Kategorie -Jugendliche

Mitschüler angezeigt: 15-Jährige stellt sich gegen rechte Hetze


In ihrer Dresdner Schulklasse greifen rechte Umtriebe um sich. Doch Emilia will sich damit nicht abfinden. Als ihr Einspruch verhallt, erstattet sie Anzeige. Für ihren Mut wird sie nun ausgezeichnet.

Der neue „Trend“ begann ganz langsam. In der Schulklasse der 15-jährigen Emilia S. aus Dresden galt es plötzlich als cool, wenn der Handyakku zu 88 Prozent geladen war – Neonazi-Code für die Buchstaben „HH“, kurz für „Heil Hitler“. Musste jemand niesen, wurde „Heilung“ gerufen. Wer am meisten provozierte, konnte unter den Teenagern punkten. „Ganz schnell war man 'lustig', wenn man seinen Mitschülern den 'Hitlergruß' zeigte oder 'Heil Hitler' sagte“, erzählt Emilia. „Es wurde noch schlimmer. 'Jude' war plötzlich eine Beleidigung.“

Aus pubertärem Gehabe wurden Holocaust-Witze und möglicherweise Straftaten – Emilia wehrte sich und zeigte schließlich einen Mitschüler wegen Volksverhetzung an. Für ihren Einsatz ist die Schülerin nun in Berlin mit dem Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ausgezeichnet wordne.

Anfangs habe sie nichts getan, weil sie Angst hatte, allein dazustehen, hatte die 15-Jährige vor der Ehrung erzählt. Irgendwann tauchten im Handychat der Klasse antisemitische Bilder als Scherze auf. „Das Schrecklichste war ein Foto einer Rauchwolke mit der Bildunterschrift 'jüdisches Familienfoto' – da wehrte ich mich und schrieb, sie sollen mit dem Nazigetue aufhören“, erzählt sie. Ihre Klassenkameraden lachten sie aus, Anfeindungen folgten. „Die Quelle der Bilder reagierte mit Nachrichten wie 'ich möge doch nach Polen auswandern' und habe 'wohl zu viel tote Juden eingeatmet'“, sagt Emilia.

Sie zeigte den Mitschüler wegen Volksverhetzung an. Mit ihrer aufrechten Haltung habe die 15-Jährige in besonderem Maße Zivilcourage gezeigt, begründet der Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“ die Würdigung der Schülerin. Der Verein, seinerzeit treibende Kraft hinter der Errichtung des Holocaust-Mahnmals in Berlin, vergab den Preis gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde zum Berlin zum achten Mal.  Zu den früheren Preisträgern gehören eine Pegida-Gegnerin aus Freital, das Twitter-Projekt „Straßengezwitscher“ gegen Fremdenfeindlichkeit aus Dresden sowie Bürgerinitiativen aus Berlin und Niedersachsen.

Mit der Auszeichnung erhält Emilia ein Preisgeld von 2000 Euro. 500 Euro davon wollte die Schülerin noch am selben Abend einem jüdischen 14-Jährigen aus Berlin spenden. Sein Fall hatte im Frühjahr für Aufsehen gesorgt: Weil er Jude ist, war der Jugendliche an seiner Schule in Berlin-Friedenau von Klassenkameraden gemobbt, bedroht und angegriffen worden.

Der Fall der Familie Michalski war Ende Oktober in einer ARTE-Reportage über Antisemitismus beleuchtet worden. Die Familie des 14-Jährigen hat angekündigt, das Preisgeld wiederum zu spenden: Es soll an eine neue Beratungsstelle für Betroffene antisemitischer Gewalt gehen. Sie wird vom „Kompetenzzentrum Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ unterhalten. Familien in ähnlichen Situationen sollen dort Hilfe finden.



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Der Tierfriedhof bietet Reihengräber, anonyme Gräber und Feuerbestattung an

Der Tierfriedhof bietet Reihengräber, anonyme Gräber und Feuerbestattung an

Auf dem gepflegten Grab ist eine Schiefertafel aufgestellt. Sie zeigt einen Hund mit langem, dichtem Fell und kugelrunden Augen. Vielleicht hat er einst in einer Familie gelebt und ist dort der beste Freund der Kinder gewesen. Vielleicht war er aber auch der treue Partner eines betagten, alleinstehenden Menschen, der ihn liebte. Wo und wie der abgebildete Hund gelebt hat, bleibt dem Betrachter des Grabes unbekannt. Gewiss ist nur, dass der Vierbeiner seine Ruhe gefunden hat. Die Wiese, auf der sich das mit einem weiß-grünen Blumenkranz verzierte Grab befindet, ist ein Teil des Tierfriedhofs Bönnschenhof im rheinländischen Königswinter.

Sie wurden belächelt

Es ist eine außergewöhnliche Idee, einen Friedhof ausschließlich für Tiere zu errichten. Das bestätigt auch Betreiberin Ricarda Jankowski. „Zunächst wurden wir eher belächelt: Einen Friedhof für Tiere? – ihr seid doch verrückt!, sagte man uns.“ Doch das Image von Haustieren hat sich gewaltig verändert, denn die Zeiten der Kettenhunde, die Häuser bewachen, und Katzen, die bloß für die Jagd von Mäusen angeschafft werden, sind in der Regel Vergangenheit. Heutzutage wird das Tier oft als ein Familienmitglied angesehen, das nicht unbedingt vermenschlicht, aber immerhin menschenähnlich behandelt wird. Somit gehört es für viele Besitzer dazu, ihrem jahrelang treuen Haustier einen würdevollen Abschied zu bereiten. „Unser Tierfriedhof ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet. So können die Angehörigen jederzeit, wenn ihnen danach ist, ihr verstorbenes Tier besuchen kommen“, erklärt Jankowski.

