Kategorie -Jugendliche

Internetsucht bei Kindern erkennen

Internetsucht bei Kindern ist heute leider keine Seltenheit mehr. Die Computersucht beginnt häufig schleichend und wird daher erst spät bemerkt. Erfahren Sie hier, wie Sie das Problem frühzeitig erkennen können.

Hinweise auf Internetsucht bei Kindern ernst nehmen

Generell gilt, dass Eltern sich mit den Aktivitäten ihrer Kinder im Netz auseinandersetzen sollten. Hinweise auf eine Internetsucht bei Kindern gibt nämlich weniger die Zeit, die ein Kind am Computer verbringt, sondern vielmehr sein Umgang damit. Eine kontrollierte Nutzung des Internets ist für Kinder grundsätzlich unproblematisch und in vielen Fällen sogar unvermeidbar, beispielsweise bei der Recherche für Hausaufgaben.

Problematisch wird es, wenn sich Kinder zurückziehen und isolieren. Spätestens dann sollten Eltern sie darauf ansprechen und die Ursachen des Verhaltens erforschen.

Ursachen für Computersucht

Insbesondere Onlinespiele haben ein hohes Potenzial, Internetsucht bei Kindern auszulösen. Diese Spiele fördern das Verlangen, immer neue Aufgaben zu lösen, erklärt Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz, in einem Bericht der „Welt“. Aber auch offline können digitale Spiele zu einer ausgeprägten Computersucht führen.

Ein anderer Grund für Internetsucht sind dafür soziale Netzwerke und Chats. Dort finden Kinder häufig Freunde, mit denen sie besser kommunizieren können als im realen Leben. Eine neue Identität, die sie sich dabei ausdenken, macht manche Kinder selbstbewusster und gibt ihnen die Möglichkeit, neue Freundschaften einzugehen, ohne die Angst zu versagen.

Ein Suchtverhalten ist gegeben, wenn das Verlangen nach dem Internet oder der Zeit vor dem Computer so unkontrolliert ist, dass das Kind nicht mehr bewusst entscheiden kann, wann es den Rechner verlässt. Wie viele Stunden Internetkonsum für Kinder und Jugendliche unbedenklich sind, lässt sich laut Wölfling aber nicht pauschal bestimmen. Erfahrungsgemäß liege für nicht-abhängige Nutzer die Grenze unter dreieinhalb Stunden Surfen am Tag.

Warnsignale für Computer- und Internetsucht bei Kindern

Ein erstes Warnsignal: Das Internet ist das Hauptgesprächsthema Ihres Kindes. Treten zudem andere Hobbys und Freunde in den Hintergrund, ist dies ein weiteres Indiz. Häufige Begleiterscheinungen von Internet- und Computersucht sind Gewichtszunahme oder -abnahme. Einige Kinder vergessen das Essen vor dem Rechner komplett, andere naschen permanent, ohne es zu merken.

Ist die Internetsucht in einem fortgeschrittenen Stadium, werden Kinder oft wütend oder sogar aggressiv, wenn Sie gebeten werden, den Rechner auszuschalten. Der Körper kann dann tatsächlich auch mit typischen Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, Depressionen oder Aggressionen auf ein Computer- oder Internet-Verbot reagieren. In diesem Fall sollten Sie die Hilfe einer Beratungsstelle für Internetsucht suchen.

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Islam-Expertin erklärt: Darum ziehen Jugendliche in den Dschihad

Eine wachsende Szene, gefährlich, sehr aktiv. Radikale Salafisten sprechen Jugendliche als „potenzielle Rekruten“ für den Dschihad an. In vielen deutschen Städten werden junge Leute „tagtäglich mit salafistischem Gedankengut infiltriert. Erfolgreich. Nachhaltig“. Das schreibt die Islamwissenschaftlerin und Religionslehrerin Lamya Kaddor in ihrem neuen Buch „Zum Töten bereit – Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“.

Auch fünf ihrer eigenen Schüler reisten nach Syrien, um für islamistische Terrorgruppen zu kämpfen. Als eine persönliche Niederlage habe sie das empfunden, räumt die Autorin ein – auch wenn vier zurückkehrten.

„Wut über die eigene unklare Identität“

Kaddor kennt die Problematik, die Hintergründe von Radikalisierung, das Vorgehen der „Menschenfänger“ – zum Teil aus nächster Nähe. Die Tochter syrischer Eltern unterrichtet in Dinslaken am Rande des Ruhrgebiets seit 2003 muslimische Schüler in Islamkunde, später in islamischer Religion. Ausgerechnet Dinslaken-Lohberg ist als Hochburg gewaltbereiter Salafisten inzwischen zu unerfreulicher Bekanntheit gelangt. Bei zwei jungen Männern aus Dinslaken geht man davon aus, dass sie im Dschihad starben.

Nicht nur junge männliche Muslime werden gezielt und altersgerecht gelockt – etwa über Sport oder Vereine – und danach in Gemeinde oder Moschee gelotst. „Gefährdet sind alle jungen Leute, auch junge Frauen, auch Andersglaubende“, sagt Kaddor. Was macht sie offen für die Verführer und deren Gehirnwäsche? Frust über die Verhältnisse zu Hause, über die „sie ausgrenzende Mehrheitsgesellschaft“, auch „Wut über die eigene unklare Identität“ und Lust auf Rebellion. „Salafismus ist für die meisten Anhänger auch eine Jugendprotestbewegung“, liest man.

