Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, will die Altersfreigabe für Onlinespiele ändern: „Die Altersfreigabe ab Null vermittelt den falschen Eindruck, die Spiele seien schon für Kleinkinder geeignet“, sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). „Kein Kleinkind braucht ein Tablet, Smartphone oder einen Computer.“
Kinder sollten erst die reale Welt kennenlernen
In diesem Alter gehe es darum, die reale und nicht die virtuelle Welt zu erobern. „Ruhigstellen per Computerspiel, das geht gar nicht“, mahnte Mortler demnach. Mortler fordert darüber hinaus, die Maßstäbe für die Alterseinstufungen über „Gewalt und Sexualität“ hinaus um das Thema „Suchtpotential“ zu ergänzen. Dies betreffe insbesondere Onlinespiele, die Kinder und Jugendliche dazu verleiten würden, immer weiter spielen zu wollen.
Viele Spiele wiesen sehr gut erkennbare Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen auf: „Wer den Rechner abschaltet, verliert in der virtuellen Welt Punkte, Ansehen oder sogar das Leben seines Avatars.“ Wer dagegen online bleibe, werde zum „digitalen Helden“, kritisierte Mortler.
Ende September hatte der nationale Drogen- und Suchtrat im Hinblick auf die frühkindliche Computerspielnutzung empfohlen, die Altersfreigabe „Ab 0 Jahren“ zu überprüfen.
Bislang gibt es fünf offizielle Altersstufen: Computerspiele werden danach ab 0, ab 6, ab 12, ab 16 oder ab 18 Jahren freigeben. Zuständig für die Einstufung ist die freiwillige Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware (USK). Staatliche Vertreter erteilen am Ende eines USK-Verfahrens die Alterskennzeichen.
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Unterkünfte in Stuttgart-VaihingenDie Zahl junger Flüchtlinge steigt weiter
Vaihingen – Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Stuttgart kommen, steigt konstant. Das gilt auch für die Zahl der Minderjährigen, die ohne Begleitung unterwegs sind. Diese werden vom Jugendamt betreut und in speziellen Einrichtungen untergebracht. Auch in Vaihingen gibt es solche Unterkünfte. In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats informierte das Jugendamt über die derzeitige Betreuungssituation im Stadtbezirk.
Seit April sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, abgekürzt UMF, im ehemaligen Hotel Gambrinus an der Möhringer Landstraße untergebracht. Das Gebäude sei „ein Glücksfall“ gewesen, da man es nur wenig umbauen musste, sagte Lucas-Johannes Herzog von der Abteilung Erziehungshilfen beim Jugendamt. Eigentlich vorgesehen waren 28 Plätze. Tatsächlich untergebracht sind dort derzeit aber rund 70 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Sie stammen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea und Pakistan. „Auch uns geht es nicht anders als dem Sozialamt, die Zahlen steigen enorm“, so Herzog. Tatsächlich sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2014 hatte das Jugendamt insgesamt 216 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zu betreuen. Allein bis zum Stichtag 30. September in diesem Jahr sind es bereits 613 junge Menschen gewesen.
Die Unterkunft im Hotel Gambrinus ist nur interimsweise eingerichtet worden; zunächst bis Mitte 2016. Eine weitere Einrichtung soll in etwa zwei Wochen bezogen werden. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Hort an der Robert-Koch-Straße. Dort sollen 18 weitere Jugendliche einziehen. Aber auch dieser soll nur zeitlich begrenzt genutzt werden. Im Moment gehe es nur darum, „die Not zu lindern“, so Herzog – bis zwei neue Großstandorte in Stuttgart-Mitte und Stuttgart-Ost bezogen werden können, die derzeit in Planung sind.
Der Einrichtungsleiter David Bayer berichtete im Anschluss vom Alltag der Jugendlichen. Diese werden von 23 Sozialpädagogen rund um die Uhr betreut; es gibt außerdem einen Wachdienst. Freizeitaktivitäten werden unter anderem in Kooperation mit dem Jugendhaus Vaihingen angeboten. Natürlich gebe es bei so vielen Jugendlichen auf engstem Raum auch mal Konflikte. „Es wird nie langweilig“, so Bayer. Dies sagte er mit einem Augenzwinkern; ein wenig Ernst wird aber sicher auch dabei gewesen sein.
Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärm oder Schmutz gebe es allerdings kaum. „Und wenn doch, versuchen wir das schnell zu klären. Wir haben bislang nur gute Erlebnisse gehabt“, berichtete Bayer. Überhaupt sei man sehr dankbar über den freundlichen Empfang in Vaihingen. „Wir haben mehr ehrenamtliche Helfer als eigentliches Personal im Haus“, so der Einrichtungsleiter. „Wir sind froh, dass wir dort gelandet sind.“ Auch Herzog lobte die Willkommenskultur in Vaihingen. „Wir haben viel Unterstützung erlebt, von Nachbarn, vom Fanny-Leicht-Gymnasium, vom Freundeskreis Flüchtlinge und mehr.“
Die Grünen-Bezirksbeirätin Edith Weitbrecht fragte nach einer Möglichkeit, mit Spenden zu unterstützen. Dies sei über die Stadtkasse möglich, so Herzog. Uli Bayer (CDU) ließ sich genauer erklären, wie es mit dem Schulbesuch der Jugendlichen funktioniert. Diese bekommen zunächst ein alltagsorientiertes Schulungsprogramm, nach sechs Wochen besuchen sie einen Sprachkurs, der die Voraussetzung für den Schulbesuch ist. „Manche lernen langsam, manche erstaunlich schnell. Andere sind Analphabeten und müssen erst einmal lesen und schreiben lernen“, sagte Herzog. Für den Unterricht beschäftigt das Jugendamt Fachkräfte, die über Projektmittel finanziert sind.
