wenn man selbst nicht mehr leben will. Als sie eine Frau liebte und die Welt ihr so gern ein Label aufgedrückt hätte, berichtete sie davon, wie man sie schon als Kind nicht hatte zuordnen können – und wie sehr sie darunter gelitten hatte. Jüngst ging auch sie mit einer Geschichte über Harvey Weinstein an die Öffentlichkeit, den mit ihr Dutzende Frauen sexueller Übergriffe beschuldigen. Auch wenn „Mirror, Mirror“ nicht autobiografisch sein will, man liest ganz viel Delevingne heraus.

Das Herz der Geschichte bildet die Band, die dem Buch ihren Namen gibt. „Mirror, Mirror“ droht auseinanderzubrechen, als ein Mitglied verschwindet. Während die jugendlichen Außenseitertypen ihre sexuellen Identitäten verhandeln und die eigenen Eltern verkraften, müssen sie nun außerdem noch ihre Freundin finden. Je länger sie fortbleibt, desto deutlicher wird: Etwas Furchtbares muss passiert sein. Die Kombination aus Kriminalfall und jugendlichen Emotionen ist in der Teenie-Literatur populär. Wenig ist wirklich gut, vieles gefällt. Deutlich positiv sticht bei „Mirror, Mirror“ heraus, wie selbstverständlich Gegenwartskultur von Emojis bis Netflix in die Geschichte eingewoben ist. Da traut sich jemand, den Plot ins Dark Net zu führen – ein Unort, den die meisten Erwachsenen bis heute nicht begriffen haben.

Klare Botschaft: „Liebe dich selbst“

Für „Mirror, Mirror“ spricht außerdem die Härte, mit denen der Plot seinem Leser die Schlechtigkeit der Welt um die Ohren haut. Es soll gar nicht erst der Verdacht aufkommen, es handle sich um Teenie-Sorgen, die die Zeit in Form von Reife einmal zerstreuen wird. Es geht um Sex, Drogen und Misshandlung. Um familiäre Traumata, die zu verdauen ein Leben kaum reicht. Der jugendliche Leser wird ernst genommen, der erwachsene aufgeklärt. Vieles dabei ist Pose. Delevingne will aufklären über psychische Krankheiten und denjenigen Mut machen, die sich um ihren Platz im Leben sorgen. So hat sie das erklärt. Statt wirklich streitbarer Charaktere bedeutet das immer wieder Parolen à la „Liebe dich selbst“ und „Du bist perfekt, so wie du bist“. Das muss einem nicht gefallen, jedenfalls aber muss man anerkennen, dass sich solche Slogans nicht zufällig eingeschlichen haben und es sich dabei um eine gezielte Prioritätensetzung Delevingnes handelt.

Delevingne hat mit maximal viel Authentizität Millionen Fans hinter sich versammelt und so in mehr als einer Branche Fuß gefasst, die für gewöhnlich unter dem Vorwurf der Künstlichkeit ächzt. Die Literaturwelt wird sie nicht im Sturm erobern. Dafür fehlt es „Mirror, Mirror“ nicht zuletzt am ausgefeilten Spannungsbogen. Es braucht so circa 150 Seiten, bis die Geschichte einen erfasst, dann aber tut sie es – überraschend heftig und ungestüm. Jedenfalls stört es kaum mehr, dass sich die große Auflösung der Geschichte bereits deutlich vor der letzten Seite abzeichnete.

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Bei den Special Olympics treten geistig behinderte Sportler an

Dabei sein ist alles.“ Unter diesem Leitmotiv finden auch die Special Olympics statt, die weltweit größte, vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Damit einher gehen oft auch körperliche Behinderungen. Die Paralympics für Athleten mit ausschließlich körperlichem Handicap sind weltweit bekannt. Die Idee, auch geistig behinderte Menschen für den Sport zu begeistern, stammt aus den sechziger Jahren. Eunice Kennedy Shriver, Schwester von John F. Kennedy, rief die Organisation ins Leben. Auslöser war die Behinderung ihrer älteren Schwester Rosemary. „Bei den Special Olympics geht es um weitaus mehr als nur um den sportlichen Wettbewerb. Es soll die Integration fördern und Menschen mit Behinderung die Chance geben zu beweisen: ,Ich kann was‘“, erklärt Marga Fluhr. Die sportliche 61-Jährige ist die Vorsitzende der Special Olympics Saarland, eines der 14 Landesverbände Deutschlands.

