Kategorie -Jugendliche

Gefährdung von Kindern: Jugendamt greift mehr als 60.000 Mal ein


Mehr als 61.000 Mal muss das Jugendamt im vergangenen Jahr einschreiten, um Kinder und Jugendliche in Sicherheit zu bringen. Die Inobhutnahmen haben viele Gründe.

Wenn es in Familien zur Gefährdung des Kindeswohl kommt, müssen die Jugendämter eingreifen und schnellstmöglich die Situation verbessern: Deutsche Jugendämter haben im vergangenen Jahr rund 61.400 Kinder und Jugendliche zu deren Schutz vorübergehend in Obhut genommen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, war bei Kindern unter 14 Jahren eine Überforderung der Eltern der häufigste Grund, bei Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren die unbegleitete Einreise. Der Sozialverband AWO forderte mehr Personal und Geld für die Jugendämter.

Jugendämter nehmen Minderjährige in akuten Krisensituationen in Obhut, bis eine Lösung für das Problem gefunden wurde. Dies kann auch eine vorübergehende Unterbringung in einem Heim oder einer Pflegefamilie sein. 

Mehr als die Hälfte der Inobhutnahmen endete nach spätestens zwei Wochen. Ein Vergleich mit Vorjahreszahlen ist laut Statistischem Bundesamt schwierig, da sich die Gesetzeslage zum Umgang mit unbegleitet eingereisten Minderjährigen änderte.

Etwa 20.000 der in Obhut genommenen Personen waren Kinder. Bei ihnen war in 49 Prozent der Fälle Überforderung der Eltern der Grund für die Inobhutnahme, der Schutz vor Vernachlässigung in 21 Prozent und der Schutz vor Misshandlung in weiteren 14 Prozent der Fälle. Von den rund 41.000 Jugendlichen, um die sich das Jugendamt kümmerte, waren 51 Prozent wegen einer unbegleiteten Einreise in Obhut genommen. Überforderung der Eltern war in 18 Prozent der Fälle der Grund, in acht Prozent waren es allgemeine Beziehungsprobleme.

Kinder kehren oft in die Familien zurück

Von den Kindern kehrten 43 Prozent nach Ende der Inobhutnahmen wieder zu ihren Erziehungsberechtigten zurück, 32 Prozent kamen danach in ein Heim oder eine Pflegefamilie. Bei den Jugendlichen kehrten 19 Prozent zu den Sorgeberechtigten zurück, 26 Prozent gingen in ein Heim, eine Pflegefamilie oder betreute Wohnformen. Auch andere stationäre Hilfen etwa in Jugendpsychiatrien oder Kliniken wurden in 20 Prozent der Fälle in Anspruch genommen.

Der AWO kritisierte, die Personallage in Jugendämtern lasse eine intensive Arbeit mit Familien nicht mehr zu. Dies führe dazu, dass sich Krisen zuspitzten und Inobhutnahmen notwendig würden. Auch Kitas und Einrichtungen für Familienbildung und Erziehungshilfen müssten besser gefördert werden. „Der Bund sollte die kommunale Jugendhilfe nicht im Regen stehen lassen“, forderte der Verband.



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Waxing und Intimrasur bei Jugendlichen: Bedenklicher Trend?

Kann sich eine Frau nur dann in ihrer Haut wohlfühlen, wenn darauf kein Haar mehr sprießt, das nicht zur Frisur gehört? Jugendliche erleben ein Schönheitsideal, das Bein-, Achsel- und Schamhaare zum Ekel-Makel erklärt. Jetzt hat eine Waxing-Studio-Kette Ärger bekommen, weil sie Teenies mit Sonderpreisen für Haarentfernung lockt.

Kritik kam von der Berliner Modebloggerin Nike van Dinther („This is Jane Wayne“) , die den offenen Brief einer angeblichen Kundin verbreitete. Dieser war auf Facebook samt Fotos der Preisliste für 12- bis 17-Jährige veröffentlicht worden. Neben dem Slogan „Warum soll ich mich erst mit 18 wohl auf meiner Haut fühlen?“ ist ein junges Mädchen abgebildet, das eine Schnute zieht.

„Zwang zur Selbstoptimierung“

Kommentatorinnen bemängelten, dass Kinder und Teenies dem Zwang der „Selbstoptimierung“ unterworfen und falsche Körperbilder vermittelt würden. Zuerst hatte die „Berliner Zeitung“ über die Debatte im Internet berichtet.

Die Gründerin der Studiokette „Wax in the City“, Christine Margreiter, sagte, sie verstehe die Aufregung nicht. Vergünstigtes Waxing für Teenies mit Einverständniserklärung der Eltern sei seit Jahren im Angebot einiger Filialen der Kette, es handle sich nicht etwa um eine neue Marketing-Idee. Lediglich 0,5 Prozent des Kundenkreises sei minderjährig. 

