Kategorie -Jugendliche

Mordprozess in Potsdam: Angeklagte berichtet von freudlosem Leben

Die Pflegekraft Ines Maria R. soll vier Schutzbefohlene getötet haben. Zum Prozessauftakt zeichnet die Angeklagte ihre Lebensgeschichte nach und berichtet von einem Suizidversuch in der Jugend sowie langjährigem Alkoholmissbrauch.

Im Prozess um die Tötung von vier Bewohnern eines Potsdamer Heims für Menschen mit Behinderung hat die Angeklagte eine freudlose Kindheit und Jugend geschildert. Sie habe von früher Kindheit an unter Krankheiten und schweren Ängsten gelitten, berichtete die 52-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Potsdamer Landgericht. „Im Kindergarten hatte ich keine Freunde – weil ich mich anders fühlte“, sagte sie. Auch von ihrer Mutter habe sie sich nicht geliebt gefühlt.

Nachdem sie mit 14 Jahren einen Suizidversuch unternommen habe, sei sie für acht Monate in die Charité gekommen und dort in einem Modellversuch mit Medikamenten aus der Schweiz behandelt worden. „Das war mein Trauma“, sagte Ines Andrea R. 1990 habe sie nach einer abgebrochenen Ausbildung zur Pflegerin in einer Potsdamer Einrichtung für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche als Pflegekraft begonnen. „Ich habe mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen gearbeitet – aber mir selbst konnte ich nicht helfen“, schilderte die 52-Jährige ihre damaligen Empfindungen.

1993 wurde das Haus von der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus übernommen, bei der sie bis zu der Tat angestellt war. Von ihrem 20. bis zum 38. Lebensjahr habe R. keine Medikamente genommen, sondern zur Dämpfung ihrer psychischen Probleme Alkohol getrunken. Nach einem Zusammenbruch mit 38 Jahren sei sie erneut therapeutisch und medikamentös behandelt worden.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33

  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der Deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Die 52-Jährige muss sich vor der 1. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts wegen Mordes und Mordversuchs verantworten. Laut Anklage soll sie am Abend des 28. April in dem Wohnheim vier wehrlose Bewohner im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer in ihren Zimmern angegriffen und tödlich verletzt haben. Eine 43-jährige Bewohnerin überlebte schwer verletzt nach einer Notoperation.

Anklage erkennt Heimtücke

Die Staatsanwältin Maria Stiller wirft der R. Heimtücke vor. Sie habe am Tatabend des 28. April gewartet, bis die beiden weiteren Pflegekräfte in anderen Teilen der Station beschäftigt waren, erklärte Staatsanwältin Stiller bei der Verlesung der Anklage. Dann sei sie in zwei Zimmer geschlichen und habe zunächst versucht, zwei Bewohner zu erwürgen.

Als sich dies als zu anstrengend erwiesen habe, habe die Angeklagte in einem Aufenthaltsraum ihren Beutel mit persönlichen Sachen geholt, sagte Stiller. Dabei habe sie einer Kollegin erklärt, sie wolle die Station kurz verlassen. Stattdessen sei sie in die Zimmer von Bewohnern geschlichen und habe ein mitgebrachtes Messer mit einer Klingenlänge von elf Zentimetern aus dem Beutel genommen. Damit habe R. zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit Schnitten in den Hals getötet.

Eine 43-jährige Bewohnerin überlebte einen weiteren Messerangriff schwer verletzt. „Ihr war bewusst gewesen, dass es sich bei den fünf Geschädigten um schwerstbehinderte Menschen handelte, die nicht in der Lage waren, sich zu wehren oder Hilfe zu rufen“, sagte die Staatsanwältin. Diese Wehrlosigkeit habe die Angeklagte ausgenutzt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Pflegekraft die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen hat. Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage bis zum 9. Dezember angesetzt. Insgesamt sollen mehr als 40 Zeugen gehört werden.

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Bezeichnung für etwas Peinliches: Das Jugendwort des Jahres 2021 ist „cringe“

2020 landet er nur auf Platz zwei, nun tritt der Begriff „cringe“ seinen Siegeszug an: Er wird zum Jugendwort des Jahres gewählt. Jugendliche gebrauchen ihn, wenn ihnen Unangenehmes widerfährt. Das Wort kann sich gegen „sus“ und „sheesh“ durchsetzen.

