Kategorie -Jugendliche

Thüringen: Schulleiter muss nach Handgreiflichkeit 7500 Euro zahlen

In Thüringen muss ein Schulleiter wegen eines Übergriffs auf eine 16-jährige Schülerin 7500 Euro Geldbuße zahlen.

Das Verfahren gegen den 52-Jährigen wegen Körperverletzung im Amt wird im Gegenzug eingestellt, wie das Amtsgericht Heiligenstadt  entschied. Zuvor hatte sich der Mann bei der Schülerin im Gerichtssaal entschuldigt.

Streit um Pausenkonzert

Die 16-Jährige hatte gemeinsam mit Mitschülern gegen das Verbot eines Pausenkonzerts protestiert. Als sie sich weigerte, ins Dienstzimmer des Schulleiters zu kommen, wurde dieser handgreiflich. Nach seinen Angaben fasste er die Jugendliche an den Schultern und zog sie.

Richter spricht von „Augenblicksversagen“

Der Schulleiter hatte den Übergriff bereits zu Prozessbeginn eingeräumt. Strafrichter Gerrit Sprenger sprach von einem Augenblicksversagen. So etwas dürfe nicht vorkommen, der Übergriff sei aber nicht gravierend.

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Anmeldung fürs Waldheim läuft

FerienprogrammAnmeldung fürs Waldheim läuft

Theaterspielen gehört zum festen Programm fast aller Waldheime. Foto: factum/Weise

S-Ost – Für viele Kinder sind sie der absolute Höhepunkt des Jahres: die Wochen im Waldheim. Immer in den großen Schulferien im Sommer bieten die vielen Stuttgarter Ferienwaldheime Kindern ideale Voraussetzungen für kurzweilige und interessante Tage im Wald – zur Abwechslung ganz ohne Eltern. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtbezirk Stuttgart-Ost besuchen vor allem drei Waldheime: Das katholische Ferienwaldheim Marienburg, das schon auf Wangener Gemarkung an der Grenze zum Stuttgarter Osten liegt, das Waldheim Raichberg der Arbeiterwohlfahrt im Wald oberhalb von Gaisburg und das evangelische Ferienwaldheim Frauenkopf. Die Anmeldefrist für die Waldheime läuft bereits.

Die Waldheimzeit auf der Marienburg findet vier Wochen vom 30. Juli bis zum 24. August statt. Aufgenommen werden Kinder im Alter zwischen vier und 15 Jahren. Am Donnerstag, 7. Juni (Fronleichnam), können Eltern ihre Kinder von 14 bis 17 Uhr vor Ort auf der Marienburg, Im Abelsberg 4, anmelden. Der Waldheimaufenthalt ist für zwei, drei oder vier Wochen möglich. Kinder, die zum ersten Mal das Waldheim besuchen, können zunächst nur für eine Woche angemeldet werden. Ihr Aufenthalt kann dann gegebenenfalls verlängert werden. Die Anmeldung per Post ist bereits seit Donnerstag, 1. März, möglich.

Das Waldheim Raichberg teilt die Waldheimzeit für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahre in zwei Abschnitte, einmal vom 30. Juli bis zum 10. August und vom 13. bis zum 24. August. Im ersten Abschnitt werden in Kooperation mit der Lebenshilfe Stuttgart Plätze für Kinder mit Behinderung angeboten. Die Anmeldung erfolgt schriftlich per Post oder persönlich nach vorheriger telefonischer Terminabsprache. Beim Waldheimfamilientag, im Waldheim Gehrenwald in Untertürkheim, ist am Samstag, 2. Juni, von 14 Uhr an ebenfalls eine Anmeldung möglich.

Das „größte“ Waldheim ist das evangelische Waldheim Frauenkopf, das in der Sommerferienzeit vom 30. Juli bis zum 7. September ein Programm für Kinder von sechs bis 14 Jahren anbietet. Der Zeitraum ist in drei Abschnitte unterteilt: vom 30. Juli bis zum 10. August, vom 13. August bis zum 24. August und vom 27. August bis zum 7. September. Die Kinder werden mit Bussen, die auf unterschiedlichen Touren verkehren, zum Waldheim gebracht. Eine persönliche Anmeldung ist am Dienstag, 1. Mai, von 12 bis 16 Uhr im Waldheim möglich. Schriftliche Anmeldungen werden bereits angenommen.