Wer sich auf religiöse Indoktrinierung eingelassen habe, werde eingeschüchtert und gegenüber der nicht-salafistischen Welt isoliert, schreibt die 36-Jährige. Besorgniserregend auch: Nicht nur die Salafistenszene insgesamt wächst, laut Bundesverfassungsschutz Ende 2014 auf 7000 Mitglieder. Die Zahl derer, die bis zum Äußersten gehen, scheint ebenfalls zuzunehmen. „Immer mehr junge Menschen sind bereit, in den Dschihad zu ziehen“, sagt die Autorin.

Neuzugänge oft Kanonenfutter

Ihre Analyse: Wer sich ungerecht behandelt fühle, dürfe nun unter der Flagge des Dschihad erstmals mit „legitimierter“ Gewalt für vermeintliche Gerechtigkeit sorgen. Aus den Aussagen junger Rekrutierter wisse man, dass es sie gereizt habe, „den eigenen Gewaltfantasien, der eigenen Wut und den eigenen Rachegelüsten freien Lauf lassen zu können“. Aus dem Buch geht hervor, dass rekrutierte Neuzugänge oft als Kanonenfutter missbraucht oder als Selbstmordattentäter in den schnellen Tod geschickt werden. Zugleich werde ein geschöntes Bild vom Krieg vermittelt – in Verbindung mit Märtyrerromantik.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes schließen sich sogar Kinder dem Dschihad in Syrien und im Irak an. Der jüngste aus Deutschland ausgereiste Minderjährige sei erst 13 Jahre alt gewesen. Bei der vergangenen Innenministerkonferenz im Dezember in Köln hatten die Ressortchefs verstärkte Prävention in den Fokus gerückt. Auch Kaddor betont, wer einmal in den Fängen der militanten Salafisten sei, dem sei ein Ausstieg fast unmöglich. Prävention sei damit umso bedeutender.

Oft mangelhaftes Islamwissen

„Ein typisches Merkmal für radikalisierte junge Leute, die in die Salafistenszene geraten, ist ein sehr mangelhaftes Islamwissen“, sagt Kaddor. „Deshalb ist islamischer Religionsunterricht als ein Baustein zum Aufbau einer gesunden muslimischen Identität sehr wichtig.“ Und man brauche viel intensivere Aufklärung in Schulen, Jugendzentren, Vereinen und Moscheegemeinden.

Die muslimische Community sei gefragt, vor dem menschenverachtenden Salafismus zu warnen und Prediger zu stoppen, meint Kaddor. „Es muss auch als Aufgabe der Muslime selbst gesehen werden, ihren Beitrag zu leisten, damit sie ihre eigenen Kinder nicht verlieren.“

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Eltern-WG: Trotz Trennung weiter unter einem Dach zusammenleben

Eine Trennung ist besonders folgenreich, wenn ein Paar gemeinsame Kinder hat. Den betroffenen Müttern und Vätern fällt es schwer, ihr bisheriges Familienleben aufzugeben. Manche wählen zunächst den Kompromiss einer Eltern-WG, die weiter gemeinsam unter einem Dach lebt. Welche Unwägbarkeiten und Probleme das mit sich bringen kann und welche Schwierigkeiten die Kinder damit haben, erläutert ein Experte.

Das Thema „Zweckgemeinschaft Eltern-WG“ beschäftigt viele Mütter und Väter, davon zeugen zahllose Chat- und Foren-Beiträge. Neben finanziellen und wirtschaftlichen Gründen – ein Haushalt ist immer billiger als zwei – ist es nicht selten die Macht der Gewohnheit, die entliebte Paare daran hindert, ihre Trennung sowohl innerlich als auch äußerlich konsequent umzusetzen. Zu bequem ist die lieb gewonnene Komfortzone, in der sich viele eingerichtet haben.

Zusammenbleiben wegen der Kinder

Als zentrales Argument für eine Eltern-WG führen die meisten aber ihren Nachwuchs an: Sie wollen ihren Kindern trotz Trennung keine getrennten Wohnsituation zumuten und die Familie wenigstens äußerlich erhalten.

So schreibt „Sanne“ in einem Forum: „Wir haben uns nach zwölf Jahren Ehe auseinandergelebt und vor einem Jahr getrennt. Um die Familie nicht auseinanderzureißen, sind wir im gemeinsamen Haus wohnen geblieben. Wir haben genug Platz, so dass jeder sein eigenes Zimmer hat. Trotzdem können wir uns weiterhin gemeinsam um unsere Söhne kümmern.“

„Nick“ meint: „Dass eine freundschaftliche, platonische WG nicht das Gelbe vom Ei ist, ist mir klar. Aber vielleicht ist es doch noch der beste aller beschissenen Wege in dieser Situation. Das Problem ist, dass wir zwei kleine Kinder haben und ein hochverschuldetes Haus, das einer allein nicht halten kann.“

Getrennte Wohnungen der Eltern meist besser für Kinder

Björn Enno Hermans kennt dieses elterliche WG-Modell aus seinem Praxisalltag als Therapeut für Kinder, Jugendliche und Familien: „Dahinter steckt die oft verbreitete Meinung, dass es Trennungs-, beziehungsweise Scheidungskinder besonders schwer haben, wenn Mutter und Vater getrennt leben. Doch das ist nicht grundsätzlich so: Untersuchungen zeigen, dass das Konfliktniveau zwischen den Eltern die Kinder belastet, und nicht die Trennung an sich. Somit kann eine Trennung auch Entlastung bedeuten.“

