Kategorie -Jugendliche

Rettung aus thailändischer Höhle: Jungen sollen in Gruppen befreit werden

Sie harren seit zwei Wochen in einer Höhle aus, nun müssen sie die vielleicht schwerste Prüfung hinter sich bringen: Die zwölf Jugendlichen und ihr Trainer sollen in den nächsten Stunden und Tagen befreit werden.

Der gefährliche Einsatz zur Rettung der in einer überschwemmten Höhle in Thailand eingeschlossenen Jungen hat begonnen. „Heute ist der Tag X“, sagte der Leiter des Rettungsteams, Narongsak Osottanakorn. Die Jungen seien „bereit für jede Herausforderung.“ Das Wetter und der Wasserstand seien gut. „Die Taucher sind bereit. Die Jungen sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen“, so Osottanakorn.

Bei der Operation soll jeder Junge von zwei Tauchern begleitet werden. Insgesamt sind an dem Einsatz 18 Sporttaucher beteiligt. Fünf Taucher stammen aus Thailand, der Rest aus dem Ausland. Die Jungen sollen nach und nach herausgebracht werden. Die Experten erwarteten zunächst, dass der Einsatz, der um 10 Uhr Ortszeit (05 Uhr MESZ) begann, am Sonntagabend um 21 Uhr (16 Uhr MESZ) beendet werde. Später teilte der Krisenstab mit, dass die Aktion – je nach Wetterlage – zwei bis drei Tage dauern werde.

Für ihre Rettunge sollen die 13 Eingeschlossenen in mehrere Gruppen aufgeteilt werden. Dies berichtete die Zeitung „Bangkok Post“ unter Berufung auf Rettungskräfte. So sollen zunächst vier Mitglieder der Jungen-Fußballmannschaft in Begleitung der erfahrenen Höhlentaucher den riskanten und langwierigen Tauchgang beginnen. Zwei weitere Gruppen von jeweils drei Fußballern sollen folgen. Der 25 Jahre alte Betreuer der seit 16 Tagen in der Höhle eingeschlossenen Gruppe werde demnach bei der letzten Gruppe sein.

Das Taucherteam gab sich vor dem schwierigen Einsatz kämpferisch. Auf der Facebook-Seite der thailändischen Marinetaucher posteten sie ein Bild, das ihren Teamgeist zeigt. Drei Taucher fassen sich an den Handgelenken, nur ihre Hände und Unterarme sind zu sehen, wie sie ein Dreieck bilden. „Wir, das Thai Team und das internationale Team, werden die Wild Boars nach Hause bringen“, steht darunter. „Wild Boars“ (Wildschweine) ist der Spitzname des Fußballteams.

Die Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Fußballtrainer sind seit dem 23. Juni in der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Sie sitzen an einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest. Sauerstoffmangel und schlechte Wetteraussichten erhöhten den Druck auf die Retter. In den nächsten Tagen soll es wieder heftige Regenfälle geben. Am Aufenthaltsort der Gruppe ist der Sauerstoffgehalt in der Luft von 21 Prozent auf 15 Prozent abgesunken.

Wasserpegel in Höhle zurückgegangen

Teile der Höhle sind immer noch unter Wasser. Das bedeutet, dass die Jungen für einige Teile Ausrüstung der Sporttaucher benötigen, um voranzukommen. Narongsak sagte, in den vergangenen Tagen sei der Wasserpegel in der Höhle aber genügend zurückgegangen, dank der Entwässerungsmaßnahmen. So könnten nun viele Teile zu Fuß passiert werden. Australische Sanitäter hätten die Höhle am Sonntag betreten, um den Gesundheitszustand der Jungen zu bewerten. Sie hätten bestätigt, dass die Jungs bereit seien.

Darüber hinaus wurde das in der Nähe des Höhleneingangs platzierte provisorische Mediencamp mit mehr als 1000 thailändischen und ausländischen Journalisten geräumt. Neu ankommenden Reportern wurde der Zugang verwehrt. Sie wurden mit der Ansage, später werde eine Pressekonferenz folgen, zu einem Regierungsgebäude weitergeleitet.

Die Rettungsaktion ist äußerst gefährlich: Ein Taucher kam bereits vor wenigen Tagen im Einsatz ums Leben. Selbst die professionellen Taucher benötigten fünf bis sechs Stunden, um von der Gruppe zum Ausgang zu gelangen. Darüber hinaus sind einige der Jungen keine guten Schwimmer.



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Die Jugend soll noch ein Jahr warten

S-MitteDie Jugend soll noch ein Jahr warten

Hinter dem Parkhaus soll ein Platz für Jugendliche gebaut werden. Foto: Zweygarth

S-Mitte – Im Protokoll ist die Information zwar gleich obenan vermerkt, aber im Sinne einer Randnotiz. Und zumindest für den Geschmack der Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle steht sie zudem im falschen Protokoll, nämlich in dem des Jugendrats. „Ich bin empört, dass so etwa nicht dem Bezirksbeirat mitgeteilt wird, sondern dass wir es auf Umwegen erfahren“, sagt sie.