Das Erzählen gehört dazu

Neben der Empathie, Tierliebe und dem Verständnis ist auch die Freundlichkeit eine Eigenschaft, die für die Arbeit als Tierbestatter wichtig ist. Diese Charakterzüge besitzt Jankowski, deren Augen durch die Gläser ihrer Brille lächeln. Bei dieser Lebensfreude vergisst sie niemals den Ernst, den das Thema Tod – egal, ob der eines Menschen oder eines Tieres – begleitet. „Natürlich ist eine Bestattung immer ein trauriger Anlass. Andererseits empfinde ich es als schön, den Menschen im Trauerfall zu helfen und sie zu unterstützen. Dazu gehört, dass die Menschen uns von ihren Tieren erzählen – von lustigen, skurrilen oder auch traurigen Erlebnissen“, sagt die gelernte grafische Zeichnerin. Manche Bestattungen sind dennoch ganz besonders bewegend. „Vor kurzem haben wir einen erst wenige Monate alten Welpen beigesetzt.“ Er war aus einer schlechten Haltung gerettet worden, hatte es letztendlich aber nicht geschafft. „Wenn man bedenkt, dass die schönen Seiten des Lebens noch vor ihm lagen, ist das umso trauriger.“ Die Hündin von Ricarda Jankowski tollt freudig über die großzügige Wiese. Sanft streift der Wind durch ihr langes, seidiges Fell, das in der Sonne glänzt. Ob sie später auch auf dem Hof ihres Frauchens ihre letzte Ruhe finden wird?

Ihre Schwester ist Friedhofsgärtnerin

Bisher gibt es noch keinen anerkannten Lehrberuf für diese Tätigkeit. „Der Bundesverband der Tierbestatter, zu dessen Mitgliedern auch der Bönnschenhof gehört, setzt sich allerdings stark dafür ein, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird“, berichtet Jankowski. Sie habe sich den Beruf langsam angeeignet, die Idee dazu kam vor etwa zwanzig Jahren eher zufällig auf. „Als der Hund meiner Freundin verstarb, fragte sie mich, ob sie ihren Boxer nicht bei uns beerdigen könne.“ Die Gelegenheit bot sich, denn das Land des Hofguts, auf dem Ricarda Jankowski aufgewachsen ist, war nach der Einstellung des einstigen landwirtschaftlichen Betriebs ungenutzt. „Meine Schwester ist zudem Friedhofsgärtnerin – von daher ist uns das Thema nie wirklich fremd gewesen. Leben kann man von der Arbeit als Tierbestatter aber nicht.“

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Welche Smartphone-Apps bei Jugendlichen angesagt sind

Facebook, Whatsapp, Giza oder doch Musical.ly? – Welche App ist gerade angesagt bei den jungen Nutzern? Oder wissen Sie, wofür Ihr Kind sein Smartphone nutzt? Wir geben einen kleinen Einblick.

Wir Erwachsenen verpassen ja meist die neuesten Internet- und App-Trends. Gleichzeitig fühlen wir uns „up-to-date“, nur weil wir ein eigenes Facebook-Profil besitzen. Mit dem eigenen Nachwuchs sind wir in diesem Sozialen Netzwerk befreundet und meinen teilweise tatsächlich, so genau zu wissen, was das Kind im Internet treibt. Dabei ist Facebook bei den jungen Nutzern eigentlich schon „out“.

Online rund um die Uhr: Für viele Jugendliche normal

Das sagt zumindest Robert Campe aus Hamburg, 16 Jahre alt. Der Teenager hat vor kurzem ein Buch über seine Sicht auf die digitalen Medien und vor allem das Smartphone veröffentlicht. In „What’s App, Mama?“ erklärt er uns, wie er und Gleichaltrige diese nutzen.

Dabei wird deutlich: Sie nutzen sie vor allem viel. Einige von uns können das vermutlich auch am eigenen Nachwuchs beobachten. Onlinesein ist für die junge Generation wichtig – vor allem per Smartphone. Robert Campe zum Beispiel wirft gleich nach dem Aufstehen ein Blick aufs Handy. Hat er irgendetwas verpasst? Hat er eine neue Nachricht? Schließlich wird eine schnelle Antwort von den Teenager-Freunden offenbar erwartet: „Wenn mein Freund Paul morgens nach dem Aufstehen per Smartphone nachfragt, ob Mathe wirklich ausfällt, dann ist es klar, dass ich ihm noch vor dem Frühstück antworte“.

Die beliebtesten Apps bei Jugendlichen

Ein Leben ohne Smartphone? Das kann Robert sich nicht vorstellen – und die meisten anderen Teenager sicher auch nicht. In praktisch allen Familien mit Zwölf- bis 19-Jährigen sind Mobiltelefone (fast immer Smartphones) vorhanden. Das geht aus einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zu „Jugend, Information, (Multi-)Media“ (JIM) von 2016 hervor. Die Jugendlichen nutzen demnach von allen Medien das Handy (mit 92 Prozent) am meisten in ihrer Freizeit.

