Kategorie -Jugendliche

Der Tag: Jugendliche klettern auf Kindergarten: Hubschraubereinsatz

Der Tag: Jugendliche klettern auf Kindergarten: Hubschraubereinsatz

Dieser Jugendtreff auf einem Dach eines Kindergartens in Baden-Württemberg endete mit einem größeren Polizeieinsatz mit Hubschrauber. Was war genau passiert? Die fünf Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren kletterten laut Polizei auf das besagte Flachdach in Heubach im Ostalbkreis. Ein Anwohner alarmierte die Polizei. Die Beamten vermuteten daraufhin, dass es sich um Einbrecher handeln könnte, deshalb schickten sie zwei Streifenwagen und einen Hubschrauber, der gerade in der Nähe kreiste. Die Jugendlichen hätten sich an einer Fensteröffnung zu schaffen gemacht, hieß es. Die Polizei geht aber nicht von einem Einbruchsversuch aus. „Es sieht aus, als wenn sie nur Unfug gemacht hätten„, sagte der Sprecher. Die näheren Umstände müssten noch geklärt werden. Die Beamten nahmen die Personalien der Jugendlichen auf.

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Kleiderstube in Bleidenstadt


Ungefähr zwölf Tonnen Kleidung werden in einem halben Jahr bei uns abgegeben“, erzählt Heidrun Krämer, die Leiterin der Kleiderstube in Taunusstein Bleidenstadt. Die Kleiderstube gehört seit 30 Jahren zur evangelischen Kirchengemeinde, befindet sich in dem kleinen „Alten Bahnhof“ in Bleidenstadt, in der Nähe der Landeshauptstadt Wiesbaden und wird seit fünf Jahren von der 71-jährigen Heidrun Krämer mit einer Kollegin geleitet. Das System der Kleiderstube besteht darin, dass Menschen ihre alte Kleidung dort abgeben, die sie nicht mehr tragen, und diese abgegebene Kleidung dann von den Mitarbeitern der Kleiderstube gegen eine geringe Geldspende weitergegeben wird.

Dann ist Seelsorge gefordert

Die 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter, 24 Frauen und ein Mann, unterstützen sich gegenseitig und sind auch häufig froh, dort arbeiten zu können, da es meist ältere Leute sind, die so eine Aufgabe haben. Häufig kommen die Ehrenamtlichen mit den Kunden sowie mit den Spendern in Gespräche, die durchaus auch mal traurig sein können. Zum Beispiel wenn ein Spender einen geliebten Menschen verloren hat und dessen Kleidung jetzt der Kleiderstube spenden möchte, dann wird auch etwas Seelsorge und Trauerarbeit von den Ehrenamtlichen gefordert. Die Mitarbeiter leisten aber nicht nur Trauerarbeit, sondern überprüfen die gesamte gespendete Kleidung, sortieren sie danach, ob sie tragbar ist, und ordnen sie dann in ein Sommer- und ein Winterlager. Viele Menschen sehen in der Kleiderstube einen einfachen Weg, ihre alte Kleidung loszuwerden. Von den etwa zwölf Tonnen Spenden in einem halben Jahr werden ungefähr acht Tonnen aussortiert. Diese Kleidung besteht oft aus Teilen, die manchmal schon verschimmelt oder kaputt sind. All diese Kleidungsstücke werden dann an den Dachverband „FairWertung“ weitergegeben, dem die Kleiderstube angeschlossen ist. Dieser gibt die Teile entweder zum Schreddern für die Industrie frei oder gibt die Teile, die vielleicht doch noch einen Nutzen haben, nach Afrika.

Ans Männerwohnheim in Wiesbaden

Die übrigen vier Tonnen beansprucht die Kleiderstube und gibt sie selbst aus oder spendet die Sachen weiter. „Die Kleiderstube spendet auch Kleidung, Bettwäsche und Ähnliches an das Männerwohnheim in Wiesbaden, Altenheime und Obdachlosenheime“, berichtet Heidrun Krämer. Auch werden Brautkleider, die hin und wieder abgegeben werden, an eine Organisation weitergeleitet, die ehrenamtlich aus den Kleidern Kissen oder Kleidung für Sternenkinder, Kinder, die in einem sehr jungen Alter oder noch vor der Geburt verstorben sind, nähen. Diese Kleider oder Kissen werden an Krankenhäuser gespendet und auf Wunsch der Eltern für die Beerdigung der Sternenkinder verwendet. Heidrun Krämer erzählt ebenfalls, dass auch manchmal bedürftige Menschen mit der Kleidung eingekleidet werden, ohne dafür etwas zahlen zu müssen, und auch bunte Sachen, wie zum Beispiel Bettwäsche, an Hospize gespendet werden, um den Leuten dort etwas Farbe zu schenken. Aber nicht nur bedürftige Leute kommen in der Kleiderstube vorbei, sondern auch Leute, die auf Nachhaltigkeit achten. Oft sind es Eltern, die für ihre Babys Kleidung abholen, da diese Kleidung schon öfter gewaschen wurde und dadurch die Chemikalienbelastung geringer ist.

