Kategorie -Jugendliche

Anspruch von 12- bis 18-Jährigen: Bund haftet für Impfschäden bei Kinder-Booster

Generell empfiehlt die STIKO, Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren impfen zu lassen. Bei der Frage nach dem Booster für die Altersgruppe hält sie sich bislang zurück. Bundesgesundheitsminister Lauterbach spricht nun von einem Impf- und Haftungs-Anspruch für Jugendliche.

Der Bund hat für mehr Klarheit bei sogenannten Booster-Impfungen für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren gesorgt. Diese hätten „unabhängig von den Empfehlungen“ der Ständigen Impfkommission (STIKO) grundsätzlich einen Anspruch auf Auffrischungs-Impfungen, heißt es in einem Schreiben, das Gesundheitsminister Karl Lauterbach am Montag unter anderem an die Bundesländer geschickt hat. Eine allgemeine STIKO-Empfehlung für den dritten Piks bei Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren gibt es noch nicht.

Zur Erst- und Zweitimpfung rät die Impfkommission hingegen auch in dieser Altersgruppe. Für Fünf- bis Elfjährige empfiehlt sie ebenfalls Impfungen mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer – zunächst jedoch nur für Kinder mit Vorerkrankungen sowie für solche, in deren Umfeld sich Personen mit dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs befänden, die selbst nicht durch eine Impfung geschützt werden könnten. Bei der EU-Zulassung des Vakzins ab zwölf Jahren im Mai hatte die STIKO zunächst ebenfalls nur Impfungen von Jugendlichen mit Vorerkrankungen empfohlen. Die Empfehlung für alle Kinder ab zwölf Jahren folgte erst im August.

Für die Jugendlichen kommt – wie bislang bei allen anderen Impfungen Minderjähriger – der Biontech-Impfstoff in Frage, heißt es in Lauterbachs Schreiben an die Bundesländer. Moderna soll demnach nur an Menschen ab 30 Jahren verabreicht werden. Im Falle von Impfschäden bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren garantiere der Bund einen Versorgungsanspruch, sofern ein für diese Personengruppe zugelassener mRNA-Impfstoff wie etwa Biontech verwendet werde. Die Berliner Gesundheitssenatorin, Ulrike Gote, kündigte daraufhin an, dass in der Hauptstadt seit dem heutigen Mittwoch auch für diese Altersgruppe bereits drei Monate nach der letzten Impfung ein Booster möglich sein soll.

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Klimaschutzmanager Münnerstadt

Klimaschutzmanager Münnerstadt

Hochwasser, Hitze, Waldbrände. „Der Kampf gegen den Klimawandel muss, soll er erfolgreich sein, auf allen gesellschaftlichen Ebenen geführt werden. Auch die Kommunen werden ihre diesbezüglichen Anstrengungen noch deutlich erhöhen müssen“, erklärt Michael Kastl, Bürgermeister der unterfränkischen Kleinstadt Münnerstadt. Dieser Verantwortung seien sich der Stadtrat und er bewusst. Um als eine der flächenmäßig größten Kommunen in Bayern mit nicht einmal 8000 Einwohnern auf einer Fläche von 93,11 Quadratkilometern die entsprechende Verantwortung bezüglich des Klimaschutzes zu erfüllen, wurde in Münnerstadt am 1. Juni ein sogenannter „Klimaschutzmanager“ eingestellt. Münnerstadt ist die erste Kommune im Landkreis Bad Kissingen, die diesen Schritt gegangen ist, und sie kann in den Augen von Stefan Richter, dem Klimamanager der Stadt, ein Wegweiser für die anderen Städte im Landkreis und darüber hinaus werden.

Akteure und Projekte vernetzen

Der 46-Jährige hat in Bochum Naturwissenschaften und Informatik studiert und interessiert sich für Soziologie, Kultur und Philosophie. In Bochum hat er als Projektleiter und Geschäftsführer in den Bereichen Klima und Nachhaltigkeit sowie bürgerschaftliches Engagement gearbeitet. Er wollte in einer kleinen, ländlichen Gemeinde arbeiten, „um näher an der Natur zu sein und dem teilweisen Wahnsinn der Stadt zu entfliehen“, sagt er. „Klima ist ein komplexer Begriff und deckt viele gesellschaftliche Felder, sogenannte Funktionssysteme der Gesellschaft, ab.“ Die ersten Schritte sind die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzepts sowie die Vernetzung kommunaler Akteure und Projekte, bevor es an die Umsetzung des bis dahin aufgestellten Maßnahmenkatalogs geht. Stefan Richter fühlt sich wohl: „Hier herrscht eine richtige Aufbruchstimmung.“ Geplant sind Fahrrad­abstellanlagen, Service- und Aufladestationen für E-Bikes in der Kernstadt sowie am Bahnhof. Die Umrüstung der städtischen Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen ist in Angriff genommen.