Aber wofür eigentlich? Ein kleiner Überblick über Apps und Co:

Whatsapp

Viele Teenager kommunizieren Tag und Nacht mit ihren Freunden – unter anderem via Whatsapp. (Nicht nur) Unter Jugendlichen ist das laut Robert Campe das absolute „Must-have“, wenn es um Smartphone-Apps geht. Laut JIM-Studie verschicken oder empfangen 94 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen regelmäßig Mitteilungen über diesen oder einen anderen Nachrichtendienst (beispielsweise Threema oder Wire). Wie schon erwähnt, wird eine schnelle Antwort erwartet. Und die gibt es auch – vor allem in Gruppenchats, in denen garantiert immer irgendwer online ist. „Die App zu checken und darüber ganz nebenbei mit Freunden zu schreiben, gehört einfach zu meinem Leben dazu, darüber denke ich schon gar nicht mehr nach“, schreibt Robert Campe in seinem Buch. Wenn’s für ein Treffen mal wieder zeitlich nicht reicht, wird stattdessen via Whatsapp gechattet.

Snapchat

Snapchat ist für viele Jugendliche mittlerweile das Soziale Netzwerk Nummer 1. Über die App können Nachrichten, Bilder und Videos verschickt werden. Das Besondere dabei: Der Versender bestimmt, wie lange diese auf dem Handy des Empfängers sichtbar sind – zwischen einer und zehn Sekunden. Fotos und Videos können dabei nicht aus dem Handyspeicher hochgeladen werden, sondern müssen direkt in der App „frisch“ geschossen werden – alles ist also brandaktuell. Fotos und Co können mit verschiedenen Effekten und Filtern aufgepeppt werden. Außerdem können sogenannte Storys (Fotos oder Videos) online gestellt werden, die für alle Snapchat-User sichtbar sind. Jugendliche folgen neben ihren Freunden gerne Youtubern und anderen Stars auf Snapchat – sie können sich hier ansehen, was die den ganzen Tag über so treiben.

Twitter / Giza

Viele Jugendliche halten sich mit Twitter up-to-date. Hier bekommen sie häppchenweise alles Wissenswerte (und darüber hinaus) präsentiert. Jeder Tweet, so heißen die Mitteilungen hier, hat nur maximal 140 Zeichen. Robert Campe zum Beispiel nutzt den Dienst, um Prominente, Interessen und Trends zu verfolgen. Er nutzt den Twitter-Client Giza anstatt der Twitter-App – dieser habe ein schöneres Design und eine bessere Aufteilung des Screens.

Youtube

Was für Videos sich Teenager auf Youtube neben Musikvideos gerne anschauen? Robert Campe kennt die Antwort. Er empfiehlt zum Beispiel „freekickerz“, wo sich alles um Fußball dreht. „Gronkh“ ist für alle Gaming-Fans etwas. Hinter dem Channel steckt ein Informatiker, der Videos postet, wie er Computerspiele spielt und kommentiert. „BibisBeautyPalace“ ist hingegen der beliebteste Channel aus der Kategorie Lifestyle. Dort gibt es regelmäßig Videos, die sich um Mode und Beauty drehen. Lifehacks gibt es bei „Emrah“ – er zeigt zum Beispiel, wie man ganz einfach und schnell eine Kartoffel pellt oder aus einem Pullover eine Laptoptasche bastelt. Bei „MrWissen2go“ beschäftigt sich ein Journalist mit aktuellen Themen – unterhaltsam und lehrreich laut Teenager Robert. Bei „TheSimpleClub“ geben zwei YouTuber Nachhilfe – in Mathe, Biologie, Physik und Co.

Und wenn Sie sich jetzt fragen, was ein Lifehack überhaupt ist: Das sind übrigens die wichtigsten Arten von Videos bei Youtube:

  • Lifehack: gibt Tipps für den Alltag. Damit lernt man zum Beispiel, wie man Ingwer am besten schält oder Milchschaum ganz einfach in der Mikrowelle herstellt.
  • Tutorial: eine Anleitung. Jemand erklärt zum Beispiel, wie man sich „Smokey Eyes“ schminkt, Reifen wechselt etc.
  • Vlog: eine Kombination aus Blog und Video. Jemand gibt per Video einen Einblick in sein Leben.
  • Follow Me Around: fast das gleiche wie ein Vlog. Ein YouTuber nimmt den Zuschauer mit und zeigt ihm, was er so treibt.
  • Review: ein Produkttest
  • Unboxing: Bei dieser Art von Video zeigen YouTuber, wie sie ein Paket mit einem neuen Produkt auspacken.
  • Haul: YouTuber zeigen, was sie gerade in einem bestimmte Geschäft eingekauft haben – gibt es vor allem im Mode- und Beautybereich.
  • Challenge: Hier geht es um eine Herausforderung: Entweder „batteln“ sich mehrere Menschen direkt in dem Video oder jemand stellt sich alleine einer Herausforderung wie zum Beispiel der Ice-Bucket-Challenge vor einigen  Jahren.
  • Prank: ein Streich. Jemand wird in diesem Video also reingelegt.
  • Let’s Play: Jemand spielt ein Computerspiel und gibt seine Kommentare dazu ab.
  • Listen: Top-Listen zu allen möglichen Themen: „die fünf besten Lidschatten“, „die zehn besten Videospiele des Jahres“, „die 15 besten deutschen Blogs“ oder ähnliche

Instagram

Auf Instagram werden Fotos (und Videos) gepostet. Eigene Bilder kann man mit Hilfe der App ganz einfach bearbeiten – mit dem passenden Filter sieht sogar das selbstgekochte Mittagessen ganz passabel aus. Was posten Freunde, was Promis? Jugendliche schauen sich oft mehrmals am Tag die neuen Posts an.