Anforderungen für funktionierende Eltern-WG sind hoch

Wie groß das Risiko für zwischenmenschliche Disharmonien ist, wird von den Betroffenen im Vorfeld oftmals unterschätzt. „Natürlich kann das irgendwie gehen“, kommentiert der Diplompsychologe, „aber die Anforderungen dafür sind sehr hoch. Das würde ja bedeuten, dass die Partner ihre Trennung, die in der Regel mit Konflikten einhergeht und manchmal Jahre dauert, komplett überwunden haben und dann gleichberechtigt und frei gewählt beschließen, weiter zusammen zu wohnen. So ein Fall tritt aber extrem selten ein.“

Häufiger sei, dass sich nur ein Elternteil diese Konstellation wünsche – nämlich derjenige, der auf eine Wiederbelebnung der Beziehung hofft und deshalb versucht, im Alltag weiter zu funktionieren. Der andere könne dann seine Gewohnheiten und Bequemlichkeiten weiter genießen, lebe aber gleichzeitig seine neuen Freiheiten aus. „In Wirklichkeit sind die Partner dann nicht auf Augenhöhe. Das ist eine ungleiche Verteilung von Interessen und eine schlechte Voraussetzung für ein Zusammenleben dieser Art.“

Kinder brauchen Klarheit und Transparenz

Die Leidtragenden einer vorgegaukelten Familiennormalität sind vor allem die Kinder. Denn eine nur vermeintlich heile Fassade verursacht bei ihnen eher Verwirrung und Ängste. Viel besser sei es, empfiehlt der erfahrene Therapeut, ihnen die Chance zu geben, frühzeitig zu lernen, mit den neuen Gegebenheiten umzugehen.

„Kinder wünschen sich vor allem Klarheit, Sicherheit, Verbindlichkeit und Transparenz in der Beziehung zu ihren Eltern. Sie müssen wissen, woran sie sind. Das ist wichtiger, als Dinge aufrechtzuerhalten, die schon lange nicht mehr gelten.“ Diese Offenheit helfe vor allem jüngeren Kindern zu trauern und vom bisherigen Familiengefüge Abschied zu nehmen..

Neue Beziehungen machen alles noch komplizierter

Zusätzliche Fallstricke lauern, wenn neue Liebespartner ins Spiel kommen. Das führe auch bei größter Toleranz und freundschaftlicher Distanz meist zu Gefühlschaos, weiß Hermans.

Diese Erfahrung hat Eltern-WG-Bewohnerin „Sanne“ gemacht, als ihr „Ex“ eine neue Liebe fand. „Bei uns tauchen nun die ersten Probleme auf. Ich habe zwar nichts dagegen, wenn mein Mann die Kinder mal zu seiner Freundin mitnimmt“, erzählt sie in Forum, „aber es fällt mir sehr schwer, die Besuche seiner Freundin hier zu Hause hinzunehmen. Aber auch für ihn und die Kinder ist das nicht einfach.“

Die Kinder wissen nicht, an wem sie sich orientieren sollen

Zu solcher Selbstkritik sind aber nicht bei alle Betroffenen fähig. „Ich habe erlebt, dass solche Modelle mit großer Selbstverständlichkeit präsentiert wurden, nach dem Motto ‚Wir sind doch eine moderne Familie mit Beziehungskonstellationen, wo auch ein anderer Partner kein Problem ist'“, berichtet der Experte. „Wenn man da aber ein wenig in die Tiefe geschaut hat, habe ich bisher nicht erlebt, dass sich alle wirklich gut dabei gefühlt haben.“

Für Kinder ist der Umgang mit neuen Lebensabschnittsgefährten der Eltern besonders kompliziert, wenn diese zeitweise oder sogar dauerhaft mit in der Wohngemeinschaft leben. Die Kinder wissen dann nicht, an wem sie sich orientieren sollen, beziehungsweise wer ihre Leitfigur ist. In einer klassischen Trennungssituation mit räumlicher Trennung sei es wesentlich einfacher für die Kinder, sich auf eine weitere erwachsene Bezugsperson samt anderer Regeln und Gegebenheiten einzustellen, erklärt der Diplompsychologe.

Eltern-WG zu konfliktträchtig und intransparent

Die Nachteile der „Eltern-WG trotz Trennung“ sind also zahlreich. Leider bekommen sie vor allem die Kinder zu spüren, obwohl doch die meisten Väter und Mütter mit diesem Lebensentwurf gerade ihnen etwas Gutes tun und weiterhin einen gemeinsamen Familienalltag ermöglichen wollen. Doch diese Form des Miteinanders taugt allenfalls zu einer zeitlich begrenzten Kompromisslösung.

„Eine Eltern-WG ist in den meisten Fällen kein empfehlenswertes Modell“, resümiert Hermans. „Im Prinzip kommt eine Wohngemeinschaft getrennter Eltern inklusive eines harmonischen, intakten Familienlebens – insbesondere für den Nachwuchs – einer eierlegenden Wollmilchsau gleich. Und die gibt es ja bekanntlich nicht.“

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Heinz Buschkowsky: Migrantenkinder „sind ein Teil von uns“

Mit knackigen Aussagen zu Migration und Integration machte sich der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (66) weit über Berlin hinaus einen Namen. Am 1. April 2015 wird „The Big Buschkowsky“, wie ihn einst Bürger seines Stadtteils tauften, von seinem Amt zurücktreten – die Gesundheit spiele nicht mehr mit. Ein Mann der klaren Worte ist Buschkowsky immer noch. Im Interview mit t-online.de erklärt der SPD-Politiker seine Verachtung für jede Form von politischem Extremismus, warum auch Migrantenkinder ein Teil unserer Gesellschaft sind und welchen Satz Angela Merkel sich hätte sparen können.

t-online.de: Das beste Mittel, um Terroranschläge wie zuletzt in Paris zu verhindern, ist gelungene Integration. Würden Sie der Behauptung zustimmen?

