Kategorie -Jugendliche

Drogen: Johannes nahm schon mit zwölf Drogen

Mindestens ein Prozent aller Deutschen konsumiert regelmäßig Cannabis. Von harten Drogen wie Heroin oder Kokain sind etwa 0,2 Prozent abhängig. Und man schätzt, dass über fünf Prozent der Bundesbürger ihren Alkoholkonsum nicht kontrollieren können. Klingt eigentlich wenig. Doch wenn das eigene Kind in die Drogenfalle gerät, ist das eine Katastrophe für alle Beteiligten. Eine betroffene Familie erzählt ihre tragische Geschichte – mit einem Happy End nach 13 Jahren.

Johannes ist ein Sonnenschein – und gleichzeitig ein Sorgenkind: Schon mit zwölf nahm er das erste Mal Drogen. Später schwänzte er die Schule, brach mehrere Lehrstellen ab, wurde in Schlägereien verwickelt und mehrfach beim Dealen erwischt. Es folgten etliche Therapien und immer wieder Rückfälle. Dennoch ist er heute, mit 25, stabil und arbeitet erfolgreich in seinem Traumberuf.

Der Junge hatte von Anfang an kein leichtes Leben

Sein Vater Dirk Schmit* aus München erzählt: „Woran es lag, weiß ich nicht genau. Er war ein absolut lieber Junge. Aber Johannes musste viel mitmachen: Wir zogen wegen meines Berufes viel um, als er klein war; das hat ihn gestresst. Außerdem wurden wegen einer Fehlstellung seine Füßchen viele Monate lang eingegipst. Das war schrecklich für ihn und er hatte oft große Schmerzen, auch danach. Er lief lange nur auf Zehenspitzen, weil es ihm sonst zu weh tat. Im Kindergarten galt er als auffällig: Er hatte ein Sprachproblem entwickelt, da er wegen seiner Fußschmerzen oft am Schnuller nuckelte. Wir gingen mit ihm zum Logopäden und es wurde besser. Trotzdem empfahl man uns dringend, den Kleinen lieber in eine Sonderschule zu geben. Heute denke ich, dass das die erste falsche Entscheidung von vielen darauf folgenden war. Aber wir meinten es gut.“

Johannes fühlte sich ausgegrenzt

Dass sein Vater die Entscheidung für die Sonderschule so einschätzt, bestätigt Johannes*: „Wir lebten inzwischen in einem Dorf im Allgäu. Jeder kannte jeden. Alle anderen Kinder durften mit dem Schulbus in die normale Schule fahren. Nur ich wurde separat abgeholt. Das fühlte sich fürchterlich an. Meine Schule fand ich schlimm, es hat mich gelangweilt und gleichzeitig überfordert. Gute Freunde fand ich da nicht, die waren alle ziemlich seltsam drauf, einige sogar schwer behindert. Noch dazu war mein sechs Jahre älterer Bruder der absolute Überflieger. Der hat ständig Bestnoten heimgebracht. Wir haben uns zwar immer super verstanden, aber ich fühlte mich ihm unterlegen: Ich war langsamer, ich war ungelenker, kleiner, ich war schlechter in der Schule. Ich gehörte einfach nirgendwo dazu.“

Die Eltern waren überfordert

Als er zwölf wird, versucht Johannes sich Freundschaften und Erfolgserlebnisse zu erkaufen und klaut deswegen einen Geldbeutel. „Die Polizei stand plötzlich vor der Tür“, erinnert sich seine Mutter Ida*. „Das war schrecklich. Zudem hatten wir sowieso schon finanzielle Sorgen und enormen Stress im Beruf. Ich brauchte immer höhere Dosen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.“

Früher hatte sie diese Medikamente nur ab und zu geschluckt: „Ich bin da so reingerutscht. Wir lebten wegen des Berufs meines Mannes ein paar Jahre auf Mallorca. Ich sprach kein Spanisch, hatte kaum Freunde dort. Die Kinder waren noch klein – und anstrengend. Für alle anderen sah es wie ein Traum aus: Leben auf der Insel, Strand, Sonne. Für mich war es oft die Hölle. Ich war einsam und unglücklich. Um zu funktionieren nahm ich immer öfter Beruhigungsmittel. Und als Johannes abgerutscht ist, hab ich halt wieder zum Bewährten gegriffen, um das Leben wenigstens einigermaßen zu ertragen. Ich weiß, dass das keine Lösung ist, aber das redet sich so leicht.“

Auch Johannes‘ Vater gleitet in Depressionen ab: „Schon seit meiner Jugend leide ich an einer bipolaren Störung: himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. Mit Psychopharmaka hatte ich das ganz gut im Griff. Doch damals bekam ich erneut schwere Schübe, musste meine Medikation ändern. Das half jedoch nichts, die Verzweiflung, die Selbstvorwürfe, die panische Angst blieben.“

Den ersten Joint rauchte Johannes mit zwölf

Die Eltern wussten irgendwann nicht mehr weiter und schicken ihren jüngsten Sohn auf Anraten der Ärzte schweren Herzens in ein betreutes Wohnheim. „Dort war es echt Scheiße“, erinnert sich Johannes. „Und dort habe ich angefangen zu kiffen, mit zwölf. Aber dadurch gehörte ich endlich dazu, hatte ich wenigstens ein paar Freunde. Trotzdem wollte ich unbedingt raus da, ich wollte heim.“