Sortiert wird außerhalb der Öffnungszeit

Jeder, der die Ausgabe der Kleiderstube in Anspruch nehmen möchte, kann dies montags, dienstags und freitags vormittags und mittwochs am Nachmittag machen. In den drei Stunden, in denen die Kleiderstube immer geöffnet hat, kommen im Durchschnitt acht bis 15 Leute vorbei, die die Ausgabe nutzen. Die Spenden werden dann außerhalb der Öffnungszeit sortiert. Der alte Bahnhof, in dem sich die Kleiderstube befindet, wurde von der Stadt Taunusstein gepachtet und muss unterhalten werden, erklärt Krämer auf die Frage, wie sich der Bahnhof denn finanziert. Mit den erwirtschafteten Spenden und der Vermietung der übrigen Räumlichkeiten sei der Erhalt des alten Bahnhofs gesichert und damit auch das Überleben der Kleiderstube.

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17-Jährige in Berlin verprügelt: Maskenstreit entpuppt sich als rassistischer Angriff

Am Samstagabend wird in Berlin eine Jugendliche zusammengeschlagen – angeblich wegen eines Maskenstreits. Wenige Tage später korrigiert sich die Polizei: Auslöser der Attacke sei ein rassistisches Motiv gewesen. Derweil äußert sich die 17-Jährige in einem emotionalen Video aus dem Krankenhaus.

Nach einem brutalen Angriff auf eine 17-Jährige am Wochenende in Berlin hat die Polizei einen Fehler in ihrer ersten Darstellung vom Sonntag eingeräumt. Dabei ging es um die Frage, ob der Streit wegen einer fehlenden Corona-Maske ausgebrochen sei oder ob es eigentlich um Rassismus ging, wie die junge Frau später in einem emotionalen Video betonte.

Die 17-Jährige erzählte in dem knapp zehn Minuten langen Video aus dem Krankenhaus zum Teil weinend von dem Angriff: „Ich wurde gestern zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin.“ Sie sei festgehalten worden, sechs Männer und Frauen hätten auf sie eingeprügelt und eingetreten, ihr gegen den Kopf geschlagen, an ihren Haaren gezogen und sie immer wieder rassistisch beschimpft. Sie habe um Hilfe geschrien und gebettelt, aber trotz vieler anwesender Menschen habe ihr niemand geholfen.

Die Polizei erklärte am heutigen Mittwoch, die am Sonntag verwendeten Informationen „stammten aus den vor Ort aufgenommenen Strafanzeigen, die, wie die weiteren Ermittlungen gezeigt haben, missverständlich formuliert waren“. Auch ntv.de hatten die ursprüngliche Darstellung der Polizei zunächst übernommen. Die Polizei hatte die erste Mitteilung noch ergänzt und von „rassistischer Beleidigung und Körperverletzung“ geschrieben und nach Zeugen gesucht.

Die Auswertung von Videos hat laut Polizei jedoch gezeigt, dass „die Jugendliche beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung trug und diese lediglich bei dem auf die rassistischen Beleidigungen folgenden Streitgespräch mit den sechs Erwachsenen kurzfristig nach unten gezogen hatte“. Die sechs verdächtigen Erwachsenen hätten überwiegend keine Masken getragen. Drei mutmaßliche Angreifer hatte die Polizei noch am Samstagabend festgenommen.

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Ahrschipper-Hilfe


5.30 Uhr. Es ist ein dunkler und kühler Samstagmorgen im Spätherbst, an dem man am besten im Bett geblieben wäre. Allmählich füllt sich der Parkplatz irgendwo im Rhein-Neckar-Kreis mit Autos. Müde Gesichter kommen zum Vorschein, doch zum Glück gibt es ja Kaffee. Noch schnell ein Teststäbchen in die Nase gesteckt, da fährt auch schon ein Bus vor. Menschen steigen ein, hier ein Sechzehnjähriger, weiter hinten eine Siebzigjährige. Eyob grüßt die Anwesenden. Er ist vor sechs Jahren aus Eritrea nach Deutschland gekommen. Insgesamt neun Nationen sind auf den 33 Quadratmetern vertreten. Auch ein Bürgermeister ist dabei. Außen am Bus hängt ein großes weißes Schild mit der Aufschrift „Ahrschipper – Together we AHR better“. Ziel der Reise: die Ahr.

