Ein stärker ausgebautes regionales Frühwarnsystem kann aus Sicht des Demokratiezentrums Baden-Württemberg einer Radikalisierung Jugendlicher entgegenwirken. „Viele kleine Puzzleteile können einen Hinweis darauf geben, dass jemand anfängt, sich zu radikalisieren“, sagte Landeskoordinator Günter Bressau der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen noch mehr Präventionsangebote, die nicht erst greifen, wenn Anschläge wie jetzt in Bayern stattgefunden haben.“ An diesem Mittwoch (27. Juli) wird eine neue Beratungsstelle des Demokratiezentrums in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) eröffnet.
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Sicherheit in Weilimdorf„Kinder bei ersten Schritten im Netz begleiten“
Stuttgart-Weilimdorf – Früher oder später werden Kinder und Jugendliche mit der virtuellen Welt im Internet konfrontiert. Dort finden sich aber nicht nur interessante Infos, lustige Unterhaltung oder praktische Wege, um mit Freunden zu kommunizieren, sondern auch Tücken und Gefahren. Stefan Middendorf vom Landeskriminalamt, der kommende Woche einen Vortrag in Weilimdorf zum Thema „Jugendliche Medienwelten und Gefahren im Internet“ halten wird, rät Eltern, ihren Kindern ein kritisches Herangehen beizubringen. Herr Middendorf, dürfen sich Ihre Töchter bei einem sozialen Netzwerk anmelden? Der große Hype um Facebook kam zu einer Zeit auf, als die Jüngere 13 oder 14 war, die Ältere 16. In dem Alter war das in Ordnung. Laut allgemeinen Geschäftsbedingungen ist der Beitritt bei Facebook ab 13 Jahren erlaubt. Grundsätzlich gebe ich Eltern den Ratschlag: je später, desto besser. Denn es ist schwierig, wenn man sich ausschließlich über ein soziales Netzwerk sozialisiert und sich einen virtuellen Freundeskreis schafft, den man zum Großteil noch nie zu Gesicht bekommen hat. Wenn man Jüngeren den Beitritt bei Facebook erlaubt, muss man sich im Klaren sein, dass man dem Kind erlaubt, zu lügen. Denn es muss ja ein falsches Geburtsdatum angeben.
Wo liegen bei sozialen Netzwerken die Gefahren für Kinder und Jugendliche? Dass sie sich zu sehr transparent machen. Das Problem ist, dass Jugendliche sehr emotional und weniger rational handeln. Sie veröffentlichen häufig viele Daten von sich und auch von ihrem Umfeld, zum Beispiel Wohnanschrift, Geburtsdatum, Fotos oder die Info, dass sie drei Wochen in Urlaub sind. Soziale Netzwerke sind nicht per se schlecht, man muss nur lernen, richtig damit umzugehen und nicht blind alles zu glauben und anzuklicken.
Sollten Eltern kontrollieren, was ihre Kinder online treiben? Nein, Eltern sollten eher moderieren. Ich sage ihnen immer: Ihr müsst eure Kinder bei den ersten Schritten im Netz begleiten. Und das nicht nur einmal zehn Minuten, sondern über eine große Strecke hinweg. Kinder müssen ans Internet herangeführt werden und erklärt bekommen, was sie lieber lassen sollten. Wichtig ist, dass sie ein kritisches Herangehen lernen. Man kann sich mit ihnen hinsetzen und sagen, zeig mir doch mal, welche Fotos du hochladen möchtest. Denkst du, das ist gut, wenn man dich in Badehose sieht? Wenn man aber merkt, dass partout gegengesteuert wird, muss die Moderation auch in Kontrolle überspringen. Vor allem aber muss vereinbart werden, wie man sich verhält, wenn was verrutscht. Das Kind muss wissen: Wenn dir was komisch vorkommt, mach den Computer aus und sag uns Bescheid. In einem vertrauensvollen Familienumfeld können sich Kinder offenbaren.
Über internetfähige Handys entzieht sich den Eltern zunehmend der Einfluss darauf, wann sich ihr Kind was online anschaut. Eltern müssen die Entscheidung treffen, wann sie ihrem Kind ein Smartphone an die Hand geben. Dann müssen sie sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Wenn ich feststelle, dass mein Kind sich sicher im Internet bewegt und auch Dinge hinterfragt, kann ich auch ein Smartphone zulassen. Wenn sich alle Klassenkameraden darüber verabreden und mein Kind zum Außenseiter wird, muss ich darauf reagieren. Nur ein Zurück ist dann häufig schwer.
