Kategorie -Jugendliche

Pitschnass auf der ebenen Rutsche

Trendsportfestival in FellbachPitschnass auf der ebenen Rutsche

Fellbach – Die Slackline hat als Trendsportart in Fellbach ausgedient. Zumindest nutzten sie Sarah Koch, 13 Jahre, und die elfjährige Sabine Kohn nicht zum Balancieren, sondern als Sitzgelegenheit. Die beiden Mädchen warteten darauf, dass sie Bubble-Soccer, die neue trendige Funsportart ausprobieren können. Umhüllt von großen und durchsichtigen Plastikbällen geht es dabei weniger darum, Tore zu erzielen, als vielmehr überhaupt vorwärts zu kommen.

Am Sonntag haben sich an die 200 Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren auf neue Bewegungstrends gestürzt. Und Bubble-Soccer war eines der begehrtesten Angebote beim zweiten Trendsportfestival des SV Fellbach. „Es ist witzig, wenn man beim Bubble-Soccer auf dem Kopf steht, und manchmal kommt man allein gar nicht mehr auf die Füße“, sagte Sabine Kohn. Die beiden Mädchen waren schon im vergangenen Jahr beim ersten Trendsportfestival „Loop in Motion“ dabei. „Der Sprungturm war absolut der Höhepunkt, schade, dass es den in diesem Jahr nicht gibt“, sagte Sarah Koch. Den knapp acht Meter hohen Kletterturm, von dem aus sich die Teilnehmer in ein Luftkissen stürzen konnten, hatten die Veranstalter in diesem Jahr aus mehreren Gründen nicht im Programm. „Zum einen ist er ziemlich teuer, zum anderen konzentriert sich dann alles auf diesen Turm, und wir haben so viel mehr im Angebot“, sagte Christian Bauer vom Vorstandsteam des SV Fellbach.

In diesem Jahr beschränkte sich der Nervenkitzel auf bodenständige Angebote: Parkour, Airtrack, Waterslide, Bubble-Soccer oder Luftsprünge in der Bewegungslandschaft im Loop. „Bei sommerlichem Wetter ist die Wasserrutsche immer Trend“, sagte Christian Bauer. Spaß machten auch andere Angebote: „Das Trampolin ist voll cool, und es macht tierisch Spaß, sich in die Schnitzelgrube hineinzustürzen“, sagte Sabine Kohn.

Spikeball war neu im Angebot. Es wurde von Volleyballern entwickelt, die auch auf kleinstem Raum ihrem Sport frönen wollten. Spikeball kann auf Sand, auf Rasen, in der Sporthalle, sogar im Schnee gespielt werden. Der runde Rahmen mit Netz wird einfach auf den Boden gestellt. Nach der Angabe, bei der ein Spieler den Spikeball mit einer flachen Hand auf das Netz in Richtung des gegnerischen Teams spielt, wird der Ball immer volley weitergespielt und zwar mit allen Körperteilen mit Ausnahme der Füße. „Es macht mega viel Spaß“, sagt Tatanka Skupin, der im Loop Parkour unterrichtet.

Parkour ist seit Jahren Trend, und die Workshops für Mädchen und Anfänger waren beim Trendsportfestival begehrt. Einer, der Parkour bestens beherrscht, ist Benjamin Grams aus Stuttgart. Auch Sarah Koch und Sabine Kohn, die bei Tatanka Skupin Parkour lernen, waren begeistert von dem durchtrainierten 23-Jährigen, der rasend schnell die Hindernisse überwand.

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Bundesverwaltungsgericht: Muslimische Mädchen müssen schwimmen

Muslimische Mädchen dürfen sich nicht aus religiösen Gründen vom gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen befreien lassen. Das geht aus einem Beschluss das Bundesverfassungsgerichts hervor. (Az. 1 BvR 3237/13)

Eine Schülerin hatte sich erfolglos durch alle Instanzen geklagt und wollte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2013 kippen. Als Fünftklässlerin hatte sie im Schuljahr 2011/2012 an einem hessischen Gymnasium die Note Sechs kassiert, weil sie sich dem Schwimmunterricht verweigerte.

Durch Anblick leicht bekleideter Mitschüler behelligt

Das Mädchen marokkanischer Abstammung lehnte es auch ab, wie manche ihrer Mitschülerinnen einen Burkini zu tragen – ein solcher Ganzkörper-Badeanzug lasse nass trotzdem die Körperkonturen erkennen. Außerdem fühlte sich die Gymnasiastin durch den Anblick ihrer leicht bekleideten Mitschüler behelligt.

Erziehungsauftrag geht über Glaubensfreiheit

Die Verwaltungsrichter hatten vor drei Jahren den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag über die Glaubensfreiheit gestellt. Dieser beinhalte auch die Befugnis, Fächer gemischtgeschlechtlich zu unterrichten. Der Schülerin sei es zuzumuten, daran teilzunehmen.

Mit diesem Urteil hat sich die Jugendliche in ihrer Verfassungsklage laut Beschluss nicht ausreichend auseinandergesetzt: So lege sie etwa nicht plausibel dar, warum der Burkini zur Wahrung der islamischen Bekleidungsvorschriften nicht genügen solle.

Das Bundesverfassungsgericht nahm daher die Verfassungsbeschwerde der Schülerin wegen inhaltlicher Mängel nicht zur Entscheidung an.

Der Burkini als Kompromiss

Ein gemeinsamer Sport- und Schwimmunterricht ist in Deutschland seit Jahrzehnten üblich. Über die Teilnahme streng gläubiger muslimischer Mädchen vor allem am Schwimmunterricht gab es aber immer wieder Streit und gerichtliche Auseinandersetzungen.

Als Kompromiss gilt seit einigen Jahren der Burkini. Dieser Ganzkörperanzug lässt nur Hände, Füße und Gesicht frei. Damit entspricht er den muslimischen Bekleidungsvorschriften und behindert dennoch das Schwimmen nicht.

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„Safer Internet Day“ mit Promis: Aktionstag warnt vor Leichtsinn im Netz


Wer im Netz unterwegs ist, sollte vorsichtig sein und wissen, was er tut – das gilt für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche. Am Safer Internet Day geht es um die wichtige Frage: Wie sorgsam gehen wir mit unseren Daten um?