„Cringe“ ist das „Jugendwort des Jahres“ 2021. Der Begriff beschreibt etwas Peinliches oder Unangenehmes und setzte sich beim finalen Voting des Langenscheidt-Verlags mit 42 Prozent der Stimmen durch, wie das Unternehmen mitteilte. Zuvor hatten Jugendliche in mehreren Runden über ihr Lieblingswort abgestimmt – übrig geblieben waren schließlich neben „cringe“ auch die Begriffe „sheesh“ und „sus“.

„Sheesh“ drückt Erstaunen oder Ungläubigkeit aus, das Wort „sus“ heißt so viel wie „verdächtig“ oder „auffällig“. „Sus“ landete im Finale mit 32 Prozent der Stimmen nun auf Rang zwei vor „sheesh“ (26 Prozent). Insgesamt beteiligten sich nach Langenscheidt-Angaben bei der seit dem 14. Juni laufenden Wahl rund 1,2 Millionen Jugendliche. Seit 2020 können Jugendliche über die Webseite des Verlages selbst abstimmen. Zuvor hatten Erwachsene über das Jugendwort entschieden, was immer wieder für Diskussionen gesorgt hatte.

Seit 2008 wählt Langenscheidt das Jugendwort des Jahres – die Wahl wurde in der Vergangenheit mitunter als Werbeaktion des Verlages kritisiert. Im vergangenen Jahr wurde „lost“ zum Jugendwort des Jahres gekürt. Es drückt Ahnungslosigkeit und Unsicherheit aus. Der jetzige Sieger „cringe“ landete im vergangenen Jahr bereits auf Platz zwei.

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Der Tag: Mexikos Drogenbanden rekrutieren Jugendliche über soziale Netzwerke und Videospiele

Die mexikanische Regierung warnt vor einer Infiltrierung von sozialen Netzwerken und Videospielen durch Drogenbanden. Das organisierte Verbrechen nutze Videospiele sowie Online-Netzwerke wie Tiktok und Instagram, um junge Menschen zu rekrutieren, sagte der für Sicherheitsfragen zuständige Staatssekretär Ricardo Mejia. Ein Verdächtiger habe einem Kind einen Job angeboten, nachdem sie ihre Unterhaltung auf Facebook weitergeführt hatten, sagte Mejia. Die Arbeit habe darin bestanden, „Funkfrequenzen zu überwachen, um vor Polizeipräsenz zu warnen“. Dem Netzwerk für Kinderrechte in Mexiko (Redim) zufolge werden in Mexiko jedes Jahr Tausende Kinder von Drogenhändlern und anderen organisierten Banden rekrutiert.

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Ein Ökobauer zwischen Idylle und Überlebenskampf

Ein Ökobauer zwischen Idylle und Überlebenskampf

Frida steht auf einer saftig grünen Wiese. Zufrieden kaut sie das Gras. Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen. Weder die vielen Spaziergänger, die trotz des bewölkten Wetters unterwegs sind, noch die Fliege, die um ihr Ohr summt. Frida lebt auf dem Talacherhof, einem Bauernhof mit ökologischem Leistungsnachweis (ÖLN) in Illnau im Zürcher Oberland. ÖLN bedeutet, dass der Bauer nach den Vorschriften des Labels produziert, was einen Mindeststandard für die umweltgerechte Landwirtschaft in der Schweiz garantiert. Der Talacherhof bietet seinen Kälbchen, Rindern und Kühen einen großen Auslauf und unterhält zudem einen Hofladen zur regionalen Verpflegung, eine Hofbeiz sowie einen Spielplatz für die jungen Besucherinnen und Besucher. Das Sortiment im Hofladen reicht von unterschiedlichen Beerensorten über Kartoffeln und Kürbisse bis hin zu Milch. Die hauptsächlich selbst angebauten und hergestellten Produkte sind stets frisch. Besonders bekannt ist der Bauernhof für seine köstlichen, selbst gemachten Glaces in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Täglich erscheinen zahlreiche Leute, auch von auswärts, und kaufen die frischen Produkte aus dem Hofladen.

