Das Online-Beratungsportal „da-sein.de“ in Oldenburg bietet Trauer- und Sterbebegleitung für Jugendliche und junge Erwachsene an. Mehr als zwei Dutzend sogenannte „Peer-Berater“ im Alter von 16 bis 26 beantworten dabei unter Leitung und Supervision einer Familientherapeutin und einer Sozialpädagogin E-Mails. Die Peers sind geschult und ehrenamtlich im Einsatz. Für die „Klienten“ ist das Projekt, das für den Deutschen Bürgerpreis 2016 nominiert ist, oft der einzige Weg, um anonym über ihre Ängste und Sorgen zu schreiben.
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„Sie waren der Teufel in Menschengestalt. Sie haben ihnen die Jugend und ihre Unschuld geraubt, um ihre eigene Perversion zu befriedigen“, sagt der Richter bei der Urteilsverkündung. Schuldig gesprochen wird ein Fußball-Jugendtrainer.
Ein Gericht in Liverpool hat den ehemaligen britischen Fußball-Jugendtrainer Barry Bennell wegen Missbrauchs von schutzbefohlenen Jungen zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Geschworenen hatten den 64-jährigen Angeklagten in der vergangenen Wochen in insgesamt 43 Fällen wegen Kindesmissbrauchs zwischen 1979 und 1991 schuldig gesprochen. Seit Beginn des Prozesses meldeten sich laut Polizei mehr als hundert mutmaßliche weitere Opfer bei den Behörden.
„Sie waren der Teufel in Menschengestalt. Sie haben ihnen die Jugend und ihre Unschuld geraubt, um ihre eigene Perversion zu befriedigen“, sagte Richter Clement Goldstone bei der Urteilsverkündung zu dem Angeklagten. Der Richter führte aus, dass Bennell die Fußballbegeisterung vieler seiner Schüler zerstört und sie in Depressionen, Alkoholismus und Selbstmordgedanken gestürzt habe.
Arbeitete auch bei Manchester City
Die Ermittlungen gegen den vorbestraften Bennell hatten Ende 2016 den Missbrauchsskandal im englischen Fußball ans Licht gebracht. Nachdem Ex-Profi Andy Woodward seinem früheren Jugendtrainer Bennell öffentlich vorgeworfen hatte, ihn missbraucht zu haben, brachen dutzende weitere Opfer ihr zum Teil jahrzehntelanges Schweigen.
Bennell hatte als Jugendtrainer bei Manchester City, Stoke City, Crewe Alexandra und mehreren weiteren Mannschaften im Nordwesten Englands gearbeitet. Wegen der Vergewaltigung eines Jungen in Florida im Jahr 1994 war er bereits zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Wegen 23 Übergriffen auf sechs Jungen in England 1996 wurde eine neunjährige Gefängnisstrafe gegen ihn verhängt. Seine dritte Haftstrafe trat Bennell 2015 wegen des Missbrauchs eines Jungen während eines Trainingscamps im Nordwesten Englands im Jahr 1980 an.
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Bluthochdruck bei Kindern„Schon bei Erstklässlern leidet das Herz“
Göttingen –
Herr Hulpke-Wette, schon die Jüngsten in der Gesellschaft leiden unter einem Bluthochdruck. Wie macht sich das bei Kindern in Ihrer Praxis bemerkbar?
Da gibt es beispielsweise Fünfjährige, die vom Augenarzt überwiesen werden, weil die Gefäße im Augenhintergrund so verändert sind, dass es sich um eine Blutdruckveränderung handeln muss. Oder Neunjährige, die aufgrund der Hypertonie, also einem Bluthochdruck, schon Nierenschäden haben und mit dem Urin sehr viel Eiweiß ausscheiden. Häufig sind auch Erstklässler dabei, deren Herzen schon eine krankhafte Veränderung aufweisen. Einen Vorteil haben die Kinder gegenüber Erwachsenen mit Bluthochdruck: Bei einer konsequenten Behandlung können sich die organischen Schäden vollständig normalisieren. Dann muss der Bluthochdruck aber auch frühzeitig erkannt werden.
Die Deutsche Hochdruckliga spricht von 700 000 Kindern und Jugendlichen, die einen grenzwertigen oder einen schon zu hohen Blutdruck haben. Wie viele davon werden tatsächlich behandelt?
Wir gehen davon aus, dass die Hypertonie nur bei 0,5 Prozent der Betroffenen erkannt wird. Man muss dazu sagen, dass die 700 000 Betroffenen lediglich eine Schätzung sind. Diese Zahlen habe ich aus der KIGGS-Studie abgeleitet (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert-Koch-Instituts, Anm. d. Red.) – die ist allerdings schon zehn Jahre alt. Übertrieben ist die Schätzung deswegen aber nicht. Ich selbst bin in einer speziellen Praxis tätig, der Präventionspraxis für Herz- Kreislauf-Erkrankungen, und betreue mehr als 500 Patienten mit Bluthochdruck. Und ich bekomme jeden Tag Patienten mit Verdacht auf eine Hypertonie überwiesen. Es ist aber sehr schwer, an aktuelle Daten zu kommen. Unsere ganzen Bemühungen aus den Fachgesellschaften heraus, Forschungsprojekte zu starten, sind im Antragsverfahren gescheitert. Das Interesse bei Krankenkassen, aber auch in der Politik an diesem Problem ist nicht sehr groß.
Aber ist es nicht offensichtlich, dass der Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen zunimmt?
