Kategorie -Jugendliche

Mord an der Alster: Der Täter bleibt ein Phantom


Aus dem Hinterhalt sticht ein Unbekannter einen Jugendlichen nieder, der in Hamburg mit einer Freundin an der Alster sitzt. Der Mord im Oktober 2016 erschüttert viele. Die Polizei lässt nichts unversucht, kann den Täter aber nicht fassen.

Nur wenige Bluttaten haben die Hamburger so bewegt wie die tödlichen Messerstiche auf einen 16-Jährigen an der Alster vor einem Jahr. Monatelang verwandelte sich der Tatort unter der Kennedybrücke in eine Gedenkstätte mit Blumen und Grablichtern. Die Polizei hat seit der Tat am Abend des 16. Oktober 2016 nichts unversucht gelassen, den Mörder zu finden. Doch bislang ist alles vergeblich geblieben. „Es gibt derzeit keine neuen Ermittlungsansätze“, sagt ein Polizeisprecher.

Das veröffentlichte Phantombild der Polizei Hamburg zeigt einen möglichen Tatverdächtigen.

Am ersten Wochenende der Herbstferien war der 16 Jahre alte Gymnasiast mit einer 15 Jahre alten Freundin unterwegs gewesen. Beide setzen sich an dem Sonntagabend ans Ufer mit Blick auf die Lichter an der Außenalster. Wie die Polizei später mitteilt, tritt der Täter gegen 22.00 Uhr von hinten an die beiden heran und sticht unvermittelt mehrere Male auf den Jugendlichen ein. Dessen Freundin stößt er in die Alster. Dann flüchtet er. Der Junge erleidet lebensgefährliche Verletzungen und stirbt wenig später im Krankenhaus, das Mädchen kann sich selbst aus dem Wasser retten.

Ermittlungen laufen ins Leere

Die Polizei leitet sofort umfangreiche Ermittlungen ein. Beamte suchen die Grünflächen am Tatort mit Metalldetektoren ab, Taucher forschen im Wasser nach der Tatwaffe. Die Ermittler bitten die Öffentlichkeit um Mithilfe, erst mit einer Personenbeschreibung, dann auch mit einem Phantombild. Plakate werden im Umkreis des Tatorts und auch in Flüchtlingsunterkünften aufgehängt. Den Täter beschreibt die Polizei so: „südländische Erscheinung – 23 bis 25 Jahre alt – 180 bis 190 cm groß – kurze, dunkle Haare – Dreitagebart – brauner Pullover, blaue Jeans“.

Die Tat selbst wird von der Polizei Ende Oktober nachgestellt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Am 30. Oktober meldet das Sprachrohr der Terrororganisation Islamischer Staat Amak, ein „Soldat“ des IS habe den Messerangriff auf zwei Menschen in Hamburg verübt. Eine Woche später korrigiert sich Amak per Twitter, es sei ein „Kreuzzügler“ getötet worden. Die Ermittler und auch Innensenator Andy Grote (SPD) zeigen sich skeptisch.

Eine Expertenrunde von Innenbehörde, Mordkommission, Staatsschutz und Verfassungsschutz berät. „Wir schließen nichts aus“, hieß es. Nach einer Prüfung durch die Bundesanwaltschaft führt die Hamburger Mordkommission die Ermittlungen weiter, „mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen“, wie Grote sagt. Wenige Tage später erklärt die Polizei, ein Zusammenhang zwischen der Tat und dem IS sei wenig wahrscheinlich.

Verbindungen zu anderen Verbrechen

Doch die Ermittlungen kommen nicht voran. Die Polizei schreibt über die Ärztekammer rund 11.000 Hamburger Mediziner an, weil sie vermutet, dass sich der Messerstecher bei der Tat an der Hand verletzt hat. Sie wertet Tausende Handydaten vom Abend des 16. Oktober aus, wie durch einen Redakteur der „Lübecker Nachrichten“ publik wird, der zufällig ins Visier der Fahnder gerät. Immer wieder gehen Taucher ins Wasser, mindestens vier Mal, doch die Tatwaffe bleibt verschwunden. Eine Hinweisbox mit Block und Stift wird unter der Kennedybrücke aufgestellt, eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt.