Wer selbst einmal Waldheim-Betreuer werden will, muss mindestens 13 Jahre alt sein und kann an einem Projekt zur Nachwuchsförderung in den Waldheimen Marienburg und Raichberg von 30. Juli bis 10. August teilnehmen. Dabei lernen die Jugendlichen einiges über Aufsichtspflicht, Gestaltung und Durchführung eines Gruppenprogramms und Erste Hilfe. Bei Interesse ist vorab ein telefonisches Gespräch mit dem jeweiligen Waldheim erforderlich.

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Fremdes Leben auf dem Kopf: Diese Mittel helfen gegen Läuse


Sie verursachen furchtbaren Juckreiz, können springen, klettern, stechen und ernähren sich von Blut – Kopfläuse. Insbesondere in der kalten Jahreszeit haben sie Hochkonjunktur. Warentest nennt die Wahl der Waffen gegen die lästigen Insekten.

Die Köpfe zusammenzustecken ist meist eine gute Idee. Denn das bringt Nähe und produziert mitunter den einen oder anderen klugen Gedanken. Allerdings birgt ein solches Verhalten auch Risiken. Denn neben Beulen – durch allzu heftiges Zusammenstecken – lauert eventuell mit Pediculus humanus capitis noch eine andere Gefahr auf dem Haupt des anderen. Oder etwas schlichter ausgedrückt: die gemeine Kopflaus könnte den Besitzer wechseln.

Um gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen: Mit fehlender Hygiene des befallenden Kopfes hat das Vorhandensein der lästigen Insekten nichts zu tun. Denn die kommen weltweit vor und klettern und springen bei entsprechender Nähe zweier Menschen, von einem zum anderen. Um dort via Stich Blut aus der Kopfhaut zu saugen. Deshalb sind auch oftmals kleine Kindern von den Plagegeistern betroffen. Denn die stecken nun mal gerne beim Spielen die Köpfe zusammen. Zunehmend verbreiten sich Läuse aber auch bei Jugendlichen. Dem Smartphone sei Dank. Denn auch bei dessen Nutzung kommt es zu der erforderlichen Nähe. Sei es bei gemeinsamen Selfies oder wenn Kopf-an-Kopf auf das Display gestarrt wird.    

Läusebefall oft meldepflichtig

Doch egal wie die Laus ihren Weg findet. Ist sie da, juckt es entsetzlich auf der Kopfhaut der Betroffenen. Zum Rasierer muss heutzutage aber niemand mehr greifen, um die Tiere wieder los zu werden. Genausowenig müssen der Kindergarten oder die Schule evakuiert werden. Allerdings ist laut Infektionsschutzgesetz der Befall mit Läusen in Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig. Ansonsten droht ein Bußgeld. Denn letztendlich geht es um den Schutz der gesamten Gruppe.

Also erst zum Telefon greifen und Betreuungs- oder Bildungsanstalt informieren und dann zügig den Kampf gegen die Laus aufnehmen. Mit den geeigneten Mitteln natürlich. Die kennt die Stiftung Warentest, welche 12 vielverkaufte Läusemittel bewertet hat. Die Experten stützen ihre Beurteilung dabei auf zahlreiche Studien und neue Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und zu Risiken der Produkte. Grundsätzlich gibt es zwei Wege, wie die Blutsauger bekämpft werden können: Mit einem speziellen Öl, das sie erstickt. Oder mit einem Insektengift, das die Nerven der Läuse lähmt. Allerdings werden Läuse gegen das Gift zunehmend unempfindlich.

Die Mittel im Test kosten zwischen rund 8 und 26 Euro pro 100 Milliliter. Am besten beurteilten die Tester drei Öl-Präparate mit dem Wirkstoff Dimeticon, die mit Preisen von 14,95 bzw. 21,99 Euro für 100 Milliliter im mittleren bis oberen Preissegment liegen. Fast genauso gut eignen sich zwei Mittel mit altbekannten Insektengiften, die die Nerven von Läusen lähmen, sowie eines mit Mineralöl. Manche Präparate können Ärzte Kindern auch per Rezept verordnen. Dann trägt die Krankenkasse die Kosten. Dies ist beispielsweise bei den empfohlenen Demiticon-Lösungen „Dimet 20“ und „EtoPril“ der Fall. Gleiches gilt für die auch geeigneten Insektengiftprodukte „Goldgeist forte“ und „Infecto“.   

