Kategorie -Jugendliche

Die Belange der Jugendlichen ernst nehmen

Projekt „Nachtwanderer“ in Stuttgart-MöhringenDie Belange der Jugendlichen ernst nehmen

Rita Dormann (links) und Björn Andersson von der Ilm. Foto: Sandra Hintermayr

Möhringen – Vorurteilsfrei auf Gruppen von Jugendlichen zugehen, Vertrauen schaffen, Ansprechpartner sein, ein offenes Ohr für Probleme haben. Das sind die Ziele der Nachtwanderer. Rita Dormann und Björn Andersson haben das Projekt der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm) im Jugendrat vorgestellt. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass wir sie ernst nehmen. Wir fragen sie, wie es ihnen geht, kommen mit ihnen ins Gespräch“, erläuterte Dormann, die das Projekt 2013 initiiert hat.

Freitag- und Samstagabend sind die Nachtwanderer in kleinen Gruppen unterwegs und suchen Plätze auf, an denen sich die Jugendlichen in Möhringen gerne aufhalten, etwa am Riedsee, in der Probststraße oder beim Kaufland. Auch auf dem Fasanenhof sind die Ehrenamtlichen aktiv, in Sonnenberg eher selten, weil sich dort wenige Jugendliche treffen. „Leider schaffen wir es derzeit höchstens einmal im Monat, unterwegs zu sein. Uns fehlen die Mitarbeiter“, sagte Andersson. Die Personalsituation sei angespannt. Lediglich acht aktive Nachtwanderer sind derzeit unterwegs. Im Winter ist das weniger problematisch, weil sich weniger Jugendliche in den Abendstunden draußen aufhalten, aber sobald es wieder wärmer wird, hofft die Ilm auf mehr Ehrenamtliche, die sich als Nachtwanderer engagieren wollen.

Die Nachtwanderer suchen ehrenamtliche Verstärkung

Die Mitglieder des Möhringer Jugendrats wollten wissen, welche Voraussetzungen die Nachtwanderer mitbringen müssen. „Man sollte aufgeschlossen gegenüber Jugendlichen sein, allerdings nicht gleich mit dem erhobenen Zeigefinger auf sie zugehen“, sagte Dormann. Interessierte sollten zudem mindestens 25 Jahre alt sein. Vor allem an Männern fehlt es der Initiative. Neue Nachtwanderer werden zunächst von erfahrenen auf ihre Runde mitgenommen und können sich einen Eindruck verschaffen, ob die Arbeit für sie geeignet ist. „Wir sind keine Bürgerwehr“, betonte Dormann. Man wolle die Jugendlichen nicht rügen, sondern für gegenseitiges Verständnis sorgen. Probleme, etwa mit stark alkoholisierten Jugendlichen, gebe es in Möhringen eher wenige. „Seit Projektstart 2013 haben wir erst bei einem Jugendlichen Erste Hilfe leisten müssen“, sagte Andersson. Ziel sei eher die Prävention. „Es geht uns darum, hinzuschauen, wenn jemand Hilfe braucht.“ Man wolle einfach für die Jugendlichen da sein.

Auf Nachfrage des Jugendrats erklärte Andersson, dass die Jugendlichen die Nachtwanderer gut annehmen würden. „In den Gesprächen kriegen wir vor allen Dingen mit, dass sich die Jugendlichen einen Ort wünschen, an dem sie sich treffen können, ohne jemanden zu stören oder von der Polizei verscheucht zu werden“, sagte Andersson. „Gibt es eine Möglichkeit, wie wir die Nachtwanderer unterstützen können?“, fragte Jan-Felix Zens, der Sprecher des Jugendrats. „Ihr könnt Werbung für uns machen, damit sich mehr Menschen bei uns engagieren“, sagte Rita Dormann. „Gerade im Frühjahr und Sommer brauchen wir wieder Leute.“

Nachtwanderer: Mehr zum Projekt findet man im Internet unter www.ilm-ev.de/naw-projekt.html. Die Ilm ist unter Telefon 0711/7 19 42 61 oder per E-Mail an [email protected] erreichbar.

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Schule früher und heute – das hat sich verändert

In den letzen 40 Jahren mussten sich Lehrer und Schüler immer wieder an strukturelle Veränderungen oder pädagogische Reformen gewöhnen. Manches hat sich bewährt, anderes ist umstritten. Folgende elf Fakten zeigen, wie stark sich der Lernort Schule gewandelt hat.

1. Abschied vom dreistufigen Schulsystem

Volksschule (heute Hauptschule) in neun Pflichtschuljahren, Mittelschule (heute Realschule) in zehn und schließlich die Oberschule (Gymnasium) mit dem Abitur nach 13 Jahren: So überschaubar stellte sich noch vor vierzig Jahren das dreiteilige westdeutsche Schulsystem dar.

In der DDR gab es die zehnklassige Polytechnische Oberschule. Danach konnten Schüler die Erweiterte Oberschule bis zum Abitur besuchen oder eine Berufsausbildung mit Abitur machen. Ost oder West: Die Strukturen waren starr und boten kaum Spielraum für alternative Lernwege.

Anfang des neuen Jahrtausends sollte das Bildungsangebot breiter und durchlässiger werden. Es entstanden zahlreiche andere Schulformen, die es Schülern leichter machen sollten, innerhalb des Systems zu wechseln.

Der Nachteil der neuen Freiheiten war allerdings, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kochte, denn in Deutschland ist Bildung Ländersache. Die Folge: Es besteht nun ein Begriffs-Wirrwarr von Integrierten und Kooperativen Gesamtschulen, Werk-Realschulen, Fach-Oberschulen oder Sekundarstufen, deren Lernziele und Abschlüsse oftmals nicht aneinander angeglichen sind.

Schüler in der Kantine einer Polytechnischen Oberschule in Görlitz 1973. (Quelle: imago/Ulrich Hässler)Schüler in der Kantine einer Polytechnischen Oberschule in Görlitz 1973. (Quelle: Ulrich Hässler/imago)

2. Experimentierfeld Gymnasium

Die Schulform, die die meisten Umstrukturierungen erlebte, ist das Gymnasium. Anfang der der 70er Jahre beschlossen die Kultusminister der Länder zunächst, die gymnasiale Oberstufe, also das Kurssystem mit Fächer-Wahl-Möglichkeiten einzuführen. Dadurch sollten die Schüler – ähnlich wie an der Universität – eigene Schwerpunkte setzen können und mehr Eigenverantwortung beim Lernen übernehmen.