Heinz Buschkowsky: Im Prinzip ja. In einer Berliner Zeitung war nach den Anschlägen in Paris die Bemerkung zu lesen, dass die Banlieues in Frankreich Brutstätten des Terrors seien. Das ist ein hartes Urteil, aber nicht vollkommen abwegig. Wer sein Leben als perspektivlos empfindet, sich diskriminiert und ausgestoßen fühlt, wem alle Konsumwünsche versagt bleiben, ist anfällig für Aggressionen und Schuldzuweisungen gegen die, die er für die Ursache seines empfundenen Elends hält. Eine gelungene Integration in das Gesamtgefüge wirkt dem entgegen.

Wer für sich ein selbstbestimmtes Leben in Wohlstand und einen Platz in der Gesellschaft sieht und danach strebt, der ist zwar nicht immun für Radikalisierung, aber erheblich schwerer für die Rattenfänger erreichbar. Denn entscheidend für die Integration in die Lebenswelt der westeuropäischen Demokratien ist Bildung. Mit dem Wissenserwerb tritt die Fähigkeit des Differenzierens, Vergleichens und Abwägens ein. Ein ideologischer oder religiöser Tunnelblick hat es da schon schwerer, sich durchzusetzen.

Allerdings darf man sich nicht dem Trugschluss hingeben, dass eine gelungene Integration eine unbesiegbare Waffe gegen Fundamentalismus und Fanatismus ist. Zwar kommen Attentäter im überwiegenden Maß aus der Unterschicht und der kriminellen Szene, aber es gab in der Vergangenheit auch Beispiele für Fanatiker mit einer bürgerlichen Vita.

Wie groß ist die Gefahr für Jugendliche in Neukölln, in extremistische Szenen zu rutschen? Sowohl was islamistische als auch zum Beispiel rechtsextreme Tendenzen betrifft.

Politischer Extremismus ist scheinbar unausrottbar. Ich persönlich lehne politischen Extremismus egal in welcher Verpackung strikt ab. Für mich gibt es keinen guten und keinen schlechten Extremismus, keine böse und keine gerechte Gewalt. Ideologien oder Weltanschauungen, die Gewalt gegen andere als zulässiges oder sogar unvermeidliches Instrument propagieren, stehen für mich außerhalb des demokratischen Diskurses.

Ich differenziere auch nicht zwischen unkultivierten Sprechchören, egal ob sie von links oder rechts kommen. Wer Asylbewerber „Viehzeug“ nennt oder die Nazi-Ära glorifiziert, wer den Nahostkonflikt durch Hasstiraden wie „Juden ins Gas“ lösen will, gehört für mich in die gleiche Kategorie wie die militante linke Krawallszene.

Extremismus blüht immer dort, wo die Gesellschaft schläft oder das Gebot der Chancengerechtigkeit für jeden aus dem Auge verloren hat. Kinder, die in Neukölln geboren werden, müssen die gleichen Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben, wie die, die ihre Jugend im Schweizer Internat verbringen. Dort, wo am Ende der Schulzeit der Transfer zum Jobcenter ansteht, liegt der Nährboden für verpfuschte Lebensläufe und die Gefährdung des inneren Friedens. Welchem „Heilsbringer“ sich die Jugendlichen dann anschließen, ist letztlich Nebensache. Der Springerstiefel-Typ mit dem Bürstenhaarschnitt ist genauso kaputt wie der Gotteskrieger.

Wie lässt sich verhindern, dass Jugendliche für extremes Gedankengut empfänglich werden?

Ein weiter Horizont, ein klarer Blick, Ehrgeiz, etwas zu leisten, und Stolz auf das Erreichte. Wer diese Kompetenzen sein Eigen nennen kann, ist nur in den seltensten Fällen für die Flunderperspektive der Gehirnwäsche empfänglich. Unser Bildungssystem hat immer noch nicht verinnerlicht, dass es wieder eine veritable Unterschicht im Land gibt. Hierauf hätten wir schon längst reagieren müssen.

Heinz Kühn, der erste Ausländerbeauftragte der Bundesrepublik, hat uns schon 1979 vor einer anstehenden Bildungskatastrophe gewarnt. Kinder und Jugendliche aus analphabetischen Elternhäusern haben zu Hause keine Unterstützung beim Pythagoras. Deshalb müssen wir ihren Bildungserwerb anders steuern als dort, wo Kinder weiße Kniestrümpfe tragen und mit gefalteten Händen am Tisch sitzen. Bei mir in Neukölln wird fast jedes zweite Einwandererkind mit katastrophalen Sprachmängeln eingeschult, obwohl schon ihre Eltern in Deutschland zur Welt gekommen sind.

Um es deutlich zu sagen: Die unterschiedliche Rumwurstelei jedes Bundeslandes in den Schulen muss aufhören. Die Rahmenkompetenz für das Bildungswesen sollte zum Bund gehören. Die Ganztagsschule ist der traditionellen Halbtagsschule weit überlegen. Deshalb muss die Ganztagsschule wie im übrigen Europa obligatorisch werden. Wir benötigen eine verbindliche, kostenfreie Vorschulerziehung mindestens ab dem dritten Lebensjahr. In die sozialen Brennpunkte gehören die besten Lehrer und nicht die im Burn-Out-Modus.