Unter Druck von verschiedenen Seiten

Alles gut, könnte man meinen. Doch der Talacherhof hat schon bessere Zeiten erlebt. „Der Wind hat sich in den letzten Jahren gedreht“, sagt Thomas Vollenweider, Betriebsleiter des Hofs und operativer Kopf des Familienbetriebs. Früher seien die Bauern die Helden gewesen, die ihre Familien mit Nahrung versorgten. Heute würden sie als „Sündenböcke“, „Umweltverschmutzer“ und „geldgierig“ gelten. Auf dem Weg von der Werkstatt zur Kuhweide sind in der Scheune Tausende Kartoffeln zu sehen. Der Geruch des Heus, das nebenan von den im Stall gebliebenen Kühen verzehrt wird, steigt in die Nase. Thomas Vollenweider steht unter Druck von verschiedenen Seiten. Die Vorgaben für die Agrarwirtschaft sind vielschichtig und widersprechen sich zum Teil. Einerseits müssen Landwirte ökonomisch produzieren, andererseits so umweltfreundlich wie möglich agieren. Zudem müssen sie in der Lage sein, der ausländischen Konkurrenz mit ihren zum Teil billigen Importwaren Paroli bieten zu können. Alle diese Anforderungen zu erfüllen und am Ende des Tages noch grüne Zahlen schreiben zu können wäre ohne Direktzahlungen des Bundes unmöglich. Die Ausgaben des Bundes für die Landwirtschaft lagen in den vergangenen Jahren bei rund 3,6 Milliarden im Jahr. Dies ist ein exorbitant hoher Betrag, und nicht zuletzt deswegen steht die Landwirtschaft in der Bevölkerung zunehmend in der Kritik. „Diese Direktzahlungen bedeuten für mich aber keinesfalls, dass ich mir einen 13. Monatslohn oder Ferien in Italien leisten könnte. Die Direktzahlungen ermöglichen es mir, dass ich mir einen Traktor vielleicht zwei Jahre früher kaufen kann und es für mich finanzierbar ist, eine alte Maschine in die Reparatur zu bringen“, sagt Vollenweider.

Die meisten entscheiden sich für billiges Fleisch

Als der Milchpreis im Jahr 2016 zusammenbrach und ein Bauer an einem Liter Milch so gut wie nichts mehr verdiente, versuchte die Familie Vollenweider, die Milch etwas wertvoller zu verkaufen. Sie begann aus ihrer Milch Eis herzustellen. Heute ist das Eis bereits in der Altstadt von Zürich zu finden und überall ein großer Renner. „Ich bekomme oft Komplimente für mein Eis, und jedes einzelne freut mich aufs Neue“, sagt Vollenweider. Bei der Kuhweide nähern sich zwei Mädchen dem Weidezaun, während sie an einem Eis schlecken. Sie haben offenbar Fridas Interesse geweckt, denn die hübsche Kuh läuft zielstrebig auf die Mädchen zu, ohne zu merken, dass etliche Rinder und Kälbchen ebenfalls herangeeilt kommen. Manche sind so unsicher auf den Beinen, dass sie umzufallen drohen. Als Frida noch näher auf die Mädchen zugeht, rennen diese leicht panisch davon. Mädchen wie die beiden seien die Zielgruppe von morgen, sagt Vollenweider schmunzelnd. „Die jungen Menschen heute haben einen sehr ausgeprägten Sinn für die Umwelt. Alles muss ökologisch produziert werden, Dünger und sonstige Schadstoffe sind tabu, Tiere sollten draußen auf der grünen Wiese herumtollen dürfen, und Massentierhaltung ist ein No-Go.“ Das Problem sei, dass sich diese ökologische Grundhaltung zwar leicht in den Köpfen niederschlage, sich der große Teil der Bevölkerung aber für die billigere Fleischvariante entscheide, wenn er im Supermarkt vor dem Regal stehe und es um das Geld gehe. Dieses Verhalten findet Vollenweider widersprüchlich und für die Bauern besonders herausfordernd.