Das lässt sich nicht einfach beantworten. Das Bewusstsein für diese Erkrankung nimmt zumindest im medizinischen Bereich zu: Die Kollegen achten mehr auf die Symptome und somit tauchen auch mehr Patienten auf. Aber es gibt auch einige Faktoren im Leben von Kindern und Jugendlichen, die sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert haben.
Und die wären?
Da wäre beispielsweise die deutliche Zunahme an Übergewicht, das eine Bluthochdruckerkrankung begünstigen kann. Allerdings: Nicht jeder, der übergewichtig oder schwer übergewichtig ist, hat automatisch einen zu hohen Blutdruck. Ich betreue beispielsweise 140 Kilo schwere Patienten, die haben völlig normale Werte. Ein weiterer Faktor ist der Konsum von koffeinhaltigen Getränken. Etwa 13 Prozent der Grundschüler greifen schon zu Energydrinks. Das Problem dabei ist, dass man viel über die akute Wirkung und Nebenwirkungen dieser Getränke weiß, aber es keine wissenschaftliche Untersuchung darüber gibt, was die Langzeitfolgen sind, wenn Energydrinks regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg getrunken werden.
Welche körperlichen Schäden kämen denn da in Frage?
Ich habe bei Patienten festgestellt, bei denen man von einem chronischen Missbrauch dieser Getränke sprechen kann, dass es zu einer Wandverdickung der linken Herzkammer gekommen ist. Sprich: Die Wand ist zwei Zentimeter dick, normal sind aber 0,7 bis 0,8 Zentimeter. Das führt unbehandelt zu einer erheblichen Funktionsstörung des Herzens. Wenn ich solche Patienten sehe, mache ich mir aber keine Sorgen, weil ich weiß, dass nach spätestens drei Jahren guter Behandlung die Herzkammer wieder normal ausgebildet ist – das wäre bei einem Erwachsenen von 35 Jahren nicht mehr möglich. Diese Herzen werden ernsthaft krank.
Wie macht sich eine Bluthochdruckerkrankung denn für Laien bemerkbar?
Grundsätzlich sollten Eltern den Blutdruck ihrer Kinder messen lassen, wenn in der Familie mehrere Fälle von Hypertonie bekannt sind. Denn es gibt dafür eine familiäre Veranlagung. Insbesondere sollte man hellhörig werden, wenn ein Kind über Kopfschmerzen klagt. Auch häufiges Nasenbluten kann ein Anzeichen sein, sowie Konzentrationsschwierigkeiten etwa in der Schule oder beim Sport. Es gibt Kinder, die werden gegen die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS behandelt, haben aber in Wahrheit einen zu hohen Blutdruck.
Also wird ein Teil der ADHS-Kinder falsch behandelt?
Ja, und nicht nur das: Auch ADHS-Kinder können einen erhöhten Blutdruck entwickeln – allein durch die Gabe von Methylphenidat, auch als Ritalin bekannt. Eine Substanz, die ungefähr 450 000 Kinder in Deutschland verabreicht bekommen. In einer Untersuchung haben wir festgestellt: Dieses Medikament senkt zwar bei einigen den Blutdruck, kann aber auch zu einer bedeutsamen Blutdruckerhöhung führen. Demnach haben Kinder mit einem ADHS-Syndrom, das mit Ritalin behandelt wird, auch ein höheres Bluthochdruckrisiko.
Nun gibt es doch gerade im Kindesalter die U-Untersuchungen, die regelmäßige Arztbesuche voraussetzen. Warum wird der Bluthochdruck dennoch so selten entdeckt?
Zum einen ist es immer noch Unwissen: Ich selbst fordere bei Fortbildungen die Kollegen auf, die Eltern der Kinder, die zu ihnen in die Praxis kommen, mehr zu sensibilisieren. Sie sollten nachfragen, ob bei den Kindern und Jugendlichen schon der Blutdruck gemessen wurde. Das ist häufig nicht der Fall. Eine professionell durchgeführte Messung bei einem Dreijährigen kostet den Arzt zehn Minuten. Das ist viel Zeit, wenn man bedenkt, dass in einer Kinderarztpraxis täglich zwischen 80 bis 100 Patienten behandelt werden. Selbst in meiner Praxis wird nicht bei jedem, der kommt, der Blutdruck gemessen. Dennoch sollte bei jedem Kind ab drei Jahren mindestens einmal im Jahr eine Blutdruckmessung durchgeführt werden.
Zur Person:
Der Kinderarzt und Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette wurde 1962 in Bonn geboren. Er studierte 1981 bis 1987 Medizin in Göttingen. Seit 2005 ist er niedergelassener Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Schwerpunkt Pädiatrische Kardiologie. Er ist Mitglied in diversen Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Hochdruckliga.
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Zum sechsten Mal wurden bei der Pisa-Studie weltweit die schulischen Leistungen von Neuntklässlern untersucht. Deutsche Schüler mussten einen Rückschlag hinnehmen. Die Ergebnisse sind schlechter als drei und sechs Jahre zuvor, die Schüler blieben aber mit ihren Leistungen im oberen Drittel der Ranglisten.
Bei der Pisa-Studie 2015 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) standen die Naturwissenschaften im Fokus.
So haben deutsche Schüler bei Pisa 2015 abgeschnitten
Naturwissenschaften: 509 Punkte (2012: 524)
Mathematik 506 Punkte (514)
Lesekompetenz/Textverständnis 509 Punkte (508)
Im Bereich Lesekompetenz schnitten die 15-Jährigen so gut ab wie nie zuvor. Für die Pisa-Studie 2015 wurde erstmals auch Problemlösen im Team als Indikator für soziale Kompetenz getestet. Diese Ergebnisse stellt die OECD aber erst 2017 vor.