Jüngst erklärte Angela Merkel, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei. Wie sehr muss sich die deutsche Gesellschaft anderen Kulturen annähern?

Ich kann mit dem Satz des Ex-Bundespräsidenten und nun auch der Kanzlerin nichts anfangen. Die inhaltliche Botschaft ist völlig unklar. Steht „gehört zu Deutschland“ in einem historischen Bezug? Dann wäre es einfach falsch. Unsere Gesellschaft hat sich im Laufe von Jahrhunderten entwickelt und die heute gültigen Lebensregeln hervorgebracht. Unsere Ethik ist in ihrer Normen- und Werteschöpfung von christlichen und jüdischen Einflüssen geprägt worden. Bei der Reformation, der Aufklärung und der Entwicklung des Humanismus hatte der Islam nun wirklich keinen Anteil.

Meint der Satz, dass der Islam als Weltreligion im Land präsent ist und gelebt wird, dann ist dies in Anbetracht von vier Millionen Muslimen in Deutschland eine Feststellung etwa von der Bedeutung, dass morgens die Sonne aufgeht. Wer in welchem Gott seinen Frieden findet oder ob eine spirituelle Ebene des Lebens völlig abgelehnt wird, das entscheidet in einer säkularen Gesellschaft jeder für sich selbst.

Einwanderung bringt immer neue Impulse. Das hält eine Gesellschaft jung und verhindert einen Werteinzest. Die Grenze liegt allerdings dort, wo der Kerngehalt unseres toleranten, offenen, demokratischen Gemeinwesens in Frage gestellt wird. Unser Leitmotiv lautet „Freiheit für den Einzelnen, Respekt vor dem Einzelnen und Gerechtigkeit für den Einzelnen“. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Egal, ob Mann oder Frau, Jung oder Alt, religiös oder atheistisch: Wir leben gewaltfrei miteinander, und Recht und Gesetz gelten für alle gleichermaßen. Solange wie wir uns hierzu im Einvernehmen befinden, kann es eigentlich keine Probleme geben.

Bevor sie sich auf den Weg machen, müssen Einwanderer sich entscheiden, ob sie Teil einer solchen Gesellschaft werden und ihr beitreten wollen. Wer seine eigene kulturelle Identität über die der selbst gewählten neuen Heimat stellt, bewegt sich unausweichlich auf Kollisionskurs. Einwanderer müssen den Willen zur Integration mitbringen.

Was heißt Einwanderung in der Praxis für Deutschland – sollten Kindergärten sich an islamische Reinheits- und Speisegebote halten, sollte der Islam Teil des Religionsunterricht werden, muss der Sportunterricht überdacht werden?

Natürlich müssen öffentliche Einrichtungen auf kulturelle Eigenheiten Rücksicht nehmen. Es ist aber immer eine Frage des Verhältnisses. Wer kein Schweinefleisch essen will, der lässt es halt. In Kindergärten und Schulen muss es dann eine Alternative geben.

Schwierig wird die Situation erst dann, wenn der Anspruch erhoben wird, dass alle kein Schweinefleisch mehr essen dürfen. Gleichfalls ist die Forderung, dass Erzieher keine Leberwurstbrote in der Pause essen dürfen, weil sie die Kinder verunreinigen, wenn sie sie hinterher anfassen, schon recht gewöhnungsbedürftig. Mädchen, die nicht schwimmen lernen dürfen, weil man ihre nackten Arme oder Beine sehen könnte, getrennter Sport- und Biologieunterricht, Fahrschulen nur für Frauen, damit diese nicht mit einem fremden Mann allein im Auto sind, Männern nicht die Hand geben wollen oder dürfen, sind solche Dinge.

Ich halte es für ziemlich vermessen, mit welchem Sendungsbewusstsein und welcher Aggressivität selbsternannte Interessensvertreter von Minderheiten dem Land ihre Anspruchserwartungen überstülpen. Muslime zum Beispiel verfügen über einen Anteil von vier Prozent an der Bevölkerung. Im gesellschaftlichen und politischen Alltag hat es jedoch den Anschein, als gäbe es nichts von größerer Bedeutung als den Islam und die Mentalität seiner Gläubigen. Daraus entstehen natürlich Reibungspunkte. Wir leben gemeinsam und nicht in getrennten Welten. Der Mensch eines anderen Geschlechts ist weder ein potenzieller Vergewaltiger noch ist eine Frau ohne Verhüllung eine Schlampe. Tradierte archaische Lebenswelten sind einer liberalen und offenen Gesellschaft fremd.

Warum soll es keinen islamischen Religionsunterricht geben? Es gibt doch auch einen christlichen. Ich bin jedoch dafür, dass die Religionslehrer in Deutschland ausgebildet werden und der Unterricht in deutscher Sprache erfolgt. Wie soll denn jemand einen zeit- und ortsgemäßen Unterricht an die Kinder erteilen, der gerade erst von irgendwo eingereist ist und die Lebensumstände der Kinder hier überhaupt nicht kennt? Ich kann – wie so häufig – nur mit Paracelsus antworten: Auf die Dosis kommt es an.

Sagen Sie uns bitte abschließend, warum es sich für Deutschland lohnt, Zeit, Mühe und Geld in die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu investieren. 

Die einfachste und logischste Antwort lautet: Weil es unsere Kinder und Jugendlichen sind. Ob Migrationshintergrund oder nicht – Kinder, die in diesem Land leben, sind ein Teil von uns. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Unsere Verfassung gebietet es und unser Menschenbild auch. Für uns sind die Menschenrechte universell.