Der Schweizer wünscht sich deutlich mehr Aufklärung der Bevölkerung durch die Politik und auch durch die Landwirte selbst. Es sei enorm wichtig, dass den Konsumentinnen und Konsumenten immer wieder vor Augen gehalten werde, dass allein ihr Konsumverhalten über das Angebot entscheide. Wer ökologisch denke, sollte nach ökologischen Gesichtspunkten einkaufen und dafür auch bereit sein, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Ökologie sei nicht gratis. Frida und die braunen Kälbchen und Rinder ziehen ab Richtung Stall. Nicht ahnend, dass sie vermutlich großes Glück haben, ihr Leben auf dem Talacherhof verbringen zu dürfen.

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Hohes Interesse, kaum Motivation: Wahlkampf spricht junge Menschen kaum an

Junge Menschen fühlen sich durch den Bundestagswahlkampf kaum angesprochen – Themen, die ihnen wichtig sind, finden kaum statt. Sie haben teils politisches Interesse, glauben aber nicht, dass die kommende Regierung sich um ihre Belange kümmern wird. Doch einen Hoffnungsschimmer gibt es.

Politiker und Parteien haben im Bundestagswahlkampf einer Studie zufolge an Teenagern und jungen Erwachsenen weitgehend vorbeigeredet. 72 Prozent der 14- bis 24-Jährigen fühlten sich von deren Kommunikation im Wahlkampf „gar nicht“ oder „eher nicht“ angesprochen, wie eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Vodafone Stiftung ergab.

Nur jeder Fünfte stimmte der Aussage zu, dass die Anliegen und Interessen junger Menschen im Wahlkampf ausreichend berücksichtigt würden, die Mehrheit (75 Prozent) sah das nicht so. 92 Prozent der Wahlberechtigten unter den Befragten äußerten zwar die Absicht, wählen zu gehen, aber nur 42 Prozent fühlten sich durch die Kommunikation im Wahlkampf dazu motiviert. Befragt wurden mehr als 2000 14- bis 24-Jährige in den letzten drei Wochen vor der Wahl.

Grundsätzlich zeigte die Altersgruppe ein großes Interesse an der Bundestagswahl. 85 Prozent sagten, es interessiere sie, wie die Wahl ausgehe. Mehr als jeder Zweite (53 Prozent) gab an, sich regelmäßig über die Parteien und Politiker im Wahlkampf zu informieren. Die Mehrheit (58 Prozent) war aber nicht der Meinung, dass sich die meisten Politiker, Politikerinnen und Parteien Mühe geben, junge Menschen für sich zu gewinnen. 38 Prozent waren doch der Auffassung.

Eine Lücke klafft zwischen den Themen, die jungen Leuten wichtig sind, und denen, die ihrer Ansicht nach im Wahlkampf eine große Rolle spielten. Die Befragten konnten aus zwölf Themengebieten maximal drei auswählen, die ihnen selbst besonders wichtig sind, und drei, die ihrer Meinung nach im Wahlkampf im Vordergrund stehen. Bis auf das Thema Umwelt- und Klimaschutz, das jungen Menschen am wichtigsten ist und das ihrer Ansicht nach auch im Wahlkampf einen hohen Stellenwert hatte, gibt es große Unterschiede.

Wenig Interesse an Steuern und Finanzen

43 Prozent nannten Bildung als besonders wichtiges Thema, aber nur 11 Prozent waren der Meinung, Bildung stehe im Wahlkampf im Vordergrund. Für 30 Prozent sind Gesundheit und Digitalisierung wichtige Themen, deutlich weniger hatten den Eindruck (14 und 19 Prozent), dass diese Themen im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielten. Nicht so wichtig sind jungen Leuten Steuern, Finanzen (22 Prozent) und Wirtschaft (17). Jeder Dritte war aber der Meinung, dass diese Themen im Wahlkampf im Vordergrund stünden.

Die Mehrheit (60 Prozent) machte sich mit Blick auf den Wahlkampf keine großen Hoffnungen, dass sich die nächste Regierung mehr um die Belange junger Menschen kümmern wird. Teenager und junge Erwachsene wünschen sich vor allem mehr junge Politiker, damit ihre Interessen besser berücksichtigt werden. 54 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus. Jeder Dritte wäre für eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre.