Lauern für Mädchen und Buben unterschiedliche Gefahren im Netz? Mädchen sind viel kommunikativer, sie sind eher bei Chats und sozialen Netzwerken aktiv. Da gibt es die Gefahr des sogenannten Groomings. Das bedeutet, dass sich jemand als falsche Person ausgibt und zum Beispiel versucht, das Mädchen zu überreden, die Webcam einzuschalten und sich auszuziehen. Jungs sind anfälliger fürs Zocken. Da besteht die Gefahr, dass sie sich zurückziehen, völlig übermüdet in der Schule ankommen und nur noch in der Welt des Onlinespieles leben. Jugendliche müssen da auch den richtigen Umgang mit Zeitmanagement lernen.
Ein Problem ist auch das sogenannte Cybermobbing. Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihr Kind im Internet beleidigt, belästigt oder bedroht wird? Wenn sich ein Kind dahin gehend offenbart, dann ist der Leidensdruck so groß, dass es wirklich sofort Hilfe braucht. Die Schule und auch die Polizei müssen informiert werden, damit das Opfer geschützt und die Tat beendet werden kann. Im Regelfall ermitteln wir im Umfeld der Opfer, und nicht selten mit Erfolg. Es ist wichtig, das Signal an die Täter zu senden: Wir lassen uns das nicht gefallen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wer Opfer einer Straftat wird, der soll sich wehren. Dem Täter muss klar sein, dass gegen ihn ermittelt wird.
Sicherlich sind sich viele Menschen unsicher, ab wann sie die Polizei mit einem solchen Fall behelligen können. Es reicht, wenn psychische Gewalt angewandt wird. Wir sind dafür zuständig, und wir nehmen das sehr, sehr ernst.
Was kann die Polizei tun? Wir können eine Meldung an den Provider machen, damit ein gefälschtes Profil gesperrt wird. Gegebenenfalls werden wir die Ermittlung an die Staatsanwaltschaft geben, eine Mitteilung an das Jugendamt machen oder die Eltern des Täters informieren.
Wie arbeiten Sie im Bereich der Prävention? Wir versuchen unter anderem auch zu vermitteln, dass es cool ist, wenn jemand sagt: Das lasse ich mir nicht gefallen. Und es ist megacool und clever, wenn ich mir Hilfe hole. Keinesfalls sollte man versuchen, auf eigene Faust was zu regeln und virtuell zurückschlagen. Denn dann werden Opfer selbst zum Täter.
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Ein seit Tagen vermisster 14-Jähriger ist in einem Steinbruch im unterfräkischen Miltenberg wohl tödlich verunglückt. Wie die Polizei mitteilte, fand die Bergwacht die Leiche des Jugendlichen.
Derzeit spreche alles für einen Unfall. Der 14-Jährige stürzte demnach aus rund 20 Metern Höhe ab. Am Sonntag hatten Polizei und Rettungskräfte mit einer großen Suchaktion begonnen, dabei waren auch Drohnen und eine Rettungshundestaffel im Einsatz.
Das Gebiet rund um den Steinbruch sei sehr unwegsam, sagte ein Sprecher. Der Teenager war am Sonntag in Wenigumstadt in einen Bus Richtung Aschaffenburg gefahren, dann verlor sich seine Spur. Warum er sich im Steinbruch aufgehalten hatte, war zunächst unklar.
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Was löst der Amoklauf von München und die begleitende Bilderflut bei Jugendlichen aus? Was bedeutet das für den Umgang mit sozialen Medien? In Schulen und Familien muss über die Folgen gesprochen werden – aber wie? Medienforscherin Maya Götz sieht eine neue Herausforderung für die Medienpädagogik.
Dieser Amoklauf trifft mitten in die Alltagswelt von Jugendlichen und deren Eltern. Junge Leute wollen shoppen, Freunde treffen, einen Burger essen, als David S. um sich feuert und neun Menschen tötet. Die meisten sind Teenager. Der Täter ist – soweit bisherige Erkenntnisse – ein psychisch kranker 18-Jähriger mit Schulproblemen und Mobbing-Erfahrungen.