Schon 2013 bestätigte eine Sprecherin von „Wax in the City“ im Gespräch mit t-online.de, dass vermehrt Jugendliche zum Waxing kämen und dass es oft Sonderkonditionen für junge Kunden zwischen zwölf und 17 Jahren gebe. Ausgenommen seien Intimwaxings. Die würden in deutschen Studios erst ab 16 Jahren angeboten. Rein theoretisch könnten dem Gesetz zufolge bereits Achtjährige die Leistung in Anspruch nehmen. Vorausgesetzt, es liegt eine Einverständniserklärung der Eltern vor.

Schamhaar-Alarm bei Werbekampagne

Ein weiteres Beispiel für die um sich greifende Körperhaar-Phobie ist die Empörung, die vor einiger Zeit eine Werbekampagne einer amerikanischen Modemarke auslöste: Das Model war lediglich mit einem durchsichtigen Slip bekleidet. Grund für die Aufregung war aber nicht die knappe Bekleidung, sondern die dunkle Schambehaarung, die darunter durchschimmerte.

Lifestyle-Magazine und Werbung stehen ganz im Zeichen der Haarlosigkeit – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Kaum wächst also das erste Haar unter der Achsel, setzen schon Kinder den Rasierer an. 13 Prozent der Jugendlichen, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA), rasieren sich ab Beginn des Haarwuchses.

Schamhaare sind ein Zeichen fürs Erwachsenwerden. Doch ihre Entfernung gilt bei Jugendlichen als Zeichen für ein gepflegtes Äußeres. „Die meisten haben sich dementsprechend noch nie mit voll ausgewachsener Schambehaarung gesehen. Einige Jugendliche haben verzerrte Vorstellungen darüber, wie sie mit kompletter Schambehaarung aussehen würden.“

Ein schambehaftetes Thema

„Stoppelig darf‘s schon mal sein, aber kämmen können sollte man die Haare nicht“, erklärt Eva. Ihre Freundin Stella fügt zögernd hinzu: „Zumindest ist das bei den Mädchen so. Bei den Jungs in unserer Klasse sind eigentlich nur die Eitlen unter den Achseln rasiert.“ Die beiden Siebtklässlerinnen kichern verschämt. Denn die Schambehaarung heißt nicht nur so, sie ist auch mit ziemlich viel Scham besetzt. 

Die Jungs haben es hier noch schwerer, meint der 14-jährige Sebastian. „Ich wüsste nicht, wen ich da fragen sollte. Mein Papa rasiert sich ganz, das weiß ich, aber wie machen das andere?“ Da bleibt doch eigentlich nur so ein heimlicher Blick in der Umkleidekabine. Denn: „Fragen würde ich definitiv nicht!“ 

Die Unsicherheit ist groß

„Zu Beginn der Pubertät scheinen die Kinder die Schambehaarung nicht weiter ernst zu nehmen. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass der Druck auf Teenager, vor allem, wenn sie schon ein bisschen älter sind, relativ groß ist“, sagt Ivonne Bedei, Ärztin für Kinder- und Jugendgynäkologie am Klinikum Frankfurt-Höchst, gegenüber t-online.de. „Die Teenager, die ich sehe, sind sehr häufig rasiert, teilweise auch ganz. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass immer mehr Mädchen den Wunsch haben, ihre Schamlippen korrigieren zu lassen.“ Eine Problematik, die sie in einem engen Zusammenhang mit dem Trend zur Intimrasur sieht, die die Schamlippen freilegt.

Wobei dieses Thema, im Gegensatz zur Achselrasur, bei den meisten erst dann interessant wird, wenn ein Geschlechtspartner in ihrem Leben auftaucht. Die Frage, was der andere erwartet und was ihn vielleicht abstoßen könnte, plagt viele Jugendliche.

Rasieren aus Hygienegründen ist heutzutage unnötig

Das Rasieren des Intimbereichs ist übrigens keineswegs ein neuer Trend. Es gab auch vor Hunderten von Jahren Zeiten, in denen glatte Haut auch in diesem Bereich als Schönheitsideal galt. Nicht zuletzt aus hygienischen Gründen: Filzläuse hatten es schwerer, sie fanden keinen Halt. Doch auch, wenn viele Jugendliche das glauben: Rasieren schützt nicht vor Bakterien. „Das Gegenteil ist der Fall. Die Schambehaarung bietet bei Pilzen und Bakterien sogar einen gewissen Schutz.“ 

Schambehaarung hat einen evolutionären Sinn: Sie verhindert, dass Haut auf Haut klebt, sie wirkt kühlend und – so vermuten die Biologen – dient der Verbreitung von Duftstoffen, die den genetisch passenden Liebespartner anlocken sollen. Der kann allerdings nicht nur durch Komplettrasuren, sondern auch durch übertriebene Hygiene verwirrt werden. Denn Intimsprays, Scheidenspülungen und Intimreinigungstücher für unterwegs stören das natürliche Milieu der Haut. Gynäkologin Bedei rät jedoch davon ab: „Es ist besser, mit parfümfreien Seifen oder klarem Wasser zu waschen, um die Haut nicht zu reizen.“

Wer den natürlichen Wildwuchs trotzdem nicht mag, beseitigt ihn mit Enthaarungscreme, Waxing, Sugaring oder mit dem Rasierer. „Doch gerade, wenn man ungeübt ist und möglicherweise auch noch schlechtes Material verwendet, kann man sich im Bereich der Schamlippen ziemlich verletzen“, warnt die Ärztin.