Es hat aber auch etwas mit dem Wohlergehen der Gesellschaft zu tun. Deutschland ist ein Einwanderungsland und muss es auch bleiben. Wir „Bio-Deutschen“ sind aufgrund unserer niedrigen Geburtenrate nicht mehr in der Lage, den gesellschaftlichen Organismus am Leben zu halten. Bei den unter Fünfjährigen beträgt der Anteil der Einwandererkinder bereits über 35 Prozent. Daraus folgt, dass ein Leben in gewohntem Wohlstand in Zukunft nur mit der Integration der Einwandererkinder möglich sein wird.

Integration ist ohne Bildung nicht möglich. Ohne Bildung ist ein Leben in Wohlstand nicht möglich. Und ohne qualifizierte Arbeitskräfte wird die Wirtschaft die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern. Deshalb ist Integration keine Sozialveranstaltung, sondern ein Stück Überlebenstraining unserer Gesellschaft. Wir haben Milliarden Euro in marode Banken gesteckt, weil sie systemrelevant sind. Ist die Jugend von heute als Bevölkerung von morgen das nicht? Ich denke doch. Deshalb halte ich den rituellen Hinweis auf fehlende Finanzmittel zum Umbau des Bildungswesens für wenig überzeugend. Andere Länder der EU jedenfalls sind mit weniger Geld erfolgreicher als wir.

Wer heute an der Integration und Bildung spart, wird morgen ein Vielfaches in Polizei, Justiz und Personenschutz investieren müssen. Die Gesellschaft muss bei der Integration mehr Gas geben. Aber sie darf auch nicht das Selbstbewusstsein verlieren, die in diesem Lande geltenden Werte und Regeln des Zusammenlebens von Einwanderern einzufordern und durchzusetzen. Integration ist ein hartes Stück Arbeit – für alle Beteiligten.

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Komasaufen 2013 rückläufig: Kinder und Jugendliche saufen weniger

Die Zahl der Fälle von Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen hat sich im Jahr 2013 deutlich verringert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, mussten 2013 insgesamt 23.267 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus. Gegenüber dem Jahr 2012 bedeutete dies einen Rückgang um 12,8 Prozent.

Umgerechnet auf 100.000 Einwohner dieser Altersklasse nahm der Alkoholmissbrauch nach diesen jüngsten vorliegenden Zahlen um 40 Fälle von 336 Fälle auf 296 Fälle ab. Besonders groß war der Rückgang der Alkoholvergiftungen von Jungen und jungen Männern. Dieser verringerte sich um 15,6 Prozent auf 336 Fälle.

Rückgang bei den Mädchen geringer

Bei den Mädchen und jungen Frauen fiel der Rückgang mit einem Minus von 6,7 Prozent geringer aus. Mit 253 Fällen je 100.000 Mädchen und jungen Frauen gab es aber dennoch spürbar weniger Alkoholmissbrauch.

Einmal im Monat betrunken

Nach Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betrinkt sich fast jeder fünfte Jugendliche in Deutschland mindestens einmal im Monat. Überproportional häufig greifen junge Männer regelmäßig zu Bier, Schnaps oder Wein.

Sieben von zehn Jugendlichen, die wegen Alkohol im Krankenhaus behandelt werden mussten, waren noch keine 18 Jahre alt. Die Daten stammen aus der Krankenhausdiagnosestatistik 2013.

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Polizei in Nürnberg entdeckt 14-Jährige mit 4,5 Promille

Die Zahl sogenannter jugendlicher Komasäufer in Deutschland ist zwar rückläufig. Extremfälle gibt es trotzdem, wie das Beispiel einer 14-Jährigen aus Nürnberg zeigt. Das Mädchen wurde mit mehr als 4,5 Promille aufgegriffen, teilte die Bundespolizei mit.

Eine Streife bemerkte die Jugendliche, die am späten Montagabend bewusstlos in der Osthalle des Nürnberger Hauptbahnhofs lag. Nach Polizeiangaben war sie im Gesicht bereits blau angelaufen.

Die Beamten leisteten Erste Hilfe, bevor ein Notarzt den Teenager in eine Klinik brachte. „Wenn man so viel trinkt, ist man normalerweise tot“, sagte der Sprecher der Polizei. Das schaffe man nicht mit Bier oder Wein. Einen solchen Promille-Wert erreiche man auch nur, wenn man regelmäßig trinke. Leider fänden die Beamten immer wieder Jugendliche mit solch hohen Alkoholwerten.

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Aus für Red Bull und Co.? SPD will Energy-Drinks für Jugendliche verbieten

Sie putschen auf und schmecken meistens klebrig süß: Jugendliche lieben Energy-Drinks. Die SPD will jedoch verbieten, die stark koffeinhaltige Brause an Jugendliche unter 18 Jahren zu verkaufen. Die Begründung: Die Politik habe die Aufgabe, Minderjährige vor vermeidbaren Gefahren zu schützen.

Dafür soll das Jugendschutzgesetz geändert werden, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin Elvira Drobinski-Weiß der „Saarbrücker Zeitung“.

Wirkung wie zwei Tassen Kaffee

Denn immerhin enthalten 250 Milliliter Energy-Brause im Durchschnitt 80 Milligramm Koffein – etwa so viel wie zwei Tassen Filterkaffee oder anderthalb Espresso. Für Erwachsene gilt ein Koffeinkonsum von bis zu 300 Milligramm am Tag als gesundheitlich unbedenklich. Außerdem enthalten die Drinks die Inhaltsstoffe Taurin, Inosit und Glucuronolacton.