Mit Vierzigtonner ins Katastrophengebiet

Mit der Morgendämmerung erwachen auch die Insassen des Busses. Der Kaffeekonsum hat seinen Höhepunkt erreicht. Es wird munter geredet und gelacht. Der dunkelblaue Reisebus mit rosa, lila und grünen Streifen legt routiniert seine Strecke zurück. Der Einzige, der ebenfalls immer in Bewegung bleibt, ist Joe, wie ihn alle nennen. Joachim Herrmann ist schon den ganzen Morgen im Bus unterwegs und gibt wichtige Anweisungen. Der gebürtige Pfälzer zog vor Jahren ins badische Plankstadt und ist seitdem für ein Transportunternehmen tätig. Am Tag nach der Flut hatte der Lastkraftwagenfahrer bei Facebook von einer Sachspende gelesen und kurzerhand beschlossen, diese mit seinem Vierzigtonner im Katastrophengebiet abzuliefern. Ergriffen von den Ereignissen wollte er danach auch aktiv helfen, gab Annoncen in der örtlichen Zeitung auf und warb um Mitstreiter. Mit großem Erfolg, denn bereits am darauffolgenden Samstag fuhr er mit seiner Kohorte nach Altenahr. An seinen ersten Einsatz erinnert sich der Sechzigjährige noch genau. „Als wir am Treffpunkt ankamen, da sah wirklich alles noch ganz normal aus. Natürlich hat man am Gras erkannt, dass es viel geregnet hat, aber mehr auch nicht. Ich habe den Einsatzleiter gefragt, wo wir hingehen sollen. Der aber meinte nur: ‚Lauft einfach mal die Straße hinunter.‘ Das taten wir, haben aber nichts Besonderes bemerkt. Da machte die Straße einen Knick nach rechts, und vor uns war nur noch Schlamm und Verwüstung. An einem Haus stand ein Mann, zwei Meter groß. Ein Mann wie ein Baum. Er trug Sachen aus dem Haus, die hätten wir zu zweit nicht rausbekommen. Unsere Hilfe wollte er erst nicht annehmen, doch kurze Zeit später haben wir angepackt. Ich habe noch nie einen Mann mit so einer Statur, einen wirklich gestandenen Mann, gesehen, der später vor lauter Dankbarkeit auf der Treppe sitzend weint. Das sind Momente, die bleiben hängen.“

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Drogenunglück in Buenos Aires: 20 Menschen sterben durch gepanschtes Kokain

In Buenos Aires lösen Behörden wegen mit hochgiftigen Substanzen gestrecktem Kokain Alarm aus. Nach Einnahme der gepanschten Droge kommen dort mindestens 20 Menschen ums Leben, 74 weitere leiden an Vergiftungen. Ein Dutzend Verdächtige werden festgenommen, darunter auch Jugendliche.

Nach dem Konsum von gepanschtem Kokain sind in Argentinien mindestens 20 Menschen gestorben. Ein Sprecher der Provinzregierung von Buenos Aires sagte am Mittwochabend, dass zudem 74 Menschen aus einem Vorort von Buenos Aires mit Vergiftungen in den Krankenhäusern liegen. Die Behörden verbreiteten über die Medien den Aufruf an die Bevölkerung, kürzlich gekauftes Kokain nicht zu konsumieren.

„Wer in den letzten 24 Stunden Drogen gekauft hat, muss sie wegwerfen“, sagte der Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires, Sergio Berni, im Fernsehsender Telefe. Er fügte hinzu, dass die Behörden „versuchen, die giftige Substanz zu lokalisieren, um sie aus dem Verkehr zu ziehen“.

In dem ärmlichen Vorort Tres de Febrero im Nordwesten der argentinischen Hauptstadt wurden Berni zufolge ein Dutzend Verdächtige festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte demnach Kokainpäckchen, die denen ähnelten, die von Angehörigen der Opfer identifiziert worden waren. Sie sollten schnell analysiert werden.

