Kategorie -Jugendliche

Schlägerduo verbreitet Schrecken

FellbachSchlägerduo verbreitet Schrecken

Der Angeklagte Tarek B. schlägt gerne mit der Faust zu. Foto: dpa

Fellbach/Waiblingen – Um an Geld und Drogen zu kommen, schreckte Tarek B. (alle Namen geändert) vor nichts zurück. Selbst frühere Kumpels bedrohte, schlug und erpresste er. Als Verstärkung hatte er Demir K. an seiner Seite. Dieser posierte bis vor kurzem noch mit einem Schlagring auf seinem Facebook-Profilbild.

Das Opfer erleidet einen Schädelbasisbruch

Der Fall, der kürzlich vor dem Jugendschöffengericht in Waiblingen verhandelt wurde, nahm am späten Abend des 30. Oktober vergangenen Jahres seinen Anfang. Tarek B. traf in Fellbach-Schmiden auf drei ehemalige Kumpels. Zur Begrüßung gab es für Rudi S. und Paul T. eine saftige Ohrfeige. Für Tom P. endete das Wiedersehen weitaus schlimmer. Tarek B. versetzte ihm einen so harten Faustschlag ins Gesicht, dass das 19-jährige Opfer einen Bruch des Jochbeins und einen Schädelbasisbruch erlitt.

„Die ganze Geschichte geht um Gras“, sagte Tom P. vor Gericht. Der Zeuge wirkte sichtlich eingeschüchtert, weil Tarek B. und Demir K. nur wenige Meter von ihm entfernt auf der Anklagebank saßen. Und die beiden hatten ihm in der Vergangenheit wiederholt gedroht, er solle seine Aussage zurücknehmen. „Einmal sagten sie zu mir, dass sie mich sonst zerstückelt in den Neckar werfen“, sagte Tom P.

Die beiden Angeklagten mussten sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung, gemeinschaftlichen Raubes sowie gemeinschaftlich versuchter räuberischer Erpressung verantworten. Dass sie gleich zu Beginn des Prozesses ein uneingeschränktes Geständnis abgelegt hatten, honorierte der Richter Luippold. Er folgte dem Plädoyer des Staatsanwaltes und verurteilte den zur Tatzeit 17-jährigen Tarek B. zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das milde Urteil verdankte Tarek B. vor allem seinem sozialpädagogischem Betreuer, der ihm eine positive Prognose attestierte. Weil Demir K. gegen seine Bewährung verstoßen hatte, wurde der 23-Jährige nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Im Gefängnis soll er sich um eine Drogentherapie bemühen.

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Gymnasium probt Geschlechtertrennung in Physik

Hat es Vorteile, wenn Jungen und Mädchen in bestimmten Fächern getrennt unterrichtet werden? Ein Gymnasium in der Pfalz hat es ausprobiert.

Am Anfang stand für Michael Scheffe eine simple Beobachtung. „In unserem Physik-Leistungskurs in der Oberstufe sitzen 17 Jungs und gerade mal ein Mädchen. Das Mädchengymnasium nebenan bekommt jedes Jahr einen Kurs mit mindestens zehn Schülerinnen zusammen“, erzählt der Physiklehrer am Hofenfels-Gymnasium in Zweibrücken. Dabei seien die Physiknoten der Mädchen in der Mittelstufe nicht schlechter als die der Jungen. Trotzdem wählte kaum eines den Leistungskurs. „Das hat uns gewundert.“

In Physik gibt es getrennten Unterricht

Scheffe hat deshalb ein Projekt initiiert, bei dem Jungen und Mädchen in getrennten Klassen in Physik unterrichtet werden. Zwei siebte Klassen wurden zu Beginn des vergangenen Schuljahrs erst zusammengelegt und für den Physikunterricht in eine je 25 Jugendliche umfassende Mädchen- und eine Jungengruppe geteilt.

Zwei weitere Klassen sollen die Kontrollgruppe des Versuchs bilden. „Es geht nicht darum, dass die Mädchen besser werden – die sind schon gut“, erklärt Scheffe. Sie sollten Spaß an dem Fach gewinnen, wenn sie nicht mehr das Gefühl hätten, hinter den Jungs zurückstecken zu müssen.

Begeisterung der Mädchen hält sich in Grenzen

Und funktioniert es? Nach dem ersten Jahr ist Scheffe skeptisch. „Mein erster Eindruck ist, dass kaum ein Unterschied zu spüren ist.“ Darauf deuteten auch erste Befragungen der Hochschule Kaiserslautern hin, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Zu Beginn und zum Ende des Schuljahrs wurden beide Gruppen – die getrennte und die gemischte – zu ihrer Motivation für Physik befragt. Ergebnis laut Scheffe: Die Mädchen sind deutlich weniger interessiert als die Jungs, egal in welcher Gruppe sie unterrichtet werden.

Versuch läuft noch drei Jahre

Katharina Weisel von der Hochschule Kaiserslautern betont, dass es für wissenschaftlich belegbare Ergebnisse noch zu früh sei. „Wir müssen die weiteren Erhebungen abwarten.“ Das Projekt ist noch auf drei weitere Jahre angesetzt. Generell biete getrennter Unterricht Mädchen die Möglichkeit, sich unabhängig von Geschlechterstereotypen mit dem Fach anzufreunden.

„Hier werden sie stärker gefordert, selbst aktiv zu werden. Jungen den Vortritt zu lassen, beispielsweise bei Versuchsdurchführungen, ist in diesem Kontext gar nicht erst möglich“, sagt Weisel.