"BibisBeautyPalace" ist nicht nur bei Youtube, sondern auch bei Instagram vertreten (Quelle: Screenshot/t-online.de)Bei Instagram präsentieren die Nutzer ihre Fotos – auch „BibisBeautyPalace“ ist dort vertreten (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Phhhoto

Funktioniert so ähnlich wie Instagram – mit dem Unterschied, dass der Nutzer keine Fotos und Videos, sondern GIFs (animierte Bilder) hochlädt.

Flipagram

Flipagram hilft dabei, aus Fotos und Clips ein kleines Video zu erstellen. Das kann man dann als Geburtstagsgruß oder Erinnerung an einen schönen Tag an Freunde verschicken oder bei Instagram veröffentlichen.

Games fürs Smartphone

Mit den kleinen Spielen für Zwischendurch verkürzen sich (nicht nur) Teenager oft die Wartezeit. Zu den kurzweiligen Games gehören zum Beispiel „ColorWitch“, „FlappyBird“ oder der Klassiker „Candy Crush“.

Spotify und Soundcloud

Klar, Musik ist für viele Jugendliche wichtig. Musikstreaming-Diensten kommt deshalb eine große Rolle zu.

Netflix, Amazon Prime & Co

Laut Robert Campe wissen Jugendliche genau, wo und wie sie legal an Streams von Serien und Filmen kommen. Von vielen Anbietern gibt es mittlerweile auch Apps fürs Smartphone. Mit dem großen Vorteil gegenüber dem Fernsehen: Man kann schauen, was und wann man will. Da aber nicht alles bei legalen Anbietern zu sehen ist, greifen manche Teenager manchmal zu illegalen Angeboten.

Ask.fm

Mit dieser App können sich die Nutzer gegenseitig Fragen stellen – zum Teil fragen sich die Jugendlichen hier sehr private Dinge wie „Bist du noch Jungfrau?“. Sie können ihre Fragen auch anonym stellen. Für lustige Antworten werden „Likes“ verteilt.

Musical.ly

Eigene kleine Musikvideos drehen – das geht mit dieser App ganz einfach. Jugendliche bewegen ihre Lippen zu Popsongs und tanzen dazu. Die maximal 15 Sekunden langen Videos können geteilt und geliked werden. Ein Zwillingspaar, Lisa und Lena, ist mit seinen Videos sogar berühmt geworden. Auch Comedy- oder Artistik-Videos werden mit Hilfe der App gedreht.

Bei Musica.ly bewegen Jugendliche ihre Lippen zu aktuellen Popsongs (Quelle: Screenshot/t-online.de)Bei Musica.ly bewegen Jugendliche ihre Lippen zu aktuellen Popsongs (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Facebook

Facebook ist laut Robert Campe für viele Teenager nicht mehr besonders interessant. Er nennt die Elemente, die ihm persönlich nicht (mehr) gefallen: „langweilige Urlaubsfotos, politische Diskussionen, die in Kommentarspalten ausgetragen werden, zugegebenermaßen niedliche, aber doch sinnlose Tiervideos und eben der ganze Rest“. Mit letzterem meint er zum Beispiel die personalisierte Werbung. Er fragt „Wie haltet ihr Erwachsenen das nur aus?“ Dennoch ist der Teenager bei Facebook einmal am Tag kurz online – um zu kontrollieren, ob jemand etwas auf seine Timeline gepostet oder ihn zu einem Event eingeladen hat.

Das ist natürlich nur ein kleiner Einblick in die Apps, die Jugendliche gerne nutzen. Wahrscheinlich hat sich das alles schon wieder geändert. Wir Erwachsenen verpassen ja meist die neuesten App-Trends.

Buch: Robert Campe: „What’s App, Mama? Warum wir Teenies den ganzen Tag online sind – und warum das okay ist!“ Erschienen bei Eden Books. Preis: 14,95 Euro.

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Der Tag: Jugendlicher Voyeur bricht durch Plexiglasdach


Ein Jugendlicher ist in Hessen durch ein Plexiglasdach gebrochen, von dem er in ein Wohnhaus gucken wollte.

  • Der 17-Jährige aus Taunusstein war auf ein Schuppendach in Bad Vilbel geklettert.
  • Der Jugendliche wurde bemerkt, als er durch das Dach brach und sich leicht verletzte. Er wurde von einem Nachbarn festgehalten, bis die Polizei kam.
  • Zunächst gingen die Beamten davon aus, einen Einbrecher gefasst zu haben. Im Laufe der Ermittlungen stellte sich aber heraus, „dass der junge Mann geistig verwirrt und offensichtlich eher der Hang zum Voyeurismus sein Motiv für die missglückte Kletteraktion war“, teilte die Polizei mit. Der Jugendliche war bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.