Der Pisa-Bildungs-Schock um die Jahrtausendwende, als Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen ziemlich schlecht abschnitt, hatte zur Folge, dass Schule optimiert werden sollte. Das Ziel: effektivere Wissensvermittlung in kompakter Zeit.

Ein Ergebnis dieses Reformdrucks war auch die um ein Jahr verkürzte gymnasiale Oberstufe: Ab 2011 setzte sich das G8 mit dem Turbo-Abi nach und nach in allen Bundesländern durch – inklusive der Regelung, dass die Lernziele vereinheitlicht wurden und so die Inhalte der Abschluss-Prüfungen vom zuständigen Kultusministerium und nicht mehr von der jeweiligen Schule konzipiert wurden. Mittlerweile steht das angebliche Erfolgsmodell jedoch wieder auf dem Prüfstand. Kritiker behaupten, die Vermittlung eines klassischen Wissenskanons brauche mehr Zeit als zwölf Jahre. In manchen Bundesländern wird wieder vermehrt das G9 angeboten.

3. Das Streben nach höherer Bildung

Bis in die 60er Jahre war höhere Schulbildung eher eine elitäre Angelegenheit. Die meisten Kinder besuchten Volks- beziehungsweise Hauptschulen, um danach eine Lehre zu beginnen. Im Jahr 1954 betraf das noch 70 Prozent aller Schüler. Gerade einmal 15 Prozent der Schüler von weiterführenden Schulen besuchten das Gymnasium.

Danach wollten immer mehr die Hochschulreife erreichen. Bereits 1990 konnte jeder vierte das Abitur vorweisen. Dieser Trend hält an: In manchen Ländern wie etwa Baden-Württemberg wechselten 2015 fast 45 Prozent der Viertklässler auf die höhere Schule. Dagegen landeten nur noch knapp zwölf Prozent der Grundschüler auf einer Werkreal- oder Hauptschule und 36 Prozent auf Realschulen.

Eine Lehrerin und ihre Schulklasse im Jahr 1974. (Quelle: imago/Gerhard Leber)Eine Lehrerin und ihre Schulklasse im Jahr 1974. (Quelle: Gerhard Leber/imago)

Schulabgänger, die noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben, gibt es dagegen immer weniger. Mit etwa 47.000 hat sich ihre Anzahl dem Statistische Bundesamt zufolge seit 2001 annähernd halbiert.

4. Die Schülergesellschaft verändert sich

In den 70er Jahren war es oft eng in den Klassenzimmern. Die geburtenstarken Jahrgänge waren zu Schulkindern herangewachsen. So drängten sich nicht selten mehr als 40 Jungen und Mädchen in einem Raum. In den darauffolgenden Dekaden kamen jedoch immer weniger Babys zur Welt, so dass sich die Reihen nach und nach wieder lichteten.

Allein in den letzten zehn Jahren – so die Angaben des Statistischen Bundesamtes – ist die Schülerzahl um 13 Prozent zurück gegangen.

Schulklasse und Lehrerin beim Unterricht in Bottrop 1973. Integration und Inklusion waren damals noch keine großen Themen. (Quelle: imago/Werner Otto)Schulklasse und Lehrerin beim Unterricht in Bottrop 1973. Integration und Inklusion waren damals noch keine großen Themen. (Quelle: Werner Otto/imago)

Stetig zugenommen hat dagegen der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie machen inzwischen ein Drittel der Schülerschaft an allgemeinbildenden Schulen aus. Davon versuchen, entsprechend der allgemeinen Tendenz, auch immer mehr das Abitur zu schaffen. Laut nationalem Bildungsbericht liegt ihr Anteil in den Oberstufen-Klassen bei gut acht Prozent.

5. Von der homogenen Lerngruppe zur Inklusion

Dass Kinder mit Behinderung in allgemeinbildenden Schulen am normalen Unterricht teilnehmen können, gab es in den 70er Jahren nicht. Damals waren Sonder- beziehungsweise Förderschulen für Schüler mit körperlichen oder geistigen Handicaps zuständig.

Heute können dank Inklusion, die in ihrer Umsetzung oft noch in den Kinderschuhen steckt, alle zusammen in einem Klassenzimmer lernen, ohne Aufteilung in homogene Gruppen. Speziell ausgebildete Lehrkräfte kümmern sich dabei um die Mädchen und Jungen, die besondere Förderung und Unterstützung brauchen.

Hinter der inklusiven Pädagogik steckt die Auffassung, dass Normalität innerhalb einer Gesellschaft vor allem durch Unterschiede und Vielfalt definiert wird. Demzufolge muss jeder Mensch gleichermaßen wertgeschätzt werden. Jeder soll gleichberechtigt und möglichst selbstbestimmt an der Gemeinschaft teilhaben.

6. Lernkonzepte als Spiegel ihrer Zeit

Frontalunterricht und Auswendiglernen etwa von Gedichten, Merksätzen oder Geschichtszahlen: so sah vor 40 Jahren häufig der Schulalltag aus. Heute haben Schüler mehr Freiheiten und Abwechslung beim Pauken. Unterschiedliche Konzepte wie etwa Gruppenarbeit, Wochenplan-Projekte, Lernspiele oder Stoffvermittlung mithilfe digitaler Medien sorgen für einen interessanten und zeitgemäßen Unterricht.

Im pädagogischen Fokus steht dabei nicht nur die Vermittlung von nackten Fakten. Kinder sollen im Laufe ihres Schullebens auch lernen, Eigeninitiative, Kreativität sowie Team- und Kritikfähigkeit zu entwickeln. So sind mittlerweile auch die sogenannten Kopfnoten, die Tugenden wie Betragen, Aufmerksamkeit, Fleiß und Ordnung beurteilten, aus der Mode gekommen. Sie werden nun durch die Kategorien Arbeits- und Sozialverhalten im Zeugnis ersetzt.

7. Alte Schulfächer – neue Schulfächer

Obwohl die klassischen Inhalte wie Naturwissenschaften und Sprachen nach wie vor den Löwenanteil des Unterrichts ausmachen, hat sich der Fächerkanon mit der Zeit etwas verändert. Abgeschafft wurden zum Beispiel das Werken als typisches Jungs-Fach, das Handarbeiten als weibliche Domäne, sowie das Schönschreiben, mit dem sich vor allem Grundschüler herumquälen mussten.