Nach zwei Jahren kommt Johannes wieder nach Hause. Er schließt die Schule mit Ach und Krach ab und beginnt eine Bäckerlehre. Die schmeißt er jedoch nach eineinhalb Jahren wegen seelischer und körperlicher Probleme sowie Zerwürfnissen mit dem Meister. Johannes beginnt die nächste Lehre, bricht diese ebenfalls bald wieder ab und so weiter. Insgesamt sieben verschiedene Ausbildungsstellen hält er nicht durch. Johannes ist inzwischen dünnhäutig geworden, kann sich schlecht konzentrieren, hängt lieber mit Freunden rum, kifft inzwischen täglich, nimmt auch mal andere Drogen wie Ecstasy, Magic Mushrooms, LSD.

Sich ausprobieren müssen ist für Jugendliche normal

Für jede Mutter und jeden Vater ist es eine Horrorvorstellung, dass der geliebte eigene Sprössling in den Drogensumpf geraten könnte. Doch viele Jugendlichen probieren weiche Drogen wie beispielsweise Cannabis. Gleich ein Grund zur Sorge? „Nein,“ meint Siegfried Gift, Abteilungsleiter der Suchthilfe von Condrobs München. „Grenzen überschreiten, mal etwas Verbotenes tun, den Erfahrungshorizont erweitern, all das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Davon wird man normalerweise nicht suchtkrank.“ Der Fachmann rät dazu, lieber ein offenes Ohr und ein weites Herz für alle Erfahrungen, Träume und Ängste seines Teenagers zu haben, statt in Panik zu verfallen oder gar mit Strafen zu drohen. Denn: „Eine liebe- und verständnisvolle Kommunikation ist die allerbeste Suchtprävention.“

Wann Eltern Hilfe von außen brauchen

Falls allerdings der Verdacht auf problematischen Konsum besteht, massive Verhaltensänderungen auftreten, ein Gespräch nicht möglich ist oder zu nichts führt, sollten sich Eltern nicht scheuen, Hilfe beim Jugendamt oder einer anderen Beratungsstelle zu suchen. „Viele Eltern warten zu lange, weil sie sich schämen und Angst haben, dass man ihre Erziehungskompetenz anzweifelt. Dabei wollen die Mitarbeiter dieser Institutionen nur eines: Helfen! Das können und das tun sie auch“, sagt Gift.

Ebenso rät er allen Müttern und Vätern, die von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt sind, selbst therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. „Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein und Stärke.“

Johannes fällt der Polizei immer wieder auf

Johannes geriet durch seinen Drogenkonsum immer mehr in die entsprechende Szene und wurde in Schlägereien verwickelt. Zudem erwischte ihn die Polizei mehrfach beim Verkauf von Marihuana: „Ich hab nie viel verkauft, nur wenige Gramm alle paar Monate im Auftrag von Freunden“, sagt Johannes. „Blöderweise wurde ich halt öfter dabei geschnappt. Und klar verpfeife ich dann meine Freunde nicht, sondern nehme das auf meine Kappe.“ Jedes Mal kam er mit Bewährungsstrafen davon.

Unterstützung von Eltern und Bewährungshelfern

„Ich hatte gute Bewährungshelfer“, erinnert sich Johannes. „Meine Eltern und mein Bruder haben mir da auch immer toll zur Seite gestanden.“ Johannes wird sich langsam bewusst, dass er sein Leben vergeigt, wenn er so weiter macht. Er zieht sich von seinen drogenabhängigen Freunden zurück, geht freiwillig in verschiedene Therapien, sogar stationär.

„Die ideale Therapie gibt es leider nicht“, weiß Gift. „Für jeden ist etwas anderes hilfreich.“ Sowohl Angehörigen wie auch Suchtbetroffenen rät der Experte, sich auch im Internet zu informieren. „Es gibt unzählige Foren, wo man – auch anonym – seine Erfahrungen berichten, sich seine Probleme von der Seele reden und Empfehlungen geben kann.“

Johannes glaubte trotz allem an seine Träume

Der Rückhalt der Familie, Therapien und die Betreuung durch Bewährungshelfer bestärkten Johannes, sich niemals aufzugeben. Er will seine Träume verwirklichen. Er ist jetzt, mit guten 25, auf einem guten Weg: Vor zwei Jahren ist er zu Hause ausgezogen, lebt nun in Köln und arbeitet mit Begeisterung als Visagist, seinem Traumberuf. Er hat die Drogensucht in den Griff bekommen: „Ich kiffe schon manchmal am Wochenende, einfach so, zum Spaß oder um runter zu kommen. Andere trinken halt Bier dafür. Komischerweise wird das weder geächtet noch geahndet bei uns – obwohl ich finde, dass Alkohol weitaus schlimmer zudröhnt, als ein Joint.“

Das Fazit von Vater Dirk lautet: „Johannes ist ein hochsensibler, sehr intelligenter und überaus freundlicher Junge. Fast schon zu freundlich. Deswegen gerät er auch immer in so seltsame Situationen. Er ist naiv. Ida und ich machen uns oft noch Vorwürfe, weil wir vielleicht was falsch gemacht haben in seiner Kindheit und Jugend. Aber wir konnten ja nicht anders. Wir wollten immer nur das Beste. Wir lieben Johannes und sind sehr stolz, dass er seinen schwierigen Weg so genial gemeistert hat. Heute haben wir eine sehr enge Beziehung zueinander. Wir reden über alles – zumindest über fast alles. Das ist schon Gold wert.“