Alarmierende Studie

Eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) kam schon vor einem Jahr zu alarmierenden Ergebnissen: Wer mehr als einen halben Liter Energy-Drinks innerhalb von 24 Stunden trinkt, tue seinem Körper nichts Gutes. Übermäßiger Konsum könne Herzrhythmusstörungen, Krämpfe oder Nierenversagen hervorrufen.

Kein Bewusstsein für Gesundheitsrisiken

Besonders riskant sei es, wenn die Getränke beim Sport oder bei nächtelangem Feiern getrunken werden. Vor allem bei Letzterem werden die Drinks oft mit Alkohol gemischt. Eine solche Mischung steigert das Risiko nochmals. Die meisten Vieltrinker seien sich der gesundheitlichen Folgen jedoch nicht bewusst.

Mit ihrem Vorstoß geht die SPD weiter als Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU), der kürzlich mehr Aufklärung angekündigt hatte. Drobinski-Weiß sagte: „Es ist mir unverständlich, dass Minister Schmidt hier keinen Handlungsbedarf sieht.“ Das Abgabeverbot soll daher durch eine Änderung des Jugendschutzgesetzes umgesetzt werden. Zuständig wäre dann nicht mehr CSU-Mann Schmidt, sondern Familien- und Jugendministerin Manuela Schwesig (SPD).

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte gefordert, Energy-Drinks erst an Erwachsene ab 18 Jahren abzugeben.

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Darum sollten Jugendliche das Schülerpraktikum ernst nehmen

Irgendwann ab der achten Klasse machen Jugendliche ihr erstes Praktikum. Für viele ist das eine willkommende Abwechslung zum stressigen Schulalltag, für andere vielleicht nur eine lästige Pflicht. Dabei ist es die erste Gelegenheit Berufsluft zu schnuppern. Mit der richtigen Betriebswahl können Schüler sogar berufliche Weichen stellen.

Mit einem Praktikum sammeln Jugendliche erste Eindrücke von der Berufswelt – und können eigene Vorstellungen überprüfen: „Viele Jugendliche haben von ihrem vermeintlichen Traumjob Bilder im Kopf, die nicht immer der Realität entsprechen“, erklärt Beate Jacobsen vom Bildungsbüro im Landkreis Ludwigsburg.

In einem Praktikum können Schüler unter echten Bedingungen sehen, was ein Beruf erfordert, im Positiven wie auch im Negativen. Manche Schüler merkten schon im ersten Praktikum, dass ihr bisheriger Wunschjob doch nicht ihr Ding ist. Andere sind hellauf begeistert und bestärkt in ihrer Idee.

Anregungen sammeln

Doch was tun, wenn man noch nicht weiß, was man werden will? Daniela Wölfert rät Schülern, sich inspirieren zu lassen: Bei Freunden und Eltern könnten die Teenager nachfragen, was sich andere für sie vorstellen könnten, rät die Verantwortliche für Berufsorientierung an der niedersächsischen Grund- und Oberschule in Neuenkirchen. Hilfreich kann auch ein Besuch bei der Berufsberatung oder ein Blick in die regionalen gelben Seiten sein.

Jacobsen hat für die Berufsorientierung das Internetportal „Wegweiser Beruf“ entwickelt: „Wir haben dort viele Informationen und Videos zu einzelnen Berufen gebündelt und verlinkt, so dass Jugendliche sich einen Überblick verschaffen können.“ Denn: Unter vielen Berufsbezeichnungen können sich Heranwachsende gar nichts vorstellen.

Schulische „Aha-Effekte“ dank Praktikum

Wenn die Praktikumswahl letztlich kein Erfolg war, sei die gesammelte Erfahrung trotzdem nicht vergebens: „Dann weiß man wenigstens schon, was man nicht werden möchte“, sagt Wölfert. So können Jugendliche für das nächste Praktikum neu und gezielter planen.

Ein anderer positiver Nebeneffekt des Praktikums ist, dass viele Jugendlichen die Schule danach mit anderen Augen sehen: „Wir erleben oft, dass besonders bei Schülern, die in der Schule nicht die besten Noten haben und deshalb gefrustet sind, im Praktikum richtige Aha-Effekte einsetzen“, berichtet Jacobsen. Vor allem bei praktischen Tätigkeiten wie im Handwerk würden die Schüler sich ihrer Stärken bewusst.

Um den Wunsch-Praktikumsplatz zu bekommen, empfehlen alle Experten, sich möglichst frühzeitig zu kümmern. „In der Regel sind die Termine schon ein Jahr im Voraus bekannt“, weiß Wölfert. Dann gelte es, sich mit einer Bewerbungsmappe vorzustellen, am besten persönlich.

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TV-Reportage: „Mit Kindern Kasse machen“

TV-Reportage: „Mit Kindern Kasse machen“

Die Notlage von Kindern, die vom Jugendamt aus schwierigen Familienverhältnissen geholt werden müssen, ist ein lukratives Geschäft für freie Träger, die Kinderheime betreiben. Der ARD-Beitrag „Mit Kindern Kasse machen“ aus der Reihe „Die Story im Ersten“ hat skandalöse Zustände aufgedeckt. Ein Sozialarbeiter sagt: „Träger haben überhaupt kein Interesse daran, dass es ihrem Klientel besser geht, denn sie verdienen Geld daran.“ 

2013 wurden in Deutschland rund 42.000 Minderjährige von den örtlichen Jugendämtern in Obhut genommen. Derzeit leben 140.000 in Heimen. Von Jahr zu Jahr werden es mehr.