„Alles unter Kontrolle?!“ Unter diesem Motto will der Safer Internet Day dafür sensibilisieren, sorgfältig mit den eigenen Daten online umzugehen. Denn im Netz können Dinge schnell aus dem Ruder laufen. Am Safer Internet Day geht es um die wichtigsten Fragen der Netznutzung: Wie selbstbewusst und souverän bewegen wir uns tatsächlich im Internet? Und wie behalten wir die Kontrolle über unsere Daten?

Die EU-Initiative klicksafe.de koordiniert die Aktionen zum Safer Internet Day, der in diesem Jahr unter dem Motto „Alles unter Kontrolle?!“ steht. „Viele junge Leute glauben, dass sie alles wissen über das Netz, aber das ist nicht so“, sagt Peter Widlok von klicksafe.de. Doch wie schnell die Dinge aus den Ruder laufen können, zeigt sich oft erst, wenn ein gemeiner Shitstorm entsteht, wenn ein Account gehackt wird oder private Fotos plötzlich in die Öffentlichkeit geraten. „Wir wollen die User dazu aufrufen, innezuhalten und sich zu fragen: Was mache ich eigentlich genau im Internet, wie sichtbar bin ich wirklich?“, erklärt Widlok.

Netz-Stars warnen vor Gefahren

Zum Safer Internet Day 2018 gab es am Dienstag, den 6. Februar, in ganz Deutschland Veranstaltungen. So auch an der Berlin Cosmopolitan School, wo unter anderem Teenie-Star Lukas Rieger und YouTuberin Christina Ann Zalamea zu Gast sind. Das Netz habe eine unheimliche Dynamik, sagt Musiker Rieger, der bei Instagram um die zwei Millionen Follower hat. „Sind Gerüchte erstmal in der Welt, sind sie nur schwer zu stoppen.“ Der 18-Jährige hat das schon selbst erlebt, etwa wenn wildfremde Mädchen behaupteten, seine Freundin zu sein. Und natürlich gebe es unter seinen Instagram-Fotos auch mal negative Kommentare, berichtet Rieger. Dann komme es schnell zum Streit zwischen Usern, der auch mal aggressiv werde. „Da hilft im Extremfall nur, den Post zu löschen.“

Zalamea, die für ihre Serie „Wishlist“ bereits mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, hat sich besonders mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auseinandergesetzt. In einem Video erklärt sie, wie sie beim Runterladen von Apps fleißig den AGBs zustimmte, bis sie auf einmal gemerkt habe, „dass eine Bildbearbeitungs-App meine Nummer wissen will und eine Taschenlampen-App meinen Standort. Und wozu braucht bitte eine Spiele-App meine ganzen Kontakte?“ Da habe sie verstanden, dass die Betreiber der Apps mit ihren Daten viel Geld verdienen können.

Souveräne Schüler

Und wie gehen die Schüler mit dem Thema um? Besuch in der achten Klasse. Dort wirken die Jugendlichen recht souverän: „Ich habe einen Adblocker installiert, damit ich keine störende Werbung bekomme“, erklärt der 13-jährige Valentin. Und Mitschüler Michél betont mit Blick auf Social Media: „Wichtig ist, auf die Privateinstellungen zu achten. Damit Dir nur Leute folgen, die Du kennst.“ 

Vivien (13) hat schon einen Instagram-Account: Fotos von ihr sind dort aber nicht zu sehen. „Meinen Eltern und mir ist es wichtig, dass ich keine Bilder von mir selbst ins Netz stelle, deshalb gibt es dort nur Bilder von Landschaften oder vom Essen.“ Ihre Mitschülerin Iladay ist noch nicht in den Sozialen Netzwerken aktiv. „Meine Eltern wollen, dass ich noch ein bisschen warte. Sie vertrauen mir zwar, aber haben auch Angst, dass ich aus Versehen etwas Falsches mache.“

Berechtigte Sorgen?

Dass die Internetnutzung der Kinder den Eltern Sorgen bereitet, zeigt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage. Demnach fürchten 55 Prozent der befragten Eltern, dass der Nachwuchs im Netz von Fremden kontaktiert wird beziehungsweise an jemanden mit bösen Absichten gerät – oder dass das Kind zu persönliche Daten von sich veröffentlicht. Die Bedenken scheinen nicht unbegründet: Von den 14 bis 24 Jahre alten Befragten hat schon rund jeder Dritte (30 Prozent) einmal bereut, private Infos, Fotos oder Videos in den Netzwerken geteilt zu haben. 

Frage an die Experten: Gibt es eine Goldene Regel zum Umgang mit den eigenen Daten im Netz? „Wir sollten uns immer die Fangfrage stellen: Will ich das, was ich heute ins Netz stelle auch in fünf Jahren noch sehen? Und soll das auch mein künftiger Arbeitgeber zu Gesicht bekommen? Oder ist mir das peinlich?“, sagt Widlok. Wer das ehrlich für sich beantworte, sei schon einen großen Schritt weiter. Und Zalamea rät, das eigene Selbstbewusstsein nicht auf die Internetpräsenz aufzubauen. „Du solltest Dich nicht über Follower und Klicks definieren. Diese Zahlen haben nichts mit Deinen wahren Werten zu tun.“



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Jugendliche spielen Amoklauf nach

Schießerei in MünchenJugendliche spielen Amoklauf nach

Drei Jugendliche haben in Königsbrunn den Amoklauf nachgespielt (Symbolbild). Foto: dpa

Königsbrunn – Nur einen Tag nach dem Münchner Amoklauf haben drei Jugendliche in Königsbrunn bei Augsburg mit Spielzeugwaffen die Bluttat nachgestellt. Herbeigerufene Polizisten konnten Spiel von Ernst nicht sofort unterscheiden. Die „Augsburger Allgemeine“ hatte zuerst über den Fall berichtet.

Laut Polizeiangaben vom Sonntag hatten sich zwei 16- und ein 17-Jähriger am Samstag in einem Spielzeugladen mehrere Softairpistolen gekauft. Dunkel gekleidet taten sie vor dem Laden so, als würden sie schießen, und riefen: „Jetzt machen wir mal einen Amoklauf.“

Die von einer Verkäuferin gerufene Polizei fand die Jungen, als sie sich gegenseitig die Waffen an den Kopf hielten. Das Problem für die Beamten: Sie konnten zunächst nicht erkennen, ob die Schusswaffen echt waren.