Leichtathletik, Boccia und Floorball

Hauptberuflich arbeitet Fluhr als Lehrerin an der Förderschule Winterbachroth in Saarbrücken. „Ich habe damals mit einer Kollegin aus Thüringen gesprochen. Dort war Special Olympics schon viel stärker vertreten.“ Kurz darauf habe sie eine Versammlung von Kollegen und Sportbegeisterten einberufen, um Special Olympics auch im Saarland ins Leben zu rufen. Anfangs waren es fast nur gemeinsame Sportveranstaltungen von Schulen. Seit zehn Jahren existiert die Organisation Special Olympics Saarland. Im vergangenen September fanden die ersten Landesspiele statt. Ein großer Erfolg. Mehr als 550 Teilnehmer traten in sechs Sportarten gegeneinander an. Leichtathletik, Tischtennis, Boccia, Radfahren und Floorball wurden in der mitten im Saarbrücker Stadtwald gelegenen Hermann-Neuberger-Sportschule ausgetragen. Das Schwimmen fand in einem Schwimmbad in der Nähe von Saarbrücken statt. Boccia wurde erst vor kurzem als neue Sportart eingeführt. Besonders bei Athleten im Rollstuhl ist diese Sportart beliebt. „Ein Schüler, der im Rollstuhl sitzt, hatte vor den Landesspielen große gesundheitliche Probleme. Er konnte nur wenig trainieren und auch nur stundenweise in die Schule gehen. Aber er wollte unbedingt teilnehmen, vermutlich auch um zu beweisen, dass er etwas kann und durchaus sportliche Fähigkeiten besitzt. Tatsächlich hat er es geschafft anzutreten und konnte sogar die Silbermedaille gewinnen. Seine Mutter war den Tränen nahe. Es war ein ergreifender Moment“, erinnert sich Fluhr.

Andere brauche doppelt so lang, niemand wird ausgeschlossen

Unterteilt werden die Sportler in verschiedene Leistungsgruppen. „Wir haben Athleten, die 1500 Meter in fünf Minuten laufen. Andere brauchen für 50 Meter doppelt so lang. Aber niemand wird ausgeschlossen. Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings das Training. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler schließlich zum Sport animieren“, erklärt sie. Die Sportler und ihre Trainer schicken bestimmte Vorzeiten ein, also Zeiten aus anderen Wettkämpfen oder Trainingsläufen. Danach erfolgt die Einteilung in Gruppen, die aus maximal acht Teilnehmern bestehen. Damit niemand schummeln kann und keine falsche Vorzeiten einschickt werden, um in eine andere, womöglich schwächere Leistungsgruppe eingeteilt zu werden, gilt die 15-Prozent-Regel. Weicht die tatsächliche Leistung der Athleten um mehr als 15 Prozent von der Vorzeit ab, dann gehen die Teamleiter davon aus, dass sie falsch ist. Überdies gibt es eine Altersdifferenzierung. Eine wirkliche Leistungskurve gibt es allerdings nicht.

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Jugendliche entscheiden mit

Kulturinsel Bad CannstattJugendliche entscheiden mit

Wo wollen Jugendliche sich gerne treffen und aufhalten? Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Bad Cannstatt – Mit dem Projekt „Junges Stuttgart – Eure Orte“ will die Stadtverwaltung die Planung und Ausstattung von Räumen für Jugendliche im Stadtbezirk auf neue Standbeine stellen. Bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, 14. Oktober, in der Kulturinsel an der Güterstraße 4 (beim Zollamt) sind Jugendliche eingeladen, sich zu äußern und zu informieren. Für den Hunger zwischendurch gibt es Hotdogs und Pizza, zudem gibt es eine Fahrt zum Europapark zu gewinnen. Beginn ist um 17 Uhr.

Grundlage für künftige Planungen und Entscheidungen

Bis 2017 soll ein Masterplan „Räume für Jugendliche“ erstellt werden. Es sind unter anderem Beteiligungsaktionen und eine Bürgerbefragung geplant. Beteiligt an dem Projekt sind das Institut für Stadtplanung und Sozialforschung Weeber+Partner sowie das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart. Die Ergebnisse sollen dem Jugendgemeinderat und der Stadtverwaltung als Grundlage für künftige Planungen und Entscheidungen dienen. Zwei Bewegungsangebote sollen direkt nach Projektende umgesetzt werden.

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Ohrloch stechen: Ab wann sind Ohrringe bei Kindern unbedenklich?

Mädchen-Eltern wissen, dass sich häufig schon die ganz Kleinen Ohrringe wünschen. Aber ab wann sind Ohrlöcher bei Kindern eigentlich unbedenklich? Wir sagen, worauf Eltern achten sollten.

Bereits kleine Mädchen sind fasziniert von Schmuck – viele Mamas machen es vor und auch der Handel offeriert ein großes Angebot an Armreifen, Ketten und Haarspangen schon für die Allerkleinsten. Einem Kleinkind oder gar Baby Ohrlöcher stechen zu lassen, geht über das reine „Schmücken“ jedoch hinaus.

