Jugendliche in EsslingenAlles, nur kein Auslaufmodell
Esslingen – Es gibt eine Zeit im Leben, in der haben Erwachsene und Autoritätspersonen nichts verloren. Eltern sollen möglichst wenig wissen, von der ersten Liebe, den Problemen und heimlichen Interessen. Ein Ort, an dem pubertäre Teenager seit Jahrzehnten Zuflucht vor zu strengen Eltern oder deren Neugier suchen und finden, sind Jugendhäuser. Häufig werden sie liebevoll Juha oder Juze genannt. Dass sie nicht selten seit Jahrzehnten in ein und demselben verlebten städtischen Gebäude beheimatet sind, ist dabei nebensächlich. Denn worauf es ankommt, ist vor allem, dass man mit seinen Freunden rumhängen kann.
Von den 93 832 Menschen, die in Esslingen leben, sind genau 6328 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Mit 6,7 Prozent bilden die Teenager einen recht überschaubaren Anteil an Esslingens Einwohnern. Doch was machen die Heranwachsenden, wenn sie nicht gerade in der Schule sitzen oder im Verein Fußball spielen? Viele verbringen ihre Freizeit in Jugendhäusern. 30 an der Zahl unterhält der Kreisjugendring (Kjr) im Landkreis Esslingen.
Eines, an dem wohl schon jeder Esslinger einmal vorbeigekommen ist, ist das Jugendhaus Komma. Im Herzen der Stadt, zwischen der Idylle des Wehrneckarkanals und dem Krach der viel befahrenen Maillestraße, ist es seit fast drei Jahrzehnten kulturelles Zentrum und Anlaufstelle für Jugendliche. „80 Prozent unserer Jugendlichen kommen von der Werkreal- und der Realschule“, sagt Andreas Jacobson, der das Komma seit zehn Jahren leitet. Gymnasiasten kämen kaum. „Die sind zu beschäftigt seit G8, gehen Reiten oder in den Sportverein“, sagt der Diplompädagoge. Seine Arbeit hat vor 40 Jahren in einem Jugendhaus bei Münster ihren Anfang genommen. Damals kamen die Gymnasiasten noch. „Für die hatten wir eine Teestube“, erinnert er sich.
Die Teestuben sind heute verschwunden, doch die Themen, Probleme und Angebote sind geblieben und haben sich laut Jacobson nicht sehr verändert. Freunde treffen und Billard oder Tischtennis spielen, sind gefragt wie eh und je. „Die Lebenswelt hat sich bezüglich der Neuen Medien natürlich gewandelt. Einen Teil ihrer Zeit verbringen die Jugendlichen mit ihren Handys“, sagt Jacobson. Bei Problemen oder Fragen seien die Betreuer Ansprechpartner. „Wir bieten einen geschützten Raum. Viele kommen mit ihrem Kummer, vor allem die Mädchen. Es geht um pubertäre Fragen, um Liebesdinge oder Familiäres“, weiß der Pädagoge. Doch das Angebot erstreckt sich nicht nur auf Einzelfallarbeit. Mädchen- oder Jungennachmittage mit Projektarbeiten oder Kooperationen, wie etwa mit der Rohräckerschule, gehören dazu.
Ob das Jugendhaus ein Auslaufmodell ist oder nicht beschäftigt auch den Komma-Chef. „Bei uns in den Fachkreisen wird das diskutiert“, sagt Jacobson. Er hat dazu eine klare Meinung: „Das Jugendhaus als Wärmestube ist ein Auslaufmodell. Das Jugendhaus als Ort mit Angeboten, die die Jugendlichen weiterbringen, ist kein Auslaufmodell.“
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Die Zahl ist alarmierend: Fachleute für Kinderschutz gehen davon aus, dass mehr als 700.000 Erwachsene in Deutschland im Internet sexuelle Kontakte zu Kindern haben. Sie fordern besseren digitalen Kinderschutz und ein strengeres Strafrecht.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche über das Internet soll wirksamer bekämpft werden, fordert der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. Es sei „dringend erforderlich“, schon den Versuch des sogenannten Cybergrooming – also das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte – unter Strafe zu stellen, sagte Rörig.
Dimension von Missbrauch im Internet wird unterschätzt
Die Dimension des Problems wird nach Ansicht von Experten in der Öffentlichkeit erheblich unterschätzt. Julia von Weiler, Psychologin bei der Organisation „Innocence in Danger“, spricht von mehr als 700.000 Erwachsenen in Deutschland, die sexuelle Online-Kontakte zu Kindern hätten.
Bei dieser Zahl beruft sich „Innocence in Danger“ auf eine Hochrechnung von Ergebnissen aus der sogenannten MiKADO-Studie der Universität Regensburg zum Missbrauch von Kindern.
„In der aktuellen Debatte um die digitale Sicherheitsarchitektur müssen auch die sexuellen Cyberattacken gegen Kinder und Jugendliche in den Fokus genommen werden“, forderte Rörig daher in Berlin. Notwendig sei eine Agenda für digitalen Kinder- und Jugendschutz, mehr Forschung, Prävention und Hilfen bei sexueller Gewalt mittels digitaler Medien.
Missbrauch reicht von Sexfotos bis zu Kinderprostitution
Rörig stellte eine Studie mit dem Titel „Sexualisierte Grenzverletzungen und Gewalt mittels digitaler Medien“ vor. Dort listen Experten des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verschiedene Formen der Grenzverletzung auf. Das Spektrum reicht von der unfreiwilligen Konfrontation mit sexuellem Bildmaterial über sexuelle Annäherung bis zur Anbahnung von Kindersextourismus und Kinderprostitution.