Doch für alle Produkte gilt: Damit sie sicher wirken, müssen Nutzer sie groß­zügig auftragen und Anwendungs­fehler vermeiden. Die jeweilige Gebrauchs­anleitung ist also genau zu befolgen. In aller Regel sind zwei Behand­lungen im Abstand von ungefähr einer Woche notwendig. Unver­zicht­bar ist bei jeder Behand­lung zusätzlich ein Läusekamm, um tote wie über­lebende Plage­geister „auszukehren“. 



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Anschreien, Schubsen: Was Lehrer dürfen und was nicht

Wegen eines Übergriffs auf eine 16-jährige Schülerin muss ein Schulleiter aus Thüringen 7500 Euro Geldbuße zahlen. Das Verfahren gegen den 52-Jährigen wegen Körperverletzung im Amt wird im Gegenzug eingestellt, wie das Amtsgericht Heiligenstadt entschied. Doch was dürfen Lehrer eigentlich und was nicht?

Die Schülerin hatte gemeinsam mit Mitschülern gegen das Verbot eines Pausenkonzerts protestiert. Als sie sich weigerte, ins Dienstzimmer des Schulleiters zu kommen, wurde dieser handgreiflich. Nach seinen Angaben fasste er die Jugendliche an den Schultern und zog sie.

Der Schulleiter hatte den Übergriff bereits zu Prozessbeginn eingeräumt und sich bei der Schülerin im Gerichtssaal entschuldigt. Der Strafrichter sprach von einem Augenblicksversagen. So etwas dürfe nicht vorkommen, der Übergriff sei aber nicht gravierend.

Was dürfen Lehrer – und was nicht?

Viele Ältere haben noch Gewalt durch Lehrer erlebt. Schon seit langem sind solche Übergriffe im Unterricht verboten. Doch wann fängt Gewalt an und wann ist es einem Lehrer erlaubt, einen Schüler fester anzufassen?

Generell gilt für Lehrer in ganz Deutschland seit 1973 das Gewaltverbot. Die Landesschulgesetze regeln: Lehrer dürfen ihren Schülern gegenüber in keiner Form handgreiflich werden. In Hessen heißt es wortwörtlich: „Körperliche Züchtigung und andere herabsetzende Maßnahmen sind verboten.“

Weniger klar ist dagegen die Sachlage bei psychischer Abwertung durch Mobbing. „Dass Schüler durch Lehrer psychisch drangsaliert werden, kommt durchaus vor“, sagt Stefan Drewes, Leiter der schulpsychologischen Beratung der Stadt Düsseldorf. „Hier Recht zu sprechen ist allerdings viel schwieriger, da es sich schwerer belegen lässt.“

Wie häufig gibt es Prozesse gegen Lehrer wegen körperlicher Gewalt gegen Schüler?

„Genaue Zahlen liegen uns nicht vor“, sagt Volker Busch, Leiter der Rechtsberatung der Lehrergewerkschaft GEW. Es kommt zwar immer wieder zu Prozessen, oftmals werden die Verfahren aber bereits im Vorfeld eingestellt. Wenn beispielsweise eine Lehrerin einen Schüler auf einem Ausflug zu hart anfasst, ihn damit aber vor einer Gefahr bewahrt, werten Gerichte dies im Normalfall nicht als körperliche Gewalt – und der Prozess kommt gar nicht erst zustande.

Was kann eine Verurteilung für Folgen haben?

Wird ein Pädagoge verurteilt, hat dieser meistens mit einer Geldstrafe zu rechnen und kann in den normalen Schulalltag zurückkehren. „Für einen Schulverweis oder Berufsverbot müssen drastische Straftaten vorliegen“, sagt Busch.

Welche Möglichkeiten haben betroffene Lehrer und Schüler?