Ärzte warnen vor Ohrlöchern bei Minderjährigen

Für Kinderärzte ist der Fall klar. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor dem Stechen von Ohrlöchern bei Kindern. „Ohrlochstechen, Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen sind aus unserer Sicht Körperverletzung“, sagt BVKJ-Ehrenpräsident Wolfram Hartmann. „Jeder Eingriff in den intakten Körper eines Kindes ist problematisch.“

Angriff auf die körperliche Integrität

Die selbe Meinung vertritt der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, Friedrich-Wilhelm von Hesler. „Jeder Angriff auf die körperliche Integrität ist eine Körperverletzung – auch das Ohrlochstechen“, findet der in Hannover und Berlin praktizierende Arzt. „Das Kind kann nicht einwilligen und die Eltern dürfen nicht in alles einwilligen.“ Kinder ab 14 Jahren sollten selbst entscheiden – wenn sie strafmündig sind – aber ausdrücklich nur mit Einwilligung der Eltern.

Ohrlöcher bei kleinen Kindern seien nicht notwendig, sagt von Hesler. „Die Ohrringe sind doch eher Schmuck für die Eltern.“ Er habe schon erlebt, dass die Wunden nicht gut heilten. „Wenn das Ohrläppchen abfault, ist man fürs ganze Leben entstellt.“

Wann Juweliere und Piercing-Studios Einwilligung verlangen

Derzeit gibt es für Tätowierungen und Piercings – und damit auch das Stechen von Ohrlöchern – in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze. Die Berufsverbände haben sich unterschiedliche Regelungen auferlegt. Die Europäische Vereinigung für professionelle Piercings (EAPP) spricht sich gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus.

„Das lehnen wir grundsätzlich ab“, sagt die EAPP-Vorsitzende Martina Lehnhoff. Bei älteren Jugendlichen werde die Zustimmung beider Elternteile gefordert. Diese müssten auch beim Vorgespräch anwesend sein, wo sie über die Risiken, die Pflege sowie die Nachsorge aufgeklärt würden.

Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) sieht hingegen keine Notwendigkeit für eine Altersgrenze. „Wir können den Erziehungsberechtigten ihre Verantwortung nicht abnehmen“, sagt BVJ-Geschäftsführer Joachim Dünkelmann. Die Empfehlung des Verbandes lautet, bei unter 16-Jährigen die Einwilligung und Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten zu fordern.

Bei Jugendlichen ab 16 Jahren ist nach Ansicht des BVJ eine schriftliche Einverständniserklärung ausreichend. Der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) lehnt Tätowierungen für Jugendliche unter 18 Jahren ab.

Das sind die Risiken von Ohrschmuck

Ohrlochstechen wird landläufig als harmlos betrachtet. Doch tatsächlich bestehen einige Risiken:

  • Nickel-Allergie: Seit 1998 dürfen die ersten Stecker, die in der frischen Wunde verbleiben, nicht mehr als 0,05 Prozent Nickel enthalten. Immer wieder ergeben Messungen, dass Ohrstecker weit mehr Nickel enthalten. Entwickelt sich eine Allergie, ist diese dauerhaft. Allerdings ist es äußerst schwierig, im Alltag Nickel zu vermeiden, da der Allergieauslöser in so vielen Gegenständen enthalten ist: Beispielsweise in Schmuck (Gold und Silber), Armbanduhren, Türklinken, Reißverschlüssen, Knöpfen, Scheren, Münzen, Implantaten aus Chirurgenstahl. Achtung: Der Hinweis „Oberfläche nickelfrei“ bedeutet meist nichts anderes, als, dass das nickelhaltige Schmuckstück nur mit einer Lackierung überzogen ist, die sich auflösen kann.
  • Das Schießen: Meist wird eine sogenannte Ohrlochpistole verwandt. Diese Methode ist verbreitet, aber nicht empfehlenswert. Der stumpfe Erststecker wird mit Druck durch das Gewebe gepresst und zerfetzt es gleichsam, es wird geschädigt und heilt langsamer. Die schonendere Methode ist das Stechen mit einer sterilen Einmalnadel von einem Arzt oder in einem seriösen Piercingstudio.
  • Sterilisieren: Ein weiteres Problem der Ohrlochpistolen ist, dass sie nicht medizinisch einwandfrei sterilisiert werden können. Sie könnten also auch Krankheitserreger in die offene Wunde einbringen.
  • Verschlucken: Vor allem bei kleinen Kindern besteht die Gefahr, dass sie Kleinteile verschlucken könnten, wenn sie an den Ohrringen herumspielen und die sich lösen. Am besten sollte man Kleinkindern nur flache Stecker, nicht hängende Ringe oder baumelnden Ohrschmuck geben.