Wolfgang Georgii (CDU) wollte wissen, wie lange die Jugendlichen in Vaihingen bleiben und wo sie danach hingehen werden. „Normalerweise drei Monate. Aber derzeit gibt es zu wenige Anschlussplätze in der Jugendhilfe, daher müssen sie länger bleiben“, so Herzog.
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Es sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die etwa Kriegsspiele und Ego-Shooter spielen. Was machen die da eigentlich? Ein Forscher hat mitgespielt und Buch geführt – nun wird er dafür ausgezeichnet.
Ehrung für Spiele-Forscher
„Erst nachdem wir jede Menge Schaden angerichtet hatten, wurden wir von einer Panzerfaust in die Luft gesprengt. Zufrieden waren wir aber allemal.“ So fasst der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither (Universität Tübingen) in seiner Doktorarbeit ein Gefecht in einem Computerspiel zusammen, an dem er mit anderen Spielern teilgenommen hatte. Insgesamt spielte Bareither hunderte Stunden selbst bei diversen Spielen mit, um virtuelle Gewalt zu erforschen. Am 8. November erhält er für seine Dissertation in Berlin den Studienpreis der Körber-Stiftung aus den Händen von Bundestagspräsident Norbert Lammert.
Spielen als komplexes Vergügen: Den Umgang mit Emotionen lernen
Gewalt in Computerspielen bereitet Spielern nach Bareithers Erkenntnissen ein „hochkomplexes Vergnügen“: Sie erlebten Dominanz und Freude, Hochs und Tiefs, ja sogar Mitleid und Schuldgefühle. „Es steht dem Kinobesuch oder dem Fußballspielen in nichts nach“, sagte Bareither der Deutschen Presse-Agentur. Und betont: Er wolle virtuelle Gewalt nicht verharmlosen. Gleichwohl müsse man das Potenzial der Spiele, Emotionen hervorzurufen, anerkennen. „Sonst grenzt man alle Computerspieler aus und es kommt zu keiner vernünftigen Debatte.“ Diese sei nötig, um eine angemessene Kritik an virtueller Gewalt jenseits moralischer Vorurteile zu ermöglichen.
Für manchen mögen Bareithers Ergebnisse nach streitbaren Thesen klingen. „Ich würde das voll unterschreiben“, sagt dagegen der Computerspielforscher Professor Maic Masuch (Universität Duisburg-Essen). Er gab Ende der 90er Jahre erste Computerspiel-Seminare, weil er selbst gern spielte und besetzte Deutschlands wohl erste Professur in diesem Bereich. Er betont, viele Spiele lägen heute auf hohem erzählerischem Niveau, Charaktere seien vielschichtig – und manche Spieler setzen sich über Jahre mit einem Spiel auseinander. „Das geht dann sogar weit über einen Kinobesuch hinaus“, sagt Masuch.
Anders als in Masuchs Anfangszeit hat Computerspielforschung heute an vielen deutschen Universitäten Einzug gehalten. Die Zugänge und Methoden variieren je nach Disziplin: Informatiker und Politikwissenschaftler mischen in dem Feld ebenso mit wie die Geisteswissenschaften – mit unterschiedlichen Methoden.
Bei der Computerspielforschung standen mögliche Wirkungen, gerade von „Gewaltspielen“, lange im Fokus. Etwa nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 hoffte man auf Erkenntnisse. Doch diese blieben uneinheitlich. Nach Masuchs Einschätzung ist es „ungeheuer schwierig“, bei Computerspielen überhaupt Prinzipien von Ursache und Wirkung herzuleiten. Pauschalisierte Aussagen wie „15 Minuten Konsum von Gewaltdarstellungen pro Tag machen Jugendliche gewalttätig“ klängen zunächst naheliegend, seien aber wissenschaftlich unhaltbar. Sinkende Empathie durch viele Gewalterlebnisse am Computer hält aber auch Masuch in der Gesamtwirkung für wahrscheinlich.
Die eine eindeutige Antwort gibt es vielleicht gar nicht: Der Psychologe Dietrich Dörner (Universität Bamberg) nannte „Killerspiele“ einmal den „geborenen Sündenbock“: Sie ersparten jedes Nachdenken über tatsächliche Gewaltursachen.
Auch Bareither schließt mögliche Wirkungen von Spielen auf die Spieler nicht aus, wie er sagt. Für ihn ist die zentrale Frage aber, was die Spieler mit den Spielen machen und was sie damit erleben. Um das zu erforschen, knüpfte er Kontakte in die Szene und wurde zum Mitspieler. „Ich habe ein detailliertes Forschungstagebuch geführt auf einem Laptop neben dem Spielen“, sagt Bareither. Darin hielt er das Spielgeschehen ebenso fest wie die Äußerungen der Mitspieler: Ausrufe wie „Bäm!“ oder „Wie die wegfliegen, wie lustig!“ beim Erschießen von Gegnern.
Manche Äußerungen fand Bareither durchaus bedenklich, wie er sagt. Hasstiraden und Lachen, etwa während eines virtuellen Amoklaufs, bewegten sich „an einer Tabugrenze“. Als Spiel mit dem Tabubruch ordnet er auch ein, dass Mitspieler sich in einem historischen Spiel als Deutsche „natürlich“ auf die Seite der Wehrmacht schlugen.