Für Lehrer, die befürchten, sich nicht unter Kontrolle zu haben oder die schon einmal ausgerastet sind, empfiehlt Drewes als erste Maßnahme regelmäßiges Coaching und Supervision. Darüber hinaus hat die Universität Lüneburg ein Training emotionaler Kompetenzen (TEK) entwickelt, das Lehrern helfen soll, mit starken Emotionen umzugehen.

„Wenn das nicht genug ist, kann auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden“, erklärt Drewes. Betroffenen Schülern empfiehlt er, sich zunächst an eine Person ihres Vertrauens zu wenden. „Das sind natürlich in erster Linie die Eltern, es können aber genau so gut Vertrauenslehrer, Schulsozialarbeiter oder Schulpsychologen sein.“

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„Die Kids wollen nicht immer bespielt werden“

Cafè Ratz„Die Kids wollen nicht immer bespielt werden“

Silvia Rehm leitet seit 1995 das Untertürkheimer Kinder- und Jugendhaus Café Ratz. Seither hat sich viel verändert. Foto: Michael Steinert

Untertürkheim – Das Untertürkheimer Café Ratz feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Hausleiterin Silvia Rehm ist davon überzeugt, dass die Kinder- und Jugendhäuser nach wie vor wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft erfüllen.
Frau Rehm, wieso eigentlich Café Ratz, woher kommt der Name?
(lacht) Das ist ein bisschen peinlich. Ende der 1980-er Jahre gab es so einen Trend; da brauchten plötzlich alle Kinder- und Jugendhäuser einen Namen. Früher gab es hier zwei Kollegen, die wurden Ratz und Rübe genannt – und daher kommt der Name. Er hat also keinen tieferen Sinn.

Und was genau macht das Café Ratz?
Wir sind ein Haus mit einer großen räumlichen Nähe zur Grund- und Werkrealschule Luginslandschule. Wir arbeiten schon sehr lange eng zusammen. Auch schon zu einer Zeit – ich sage das jetzt mal etwas böse –, als Kooperationen mit Schulen fast noch kein Thema unter Sozialpädagogen waren. Außerdem haben wir versucht, uns als Stadtteilhaus zu etablieren. Es gibt nicht mehr viele Jugendhäuser, die Livekonzerte veranstalten, weil das in Stuttgart inzwischen sehr schwierig geworden ist. In den Clubs gibt es einfach wahnsinnig viele Konzerte. Aber wir machen das weiter und bieten auch ganz jungen Bands eine Plattform. Außerdem haben wir noch einen erlebnispädagogischen Schwerpunkt mit Kletterwand und vielen anderen Aktionen.

Und was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Aufgaben?
Stichwort Beziehungsarbeit – unsere Arbeit steht und fällt mit dem Kontakt zu den Jugendlichen. Wir müssen und wollen Vertrauenspersonen und Ansprechpartner für sie sein. Außerdem haben wir natürlich auch eine Treffpunkt-Funktion. Für viele der Kids ist das Programm gar nicht so wichtig; die kommen, um zu chillen und um sich mit Freunden zu treffen.

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Gefängnis-Chef: längere „Karrieren“ der Intensivtäter

In Brandenburg werden die kriminellen Karrieren vieler Intensivtäter nach Beobachtungen eines Gefängnis-Chefs immer länger. „Die Anzahl der Täter hat zwar abgenommen, die Qualität der Straftaten im Hinblick auf die Schwere der Schuld dagegen aber nicht“, erklärte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen, Wolf-Dietrich Voigt. Die Mehrzahl der Gefangenen verfüge über eine lange Liste von begangenen Straftaten, bevor sie in den Knast müssten. „Die Mehrzahl kommt viel zu spät zu uns, um eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen“, sagte Voigt. Sein Gefängnis ist im Land das Einzige, das für männliche Jugendliche und Heranwachsende zuständig ist.

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Nach Vergewaltigung in Hamburg: Politiker fordern Aufklärung – und Härte

In Hamburg soll ein 30-Jähriger eine Jugendliche vergewaltigt haben. Der Verdächtige ist vorbestraft und sein Asylantrag abgelehnt. CDU-Politiker wollen nun wissen, weshalb der Mann auf freiem Fuß und im Land war.