Die richtige Pflege für Ohrlöcher

  • Für die Erststecker eignet sich am besten Titan, der nickelfrei ist. Diese Erstecker verbleiben mehrere Wochen im Ohr. Ist das Ohr abgeheilt, kann auch Gold- und Silberschmuck getragen werden.
  • Juweliere empfehlen zwar häufig, die ersten Stecker täglich im Ohrloch zu drehen, das ist aber nicht nötig, verletzt sogar den Heilprozess im Hautkanal. Verkrustungen und festsitzende Stecker lösen sich von selbst wieder.
  • Diese Erststecker müssen auch beim Sport getragen werden. Dann wegen der Verletzungsgefahr unbedingt mit Pflaster abkleben. Später müssen Ohrringe beim Sport – vor allem bei Mannschaftssportarten mit Körperkontakt – entfernt werden.
  • Reizung meiden: Nicht an den Steckern herumspielen, nicht sofort Haare waschen, zwei Wochen nicht baden gehen, nur mit sauber gewaschenen Händen an das Ohr fassen, täglich Desinfektionslösung an das Loch tröpfeln.
  • Das Einsetzen und Herausnehmen so üben, dass der Stecker nicht verloren gehen kann.

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Japans Mega-Hit „Your Name“: Bis der Komet einschlägt


Teenie-Liebe in Anime – so einfach könnte man es sich mit einem Urteil machen. Doch nicht umsonst ist „Your Name“ Japans erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten. Jetzt kommt die Geschichte in die deutschen Kinos.

Zwei Fremde. Ihre Blicke treffen sich. Vielleicht fahren sie Bahn, vielleicht Aufzug. Vielleicht hält einer von ihnen gerade eine Tasse Heißgetränk mit den Händen fest umschlossen. Vielleicht taumeln sie an der Poolbar ineinander. Jedenfalls ist es Liebe auf den ersten Blick. Was im echten Leben – Hand aufs Herz – wohl in den seltensten Fällen vorkommt, ist im Kino der Stoff, aus dem die großen Liebesepen gewebt sind. Makoto Shinkai dreht den Spieß um. Seine Hauptfiguren werden in sich in „Your Name“ vielleicht nie treffen.

„Ich hasse diese Stadt. Ich hasse dieses Leben“, schimpft Mitsuha, wie Teenager nun mal schimpfen. „Im nächsten Leben möchte ich ein gut aussehender Junge in Tokio sein.“ Und während die meisten ihrer Altersgenossen in Sachen Traumerfüllung auf die eigene Volljährigkeit, eine passable Ausbildung und ein bisschen Kontostand warten müssen, bekommt sie prompt, was sie will. Nur anders. Gerade noch im schnarchigen Dorf an Großmutters Seite den Familienschrein gepflegt, erwacht Mitsuha in der japanischen Hauptstadt im Körper von Großstadtschönling Taki – und andersrum.

„Your Name“ ist eine dieser Körpertausch-Geschichten. Mit ungläubigen Brustmassagen und unerwarteten Leistungen an der Nähnadel ist der Film nicht ganz gefeit vor Genre-Albernheiten und Geschlechter-Klischees. Auch muss man sich daran gewöhnen, dass Anime offenbar sexuell suggestive Zooms auf die Körper Minderjähriger zulässt. Lässt man Sehgewohnheiten entsprechend beiseite, wird es richtig gut.

„Your Name“ zum Mitträumen

So ein Körpertausch ist ja schon an sich eine vergleichsweise rätselhafte Angelegenheit. Bei Mitsuha und Taki gibt es aber ein paar Besonderheiten. Sie tauschen nicht komplett, sondern nur an zwei Tagen die Woche. Und zurück im eigenen Körper schwinden die Erinnerungen an den Gastaufenthalt unmittelbar. Insbesondere der Name des jeweils anderen will nicht im Gedächtnis bleiben. Und so bleibt ein Treffen der beiden ungewiss. Falscher Körper, falscher Ort und schließlich die falsche Zeit werden Mitsuha und Taki einander fernhalten. Nur wenn sie das Rätsel um Takis Kraterzeichnungen und einen Kometen lösen, haben sie eine Chance.

Sie mögen keine Teenie-Filme? Keine Schmonzetten? Nichts Animiertes? Und bitte auch nichts mit Wundern und Schicksal und solcherlei? Spätestens wenn in „Your Name“ der Himmel explodiert, wird es auch um Ihr Herz herum ein bisschen eng. Nicht Liebe ist das Motiv, das Shinkais Geschichte trägt. Wenngleich er Liebe auf ganz wunderbare Weise entwirft, wurzelnd in Intimität, nicht in Anziehung, sich entfaltend als Entscheidung, nicht als Fügung. Es ist nicht Liebe, sondern Sehnsucht. Sie treibt in „Your Name“ die Charaktere voran und sie entbrennt auch im Zuschauer, sobald er sich in den Bildern des Films verliert. Sehnsucht indiziert ein Fehlen und verspricht Zukunft. „Your Name“ ist zum Mitträumen.