Der Auslöser ihrer Empörung ist, dass der geplante Platz für die Jugend hinter dem Züblin-Parkhaus frühestens im Frühjahr 2014 eröffnet wird statt in diesem Sommer. Es gebe Verzögerungen bei der Baugenehmigung. Zudem fehle noch ein Beschluss des Gemeinderats. Fristen seien einzuhalten, Aufträge zu vergeben. Unter dem Strich steht: Die Arbeit an der innerstädtischen Brache kann im Oktober beginnen – im besten Fall.

Dabei plante die Jugend mit viel Mühe, aber ohnehin schon fragwürdigem Erfolg. Die Nachwuchspolitiker erfragten bei den Jugendlichen der Umgebung, was sie sich für ihren Platz wünschen. Nachdem die Pläne fertig waren, wurden sie ins Rathaus weitergereicht – und dort zusammengestrichen.

Eine Bühne war gewünscht und entfiel, genauso wie eine Tribüne am vorgesehenen Sportplatz sowie ein Strom- und Wasseranschluss. 350 000 Euro sollen die Restvorschläge kosten. Zuständig ist das Gartenamt. Schon 2011 hatte der Jugendrat mit seinem Teil der Arbeit begonnen. Die letzte Version der Pläne war vergangenen Dezember fertig. Zu ihnen gehören ein Fahrradverleih und eine Fahrradwerkstatt. Räder und Werkzeug dafür sind schon gekauft und lagern in einem Container.

Die Verschiebung nach zwei Jahren Vorarbeit „ist der Gipfel“, sagt Kienzle. Mancher, der an der Verzögerung unschuldig ist, fühlt sich gar in Sippenhaft. „Das ist ein Unding“, sagt der SPD-Bezirksbeirat Manuel Krauß. „Wir stellen das Projekt lokal vor und ernten dann die Häme“.

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Ministerin: Ferienarbeit darf kein Knochenjob sein

Kurz vor Beginn der Sommerferien hat Brandenburgs Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) darauf hingewiesen, dass Schüler sich nicht mit jedem Job ihr Taschengeld aufbessern dürfen. „Ferienarbeit soll Spaß machen und darf keinesfalls ein Knochenjob sein, bei dem womöglich sogar die Gesundheit gefährdet wird“, erklärte sie mit Blick auf das Jugendarbeitsschutzgesetz.

Deshalb dürfen Kinder bis zum 15. Lebensjahr grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Allerdings gilt für die Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen eine Ausnahme: Sie dürfen mit Einwilligung der Eltern bis zu zwei Stunden – in landwirtschaftlichen Familienbetrieben bis zu drei Stunden – täglich zwischen 8.00 und 18.00 Uhr einer leichten Tätigkeit nachgehen. Hierzu zählt beispielsweise das Austragen von Zeitungen und Werbeprospekten, Nachhilfeunterricht, Hilfe bei der Ernte oder die Versorgung von Tieren.

Ältere Jugendliche dürfen während der Ferien maximal vier Wochen im Jahr jobben. Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens zwölf Stunden Freizeit liegen. Am Wochenende dürfen Schüler grundsätzlich nicht arbeiten, es sei denn, sie sind unter anderem in Klinken und Pflegeheimen, in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft beschäftigt.

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Kirche geht gezielter auf Jugendliche zu

Neue StudieKirche geht gezielter auf Jugendliche zu

Pfarrer Ralf Vogel (vorne) holt bei seinen Gottesdiensten in der Andreaskirche die Jugendlichen mit ins Boot. Foto: Max Kovalenko

Stuttgart – Die Konfirmation soll für Jugendliche eine Brücke ins Leben der Erwachsenen sein. Aber allzu oft stellt diese Zeit auch einen Bruch dar. Jugendliche bleiben immer seltener hängen – am Gemeindeleben und den dortigen Angeboten. Der Kontakt zur Kirche verliert sich zunehmend, weil die Barrieren zur Teilnahme zu hoch sind. Damit setzte sich nun die evangelische Jugendstudie „Brücken und Barrieren“ des Sinus-Instituts auseinander.

Sinus-Studienleiterin Inga Borchard stellte eine ganze Liste auf, warum Jugendliche nach der Konfirmandenzeit keine Bindung zur Jugendarbeit bekommen: Manchmal sind es Zeitprobleme, mal ist das Angebot schwer verständlich oder alltags- und jugendfern. „Hier wird viel Potenzial verschenkt“, resümiert Inga Borchard.

Auch weil es immer noch starre Denkmuster bei der Betrachtung Jugendlicher gibt. Schon in diesem Ansatz liegt das Pro­blem. Den Jugendlichen gibt es schon lange nicht mehr. Nur ein Angebot entspricht nicht allen Bedürfnissen. Die Sinus-Studie hebt diesen Fehler auf. Sie unterscheidet Jugendliche nach ihren Motivationen und teilt sie in fünf Motivationstypen ein: den religiös Motivierten, den Gemeinwohl-Motivierten, den Spaß-Motivierten, den Nutzen-Motivierten und den Distanzierten.