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Wie normal sind kurzlebige Teenager-Lieben?

Teenager-Beziehungen haben oft eine sehr kurze Haltbarkeit. Wie viele Partnerwechsel sind bei Heranwachsenden normal und wie sollten Väter und Mütter damit umgehen – vor allem, wenn die häufigen Liebschaften ihres Nachwuchses in den sozialen Netzwerken negativ diskutiert werden?

Kaum haben sich Eltern den Namen des Freundes ihrer pubertierenden Tochter gemerkt und sich ein wenig an den „Familienzuwachs“ gewöhnt, erscheint bereits ein anderer Schwarm auf der Bildfläche. Er ist nun „der Neue“, der davor nur noch „der Ex“. Doch auch diese Liebe kann schnell wieder Schnee von gestern sein.

„Es ist wieder Schluss“

Die erste Liebe von Stefanies sechzehnjähriger Tochter Lara dauerte gerade mal einen Monat. „Wir sind jetzt fest zusammen“, verkündete sie und analysierte regelmäßig mit ihren Freundinnen die Qualitäten ihrer neuen Eroberung, die mit Erlaubnis der Eltern auch bei Lara übernachten durfte.

Doch das Glück war nur von kurzer Dauer, ebenso wie der Liebeskummer. „Es ist wieder Schluss – wir haben uns einfach auseinandergelebt“, hieß es danach eher beiläufig. Trost stellte sich sehr bald in Gestalt eines neuen Prinzen ein, der ebenfalls einige Wochen bei Laras Familie ein und aus ging, mittlerweile aber ebenfalls nicht mehr zu den Auserwählten zählt.

„Da fällt es schon schwer, den Überblick zu behalten“, meint Stefanie. „In der ganzen Clique meiner Tochter läuft das ähnlich: Häufig wechselnde Liebeleien, bei denen die Mädchen aber heute meines Erachtens viel mehr als in meiner Jugend vor dreißig Jahren, Eigeninitiative beim Anbandeln ergreifen oder auch diejenigen sind, die Schluss machen. Das führt vielleicht auch dazu, dass man den Eindruck bekommt, dass die Beziehungen schon vorbei sind, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.“

Ein Übungsfeld für spätere Beziehungen

„An und für sich ist das ein relativ normales Verhalten“, erklärt die Diplom-Psychologin Eva-Verena Wendt vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). „Die ersten Partnerschaften sind nämlich für Jugendliche ein wichtiges Übungsfeld für spätere Beziehungen im Erwachsenenalter. Sie wissen meist noch gar nicht genau, was sie von einem Partner erwarten, welche Eigenschaften sie an einem Partner mögen oder wie eine Partnerschaft überhaupt ablaufen soll. Deshalb testen sie. Das ist zunächst kein schlechtes Verhalten, denn im Optimalfall lernen sie so etwas über sich und ihre Wünsche.“

Die Zeiten haben sich gar nicht so sehr geändert

Die Testläufe in Liebesangelegenheiten sind aber nicht immer so kurzlebig wie bei Lara. Ein großer Teil der Jugendlichen sei nämlich länger als nur ein paar Wochen mit einem Freund beziehungsweise einer Freundin zusammen, ergänzt die Diplompsychologin.

In der repräsentativen pairfam-Studie (Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics), in der zur Erforschung der partnerschaftlichen und familiären Lebensformen in Deutschland unter anderem 4000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren befragt wurden, waren nach einem Jahr noch knapp die Hälfte der Jugendlichen (45 Prozent) mit dem gleichen Partner zusammen.

Für Stefanie, Laras Mutter, sind die unbeständigen Romanzen ihrer Tochter nicht nur gewöhnungsbedürftig, sie befremden sie auch. Sie ist davon überzeugt, dass sich heute im Vergleich zu ihrer eigenen Jugend vor dreißig Jahren einiges verändert hat.

„Ich hatte zwar auch mehrere feste Freunde, als ich in diesem Alter war. Aber ich habe mir das irgendwie viel mehr zu Herzen genommen. Auf mich wirkt das heute eher unverbindlicher und beliebiger, als wollten sich die Kids gar nicht wirklich festlegen, sondern vor allem eine tolle und spaßige Zeit miteinander haben – mit allem, was bei einer romantischen Beziehung so dazu gehört. „

Studie: „Romantisierung“ bei Liebesbeziehungen

Soweit die Außenwirkung von Teenager-Lieben – beobachtet durch die elterliche Sorgenbrille. Doch hinter dem als oberflächlich und flatterhaft wahrgenommenen Verhalten steckt offenbar mehr emotionale Tiefe, als der „Generation Porno“ gerne nachgesagt wird. Das wies vor wenigen Jahren die „Bravo-Studie“ nach. Dabei kristallisierte sich im Rahmen einer repräsentativen Befragung von Heranwachsenden zwischen elf und 18 Jahren eine Romantisierung bezüglich Liebesangelegenheiten heraus.

„Zum Beispiel sind die Jugendlichen heute zunehmend früher verliebt“, kommentiert Psychologin Wendt. „Wenn man sich dagegen den Trend im Sexualverhalten ansieht, kann man aber momentan Entwarnung geben: Das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr verlagert sich nämlich nicht weiter nach vorne, sondern liegt aktuell nach wie vor bei etwa 17 Jahren. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen ist schon früher sexuell aktiv, so zeigt es auch die jüngste Studie zu Jugendsexualität der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Vielleicht testen Jugendliche heute wirklich mehr, aber die ernsthaften Beziehungsschritte, etwa den ersten Geschlechtsverkehr, scheinen sie doch für den Richtigen oder die Richtige aufzuheben. Das spricht eher für ein hohes Verantwortungsbewusstsein bei der Mehrzahl der Jugendlichen.“

Eroberungen und Liebeleien werden im Netz kommentiert

Geht es um die Liebe und um Beziehungen im digitalen Raum, ist von Romantik und Verantwortungsbewusstsein bei den Teenagern allerdings meist nicht mehr viel zu spüren. Zwar lernen sich die Jugendlichen heute immer noch vorwiegend in der realen Welt kennen – nur zehn Prozent über die sozialen Netzwerke – doch werden alle Befindlichkeiten, auch zur Sexualität, im Netz offen und ausgiebig diskutiert und die Meinungsäußerungen dann unter Umständen über die sozialen Netzwerke entsprechend verbreitet, kommentiert und bewertet.