Allerdings beobachtete Bareither immer wieder auch Momente, in denen Gewalt unvergnüglich wird und Spieler das auch wahrnehmen. Ein Unwohlsein habe er zuerst an sich selbst, später bei anderen bemerkt. Bareither analysierte YouTube-Videos und Computerspielzeitschriften und führte Interviews mit Spielern. Manche seien dabei zu Erkenntnissen gelangt wie „Eigentlich ist da ja ziemlich krass, was wir hier machen“, erzählt Bareither. „Andere sind hochgradig selbstreflexiv.“ Unter Spielern werde darüber aber nicht gesprochen. „Da steht Spaß im Mittelpunkt.“
Als Forscher selbst derart involviert zu sein, sei generell problematisch, erläutert Masuch. „Es kann sehr schwierig sein, die nötige Neutralität und Distanz herzustellen.“ Für Bareither war das – natürlich nur im Spiel – eine Frage von Leben und Tod: Sein Avatar wurde oft erschossen, weil er gerade Notizen machte und abgelenkt war.
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Was Teenager so von sich geben, ist ihnen später gern mal peinlich. Alte Tagebücher lesen? Unangenehm! Nahko Bear hat nicht nur den Blick in die Vergangenheit gewagt, sondern seine pubertären Ergüsse zu Songs gemacht. „My Name Is Bear“ ist sein erstes Solo-Album. Seine Band, mit der er für gewöhnlich unter dem Namen Nahko and Medicine for the People auftritt, durfte trotzdem mitmachen. Wieso es genau so richtig ist, erklärt der 32-Jährige im Interview mit n-tv.de. Er spricht über seine Scheu vor der Liebe und Pilz-Trips mit Elch.
n-tv.de: Sie nennen sich Nahko Baer wie der Bär. Ist der Teddy eigentlich das beliebteste unter den Fan-Geschenken?
Nahko Bear: Wirklich viele Bären habe ich noch nicht bekommen, dafür aber einen verdammt riesigen. Ich dachte erst, das sei ein Scherz. Ich wünschte, ich hätte Merchandise-Teddys machen lassen … Ich bin mit neun Monaten adoptiert worden. Das erste Geschenk, das ich bekommen habe, war ein Teddy-Bär. Er hat mir immer viel bedeutet. Als ich mit 16 von zu Hause weggegangen bin, habe ich ihn nicht mitgenommen. Aber als ich mich für mein aktuelles Album mit meiner Vergangenheit beschäftigt habe, habe ich ihn mir wiedergeholt. Er heißt Bridges.
Wieso hängen Menschen auch nach vielen Jahren noch an den Kuscheltieren aus ihrer Kindheit?
Ein Stofftier ist wie ein Totem – ein Stück Vergangenheit, das einem Halt gibt. Es kann eine heilende Wirkung haben.
„My Name Is Bear“ haben Sie als Solo-Album herausgebracht. Auf Tour ist Ihre Band dabei, doch Sie erzählen allein Ihre eigene Geschichte. Fühlt sich das komisch an?
Manchmal muss man sich einer Arbeit aus unterschiedlichen Richtungen nähern, damit sie als Gesamtkunstwerk Sinn ergibt. Chance the Rapper zum Beispiel hat drei Solo-Alben mit ähnlichen Cover-Motiven herausgebracht. Auf jedem ist sein Gesicht zu sehen. Beim ersten Album guckt er nach oben. Er schaut hinaus zur Musikindustrie und weiß nicht, wie er sich an sein Ziel navigieren soll. Auf dem zweiten guckt er den Betrachter an. Er sieht ihn, erkennt sich, ist auf dem richtigen Weg. Auf dem dritten Album-Cover guckt er nach unten auf seine Erfolge herab: Er hat es geschafft! Hinter all dem steckt also ein Konzept. In der Anthologie von Medicine for the People ist „My Name is Bear“ wie eine Fußnote. Die Songs auf dem Album habe ich vor 12 Jahren geschrieben. Es wäre unangebracht gewesen, sie unter dem Namen der Band zu veröffentlichen. Sie gehören in ein anderes Kapitel unserer Geschichte.
Wie war es, wieder in Ihre Gedanken und Emotionen aus Teenagerjahren einzutauchen?
Das war definitiv seltsam. Ich befinde mich gerade in einer Phase intensiver Transformation. Ich entdecke Verhaltensmuster, mit denen ich mich bislang nicht konfrontiert habe. Es geht dabei nicht um eine Sache im Speziellen. Mir fallen Kleinigkeiten auf, die mir zeigen, dass ich mein Leben ändern muss. Darauf wäre ich nie gekommen, wenn ich mich nicht mit meinen alten Songs oder meinen Tagebüchern beschäftigt hätte. Der Prozess ist durchaus unangenehm. Die Texte sind etwas kitschig und auch ein bisschen unreif. Wo ich nun aber reif genug war, die passende Musik dazu zu schreiben, ist etwas völlig Neues entstanden.
Hat sich die Bedeutung der Songs für Sie verändert?
Absolut. Spannend ist auch, wie andere sie verstehen. „Dragonfly“ handelt davon, wie ich beinahe ein Kind bekommen hätte mit dem Mädchen, von dem ich dachte, ich sei in es verliebt. Ich war 18, ich habe sie verlassen. Da hat sie gesagt: „Aber ich bin schwanger!“ Stimmte aber nicht. Das Dragonfly-Symbol (eine Libelle; Anm. d. Red.) steht für Stärke und Mut. Bei dem Musikvideo habe ich mit Paris Jackson zusammengearbeitet. Sie hat sich auf ihre ganz eigene Weise in dem Song erkannt und ihn entsprechend interpretiert. Es ist toll, wenn es einem gelingt, etwas zu schreiben, das jemand liest und sagt: Wow, das ist mein Leben!