Natürlich auch mit Biber

Aktuell ist er in einer Phase, in der er viel kennenlernen will. Er hat sich in allen Schulen Münnerstadts vorgestellt und Treffen mit verschiedenen Akteuren organisiert. „Demnächst habe ich ein Treffen mit einer renommierten Künstlerin, danach mit Vertretern der ansässigen Fridays-for-Future-Gruppe, einem Unternehmer für Windkraftanlagen, einer Genossenschaft, die gerne noch eine weitere Fotovoltaikanlage errichten will, und auch mit einem Bruder des ansässigen Augustinerordens.“ Mit motivierten Schülern will er ein Kunstprojekt starten. Sie sollen sich das Projekt aussuchen, wobei sein Vorschlag die Produktion eines Audiowalks ist: „Ich stelle mir das so vor, dass es sieben bis neun Stationen in Münnerstadt geben wird, die etwas mit Klima zu tun haben. Beispielsweise eine unserer Windkraft- und Fotovoltaikanlagen, einem Schornstein, dem Elektroauto und natürlich auch dem Biber. Es soll dann bei einem Spaziergang durch die Stadt – mit dem Handy in der Hand – eine entsprechende Geschichte mit allegorischen Schauspielern geben, die sprechend für Zeit, Klima und andere Faktoren stehen werden.“

Der Bürgermeister spricht von Pionierarbeit

Bei seiner Arbeit bekommt er viel Freiraum. Ein in den städtischen Haushalt gestelltes Budget von 20 000 Euro lässt einige Aktionen zu. Dieses Geld bekommt er zusätzlich zu der Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Im Gegenzug soll Richter dem vom BMU eingesetzten Projektträger in Jülich sowie dem Service- und Kompetenzzentrum für kommunalen Klimaschutz, das sich deutschlandweit als Ansprechpartner um die „Versorgung“ der Klimaschutzmanager und ihre erfolgreiche Arbeit vor Ort kümmert, regelmäßig Zwischenberichte liefern. „Ich persönlich gehe fest davon aus, dass die Stadt Münnerstadt auch nach Ablauf des Projektzeitraums von 24 Monaten auf die einmal lieb gewonnenen Kompetenzen eines Klimaschutzmanagers nicht mehr verzichten will. Die Pionierarbeit im Bereich kommunaler Klimaschutz wird sich für die Stadt Münnerstadt neben zahlreichen Einsparpotentialen durch energetische Sanierungen zum Beispiel hoffentlich auch im Hinblick auf die Erschließung neuer Fördermöglichkeiten auszahlen und so zur positiven, klimafreundlichen Entwicklung unserer Stadt beitragen“, sagt der Bürgermeister Kastl.

Büro in einer leeren Ladenzeile

Richter will Münnerstadt zu einer Art Reallabor machen: „Mit einem offenen Campus als Forum, bei dem die Bürger zusammen mit der Wissenschaft und Wirtschaft an allgemeingültigen Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung einer Kommune in der ländlichen Region forschen und arbeiten. Zukunftsakademie, ZAK, soll das Ganze heißen und auf den drei Säulen Klimaschutz, Digitalisierung und Bürgerbeteiligung im lang schon leer stehenden Berufsbildungszentrum der Stadt entstehen. Auch ein Universitätsverbund wäre mit an Bord und würde in Münnerstadt seine Forschungszelte aufschlagen.“ Um besser für die Bürger erreichbar zu sein, zieht er von seinem Büro im zweiten Geschoss der Verwaltung in eine leere Ladenzeile in der Innenstadt. Er möchte es den Menschen „so einfach wie möglich machen, mit ihren Fragen, Anregungen und Ideen zu mir zu kommen, das Gespräch zu suchen und an einer nachhaltigen Zukunft für ihre Stadt teilzunehmen“.

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Acht Festnahmen: Jugendliche randalieren in Dortmunder U-Bahnhof

Pöbelnde junge Menschen an einer Dortmunder U-Bahnhaltestelle sorgen erst für Einschreiten des Sicherheitspersonals, anschließend fällt ein Schuss. Der Vorfall endet mit einem Großeinsatz der Polizei.

Mit Randale in einem Dortmunder U-Bahnhof haben Dutzende junge Menschen einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Wie die Beamten mitteilten, wurden sie am Donnerstagabend vom Sicherheitspersonal wegen pöbelnder und flaschenwerfender Jugendlicher zur Haltestelle Westfalenhallen alarmiert. Als sie an der Station ankamen, trafen sie auf einer Zwischenebene auf 40 bis 50 Menschen, die rasch die Flucht ergriffen.

Auf der unteren Ebene der Haltestelle war zu diesem Zeitpunkt ein lauter Knall zu hören. Später stellte sich heraus, dass ein Beteiligter mit einer Schreckschusswaffe auf einen Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts geschossen hatte. Verletzt wurde dabei niemand. Als Polizisten der Sache nachgingen, wurden sie mit Flaschen beworfen, die sie allerdings knapp verfehlten.

