Kategorie -Jugendliche

Fünf Jugendliche sterben bei Busunfall in Spanien

Tragischer Busunfall nach dem Fußball: Fünf Jungen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren sind in Spanien auf der Rückfahrt von einem Spiel getötet worden. Wie Medien unter Berufung auf Behörden berichteten, geschah das Unglück am späten Donnerstagabend in der Provinz Badajoz.

Der Bus mit dem Jugendteam von Monterrubio de la Serena und drei Betreuern sei auf der Landstraße unweit der Gemeinde Castuera auf einer Geraden mit einem Bagger zusammengestoßen. 13 Menschen – vorwiegend Jugendliche – wurden verletzt. Elf von ihnen kamen in Krankenhäuser.

Als der Bus den Bagger überholen wollte, sei dieser aus noch unbekannten Gründen plötzlich auf die linke Spur ausgeschert, berichtete die Onlinezeitung „elmundo.es“.

Dreitätige Trauer ausgerufen

Der Regierungschef der Autonomen Gemeinschaft Extremadura, José Antonio Monago, fuhr in der Nacht zum Unfallort, um den Familien der Opfer und der 2700-Einwohner-Gemeinde Monterrubio de la Serna beizustehen. Er rief eine dreitägige Trauer aus. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy twitterte, er sei „bestürzt“.

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Interview zu Jugend, Medien und Gewalt mit einem Mediencoach der Polizei

Was macht ein Mediencoach? Noch dazu einer, der bei der Polizei arbeitet? Hauptkommissar Uwe Walzel aus Darmstadt ist Mediencoach. Er arbeitet eng mit Schulen zusammen, spricht mit Eltern, Lehrern und Schülern, seine Aufgabe heißt Jugendschutz. Das ist auch der gesetzliche Auftrag der Polizei. Er findet die heutige Jugend gar nicht so schlecht, sie tut nämlich nur das, was Jugend immer tut: Grenzen austesten und oft auch übertreten. Für ihn ist Medienkompetenz eine Erziehungsaufgabe. Die Polizei sieht er dabei als Kooperationspartner für Eltern und Schulen. Die Eltern-Redaktion von t-online.de hat ihn zu Gewalt, Jugend und Medien befragt.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Jugend heute viel krimineller als früher. Ist sie das? Oder ist die heutige Jugend nur anders?

Walzel: Für die meisten Menschen ist die Wahrnehmung diese: Die Jugendlichen werden immer schlimmer, immer brutaler und gewalttätiger. Das sind aber unzulässige Verallgemeinerungen und Verkürzungen. Jugend ist grundsätzlich anders und mit Verlaub, Jugend muss auch anders sein. Es ist natürlich so, dass junge Menschen Straftaten begehen, die Anlass zu Sorgen geben. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die Gesellschaft immer die Kriminalität und die Jugend hat, die sie verdient. Wenn wir uns über Jugendkriminalität beschweren, tun wir im Grunde nichts anderes, als uns über uns selber zu beschweren, weil wir es nicht hinbekommen, den jungen Menschen einen  Rahmen zu geben, in dem sie sich ausprobieren können, erwachsen werden können, Erfahrungen sammeln können, ohne dass dramatische Ereignisse passieren. Und noch ein Widerspruch: Eltern sind doch zu Recht davon überzeugt, dass ihre Kinder einzigartig sind, also können Die Jugendlichen nicht so schlimm sein, oder?

Stichwort Medienkompetenz: Haben junge Nutzer  einen ganz anderen Umgang mit Medien?

Walzel: Viele Medienanwendungen sind ja relativ anwenderfreundlich ausgelegt. Man setzt sich dran, probiert aus und dann funktioniert es. Dieses Spielerische kommt natürlich dem Verhalten von Kindern und Jugendlichen entgegen. Und diese intuitive Nutzung sorgt dafür, dass wir Alten beeindruckt sind, aber ist das wirklich Kompetenz?

Hilft das Jugendlichen nicht für den späteren Beruf?

Walzel: Die Industrie- und Handelskammern beschweren sich regelmäßig, dass Schülerinnen und Schüler immer schlechtere Kenntnisse im Zusammenhang mit Officeanwendungen haben, also in sehr konkreter Mediennutzung. Eigentlich haben wir ein System, das vorgibt, wir machen die jungen Leute fit, wir haben die Wahrnehmung, die sind technisch kompetent, aber objektiv melden uns die Ausbilder und Betriebe etwas anderes zurück.

Cybermobbing: Sind sich die jungen Leute eigentlich bewusst, dass das Unrecht ist, was sie da anonym tun?

Walzel: Nein, sie sind sich nicht bewusst. Das hat zwei Gründe: Jugendliche suchen im Laufe des Heranwachsens nun mal nach Grenzen, wollen sich an Grenzen reiben. Sie wollen wissen: Was passiert, wenn ich die Grenze überschreite? Das ist jugendtypisches Verhalten bis hin zu einer Straftat.  Auch Erfahrungswissen fehlt: wie geht man mit Verantwortung um, mit Risikobereitschaft, wo werde ich oder ein anderer geschädigt.Viele junge Menschen merken gar nicht, wo Grenzen, auch zum Nachteil anderer, überschritten werden, weil wir es ihnen schlicht nicht erklärt haben.  

Gab es so etwas bisher nie, in anderer Form, in anderen Medien? Ist es so, dass einer das vormacht und ein anderer macht es nach?

Walzel: Ja und nein. In TV-Formaten wie “Verstehen Sie Spaß?”, “My funniest homevideo” oder  “Jackass”, wird inszenierte oder tatsächliche Gewalt ausgelebt, die dokumentarisch festgehalten wird.

Es wird eine seltsame Normalität vermittelt. Denken sie an “My funniest home video” oder “Upps! die Pannenshow”. Seit Jahren gibt es diese Formate schon: Menschen senden die persönlichsten Videos mit den schlimmsten Pleiten, Pech und Pannen ein. Da haben Menschen einen Unfall, das hat denen weh getan, und die wussten gar nicht, was ihnen geschah. Wir als Beobachter können uns in unserer Schadenfreude suhlen. Vor allem, weil dann ein Schnitt kommt, ein lustiger Kommentar, ein paar Lacher und dann kommt das nächste Video. Und die nächste Katastrophe und dann Schnitt, nächstes Video. Schnitt, nächstes Video. Lange vor YouTube! Und was haben wir dabei gelernt, als Konsummuster? Hier kann ich meiner Schadenfreude freien Lauf lassen, Mitleid brauche ich nicht. Ich muss nicht sagen, “Oh die arme Frau hat sich vielleicht etwas gebrochen. Muss das Kind nicht in die Notaufnahme?”. Es wird alles dem Spaßfaktor untergeordnet. Die Folgen spielen keine Rolle. Wir glauben, dass wir medienkompetent genug sind, um bei dieser Information entweder aus Schadenfreude zu lachen oder zu sagen, nein, mein Werte- und Normensystem sagt mir, dass ich das doof finde, ich will das nicht sehen, weil dafür ein Mensch leiden muss. Das ist Medienkompetenz.

