Kategorie -Jugendliche

Youtuber sind Stars für Kids: Mirellativegal, Emrah ! oder KsFreakWhatElse

Sie heißen Mirellativegal, Emrah ! oder KsFreakWhatElse und kaum einer kennt sie. Zumindest kaum einer über 40. Denn in dieser Generation verstand man unter einem „Star“ noch etwas ganz anderes. Daher bringen heutige Eltern der Youtube-Vorliebe ihrer Kinder oft Unverständnis entgegen. 

Wenn man sich unter Eltern umhört, werden beim Thema Youtube erst mal die Augen verdreht. Auf die Frage, welchen Youtuber sie denn kennen, herrscht Ratlosigkeit: Dner hat man schon mal gehört, Bibis Beauty-Palace auch, und dann war da so einer, der hat sogar mal die Kanzlerin interviewt – ach ja, LeFloid. Dass man von denen mal gehört hat, bedeutet noch lange nicht, dass man weiß, was sie machen.

Dabei sind diese jungen Leute, selbst kaum älter als ihre Zielgruppe, Selfmade-Medienstars und „Influencer“. Sie greifen genau das auf, was Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und zwanzig interessiert und sie haben damit enormen Erfolg.

Durch die Beteiligung an den Werbeeinnahmen und durch zusätzliche Verträge verdienen Youtuber, denen es gelungen ist, ihre Klicks in die Hunderttausende zu heben, gutes Geld.

Ist Youtube für mein Kind gefährlich?

Das Verständnis für das neue Genre fehlt Eltern vor allem deswegen, weil sie keine Vergleichsmöglichkeiten haben. Und weil sich die wenigsten die Zeit nehmen, sich länger damit auseinanderzusetzen. Das Angebot erscheint riesig und unüberschaubar. Es wird schnell als gefährlich abgestempelt.

Natürlich gibt es Inhalte auf Youtube, von denen man nicht möchte, dass Kinder und Jugendliche damit in Berührung kommen. Verhindern könnte man es nicht, denn Kontrollmöglichkeiten gibt es kaum. Nach Ansicht der Medienwissenschaftlerin Maya Götz ist es eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, Kindern möglichst früh Medienkompetenz zu vermitteln. „Auch in Bezug auf ethisches Verhalten. Damit sie selbst erkennen, was sie überfordert und von was sie sich abwenden sollten.“

Doch Gefahr lauert nicht nur in ungeeigneten Inhalten, sondern auch in der Selbstdarstellung. „Nur, wenn du sichtbar bist, bist du da. Dadurch entsteht ein ziemlicher Druck. Umso wichtiger ist es, dass wir schon Kindern beibringen, dass das Internet nie etwas vergisst“, sagt Götz.

Mit den Kindern im Gespräch bleiben

Interesse zu zeigen für das, was Jugendliche sich auf Youtube ansehen, nennt Götz eine der letzten Chancen auf Gemeinsamkeit. „Dabei erfahre ich so viel von meinem Kind. Was es mag, warum es etwas gut findet. Das ist eine gute Gesprächsbasis.“ Im Gespräch bleiben war schon immer eine der wichtigsten Aufgaben, die Eltern von Teenagern zu bewältigen haben.

Dabei kann man erfahren, dass die üblichen Youtuber, die von der Altersklasse zwölf bis zwanzig angeklickt werden, harmlos sind. Manche wie Katja Krasavice reichlich ordinär, aber auch nicht ordinärer als „Eis am Stiel“ oder ähnliche Filmchen aus den 80er Jahren.

„Ich bin wie du“

Nur neun Prozent der 13- bis 16-Jährigen sind nicht auf Youtube unterwegs. In der Altersklasse von 17 bis 19 sind es sogar nur noch vier Prozent.

„Youtuber sind für sie wie Freunde, die direkt zu ihnen sprechen. Das zeigt sich auch an der Kameraeinstellung. Das sieht aus wie beiläufig in die Kamera gesprochen, so wie man eben zu einem guten Freund sprechen würde. Frei nach dem Motto: Ich bin genau wie du, wir beide verstehen uns so toll, lachen miteinander, vertrauen einander.“

Damit würden die Youtuber zu einem zentralen Teil der in der Pubertät notwendigen Identitätsarbeit. Die Teenager könnten sich an ihnen orientieren, sich vergleichen und damit am eigenen Selbstbild arbeiten.

Youtube kontrolliert sich selbst

Vertrauen ist ein wichtiger Teil des Modells. Denn nur, wer glaubwürdig rüberkommt, wird auch angeklickt. Wer zu plump versucht, mit Schleichwerbung das schnelle Geld zu machen, wird fast umgehend überführt und vorgeführt – von den Usern, aber auch von den anderen Youtubern.

Zusätzlich gibt es einen Leitfaden der Landesmedienanstalten, sozusagen einen Werbeknigge. Er ist in einer Sprache verfasst, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Allerdings zielt er eher auf Anfänger ab. Die großen Youtube-Stars haben oft einen professionellen Beraterstab.

Youtuber übernehmen Filterfunktion

Prinzipiell kann man die Videos, die Jugendliche bevorzugt angeklicken, in folgende Kategorien einteilen:

  • DIYs (Do it yourself-Videos)
  • Rankings
  • Challenges, die im Großen und Ganzen der Befriedigung von Schadenfreude dienen
  • provokante Umfragen
  • Lookbooks zu den neuesten Outfits
  • Hauls, in denen neue, sozusagen „erbeutete“ Produkte vorgestellt und getestet werden,
  • Let’s Play-Videos, in denen man dem Youtuber beim Videospielen zuschaut und seinen Kommentar hört
  • FMAs. Follow-Me-Around heißt das und es bedeutet, dass man nicht nur zu Room-, Longboard- und anderen Touren online mitgenommen wird, sondern auch zu großen Events.

