Werra-Grenzpark-Verein


Der Fluss schlängelt sich durch eine breite Aue. Wiesen und Felder kennzeichnen die Landschaft. Im Hintergrund kann man eine Burgruine erkennen und vorne zwei Dörfer, die durch eine Brücke verbunden sind. Frieden weit und breit – das war jedoch nicht immer so. Einst war das Nachbardorf Herleshausen auf der hessischen Seite von Lauchröden auf der thüringischen Seite durch die Werra als Grenzfluss getrennt. Mehr als 30 Jahre nach der Grenzöffnung soll die Trennung durch den Grenzzaun nicht in Vergessenheit geraten. Da sind sich die Mitglieder des Vereins WERRAGrenzPark e. V. einig. Die Erinnerung an die 40 Jahre dauernde innerdeutsche Teilung aufrechtzuerhalten, haben sich die Mitglieder zum Auftrag gemacht und wollen nun einen Grenz- und Demokratiepark für die nachfolgenden Generationen schaffen, um ihre Wachsamkeit für die Zukunft zu schärfen. „Wir wollen einen Ort der Erinnerung an den ehemaligen Grenzübergang Herleshausen/Wartha schaffen“, sagt Detlev Traut, ehemaliger Zollbeamter. Herleshausen war der einzige Straßengrenzübergang in Hessen und hatte mithin ein Alleinstellungsmerkmal. Die Menschen in diesem Ort haben die Grenze hautnah miterlebt. „Der historische Ort soll deshalb mit einer Erinnerungsstätte verbunden werden“, berichtet Gero von Randow, Vorsitzender des Vereins.

„Zeigen, wie sehr sie gelitten haben“

Im Grenzpark werden Monitore mit Zeitzeugeninterviews entstehen und die unterschiedlichen politischen Systeme zwischen West und Ost mittels verschiedener Themeninseln nachempfunden. „Die Eindrücke der Zeitzeugen sollen deutlich machen, wie sehr sie unter der ehemaligen Grenze gelitten haben“, sagt Klaus Gogler, der an dieser Grenze aufgewachsen ist. „Der Park soll nicht nur etwas darstellen, sondern auch die Gefühle der Zeit rüberbringen.“ Denn die Grenze teilte nicht nur das Land, sondern auch die freiheitliche Demokratie hier von der menschenverachtenden Diktatur dort. Dieser Unterschied soll der jungen Generation aufgezeigt werden. Die Grenze wird im Verlauf symbolisch über eine in den Boden eingelassene Intarsie durch den Besucher überschritten. Anette Wetterau sieht klar den Auftrag bei ihrer Generation: „Wir haben das alles erlebt, und wir müssen diese Erinnerungen an die nachfolgenden Generationen weitergeben.“ Die ehemalige Lehrerin erkennt aber auch, dass ältere Menschen oft Hemmungen haben, sich zu dieser Zeit zu äußern. Sie betont, wie wichtig dieses Projekt für die Generationen ist, die die Grenze nicht miterlebt haben. Damit ist der Verein nicht allein, immer wieder findet er Befürworter auf dem Entstehungsweg.

Kritisch nach rechts und links schauen

Auf die Frage, warum die Erinnerung so wichtig sei, antwortet von Randow: „Es muss immer an Vergangenes erinnert werden, auch an die schlimmen Dinge, um sich bewusst zu machen, wie gut man es im Moment hat, und um für den Erhalt der Demokratie einzustehen, notfalls zu kämpfen.“ Denn Demokratie müsse man sich ständig erarbeiten, jeden Tag neu. Gerade in der heutigen Zeit darf sie nicht als selbstverständlich angesehen werden, da sind sich die Mitglieder einig. Man merkt, wie sehr ihnen dieses Projekt am Herzen liegt, sind es doch nur noch ein paar der immer weniger werdenden, die wissen, was es heißt, wenn unmittelbar nebenan die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur verläuft. Kurse für Schulklassen sind geplant. Gerade mit einem Blick in die Zukunft, den dieser Grenz- und Demokratiepark wagt, soll deutlich werden, dass Freiheit und Demokratie in Gefahr geraten können und zu schützen sind. „Man muss“, sagt die pensionierte Geschichtslehrerin Heidrun Henning, „immer Energie aufbringen, um die Demokratie zu wahren und sich von Diktatur und hassgetriebenen Strukturen abzugrenzen.“ Die Mitglieder ermutigen die junge Generation, kritisch nach rechts und links zu schauen und im passenden Moment laut zu werden, um für demokratische, die Menschenwürde achtende Grundwerte einzustehen. Detlev Traut sagt: „Erinnerung ist wichtig, um Anfängen zu wehren.“

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