Also schlechte Vorbilder?

Walzel: Nicht nur Sendeformate, auch wir als Konsumenten sind Vorbilder! Das sind die Faktoren, die junge Leute geradezu ermutigen, ihre Ideen auf diese Weise mal auszuleben, zu dokumentieren und dann hochzuladen. Also eine für uns vordergründig unverständliche Normalität zu sehen. Beispiel Mobbing: Junge Leute betrachten Mobbing als etwas ganz Normales. Es kann doch nicht sein, dass ein Verhalten das auch noch sehr durchdacht und strategisch angelegt ist, bei dem jemand zu Schaden kommt, als normal gilt? Denn normal ist nach unserem Wertesystem, dass wir respektvoll miteinander umgehen.

Kopieren Jugendliche falsche Vorbilder?

Walzel: Gegenfrage: Wo sind die richtigen Vorbilder? Die genannten Zusendungen kommen meistens von Erwachsenen. Die sich in den einschlägigen Shows produzieren, sind hauptsächlich Erwachsene. Auf der anderen Seite fehlen als Gegengewicht die Erwachsenen, die sagen: Pass mal auf, das ist übel , weil es nicht dem entspricht was wir aus Respekt und Wertschätzung in unserem Umgang haben sollten. Hier wird die Sprachlosigkeit von Eltern, von Schule, von den Erziehungsverantwortlichen und auch von uns als Gesellschaft doch deutlich.

Wie kann man vorbeugen?

Walzel: Medienerziehung als Teil der Vorbeugung funktioniert genauso wie das Üben des Schulwegs: Wir erklären es  den Kindern und zwar immer wieder, das ist das pädagogische Prinzip: da geht es lang, da ist der Weg, hinterfragen: kann das Kind die Entscheidung abschätzen, hat das Kind begriffen, nur bei Grün über die Ampel zu gehen, und so weiter …

Ich möchte nicht, dass Eltern sagen, das Internet ist böse, der Computer ist schlecht. Sondern es ist Teil unserer Lebenswelt, unserer modernen Zivilisation, also müssen wir uns von klein auf an den Umgang gewöhnen und zwar an den risikoarmen. Risikofrei wird es nicht geben.  

In welche Abzockfallen können Jugendliche denn tappen?

Walzel: Die Vielzahl der Abofallen und das Hineintappen hat nicht nur etwas mit Jugendlichen zu tun. Da sind Erwachsene genauso gefährdet. Für Jugendliche typische Fallen sind Referathilfen, Mode, Elektronik: Die Frage ist: Wo registriere ich mich, wo muss ich meine Neugierde zügeln? Genauso, welche Daten stelle ich bei facebook, SchülerVZ und so weiter ein, was lasse ich besser bleiben.

Warum wird man so leicht Opfer?

Walzel: Wo sich Menschen tummeln, besteht immer die Möglichkeit, dass sich da Täter tummeln, die durch Gutgläubigkeit oder Gier Andere zu einem Verhalten bringen, das ihnen einen Vermögensvorteil bringt. Das alles gilt auch für das Netz, aber eben nicht nur für Jugendliche.

Wie kommt man da wieder raus?

Walzel: Grundsätzlich gibt es bei den Verbraucherzentralen Informationen und Verhaltenstipps. Aber die Abzocker nutzen natürlich aus, dass junge Leute nicht ihre Erziehungsberechtigten informieren. Wenn Eltern mit dem Nachwuchs zusammen die Sache durchstehen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese Gauner eben nicht zu ihrem Profit kommen. Also das Hauptproblem ist: Wie können wir Erwachsenen es hinbekommen, dass die jungen Leute uns vertrauen. Dass sie kommen und sagen: Mir ist da was Blödes passiert, ich habe da irgendwas aktiviert und jetzt bekomme ich eine Rechnung zugeschickt. Diese Offenheit zwischen Eltern und Kind muss auf jeden Fall gegeben sein.

Wie steht es um die Jugendschutzbestimmungen? Um die Altersfreigaben von Filmen und Computerspielen?

Walzel: Ich halte den deutschen Jugendschutz bei Medien nach wie vor für gut und durchdacht. Im Regelfall ist das Verkaufspersonal geschult und sensibilisiert. Schwierig wird es dann, wenn die Hauptverantwortlichen, nämlich die Erziehungsberechtigten nicht ihre Verantwortung wahrnehmen. Jugendschutzbestimmungen, wie USK- und FSK-Freigaben, soll man nicht nur respektieren, weil sie nett gemeint sind, nein, das ist geltendes Recht.

Was ist Ihr Fazit?

Walzel: Alles steht und fällt mit uns Erwachsenen. Dass die jungen Leute immer versuchen zu schieben, drehen und tricksen, das ist jugendtypisches Verhalten, da sollten wir nicht ungerecht unseren Kindern gegenüber sein. Väter und Mütter machen sich Sorgen – auch normal, aber wie erreichen wir, dass den Kindern klar wird, wie schlimm  es wäre, wenn sich die Eltern keine Sorgen machen würden. Umso mehr gilt: Wie bleiben wir verlässlich, wie und was erklären wir, sind wir sprachlos oder bereit, auch Konflikte auszuhalten?

Herr Walzel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Mobbing beeinträchtigt die Gesundheit – auch viele Jahre später

Einige Kinder erleben es nie oder nur einmal andere immer wieder: Mobbing. Von seinen Altersgenossen schikaniert zu werden, ist nicht nur im Moment des Geschehens belastend, es kann auch noch Jahre später die Gesundheit beeinträchtigen, fanden Wissenschaftler. Doch Mobbing hat für eine andere Gruppe auch eine positive Seite, was die Gesundheit angeht.