Aber auch Kommentare zu aktuellen Nachrichten interessieren Jugendliche. Florian Mundt nennt sich auf Youtube LeFloid und hat rund drei Millionen Abonnenten. Die seien dankbar dafür, dass jemand die Flut von Informationen für sie filtert, weiß Maya Götz. „Durch die Masse der Informationen werden Nachrichten nicht mehr gesucht, man wird von ihnen gefunden. Und wenn sie mich nicht finden, dann sind sie eben auch nicht relevant.“

Fernsehen ist out

Youtube wird immer wieder mit „du sendest“ übersetzt. Wobei der Begriff „tube“ eigentlich für „Glotze“ steht. Und irgendwie wurde diese ja auch ersetzt: „Klassisches Fernsehen schau ich fast gar nicht mehr“, sagt die 15-jährige Jill.

Jills Hauptargument für Youtube ist, dass sie „Bock drauf hat, immer wieder mal für ein paar Minuten einfach so innerlich abzuschalten“. Die Videos passen in jede Tageslücke und „ich kann mir genau das raussuchen, worauf ich gerade Lust habe.“

Die Fünfzehnjährige ist der typische weibliche Youtube-Konsument: ein bisschen Beauty, viel Comedy, hineinspitzen in das Leben von anderen, das meist deutlich aufregender ist als das eigene.

Wenn die Youtube-Stars in ihre Stadt kommen, ist sie mit ihren Freundinnen sofort dabei. „Die Gang-Tour ist der Wahnsinn. Wir waren letztes Jahr schon dort und ich habe Selfies mit Dagi Bee und Julien Bam machen können.“ Ihre Schwester Marie, ein Jahr jünger, kann darüber nur den Kopf schütteln: „Dafür habt ihr in einer Horde kreischender Mädels insgesamt wie viele Stunden angestanden?“, fragt sie mit ironischem Unterton. 

Youtube bietet jedem eine Nische

Marie kann mit dem Hype um einzelne Personen gar nichts anfangen. Und trotzdem ist Youtube auch ihr liebstes Freizeitvergnügen. „Ich spiele lieber, mache meinen eigenen kleinen Kanal und schaue mir von GLP oder PewDiePie Tricks ab.“

Ihr Traum ist es, selbst einmal groß rauszukommen bei Youtube. Dafür macht Marie sich nachmittagelang mit Schnittprogrammen vertraut, übt und probiert – gemeinsam mit ihrem besten Freund, der kilometerweit entfernt in seinem Zimmer sitzt und mit dem sie, virtuell verbunden, ihr Hobby teilt.

Für viele Eltern ist der Youtube-Hype völlig unverständlich

Auch wenn die Mutter der Mädchen den kreativen Aspekt anerkennt, wäre es ihr anders lieber: „Ich verstehe nicht, wieso die zwei nicht öfter etwas anderes zusammen unternehmen. Mal rausgehen, so wie wir früher. Und selbst wenn sie mal ins Kino gehen – was schauen sie sich an? ‚Bruder vor Luder‘ oder ‚Kartoffelsalat‘. Und wieder spielen Youtuber die Hauptrolle.“

Dabei haben Filme wie diese interessanterweise gar nicht funktioniert, genauso wenig wie die seltenen Auftritte von Youtubern in Fernsehshows. „Die Medienbranche hat einfach noch nicht verstanden, wie Youtuber funktionieren“, meint die Medienfachfrau Götz. „Aber vielleicht muss das ja auch gar nicht sein. Eine Jugendkultur funktioniert eben nur, wenn ich sie nicht mit den Alten teile.“

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Weniger Zeit mit dem Smartphone: Zu viel Internet macht Teenager unglücklich


Seit der Einführung des Smartphones lässt sich eine Trendwende im Wohlbefinden junger Menschen feststellen. Eine US-amerikanische Studie stellt den Zusammenhang fest, aber besteht auch eine Kausalität?

Instagram-Likes checken, die täglichen Snapchat-Kontakte am Laufen halten, mit Freunden texten und dann noch online Hausaufgaben machen. Viele Teenager nutzen mittlerweile mehrere Stunden am Tag ihr Smartphone oder Laptop. Eine neue US-Studie liefert weitere Hinweise für etwas, das selbst viele der jungen Dauernutzer schon ahnen: Immer mehr Zeit online zu verbringen heißt nicht zwingend, sich immer besser zu fühlen. Im Gegenteil.

Am glücklichsten sind die Teens, die nur knapp eine Stunde täglich online sind – das zumindest ergab die Studie der San Diego State University, die im Fachmagazin „Emotion“ veröffentlicht ist. Für die, die länger als eine Stunde pro Tag am Bildschirm kleben, sinken die Zufriedenheitswerte – ebenso bei denen, die gar keine Digitalmedien nutzen (dürfen).
Einen kausalen Zusammenhang stellt die Studie allerdings nicht her, sondern zeigt nur eine Korrelation – es bleibt also unklar, ob die Zufriedenheit wirklich an die Medien-Nutzung gekoppelt ist oder an andere, damit verbundene Faktoren.

Insgesamt zeigte sich: Jugendliche, die einen größeren Teil ihrer Freizeit mit Sport, Lesen oder Verabredungen verbringen als mit Online-Aktivitäten wie Computerspielen, sozialen Medien oder Video-Chats mit Freunden, fühlen sich deutlich glücklicher als solche, bei denen das Verhältnis umgekehrt ist. Das Team um die Psychologin Jean Twenge durchforstete dazu Daten einer jährlichen, repräsentativen US-Langzeituntersuchung (Monitoring the Future), für die seit 1991 mehr als eine Million Acht-, Zehnt- und Zwölftklässler befragt wurden. Dabei stiegen Selbstachtung, Lebenszufriedenheit und das Gefühl, glücklich zu sein, seit den 1990er Jahren bei den Teenagern insgesamt stetig an. Ab 2012 jedoch – dem Jahr, in dem die Hälfte aller US-Teens ein Smartphone besaß – kehrte sich der Trend abrupt um.