Kritik vom Bildungsforscher

Getrennter Unterricht ist kein neues Thema. Der Flensburger Bildungsforscher Jürgen Budde hat mehrere Untersuchungen durchgeführt. Er sieht die Trennung von Jungen und Mädchen eher kritisch: „Mit der Geschlechtertrennung schraubt man an einem sehr unterrichtsfernen Kriterium.“

Entscheidender sei die Veränderung des Unterrichts selbst. „Wichtig ist ein differenzierter Unterricht der auf unterschiedliche Schüler unterschiedlich eingeht“, meint Budde. Für die begrenzten Effekte der Geschlechtertrennung lohne sich der Organisationsaufwand nicht.

Stereotype werden sogar noch gefestigt

Eine Gefahr sieht Budde darin, dass die Trennung von Mädchen und Jungen bestimmte Rollenbilder und Stereotype sogar festigen könne. Der Forscher nennt ein Beispiel: Teilt man eine Deutschklasse und liest mit den Jungen ein Buch über Fußball, trifft man zwar das Interesse vieler Jungen. „Aber denen, die es nicht interessiert, wird damit suggeriert, du musst dich aber für Fußball interessieren, weil du ein Junge bist“, sagt Budde. Im Fall des getrennten Physikunterrichts könne bei den Mädchen das Signal ankommen: Ihr seid einfach nicht gut genug und braucht eine Extraklasse.

„Wir machen kein Physik light“

Physiklehrer Scheffe legt deshalb Wert darauf, dass es beim Niveau des Unterrichts keinen Unterschied zwischen den Gruppen gibt. „Wir machen kein Physik light für Mädchen.“ Zu Beginn des Projekts hätten sich Schülerinnen über den getrennten Unterricht beschwert. Da habe noch die Meinung vorgeherrscht: Physik macht ohnehin keinen Spaß, ob mit oder ohne Jungen. Inzwischen hätten alle die Intention verstanden. Scheffe sagt: „Ich bin der Meinung, es läuft gut.“

„Rollentypisches Verhalten wird verstärkt“

Die Landesschülervertretung lehnt das Projekt dagegen ab. „Gerade in der Schule und besonders zur Zeit der Pubertät in der Mittelstufe entwickeln Jungen und Mädchen rollentypisches Verhalten, was durch geschlechtergetrennten Unterricht nur verstärkt wird“, sagte Vorstandsmitglied Mona Kaczun.

„Wir sind einfach nur neugierig“

Scheffe hält die Gefahr sich verfestigender Rollenbilder aber für beherrschbar. „Wenn einem bewusst ist, dass es Gefahren gibt, kann man sich davor hüten.“ Er halte die Geschlechtertrennung auch nicht für ein Allheilmittel. „Wir verfolgen keine Ideologie, wir sind einfach nur neugierig.“

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Kinderschutz nach Kassenlage: Jugendämter sind häufig überfordert


Jugendämter sollen Eltern unterstützen und vor allem Schaden von Kindern abwenden. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Eine Studie zeigt, die Arbeitsbedingungen in Jugendämtern sind so schlecht, dass der Kinderschutz leidet.

Ein Kind stirbt nach Misshandlungen durch die Eltern, ein anderes wird monatelang missbraucht, obwohl das Jugendamt bereits mit dem Fall betraut ist. Bei einem Polizeieinsatz werden Kinder in einer völlig verwahrlosten Wohnung angetroffen. Das alles sind Fälle, die jeden Tag mitten in Deutschland passieren.

Meist wird dann nach der Verantwortlichkeit des zuständigen Jugendamts gefragt. Der Vorwurf lautet, die Fachleute hätten die Notlage der Kinder erkennen und einschreiten müssen. Doch viele Jugendämter in Deutschland können ihren Aufgaben beim Kinderschutz nur unzureichend nachkommen. Das weist die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz in einer repräsentativen Studie nach.

Demnach bearbeiten die rund 13.300 Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) mehr als eine Million Fälle. Das ergaben Befragungen von rund 650 Fachkräften aus 175 Jugendämtern via Fragebogen. Bundesweit gibt es rund 560 Jugendämter. Die meisten Sozialarbeiter betreuen laut der Studie zwischen 50 und 100 laufende Fälle. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialer Dienst fordert seit Jahren, dass sich eine Vollzeitkraft zeitgleich um maximal 35 Fälle kümmern soll. Aber nur 68 Prozent der Jugendämter erreichen diesen Schlüssel.

Tausende Fälle

2016 wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge rund 22.000 Fälle erfasst, in denen Kinder und Jugendliche von Familienmitgliedern misshandelt wurden. Das können psychische Misshandlungen sein, aber auch körperliche oder sexuelle Übergriffe. Die Art der Verletzungen erschüttert Experten immer wieder. Die Rede ist von Fesselungen, Knochenbrüchen, Verätzungen, Verbrühungen oder Verbrennungen. 143 Kinder starben 2017 nach solchen Vorfällen. Auch wenn die gewaltfreie Erziehung von Kindern seit 18 Jahren im Gesetz steht, ist sie längst noch nicht in allen Familien angekommen.

Allein das wäre ein großes Aufgabenfeld für Jugendämter: überforderte Eltern zu unterstützen. Das Fallaufkommen und die Personalsituation hätten in den vergangenen Jahren aber oftmals nur das Einschreiten im Akutfall erlaubt, sagt die Leiterin des Jugendamts Berlin-Mitte, Monika Goral, bei der Vorstellung der Studie. Nötig sei aber proaktives Handeln, etwa wenn eine Kindes-Gefährdung zunächst unklar ist.