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Kruzifix, Davidstern und Halbmond: Kroatiens größter Friedhof

Kruzifix, Davidstern und Halbmond: Kroatiens größter Friedhof

Die Steine sind groß oder klein, schwarz oder weiß, manche sind schlicht und unscheinbar, andere auffällig dekoriert. Der Ort erinnert stellenweise an einen Skulpturenpark. Berühmte Bildhauer wie Antun Augustinčić und Ivan Meštrović haben hier gearbeitet. Es gibt eine Pietá und Engelsfiguren und zahlreiche gemeißelte Porträts, aber auch einen wie vom Blitz gespaltenen Stein, einen stilisierten Globus, einen Basketball oder das Modell eines Kampfflugzeugs. Vor allem aber ist der Friedhof Mirogoj ein Park. Man läuft durch schattige Alleen, über Rasenflächen, an Baumgruppen und Büschen vorbei. Teils von Straßen, teils von einem Wald begrenzt, ist dieser Ort der Ruhe und des Friedens, kroatisch Mirogoj, gut sieben Hektar, nahezu 14 Fußballfelder, groß. Damit ist er der größte Friedhof Kroatiens. Doch ist dies nicht nur ein Ort des Gedenkens an die Verstorbenen, viele Besucher nutzen ihn für einen Spaziergang und überraschende Entdeckungen.

Was der Tod möglich macht

Nicht jeder kann jede Inschrift lesen: Die Steine tragen neben lateinischen Schriftzeichen auch arabische, hebräische und kyrillische. Selbstverständlich sind die meisten Inschriften in kroatischer Sprache, aber auch Bosnisch, Serbisch und Russisch, Ungarisch, Französisch, Italienisch und Deutsch kommen vor. Die Steine zeigen etwa ein Kruzifix, auch in orthodoxer Form, einen Davidstern oder Halbmond. Und manche zeigen unterschiedliche Sprachen und Symbole auf einem Stein vereint. Ein Beispiel: Die Inschrift beginnt hebräisch, der zuerst genannte Name spricht dann deutlich für sich: Ljudevit Deutsch. Der Schriftzug setzt sich in kroatischer Sprache fort; es folgt der Name Miroslav Dajč gesprochen: Deitsch, danach Tereza Deutsch, geborene Herrmann. Auf einem Stein von gerade einmal 1,5 mal 1,5 Metern zeigt sich, wie Religion und Kultur, Sprache und Herkunft Hand in Hand gehen können. Warum eigentlich ist im Leben nicht möglich, was der Tod möglich macht, könnte man sich an diesem Ort fragen.

5000 Bestattungen im Jahr

Jadranko Jagarinec sieht hier „eine friedliche Harmonie und Koexistenz aller Konfessionen und Klassen, weil der Tod nicht fragt“. Der 41-jährige Administrator ist zuständig für alles, was auf dem Friedhof organisiert werden muss. Er wohnt in der Nähe, schon sein Großvater arbeitete hier als Schmied. Nach dem Abschluss einer Fachschule für Elektronik hat er Geodäsie und Informatik studiert und während dieser Zeit seinen Unterhalt als Musiker verdient. Seit elf Jahren ist dies sein Arbeitsplatz, den er wirklich liebt, wie er betont. Seit der Gründung des Mirogoj-Friedhofs 1876 auf einem Grundstück des Sprach- und Kulturforschers Ljudevit Gaj wurden etwa 360 000 Verstorbene beigesetzt, berichtet Jagarinec. Am Tag werden heute durchschnittlich vier bis fünf Beerdigungen und etwa 15 Urnenbestattungen verzeichnet, etwa 5000 im Jahr. Der Friedhof wird kontinuierlich erweitert.

Fliegende Händler, konkurrierende Supermärkte und Diebe

Um den 1. November ist der Andrang so groß, dass die Polizei schon eine Woche zuvor die Zufahrten weiträumig absperren muss, weil Angehörige die Gräber ihrer Verstorbenen schmücken. Am 1. und 2. November sind die Straßen rund um den Friedhof auf etwa ein Kilometer Länge mit parkenden Autos blockiert. „Wir machen zu der Zeit auch unseren größten Umsatz“, sagt eine Blumenverkäuferin an einem der Eingänge. Die 48-Jährige hat eine Ausbildung zur Botanikerin absolviert und arbeitet in einer der Holzhütten, in denen ganzjährig Blumenschmuck und Kerzen verkauft werden. An den Festtagen, Ostern und Weihnachten, kommen fliegende Händler mit schnell auf- und abbaubaren Buden hinzu. „Seit ich vor fünf Jahren hier angefangen habe, kommen aber insgesamt immer weniger Leute“, berichtet die Verkäuferin, „der Umsatz wird immer schlechter!“ Ein Grund dafür sei, „dass Discounter zunehmend günstiger anbieten können. Aber es wird auch immer wieder gestohlen, Laternen und Blumenschmuck. Und das wird dann auf dem Schwarzmarkt verkauft.“ Dieses Problem kennt Jadranko Jagarinec: „Der Friedhof ist schwer zu bewachen, weil er einfach zu groß ist. Es ist auch schon vorgekommen, dass Büsten und kleinere Statuen gestohlen wurden.“ Deshalb überlege man, Kameras mit Infrarotsensoren zu installieren.

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Erstickungsunfälle in den USA: Kinderärzte warnen vor Gefahr durch Fidget Spinner

Kinderärzte haben vor einer Verletzungsgefahr durch sogenannte Fidget Spinner gewarnt. „Die Kleinteile der Fidget Spinner, in manchen Fällen auch Batterien, können versehentlich verschluckt werden“, erklärte Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. I

Kinderärzte haben vor einer Verletzungsgefahr durch sogenannte Fidget Spinner gewarnt. „Die Kleinteile der Fidget Spinner, in manchen Fällen auch Batterien, können versehentlich verschluckt werden“, erklärte Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. In den USA habe es Erstickungsunfälle mit den Handkreiseln bei Kindern bis zu 14 Jahren gegeben. Deshalb sollten Kinder die Geräte nicht in den Mund nehmen oder in der Nähe des Gesichts damit spielen, erklärte Kahl. „Fidget Spinner müssen zudem aus der Reichweite von Kindern unter drei Jahren aufbewahrt werden.“

Wird ein Kleinteil verschluckt oder gar eine Batterie, handle es sich um einen Notfall. Die beliebten Handkreisel waren vor allem in den Sommermonaten bei Kindern sehr begehrt, inzwischen flaute die Welle in Deutschland aber wieder ab. Wissenschaftlich Belege für den von den Vertreibern angepriesenen Nutzen von Fidget Spinnern – wie Steigerung der Konzentration und Lösung von Spannungen – gibt es nach Angaben des Ärzteverbands derzeit nicht. In einigen Schulen seien die Geräte sogar verboten, weil sie vom Unterricht ablenkten.