Das hat auch Lara erlebt. Cool und nicht ohne Stolz tauschte sie sich mehr als einmal mit ihren Freundinnen online über ihre neuesten Schwärmereien und Eroberungen aus: „Ich hab da wieder jemanden am Start.“ Das kam irgendwann nicht mehr gut an. Sie wurde plötzlich als „Schlampe“ beschimpft oder mit entsprechenden englischen Ausdrücken bombardiert.

„Ich war einigermaßen geschockt über so viel verbale Verrohung, die da sowohl von Jungen wie von Mädchen zurückkam“, erinnert sich Laras Mutter Stefanie. „Die Freundschaften meiner Tochter, die ja eigentlich gar nichts Schlimmes getan hat, wurden so im Netz zu einem öffentlichen Ereignis, das nicht mehr kontrollierbar war. Für Lara war das hart. Seitdem ist sie nicht mehr so großzügig mit Auskünften, wenn es mal wieder um einen Mr. Right geht.“

Bei Cyber-Mobbing Hilfe in Beratungsstellen suchen

„Grundsätzlich sollten die Jugendlichen aufpassen“, empfiehlt Expertin Wendt, „welche persönlichen Informationen sie von sich im sozialen Netzwerk preisgeben und hier sehr zurückhaltend sein. Aber soziale Netzwerke haben leider auch ein Eigenleben, das man selbst nicht immer in der Hand hat.“

Eltern sollten auf jeden Fall immer aktiv werden, wenn ihr Nachwuchs ähnliche Erfahrungen macht – und erst Recht, wenn es um sensible Themen wie Liebe und Sexualität geht, so die Psychologin weiter: „Dann gilt es seine Kinder emotional zu unterstützen und aufzufangen. Manchmal können sich Eltern nämlich vielleicht gar nicht vorstellen, wie schlimm so etwas für die betroffenen Jugendlichen ist. Beratungsstellen und verschiedene Bündnisse gegen Cybermobbing können hier psychologisch und rechtlich beraten. Man sollte sich nicht scheuen, frühzeitig Hilfe zu organisieren.“ 

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Rache für Mord an Jugendlicher?: Rechtsextremer feuert auf Migranten in Italien


Im italienischen Macerata schießt ein Rechtsextremist aus einem Auto auf Passanten. Sechs Menschen werden verletzt. Vor der Festnahme zeigt er den faschistischen Gruß. Möglicherweise hat der Angriff etwas mit dem Mord an einer italienischen Jugendlichen zu tun.

Ein italienischer Rechtsextremist hat aus seinem fahrenden Auto heraus auf Passanten geschossen und dabei sechs Menschen, alle Ausländer, verletzt. Der Mann wurde nach den Schüssen im Zentrum der Stadt Macerata von der Polizei festgenommen – vorher legte er sich laut Medienberichten einen Schal mit den italienischen Nationalfarben um, zeigte den faschistischen Gruß vor einem Kriegsdenkmal und schrie „Viva Italia!“ Alle Opfer waren demnach „dunkelhäutig“.

Bei dem Verdächtigen fand die Polizei eine Pistole, er soll laut Medienberichten die Tat gestanden haben. Der 28-Jährige Luca T. war demnach 2017 Kandidat der rassistischen Lega Nord bei Wahlen in einer Gemeinde der Region Marken, in der die Stadt Macerata liegt.

„Wir wollen nur Gerechtigkeit.“

Zunächst stellte die Polizei keine Verbindung her zu einem Verbrechen, das vor wenigen Tagen in Macerata begangen worden war und das landesweit für Entsetzen gesorgt hatte. In der Stadt war ein nigerianischer Asylbewerber und Drogenhändler festgenommen worden, der eine 18-jährige Italienerin ermordet haben soll. Die Leiche der jungen Frau war am Mittwoch zerstückelt in zwei Koffern gefunden worden. Die Polizei hatte am Freitag in der Wohnung des 29-jährigen Nigerianers Kleidungsstücke des Opfers und ein Messer mit Blutspuren gefunden. Romano Carancini, der Bürgermeister von Macerata, sagte allerdings: „Die Nähe der beiden Ereignisse lässt einen denken, dass es eine Verbindung gibt.“

Marco Valerio Verni, der Onkel der ermordeten Frau, sagte gegenüber Rai News: „Wir wollen nur Gerechtigkeit. Wir können die Barbarei nicht mit mehr Barbarei bekämpfen. Solche Aktionen sind nicht zu rechtfertigen. Dieses Land hat die Nase voll – aber solche Reaktionen können niemals gerechtfertigt sein. Wir sind ein zivilisiertes Land. Wir sollten nicht zulassen, dass die Barbarei die Zivilisation dominiert. „

Regierungschef Paolo Gentiloni hat an das Verantwortungsbewusstsein der Parteien im Wahlkampf appelliert. „Hass und Gewalt werden es nicht schaffen, uns auseinanderzutreiben“, sagte Gentiloni in Rom. Er rief die Italiener auf, dem Risiko einer Gewaltspirale entgegenzuwirken. „Grausame Straftaten und kriminelles Verhalten werden verfolgt und bestraft, das ist das Gesetz.“ Ex-Regierungschef Matteo Renzi appellierte auf Facebook an die Parteien, den Vorfall in Macerata vom Wahlkampf zu trennen. Italien wählt am 4. März ein neues Parlament. Eines der dominierenden Themen ist die Migration, von der Italien in hohem Maße betroffen ist.



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Bis auf den geliebten Sirup ist alles da

Ferienwaldheim in FellbachBis auf den geliebten Sirup ist alles da

Viele Jugendliche helfen beim Aufbau des Waldheims mit. Foto:  

Fellbach-Oeffingen – Am Tennwengert wurde eine Woche lang geschafft und geputzt. Und immer wieder gab es Hilferufe wie diesen: „Philip, das Geschirr wird nicht sauber, die Spülmaschine ist kaputt!“, jammerte etwa eine junge Helferin. Doch Philip Rampp hat die Ruhe weg: „Die Spülmaschine ist nagelneu“, sagte er trocken. Gemeinsam mit Thomas Eibner und Thomas Lehmann leitet der Religionspädagoge das evangelische Ferienwaldheim, das in den kommenden vier Wochen in zwei Durchgängen auf dem Gelände neben den Oeffinger Sportplätzen stattfindet.