* alle Namen der Familie von der Redaktion geändert

Weitere Infos: www.condrobs.de

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Kinderschutzbund fordert 500 Euro Grundsicherung für Kinder

Der Deutsche Kinderschutzbund hat seine Forderung nach einer Reform der finanziellen Unterstützung für Kinder bekräftigt. „Wir brauchen eine finanzielle Grundsicherung für jedes Kind in Höhe von mindestens 500 Euro. Nur so lässt sich Kinderarmut dauerhaft verhindern“, sagte der Präsident der Organisation, Heinz Hilgers, der „Passauer Neuen Presse“.

Hilgers plädiert dafür, im Gegenzug die bisherigen Einzelleistungen abzuschaffen. „Damit könnte auch jede Menge Bürokratie eingespart werden.“

Urlaub für Bedürftige

Zudem unterstützt Hilgers den Vorstoß der Linken, Urlaubsgutscheine für sozial Schwache auszugeben und kostenlose Reisen für die Kinder zu ermöglichen. „Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung könnte um diese Leistung ergänzt werden“, sagte Hilgers.

200 Milliarden Euro für Familien

Die Wirksamkeit von familienpolitischen Leistungen wird immer wieder in Frage gestellt. Rund 200 Milliarden Euro gibt der deutsche Staat für über 150 Fördermaßnahmen im Jahr aus. Dabei entfallen circa 40 Milliarden Euro auf Kindergeld und Kinderfreibetrag und etwa 16 Milliarden auf die öffentlich geförderte Kinderbetreuung. Auch das Ehegattensplitting mit Ausgaben von 20 Milliarden Euro jährlich wird zu den Familienleistungen gezählt, obwohl auch kinderlose Ehepaare davon profitieren.

Kinderbetreuung fördern

Forscher kritisieren seit langem die Fülle der verschiedenen Familienmaßnahmen, vor allem weil einige einander in ihrer Wirkung auch noch widersprechen. Auch das Kinder- und das Betreuungsgeld werden immer wieder in Frage gestellt. Experten fordern stattdessen die Reduzierung auf die Leistungen, die nachweislich erfolgreich sind, wie beispielsweise das Elterngeld und ausreichende Betreuungsangebote.

Gerade bei der Kinderbetreuung steht uns allerdings noch ein weiterer Kraftakt bevor. Nach dem quantitativen Ausbau der letzten Jahre muss jetzt in mehr und besser bezahltes Personal investiert werden.

Einen Überblick über die gängigsten Leistungen, die Familien zustehen, finden Sie hier.

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Alkohol soll für Jugendlich schwerer erreichbar werden

Die Bundesregierung arbeitet an einem neuen Präventionsgesetz. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert hohe Hürden beim Verkauf von Alkohol und Tabak. Und die Drogenbeauftragte will Daddelautomaten aus Kneipen verbannen.

Experten fordern strengere Verkaufsrichtlinien

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) fordert von der Bundesregierung eine wirksamere Suchtvorbeugung. Generell sollte verboten werden, Jugendlichen Alkohol zu verkaufen – und zwar nicht nur Schnaps, fordern die Experten.

Alkohol sollte deutlich verteuert und nur noch in lizenzierten Geschäften verkauft werden, sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann in Hamm. Bislang sei Alkohol zu Taschengeld-Preisen zu haben. Alternativ zu lizenzierten Geschäften müsse der Alkoholverkauf in Geschäften, vor allem Tankstellen, schärfer überwacht und Verstöße spürbar bestraft werden. Testkäufe hätten zu häufig ein Versagen der Selbstkontrolle des Handels aufgezeigt.

Ist eine Verschärfung der Maßnahmen sinnvoll?

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnte davor, die Bürger mit zu vielen und überzogenen Verboten zu gängeln. „Krasse Verbote bewirken oft das Gegenteil“, erklärte sie am Samstag. In Bayern werde zur Suchtprävention auf „angemessene Repression und Aufklärung“ gesetzt – „wir vergessen dabei aber nicht den bayerischen Grundsatz „leben und leben lassen“, fügte die Ministerin hinzu.

Beteiligung der Krankenkassen wird gefordert

Die Bundesregierung hatte angekündigt, im Kampf gegen Volkskrankheiten noch 2014 ein Präventionsgesetz zu verabschieden. Darin sollen auch höhere Ausgaben der Krankenkassen für die Prävention festgeschrieben werden.

Suchtpotential von Spielautomaten ist nicht zu unterschätzen

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), will auch das Thema Spielsucht angehen und Glücksspielautomaten aus Kneipen verbannen. „Wenn wir es mit der Bekämpfung der Spielsucht ernst meinen, kann die Konsequenz nur sein, gar keine Spielgeräte in Gaststätten zu erlauben“, sagte sie der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Das Wirtschaftsministerium hatte jüngst den Entwurf einer neuen Spielverordnung vorgelegt, wonach lediglich die Zahl der erlaubten Spielgeräte pro Kneipe von derzeit drei auf zwei reduziert werden soll. Mortler verwies auf neue Erkenntnisse, dass etwa 300.000 Deutsche vom zwanghaften Spielen an Automaten, aber auch im Internet nicht mehr lassen können. Dies gehe oft Hand in Hand mit dem Konsum der Aufputschdroge Crystal Meth: Spielsüchtige nutzten die Droge, um Tag und Nacht spielen zu können.