Es werden Verbindungen zu anderen schweren Verbrechen untersucht: zu Anis Amri, der den Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt lenkt, zu einem psychisch gestörten Messerstecher, der im Januar im Stadtteil Bramfeld einen 19-Jährigen hinterrücks mit dem Messer angreift, und schließlich zu dem 26-jährigen Islamisten, der Ende Juli in Barmbek einen 52-Jährigen im Supermarkt ersticht und sieben weitere Menschen verletzt. Doch einen Zusammenhang zu einem dieser Verbrechen können die Ermittler bis heute nicht erkennen. Sie gehen auch weiterhin nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, wie der Polizeisprecher bekräftigt. Der Täter von der Alster bleibt damit ein Phantom.



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16-Jährige lässt Neugeborenes erfrieren

Saarland16-Jährige lässt Neugeborenes erfrieren

Im Saarland hat ein Mädchen sein Baby erfrieren lassen. Foto: dapd

Namborn – Eine 16-jährige Jugendliche aus dem saarländischen Namborn hat ihr neugeborenes Baby im Garten abgelegt und erfrieren lassen. Es gebe Hinweise auf einen Tod durch Erfrieren, teilte die Saarbrücker Polizei am Dienstag mit. Die Obduktion der Leiche hat ergeben, dass das Kind zum Zeitpunkt der Aussetzung noch gelebt hat.

Polizisten und Rettungskräfte hatten am Montagnachmittag eine Suchaktion nach dem neugeborenen Kind gestartet, nachdem bei der 16-Jährigen in einem Krankenhaus in St. Wendel eine Entbindung festgestellt worden war. Sie war am Montagmittag wegen starker Unterleibsschmerzen in die Klinik eingeliefert worden. Ein Arzt stellte fest, dass sie wenige Stunden zuvor ein Kind geboren hatte. Da sie nicht sagen wollte, wo das Baby war, informierte der Klinikarzt die Polizei.

Das tote Kind lag unter einer Hecke im Garten des Elternhauses der 16-Jährigen. Das Deutsche Rote Kreuz hatte vorsorglich einen Rettungshubschrauber bereit gehalten, um das Neugeborene sofort in die Klinik bringen zu können. Aber der Notarzt konnte nach Reanimationsversuchen nur noch den Tod feststellen. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf. Die Jugendliche war zunächst nicht vernehmungsfähig.

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Welle der Hilfsbereitschaft nach Bombenanschlag bei Twitter

Nach dem Bombenanschlag in Manchester läuft eine Welle der Hilfsbereitschaft durch die sozialen Netze. Viele Menschen vor Ort boten spontan Hilfe an. Unter dem Hashtag #roomformanchester twitterten sie Hilfsangebote für Konzertbesucher. Auch nach Vermissten wird noch gesucht.

Vor allem Kinder und Jugendliche hatten das Konzert von US-Star Ariana Grande besucht, auf das ein Bombenanschlag verübt wurde, bei dem laut Polizei Manchester mindestens 22 Menschen ums Leben kamen und 59 verletzt wurden. Laut der Polizei handelte es sich um einen Selbstmordanschlag, der Täter sei unter den Toten.

Die Bahngesellschaft Northern Railway stellte der Zugverkehr zum Victoria-Bahnhof in Manchester, der unter der Arena liegt, vorübergehend ein. Das führte zu einem Verkehrschaos rund um die Halle.

Der „Guardian“ berichtet. dass viele Menschen nicht gewusst hätten, wie sie nach Hause kommen sollten. Taxifahrer hätten spontan kostenlose Mitfahrten angeboten. Auch Angebote für Schlafplätze, Essen und Trinken waren auf Twitter zu finden.