Eltern quält der Gedanke: Auch mein Kind hätte unter den Opfern sein können. Trotzdem ist es ihre Aufgabe, ihren Söhnen und Töchtern nun Halt zu geben und die vielen schrecklichen Ereignisse der zurückliegenden Tage mit ihnen zu verarbeiten.
t-online: In TV-Sondersendungen und bei Online-Medien, ebenso auf Youtube, Twitter und Facebook war der Amoklauf nahezu in Echtzeit zu verfolgen. Was bewirkt das bei Kindern und Jugendlichen, die diese Bilder sehen?
Maya Götz: Das kommt natürlich auf die Bilder selber an. Meistens waren es Bilder, die nicht einzuordnen waren oder sogar deutlich zu Fehlinformationen geführt haben. Diese Bilder werden dann an Freunde und in Gruppen herumgeschickt und befeuern, wie in diesen Fall, Gerüchte und dadurch ausgelösten Ängste .
Der Amoklauf in einem Einkaufszentrum ist noch näher am Alltagsleben von Jugendlichen als beispielsweise die Terroranschläge von Paris und Nizza. Es hätte einen selbst, Freunde oder Mitschüler treffen können. Wie reden Eltern mit Jugendlichen am besten über solche Ängste?
Zum einen ist es wichtig, die tatsächliche Bedrohung einzuordnen. Eltern können verdeutlichen, dass die Wahrscheinlichkeit, von einem Anschlag betroffen zu sein, sehr gering ist. Bei Verkehrsunfällen sterben in Deutschland jährlich über 3000 Menschen. Dennoch nutzen wir das Auto.
Gerade bei Jugendlichen ist es besonders wichtig, kein Verständnis für Täter zu zeigen. Die Annahme, eine Situation hätte nur den Ausweg, sich und andere umzubringen ist falsch und ausgesprochen feige.
Gleichzeitig gilt es zu verdeutlichen, wie wichtig der Umgang miteinander ist. Wie wichtig es ist, gegen Mobbing aktiv einzustehen, gemeinsam nach Lösung zu suchen und die Welt, die wir direkt beeinflussen können, zu einem Ort des Miteinanders und nicht des Gegeneinanders zu machen.
Der Täter von München mutzte ein gefälschtes Facebook-Profil, mit dem er Jugendliche zum Tatort locken wollte. Während und nach der Tat flimmerten über soziale Netzwerke ungefilterte und teils falsche Informationen zur Tat über die Smartphones, außerdem Videos des entsetzlichen Geschehens. Dies trug zu Panik und Fehlalarmen bei. Was müssen Eltern Jugendlichen in diesem Zusammenhang über den Umgang mit sozialen Medien vermitteln?
Wir brauchen dringend mehr Medienkompetenz. Zwar können Jugendliche das Handy technisch meist ausgesprochen kompetent nutzen. Wo sie verlässliche Informationen finden und wie wenig verlässlich viele Nachrichten auf sozialen Netzwerken sind, das durchdringen gerade die Jüngeren meist noch nicht.
Während es für die Informationssuche durchaus brauchbare Modelle gibt, ist der richtige Umgang mit Berichterstattung zu Anschlägen eine neue Herausforderung, der sich die Medienpägagogik stellen muss.
Zur Expertin: Die Wissenschaftlerin Maya Götz analysiert seit vielen Jahren die Wirkung von Medien auf Kinder und Jugendliche. Seit 2013 leitet sie das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk in München.
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Leinfelden-Echterdingen – Rote Westen mit goldgelbem Schriftzug: Das ist das Markenzeichen der Nachtwanderer von L.-E. An diesem Kleidungsstück sind die Frauen und Männer zu erkennen, wenn sie durch die Straßen laufen. Zweimal im Monat. Freitag- oder Samstagabend. Nicht vor 21 Uhr. Andere haben zu dieser Zeit längst die Beine hochgelegt.
Die Nachtwanderer sind auf der Suche nach Jugendlichen. Sie wollen junge Leute treffen, um mit ihnen zu sprechen. Es sind lockere Gespräche, die geführt werden. Nebenbei geht es dann beispielsweise auch um die Frage, ob der Abfall tatsächlich auf der Straße liegen bleiben muss. Oder auch, warum manche Jugendliche eigentlich so gerne zum Alkohol greifen.
„Diese Gespräche haben manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg“, sagt Siegfried Günther. Und er muss es wissen. Günther gehört zu den Sprechern der Nachtwanderer und saß als solcher Anfang der Woche auch im Sozialausschuss am Ratstisch. Die Gruppe hat den Stadträten von ihren Erfahrungen und ihren nächtlichen Touren berichtet. Und so die ehrenamtliche Arbeit in Erinnerung gerufen.