Alkoholproblem oft schon im frühen Jugendalter

Nach Einschätzung der DHS könnte ein generelles Werbe- und Sponsoringverbot für Alkohol und Tabak Suchterkrankungen verringern. Die Werbung suggeriere ein „cooles“, „lockeres“ Bild vom Alkohol, sagte Gaßmann. „Es ist kein Wunder, dass wir ein Alkoholproblem haben.“ Jedes Jahr sterben in Deutschland 80.000 Menschen durch zu viel Alkoholkonsum, kritisierte er. Jeden Tag fingen mehrere Hundert Jugendliche, meist im Alter von 13 oder 14 Jahren, an zu rauchen oder zu trinken, oder beides zusammen.

Thema muss mehr Aufmerksamkeit erlangen

Die DHS wird durch das Bundesgesundheitsministerium gefördert und sieht sich als Vertreterin nahezu aller in der Suchthilfe und Suchtprävention tätigen Organisationen.

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Ferguson (USA): Neue Schüsse auf Teenager nach Tod von Michael Brown

Nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen jungen unbewaffneten Schwarzen ist in der US-Kleinstadt Ferguson Medienberichten zufolge erneut ein Teenager von Polizeikugeln getroffen worden. Der 19-Jährige richtete demnach eine Waffe auf die Einsatzkräfte, als diese Demonstranten mit Tränengas und Rauchbomben auseinandertrieben. Daraufhin hätten die Polizisten das Feuer auf den Mann eröffnet und ihn schwer verletzt, berichtete die Zeitung „St. Louis Post-Dispatch“.

Laut dem Sender CNN und anderen Medien rückten Polizisten in schwerer Schutzmontur gegen eine Gruppe von rund 30 Demonstranten vor, die sich am Mittwochabend (Ortszeit) nahe einer ausgebrannten Tankstelle versammelt hatten. Reporter der „Washington Post“ und „Huffington Post“ schrieben im Kurznachrichtendienst Twitter, mehrere Demonstranten seien von den Gummigeschossen der Sicherheitskräfte verletzt worden.

Nach eigenen Angaben wurden zwei Journalisten festgenommen, als die Beamten ein Schnellrestaurant stürmten und die Besucher zum Verlassen des Lokals aufriefen. Einer der Reporter erklärte, er sei dabei auch tätlich angegriffen worden.

Hintergrund der Ausschreitungen ist ein blutiger Zwischenfall, der sich am Samstag in der Kleinstadt im US-Bundesstaat Missouri ereignet hatte: Dort wurde der 18-jährige Michael Brown unter ungeklärten Umständen von einem Polizisten erschossen. Nach Polizeiangaben handelte der Beamte aus Notwehr, da ihn der Jugendliche attackiert und nach seiner Waffe gegriffen hatte.

Ein Zeuge berichtete hingegen, der Polizist habe ihn und Brown angesprochen und sich ihnen dann mit vorgehaltener Waffe genähert. Brown habe sich mit erhobenen Händen umgedreht und sei dann mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Die Polizei im Bezirk St. Louis und die Bundespolizei FBI nahmen Ermittlungen auf.

Parallelen zum Fall von Trayvon Martin

Bürgerrechtler vergleichen den Fall mit jenem von Trayvon Martin. Der ebenfalls dunkelhäutige Teenager war im Februar 2012 in einem bewachten Wohnviertel in Florida vom Nachbarschaftswärter George Zimmerman erschossen worden. Geschworene folgten in einem Prozess Zimmermans Darstellung, in Notwehr gehandelt zu haben – und sprachen ihn im vergangenen Jahr frei. Der Fall löste eine Debatte über Hautfarbe und die Grenzen von Notwehr aus.

Diese Debatte ist nun neu aufgeflammt, vor allem in den sozialen Medien. Unter dem Hashtag #IfTheyGunnedMeDown (Wenn sie mich niederschießen würden) posteten zahlreiche Schwarze auf Twitter Fotos von sich – verbunden mit der Frage, wie sie in Medienberichten dargestellt würden, falls sie erschossen würden.

Die Ermittlungen im Fall Michael Brown könnten noch Wochen dauern, teilte der Polizeichef von Ferguson, Thomas Jackson, unterdessen mit. „Leider ist ein Sog (von Rassenunruhen) an die Oberfläche gesprudelt“, fügte Jackson hinzu. „Rassenbeziehungen haben jetzt Priorität.“

Von den 21.000 Bewohnern von Ferguson sind zwei Drittel dunkelhäutig. Bis auf drei Beamte sind die 53 Polizisten im Ort weiß.

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Taschengeld: Kinder bekommen immer mehr Geld in Deutschland

Die Einnahmen in Deutschland steigen deutlich – zumindest die der Kinder und Jugendlichen in Form von Taschengeld und Geldgeschenken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Iconkids & Youth bei insgesamt 811 Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren.

Die sechs- bis 13-jährigen Kinder in Deutschland bekommen in diesem Jahr 3,3 Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Einnahmen besteht mit 1,9 Milliarden Euro aus dem Taschengeld. Weitere 1,4 Milliarden Euro erhalten die Kinder durch Geldgeschenke, beispielsweise zu Weihnachten oder für gute Noten.