Die Angst, etwas zu verpassen

Ähnliche Zahlen hatte Twenge im Sommer 2017 schon in ihrem Digitalmedien-kritischen Buch zur sogenannten „iGeneration“ vorgelegt – und dafür von Fachkollegen wegen des alarmistischen Tons nicht nur Lob bekommen. Doch Twenge ist überzeugt: „Der bei weitem größte Unterschied im Leben von Teenagern 2012 und 2016 war der Anstieg der Zeit, die sie mit sozialen Medien verbrachten – und der daraus folgende Rückgang bei Sozialkontakten von Angesicht zu Angesicht und bei der Schlafdauer.“

Kommunikationsforscherin Hefner geht davon aus, dass die Angst, etwas zu verpassen, zu exzessiver Smartphone-Nutzung führt.

Die Forscherin Amanda Lehnart (Better Life Lab) mahnt in der „Washington Post“ an, dass es schwierig sei, die Bildschirmzeit von anderen möglichen Stressfaktoren im Leben der Jugendlichen zu unterscheiden – etwa politisch bedingten oder ökonomischen Lebensumständen. „Technologie wird heute schnell zum Sündenbock gemacht – sie ist neu, sie macht Angst, sie verändert das Leben von uns und unseren Kindern.“

Kommunikationsforscherin Dorothée Hefner von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover hält die Studie für plausibel und nachvollziehbar – „auch wenn die zwar breite, aber wenig tiefe Datenbasis kaum Erklärungen dafür liefert, warum ein Mehr an Online-Aktivitäten mit einem Weniger an Lebensfreude zusammenhängt.“ Hefner, die selbst jüngst ein Buch zum Phänomen „Permanent Online, Permanent Connected“ mit herausgegeben hat, glaubt, dass die Angst davor, etwas zu verpassen, für viele Jugendliche ein wichtiges Motiv bei der exzessiven Smartphone-Nutzung ist. Dann sei auch eine Abwärtsspirale möglich – etwa, wenn man passiv mitlese und sehe, wovon man alles ausgeschlossen sei. Auch Neid spiele beim Lesen von Posts oft eine Rolle.

Technik-Sperre selbst bei Bill Gates

Bei instabilen Jugendlichen könne der ständige Vergleich mit anderen möglicherweise eine Depression anfeuern. „Ich würde mich jedoch nicht so weit aus dem Fenster lehnen, zu behaupten, dass das Smartphone die Suizidrate noch oben treibt“, sagt Hefner. Und es dürfe nicht vergessen werden, wie viel Chancen der sozialen Unterstützung, der Information und Bildung die Online-Welt für junge Menschen biete. Ähnlich wie andere deutsche Studien zieht auch Hefner den Schluss: „Beschränkung macht mit Sicherheit Sinn.“

Fraglich sei, ob beim Smartphone eine strikt zeitliche Begrenzung funktioniere. „Was aber geht: kein Smartphone beim gemeinsamen Essen und bei Gemeinschaftsaktivitäten, kein Smartphone abends und nachts im Bett. Und tagsüber smartphonefreie Fenster.“ All dies in Absprache und Aushandlung mit dem Nachwuchs. Das ist deutlich weniger strikt als manche Regeln, die US-Technik-Titanen ihren Sprösslingen auferlegen: Sie schicken sie im Silicon Valley nicht nur auf Technologie-freie Schulen, sondern erlauben ihnen Smartphones auch erst ab 14 Jahren – wie etwa Bill Gates dies tut.



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Mit dieser App greift Facebook Snapchat an

LifestageMit dieser App greift Facebook Snapchat an

In der neuen Lifestage-App bestehen die Nutzerprofile aus aneinandergehängten Videoclips. Foto: EPA

Silicon Valley – Facebook laufen die jungen Nutzer weg – dagegen geht Marc Zuckerberg jetzt mit einer neuen App weiter vor. „Lifestage“ heißt die Funktion, die sich iOs-Nutzer in den USA im AppStore herunterladen können. Sie steht unter dem Produktmotto „Your Life is on a Stage“. Der Haken für alle Erwachsenen: Nur unter 21-Jährige können die Anwendung unbeschränkt nutzen. Allen älteren Usern wird nur das eigene Profil angezeigt.

Das Facebook-Profil wird in der Lifestage-App durch kurze, aneinanderhängende Videoclips ersetzt. Darin beantworten die Jugendlichen Fragen nach ihren Vorlieben und Hobbies. Die App zeigt dem Benutzer alle Profile von Bekannten und Mitschülern an, die auf die eigene oder eine benachbarte Schule gehen. Teilt ein Nutzer einen neuen Beitrag, werden seine Kontakte benachrichtigt. Eine eigene Nachrichtenfunktion besitzt die App allerdings nicht.

Um Lifestage zu pushen, hat sich Facebook außerdem einen weiteren Clou ausgedacht: Erst wenn mindestens 20 Schüler einer Schule Mitglied sind, funktioniert die Vernetzung. Damit will Facebook die Jugendlichen wohl dazu bringen, möglichst viele Freunde einzubinden.

Das Netzwerk erinnert an die Anfangszeiten von Facebook, als das Portal ausschließlich eingeschriebene Studenten US-amerikanischer Hochschulen nutzen konnten. Auch mit StudiVz und SchülerVz aus vergangenen Tagen lässt sich die App vergleichen – mit dem Unterschied, dass Video anstelle von Text getreten ist. Texte sind schließlich für Erwachsene, Videos für Jugendliche.

Auf die Snapchat-Zielgruppe hat es Marc Zuckerberg schon lange abgesehen. Aufkaufen ließ sich die bei den Teenagern so beliebte App allerdings auch für den sagenhaften Preis von fünf Milliarden nicht.

Deswegen schlägt Zuckerberg nun zurück: Erst vor kurzem relaunchte die Facebook-Tochter Instagram das neue Feature Instagram-Stories, eine Kopie des Snapchat-Konzepts. Nun folgt Lifestage. Wie die Jugendlichen die neue Funktion aufnehmen, bleibt abzuwarten.