Jugendämter sind chronisch überlastet

Inobhutnahme: Das klingt sanft und fürsorglich. Wenn Eltern aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in der Lage sind, ihre Kinder angemessen zu versorgen und zu erziehen, greift das Jugendamt zum Schutz der Kinder ein. Es kann sie vorübergehend oder dauerhaft bei Verwandten, Pflegefamilien oder Betreuungseinrichtungen unterbringen. Dabei soll immer das Wohl des Kindes an erster Stelle stehen. Soweit der Idealzustand. Doch in der Realität werden viele Kinder dadurch zum zweiten Mal Opfer.

Die Jugendämter in Deutschland sind chronisch überlastet. Weil sie weder genug Zeit, noch Personal haben, um alle betroffenen Kinder zu betreuen, wird diese Aufgabe an freie Jugendhilfeträger übertragen. Diese werden dafür bezahlt. Milliarden an Steuergeldern fließen in die Heimunterbringung.

Der Skandal: Die Qualifizierung der freien Träger und die Zustände in den Heimen werden gar nicht oder zumindest nicht ausreichend kontrolliert.

„Die Kinder sitzen in der Falle“

In der TV-Reportage von Nicole Rosenbach und Anna Osius schildern Kinder und Jugendliche, wie sie in Heimen oder Pflegefamilien schikaniert und vernachlässigt oder von ihren Familien abgeschottet wurden. „Die Kinder sitzen in der Falle“, meint Hans-Peter Daumann, Sozialarbeiter am Jugendzentrum Wacken.

Anita (15) ist in einer Pflegefamilie in Polen einquartiert worden, die dem psychisch kranken Mädchen sowohl eine Therapie als auch den Schulbesuch verweigert.

Wakya musste drei Jahre ins Heim

Wakya kam mit sieben Jahren ins Heim, das seinen Kontakt zur Familie massiv einschränkte. Inzwischen ist er 16 und erinnert sich, wie er morgens um fünf Uhr von Mitarbeitern des Jugendamtes mit Polizeibegleitung abgeholt wurde: „Man guckt vom Hochbett runter, und da steht die Polizei“. Seine Mutter war im Rahmen eines Sorgerechtsstreits als „erziehungsunfähig“ eingestuft worden. Bis diese Bewertung als unbegründet revidiert wurde, lebte das Kind drei Jahre lang im Heim. Der Kontakt zwischen Wakya und seiner Familie wurde unter Vorwänden massiv eingeschränkt, Briefe zensiert. Mutter und Kind litten massiv unter der Trennung.

„Seelische Grausamkeiten“

Dominic (17) lebt in einer „sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft“ des freien Trägers Leuchtfeuer, der vom Jugendamt mit der Betreuung des Jugendlichen beauftragt wurde. Er wird dort als „Drecksmensch“ gedemütigt und abgeschottet, darf nicht zur Berufsschule, sondern muss ohne Entlohnung auf dem Hof arbeiten. Bei einem Kontrollbesuch findet das Jugendamt keinen Grund zur Beanstandung.

„Für mein Gefühl waren das seelische Grausamkeiten, die er dort ertragen musste“, berichtet eine Therapeutin, die schließlich die Polizei einschaltete.

Je länger die Kinder im Heim bleiben, desto mehr verdienen die Träger

Einige der geschilderten Fälle nähren den Verdacht, dass die Heimunterbringung mit zweifelhaften Gutachten immer weiter verlängert worden ist, damit weiter Geld fließt. Ein Heimleiter räumt vor der Kamera ein, dass er gar keine Ausbildung als Kinder- und Jugendtherapeut absolviert habe, obwohl er sich als solcher ausgegeben und psychologische Gutachten erstellt hat. Auf dieser Basis entscheiden Gerichte über das Schicksal von Kindern.

Für die Heimunterbringung von Wakya überwies das Jugendamt jährlich rund 65.000 Euro an den Träger. Das belegen Rechnungen, die das WDR-Reporterteam zu sehen bekam.

Nach dessen Informationen fließen jährlich insgesamt 4,4 Milliarden Steuergelder in die „stationäre Unterbringung von Kindern“.

Buschkowsky: „Der Träger hat immer einen Eigennutz“

Heinz Buschkowsky, langjähriger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, sagt dem TV-Team: „Der Träger hat immer einen Eigennutz und wird immer feststellen, dass das Angebot seiner Einrichtung genau auf diesen Fall passt – denn er muss seine Einrichtung auslasten.“ Mit Zorn in der Stimme prangert er den Missstand an: „Wir reden über Milliarden, die der Staat herausreicht ohne jede faktische Kontrolle.“

Unerträglich zynisch beschreibt ein ehemaliger Jugendhilfemitarbeiter, der vor der Kamera anonym bleiben will, das „Geschäftsmodell“: Jugendämter „werfen Kinder auf den Markt.“ Die Träger bekämen ein Angebot vom Jugendamt, einen Minderjährigen für einen bestimmten Tagessatz zu betreuen. „Es geht um Geld.“

Deutlich wird in der Reportage, dass das Geflecht von Zuständigkeiten so undurchdringlich ist, dass schwarze Schafe unter den freien Trägen skrupellos ein Geschäft mit der Not der Kinder machen können. Sie schaden dem Image der Branche und damit auch allen Einrichtungen, die sich vorbildlich um das Wohl ihrer Schützlinge kümmern.

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