Die Empfehlung der Autoren dieser Studie und des Leiters des Württembergischen Jugendwerks, Gottfried Heinzmann, lautet daher: diese unterschiedlichen Typen als solche wahrzunehmen und entsprechend ihrer Neigungen anzusprechen. Schon in der Konfirmanden-Zeit müsse man weg von verpflichtenden Gottesdienstbesuchen und dem Abfragen von auswendig Gelerntem. Stattdessen müsse das kirchliche Angebot Freude machen. Dies sei jedoch keineswegs eine Hinwendung zur Spaß- und Event-Gesellschaft, erklärt Pfarrer Steffen Kaupp vom Evangelischen Jugendwerk: „Es ist eher ein Impuls für eine neue Verständniskultur, die sich an Jugendliche annähert.“

Keiner hat dies offenbar so verinnerlicht wie Pfarrer Ralf Vogel. Vielen Stuttgartern ist Vogel durch seine unorthodoxen Nachtschicht-Gottesdienste bekannt. Wenige wissen, dass die andere Hälfte seiner Tätigkeit seit September 2012 der Konfirmandenarbeit in Stuttgart gewidmet ist. Und mit dieser Arbeit hat er große Erfolge erzielt. „Gerade in Obertürkheim, wo wir wenig Jugendliche haben, bricht uns nach der Konfirmation kaum einer weg“, sagt er stolz.

Seine Erfolgsformel hat er in einem Artikel in der Studie „Brücken und Barrieren“ veröffentlicht. Sein Credo in Kurzform: „Konfirmanden- und Jugendarbeit müssen Hand in Hand gehen. Es muss neben dem Pfarrer weitere Ansprechpartner geben.“ Die Zauberworte lauten: individuelle Betreuung und Beziehungen aufbauen. Vogel: „Wir nennen dies Kuschelgruppen, wo man sich themen- und geschlechtsspezifisch austauschen kann.“ Auch die Gottesdienste laufen nach diesem Muster ab: „Ich spreche Jugendliche dort direkt an – und lasse sie aktiv teilnehmen. Nur wenn ich sie mit ins Boot nehme, profitieren sie auch davon.“ Übrigens: Das oft verwendete Kontroll- und Teilnahmebüchlein mit der Unterschrift des Pfarrers hat Vogel abgeschafft. „Von diesem Zwang halte ich nichts“, sagt er. Auch den Konfi-Unterricht hat er vom klassischen Mittwoch aufs Wochenende verschoben. Vogels Begründung: „Nur da haben auch meine ehrenamtlichen Mitarbeiter Zeit.“

Wer sich vom Sinn und vom Nutzen seiner Strategien überzeugen will, den lädt Vogel zum sogenannten Konfi-Laboratorium ein: „Da können Kollegen sehen, wie wir arbeiten“, sagt er und merkt selbstbewusst an: „Wir sind bereits einen tollen Weg gegangen, jetzt wollen wir daraus Standards entwickeln.“ In Obertürkheim soll man lernen, wie Brücken geschlagen und Barrieren abgebaut werden.

Brücken und Barrieren. Jugendliche auf dem Weg in die Evangelische Jugendarbeit. 384 Seiten, 19,90 Euro. Verlag buch + musik/ Neukirchener 2013.

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Kinder in Thailand zu schwach: Rettung aus Höhle muss noch warten

Der Jubel ist groß, als das verschollene Jugend-Fußballteam nach mehreren Tagen in der thailändischen Höhle entdeckt wird. Doch dann bekommt die Freude einen Dämpfer: Die Rettungsaktion wird kompliziert.

Die nach neun Tagen lebend in einer überfluteten Höhle in Thailand gefundenen Jungen einer Fußballmannschaft müssen möglicherweise noch dort ausharren: Die thailändische Armee teilte mit, die zwölf Jungen und ihr Trainer werden mit Nahrung versorgt, zudem sollen alle Tauch-Training erhalten. Währenddessen soll das Wasser in der verwinkelten, kilometerlangen Höhle weiter abgepumpt werden. Zuvor hatte es geheißen, dass die Rettung der Gruppe noch Monate dauern würde. Dies wies die Armee allerdings zurück, nun ist von mehreren Tagen die Rede.

Die Jungen und ihr Trainer waren am Montag lebend in der Höhle entdeckt worden. Britische Taucher fanden die Jungen kilometerweit im Innern der Höhle. Sie befanden sich rund 400 Meter von dem Ort entfernt, wo sie vermutet worden waren. Die Rettung gestaltet sich schwierig, weil viele Kammern der Höhle überflutet sind, zudem müssen die geschwächten Kinder mehrere Kilometer weit zum Höhlenausgang gebracht werden. Das Tham-Luang-Höhlennetzwerk liegt im Monsungebiet im Norden Thailands.