Für die wirkliche Arbeit mit den Familien bleibt auch deshalb so wenig Zeit, weil 63 Prozent der Arbeitszeit in die Dokumentation fließt. Dabei geht es vor allem um die rechtliche Absicherung der ASD-Mitarbeiter. Aber selbst das schaffen viele Sozialarbeiter kaum. 58 Prozent der Befragten brauchen mindestens eine Woche, um die für Fallübergaben und Verfahren wichtigen Gesprächsprotokolle auszufüllen. Nur jeder fünfte kann das noch am gleichen Tag erledigen.

Betriebswirtschaftliche Entscheidungen?

Angesichts dieser Umstände wird schnell der Ruf nach mehr und möglichst gut ausgebildeten Mitarbeitern in den Jugendämtern laut. Aber auch das ist leichter gesagt als getan. Wegen der schon vorhandenen hohen Belastung bleibt kaum Zeit für die Einarbeitung neuer Sozialarbeiter. Beckmann nennt die Einarbeitungssituation „desolat“. Vor allem für Berufsanfänger sei dies jedoch unabdingbar, denn häufig müssten sie innerhalb kurzer Zeit bereits entscheiden, ob ein Kind aus einer Familie genommen werden muss oder sie einen Verbleib verantworten können.

Viele Jugendamtsmitarbeiter können sich ihre Arbeit aus all diesen Gründen dauerhaft nicht vorstellen. Die Fluktuation ist groß, mit jedem Wechsel gehen Erfahrungen verloren, aber auch Wissen über die bearbeiteten Fälle. In nur 20 Prozent der Fälle wechselt die Zuständigkeit für eine Familie nicht. Bei den meisten ist der Wechsel die Regel, mehr als 50 Prozent der Familien werden sogar mehr als einmal „weitergereicht“.

„Die Sozialarbeiter im ASD werden durch die Strukturen behindert, wirklich professionelle pädagogische Arbeit so zu leisten, wie das Kinder- und Jugendhilfegesetz es sich 1991 auf die Fahnen geschrieben hat“, sagt Kathinka Beckmann. Der Vorsitzende des Deutschen Kinderhilfsbundes, Rainer Becker, warnt davor, „sozialpädagogisch gebotene Entscheidungen allein oder vorrangig unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Aspekte“ zu treffen.



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Alternativen zum Saufen und Zuschlagen

PräventionsprogrammeAlternativen zum Saufen und Zuschlagen

Jugend und Alkohol – oft mündet diese Mischung in Gewalt Foto: dpa

Stuttgart – Salji Zivoli ist 17 und hat eine ziemlich schwierige Kindheit in einem Heilbronner Heim hinter sich – samt Kontakten mit der Polizei. Seit er seine Wut aber in Form von Rap-Musik artikuliert, ist er für die Polizei so etwas wie ein Vorzeige-Jugendlicher. Beifall brandet auf, als er am Montag vor Innenminister Reinhold Gall (SPD) und dessen Polizeiführern vorträgt: „Du hast mich abgeschoben, angelogen . . .“

Gelernt hat Zivoli das Rappen bei einem von 26 Präventionsprojekten, die 2010 mit finanzieller Hilfe der Landesstiftung angestoßen wurden. 26 von zahllosen Anstrengungen, mit denen man landauf, landab versucht, Jugendliche von Alkohol und Gewalt wegzubringen. Aber helfen sie wirklich?

Das Innenministerium wollte dies genau wissen und hat die Projekte vom Hannoveraner Sozialwissenschaftler Rainer Strobl und dessen Firma proVal untersuchen lassen. Zumal die Zahl der „Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss“, wie die Kriminalstatistik diese Jugendlichen nennt, innerhalb von vier Jahren von 2417 auf 1577 zurückgegangen ist. Ist das schlicht ein Effekt der sinkenden Einwohnerzahl?

Mit der Demografie allein lasse sich das nicht erklären, sagte Strobl am Montag und hob die Bedeutung der Prävention hervor. Die Projekte hätten vielmehr nachhaltig dazu beigetragen, dass Jugendliche gewaltfreier miteinander und bewusster mit Alkohol umgehen. „Unser Ziel war nicht die Abstinenz, man kann durchaus mal ein Bier trinken“, so der Sozialwissenschaftler, der die Teilnehmer mehrfach befragt hat.

Viele der 14- bis 19-Jährigen waren von Gerichten zu einem der Präventionsprogramme verdonnert worden, waren also nicht freiwillig gekommen. „Doch das macht nichts“, sagt Strobl. Es gebe keine Akzeptanzunterschiede zwischen freiwilliger oder erzwungener Teilnahme. Eine weitere Erkenntnis war, dass Prävention dem sozialen Umfeld der Jugendlichen stärker Beachtung schenken sollte.

Dabei ist ihnen rational durchaus bewusst, welche Gefahren Alkohol birgt. Überflüssige Theorievermittlung sollte Prävention also vermeiden, meint Strobl und rät zu einem Wissenstest der Teilnehmer.

Diese und andere Erfahrungen können interessierte Kommunen im Evaluationsbericht nachlesen, den Innenminister Gall am Montag in Empfang nahm. Eine Million Euro war der Landesstiftung das Ganze wert, und auch Stiftungsgeschäftsführer Christoph Dahl zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Das Programm hat gezeigt, dass gute Prävention gelingen kann.“ Nicht erst die Schlagzeilen um den Tod der Studentin Tugce A. bewiesen die Dringlichkeit des Themas.

Doch was, wenn das Geld zur Neige geht? Nachhaltigkeit sei auch in der Prävention wichtig, sagte Strobl. Hier konnte Gall Positives berichten: Die meisten der 26 Projekte hätten neue Geldgeber gefunden und seien finanziell gesichert.