Siegfried Günther ist ein neugieriger Mann. Er wollte wissen: Was passiert da tatsächlich nachts auf den Straßen von L.-E.? Deshalb hat er sich den Nachtwanderern angeschlossen. „Ich will keinen mehr erziehen“, erklärte er den Stadträten. Und: „Wir sind auch nicht die Polizei.“ Seit das auch den Jugendlichen klar ist, würden sich diese sogar freuen, wenn die Läufer mit den roten Westen wieder auftauchen. Einige Bürger allerdings hätten die Erwartung, dass die Nachtwanderer den nächtlichen Lärm in L.-E. auf null bringen können. „Das können wir nicht“, sagte er deutlich.
Silke Mörl, die neben Günther am Ratstisch Platz genommen hatte, und seit gut einem Jahr zu der Gruppe gehört, ergänzte: „Viele denken, Jugendliche krakeelen nur rum. So sind sie nicht. Sie sind auch nicht aggressiv oder bösartig. Sie sind ganz normale Kinder, die erwachsen sein wollen.“
Das Projekt Nachtwanderer LE wurde 2011 in der Großen Kreisstadt ins Leben gerufen. Einrichtungen der offenen Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit und der Stadtjugendring waren daran beteiligt. Es gab eine Informationsveranstaltung. Flugblätter wurden verteilt.
Damals hatte es massive Konflikte zwischen Jugendlichen und Anwohnern am Echterdinger Zeppelinplatz und an der Kanalstraße gegeben. „Die Situation drohte zu eskalieren“, erinnerte sich Bürgermeister Alexander Ludwig in der Sitzung. Die Präsenz der Polizei wurde verstärkt. Die Stadtverwaltung aber suchte nach weiteren Antworten.
Die Nachtwanderer sind also seit mittlerweile zwei Jahren im Stadtgebiet unterwegs. In der ersten Phase wurden sie von Sozialarbeitern begleitet. Sie wurden geschult im Umgang mit Konflikten und in Erster Hilfe. „Zunächst war Alkohol ein großes Problem“, sagte Günther in der Sitzung. Diesen konnten die Jugendlichen bis 22 Uhr im örtlichen Supermarkt kaufen. Und ergänzte: „Das Deeskalationstraining hat uns geholfen.“
Die insgesamt 13 Männer und Frauen haben einen Raum im Untergeschoss des Echterdinger Rathauses. Von dort aus starten sie ihre nächtlichen Touren. „Wir sind allerdings zu wenige, um jedes Wochenende zu laufen“, sagt Sabine Onayli – Stadträtin (L.E.-Bürger) und eine der Frauen unter den Nachtwanderern. Will heißen, die rührige Gruppe könnte tatkräftige Unterstützung gebrauchen.
Für Eigenwerbung wollen sie deshalb auch die erste Dokumentation, die es von der besonderen ehrenamtlichen Arbeit gibt, einsetzen. Filmemacher Marc Di Lauro war einen Abend lang mit auf Tour und hat den Nachtwanderern über die Schulter geschaut. Er hat unter anderem Siegfried Günther ins Licht seiner Kamera gerückt. Der Film ist im Internet auf der Facebook-Seite der Nachtwanderer und bei YouTube zusehen. „Wir überlegen, ihn auch regionalen Fernsehsendern zu geben“, sagt Onayli.
Ein Problem aber haben die Nachtwanderer dennoch. „Im Moment sind sehr wenig Jugendliche unterwegs“, sagt die engagierte Ehrenamtliche. Das sei frustrierend. Sie hofft, dass mit den sommerlichen Temperaturen wieder bessere Zeiten für die Nachtwanderer anbrechen.
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Die Eltern freuen sich auf den Urlaub, aber zu Hause hockt ein trotziger Teenager und mault „Ich komm nicht mit!“ Dürfen Jugendliche überhaupt so lange allein zu Hause bleiben? Unter diesen Voraussetzungen ist es möglich.
Im vollgepackten Auto stundenlang über die Autobahn fahren, um dann vierzehn Tage in einer kleinen Ferienwohnung aufeinander zu hocken? Für viele Teenager ist so ein Familienurlaub wenig verlockend. „Für die Eltern ist diese Ablehnung erstmal hart, aber es gehört dazu, Teenager loslassen zu können“, sagt Klaus Fischer. Er ist Erziehungsberater in Meschede. Mit 16, 17 Jahren sei es ganz normal, dass Teenager lieber ihre eigenen Wege gehen.