Immerhin, der neue Bundestag ist jünger geworden: Das Durchschnittsalter liegt jetzt bei 47,3 Jahren. Nach der Bundestagswahl 2017 lag es bei 49,4 Jahren. Jeder vierte Abgeordnete ist jetzt unter 40 Jahre alt (26,2 Prozent). Nach der Wahl 2017 war es nicht mal jeder Fünfte (17,9 Prozent).

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Schwäbische Kaffeeröster bemühen sich um fair vermarkteten Kaffee

Schwäbische Kaffeeröster bemühen sich um fair vermarkteten Kaffee

Das Surren einer Kaffeemühle füllt den Raum, dazu ein dezentes Krachen, Knirschen, Zerbrechen. Das fein gemahlene Pulver rieselt in den Siebträger, fast gleichzeitig breitet sich der schokoladig-nussige Geruch von frisch gemahlenem Kaffee aus. Der 41-jährige Heiko Blocher bereitet einen seiner schon weit über den Stuttgarter Osten hinaus bekannten Schwarzmahler-Espressi zu. Vor zehn Jahren begann der ausgebildete Sozialpädagoge und leidenschaftliche Kaffeetrinker mit Schwarzmahler nachhaltigen, qualitativ hochwertigen und leckeren Kaffee anzubieten. Inzwischen ist sein kleines, liebevoll gestaltetes Geschäft in Stuttgart fest verankert. Kaffeekirschen wachsen nur rund um den Äquator, daher war es für Blocher eine große Herausforderung, wirklich nachhaltigen und direkt zurückverfolgbaren Kaffee für seine eigenen Mischungen zu bekommen. Selbst zu importieren ist für ein kleines Unternehmen wie Schwarzmahler mit viel Aufwand und großen Hürden verbunden. Heiko Blocher hält schon immer viel von südamerikanischem Kaffee. Auf der Suche nach einem verlässlichen Partner lernte er Carola Larios-Postel kennen. Seit einem Jahr arbeitet er mit ihrem vor den Toren Stuttgarts ansässigen Direktimportunternehmen Meámbar zusammen.

Rohkaffee aus Honduras

2015 saß Carola Larios-Postel im Flugzeug von Hamburg nach Honduras. Während des knapp 20 Stunden langen Flugs in die Heimat las sie in einer Zeitschrift über den Direktimport von Kaffee. Sie war von dem Konzept fasziniert, was auch mit der besonderen Beziehung von ihr und ihrem Bruder zu Kaffee zu tun hatte. Ihr Vater war Kaffeebauer und musste seine Finca aufgeben, da sich der Kaffeeanbau finanziell nicht mehr lohnte. Noch im Flugzeug fasste Carola Larios-Postel den Entschluss, Rohkaffee aus Honduras direkt nach Deutschland zu importieren. „Das kann man echt machen!“ Und das ohne Zwischenhändler und viele, die mitverdienen, sodass mehr für die Kaffeebauern im Anbauland übrig bleibt. Kaffeebauern haben es schon immer nicht leicht. Sie verdienen meistens wenig an ihrem Produkt. Dass ein so geringer Anteil am Kaffeepreis bei den Bauern ankommt, hat viele Gründe. Ähnlich wie der Preis für Rohstoffe wird auch der Kaffeepreis an der Börse bestimmt. Er wird durch viele Faktoren beeinflusst, die den Produzenten gar nicht direkt betreffen. Trotzdem wirken sich diese auf seinen Geldbeutel aus.