„Steh mir nicht im Weg“, „Ohne ist schöner“ oder „Filmriss“ heißen die Projekte, die sich gezielt an Jugendliche wenden, die bereits wegen übermäßigen Alkoholkonsums und Gewaltdelikten aufgefallen sind. Einige von ihnen, so das „Webgeflüster“ aus Karlsruhe, werden bundesweit beachtet.

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Gefährlicher Kräuter-Mix: 14-Jähriger wegen „Legal Highs“ auf Intensivstation

Nach dem Konsum von Kräutermischungen sind fünf Kinder und Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren in Braunschweig ins Krankenhaus gekommen. Ein 14-Jähriger wurde auf der Intensivstation behandelt, wie ein Sprecher der Polizei am Montag sagte. Demnach hat der Jugendliche am Samstagabend zusammen mit vier Freunden die legale Droge konsumiert. Sie bekamen gesundheitliche Probleme und mussten sich in einem Park übergeben. Ein Passant, der auf die Gruppe aufmerksam wurde, alarmierte die Einsatzkräfte.

Mit fünf Rettungswagen und einem Notarzt wurden die Kinder und Jugendlichen in eine Klinik gebracht. Drei von ihnen konnten noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen. Woher sie die Kräutermischung hatten und welche Kräuter vermischt wurden, war zunächst noch unklar.

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Jugendschutz in Stuttgart lässt nach

AlkoholverkaufJugendschutz in Stuttgart lässt nach

Wie leicht kommen Jugendliche an Alkohol? In Stuttgart wird das zu wenig kontrolliert Foto: dpa

Stuttgart – Der Jugendschutz beim Alkoholverkauf lässt in Stuttgart deutlich nach – zumindest, wenn es um amtliche Testkäufe mit jugendlichen Lockvögeln geht. In diesem Jahr hatte es nur einmal im Sommer eine Aktion in Geschäften in der Innenstadt gegeben – ansonsten nur auf dem Cannstatter Wasen und beim Weihnachtsmarkt.

„Der Umfang der Kontrollen ist angesichts der Wichtigkeit wirklich zu gering“, wird bei der Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Zeitung eingeräumt. Im Sommer 2010 hatte das Landessozialministerium den Weg für den behördlichen Einsatz jugendlicher Testkäufer freigemacht – doch bei der Stadt Stuttgart fehlt für diese Schwerpunktaktionen gegen schwarze Schafe das Personal.

Dabei ist die Sünderquote trotz Aufklärung und technischen Hilfen beim Kassenpersonal in Supermärkten und Tankstellen immer noch sehr groß – wie mehrwöchige Schwerpunktaktionen in den umliegenden Landkreisen zeigen. Ein Test in Böblingen ergab 44 Prozent Verstöße, in Ludwigsburg sogar knapp 60 Prozent. Das Besondere: Das Personal an der Kasse verkaufte verbotenerweise Alkohol an Jugendliche, obwohl die sogar ihren Personalausweis vorlegten. „Die Betroffenen haben sich schlicht verrechnet oder einen Denkfehler begangen“, heißt es dazu bei der Polizei.

Entscheidend ist heute der 30. Dezember 1996 als Stichtag: 18 Jahre ist das Mindestalter für den Verkauf von Branntwein, branntweinhaltigen Getränken oder Alkopops. Die Hürde gilt auch für den Kauf von Silvesterraketen, Partyknallern und bengalischen Feuerwerken der Klasse 2. Die 16-Jährigen dürfen Bier oder Wein ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten kaufen. 14-Jährige dürfen in Begleitung in der Öffentlichkeit Bier kaufen oder konsumieren – was freilich nicht empfohlen wird. Für den Kauf von Wunderkerzen muss man 13 sein.

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Die Fehler der Väter: Mama-Söhnchen, hebt eure Hintern!


Italien bietet wenig Perspektiven. Doch das darf kein Alibi sein, findet Alberto Forchielli. Der Buchautor fordert die Jugend dazu auf, statt in Selbstmitleid zu baden, aus den Fehlern der Väter zu lernen und dem Land eine Zukunft zu schenken.

Für Lucia Cestari, 55 Jahre alt, war es nicht leicht, sich in einer Männerwelt durchzusetzen. Noch dazu auf dem Land. Sie verdankt es ausschließlich ihrem „Dickkopf“, dass sie heute ihren Rinderhof samt Ferienzimmer alleine verwaltet. Der Bauernhof „La Presa“ liegt im Veneto – eingebettet im Delta del Po, der Mündung von Italiens längstem Fluss. Eine Frau im Schlachthof war vor 30 Jahren noch ein Affront. Lucia ließ sich aber von ihrem Traum nicht abbringen, verrichtete schnell die Buchhaltung – dafür hatte sie ihr Vater vorgesehen – und war den Rest der Zeit in den Stallungen. „Mein Vater war es, der mir vorgelebt hat, dass man hart arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen“, sagt Lucia.

Lucia Cestari verwaltet ihren Bauernhof allein.