Heftige Krämpfe und plötzlicher Herzstillstand

Medienberichten zufolge hatten die Behörden am Mittwochmorgen Alarm ausgelöst, nachdem in mehreren Krankenhäusern massenhaft Vergiftungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Kokainkonsum gemeldet wurden. Die Opfer, darunter mehrere Männer in ihren Dreißigern und Vierzigern, sollen laut Berichten unter heftigen Krämpfen und einem plötzlichen Herzstillstand gelitten haben. „Es gibt einen wichtigen Bestandteil, der das zentrale Nervensystem angreift“, erklärte Berni.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass eine „hochgiftige Substanz“ als Kokain vermarktet „im Umlauf“ sei. Die Priorität sei derzeit, den Besitzern dieses Gifts zu kommunizieren, dass sie es nicht einnehmen sollten, sagte der zuständige Staatsanwalt, Marcelo Lapargo, im Radio. Die Ermittler befürchteten, dass die Zahl der Todesfälle noch steigen könnte.

Berni zufolge ist nicht das Kokain an sich für die Todesfälle verantwortlich, sondern die Mittel, die zum Strecken verwendet wurden. „Jeder Dealer, der das Kokain kauft, streckt es“, sagte der Minister. „Manche tun dies mit ungiftigen Substanzen wie Stärke. Andere tun Halluzinogene hinein und wenn es keine Kontrolle gibt, passiert so etwas“, fügte er hinzu.

Proteste gegen Festnahme von Jugendlichen

Die Mutter eines 31-jährigen Opfers, Béatriz Mercado, sagte, dass sie ihren Sohn im Morgengrauen in der Küche gefunden habe. „Es ging ihm schlecht, sehr schlecht. Er atmete kaum noch, seine Augen waren verdreht.“ Sie habe ihren Sohn ins Krankenhaus gebracht, wo er an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden sei.

Bei den Razzien in dem Vorort von Buenos Aires kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen Polizisten und Bewohnern, die gegen die Festnahme von Jugendlichen protestierten. Sie warfen Steine auf die Beamten, woraufhin die Polizei Behördenangaben zufolge mit 1500 Einsatzkräften anrückte. Die Bewohner warfen den Beamten zudem vor, im Rahmen ihrer Durchsuchungen Häuser geplündert oder zerstört zu haben.

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Jean-Marc Ayrault


Bestimmt, aber nicht autoritär, selbstbewusst, aber nicht arrogant: Während eines virtuellen Interviews lässt Jean-Marc Ay­rault in sein Arbeitszimmer und sein Leben als Politiker blicken. Eine Diva ist er nicht, obwohl er auf der Bühne der Weltpolitik zu Hause ist. Er ist mit den großen Politikern Europas vertraut. Auf deutscher Seite sind das Frank-Walter Steinmeier, Olaf Scholz, Heiko Maas, Sigmar Gabriel. Von ihnen spricht er fast kumpelhaft. Als sich der ehemalige französische Premierminister einschaltet, erkennt man im Hintergrund die Regalwand eines schwedischen Möbelherstellers. Selbst aufgebaut hat er die Regale jedoch nicht, ge­steht er ein. Sie sind voller Bücher, CDs und Akten. Gut erkennbar ein Foto von ihm und seiner Frau Brigitte vor dem Rathaus seiner Stadt Nantes, wo er lange Oberbürgermeister war. In fließendem und quasi akzentfreiem Deutsch erzählt der weißhaarige Politiker seine Laufbahn vom Deutschlehrer in Westfrankreich zum Premierminister.

Bürgermeister nahe Nantes

Als er 1968 in Nantes im Süden der Bretagne Germanistik studiert, ist die Studentenbewegung ein Auslöser für sein Engagement im Parti Socialiste (PS), der französischen Schwesterpartei der SPD. „Ich habe mir ein bisschen Zeit genommen, mir die verschiedenen Parteien anzuschauen, welcher Partei ich beitreten könnte. Dann habe ich mich für den PS entschieden, weil diese Partei damals im Aufbruch war und sich für soziale Gerechtigkeit stark macht.“

1977 wird der Deutschlehrer zum Bürgermeister von Saint-Herblain, einer Stadt nahe Nantes, und später zum Abgeordneten seines Wahlkreises und zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Damit war er der jüngste Bürgermeister Frankreichs von ei­ner Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern. Bei den Kommunalwahlen 1989 kandidiert der amtierende konservative Bürgermeister von Nantes nicht mehr. François Mitterand, damaliger Präsident Frankreichs, überzeugt den jungen PS-Politiker Ayrault davon, für das Amt anzutreten. Jean-Marc Ayrault gewinnt die Wahl und bleibt 23 Jahre lang OB der 300 000-Einwohner-Stadt an der Loire. Als 2012 der PS die Präsidentschaftswahlen gewinnt, benennt der neue Präsident François Hol­lande den Nanter Bürgermeister zum Premierminister. Bei den Kommunalwahlen 2014 sind die Ergebnisse des PS je­doch schlecht, und Jean-Marc Ayrault tritt zu­rück. François Hol­lande scheint ihn aber in seiner Regierung be­­halten zu wollen und benennt ihn später zum Außenminister. Nach den Präsidentschaftswahlen 2017, bei de­nen Emmanuel Ma­cron mit seiner neuen liberalen Partei La République en marche gewinnt und der PS viele Stimmen verliert, zieht sich Ayrault aus der Politik zurück. Er bleibt jedoch in Stiftungen aktiv, etwa in der PS-nahen Stif­tung und Think Tank Fondation Jean-Jaurès oder in der deutsch-französischen Stiftung Genshagen.