Moderner sind Fächer wie Geographie, Geschichte und PoWi (Politik und Wirtschaft) geworden. Sie werden heute häufig nicht mehr isoliert abgehandelt: Es stehen nun eher Themen im Vordergrund, die aus der Perspektive der jeweiligen Disziplinen betrachtet werden. Das Cross-Over-Lernen soll es Schülern leichter machen, komplexe Zusammenhänge zu begreifen.

So sah Informatik-Unterricht 1985 aus. (Quelle: imago/Sven Simon)So sah Informatik-Unterricht 1985 aus. (Quelle: Sven Simon/imago)

8. Lesen und Schreiben früher und heute

An kaum etwas wurde von Bildungspolitikern in den letzen Jahren so intensiv herumgedoktert wie dem Fach Deutsch: Ab 1998 mussten sich Schüler an die Rechtschreibreform gewöhnen – es war die erste seit 1902. Doch nach viel Kritik wurde 2006 manche Neuerung vor allem in den strittigen Bereichen der Getrennt- und Zusammenschreibung sowie der Zeichensetzung teilweise wieder abgemildert, und die Schüler mussten erneut umlernen.

Positive Veränderungen gab es für Grundschüler. Statt wie früher schnörkelige Schreibschrift und Druckschrift zu üben, lernen Schulanfänger heute in vielen Bundesländern nur noch die sogenannte Grundschrift. Hier werden Druckbuchstaben mit Verbindungsstegen zu einer einfachen Schreibschrift ohne komplizierte Schleifen und Kringel.

Das umstrittenste Konzept ist „Lesen durch Schreiben“ (LdS), das seit den 90er Jahren vermehrt in deutschen Klassenzimmern angewendet wird. Dabei eignen sich Erstklässler nicht wie Generationen vor ihnen Buchstabe für Buchstabe aus der Fibel an, sondern können mithilfe einer bebilderten Anlauttabelle Worte zu Papier bringen, wie sie sie hören.

Kinder sollen so ohne Druck und Korrekturen von Anfang an Spaß am Lesen und Schreiben bekommen. Um korrektes Buchstabieren geht es erst später. Dann müssen sich die Schüler ihre individuellen Schreibweisen nach und nach wieder abtrainieren.

9. Vom Pauker zum lehrenden Erzieher

Früher war ein Lehrer hauptsächlich Wissensvermittler, der mit mehr oder weniger Strenge seinen Schützlingen den Stoff im Frontalunterricht nahebrachte. Heute sind seine pädagogischen Kompetenzen weiter gefasst: Er ist Helfer und Partner im Unterricht, wird von vielen Kindern als Vertrauens- und Bezugsperson gesehen.

Denn immer häufiger wachsen Mädchen und Jungen in Familienstrukturen ohne geregelten Tagesablauf und verlässliche Aufsicht auf – etwa weil die Eltern den ganzen Tag arbeiten oder weil das soziale Umfeld problematisch ist. Der Lehrer wird so zum erziehenden Pädagogen, der im Unterschied zu den 70er Jahren mehr Pflichten und Verantwortung für seine Schüler übernehmen muss.

10. Ganztags- statt Halbtagsschule

Nachmittags Freizeit! In den 70ern gab es diese Garantie für Schüler größtenteils noch. Doch dafür gab es häufig  Samstagsunterricht –  wenn auch nicht unbedingt jede Woche. Heute gilt die Fünf-Tage-Woche, oftmals mit einem Stundenplan, der durch die Lehrstoffverdichtung gerade für G8-Schüler und durch das breite Angebot von AGs nicht selten über 35 Stunden hat.

So entwickelt sich Schule mehr und mehr zu einem Ganztags-Lebensraum, wo Kinder und Jugendliche nicht nur lernen und Hausaufgaben machen, sondern auch in der Mensa essen oder mit Freunden in Relax-Räumen chillen können.

11. Noten und Punkte…

Es sind nur Zahlen – doch entscheiden die Noten zwischen 1 und 6 bei Klausuren oder im Zeugnis über schulische Karrieren. Daran hat sich bis heute an allgemeinbildenden staatlichen Schulen nichts geändert.

Nur im Gymnasium löste mit Einführung der Oberstufenreform ein 15 Punkte-System die alten Bewertungen ab. Jede Note war so, statt mit den Vorzeichen Minus oder Plus, in einem Spektrum von drei Punkten darstellbar. Lediglich die Note 6 wird mit 0 Punkten übersetzt und ist nicht dreigeteilt – es gibt keine 6 plus oder 6 minus.

Ausgenommen von Noten-Bewertungen sind heute oft nur Grundschüler in den ersten beiden Klassen. Sie bekommen in den meisten Schulen anfangs ausführliche und motivierende Beurteilungen ihrer Lehrer, die darin vor allem die guten Eigenschaften jedes Kindes hervorheben. Der „Ernst des Lebens“ soll zu Beginn noch Spaß machen, ohne Leistungsdruck. Diese pädagogische Einsicht hatte sich in den 70er Jahren noch nicht durchgesetzt. Damals erfuhren ABC-Schützen etwas früher, dass Zensuren zur Schule gehören, wie die Butter aufs Pausenbrot.

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Zwei Attentate in Afghanistan: IS bekennt sich zu tödlichem Anschlag


In Kabul sprengt sich im morgendlichen Berufsverkehr ein Jugendlicher in die Luft, der IS reklamiert den Anschlag für sich. Im Süden des Landes fahren Polizisten in eine Sprengfalle. Insgesamt sterben mindestens 13 Menschen.

Bei zwei Anschlägen in Afghanistan sind mindestens 13 Menschen getötet worden. Im Zentrum der Hauptstadt Kabul sprengte sich am Montagmorgen gegen 8 Uhr Ortszeit im dichten Berufsverkehr ein Selbstmordattentäter in die Luft. In der südlichen Provinz Helmand starben bei einem Anschlag mit einer Sprengfalle bereits in der Nacht mindestens sechs Polizisten.

Zu dem Selbstmordanschlag in Kabul bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, der Attentäter sei ein Teenager gewesen. Er riss sechs Menschen mit in den Tod, drei weitere wurden verletzt. Die meisten Opfer hätten in einem Auto gesessen, das vorbeigefahren sei, als der Attentäter den Sprengsatz zündete. Was genau das Ziel des Anschlags gewesen sei, sei noch unklar. Er habe sich aber nahe dem Eingang zu Büros des Geheimdienstes NDS ereignet. Der Tatort im Viertel Schaschdarak liegt zudem in der Nähe der US-Botschaft und des Nato-Hauptquartiers. In seiner Botschaft erklärt der IS, das Geheimdienstbüro angegriffen und etwa 30 Menschen getötet zu haben.