„Your Name. Gestern, heute, für immer“ läuft am 11. und am 14. Januar in den deutschen Kinos.

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Christian Bauer und seine Familie setzen auf traditionelles Handwerk und niederländische Touristen a

Früher standen wir zu dritt in der Backstube: Mein Vater, ein Geselle und ich, jetzt ist das Radio morgens meine Gesellschaft, die mich wachhält“, sagt Christian Bauer, während er den Teig für die Brötchen zubereitet. Um halb drei morgens klingelt sein Wecker in der Vorsaison. Die Hauptsaison beginnt erst im Sommer, wenn die größtenteils niederländischen Touristen Urlaub an der Mosel machen. Der 49-Jährige ist selbständiger Bäcker, ein Beruf, der ihn Nacht für Nacht den Schlaf kostet. Die Backstube, die im zweiten Geschoss des für die Altstadt in Zell an der Mosel typisch hoch gebauten Hauses liegt, lädt ganz im Gegensatz zum Café im Erdgeschoss nicht zum Kuchenessen ein. Während die weißen Fliesen an der Wand an ein Krankenhaus erinnern, ist das Café modern eingerichtet.

Seit 140 Jahren in der Familie

Der Tresen stellt alle Kunstwerke, die Bauer gebacken hat, zur Schau. Doch noch schläft das Café, wie der Rest der Stadt auch. Das Radio und das laute Scheppern und Brummen der Maschinen halten den Bäcker wach. Mit geübten Handgriffen und über die Jahre verinnerlichten Techniken teilt er den Teig mit einer fast sechzig Jahre alten Handwaage. „Klar ist sie alt, aber sie funktioniert genauso gut wie eine elektronische“, sagt der Bäcker und Konditor. Auch die restlichen Maschinen haben schon viele Jahre auf dem Buckel, den Großteil verwendete schon sein Vater, wenn nicht sogar der Großvater. „Der Betrieb ist seit 140 Jahren in der Familie. Ich habe diesen Beruf aus Liebe zu meinen Eltern ergriffen.“ Nach dem Abitur ging der gebürtige Zeller zur Bundeswehr, diese Zeit beschreibt er als entspannter: „Bei der Luftwaffe, da waren das fünf Tage die Woche, hier braucht man sieben Tage und muss jeden Tag mitnehmen.“

Aufschwung der Industriebäcker

Als er seine auf zwei Jahre verkürzte Lehre als Bäcker beinahe abgeschlossen hatte, machte sich starke Konkurrenz breit: Die Groß- und Industriebäcker erlebten einen großen Aufschwung, was zu vielen Problemen für die selbständigen Bäcker führte. „2007 waren wir im nördlichen Rheinland-Pfalz noch 98 Innungsbetriebe, zehn Jahre später noch 39.“ Mit den Betrieben starben auch die Mühlen aus, die meist noch die Zulieferer waren. Heutzutage bestellt er bei der Bäcker- und Konditorengenossenschaft BÄKO. Während Verbraucher ein Kilogramm schwere Mehltüten kaufen, bringen Bauers Mehlsäcke das 25fache an Gewicht auf die Waage. „So groß ist das gar nicht“, schmunzelt er, „die Großbäcker, die eine Million und mehr Brötchen pro Tag anfertigen, die haben große Tüten.“

Die einzige Bestellung für heute

Warum kaufen so viele Menschen beim Industriebäcker? Dort erhält man zehn Brötchen ab einem Euro, bei Bauer bezahlt man für ein Brötchen 30 Cent „Es ist nicht unbedingt der Preis, es ist die Bequemlichkeit, weil man im Supermarkt alles auf einmal kaufen kann.“ Aber es seien vor allem Tankstellen, die den selbständigen Bäckern starke Konkurrenz machten. Langsam wird es draußen hell, während die Laternen abgeschaltet werden, arbeitet Bauer am Hefeteig für Kuchen und andere Gebäcke. Zeitgleich behält er den Ofen im Blick, in dem die Brote gebacken werden. Unter anderem befindet sich dort die einzige Bestellung für heute. Ein Hotel hat drei große Brote bestellt. Als der Bäcker sie mit einem Brotschieber holt, hält er inne. Er hat lediglich kleine Brote gebacken. „Dann kriegen sie eben fünf kleine“, beschließt er. „Natürlich brennt auch mal was an, oder ich vergesse eine Bestellung, aber dafür ist man Mensch und produziert allein.“