Die Polizei nahm letztlich acht Beteiligte unter dem Verdacht des schweren Landfriedensbruchs fest. Die Beamten hätten sich dabei „weitere massive Beleidigungen“ anhören müssen, erklärten sie. Bei den Festgenommenen handle es sich um acht Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Gegen sie werde wegen schweren Landfriedensbruchs, Beleidigung und Bedrohung ermittelt.

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Laubholzbockkäfer bekämpfen

Laubholzbockkäfer bekämpfen

Was ist uns Deutschen der Wald?“ Wie viele Autoren hat Erich Fried diese Frage zu klären versucht, sein Fazit ist nicht neu: Wald ist ein Synonym für Ruhe und Sport, sein vielfältiges Grün steht für Entspannung, egal ob man die beim Joggen oder Meditieren sucht. Wald ist wunderschön und bietet Stille. Doch dieser Rückzugsort ist bedroht: Waldsterben, Trockenheit, der Borkenkäfer machen dem CO2-Spender das Leben schwer. Immer öfter greift der asiatische Laubholzbockkäfer den Wald an: ein Vertreter der Neozoen, der eigentlich hübsch anzuschauen und 2,5 bis 4 Zentimeter groß ist. Er hat eine glatte, schwarze Flügeldecke mit weißen Punkten und blau-schwarz geringelte Fühler, die länger als der Körper sind. Aber die Schönheit tarnt die Gefahr.

Bei diesem Käfer handelt es sich um einen Quarantäneschädling, das heißt, dass bei Befall eine Quarantänezone im Radius von zwei Kilometern für vier Jahre verhängt werden muss, erklärt Petra Meier aus Aalen. Die 53-Jährige war eine der Ersten in Deutschland, die ihren Hund zum Suchhund zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers ausgebildet hat. Sie war bereits in vielen befallenen Gebieten. „Die Quarantäne wird veranlasst, um den Käfer daran zu hindern, sich bei uns in den dunklen Wäldern auszubreiten“, denn es gibt auch im Ostalbkreis Baden-Württembergs eine Menge Bäume, in die der Asiatische Laubholzbockkäfer seine Eier legen kann. Er legt sie nur in lebendes Material, aber nie in „totes“ wie Möbel. Und wie bei vielen anderen Insekten richtet der Käfer den Schaden nicht als ausgewachsenes Tier an, sondern als Larve, die sich durch den Baum frisst. Der Käfer wurde erstmalig 2004 über Baumschulwaren und Verpackungsholz nach Deutschland eingeschleppt, was nicht passiert wäre, wenn der weltweite IPPC-Standard für diese Waren eingehalten worden wäre, Petra Meier wirkt ärgerlich, als sie das erzählt. Dieser Standard besagt, dass der Holzkern von sämtlichen importierten Hölzern bei 56 Grad Celsius für mindestens 30 Minuten erhitzt werden müsse, um Larven von Schädlingen abzutöten und damit das Einschleppen zu verhindern.

Eiche und Walnuss mag er nicht

Jetzt ist dieser Schädling aktiv und vermehrt sich in unseren Wäldern, beispielsweise in Magdeburg, Bornheim, Schönebach und jüngst in Miesbach. Um den Befall einzugrenzen, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen: Findet man ein lebendes Exemplar, so werden alle Bäume im Radius von 100 Metern gefällt, geschreddert und verbrannt. Ausnahmen sind dabei Eiche und Walnuss, weil sie stark gerbsäurehaltig sind und der Käfer dort keine Eier legen mag. Auch Obstbäume fallen der Schutzrodung nicht zum Opfer, denn hier wurde in Deutschland noch nie ein solcher Befall festgestellt.Sollte der Verdacht auf einen Befall bestehen, durch Sichtung eines Käfers oder das Entdecken eines runden Ausbohrlochs am Baum, muss das Käferexemplar mithilfe eines Glases unverletzt gefangen werden, da Verwechslungsgefahr mit Arten besteht, die unter Naturschutz stehen. Forstamt, Landratsamt oder ein anderes Amt für Naturschutz haben dann die Aufgabe, den Käfer zu identifizieren und gegebenenfalls die notwendigen Schritte einzuleiten.

Mit der Schutzrodung ist es nicht getan. Im Umkreis von 500 Metern muss jeder Baum darüber hinaus über Monitoring auf einen Befall geprüft werden. Für Waldbesitzer, die vom Holzverkauf leben und sich innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius zum Fundort befinden, sieht es auch darüber hinaus schlecht aus, denn dieses Material darf nur noch mit einer besonderen Freigabe verkauft werden. Das Monitoring ist ein Zusammenspiel aus drei Möglichkeiten, das die Bäume in enger Zusammenarbeit über die Quarantänezeit von vier Jahren überwacht. Für das Monitoring gibt es zum einen Personal, das alle Bäume der Quarantänezone über das Fernglas beobachtet, dann gibt es die Baumkletterer, diese schauen sich die befallenen Bäume aus nächster Nähe an, und zu guter Letzt werden die Bäume auch noch durch Hunde überprüft. Denn Hunde können die Larve, den Käfer und alles, was mit diesen zu tun hat, erschnüffeln. Die Quarantäne beginnt von Neuem, sobald auch nur ein einziger lebender Käfer gefunden wird.