In der südafghanischen Provinz Helmand fuhren Polizisten im Mardscha-Bezirk mit einem gepanzerten Fahrzeug auf eine an der Straße versteckten Bombe. Neben den sechs getöteten Beamten wurden sechs weitere verletzt, wie ein Sprecher der Provinzregierung sagte. Wer hinter der Tat steckt, ist unklar.

Krieg mit den Taliban intensiviert

In Kabul hat es in diesem Jahr mehr als 20 große Anschläge mit Hunderten Toten und Verletzten gegeben. Die meisten reklamierten die radikalislamischen Taliban oder der IS für sich. Zu dem schwersten Anschlag – einer massiven Lastwagenbombe vor der deutschen Botschaft im Mai mit etwa 150 Toten – gibt es aber bis heute kein Bekenntnis. Deutsche Ermittler halten das mit den Taliban eng verbündete Hakkani-Terrornetzwerk für verantwortlich.

Die Taliban legen landesweit Tausende improvisierter Sprengsätze. Die IED genannten Bomben („improvised explosive device“) sollen Truppenbewegungen aufhalten. 16 Jahre nach dem Einmarsch internationaler Truppen in Afghanistan kontrollieren die Taliban nach Angaben von Militärs wieder um die 13 Prozent des Landfläche und kämpfen um weitere 30 Prozent. Auch deshalb schicken die USA und einige Nato-Staaten nun wieder Tausende zusätzliche Soldaten in den Staat.



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Gengenbach zelebriert das Adventskalenderhaus

Gengenbach zelebriert das Adventskalenderhaus

Fast jeder, der das Adventskalenderhaus zum ersten Mal besucht, zählt die Fenster und die meisten wundern sich“, schmunzelt Reinhard End. Die beiden Dachgaubenfenster würden oft übersehen, erklärt der pensionierte Lehrer. Wenn man sich von seinem fesselnden Vortrag im Museum Haus Löwenberg löst, erblickt man das Herzstück des Gengenbacher Weihnachtsmarktes: die Fassade des größten Adventskalenderhauses der Welt. Das barocke Kleinstädtchen Gengenbach liegt am Fuße des mittleren Schwarzwalds nahe Offenburg. Auf dem Weihnachtsmarkt zwischen verschachtelt gebauten Fachwerkhäusern naschen Besucher Maronen und bestaunen ein Adventsspektakel. Jeden Winter verwandelt sich das Rathaus in einen gigantischen Adventskalender, gefüllt mit Bildern bekannter Künstler.

Katzen und barocke Pracht

Der 67-jährige Reinhard End, der im ehrenamtlichen Team das Museumsprogramm im Haus Löwenberg gestaltet, hat diese Tradition vor 21 Jahren mitbegründet. Jeden Dezemberabend um 18 Uhr wird bis Heiligabend ein Fenster geöffnet, ein neues Werk enthüllt. Im Kalender 2016, der in dieser Form noch zwei Jahre gezeigt werden wird, befinden sich beispielsweise Kreationen Andy Warhols, die ungewöhnliche Motive seines Frühwerkes zeigten. Damit Warhols Engel und Katzen in den Fenstern ihre Wirkung entfalten, wurden die Hintergründe in Abstimmung mit der Warhol Foundation zusätzlich koloriert und als Fotofolie auf einer Acrylscheibe in den Fenstern angebracht. Diese Leuchtscheiben fügen sich perfekt in die barocke Fassade mit dem blau-goldenen Rankenwerk.

Für alle Fenster gibt es einen Paten, der für die Finanzierung des Bildes zuständig ist. Meist sind dies Gengenbacher Geschäftsleute, die sich darüber im Klaren sind, dass das Kalenderhaus eine Attraktion ist, die täglich mehrere tausend Besucher in die Altstadt zieht. Die Organisation des Kalenders bewältigt ein Team Ehrenamtlicher. Viele Ideen werden erst im Laufe mehrerer Jahre kalenderreif gemacht. Die Warhol-Idee entstand vor zehn Jahren.

Geschäftstüchtiger Künstler

Parallel gibt es eine „Indoor-Ausstellung“ zum jeweiligen Kalenderkünstler. Reinhard End kontaktierte die Warhol-Stiftung in Pittsburgh und fragte Warhol-Besitzer in ganz Deutschland nach Leihgaben. Der in Gengenbach geborene Sammler Frieder Burda öffnete Türen, auch zur gesamten Verlegerfamilie Burda, die ebenfalls von Warhol in zahlreichen Werken dargestellt wurde. Warhol ist als geschickter Geschäftsmann bekannt. Seine Profitorientiertheit führte dazu, dass es von ihm wenige Unikate gibt, da er die meisten seiner Werke in Menge produzieren ließ, um höchstmöglichen Gewinn und Verbreitung zu erzielen. „Dass wir Lizenzen für 24 Bilder brauchten, hätte Andy glücklich gemacht“, lacht End, der mehrmals täglich Besucher durch die Ausstellung führt. Dann geht er zum Sprecherhäuschen auf dem Marktplatz. Zum Glockenschlag 18 Uhr beginnt das Öffnungsritual. Er spricht nach seinen rund 500 Fensteröffnungen mit geübter Stimme in der Audiokabine.

Uriger Marktmeister, Freude und Filme

Hinter der Bühne wuseln Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren umher und bereiten sich auf ihr bevorstehendes Mini-Musical vor. Der 16-jährige Malte Biermann war zehn Jahre lang Darsteller, nun betreut er die Technik: „Hier Verantwortung zu übernehmen und vieles organisieren zu dürfen, macht einfach Spaß.“ Die Zuschauer strahlen beim Anblick der Kinder und des urigen Marktmeisters Bem Steiner auf der Rathausbühne. Viele filmen. Dann folgt der Höhepunkt: Zu Ends Worten schweift ein großer Scheinwerfer über viele schon geöffnete Fenster bis er schließlich auf einem noch geschlossenen ruht. Vor freudigen Gesichtern wird das Bild enthüllt.