Mobbing schadet langfristig der Gesundheit. Kinder und Jugendliche, die im Schulalter von anderen gedemütigt oder schikaniert wurden, zeigen noch im Erwachsenenalter Anzeichen einer chronischen Entzündung im Körper. Dies berichten Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („Pnas“). Erstaunlicherweise scheine es der Gesundheit zuträglich zu sein, selbst zu mobben, schreiben die Forscher weiter.

Chronische Entzündung durch Mobbing

Mobbing beeinträchtigt nicht nur die psychische, sondern auch die körperliche Gesundheit von Kindern. Sie kann dann zu Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen oder einer insgesamt höheren Anfälligkeit für Krankheiten führen. Bisher sei nur wenig darüber bekannt, auf welchem Weg sich die soziale Ablehnung auf die Gesundheit auswirke, erläutern die Wissenschaftler – eine Möglichkeit sei über eine chronische, niedriggradige Entzündung. Die kann unter anderem durch die Messung des C-reaktiven Proteins, kurz CRP, nachgewiesen werden.

Entzündungswerte im Blut gemessen

Genau dies taten die Forscher um William Copeland von der Duke University in Durham (US-Staat North Carolina) nun bei insgesamt 1420 Menschen zwischen neun und 21 Jahren, die sie über viele Jahre wissenschaftlich begleitet hatten. Sie führten bis zu neun mal im Untersuchungszeitraum Interviews mit den Probanden, in denen sie diese unter anderem fragten, ob sie Mobbing erlebt oder selber gemobbt hatten. Zudem nahmen sie ihnen Blut zur Bestimmung des CRP-Werts ab.

Gemobbte Kinder haben höhere Entzündungswerte

Es ist bereits bekannt, dass der CRP-Wert beim Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter steigt. Die Forscher stellten nun aber fest, dass bei gemobbten Kindern die Werte im jungen Erwachsenenalter (19 bis 21 Jahre) deutlich stärker gestiegen waren als bei nicht-gemobbten Kindern. Die Werte stiegen zudem mit der Häufigkeit, mit der die Jugendlichen zum Opfer geworden waren. Die Forscher berücksichtigten dabei auch andere mögliche Gründe für einen Anstieg der CRP-Werte, etwa ein erhöhtes Körpergewicht, Drogenmissbrauch oder andere psychosoziale Probleme in der Kindheit.

Mobber haben gesundheitliche Vorteile

Mobbende Kinder hatten hingegen einen deutlichen geringeren Anstieg der CRP-Werte. Er war sogar geringer als bei solchen Menschen, die mit Mobbing überhaupt nicht in Berührung gekommen waren. Jugendliche, die sowohl Opfer als auch Täter waren, hatten einen ähnlichen CRP-Anstieg wie Menschen ohne Mobbing-Erfahrungen.

„Unsere Studie zeigt, dass die Rolle eines Kindes beim Mobben sowohl ein Schutz- als auch ein Risikofaktor für eine niedriggradige Entzündung sein kann“, sagte der Erstautor der Studie, William Copeland. „Ein gestiegener sozialer Status scheint einen biologischen Vorteil zu haben. Es gibt aber auch andere Wege als Mobbing, um sozialen Erfolg zu erfahren.“

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Jugendkriminalität: Langzeitstudie widerlegt viele Vorurteile

Wenn ein Jugendlicher einmal auf die schiefe Bahn gerät, ist seine Zukunft ruiniert, oder? Eine Langzeitstudie zu Jugendkriminalität widerlegt dieses Vorurteil und noch einige mehr.

Das Klischee „Einmal Verbrecher – immer Verbrecher“ trifft einer Langzeitstudie zufolge auf jugendliche Intensivtäter nicht zu. „Selbst Intensivtäter steigen aus“, sagte der Kriminologe Professor Klaus Boers von der Universität Münster bei der Vorstellung der Studie. Nach Darstellung der Autoren handelt es sich um die erste deutsche Langzeitstudie zur Jugendkriminalität.

Duisburg- stellvertretend für deutsche Großstädte

Schüler, die mehrfach durch Straftaten aufgefallen sind, finden an der Schwelle zum Erwachsenwerden meist den Weg in die Normalität, und Migrantenkinder sind nicht gewalttätiger und krimineller als deutsche Jugendliche. Das sind zwei wesentliche Ergebnisse der Untersuchung,

Seit dem Jahr 2002 werden über 3400 Duisburger regelmäßig zur Entwicklung ihres Strafverhaltens befragt. Zu Beginn waren sie durchschnittlich 13 Jahre alt. Nach Angaben der Wissenschaftler ist die Langzeitstudie repräsentativ für deutsche Großstädte.

Ladendiebstahl ist das häufigste Delikt

Die meisten Jugendlichen begehen demnach bis zu ihrem 18. Lebensjahr mindestens eine Straftat, am häufigsten Ladendiebstahl. 84 Prozent der Jungen und 69 Prozent der Mädchen gaben in der anonymen Befragung zu, schon einmal ein Delikt verübt zu haben. „Das Meiste regelt sich von selbst – ohne Eingriffe durch Polizei oder Justiz“, berichtete Boers. „Durch Ausloten und Überschreiten von Grenzen wird gelernt, was erlaubt und was verboten ist“, erläuterte der Kriminologe.

Intensivtäter brauchen neuen Halt in der Gesellschaft

Problematisch sei allenfalls eine kleine Gruppe von Intensivtätern, die mindestens fünf Gewaltdelikte pro Jahr begehen. Auf ihr Konto geht die Hälfte aller Straftaten und über drei Viertel aller Gewaltdelikte .

Anders als oft behauptet, fänden aber die meisten doch noch zurück auf die gerade Bahn – wenn auch etwas später. Wichtig sei dabei eine feste Beziehung mit einem gesellschaftskonformen Partner und ein stabiles Arbeitsverhältnis. Schulen hätten keinen großen Einfluss auf Intensivtäter. Sie müssten das Thema Kriminalprävention aber insgesamt zu ihrem Thema machen, forderte der Wissenschaftler.

Klischee über ausländische Jugendliche widerlegt

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Türkische Migranten sind nicht häufiger an Gewaltdelikten beteiligt als deutsche Jugendliche. „Das hat uns selbst überrascht“, räumte Boers ein. Zahlreiche Studien vor allem der 90er Jahre seien zu anderen Ergebnissen gekommen. Jugendliche mit ausländischen Wurzeln folgten eher traditionellen Werten. „Vor allem ist ihr Alkoholkonsum geringer.“ Der spiele wiederum eine große Rolle bei Gewalttaten.