Online-Dienste sollten verpflichtet werden, geschützte Nutzungsräume für Kinder und Jugendliche zu schaffen, Beratungs- und Hilfsangebote auf ihren Seiten gut sichtbar einzustellen sowie einfache Meldemöglichkeiten zu bieten, forderte Rörig. Anbieter sollten sich auch selbst verpflichten, Hinweise an die Strafverfolgung oder Beschwerdestellen weiterzuleiten.
Jugendliche können auch Täter sein
Der Kriminologe und Cybergrooming-Experte Thomas-Gabriel Rüdiger bringt einen weiteren Aspekt in die Diskussion: Er betont, dass Kinder und Jugendliche nicht nur Opfer seien, sondern immer häufiger selbst zu Tätern würden. Inzwischen sei jeder dritte Tatverdächtige in diesem Bereich selbst Kind oder Jugendlicher – zehn Prozent Kinder, 25 Prozent Jugendliche. Der Trend zu jüngeren Tätern verstärke sich. „Vor fünf Jahren war der durchschnittliche Täter im Internet noch über 30, heute ist er unter 30“, sagte der Experte von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg in Oranienburg.
Anbahnung über populäre Online-Spiele
Mehr Aufklärung müsse her, auch darüber, dass Täter sich nicht nur in Chat-Programmen tummelten, sondern inzwischen auch in Online-Spielen, die auf den ersten Blick unverdächtig und kindgerecht erscheinen. Im Dezember 2016 etwa wurde ein Koch in Düsseldorf wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Jungen aus der Schweiz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Täter und Opfer hatten sich laut Anklage über das Onlinespiel „Minecraft“ kennengelernt.
Ebenfalls im Dezember wurde der Fall eines 32-Jährigen aus Niedersachsen bekannt, der in dem für alle Altersstufen freigegebenen Onlinespiel „Moviestarplanet“ 122 Kinder zwischen sieben und 13 Jahren dazu gebracht haben soll, ihm Nacktbilder und -videos zu schicken.
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Vor laufender Kamera schlägt die junge Palästinenserin Ahed Tamimi auf einen israelischen Soldaten ein – und kommt dafür vor Gericht. Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit Sicherheitskräften in Konflikt gerät. Der Vorfall wird kontrovers diskutiert.
Israel hat Anklage gegen eine 16-jährige Palästinenserin erhoben, die einen Soldaten vor laufender Kamera ins Gesicht geschlagen und damit großes Aufsehen erregt hatte. Vor einem Militärgericht im Westjordanland sei Ahed Tamimi wegen Körperverletzung angeklagt worden, berichteten israelische Medien.
Ihr würden auch Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte in weiteren Fällen vorgeworfen. Ihre Mutter Nariman sei ebenfalls wegen Körperverletzung und wegen Hetze in sozialen Medien angeklagt worden. Die Frauen waren im vergangenen Monat nach einem Vorfall in dem Dorf Nabi Saleh nahe Ramallah festgenommen worden.
Auf einem Video, das sich schnell in sozialen Medien verbreitete, war zu sehen, wie Tamimi, ihre Mutter und eine Verwandte die Konfrontation mit zwei israelischen Soldaten suchen. Tamimi tritt und schlägt auf einen der Männer ein, ein Fausthieb trifft ihn im Gesicht. Die beiden bewaffneten Soldaten reagieren aber kaum.
Der Vorfall löste eine Kontroverse aus. In Israel wurden die Soldaten für ihre zurückhaltende Reaktion gelobt und Tamimi als Provokateurin kritisiert. In arabischen Medien wurde die junge Palästinenserin mit langen blonden Locken und blauen Augen dagegen als Heldin und Symbolfigur des Widerstands gefeiert.
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Drei Millionen PflegebedürftigeWenn sich alles ändert
Stuttgart – Auf dem Foto ist eine glückliche Familie zu sehen. Vater, Mutter und eine ganze Handvoll Kinder, vom kleinen Bub bis hin zum gerade erwachsenen Sprössling. Das Bild der Familie Moser (Name geändert) ist nur ein paar Jahre alt. Und doch ist heute alles anders als damals. „Manchmal kann man einfach nicht mehr. Es ist so anstrengend“, sagt Erika Moser, die auf dem Foto noch zufrieden in die Kamera lächelt.
Der Vater der Familie aus der Stuttgarter Region, noch lange nicht im Rentenalter, leidet an Demenz. Das hat ihn verändert und mit ihm das Leben aller Angehöriger – radikal. Der eben noch unantastbare Chef eines Handwerksbetriebs ist pflegebedürftig. Die Familie versorgt ihn zu Hause. Muss mit dem steinigen Weg kämpfen, bis es überhaupt eine klare Diagnose gibt. Mit den Depressionen und Wesensveränderungen, die die Krankheit mit sich bringt. Und mit der Aufgabe, immer auf den Familienvater aufzupassen, ihn zu betreuen und zu versorgen.
Kinder, die bereits anderswo in der Republik gelebt haben, sind deshalb zurückgekommen nach Hause. Weitere Verwandte helfen regelmäßig aus. „Am Anfang, als alles noch nicht so klar war, gab es viel Streit. Die Kinder dachten schon, wir trennen uns“, erzählt Erika Moser. Sie selbst musste von jetzt auf nachher die Firma übernehmen. „Immerhin ist sie noch nicht pleite“, sagt sie und lacht gequält.