Über dem OECD-Durchschnitt
Trotz eines ersten Leistungsknicks nach jahrelangem Aufwärtstrend steht Deutschland solide im Vorderfeld der Ränge 10 bis 20. Die Leistungen der im April/Mai 2015 hierzulande getesteten Mädchen und Jungen lagen auch weiterhin jeweils über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Jeder Neunte (elf Prozent) brachte bei „Pisa 2015“ Spitzenleistungen – drei Prozentpunkte über OECD-Niveau.
„Es gibt eine Stabilisierung auf hohem Niveau, auf die man durchaus stolz sein kann“, kommentierte die Prädidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan (SPD). Aber es müsse Ziel der deutschen Bildungspolitik sein, „weiter nach oben aufzuschließen“ – und das sei zuletzt nur bei der Lesekompetenz knapp geglückt, nicht aber in Mathematik und in den Naturwissenschaften.
Die Gewinner kommen aus Südostasien
Pisa-Testsieger mit klarem Abstand ist wieder Singapur: In den Naturwissenschaften liegt der südostasiatische Insel- und Stadtstaat mit 556 Punkten vor Japan (538) und Estland (534) als bestem europäischen Land.
In Mathematik rangiert Singapur mit 564 Punkten vor den chinesischen Großregionen Hongkong (548) und Macao (544), in Lesekompetenz mit 535 Punkten vor Kanada und Hongkong (jeweils 527) sowie dem langjährigen europäischen PISA-Champion Finnland (526).
Die Ergebnisse der Pisa-Studie 2015 im Überblick. (Quelle: dpa)
„Das Jammertal verlassen“
OECD-Experte Heino von Meyer fasste den Befund für das deutsche Bildungssystem nach der sechsten Pisa-Studie in Berlin so zusammen: „Deutschland hat das Jammertal des Pisa-Schocks von 2001 verlassen“ – es befinde sich aber nun lediglich auf einem „Hochplateau des oberen Mittelfeldes“ ohne spürbare Reformdynamik. Der „Pisa-Schock“ von 2001 mit miserablen Test-Ergebnissen hatte zahlreiche Bildungsreformen zur Folge.
Auch andere Länder stürzen ab
Insgesamt gingen nicht nur für Deutschlands 15-Jährige, sondern auch bei vielen anderen, im „Pisa-2015“-Ranking teils besser platzierten Teilnehmerländern und -regionen die Punktzahlen herunter. Dies betraf beispielsweise die Schweiz (minus 17 Punkte bei Lesekompetenz), Österreich (minus 11 in Naturwissenschaften) oder die Niederlande (minus 11 in Mathematik). Frankreich erreichte sogar in keinem einzigen Teilbereich 500 Punkte. Und die USA stürzten etwa in Mathematik von vorher schon mäßigen 481 Punkten auf 470 ab.
Der OECD-Durchschnitt sank in Naturwissenschaften im Vergleich zu 2012 von 501 auf 493 Pisa-Punkte, in Mathematik von 494 auf 490 und in Lesekompetenz von 496 auf 493.
Soziale Kluft hat sich etwas verringert
Für Deutschland stellt der aktuelle Pisa-Report der OECD fest, dass hierzulande der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildung weiterhin vorhanden ist. Allerdings habe sich die Kluft zwischen Schülern aus sozial gutgestellten, bildungsnahen Elternhäusern auf der einen Seite und ärmeren, bildungsferneren Haushalten auf der anderen Seite in den vergangenen zehn Jahren etwas verringert.
Viele „Risikoschüler“
Weiterhin gibt es viele „Risikoschüler“ mit sehr schwachen Pisa-Leistungen. So erreichten in Lesekompetenz 16 Prozent nicht einmal die zweite von fünf Leistungsstufen. In Deutschland sind weniger Mädchen sehr gut in Naturwissenschaften als in vergleichbaren Ländern – und selbst leistungsstarke Mädchen gehen zu selten davon aus, dass dieser Bereich für sie beruflich in Frage kommt.
So schneiden Schüler mit Migrationshintergrund ab
Zu dem für Deutschland seit langem brisanten Thema der Schüler mit Migrationshintergrund schreibt die OECD in ihrer neuen Studie: Diese Mädchen und Jungen liegen zwar 72 Pisa-Punkte (das ist der Lernerfolg von zwei Schuljahren) unter dem Niveau von Schülern, deren Eltern hier geboren wurden. Rechnet man aber den oft schwachen sozialen Status inklusive Bildungsferne der Elternhäuser als schulische Hypothek heraus, dann verringert sich der Kompetenzabstand von Migrantenkindern auf 28 Punkte.
500.000 Kinder weltweit getestet
Weltweit nahmen im Mai vergangenen Jahres eine gute halbe Million Mädchen und Jungen an „Pisa 2015“ teil. In Deutschland wurden mehr als 10.000 repräsentativ ausgewählte Mädchen und Jungen getestet.
„Pisa-Schock“ vor 15 Jahren
Das unerwartet schlechte Abschneiden bei der Pisa-Premiere vor 15 Jahren hatte in der Öffentlichkeit einen „Pisa-Schock“ und viele Schulreformdebatten ausgelöst. Für Deutschland war ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen festgestellt worden. Kürzlich attestierte Pisa-Chefkoordinator Andreas Schleicher Deutschland, aus dem Debakel vor 15 Jahren zwar gelernt zu haben. Er warnte aber auch vor einem Erlahmen des Reformeifers.