Wie wichtig ist Storytelling für einen guten Song?
Wir erleben da gerade eine ernüchternde Zeit. In der Branche ist man völlig fokussiert auf Musik, bei der es nicht auf Texte ankommt und die auch nicht zum Nachdenken anregt. Es heißt immer: Die Kids wollen einfach nur tanzen. Das stimmt natürlich irgendwie – ich will auch tanzen. Aber ich will noch mehr von Musik. Wahre Geschichtenerzähler überleben kaum am heutigen Markt. Trotzdem wird es sie immer geben. Geschichten sind überall, wir leben Geschichten. Kann sein, dass Teenager und junge Erwachsene gerade einfach nur zu knackigen Beats abschalten wollen, aber das wird sich auch wieder ändern.
Wieso schreiben Sie keine Liebeslieder im klassischen Sinne?
Vermutlich, weil ich Liebe in meinem Leben immer vermieden habe. Mann, das ist ganz schön tiefgründiger Scheiß … Es gibt noch kein Liebeslied, weil ich mir die Liebe nicht erlaubt habe. (grinst plötzlich) Wie klingt das?
Als müssten Sie es erklären …
Ich habe mich dem Einfluss der Liebe entzogen, weil ich Wunden aus der Vergangenheit habe, die noch nicht verheilt sind. Ich wollte immer anderen helfen, Traumata zu überwinden. Zu mir selbst bin ich noch nicht gekommen. Aber auch wenn ich keine typischen Liebeslieder geschrieben habe – über Herzschmerz oder Kribbeln im Bauch, steckt doch Liebe in meinen Songs. Es geht ums Erwachsenwerden, darum, sein Zuhause zu verlassen, um Verlust. Und um psychedelische Drogen.
Meine Mutter hat mich kürzlich zum Gespräch gebeten. (verstellt die Stimme) „Also, ähm, ich wusste ja gar nicht, dass du Psychedelika konsumiert hast … Ähm … Musst du immer high sein, wenn du Musik schreibst?“ Ich habe ihr erklärt, dass ich durchaus auf Drogen arbeiten könnte, es aber nicht tue. Nur kann ich meine Erfahrungen in meinen Texten nicht ausklammern. Ich möchte ehrlich sein. Als ich von zu Hause weg bin, habe ich die Welt der Pilze und des LSD entdeckt – und Literatur und Musik, die den Konsum für in Ordnung erklären. Bizarres Zeug! Ich habe damals in Alaska im Wald gewohnt. Da ist eine Menge abgefahrenes Zeug passiert. Bei meinem ersten Pilz-Trip bin ich einer Elchkuh begegnet. Die hat mich angegriffen!
Ich war mit dem Fahrrad unterwegs. Es war Sommer, ich hatte Shorts an, kein Shirt, einen Rucksack auf dem Rücken. Ich hatte eine fabelhafte Zeit. Plötzlich ist mitten auf dem Weg eine alte Frau aufgetaucht. Ich bin ins Schlingern geraten. Sie hat mich so intensiv angeguckt, also habe ich angehalten und sie hat mich gefragt: „Sagen Sie mal, greifen Elche Menschen an?“ Ich habe mich daran erinnert, dass man mir vor meiner Reise gesagt hat: „Leg dich nicht mit Elchen an! Elche sind gefährlicher als Bären, die verteidigen ihr Gebiet. Die sehen dich und denken sich: 'Fuck you, Bitch!' Und dann rennen die dich um.“
Dann habe ich die Elchkuh entdeckt. In meinem Zustand erschien es mir ungemein wichtig, ein Foto von dem Tier zu machen – für meine Mutter. Also bin ich mit meiner Einwegkamera auf die Elchkuh zugelaufen. Ich merke noch, wie der das gar nicht passt, da rennt sie schon in einem Höllentempo auf mich zu. Ich konnte kaum ausweichen. Ich hab mir in die Hose gemacht. Ach, Psychedelika sind großartig!
Stimmt es, dass Sie statt Musiker genauso gut professioneller Sportler hätten werden können?
Wo haben Sie das denn gelesen? Das sind ja großartige Neuigkeiten! Lassen Sie uns über meine athletischen Fähigkeiten sprechen. (lacht) Ich habe so ungefähr jede Sportart ausprobiert. Machen doch die meisten Jungs. Richtig Karriere machen könnte ich im Bowling. Da würde ich Sie fertigmachen! Ich bin mal von einem Auto angefahren worden. Ich bin sturzbetrunken die Straße entlang gelaufen, da ist eine Karre in mich reingerast. Der Fahrer ist einfach abgehauen. Ich habe mir nichts gebrochen, aber mein Bein ist blau-schwarz angelaufen. Ich bin damit bowlen gegangen und habe trotz Verletzung alle abgezogen!