Alles andere sei betriebswirtschaftlich sinnlos

Auf den Laien wirkt es beeindruckend, mit wie viel Konzentration er mitten in der Nacht arbeitet und wie viele Dinge er parallel im Griff haben muss. Seine Familie unterstützt ihn. „Ich habe das Glück, eine Frau gefunden zu haben, die das alles mitmacht.“ Auch die drei Kinder müssen regelmäßig mit anpacken, um das Geschäft am Laufen zu halten, selbst seine betagte Mutter hilft aus, so gut sie kann. Seine Arbeit sei „sozialfeindlich“, während seine Freunde am Wochenende feiern, müsse er sich früh verabschieden, um Schlaf zu bekommen. „Eigentlich mache ich zwei Jobs, plus Büroarbeit.“ 70 bis 90 Stunden die Woche seien normal, abhängig von der Saison. Für den Sommerurlaub nimmt er eine Auszeit und schließt das Café. Im Winter gibt es einen Ruhetag in der Woche, alles andere sei bei der geringen Kundenzahl „betriebswirtschaftlich sinnlos“. Das führe zu Unverständnis. „Viele sagen, ich sei zu faul oder hätte genug“, sagt der Mann, dessen Geschäft zum großen Teil vom Tourismus getragen wird. Für den Winter, in dem der Tourismus beinah stillsteht, muss er jedes Jahr zwischen fünfzehn- und dreißigtausend Euro zurücklegen. Daneben noch Rücklagen für das Alter zu finden sei eine Herausforderung. „Es darf nur nichts Größeres passieren.“ Etwas Größeres könnte etwa der 47 Jahre alte Ofen sein, ein neuer würde bis zu 60 000 Euro kosten.

Der große Andrang erfolgt nachmittags

Ab 7.30 Uhr kümmert er sich um die Blechkuchen, währenddessen wird im Erdgeschoss der Laden hergerichtet. Über eine schmale Treppe erreicht man das Café, in dem seine Frau und seine älteste Tochter die ersten Kunden bedienen. Nach einer Pause arbeitet Bauer von 13 bis 18 Uhr im Café mit. Denn der große Andrang folgt am Nachmittag. „Es ist ein Knochenjob, man muss innovativ sein, um die Konkurrenz übertreffen zu können, ich würde den Job nicht noch einmal machen und rate meinen Kindern davon ab.“ Was spornt ihn dennoch an? „Auf jeden Fall das Lob der Gäste, meine Familie, die mich unterstützt, und die kreative Freiheit.“

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Polizei bricht Auftritt von YouTube-Star Bibi ab

WienPolizei bricht Auftritt von YouTube-Star Bibi ab

Ein Auftritt von YouTuberin Bibi hat in Wien für Tumulte gesorgt. Foto: dpa-Zentralbild

Wien – Gezückte Handys und Kreisch-Alarm in Wien: Mehr als 4000 Jugendliche haben bei der Autogrammstunde des deutschen YouTube-Stars Bibi für einen Tumult gesorgt. Der Auftritt von Bianca Heinicke bekannt durch „BibisBeautyPalace“ ist am Donnerstag vor einem Möbelhaus außer Kontrolle geraten – die Polizei musste den Auftritt der 23 Jahre alten Bloggerin abbrechen. Es nicht das erste Mal, dass Veranstaltungen von YouTubern im Chaos enden.

Auf die Kölnerin Bibi warteten Tausende junge Mädchen, wollten Selfies machen und ihr Geschenke überreichen. In Sprechchören riefen sie der 23-Jährigen zu, dass sie sie lieben. Doch die Stimmung wurde immer aufgeheizter. 20 Beamten konnten die Fans nicht mehr beruhigen: Hauptsächlich Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren drängten so stark Richtung Bühne, dass sieben von ihnen wegen Atemproblemen betreut werden mussten.

„Wir wurden erst verständigt, als die Autogrammstunde schon im Gange war“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. „Ich habe jetzt einfach die Ansage bekommen, dass ich gehen muss. Es tut mir so unfassbar leid“, verkündete Bibi von der Bühne ihren enttäuschten Fans. Aber es dürften sich nicht noch mehr Kinder verletzen: „Dann würde ich nie wieder glücklich werden“, so die Deutsche. Die Bloggerin wurde schließlich unter Polizeischutz zu ihrem Auto gebracht.

Bibi hat auf der Videoplattform mit ihren Styling- und Schminktipps rund 3,7 Millionen Abonnenten. Sie gilt damit als eine der erfolgreichsten YouTuberinnen Deutschlands. Ihr erstes Video – eine Anleitung einer Flechtfrisur – veröffentlichte sie 2012. Bereits 2014 musste eine Autogrammstunde von Bibi mit ihrer damaligen Blogger-Freundin Dagi Bee in Köln nach einer Massen-Hysterie abgebrochen werden.

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Nichts für Kinder: Experten gegen „Dschungelcamp“ und Co.