Im Video eines Tauchers war der erste Kontakt mit den Eingeschlossenen zu sehen. Auf den Bildern ist zu erkennen, wie die abgemagerten und geschwächten Kinder in der Höhle kauern. „Wie viele seid Ihr?“, fragt der Taucher die Jungen in dem Video. „13“, antwortet einer von ihnen. „Großartig“, antwortet der Taucher. „Sag ihnen (den Tauchern), sag ihnen, wir sind so hungrig“, bittet einer der Jungen in einem nordthailändischen Dialekt einen anderen Jungen, der Englisch spricht. „Ja, das habe ich schon“, antwortet dieser. „Sie wissen es.“ Helfer versorgten die Jungen und ihren Trainer schließlich mit Lebensmitteln und dringend benötigter Medizin. Inzwischen installierten die Retter Telefonleitungen in der Höhle. Die Eltern, die seit Tagen vor der Höhle ausharren, sollten voraussichtlich noch am Dienstag mit ihren Kindern telefonieren können.

„Wir haben die Natur bezwungen“

Die Entdeckung der Gruppe hatte landesweit für Jubel gesorgt. „Wir gingen von einer unmöglichen Mission aus, weil es jeden Tag regnete, aber mit unserer Entschlossenheit und unserer Ausrüstung haben wir die Natur bezwungen“, sagte der Gouverneur von Chiang Rai.

Geplant ist nun, den Kindern Tauchtraining zu geben, um sie möglicherweise in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen zu lassen. Geplant sei außerdem, das Wasser soweit wie möglich aus der Höhle herauszupumpen und die Jungen dann zu holen, sagte der Gouverneur. Eine andere Möglichkeit wäre, weitere Höhlenöffnungen zu finden, berichtete das thailändische Nachrichtenportal „The Nation“.

Allerdings drängt die Zeit: Für diese Woche sind neue schwere Monsunregenfälle vorhergesagt. Priorität hat nach Behördenangaben zunächst, die Gruppe soweit aufzupäppeln, dass der schwierige Weg nach draußen beginnen kann. Einen konkreten Zeitplan wollten die Behörden aber nicht nennen.

Die zwölf Jungen im Alter zwischen 11 und 16 Jahren und ihr 25-jähriger Fußballtrainer waren am 23. Juni nach dem Training in die Tham-Luang-Höhle geklettert und von ansteigenden Wassermassen eingeschlossen worden. In der Nähe des Höhleneingangs wurden ihre Fahrräder, Fußballschuhe und Rucksäcke gefunden, im Inneren der Höhle ihre Handabdrücke und Fußspuren.



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Jugendliche finden Ehrlichkeit cool

Jugend hat keine Tugend? Falsch, sagt Zukunftsforscher Opaschowski. Er verweist auf eine Umfrage: Demnach werden Ehrlichkeit und andere soziale Werte von jungen Menschen sehr geschätzt.

Ehrlichkeit ist die neue Coolness der Jugend in Deutschland – das sagt der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski unter Berufung auf eine neue Umfrage. Nach der Befragung durch das Ipsos-Institut halten 77 Prozent der 14- bis 24-Jährigen Ehrlichkeit für „besonders wichtig“. Vor 20 Jahren hätten nur 57 Prozent der Jugendlichen so geantwortet. Für Opaschowski ist das „geradezu eine Explosion“.

Der Zukunftsforscher erklärt diesen Wertewandel nicht mit negativen Erfahrungen, die die jungen Menschen vielleicht mit Lug und Trug im privaten Umfeld gemacht haben, sondern bringt das Ergebnis in Zusammenhang mit der Politikverdrossenheit. Denn auch für die Gesamtbevölkerung spiele Ehrlichkeit eine eminent wichtige Rolle.

Enttäuschung über Politiker

Das hänge mit der Entwicklung in den vergangenen Jahren zusammen. Die Wahrnehmung sei, dass Politiker mehr an ihren Machterhalt als an das Gemeinwohl dächten. Opaschowski erwähnt die Plagiatsaffäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und den VW-Abgasskandal.

Die Enttäuschung über gebrochene Wahlversprechen und Betrügereien führe aber nicht zu einer revolutionären Haltung. „Eigentlich entwickelt sich eine Generation friedlicher junger Wilder“, glaubt der emeritierte Pädagogik-Professor.

Soziale Werte zählen

Unter den meistgenannten Werten kommt an zweiter Stelle Selbstständigkeit (69 Prozent). Es folgen Freundlichkeit (67), Selbstvertrauen (64) und Hilfsbereitschaft (61). Es dominierten die prosozialen Werte, die für ein gutes Zusammenleben unverzichtbar seien, sagt Opaschowski. Die um die Jahrtausendwende Geborenen – er nennt sie die Millennials – wollten die Welt vielleicht ein wenig besser machen, aber sonst fast genauso leben wie ihre Eltern.

Erst im April hatten Sozialwissenschaftler in Berlin die Sinus-Jugendstudie vorgestellt, nach der die Jugend in Deutschland strebsam, pragmatisch und fast schon überangepasst ist. Die Sehnsucht nach Geborgenheit und Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Welt lasse Teenager eine ungewöhnlich große Nähe zur Elterngeneration suchen, lautete eine Erklärung dafür.

Ego-Kult ist passé

Den Jugendlichen gehe es nicht in erster Linie um Spaß und Lebensfreude, wie noch in den 80er Jahren, betont Opaschowski. Sie seien bereit, sich zu engagieren und zu helfen. „Der Ego-Kult gehört der Vergangenheit an.“ Bei Katastrophen seien die 14- bis 24-Jährigen mitunter schneller da als die Feuerwehr.