Entwickelt wurde die App übrigens von einem jungen Mann, der mit 19 Jahren genau in die Zielgruppe gehört. Michael Sayman ist der jüngste Produkt-Manager bei Facebook. Das Programmieren hat er sich seit seinem 13. Lebensjahr selbst beigebracht. Mit 16 entwickelte er die beliebte App „4 Snaps“, durch die Zuckerberg auf ihn aufmerksam wurde und ihn bei Facebook anstellte. Mit Lifestage wollte Sayman an einer App arbeiten, mit der sich seine Altersgruppe identifizieren kann oder die zumindest seine Freunde nutzen wollen würden.

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Ministerpräsident Weil spricht mit jungen Flüchtlingen

In Gesprächen mit jugendlichen Flüchtlingen hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sich in Hameln über den Stand der Ausbildung informiert. Weil habe sich erfreut gezeigt über die Fortschritte, die die jungen Menschen aus Syrien und Afghanistan in der Berufsfachschule und in ihren Betrieben gemacht hätten, sagte eine Sprecherin des Landkreises Hameln-Pyrmont am Montag.

Der Ministerpräsident habe sich viel Zeit für die Jugendlichen genommen, die in einem Restaurant, einer Bäckerei und einem Maschinenbauunternehmen Praktika absolvieren, sagte die Sprecherin. Die Ausbilder der jungen Leute zeigten sich im Gespräch mit Weil begeistert und hoben das Engagement der Flüchtlinge bei der Ausbildung und deren Fleiß beim Erlernen der deutschen Sprache hervor.

Im Anschluss an die Gespräche in der Berufsfachschule wollte Weil das sogenannte englische Viertel in Hameln besuchen. Dort leben Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammen.

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Kühnert und Co.: „Alte-Säcke-Politik“ nervt #diesejungenLeute


Juso-Chef Kevin Kühnert ist derzeit ein beliebter Gast in Talkshows. Dort wird er manchmal von älteren Politikern oder Moderatoren geduzt. Junge Menschen finden das respektlos – und machen ihrem Ärger auf Twitter Luft.

Ein Klopfen auf die Schulter, ein höfliches Klatschen nach einer Rede. „Für dein Alter hast du das super gemacht!“ Es sind solche Sätze, die Max Lucks ärgern. Der 20-Jährige beendet seine Sätze oft mit einem kräftigen „Ja“, das keine Widerrede duldet. Lucks macht schon seit über sechs Jahren Politik für die Grünen – und ist heute bereits Sprecher des Jugendverbandes. An Erfahrung mangelt es ihm also nicht. Trotzdem stolperten die meisten älteren Parteimitglieder erst einmal über sein Alter.

Auf Twitter teilen Nutzer solche Erfahrungen unter dem Hashtag #diesejungenLeute. Lucks hält diese Debatte für wichtig, sie greift ihm aber zu kurz. „Wir sollten nicht die Generationen gegeneinander ausspielen, sondern zusammen kämpfen“, findet er. Nur so könne seine Partei zum einen für den Studenten und gleichzeitig für den älteren Beschäftigten bei Thyssen-Krupp etwas bewirken.

Kühnert könnte Wende für junge Politiker einleiten

Bei den meisten Parteien liegt der Anteil der Mitglieder unter 35 Jahren bei unter 20 Prozent. Dass sich viele der jüngeren Politiker unfair behandelt fühlen, überrascht den Zukunftslobbyisten Wolfgang Gründinger nicht. In seinem Buch „Alte-Säcke-Politik“ prangerte er bereits vor zwei Jahren an, dass Jüngere in der deutschen Gesellschaft kaum gehört würden. „Die Politiker lassen sich dann ab und zu mal mit einem jüngeren Parteimitglied am Kickertisch fotografieren, um besonders cool zu wirken. Und um vorzugeben, dass ihnen die Jugend wichtig sei. Aber daraus folgt wenig bis gar nichts.“

Alte Säcke, das sind für den 33-Jährigen Merkel, Schulz und Co. – eben alle, die ein „Weiter so!“ in Kauf nähmen. Jungen Politikern wirft er vor, häufig bereits genauso zu reden und sich zu kleiden wie die Älteren. Der Juso-Chef Kevin Kühnert ist laut Gründinger eine Ausnahme und könnte ein Vorbild für junge Politiker werden. „Kevin hat eine andere Art zu sprechen. Andere vor ihm haben sich sogar thematisch angepasst, damit sie überhaupt etwas werden konnten in der Partei.“

Grüne Jugend will Nachwuchs-Quote

Trotzdem zeichnet sich im Parlament ein gesellschaftlicher Trend ab. Während die Deutschen immer älter werden, liegt das Durchschnittsalter der Abgeordneten seit langem zwischen 48 und 50 Jahren – bei den Deutschen insgesamt sind es rund 44 Jahre, Tendenz steigend. Aus Gründingers Sicht wird der Bundestag damit trotzdem kein Spiegel der Gesellschaft. „Aber auch dann sind die Jüngeren unterrepräsentiert, denn wer nicht volljährig ist, hat in diesem Land überhaupt kein Stimmrecht“, sagt er. Gründinger setzt sich seit Jahren für das Wahlrecht von Kindern und Jugendlichen bei der Bundestagswahl ein.

Die Jungen müssen gestärkt werden, da sind sich Zukunftslobbyist Gründinger und Grüne-Jugend-Sprecher Lucks einig. Beide plädieren für eine sogenannte „Neuen-Quote““ im Parlament: Für einen frei gewordenen Platz müsste dann jemand gewählt werden, der vorher noch nicht im Parlament gesessen hat. Das fördere auch jüngere Abgeordnete, ist sich Lucks sicher. Dass die eine heterogene Gruppe sind und sich nicht automatisch mit „jungen“ Themen wie der Digitalisierung oder auch der Legalisierung von Cannabis beschäftigen, ist dem 20-Jährigen klar. Er selbst sucht sich für seine außen- und innenpolitischen Schwerpunkte Mitstreiter in jedem Alter.