Im Fall eines 30 Jahre alten afghanischen Tatverdächtigen, der in Hamburg eine 14-Jährige vergewaltigt haben soll, fordern Bundestagsabgeordnete Aufklärung. „Es ist mir völlig schleierhaft, warum der mutmaßliche Vergewaltiger trotz einer langen Liste von Straftaten überhaupt noch auf freiem Fuß war und nicht längst im Knast saß“, sagte der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete und -Innenexperte Christoph de Vries der „Bild“-Zeitung. „Wir brauchen Gerichte, die bei Mehrfachstraftätern auch Freiheitsstrafen verhängen, sonst verliert der Rechtsstaat seine Glaubwürdigkeit.“

Die Ausländerbehörde in Hamburg müsse erklären, warum der laut „Bild“ abgelehnte Asylbewerber nicht längst abgeschoben worden sei, sagte er weiter. Der 30-jährige afghanische Tatverdächtige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die 14-Jährige war am Samstagmorgen in einem Hauseingang an der Mönckebergstraße vergewaltigt worden. Zuvor soll der stark alkoholisierte Mann das Mädchen am Hauptbahnhof angesprochen haben und ihr gefolgt sein. Nach der Tat folgte er dem Mädchen laut den Ermittlungen in der U-Bahn bis zum Bahnhof Hoheluftbrücke, wo es um Hilfe bat. Dort konnte die Polizei den Verdächtigen festnehmen.

Der CDU-Innen- und -Rechtspolitiker Patrick Sensburg sagte der „Bild“-Zeitung: „Bei Wiederholungstätern wie im Fall Mansor S., die hier Asylverfahren durchlaufen oder deren Antrag bereits abgelehnt worden ist, muss die Justiz härter und nicht milder durchgreifen. Bewährungsstrafen müssen mit Auflagen verbunden werden. Und bei erneuten Straftaten ist es nicht akzeptabel, dass eine Bewährung nicht widerrufen wird.“

Innen- und Rechtsexperte Konstantin von Notz forderte Aufklärung statt Aktionismus. „Die Justiz muss diesen Fall sauber aufarbeiten. Aber Einzelfälle wie dieser dürfen nicht zur Stimmungsmache gegen Schutzsuchende und Ausländer missbraucht werden“, sagte der Grünen-Politiker ebenfalls der „Bild“.



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Expedition ins Jugendreich

MedienkongressExpedition ins Jugendreich

Das Erste, das Zweite und vor allem die Dritten sind out bei den 14- bis 29-Jährigen. Foto: dpa

Stuttgart – Wer dem Zeitgeist auf die Spur kommen will, muss zurückblicken. Vielleicht lehnten die Macher den Titel des Stuttgarter Medienkongresses deshalb an ein 50 Jahre altes Stück Fernsehgeschichte an: Die jüngst im Geno-Haus veranstaltete „Expedition ins Jugendreich“ hatte was von Heinz Sielmanns Ausflügen ins Tierreich.

Tatsächlich ging es um die Entdeckung unbekannter Lebenswelten – die der sogenannten Digital Natives. Menschen, die mit digitalen Technologien wie Computer, Internet und Smartphone aufgewachsen sind. Wie lebt die Generation Internet wirklich? Diese Frage stellten sich die Digital Immigrants, also diejenigen, die jene digitale Welt erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben.

Einer davon ist Mitveranstalter des Fachtags und Rektor der Hochschule der Medien, Professor Alexander W. Roos (49): „Ich bin auch so einer in dieser neuen Medienwelt.“ Der Mann kann das, was gemeinhin nur Frauen zugesprochen wird. Er nutzt nicht mehr linear nur ein Medium, sondern zeitgleich viele. „Wenn ich vor dem Laptop sitze“, sagt er, „läuft nebenher der Fernseher.“ Seine Frau ärgert sich zwar über diese Marotte, aber Roos kontert dann mit dem Kick, den er dabei hat: „So habe ich das Gefühl, ich könnte ja in den Fernseher schauen, wenn ich nur wollte.“

