Lernprobleme und Depressionen: Pandemie-Folgen belasten Jugend weiterhin

Die Corona-Pandemie neigt sich dem Ende, doch die Nachwehen sind weiterhin spürbar. Über 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden noch immer unter den Folgen der langwierigen Einschränkungen. Um die psychische Belastung abmildern zu können, sehen Experten an mehreren Stellen Nachholbedarf.

Mehr Lernprobleme, Depressionen oder Essstörungen: Die Corona-Pandemie hat bis heute weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. „Derzeit sind immer noch 73 Prozent psychisch belastet“, erklärten die Bundesministerien für Familie und Gesundheit unter Berufung auf den Bericht einer interministeriellen Arbeitsgruppe, der im Kabinett verabschiedet wurde. Er fordert mehr Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung zu unterstützen.

„73 Prozent der jungen Menschen sind auch durch die Einschränkungen während der Pandemie bis heute enorm gestresst“, erklärte Bundesfamilienministerin Lisa Paus. „Wie so oft trifft es Kinder aus ärmeren Familien besonders hart: Kinder von Alleinerziehenden, aus Familien mit Migrationshintergrund, diejenigen, die in beengten Wohnverhältnissen leben oder psychisch belastete Eltern haben.“ Es dürfe aber „nicht von persönlichen Ressourcen oder vom sozialen Status der Familie abhängen, wie gut junge Menschen Krisen überstehen.“

Empfehlungen in fünf Bereichen

Erstellt wurde der Bericht von der interministeriellen Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“. Sie gab Empfehlungen in fünf Handlungsfeldern: Dabei geht es um frühe Hilfen schon ab der Geburt, Kindertagesbetreuung, Schulen, das Gesundheitswesen sowie Jugend- und Familienhilfe.

Trotz erheblicher Anstrengungen bestehe weiter „großer Handlungsbedarf, um insbesondere die anhaltenden psychischen Belastungen von jungen Menschen abzumildern“, heißt es in dem Bericht. „Es geht darum zu verhindern, dass Langzeitfolgen für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen entstehen und Bildungs- und Teilhabechancen auf längere Sicht oder gar dauerhaft beeinträchtigt werden.“

Das Gesundheitswesen müsse seinen Beitrag leisten, „um junge Menschen bei der Bewältigung der psychischen und psychosozialen Belastungen der Pandemie zu unterstützen“, betonte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. „Daher kümmern wir uns um einen schnelleren Zugang zur therapeutischen Versorgung. Wir stellen die Finanzierung der Krankenhausbehandlung für Kinder auf neue Füße und sorgen für eine bessere Vergütung von Kinderarzneimitteln.“

Zugang zu Hilfsangeboten erleichtern

In der Pandemie sei deutlich geworden, „wie wichtig niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsangebote vor Ort sind“, heißt es in dem Bericht. Bei stärkeren psychischen Belastungen und psychischen Erkrankungen sei „die zügige Vermittlung in die Angebote des medizinischen Versorgungssystems wichtig“. Außerdem empfiehlt die Arbeitsgruppe „den Ausbau schulpsychologischer Dienste“. Der Bericht verweist darauf, dass die Unterstützung häufig in den Aufgabenbereich von Ländern und Kommunen falle. Der Bund könne hier aber koordinierend und mit Finanzhilfen eingreifen. Paus und Lauterbach verwiesen unter anderem darauf, dass der Bund in den Jahren 2023 und 2024 die Länder im Bereich Kindertagesbetreuung unterstütze.

Im Bereich der Kinder- und Familienhilfe gebe es durch den Bund neu geschaffene Rechtsansprüche auf Beratung und Unterstützung, heißt es in der Erklärung der Minister mit Blick auf das Jugendstärkungsgesetz. So könnten Kinder nun beim Jugendamt psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen, ohne dass ihre Eltern darüber informiert werden.

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