Strafen schrecken Jugendliche nicht ab

Insgesamt gaben in den Befragungen über ein Drittel der Mädchen und fast zwei Drittel der Jungen zu, schon einmal ein Gewaltdelikt begangen zu haben. Dazu zählten Körperverletzung mit und ohne Waffen sowie Raub – unter anderem Handtaschenraub und „Abziehen“ von Opfern. Soziale Herkunft, Armut oder Jugendarbeitslosigkeit machten dabei keinen großen Unterschied, berichtete Boers.

Die Langzeituntersuchung habe außerdem ergeben: „Strafen schrecken nicht ab.“ Zwar könne nicht gänzlich darauf verzichtet werden. Als Faustregel gelte aber: „Weniger ist mehr. Je härter die Strafe, desto höher das Rückfallrisiko. Erziehungsmaßnahmen vor Arrest und Freiheitsstrafe.“

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AGJ-Studie: Jedes dritte Kind in Deutschland wächst ohne Perspektive auf

In Deutschland droht nach Ansicht von Experten ein Drittel der Kinder und Jugendlichen abgehängt zu werden. Sie wüchsen unter Bedingungen auf, die noch nie so ungerecht wie heute gewesen seien, kritisierte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) auf Grundlage einer neuen Studie. Dem gegenüber gehe es zwei Dritteln der Kinder und Jugendlichen so gut wie noch nie.

„Die Schere geht immer weiter auseinander“, sagte die AGJ-Vorsitzende Karin Böllert. Dabei sei die Lage für das „Verlierer-Drittel“ fatal. „Kinder, die einmal abgekoppelt sind, haben kaum Chancen, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.“ In Berlin beispielsweise lebe jedes dritte Kind von staatlichen Geldern, ergänzte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Aufwachsen mit einer „Risiko-Hypothek“

Die benachteiligten Minderjährigen tragen nach Böllerts Worten eine „Risiko-Hypothek“. Dazu gehörten Armut im Elternhaus, ein geringes Bildungsniveau in der Familie oder Arbeitslosigkeit der Eltern. Insgesamt ist ein Drittel der Kinder und Jugendlichen von mindestens einem dieser Faktoren betroffen. Auf viele junge Menschen treffen jedoch gleich mehrere dieser Risiken zu, erklärte die AGJ-Vorsitzende. Häufig handele es sich dabei um Kinder aus Migrantenfamilien und von Alleinerziehenden.

Für die Studie hat die AGJ bundesweit amtliche Statistiken der vergangenen 20 Jahre ausgewertet. Danach wachsen heute 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien auf, in denen großer Geldmangel das Alltagsleben prägt. Zwölf Prozent haben Eltern ohne ausreichende Schulbildung und in zehn Prozent der Familien haben die Eltern keine Arbeit.

Die Förderung der Kinder muss weiter gestärkt werden

Deutschland könne es sich nicht leisten, Kinder mit schlechten Startchancen ins Leben zu schicken, mahnte Böllert. Sie forderte, sich intensiver als bisher um die „Bildungsverlierer“ zu kümmern. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft eine noch gezieltere und individuellere Förderung von Kindern und Jugendlichen außerhalb ihrer Elternhäuser – und zwar von Anfang an. So müsse in Kitas auf drei Kinder unter drei Jahren eine Erzieherin kommen. Noch entfielen vier oder mehr Kinder auf einen Betreuer. Zudem müsse es auch für Kinder arbeitsloser Eltern Ganztagsplätze in Schulen und Kindergärten geben.

Deutschland ließ sich die Kinder- und Jugendhilfe nach Berechnungen des Verbandes im Jahr 2012 rund 32 Milliarden Euro im Jahr kosten, so viel wie noch nie. 2002 waren es 20 Milliarden Euro. Den größten Zuwachs gab es durch den neuen Anspruch auf einen Krippenplatz bei den Kitas. 70 Prozent der Kosten für die Kinder- und Jugendhilfe finanzieren die Kommunen. Damit haben sie ihre Ausgaben dafür laut Untersuchung seit 1990 mehr als verdoppelt.

Die anderen zwei Drittel

Knapp 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen geht es nach der Studie noch nie so gut wie heute. Im Ergebnis verzeichnen die Autoren einen „enormen Bildungsaufstieg“ dieser jungen Generation. Die Hälfte schaffe inzwischen das Abitur, der Anteil der Schulabbrecher nehme kontinuierlich ab und liege heute bei weniger als sieben Prozent.

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Radikalisierungsberater – Nachfrage steigt

Was tun, wenn Jugendliche sich plötzlich radikalen islamistischen Predigern anschließen? Das Bundesamt für Migration hilft seit zwei Jahren betroffenen Angehörigen. Der Bedarf ist groß.

Jugendliche, die in die radikale islamistische Szene abdriften und Eltern, die ratlos zusehen: Immer mehr solcher Fälle landen bei der „Beratungsstelle Radikalisierung“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Seit Anfang 2012 haben die Experten die Familien von 250 Jugendlichen beraten, Und die Nachfrage steige: Allein seit Jahresanfang fielen 50 neue Fälle an. 900 Anrufer hätten sich bisher mit Hilferufen an die Hotline gewandt. Die vom Bundesinnenministerium finanzierte Beratungsstelle sei in Europa einzigartig.

Verzweifelte Mütter und Geschwister nutzen Hotline

Meist sind es Eltern, Geschwister, Partner oder Freunde, die sich an die Hotline wenden. Am häufigsten rufen verzweifelte Mütter an. Die drei Mitarbeiter der zentralen Stelle in Nürnberg vermitteln die Anrufer dann an eine der vier regionalen Beratungsstellen in Aschaffenburg, Berlin, Bremen und Bochum.

Kommunikation wieder kitten

Die Experten dort versuchen meist, die gestörte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern zu kitten. Die Leiterin der Berliner Beratungsstelle „Hayat“, Claudia Dantschke, erklärte, die Jugendlichen würden oft durch innerfamiliäre Probleme in die Hände von radikalen Islamisten wie etwa Salafisten getrieben. „Dort fühlen sie sich dann emotional aufgehoben, akzeptiert und verstanden.“ Die Gründe, warum sich ein Jugendlicher von den Eltern ab- und dem radikalen Islam zuwende, seien vielfältig, etwa zu wenig elterliche Aufmerksamkeit oder ein zu autoritärer Erziehungsstil.