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Eine Oeffingerin reicht die Hand bei der Jobsuche

Ehrenamt in OeffingenEine Oeffingerin reicht die Hand bei der Jobsuche

Bärbel Rosendahl-Muser hat das Projekt Azubi-Paten auf den Weg gebracht. Foto: Sascha Sauer

Oeffingen – Mal schubst sie, mal ermuntert sie. Manchmal braucht’s Verständnis und manchmal einen motivierenden Tritt in den Hintern. Wenn Bärbel Rosendahl-Muser über die Arbeit mit ihren Patenschülern spricht, dann kommt eine Palette an Hilfestellungen zusammen.

Und die braucht sie auch als Azubi-Patin. Denn ein Rezept, wie man junge Leute erfolgreich in die Ausbildung oder auf eine weiterführende Schule bringt, gibt es nicht. Allerdings hilft Bärbel Rosendahl-Muser ihre Erfahrung: Seit zwölf Jahren begleitet sie Schüler ab der achten Klasse auf ihrem Weg in den nächsten Lebensabschnitt.

„Ich habe sehr viel Freude an der Begegnung mit jungen Menschen, denn ich finde sie erfrischend“, sagt die Seniorin. In ihrer Arbeit mit Gemeinschaftsschülern geht es viel um Stärken und Schwächen. Sie zeigt ihnen etwa, wie man eine Bewerbung richtig schreibt oder einen Praktikumsplatz findet. Auch fiktive Vorstellungsgespräche führt sie mit den Jugendlichen.

Das Ehrenamt hat sich Bärbel Rosendahl-Muser quasi selbst verordnet. Um den Übergang von ihrer Arbeit als Berufsschullehrerin in den Ruhestand zu erleichtern, nahm sie im Jahr 2004 beim ersten Fellbacher Mentorenkurs teil, den die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement organisiert hatte. Da kam ihr die Idee, Azubi-Patenschaften auf den Weg zu bringen. Was einige Monate später als Pilotprojekt an der Albert-Schweitzer-Schule in Schmiden begann, läuft inzwischen seit zwölf Jahren mit Erfolg und hat vielen Schülern der heutigen Gemeinschaftsschule zu besseren Noten oder einem guten Start ins Berufsleben verholfen.

„Wir sind aber kein Nachhilfeunterricht“, erklärt Bärbel Rosendahl-Muser. Dennoch werden die Jugendlichen bei schulischen Aufgaben unterstützt, etwa bei Projektarbeiten oder den Berichten für das Pflichtpraktikum. Das geschehe in Absprache mit den jeweiligen Klassenlehrern.

Zunächst ist die Azubi-Patin eine Helferin. Manchmal wird sie aber auch zu einer Vertrauensperson. „Die Schüler sind in einem Alter, wo sie zuhause nicht mehr alles erzählen“, sagt die Seniorin. Das findet sie schön, betont aber: „Ich will jedoch nicht die Rolle der Eltern übernehmen.“ Mindestens 45 Minuten dauern die Treffen, die in der Regel alle zwei Wochen stattfinden. Und die Zeit wird intensiv genutzt. „Selbst Erwachsenen fällt es nicht leicht, eine Bewerbung zu schreiben“, sagt die Azubi-Patin. So gehöre beispielsweise unbedingt eine gründliche Recherche über den potenziellen Arbeitgeber dazu. Meist finden die Treffen in einer der drei Stadtbüchereien statt.

Da Fellbach nicht allzu groß ist, trifft sie hin und wieder frühere Patenschüler. Erst kürzlich beim Arzt fiel ihr eine junge Frau um den Hals, die jetzt dort als medizinisch-technische Assistentin arbeitet. So etwas freue einen natürlich, sagt die Oeffingerin. Ebenso freut sie sich über ein Lob der jungen Menschen. Etwa wenn sie zu ihr sagen: „Sie wissen, wie man das macht! “

Die Ehrenplakette wird Bärbel Rosendahl-Muser zum nächsten Azubi-Patentreffen mitnehmen. „Die Strahlen der Medaille werde ich an meine Mitstreiter verschenken, ohne sie wäre das Projekt überhaupt nicht möglich.“

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Auf dünnem Seil hoch über den Köpfen: Der Weihnachtszirkus setzt auf Gefühlsmix

Auf dünnem Seil hoch über den Köpfen: Der Weihnachtszirkus setzt auf Gefühlsmix

Am 25. Dezember muss alles laufen“, betont Christoph Mack, Organisator des Freiburger Weihnachtszirkus „Circolo“, während sein freudiger Blick durch das Vorzelt mit dem Weihnachtsbaum und den weinrot verhangenen Wänden streift. „Weihnachten ist vom Gefühl her etwas Warmes“, erklärt der 61-jährige Südbadener, dem es viel bedeutet, dass dieses Gefühl bei Besuchern des Zirkus ankommt. Mit durchschnittlich rund 40 000 Besuchern im Jahr ist das für Mack und seine Mitarbeiter eine große Herausforderung, der sie sich jedes Jahr aufs Neue stellen.

Als Ministrant beim Zirkuspfarrer

Bevor Mack die Organisation des Weihnachtszirkus vor 13 Jahren übernahm, war der ausgebildete Realschullehrer selbst hauptberuflich auf der Bühne tätig. „Als Kind wollte ich Clown werden, bin dann aber schlussendlich Zauberer geworden“, sagt er lachend. Da seine Grundschule am ehemaligen Freiburger Messplatz lag, beobachtete er fasziniert von der Schulbank aus, wie Zirkusse ihre Zelte aufschlugen, traf auf Artisten und ihre Kinder. Logische Folge sei es deshalb gewesen, dass er als Ministrant einen Zirkuspfarrer begleitete. Um neben der Zauberei, die ihn quer durch Deutschland führte, ein weiteres Standbein zu haben und mehr zu Hause sein zu können, stieg er vor 26 Jahren in den Variété-Bereich ein und organisierte Veranstaltungen.

„In einem Weihnachtszirkus muss für jeden etwas dabei sein.“ Deshalb enthält das Programm Elemente, die den Interessen einer ganzen Familie gerecht werden: keine Nummern mit Wildtieren, dafür aber moderne Acts wie Breakdance, komische und spannungsgeladene Nummern, im Raum Freiburg noch nie gesehene Darbietungen. Dass es Mack mit abwechslungsreichen Showeinlagen gelingen muss, ein ausgewogenes Programm zu bieten und dabei weihnachtliches Ambiente zu erzeugen, wurde ihm früh klar. Heute amüsiert es ihn, wenn er an Nummern seiner Anfangsphase denkt, die er originell und modern fand, die aber für wenig Begeisterung sorgten. So wie beim Rammstein-Projekt, bei dem extravagante Clowns zu lauter Rammstein-Musik in der Manege ihre Späße trieben, worüber sich ein Großvater lautstark empörte, als er mit seinem Enkel den Zirkus verließ.