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Kein Platz für Jugendliche

PaulinenbrückeKein Platz für Jugendliche

An der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Süd warten die Jugendliche schon lange auf eine Aufenthaltsfläche. Foto: Heinz Heiss

S-Süd/S-Mitte – Jeder Bericht über Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder und Jugendliche in der Stuttgarter Innenstadt belegt eine Tatsache mehr als deutlich: Es gibt zu wenige davon. Umso ärgerlicher für die Jugendräte von Süd und Mitte ist, dass sie eine Fläche, die ihnen seit Jahren versprochen worden ist, plötzlich gar nicht mehr bekommen sollen: den Bereich unter der Paulinenbrücke. Die Stadtverwaltung hat nämlich das Nutzungsrecht für die Fläche einem Investor übertragen.

Dabei gibt es seit 2008 konkrete Planungen dafür, einen kleinen Teil des Rupert-Mayer-Platzes mitsamt der Fläche unter der Paulinenbrücke für Jugendliche umzugestalten. Die Umsetzung wurde jedoch mit Bekanntwerden der Großprojekte Gerber und Pauline 21 hintenangestellt. Aktuell sind nun lediglich Tiefgarageneinfahrten, Parkplätze und ein Café für die Fläche unweit der Marienkirche im Gespräch.

Dagegen wehren sich die Jugendräte, sie wollen den Bereich selbst nutzen können. Bis vergangene Woche dachten sie auch noch, dass sie dazu eine Chance haben. In einer gemeinsamen Sitzung der Jugendräte von Süd und Mitte nämlich präsentierte Andreas Hellmann vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt den Jugendlichen die Planung von 2008. Dass die Stadt über die Fläche unter der Paulinenbrücke gar nicht mehr verfügen kann, davon war am Mittwoch keine Rede.

Darin ist sich Möhrle mit Rupert Kellermann, dem Bezirksvorsteher von Süd, einig. „Da ist etwas grundsätzlich schief gelaufen“, sagt Kellermann. Er will das Thema schnellstmöglich wieder auf die Tagesordnung des Jugendrats setzen, damit diese wissen, unter welchen Voraussetzungen sie überhaupt diskutieren können.

Regelrecht empört ist Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin von Mitte. Sie hatte an der gemeinsamen Sitzung der Jugendräte teilgenommen und die Jugendlichen in ihrem Ansinnen unterstützt, den Platz für sich zu reklamieren. Dass das Tiefbauamt, in dessen Besitz die Fläche ist, gar nicht mehr das Nutzungsrecht hat, darüber war auch sie nicht informiert. „Ich bin völlig verärgert“, sagt Kienzle, angesprochen auf die veränderten Gegebenheiten.

Da Gerber und Pauline unabhängig voneinander geplant werden, spricht derzeit zudem einiges dafür, dass es – parallel zueinander – zwei getrennte Zufahrten zu den jeweiligen Tiefgaragen gibt. „Wenn dem so wäre, fällt die Fläche unter der Paulinenbrücke für die Jugendlichen weg und die Stadt muss sowohl für die Jugendlichen in Süd als auch für die in Mitte Ersatzflächen anbieten“, fordert Kienzle.

Noch kein neuer Platz für die Drogenabhängigen

Gedanken muss sich die Stadt auch noch über eine andere Gruppe machen: die Drogenabhängigen, zu deren angestammtem Treffpunkt der Platz unter der Paulinenbrücke geworden ist. Von den laufenden Bauarbeiten haben sich die Junkies nicht vertreiben lassen; sie campieren momentan am Rupert-Mayer-Platz rund um den Treppenabgang in Richtung Marienstraße.

Die Befürchtung, dass die Drogenabhängigen sich weiter unterhalb der Paulinenbrücke treffen wollen, ist auch einer der Gründe, warum derzeit von Investoren und Teilen der Stadtverwaltung so fieberhaft an alternativen Nutzungen für die Fläche gearbeitet wird. Für Frank Lebsanft von der Projektentwicklungsgesellschaft Phoenix, die das Gerber betreut, ist wichtig, dass die Menschen sich auch in der Umgebung des Gerber sicher genug fühlen, um die Einkaufsmöglichkeiten dort gerne zu nutzen. Obwohl das Gerber eigene Pläne für die Fläche in der Schublade hat, spricht aus Lebsanfts Sicht nichts gegen eine Nutzung der Fläche von Jugendlichen. „Das findet bei uns Unterstützung“, sagt er.

Das letzte Wort, was die Fläche unterhalb der Paulinenbrücke anbelangt, ist längst nicht gesprochen. Heute Abend diskutiert der Bezirksbeirat Mitte das Thema.

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Migräne bei Kindern: Schmerzmittel meiden und Ursache feststellen

Auch Kinder können unter Migräne leiden. Der Griff zum Schmerzmittel ist dann meist kein guter Rat. Oft können schon Ruhe in einem abgedunkelten Raum und ein kühles Tuch auf der Stirn helfen. Am besten lassen Eltern sich aber vom Arzt beraten.