Medienpädagogen schlagen die Hände überm Kopf zusammen. Fernsehformate wie das „Dschungelcamp“, der „Bachelor“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder Heidis „Topmodel“-Show seien für Kinder nicht geeignet.

Kinder sollten das jetzt wieder neu anlaufende „Dschungelcamp“ nicht schauen, heißt es auf „flimmo.de“, einem Portal für Medienerziehung aus München. „Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht, Häme und Schadenfreude sind die wesentlichen Bestandteile der Sendung. Wie Menschen hier in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßgestellt werden, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild.“ „Flimmo“ ist eine Programmberatung für Eltern und bewertet, ob Fernsehsendungen für 3- bis 13-Jährige geeignet sind.

RTL: Wir sind kein Kindersender

Dagegen teilte der Privatsender auf Anfrage mit: „RTL ist sich seiner besonderen Verantwortung als Programmanbieter bewusst. Alle genannten Formate durchlaufen eine permanente interne vorherige Kontrolle durch unseren internen Jugendschutz.“. Häufig würden bestimmte Sendungen schon im Vorfeld den zuständigen Institutionen zur Freigabe vorgelegt.

„Grundsätzlich gilt aber auch: RTL ist kein Kindersender und richtet sich mit seinem Programm vornehmlich an Erwachsene und Jugendliche.“ Für das Kinderprogramm sei der Schwestersender Super RTL zuständig. „Wir setzen auf die Verantwortung der Eltern, über das TV-Programm ihrer Kinder zu entscheiden.“

Doch nicht nur mit dem Dschungelcamp geht „Flimmo“ hart ins Gericht. Auch an den RTL-Formaten „Deutschland sucht den Superstar („DSDS“) und „Der Bachelor“ gibt es Kritik: „Verunglückte Auftritte talentfreier Kandidaten werden ausgeschlachtet“, bemängeln die Pädagogen an der „DSDS“-Castingshow mit Dieter Bohlen. „Die Sendung vermittelt vor allem eine Botschaft: Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich dem Werturteil einer höheren Instanz zu unterwerfen. Individualität, Kreativität und kritisches Denken bleiben dabei auf der Strecke.“

„Haarsträubendes“ Bild von Liebe und Beziehung

Beim „Bachelor“, bei dem junge Frauen um einen Mann buhlen und um die letzte Rose kämpfen, kritisiert „Flimmo“ Vorstellungen von Liebe und Beziehung, die „aus pädagogischer Sicht haarsträubend“ seien. „Die Kandidatinnen bieten sich ihrem Märchenprinzen an, um endlich ihre Erfüllung zu finden. Dabei sind Äußerlichkeiten ausschlaggebend: Attraktiv, sexy und anschmiegsam müssen die Kandidatinnen sein.“ Außerdem werde der „Zickenkrieg“ als typisch weibliches Verhalten in Szene gesetzt.

Nichts für Grundschulkinder

Kritik gibt es auch an Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ auf ProSieben. Dabei werde ein „Frauenbild von vorgestern“ verbreitet. „Das Ideal vom makellosen Körper und von bedingungsloser Anpassung ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Statt selbstbewusst die eigene Individualität samt körperlicher Eigenheiten zu akzeptieren, wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte.“

Das Fazit der Medienpädagogen: „Jüngeren Kindern bis etwa Ende des Grundschulalters sollten solche Sendungen am besten erspart bleiben.“

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Rekordzahl bei U18-Rekruten: Bundeswehr wirbt mehr Minderjährige an


Bereits seit 2011 ist die Wehrpflicht in Deutschland aufgehoben. Dennoch treten viele junge Menschen den Dienst beim Militär an. Auch Minderjährige bildet die Bundeswehr an der Waffe aus. Die Verteidigungsministerin erntet dafür harsche Kritik.

Die Bundeswehr hat laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ noch nie so viele Minderjährige an der Waffe ausgebildet wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der Soldatinnen und Soldaten, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren, sei im vergangenen Jahr auf 2128 gestiegen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Darunter hätten sich 448 junge Frauen befunden, wie laut Bericht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken hervorgeht.

Damit sind laut Bericht die Verpflichtungen von Minderjährigen seit Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 kontinuierlich angewachsen, von 689 im Jahr 2011 auf den bisherigen Rekordwert von 1907 im Jahr 2016 und nun erneut auf 2128. Besonders stark sei die Zahl der minderjährigen Soldatinnen gestiegen. Sie habe sich seit 2011 (57) fast verachtfacht. Auch nach dem Absolvieren ihrer sechsmonatigen Probezeit seien im vergangenen Jahr 90 Soldatinnen und Soldaten noch nicht volljährig gewesen.

Mit Einverständnis ihrer Eltern können Jugendliche bereits mit 17 Jahren die Ausbildung bei der Bundeswehr antreten. Der Gebrauch von Waffen ist dabei zunächst streng auf Ausbildungszwecke beschränkt. Wachdienste und Auslandseinsätze dürfen die Soldaten erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres leisten.