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Rauchen ist bei Jugendlichen immer mehr out

Zeigen Verbote Wirkung?Rauchen ist bei Jugendlichen immer mehr out

Schockbilder auf Zigarettenschachteln sollen vor den Folgen des Tabakkonsums warnen. Foto: dpa

Stuttgart – Eines ist sicher: Der Anteil der Raucher in Deutschland geht zurück. Vor allem bei jungen Menschen konnten laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg starke Verhaltensänderungen nachgewiesen werden. Bis 2003 stieg der Anteil der Raucher tendenziell an, seit 2005 sind sie sowohl bei jungen Männern als auch bei jungen Frauen rückläufig. Gaben im Jahr 2003 noch 18 Prozent der unter 20-Jährigen an, regelmäßig zu rauchen, waren es zehn Jahre später nur noch neun Prozent. Einen Zusammenhang zwischen politischen Maßnahmen gegen den Tabakkonsum und dem tatsächlichen Rauchverhalten herzustellen ist schwierig. Der Rückgang deutet jedoch auf eine Wirksamkeit des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten hin, sowie das seit 2007 in Baden-Württemberg geltende Rauchverbot an Schulen. „Das Rauchen gehört in Deutschland längst nicht mehr zum Lebensgefühl junger Menschen“, so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

Bei den Erwachsenen zeichnet sich eine ähnliche Tendenz ab: Seit 2005 hören immer mehr Erwachsene mit dem Rauchen auf. Bis 2005 waren die Raucheranteile zumindest bei den Frauen noch steigend, was nicht auf eine unmittelbare Wirksamkeit der Tabaksteuererhöhungen schließen lässt, die zwischen 2002 und 2005 durchgesetzt wurden.

Seit 2003 prangen Warnhinweise auf den Packungen: „Rauchen kann tödlich sein“ oder „Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.“ Seit diesem Jahr muss die Tabakindustrie ihre Zigarettenschachteln mit Schockbildern versehen, die laut EU-Richtlinie vorne und hinten zwei Drittel der Verpackungsfläche einnehmen müssen. Insgesamt gibt es 42 verschiedene Ekel-Motive, von denen zunächst 14 im Handel erscheinen. Nach einem Jahr wird dann gewechselt – damit die Käufer nicht abstumpfen. „Die Bilder werden weniger wirksam, je häufiger man sie sieht“, so eine Sprecherin der EU-Kommission. Bisher sind die bebilderten Schachteln noch eher selten zu sehen, da die Tabakindustrie noch ihre Restbestände verkaufen darf. Deshalb haben die Hersteller natürlich fleißig vorproduziert, um die Schockbilder noch so lang wie möglich heraus zu zögern. Aufgrund dieser Produktionsverschiebung brachen die Einnahmen aus der Tabaksteuer im Juni und Juli dieses Jahres um knapp 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein, so der aktuelle Monatsbericht des Finanzministeriums. In den nächsten Monaten sei aber wieder mit einer Normalisierung zu rechnen.

Einer Umfrage der „Deutschen Angestellten-Krankenkasse“ (DAK) zufolge halten 81 Prozent der Deutschen die Ekelfotos auf Verpackungen für keine wirksame Maßnahme gegen das Rauchen. „Ob jemand zur Zigarette greift oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab“, so DAK-Suchtexperte Ralf Kremer. „Schockbilder auf Zigarettenpackungen sind nur ein Präventionsfaktor“. Einen starken Einfluss habe zum Beispiel auch, wie stark Zigaretten im persönlichen Umfeld akzeptiert sind. Dennoch finden zwei Drittel der Befragten es grundsätzlich in Ordnung, dass solche Bilder in dieser Deutlichkeit gezeigt werden.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ist überzeugt, dass die Schockbilder wirken. „Große bildliche Warnhinweise sind ein wirksames Mittel der Tabakprävention, weil sie junge Menschen davon abhalten, mit dem Rauchen anzufangen“, so die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Eine experimentelle Studie der Ohio State University in Columbus/USA bestätigt, dass die kombinierten Warnhinweise aus Bild und Text den reinen Texthinweisen auf Zigarettenschachteln überlegen sind und die Risiken des Tabakkonsums glaubhafter machen.

In Australien gibt es die bebilderten Zigarettenschachteln schon seit 2012, die Erfahrungen sind positiv: Laut der Fachzeitschrift „Medical Journal of Australia“ steigt die Zahl der Raucheraussteiger seither stark an. Australien hat mit nur 16 Prozent eine der niedrigsten Raucherquoten weltweit.

Überzeugte Raucher in Deutschland, die sich die Lust am Rauchen nicht verderben lassen wollen, haben in der Zwischenzeit schon einen Weg gefunden, den Schockbildern aus dem Weg zu gehen: Hersteller von Zigarettenetuis erwarten in naher Zukunft einen Verkaufsboom ihrer Metallschachteln.

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Hausarbeit: Hilfe nicht erst bei Teenies einfordern

Mit Freude räumt kein Kind gern auf. Trotzdem sollten Eltern frühzeitig Aufgaben im Haushalt verteilen und die Unterstützung der Kinder einfordern, denn Teenager lernen Selbstständigkeit viel schwerer als jüngere Kinder.

Klamotten waschen? Macht Mama. Pizza in den Ofen schieben? Macht auch Mama. Vor allem in der Pubertät genießen viele Jugendliche die Vorzüge des Rund-um-Services. „Wenn Eltern die Unselbstständigkeit erst bemerken, wenn die Kinder 16 oder 17 Jahre sind, wird es schwierig“, sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Vorbeugen lässt sich dadurch, dass Kinder schon früh für bestimmte Dinge verantwortlich sind: ihr Zimmer ordnen, mitkochen oder Schulsachen kaufen. „Ab der Grundschule sollten Kinder ruhig schon ihren eigenen Wecker haben.“ Das schließe nicht aus, dass Eltern noch einmal eine zweite Weckrunde übernehmen.