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Umfrage zu Schönheitsidealen: Teenager wenig von Beauty-Trends beeinflusst

Der Schönheitskult in den sozialen Netzwerken gilt oft als potentielle Gefahr für junge Menschen. Denn nicht selten steckt hinter der perfekten Optik einiger Influencer ein Filter oder die Arbeit eines Beauty-Docs. Doch eine neue Umfrage enthüllt nun ein überraschendes Ergebnis.

Jugendliche lassen sich einer Umfrage zufolge von gängigen Schönheitsidealen wenig beeinflussen. Mehr als drei Viertel der befragten 14- bis 20-jährigen Deutschen seien der Ansicht, Schönheit liege im Auge des Betrachters, teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin mit. Er hatte das Institut Kantar mit einer Umfrage unter 517 jungen Menschen beauftragt.

18 Prozent der Befragten sagten demnach, dass die Gesellschaft vorgebe, was als schön bezeichnet werde. Nur fünf Prozent sagten, dass es objektive Kriterien für menschliche Schönheit gebe. Fast die Hälfte der Heranwachsenden gab zudem an, vom Schönheitskult in sozialen Netzwerken wenig bis gar nicht beeinflusst zu sein. Mehr als ein Fünftel sagte sogar, er lasse sie völlig kalt.

Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: So gaben 38 Prozent der Mädchen an, sich von den in sozialen Medien präsentierten Idealen beeinflussen zu lassen, aber nur 17 Prozent der Jungen. Kantar befragte die Jugendlichen zwischen dem 16. November und dem 26. Januar.

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Über den Reaktionssport Tontaubenschießen

Über den Reaktionssport Tontaubenschießen

Tontaubenschießen ist ein Reaktionssport. Ums Zielen geht es nicht“, sagt Sergio Spangaro und öffnet einen grauen Kasten. Der 55-Jährige nimmt seine schwarze Flinte mit einem hölzernen Schaft hervor und setzt seine Sonnenbrille auf. Seit einem Jahr ist er Mitglied des Tontaubenschützenvereins WTC Ratia bei Landquart im Kanton Graubünden. Damals suchte er einen neuen Ausgleich, als er aus Zeitgründen mit seinem langjährigen Hobby Modellflugzeugfliegen aufhören musste. Schon als kleiner Junge ging Sergio regelmäßig mit den Kleinkalibern seines Vaters schießen. Auch im Militär machte ihm der Umgang mit den Gewehren viel Spaß. So kam er auf die Idee, den Sport auszuprobieren. Nach einem Schnuppertag im Verein in Landquart war ihm klar, dass dies genau das Richtige für ihn ist. Seither besucht der gebürtige Italiener jeden Samstag das Tontaubenschützentraining.

Englisch und elitär

Die Sportart entstand im 19. Jahrhundert in England. „Damals war es ein sehr elitärer Sport“, erklärt der Hobbyschütze. Ursprünglich wurde auf echte, lebendige Tauben gezielt. Auch heute gibt es in vereinzelten Ländern Wettkämpfe mit lebendigen Tauben. Doch wird von einem internationalen Wettkämpfer bekannt, dass er an einem solchen Turnier teilnahm, wird er lebenslänglich gesperrt: Er darf weder Wettkämpfe bestreiten noch im Verein schießen. In der Schweiz sind die Tontauben nicht mehr aus Ton. Die flachen, meist orangenen Teller mit einem Durchmesser von elf Zentimetern bestehen aus Materialien, die in der Natur schadstofffrei verwittern. „Was den ökologischen Aspekt angeht, kann man mit gutem Gewissen Tontauben schießen“, sagt er stolz und krempelt die Ärmel seines blauen Poloshirts hoch. Auch die Munition besteht nur aus Stahl und darf kein Blei beinhalten.