Die Linken-Entwicklungsexpertin Evrim Sommer hat die wachsende Zahl von Rekruten scharf kritisiert. „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat offenbar keine Skrupel, die Nachwuchsgewinnung immer weiter vorzuverlegen“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Solange Deutschland selbst Minderjährige für militärische Zwecke rekrutiere, könne es andere Staaten dafür nicht glaubwürdig kritisieren. „Die Bundesregierung gefährdet damit ihre eigenen Bemühungen zur internationalen Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten“, erklärte Sommer.



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Sie brennen für ihren Beruf: ein Morgen in der Familienbäckerei

Der Duft nach frisch gebackenem Brot breitet sich in der Familienbackstube Hahner in Künzell aus. Warme Luft strömt aus zwei großen Holzbacköfen im Vorraum. Dort backen Andreas Hahner und seine Angestellten jede Woche aus rund einer Tonne Mehl ihre Brote und Kuchen. Die Öfen sind nach hinten ausgebaut und bestehen jeweils aus rund acht Tonnen Steinen. „Der Holzbackofen muss morgens etwa eineinhalb Stunden befeuert werden, damit er die perfekte Temperatur erreicht“, erklärt der drahtige Bäcker. Zunächst füllt einer der 24 Angestellten Holz in den Ofen, das dieser mit Hilfe eines Gashahns befeuert. Später wird die Glut im ganzen Heizapparat verteilt, um jede Stelle gleichmäßig zu erhitzen. Hahner schaut in den Ofen: „Es ist eine Sache des Fingerspitzengefühls, damit das Brot nicht zu heiß und auch nicht ohne ausreichende Hitze gebacken wird.“ Das Backrohr ist nicht mehr nachheizbar, und daher muss alles beim ersten Beheizen stimmen. Vor dem Backen bestreicht Bäcker Udo Kowalski das Brot mit Salzwasser. Dieser Vorgang wird nach der Hälfte der Backzeit wiederholt. Wie sein Chef brennt Kowalski für seinen Beruf. Auf dem abgebackenen Brot sorgt das Wasser für eine glänzende Kruste. Nach einiger Zeit wird das Gebäck versetzt. „Wenn eine Stelle im Ofen wärmer als eine andere ist, können wir durch das Verschieben die Backzeit des Brotes regulieren, indem wir es zum Beispiel von einer kälteren Stelle auf eine heißere verrücken“, erklärt der 51-jährige Hahner.

Ein Staubsauger entfernt die Asche

Bäcker ist kein Beruf für Langschläfer. In der Backstube Hahner beginnt der Arbeitstag zwischen zwei und vier Uhr morgens. Für Udo Kowalski fängt der Tag meistens mit dem Beheizen des Holzbackofens an, denn es kann erst gestartet werden, wenn er eine Temperatur von 290 Grad erreicht hat. „Wenn der Holzbackofen erst einmal richtig heiß ist, wird nicht mehr so viel Zeit zum Befeuern benötigt. Eigentlich nur, damit die Oberfläche der Steine wieder heiß wird“, erklärt er. Nach dem Befeuern werden Glut und Asche mit einer Art Industriestaubsauger aus dem Ofen entfernt. Währenddessen geht es an die Herstellung des Grundteigs für die Brote sowie für die Feingebäcke. Das für den Brotteig benötigte Mehl stammt aus eigener Herstellung. Andreas Hahner baut das Getreide auf dem Feld selbst an und erntet es. Dabei stehen ihm vor allem der älteste Sohn von seinen vier Kindern und seine Ehefrau Bettina, die sich auch noch um den angrenzenden Reiterhof kümmert, tatkräftig beiseite.

Brummen und Summen mit eigenem Rhythmus

Danach wird es in einer kleinen Mühle gemahlen. Der Grundteig besteht aus Sauerteig, der von Hahner acht bis zwölf Stunden vorher erstellt wird, damit er genug Zeit zum Reifen bekommt. Zu diesem werden noch Wasser und Roggen- oder Weizenmehl hinzugegeben. Das Mehl wird in Metallbehältern auf einer 60 Jahre alten Dezimalwaage abgewogen. Die Backstube ist weiß gefliest. Hier stehen Knetmaschinen, es gibt einen gasbeheizten Ofen und einen Kühlschrank mit Körnern, wie Sonnenblumenkerne oder Mohn und ein Schälchen mit Mehl. Die Gerüche von Mehl, fertigen Kuchen und Sauerteig vermischen sich und bewirken ein kratziges Gefühl in der Nase. Das Zusammenspiel von Licht, dem leisen Brummen des Kühlschranks und dem Summen der Knetmaschinen hat einen eigenen Rhythmus.

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