Fast drei Viertel der Betroffenen werden zu Hause betreut
Wie der Familie Moser geht es vielen in Deutschland. Denn dass pflegebedürftige Angehörige zumeist im Heim landen, ist eine Mär. Viele können sich das nicht leisten oder die Familie will dem geliebten Menschen so lange wie möglich das Leben im vertrauten Umfeld erhalten. Das Statistische Bundesamt hat das Thema zuletzt Ende 2013 untersucht. Damals galten 2,63 Millionen Menschen als pflegebedürftig. 71 Prozent davon wurden zu Hause versorgt und von ihnen wiederum zwei Drittel ausschließlich von der Familie, ohne fremde Hilfe. Legt man die Steigerungsraten der vergangenen Jahre an, dürfte die Zahl inzwischen auf knapp drei Millionen angewachsen sein. Experten halten bis zum Jahr 2030 einen Anstieg auf 3,4 Millionen für wahrscheinlich.
Dabei fallen unter den Begriff pflegebedürftig beileibe nicht nur alte Menschen. Fälle wie die Familie Moser sind längst keine Ausnahmen mehr. Fast ein Fünftel der Betroffenen ist inzwischen unter 65 Jahre alt. Körperlich und geistig behinderte Menschen gehören ebenso dazu wie psychisch Kranke oder von Demenz Betroffene. Jeder dritte Pflegebedürftige weist eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz durch Demenz, geistige Behinderung oder psychische Erkrankung auf. Solchen Fällen will die Pflegeversicherung durch die jüngste Reform Anfang des Jahres besser gerecht werden. Damit auch Probleme, wie sie die Familie Moser hat, stärker einfließen.
„In Stuttgart gibt es 6000 stationäre Pflegeplätze, das ist nicht viel. Und auf dem Land sieht es noch viel schlechter aus“, sagt Ursula Karle vom städtischen Bürgerservice „Leben im Alter“. Da sei es völlig logisch, dass viele ältere und kranke Menschen zu Hause betreut würden. „Zudem will der Gesetzgeber die ambulante Pflege, weil sie billiger ist“, weiß die Expertin. Dazu kommen der wachsende Personalmangel in vielen stationären Einrichtungen und die hohen Kosten. Also bleibt vieles an den Angehörigen hängen.
„Die Pflegerolle verändert von heute auf morgen alles“, sagt Ursula Karle. Wer eben noch taffe Geschäftsfrau war, muss sich plötzlich mit ganz anderen Aufgaben beschäftigen. „Ein ganz großes Thema ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“, weiß Karle. Arbeitgeber gingen damit „nicht gerade offensiv“ um. Häufig entstünden so verdeckte Krankheitskosten, weil Pflegende sich immer wieder krank schreiben ließen, um ihren Verpflichtungen überhaupt noch nachkommen zu können. „Es wird oft vergessen, dass die Älteren von heute nicht immer die berühmten Kreuzfahrtkunden sind, sondern eben auch dement und pflegebedürftig“, sagt Karle. Und es geht nicht nur um Senioren: „20 Prozent unserer Anfragen betreffen Menschen vor dem Rentenalter. Krebs, Schlaganfall oder ein Motorradunfall, all das kann passieren.“
Das Thema Pflege zu Hause ist dabei das größte für die städtischen Berater. „Es beschäftigt uns massiv und vorrangig“, sagt Ursula Karle. 30 bis 60 Eingangsgespräche pro Monat führen sie. Viele Betroffene sind verunsichert und wissen nicht, was sie tun können. Oder es fällt ihnen schwer, überhaupt Hilfe anzunehmen. „Pflege ist auch ein Schamthema. Die eigene Welt gerät noch mehr durcheinander, wenn fremde Leute die Not sehen“, hat sie festgestellt. So wie bei der Frau, die 13 Jahre lang ihren Mann gepflegt hat, bis sie selbst zusammenbrach. „Dabei gibt es ein breites Arsenal an Hilfsmöglichkeiten.“
Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist bereits heute fast jeder Zehnte in Deutschland als Pflegeperson oder Pflegebedürftiger vom Thema betroffen. Und so wie bei den Mosers ist oft die gesamte Familie eingebunden. Das Berliner Zentrum für Qualität in der Pflege hat in einer Umfrage herausgefunden, dass fünf Prozent der Jugendlichen dabei helfen, Angehörige zu pflegen. Die Tätigkeiten reichen vom Einkaufen bis hin zur Hilfe beim Waschen und bei der Einnahme von Medikamenten. Etwa die Hälfte der 230 000 betroffenen Jugendlichen sieht sich dadurch nach eigenen Angaben nicht beeinträchtigt. Die andere Hälfte allerdings fühlt sich belastet, weil die Hilfe körperlich zu anstrengend ist, es an Freizeit oder Ansprechpartnern fehlt. Fast alle pflegenden Minderjährigen bewerten dagegen positiv, dass sie helfen können und dass die Familie oftmals durch die schwierige Situation besser zusammenhält.
Die Einschätzung variiert von Familie zu Familie. „Da spielen sich manchmal richtige Dramen ab“, sagt Beraterin Karle. Besonders schwierig sei erfahrungsgemäß die Situation, wenn kranke oder behinderte Kinder gepflegt werden: „Deren Geschwister leiden besonders.“ Aber auch die Betreuung des dementen Vaters wie bei den Mosers wirft Probleme auf. „Man verliert unbewusst den Respekt, das erschreckt einen manchmal selbst. Früher war der Papa streng, jetzt müssen wir auf ihn aufpassen“, sagt einer der Söhne.