Ein Hotel in der Nähe der Arena soll nach Berichten über 60 Kinder aufgenommen haben, die in dem Chaos von ihren Eltern getrennt wurden:

Auch nach Vermissten wird unter dem Hashtag #roomformanchester gesucht: 

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Nach Explosion in der Hose: 15-Jähriger liegt im Koma

Vier Freunde spazieren durch die Innenstadt von Sarstedt. Plötzlich ertönt ein lauter Knall. Einer der Jugendlichen liegt am Boden. Beamte finden Teile eines selbst gemischten Sprengmittels. Die Polizei betont aber, „dass es keine Hinweise auf Anschlagspläne gibt“.

Bei der Explosion eines selbst hergestellten Sprengstoffs wird ein Jugendlicher im niedersächsischen Sarstedt schwer verletzt. Der 15-Jährige war am Mittwochabend gemeinsam mit drei Freunden unterwegs, als es zur Detonation kam. Augenzeugen und Freunde berichteten von einem lauten Knall.

Das Chemikaliengemisch detonierte nach Angaben der Polizei in der Hosentasche des Jugendlichen. Er erlitt dabei schwerste Handverletzungen, liegt auf der Intensivstation eines Hildesheimer Krankenhauses und ist nicht vernehmungsfähig. Der „Bild“-Zeitung zufolge befindet er sich im Koma.

Am Unglücksort fanden die eingesetzten Polizeibeamten Teile eines selbst gebauten Sprengmittels. Ersten Ermittlungen zufolge, reagierten in der Hosentasche des Jugendlichen verschiedene Chemikalien miteinander. Die Polizei betonte aber, „dass es keine Hinweise auf Anschlagspläne oder ähnliche Absichten gibt“. Die Ermittlungen deuteten auf einen „bedauerlichen Unglücksfall“ hin.

Die Chemikalien hatten die Teenager bereits am vorherigen Wochenende aus der Albert-Schweizer-Förderschule in Sarstedt aus dem Chemieraum gestohlen. Zusammengefügt ergaben diese eine Mischung, die unter Druck explodiert.

Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an. Details zu den Chemikalien nennt die Polizei bewusst nicht. Gegen den verletzten Jugendlichen und seine Freunde im Alter von 13 und 14 Jahren wird nun wegen des Einbruchs in die Schule sowie wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.



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Angebot, das man ablehnen kann: Fremder Joint zwingt Jugendliche in die Knie


Die Offerte verlockend – die Folgen verheerend: Zwei Jugendliche konnten in Berlin der Chance, an einem Joint zu ziehen, nicht widerstehen. Das Angebot zweier Männer endete für die Heranwachsenden mit einem Einsatz der Rettungskräfte.

Im Berliner Stadtteil Friedrichshain sind zwei junge Männer nach einem von Unbekannten angebotenen Joint auf offener Straße zusammengebrochen. Die beiden 18-Jährigen hätten jeweils nur einen Zug von dem Rauschgift genommen, teilte die Polizei mit. Sekunden darauf brachen sie bewusstlos zusammen. Begleiter der beiden alarmierten Rettungskräfte, die einen der Jugendlichen beatmen mussten.

Laut Polizei boten zwei Männer den Heranwachsenden am S-Bahnhof Warschauer Straße den Joint zum Mitrauchen an. Nach dem Vorfall hätten zwei Begleiter der bewusstlos gewordenen Männer in der Nähe des S-Bahnhofs einen der beiden wiedererkannt.

Die Polizei nahm den 25-Jährigen fest und beschlagnahmte „rauschgiftsuspekte Substanzen“. Gegen den Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln ermittelt. Welche Substanzen die Zigarette enthielt, konnte die Polizei zunächst nicht sagen.

Die Brücke mit dem S- und U-Bahnhof Warschauer Straße verbindet zwei vor allem von Touristen frequentierte Party-Kieze in Friedrichshain und Kreuzberg. Das betroffene Areal passieren täglich Zehntausende.



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Türkische Jugendliche bei Deutschen unbeliebt

StudieTürkische Jugendliche bei Deutschen unbeliebt

 Foto: dpa

Berlin – Für seine Äußerungen in der Zuwanderungsdebatte erntet CSU-Chef Seehofer heftige Kritik. Die Linke wirft ihm geistige Brandstiftung vor und fordert seinen Rücktritt. Eine Studie ergab: Viele deutsche Jugendliche wollen keine türkischen Altersgenossen als Nachbarn.