„Keine Aussage über Qualität“
Die KMK-Vorsitzende Bogedan riet für die neuen Ergebnisse zu Gelassenheit. Tests wie Pisa dienten zur Einordnung des Bildungsgeschehens und Orientierung für das politische Handeln, sagte die Bremer Bildungssenatorin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Eine Aussage über die Qualität von Bildungsprozessen erlauben sie nicht. Hier braucht es tiefere Einblicke.“
Pisa ist die Abkürzung für „Programme for International Student Assessment“. 2015 wurde erstmals der Bereich Problemlösen im Team getestet – diese Ergebnisse veröffentlicht die OECD im kommenden Jahr. Pisa-Ranglisten nach Bundesländern gibt es auch diesmal nicht – diese liefert seit einigen Jahren im KMK-Auftrag das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).
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Immer wieder ermorden Amokläufer an US-Schulen Kinder und Jugendliche. Nach der Bluttat im Florida soll sich etwas ändern. US-Präsident Trump verspricht, die Sicherheit an Schulen zur Chefsache zu machen.
Nach dem Massaker an einer Schule in Florida mit 17 Toten plant US-Präsident Donald Trump einen Besuch des Tatorts. „Ich spreche heute zu einer Nation in Trauer“, sagte Trump im Weißen Haus. Die Ansprache war eigens anberaumt worden. Ein 19-jähriger Ex-Schüler hatte am Mittwoch 17 Menschen getötet und 15 weitere verletzt. „Was immer wir tun können, um Euren Schmerz zu lindern, wir sind hier“, sagte Trump an die Hinterbliebenen gerichtet. „Euer Schmerz ist unsere Last.“
Er fügte hinzu: „Kein Kind und kein Lehrer sollte jemals in einer amerikanischen Schule in Gefahr sein.“ Niemals sollten Eltern um ihre Kindern fürchten müssen, wenn sie ihnen morgens einen Abschiedskuss gäben. „Wir werden alles tun, Euch zu schützen“, erklärte Trump.
Sicherheit soll „oberste Priorität haben“
Ohne ins Detail zu gehen sagte der Präsident zudem, man wolle sich des Themas psychischer Erkrankungen annehmen. Der Täter von Parkland war Medienberichten zufolge in psychischer Behandlung gewesen, hatte diese aber zuletzt angeblich nicht fortgesetzt. Über Twitter hatte er bereits eine psychische Störung des Täters als Grund für die Tat nahegelegt. Es gebe dafür sehr viele Anzeichen, so Trump.
Allerdings hatte der Präsident vor einem Jahr eigenhändig ein Gesetz unterzeichnet, das psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Er nahm damit eine Regulierung seines Vorgängers Barack Obama zurück.
Trump sagte, er werde noch im Februar Gouverneure und Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten treffen. „Das Thema Sicherheit in Schulen wird die oberste Priorität haben“, sagte Trump. Zuvor hatte er eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet.
Cruz versuchte, in der Menge unterzutauchen
Der mutmaßliche Täter ist inzwischen angeklagt worden. Der 19-jährige Nikolas Cruz müsse sich wegen Mordes in 17 Fällen verantworten, erklärte die Staatsanwaltschaft. Er wurde nach der Bluttat in der nahegelegenen Stadt Coral Springs festgenommen. Nach der Tat soll Cruz den Angaben des Bezirks-Sheriffs zufolge zunächst versucht haben, in der Menge der umherirrenden Schüler unterzutauchen. Doch die Polizei habe ihn durch Bilder der Überwachungskameras identifizieren können. Inzwischen wurde er ins Bezirksgefängnis in Fort Lauderdale überführt.
Der Tatverdächtige war nach Angaben der Polizei ein ehemaliger Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden. Der Täter habe „zahlreiche Magazine, viele Magazine“ bei sich gehabt, „und derzeit glauben wir, dass er ein AR-15 Gewehr bei sich hatte“, sagte der Bezirks-Sheriff Broward Scott Israel.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erwarb Cruz die Waffe legal. Laut Israel haben Sicherheitsbehörden damit begonnen, seine Websites und Meldungen in sozialen Netzwerken zu durchsuchen – darunter gebe es einige „sehr, sehr beunruhigende“ Beiträge.
Zum Problem mit Schusswaffen und zum Waffenrecht äußerte sich Trump, der eine Nähe zur mächtigen Waffenlobby NRA pflegt, nicht. „Wir sind nicht machtlos“, erklärte dagegen sein Vorgänger Barack Obama und warb für ein „vernünftiges“ Waffenrecht. In seiner Amtszeit hatte sich der Demokrat vergeblich für eine Verschärfung des Waffenrechts eingesetzt.
Die Schießerei in Parkland war eine der blutigsten der vergangenen 25 Jahre – und bereits die 18. Schießerei an einer US-Schule in diesem Jahr. Als Konsequenz wird regelmäßig der Ruf nach strikteren Waffengesetzen laut. Trump und viele andere Republikaner sind allerdings dagegen.
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Keine Spur von BewerbermangelDie Polizei, dein Freund und Arbeitgeber
Stuttgart – „Polizei, der Beruf“: Rund 5000 junge Leute haben sich im vergangenen Jahr von diesem Werbeslogan ansprechen lassen und sich auf einen der 1100 Anfängerplätze für 2016 beworben. Angesichts dieser guten Bewerberlage rechnet das Stuttgarter Innenministerium damit, die von der grün-schwarzen Koalition geplanten 1500 zusätzlichen Polizeistellen ohne Schwierigkeiten besetzen zu können. Sie sollen die Beamten zusätzlich zu dem bereits von Grün-Rot beschlossenen Stellenplus verstärken. Bisher sind 1400 Polizisten für 2017 vorgesehen, für 2018 ebenso viele.