Aber: Die Millennials seien nicht verlässlich. Freiheit und Unabhängigkeit stünden im Vordergrund. Die Bindungsfähigkeit ist für die wenigsten ein wichtiger Wert (27 Prozent). Die Jugend sei relativ bindungs-, kritik- und konfliktscheu. „Diese drei Begriffe – Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit und Bindungsfähigkeit – stehen bei den Jugendlichen am Ende der Werteskala. Das überrascht schon“, findet Opaschowski.

Vor allem junge Männer hielten wenig von Bindungsfähigkeit, nur 22 Prozent der Befragten stuften diesen Wert als besonders wichtig ein. Bei den jungen Frauen waren es immerhin 31 Prozent. „Hier deuten sich mögliche Konflikte in Partnerschaftsbeziehungen an“, glaubt der Zukunftsforscher. Allerdings verweist er zugleich darauf, dass die Zahl der Scheidungen in Deutschland gesunken ist. Ehen werden später geschlossen, halten aber auch aufgrund der höheren Lebensdauer so lange wie nie zuvor.

Vereinsmüdigkeit bei Jugendlichen

Die fehlende Bereitschaft zu sozialen Verpflichtungen bekämen heute schon Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Vereine zu spüren. Die Mitgliederzahlen sinken. Opaschowski sieht keine Trendwende. „Sie können davon ausgehen, dass sich die Mitgliederzahlen halbieren werden“, sagt er für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre voraus.

Eine Gefahr für die Gesellschaft erkennt der Zukunftsforscher darin aber nicht. Es werde neue, informelle Gruppen geben, die den Anspruch auf Mitgestaltung erheben. Plebiszite, also Abstimmungen des Volkes über eine bestimmte Frage, wie in Großbritannien beim Brexit und Basisbefragungen würden immer wichtiger. Eine neue Form der Demokratisierung, in der sich Formelles und Informelles zusammentue, könne entstehen. Die Millennials setzten eigene Akzente in der Werteorientierung. Das alte Sprichwort „Jugend hat keine Tugend“ habe sich überlebt.

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Die Bagger kommen frühestens im September

S-MitteDie Bagger kommen frühestens im September

Auch die Blumen am Rand des Areals vermögen die Tristesse auf dem Platz am Züblin-Parkhaus nicht zu vertreiben. Foto: Ralf Recklies

S-Mitte – Für Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin des Stadtbezirks Mitte, ist es zum Haareraufen. „Es wird immer davon gesprochen, dass die Stadt Stuttgart viel für Kinder und Jugendliche tut – wenn es aber darum geht, konkrete Projekte umzusetzen, dann dauert es ewig, bis etwas passiert“, klagt sie. Was Kienzle besonders ärgert: das Areal hinter dem Züblin-Parkhaus zwischen Lazarett-, Katharinen- und Pfarrstraße sollte bereits in wenigen Wochen als neue Spielfläche zur Verfügung stehen, doch baulich ist auf der Fläche noch nichts passiert. Der dort geplante Bolzplatz lässt auf sich warten.

„Die Jugendverbände haben sich deswegen bereits schriftlich bei mir beschwert“, sagt Veronika Kienzle. Schließlich sei nach einem guten Prozess mit Bürgerbeteiligung geplant gewesen, die Fläche spätestens zu Beginn der Sommerferien den Jugendlichen zu übergeben. Entsprechend hätte im Februar oder März mit dem Bau begonnen werden sollen. „Doch außer, dass dort ein wenig Erde bewegt wurde, ist nichts passiert“, klagt Kienzle. Sie mutmaßt, dass das für die Umsetzung zuständige Friedhofs- und Gartenamt die Baugenehmigung nicht rechtzeitig eingereicht hat.

Volker Schirner weist diesen Vorwurf von sich. „Auch ich hätte gerne früher mit der Umgestaltung der Fläche begonnen“, sagt der Leiter des Friedhofs- und Gartenamts und führt an, dass es nicht zuletzt wegen Einwendungen von Anwohnern zu Verzögerungen gekommen sei. „Wir gehen aber davon aus, dass wir im kommenden Monat die Baugenehmigung haben und dann ausschreiben können“, sagt Schirner. Im September soll dann mit der Umgestaltung des Platzes, auf dem einst eine Tankstelle stand, begonnen werden. Spätestens im November soll die Fläche fertig sein. Für Kienzle ist dies eindeutig zu spät. „Eine Nutzung in diesem Jahr ist dann ja kaum mehr möglich“, klagt sie.