Ihr Vater hatte in jungen Jahren als Fuhrmann begonnen und es bis zum Landbesitzer gebracht. „Und diese Dickköpfigkeit, die Bereitschaft auch Opfer zu bringen, fehlt mir heute bei den Jugendlichen“, sagt die Tochter. Auf ihrem Bauernhof würde sie gern ein paar junge Männer anstellen. „Doch sobald sie hören, dass turnusmäßig auch Samstag und Sonntag gearbeitet wird, ist ihr Interesse im Nu verflogen.“

Diese Erfahrung hat auch Alberto Forchielli, Jahrgang 1955, gemacht. Der ehemalige Berater der World Bank ist heute Vorsitzender von Mandarin Capital Partners, einer Investmentfirma mit Sitz in Mailand und Luxemburg, und hat ein Buch geschrieben, das eine klare Ansage an die junge Generation ist: „Hebt eure Hintern!“ oder auch „Bewege den Arsch!“ („Muovete il Culo!“) lautet der Titel. „Italiens Jugend hat keine Lust mehr, hart zu arbeiten“, schreibt er darin. „Sie findet es bequemer, sich die Zeit mit elektronischen Spielen zu vertreiben und den Sommer mit Papis Geld am Meer zu verbringen, anstatt es sich bei harter Arbeit auf dem Feld zu verdienen.“

Ziellos in die Zukunft

Zwar ist die Jugendarbeitslosigkeit in Italien leicht gesunken und liegt jetzt bei 31,7 Prozent. Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt sie aber immer noch doppelt so hoch. Und auch das Wirtschaftswachstum hinkt mit 1,5 Prozent hinter dem der Eurozone (2,3 Prozent) hinterher. Mangelnde Jobchancen führen wiederum zu einer wachsenden Perspektivlosigkeit, weswegen heute jeder dritte Italiener zwischen 25 und 29 Jahren weder studiert noch eine Ausbildung macht oder irgendeine Arbeit sucht. Die Lage ist also zweifelsohne wenig ermutigend. Nichtsdestotrotz werden immer wieder Stimmen laut, die meinen, etwas mehr Unternehmungsgeist seitens der jungen Generationen wäre durchaus hilfreich.

Etwas abschätzig sprechen einige mittlerweile von „Mammoni“, Muttersöhnchen – andere wiederum von „Bamboccioni“, großen Babys, die zu allem Überfluss auch noch sehr „choosy“, wählerisch, seien. Doch es wäre falsch, zu verallgemeinern, immerhin sind allein im letzten Jahr wieder 150.000 junge Italiener ins Ausland gezogen, um sich dort eine Zukunft aufzubauen. Und auch unter denen, die bleiben, gibt es viele, die nicht tatenlos in den Tag hineinleben. Luca, der Philosophie an der Mailänder Universität studiert, flitzt für einen Lieferdienst kreuz und quer durch die Stadt, wenn er nicht gerade vor den Büchern sitzt. Nebenbei lernt er auch Deutsch – und das nicht nur, um Kant und Hegel im Original zu lesen: „Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich irgendwann nach Deutschland“, sagt er.

Einen genauen Plan, wie seine Zukunft aussehen soll, hat Luca aber noch nicht. „Und genau das ist das Problem“, schreibt Forchielli. Gegen (Tag-)Träume sei nichts einzuwenden, doch Zielstrebigkeit sei in unserer Welt weitaus wichtiger. Dieses Faible dafür, nur seinen Leidenschaften nachzugehen, führe dazu, dass in Italien ein 40-Jähriger noch ein „Ragazzo“, ein Jugendlicher sei, während Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Jahrgang 1984, und Google-Gründer Larry Page, Jahrgang 1971, zwei der erfolgreichsten Unternehmen weltweit führten. In Italien, so Forchielli, heißen die wichtigsten Wirtschaftskapitäne noch immer Giorgio Armani, Leonardo del Vecchio und Silvio Berlusconi, alle über 80 Jahre alt.

Im Wohlstand eingenistet

Forchielli fordert deshalb seine jungen Landsleute auf, endlich gegen die Väter- und Großvätergeneration, die wie festgenagelt hinter ihrem Schreibtisch sitzt, zu rebellieren. Und er tut es in einem harschen Ton, in der Hoffnung, Tragödien wie der vor einem Jahr entgegenzuwirken. Ein 30-Jähriger hatte sich aus lauter Perspektivlosigkeit das Leben genommen. Im Abschiedsbrief an seine Eltern schrieb er: „Ich fühle mich von einem Zeitalter verraten, das mich beiseiteschiebt, anstatt mich aufzunehmen und von einem Land abgeschrieben, in dem man sich ergebnislos anstrengt, das Talente nicht fördert, Ambitionen ächtet und Träume verhöhnt.“

Forchielli ist sich sicher, dass die Schuld bei den Vätern, also bei seiner eigenen Generation liegt, und entschuldigt sich gleich am Anfang dafür. Er nennt sich und seine Altersgenossen „Parasiten“. Man habe sich im Wohlstand eingenistet, den die Väter, die Kriegsgeneration, aufgebaut hatten. Man sei nicht einmal imstande gewesen, die Kinder auf das Leben vorzubereiten. „Wir haben sie zu 'Schimmelpilzen' gemacht, untätig und feige, ohne Willenskraft und ohne Opferbereitschaft.“ Von der Jugend von heute fordert der Autor deshalb, sich die Väter der „Great Generation“ zum Vorbild zu nehmen, sich demütig die Ärmel hochzukrempeln und aus den Trümmern, die seine Generation hinterlassenen hat, wieder ein zukunftsträchtiges Land zu machen.



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Studie mit Teenagern: So lernen Jugendliche gesunde Ernährung

Wie man Jugendliche von gesundem Essen überzeugen kann, wollen Eltern schon lange wissen. US-Forscher haben dazu einen Versuch gestartet.

Kampagnen für gesunde Ernährung sind bei Jugendlichen wirksamer, wenn sie an Werte appellieren, die bei dieser Altersgruppe besonders stark ausgeprägt sind – beispielsweise soziale Gerechtigkeit. Generelle Informationen über gesundes Essen verpuffen dagegen. Das schreiben US-amerikanische Psychologen um Christopher Bryan von der University of Chicago in der Fachzeitschrift „Proceedings“. 