Im Innenministerium wertet man die gute Bewerberlage auch als Erfolg der gesteigerten Werbeanstrengungen. So wurden etwa Streifenfahrzeuge mit gelben Werbebotschaften beklebt. Das Interesse von Jugendlichen am Polizeiberuf ist allerdings ein überregionales Phänomen, wie eine Umfrage des „Trendence Schülerbarometers“ unter 13.000 Schülern der Klassen 8 bis 13 vom vergangenen Jahr ergab. Danach liegt die Polizei im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber bundesweit auf Platz 1. 10,4 Prozent der Befragten votierten in diesem Sinn. Es folgten die Bundeswehr, dann BMW, Porsche und Lufthansa. Daimler liegt auf Platz 10.
Kurzfristige Stellenerhöhungen, wie sie etwa im Koalitionsvertrag vereinbart wurden, können dennoch nicht sofort umgesetzt werden. Denn auf dem freien Markt gibt es so gut wie keine ausgebildeten Polizisten, das Land muss sie je nach Bedarf erst ausbilden. Dies dauert für Kommissaranwärter (Gehobener Dienst) 45 Monate, für angehenden Polizeimeister 30 Monate. 600 der 1500 vereinbarten Neustellen sollen deshalb im Bereich der Verwaltung entstehen, da diese rasch auf dem Arbeitsmarkt rekrutiert werden können, die Polizei also schneller Entlastung spürt.
„Polizist ist immer noch ein Traumberuf, denn er ist unheimlich abwechslungsreich“, sagt Ralf Kusterer, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Allerdings fürchtet er, dass die Kürzungen bei der Besoldung und Krankenversorgung die Attraktivität mittelfristig senken könne. Die Konkurrenz der freien Wirtschaft wirke sich schon jetzt aus: „Früher kamen zehn Bewerber auf eine Stelle, heute sind es nur noch fünf“, sagt Kusterer. Dabei seien die Zugangshürden in den vergangenen Jahren stetig niedriger geworden – so etwa bei der Sportprüfung.
Auch die Ausbildungsbedingungen sind Kusterer zufolge keineswegs so, dass die Polizei langfristig mit der Wirtschaft mithalten kann: „Sie müssen in den Polizeischulen im Drei-Bett-Zimmer übernachten, das ist keine erwachsenengerechte Unterbringung.“ Die Konzentration der Ausbildungsschulen in den südlichen Regionen des Landes im Zug der Polizeireform (die Schule in Wertheim zum Beispiel wurde geschlossen) bewirkt nach Ansicht des Gewerkschaftschefs, dass im Land ein Ungleichgewicht entsteht.
Im Innenministerium verweist man darauf, dass die grundlegenden Einstellungsvoraussetzungen im vergangenen Jahr „bewusst nicht abgesenkt“ worden seien. Veränderungen gebe es nur in zwei Punkten: Wer keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, muss acht statt wie bisher zehn Jahre in Deutschland leben, um Polizist werden zu können. Außerdem kann vom Mindestnotenschitt von 3,2 für den Mittleren Dienst abgewichen werden, wenn neben der Mittleren Reife eine abgeschlossene Berufsausbildung mit einem Schnitt von 3,0 vorgewiesen wird.
In Baden-Württembergs Polizei gibt es derzeit rund 31 000 Personalstellen, davon rund 24 000 im polizeilichen Vollzugsdienst. Der Rest arbeitet in der Verwaltung. Wer Polizist werden will, muss sich einem eintägigen Auswahltest unterziehen. Dabei werden die körperliche und gesundheitlichen Voraussetzungen geprüft – so ist eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein Body-Maß-Index zwischen 18 und 27,5 vorgeschrieben. Die Polizeihochschule Villingen-Schwenningen, die Ausbildungsstätte für den Gehobenen Polizeidienst, verfügt über 1300 Studienplätze.
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Zu DDR-Zeiten galt Bitterfeld als dreckigste Stadt Europas. Mit giftigen Wolken haben die Bewohner inzwischen nicht mehr zu kämpfen, sogar die Wirtschaft brummt wieder. Trotzdem flieht vor allem die Jugend scharenweise. Warum?
Nach Kaufland kommt schon das Ende der Welt. Es ist ein trostloser Anblick: Zwei baufällige Plattenbauten liegen wie das Spielzeug eines Riesen ohne Bezugspunkt in der platten Landschaft herum, ansonsten weit und breit nur Brache und am Horizont endlose Windparks, die beweisen, dass man immer noch in Sachsen-Anhalt ist.
Noch vor 30 Jahren allerdings lag Kaufland, das damals anders hieß, im Zentrum eines Mikrokosmos aus Chemie und Kohle. Wolfen-Nord heißt die Trabantenstadt, in der 35.000 Menschen lebten und hier ihren Teil zum Sieg des real existierenden Sozialismus beitrugen. Bis die DDR zusammenbrach und die ansässige Industrie mit sich in den Abgrund riss. Ohne Industrie keine Arbeit, ohne Arbeit keine Perspektive und ohne Perspektive kein Grund, in Wolfen-Nord zu bleiben.