„Ich bin auch nicht glücklich darüber, dass sich alles verzögert hat“

Bedauerlich findet sie auch, dass in einem hinter dem Züblin-Parkhaus aufgestellten Container bereits 40 Fahrräder darauf warten, benutzt werden zu können. Auch die dort mit der ehemaligen Kinderbeauftragten Roswitha Wenzl organisierte Fahrradwerkstatt sei daher leider noch nicht im Einsatz. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Situation für Kinder und Jugendliche im Stadtbezirk Mitte nicht ganz so ernst genommen wird wie in anderen Bezirken“, klagt Kienzle. Die Erdbewegungen, die Kienzle als vorbereitende Maßnahmen für den Umbau des Areals gedeutet hat, haben laut Schirner mit dem Projekt aber noch nichts zu tun. Die Fläche sei nur als Zwischenlager für Erdaushub bei der Umgestaltung von Staudenbeeten am Charlottenplatz genutzt worden. „Die Erdhaufen verschwinden in den nächsten 14 Tagen wieder“, sagt Schirner.

Das Areal beim Züblin-Parkhaus ist aber in Sachen Spielflächen nicht die einzige Baustelle, die die Bezirksvorsteherin beschäftigt. Auch dass im Paulinenhof, wo sich bereits seit Jahren Jugendliche, Anwohner und Gewerbetreibende stark engagiert haben, noch immer wenig passiert sei, findet sie einen Skandal. Auch dort soll spätestens im September die weiter Gestaltung erfolgen, sagt Schirner. Der Entwurfsplan sei inzwischen weitgehend abgestimmt, Ende Oktober, Anfang November sollen auch hier die Arbeiten beendet sein.

230 000 Euro stehen für die Gestaltung der Spiel- und Freizeitflächen im Bereich Paulinenhof laut Schirner zur Verfügung, in das Areal am Züblin Parkhaus investiere die Stadt 350 000 Euro. „Ich bin auch nicht glücklich darüber, dass sich alles verzögert hat, aber meine Mitarbeiter sind voll ausgelastet“, so Volker Schirner. Er wisse nicht, wie er mit der dünnen Personaldecke die aktuell rund 400 Garten- und Landschaftsbauprojekte zur Zufriedenheit aller Beteiligten hinbekommen solle. „Jeder sieht das, was bei ihm im Bezirk passieren soll, natürlich als das Wichtigste an“, zeigt Schirner aber Verständnis für die Klagen Kienzles.

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Terror und Gewalt: Kinder mit den Bildern nicht alleinlassen

Die Bilder sind drastisch und allgegenwärtig: Auch Kinder werden mit Nachrichten wie denen über die Anschläge in Paris oder andere schlimme Ereignisse konfrontiert. Eltern sollten sie damit nicht alleine lassen, sondern das Gesehene besprechen – und manchmal Informationen aussparen.

Die Bilder und Nachrichten der Weltereignisse halten viele Erwachsene in Atem: Terroranschläge in Europa, Flugzeugabstürze, Bürgerkrieg in Syrien, Naturkatastrophen – die Liste der Schreckensereignisse ist lang.

Schlechte Nachrichten lassen sich nicht verheimlichen

Können schon Erwachsene die Geschehnisse oft nur mühsam verdauen, so ist oft unklar, was Kinder und Jugendliche davon mitnehmen und verstehen. „Die Idee hat sich erledigt, die Kinder von den großen, fürchterlichen Weltereignissen fernzuhalten – die Bilder sind omnipräsent“, sagt die Medienpädagogin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI).

Herausforderung für Eltern

Doch wie soll man den Kindern diese Welt erklären, ohne Angst zu schüren? Und welche Bedürfnisse hat der Nachwuchs in unterschiedlichen Altersklassen? „Es ist im Augenblick wirklich eine große Herausforderung für Eltern, jeweils Erklärungen zu geben“, sagt Verena Weigand, Jugendschutzreferentin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Dabei müssen zum einen der Wissensstand und das Verarbeitungsvermögen der Kinder berücksichtigt werden, aber auch die Art und Weise, wie Kinder von den Nachrichten erfahren.

Zusammen informieren

„Jugendliche informieren sich leider häufig nicht gerade in den seriösen Medien über die Geschehnisse“, sagt Weigand. Oft erhielten sie unausgewogene Informationen und würden mit teils schockierenden Bildern konfrontiert. „Eltern sollten aktuelle Themen wie Terroranschläge ansprechen und fragen ‚Was habt Ihr darüber gehört?'“. So haben Kinder die Gelegenheit darauf einzugehen, und man könne sich zusammen umfassend informieren.

Kinder zwischen acht und 14 Jahren seien oft bestürzt und verunsichert über aktuelle Ereignisse. „Die jüngeren von ihnen verstehen oft nicht genau die Hintergründe, sie wollen Argumente hören. Da sind Kindermedien und -nachrichten eine gute Art und Weise, sie aufzuklären.“ Gut wäre auch zu erfragen, was die Kinder in der Schule besprechen. Oder ihnen Möglichkeiten zur Hilfe aufzuzeigen, etwa durch Spenden nach einer Katastrophe.

Mit den Informationen nicht allen lassen

Erwachsene trauten diesen Schulkindern jedoch schon eine Menge zu, und oft sei es jene Altersgruppe, die abends noch mit den Eltern Nachrichten schaue. „In diesem Fall sollte man die Kinder nicht direkt danach ins Bett schicken und sie mit den Informationen alleine lassen – das ist eine Überforderung für diese Altersgruppe“, sagt Weigand.