Die Forscher hatten Achtklässlern Texte gegeben, in denen Methoden der Lebensmittelindustrie angeprangert werden – beispielsweise, dass sie auf Verpackungen den Anschein erweckt, ungesunde Lebensmittel seien gesund. Bei einer kleinen Schulfeier kurz darauf griffen diese Schüler etwas seltener zu ungesunden Lebensmitteln und Getränken als ihre Altergenossen, die allgemeiner oder gar nicht informiert wurden. 

Psychologische Vorgehensweisen, die bei Kindern fruchteten, blieben bei Pubertierenden erfolglos. Deshalb entschieden sich Bryan und seine Kollegen dafür, spezifisch jugendliche Werte anzusprechen.

So lief der Versuch ab

An dem Versuch nahmen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren insgesamt 536 Schülerinnen und Schüler der achten Klasse einer Mittelschule in Texas teil.

Ein Teil von ihnen sollte Zusammenfassungen von journalistischen Texten lesen. In den Artikeln ging es um Methoden der Lebensmittelindustrie, beispielsweise, dass sie Produkte herstellt, die ein gewisses Suchtpotenzial haben, oder mit ihrer Werbung vor allem Kinder und arme Menschen ansprechen will. Ein weiterer Teil der Schüler erhielt neutrale Informationen über Gesundheit und Ernährung. Einige Schüler bekamen keine Infos zu dem Thema.

Minimaler Effekt nachgewiesen

Per Fragebogen fanden die Forscher heraus, dass die journalistischen Artikel Wirkung zeigten: Die Schüler, die sie gelesen hatten, stimmten unmittelbar danach in höherem Maße als die übrigen Schüler Aussagen wie den folgenden zu:

  • „Wenn ich gesund esse, fühle ich, dass ich die Kontrolle über meine Ernährungsgewohnheiten übernehme.“
  • „Wenn ich gesund esse, trage ich meinen Teil dazu bei, Kinder zu schützen, die von Lebensmittelunternehmen gesteuert werden.“
  • „Ich respektiere gesunde Esser mehr als ungesunde Esser.“

Der erste Satz spricht die Autonomie gegenüber Erwachsenen an, der zweite die soziale Gerechtigkeit und der dritte den sozialen Status.

Die Nagelprobe am tag nach der Befragung war eine kleine Feier, bei der sowohl eher ungesunde Lebensmittel und Getränke wie Kekse und Softdrinks sowie eher gesunde wie Obst und Wasser angeboten wurden. Die Feier war Wochen zuvor vom Schuldirektor angekündigt worden, damit die Schüler keinen Zusammenhang mit den Befragungen vermuteten. Dabei wählten die Jugendlichen, die die journalistischen Artikel gelesen hatten, im Durchschnitt 2,13 ungesunde Portionen, die übrigen Schüler jedoch 2,3. Dabei machte es keinen Unterschied, ob Schüler allgemeine Informationen über Gesundheit und Ernährung oder gar keine erhalten hatten.

Zwei Millionen dicke Kinder in Deutschland

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln sind rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Das sind fast zwei Millionen Drei- bis 17-Jährige. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter in Berlin leiden 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an starkem Übergewicht mit krankhafter Veränderung des Stoffwechsels (Adipositas).

Die gesundheitlichen Folgen sind der BZgA zufolge Veränderungen bei den Blutwerten, eine geringere körperliche Fitness sowie ein schnellerer Verschleiß von Gelenken. Als Ursachen gelten fett- und zuckerreiche Ernährung, zu wenig Bewegung, zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf, Stress und zum Teil auch die Erbanlagen.

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Zu wenig Kontrolle bei Alkoholverkauf

AltersgrenzeZu wenig Kontrolle bei Alkoholverkauf

Prost! Jugendliche Testkäufer kommen immer noch an Alkohol – wie Schwerpunktaktionen zeigen Foto: dpa

Stuttgart – Eigentlich ist das System an der Kasse narrensicher. Alkohol wird mit einem roten Signal quittiert – keine Abgabe an Kunden unter 18, im Zweifel den Ausweis vorlegen lassen. Eigentlich sind auch die Lockvögel ehrlich. Würden sie gefragt, ob sie älter als 18 sind, dann würden sie mit Nein antworten. Und eigentlich geht aus dem Personalausweis das tatsächliche Alter eindeutig hervor – das entscheidende Stichdatum wäre heute der 30. Dezember 1996.

Eigentlich. Doch die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes werden noch immer viel zu selten beachtet. Trotz verschärfter gesetzlicher Bestimmung. Trotz der Möglichkeit für Behörden, Jugendliche als Lockvögel einzusetzen.

Eine aktuelle Testkauf-Aktion in Ludwigsburg, bei der zwei jugendliche Auszubildende unter Aufsicht von Polizei und Ordnungsamt auf Tour gingen, brachte ein ernüchterndes Ergebnis. Bei zehn von 17 Verkaufsstellen, also knapp 60 Prozent, kamen die Jugendlichen ohne große Schwierigkeiten an die für sie verbotenen Waren. „Entweder wurde kein Ausweis verlangt, oder es wurde trotz Ausweiskontrolle verkauft“, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn. Deshalb laufen seit Wochen im gesamten Landkreis großangelegte Schwerpunktkontrollen.