Das ist die Zielgruppe

70 Prozent der betroffenen Jugendlichen seien männlich, zwei Drittel zwischen 18 und 24 Jahren alt. Viele Betroffene seien Deutsche, sagte Schmidtke. Es sei also bei weitem kein Ausländerphänomen.

Manche Eltern seien arbeitslos, andere Ärzte. Brennpunkte für die radikale islamistische Szene in Deutschland seien Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Hamburg und Bremen, aber auch der süddeutsche Raum, sagte Schmidtkes Kollege Florian Endres. Allein aus Nordrhein-Westfalen kamen 80 der 250 beratenen Familien, in Bayern waren es bisher 30.

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Rauchen: Was tun, wenn das Kind raucht?

Seit Jahren sind die Zahlen der jugendlichen Raucher in Deutschland rückläufig. In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen liegt der Anteil nur noch bei zwölf Prozent, und 72 Prozent der Teenies haben laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) noch nie an einer Zigarette gezogen. Für Eltern ist es aber meistens ein Schock, wenn sie ihr Kind beim Rauchen erwischen. Wie sollten Eltern dann reagieren?

So war es eigentlich schon immer: Irgendwann will fast jeder Jugendliche einmal das Rauchen ausprobieren. Das gehört zu Jugend und Pubertät dazu. Wichtig ist, dass Kinder in dieser Phase bereits wissen, mit welchen Risiken Tabakkonsum verbunden ist. Das gilt für Zigaretten genauso wie für das momentan angesagte Shisha-Rauchen. So lässt sich in manchen Fällen verhindern, dass aus dem Testen eine Gewohnheit wird. Es ist daher sinnvoll, wenn Eltern schon frühzeitig ein aufklärendes Gespräch mit dem Kind suchen. Am besten findet ein solches Gespräch sogar schon vor der ersten Zigarette statt, denn auch wenn Jugendliche ab etwa 13 Jahren das Rauchen für cool halten, zuvor finden sie es meistens gar nicht gut.

Mit einigen deutlichen Argumenten lässt sich diese negative Einstellung gegenüber dem Rauchen beibehalten. In dem Gespräch sollten Eltern auf Vorwürfe und Strafandrohungen verzichten, sondern sachlich erklären, welche Folgen das Rauchen haben kann. Statt nur auf Gefahren wie Lungenkrebs und Raucherlunge hinzuweisen, sollten kurzfristige Folgen in den Vordergrund gerückt werden: der schlechte Atem, stinkende Kleidung, weniger Geld, nachlassende Ausdauer beim Sport. Jugendliche interessieren sich weniger für das, was einmal in 20 Jahren sein kann.

Zwei Zigaretten am Tag können schon süchtig machen

Auch das Problem der Abhängigkeit und die Schwierigkeit, mit dem Rauchen wieder aufzuhören, sollten Eltern ansprechen – denn Teenager täuschen sich, wenn sie glauben, sie könnten schnell wieder mit dem Rauchen aufhören. Um eine Sucht zu entwickeln, reichen für 13- bis 17-Jährige laut einer Studie der Universität in San Francisco schon zwei Zigaretten täglich.

Jugendliche greifen selten zur Zigarette, wenn sie allein sind, sondern meist nur gemeinsam mit Freunden. Am besten überlegen Eltern mit ihren Kindern, wie diese mit dem Gruppendruck umgehen können: Zum Beispiel was Kinder antworten können, wenn ihnen eine Zigarette angeboten wird oder sie zum Mitrauchen aufgefordert werden. Vor allem Mädchen rauchen auch, weil sie glauben, dadurch ihr Gewicht halten zu können. In diesem Fall sollten Eltern auf Alternativen wie Sport oder gesunde Ernährung hinweisen.

Eltern sollten das Rauchen in der Wohnung verbieten

Was aber tun, wenn das Kind bereits regelmäßig raucht? Auch wenn Eltern, die versuchen ihren Kindern das Rauchen auszureden, „nerven“, ist eine eindeutige Haltung seitens der Eltern angebracht. Jugendliche rauchen, um attraktiver, interessanter, einfach cooler zu erscheinen – ein Verhalten, das Eltern als Teil des Erwachsenwerdens verstehen müssen. Daher sollten sie Verständnis für ihre Kinder haben und versuchen mit sachlichen Argumenten und Informationen zu überzeugen und nicht mit sich wiederholenden Vorwürfen.

Eltern sollten das Rauchen im Kinderzimmer und in der restlichen Wohnung nicht einfach akzeptieren. „Da darf nicht geraucht werden, schon im Hinblick auf das Jugendschutzgesetz“, sagt Gabriele Bartsch von der Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm. Bei allem Verständnis der Eltern darf das Kind nicht den Eindruck bekommen, dass die neue Gewohnheit geduldet wird. Zudem sollten Eltern darauf achten, ihre Kinder im Rauchen nicht unfreiwillig zu unterstützen: „Bei 25 Euro Taschengeld die Woche können sie sich natürlich locker eine Stange leisten.“

„Aber du rauchst doch auch!“

Wenn Eltern hingegen selbst Raucher sind, bestehen gleich zwei zusätzliche Probleme: Die gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens und die Schwierigkeit als Raucher glaubwürdig gegen das Rauchen zu argumentieren. In diesen Fällen ist der Satz „aber du rauchst doch auch!“ beinahe vorprogrammiert. Doch gerade diese Konstellation kann sogar in den Gesprächen mit dem Kind zum Vorteil werden, man weiß schließlich, wovon man spricht.

Eine frühere Untersuchung der BZgA zeigte, dass rauchende Eltern ihre Kinder vom regelmäßigen Rauchen abhalten können, wenn sie das Rauchen ablehnen und das den Kindern auch klar machen. Sprechen sie über ihre eigenen Probleme mit der Sucht, gewinnen sie an Glaubwürdigkeit. Trotzdem zeigen Studien, dass Kinder von Rauchern ein größeres Risiko tragen, ebenfalls einmal Raucher zu werden.

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Rauchen: Verteuerung von Zigaretten schreckt Jugendliche ab

Noch immer gibt es in Deutschland Kinder und Jugendliche, für die Rauchen zum Alltag gehört – doch ihre Zahl ist in den letzten zehn Jahren stark gesunken. Der Bewusstseinswandel beim Thema Rauchen, der große Teile der Gesellschaft erfasst hat, ist auch bei den Jüngeren angekommen. Krebsforscher sind sich sicher: Preiserhöhungen sind die beste Prävention.