Etwas schelmisch Boshaftes

„An Weihnachten wirklich gute Artisten zu bekommen, ist ein Kampf.“ Um Ausschau nach passenden Künstlern zu halten, fährt er jedes Jahr nach Paris zum „Cirque de Demain“, einer Plattform für Nachwuchstalente. Dort trifft er auf drei Typen von Artisten: diejenigen, die eine Artistenschule besucht haben. Profiturner wie die Russin Oxana Mal-dur, eine Sportgymnastin, die Mack mit der Formation Trio Angelis anheuerte und die Salti macht. Artisten, die in eine Artistenfamilie hineingeboren werden und die Familientradition fortführen.

Der Hochseilartist Ladislav „Diablo“ Kaiser ist ein Vertreter dieser Zunft und sorgte bei der vergangenen Show für Hochspannung. Mit kahlrasiertem Kopf und stämmig muskulöser Statur tritt Ladislav auf. Schon die Schminke aus schwarz-roten Linien auf Kopf und im Gesicht verleiht ihm etwas schelmisch Boshaftes. Er sorgt für gemischte Gefühle: Ungesichert klettert er über ein dünnes Seil zehn Meter nach oben. Um ihn noch sehen zu können, müssen die Zuschauer der ersten Reihe ihre Köpfe in den Nacken legen. Wenn er beim Hochklettern einen Ausrutscher vortäuscht, liegen bei einigen die Nerven blank. Niemand wendet die Augen von dem gefährlichen Spektakel ab. Ladislav selbst schmunzelt, lacht und interagiert heiter mit dem Publikum. Im nächsten Moment balanciert er nach einem dämonischen Schrei mit einer Stange in den Händen über das Seil.

Dann kam die italienische Großfamilie

An Heiligabend und den weiteren Weihnachtsfeiertagen sind für den 38-jährigen Tschechen aber der Nervenkitzel und das Adrenalin Nebensache: „Hier zählt nur die Familie.“ Da er auch in der Weihnachtszeit meist in einem Zirkus tätig ist, zieht er sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern in den eigenen Wohnwagen zurück und genießt dort die Festtage. Zu Anfang glaubte Mack, ein gemeinsames Feiern mit all den Darstellern wäre das, was den Artisten diese Zeit fern von zu Hause angenehmer machen würde. Doch ihm wurde bewusst, dass die aus unterschiedlichen Ländern stammenden Artisten auf ihre eigene Art Weihnachten feiern möchten. So ließ er erstaunt einen italienischen Clown gewähren, als dieser ihn um Erlaubnis bat, ob er seine Familie über die Feiertage zu sich holen dürfe. Dass kurz darauf plötzlich seine Großfamilie mit 15 Wohnwagen vor dem Zirkus stand, damit hatte Mack nicht gerechnet

Er liebt ihre leuchtenden Augen

Damit überhaupt eine wohlige Atmosphäre entstehen kann, muss das Zelt durchgehend teuer beheizt werden, um zu verhindern, dass Wasserleitungen nicht gefrieren und der Schnee auf dem Dach nicht liegenbleibt. Zum anderen ist es wichtig, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, indem Mack eine dezente winterlich-weihnachtliche Dekoration im Vorzelt und in der Manege anbringt. „Das ist auch das, was einen Weihnachtszirkus ausmacht.“ Dazu trägt das Zirkusorchester bei, das über der Manege unter einem Sternenhimmel Livemusik erklingen lässt und durch die Show begleitet. Dazu gehören eine poetische Abschlussnummer, etwa mit dem chinesischen Duo Ying und seiner anmutigen Artistik, und dem sich anschließenden sanften Schneeregen am Schluss der Vorstellung als Highlight. Mack liebt es, „wenn Kinder wie auch Erwachsene den Zirkus mit glühenden Wangen, zufriedenen Gesichtern und leuchtenden Augen wieder verlassen“.

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Weniger Jugendliche mit Komatrinken in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz sind im Jahr 2015 weniger Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen als im Jahr vorher. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2015 genau 1374 Kinder und Jugendliche eingeliefert, während 2014 noch 1486 behandelt wurden. Aktuellere Zahlen liegen bisher nicht vor.

Unter dem Motto „Kunst gegen Komasaufen“ will der Schülerwettbewerb „bunt statt blau“ zum achten Mal ein Zeichen gegen Alkoholmissbrauch setzen. Bei der Kampagne des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums und der Krankenkasse DAK-Gesundheit können Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren Plakatideen einreichen, wie die DAK am Dienstag mitteilte.

„Ich setze darauf, dass wir auch in diesem Jahr deutlich machen können, dass es uncool ist, sich bewusstlos zu trinken“, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) laut Mitteilung. Bundesweit sind 11 000 Schulen zur Teilnahme an dem Wettbewerb eingeladen. Aus den Siegern der 16 Länder wählt eine Jury den Bundessieger.

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Weihnacht im Altenheim ist ein schmaler Grat zwischen Freude und Trauer

Weihnacht im Altenheim ist ein schmaler Grat zwischen Freude und Trauer

Der Klang von „Oh du Fröhliche“ erfüllt den festlich geschmückten Raum. Am Heiligabend sitzen alle Bewohner zusammen im großen Speiseraum, teils an kleinen separaten Tischen, teils an einer großen Tafel. An deren Stirnseite fährt eine Frau im Takt der Musik in ihrem Rollstuhl hin und her, völlig versunken in die Darbietung des Musikvereins. Nach und nach fallen mehr Bewohner in die altbekannte Melodie mit ein, bis schließlich jeder, so gut er kann, in den Refrain einstimmt.

In den Pausen zwischen den Liedern finden kurze Gespräche statt, Rückblicke auf das vergangene Jahr mit all seinen Facetten werden zum Besten gegeben. Mitarbeiter und Ehrenamtliche sind unentwegt damit beschäftigt, Kaffee, Tee und Kuchen zu servieren, nicht ohne mit jedem ein paar Worte zu wechseln.