Heute leben noch rund 8000 Menschen hier, geblieben sind vor allem die Alten. Weil das sieben Kilometer südlich gelegene Bitterfeld mit den gleichen Problemen wie Wolfen zu kämpfen hat, wurden die beiden Städte 2007 kurzerhand zusammengelegt, heraus kam Bitterfeld-Wolfen. Gefühlt sind die beiden Ortsteile, die von der größten zusammenhängenden Industriefläche Europas voneinander getrennt sind, immer noch zwei eigenständige Städte: Die Bitterfelder sehen sich weiterhin als Bitterfelder, die Wolfener als Wolfener. Nur der Oberbürgermeister bemüht im Gespräch jedes Mal tapfer den vollen Doppelnamen, wenn er von der neuen Stadt redet. Dass Armin Schenk niemandem böse ist, der lediglich die Kurzform benutzt, mag einerseits mit dem sonnigen Gemüt des CDU-Politikers zusammenhängen. Andererseits hat der Mann aber auch ganz andere Sorgen, als sich mit solchen Detailfragen auseinanderzusetzen – vor allem mit der Frage, wie er seine Stadt davor bewahren soll, weiter auszubluten.
„Die Menschen sind gegangen, weil sie arbeitslos waren“, fasst Schenk die Situation zusammen. Man kennt die Situation aus anderen Gegenden Deutschlands. Auch in den ländlichen Gebieten Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns ist die Entvölkerung ganzer Landstriche ein riesiges Problem. Anders als das ostdeutsche Outback bietet Bitterfeld-Wolfen seinen Einwohnern mittlerweile aber die wirtschaftliche Grundlage, um in der Region zu bleiben: Allein im Chemiepark beschäftigen 360 Unternehmen rund 11.000 Mitarbeiter, die Arbeitslosenquote liegt mit 7,7 Prozent deutlich unter dem Landesschnitt von Sachsen-Anhalt. Dass es trotzdem kaum jemanden zurück nach Bitterfeld-Wolfen zieht, muss also andere Gründe haben.
„Stillstand bedeutet Rückschritt“
„Was nutzt mir ein Arbeitsplatz, wenn ich am kulturellen Hungertuch nage?“, will Raik Dalgas wissen. So ziemlich alles, was eine lebendige Stadt ausmacht, fehlt in Bitterfeld-Wolfen, findet der Künstler: „Es gibt hier ja noch nicht mal Graffiti.“ Stimmt tatsächlich, bis auf ein paar krakelige „AfD“- und „Fuck AfD“-Tags auf Stromkästen und an Bushaltestellen ist die Stadt absolut jungfräulich – man könnte auch sagen: zu sauber. Dalgas sagt dazu: „Szenekulturell ist das hier die Hölle.“ Der Wolfener wirkt deutlich jünger als die 41 Jahre, die er tatsächlich alt ist, und gehört zu den Menschen, die einen Raum durch pure Präsenz mit Leben füllen. Dalgas möchte aber nicht nur einen Raum mit Leben füllen, er will gleich eine ganze Stadt wiederbeleben. „Jedes Mal, wenn ich was raushaue, springen die Leute darauf an“, sagt er. Für Dalgas ein Zeichen, dass noch nicht alles verloren ist. „Aber es wäre so schön, wenn mal wirklich jemand von sich aus mitzöge. Dass die Kreativität hier gleich null ist, daran zerbreche ich.“
Wer das Wolfener Rathaus besucht, kommt an einer von Dalgas' Arbeiten vorbei: „L3A“ ist ein sieben Meter hoher und fünf Tonnen schwerer Roboter aus Stahl und soll als Maskottchen einer „Lern-, Erlebnis- und Arbeitswelt“ Kinder und Jugendliche an die Berufswelt heranführen. Dass das wortwörtlich größte Werk des Künstlers ausgerechnet mit dem Thema Arbeit zu tun hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleichzeitig zeigt es, wie schwer das Trauma der 1990er- und 2000er-Jahre zu überwinden ist.
„Stillstand bedeutet Rückschritt“, sagt der Oberbürgermeister nur wenige Meter Luftlinie von „L3A“ entfernt im Inneren des Rathauses, das mit seinen 18.000 Quadratmetern hoffnungslos überdimensioniert ist und – wie passend – mehr als halb leer steht. Schenk ist seit einem guten Jahr im Amt und glaubt an die Macht des Fortschritts: „Diese Stadt hat einen unglaublichen Transformationsprozess hinter sich.“ Das stimmt natürlich: Die Zeiten, in denen Bitterfeld als dreckigste Stadt Europas verschrien war, sind lange vorbei. Millionenschwere Investitionen im dreistelligen Bereich haben die verseuchte Region mit ihren tiefen Tagebauwunden zumindest optisch in eine halbwegs blühende Landschaft verwandelt, wie damals von Bundeskanzler Kohl versprochen. Auch wirtschaftlich geht es Bitterfeld-Wolfen gut: Bayer lässt im örtlichen Werk Kopfschmerztabletten für ganz Europa herstellen, ein Drittel der weltweit verlegten Glasfaserkabel wird hier produziert.
Der Sound des Verfalls
Schenk glaubt, dass es deshalb gar nicht so viel braucht, um Bitterfeld-Wolfen auch in den Köpfen der Menschen zu einem attraktiven Wohnort zu machen: „Das Image zu ändern, ist die Hauptsache. Bitterfeld ist ja bereits besetzt, den Namen der Stadt kennt man in ganz Deutschland. Jetzt muss das Bild eben gedreht werden.“ Noch funktioniert das eher mäßig: Rund 5100 Menschen pendeln jeden Tag aus dem Umland ins Industriegebiet, die meisten von ihnen wohnen in Leipzig oder Halle. Dass die Mieten in Bitterfeld und Wolfen deutlich günstiger sind als in den beiden nahen Großstädten, überzeugt kaum jemanden, hierherzuziehen. Stattdessen „versuchen wir, Klebeeffekte zu erzeugen“, sagt Schenk. Der Bürgermeister meint damit attraktive Freizeitangebote und Dinge wie eine aktive Vereinsarbeit. Genau das allerdings ist das Problem: Denn Bitterfeld-Wolfen ist Stand heute glatt wie ein Aal. Da bleibt gar nichts kleben.