Jugendliche bekommen 1000 Euro pro Jahr

Im Schnitt bekommt jeder Sechs- bis 13-Jährige jährlich 590 Euro, wobei es Unterschiede je nach Alter gibt. Bei den Sechs- bis Siebenjährigen sind es 280 Euro, bei den Acht- bis Neunjährigen 470 Euro, bei den Zehn- bis Elfjährigen 600 Euro und bei den Zwölf- bis 13-Jährigen sogar 1000 Euro pro Jahr.

Zum Vergleich die Taschengeldempfehlungen der Jugendämter:

Alter Taschengeld
4 – 5 Jahre 50 Cent wöchentlich
6 – 7 Jahre 1,50 bis 2 Euro wöchentlich
8 – 9 Jahre 2 bis 3 Euro wöchentlich
10 -11 Jahre 13 bis 16 Euro monatlich
12 -13 Jahre 20 bis 22 Euro monatlich
14 -15 Jahre 25 bis 30 Euro monatlich
16 -17 Jahre 35 bis 45 Euro monatlich
18 Jahre 70 Euro monatlich

Zehn-Jahres-Vergleich: 50 Prozent mehr Geld für Kinder

Da Iconkids & Youth diese Studie bereits seit über einem Jahrzehnt durchführt, ist ein Zehn-Jahres-Vergleich möglich. Es zeigt sich: 2004 bekamen sechs- bis 13-jährige Kinder im Jahr durchschnittlich „nur“ 400 Euro, also 190 Euro weniger.

„Kinder haben heutzutage 50 Prozent mehr ‚Einnahmen‘ als vor zehn Jahren. Dies liegt deutlich über der Inflationsrate, die seit 2004 insgesamt nur 18 Prozent betragen hat“, so Ingo Barlovic, Geschäftsführer des Münchner Instituts. „Die Zahlen belegen, dass die Eltern ihren Kindern nur wenig ausschlagen. Und dass die Macht der Kids zu Hause deutlich zugenommen hat.“

Mehr Einnahmen trotz weniger Kinder

Eine deutliche Steigerung zeigt sich auch bei den Gesamteinahmen der Kinder. Sind es heute 3,3 Milliarden Euro, waren es 2004 nur 2,6 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 700 Millionen Euro. Und das, obwohl die Zahl der Sechs- bis 13-Jährigen im Vergleich zu 2004 um 13 Prozent abgenommen hat.

„Kein Wunder, dass sich Unternehmen so stark an die junge Zielgruppe wenden. Sie ist ein äußerst lukrativer Markt mit wachsender Bedeutung,“ meint Barlovic dazu.

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Computerspiele als Ausgleich

Der Medienkonsum von Kindern ist ein Dauerthema bei Eltern. Besonders betrifft dies Computerspiele, die noch immer als Auslöser von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen gelten. Doch eine britische Studie beweist nun das Gegenteil: Jugendliche, die in Maßen am Computer spielen, sind ausgeglichener und zufriedener als ihre nicht spielenden Altersgenossen.

Bei einer Studie der Oxford University befragten Forscher rund 5000 Jugendliche aus Großbritannien zwischen zehn und 15 Jahren zu ihrem Spielkonsum sowie ihrer Geselligkeit und Zufriedenheit. Diejenigen, die angaben, nur ab und zu vor der Konsole zu sitzen und weniger als ein Drittel ihrer Freizeit damit zu verbringen, besaßen mehr Sozialkompetenz und hatten weniger Probleme im Kontakt mit ihren Mitmenschen. Auch traten bei ihnen weniger häufig Verhaltensstörungen wie Hyperaktivität auf als bei Jugendlichen, die gar nicht oder übermäßig viel spielen. Die Jugendlichen selbst äußerten sich positiv über ihre eigenes soziales Umfeld.

Auch die erwarteten negativen Einflüsse auf exzessiv spielende Jugendliche, die täglich über drei Stunden mit Computerspielen verbrachten, blieben weitgehend aus. So zeigte die Studie für diese Gruppe weder positive noch negative Ergebnisse.

Viele Spiele sind für Kinder ungeeignet

Die Forscher warnen jedoch davor, die Gefahr, die von Videospielen ausgeht, zu unterschätzen, da diese oftmals für Erwachsene konzipiert und daher für Kinder und Jugendliche ungeeignet seien. Auch bleibt bei erhöhtem Spielkonsum keine Zeit mehr, anderen Hobbys nachzugehen oder sich mit ihren Pflichten, wie zum Beispiel Hausaufgaben, zu beschäftigen.

Das Umfeld ist entscheidend

Den Experten zufolge kam es jedoch weniger auf die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit an – vielmehr hatte das soziale Umfeld und die restliche Freizeitgestaltung erhebliche Auswirkungen auf die psychische Stabilität der Jugendlichen. Stimmen diese Alltagskomponenten, wird das Zocken nicht als Rückzugsort von der realen Welt missbraucht. Dadurch sinkt auch das Suchtpotential.

Exzessives Spielen nur eine Phase

Eine weitere Studie der Universitäten Hohenheim und Münster zu dem Thema zeigt, dass auch ein scheinbar problematisches Spielverhalten, das Symptome der Spielsucht aufweist, in den meisten Fällen nur ein vorübergehendes Phänomen ist.