Eltern brauchen einen langen Atem

Doch selbst wenn Kinder früh schon viele Aufgaben übernommen haben, kann das in der Pubertät nachlassen. In diesem Fall müssen Eltern einen langen Atem haben: „Beharrlich sein und immer wieder die Zuversicht haben, dass der Teenager das umsetzen wird, was man ihm früh beigebracht hat“, sagt Ritzer-Sachs. Außerdem sollten Eltern versuchen, sich bei vielen Routinen immer wieder zu bremsen: „Hänge ich mich zu sehr rein? Kann mein Kind das nicht schon längst selbst?“

Klare Absprachen treffen

Die Aufforderung im Haushalt mitzuhelfen stößt meist auf keine große Gegenliebe. Verzögerungstaktiken oder Vergessen sind oftmals die Reaktion der Kinder. Dagegen hilft nur: Die Eltern müssen konsequent bleiben und an den Vereinbarungen festhalten. Doch Kinder erledigen Aufgaben häufig nicht rechtzeitig. Aus einem „gleich“ oder „später“ wird schnell ein „Ups, vergessen“. Um Stress und Streit zu vermeiden, helfen klare Absprachen.

Aufgabenverteilung positiv gestalten

Es liegt in der Natur der Sache: Bekommt ein Mensch ständig Aufgaben zugewiesen, die ihm widerstreben, geht er in die Opposition. Der Autor und Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch aus Neuss erklärt: „Kinder verweigern sich, wenn Eltern dauernd etwas anordnen und für sie Dinge regeln.“ In der Dauerberieselung aus Befehlen, Bitten und Erinnern stellen Kinderohren irgendwann auf Durchzug.

Die Folge: Die Eltern sind genervt, die Kinder frustriert. „Die Aufgabenverteilung im gemeinsamen Familienleben sollte positiv und lebensnah gestaltet werden“, findet Wunsch. Das bedeutet jedoch nicht, den Kindern alle Aufgaben abzunehmen: „Wer immer alles hinterher räumt und abnimmt, lässt die Kinder keine eigenen Erfahrungen machen“, sagt Klaus Fischer, Familientherapeut bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Schmallenberg.

Ziele setzen

Doch um Verantwortung, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu erlernen, bedarf es frühzeitiger Förderung. Wunsch hat dafür einen Trick: „Delegieren Sie keine Aufgaben, vereinbaren Sie Ziele!“ Anstatt immer wieder an den vollen Mülleimer erinnern zu müssen, sollten Eltern sich lieber einmal mit dem Nachwuchs an den Tisch setzen und klären: Welche Aufgaben möchtest du übernehmen? Wie kannst du das umsetzen? „Lassen Sie das Kind eigene Strategien entwickeln, wie es Aufgaben erledigen kann“, sagt Wunsch. Wichtig dabei: „Die Mithilfe im Haushalt sollte immer altersgerecht aufgebaut sein“, sagt Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge.

Kindergartenkinder finden es toll, den Tisch decken zu dürfen oder beim Kochen zu assistieren: „Die Mithilfe ist spielerisch und sollte von den Eltern begleitet werden“, sagt Fischer. Ab dem Grundschulalter können die Kids bereits eigenständig kleine Arbeiten übernehmen, den Müll rausbringen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen. Statt die Mithilfe als „Muss“ zu verkaufen, sollten Eltern laut Albert Wunsch lieber den Ehrgeiz wecken: „Vereinbaren Sie partnerschaftlich mit Ihrem Kind, was es leisten kann.“ Zu diesem Eltern-Kind-Pakt gehören auch Konsequenzen, wenn die Aufgabe bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht erfüllt beziehungsweise vergessen wird.

Konsequenzen vereinbaren

Während Fischer empfiehlt, dem Kind den übervollen Mülleimer auch mal sichtbar vor die Zimmertür zu stellen, glaubt Wunsch an die Vernunft und den Ehrgeiz beim Kind: „Wenn Sie im Vorfeld eine Konsequenz vereinbaren, die ihr Kind unbedingt vermeiden will, wird es den Müll so schnell nicht stehen lassen.“  Rogge erklärt das kindliche „Aufschieberitis-Gen“ wie folgt: „Kinder sind sehr lustbetont, vergessen Pflichten eben schnell. Dahinter steckt keine böse Absicht.“

Statt gleich zu ermahnen und zu drohen, sollten Eltern deshalb lieber freundlich erinnern, dabei aber auch feste Grenzen setzen. Statt unklarer Fragen, wie „Bringst du heute noch den Müll raus?“ sei es besser deutlich zu formulieren: „Bitte bring jetzt den Müll raus!“ Verlängert der Nachwuchs dann ständig mit einem unkonkreten „gleich“, helfe ein freundliches, aber bestimmtes: „Nein, jetzt!“ „Zur Not wird dann eben auch mal das WLAN ausgeschaltet.“

Die Tricks der Eltern

  • auch mal fies sein
  • vollen Mülleimer vor die Kinderzimmertür stellen
  • Konsequenzen für nicht erledigte Aufgaben vereinbaren
  • dreckige Wäsche aufs Bett legen

Belohnungen motivieren

Familientherapeut Fischer findet, dass es nicht nur Konsequenzen, sondern auch Belohnungen geben sollte: „Kinder brauchen schließlich auch positives Feedback, wenn sie sich an die Regeln halten.“ Für fünfmal Zimmeraufräumen könnten Eltern zum Beispiel eine Belohnung ausgeben. Welche Art der Aufgabenverteilung Eltern auch wählen: „Es wird immer wieder Momente geben, in denen der Haussegen schief hängt“, sagt Fischer.

„Aufräumen und Ordnung ist in allen Familien eine ‚Neverending-Story‘, bei der nur locker bleiben hilft.“ Auch Wunsch empfiehlt, nicht zu streng zu sein: „Überprüfen Sie auch mal die eigenen Erwartungen und fragen Sie sich, ob diese für das Leben Ihres Kind angemessen sind.“

Überforderung oder Machtkampf

Wenn Kinder oder Jugendliche Aufgaben nicht erledigen, sollten Eltern sich fragen, was dahinter stecken könnte. Ein Sechsjähriger kann nicht die gleichen Aufgaben übernehmen wie ein Zehnjähriger.
Manchmal steckt aber auch Rebellion dahinter. Psychologen empfehlen in diesem Fall, hart zu bleiben. Denn wenn Eltern selbst aufräumen, um den Konflikt zu umgehen, schaukelt sich das Problem nur weiter hoch.

