Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart will junges Publikum anziehen

Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart will junges Publikum anziehen

Wenn Hugo Wolf drauf steht, muss auch Hugo Wolf drinnen sein“, betont Cornelia Weidner, seit 2009 die Intendantin der internationalen Hugo-Wolf-Akademie, IHWA, in Stuttgart. Von der Ausbildung her ist sie Germanistin, worin sie über einen Doktortitel verfügt, und Musikwissenschaftlerin. „Ich hatte zunächst in Hamburg Germanistik und historische Musikwissenschaften studiert, wobei das Ziel eigentlich das Theater war. Ich bin dann aber tatsächlich beim Konzert gelandet und habe das nie bereut“, sagt die braunhaarige 47-Jährige im Videogespräch. Vorher arbeitete sie unter anderem als Regieassistentin bei der Oper Stuttgart und als Projektleiterin für die Ludwigsburger Schlossfestspiele. Die IHWA ist ein Verein, der größtenteils rund um das Schaffen Hugo Wolfs Konzerte und alle zwei Jahre einen internationalen Wettbewerb veranstaltet, wobei das Hauptaugenmerk auf der Form des Kunstliedes liegt. Zurzeit hat er rund 600 Mitglieder. Hugo Wolf lebte von 1860 bis 1903 und wirkte hauptsächlich in Wien. „Hugo Wolf hatte hier in Stuttgart einen großen Freundeskreis, der ihn finanziell unterstützte, da ihm selbst die Mittel fehlten. Dieser Freundeskreis sorgte unter anderem dafür, dass damals regelmäßig Konzerte mit Werken Hugo Wolfs aufgeführt wurden, ihm des Weiteren sogar eine Wohnung in Wien finanziert wurde. Darauf berief man sich bei der Wiedergründung des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Weidner.

Zum Beispiel Brechts Alabama-Song

Das Werk Hugo Wolfs besteht zum größten Teil aus Kunstliedern, von denen er insgesamt über 300 komponierte. Kunstlieder werden generell auf Lyrik, zum Beispiel von Eichendorff, Goethe und Kerner, komponiert und unterscheiden sich folglich mit dem Aufführungsrahmen in Form eines Liederabends stark von Arie oder Theaterlied wie zum Beispiel Brechts Alabama-Song. „Die Hugo-Wolf-Akademie konzentriert sich auf Hugo Wolf, aber übergeordnet auf das Kunstlied im Allgemeinen, auch von anderen Komponisten, weil es das Kunstlied heutzutage sehr schwer hat im Konzertleben, da es eine kleine Form ist. Damit kann man keine großen Säle füllen, und wir können uns darauf überhaupt nur konzentrieren, da wir öffentlich gefördert sind“, erläutert Weidner. Dabei werde ebenso anderssprachigen Kunstliedern, zum Beispiel aus Frankreich oder Großbritannien, eine Bühne geboten, da diesen anderswo kaum Aufmerksamkeit zuteil werde. „Die französischen und englischen Repertoires sind dabei am stärksten vertreten und auch am bekanntesten. Auch im slawischen Bereich gibt es einen reichen Liedschatz, der jedoch seltener zum Vorschein kommt, da es oft schwierig ist, Sänger zu finden, die diese Lieder rein sprachlich richtig gestalten können.“

Die IHWA veranstaltet grundsätzlich Konzerte im Großraum Stuttgart, wobei bei der Auswahl der Sänger nicht nur auf die bekannten Namen gesetzt wird, sondern genauso die Förderung junger Talente großgeschrieben wird. „Der musikalische Nachwuchs ist uns sehr wichtig, wir versuchen immer, diesem neben den bekannten Sängern im Liedbereich eine Bühne zu bieten. Es soll möglichst eine Mischung daraus sein“, erklärt Weidner. Vor allem den Preisträgern des vereinseigenen internationalen Wettbewerbs für Liedkunst wird eine Auftrittsmöglichkeit geboten.

Nicht nur Weltstars begeistern

Selbstverständlich spielen Weltstars wie Christian Gerhaher eine Rolle und begeistern ein breites Publikum. „Bei den Stars sind die Terminkalender natürlich sehr eng getaktet, weswegen die Auftritte langfristig geplant werden müssen.“ Die IHWA ist finanziell für dieses Konzertangebot in der Lage, da sie öffentlich von der Stadt Stuttgart, vom Land Baden-Württemberg, der Berthold Leibinger Stiftung, der Wilfried und Martha Ensinger Stiftung und weiteren privaten Stiftungen finanzielle Mittel erhält. „Ich sehe dadurch eine Verpflichtung, nicht nur auf die Stars und die großen Namen zu setzen, sondern das Geld auch an die Künstler weiterzugeben, die sonst anderswo geringere Chancen haben, denn nur so können sich deren Karrieren weiterentwickeln“, betont Cornelia Weidner. Dahinter steckt auch der Gedanke, begabte Künstler gewissermaßen an sich zu binden, wovon langfristig beide Parteien profitieren können.

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