Wie steht es um die Aufsichtspflicht?
Darf man denn minderjährige Kinder überhaupt alleine zu Hause lassen? „Das ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt“, sagt Klaus Weil vom Deutschen Anwaltverein. „Das Maß der Aufsichtspflicht ist sehr individuell und abhängig von der Persönlichkeit und dem Alter des Kindes.“ Bei einem 17-Jährigen, der routiniert alleine klarkommt, sei es in der Regel kein Problem, wegzufahren. Bei einer 16-Jährigen, die bekanntermaßen Drogen nimmt, sei das anders.
Fakt ist: Passiert in Abwesenheit der Eltern etwas, sind diese in der Pflicht, zu belegen, dass sie ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. „Deshalb rate ich auf jeden Fall dazu, vor Ort immer Ansprechpersonen für das Kind zu haben, zum Beispiel die Nachbarn.“
Kinder unter 15 Jahren sollten nach Auffassung des Anwalts grundsätzlich nicht über längere Zeit allein bleiben. „Die können sicher mal einen Abend ohne Eltern zu Hause sein, aber nicht mehrere Tage.“
Jugendliche müssen sich Vertrauen der Eltern verdienen
Die meisten Eltern könnten relativ gut einschätzen, ob ihr Kind in der Lage ist, allein zu bleiben. Wer ständig Regeln missachtet, zu spät kommt oder sich nicht um häuslichen Aufgaben kümmert, ist noch nicht so weit. „Die Jugendlichen müssen in der Lage sein, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“, sagt Diplom-Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.
Ab 16 sollten sich Jugendliche selbst versorgen können
Grundlage dafür ist Selbstständigkeit. „Der Jugendliche sollte schon eine gewisse Erfahrung haben, wie man sich alleine versorgt.“ Sich selbst Essen kochen, danach aber auch den Herd ausstellen. Das Haus abschließen, wenn man es verlässt. Die Waschmaschine bedienen oder Kerzen auspusten. Die meisten Jugendlichen sind dazu ab 16 oder 17 Jahren in der Lage. „Da ist es eher die große Herausforderung an die Eltern, Verantwortung zu übertragen und loszulassen.“
Vorab Regeln festlegen
Die Übertragung von Verantwortung stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder. Bevor Eltern die Koffer packen, sollten sie in einem grundlegenden Gespräch klären, was sie von dem Jugendlichen erwarten: etwa, dass er in der Wohnung keine Partys feiert oder das Auto nicht benutzt. Und wer ein Haustier zurücklässt, muss deutlich machen: „Das Tier ist von deiner Fürsorge abhängig!“
Über jede Kleinigkeit sollten Eltern jedoch nicht verhandeln. Jugendliche brauchen den Raum, eigene Entscheidungen zu treffen. „Man kann sich zwar wünschen, dass der Teenager gesund isst, ob er es dann tatsächlich macht, darauf hat man keinen Einfluss“, sagt Erziehungsberater Fischer. Das Haushaltsgeld sollte zwar mit dem Hinweis „Für Lebensmittel und Busfahrkarte“ herausgegeben werden. „Wenn sich das Kind davon aber gleich am ersten Tag Klamotten kauft und dann von Knäckebrot leben muss, ist das auch eine Erfahrung, die gemacht werden muss.“
Vertrauensperson vor Ort benennen
Trotz allem Loslassen sollten Eltern regelmäßig anrufen und zwischendurch über WhatsApp oder andere Dienste Nachrichten schicken. Für die Kinder sei es gut, vor Ort einen Ansprechpartner zu haben, zum Beispiel die Großeltern, Onkel und Tanten oder Nachbarn. „Man kann ja mit dem Jugendlichen vereinbaren, dass alle drei Tage jemand vorbeikommt und nach dem Rechten sieht“, rät Engel.
Spannend sei es bei der ersten Fahrt vor allem, wie der Teenager mit dem Alleinsein klarkommt. „Oft stellt sich bei Jugendlichen nach den ersten Tagen Höhenflug ein Gefühl des Vermissens ein“, sagt Engel. Dann merken Kinder plötzlich, dass es doch etwas ganz anderes ist, plötzlich für sich selbst verantwortlich zu sein. Diese Erfahrung kann die Beziehung zwischen Eltern und Teenager stärken und neue Blickwinkel eröffnen.