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15-Jähriger ersticht Mitschüler: Blicke sollen Bluttat ausgelöst haben


Ein Jugendlicher ersticht in einer Gesamtschule in Lünen einen Mitschüler. In der Vernehmung offenbart der mutmaßliche Täter Unfassbares: Er hat offenbar zugestochen, weil er sich durch Blicke des späteren Opfers auf seine Mutter provoziert fühlte.

Es ist Dienstagmorgen kurz nach 8 Uhr, in den meisten Räumen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule im westfälischen Lünen wird unterrichtet, als das Unfassbare auf einem der Flure geschieht: Ein wartender 15-Jähriger zückt ein Messer und sticht auf einen 14-Jährigen Mitschüler ein. Der bricht zusammen und stirbt. Der 15 Jahre alte Jugendliche ergreift die Flucht und wird wenig später an einem nahen Kanal gefasst. 

Nach der Vernehmung des mutmaßlichen Täters berichten Polizei und Staatsanwaltschaft Unglaubliches: Der mutmaßliche Täter war offenbar der Meinung, dass der 14-Jährige die Mutter des 15-Jährigen provozierend angeschaut habe. Deshalb habe er das Messer gezückt und zugestochen, so die Behörden.

Der 15-Jährige sei polizeibekannt gewesen und habe als aggressiv und unbeschulbar gegolten. Deshalb habe er vorübergehend eine andere Schule besucht. Am Dienstag habe er in der Kollwitz-Schule zusammen mit seiner Mutter auf einen Gesprächstermin bei einer Sozialarbeiterin gewartet, weil er zurück auf diese Schule sollte. Dabei sei er auf den 14-Jährigen getroffen – der in der Wahrnehmung des mutmaßlichen Täters die Mutter mehrfach provozierend angeschaut habe, berichten die Behörden. Daraufhin habe der 15-Jährige das Messer gezückt.

Ob der Streit um die Blicke zur Mutter tatsächlich das abschließende Tatmotiv war, will die Staatsanwaltschaft weiter ermitteln. Der 15-Jährige soll am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Familie des Opfers wurde von Fachleuten betreut. Nach Polizeiangaben hat der 15-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft. Er sei in Deutschland geboren und habe außerdem einen kasachischen Pass. Bei dem getöteten 14-Jährigen handelt es sich demnach ebenfalls um einen Deutschen.

Mordkommission übernimmt Ermittlungen

Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen, die Polizei hatte den Tatort abgesperrt. Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen wollten, sollten einen Personalausweis mitbringen, erklärte Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. Die Schüler seien in der Schule sicher, der Unterricht fiel aber aus. Die Stadt kündigte für Mittwoch um 12 Uhr eine Schweigeminute in allen Schulen und im Rathaus von Lünen an. „Diese schreckliche Tat macht mich tief betroffen. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten der Familie des Opfers“, teilte Kleine-Frauns auf der Website der Stadt mit. Das Regierungskabinett gedachte des 14-Jährigen, dessen Familie und der Schulgemeinschaft mit einer Schweigeminute. 

„Es ist die schrecklichste Vorstellung, die man als Eltern haben kann: Das eigene Kind verlässt das Haus und kommt nicht wieder“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Seelsorger betreuten nach der Tat Angehörige, Schüler und Lehrer. „Dieser Vorfall an unserer Schule hat große Betroffenheit im Kollegium und in der ganzen Schule ausgelöst“, sagte Schulleiter Reinhold Bauhus. „Wir bekommen gute Unterstützung von dem Krisenteam und den Schulpsychologen.“

Unter der Überschrift „Wir trauern“ formulierte die Schulleitung auf einer in schwarzer Grundfarbe gehaltenen Website ihre Erschütterung.  Am Tag nach der Bluttat soll der Unterricht wieder um 8.15 Uhr beginnen, teilte die Schulleitung den Eltern mit. „Gerade jetzt ist es für Ihre Kinder sehr wichtig, dass ihnen die vertrauten Schulstrukturen Halt geben.“

Die Kollwitz-Schule ist eine von zwei Gesamtschulen in Lünen, einer Stadt am Rand von Ruhrgebiet und Münsterland. Nach Angaben der Stadtverwaltung besuchen 968 Schüler die Einrichtung.



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Stadt sucht dringend Nachtwanderer

EbersbachStadt sucht dringend Nachtwanderer

Andernorts, wie hier in Korb, sind Nachtwanderer schon länger unterwegs. Foto: Horst Rudel

Ebersbach – Spätestens im Juli oder August hätte es losgehen sollen. Da sich aber nicht ausreichend Frauen und Männer bereit erklärten, in bestimmten Nächten als Nachtwanderer durch Ebersbachzu streifen, hat Jutta Schabel den Start des Projektes fürs Erste verschoben. „Wenn ich die Leute nicht habe, können wir nicht loslegen“, sagt die Leiterin des Amtes für Bürgerservice und Soziales. Es dürfe keinesfalls passieren, dass die Ehrenamtlichen kräftemäßig ausbluteten. Schabel ist aber zuversichtlich, dass schon bald ein Testlauf stattfinden kann. Die Nachtwanderer sind vornehmlich an Wochenenden in den späten Abendstunden unterwegs, um Konflikte zwischen Jugendlichen und Anwohnern erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Auf zwei Frauen und vier Männer kann Schabel mittlerweile zählen. Darüber ist sie froh, denn die Resonanz auf einen ersten Aufruf im vergangenen Herbst war sehr verhalten. Es meldeten sich gerade einmal drei Leute. Bei einem zweiten Versuch im Frühjahr waren es sechs, einige kamen dann aber doch nicht. Woher diese Zurückhaltung kommt, kann Schabel nicht mit Sicherheit beantworten. Sie vermutet aber, dass sich viele Leute diese Aufgabe nicht zutrauten. Schließlich müssten die Nachtwanderer viel Verständnis für Jugendliche mitbringen. Außerdem seien viele Kräfte in der örtlichen Flüchtlingshilfe gebunden.