Der Bauer darf entscheiden

Ein anderer Grund sind die vielen Institutionen und Unternehmen, die außerhalb des Anbaulandes am Kaffee mitverdienen. In Deutschland beispielsweise wird auf Kaffee allgemein eine Steuer von 2,19 Euro je Kilo erhoben. Ob Supermarkt oder Marketingabteilung der Unternehmen, die den Kaffee verkaufen, jeder will ein Stück vom Kuchen. Für den Bauern bleibt am Ende nicht mehr viel übrig. Nicht nur die Preise sind ein Problem. Es kommt nicht selten vor, dass Krankheiten die Ernte zerstören. Dadurch werden nicht nur die Kaffeekirschen gefährdet, sondern auch die Existenz der Bauern und Arbeiter. Für viele ist der Kaffeeanbau die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen. Dass Fincas in Honduras schon über Generationen in Familienbesitz sind, ist nichts Ungewöhnliches. Die meisten Kaffeebauern lernen daher keinen anderen Beruf, es ist klar, dass sie die Finca übernehmen werden. Das wird natürlich zum Problem, wenn Fincas aufgegeben werden müssen. In Honduras angekommen, berichtete Carola Larios-Postel ihrem Bruder Christian von der Idee. Gemeinsam gründeten sie noch im selben Jahr die Firma Meámbar, die heute auch für Schwarzmahler Kaffee importiert. Die Idee hinter Meámbar ist es, „guten Kaffee mit sozialem Hintergrund“ zu verkaufen. Der Kaffeebauer soll nicht nur mehr Geld bekommen, er soll vor allem selbst mitentscheiden können. Larios-Postel sind Verhandlungen auf Augenhöhe mit den Bauern wichtig, „Es ist seine Arbeit, seine Dienstleistung, also darf er bitte schön auch entscheiden, wie viel er dafür bekommt.“

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„Allgemein und uneingeschränkt“: Kinderärzte raten Jugendlichen dringend zur Impfung

Die Datenlage ist für Fachvertreter eindeutig. Kinderärzte werben inzwischen so eindringlich für eine Immunisierung junger Menschen, wie sie dies auch bei Erwachsenen tun. Zudem sprechen sie sich weiter gegen eine Durchseuchung aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren eindringlich aufgefordert, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Nachdem Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben wurden, empfehle ich die Impfung den über Zwölfjährigen heute allgemein und uneingeschränkt, ich werbe dafür so dringlich wie bei Erwachsenen“, sagte Verbandspräsident Jörg Dötsch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig zugunsten der Impfung aus.

Mit Blick auf die Corona-Situation in Schulen sagte Dötsch: „Wir wollen weiterhin keine Durchseuchung der Kinder – aber wir wollen auch unbedingt vermeiden, dass die Jüngsten nochmal unter den Folgen der Schulschließungen und der Isolationsmaßnahmen leiden müssen.“ Die Infektionszahlen seien „nicht mehr das Entscheidende, auch nicht dann, wenn sie regional sehr hoch sind“.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, zeigte sich dagegen von der derzeitigen Entwicklung besorgt. „Auch wenn die allgemeinen Infektionszahlen derzeit noch stagnieren, nehmen gerade an Schulen die Infektionsausbrüche aktuell in einem Ausmaß zu, wie wir es bislang im Pandemieverlauf nicht kannten, vor allem nicht zu einem so frühen Zeitpunkt vor dem Winter“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Ein „Licht am Ende des Tunnels“ sei, dass die Impfquote bei 12- bis 17- Jährigen schnell ansteige. „Wenn es in diesem Land ein Impfangebot für jeden gibt, natürlich auf freiwilliger Basis, dann kann man auch an Schulen zur weitgehenden Normalität zurückkehren“, sagte Meidinger. Dies werde aber nicht vor dem Frühjahr sein.

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Ein Geograf über die Arbeit als Kundenbetreuer eines Biogroßhandelsunternehmens

Ein Geograf über die Arbeit als Kundenbetreuer eines Biogroßhandelsunternehmens

Man muss sich mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen, um sich ausgewogen ernähren zu können“, erklärt Tobias Wilhelm mit ruhiger Stimme und setzt sich im Stuhl zurück. „Es geht nicht um den gänzlichen Verzicht, sondern vielmehr darum, was ich durch mein Tun beeinflussen kann.“ Anders als man vielleicht annimmt, ist er kein Ernährungsberater, sondern Kundenbetreuer beim Großhändler für Naturkost Elkershausen. Der studierte Diplom-Geograf arbeitete bereits während seines Studiums an der Georg-August-Universität Göttingen bei dem Großhändler im Lager. Nach Abschluss des Studiums bewarb er sich als Kundenbetreuer bei dem Unternehmen. „Das hat dann auch gut geklappt, und ich kann nun mein Interesse und mein Wissen zum Thema Ernährung an meine Kunden weitergeben.“ Der „kleine, regionale Großhändler“, wie Tobias Wilhelm sagt, verkauft mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Hamburg Bioware in Norddeutschland und Nordhessen. Von Göttingen aus wird der Biovertrieb, der in den Siebzigerjahren gegründet wurde, geführt, und von dort kauft er global ein.