Seine Mutter erzählt, die Situation führe manchmal auch zu Wut. Gerade der Kleinste sei besonders am Anfang oft aggressiv geworden und durch den Wind gewesen, auch in der Schule. Ihn versuche man bewusst aus der Situation herauszuhalten. Er ist deshalb oft bei Freunden. „Die beiden Jüngsten sind am dichtesten dran, für sie ist es am schwierigsten“, sagt Erika Moser. Und ergänzt mit nachdenklichem Blick: „Ich habe ihnen auch angeboten, ins Internat zu gehen. Wenn es zu schlimm für sie geworden wäre, hätte ich mir diese Lösung vorstellen können.“
So weit ist es noch nicht. Allerdings kann es auch nicht weiter gehen wie bisher, wenn sich die Krankheit verschlimmert. Erika Moser hat geplant, Aushänge an den Universitäten zu machen, um Helfer zu finden. „Man muss sich immer wieder etwas einfallen lassen“, sagt sie. Und wenn das nicht reicht? „Man darf sich auch dem Gedanken an ein Heim nicht verschließen. Mein Mann ist wichtig, aber alle anderen sind es auch.“
Dieser Schritt könnte irgendwann die Reißleine sein, bevor die Familie zu sehr leidet. Und die schönen Erinnerungen von dem Foto, das nur ein paar Jahre alt ist, angesichts der Probleme endgültig verblassen.
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In Berlin-Neukölln schießen Jugendliche auf die Polizei – glücklicherweise aber nur mit Schreckschusswaffen.
Drei junge Leute hätten am Neujahrsabend damit ein Auto beschossen, in dem zwei Polizisten saßen, sagte eine Polizeisprecherin. Die Angreifer hätten in einer Gruppe von rund zwanzig Jugendlichen gestanden, die die Schützen laut angefeuert haben sollen.
Die Polizisten seien weiter gefahren und hätten Verstärkung angefordert. Als sie zusammen mit einer weiteren Streifenwagen-Besatzung zurückkehrten, wurden beide Autos beschossen.
Dabei geriet ein in der Nähe parkender Wagen in Brand. Die Besatzungen der beiden Polizeiautos brachten sich zunächst in Sicherheit – und weitere Verstärkung wurde an den Tatort in der Sonnenallee geschickt. Als diese eintraf, waren die Täter und die umstehenden Jugendlichen weg.
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Ab welchem Alter sind Alcopops erlaubt? Welche alkoholische Getränke dürfen Jugendliche trinken und welche sind für sie verboten? Das Jugendschutzgesetz macht Vorgaben zum Thema Alkohol, an die sich auch Eltern halten sollten. Die Tabelle zeigt, was erlaubt ist und was nicht.
Der Verkauf von branntweinhaltigen Produkten (Spirituosen, auch branntweinhaltige Mischgetränke) an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist verboten. Gleiches gilt für deren Verzehr. Andere alkoholische Produkte (Bier, Wein, Sekt, auch Mischgetränke) dürfen an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht abgegeben werden. Diese Altersgrenze sinkt auf 14 Jahre, wenn Jugendliche von Personensorgeberechtigten (meist Vater, Mutter, Vormund) in eine Gaststätte begleitet werden.
unter 14
14 bis 15
16 bis17
ab 18
Bier
verboten
nur in Begleitung der Eltern erlaubt
erlaubt
erlaubt
Wein/Sekt
verboten
nur in Begleitung der Eltern erlaubt
erlaubt
erlaubt
Mix- Getränke mit Wein oder Bier
verboten
nur in Begleitung der Eltern erlaubt
erlaubt
erlaubt
Mix- Getränke mit Spirituosen
verboten
verboten
verboten
erlaubt
Spirituosen
verboten
verboten
verboten
erlaubt
Bei Privatpartys ist der Jugendschutz Elternsache
Bei privat ausgerichteten Partys seien die Eltern in der Pflicht, so die Jugendpfleger Jörg Cordruwisch und Rainer Schott. Eltern könnten sich strafbar machen, wenn auf der privat ausgerichteten Party ihres minderjährigen Sprösslings die Regelungen zum Alkoholausschank an Jugendliche missachtet würden.
Alkohol zur Stressbewältigung
Jugendliche unterscheiden sich in ihren Motivationen zum Trinken nicht so sehr von Erwachsenen: Eine Studie des Bundesministeriums für Gesundheit zeigt, dass Jugendliche überwiegend aus „Spaßgründen“ trinken, aber Alkohol soll auch bei der Bewältigung von Stress und anderen Problemen helfen.
Die Wirkung von Alkohol auf Kinder
Das Nervensystem von Kindern reagiert wesentlich empfindlicher als das von Erwachsenen auf Alkohol. Bereits mit 0,5 Promille Alkohol im Blut kann ein Kind bewusstlos werden.
Je geringer das Körpergewicht des Kindes ist, umso mehr bewirkt die aufgenommene Alkoholmenge einen höheren Blutalkoholgehalt im Körper. Bereits kleine Mengen Alkohol können für Kinder gefährlich sein. Bei einem Schulkind liegt die riskante Menge bei drei Gramm je Kilogramm Körpergewicht, bei einem Erwachsenen braucht es die doppelte Menge.
Beispiel: Gefährlicher Konsum beginnt für Männer bei 60 Gramm und bei Frauen bei 40 Gramm. Zum Vergleich: Der Konsum von einem Liter Bier entspricht etwa 40 Gramm Reinalkohol.
Bei Kleinkindern fehlt das rauschhafte Stadium, in dem Erwachsene noch die Notbremse ziehen können, das bedeutet kleine Kinder können schlagartig in einen rauschhaften Zustand fallen.