Nur Hunde mit starkem Finderwillen

Petra Meier geht dann mit ihrer Hündin Quitura zu jedem einzelnen Baum des betroffenen Gebiets und lässt sie ausgedehnt schnüffeln. „Dabei ist sehr wichtig, seinen Hund gut lesen zu können, jeder Hund reagiert anders.“ Die einen bellen, die anderen kratzen. Wenn der Hund dann etwas gefunden hat, wird der betroffene Baum markiert und von den Baumkletterern genauer untersucht. Da die zu untersuchenden Gebiete riesig sind, muss regelmäßig Pause gemacht werden, in denen der Hund auch seine Nase entspannen kann. Nicht nur diese Arbeit ist anstrengend, auch die Ausbildung verlangt dem Halter und dem Hund einiges ab.

Petra Meier macht das alles aus Liebe zum Wald. Sie ist Heilpraktikerin und musste für die zertifizierte Ausbildung nach Wien zum Bundesamt für Wald. In Deutschland gibt es keine Ausbildungsstelle, die die Hunde zertifizieren kann. Die Ausbildung dauert rund 1,5 Jahre und besteht aus zwei theoretischen Modulen, die jeweils eine Woche in Anspruch nehmen. Die restliche Zeit muss nach Plan trainiert werden. Erst danach kann der Hund beim Aufspüren der Käfer helfen. Wichtig ist, dass der Hund einen starken Finderwillen hat, dann ist er beim Monitoring ausdauernd und meist erfolgreich – Quitura hat Spaß bei ihrer Arbeit, sie liebt die langen Spaziergänge und das Üben im Wald oder wie heute im Garten. Um bei einem neu entdeckten Befall effektiv agieren zu können und nicht aus der Übung zu kommen, muss regelmäßig geübt werden. Bei diesen Übungen wird ausschließlich totes Material verwendet, da sonst das Risiko eines ausbrechenden Käfers oder einer Larve zu hoch ist.

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Aufklärungsquote über 90 Prozent: Mehr Minderjährige in Deutschland vermisst

2021 ist die Zahl vermisster Kinder und Jugendlicher gestiegen. Wenn Minderjährige verschwinden, beginnen die Ermittlungen sofort. Die Aufklärungsquote ist daher grundsätzlich hoch – bei jungen Flüchtlingen sieht das jedoch ein wenig anders aus.

In Deutschland werden mehr Minderjährige vermisst als noch vor einem Jahr. Und obgleich die Identifizierung von Flüchtlingskindern per Fingerabdruck inzwischen leichter möglich ist als noch vor Jahresfrist, ist auch bei der Zahl der vermissten jungen Flüchtlinge ein Anstieg zu verzeichnen. Anfang Dezember galten nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) bundesweit 4763 Minderjährige als vermisst: 1604 Kinder und 3159 Jugendliche. Im Jahr 2020 waren zum gleichen Stichtag 4433 Minderjährige als verschwunden registriert.

Zu den vermissten Minderjährigen zählen Kinder und Jugendliche, die sich regelmäßig entfernen – meist aus Jugendeinrichtungen – und dann nach kurzer Zeit wieder auftauchen. Außerdem zählen in diese Kategorie Minderjährige, die einem Elternteil zu Unrecht entzogen wurden. Die Aufklärungsquote ist bei Fällen, in denen Kinder vermisst werden, mit über 90 Prozent generell hoch.

Bei minderjährigen Flüchtlingen ist diese Quote aber niedriger. Das liegt teilweise daran, dass manche Jugendliche aus dieser Gruppe – ohne dies den deutschen Behörden anzuzeigen – das Land verlassen, etwa um bei Verwandten in einem anderen EU-Staat zu leben.

Auch mehr junge Flüchtlinge vermisst

Gemäß den Erfahrungen der Polizei lässt sich etwa die Hälfte aller Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche klären. Der Anteil der Minderjährigen und Erwachsenen, die länger als ein Jahr vermisst bleiben, liegt laut Polizeistatistik bei drei Prozent. Zum Monatsanfang waren es laut BKA 1736 junge Flüchtlinge, nach denen gesucht wurde. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 1600 Flüchtlinge gewesen, die als vermisst registriert waren. Dabei ist es seit April 2021 möglich, auch bei Kindern ab sechs Jahren zu Identifizierungszwecken Fingerabdrücke zu nehmen. Das war vorher nur bei über 14-Jährigen zulässig.