Bei Migräne-Attacken sollten Eltern ihren Kindern „keinesfalls eigenständig Medikamente geben beziehungsweise Jugendliche ohne ärztliche Beratung zu Schmerzmitteln greifen“, warnt der Kinderarzt Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Denn es kann passieren, dass diese langfristig weniger wirken oder auf Dauer zusätzliche Kopfschmerzen auslösen.

Kinder legen sich am besten in einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Ein kühles, feuchtes Tuch auf der Stirn lindert die Schmerzen. Außerdem kann es helfen, wenn Eltern die Schläfen, den Scheitel und den Nacken mit Pfefferminzöl einreiben. 

Mögliche Auslöser finden

Wichtig ist, dass andere Erkrankungen ausgeschlossen sind, bevor der Arzt die Diagnose Migräne stellt. Dann sollten Kinder und Jugendliche über ihre Migräne und mögliche Auslöser aufgeklärt werden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung können Migräne-Attacken vorbeugen.

„Bei stärkeren Kopfschmerzen gibt es eine Auswahl von Substanzen, die sich für Kinder und Jugendliche eignen“, erklärt Nentwich. Darüber sollten Eltern sich beraten lassen – im Zweifel überweist der Kinder- und Jugendarzt an einen spezialisierten Facharzt.

Migräne: Das sind Symptome

Die Symptome der Migräne bei Kindern sind ähnlich wie bei Erwachsenen: starke, hämmernde Kopfschmerzen, die oft mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden sind. Meist dauert eine solche Attacke bei Kindern einige Stunden.

Der BVKJ verweist auf Schätzungen, nach denen zehn Prozent der Kinder zwischen fünf und 15 Jahren sowie gut ein Viertel (28 Prozent) der Jugendlichen zwischen 15 bis 19 Jahren von Migräne betroffen sind.

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Dutzende Autos angezündet: Krawallnacht beunruhigt Schweden


Im Westen Schwedens gehen etliche Autos in Flammen auf. Kaum löscht die Feuerwehr einen Brandherd, geht es schon zum nächsten. Die Täter sind vermummte Jugendliche. Zwei von ihnen werden festgenommen.

Vermummte Jugendliche haben in der Nacht im Südwesten Schwedens rund 100 Autos in Brand gesetzt und die Polizei angegriffen. Nach Medienberichten wurden allein in Göteborg mindestens 88 Fahrzeuge zerstört oder schwer beschädigt, in weiteren Orten, darunter Helsingborg und Malmö, spielten sich ähnliche Szenen ab. Teils seien Polizisten mit Steinen beworfen worden.

Augenzeugen berichteten von vermummten, schwarz gekleideten Jugendlichen, die die Fahrzeuge in Brand gesetzt hatten. Die Vermummten seien in kleinen Gruppen von Auto zu Auto gelaufen, hätten die Scheiben eingeschlagen, brennbare Flüssigkeit in die Fahrzeuge gekippt und diese angezündet.

Recht schnell konnte die Polizei mehrere der mutmaßlichen Täter identifizieren. Zwei junge Männer wurden festgenommen, ein weiterer wurde noch gesucht. Die meisten Täter sind laut Polizei ältere Teenager oder um die 20 Jahre alt. 

Die Ermittler gingen von einer koordinierten Aktion aus, sagte ein Sprecher. Möglicherweise hätten sich die Jugendlichen über soziale Medien abgesprochen. Es habe eine Art Startsignal gegeben. Der sozialdemokratische Regierungschef Stefan Löfven sagte im Radio: „Ich bin richtig wütend.“ Die schwedische Gesellschaft werde auf diese Zerstörung reagieren, versprach er. „Was zur Hölle tut ihr da?“ Die Angriffe seien scheinbar wie eine Militäroperation koordiniert gewesen.

Konservative Politiker kritisierten, Schweden habe solche Aufruhr schon viel zu lange toleriert. Jetzt müsse damit Schluss sein. Die Aktion kam nur wenige Wochen vor der schwedischen Parlamentswahl im September.

Welche Gründe die Jugendlichen für ihre Angriffe hatten, war zunächst unbekannt. Allem Anschein nach sei es allein darum gegangen, den Nachbarn und Mitmenschen zu schaden, erklärte die Polizei Göteborg. Ein Mitarbeiter der dortigen Sicherheitskräfte sprach von einer «beängstigenden Lage». Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.



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Das doppelte Plänchen

Rupert-Mayer-PlatzDas doppelte Plänchen

Der den Jugendlichen zugedachte Platz  unter der Paulinenbrücke ist ohnehin eher schaurig als schön und inzwischen auf einen Quadratmeterzahl nahe null geschrumpft. Foto: Achim Zweygarth

S-Mitte/S-Süd – Das Ärgernis hat Geschichte. Die Einfahrt war dort, sie ist dort, sie bleibt dort. Vor allem: Sie war nie, auch nicht zwischenzeitlich, gestrichen oder an einer anderen Stelle geplant. So würde es jedenfalls Wolf Gläser vom Stadtplanungsamt schwören. „Alle, auch die, die sich jetzt wundern, wussten das“, sagt er. „Ich könnte Ihnen die E-Mails zeigen“.