Bei den Kindern unter acht Jahren sei es am schwierigsten, wenn sie Bilder von Ereignissen wie Krieg oder Naturkatastrophen sähen. Sie reagierten am stärksten auf Bilder. „Oft werden in Nachrichten auch Kinder gezeigt, um die Zuschauer emotional anzusprechen.

Kinder nehmen diese anderen Kinder als Identifikationsfiguren wahr, und übertragen das auf sich“, sagt Weigand. Dies bestätigt auch Götz vom IZI. „Wir Erwachsenen bekommen oft gar nicht mit, wie beeinflusst die Kinder beispielsweise von spannender Musik oder dunklen Szenen sind. Sie haben viel häufiger Angst, als man denkt“, sagt Götz.

Neutrale Haltung einnehmen

Götz und Kollegen haben sich in einer Studie mit der Fukushima-Katastrophe in Japan beschäftigt. Sie befragten mehr als 300 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren. Der überwiegende Teil hält Atomkraft für „ein bisschen“ oder „total“ gefährlich. Während bei den Älteren die Sorge um die Auswirkungen der Radioaktivität am größten war, hatten die Jüngeren mehr Angst vor Tsunamis und Überschwemmungen.

Nur fünf der Kinder hatten in den ersten Wochen gar nichts von den Ereignissen in Japan erfahren. „Bei diesem Thema ist es wichtig, eine neutrale Haltung in Diskussionen mit den Kindern einzunehmen und ihnen eigene Ängste nicht überzustülpen.“

Fantasie schlimmer als Realität

Hilfreich seien Erklärungen, warum es Atomkraft gebe, wofür sie in der Vergangenheit gebraucht wurde, und dass wirklich selten etwas passiere. Gerade das Thema Radioaktivität sei schwer zu begreifen, teils hätten die Kinder schlimme Fantasien. „Zu den Fantasien gehören etwa, dass den Menschen die Beine abfallen, wenn sie mit radioaktivem Wasser in Berührung kommen.“ Daher müsse man die Kinder darauf ansprechen, was sie sich vorstellen.

Für eine ehrliche Aufklärung plädiert auch der Kinderpsychotherapeut und Traumaexperte Andreas Krüger aus Hamburg. „Man sollte die Kinder nicht auf Basis falscher Tatsachen beruhigen. Atomkraft hat Risiken, und Eltern verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie diese verleugnen“, sagt Krüger. Gleichwohl sollten aber Fakten dosiert werden, um die Kinder nicht mit einem Zuviel an Infos zu quälen.

Kleine Kinder noch verschonen

Aus seiner Sicht sollten gerade jüngere Kinder unter acht Jahren von schrecklichen Bildern möglichst ferngehalten werden, weil sie sie nur schlecht verarbeiten können. „Gerade die ganz Kleinen brauchen bis zu einem gewissen Grad die Illusion von Sicherheit. Mama ist die Tollste, Papa ist der Größte, und die Welt ist ein guter Ort – das festigt sie in ihrer Persönlichkeit.“ Mit zunehmendem Alter verstünden sie die Probleme, die es auf der Welt gebe – und Eltern sollten darauf eingehen.

Krüger glaubt, dass ein gesundes Kind durch Nachrichtenbilder kaum schwer traumatisiert wird. Sensibilisierte und traumatisierte Kinder jedoch, die in den ersten Lebensjahren schon viel Leid mitbekommen hätten, seien womöglich empfindlicher. „Durch schreckliche Bilder können bei ihnen Angst und Albträume ausgelöst werden. Manchmal sind sie ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“

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Der Tag: Studie: Jugendliche kennen sich nicht in der Finanzwelt aus

Jeder vierte junge Erwachsene in Deutschland hat nach eigener Einschätzung Wissenslücken bei den Zusammenhängen der Finanzwelt. In einer Umfrage des Forsa-Instituts gaben 26 Prozent an, sie hätten große Defizite beim Thema Finanzen.

  • Zwei Drittel (66 Prozent) glauben, ein befriedigendes bis ausreichendes Finanzwissen zu haben, 8 Prozent halten ihre Kenntnisse für gut bis sehr gut. Forsa hatte im Auftrag der Kreditauskunftei Schufa im Mai 1059 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt. Die Schufa veröffentlichte die Ergebnisse in Berlin.
  • Die Studie zeige, dass die Unsicherheit im Umgang mit Finanzen mit zunehmender Komplexität steige. So sähen die meisten Befragten etwa kein Problem bei der Eröffnung eines Girokontos.
  • Gehe es aber zum Beispiel um die Aufnahme eines Kredits, halten sich nur 17 Prozent für gut oder sehr gut informiert. Beim Abschluss eines Vertrages zur Altersvorsorge sind es sogar nur 14 Prozent.



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„Ich will für die Jugendlichen sprechen“

Mobiler Jugendberater Stammheim„Ich will für die Jugendlichen sprechen“

Zwei, die sich gut verstehen: Chris Sluiter und der langjährige Jugendhausleiter Michael Klamm (r.). Foto: Chris Lederer

Stuttgart-Stammheim – Es kann schon mal später werden, bis Chris Sluiter von der Arbeit nach Hause kommt. Neulich hat der Sozialpädagoge mit einem Jugendlichen noch bis um 3 Uhr nachts über dessen Probleme und mögliche Lösungswege gesprochen. „Ich kann ja schlecht sagen, ich bin bis 21 Uhr für euch da und danach habt ihr Pech gehabt“, sagt Sluiter.