An diesem Montag kommen 214 Kinder zum ersten Abschnitt. Thomas Lehmann ist immer zur Stelle. Er ist selbst langjähriger „Waldheimer“ und dort vor allem als Klempner tätig. Rund 150 Meter Leitungen für Warm- und Kaltwasser hat er verlegt, ebenso die elektrischen Leitungen. Die ganze vergangene Woche waren Philip Rampp und seine Helfer mit dem Aufbau der kleinen Zeltstadt am Tennwengert beschäftigt. Elf kleine Pavillons, die bei schlechtem Wetter auch mit Seitenwänden versehen werden können, beherbergen die einzelnen Gruppen. Dazu wurden ein Spülzelt und zwei große Festzelte aufgebaut, von denen eines als Speisesaal dient. Weiter gibt es einen WC- und einen Büro-Container. In zwei riesigen Mulden befinden sich Bänke und Tische, Bastelmaterial, Spiele und sonstige Dinge, die gebraucht werden, um die 214 Kinder des ersten und 160 des zweiten Durchgangs zu versorgen und zu beschäftigen.

Der angehende Diakon Philip Rampp leitet das Ferienwaldheim zum ersten Mal. „Ich finde das Gelände sehr gut geeignet, wir haben Sportplätze und gleich über der Straße den Wald“, sagte er. Apropos Wald: Um sicher über die viel befahrene Landstraße zwischen Oeffingen und Neckarrems zu kommen, wurde extra eine Bedarfsampel aufgestellt.

Am Sonntagnachmittag hatte ein Gottesdienst auf dem Gelände die Waldheimzeit eröffnet. Dabei wurde auch erwähnt, dass es das 70. Ferienwaldheim der evangelischen Kirchengemeinde ist. „Vielen Eltern ist gar nicht mehr bewusst, dass die evangelische Kirche hier dahinter steht, und wir beispielsweise auch kleine Andachten halten“, sagte Philip Rampp. Längst ist das Waldheim interkulturell: So nehmen zehn Kinder von Hindus und einige muslimische Kinder teil. „Es muss bei uns keiner beten, aber bei den Andachten sind alle dabei und dann eben ruhig“, sagte Rampp. Außerdem helfen zwei Flüchtlingsfrauen im Küchenteam mit, im zweiten Abschnitt sind sieben Flüchtlingskinder dabei.

An den ersten beiden Ferientagen waren es bis zu 40 Jugendliche, die auf dem Gelände mithalfen. Julian Gregorius besucht seit zehn Jahren das Waldheim. Jetzt ist er 15 Jahre alt und zum ersten Mal Helfer. „Das ist hier wie eine große Familie, die Atmosphäre gefällt mir einfach“, sagte er.

Annegret Frey-Kächler von der evangelischen Kirchengemeinde sorgte dafür, dass die Unordnung im Speisezelt stündlich kleiner wurde. „Bald glänzt es hier“, versprach sie. Das Essen wird wie vergangenes Jahr von einer Großküche angeliefert, die auf Essen für Kinder und Jugendliche spezialisiert ist. Eine große Neuerung steht in diesem Jahr bevor: Es wird keinen Sirup mehr geben. „Dieses pappsüße Zeug ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagte Annegret Frey-Kächler. Zudem locke der Sirup die Wespen an. Jetzt gebe es Tee, gekühltes Leitungswasser oder Mineralwasser zu trinken. Allerdings habe sich der zweite Durchgang vorbehalten, seinen Tee mit einem „wönzigen Schlöck“ Sirup zu süßen.

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Wenn Kinder ihre Eltern schlagen

Gewalt in der Familie geht nicht nur von Erwachsenen aus, sondern auch von Kindern. Nur wenige Eltern reden darüber – zu tief sitzt die Scham über die Probleme gerade dort, wo viele auf eine heile Welt hoffen.

Eigentlich will Martina diese SMS gar nicht mehr lesen. Trotzdem mag sie sie auch nicht löschen. Die Beschimpfungen darin leuchten ihr grell vom Handy-Display entgegen. „Wenn ich das lese, dann wird mir heiß und kalt“, sagt die 50-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, die ihren wirklichen Namen – wie alle Betroffenen in diesem Bericht – nicht öffentlich machen möchte. Ihr Schmerz über die Angriffe sitzt tief. Denn die gemeinen Botschaften kommen von ihrem 16-jährigen Sohn.

Mit dem Baseball-Schläger auf die Mutter losgegangen

Er wohnt in einem Heim, seitdem er mit einem Baseball-Schläger auf seine Mutter losgegangen war. Aber auch von dort aus lässt er sie nicht in Frieden. Martina zieht die Augenbrauen hoch, als sie sich langsam auf der Couch zurücklehnt und das Handy in den Schoß legt. Ratlosigkeit. Welche Fehler hat sie bloß gemacht?

Wenn Kinder ihre Eltern schlagen. (Quelle: dpa/Bernd Thissen)Dieses Ehepaar wurde von seinem Sohn mit einem Baseballschläger bedroht. (Quelle: Bernd Thissen/dpa)

Über Eltern, die ihre Kinder schlagen oder gar missbrauchen, wird öfter mal berichtet. Aber über Jugendliche und Kinder, die ihre Eltern schlagen, nur selten.

Das sagen Experten

Dabei schätzen Experten, dass in rund zehn bis 16 Prozent der Familien hierzulande Kinder seelische oder körperliche Gewalt gegen ihre Eltern anwenden. Manchmal nur einmal, in anderen Fällen regelmäßig. Dabei geht es nicht um Kleinkinder, die in einer Trotzphase unkontrolliert um sich schlagen, sondern um die Älteren.