Trotzdem hofft Schabel, dass sie weitere Nachtwanderer gewinnen kann, wenn das Projekt erst einmal läuft. Interessierte könnten dann auch einmal mit auf eine Tour gehen und sich bei den bereits aktiven Nachtwanderern informieren. „Wenn die Leute sehen, dass es gut läuft, dann setzt das vielleicht die Hemmschwelle herunter“, hofft sie.

Obwohl mindestens zwölf, besser sogar 20 Ehrenamtliche am Start sein sollten, um die Last auf möglichst viele Schultern zu verteilen, will Schabel schon bald einen Testlauf wagen. Die sechs Nachtwanderer, die sich bisher gemeldet hätten, seien mit Feuereifer dabei. „Wir bauen sie gerade für diese Aufgabe auf“, sagt sie. So sind in den zurückliegenden Wochen viele Gespräche über die Ziele und die gemeinsame Haltung geführt worden. Auch eine Schulung haben die sechs künftigen Nachtwanderer bereits absolviert. Es ging um das Thema Deeskalation. „Dieses Thema ist wichtig, falls die Nachtwanderer in eine Konfliktsituation geraten“, erklärt Schabel. Auch Erste-Hilfe-Kurse oder Gesprächsführung stehen auf dem Programm. Je nach Bedarf will Schabel weitere Kurse anbieten. Auch über die „Arbeitskleidung“ mache man sich schon erste Gedanken.

Polizeiliche Aufgaben sollen die Nachtwanderer nicht übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, vor allem zu Jugendlichen einen Draht zu finden und Vertrauen aufzubauen. Gegebenenfalls sollen sie die Nachtschwärmer auch auf ihr Fehlverhalten hinweisen, wenn sie etwa zu laut sind oder Müll in einer öffentlichen Grünfläche liegen lassen. Von anderen Städten, die bereits Erfahrungen mit Nachtwanderern gemacht haben, weiß sie, dass diese viel zu einem guten sozialen Klima beitragen.

In Ebersbach ist geplant, die Nachtwanderer vorläufig nur einmal im Monat freitags und samstags von 22 bis 1 Uhr loszuschicken. Da es pro Tour jeweils drei Personen sein sollten, sei im Moment auch nicht mehr drin. Erst kürzlich hat Jutta Schabel wieder einen Aufruf im örtlichen Mitteilungsblatt und auf der Homepage der Stadt gestartet. „Im Moment hoffe ich noch, dass wir Zuwachs bekommen, damit das Projekt wirklich lebensfähig ist“, sagt sie.

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Schwanger – wie sage ich es meinem Kind?

Ab dem zweiten Baby müssen Sie nicht nur Familie und Freunden von der Schwangerschaft erzählen, sondern auch Ihrem Kind oder den älteren Geschwistern. Viele werdende Eltern stellen sich dabei die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Wie Sie es am besten angehen, erfahren Sie hier.

Geschwisterchen: Ein Einschnitt im Leben

Wenn Sie ein zweites Baby bekommen, ändert sich nicht nur das Leben von Ihnen und Ihrem Partner: Auch ältere Geschwisterkinder müssen sich an das neue Familienmitglied gewöhnen. Wie Sie Ihrem Kind sagen können, dass sie noch ein Geschwisterchen bekommen, hängt sehr stark vom jeweiligen Alter des Kindes ab.

Einem Kleinkind das Geschwisterchen ankündigen

Einem Kleinkind bis zum Alter von drei Jahren können Sie recht einfach vermitteln, dass es bald ein Geschwisterchen bekommen wird. Ein ausführliches Gespräch würde es noch nicht verstehen.

Es reicht aus, wenn Sie erklären, warum Ihr Bauch wächst. Kaufen Sie Bilderbücher, die das Leben mit einem Baby darstellen. So vermitteln Sie anschaulich, was sich in Ihrem Leben ändern wird. Gibt es in der Familie oder im Freundeskreis jemanden mit einem Baby, sollten Sie gemeinsam Zeit verbringen – die Geburt und der Umgang mit einem Baby ist dem Kind dann nicht mehr so fremd.

Kindergartenalter: Fragen beantworten

Ab dem Kindergartenalter werden Sie viele Fragen beantworten müssen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich Zeit für ein Gespräch in einer schönen Atmosphäre nehmen. Die meisten Kinder im Vorschulalter lieben Babys. Sie werden Ihrem Kind mit der Nachricht wahrscheinlich eine große Freude machen.

Feingefühl bei Schulkindern und Teenagern

Schulkindern und Teenagern sollten Sie die Neuigkeit in einem persönlichen Gespräch beibringen. Rechnen Sie damit, dass gerade ältere Kinder einem neuen Geschwisterkind kritisch gegenüber stehen könnten. Ein möglicher Grund dafür ist die Angst vor gravierenden Veränderungen, die das neue Familienmitglied mit sich bringen könnte.

Kinder ab einem Alter von etwa 14 Jahren können von der Nachricht peinlich berührt sein. Als Jugendliche beginnen sie, sich mit der Sexualität auseinanderzusetzen. Da kann die Nachricht, dass die eigenen Eltern „es offensichtlich noch machen“, zwiespältige Gefühle oder Kritik auslösen.

Der richtige Zeitpunkt ist hier mitunter nicht einfach zu finden. Warten Sie die ersten neun bis zehn Wochen ab, dann hat sich die Schwangerschaft gefestigt. Altere Kinder sollten es jedoch erfahren, bevor man an Ihrem Bauch sieht, dass Sie schwanger sind.

Beziehen Sie ältere Geschwister ein

Kinder ab einem Alter von drei bis vier Jahren können Sie in die Schwangerschaft mit einbeziehen: Erklären Sie ihm, was in Ihrem Bauch passiert und sprechen darüber, wie Sie sich fühlen. Nehmen Sie Ihr Kind mit zum Ultraschall und wenn Sie Babysachen oder einen Kinderwagen kaufen.

Beim Einrichten des Kinderzimmers oder Schlafzimmers kann Ihr Kind Ihnen ebenfalls helfen. Beantworten Sie Fragen und nehmen sich viel Zeit für Ihr Kind.

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