Krebsforscher: Es rauchen immer noch zu viele Jugendliche

Betrug der Raucheranteil unter den zwölf- bis 17-Jährigen im Jahr 2001 noch 28 Prozent, rauchten 2012 nur noch zwölf Prozent. Trotz dieses deutlichen Rückgangs gebe es immer noch viel zu viele junge Raucher, sagt die Leiterin der DKFZ-Stabsstelle Krebsprävention, Martina Pötschke-Langer. Sie warnt vor den gesundheitlichen Folgen des Rauchens: Atemwegsbeschwerden, geringere körperliche Leistungsfähigkeit, Asthmagefahr, ein schnellerer Alterungsprozess. Und dann sei da natürlich der Krebs: Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs.

Verteuerung von Zigaretten ist der stärkste Hebel

Das weniger Jugendliche rauchen, ist nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) aber nicht in erster Linie der Einsicht zu verdanken, dass Rauchen der Gesundheit schadet. Größeren Einfluss hätten Nichtraucherschutzgesetze und die lebhafte öffentliche Debatte über das Rauchen – vor allem aber die Erhöhung der Tabaksteuer. Pötschke-Langer meint: „Je teurer das Produkt wird, desto weniger wird geraucht.“ Deshalb fordert sie auch eine schrittweise weitere Erhöhung der Steuer. „Das Geld ist wirklich ein entscheidender Faktor für Kinder und Jugendliche.“ Wer an dieser Stellschraube drehe, könne die Zahl der jugendlichen Raucher noch weiter senken.

Fadenscheinige Argumente der Tabaklobby

Eine Sprecherin des Tabakkonzerns Philip Morris International betont zwar ebenfalls: „Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche rauchen.“ Bei einer dramatischen Erhöhung der Tabaksteuer bestehe aber die Gefahr, dass sich der illegale Zigarettenhandel weiter verstärke. „Vor dem Hintergrund sind wir gegen exzessive Steuererhöhungen. Denn die großen organisierten Zigarettenschmuggler und die kleinen Straßenhändler halten sich an keine Regulierung.“

Viele Eltern tolerieren Kippen in Kinderhänden

Ob Kinder und Jugendliche anfingen zu rauchen, hänge stark vom Elternhaus und vom Freundeskreis ab, betont Pötschke-Langer. „Diejenigen, die schon schwerst abhängig sind, haben oft stark rauchende Eltern – die lernen das Rauchen praktisch am Küchentisch. Für diese Kinder ist es unglaublich schwierig, aus diesem Verhalten wieder rauszukommen. Es ist schließlich das Verhalten ihrer Eltern.“

Es bieten zwar einige Beratungsstellen Raucherentwöhnungskurse für Jugendliche an, doch die Nachfrage ist gering. Nicht etwa, weil niemand sie bräuchte, sagt der Leiter der Heidelberger Fachstelle Sucht, Ralf Krämer. „Viele Eltern regen sich nicht auf, solange es nichts Schlimmeres als Rauchen ist. Nur in krassen Ausnahmefällen rufen Eltern hier bei uns an.“ Zumal längst nicht alle jungen Raucher ihr Laster ablegen wollten.

Nichtraucher-Kampagnen für Schüler verpuffen

Auch die Schulprogramme zur Tabakprävention erreichen nur einen geringen Teil der Kinder und Jugendlichen, beklagt das DKFZ. Die beiden größten Programme „Klasse 2000“ und „Be Smart – Don’t Start“ gingen an 85 Prozent der Erstklässler und an 91 Prozent der elf- bis 14-Jährigen vorbei. „Sie können daher in Deutschland – wenn überhaupt – nur einen geringen Beitrag zum Rückgang des Raucheranteils unter Jugendlichen geleistet haben“, heißt es in einer DKFZ-Publikation.

Rauchen ist immer noch ein Ritual

Wenn Freunde rauchten, gehöre für Jugendliche unheimlich viel dazu, wieder aufzuhören, sagt Krämer. „Es bedeutet, sich auszuschließen. Die anderen haben dann etwas gemeinsam und teilen sich dieses Ritual.“ In diesem Alter mache es den Reiz aus, richtig dabei zu sein, anstatt nur dabeizustehen. Zigaretten dienten einigen Schülern noch immer als Mittel zur Selbstinszenierung. Erwachsen, cool, interessant, frei, tragisch: Attribute, die dem Bild des Rauchers für viele noch immer anhaften – trotz Nichtraucherschutzgesetzen und Tabaksteuer.

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Wie Jugendliche Rassismus im Alltag erleben

In Deutschland haben rund 16 Millionen Menschen eine Zuwanderungsgeschichte. Auch wenn die Hälfte von ihnen eine deutschen Pass hat: Wer als „Ausländer“ wahrgenommen wird, sieht sich häufig mit diskriminierenden Klischees konfrontiert. Solche Erfahrungen müssen auch viele Kinder und Jugendliche machen, insbesondere wenn sie durch ihre Hautfarbe nicht als typisch europäisch wahrgenommen werden. Eine junge Frau mit somalischen Wurzeln erzählt, wie sie seit ihrer Kindheit mit Ungerechtigkeiten, Ausgrenzung und rassistischen Äußerungen umgeht.

Glaubt man offiziellen Statistiken, so ist es im Einwanderer- und Multi-Kulti-Land Deutschland nicht weit her mit der Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen, die keine europäischen beziehungsweise deutschen Wurzeln haben. Denn jeder fünfte – so die Zahlen einer Studie der Friedrich-Ebert Stiftung und der Uni Bielefeld – hat tendenziell eine ausländerfeindliche Einstellung, und jeder zweite hat Angst vor Überfremdung.

Solche Ressentiments treten meist nicht offen zutage. Rassismus und Diskriminierung im Alltag finden nämlich meist eher beiläufig statt und sind so unterschwellig, dass es kaum als gesellschaftliches Problem wahrgenommen wird, und im öffentlichen Bewusstsein verharmlost, beziehungsweise verleugnet wird.