Menschen gelten als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann. Das bedeutet, sie können Opfer einer Straftat geworden sein oder es liegen ein Unglücksfall, Hilflosigkeit oder eine Selbsttötungsabsicht vor. Sind Minderjährige plötzlich verschwunden, gehen die Ermittler zunächst grundsätzlich von einer Gefahr für Leib oder Leben aus.

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Streuobstwiesen in Kottenheim


Was haben „Winterrambur“ und „Goldparmäne“ mit dem Immateriellen Kulturerbe zu tun? Als Apfelsorten können sie Bestandteil alter Streuobstwiesen sein, deren Anbau tatsächlich erst jüngst von der Kultusministerkonferenz in die deutsche Liste des „Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen wurde. „Wir freuen uns sehr darüber und sehen uns bestätigt darin, dass wir in Kottenheim den richtigen Weg eingeschlagen haben“, verkündet Sylvia Haupt stolz. Die engagierte 51-Jährige gehört zu den Mitinitiatoren der 2017 gegründeten Natur- und Kulturinitiative Streuobstwiesen Kottenheim e. V. „Unser Ziel ist der Erhalt der ‚Kotteme‘ Streuobstwiesen“, sagt der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Andreas Hesse. Streuobstwiesen gelten als wertvoller Bestandteil einer artenreichen Kulturlandschaft. Der besondere Charakter der ländlichen Wiesen ist vor allem im Frühling unverkennbar: Inmitten eines Blütenmeers von Obstbäumen kann man sich vom Zwitschern der Vögel und dem Summen der Bienen inspirieren und überwältigen lassen. Der zweifache Familienvater Hesse gerät beim Erzählen ins Schwärmen: „Ich bin immer wieder begeistert davon.“ Wer einmal auf einer blühenden Streuobstwiese mit ihren zahlreichen Bestäuberinsekten unterwegs ist, kann auf unmittelbar sinnliche Weise deren ökologische Bedeutung und die Biodiversität erfassen. Streuobstwiesen sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere, den es zu erhalten lohnt. Darüber hinaus liefern sie gesundes Obst, das meist regional verarbeitet und angeboten wird.

Wildblumenwiesen sollen die Bestäubung sichern

Zu Beginn stand die Initiative vor einer gewaltigen Aufgabe: Über Jahrzehnte hinweg hatte Verbuschung und Mistelbefall die Obstbäume rund um das idyllische, in der Vordereifel liegende Dorf Kottenheim zum Teil schwer geschädigt. Die Vereinsgründer traten mit dem hohen Anspruch an: „Wir wollen tausend Bäume retten.“ Dass diese Zahl nicht aus der Luft gegriffen ist, belegen die 700 Bäume, die vom Absterben bedroht waren und durch fachmännisch durchgeführte Schnittaktionen und Pflegemaßnahmen bereits gerettet werden konnten. Darüber hinaus wurden etwa 300 neue Bäume gepflanzt, um die Wiesen wieder aufzuforsten. Von Bedeutung sind auch Maßnahmen zur Bestäubungssicherung. So wurden bisher über 5000 Quadratmeter Wildblumenwiesen angelegt, und damit wurde der Lebensraum für eine beeindruckende Artenvielfalt an Insekten geschaffen. Doch dies reicht Vorstandsmitglied Sylvia Haupt noch nicht. Die naturverbundene Bürgerin hält es für notwendig, „die bislang noch mit Volldünger gedüngten Streuobstwiesen in naturnahe Wiesen umzugestalten“.

Die Gemeinde reagierte auf die neu gegründete Initiative zunächst verhalten: „Die Reaktion der Dorfbewohner lag anfangs zwischen Euphorie und Skepsis“, weiß der 52-jährige Hochschullehrer zu berichten. „Heute ist der Rückhalt in der Dorfgemeinde riesengroß. Wir haben inzwischen 422 Mitglieder.“ Zu der positiven Entwicklung und der breiten Unterstützung im Ort hat sicher auch die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins beigetragen, auf die der Marketingprofessor Hesse besonderen Wert legt: „Ziel ist es, möglichst viele Menschen für unsere Idee zu begeistern, zum Beispiel mit regelmäßigen Schnittkursen, an denen auch Nichtvereinsmitglieder teilnehmen dürfen, oder mit Filmabenden im alten Kinosaal des Dorfes.“

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Der Sport-Tag: Ehemaliger Jugend-Nationaltrainer nach Missbrauchsvorwürfen verhaftet

Ein ehemaliger Trainer der gabunischen U17-Fußballnationalmannschaft, der junge Spieler vergewaltigt und sexuell missbraucht haben soll, ist am Montag verhaftet und wegen Pädophilie angeklagt worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Demnach befinde sich Patrick Assoumou Eyi in Polizeigewahrsam, bereits am Freitag war er vom gabunischen Fußball-Verband suspendiert worden.

Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba hatte den Fall als „sehr ernst und inakzeptabel“ bezeichnet, als die Vorwürfe in der letzten Woche bekannt wurden. Zuerst hatte die britische Zeitung „The Guardian“ über die Vorwürfe berichtet. Mutmaßliche Opfer hatten behauptet, Eyi habe bis 2017 mehrere Jungen während seiner Zeit als Cheftrainer der U17-Nationalmannschaft missbraucht. Dies soll ebenfalls der Fall gewesen sein, als er zuletzt technischer Direktor der höchsten gabunischen Fußball-Liga war.

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Strausberger Bergsteiger

Strausberger Bergsteiger

Im normalen Leben ist Dietmar Kuhl eher unscheinbar. Er ist nicht sehr groß, wirkt eher still. Mal geht er Rad fahren oder mal ein wenig wandern. So wie man sich einen Rentner eben vorstellt. Doch das Hobby des 69-Jährigen ist außergewöhnlich. Dietmar Kuhl aus Strausberg reist in ferne Länder und bezwingt einige der höchsten Gipfel der Welt. In Peru, Nepal, den Alpen, Ecuador, Frankreich, Italien oder in der Türkei, dort fühlt er sich wohl. Konditionstraining und weite Wege nimmt er gerne in Kauf, um die Schönheit der Natur von ganz oben sehen zu können. In Europa, Asien, Afrika und Südamerika war er schon. Angefangen hat alles 1988 in der Hohen Tatra, in der heutigen Slowakei, erzählt er: „Ein Familienurlaub war es damals, aber es hat mich so fasziniert, dass mich die Sehnsucht nach weiteren Reisen gepackt hat.“ Seine erste Reise auf einen anderen Kontinent führte ihn nach Nepal. Seinen 50. Geburtstag feierte er im Basiscamp des 8849 Meter hohen Mount Everest. Es war ein unvergessliches Erlebnis inmitten des Basiscamps, während er an seinem Geburtstag eine atemberaubende Umgebung zwischen den höchsten Gipfeln der Welt zu Gesicht bekam.

Stella Point auf 5730 Meter Höhe

Den schönsten Moment auf einer Reise erlebte der ehemalige Automechaniker genau zehn Jahre später: Bei seiner Reise nach Afrika, auf der er auch den 4566 Meter hohen Mount Meru bestieg, hatte er sich auf einen ganz besonderen Moment vorbereitet. Er wollte unbedingt den 5895 Meter hohen Kilimandscharo besteigen. Bis zum 3950 Meter hohen Barranco-Camp schien der Aufstieg noch ohne Strapazen ablaufen zu können. Doch als sie die berüchtigte Barranco-Felswand überwinden wollten, wurde es langsam problematischer. Diese Felswand ist durch schwierige Kletterpassagen gekennzeichnet. Doch auch Eis erschwerte ihnen den Weg. „Am Einstieg in die Barranco-Felswand stellten wir fest, dass der Fels an vielen Stellen mit neuem Eis überzogen war.“ Danach war das 4600 Meter hoch gelegene Barafu-Camp ihr Ziel. „Das Wetter wurde wieder zunehmend schlechter, und Regen und Schnee waren auf dem Weg unsere Begleiter ins Lager.“ Auch dort sollten die Probleme kein Ende nehmen. „Wir mussten da aber feststellen, dass wir eingeschneit waren und es weiter schneite und in weiter Ferne ein Gewitter tobte.“ Trotzdem machten sie sich auf den Weg. „Wir hatten Glück, da drei andere Gruppen bereits vor uns aufgebrochen waren, und wir brauchten in dem steilen Gelände nur ihren Spuren zu folgen.“ Doch sie überholten die anderen Gruppen nach und nach. „Jetzt waren wir es, die bei diesem Schneechaos den richtigen Weg finden und die Spur treten mussten. Der Hang und dessen Steilheit wollten einfach kein Ende nehmen, dazu kamen immer wieder einige kleine Kletterpassagen, doch um 5 Uhr erreichten wir endlich Stella Point auf 5730 Meter Höhe.“

Zu Besuch bei Rentieren und Huskys

Sechs Stunden Aufstieg unter erschwerten Bedingungen lagen nun hinter ihm. „Morgens um 5.56 Uhr war es dann endlich so weit, ich stand an meinem 60. Geburtstag auf dem höchsten Berg Afrikas und hatte damit meinen zweiten Seven-Summit-Gipfel bestiegen“, sagt er. Zu den Seven Summits zählt man den jeweils höchsten Berg der sieben Kontinente. In Afrika ist es der Kilimandscharo. „Dann ging am Horizont die Sonne auf und färbte den Schnee in ein intensives Rot. Von allen Bergen, die ich bereits in der ganzen Welt bestiegen habe, wurde mir noch nie so ein grandioses Schauspiel geboten.“ Diese Besteigung ist nicht wie oft beschrieben ein Spaziergang. Es ist ein Kampf über viele Tage mit Steigungen, vereisten Felsen, schier endlosen Weiten, gegen die Naturgewalten aus eisiger Kälte, Regen, Schnee und vor allem ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. „Aber diese atemberaubende Schönheit mit allen gewonnenen Eindrücken hinterlässt unauslöschbare Spuren im Gedächtnis.“