Die Einfahrt ist die Zufahrt in die Tiefgarage des „Pauline“ getauften Bürokomplexes an der Paulinenstraße 21. Die Strabag baut den siebenstöckigen Komplex, dessen 4400 Quadratmeter Fläche im Herbst nächsten Jahres bezogen sein sollen. Die Einfahrt führt unter der Paulinenbrücke durch. Eben dort wollten die Nachwuchsparlamentarier der Jugendräte Mitte und Süd anderes bauen: eine Fläche für die Jugend. Die Pläne dafür reifen bereits seit 2008. Die Stadt hat mit der Ausarbeitung sogar ein externes Büro beauftragt. Allerdings offenbarte sich durch einen Text in dieser Zeitung den Jugendräten, dass sie an einem Plan arbeiten, der höchstwahrscheinlich keine Chance auf eine Verwirklichung hat, auch wenn, wie Gläser sagt, „Stand heute die Pläne genau so verwirklicht werden können, wie sie sind“. Dazu müsste aber die Strabag auf die Zufahrt verzichten, was theoretisch möglich, praktisch höchst unwahrscheinlich ist.

Bezirksvorsteherin fordert Ersatzgrundstück

Die Jugendräte sind keineswegs die einzigen, die sich jetzt genarrt fühlen. Selbst Veronika Kienzle, die ansonsten stets bestens informierte Bezirksvorsteherin der Stadtmitte, ahnte nichts von den Strabag-Plänen. „Das ist wirklich bitter“, sagt sie und fordert, dass die Stadt ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellt. Der Bezirksbeirat Mitte will das Rätsel zunächst geklärt wissen. Danach wird er sich Kienzles Forderung wohl anschließen. Die Ratskollegen im Süden werden sich im Herbst besprechen. Ihr Protest ist ebenso gewiss.

Für die Pläne der Jugendräte ist das Gartenamt zuständig, für die von der Strabag das Stadtplanungsamt. Der Gemeinderat hat die Pläne für den Pauline-Komplex bereits vor zehn Jahren genehmigt. Allerdings verschob die Strabag den Baubeginn immer wieder. Zwischenzeitlich sollten in dem Neubau keine Büros eingerichtet werden, sondern eine Tagesklinik. Ungeachtet dessen „gibt es den Vertrag seit 2002“, sagt Gläser. „Da gibt es nichts zu deuteln.“ Immer war in jenen Plänen jene Zufahrt eingezeichnet. Nachdem der Gemeinderat begann, mit dem Abriss der Paulinenbrücke zu liebäugeln und Phoenix gleich nebenan sein Einkaufszentrum Gerber plante, schlug das Stadtplanungsamt vor, die zwei Zufahrten für beide Komplexe zu vereinen. Die Stadträte interessierten sich dafür nicht sonderlich, die beiden Unternehmen halten von der Umplanung wenig. „Einer der Beteiligten lehnt das ab“, sagt Gläser, „weil ein Investor ungern über ein fremdes Grundstück zufährt.“ Es ist also kein Problem der Technik, sondern des Eigentumsrechts. Kienzle fasst das so zusammen: „Wenn zwei Erwachsene sich nicht einig werden, muss die Jugend zurückstehen.“

Ungeachtet dessen bleibt ein Rätsel, warum ein Amt ein Grundstück überplant, das ein anderes längst überplant hat. „Alle beteiligten Ämter wissen, dass es diesen Plan gibt“, sagt Gläser und meint selbstverständlich den des Stadtplanungsamts. Ursprünglich wollte der Bezirksbeirat Mitte in seiner letzten Sitzung vor der politischen Sommerpause erklärt bekommen, warum „hier Arbeitskraft und Geld verschwendet wurde“, wie es der SPD-Beirat Karl-Stephan Quadt formulierte. Dies Sitzung verging allerdings ohne Erklärung. Nun wird die Frage nach den Sommerferien beantwortet – wenn überhaupt.

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Cybermobbing per WhatsApp trifft immer mehr Schüler

Von Cybermobbing waren zunächst nur wenige betroffen. Inzwischen ist ein weit verbreitetes Phänomen – auch weil Schulen nicht genug dagegen vorgehen.

Um ihrem Freund zu gefallen, schickt ihm die 14-jährige Sophie (Name geändert) Bilder von sich mit nacktem Oberkörper. Nach der Trennung gibt er die Fotos per WhatsApp an gemeinsame Mitschüler weiter. Sophie habe sich damals selbst die Schuld gegeben, erzählt Birgit Kimmel von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen. Sie habe sich gedacht: „Ich hab’s ja selbst weitergeschickt“.

Erst Fotos verschickt, dann in psychologischer Betreuung

Die 14-Jährige schämte sich zu sehr, um sich Hilfe zu holen. Medienscouts ihrer Schule bemerkten die Fotos und intervenierten, berichtet Kimmel. Das Mädchen könne inzwischen dank psychologischer Betreuung mit dem Vorfall umgehen und sei an ihrer Schule geblieben.