Das „N-Wort“ ist aus dem Wortschatz nicht verbannt

Was es heißt, augenscheinlich anders zu sein und damit immer wieder konfrontiert zu werden, weiß die 19-jährige Leila seit ihrer frühen Kindheit. Als sie drei Jahre alt war, flohen ihre Eltern vor dem Bürgerkrieg in Somalia und begannen im Rhein-Main-Gebiet ein neues Leben. Heute hat Leila einen deutschen Pass und fühlt sich mit ihrer Familie hier zu Hause. Wie eine „Einheimische“ wird sie aber trotzdem nicht immer behandelt. Das bekommt sie vor allem dann zu spüren, wenn sie zum Beispiel Sticheleien von anderen Jugendlichen ausgesetzt ist.

„Von wegducken halte ich nichts“

„Manchmal werde ich blöd angemacht. Einfach so. Dann fällt auch mal das böse ‚N-Wort‘. Viele in meinem Alter kennen nämlich gar nicht die negative Bedeutung des Ausdrucks und haben keine Ahnung, dass man Sklaven früher so nannte und beschimpfte. Dann werde ich wütend und sage meine Meinung. Das hat bisher gut funktioniert und ich werde dann in Ruhe gelassen. Von wegducken halte ich nichts. Das macht einen nur ängstlich und klein.“

Alltagsrassismus ist eine harte Probe für das Selbstwertgefühl

Etwas mehr Verständnis als für Gleichaltrige bringt Leila für ältere Menschen auf, die ihr gegenüber misstrauisch sind und auf Distanz gehen. Als sie vor drei Jahren ein Praktikum im Seniorenheim machte, erlebte sie manchmal sogar offene Feindseligkeit, erinnert sie sich:  „Ein alter Mann beschimpfte mich dort regelmäßig und sagt mir, Afrikaner hätten in diesem Land nichts zu suchen. Aber so eine Haltung kann ich sogar irgendwie nachvollziehen und verzeihen. Diese Generation ist eben anders aufgewachsen. In deren Jugend gab es kaum Menschen, die von anderen Kontinenten stammten und eine andere Hautfarbe hatten.“

Als besonders kränkend empfand Leila vor nicht allzu langer Zeit das unangenehme Ende einer Shoppingtour, bei der sie in einer Filiale einer großen Modekette von einem Detektiv des Diebstahls bezichtigt wurde, obwohl eigentlich keine Verdachtsmomente vorlagen, wie sie sagt: „Auch als die Leute von dem Laden nach gründlicher Durchsuchung nichts in meinen Taschen fanden, musste ich trotzdem noch dableiben und mich bis auf die Unterhose ausziehen, um nachzuweisen, dass ich auch wirklich nichts geklaut hatte. Das war sehr demütigend. Ich frage mich, ob ich auch so behandelt worden wäre, wenn ich eine andere Hautfarbe hätte.“

Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten auch in der Schule

Leilas Psyche scheint aber trotz solcher verletzender Erlebnisse offenbar keinen großen Schaden genommen zu haben. Die junge Frau mit somalischen Wurzeln gibt sich sehr selbstbewusst. Sie ist zielstrebig und versucht auch in der Schule ihr Bestes zu geben: Gerade macht sie ihren Realschulabschluss und will danach das Fachabitur schaffen. Trotzdem: Auch in der Schule läuft bei ihr nicht immer alles glatt, denn sie hat regelmäßig mit Hindernissen zu kämpfen, die vielleicht nicht existieren würden, so Leilas Annahme, wenn ihre Herkunft eine andere wäre.

„In meiner Schulzeit gab es bisher immer wieder Ungerechtigkeiten. Öfter habe ich mit denselben Noten bei Klassenarbeiten eine schlechtere Gesamtbewertung bekommen als zum Beispiel Kinder, deren Eltern nicht aus Somalia, Marokko oder der Türkei stammen. Häufig wurden diese Schüler auch bei der mündlichen Mitarbeit vorgezogen und ich wurde gar nicht dran genommen, obwohl ich mich genauso viel meldete.“

Studien: Migrantenkinder sind in der Schule häufig benachteiligt

Obwohl ungerechte Benotungen grundsätzlich ein heiß diskutiertes Thema unter Schülern sind und es oftmals schwer fällt, die wirklichen Gründe dafür zu benennen, bestätigen Untersuchungen von Soziologen der Evangelischen Hochschule Berlin, dass Migrantenkinder tatsächlich häufig benachteiligt werden. Seit den PISA-Ergebnissen von 2001 sähen viele Eltern durch Mitschüler mit Migrationshintergrund in derselben Klasse ein Bildungsrisiko für den eigenen Nachwuchs.

Dabei sei der „geringere Bildungserfolg“ – so die Studien – eine Folge „einer spezifischen, institutionellen Bildungsdiskriminierung“: Die Zweisprachigkeit dieser Schüler werde oft als Defizit betrachtet, sie würden häufiger bei der Einschulung zurückgestellt oder an Sonderschulen verwiesen. Und bei gleichem Notendurchschnitt würden sie seltener für das Gymnasium empfohlen, erhielten oftmals bei gleicher Leistung schlechtere Bewertungen und würden zudem auch weniger gefördert.

Ähnliche Tendenzen zeigten sich auch bei einer Untersuchung über „Diskriminierung am Arbeitsplatz“ des Sachverständigenrats Deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Dabei schrieben die Forscher fiktive Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz. Sie wollten so herausfinden, ob bei gleicher Qualifikation der Lehrstellenanwärter mit typisch deutschem oder der mit türkischem Namen gewinnt. Das Ergebnis: Jugendliche mit ausländischen Wurzeln müssen deutlich mehr Bewerbungen schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Und: Auf ihre Post wurde häufiger gar nicht reagiert und wenn doch, wurden die fiktiven Bewerber mit Migrationshintergrund in den Antwortbriefen überdurchschnittlich oft geduzt.  

Harmlose Vorurteile hat fast jeder im Kopf

Trotz der Diskriminierungen, die auch Leila aufgrund ihrer Herkunft im Alltag erlebt, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Sie mag Deutschland. Doch als Deutsche wird sie trotz ihres deutschen Passes fast nie wahrgenommen. So sei man irgendwie immer zwischen zwei Welten, erzählt sie. Denn auch ihre Landsleute aus Somalia behandelten sie wie eine Ausländerin, vor allem weil sie deren Sprache kaum noch beherrsche.