Das Altenpflegeheim St. Katharina in Endingen am Kaiserstuhl, ein ehemaliges Krankenhaus, verfügt über 130 Pflegeplätze. In den drei Wohnbereichen sind neben 151 Festangestellten auch über 60 Ehrenamtliche beschäftigt. Schon vor dem Gebäude wird man von einem prächtigen Tannenbaum begrüßt, Tannenreisig schmückt die Geländer der rollstuhlgerechte Wege. Im Eingangsbereich steht eine große Krippe, der Geruch von Moos liegt in der Luft. Auch Flure und Büros sind mit Liebe zum Detail dekoriert. Zuständig dafür ist Inge Griebel, eine langjährige Mitarbeiterin des Hauses. Obwohl sie in erster Linie in der Pflege beschäftigt ist, hat sie es sich ehrenamtlich zur Aufgabe gemacht, für das weihnachtliche Flair zu sorgen. „Auch mit kleinen Geschenken kann man viel erreichen“, erklärt die Altenpflegerin. Seit ihre eigene Mutter vor drei Jahren während der Weihnachtszeit verstorben ist, hat das Fest für sie eine andere Dimension. Dass dies von Bewohnern wie von Angehörigen wertgeschätzt wird, bedeutet ihr viel.

Mit dem Roten Kreuz in den Europapark

Zwischen dem ersten Advent und Silvester gibt es viele Veranstaltungen. Traditionell kommt der Nikolaus, begrüßt die Bewohner im Speisesaal und stattet Bettlägerigen einen persönlichen Besuch ab. Oft begleitet von Angehörigen, basteln die alten Menschen Weihnachtsdekoration, backen, was auch weniger mobilen Bewohnern durch einen fahrbaren Ofen möglich ist.

Der Ausflug zum Endinger Seniorentreff ist vor allem für die aus Endingen stammenden Bewohner ein wichtiges Ereignis, da sie hier Bekannte, Freunde, langjährige Wegbegleiter treffen. Auch die Fahrt in den Europapark Rust ist ein Höhepunkt. Den Transport übernimmt das Rote Kreuz. Organisiert werden solche Ausflüge auch über das Jahr hinweg vom Betreuungsdienst der Wehrle-Werk-Stiftung, die der ehemalige Leiter des Emmendinger Werks ins Leben rief. Die Stiftung bietet zusätzliche Betreuungsleistungen außerhalb der Finanzierung über die Pflegeversicherung an. Große Ausflüge sind durch die Stiftung überhaupt erst möglich. Es gibt Gruppenangebote wie zum Beispiel Frühstücksbuffets, Malgruppen, Spiele- und Kinonachmittage sowie Einzelbetreuung mit Spaziergängen, Gesprächen oder Spielen.

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Ein Gleitschirmflieger über seine Höhenflüge

Ein Gleitschirmflieger über seine Höhenflüge

Nachdem ich mit dem Fliegen angefangen habe, sah es für alles andere sehr schlecht aus“, erklärt Christian Müller aus Bremm an der Mosel, 46 Jahre alt, schmunzelnd nach dem fast vierstündigen Flug an einem sonnigen Nachmittag. Er ist einer von mehr als 300 aktiven Piloten des Vereins „Moselfalken“, die den Sport des Drachen- und Gleitschirmfliegens ausüben. Neun Gelände werden von den „Moselfalken“ unterhalten, zwölf Gebiete stehen insgesamt für die Mitglieder in der Region Mosel/Saar zur Verfügung. Ein besonderes Fluggebiet ist die Region um den steilsten Weinberg Europas, den Calmont. Der gigantische Schieferhang ist ein Schwachwindgebiet, sorgt jedoch gleichzeitig für eine hervorragende Thermik. Länger, höher und weiter fliegt man über dem feinen Schieferboden, der schnell und lang Sonnenstrahlen absorbiert. Der Hang und die bodennahe Luft erwärmen sich, und es entsteht ein Aufwind, der für einen guten Flug unerlässlich ist. Letztlich fehlt nur noch ein Startimpuls des Piloten, so dass sich der Gleitschirm mit Luft füllt. Und ein wenig Mut. „Dann geht’s für uns gut nach oben“, sagt Christian Müller lachend.

Ausgebildet zum Passagier-Piloten

Seine Ausbildung zum lizenzierten Gleitschirm-Piloten machte er mit 18 Jahren. Schon früh entwickelte sich der Traum des Fliegens, den Müller auch beruflich als Verkehrsflugzeugführer lebt. „Wenn man diesen Traum hat, dann ist alles andere nur Ersatz.“ So sei ihm die anspruchsvolle Ausbildung zum Passagier-Piloten eher leichtgefallen. Die ersten Flugversuche absolvierte er beim Drachenfliegen. Nach zwei Jahren stieg er aufs Gleitschirmfliegen um, da die leichte Ausrüstung von 15 bis 20 Kilogramm diesen Flugsport wenig aufwendig macht. Der Erwerb einer Lizenz kann sich allerdings als zeitraubend erweisen. Spielt das Wetter nicht mit, so kann die Ausbildung bis zu zwei Jahren dauern. Im schnellsten Fall darf man sich nach vier Wochen allein in die Lüfte begeben, doch empfiehlt der Deutsche Hängegleiterverband e.V. eine möglichst umfassende Ausbildung. „Man muss übrigens keine Sportskanone sein“, erklärt Christian Müller. Jeder, der fähig sei, das Autofahren zu erlernen, hat gute Chancen auf eine erfolgreiche Flieger-Ausbildung. Höhenangst muss kein Ausschlusskriterium sein. Hänge man erst einmal bequem in seinem Sitzgurt, seien anfängliche Bedenken schnell verflogen. Natürlich gewinne man auch an Vertrauen in sein buntes Segel und in die Funktionsweise, betont Müller. „Wir machen es quasi wie die Bussarde.“ Raubvogel wie Mensch sind von der Thermik abhängig, um sich spiralförmig nach oben zu kurbeln. Der Mensch erkennt eine gute Thermik an den Cumuluswolken.