Müsli wurde in der Badewanne gemischt

Mit dem Ende der politischen 68er-Revolution gab es zu Anfang der Siebzigerjahre den Trend, aufs Land zu ziehen. Diesen Wunsch verfolgte auch die Wohngemeinschaft junger Leute rund um den Gründer und Geschäftsführer des Biounternehmens Hermann Heldberg, und die Gruppe zog nach Elkershausen bei Göttingen. Die hundertprozentige Eigenversorgung war das Ziel der Wohngemeinschaft, die aus drei Paaren bestand. Wilhelm erzählt, dass in der Wohngemeinschaft das Müsli in einer ausrangierten Badewanne selbst gemischt wurde. Heute besteht der Betrieb aus ungefähr 150 Mitarbeitern und beliefert 400 Bioläden in Norddeutschland. Diese Mitarbeiter bauen allerdings nicht selbst an, sondern beliefern die einzelnen Bioläden. Über den Verbund „Die Regionalen“ wird eine Gemeinschaft geschaffen, die zurzeit aus zwölf Großhändlern besteht, die miteinander in Kontakt treten können. Der engste Partner ist Naturkost Erfurt. Im Verbund wird vor allem gemeinsam geplant, zum Beispiel werden Werbeaktionen oder Auftritte auf Messen vorbereitet.

Sie reichern ihre Hofläden an

Regionale Gärtner und Bauern können ihre Ware an Naturkost Elkershausen verkaufen, und deren Ware wird in Norddeutschland an Bioläden weiterverkauft. Durch den festen Stamm an Produzenten und Bioläden, die die Produkte anbauen und verkaufen, entstehe ein durchaus persönliches und freundschaftliches Verhältnis, erklärt Wilhelm. Als Kundenbetreuer hat er allerdings ausschließlich zu denjenigen Bioläden, an die Ware verkauft wird, Kontakt. So arbeitet er in einem Großraumbüro mit zehn weiteren Kollegen in Göttingen und nimmt die Bestellungen von Kunden entgegen und beantwortet Fragen zu einzelnen Produkten, wie zum Beispiel die Herkunft oder auch Verwendungsmöglichkeiten. Es handelt sich dabei um Bestellungen von Milch bis zu Toilettenpapier. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie arbeitet er oft ausschließlich im Homeoffice und nimmt von dort die Bestellungen und Fragen der Kunden entgegen. Interessant ist, dass es zu den regionalen Unternehmen, die selbst anbauen und ihre Ware selbst vermarkten, keine Konkurrenz gibt, da Naturkost Elkershausen von diesen regionalen Produzenten Bioware einkauft, aber sie auch umgekehrt mit Ware aus dem europäischen Ausland oder von Übersee versorgt. So können regionale Produzenten das Sortiment ihrer Hofläden anreichern. „Wir liefern auf Wunsch das, was regional nicht vorhanden ist“, erklärt Wilhelm.

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Der Tag: Jugendliche vor Gericht: 14 Kängurus zu Tode geprügelt

Zwei Jugendliche in Australien müssen sich wegen einer tödlichen Attacke auf 14 Kängurus vor Gericht verantworten. Die beiden 17-Jährigen wurden angeklagt und müssen sich Ende November einem Prozess vor einem Jugendgericht stellen, teilte die Polizei mit. Die toten Riesenkängurus, unter ihnen zwei Jungtiere, waren am Wochenende an zwei verschiedenen Orten nahe der Küstenstadt Batemans Bay im Südosten des Landes entdeckt worden. Ein Baby-Känguru überlebte die Attacke. „Als sie bei uns ankam, war sie so gut wie tot“, sagte eine Vertreterin einer Tierschutzorganisation dem Fernsehsender ABC über das kleine Weibchen. Inzwischen gehe es ihr aber „überraschenderweise unglaublich gut“.