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Hilfe für chronisch kranke KinderSo wird eine Reha beantragt
Seit 2013 die neue Kinderreha-Richtlinie in Kraft getreten ist, dürfen auch Kinder und Jugendliche mit Adipositas – also Fettleibigkeit – zur Reha. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung ist aus medizinischer Sicht eine Rehabilitation für ein Kind dann angebracht, „wenn es erheblich erkrankt ist, aber die Chance besteht, dass die Gesundheit wesentlich gebessert oder wiederhergestellt werden kann“. Darunter fallen Krankheiten der Atemwege, der Haut, des Herz-Kreislauf-Systems, von Leber, Magen oder Darm, der Nieren und Harnwege, des Stoffwechsels sowie des Bewegungsapparates. Dies gilt auch für psychosomatische, neurologische und onkologische Erkrankungen.
Anträge auf Leistungen zur Rehabilitation für Kinder können bei der Renten- und bei der Krankenversicherung sowie den Versicherungsämtern gestellt werden. Der behandelnde Kinderarzt kann eine Rehabilitation empfehlen und Eltern beim beantragen unterstützen.
Eine Reha kostet 130 Euro pro Tag und Kind, sagt Alwin Baumann von der Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche in Wangen im Allgäu. Wird eine Reha genehmigt, werden alle Kosten für Verpflegung, Unterkunft und Anreise übernommen – falls notwendig auch für eine Begleitperson. Schüler erhalten Unterricht in den Hauptfächern. (fal)
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Von einer Karriere als Schriftstellerin träumen viele. Michelle Nkamankeng aus Südafrika lebt diesen Traum – im Alter von sieben Jahren.
Michelle hat Zahnlücken und trägt ein buntes T-Shirt – doch die Siebenjährige ist kein gewöhnliches Mädchen. Während gleichaltrige Kinder gerade Lesen und Schreiben lernen, hat Michelle bereits einen Roman veröffentlicht. Ihr Buch „Waiting for the Waves“ (Warten auf die Wellen), das sie in ihrer Heimat zum Star machte, kann beim Versandriesen Amazon bestellt werden.
Selbst getackert und geklebt
Mit grünen und violetten Stiften schrieb die Schülerin aus Johannesburg die Geschichte von Titi auf, einem kleinen Mädchen, das fasziniert ist vom Ozean und den großen Wellen. Das Originalmanuskript besteht aus in der Mitte gefaltenen DIN-A4-Seiten, die getackert und mit Tesafilm zusammengeklebt wurden, um wie ein echtes Buch zu wirken. Vorne stehen der Titel und der Name der Autorin, auf der Rückseite prangt ein selbstgemaltes Herz zu den Worten: „Ich hoffe, du hattest eine schöne Zeit beim Lesen dieses Buches“.
„Wollte, dass es eine Überraschung wird“
Das Schreiben an dem Buch hielt Michelle weitgehend geheim. „Mein Bruder und meine Schwester wussten es, weil sie immer in mein Zimmer gekommen sind“, berichtet Michelle. „Sie fragten immer, was ich da mache.“ Sie habe ihre Geschwister gebeten, den Eltern nichts zu erzählen. „Ich wollte, dass es eine Überraschung wird.“
Manuskript landete erstmal im Regal
Das war es – obwohl ihre Eltern wussten, dass Michelle ein Bücherwurm ist. Aber für ihren Traum, das Buch zu veröffentlichen, waren sie nicht sofort Feuer und Flamme. Die Mutter stellte das Manuskript erstmal ins Regal – „zwischen die Bibel, Wörterbücher und ein paar Zeitschriften“, wie Lolo Nkamankeng berichtet. Aber Michelle gab nicht auf. Einige Wochen später gab sie ihren Eltern ein zweites, dann ein drittes Buch.
Book release all is invited # Waiting for the Waves #7yrs old pic.twitter.com/ixNDmGcK1p
— Michelle Nkamankeng (@michelle_n23) 12. September 2016
Michelle hat keine Scheu vor Öffentlichkeit
Ein Jahr später halfen Michelles Eltern dem Kind schließlich dabei, das Buch „Waiting for the Waves“ selbst zu veröffentlichen. Schnell wurden Verlage und Medien darauf aufmerksam und luden Michelle zu Veranstaltungen und Interviews ein. Michelle wurde zu einer Sensation – nicht zuletzt, weil sie ohne Scheu in der Öffentlichkeit steht.
Vorbild für andere Kinder
„Wenn wir ehrlich sind, ist es eindeutig ein von einem Kind geschriebenes Buch“, sagt Colin Northmore, Direktor des Sacred Heart College in Johannesburg, wo Michelle zur Schule geht. „Es gibt vielleicht eine Million Kinder in der Welt, die so ein Buch schreiben könnten. Mehr als das Buch bin ich stolz auf Michelles Fähigkeit, sich mit so viel Selbstvertrauen auszudrücken.“
Stets übersprudelnd vor Freude sprach die junge Autorin schon in einem Saal vor 700 Gymnasiasten und in einem Gemeindezentrum für benachteiligte Jugendliche. Schuldirektor Northmore sieht Michelle als Vorbild für andere Kinder. „Sie hilft ihnen daran zu glauben, dass sie besondere Dinge schaffen können, weil sie ein Vorbild haben.“
Buch erscheint im Eigenverlag
Michelle rät anderen Kindern, „ihren Träumen zu folgen, immer an sich zu glauben und nicht zuzulassen, dass sich ihnen jemand in den Weg stellt“. „Und wenn Du nicht lesen kannst, kannst du auch nicht schreiben.“ Worüber die Siebenjährige nicht spricht, ist die Unterstützung, die sie erfährt: Ihre Mutter ist ihre Managerin, und sie gab 100.000 Rand (6600 Euro) aus, um ihrer Tochter den Traum vom eigenen Buch zu erfüllen.