Wegen seiner umstrittenen Äußerungen in der Zuwanderungsdebatte schlägt CSU-Chef Horst Seehofer eine Welle der Empörung entgegen. Die Linke sprach von geistiger Brandstiftung und forderte ihn zum Rücktritt auf. Ebenso wie die Grünen warf auch der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) Seehofer Populismus vor. Die SPD bemängelte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich nicht genug von Seehofer distanziert.

Für Wirbel in der Debatte sorgt eine Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Der Studie zufolge wünschen sich nur 9,2 Prozent der deutschen Jugendlichen einen türkischen Nachbarn, mehr als 38 Prozent sind dagegen. Jedoch sagten 40,9 Prozent der Türken, sie fänden deutsche Nachbarn sehr angenehm. Das Institut befragte etwa 25.000 im Schnitt 15 Jahre alte Jugendliche, welchen ausländischen Nachbarn sie am liebsten hätten. Unter den Befragten waren 1600 türkischstämmige Jungen und Mädchen.

Der türkische Europaminister Egeman Bagis rief seine Landsleute und alle Deutschen türkischer Herkunft zu einer besseren Integration auf. „Lernt Deutsch! Passt euch den Sitten und Gebräuchen eures Gastlandes an“, sagte er.

Berlins Regierender Bürgermeister und SPD-Vize Klaus Wowereit forderte, Merkel solle dafür sorgen, dass die Zuwanderung von Arbeitskräften nach einem Punktesystem geregelt wird. Ein solches System favorisiert auch die FDP. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies auf den Fachkräftemangel, den es schon jetzt gebe.

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Mehr Ausbildungsverträge: Handwerk begeistert Jugendliche wieder


Ob Friseur oder Fliesenleger – in diesen Berufen sieht man das Werk seiner Hände meist sofort. Viele Jahre hatten es die Betriebe trotzdem schwer, Azubis zu gewinnen. Jetzt verzeichnet der Verband des Handwerks eine Trendwende.

Handwerksberufe sind bei jungen Menschen wieder gefragt. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) haben im laufenden Jahr fast 4000 Jugendliche mehr als im Vorjahr eine Ausbildung im Handwerk begonnen. Bis Ende September seien 135.038 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden, was einer Steigerung von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche.

Viele Betriebe hätten allerdings weiterhin Probleme, Nachwuchs zu finden. Bundesweit sind laut ZDH noch 18.963 Lehrstellen unbesetzt – vor allem im Elektro-, Sanitär- und Heizungs- sowie Friseurgewerbe. Besonders schwierig sei es für Handwerksbetriebe in den ostdeutschen Bundesländern, neue Azubis zu gewinnen, heißt es.

Nach Ansicht von Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer verfestigt sich mit dem satten Plus bei neuen Ausbildungsverträgen ein Trend, der schon in den beiden Vorjahren erkennbar gewesen sei. Es gebe wieder mehr Jugendliche, die eine berufliche Ausbildung und die Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk als attraktiven Karriereweg wählten, sagte er. Der Trend steigender Ausbildungszahlen habe sich stabilisiert und verstärkt. Es zahle sich aus, dass in den vergangenen Jahren auf die Möglichkeiten und Chancen in den mehr als 130 Ausbildungsberufen im Handwerk aufmerksam gemacht worden sei.

ZDH fordert von neuer Regierung einen „Handwerks-Pakt“

Der Großteil des Zuwachses an neuen Verträgen entfiel den Angaben zufolge auf die alten Länder. Dort gab es 3444 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge – ein Plus von 3,0 Prozent. In den neuen Ländern habe der Zuwachs 2,3 Prozent betragen. „Das spornt uns an, und ist angesichts sinkender Schülerzahlen und eines starken gesellschaftlichen Trends hin zum Abitur ein Erfolg, auf dem wir uns allerdings nicht ausruhen können“, sagte der ZDH-Präsident.