Im Kampf um die Thermik

Sie sind Anzeichen für aufsteigende warme Luft, die in der Höhe wieder abkühlt, ein bestimmtes Kondensationsniveau erreicht und eine Wolke bildet. Dieser Zustand wird als „Wolkenthermik“ bezeichnet. Bei wolkenlosem Himmel hingegen spricht man von „Blauthermik“. Der Mensch kann sich dann nur noch an seinem Untergrund orientieren oder an den intelligenteren Vögeln. Wo ein Bussard kreist, da ist die Thermik meist am besten. Im Kampf um die Thermik hat Müller vor Jahren eine besondere Erfahrung gemacht. 17 Bussarde nutzen mit ihm zusammen einen Aufwind. Die neugierigen Vögel fanden den Gleitschirmflieger interessant und nahmen ihn in ihre Gruppe auf. „Ich fühlte mich wie in einem Schwarm von Fischen. Total irre, ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke.“ Eigentlich gelten in der Luft Vorfahrtsregeln wie im Straßenverkehr, die Flieger zu beachten haben, um Kollisionen zu vermeiden. Gefährlich wird es erst dann, wenn ein Pilot Sicherheitsregeln missachtet.

Lieber auf einen Start verzichten

Das Gleitschirmfliegen ist eine der sichersten Luftsportarten. Gleitschirme mit dem DHV-Gütesiegel sind auf Reißfestigkeit und Flugverhalten getestet, das Gurtzeug ist mit einem extra Rückenschutz für die Wirbelsäule ausgestattet, Helm und Rettungsfallschirm sind Pflicht. „Das Fliegen ist mit dem Motorradfahren vergleichbar. Wenn mal etwas passiert, dann ist ein Unfall nicht ungefährlich.“ Es kommt auf die Selbstdisziplin des Piloten an. Zu seinen Aufgaben gehört es, Wetterinformationen einzuholen und gegebenenfalls auf einen Start zu verzichten. Wenn es wettertechnisch zu unsicher wird, verbringt Christian Müller seinen Jahresurlaub in Slowenien, um nicht pausieren zu müssen.

Mit vollem Wasserbecher in der Luft

Denn er fliegt auch als Wettkampfpilot. Dieses Jahr nahm er an der 8. Mosel Open in Zeltingen-Rachtig teil und setzte sich gegen 228 Piloten aus 21 Nationen in der Kategorie Sportklasse durch. Außerdem nutzt Müller das Online-Portal DHV-XC. Hier können über GPS aufgezeichnete Flüge eingereicht und mit anderen Piloten geteilt werden. Es gibt Ziellandeübungen oder individuelle Aufgaben, wie zum Beispiel mit einem vollen Wasserbecher zu fliegen und möglichst wenig zu verschütten. Weltmeisterschaften werden regelmäßig ausgetragen. Den meisten Piloten geht es weniger um den Konkurrenzkampf. Das Gleitschirmfliegen ist ein geselliger Sport. Die Wartezeiten an den Startplätzen sind oft lang, man kommt mit anderen Piloten ins Gespräch. „Darunter sind teilweise richtige Junkies“, gibt Müller zu. „Adrenalin ist eben auch eine Droge.“

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Bibliothek hilft Jugendlichen weiter

Streetwork-Projekt Europaviertel in StuttgartBibliothek hilft Jugendlichen weiter

An kaum einem anderen Platz in der Stadt liegen Kultur und Jugendtreff so nah beieinander wie am Mailänder Platz zwischen Milaneo und Bibliothek. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Stuttgart – Fast unbemerkt war das aufgewühlte Viertel rund um die Bibliothek zu einem Treffpunkt für Jugendliche geworden, und nicht immer lief alles friedlich ab. Die Probleme schwappten auch in die Stadtbibliothek hinein, vor allem, weil dort W-Lan unbegrenzt zur Verfügung stand. Nicht alle Besucher verhielten sich angemessen, sondern störten oder pöbelten, manche widersetzten sich gar der Aufforderung, das Haus zu verlassen.

Statt nur mit Polizeieinsätzen und Hausverboten zu reagieren, einigten sich mehrere Akteure, unter anderem die Stadt Stuttgart, auf den Einsatz von Streetworkern und den Ausbau der kulturellen Bildung in der Bibliothek. Mit dieser Empfehlung wird sich am kommenden Montag der Jugendhilfeausschuss befassen.

Auf Initiative von Stadtbibliothek, Polizei, Mobiler Jugendarbeit, Milaneo und Sparkassenakademie waren im vergangenen Jahr über eine Zeit von drei Monaten zwei Mal wöchentlich knapp 50 Streetworker der Mobilen Jugendarbeit dort unterwegs, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. 205 Cliquen hatten sie angetroffen, 837 Jugendliche angesprochen, 119 befragt. Der Großteil der Befragten war zwischen 14 und 17 Jahre alt, 82 Prozent hatten einen Migrationshintergrund, 60 Prozent waren männlich, überwiegend aus Stuttgart und überwiegend in einer Clique unterwegs. Im Abschlussbericht der Mobilen Jugendarbeit heißt es, das Quartier sei zu ihrem Freizeit- und Lebensraum geworden, zu ihrem Treffpunkt. Jugendeinrichtungen an ihrem Wohnort stellen deshalb keinen Ersatz dar. Den Streetworkern aber hätten sie „eine hohe Akzeptanz“ entgegen gebracht.

Die Mobile Jugendarbeit und alle anderen Beteiligten aus der Projektsteuerungsgruppe empfehlen entsprechend der Befragungsergebnisse, dort mittelfristig Streetworker fest zu verankern und Jugendliche, auch problembelastete, in Bildungs- und Freizeitangebote zu lenken sowie Konfliktmanagement anzubieten. Langfristig sollte daraus ein multidisziplinäres Team werden. Die Stadt schlägt vor, dieses Projekt für zwei Jahre zu installieren, finanziert aus Stiftungsmitteln und Projektförderung.

Flankierend möchte die Stadtbibliothek die kulturelle Jugendbildung stärken, „weil sich bei den anwesenden Jugendlichen und Cliquen Interesse wie auch ein erheblicher Unterstützungsbedarf bezüglich der Alltagsbewältigung zeigt“, heißt es in der Mitteilungsvorlage. Da der Bibliothek das Personal fehlt für ein solches, verlässliches Angebot, wird das Kulturamt zum Stellenplan 2018 eine „entsprechende“ Aufstockung des Personals beantragen.

Einen ersten Erfolg gibt es bereits: Das W-Lan ist nicht mehr endlos, sondern nur noch für zwei Stunden zugänglich, außerdem ist das Bibliothekspersonal im Umgang mit schwierigen Jugendlichen und Jugendcliquen geschult worden. Im Jahr 2015 musste Christine Brunner, die Chefin der Stadtbibliothek, noch zehn Hausverbote aussprechen, um rücksichtsloses Verhalten und Verstöße gegen die Hausordnung zu ahnden – 2016 waren es nur noch fünf Hausverbote.

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