Seine letzte Reise ist jetzt coronabedingt schon zwei Jahre her. „Mein Ziel war Lappland. Geplant waren drei kleine Bergbesteigungen auf schöne Aussichtsgipfel, Wanderungen durch Moore und Wälder sowie Kanu- und Fahrradtouren.“ Auch Rentiere und Huskys haben sie besucht. „Alles Schöne hat leider auch mal ein Ende, und so brachte uns der Flieger zurück in unsere Heimat. Das macht mich mehr als traurig. Aber genauso wie alles Gute ein Ende hat, hat auch alles Schlechte eins, und die Pandemie wird irgendwann vorbei sein. Bis dahin werde ich meine nächsten Touren planen und mich auf meine nächste Reise freuen.“

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Verletzte südlich von Moskau: 18-Jähriger zündet Bombe an ehemaliger Schule

Ein Jugendlicher hat sich Berichten zufolge südlich von Moskau an seiner ehemaligen Klosterschule in die Luft gesprengt. Bis zu zwölf Menschen sollen verletzt sein, darunter mehrere Kinder. Berichten zufolge handelt es sich um eine Tat aus Hass auf ehemalige Lehrer und Nonnen.

Ein Jugendlicher hat sich südlich von Moskau an seiner ehemaligen Schule in die Luft gesprengt. Die englischsprachige „Moscow Times“ berichtet unter Berufung auf russischsprachige Medien von bis zu zwölf Menschen, die bei der Sprengung in einem Kloster, zu dem auch die Schule des mutmaßlichen Täters gehört, verletzt wurden. Zehn Kinder seien verletzt worden, teilte die örtliche Ombudsfrau für Kinderrechte, Xenia Mischonowa, mit.

Der junge Mann ist den Berichten zufolge festgenommen worden, nachdem er am Montagmorgen in der historischen Stadt Serpuchow weniger als 100 Kilometer südlich der russischen Hauptstadt einen improvisierten Sprengsatz gezündet hatte. Ermittler identifizierten ihn als 18-jährigen ehemaligen Schüler der Schule auf dem Gelände. Ungenannten Quellen zufolge sei er ohnmächtig gewesen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Nach ersten Meldungen über den Tod des mutmaßlichen Täters, hieß es später, er sei schwer verletzt. Ein Bein des jungen Mannes sei abgetrennt worden.

„Der Verdächtige soll durch seinen Hass auf die Lehrer und Nonnen motiviert worden sein“, zitierte das Medium eine von der russischen Agentur Interfax wiedergegebene anonyme Quelle. Die Explosion habe die Schule des Klosters beschädigt, heißt es in weiteren Berichten.

Der Anschlag ereignete sich in einem Frauenkloster, zu dem auch ein Gymnasium der russisch-orthodoxen Kirche gehört. Dieses soll der mutmaßliche Täter absolviert haben. Auf Bildern von vor Ort war am Montagmorgen ein Großaufgebot der Polizei zu sehen. In Russland hatte es in diesem Jahr mehrere Amokläufe an Bildungseinrichtungen gegeben, teils mit Toten und Verletzten.

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Touristenführer auf den Azoren

Touristenführer auf den Azoren

Ich werde den Berg nicht los. Er liegt in meinem Hinterhof.“ Ein Blick aus dem Fenster, und schon sieht João Xavier seinen Arbeitsplatz. Als Wanderführer auf der höchsten Spitze Portugals besteigt der 47-jährige Azorianer den „Pico“-Berg fast 100 Mal im Jahr, doch jede Besteigung verläuft anders. Pico ist der Name der zweitgrößten Insel unter den neun Inseln des portugiesischen Archipels Azoren. Sie verdankt ihren Namen einem Vulkanberg, der im „Pico Pequeno“ oder „Piquinho“, also kleinem Gipfel, gipfelt. Mit seinen 2351 Meter Höhe ist er der dritthöchste Berg, der aus dem Atlantik ragt, eine Attraktion für Touristen und Grund für Stolz für die Einwohner der Insel.