Auch die in dieser Beziehung oft als schwierig eingestufte Gruppe der 14- bis 18-Jährigen blieb im Untersuchungszeitraum unauffällig: innerhalb von zwei Jahren hatte nur circa ein Prozent der Jugendlichen Symptome, die auf eine Sucht hindeuteten. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen traten die Symptome nur zeitweise auf und das Spielverhalten normalisierte sich von selbst.

So können Eltern den Medienkonsum der Kinder regeln

Eltern sollten den Interessen ihrer Kinder offen gegenüberstehen. Allerdings sollten sie darauf achten, welche Spiele für welches Alter angemessen sind und wie viel Zeit die Jugendlichen mit dem Spielen verbringen. Wichtig ist auch, den Kindern andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufzuzeigen und anzubieten. Außerdem sollten Eltern klare Grenzen setzen und Regeln festlegen. Die Spielzeit sollte, insbesondere bei kleinen Kindern, eine Dauer von drei Stunden am Tag in der Regel nicht überschreiten.

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Firmen wollen Studienabbrecher als Auszubildende

Immer öfter können Lehrstellen in Deutschland nicht besetzt werden. Ein Grund: Die Zahl der Schulabgänger sinkt und gleichzeitig beginnen immer mehr junge Menschen ein Studium. Um gute Kandidaten zu finden, setzten die Unternehmen inzwischen sogar auf materielle und finanzielle Anreize. Wie der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, in Berlin sagte.

„Während für Jugendliche die Chance auf einen Ausbildungsplatz so gut wie nie ist, wird es für Unternehmen immer schwieriger, Bewerber zu finden.“ Jeder zweite Betrieb habe mit sinkenden Bewerberzahlen zu kämpfen. Im IHK-Bereich blieben 2013 rund 80.000 Lehrstellen offen. „Wir befürchten, dass die Zahl der unbesetzten Plätze in diesem Jahr nicht niedriger sein wird“, sagte Schweitzer.

Die Firmen setzen bei der Suche nach Azubis zunehmend soziale Medien ein und versuchen Studienabbrecher anzuwerben. Die jährlich rund 100.000 Uni-Abgänger seien vor allem für die IT-Branche, Banken und Versicherungen interessant, sagte Schweitzer. Die Firmen ködern die Kandidaten mit Ausbildungs- und Weiterbildungsangeboten oder Auslandsaufenthalten. „Manche Betriebe bieten sogar ‚Goodies für Azubis‘ wie etwa ein Smartphone oder einen Dienstwagen“, erklärte der DIHK zur Umfrage unter 13.000 Unternehmen.

Arbeitsmarkt auf Rekordkurs

Inmitten aller Krisen steuert Deutschland indes auf einen Rekord auf dem Arbeitsmarkt zu: Entwickelt sich die Zahl der Erwerbstätigen ähnlich wie in den Vorjahren, dürfte im dritten Quartal 2014 ein neuer Höchststand erreicht werden. Der Beginn des neuen Ausbildungsjahres lässt die Zahlen im Herbst traditionell ansteigen. Noch entscheidender ist aus Sicht von Experten, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt derzeit zumindest auf kurze Sicht wenig anfällig für konjunkturelle Störfeuer aller Art zeigt.

„Die Zahlen bestätigen, dass der Arbeitsmarkt äußerst robust ist, obwohl das konjunkturelle und das politische Umfeld unsicherer geworden sind“, sagt Arbeitsmarktexperte Alexander Herzog-Stein vom gewerkschaftsnahen Forschungsinstitut IMK.

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Deutscher Jugendlicher in Spanien verletzt

Ein Jugendlicher aus Deutschland hat sich bei einem Unfall im nordostspanischen Badeort Lloret de Mar schwer verletzt.

Der 16-Jährige sei in der Nacht zum Samstag aus noch unbekannter Ursache über das Geländer des Treppenhauses eines Hotels gefallen und mehrere Meter in die Tiefe gestürzt, berichtete die Nachrichtenagentur efe unter Berufung auf die Behörden der katalanischen Provinz Gerona.

Sein Zustand wurde als kritisch bezeichnet. Der Jugendliche, der gemeinsam mit Freunden unterwegs gewesen war, habe sich die Beine gebrochen und Verletzungen an Kopf und Oberkörper zugezogen.

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Ist Lasertag ein jugendgefährdendes Kriegsspiel?

Lasertag heißt die Trendsportart, die gerade immer mehr Anhänger auch unter Kindern und Jugendlichen findet. Fast monatlich eröffnet in Deutschland eine Halle, wo Jung und Alt in einer futuristischen, halbdunklen Szenerie mit „Lichtstrahlen-Pistolen“ auf ihre Gegner feuern und sich bei dem modernen Räuber-und-Gendarm-Spiel austoben können. Für die Fans und Organisatoren ist es nur ein harmloser Sport mit hohem Spaßfaktor. Für viele Eltern ist Lasertag dagegen ein kriegerisches Angriffsspiel.

Der dreizehnjährige Till war kürzlich auf einem Geburtstag eines Freundes eingeladen, wo sich die ganze Feiertruppe samt den Gastgebereltern ins Lasertag-Getümmel stürzte. Das einhellige Urteil über das Lichtstrahlen-Geballer war danach positiv: „Das ist mega abgefahren gewesen, mit den Lichtstrahlen auf die anderen zu zielen und so Punkte zu sammeln. Die vielen Hindernisse haben alles noch spannender gemacht. Deshalb finde ich Lasertag viel besser als am Computer zu spielen. Hier kann man sich richtig austoben“, erzählt Till euphorisch.