Besonders deutlich wird das in Wolfen-Nord: Je tiefer man von der Hauptstraße aus in die Trabantenstadt vorstößt, desto trostloser wird die Umgebung. Wie in Plansiedlungen üblich, konzentrierte sich das soziale Leben um neuralgische Punkte herum. Doch Einrichtungen wie der „Treffpunkt Wolfen“ erfüllen ihren ursprünglichen Zweck schon lange nicht mehr: Verriegelt und dem Verfall preisgegeben steht er am Straßenrand und lässt kaum erahnen, dass es hier mal bessere Zeiten gab. Die wenigen Passanten auf den Straßen sind fast ausnahmslos im Rentenalter, nur zwei Jugendliche hocken biertrinkend und Bomberjacken tragend vor einer Bushaltestelle und erfüllen ein Klischee, von dem man kaum glauben mag, dass es im Jahr 2018 tatsächlich noch eine Daseinsberechtigung hat.
Im Hintergrund läuft der Sound des Verfalls: Mit schwerem Gerät wird ein weiterer Wohnblock dem Erdboden gleichgemacht. Der Rückbau von Wolfen-Nord ist in vollem Gange. „Die wesentlichen Entscheidungen wurden schon in den 90ern getroffen. Unter anderem auch die, von außen nach innen zu schrumpfen“, umschreibt der Oberbürgermeister das zugrundeliegende Konzept elegant. Man könnte stattdessen auch sagen: Es ist ein Sterben auf Raten.
Bitterfeld als Kulturvorreiter?
Dass Wolfen-Nord noch nicht ganz tot ist, beweisen Menschen wie Sophie Junge: Die Erzieherin wohnt mit ihrem Freund in einem der Wohnkomplexe am vorderen Ende der Siedlung, die Anfang der 1960er noch Stein auf Stein und nicht in Plattenbauweise errichtet wurden. Mit ihren Anfang 20 steht Junge nicht nur bereits mit beiden Beinen fest im Leben, sondern engagiert sich neben ihrer Arbeit auch noch politisch und ehrenamtlich, und haucht als Sängerin zusammen mit ihrer Band der brachliegenden Bitterfelder Kulturszene frisches Leben ein. Junge ist also nicht nur, was der Oberbürgermeister unter einem „Klebeeffekt“ versteht, sondern steht gleichzeitig auch für all die Dinge, die Künstler Dalgas so sehr an seiner Heimatstadt vermisst.
Zugleich verkörpert Junge den Teufelskreis, in dem Bitterfeld-Wolfen steckt. „Wir haben überlegt, nach Leipzig zu ziehen“, sagt sie. „Hier ist ja nichts los.“ Es ist nichts los, weil vor allem die Jungen und die Kreativen fehlen. Und die Jungen und Kreativen fehlen, weil in Bitterfeld nichts los ist. Für Menschen wie Junge ist das besonders tragisch, die junge Frau mit den warmen Augen und dem ansteckenden Lächeln liebt ihre Heimatstadt – nur die macht es ihr alles andere als einfach. Aber was könnte man tun, um die scheinbar unaufhaltsame Bevölkerungserosion aufzuhalten und am Ende vielleicht sogar umzukehren? Junge muss nicht lange über die Antwort nachdenken: „Man muss früher anfangen, die Vernachlässigung beginnt schon bei den Kindern.“ Einen Fokus auf die Wirtschaft zu legen, quasi das Allheilmittel der CDU, hält sie für falsch. Allein auf kommunaler Ebene gebe es schlicht niemanden mehr, der sich gegen deren Dogma stelle: „Früher hat sich die Linke noch gekümmert, heute sind die viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.“
Und trotzdem gibt es nicht nur Bitteres in Bitterfeld, ganz im Gegenteil: Der wunderschön sanierte Goitzschesee verbreitet Urlaubsgefühl, die wirtschaftliche Grundlage stimmt, genau wie die Lebenshaltungskosten. Nur das Leben selbst, das muss zurückkehren in die Stadt, um sie am Leben zu erhalten. Dafür braucht es Menschen wie Sophie Junge und Raik Dalgas. Der Künstler realisiert noch in diesem Jahr einen Erlebnispark in der Stadt und plant mittelfristig die Eröffnung einer Galerie und eines Kunstclubs. „Mein Traum ist es, die Stadt zu einem Kulturvorreiter zu machen“, sagt Dalgas. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich sein Traum erfüllt und Bitterfeld-Wolfen wieder zu einer Stadt wird, die den Menschen auch abseits eines Arbeitsplatzes eine Perspektive bietet. Dass Dalgas vorzeitig die Segel streicht und sein Glück in einer größeren Stadt sucht, wird allerdings nicht vorkommen: „Wenn ich jetzt abhaue, ist ja überhaupt keiner mehr da.“
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Jugendliche Flüchtlinge im SchwarzwaldPension der verlorenen Jugend
Calw – Bianca Bakis Besuch ist das schönste Ereignis der Woche. Gleich wird sie im Heim ankommen, das erkennt man an fünf pinkfarbenen Mülltüten im Gang, gefüllt mit dreckigen Handtüchern, und an einer ungewöhnlichen Geschäftigkeit. Die Jugendlichen räumen auf, beziehen Betten, putzen Klos. Andere versprühen Deo im Bad, gelen sich die Haare. Milad (alle Namen der Jugendlichen geändert) zieht sein kariertes Hemd an und lässt zwei Knöpfe offen. „Ist wegen Sonntag“, sagt er „und wegen Frau Baki.“
Nach dem Essen bleibt Milad mit den anderen im Aufenthaltsraum, wo die Hirschgeweihe hängen. Hier warten sie darauf, dass die Hauswirtschafterin endlich kommt und die Alltagsmonotonie unterbricht.