Alkohol wirkt auf die seelisch-geistige und die körperliche Entwicklung von Kindern.
Alkohol bewirkt bei Jugendlichen die Auskühlung bei Partys im Freien.
Alkohol ist ein Zellgift
Schon Schnapspralinen können für Kinder gefährlich sein.
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Der bayrische Innenminister will jugendliche Flüchtlinge konsequent abschieben, wenn diese straffällig werden. Ein schwieriger Vorsatz, mit dem Joachim Herrmann da ins neue Jahr startet: Mit europäischem Recht ist die Forderung nämlich nicht zu vereinbaren.
Joachim Herrmann (CSU) hat einen härteren Umgang mit minderjährigen straffälligen Flüchtlingen gefordert. „Für mich ist klar, dass kriminelle jugendliche Flüchtlinge häufiger und konsequenter abgeschoben werden müssen“, sagte der bayrische Innenminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Damit werde mehr Sicherheit für die in Deutschland lebende Bevölkerung erreicht.
Der CSU-Politiker räumte ein, dass die europarechtlichen Hürden für die Abschiebung jugendlicher Straftäter hoch seien. „Wenn es keine Verwandten vor Ort gibt, muss sichergestellt sein, dass sich im Herkunftsstaat die Behörden um den Jugendlichen kümmern“, führte Herrmann aus. Abschiebungen scheiterten häufig, weil einige Herkunftsstaaten schlecht kooperierten. Der Bund müsse deshalb bei der Verhandlung von Rückführungsabkommen eine bessere Kooperation bei Abschiebungen durchsetzen, forderte der bayerische Innenminister. Dies gelte „natürlich auch, wenn es um jugendliche Kriminelle geht“.
Schärfere Altersüberprüfung gefordert
Herrmann konkretisierte zudem seine Forderung nach einer obligatorischen medizinischen Altersüberprüfung, die er nach der Gewalttat im pfälzischen Kandel erhoben hatte. Dort hatte vor einigen Tagen ein aus Afghanistan stammender Verdächtiger seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich der Polizei zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam. Er soll 15 Jahre alt sein, es gibt aber Zweifel an seinem Alter. Eine Reihe von Politikern forderte deshalb eine strengere Altersprüfung bei jungen Flüchtlingen.
Die Altersüberprüfung müsse künftig gleich bei der Einreise erfolgen, forderte Herrmann: „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Bundespolizei müssen schon bei der Identitätsfeststellung von Anfang an medizinisch zweifelsfrei klären, wer tatsächlich minderjährig ist und wer dies nur vorgibt.“
Die kommunalen Jugendämter sollten nur dann zuständig sein, wenn bei der Einreise klar festgestellt werde, dass jemand tatsächlich minderjährig sei. „Es kann doch nicht sein, dass wir in Deutschland jemand als minderjährig behandeln und ihm entsprechende Vorteile und Leistungen gewähren, obwohl völlig unklar ist, ob diese Person nicht schon längst erwachsen ist“, kritisierte Herrmann.
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Die Albert-Schweitzer-Schule hilft TeenagernScham kann schamlos machen
Was Würde ist, kann man nur lernen, wenn einem als junger Mensch von den Erwachsenen Würde entgegengebracht wird. Wenn die Grenzen nicht anerkannt werden, sondern überrannt, dann kann sich vieles nicht entwickeln, oft auch kein Schamgefühl. Viele Mädchen, deren Lebensweg sie in die Albert-Schweitzer-Schule für Erziehungshilfe in Stuttgart führt, haben nie das erlebt, was unsere Gesellschaft als gegenseitigen Respekt kennt, kennen sollte. Wer aber ohne Werte aufwächst kann sich leicht wertlos fühlen.
Die Mädchen, die an diesem Morgen im Deutschunterricht in ihrem Klassenzimmer sitzen, einem kleinen Holzhäuschen, wirken normal, wenn auch sehr reif für ihr Alter von 13 oder 14 Jahren. Sie sind hübsch, frech, gelangweilt, witzig, groß, klein, dick, dünn, clever. Halt Mädchen im Gänschenalter: Gackern als Lieblingsbeschäftigung. Normal sind sie aber nicht, jedenfalls wenn man das Wort wörtlich nimmt: Sie entsprechen nicht der Norm, sie gehen in keine normale Schule. Manche der Mädchen leben in Wohngruppen, die allermeisten aber zu Hause.
Eine Pädagogin der Albert-Schweitzer-Schule sagt: Die Menschen seien wie Boote, mit einem Kiel, einem Mast und einem Segel. „Wenn es auf dem Meer stürmt und wild wird, hält uns der Kiel in der Waage.“ Die Kinder und Jugendlichen, die an sonderpädagogischen Zentren zur Schule gehen, hätten einen verkürzten Kiel, ein defektes Segel, einen brüchigen Mast; wenn es um sie stürmisch werde, wackle das Boot deshalb sehr. Ein einziges Problem führt nicht dazu, dass es kentert. Aber was die Kinder und Jugendlichen an Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung erlebt haben, reiche irgendwann für den Untergang. Hier beginnt die Arbeit der Fachleute eines sonderpädagogischen Zentrums. Über soziale und emotionale Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen wird versucht, die „Boote wieder seetauglich“ zu machen.
Mehr als 80 Prozent der Jugendlichen an den acht Stuttgarter Schulen für Erziehungshilfe sind Jungen – gewiss nicht, weil sie „unnormaler“ als Mädchen sind. Aber Gewalt ist laut, stört augenfällig. Äußerlich auffällige Mädchen stören den Schulfrieden auch, doch auf eine andere Weise. Aber was bei den Mädchen und Jungen dieses Schultyps ausgesendet wird, und was empfangen wird, ist oft nicht dasselbe. Wie sollen sich zwei verstehen, wenn sie nicht mal ansatzweise dasselbe wahrnehmen?