Er findet alle „einzigartig wunderschön“

João Xavier, versteckt mit seiner azorianischen Bräune und seinem Spitzbart seinen Patriotismus und seine Leidenschaft für den ganzen Archipel nicht, wenn er seine Insel mit den anderen vergleicht. „Ich bin wie ein Vater, der neun Kinder hat. Ich finde alle einzigartig wunderschön.“ Seine Karriere als Reiseführer fing früh an. Als Sohn von portugiesischen Immigranten in Kanada, kam er als Kind nach Pico und hatte somit in der englischen Sprache einen Vorsprung. Mit 17 Jahren übernahm er seine ersten touristischen Dienstleistungen und finanzierte davon sein Leben. Als er später anfing, den Pico zu besteigen, gab es noch keinen markierten Weg und keine spezifische Ausbildung für Reiseführer. Er organisierte aus eigener Initiative ungefähr 100 Besteigungen, bis er sich in jeder Wetterlage wohlfühlte und mit Sicherheit wusste, wo er sich an jedem Ort auf dem Berg befand.

Zurzeit hat er ein touristisches Unternehmen „Caminhando“, dessen Haupttätigkeit der Aufstieg zum Pico-Berg ist. Die Besteigung dauert durchschnittlich acht Stunden, rund vier Stunden für den Aufstieg und drei Stunden für den Abstieg, wobei man 7600 Meter mit einer Höhe von 1100 Metern zurücklegen muss. Es gibt auch die Möglichkeit für Gäste, an der Spitze zu übernachten, sodass man den Sonnenuntergang und -aufgang erlebt. Man muss dazu perfekte Wetterbedingungen erwischen: kein Regen und Wind unter 30 Stundenkilometern. Die Landschaft über dem Atlantik und den landwirtschaftlichen Feldern und die Suche nach den anderen Inseln unter den Wolken entschädigen für die Probleme des Übernachtens: Beim Wandern muss man mehr mit sich nehmen, beim Schlafen sehnt man sich nach einem gemütlichen Bett. Und Toiletten fehlen einem manchmal auch.

Heiratsantrag auf der Spitze

„Keine Fahrt gleicht der anderen, keine Gruppe kommt zweimal vor. Das Wetter ist immer unterschiedlich, die Landschaft ist immer unterschiedlich schön, und die Wolken bewegen sich jedes Mal anders“, sagt Xavier und begründet so seinen Wunsch, bis zum hohen Alter als Wanderführer weiterzuarbeiten. Das jüngste Mitglied bei einer Besteigung war ein neun Monate altes Baby und das älteste ein 87-jähriger Mann. 2019 schaffte es „Caminhando“, 1300 Personen aller Altersgruppen bei Besteigungen Picos zu begleiten, ohne dass Verletzungen oder große Probleme vorkamen. Unfälle gibt es aber auch. João erfuhr das am eigenen Leib während einer Mittagspause auf der Spitze. Nach dem Essen war sein Körper abgekühlt, und als er spielerisch einem kleinen Kind hinterherrennen wollte, erlitt er einen Muskelfaserriss im Bein. Er sagte es niemandem und beendete die Tour mit Schmerzen. Danach musste er für drei Monate zur Physiotherapie und aufs Wandern verzichten. Schönere Überraschungen gehören auch dazu. „Letzte Woche kam ein nervöser junger Mann zu mir, um um Hilfe zu bitten, seiner Freundin einen Heiratsantrag auf der Spitze zu machen. Wir haben es besprochen, ich habe es gefilmt, und dann waren die beiden sehr glücklich“, sagt der Azorianer.

Weinproben als Plan B

Seine Firma bietet auch andere Aktivitäten an wie Autotouren über die Insel, Wanderungen und Besuche mit Weinprobe in den Weingütern, die als Plan B dienen, wenn das Wetter nicht ideal für eine Besteigung ist. Im Winter nimmt die Nachfrage um 80 Prozent ab, aber man kann trotz der Kälte und des Schnees mit geeigneter Ausrüstung steigen. Die Saisonalität prägt den Tourismus in den Azoren. Deshalb widmet sich Xavier in seinem zweiten Job seinen Weinreben und seiner kleinen Obst- und Gemüseproduktion. Diese Arbeit als Bauer hilft ihm, fit zu bleiben. „Ein Spaziergang im Weinberg ist fast wie ein Spaziergang in den Bergen.“ Jedoch ist die psychologische Last schwieriger als die physische zu bewältigen. „Als ich einmal zwölf aufeinanderfolgende Besteigungen gemacht habe, musste ich mich für zwei bis drei Tage ausruhen, weil ich den Leuten keine gute Gesellschaft mehr leisten konnte.“ Während der ersten Welle der Pandemie gab es natürlich einen riesigen Einbruch der Nachfrage. Der internationale Tourismus verringerte sich, aber dafür stieg der nationale. „Die Portugiesen, besonders Azorianer, haben uns gerettet“, erklärt Xavier mit Dankbarkeit. Im Tourismussektor zu arbeiten bietet tägliche Abenteuer. João Xavier wird seines Arbeitsorts und seiner Heimat nicht müde. Über Besteigungen anderer, höherer Vulkane, wie in Cabo Verde oder in Tenerife, sagt er: „Schön, aber unser Pico ist schöner.“

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