Cybermobbing sei ein bundesweites Phänomen und durchaus keines, das sich auf Großstädte beschränke, sagt Maria Große Perdekamp von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE). Weil inzwischen fast alle Jugendliche Smartphones hätten, sei das Problem eher größer geworden. Hinzu komme, dass das Alter der Kinder, die Smartphones nutzen, sinke.

Beleidigen, bloßstellen, bedrohen

Kinder und Jugendliche mit Hilfe von WhatsApp, Snapchat, Twitter, Facebook und Co. bloßzustellen, zu beleidigen oder auszugrenzen, ist mittlerweile Alltag.

Studien aus Rheinland-Pfalz zufolge sind etwa 15 bis 30 Prozent der Schüler betroffen. Weil im digitalen Raum der direkte Kontakt zwischen Tätern und Opfern fehle, sinke die Hemmschwelle, sagt Katja Waligora von der schulpsychologischen Beratung des Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach. Mobbing, egal in welcher Variante, hinterlässt psychische Spuren.

Das sind Folgen von Mobbing

Gefühle von Ausgrenzung gehörten dazu, bis hin zu Depressionen, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Selbstverletzung und Suizid, erklärt Susanne Rödiger. Sie ist die medienpädagogische Projektmanagerin der Selbstschutzplattform juuuport mit Sitz in Hannover, über die sich junge Menschen zu Themen rund ums Internet anonym beraten lassen können.

„Alle sehen es“

Einer der ehrenamtlichen juuuport-Helfer ist der 17-jährige Schüler Jonas Hotze. Er findet vor allem die Reichweite erschreckend. „Alle sehen es. Und der Betroffene wird wahrscheinlich in der Schule oder beim Spazierengehen darauf angesprochen“, sagt er.

Bei Anfragen versucht Hotze, Ratschläge zu geben und vor allem, den Betroffenen Mut zu machen. „Sie haben oft Angst, dass wieder ein neuer beleidigender Post ins Internet geladen wird oder das Mobbing in der Schule weitergeht.“

Die Täter wollen Macht ausüben

In fast allen Fällen geht dem Online-Mobbing Mobbing im realen Leben voraus. Birgit Kimmel spricht von etwa 80 Prozent der Fälle. „Das beginnt schon ganz früh.“ Typische Situationen seien, wenn sich eine Gruppe neu findet oder wenn zum Beispiel eine neue Person in die Klasse kommt. Den Tätern gehe es darum, Macht auszuüben und auf Kosten anderer anerkannt zu werden.

Schulen tun nicht genug

Gegen das Cybermobbing vorzugehen sei eine der Pflichten der Schulen – der sie allerdings nicht ausreichend nachkämen, kritisiert Kimmel. „Menschenbildung“ und das Erlernen von Mitgefühl sei in der Schule „nicht mehr so das Thema“. Der Fokus liege auf Informationsvermittlung.

Prävention schon in der Grundschule beginnen

Dieses Versäumnis beginne schon bei der Ausbildung von Lehrern. Sie seien bei Mobbing in ihren Klassen dann schlicht überfordert, meint Kimmel. Dabei müsste präventive Arbeit bereits in der Grundschule anfangen. Vor allem müsse den Lehrern bei Interventionen und der Suche nach Lösungen klar sein: „Schnell geht nicht“.

Irgendwann reagieren die Opfer

Leidtragende reagieren Kimmel zufolge sehr unterschiedlich: „Je länger ein Mobbing andauert, umso unberechenbarer werden die Reaktionen des Opfers.“ Einige tickten irgendwann aus und brüllten in der Klasse herum. Das erschwert es anderen, Verständnis für ihre Probleme zu entwickeln. Denn solches Verhalten führe langfristig dazu, dass die Mitschüler zu dem Schluss kämen: „Das ist ja wirklich ein Idiot, der hat es verdient.“

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Jugendhaus bleibt noch bis November geschlossen

Jugendhaus ZuffenhausenJugendhaus bleibt noch bis November geschlossen

Während im Innern von Haus 11 Rohre und Leitungen saniert werden, wird im Außenbereich ein Klettergarten gebaut. Foto: Bernd Zeyer

Zuffenhausen – Eigentlich hätten Arbeiter und Baumaterialien Ende August aus dem Kinder- und Jugendhaus verschwinden sollen. Im Frühsommer war mit umfangreichen Sanierungen begonnen worden, weshalb das Haus zunächst auch offiziell bis 31. August geschlossen worden war. Die Wiedereröffnung Anfang September musste dann aber buchstäblich ins Wasser fallen. Bei den Bauarbeiten war nämlich festgestellt worden, dass einige der Steigleitungen derart beschädigt waren, dass sie herausgerissen und durch neue ersetzt werden müssen. „Die Arbeiten dauern bis zur zweiten Novemberhälfte“, sagt Sieghard Kelle, Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft (STJG).