„Viele Mädchen halten das sexuelle Verlangen, das ihnen Jungs entgegenbringen, für Liebe“, sagt die stellvertretende Schulleiterin der Albert-Schweizer-Schule, Maria Theresia Burkert. Sie fänden jemanden, zu dem sie gehören wollten und demjenigen erlaubten sie dann alles. Die eigene Wahrnehmung und die der anderen Menschen, vornehmlich der Männer oder Jungen, auch der „fremde Blick“ genannt, stimmen oft nicht überein.
So ist das auch einem Mädchen aus der Schule passiert. Ihr Ex-Freund hatte einen intimen Handyfilm der beiden aus Rache online gestellt. Sie fühlte sich wie geächtet und traute sich kaum mehr auf die Straße. Das Mädchen selbst postete oder verschickte aber extrem freizügige Fotos von sich. Durch diese Fotos fühlte sie sich nicht beschämt, durch den Film aber sehr wohl.
Scham, ganz oft fällt dieses Wort in den Gesprächen mit und über die Mädchen. Sind Jungs dabei, wenn sie das Radfahren auf dem Hof des Schulgeländes lernen wollen, lehnen sie das lieber ab. Gemeinsamer Schwimmunterricht? Für einige ein Horrortrip. Scham, schämen, beschämt werden. Das liegt nah beinander. Scham zu erdulden kann so schmerzen, wie sie von anderen zu vermissen.
Ein Mädchen hatte wochenlang hingenommen, dass sie von Jungs auf dem Heimweg in der S-Bahn angefasst worden war. „Sie sagte, sie habe gedacht, ein Mädchen wehre sich nicht“, erzählt eine Pädagogin, die auch eine Mädchenklasse unterrichtet. Eine andere Schülerin ist von ihrem Stiefvater missbraucht worden, der ihr sagte, dass er sie aufklären wolle. Erst als sie sich ihrer Tante anvertraute mit der Frage, ob das, was ihr widerfahre, „normal“ sei, begriff sie, dass dem nicht so war.
Die Ludwigsburger Expertin Martina Hoanzl zitiert den amerikanischen Psychiater und Psychoanalytiker Léon Wurmser, der sagt, Scham sei die Hüterin der Grenzen. Ein empfindlicher Gradmesser für das Verletztwerden. Scham komme aus dem Urgefühl Angst und werde durch die drohende Gefahr der Bloßstellung, Demütigung und Zurückweisung hervorgerufen.
Dieses Gefühl wird ganz deutlich im Gespräch mit einem jungen Mädchen, nennen wir sie Anja, die auch auf der Albert-Schweitzer-Schule war. Anja ist schlau, sie hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Familie. Sie hat keine Gewalt erlebt. Aber Anja erlebte vorher Schule als Qual, sie war immer wieder depressiv, konnte nicht aufstehen, war wie gelähmt. Sie kann nicht erklären, was sie lähmte, aber sie war oft grenzenlos verzweifelt über ihr Anderssein.
Nach einer Odyssee über Ämter und Ärzte landete Anja an der Albert-Schweitzer-Schule, beendete dort die Werkrealschule, nun peilt sie das Abitur an. Bevor sie dorthin kam, gab es noch ein Intermezzo an einer anderen Schule für Erziehungshilfe – ohne Mädchenklasse. Sie erzählte ihrer Lehrerin von dieser Zeit:
Ich kam in der 7. Klasse in die Schule und war ganz neu. In der ganzen Schule gab es nur sechs Mädchen, aber ganz viele Jungs. In meiner Klasse waren fünf Jungs und wir zwei Mädchen. In der Paraklasse gab es ein Mädchen, das sah aber wie ein Junge aus, mit den Kleidern und auch mit den Haaren. Und plötzlich sagt sie, sie heißt Tina (Name geändert). In meiner Klasse waren die Jungs echt durchgeknallt, die hatten viele Probleme, manche mit der Polizei, einige haben sich geritzt. Die Jungs waren so gestört, total aufgedreht. Sie sind weggelaufen und haben viele blöde Sachen gesagt, auch über Sex. Sie haben alle beleidigt, die Lehrer und die anderen Schüler. Gut an der Schule war, dass es wenig Pausen gab. Die Pausen wa ren am schlimmsten, da waren alle auf dem Schulhof. Ich bin mit der aus der Klasse immer auf die Bank, weit weg von den Jungs, dann waren wir froh, wenn die Pause vorbei war. Ich hab mich dann geweigert mit den Jungs zum Sport und zum Schwimmen zu gehen. Die Lehrer haben dann gesagt, wir Mädchen dürfen in eine andere Klasse und Mathe mitmachen. In der ganzen Zeit war ich nur einmal in der Schule auf der Toilette. Das alles war ein riesen Schock für mich, ich hab mich dann geweigert in die Schule zu gehen.
Für Anja war der Schulwechsel in die Mädchenklasse auch ein Umzug in einen Schutzraum. Ohne dauernde Alarmbereitschaft konnte Anja wieder lernen. Auch das sei ein guter Grund für Mädchenklassen, bekräftigt die Wissenschaftlerin Hoanzl.