Hausaufgaben müssen sein
Aber auch eine kleine Berühmtheit hat profane Dinge des Alltags zu erledigen: Hausaufgaben. Auf das Vokabelheft, das vor ihr auf dem Küchentisch liegt, hat Michelle geschrieben, wofür sich die Arbeit lohnt: „Ich muss diese Wörter lernen und in meinem Kopf speichern, um sie später benutzen zu können.“
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Stuttgart – Wer selbst in der Generation aufgewachsten ist, in der Videospiele aus Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken sind, kennt diese Szenen: Geschwister oder Freunde zanken sich, wer spielen darf. Dem anderen zugucken reicht nicht. Das war gestern. Heute beschränken sich viele Jugendliche ganz bewusst darauf, anderen beim Computerspielen zuzuschauen, wenn das Geschehen entsprechend unterhaltsam kommentiert wird – so wie von Izzi, der am Donnerstag 500 Fans in die Königstraßen-Filiale der BW-Bank gelockt hat.
Wer denkt, Computerspiele seien Jungensache, wurde schnell eines besseren belehrt. Izzi, 22 Jahre alt und aus Köln, hat zu seinem ersten öffentlichen Auftritt überhaupt ganze Scharen an Verehrerinnen angezogen. Anstatt klassischer Autogramme haben es die Jugendlichen auf Selfies abgesehen – Selbstporträts, die mit dem Smartphone geschossen werden.
Merlin Kuwerth hat schon seit 10 Uhr ihr Zelt vor der Bankfiliale aufgeschlagen und weiß genau, welche Qualitäten sie an Izzi, der mit Vornamen Alexander heißt und seinen Nachnamen nicht öffentlich machen will, schätzt: „Er ist eine Art Idol für uns. Er kommentiert seine Videos so lustig. Und außerdem ist er heiß!“ Die 19-jährige Theologiestudentin aus Freiburg, die selbst gerne am Computer spielt, ist eine der ältesten in der Fanschar des Youtubers. Alterstechnisch wird der Izzi-Durchschnittsfan eher durch Yves Bechtolsheim (10) repräsentiert. „Der macht so coole Gaming-Videos und unterhält die Leute einfach gut“, sagt er.
Diese Art von Unterhaltung muss man sich so vorstellen: Izzi filmt Spielszenen angesagter Videogames und erklärt, worum es da geht, was er gerade macht. Offenbar so gut, dass sein privat betriebener Youtube-Kanal im Internet heute 560 000 Abonnenten zählt, die seinen Let’s Plays folgen. So heißen die kommentierten Computerspiel-Aufzeichnungen im Youtube-Fachjargon.
Izzi hat den Durchbruch mit dem Spiel Minecraft geschafft, das dem Spieler enorm viele Freiheiten lässt und den Entwicklern von Microsoft für 2,5 Milliarden US-Dollar abgekauft wurde. Im wesentlichen geht es beim Spielprinzip darum, virtuelle Klötzchen zu verschieben. Ein bisschen erinnert das an Lego für den PC.
Heute zeigt Izzi auch Einblicke in seinen Alltag. Er filmt sich selbst beim Kochen oder auf Reisen. Fast alle Youtube-Stars zeigen sich auch von ihrer privaten Seite – so wollen sie Nähe zu ihren Fans herstellen. Izzi ist das offensichtlich gelungen.
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Unter dem Hashtag #NeverAgain demonstrieren Zehntausende US-Teenager derzeit ein neues Selbstbewusstsein und machen Politik von der Straße aus. Das haben vor ihnen auch schon andere versucht, in Deutschland zum Beispiel die 68er. Doch die Jugend von heute hängt keiner gesamtgesellschaftlichen Utopie nach, sondern verlangt Machbares, wie etwa die Verschärfung der Waffengesetze. Der Protestforscher Dieter Rucht vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) erklärt im Gespräch mit n-tv.de, was die Protestjugend unangreifbar macht und warum sie trotzdem in Gefahr ist.
n-tv.de: Herr Rucht, an der Spitze der aktuellen Proteste für verschärfte Waffengesetze in den USA steht die Jugend. Wieso sind es oft die Jungen, die gegen Missstände protestieren?
Dieter Rucht: Ein wichtiger Punkt ist, dass Jugendliche moralisch sensibel sind. Über die Kluft zwischen dem, was da offiziell an hehren Werten verkündet wird, und dem, was real passiert, können sie sich sehr empören. Erwachsene sind da abgebrühter. Sie haben in der Tendenz schon fast ein zynisches Verhältnis zur Politik – und sagen: „Das kann man nicht ändern. So sind nun mal die Dinge.“
Wie optimistisch sind Sie denn für die „March for our lives“-Bewegung?
Die Chance, dass sich etwas ändert, ist größer als je zuvor. Das liegt hauptsächlich daran, dass es einerseits eine eher spontane Massenbewegung, anderseits die Möglichkeit von Bündnissen mit bestehenden Organisationen gibt. Es existieren etablierte Gruppen – zum Beispiel Teile der Demokratischen Partei, die das Problem seit Jahren auf dem Schirm haben. Und nun kommt der Faktor Jugend hinzu. Die Jugendlichen kann man nicht so leicht diskreditieren. Man kann sie vielleicht naiv finden, aber man kann ihnen nicht vorwerfen, sie würden parteipolitische Spielchen treiben. In dieser Kombination macht das die Proteste zu mehr als einem Strohfeuer.