Seine Wurzeln hat Lasertag in den USA, wo es ursprünglich vom US-Militär zu Trainingszwecken entwickelt wurde. Das Ziel von Lasertag folgt bei allen Varianten demselben Prinzip: Jeder Spieler, versucht innerhalb eines halbdunklen, oft auch vernebelten Labyrinths seine Gegner mithilfe eines Zielgerätes, das mit harmlosen Infrarotlicht ausgestattet ist, am Oberkörper zu treffen. Jeder trägt eine spezielle Weste mit Sensoren, die Treffer signalisieren.

Kritische Eltern sehen in Lasertag ein Kriegsspiel

Obwohl die meisten Aktiven das Spiel als spannenden und konditionsintensiven Spaß erleben, gibt es nicht wenige Eltern, die Lasertag als martialisches Treiben sehen, das nicht für Kind und Jugendliche geeignet ist.

„Grundsätzlich ist das nichts anderes als die digitalen Ego-Shooter-Spiele, die ja auch schon seit langem als problematisch eingestuft werden“, kritisiert ein Vater in einem Elternforum. Eine besorgte Mutter schreibt: „Dieser neue Trendsport hat eindeutig militärische Wurzeln und irgendwie wird hier doch Nahkampf-Krieg imitiert. Für mich gilt nach wie vor, was ich von meinen Eltern gelernt habe: Auf Menschen schießt man nicht – nicht im Ernst und nicht im Spiel. Das bagatellisiert nämlich Gewalt.“

Jugendschützer bewerten das Spiel unterschiedlich

Von den zuständigen Behörden gibt es keine einheitliche Haltung zu Lasertag: In Hanau oder Wiesbaden etwa dürfen Kinder bereits ab zwölf Jahren in Begleitung von Erwachsenen mitmachen, während in Mainz die Altersgrenze aus Jugendschutzgründen vom Landesjugendamt Rheinland-Pfalz auf 16 Jahre festgelegt wurde, dann aber auch nur gemeinsam mit einer erziehungsberechtigten Person.

Es handele sich eben nicht um ein lustiges Räuber-und-Gendarm-Spiel, so die Beurteilung des Amtes. Aufgrund seiner militärischen Vorgeschichte sei es eindeutig Ziel dieses Spieles, menschliche Gegner mit Hilfe einer Schusswaffe zu treffen. So könnten Assoziationen zu realen Kampf- und Kriegshandlungen geweckt werden.

„Gerade durch die körperliche Anstrengung, die mit dem Spiel verbunden ist“, heißt es in der weiteren Argumentation der Behörde, „wird im Gegensatz zu Computerspielen eine intensivere Wahrnehmung und ein intensiveres Spielerleben erzeugt.“

Organisatoren betonen die Friedfertigkeit des Sports

Die Betreiber der Lasertag-Hallen bemühen sich, kritische Stimmen zu entkräften, indem sie das Spiel bewusst als fröhliche Sci-Fi-Actionwelt anpreisen und großen Wert darauf legen, nicht mit Gelände-Angriffsspielen wie „Paintball“ beziehungsweise „Gotcha“ auf eine Stufe gestellt zu werden. Auch das spezifische Lasertag-Vokabular wird betont pazifistisch gehalten, so dass das Zielgerät keine Pistole, sondern ein „Phaser“ ist und „abschießen“ in der Spielsprache „markieren“ bedeutet.

„Es ist uns besonders wichtig“, wird auf der Internetseite von „Lasertag Deutschland“ betont, „dass bei Lasertag nicht auf Menschen gezielt wird, um diese ‚abzuschießen‘, sondern der Spieler auf eine herausfordernde Punktejagd im spaßigen Wettkampf mit seinen Mitspielern geht. Soziale Aspekte wie Gruppenzusammengehörigkeit und Teamwork sowie der Spaßfaktor stehen bei uns an erster Stelle. Beim Spiel selbst sind körperliche Auseinandersetzungen komplett fehl am Platz, da es auf Schnelligkeit, Geschick und Taktik ankommt.“

Pädagogen entkräften die Kritik an Lasertag

Damit diese Philosophie gerade auch von heranwachsenden Spielern verinnerlicht wird, bietet „Lasertag Deutschland“ für alle Jugendgruppen vor dem Spiel sogar ein spezielles Coaching an, das in einer Kooperation mit Erlebnispädagogen der FH Frankfurt entwickelt wurde. Federführend bei dieser Zusammenarbeit war die Diplompädagogin Christine Huth-Hildebrandt, die nach vielen Besuchen in der Lasertag-Arena in Frankfurt ein Gutachten anfertigte und zu der Einschätzung kam, dass es bei dem umstrittenen Spiel vor allem um sportliches Fair Play gehe, bei dem man sich auch körperlich auspowern könnte.

In den USA ist Lasertag längst zu einem generationsübergreifenden Familiensport geworden, bei dem sogar Sechsjährige mitspielen dürfen. Auch hierzulande gibt es nicht nur alarmierte Skeptiker, sondern auch Eltern, die dem neuen Funsport eher gelassen gegenüberstehen.