Die Tage in ihrer neuen Heimat sind oft lang und leer. In dem 800-Einwohner-Dorf bei Calw gibt es nichts als Tannen, leere Straßen, eine Tankstelle, den Laden für Land- und Forsttechnik, eine alte Kegelbahn, Bäche, noch mehr Tannen – und seit einem halben Jahr das Flüchtlingsheim. Den Namen des Ortes will der Träger, die Erlacher Höhe Calw, nicht in der Zeitung lesen. Zum Schutz der minderjährigen Bewohner. 24 männliche Jugendliche aus Afghanistan, Syrien, Somalia und dem Iran leben in der ehemaligen Pension Talblick. Der jüngste Bewohner ist 15, der älteste 18 Jahre alt. Von ihren Balkonen aus können die Flüchtlinge Hirsche am Waldrand sehen. Im Gemeinschaftsraum hängen die Wandteppiche und Porzellanteller wie früher. Der letzte Bus aus Calw fährt abends vor sechs Uhr zurück. Wenn die Jugendlichen dann noch Handynetz brauchen, müssen sie der Straße zweieinhalb Kilometer folgen und im Wald stehen bleiben.
Von der Bayernkaserne in den Schwarzwald
Die ersten Bewohner kamen Ende November von der Bayernkaserne, dem Münchner Erstaufnahmelager, in den Schwarzwald. Zuvor – auf der Flucht und in der Heimat – machte sie alle viel Schlimmes durch. Jetzt gehen sie in Vorbereitungsklassen, lernen Deutsch. Ihre Chancen auf eine Lehrstelle sind groß, an die Sozialpädagogen können sie sich mit allen Sorgen wenden. Aber sie sind getrennt von Freunden und Verwandten. Auch deshalb würden viele so gern wieder wegziehen. Über das Dorf sagen sie Dinge wie: „Katastrophe“, „Guantánamo“ und „für Picknick gut, für Leben nicht“.
Das Talblick, so nennen sie die Unterkunft, ist kein Ort für Jugendliche. Das wissen auch die Betreuer. Einsamkeit und Langeweile wollen sie mit Struktur bekämpfen – mit Pflichtterminen. So auch am Samstag, einen Tag bevor Bianca Baki zu Besuch kommt. Gemeinsam fahren sie auf die Jobmesse in einer Turnhalle eine halbe Stunde vom Heim entfernt. Viele der jungen Flüchtlinge haben bereits Zukunftspläne: eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, Zahnarzt werden oder Sänger.
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Brüssel (dpa) – Die EU-Kommission stellt heute in Brüssel ihr neues Solidaritätskorps vor. Junge Europäer zwischen 18 und 30 Jahren sollen sich darin freiwillig in Notfällen engagieren, etwa bei Erdbeben oder auch in der Flüchtlingshilfe. Die EU-Kommission hofft auf 100 000 Teilnehmer bis 2020. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte den Plan im September in seiner Rede zur Lage der Union vorgestellt. Das Korps soll auch helfen, die Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen. Ab heute kann man sich registrieren lassen, mit ersten Einsätzen wird aber erst in einigen Monaten gerechnet.
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Vor zwei Wochen wird eine deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt. Nun steht auch ihre Tochter in Bagdad vor Gericht. Das Urteil über die 21-Jährige fällt deutlich milder aus – was diese wohl vor allem ihrer jugendlichen Naivität zu verdanken hat.
In Bagdad ist nach Informationen des „Spiegel“ erneut eine Deutsche verurteilt worden, die nach der Rückeroberung der Stadt Mossul vom IS durch irakische Sicherheitskräfte im vergangenen Sommer festgenommen worden war. Anders als ihre Mutter Lamia K., die vor zwei Wochen wegen ihrer IS-Mitgliedschaft zum Tode verurteilt wurde, muss die 21-jährige Nadia K. demnach aber lediglich für ein Jahr ins Gefängnis – und eine Geldbuße bezahlen.
Die Behörden in Bagdad halten die 21-jährige Deutsche nach „Spiegel“-Informationen nicht für eine glühende Anhängerin des Islamischen Staats. Vielmehr sei die damals 17-Jährige ihrer Mutter im Herbst 2014 als relativ naive Jugendliche nach Syrien gefolgt, heißt es aus Sicherheitskreisen. Diese war schon vor ihrer Ausreise ins IS-Gebiet als Sympathisantin der Islamisten bekannt.
Nadia K. wurde deshalb nur wegen der illegalen Einreise in den Irak verurteilt. Nadias Vater möchte sich für die Rückkehr seiner Tochter nach Deutschland einsetzen. Seine Ex-Frau Lamia habe Nadia und eine weitere Tochter ins IS-Gebiet verschleppt, sagte er dem „Spiegel“.
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