Anjas Mutter erzählt, dass sie manchmal nicht weitergewusst habe. Vom Jugendamt, aber auch vielen Ärzten und Therapeuten habe sie sich alleingelassen gefühlt. Lehrer in Anjas alter Schule sagten, sie mache zu viel Arbeit. „Mein Kind erlebte all das als furchtbar.“
Über die Albert-Schweitzer-Schule ist die Familie zufällig bei einem Gespräch auf dem Schulamt gestolpert. Dann stellte sich Anja bei Maria Theresia Burkert und Beate Rödl vor. „Was sie hörte, fand sie gut, da wollte sie hin“, erzählt Anjas Mutter. Und sie blieb, ging erst zum Einzelunterricht, dann in eine Mädchenklasse. Nicht immer strahlend, nicht immer motiviert, aber sie ging hin. „Ich sehe es als absolutes Glück, dass wir an diese beiden Lehrerinnen geraten sind. Das sind besondere Pädagoginnen. “ Gemeint sind Burkert und Rödl.
„In den Mädchenklassen wird der Widerspruch zwischen dem ,Erleben-Wollen der eigenen Weiblichkeit’ und dem ,Sich-Schützen-müssen vor ungewollten sexuellen Kontakten’ in einen Schutzraum verlegt“, fasst die Ludwigsburger Pädagogin Martina Hoanzl ihre wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Die Mädchen dürften in diesem Umfeld einfach Mädchen sein, mit allem, was dazu gehört, um starke, selbstbestimmte Frauen werden zu können.
Die Lehrerinnen der Mädchenklassen entwickeln gemeinsam mit den Schülerinnen konkrete Vorstellungen für die Zukunft. Auch das ist für die benachteiligten Mädchen oft eine völlig neue Erfahrung: Frauen, die an ihrer Seite sind. Oft sind es ja die Mütter gewesen, die entweder Mitwisserinnen des Missbrauchs waren oder selbst ihre Töchter ablehnten.
Auf einem guten Weg sind auch zwei junge Frauen, die ihren Hauptschulabschluss an der Albert-Schweitzer-Schule gemacht haben. Zwei Frauen, die mit 14 Jahren Mütter geworden sind und aus schwierigen Elternhäusern kommen. Auch diese beiden, jetzt beide fast volljährig, sprechen positiv über ihre Zeit in der Schule für Erziehungshilfe. „Ich hatte das Gefühl, dass es um mich geht. Ich konnte gar nicht glauben, dass meine Probleme plötzlich ernst genommen wurden, dass ich zum Beispiel auch mal nur dreimal pro Woche zum Unterricht kommen musste“, sagt die eine junge Mutter, deren Schulkarriere einst im Gymnasium begonnen hatte. Sie erzählt von falschen Freunden, Mobbing, und dann davon, dass man doch Verantwortung für sein Leben übernehmen müsse: „Du musst lernen zu wissen, was du schaffst.“ Diese junge Mutter ist auf einem guten Weg, ein ganz normales Leben zu führen. Mehr will sie gar nicht.
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Ob Cannabis oder Crystal Meth: Auf Deutschlands Schulhöfen hat die Rauschgiftkriminalität in den vergangenen Jahren zugenommen. In drei Bundesländern ist der Anstieg besonders drastisch. Experten streiten über den richtigen Ansatz, Kinder und Jugendliche vom Drogenmissbrauch abzuhalten.
Auf dem Schulklo einen Joint drehen, unter dem Tisch ein Tütchen mit Marihuana gegen Bares tauschen – oder ein paar Pillen in einer Ecke des Schulhofs einwerfen – Zahlen der Landeskriminalämter und der Innenministerien zeigen, dass solche Szenen an manchen Schulen Alltag sind.
In den meisten Fällen von Drogendelikten an Schulen geht es um den Besitz oder Kauf von Betäubungsmitteln. Am weitesten verbreitet ist Cannabis. Überwiegend erwischt die Polizei Jugendliche. Deutlich seltener gehören Kinder unter 14 Jahren zu den Tätern.
In Baden-Württemberg fällt der Anstieg der Drogenkriminalität an Schulen besonders drastisch aus: Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Fälle von 348 im Jahr 2011 auf 939 im Jahr 2015 annähernd verdreifacht. 2015 ermittelte die Polizei 877 Tatverdächtige.
Entwicklung der Drogenkriminalität an Schulen
Nicht alle Bundesländer führen Statistiken über Drogenkriminalität an Schulen. Daher ist es in einigen Fällen sehr schwierig, Zahlen zu ermitteln. In den Ländern, in denen die Statistiken auch nach dem Tatort Schule gefiltert werden können, liefern die Innenministerien und die Landeskriminalämter (LKA) folgende Zahlen, jeweils im Vergleich von 2011 zu 2015:
Baden-Württemberg: Starker Anstieg von 348 Fälle im Jahr 2011 auf 939 Fälle im Jahr 2015. 877 Tatverdächtige ermittelt.
Hessen: Leichter Anstieg von 222 auf 295 Fälle. 89 Tatverdächtige ermittelt, von denen 62 mit Cannabis handelten.
Niedersachsen: Anstieg von 286 auf 348 Fälle. 293 Mal ging es 2015 um Cannabis.
Nordrhein-Westfalen: Mehr als eine Verdopplung von 443 Fällen auf 897. Davon 261 Verstöße mit Cannabisprodukten und drei mit Heroin.
Saarland: Rückgang der Drogenkriminalität an Schulen von zwölf Fällen 2012 auf vier im Jahr 2015.
Rheinland-Pfalz: Anstieg von 87 auf 147 Fälle. Die Verstöße mit Cannabisprodukten konnten dabei von 97 (2014) auf 77 (2015) reduziert werden.