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Zeitzeugin Eva Szepesi liest vor Schülern aus ihrem Buch über Verfolgung

Zeitzeugin Eva Szepesi liest vor Schülern aus ihrem Buch über Verfolgung

Eva Szepesi hatte eine glückliche Kindheit – bis zu ihrem zehnten Lebensjahr. Die in Budapest aufgewachsene Jüdin war vom 2. November 1944 bis zum 27. Januar 1945 Gefangene im Konzentrationslager von Auschwitz. Mehr als 50 Jahre hat sie über das Erlebte geschwiegen. Seitdem möchte sie über die schrecklichen Ereignisse erzählen, „denn so etwas darf nie wieder passieren“. Die 85-Jährige hält im Rahmen der Reihe „Zeitzeugen berichten“ einen Vortrag im Bayernkolleg Schweinfurt. Sie liest aus ihrem Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ und beantwortet Fragen des betroffenen Publikums.

Das letzte Mal, dass sie ihre Mutter sah

Ab dem 5. April 1944 war die Familie dazu verpflichtet, den Judenstern zu tragen. Eva ging nicht mehr zur Schule, verließ nur noch selten das Haus. Der Vater musste zum Arbeitsdienst nach Weißrussland, man hörte nie wieder etwas von ihm. Den eigenen Laden der Familie musste die Mutter schließen. Ich bemerkte, dass Mutter und Tante nun öfters am Tisch saßen und miteinander tuschelten.“ Wenige Tage später erklärte ihr die Mutter, dass Eva Szepesi mit ihrer Tante eine „kleine Reise“ machen solle. Ein kleiner Koffer und eine Fahrkarte lagen bereits auf dem Bett des Mädchens. Die Mutter versprach, mit Evas Bruder nachzureisen. Das war das letzte Mal, dass Eva Szepesi ihre Mutter sah.

Sie und ihre Tante flohen nachts durch einen Wald, im Morgengrauen erreichten sie die ungarisch-slowakische Grenze und kamen bei mehreren Familien unter. „Sie sagten mir, dass ich irgendwie mit ihnen verwandt sei.“ Eva Szepesi wird liebevoll behandelt, jedoch ist ihr Aufenthalt immer von kurzer Dauer. „Ich fragte mich immer wieder, wann meine Mutter endlich nachkommen würde.“ Eines Nachts hämmerte es an die Tür. NS-Männer stürmten in das Haus und zwangen das Mädchen dazu, mit ihnen zu gehen. Ihre liebgewonnene Puppe musste sie zurücklassen. Sie erreichten einen Bus voller ängstlicher Insassen. Nach mehreren Umstiegen wurde sie in Sered in einen Waggon voller Menschen gezerrt. „Damals wusste ich noch nicht, dass der Zug mich nach Auschwitz fahren würde.“

Gestank, Gebrüll, Geschrei

Auf dicht gedrängtem Raum fuhren die Insassen stundenlang ins Ungewisse. „Die Luft war unerträglich knapp, und mit der Zeit verbreitete sich ein schrecklicher Gestank im Waggon. Einige mussten sich übergeben.“ Sie erreichten an einem späten Nachmittag Auschwitz, als die Türen des Waggons aufgerissen wurden. „Von Scheinwerfern geblendet, stolperten wir aus dem Waggon, als man uns mit Gebrüll und Geschrei empfing.“ Um sie herum standen deutsche SS-Männer, die teilweise Hunde und Lederpeitschen bei sich hatten. Die Männer brachten die Gefangenen in ein Gebäude, in dem sie persönliche Gegenstände abgeben und sich entkleiden mussten. „Ich trug die Fahrt über eine blaue Kostümjacke, die meine Mutter gestrickt hatte. Sie gab mir ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.“ Das Mädchen verlor in diesem Moment das letzte Andenken an ihre Mutter. Es soll noch schlimmer kommen: Eine Aufseherin mit einer Schere in den Händen ging auf Eva Szepesi zu und schnitt ihr das Haar ab. „Sie schmiss meine geliebten Zöpfe auf einen Haufen voller Haare. Ich wurde vollkommen kahl geschoren.“

Mädchen unter 15 Jahren wurden sofort vergast

Nach einer Dusche im Duschraum bekam sie ein gestreiftes Hemd und Holzpantinen zugeteilt. Sie wurde fotografiert und zu einer Waage gebracht. Als sie um sich sah, erschrak das Mädchen. „Ich war schockiert. Um mich herum lagen völlig abgemagerte und in Lumpen gehüllte Gestalten.“ Viele von ihnen zu schwach, um die Neuankömmlinge zu erkennen.