Viele Eltern schweigen aus Scham

Die genaue Zahl der Übergriffe ist schwer zu erfassen, denn viele Eltern trauen sich nicht, mit ihrem Problem zu Hilfsstellen oder zum Familientherapeuten zu gehen. Sie schämen sich zu sehr. Denn das Drama passiert genau an dem Ort, wo viele sich Wärme, Zuflucht und eine heile Welt erhoffen. Dass eine Betroffene so offen über die Erfahrungen spricht wie Martina, ist ungewöhnlich.

Schule schwänzen, Drogen nehmen. Martinas Sohn Nedim hatte schon seit längerer Zeit Ärger gemacht. Der 16-Jährige stellte seine eigenen Regeln auf. Bei den vier älteren Geschwistern hätten sie nie Probleme gehabt, erzählen die Eltern. An den Wänden des Wohnzimmers hängen Fotos der Familie aus dem Urlaub und von der Hochzeit der Tochter. Bei Nedim sei der Knacks in der Eltern-Kind-Beziehung immer weiter gewachsen. Die Mutter überwand sich, das Jugendamt einzuschalten. „Drei Anläufe habe ich dafür gebraucht, bis ich hingegangen bin.“ Sie habe sich lange nicht getraut.

So eskalierte alles

Der Berater der Behörde empfahl ihr, den Jungen sich selbst zu überlassen – ihn fallen zu lassen. „Wir sollten ihm kein Essen und kein Geld mehr geben“, berichtet Martina. „Wie soll ich das machen? Er ist doch immer noch mein Kind.“ Damit er morgens aus dem Bett komme, habe der Jugendamtsvertreter den Eltern empfohlen, dem Sohn ein Glas Wasser ins Gesicht zu kippen.

Die Mutter erinnert sich an den Tag, an dem alles eskalierte: Ihr Sohn war auf Drogen nach Hause gekommen. Was er genommen hat, weiß sie nicht. Ein Helfer von einer Beratungsstelle wartete mit der Familie – sie wollten gemeinsam mit dem Sohn eine Lösung finden. Der Sozialhelfer ging. Der Sohn stand auf, sagte zum Vater: „Verreck doch, du Bastard.“ Er nahm den Baseball-Schläger und lief auf seine Mutter zu.

„Versagt haben wir beide“

„Ich weiß gar nicht, wo er den hergeholt hat“, sagt Martina und schüttelt den Kopf. Aus Angst vor den Ausbrüchen ihres Sohnes hatte sie den Schläger eigentlich versteckt. Vater Emir ging dazwischen. Der Sohn lief weg und wurde einen Tag später von der Polizei aufgegriffen. Seitdem hat Martina Nedim nicht mehr gesehen. Sondern nur die beleidigenden SMS bekommen, die sie nicht löschen kann.

„Vielleicht habe ich versagt bei ihm. Dabei habe ich die anderen davor doch gut erzogen. Bei dem – keine Ahnung, was ich da falsch gemacht habe“, sagt Martina. „Versagt haben wir beide“, ergänzt der Vater.

Versagen als Mutter oder Vater – die Scham darüber ist groß, gilt die Bindung zwischen Eltern und Kind doch als etwas Ursprüngliches. Wie es zu solchen Krisen kommen kann, ist nicht mit einfachen Schuldzuschreibungen zu klären: „Eltern verursachen nie einseitig das Problem ihrer Kinder“, sagt Jugendpsychiater Wilhelm Rotthaus. „Sie schaffen allerdings möglicherweise ungünstige Bedingungen für deren Entwicklung.“ Bis 2004 leitete Rotthaus die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Viersen in Nordrhein-Westfalen.

So häufig ist das Phänomen Parent Battering

Das sogenannte Parent Battering – übersetzt aus dem Englischen etwa das „Fertigmachen“ der Eltern – sei immer häufiger aufgetreten, berichtet Rotthaus. Zahlen dazu seien schwer zu erfassen. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer. Aber nach international übereinstimmenden Schätzungen zeigen etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen ein derartiges Verhalten.“

dpa-Story: Wenn Kinder ihre Eltern schlagen (Quelle: dpa/Patrick Pleul)dpa-Story: Wenn Kinder ihre Eltern schlagen (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Das Bundesamt für Statistik zählte für 2015 in Deutschland rund acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. Demnach könnte das Problem in die Hunderttausende gehen.

Fachleute verweisen auch auf amerikanische Untersuchungen, wonach geschätzt um die zehn Prozent oder etwas mehr der Eltern Gewalterfahrungen mit dem Nachwuchs machen. Einig sind sich die meisten Experten, dass das Problem nicht auf bestimmte Gruppen begrenzt ist. „Aus meiner Übersicht kann ich sagen, dass dieses Phänomen in allen Gesellschaftsschichten auftritt“, erläutert Rotthaus. Die Täter seien bis etwa zum 14. Lebensjahr Söhne und Töchter gleichermaßen. „Im späteren Alter überwiegend die Söhne.“

Seelischer Terror zermürbt die Eltern

Vor allem der seelische Terror setze den Eltern zu. „Ich erinnere mich gut an eine Mutter, die sagte: „Dass meine Tochter mich schlägt, das ist nicht schön. Aber mit welcher Verachtung sie mir begegnet, das ist schrecklich“.“ Die Handlungen verstießen zu sehr gegen die generellen Vorstellungen von Elternschaft und Familie – ein Schock für beide Seiten.

Eine einfache Wenn-Dann-Regel gebe es bei den Fällen aber nicht. Die Umstände, die zu der Situation führen, seien sehr individuell, betont Rotthaus. „Ich glaube, man darf nicht so sehr auf den Jugendlichen isoliert gucken.“

„Der Jugendliche wird Chef der Familie“

Hätten die Eltern beispielsweise selbst psychische oder körperliche Probleme, könnte das eine Eskalation fördern – es kommt zu einer Umkehr der Hierarchie. „Die oder der Jugendliche oder das Kind wird Chef der Familie“, erläutert Rotthaus. Das Kind sei damit total überfordert. „Gleichzeitig ist die Rolle hochattraktiv, und man gibt sie nicht so leicht auf.“