Nach dem ersten Versuch wird rotiert

Vor Beginn des Durchganges nimmt Spangaro als einer von sechs Schützen seine fest zugeteilte Position ein. Insgesamt hat es fünf Standorte. Er wird dem ersten zugeteilt. Sein linker Fuß steht vor dem Rechten, der leicht auf die Seite gedreht ist. Sein konzentrierter Blick ist nach vorne gerichtet. Er füllt die erste Patrone ein. Die Waffe bleibt vorerst gebrochen: Sie steht offen und ist noch nicht geladen. Auf 15 Meter Distanz steht der sogenannte Bunker. In diesem befinden sich 15 Wurfmaschinen. Sobald der Kampfrichter das Kommando „Ready“ erteilt, wird der Durchgang gestartet. Sergio Spangaro schließt die Waffe und nimmt sie an den Anschlag. Auf sein Kommando, meist „Ha!“ oder „Ho!“, das über ein Mikrofon an die Wurfmaschine weitergegeben wird, erfolgt die Auslösung der Tontaube. Ein Knall ist zu hören. Der Schuss war erfolgreich. Er senkt die Waffe, entfernt die Pa­tronenhülse und wartet. Nun schießt die zweite Person, die rechts neben ihm steht. Haben alle fünf Schützen ihren ersten Versuch gemacht, wird rotiert. Spangaro befindet sich jetzt beim zweiten Standort. Ein vollständiger Durchgang dauert 20 bis 25 Minuten. Er ist beendet, sobald jeder Schütze auf 25 Tontauben geschossen hat.

Keine Zeit zum spekulieren

Dabei besteht die Schwierigkeit, dass der Schütze weder weiß, wie hoch das Ziel fliegt, noch, von welcher Seite es kommt. „Man hat keine Zeit, um zu spekulieren. Denn die Taube hat eine Geschwindigkeit zwischen 100 und 120 Stundenkilometern.“ Idealerweise sollte die Reaktionszeit zwischen 0,5 und 0,8 Sekunden betragen, damit das Ziel nicht zu weit weg ist. Hinzu kommt die Streuung der Schrotpatrone. Bei einer Taube, die schon eine große Distanz zum Schützen hat, ist diese teilweise zu groß. Auch wenn die Richtung stimmt, kann die Taube durch die großen Abstände der einzelnen Kugeln verfehlt werden. „Wenn man andererseits zu schnell schießt, ist die Streuung dadurch zu klein, und es wird schwieriger zu treffen. Das mache ich zum Teil falsch“, erklärt er und schmunzelt. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Schussabgabe ist die korrekte Haltung des Schützen. Er muss die Tontaube mit beiden Augen verfolgen und die Flinte im richtigen Anschlag halten. Die Wange muss immer auf dem Schaft, dem Ende der Flinte, bleiben, sonst stimmt die Achse von Schaft, Auge und Tontaube nicht mehr überein. Ein Treffen der Tontaube ist somit praktisch unmöglich. „Sogar Profischützen machen diesen Fehler immer wieder“, sagt er überzeugt. „Auch mir passiert es manchmal, dass ich den Kopf anhebe.“

Italien ist ein Paradies für die Sportart

Die Schützen tragen eine Brille, einen Gehörschutz und eine spezielle Weste. Auf diese sind zwei Taschen aufgenäht, um die Munition zu verstauen. Die meisten besitzen italienische Waffen. Die führenden Marken sind Beretta und Berazio. Italien ist nämlich Nummer eins im Tontaubenschießen. „Italien ist ein Paradies für diese Sportart“, sagt er stolz. Dort gibt es riesige Tontaubenschießanlagen und unzählige Munitionsfabriken. In der Schweiz hingegen sind Vereine rarer. Die meisten Stände sind im Kanton Graubünden. Das hat mit den vielen Jägern in dieser Region zu tun. In der Nähe von Gossau im Kanton Zürich, Spangaros Wohnort, gibt es keine Vereine. Deshalb ist er eines von etwa 100 Mitgliedern des Vereins im eine Stunde entfernten Landquart. Der jüngste Teilnehmer ist 15 und der älteste 85 Jahre alt. „Es ist ein Sport, den man von sehr jung bis sehr alt betreiben kann.“ Aber einer, der nicht ganz billig ist. Die Flinte kostet je nach Modell zwischen 5000 und 10 000 Franken. 250 Patronen, die er pro Training benötigt, kosten 60 Franken. „Ich rechne für jeden Samstag mit 120 Franken.“ Eine Tontaube kostet 1,50 Franken. Dem Verkaufsleiter eines IT-Unternehmens ist es das wert. „Ich will an dem Hobby Spaß haben und eine strenge Woche damit ausklingen lassen. Es ist ein Ausgleich.“

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Nach Sprengstoffverdacht in IC: Plante 17-Jähriger islamistischen Anschlag?