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In Barsinghausen westlich von Hannover machen Spaziergänger einen schrecklichen Fund: Auf einer Wiese vor einer Schule liegt die Leiche einer Jugendlichen. Unweit der Stelle wurde bereits im April eine Frauenleiche entdeckt. Die Polizei prüft etwaige Zusammenhänge.
Passanten haben in Barsinghausen in der Region Hannover eine Leiche auf der Grünflache einer Schule entdeckt. Wie die Polizei in Hannover mitteilte, handelt es sich um eine 16-Jährige aus dem Ort in der Region Hannover. Das ergab die Obduktion. Demnach starb das Mädchen durch massive Gewalt gegen den Kopf, Hinweise auf ein Sexualverbrechen gibt es nicht.
Ob der Fundort auch der Tatort ist und wie die 16-Jährige ums Leben kam, wollten die Fahnder aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht sagen. Zuletzt sei die junge Frau in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr am Bahnhof der Kleinstadt gesehen worden. Einen Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, dass die Jugendliche halbnackt und blutüberströmt gefunden wurde, wollte die Polizei nicht kommentieren.
Nur einige hundert Meter neben der Fundstelle hatte bereits im April eine Frau beim Spaziergang eine Tote in einem Entwässerungsgraben nahe dem Friedhof gefunden. Die Obduktion hatte ergeben, dass die 55-Jährige getötet wurde. Ein Täter wurde noch nicht ermittelt.
„Wir prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Taten gibt“, sagte eine Polizeisprecherin. Für Spekulationen bei Anwohnern sorgte, dass exakt zwei Monate zwischen beiden Taten liegen, die sich in der Nacht zum 17. April und 17. Juni ereigneten.
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S-Süd – Hätte der neue Eigentümer des Bürogebäudes Pauline, die Gesellschaft für Verhaltensmedizin und Gesundheitsforschung, sich quer gestellt, dann hätten die Stadt und allen voran die Jugendlichen Pech gehabt. Der Klinikbetreiber hat vom Immobilienunternehmen Strabag mit dem Bürogebäude nämlich auch die Dienstbarkeit für die Fläche unter der Brücke gekauft. Damit kann die Stadt, obwohl sich die Fläche in ihrem Eigentum befindet, dort nur mit Zustimmung des Klinikbetreibers planen. Diese gibt es jetzt. Allerdings bekommen die Jugendlichen nicht die ganze Fläche. Ein Teil fällt für die Ein- und Ausfahrt zur Pauline weg. Jetzt muss der Gemeinderat nur noch die Finanzierung des Vorhabens zusichern.
Ursprünglich sollte der Bereich unter der Paulinenbrücke noch vor dem Platz um die Marienkirche umgestaltet werden. Dass der Umbau des Rupert-Mayer-Platzes vorgezogen wurde, lag daran, dass mit der Entscheidung für das Einkaufszentrum Gerber klar war, dass die Fläche unter der Brücke für die Baustelle benötigt werden würde. „Jetzt soll die gesamte Fläche planerisch eine Handschrift bekommen“, versprach Klaus Volkmer vom Amt für Stadtplanung im Bezirksbeirat Süd am Dienstagabend. Da sich die Jugendlichen insbesondere Sitzgelegenheiten gewünscht haben, sind entsprechende Betonelemente geplant, an welchen auch Halterungen für Slacklines angebracht werden können. Der erste Entwurf sieht zudem eine Wand vor, die die Jugendlichen immer wieder neu gestalten können – auch um dort Graffiti aufzusprühen. Weiter sollen die Säulen der Paulinenbrücke farbig gestaltet und der Bereich gut ausgeleuchtet werden.
Nicht alle Wünsche der Jugendlichen werden erfüllt
Noch haben die Planer Spielraum für weitere Ideen. Klar ist allerdings schon jetzt, dass einige der Wünsche, die die Jugendräte bereits geäußert haben, nicht umgesetzt werden. Für eine Rutsche von der Brücke oben hinunter zur Tübinger Straße sieht Bezirksvorsteher Rupert Kellermann keine Chance. Auch das Angebot an niederschwelliger Gastronomie wird laut Kellermann wohl kaum umzusetzen sein. Die Jugendlichen hatten auf ein Angebot ähnlich dem Imbisswagen Kantinchen gehofft, wo sie etwas zu essen kaufen können, aber nicht müssen. Rein kommerzielle Gastronomie dagegen lehnen sie ab.