Die Zahl der offenen Lehrstellen habe sich in Westdeutschland Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 14.413 verringert. In ostdeutschen Handwerksbetrieben seien mit 4550 offenen Lehrstellen dagegen deutlich mehr Plätze unbesetzt geblieben als zum Vorjahreszeitpunkt (plus 12,4 Prozent).

Mit Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen forderte der Handwerkspräsident, die Bemühungen politisch zu flankieren, um „mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu begeistern“. Die Attraktivität der beruflichen Bildung müsse gestärkt werden. „Dazu gehört zwingend auch, die berufliche Bildung finanziell gleichwertig neben der akademischen Bildung zu fördern“, sagte der ZDH-Präsident: „Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt, über den der Bund jährlich Milliardenbeträge in die Hochschulförderung gesteckt hat, brauchen wir endlich einen Berufsbildungspakt.“ Dieser sollte im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden.



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„Erschütternde Veränderungsrate“: Zahl fettleibiger Kinder vervielfacht sich

Essen ist viel mehr, als nur den Hunger zu stillen. Vor allem Kinder scheinen zu oft bei falschen Dingen zuzugreifen. Das Ergebnis: 247 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit, die zu viel Gewicht mit sich herumtragen müssen. Die WHO schlägt Alarm.

Die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verzehnfacht. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London zum Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober im Fachblatt „The Lancet“. Weitere 123 Millionen Kinder seien übergewichtig.

90 Prozent der Zunahme seien darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder deutlich übergewichtig sind, nur zehn Prozent auf die wachsende Bevölkerungszahl, sagte Hauptautor Majid Ezzati vom Imperial College. In Ländern mit hohem Einkommen stiegen die Zahlen zwar nicht weiter, verharrten aber auf viel zu hohem Niveau. Alarmierend sei der Anstieg in ärmeren Ländern und solchen mit mittleren Einkommen, darunter in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien.

Verschiedene Faktoren für übergewichtige Kinder

Wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums gibt es heute generell weitaus mehr Kinder als vor 40 Jahren – die Zunahme bei Übergewicht und Fettleibigkeit wird in den WHO-Daten aber auch prozentual sehr deutlich. 1975 waren demnach weniger als ein Prozent der Kinder und Jugendlichen fettleibig, heute sind es fast sechs Prozent der Mädchen und fast acht Prozent der Jungen. „Eine erschütternde Veränderungsrate“, sagte Fiona Bull von der WHO in Genf. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung – diese Faktoren hätten zu dem Trend beigetragen.

Die WHO gibt Empfehlungen, um Fettleibigkeit in der Kindheit zu beenden: Behörden in aller Welt müssten Familien besser über gesunde Ernährung aufklären, junge Mütter animieren, mindestens sechs Monate lang ausschließlich zu stillen, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen. „Zur Schule zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren muss sicher sein“, sagte Bull. Der Kampf gegen das Rauchen habe gezeigt, dass auch Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte erfolgreich seien.

Übergewicht und Gesundheitsprobleme

Wer heute mit 60 fettleibig sei, habe meist im Alter von etwa 20 Jahren zugenommen, sagte Ezzati. Künftige Generationen seien schon im Kindesalter übergewichtig gewesen. „Je länger die Menschen zu hohes Gewicht haben, desto mehr Gesundheitsprobleme haben sie“, erklärte er. Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem auch Mobbing in der Schule und Ausgrenzung im Jugendalter, sagte Bull. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht.

Übergewicht und Fettleibigkeit hängen gerade bei Kindern stark von Alter, Geschlecht und Weltregion ab. Die WHO nutzt für die Einordnung als übergewichtig oder sogar fettleibig bestimmte Abweichungsstufen von einem je nach Land ermittelten Durchschnitt. Den höchsten Anteil von Fettleibigen fanden die Forscher unter jungen Menschen in der Südsee und in wohlhabenden angelsächsischen Ländern, darunter die USA und Australien.

Übergewicht breitet sich aus

In der Gesamtbevölkerung hat sich die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit nach früheren WHO-Studien zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt. Für die Einordnung wird der sogenannte Body-Mass-Index zugrunde gelegt. Berechnet wird er so: das Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße. 25 gilt als normal, 25 bis 30 als übergewichtig, 30 und mehr als fettleibig.