Sachsen: Anstieg von 69 Fällen auf 128. Hauptsächlich Cannabis (98 Fälle), aber auch zehn Crystal-Meth-Fälle.
Sachsen-Anhalt: Die Zahl der Drogendelikte hat sich fast verdreifacht, von 39 auf 115 Fälle.
Thüringen: Verdopplung von 40 Fälle auf 80 Fälle, darunter ein Delikt mit Heroin.
Drogenbeauftragte warnt vor Verharmlosung von Cannabis
Was sind die Gründe für diesen Trend? Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sieht in der „gesellschaftlichen Verharmlosung von Cannabis“ einen wichtigen Aspekt dieser Entwicklung.
Ähnlich formuliert es das bayerische Innenministerium: „Die illegalen Angebote richten sich in ihrer verharmlosenden Aufmachung als Spaß- und Lifestyle-Produkte geradewegs an die internetaffine Jugend.“ Vor allem die Verfügbarkeit über das Internet und das Darknet, einen anonymen Bereich des Internets, sorge für einen überproportionalen Anstieg in diesen Altersklassen.
Geht Aufklärung über Drogen nach hinten los?
Die Drogenbeauftragte setzt auf Aufklärung und Prävention, um junge Menschen vom Drogenmissbrauch abzuhalten. Dazu gibt es in den einzelnen Bundesländern diverse Programme, teils mit kreativen Namen wie „FreD“ (Frühintervention bei erstauffälligem Drogenkonsum) in Rheinland-Pfalz oder „sauba bleim“ im Großraum München. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betreibt ein Beratungsportal unter dem Motto „Quit the Shit“. Aber wie erfolgreich sind solche Präventionsprojekte?
„Ob das alles nachhaltig und wirksam ist, dahinter steht ein großes Fragezeichen“, meint Eva Hoch. Die Wissenschaftlerin wertet an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Maßnahmen der Cannabisprävention in Deutschland aus. „Wir wissen zum Beispiel nicht, ob die Risiko-Bereitschaft nach der Thematisierung in der Schule steigt“, so Hoch.
Auch die Eltern stehen in der Pflicht
Gesundheitsförderung und Drogenprävention sind wichtige Aufgaben der Schulen, so hat es die Kultusministerkonferenz 2012 in einem Beschluss festgeschrieben: „Sie stellen keine Zusatzaufgaben der Schulen dar, sondern gehören zum Kern eines jeden Schulentwicklungsprozesses.“
Aber die Schulen könnten diese Aufgabe nicht alleine stemmen, sagt der Vorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Er appelliert an die Verantwortung und Vorbildfunktion der Eltern. Außerdem sei eine „gesellschaftliche Verschärfung des Zugangs zu Drogen“ nötig.
Pro und Contra Legalisierung von Cannabis
Das führt zur Debatte über die Legalisierung von Cannabis. Die Befürworter argumentieren unter anderem, dass das Verbot von Cannabis keinerlei positive Signalwirkung habe. Stattdessen führe das Verbot zu einer unnötigen Belastung der Polizei.
Die Drogenbeauftragte Mortler hält dagegen: „Ich lehne die Freigabe des Konsums zu Freizeitzwecken ab“. Jugendliche könnten die Legalisierung als „staatliche Unbedenklichkeitsbescheinigung“ auffassen. Das Gegenteil sei nötig, sagt die CSU-Politikerin: „Den Jugendlichen muss vermittelt werden, dass Cannabiskonsum keineswegs harmlos ist und sie mit Cannabiskonsum ihr Gehirn in einer besonders sensiblen Lebensphase schädigen.“
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In der Kleinstadt Kandel geht ein 15-jähriger Jugendlicher in einem Drogeriemarkt mit einem Messer auf ein gleichaltriges Mädchen los und tötet sie. Die Behörden gehen von einer Beziehungstat aus. Das Gericht entscheidet nun über einen Haftbefehl.
Nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel wird der tatverdächtige Jugendliche im Tagesverlauf einem Richter vorgeführt. Dieser entscheidet dann über einen Haftbefehl wegen eines Tötungsdelikts. Der Afghane soll das gleichaltrige deutsche Mädchen gestern in einer Drogerie des 9000-Einwohner-Ortes bei Landau umgebracht haben. Dem Angriff sei ein Streit zwischen den Teenagern in einem Drogeriemarkt vorausgegangen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.
Das Opfer befand sich ersten Erkenntnissen zufolge in Begleitung in dem Drogeriemarkt. Der Festgenommene soll jedoch nicht zusammen mit der 15-Jährigen zu dem Geschäft gekommen sein. Der Auslöser des Streits ist nicht bekannt. Das Mädchen erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Die Tatwaffe war einer Augenzeugin zufolge ein „ganz normales Brotmesser“ gewesen. Der Jugendliche habe das Mädchen in der Kosmetikabteilung attackiert, sagte Zeugin Diana Jäger. Passanten überwältigten den jungen Afghanen nach der Tat.
Ob es sich bei dem Verdächtigen um einen Flüchtling handelt, wurde nicht mitgeteilt. Die Behörden wollen frühestens am heutigen Donnerstag weitere Auskünfte geben. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus, berichtet die Zeitung „Die Rheinpfalz“.
Eine Reihe von Menschen verliehen am Tatort ihrer Trauer Ausdruck. Sie legten Blumen ab und zündeten Grabkerzen an. Einer der Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm sagte, die Mitarbeiter des Unternehmens seien sehr erschüttert über den schrecklichen Vorfall in der Filiale. Sie wollten der Familie ihr Beileid zum Ausdruck bringen.
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