Versuche, einzelne Führungsfiguren anzugreifen, gibt es aber durchaus …
Wenn auf der Gegenseite Millionen Menschen stehen, die begeistert eine Waffe tragen wollen, dann gibt es natürlich Angriffe – die gehen dann auch auf Äußerlichkeiten oder die vermeintliche Herkunft. Es wird versucht, einen schwarzen Fleck auf der Weste Einzelner zu finden.
Wie wichtig sind Anführer wie etwa die 18-jährige Emma Gonzalez?
Sie sind vor allem hilfreich, wenn es darum geht, öffentlich wahrgenommen zu werden. Die Medien wollen Gesichter zeigen. Sie wollen jemanden, der für das große Ganze steht. Und sie können wenig mit einer diffusen Bewegung anfangen, in der es keinen Sprecher gibt. Häufig werden Personen zu Anführern gemacht, die es de facto gar nicht sind – die aber durch diese öffentliche Positionierung dann tatsächlich zu Führungspersonen werden.
Ist das nicht ein bisschen viel für einen Jugendlichen?
Das hängt natürlich sehr von der Person und ihrem Umfeld ab. Manche Leute heben dann sehr schnell ab und bieten medial genau das, was von ihnen erwartet wird. Irgendwann tritt aber auch bei ihnen oder den Medien eine Ermüdung ein. Ich sehe es schon als mögliche Gefahr, wenn junge Leute vorgeschoben werden und man sich mit ihnen schmücken will. Was davon ist authentisch? Und was ist eine Instrumentalisierung dieser Person? Es gibt Jugendliche, die das gut machen, die clever sind – diese will ich keinesfalls kritisieren. Sie dürfen aber nicht verschlissen werden.
Eigentlich fordern die Jugendlichen ja nichts, was nicht umsetzbar wäre: Nicht einmal das Recht auf Waffenbesitz soll angetastet werden. Ist die Jugend von heute pragmatischer?
Nach der 68er Studentenbewegung sind die Forderungen von Protestgruppen in Deutschland kleinteiliger geworden. Teilweise wurden sie sogar von der Politik beklatscht. Die Jugend mag heute keine sichtbare gesellschaftliche Utopie mehr haben, aber am wesentlichsten ist: Damals in den 1960ern war der Protest keine Ein-Punkt-Bewegung. Es gab keine isolierten Forderungen wie zum Beispiel: „Wir wollen 'nur' den Vietnam-Krieg beenden“. Oder: „Wir wollen 'nur' die Universitäten demokratisieren“. Die Bewegung war sehr breit angelegt und verfolgte ein ganzes Bündel von Zielen. Jetzt haben wir es nicht mit einer sozialen Bewegung zu tun, sondern mit einer politischen Kampagne, die sich auf die Waffengesetzgebung in den USA konzentriert. Damit haftet ihr ein realistischer Zug an. Und die Protestierenden können nicht mehr einfach als Träumer abgestempelt werden.
Nehmen wir die Jugend generell nicht ernst genug?
Sie ist ganz klar unterrepräsentiert – in allen politischen Gremien. Es geht auch gar nicht darum, eine numerische Präsenz zu erreichen, sondern der Jugend eine Stimme zu geben. Langfristig tut sich da etwas. Noch im 19. Jahrhundert sind der Erfahrungsschatz, das Wissen über die Welt und alltägliche Dinge mit dem Alter gewachsen. Bei archaischen Stämmen gab es den Ältestenrat – also diejenigen Leute, die die Beschlüsse gefasst haben für die gesamte Gemeinschaft. Jetzt sehen wir eine partielle Umkehrung dieser Bedingungen: Die Jungen wissen teilweise mehr als die Alten, nicht zuletzt durch den Gebrauch neuer Medien. Das Wissen um die Welt hat sich demokratisiert. Warum sollen also nicht die Jungen ihre eigenen Ansichten und Urteile haben und in der Politik mitmischen?
Das klingt ein bisschen nach Generationenkonflikt …
Ich glaube, der Generationenkonflikt ist gar nicht so stark. In den 1950er- und 1960er-Jahren spielte er eine weitaus größere Rolle. Es gab damals die Halbstarken-Krawalle. Es gab die Auflehnung gegen die Elterngeneration – da ging es um Haarlängen, um Kleidungsstil und natürlich auch um Politik. Diese relativ scharfen Gegensätze haben sich abgeschliffen, weil die Gesellschaft liberalisiert wurde. Die Toleranz für abweichendes Verhalten ist heute viel größer. Und Punkte, an denen sich Protest früher entzündet hat, bieten weniger Reibungsfläche.
Sie haben gesagt, Protest sei das „Frühwarnsystem der Gesellschaft“. Wie meinen Sie das?
Die Politik reagiert mit einer gewissen Verzögerung auf gesellschaftliche Probleme und zwar vor allem erst dann, wenn sie sich in Wählerstimmen auszuwirken drohen. So lange aber der Eindruck vorherrscht, es gebe nur ein paar Nörgler, passiert wenig. In der Gesellschaft gibt es immer Potenziale der Unzufriedenheit. Das Protestgeschehen ist ein Indikator dafür, wo sich diese kritischen Potenziale bündeln. Vieles mag nur Geräuschkulisse sein und verpufft irgendwann. In den meisten Fällen gehen die Leute ein paar Mal auf die Straße und dann schläft das Ganze ein. Manchmal gibt es aber Verdichtungen und die zeigen unter Umständen Probleme an, die von der etablierten Politik vorher nicht wahrgenommen wurden.