Neue Art der Mediennutzung: Dieses Verhalten scheint einem Menschen, insbesondere im Alter zwischen 14 und 29 Jahren, ein Gefühl der Freiheit zu geben. Es geht darum, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Natürlich kennt Roos die Kritiker dieses Lebensstils. Sie reden von Reizüberflutung und dem Fluch ständiger Erreichbarkeit. Davon, dass nichts mehr real, sondern nur noch in der Netzwelt passiert. Aber aus seiner Sicht passt beides „wunderbar zusammen“: „Die digitale Welt verletzt die reale nicht“, sagt er und nennt Beispiele: „Schauen Sie doch, die Stadien sind ebenso voll wie die Konzerthallen.“ Will sagen: Der Digital Native bewegt sich ständig zwischen der alten und der neuen Welt, zwischen Konstantem und schnell Wandelbarem. Und das in allen Bereichen, wie der Medienkongress gezeigt hat:

TV verliert an Bedeutung: Das Erste, das Zweite und vor allem die Dritten sind out. Altmodisch. „Nur vier Prozent dieser Zielgruppe interessiert sich für öffentlich-rechtliches Fernsehen“, sagt Sylvia Storz vom Südwestrundfunk. Auch Intendant Peter Boudgoust weiß: „Jugendliche haben ihren eigenen Kosmos.“ Dieser Kosmos wird in seinem Sender bisher kaum abgebildet. Wer dem Kika-Alter entwachsen ist, findet laut Storz in der ARD kaum Angebote. Überspitzt formuliert: keine Castingshows, keine Marktanteile.

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Gefängnis-Chef: „Karrieren“ der Intensivtäter werden länger

In Brandenburg werden die kriminellen Karrieren vieler Intensivtäter nach Beobachtungen eines Gefängnis-Chefs immer länger. „Die Anzahl der Täter hat zwar abgenommen, die Qualität der Straftaten im Hinblick auf die Schwere der Schuld dagegen aber nicht“, erklärte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen, Wolf-Dietrich Voigt, weiter. Sein Gefängnis ist im Land ausschließlich für männliche Jugendliche und Heranwachsende zuständig. Bei Gewaltstraftaten würden die Täter immer brutaler zuschlagen und immer häufiger schwerste Verletzungen ihrer Opfer in Kauf nehmen.

Bei der Mehrzahl der Gefangenen sei die Liste der Straftaten schon lang, bevor sie in den Knast müssten. „Spitzenreiter war einmal ein Jugendlicher, der bereits 16 Mal zu Bewährungsstrafen verurteilt wurde, bevor er zu uns in den Vollzug kam“, sagte Voigt.

Die Auslastung des Gefängnisses in Wriezen nehme ab. Ende April waren 115 von 198 Haftplätzen belegt. Das entspreche einer Auslastungsquote von 58 Prozent, teilte das Justizministerium mit. Vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent mehr, ergänzte Voigt.

„So erfreulich diese Entwicklung ist, könnte man in vielen Fällen längere Haft vermeiden, wenn man frühzeitiger und besser vernetzt agieren würde“, sagte der Bernauer Amtsrichter Andreas Müller. „Ich habe immer noch Intensivtäter, die es geworden sind, weil sie nicht früh genug bei mir waren, weil sie nicht früh genug den Schuss vorm Bug bekommen haben“, ergänzte Müller, der als „Deutschlands härtester Jugendrichter“ gilt.

Außerdem sei der Typus des jugendlichen Straftäters fast immer gleich: „Die meisten haben Schule oder Ausbildung abgebrochen, sind psychisch durch Persönlichkeitsstörungen auffällig, verfügen über Drogen- oder Gewalterfahrungen“, sagte der JVA-Chef. Im Schnitt sitzen die Täter in Wriezen Strafen von acht bis zwölf Monaten ab.

„Die Mehrzahl kommt viel zu spät zu uns, um eine nachhaltige Verhaltensänderung herbeizuführen“, meinte auch der JVA-Chef. Deshalb müssten bereits aus der Haft heraus passende Übergänge in die Freiheit gefunden werden, die Betreuung und Begleitung nach dem Knast mit einschließen, verlangte er.