Davon kann in der Landeshauptstadt Stuttgart indes keine Rede sein. Nach verheißungsvollem Start im Sommer 2010, als das Landessozialministerium den Einsatz jugendlicher Testkäufer freigab, findet die Lockvogel-Aktion von Stadt und Polizei inzwischen nur noch selten statt. Und das, obwohl die Stadt den Kurs eigentlich noch verschärfen wollte. 2012 hatte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer an befristete Alkoholverbote gedacht und auf eine entsprechende Novellierung des Polizeigesetzes gehofft. Stattdessen aber wurde der Aufwand zurückgefahren. Selbst das Streetwork-Projekt der mobilen Jugendarbeit gegen ­Alkohol-Exzesse in der Vergnügungsszene wurde eingestellt. Der Gemeinderat wollte keine 200 000 Euro dafür investieren.

Dürftig sieht es auch mit den Alkohol-Testkäufen durch Jugendliche aus. Im Jahr 2014 gab es lediglich einmal eine größere Kontrolle von Stadt und Polizei in der Innenstadt – im Juli. Während des Frühlings- und Volksfestes gab es an vier Tagen Kontrollen auf dem Wasen – teils immerhin auch in Geschäften in Bad Cannstatt. Die nächsten Kontrollen gab es erst wieder beim Weihnachtsmarkt und lediglich in einem einzelnen Geschäft in der Innenstadt.

„Der Umfang der Kontrollen ist angesichts der Wichtigkeit wirklich zu gering“, räumt Stadt-Sprecher Fabian Schlabach ein. Man sehe es aber als Aufgabe an, „die Leichtigkeit, mit der man sich ohne Vor­planung auf die Schnelle Alkohol im Handel beschaffen kann, zu unterbinden“. Und ­dabei repräsentieren das Zentrum und der ­Neckarpark nicht einmal die ganze Stadt. Andere Stadtteile sind von Testkäufen weit entfernt: „Eine Ausweitung wäre sehr wünschenswert“, heißt es im Rathaus, „sie scheitert aber an den personellen Ressourcen.“

Da geht es rund um die Landeshauptstadt schon ganz anders zu. Offenbar ist in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen mehr Personal vorhanden – denn seit mehreren Wochen rollt dort bis zum Jahresende eine Schwerpunktaktion. Mit zumeist ernüchternden Ergebnissen. Am Ludwigsburger Weihnachtsmarkt beispielsweise wurde bei vier Stichproben in drei Fällen Glühwein mit Schuss an Jugendliche verkauft – und auch in Ladengeschäften war die Bilanz kaum besser.

In Möglingen, Tamm und Kornwestheim wurden 19 Verkaufsstellen durchleuchtet, dabei gerieten acht Verkäuferinnen auf die schwarze Liste. Besser war die Bilanz in Korntal-Münchingen, wo es nur in zwei von acht Geschäften Alkohol gab. In Bietigheim-Bissingen und Kirchheim am Neckar mussten fünf von zwölf getesteten Verkaufsständen beanstandet werden.

Auch in Böblingen wurden die Lockvögel immer wieder fündig. In sieben von 16 Geschäften, eine Quote von immerhin knapp 44 Prozent, wurde Alkohol verkauft. Dabei verzichtete das Verkaufspersonal in fünf Fällen auf die Vorlage des Personalausweises, obwohl das Kassensystem Alarm schlug. Zwei Angestellte ließen sich den Ausweis zeigen, verkauften aber trotzdem. Die Sünder erwartet ein Bußgeld zwischen 250 bis 300 Euro. Besitzer, die ihren Laden wiederholt nicht im Griff haben, müssen gar mit bis zu 3000 Euro Bußgeld rechnen.

Das Rätsel, warum Verkäufer trotz automatisierter Warnung an der Kasse Alkohol verkaufen, hat die Polizei inzwischen klären können. „Die Betroffenen haben sich schlicht verrechnet und einen Denkfehler begangen“, sagt Polizeisprecher Widenhorn: „Wenn die Kasse das Stichdatum Dezember 1996 anzeigt, wird einer mit Geburtsjahr 1998 irrtümlich für älter gehalten.“

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„Mutterblues“: Burmester über die Trauer, wenn das Kind geht

Es ist eine spezielle Form des Liebeskummers: Wenn die Kinder flügge werden und das Haus verlassen. Wie schwierig diese Zeit für Eltern sein kann, darüber redet kaum jemand. Journalistin und Autorin Silke Burmester hat ein schonungslos ehrliches Buch über den „Mutterblues“ geschrieben.

Bei Burmester begann es, als der Sohn 14 war. Da fiel ihr auf, dass er sich „in sein Pubertäts-Schneckenhaus“ zurückzog. Sie war nicht mehr die wichtigste Bezugsperson. Sie fühlte sich traurig, frustriert, zurückgesetzt. Doch darüber geredet hat sie nicht. Burmester dachte, sie tickt nicht richtig. Vom Kopf her war ihr auch völlig klar, dass es normal ist, dass Jugendliche sich lösen, mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen. Doch ihr Herz sagte etwas ganz anderes. Der Schmerz war so groß, dass sie im Internet recherchierte, ob sie eine ernsthafte psychische Störung habe.