Am Wochenende durchsucht die Polizei einen Intercity-Zug im niedersächsischen Wunstorf nach Sprengstoff. Ein Jugendlicher wird festgenommen. Nun wird bekannt, dass der 17-Jährige im Verdacht steht, einen islamistischen Anschlag vorbereitet zu haben.

Ein in Hannover festgenommener Jugendlicher aus dem Raum Köln wird verdächtigt, einen islamistischen Anschlag vorbereitet zu haben. Ihm werde vorgeworfen, dass er sich entsprechend habe ausbilden lassen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf mit. Gegen den 17-Jährigen wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Er war am Samstag vorläufig festgenommen worden.

In diesem Zusammenhang hatte die Bundespolizei wegen Sprengstoffverdachts einen Zug in Wunstorf bei Hannover mit Spürhunden nach Sprengstoff durchsucht. Der Verdacht bestätigte sich nicht, rund 100 Fahrgäste mussten am Samstagabend allerdings gut eine Stunde am Bahnhof ausharren.

Für den Zug und die Reisenden habe keine Gefahr bestanden, sagte der Sprecher der Zentralstelle Terrorismusverfolgung in Nordrhein-Westfalen am Montag. Diese ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf angesiedelt und leitet die Ermittlungen. Der 17-Jährige könne wegen eines gerichtlichen Beschlusses aus Gründen der Gefahrenabwehr noch bis Freitag in Polizeigewahrsam bleiben, hieß es. Erst dann müsse über die Frage eines Haftbefehls entschieden werden.

Tüte mit Gegenständen abgestellt

Die Ermittlungen seien nach Hinweisen aus dem persönlichen Umfeld des Beschuldigten in Gang gekommen. Dieser sei am Samstag gegen 17 Uhr von Bundespolizisten im Hauptbahnhof von Hannover aufgespürt und zur Wache mitgenommen worden. Ein Entschärfer habe den Inhalt seiner Tasche begutachtet, aber nichts Gefährliches entdeckt.

Nach Angaben der Bundespolizei war der 17-Jährige vor der Kontrolle am Hauptbahnhof in dem Zug gewesen, der später durchsucht wurde. Er habe sich auffällig verhalten und am Reisezentrum eine Tüte mit Gegenständen abgestellt. Der Bereich wurde daraufhin abgesperrt, in der Tüte sei allerdings nur Kleidung gewesen. Die Polizei Hannover hatte erklärte, den Einsätzen sei ein Hinweis der Polizei aus Köln vorausgegangen. Über die Landeskriminalämter in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen seien die Beamten vor Ort informiert worden.

Der Kölner Staatsschutz hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Dem 17-Jährigen mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft drohen nun bis zu fünf Jahre Jugendstrafe, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Derzeit gelte für ihn aber weiterhin die Unschuldsvermutung, betonte die Ermittlungsbehörde. Weitere Auskünfte könnten derzeit mit Blick auf den Schutz der Ermittlungen und das Alter des minderjährigen Beschuldigten nicht gegeben werden.

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Olympionike Bodo Tümmler

Olympionike Bodo Tümmler

Auf der Rückseite des gelben Pull­overs sticht das Wort „Coach“ hervor. Die irische Schirmmütze darf an einem grauen, windigen Nachmittag nicht fehlen, wenn die grün-grauen Augen eines 1500-Meter-Olympioniken ihrer üblichen Aufgabe der letzten zehn Jahre nachgehen: kritisch die Bewegungen zu beobachten, die seine Leichtathletik-Schützlinge der weiblichen Jugend U 16 und U18 des Zehlendorfer Turn- und Sportvereins 1888 e. V. hervorbringen. So zurückhaltend, wie Bodo Tümmler am Rande des Geländers im Ernst-Reuter-Stadion lehnt, war auch sein Auftreten, als er 1968 aus Mexiko-Stadt mit einer Bronzemedaille für die Bundesrepublik Deutschland heimkehrte.