Bedeutet das, US-Präsident Trump kann die Proteste auch einfach aussitzen?
Solange der Eindruck vorherrscht, dass die Welle des Protests irgendwann versandet, muss man nicht reagieren. Aber das ist für die Politik vorab schwer zu kalkulieren. Und manchmal ist auch das Nicht-Reagieren ein Stimulus für diejenigen, die sagen: „Dann müssen wir noch einmal einen Gang zulegen.“ Dies kann entweder darin münden, dass die Proteste noch größer werden oder dass sie radikaler werden.
Sehen wir gerade einen Wandel in der Protestkultur der Jugend?
In ihren Einstellungen sind die Jugendlichen relativ stabil. Deutliche Schwankungen gibt es aber bei einzelnen Themen. Der Protest gegen den Irakkrieg 1991 war beispielsweise stark von Jugendlichen bestimmt – das hat man schon wieder vergessen. Ich würde mich nicht wundern, wenn es in Zukunft wieder ein verstärktes, sichtbares Engagement von Jugendlichen gibt. Gerade wenn wir uns die letzten Jahrzehnte in der Bundesrepublik vor Augen halten, gibt es zu viel Routine – zu viel Leerlauf, zu viel Kleinklein. Dadurch entsteht zunehmend der Eindruck, wir bräuchten eine Vision. „Wo soll es insgesamt hingehen?“ Auf diese Weise kann sich ein gewisses Unbehagen aufstauen, das sich dann auf die eine oder andere Weise Bahn bricht.
Mit Dieter Rucht sprach Judith Görs
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Die Zahl der Jugendlichen, die süchtig nach Computerspielen und Internet sind, hat sich in Deutschland in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt. Mädchen sind deutlich stärker suchtgefährdet als Jungen. Hier finden Eltern eine Checkliste mit Anzeichen für die Sucht.
Mittlerweile gälten 5,8 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen als onlinesüchtig, berichtet die Zeitung „Die Welt“. Sie beruft sich auf eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Der Anteil der internetabhängigen Mädchen in dieser Altersgruppe lag 2015 bei 7,1 Prozent. Bei den Jungen waren es dagegen 4,5 Prozent. Die Bundeszentrale führt die stärkere Suchtanfälligkeit der Mädchen vor allem auf Angebote sozialer Medien zum Austausch untereinander oder zum Medienkonsum zurück.
In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil der Süchtigen demnach bei 2,8 Prozent und damit nur leicht über den Ergebnissen der vorangegangenen Untersuchung von 2011.
Unkontrollierte und exzessive Nutzung
Unter Internetsucht wird in der Untersuchung eine unkontrollierte und exzessive Nutzung von Internet und Computerspielen sowie auch von anderen Anwendungen, sozialen Netzwerken und Cybersex verstanden. Für die Untersuchung wurden 2015 deutschlandweit etwa 7000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 25 Jahren befragt.
Internetsucht-Checkliste für Eltern
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de für Eltern eine Broschüre zu Internet- und Computerspielabhängigkeit an. Sie enthält eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben kann, ob ihr Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.
die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen Beschäftigungen ständig um Computer, Internet oder Spielkonsole
das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht
dem Kind fällt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen
das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss
es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurück
Internetnutzung verdrängt andere Interessen und Hobbys
die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert
das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben
es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt übermüdet
das Kind reagiert Gefühle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab
Spielen auf Schritt und Tritt
Die mobilen Endgeräte, also Smartphones oder Tablets, sind für Computerspielabhängigkeit immer bedeutsamer, erklärt Bert te Wildt, Oberarzt der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum. Denn mobile Spiele würden immer professioneller und interaktiver. Dennoch: „Die meisten Betroffenen spielen eher auf leistungsfähigen Standrechnern“, sagt te Wildt. Durch die zunehmende Zahl der Virtual-Reality-Spiele könnte sich das Problem verschärfen.
„Massenphänomen“ Internetsucht
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sieht in der Internetabhängigkeit bereits ein „Massenphänomen“. Deshalb müssten die Vorsorge gestärkt sowie spezialisierte Behandlungs- und Therapieangebote ausgebaut werden, sagte sie der „Welt“.
Eine entscheidende Rolle komme den Erwachsenen zu. „Wenn wir internetmündige Kinder wollen, brauchen wir Eltern, Erzieher und Lehrer, die dies selbst sind und es auch vermitteln können“, sagte Mortler. Die Jahrestagung der Drogenbeauftragten am 9. November in Berlin widmet sich der Internetsucht.
Mortler forderte auch Konsequenzen im Jugendschutz. „Konkret heißt das unter anderem, dass wir bei Onlinespielen die Alterseinstufung ab null Jahre überdenken müssen.“ Die Altersangabe erwecke den falschen Eindruck, diese Spiele seien bereits für Kleinkinder empfohlen. Kleinkinder bräuchten keine digitalen Angebote. Zudem forderte Mortler, Internetabhängigkeit endlich als eigenständiges Krankheitsbild anzuerkennen.
Wie gefährlich ist die digitale Sucht?
In der Wissenschaft ist das Thema Internet- und Computerspielsucht erst seit wenigen Jahren etabliert. Deshalb fehlen Untersuchungen, mit denen sich das Suchtpotenzial vergleichen lässt, sagt Psychologe Rehbein. Unklar ist auch, wie sich Computerspielsucht langfristig auswirkt. „Sicher ist aber, dass sie viel geringere Auswirkungen auf finanzielle Schäden hat wie etwa bei der Glücksspielsucht.“
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