Die Erkenntnis: Andere leiden auch

Erst in Gesprächen mit anderen Müttern merkte die heute 50-Jährige, dass sie nicht alleine ist. Eine dieser anderen Mütter brachte dann das Wort Liebeskummer ins Spiel, und Burmester erkannte: „Es ist wie die einseitige Auflösung einer Liebesbeziehung, in der jemand zurückbleibt, der das überhaupt nicht will.“

Die „Spiegel“- und „taz“-Kolumnistin widmet sich in ihrem Buch diesem Gefühl des Kummers, der Verlassenheit. „Es geht um die Irrationalität von Gefühlen“, sagt die Autorin im Gespräch mit t-online.de. „Ich habe das Buch ganz bewusst für Frauen geschrieben. Nicht für Eltern allgemein, oder gar für Experten.“

Die Verlustgefühle kamen unerwartet

Ihr hätte es geholfen, meint sie, wenn ihr jemand vorher gesagt hätte, dass das Flüggewerden ihres Sohnes sie traurig machen würde. Es traf sie selbst sehr unerwartet. Sätze wie „Die Zeit mit Kindern geht so schnell vorbei“ habe sie für Altweiber-Geschwätz gehalten. 

Burmester hatte da ganz andere Vostellungen. Sie schreibt: „Ich hatte gedacht, die Entwicklung meines Kindes und meine würden Hand in Hand vonstattengehen. Gemeinsam würden wir in das Morgen aufbrechen wie in einem Film mit Happy End. Tun wir aber nicht. Während mein Kind ein neues Boot besteigt, ein Boot namens ‚Abenteuer‘, bleibe ich am Ufer stehen und kann zusehen, wie es langsam am Horizont verschwindet.“

Gefühle zulassen und nicht wegreden

Silke Burmester (Foto: Eva Häberle)Wenn überhaupt, so werde das Thema in der Öffentlichkeit immer auf eine rationale Ebene gehoben. Doch darum gehe es ihr nicht. „Wir gestehen uns die Traurigkeit nicht ein“, sagt Burmester. Es gehe nicht um Tipps oder psychologische Erklärungen, sondern einfach darum, mit Anderen zu teilen, wie schlimm diese Abschiedsjahre für eine Mutter – und natürlich auch für einen Vater – sein können. 

Burmester möchte, dass die Trauergefühle der Eltern gesehen und angenommen werden. Weil diese Gefühle sonst „immer gleich weggeredet, für übertrieben befunden und mit Tipps zur Besserung versehen werden, weil man scheinbar nicht gewillt ist, sie auszuhalten.“

Auch wenn „Mutterblues“ ein Buch vornehmlich für Frauen ist, widmet Burmester sich auch den Leiden der Väter. „Es gibt viele Väter, denen es auch so schlecht geht“, sagt die Autorin. „Heute gibt es viele getrennte Eltern. Die Väter übernehmen die Erziehungsarbeit oft zur Hälfte mit. Das ist schön, weil die Verhältnisse zwischen Vätern und Kindern heute emotionaler sind.“ Aber das macht den Abschied von den großen Kindern auch für viele Väter schwer. 

So viele Abschiede auf einmal

Doch warum trifft die heutigen Mütter das Selbständigwerden der Kinder scheinbar so viel härter als frühere Müttergenerationen? Früher hätten Mütter natürlich auch gelitten, sagt die Autorin, aber die Nachkriegsgeneration habe die Zähne zusammengebissen.

„Bei den jetzigen Müttern fällt der Abschied in die Wechseljahre. Früher haben Frauen ihre Kinder mit Anfang, Mitte 20 bekommen. Sie waren 40, wenn die Kinder aus dem Haus gingen.“ Heute werden Frauen deutlich später Mutter, sie sind älter, wenn die Kinder ausziehen. 

So seien Frauen mit sehr vielen Abschieden auf einmal konfrontiert: „Die Wechseljahre sind eine Zeit des Abschieds, der Abwertung. Der Körper schrumpelt, bei der Beziehung ist oft auch die Luft raus, die Hormone machen zu schaffen. Dazu kommt dann noch, dass das Kind motzt ‚Ey, nerv mich nicht mit deinem Essen‘. Der einzige Mensch, der all die Jahre verlässlich dankbar war, ist nicht mehr da.“

Manchmal komme dazu noch der Abschied von den eigenen Eltern, wenn diese pflegebedürftig werden oder sterben. „Da löst sich einfach alles auf. Es ist ein großer Batzen, der zusammenkommt“, sagt Burmester. „Dann denkt man nur noch: Scheiße! Wo ist das Aufbauende, das Schöne?“

Licht am Ende des Tunnels

Gibt es wirklich nichts Gutes? Auf die Frage, wie der Auszug ihres 19-jährigen Sohnes Ben dann letztlich für sie war, lacht Burmester: „Es ist total toll!“. Und sie erklärt: „Es war gut, dass es endlich so weit war und dass es jetzt weitergehen kann. In dem Moment, wo ich vor seinem neuen Wohnhaus stand und er ausgezogen war, fielen 19 Jahre Verantwortung von mir ab. Ich habe danach drei Tage lang fast nur geschlafen. Jetzt habe ich ein höheres Energielevel.“ Es helfe ihr natürlich auch zu sehen: „Dem geht’s wahnsinnig gut“.

Am Ende gibt Burmester dann doch noch ein paar Tipps in ihrem ausdrücklichen Nicht-Ratgeberbuch. Sie schreibt: Punkt 1, 2 und 3 seien „Lassen Sie die Trauer zu!“ Das klinge bescheuert, scheine aber das Einzige zu sein, das hilft. „Unter Punkt 4 bis 10 fänden sich dann Ermunterungen, wilde Dinge zu tun. Ichbezogene, sinnliche Dinge, die helfen, dem Seelenschmerz ein Gefühl entgegenzusetzen, das es mit der Kraft der Bedrücktheit aufnehmen kann: Lebendigkeit.“

Buchtipp: Silke Burmester: „Mutterblues – Mein Kind wird erwachsen, und was werde ich?“ Verlag Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04952-7.

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