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Schüler sind ein halbes Jahr auf der „Thor Heyerdahl“ unterwegs


Es ist 49,83 Meter lang, sechs Meter breit und hat 14 Segel: die Thor Heyerdahl. Der 3-Mast-Toppsegelschoner ist kein gewöhnliches Schiff. Jedes Jahr erfüllt es Schülerinnen und Schülern einen vielleicht schon lang ersehnten Traum mit dem Projekt Kus, „Klassenzimmer unter Segeln“. Das war zumindest bei Frederik Dürr aus Münnerstadt der Fall. „Das Schiff wurde schon 1930 gebaut, aber nur als Handelsschiff benutzt. 1951 wurde dann ein Dieselmotor eingebaut, der 400 PS aufweist“, erklärt der Schüler. Einige Zeit später, 1979, hat Detlef Soitzek, der auch der Kapitän des Traditionsseglers ist, das Schiff aufgekauft und umgebaut. 2007 musste der Segelschoner aber saniert werden, da 60 Prozent der Beplattung zu dünn waren. Wieder ein Jahr später nahm das Kus-Projekt, das von Ruth Merk geleitet wird, seinen Anfang und schenkt Schülern seitdem ein unvergessliches halbes Jahr. Neben der Projektleitung und dem Kapitän Detlef Soitzek sind auch ein Steuermann, Wachführer, Wachführerassistenten, ein Bootsmann und Maschinisten an Bord. „Nach einzelnen Etappen wird die Besatzung aber auch gewechselt. Und natürlich fahren auch noch fünf Lehrer mit und ein Sportarzt. Mit uns, also den Schülerinnen und Schülern, sind wir dann insgesamt 50 Personen auf dem Schiff“, erklärt Frederik. Der Anteil an Mädchen und Jungen, die dieses Erlebnis erfahren wollen, sei ausgewogen, sagt er.

Dreimal ausschlafen in fünf Monaten

Generell wird diese Reise in zwei Teile unterteilt: die Landaufenthalte und die Zeit auf See. Vor allem auf See sind die Tage anstrengend, da man in Schichten eingeteilt wird, in denen man dann Wache halten muss. „Eine Wache geht zum Beispiel von zwei bis fünf Uhr nachts.“ Diese Wacheinteilung wird eine ganze Etappe lang beibehalten. Auch die Putzstationen werden von den einzelnen Wachen übernommen und wöchentlich getauscht. Wenn man gerne lange ausschläft, ist man bei dem Projekt an der falschen Adresse. Innerhalb von fünf Monaten durften die Zehntklässler nach Dürr erst dreimal ausschlafen. Neben den Wachen gibt es noch viel andere Dinge an Bord zu tun. Jeden Tag ist eine Stunde putzen angesagt. Dafür werden die Jugendlichen wieder in Gruppen eingeteilt, die dann bestimmte Bereiche zugeteilt bekommen. Während die eine Gruppe zum Beispiel für Sanitärbereiche, also für die Waschräume, zuständig ist, müssen die anderen das Deck schrubben. „Dabei helfen alle, auch die Crew. Wir sind eine richtige Gemeinschaft geworden. Aber wie soll das auch anders sein, ich meine, wir leben ein halbes Jahr auf engem Raum zusammen“, sagt Frederik. Zum Putzen kommt noch dazu, dass die Teilnehmer auch etwas essen müssen. Das Kochen machen die Schüler mit Hilfe der Crew selbst. Diesen Küchendienst nennt man Backschaft. Und wenn man für 50 Personen Kartoffeln schälen muss, braucht das seine Zeit. „Das Essen ist aber immer sehr gut, und es ist immer genug für alle da. Außerdem wird sehr darauf geachtet, dass es vitaminreich ist. Wir wollen ja nicht, dass uns wie bei den alten Seefahrern die Zähne ausfallen“, erklärt der Schüler. Auch freut er sich darüber, dass es jeden Nachmittag Kaffee und Kuchen gibt. „Das ist auch immer ein Highlight.“

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