Für die Studie haben die Autoren Gewicht und Größe von fast 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen zwischen fünf und 19 Jahren. Neben dem wachsenden Problem des Übergewichts seien weiter 192 Millionen 5- bis 19-Jährige untergewichtig, betonen die Forscher auch. Die Zahl gehe nur langsam zurück. Dennoch gelte: Wenn der Trend anhält, gebe es in fünf Jahren mehr fettleibige Kinder als solche mit Untergewicht.

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Bei Festnahme Polizist gebissen: Mann klagt erfolglos gegen Abschiebehaft


Ein Jugendlicher mit marokkanischen Wurzeln schlägt in Deutschland eine kriminelle Karriere ein. Als er abgeschoben werden soll, wehrt er sich – auch mit den Zähnen. Trotzdem sieht er in der anschließenden Abschiebehaft einen Rechtsverstoß. Er klagt, und verliert.

Ein ausreisepflichtiger Ausländer, der sich mit Gewalt seiner Festnahme widersetzt, kann in Abschiebehaft genommen werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. In dem Urteil heißt es zur Begründung, mit der Gewaltanwendung gebe der Ausländer „unmissverständlich zu verstehen, dass er für eine Abschiebung nicht zur Verfügung stehen will“. Damit bestätigte der BGH die Abschiebehaft eines Marokkaners.

Der Kläger war im Jahr 2000 im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie nach Deutschland eingereist. Zwischen 2005 und 2011 wurde er zu langjährigen Jugendstrafen verurteilt. 2014 wies die Ausländerbehörde den Marokkaner aus – doch seiner im Mai des vergangenen Jahres geplanten Abschiebung entzog er sich.

Im Juni 2016 geriet der Mann schließlich in eine Verkehrskontrolle und wurde festgenommen. Dabei leistete er erheblichen Widerstand. Er verletzte vier Polizisten, einen von ihnen biss er dienstunfähig. Einen Tag später ordnete das Amtsgericht Abschiebehaft an, die Abschiebung erfolgte dann im Juli 2016. Von Marokko aus machte der Mann nun geltend, die Abschiebehaft sei rechtswidrig gewesen. Der BGH wies die Klage jedoch ab.

Mündliche Weigerung nicht notwendig

Laut Aufenthaltsgesetz sei eine Sicherungshaft gerechtfertigt, wenn ein Ausländer erkläre, dass er sich der Abschiebung entziehen wolle. Hier habe sich der Marokkaner zwar mündlich nicht entsprechend geäußert. Zu Recht habe das Amtsgericht in seiner Gewaltanwendung aber „eine unmissverständliche Kundgebung des Entziehungswillens“ gesehen.

„Es macht keinen Unterschied, ob der Betroffene mit Worten erklärt, dass er sich der Abschiebung entziehen will, oder ob er durch Gewaltanwendung unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er für eine Abschiebung nicht zur Verfügung stehen will“, heißt es in dem Karlsruher Urteil.



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„Alkohol ist immer ein Thema“

Leonberg„Alkohol ist immer ein Thema“

Trinkende Jugendliche. Foto: factum/Granville

Leonberg – Die Polizei ist mit den Ergebnissen ihrer Kontrollaktion nur teilweise zufrieden. Noch immer kommen Jugendliche an vielen Stellen einfach an harten Alkohol. Der Leonberger Revierleiter Markus Geistler beschreibt die ­derzeitige Situation.
Herr Geistler, was hat die Polizei durch die wiederholten Testkäufe mit Jugendlichen Lockvögeln gelernt?
Lernen mussten in erster Linie die Ladenbesitzer und Verkäufer. Nämlich, dass das Aussehen der Kunden nicht unbedingt Rückschluss auf deren tatsächliches Alter zulässt. Und sie mussten lernen, dass es nicht so einfach ist, unter Zeitdruck aus dem Geburtsdatum das korrekte Alter zu errechnen. Und auch, dass die Polizei die Einhaltung der bestehenden Vorschriften regelmäßig kontrolliert. Wir haben festgestellt, dass sich seit der letzten Testkaufaktion die Abgabe-Quote von Alkohol an Jugendliche deutlich verringert hat.