900 000 Euro hatte der Gemeinderat im Doppelhaushalt 2012/2013 für die Sanierung des 51 Jahre alten Gebäudes an der Bartensteiner Straße 11 zur Verfügung gestellt. Von Anfang an war klar, dass Rohre und Leitungen zum Teil verrottet waren – was auch der Grund für üble Gerüche gewesen ist. Dass der Zustand der Rohre aber dermaßen schlecht ist, kam dann aber doch relativ überraschend. Auch die Heizung hatte jahrelang für Ärger gesorgt. Einer der beiden Kessel war komplett ausgefallen, der andere funktionierte auch nicht mehr einwandfrei.

„Trotz der zusätzlichen Maßnahmen kann der Kostenrahmen eingehalten werden“, sagt Sieghard Kelle. Aus Gründen der Bausicherheit müsse das Haus allerdings weiterhin geschlossen bleiben. Lediglich der Saal könne für die eine oder andere Veranstaltung genutzt werden. Ausfallen musste ein für den Weltkindertag am vergangenen Samstag geplantes Event. Die Jugendhaus-Mitarbeiter werden während des Umbaus auf andere Einrichtungen verteilt.

Nicht nur im Innern von Haus 11 wird kräftig geschafft. Auch außen gibt es eine Frischzellenkur. Die große Asphaltfläche ist verschwunden, stattdessen gibt es nun einen Klettergarten. Diese Arbeiten sind von den Sanierungen komplett abgekoppelt. Bezahlt werden sie nicht von der Stadt, sondern vom Träger des Kinder- und Jugendhauses, der STJG. „Der Außenbereich ist fast fertig“, sagt Sieghard Kelle. Theoretisch sei vorstellbar, dass er bereits vor Ende der eigentlichen Haussanierung in Betrieb gehe. Der Klettergarten ist vor allem für Schulklassen und Gruppen gedacht, mit denen dort erlebnispädagogisch gearbeitet werden soll. Auch Kinder und Jugendliche aus anderen Einrichtungen werden die Kletteranlage nützen dürfen.

Noch nicht geklärt ist, wer die Nachfolge von Melanie Haumann antritt. Sie hatte das Kinder- und Jugendhaus Ende August verlassen, um als Yogalehrerin tätig zu sein. Knapp vier Jahre lang hatte Haumann die Einrichtung geleitet. „Ihre Entscheidung hat uns schon überrascht“, sagt Kelle. Allerdings wäre es im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit nicht unüblich, dass sich Mitarbeiter nach einer gewissen Zeit beruflich neu orientieren.

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Der Sport-Tag: Madrids Supercup und Herthas Jugend – das wird wichtig

Guten Morgen, werte Leserinnen und Leser!

Starten wir gleich mal durch: Das Highlight des Tages startet um 21 Uhr: der europäische Supercup. Real Madrid spielt als Champions-League-Sieger gegen den Europa-League-Gewinner Atlético Madrid. Schön, dass die spanischen Hauptstadtklubs dafür nach Tallinn reisen.

  • Fußball: Außerdem blicken wir in unserem Bundesliga-Check heute auf die deutlich verjüngte Hertha aus Berlin. Passend dazu spielt der Klub einen Test gegen den Halleschen FC (16 Uhr).
  • Fußball: Ebenfalls testen will der Hamburger SV – ausgerechnet gegen den FC Bayern (18 Uhr).
  • Tennis: Beim ATP-Turnier in Cincinnati trifft Alexander Zverev ab 17 Uhr auf Robin Haase. Die deutsche Frauen-Nummer 1 Angelique Kerber muss gegen Anastasia Pawljuschenkowa bestehen, Tatjana Maria spielt gegen Slane Stephens.
  • Transfers: Wechselt Sebastian Rudy nun zu RB Leipzig – oder nicht? Diese und weitere Personalien haben wir für Sie im Blick.

Mein Name ist Anja Rau, lassen Sie uns in den Sport-Tag starten. Auf die Plätze, fertig, los!



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Privatsphäre von Kindern: Hinterherschnüffeln gehört sich nicht

Kinder und Teenager haben ein Recht auf Privatsphäre – auch gegenüber den Eltern. Für sie ist es tabu, ihren Kindern hinterherzuschnüffeln, an sie gerichtete Briefe und SMS zu lesen, in ihren Sachen kramen oder das Tagebuch aufschlagen. Erstens ist das eine Frage des Respekts, zweitens gibt es Dinge, die Eltern nicht wissen müssen.

Neugierig sind alle Eltern. Und sie möchten ihr Kind schützen, möchten seine Gedanken und Gefühle kennen, um möglichst früh einzugreifen, wenn Gefahr droht, sei es durch vermeintlich falsche Freunden, eine in Elternaugen verrückte Weltanschauung oder durch Aktivitäten im Internet. Das bedeutet aber nicht, dass man die Privatsphäre des Kindes verletzen darf – und wenn es noch so verlockend ist, sich mal schnell ins Handy des Kindes einzuloggen, um zu sehen, worüber es sich mit Freunden austauscht, oder gar das beim Staubsaugen unter dem Bett gefundene Tagebuch nur mal kurz aufzuschlagen.