Manchmal aber bringt das Schubladendenken ihrer Mitbürger Leila auch zum Schmunzeln: „Ich bin mal gefragt worden, ob ich denn noch afrikanisch sprechen kann. Ich fragte dann zurück, wie es denn so mit der europäischen Sprache läuft. Dann haben die Leute erst gemerkt, wie dumm ihre Frage war. Denn Afrika ist ja kein Land mit einer Sprache, sondern ein riesiger Kontinent. Aber es passiert häufig, dass vieles über einen Kamm geschoren wird. Genauso, wenn die meisten nicht glauben wollen, dass ich eine miserable Sängerin bin. Denn für sie gilt: Alle Afrikaner oder Afroamerikaner können natürlich super singen oder auch tanzen. Doch über solche eher harmlosen Vorurteile, die fast jeder im Kopf hat, kann ich nur lachen. Da steh ich drüber.“

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So viel geben Eltern in Deutschland für ihre Kinder aus

Knapp 600 Euro monatlich geben Eltern mit einem Kind in Deutschland für ihren Nachwuchs aus – ein gutes Fünftel der gesamten Konsumausgaben eines Familienhaushalts. Das geht aus der Studie „Konsumausgaben von Familien für Kinder“ des Statistischen Bundesamtes hervor.

Für die Untersuchung wurden Ergebnisse der „Einkommens- und Verbrauchsstichprobe“ ausgewertet, an der 2008 etwa 60.000 Haushalte teilgenommen haben. Neuere Daten dazu gibt es nicht. Im Vergleich zum Jahr 2003 (549 Euro) sind die Ausgaben für ein Kind demnach um 6,4 Prozent gestiegen.

Einzelkinder sind am teuersten

Die höchsten Ausgaben für den Nachwuchs haben den Statistikern zufolge Paare mit einem Einzelkind. Sie geben im Durchschnitt 584 Euro im Monat für ihr Kind aus. Eltern von zwei Kindern geben je Kind 515 Euro aus, im Fall von drei Kindern sinkt der Betrag auf 484 Euro.

Das liegt besonders daran, dass Eltern von Einzelkindern höhere Erstanschaffungskosten haben. In Familien mit mehr als einem Kind werden beispielsweise Spielzeuge und Kleidung mehrfach genutzt, wodurch die Kosten pro Kind sinken.

So investieren Eltern das Geld für den Nachwuchs

Fast die Hälfte der Konsumausgaben für das Kind wird zur Deckung der materiellen Grundversorgung – also Ernährung, Bekleidung, Wohnen – gebraucht. Alleinerziehende mit einem Kind setzen sogar 57 Prozent ihrer Ausgaben dafür ein. Für andere Zwecke, wie zum Beispiel Urlaub, Sportverein, Musikunterricht oder auch hin und wieder einen Restaurantbesuch, bleibt dementsprechend weniger übrig.

Konsumausgaben für Kinder nach Ausgabebereichen in Prozent:

Ausgabenart Paare mit einem Kind Paare mit zwei Kindern Paare mit drei Kindern
Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren 19,3 20,5 20,9
Bekleidung und Schuhe 8,4 7,8 7,2
Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung 21,9 23,2 24,3
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 5,2 5,0 4,6
Gesundheitspflege 4,4 4,2 3,6
Verkehr 8,3 7,1 10.8
Nachrichtenübermittlung 4,2 3,5 3,2
Freizeit, Unterhaltung und Kultur 14.9 15,8 14,9
Bildungswesen 4,5 4,4 3,4
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 4,5 4,9 4,2
Andere Waren und Dienstleistungen 4,4 3,6 3,0

Konsumausgaben von Alleinerziehenden für Kinder nach Ausgabebereichen in Prozent:

Ausgabenart Alleinerziehende mit einem Kind Alleinerziehende mit zwei Kindern
Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren 20,1 22,7
Bekleidung und Schuhe 7,3 7,3
Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung 29,6 29,4
Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände 4,6 4,1
Gesundheitspflege 3,6 3,3
Verkehr 7,0 6,5
Nachrichtenübermittlung 5,4 4,9
Freizeit, Unterhaltung und Kultur 12,1 12,9
Bildungswesen 2,8 2,0
Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 3,5 2,9
Andere Waren und Dienstleistungen 4,0 3,9

Kinder kosten mit dem Alter immer mehr

Es gilt, je älter die Kinder, desto höher sind die Kosten: Paare mit einem Kind im Alter von bis zu sechs Jahren benötigen durchschnittlich 519 Euro im Monat. Ein großer Ausgabeposten in dieser Altersgruppe ist die Kinderbetreuung. Für Jugendliche von zwölf bis unter 18 Jahren gaben die Eltern mit 700 Euro im Monat deutlich mehr aus. In dieser Gruppe fallen der höhere Verbrauch an Nahrungsmitteln, besondere Bekleidungswünsche, aber auch Ausgaben für das Schulessen stärker ins Gewicht.

Riesige Kluft: Reiche Haushalte geben das Dreifache für Kinder aus

In der Studie wurden außerdem die Ausgaben für Kinder von armen und reichen Haushalten miteinander verglichen. Es zeigte sich, dass die ärmsten zehn Prozent für ein Einzelkind lediglich 328 Euro im Monat ausgeben, während die reichsten Eltern mit 900 Euro im Monat für ihr Kind fast das Dreifache zahlen.

Die höheren Ausgaben bei den einkommensstarken Haushalten betreffen sowohl die Grundbedürfnisse als auch alle andere Ausgabenarten. In Bücher und Schreibwaren investieren sie beispielsweise fast den vierfachen Betrag.

Alleinerziehende haben es am schwierigsten

Am härtesten ist die Situation für Alleinerziehende. Im Bericht des Statistischen Bundesamtes heißt es, dass sie „finanziell erheblich schlechter“ gestellt sind als Paarhaushalte mit Kindern. Je nach Alter des Kindes geben Alleinerziehende dafür bis zu 80 Euro weniger aus als Haushalte mit zwei Elternteilen.

Die Statistiker weisen in der Studie darauf hin, dass die genannten Kosten für den privaten Konsum der Kinder niedriger sind als die tatsächlichen Kosten. So fehlten in der Auswertung alle über den privaten Konsum hinaus anfallenden Aufwendungen für Kinder, wie etwa für Versicherungsschutz und Vorsorge. Auch Opportunitätskosten, die entstehen, wenn ein Elternteil wegen der Kinder beruflich kürzer tritt und dadurch auf Einnahmen verzichtet, wurden nicht berücksichtigt.

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