Die JVA Wriezen setzt zudem auf Schule und Ausbildung. Hier könnten sich die Jugendlichen zum Ausbaufacharbeiter, zum Maler/Lackierer, zum Tischler oder Garten- und Landschaftsbauer ausbilden lassen. „So erhalten sie für draußen eine Alternative, um ihren Lebensunterhalt ohne Kriminalität zu bestreiten“, fügte die zuständige Bereichsleiterin hinzu.

Diesen Weg hat auch Kevin R. eingeschlagen. Er sitzt in Wriezen eine vierjährige Freiheitsstrafe unter anderem wegen Raubes ab. „Ich mache hier meinen Ausbaufacharbeiter“, sagte er.

Der 25-Jährige glitt ganz klassisch ins kriminelle Umfeld ab. Er sei ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter habe ihn und seine kleinere Schwester durchbringen müssen, berichtet er. „Da war nicht viel Zeit für uns.“ Auf der Straße habe er sich seine Anerkennung geholt, viel Zeit mit seiner Gang verbracht. „Prügeleien haben mich selbstbewusster gemacht und ich habe mich als Held gefühlt“, erinnert er sich. Haft habe ihn damals nicht abschrecken können. „Hinter Gittern habe ich jetzt meine Lektion gelernt“, sagt er. Nun hofft der 25-Jährige darauf, dass er im Sommer die Ausbildung erfolgreich zu Ende bringt und auf Bewährung aus dem Knast kommt.

Trotz aller guten Vorsätze schafft es draußen aber nicht jeder. Jeder Dritte werde rückfällig und müsse zurück in den Knast, sagte Voigt.

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Gremien mit Geschlechtergefälle

Hohe Frauenquote im JugendratGremien mit Geschlechtergefälle

Mit diesem Plakat hat die Stadt Stuttgart um Jugendräte geworben. Foto: privat

Filder – Matthias Besemer ist eine Minderheit. Ihn mitgezählt, haben es nur drei Jungen im vergangenen Februar in den Jugendrat für Plieningen und Birkach geschafft. Sie sitzen nun mit acht Mädchen in dem Gremium, das für die Belange der Jugendlichen aus den beiden Filderbezirken eintreten will.

Ähnlich sieht es in Degerloch aus. Von den elf Mitgliedern des örtlichen Jugendrats sind neun weiblich und zwei männlich. Im Sillenbucher Gremium kann von einem Geschlechtergefälle indessen nicht die Rede sein, dort gibt es sogar einen Jungen mehr: Neben sechs Mädchen kümmern sich dort sieben Jungs um die Anliegen der jungen Leute. Allen Bezirken gemein ist, dass sich jeweils mehr Mädchen als Jungen für die Wahl haben aufstellen lassen.

Der Plieninger Jugendrat Matthias Besemer sagt, es sei ihm selbst aufgefallen, dass er und seine Geschlechtsgenossen in der Unterzahl sind. „Ich habe aber keine Ahnung, woran es liegt“, sagt der 16-Jährige. „Die acht Mädchen hatten bei der Wahl auch durchschnittlich mehr Stimmen als wir.“ Nachteile für die Jungs aus Birkach und Plieningen befürchtet Matthias Besemer aber keine. „In unserem Alter vermischen sich die Interessen von Jungen und Mädchen ja eher“, sagt er.

Dieses Argument will Katharina Ditte aus Hoffeld nicht gelten lassen. Sie ist die Sprecherin des Degerlocher Jugendrats. Die 18-Jährige macht nächstes Jahr Abitur und engagiert sich trotzdem im Jugendrat sowie als Schulsprecherin. „Es ist alles zu schaffen, wenn man es richtig plant“, sagt Ditte, „es ist alles eine Frage des Zeitmanagements“. Als sie und andere Jugendräte beispielsweise an der Fritz-Leonhardt-Realschule fürs Mitmachen gewirbelt haben, „war das Interesse ziemlich gering“, sagt Ditte. Erklären kann sie sich das nicht.

Dasselbe gilt für die Tatsache, dass sie und ihre Geschlechtsgenossinnen in der absoluten Überzahl sind im jungen Gremium. Die beiden Jungs im Jugendrat seien „ein bisschen eingeschüchtert gewesen“, sagt sie. Doch die Mädchen wollen sie nun stärker beteiligen.

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