Am nächsten Morgen wurden Eva Szepesi und die anderen Gefangenen in die Baracken getrieben. Sie mussten sich in einer langen Reihe anstellen, um sie herum standen überall Tische. Noch bevor Eva an der Reihe war, beugte sich eine Aufseherin zu ihr und befahl ihr auf Slowakisch: „Du bist 16. Versuche ja nicht, dich jünger zu stellen.“ Als sie an der Reihe ist, gab Szepesi das falsche Alter an, daraufhin wurde sie mit der Nummer A26877 am linken Unterarm tätowiert. „Ich wusste nicht, was diese Frau von mir wollte. Sie sah mich anders an als die anderen Aufseherinnen, deshalb habe ich getan, was sie gesagt hat.“ Heute weiß Szepesi, dass die Frau ihr damals das Leben gerettet hat. Denn das Mädchen ist zu diesem Zeitpunkt erst zwölf Jahre alt, und Mädchen unter 15 wurden sofort vergast. „Nicht alle Aufseherinnen waren schlecht. Aber viele von ihnen hatten bereits Jahre dort gearbeitet. Das waren keine Menschen mehr, das waren Tiere“, ergänzt die Zeitzeugin.

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13-Jährige erpressen Jugendlichen wegen Spielzeugauto

Stuttgart-Hedelfingen13-Jährige erpressen Jugendlichen wegen Spielzeugauto

Der Streit zwischen den Kindern eskalierte (Symbolbild). Foto: dpa

Stuttgart-Hedelfingen – Ein Streit zwischen zwei Kindern und einem Jugendlichen hat die Polizei auf den Plan gerufen: Offenbar ist von zwei 13 Jahre alten Kindern eine räuberische Erpressung begangen worden.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen machten die beiden 13-jährigen Jungen einen 14 Jahre alten Jugendlichen für den Defekt an einem fernsteuerbaren Spielzeugauto verantwortlich. Dies war für sie scheinbar Grund genug, den Jugendlichen in den vergangenen zwei Wochen mit Geldforderungen in Höhe von 80 Euro für den Schaden zu konfrontieren. Diesen Forderungen verliehen sie Nachdruck, indem sie offenbar mehrfach auf ihr Opfer einschlugen.

Zuvor hatten sie derartige Taten bereits über das Handy angedroht, falls der 14-Jährige nicht bezahlt. Die 13-jährigen strafunmündigen Jungen wurden ihren Eltern übergeben, eindringliche, ermahnende Gespräche sind geführt worden. Auch die Staatsanwaltschaft wird über den Vorgang in Kenntnis gesetzt.

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Antrag von SPD-Nachwuchs: Steuerzahler soll für „gute Pornos“ zahlen


Die Berliner Jungsozialisten überraschen mit Klientelpolitik der ganz besonderen Art: Weil „Mainstream-Pornos“ ein falsches Bild von Sexualität vermitteln, soll der Steuerzahler die Produktion von „feministischen Pornos“ finanziell fördern.

Wenn sich am kommenden Wochenende die Berliner SPD auf ihrem Landesparteitag versammelt, könnte einigen Genossen und Genossinnen die Schamesröte ins Gesicht steigen. Denn neben Anträgen zu Lieblingsthemen wie „Flucht, Asyl und Migration“, „Kostenfreies Schulessen“ oder „Mehr Transparenz und Fairness bei Stellenbesetzungen“ überrascht der SPD-Nachwuchs mit einem Antrag der pikanteren Art: Die Jungpolitiker fordern nichts Geringeres als staatlich geförderte Pornos. Mit einer Einschränkung: Es müssen „feministische Pornos“ sein.

Die Berliner Jungsozialisten stören sich an den „Mainstream-Pornos“, die an Leistungssport erinnerten, bei dem scheinbar immer alles auf Anhieb funktioniere, es kein Ausprobieren, Scheitern und Neu-Ausprobieren gebe. „Diese Pornos zeigen in der Regel sexistische und rassistische Stereotype, in denen Konsens kein Thema sei und die bestimmten „optimalen“ Körpertyp zum Standard erheben“, heißt es in dem Antrag.

Das wollen die Jusos ändern. Um der Jugend ein realistisches Bild von Sexualität zu vermitteln, „muss auch feministischer Porno gebührenfrei, dauerhaft und niedrigschwellig verfügbar sein. Daher fordern wir eine Filmförderung nach schwedischem Vorbild.“

Schweden verfügt bereits seit mehreren Jahren über eine frei zugängliche feministische Pornosammlung. Die „Dirty Diaries“ wurden 2009 vom staatlichen Schwedischen Filminstitut mit 50.000 Euro gefördert. Sie zeigen Menschen und Sexualität in all ihrer Vielfalt – fernab vom standardisierten Mainstream-Porno. An dieses Modell angelehnt, fordern die Berliner Jusos quasi als Ergänzung der außerschulischen Bildungsarbeit „Dirty Diaries“ auch für Deutschland. Die „guten Pornos“ sollen demnach kostenfrei in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF abgerufen werden können.