Während die Platzgestaltung noch in einer frühen Phase ist, stört die Bezirksbeiräte, dass unmittelbar neben der Fläche für Jugendliche zwei Einfahrten sind: zum einen die Zufahrt zur Tiefgarage Pauline samt dem Parkplatz davor, zum anderen ist neben dieser Schneise die Lieferzufahrt zum Gerber. Die Bezirksbeiräte fürchten, dass in dem Bereich der Tübinger Straße bald so viel Verkehr herrscht, dass es dort für Jugendliche nicht sicher genug ist. Geschweige denn, dass diese sich unter diesen Umständen unter der Paulinenbrücke wohlfühlen. CDU-Bezirksbeirat Heinrich Bek drängte darauf, dass die Sicherheit bei den künftigen Planungen wesentlich berücksichtigt wird. Daran, versicherte Volkmer, arbeite die Stadt bereits. Neben Pollern seien verschiedene Varianten im Gespräch.
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David ist 13 Jahre alt und Halbwaise. Sein Vater Gerd starb vor vier Jahren nach einer Darmerkrankung. Nun wird auch seine Mutter bald sterben, denn Ute hat Krebs. Sie hat sich entschlossen, David von Anfang an eng mit einzubeziehen.
Wieviel Zeit Ute noch bleibt, kann niemand sagen. Der Brustkrebs wurde erst spät diagnostiziert, sie hat bereits Metastasen in der Lunge, in den Knochen, in der Leber und auch noch im Gehirn. Der Arzt spricht von einem Zeitraum zwischen sechs Monaten und einem Jahr.
„Ich dachte, ich bin die schlechteste Mutter der Welt“, sagt Ute in der WDR-Sendereihe „Menschen hautnah“, die die kleine Familie zwei Jahre lang begleitet hat. „Weil ich mein Kind alleine lassen muss.“ David fragte seine Mutter zu Anfang, ob sie am Krebs sterben könne. „Als ich ja sagte, hat er gesagt ‚dann springe ich vom Dach.‘ Das war schrecklich. Ganz schrecklich.“
Ute entscheidet sich für völlige Offenheit
Ute ist klar, ihr Sohn braucht Unterstützung. Sie wendet sich an Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. David kennt sie bereits seit dem Tod seines Vaters, er besucht regelmäßig ihre Trauergruppe für Jugendliche. Mechthild begleitet David auch in dieser schweren Zeit.
Der 13-jährige Junge wirkt ernst, bedächtig und gefasst. Nur manchmal stehen Tränen in seinen Augen. Zu Beginn des Films weiß noch niemand, dass Ute noch fast zwei Jahre leben wird, es kommt eine Zeit mit zahlreichen, teils monatelangen Krankenhausaufenthalten auf sie zu. Doch David wird auch schöne Momente mit seiner Mutter erleben können, wenn es ihr etwas besser geht. Sie werden sogar noch einmal drei Tage an die Nordsee fahren mit Utes Bruder und seiner Familie. Aber David wird auch oft hilflos bei ihr sitzen oder neben ihr liegen. „Man fühlt sich traurig, weil man nicht weiß, was man für sie machen kann“, sagt er. Beide drücken sich gegenseitig immer wieder ihre Liebe aus und versuchen, einander Halt zu geben.
Der Zuschauer erkennt: Weil Ute kein Geheimnis aus der Schwere ihrer Krankheit macht, darf David auch alle damit verbundenen Emotionen zulassen: Seine Ängste, seine Traurigkeit kann er mit Trauerbegleiterin Mechthild besprechen. Hätte Ute ihm Hoffnungen gemacht, dass sie wieder gesund werden könnte, wäre ihrem Sohn diese Möglichkeit verwehrt. Ute kämpft zwar darum, möglichst lange zu leben und für David da sein zu können, doch allen ist klar, dass sie auf keinen Fall gesund werden wird.