„Das gehört sich einfach nicht“, unterstreicht Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, auf Nachfrage der Elternredaktion von t-online.de. „Ein Tagebuch zum Beispiel ist eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit für das Kind, die der Stabilisierung dienen kann. Der Gefühlswirrwarr nimmt darin Form an und wird so greifbarer. Wenn man dies stört, nimmt man dem Kind etwas sehr Wichtiges und riskiert, dass sich Probleme noch vergrößern.“

Jeder Mensch hat das Recht auf Geheimnisse

In der UN-Kinderrechtskonvention heißt es: „Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr ausgesetzt werden.“ Auch nicht von den eigenen Eltern.

Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Schutz des Kindes. Das zeigt sich insbesondere bei Medien- und Internetnutzung. Trotzdem bedeutet Privatsphäre, ungestört sein zu dürfen. Das gilt für das Badezimmer, in das sich das zehnjährige Mädchen einschließen möchte, genauso wie das Zusammensein mit Freunden, die Kinder sich selbst aussuchen dürfen, das Telefonieren und Chatten und für die Auswahl der Kleider. Es sollte für Eltern selbstverständlich sein, anzuklopfen, bevor sie das Zimmer betreten, und es sollte genauso selbstverständlich sein, kleine Geheimnisse zu respektieren. Befürchtet man, dass das Kind etwas Gefährliches verheimlicht, sollte man das aber ansprechen und dem Kind die emotionale Sicherheit geben, dass es sich anvertrauen kann.

Eltern, deren Kinder sehr offen sind, haben es leichter. Sie erfahren ihre Gedanken, Gefühle, Freundschaften, Wünsche und Probleme. Schwieriger wird es bei verschlossenen Charakteren, die die Dinge lieber mit sich selbst ausmachten. Vor allem Jugendliche ziehen sich gern zurück und es fällt Eltern nicht leicht, zu warten, bis das Kind Gespräch sucht.

Schnüffelnden Eltern fehlt das Vertrauen in die eigene Erziehung

Privatsphäre hat nicht nur etwas mit Respekt und Vertrauen zu tun, sondern auch mit Loslassen. „Eltern, die ihren Kindern hinterherschnüffeln, haben wenig Vertrauen in ihre erzieherische Kompetenz“, bringt es Diplom-Psychologe Gerth auf den Punkt. „Die zeigt sich nicht dadurch, dass man jeden Schritt begleitet. Man kann das eher sehen wie einen Samen, der sich entwickelt. Man hat etwas angebahnt und jetzt muss das Kind seinen Weg finden dürfen. Abgesehen davon liegt der Bereich, den Eltern beeinflussen können, bei einem Jugendlichen nur noch bei fünf bis zehn Prozent.“

Schon die Privatsphäre kleiner Kinder muss geschützt werden

Auch bei kleinen Kindern müssen Eltern die Privatsphäre respektieren. Dabei geht es weniger um Rückzugsraum, sondern zum Beispiel um ungefragtes Weggeben von Spielsachen oder um die nette Nachbarin, die es nicht lassen kann, das Kleine in die „ach-so-süße“ Backe zu zwicken. „Der Wunsch nach Privatsphäre kann sich bei einem kleinen Kind auch dahingehend äußern, dass es einfach nur dasitzen und träumen möchte, ohne gestört zu werden.“

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

„Ich will manchmal gar nicht wissen, was mein Sohn so alles treibt“, sagt Julia über ihren 14-Jährigen. Sie weiß, sie kann Konrad vertrauen. „Aber den einen oder anderen Blödsinn heckt er sicher aus, wenn er mit seiner Clique unterwegs ist. Wir waren doch da auch nicht anders, oder?“ Sie sucht das Gespräch mit ihrem Sohn, beobachtet seine schulischen Aktivitäten, lebt aber sonst frei nach dem Motto „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“. Einzige Ausnahme: das Internet. „Wir schnüffeln Konrad auch hier nicht hinterher, aber wir reden viel mit ihm über die Gefahren im Netz und über die Grundregeln zum Beispiel beim Chatten. Und wir beschränken die Zeit, die er dort verbringen darf.“

Das direkte Gespräch suchen

Besonders schwierig wird für Eltern das Respektieren der Privatsphäre, wenn sie glauben, es gibt einen Grund, sich Sorgen zu machen. „Die allerdings werden sicher nicht geringer, wenn man dem Kind hinterherschnüffelt. Und selbst, wenn man etwas findet, kann man mit dem Kind nicht einmal darüber reden“, gibt Ulrich Gerth zu bedenken. „Besser ist es doch, das Gespräch zu suchen Sorgen direkt anzusprechen.“

Gelingt es allerdings nicht mehr, ein vernünftiges Gespräch mit seinem Kind zu führen, dann sollte man sich lieber Hilfe von außen holen, statt hinterherzuspionieren, rät Gerth, der das Caritas-Beratungszentrum St. Nikolaus in Mainz leitet. Es gibt in jeder Stadt Erziehungsberatungsstellen, die auch in ausweglos erscheinenden Situationen helfen können, wieder Zugang zueinander zu finden. Denn das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ hat so noch nie gestimmt.

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