„Wäre ja furchtbar“

Der pensionierte Lehrer für Biologie und Sport kam in der Mitte der 50er-Jahre zum Laufen. „Die Motivation kam einfach so, Laufen hat mir Spaß gemacht, also bin ich gelaufen.“ Tümmler verweist auf die damalige Zeit, als Leichtathletik zwar in den Medien präsent, so etwas wie Scouting und Management rund um einen Athleten aber unüblich war. „Es ist für mich schon lustig zu sehen, wenn ich in der heutigen Zeit in Athleten nur Produkte erkennen kann, die dann nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwinden.“ Er selbst schlug einen aus heutiger Sicht ungewöhnlichen Weg ein, indem er eher spät anfing, während des Studiums seinem mit Trainer Wolfgang Meller, dem er viel Vertrauen entgegenbrachte, abgestimmten Training folgte und zusätzlich auf dem Bau arbeitete. Genau darin erkennt er einen Vorteil: die Ablenkung, der geringe Druck, weil man eine Form der Absicherung hatte, und die Streuung der Konzentration. „Laufen ist kein Beruf. So hatte ich meine Aufgabe, wäre ja furchtbar, wenn man sich immer nur mit seinen Gedanken im Kreis drehen würde. So hatte ich Ablenkung und keine Fragen von wegen ‚Hab ich eine Verletzung?‘ oder ‚Warum lief das heute nicht so gut?‘ im Kopf.“

Beflügelnder Anreiz für seine Karriere

Dass der Spaß des einfachen Losrennens im Gelände, „wildern“, wie er es nennt, einen derart beflügelnden Anreiz für seine Karriere schaffen würde, die 1967 mit dem Silbernen Lorbeerblatt gewürdigt wurde, hätte er sich selbst kaum erträumen können. Durch das Gefallen an der Natur, die Resonanz, die sie ihm auch heute noch bietet, die immer unterschiedlichen Schrittfolgen aufgrund des abwechslungsreichen Bodens, trainierte er eine derartige Differenziertheit, die sich so kaum planen ließe. Dass er in seinem Spiel mit der Landschaft auch einfach mal im hohen Schnee oder auf weichem Sumpfboden lief, schien einfach dazuzugehören und ihn nur umso besser vorbereitet für Wettkämpfe zu machen.

Titel über die 1500 Meter wie Studentenweltmeister 1965 und 1967, mehrfacher deutscher Meister und Europameister von 1966 sind seine Erfolge. Hinter der olympischen Bronze steht für Tümmler aber nicht bloß Freude, sondern vor allem ein Gefühl: „Zum Kotzen war mir nach dem Lauf. An Genießen war vorerst nicht zu denken.“ Diese Aussage könnte für manch einen Zweifel aufwerfen, jedoch nicht, wenn man neben der benötigten Anstrengung auch die „fehlende Fairness“ beachtet. „Das gleiche Problem haben wir auch heute mit der Olympiade in Tokio oder der Weltmeisterschaft in Doha, die einfach nicht gerecht für Tiefländer sind.“ Wer die Bilder von Tümmler auf dem Podest gesehen hat, kann seinen mulmigen Blick auf die Medaille nun wohl besser verstehen, wenn für die Sportler das eigentliche Leistungspotential nicht abgerufen werden kann. Um zurückzukommen auf Tümmlers persönliche Erfolge – „von denen es während der Karriere für jeden nicht besonders viele gibt“ –, so mussten diese eben nicht immer im Siegen gegen andere bestehen, sondern gelangen zum Beispiel bei einer Trainingseinheit oberhalb der Krumme Lanke auch allein. „Ich lief an jenem Tag so schnell, das mein Trainer auf dem Fahrrad Mühe hatte, mir folgen zu können“, erzählt er strahlend.

Schweden, Tansania und Mexiko

Durch die Wettkämpfe und die Reisen, die er sich meist selbst organisierte und dem Verband dann meldete, lernte er viele Länder kennen. Den Eindruck, in Erinnerungen zu schwelgen, macht er, wenn er von Aufenthalten in Schweden, Kenia, Tansania oder in Mexiko, in Südamerika auf der Good Will Tour, berichtet. „In gewisser Weise ersetzte es auch das Auslandsjahr, was heute so viel angeboten wird.“ Leute der High Society kennenlernen zu dürfen ist für Tümmler Verdienst seines Erfolges. Für Adidas wirkte er an der Entwicklung eines Marathonschuhs. Das bessere Schuhmaterial, die größere Nachsorge bei den Athleten etwa durch Physiotherapie und viele Möglichkeiten der frühen Förderung scheinen indes das reine Talent bei den Profis immer mehr zu übertrumpfen. Kopfschüttelnd berichtet Tümmler über manch leichtsinnige Trainingseinheit: „War ja irre, 16 Kilometer nach Mainz von Bingen – und das die ganze Zeit auf Beton – zu rennen.“ Warum das? „Na ja, ich wollte da mal einen Weltrekord laufen. Ach ja, ich hatte schöne Ziele.“ Heute erfreut er sich an der Natur, dem Golfen und der Kunst. Die 1500 Meter trainiert er kaum mehr bei seinen Athletinnen. Aber Elemente des Sprinttrainings.

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