„Meine Mutter war machtlos gegen mich“

Tobias (Name geändert) war auch so ein Familienchef. Der 14-Jährige sitzt in seinem Zimmer in einem Haus für betreutes Wohnen von Jugendlichen in Brandenburg. Die Einrichtung ist karg: ein blaues Bett und ein roter Spind. Auf dem Schreibtisch steht ein Bild: Tobias mit seiner Mutter und der kleinen Schwester. „Wir haben gestritten, ich bin ausgerastet, hatte keinen Bock mehr, auf sie zu hören. Ich habe ihr gesagt, dass sie mir nichts mehr zu sagen hat“, erzählt der Berliner. Zugeschlagen habe er aber nie. Nur gedroht. „Meine Mutter war machtlos gegen mich.“

Dieser 14jährige Junge lebt in einem Heim für auffällig gewordene Kinder und Jugendliche in Brandenburg.  (Quelle: dpa/Patrick Pleul)Dieser 14jährige Junge lebt in einem Heim für auffällig gewordene Kinder und Jugendliche in Brandenburg. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Therapie für die Schläger

Seit Anfang des Jahres wohnt er hier mit anderen Jugendlichen. Ihre Geschichten klingen oft ähnlich: falsche Freunde, Drogen, keine Lust auf irgendwas, Ärger mit der Polizei. Bei dem 13-jährigen Marcel (Name geändert) hatte die alleinerziehende Mutter einen neuen Freund, mit dem der Junge aneinander geriet. „Wir haben uns auch geschlagen.“

Gefahr durch alte Muster

In der Anlage in dem kleinen Brandenburger Dorf legen die Betreuer einen strengen Tagesablauf fest, fast wie bei der Bundeswehr. Dürfen die Jugendlichen am Wochenende oder in den Ferien nach Hause, fallen sie dann aber oft in alte Muster zurück: Zu falschen Freunden, Drogen und Ärger mit der Polizei.

In der Wohngruppe dagegen müssen die Jungs regelmäßig in die Schule. Ihr Ziel ist der Hauptschulabschluss. In der Freizeit gehen sie angeln, arbeiten im Garten oder gehen auch mal ins Kino. Sie wollen zum Beispiel Berufssoldat, Landschaftsgärtner oder Mechaniker werden.

Was daheim schief ging, können die Teenager gar nicht genau sagen. Zu wenig Regeln? „Also, ich habe schon viel Unsinn gemacht, für den ich keine Bestrafung bekommen habe“, sagt Tobias. Aber ganz ohne Konsequenzen sei es nicht gewesen, sonst säße er ja nicht hier. Er erzählt, sein Verhalten gegenüber seiner Mama tue ihm leid. Persönlich habe er ihr das aber noch nie gesagt.

Kein Ausbruch aus dem Frust

Die Kinder und Jugendlichen seien mit der Situation oft genauso unzufrieden wie die Eltern, erläutert Psychologe Rotthaus. „Ich hatte beispielsweise ein Mädchen, das mir immer wieder erzählte, wie sehr sie darunter litt und dass sie das gerne ändern möchte.“ Als dann die Eltern zur Sitzung hinzukamen, habe das Mädchen Mutter und Vater aber auf die übliche Weise beschimpft und niedergemacht.

Der Ausbruch aus dieser frustrierenden Lage ist schwierig. „Die Eltern denken, dass sie wahrscheinlich die einzigen in ganz Deutschland sind, denen sowas passiert“, sagt Rotthaus. Je größer das Problem dann werde, desto mehr schotteten sich viele Eltern nach außen ab. Doch schon die Suche nach Hilfe sei ein wichtiger erster Schritt. Allerdings könne das die Lage auch nochmals zuspitzen. „Denn wenn sich die Eltern durchringen, zu Beratungsstellen zu gehen und die sagen, ‚Sie müssen mal Grenzen setzen‘ und die Eltern das versuchen, dann geht es erst richtig los.“

Anonyme Hilfsangebote

Trotzdem sei der Weg nach außen wichtig. Bei Problemen mit Gewalt spiele Geheimhaltung oft eine Rolle, sagt Rotthaus. „Die Aufhebung der Verschwiegenheit und Heimlichkeit ist etwas ungeheuerlich Wirksames.“

Straffällig gewordene Minderjährige (Quelle: dpa/Patrick Pleul)Straffällig gewordene Minderjährige (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Erste Hilfe bei Familienproblemen leistet auch Thorsten K. von einem Computer aus. Der 50-Jährige möchte seinen richtigen Namen ebenfalls unter Verschluss halten, da seine Gespräche streng vertraulich sind. Er arbeitet bei der deutschlandweiten Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, kurz BKE. Im Postfach oder per Chat erreichen den Sozialpädagogen pro Woche in der Regel ein oder zwei neue Beratungsfälle. Manche Eltern möchten nicht mehr alleine zu Hause bleiben, weil sie Angst vor den Schlägen des Kindes haben.

Kein Trotzkopfalter sondern völlige Ausweglosigkeit

Der Pädagoge hilft zumindest während der ersten Schritte. Auch Jugendliche wenden sich an ihn. „In vielen Fällen ist das keine zielgerichtete Gewalt, sondern eine Verzweiflungstat“, sagt der Berater. Die Jugendlichen und Kinder handelten aus völliger Ausweglosigkeit. Dass damit eine Grenze überschritten werde, sei seiner Meinung auch den verrohtesten Jugendlichen klar. Diese Gewalt sei ernster zu nehmen als das Zuschlagen von Kindern im Trotzkopfalter. „Das ist den Eltern aber bewusst.“

Sucht spielt oft eine Rolle

Schreiben Mütter oder Väter der Online-Beratung, sollen sie innerhalb von 48 Stunden eine Antwort bekommen. In vielen Fällen mangelt es, wie Thorsten K. berichtet, an einem: an klaren Regeln. Bei Jugendlichen spiele oft auch Sucht eine Rolle. Nicht nur nach Drogen, sondern beispielsweise auch nach Videospielen. „Wenn die Eltern dann den Stecker ziehen, kann es zu Reaktionen wie bei einem Drogensüchtigen kommen.“

Raus aus der Verschwiegenheit

Die Eltern Martina und Emir hatten den Stecker gezogen. Sie sind den wichtigen Schritt raus aus der Verschwiegenheit gegangen. Je mehr die Mutter über ihren Sohn spricht, desto sicherer wirkt sie, auch in ihrer Entscheidung, offen über das Vorgefallene zu reden. Sie möchte Nedim erstmal nicht wieder unter ihrem Dach haben, sagt sie. „Den Hass in den Augen, den will ich nicht mehr sehen.“ Sie blickt nur immer wieder auf das Telefon. Und kann die SMS nicht löschen.