Seit Februar ist der 33-Jährige regelmäßig in Stammheim unterwegs, um Teenager und junge Erwachsene zu treffen und mit ihnen in Kontakt zu kommen. „In der Regel sind es ausschließlich junge Herren zwischen 14 und 19, die sich gerade in einer schwierigen Phase ihres Lebens befinden.“ Ihnen widmet sich Sluiter, hört ihnen zu und bietet ihnen bei Bedarf Hilfe an. „Die Angebote unterliegen absoluter Freiwilligkeit und Unverbindlichkeit, ich schwinge nicht die Moralkeule. Man muss die Jugendlichen da abholen, wo sie stehen.“

„Ich bin kein Polizist und auch kein Hilfssheriff“

Das ist sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne zu verstehen: Sluiter geht dorthin, wo sich die Jugendlichen treffen: in die Tiefgarage vor den Supermarkt, an die Endhaltestelle, auf den Schulhof oder sonst wo auf die Stammheimer Straßen.

„Auf der Straße bin ich bei den Jugendlichen zu Gast, ich bin kein Polizist und auch kein Hilfssheriff.“ Sluiter sieht seine Aufgabe darin, für die Jugendlichen zu sprechen und „ihre Lobby“ zu sein. Hilfe könne man aber niemandem aufzwingen. „Ich kann sie auch nicht sanktionieren, sie beispielsweise den Müll aufheben lassen. Ich komme nicht mit der Greifzange um die Ecke.“

Sluiter bietet bei Bedarf auch Reibungsfläche

Ihm sei klar, dass die Präsenz der Jugendlichen an bestimmten Orten Probleme bereite. „Ich kann mir vorstellen, dass Lachen von Erbrochenem oder der Lärm bei Nacht für die Anwohner eine Belastung ist“, sagt der Sozialpädagoge. „Man muss diese Probleme deutlich ansprechen, aber sich auch klar machen: die Jugendlichen dürfen sich da aufhalten.“ Freilich dürfe es nicht so weit kommen, dass Anwohner oder Mitarbeiter des Supermarktes Angst hätten, zu ihrem Auto zu laufen. „Ich bin dankbar über Hinweise – machen Sie mich darauf aufmerksam, aber bitte nicht für das Verhalten der Jugendlichen verantwortlich.“ Leider seien viele der Jugendlichen polizeibekannt. „Viele missverstehen die Gesetze.“ Ihnen fehlten positive Rollenvorbilder und häufig die Unterstützung aus der Familie. „Oft erziehen sich die Jungs auf der Straße gegenseitig, das ist nicht immer das Beste.“ Sluiter gibt ihnen nicht nur Hilfestellung sondern bietet bei Bedarf auch Reibungsfläche und zu denken.

Sluiter macht nicht nur Mobile Jugendarbeit, sondern betreut in Personalunion auch den Jugendtreff in Sieben Morgen. „Der Jugendtreff dient als Homebase und als Ausgangspunkt für aufsuchenden Touren durch den Stadtteil.“ In der Einrichtung an der Asperger Straße 41A bietet er auch Sprechstunden an. Eingebettet ist er ins Team des Kinder- und Jugendhauses. Das erleichtere die Arbeit: „Viele kennen mein Gesicht aus dem Jugendhaus.“ Das schaffe Vertrauen. „Anfangs dachten manche der Jugendlichen, ich sei ein verdeckter Ermittler – da sieht man, dass sich manche doch ein wenig überbewerten.“

„Meine Schweigepflicht nehme ich sehr ernst“

Seine Gespräche mit den Jugendlichen und alle damit verbundenen Daten werden streng vertraulich behandelt. „Meine Schweigepflicht nehme ich sehr ernst.“ Nur in absoluten Ausnahmefällen – etwa im Falle der Kindeswohlgefährdung nach Paragraf 8 des Strafgesetzbuches – würden Informationen an die zuständigen Stellen weitergeleitet.

Die Bezirksbeiräte nahmen Kenntnis vom Bericht Sluiters und zeigten sich erfreut darüber, dass die Stelle des Mobilen Jugendarbeiters endlich vom Gemeinderat finanziert wird. Sie stellten aber auch weiteren Bedarf fest. Denn in erster Linie bleibt dem Sozialpädagogen nur Zeit, sich um die männliche Klientel zu kümmern, obwohl es auch – wenngleich seltener – Mädchengruppen gibt, denen derartige Betreuung gut täte. „Es ist mal wieder typisch“, kritisierte Grünen-Beirätin Petra Bonnet: „Man kümmert sich mal wieder nur um das größte Defizit, und das ist meistens männlich.“ Sie stimmte der Forderung zu, die Stelle zu erweitern. In der kommenden Sitzung will der Beirat einen entsprechenden Beschluss fassen.

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