Für David ist gesorgt – das beruhigt seine Mutter
Utes Bruder Michael, seine Frau Diana und ihre 17-jährige Tochter Vanessa werden David zu sich aufnehmen, wenn Ute nicht mehr lebt. Vanessa zieht innerhalb des Hauses um, damit David ein eigenes Zimmer haben kann. Diana erzählt: „Wir werden ihn aufnehmen, als Familie, aber ich werde ihm die Mutter nicht ersetzen können, das ist mein Hauptproblem. Das ist die Sorge, die ich habe. Wie wird er sich weiter entwickeln? Wird er sich gut einleben? Wird er uns akzeptieren als Vormund oder als Ersatz-Elternpaar?“
Ute verwöhnt David grenzenlos, erlaubt ihm alles. Bei Michael und Diana gibt es deutlich strengere Regeln. Doch David sagt: „Man gewöhnt sich nach einiger Zeit dran. Dass man zum Beispiel hier Ordnung halten muss.“ Der Teenager akzeptiert sein neues Leben, von Rebellion oder Wut ist – zumindest in der Reportage – nichts zu sehen.
Utes Tod beendet auch eine lange Zeit der Ungewissheit
Als Ute im April 2016 stirbt, ist David 15 Jahre alt. Nun ist er Vollwaise. Die vergangenen zwei Jahre haben einen stillen, zurückgezogenen Jugendlichen aus ihm gemacht. Seine Mutter leiden zu sehen und die tägliche Ungewissheit, wie lange sie noch bei ihm bleiben kann, haben ihn schwer belastet.
Bei der Familie seines Onkels geht es ihm gut. Mit dem Tod seiner schwer kranken Mutter ist auch eine Last von ihm genommen worden. Als alle wenige Monate nach Utes Tod zum Urlaub nach Holland fahren, sieht man David zum ersten Mal wieder lachend und ausgelassen. Er möchte nicht an die düsteren Zeiten denken. Wenn er an seine Mutter denkt, erinnert er sich an schöne Erlebnisse vor ihrer Erkrankung.
Der Chefarzt im Krankenhaus hatte zu David gesagt: „Das hier wird prägend sein für dein ganzes Leben. Wir bekommen das immer wieder mit: Wenn Kinder sich schon so früh mit Krankheit auseinandersetzen müssen, das ist auf der einen Seite hart, aber es bringt einen auch echt weiter.“ David ist an seinem schweren Schicksal nicht zerbrochen, er ist auch nicht vom Dach gesprungen. Seine Familie und Trauerbegleiterin Mechthild unterstützen ihn nach Kräften auf seinem Weg. Und Ute hat Recht behalten: „Ich weiß genau, der schafft das. Der ist so stark“, hatte sie schon zu Anfang gesagt.
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Mühlhausen – Im Jahr 2012 sind 1400 Straftaten im Stadtbezirk erfasst worden. Das ist ein Anstieg um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen hat Polizeihauptkommissar Heinz Hepper im Bezirksbeirat vorgestellt. Hepper ist Leiter des Reviers 7 an der Ludwigsburger Straße. Auf die einzelnen Stadtteile heruntergerechnet, sind es nur in Freiberg weniger Straftaten als im Vorjahr; in Hofen, Mönchfeld, Mühlhausen und Neugereut sind es mehr. Am stärksten ist dieser Anstieg in Neugereut: 368 Straftaten waren es 2012, das sind 60 mehr als 2011. „Es gibt einen Rückgang bei den Betäubungsmitteldelikten und bei der Straßenkriminalität“, berichtete Hepper, „aber eine Zunahme bei Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, etwa durch Graffiti“.
Besorgnis erregend sei die Tatsache, dass 228 dieser Taten von jungen Tätern begangen worden sind; das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. 62 Täter waren Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren, 124 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, und 42 Kinder, die noch keine 14 Jahre alt waren. Auch im Vergleich mit den Gesamtzahlen für Stuttgart ist das viel: Hepper: „In der Gesamtstadt waren 24,6 Prozent Jungtäter, da liegt Mühlhausen mit 34,1 Prozent weit darüber. Dieser Anstieg der Jugendkriminalität erfordert weiter unsere ganze Aufmerksamkeit.“
Dass besonders die langfristigen Trends wichtig sind, bestätigt auch Werner Mast. Er ist Präventionsbeamter beim Revier 7. „Wir sind mit vielen Projekten im Bezirk vernetzt.“ Dazu zählen Sprechstunden der Jugendsachbearbeiter an Schulen, Vorträge zu Sucht- und Gewaltprävention und die Arbeit mit Partnern wie der Mobilen Jugendarbeit, den Jugendhäusern, Bildungseinrichtungen und Stadtteilbibliotheken.
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