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Bereitschaft zu Extremhandlungen: Was Bungee-Sprünge im Gehirn auslösen


Bungee-Jumping ist der ultimative Kick, die Entscheidung zum Sprung eine außerordentliche Leistung. Was sich dabei im Gehirn abspielt, wollen Forscher wissen und schicken deshalb zwei Jugendliche 30 Mal in den freien Fall.

Zwei Bungee-Jumper haben sich im Namen der Hirnforschung insgesamt 30 Mal von der 192 Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck gestürzt. Bei dem Experiment gelang es Wissenschaftlern um Surjo Soekadar vom Universitätsklinikum Tübingen erstmals, das sogenannte Bereitschaftspotenzial im menschlichen Gehirn außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen, wie es in einer Mitteilung der Universität heißt. Die Studie soll im Frühjahr in einem Fachmagazin veröffentlicht werden.

Kurz bevor der Mensch eine bewusste Handlung ausführt, kommt es den Forschern zufolge im Gehirn zu einer elektrischen Spannungsverschiebung – diese wird als Bereitschaftspotenzial bezeichnet. Es entsteht, noch bevor sich der Handelnde bewusst ist, dass er eine Bewegung ausführen wird. Bisher war nicht bekannt, ob das Bereitschaftspotenzial auch der Bewegung bei einer möglicherweise lebensbedrohlichen Entscheidung zugrunde liegt, wie beispielsweise bei einem Sprung einen 192 Meter tiefen Abhang hinab.

Messungen erstmals außerhalb von Laboren

Die Forscher hatten deshalb den beiden Springern kabellose Messgeräte auf den Kopf gesetzt, die Daten der Hirnaktivität vor und während des Sprungs übertrugen. Bisher galten Messungen des Bereitschaftspotenzials nur im Labor als möglich, da die Spannungsverschiebung im Bereich von wenigen Millionstel-Volt liegt, wie es in der Mitteilung heißt.

Die Ergebnisse des Experiments seien vor allem für die Weiterentwicklung sogenannter Gehirn-Maschine-Schnittstellen wichtig, sagte Soekadar. Durch solche Systeme können Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten Maschinen mit ihren Hirnsignalen steuern. „Das aktuelle Ergebnis hilft uns dabei, die Zuverlässigkeit dieser Schnittstellen im Alltag wesentlich zu verbessern“, schreiben die Forscher.



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Gelötete Außerirdische aus Elektroschrott

Ludwigsburger ProjektGelötete Außerirdische aus Elektroschrott

Unter der Anleitung von Florian Greth lernt Tuhami Hamad löten. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg – Hoch konzentriert hält die zwölf Jahre alte Sara Medina einen Lötkolben in der Hand. Ihre 13-jährige Freundin Fiona Zerrer assistiert und hilft beim Zusammenlöten zweier kleiner Teile. „Das brauchen wir später, damit sich unsere Puppe nach oben und unten bewegt“, erklären die Tüftlerinnen. Sie sind in dieser Woche Teilnehmerinnen des Ludwigsburger Tinkertank, was übersetzt für Denkfabrik steht, bei der Firma Vector in Weilimdorf. 17 Kinder von Mitarbeitern sowie sieben Flüchtlingskinder wurden von der Firma eingeladen, an fünf Tagen aus Elektroschrott nützliche, lustige, aber auch skurrile und vor allem ungewöhnliche Dinge unter Anleitung herzustellen.

Als Basis für die Basteleien dienen alte Teile aus dem täglichen Leben. So liegen Computertastaturen, Heizlüfter, Radios, Telefone, aber auch ausgemustertes elektronisches Spielzeug auf einem Materialberg in der Tiefgarage. Außerirdische sind das Ziel: „Die Kinder haben sich etwas herausgesucht und dann in Kleingruppen überlegt, was sie jeweils daraus zum Thema Aliens basteln können“, erklärt die Projektleiterin Jasmin Srouji von Tinkertank. Und so kreierten Sara und Fiona eine Puppe, die aus einer Dose springt und wieder hinabgleitet – alles selbst gebastelt und unter Anleitung eines von sieben Mentoren entsprechend am Laptop programmiert.

Die 13 Jahre alte Nele Rössler, Alina Bräuer und Linus Baumann (beide 14) hingegen entwarfen einen Außerirdischen mit einem grünen Umhang und zwei Hörnchen am Kopf. Ein Sensor im Inneren des Gebildes zeigt an, wann es seinem Empfinden nach zu laut wird. Ist dem so, dreht sich der Kopf des Alien, und das Gesicht schaut böse; ist die Lautstärke hingegen okay, lacht das Männchen. „Ich finde es toll, wie viele Materialien es hier gibt, und dass man so kreativ sein kann“, findet Linus. Er war für die Programmierung zuständig, die beiden Mädels eher für das Aussehen des knallgrünen Männchens.

Der 17 Jahre alte Syrer begeistert sich für Technik

Ein gelbes Taxi mit blinkenden Lämpchen und Ludwigsburger Nummernschild ist das Ergebnis der Arbeit von Mohamadwalid Zakkar. Der 17-Jährige ist vor sechs Monaten alleine aus dem syrischen Damaskus nach Deutschland gekommen und interessiert sich brennend für Technik. „Wenn ich mit der Schule fertig bin, möchte ich eine Ausbildung im Elektrobereich machen“, sagt er.

Das Interesse für Technik und Zusammenhänge zu wecken, ist das Ziel der in Ludwigsburg beheimateten und 2013 gegründeten Firma Tinkertank. „Wir leben in einer solch glatten Welt, und dabei wissen die wenigsten von uns, wie es hinter all den Geräten eigentlich aussieht“, sagt Jasmin Srouji. Nahezu alle ihrer Mitarbeiter sind Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie und ihrer Ansicht nach optimal geeignet, um Kinder an die Themen heranzuführen. Vor allem die Tatsache, dass sich „so coole Leute“ mit ihnen beschäftigten und ihre Entwürfe am Ende auch noch lobten, sei ein tolles Erlebnis für die Kinder, ist Jasmin Srouji überzeugt.

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