Kommen Jugendliche im Vergleich zu früheren Jahren heute leichter oder schwerer an harte alkoholische Getränke?
Unsere Erkenntnis ist, dass es nach wie vor relativ einfach für Jugendliche ist, an hochprozentigen Alkohol zu kommen. Der Vergleich zu früher ist schwierig. Man könnte aber sagen, dass einerseits zwar die Regelungen strenger sind und dass auch immer mehr kontrolliert wird, dass andererseits aber durch die Vielzahl der Läden, die oftmals auch abends geöffnet haben, die Gelegenheiten zum Kauf zugenommen haben.

Hat sich die Haltung von Gastronomen oder Verkäufern, beispielsweise am Kiosk oder an der Tankstelle, verändert? Ist man da sensibler geworden?
Definitiv sind die Vorschriften zum Jugendschutz bekannt, die Mitarbeiter werden in vielen Betrieben auch entsprechend geschult. Oftmals spielen aber Zeitdruck oder vielleicht auch eine gewisse Gedankenlosigkeit eine Rolle, wenn die entsprechenden Gesetze nicht beachtet werden. Ganz sicher gibt es aber auch den einen oder anderen Laden, in dem die Vorschriften bewusst nicht besonders konsequent beachtet werden.

Ist Alkohol bei Jugendlichen in der Fläche noch ein Thema oder trinken nur einzelne regelmäßig zu viel?
Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist heute wie früher in der Fläche ein Thema. Nur wird er heute auch mehr zu diesem Thema gemacht. Dafür sind sicher die Exzesse verantwortlich, wie wir sie beispielsweise bei Facebook-Partys, die in Gewalt enden, oder bei Abschlussfeiern erlebt haben, nach denen wir Jugendliche in völlig hilfloser Lage aufgegriffen haben. Es gibt aber durchaus auch einzelne Jugendliche und junge Erwachsene, die immer wieder durch übermäßiges Trinken auffallen. Auch junge Mädchen werden vermehrt in volltrunkenem Zustand angetroffen. Generell zeigt sich, dass immer früher harte Alkoholika getrunken werden.

Was wird genau getrunken?
Insbesondere Wodka ist hier angesagt. Von den Mädchen werden vor allem süße Mix-Getränke konsumiert. Auch wird mehr in der Öffentlichkeit getrunken. Früher war es eher dagegen uncool, mit einer Flasche Bier in der Hand auf der Straße herumzulaufen.

Welche Altersgruppen sind besonders ­gefährdet?
15- bis 25-Jährige fallen bei uns besonders auf, allerdings in unterschiedlichen Konstellationen: Während die jüngeren eher durch die Alkoholisierung an sich auffallen, werden durch die Älteren in dieser Gruppe häufig Straftaten unter Alkoholeinwirkung begangen.

Welche Maßnahmen helfen Ihrer Erfahrung nach, damit die Jugendlichen erst gar nicht auf den Geschmack kommen?
Der Geschmack lässt sich ja bekanntlich wenig beeinflussen. Wichtig ist für uns, dass Jugendliche den verantwortungs­vollen Umgang mit Alkohol lernen. Dies geschieht zum Beispiel, in dem man ­möglichst zielgruppengerecht Gefahren aufzeigt, wie zum Beispiel mit unserer ­Aktion „stay gold“. Aber auch spürbare Konsequenzen nach Fehlverhalten unter Alkoholeinwirkung sind für uns ein ­wesentlicher Bestandteil der Prävention. Viel wichtiger ist aber eine funk­­tio­­­­n­ierende Sozialkontrolle in der Familie, unter Freunden und auch in der ­Öffentlichkeit und die Stärkung der ­Persönlichkeiten bereits vom Kindesalter an. Hier sind die Möglichkeiten der ­Polizei beschränkt und wir haben es mehr mit den negativen Auswirkungen zu tun, wenn Prävention und Aufklärung fehlgeschlagen sind.

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