Und damit es keine Missverständnisse gibt, zählen die Jungpolitiker sechs Aspekte auf, die ein feministischer Porno mindestens erfüllen muss:

  • Regisseur*innen und Produzent*innen, die die Vielfalt der Gesellschaft abbilden
  • Gute und gerechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung
  • Die Darstellung von Vielfalt an Körperformen, Geschlechtern, ethnischer Herkunft, Sexualität und Sexualpraktiken
  • Die realistische Darstellung von Lust aller Beteiligter
  • Verhütung (wenn nicht, dann nur im (dokumentierten) Konsens)
  • Die explizite Darstellung von Konsens und Kommunikation



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Begegnungen in der jüdischen Gemeinde von Zagreb

Begegnungen in der jüdischen Gemeinde von Zagreb

Lea Kriesbacher ist nicht groß und doch kaum zu übersehen, denn sie trägt ein geradezu umwerfendes Lächeln im Gesicht. Immer nur ernsthaft zu sein führe zu Depression und Gewalt, sagt sie. „Natürlich sollte man Grundschülern nicht jeden Witz erzählen, aber man sollte bereits jungen Menschen mit Humor begegnen. Humor ist lebenswichtig.“ Lea Kriesbacher muss es wissen. Nicht so sehr, weil sie Witze aus dem Deutschen und Ungarischen ins Kroatische übersetzt. Die 90 Jahre alte Frau jüdischer Abstammung ist nur knapp in Budapest einem Transport ins Vernichtungslager Auschwitz und den Erschießungen am Ufer der Donau entwischt, wie sie lachend erzählt.

Ihre Schulfreundin Ruth Dajč, 91 Jahre alt, hat den Holocaust ebenfalls überlebt. Als Ruth Perl geboren, hieß sie nach der Hochzeit lange Deutsch, bis sie den Namen kroatisieren ließ. Ihr Vater wurde im Konzentrationslager Jasenovac, etwa 90 Kilometer südöstlich von Zagreb, ermordet. Ruth Dajč überlebte, weil sie sich in einer Kirche versteckte, von Nonnen gefunden und vom katholischen Bischof Alojzije Stepinac getauft wurde, um sie in einem Kloster vor weiterer Verfolgung zu schützen. Außer ihr hat nur die Mutter aus der Familie überlebt. „Mein Bruder war bei den Partisanen, deshalb kam meine Mutter ins Gefängnis und war noch dort, als die Deportationen durchgeführt wurden“, erklärt die weißhaarige Frau mit festem Blick. Von 1950 bis 1954 lebte sie in Israel, diente in der Armee, kehrte aber auch wegen ihrer erkrankten Mutter nach Kroatien zurück.

Vor dem unscheinbaren Haus steht ein Polizist

Für ihr Recht kämpfte sie lange vergeblich: „Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Atmosphäre für uns Juden in Jugoslawien auch nicht sehr angenehm.“ 1947 wurde die Fabrik ihres Vaters enteignet und später völlig zerstört. Erst 2012 hat sie das Gelände zurückerhalten. Dabei geht es ihr weniger um materielle Werte. „Man muss bescheiden leben“, sagt sie. „Ich habe als Kind zum Geburtstag Schuhe bekommen, die drei Nummern zu groß waren, damit ich sie lange tragen konnte.“ Dajč trägt einen Davidstern an ihrer Halskette, vor allem ein Ausdruck kultureller Zugehörigkeit, denn sie sieht sich als Atheistin. Das jüdische Gemeindezentrum in Zagreb befindet sich in einem unscheinbaren älteren Reihenhaus im Zentrum. Würde nicht eine dunkelbraune Kabine mit abgedunkelten Fensterscheiben vor der schweren Eingangstür und davor ein Polizist stehen, man würde einfach so vorbeilaufen. Über vier Stockwerke sind hier die Synagoge, Seminar- und Ausstellungsräume, aber auch ein großer, mit bequemen Möbeln ausgestatteter Begegnungsraum untergebracht.

Mit Lea Kriesbacher und Ruth Dajč treffen sich hier montags zwischen 10 und 12 Uhr 20 bis 30 ältere Frauen. „Es ist gleichzeitig ein Freundeskreis und Familienersatz“, sagt die 75-jährige Bojana Hodalić, „wir treffen uns hier, plaudern, und vielleicht einmal pro Monat besuchen wir eine Ausstellung oder machen einen Ausflug.“ In Vinkovci, im Osten Kroatiens hat Hodalić 30 Jahre als Ökonomin gelebt und gearbeitet. Nach dem Tod ihres Mannes, eines katholischen Kroaten, ist sie nach Zagreb gezogen. Ihre eigene Familie war im 19. Jahrhundert aus Deutschland nach Kroatien zugewandert. „Mit meiner Mutter wurde in der Familie Deutsch gesprochen“, erzählt sie. So wie Lea Kriesbacher und Ruth Dajč ist sie spontan bereit, das Gespräch in deutscher Sprache zu führen.

Als schicksalhafte Identität präsent

Bojana Hodalić wurde am 15. April 1941 in Zagreb geboren. „Im Mai 1941 wurden wir nach Belgrad ausgewiesen“, berichtet sie. „Das war für uns ein großes Glück, denn mehr als 50 unserer Familienmitglieder sind im Holocaust ums Leben gekommen. Nur meine Eltern und eine Großmutter haben überlebt.“ 1947 siedelt die Familie nach Osijek in Ostkroatien um. Über den Holocaust wurde in der Familie nicht gesprochen. „Aus Selbstschutz war das Thema tabu“, sagt Hodalić. „Aber jüdisches Leben spielte in der jugoslawischen Gesellschaft Titos auch keine Rolle.“ Ihrer Tochter, heute 52 Jahre alt, habe sie auch deshalb keine jüdische Tradition vermittelt. „Wir wollten sie nicht mit der Familiengeschichte belasten.“ Und doch war der jüdische Kontext in der Familie immer präsent, „aber nicht aus religiösen Gründen, sondern als schicksalhafte Identität“.

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