„Ich kann ganz und gar nicht nachvollziehen, warum sich viele darüber aufregen“, mischt sich ein Vater in eine Foren-Diskussion ein. „Dann muss man ja auch eine handfeste Schneeballschlacht oder Völkerball, das ja auch in der Schule oft gespielt wird, erst recht als brutal und kriegerisch einschätzen. Denn da kann man tatsächlich mit harten Gegenständen abgeschossen werden. Das sind dann wirklich Waffen, die ernsthaft wehtun können. Hier ist aber noch nie jemand auf die Idee gekommen, von Jugendschutz und Altersbeschränkung zu sprechen.“

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„Bravo“ erhält neues Konzept: mehr Beratung statt Stars

Die „Dr. Sommer“-Rubrik und Inhalt der „Foto-Love-Story“ waren oft so brisant, dass die neue „Bravo“ an den Eltern vorbei ins Kinderzimmer geschmuggelt werden musste. Die 1956 erstmals erschienene Zeitschrift hat Generationen von Jugendlichen begleitet und aufgeklärt. Doch die „Bravo“ hat ihren Kultstatus eingebüßt, die Auflage ist massiv gesunken. Jetzt soll die Zeitschrift gründlich umgekrempelt werden.

Die „Bravo“ steht wie andere Jugendmagazine nach Sicht von Experten vor allem wegen der Konkurrenz attraktiver Internet-Angebote unter Druck: Klatsch und Tratsch über Stars und Musiktrends finden sie über Suchmaschinen und in Youtube-Kanälen. Alles, was sie über Sex wissen oder auch nie erfahren wollten, entdecken sie ebenfalls in aller Deutlichkeit im Internet.

Noch in den Siebzigern wurde die „Bravo“ fast zwei Millionen Mal verkauft. Seit Ende der 1990er ist die Auflage des Blattes um fast 90 Prozent geschrumpft – aktuell liegt sie nach Angaben des Verbands Deutscher Zeitungsverleger (VDZ) unter 150.000.

Weniger Stars, aber mehr Beratung

Der Bauer Verlag, der die „Bravo“ herausgibt, plant Änderungen im Heft und will den Internetauftritt deutlich stärken. Künftig solle das Heft den Jugendlichen mehr Orientierung bei „lebensnahen Themen“ bieten, sagte der Verlagsgeschäftsführer der Bauer München Redaktions KG, Marc de Laporte. Dabei ginge es in größerem Umfang um Trends, Gesprächsstoff, Musik, sowie emotionale und sexuelle Themen. Auch die „Dr.-Sommer“-Rubrik soll nach der Kündigung der langjährigen Leiterin des Aufklärer-Teams, Jutta Stiehler, neu gestaltet werden.

Internetseite der „Bravo“ wird ausgebaut

Der Bauer Verlag will zudem die digitale Präsenz der „Bravo“ stärken. Für die kommenden Wochen sei ein kompletter Relaunch der Internetseite bravo.de geplant, sagte der zuständige Leiter, Steffen Schmid. Die Entwicklung der Seite habe rund acht Monate gedauert. Innerhalb eines Jahres habe sich bereits die Zahl der Seitenbesuche um 130 Prozent auf knapp acht Millionen Visits gesteigert, sagte Schmid.

Paparazzi-Fotos statt Starschnitt

Bereits im vergangenen Jahr hatte Bauer die Konzeption seines Printmagazins überarbeitet und neue Star- und Technik-Formate verkündet. „Stars erwischt“ setzt seitdem wie klassische People-Magazine auf Paparazzi-Fotos oder Bilder von Star-Inszenierungen im Netz. Die Kategorie „Hot or Not“ beleuchtet die Trends in Musik, Kino, Styling oder Lifestyle. Zudem will sich das Magazin künftig verstärkt dem Thema Apps und Technik widmen.

Einst hat der „Bravo“-Starschnitt die Kinderzimmer von Millionen geprägt. Stück für Stück konnten Fans sich ihren Star in Lebensgröße an die Wand kleben. Der erste Starschnitt aus dem Jahr 1959 zeigte Brigitte Bardot. In den folgenden Jahrzehnten wurden mehr als 120 Musik-, Film- und Fernsehidole in voller Lebensgröße abgebildet, darunter Elvis Presley, Britney Spears und Boris Becker. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland legte „Bravo“ nach eigenen Angaben den breitesten Starschnitt aller Zeiten auf: Die insgesamt 13 Motive der deutschen Nationalmannschaft maßen aneinandergereiht 3,56 Meter.

Im vergangenen Jahr brachte die Jugendzeitschrift zum ersten Mal seit rund sieben Jahren wieder eins der Kultposter heraus, ein insgesamt 170 Zentimeter hohes, achtteiliges Riesenposter der Teenie-Idole Selena Gomez und Vanessa Hudgens.

Sittenwächter gegen „Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane“

Die „Bravo“ war erstmals 1956 erschienen, seit 1968 gibt es sie wöchentlich. Ein Jahr später stieß mit dem Psychotherapeuten Martin Goldstein der erste „Dr. Sommer“ zum Heft – und sorgte wenig später für Aufregung: Zweimal schaffte es das Magazin 1972 wegen seiner Sexratgeber-Seite auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. „Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane“, befanden damals die staatlichen Sittenwächter.

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