Kategorie -Jugendliche

Durch Kunst ein Zuhause schaffen

Ferienprogramm in Stuttgart-Sillenbuch
Durch Kunst ein Zuhause schaffen

Die Jugendlichen malen mit dem Pinsel oder  der Hand. Foto: Eileen Breuer

Den Begriff Heimat künstlerisch ausdrücken: Das versuchen in dieser Woche mehrere Jugendliche im Jugendhaus in Stuttgart-Sillenbuch. Das Besondere: Die Werke sollen öffentlich ausgestellt werden.

Sillenbuch – Die Klamotten haben schon einige Farbkleckse abbekommen, auf den Farbpaletten tummeln sich Nuancen von Rot, Blau und Gelb. Acht Schüler stehen um einen Tisch, manche von ihnen streichen mit dem Pinsel ganz sanft über das Papier, andere klatschen ihre farbigen Hände drauf. Doch die Kunstwerke haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle handeln vom Thema Heimat.

Sie entstehen im Zuge eines Ferienangebots des Sillenbucher Jugendhauses, das die Teilnehmer diese Woche besuchen konnten. Das Thema: Heimat – Kunst im öffentlichen Rahmen. Denn die Kunstwerke landen nicht etwa im Zimmer der Teilnehmer oder dienen als Geschenk zum Muttertag. Sie werden an öffentlichen Plätzen in Sillenbuch aufgehängt. Davor werden sie gerahmt. Die Organisatorin Janina Ruoff findet es wichtig, dass die Bilder im Anschluss von jedem betrachtet werden können: „Jugendliche können sich dann besser mit dem Stadtteil identifizieren, wenn die eigene Kunst aufgehängt und akzeptiert wird.“

Werke sollen auch an Bahnhaltestellen ausgestellt werden

Ruoff hat sich bei einer Rundfahrt schon ein paar Plätze angeschaut, wo sie sich die Bilder gut vorstellen kann. Auf jeden Fall wird ein Werk die Hauswand des Jugendhauses zieren, andere könnten bald an Stadtbahnhaltestellen oder am Sillenbucher Markt zu sehen sein. Dies müsse aber noch mit den jeweils Zuständigen abgesprochen werden.

Valentin Hennig leitet den Workshop. Er hat am ersten Tag mit den Kindern über ihre Herkunft, die verschiedenen Sprachen und ihre Heimat geredet. Diese Themen könne man gut mit der Kunst verbinden: „Picasso zum Beispiel hat sich seine Heimat aus Kunst geschaffen, hat seine Villen mit Kunst ausgehängt“, sagt er.

Durch Kunst zu Hause fühlen

Dass Heimat nicht für jeden das Gleiche bedeutet, zeigt sich schon an den unterschiedlichen Migrationshintergründen der Teilnehmer. Zeynab Hosseinpour (im Foto links) fühlt sich vor allem in der Türkei heimisch, obwohl sie aus Afghanistan stammt und schon seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebt. „Hier fühle ich mich aber, wenn ich male und Musik höre, auch zu Hause“, sagt die 17-Jährige. Sie zeichnet verschiedene Flaggen auf ihr Papier.

Karina Ferenczi (rechts im Bild) hat da eine ganz andere Ansicht: „Meine Heimat ist für mich dort, wo ich mich wohlfühle.“ Sie sagt, dass das für sie aber kein bestimmter Ort sei, denn das könne sie an jedem Ort auf der Welt. Das Thema Heimat stünde aber nicht permanent im Vordergrund, sagt Valentin Hennig: „Wir arbeiten erst mal nicht mit dem Kopf, sondern mit der Hand, mit der Intuition, mit Gefühl.“

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26 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt

Drogen-Razzia in Stuttgart
26 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt

Die Polizei hat in Stuttgart 26 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt. Foto: Polizeipräsidium Stuttgart

Die Polizei hat am Mittwoch 26 Objekte in Stuttgart und der Region durchsucht. Dabei sind ihnen mehrere Drogenhändler ins Netz gegangen. Zwei Hauptverdächtige sind in Barcelona festgenommen worden.

Stuttgart – Der Polizei in Stuttgart ist ein Schlag gegen den gewerbsmäßigen Rauschgifthandel gelungen. Gemeinsam mit den Polizeipräsidien Ludwigsburg und Karlsruhe haben sie am Mittwoch 26 Objekte durchsucht und zehn Männer im Alter von 26 bis 41 Jahren und eine 37 Jahre alte Frau festgenommen.

Das Dezernat zur Bekämpfung organisierter Kriminalität hatte gegen die Gruppierung seit Juli 2016 umfangreiche Ermittlungen geführt. Rund 130 Beamte waren eingesetzt, zusätzlich rund 40 Beamte in Spanien. Zwei mutmaßliche Haupttäter, einen 39-Jährigen und einen 41 Jahre alten Mann, nahmen die Beamten nahe Barcelona fest, sie wurden in Spanien in Untersuchungshaft genommen.

In einer Finca über 600 Pflanzen entdeckt

Fünf Tatverdächtige wurden am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Drei weitere Tatverdächtige sind am Donnerstag vorgeführt worden, die 37-Jährige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt.

In einer Finca bei Barcelona entdeckten die Beamten eine professionell betriebene Marihuanaplantage mit weit über 600 Pflanzen, die von der örtlichen Polizei abgeerntet und sichergestellt wurden. Außerdem beschlagnahmten die Beamten rund fünf Kilogramm gepresstes Haschisch und weiteres bereits portioniertes Marihuana.

Pakete mit Marihuana in Garage gefunden

In einer zweiten Finca beschlagnahmten sie etwa 26.000 Euro mutmaßliches Dealergeld, eine Geldzählmaschine sowie eine scharfe Pistole mit Munition. In einer Garage im Stuttgarter Osten nahmen die Beamten einen 35-Jährigen und die 37-Jährige fest, die Kartons in ein Auto verluden. In den Kartons im Fahrzeug sowie im Keller und der Wohnung des 35-jährigen Tatverdächtigen fanden die Beamten insgesamt rund 26 Kilogramm verpacktes Marihuana.

In der Wohnung eines weiteren 35-Jährigen wurden etwa 39.000 Euro mutmaßliches Dealergeld, eine Geldzählmaschine und eine Schreckschusspistole beschlagnahmt. In den weiteren Durchsuchungsobjekten fanden die Einsatzkräfte weitere rund 600 Gramm Marihuana sowie etwa 80 Gramm Kokain, kleinere Mengen Amphetamin, Anabolika, ein Elektroschockgerät und einen Schlagring.

Außerdem beschlagnahmten die Beamten Smartphones und Speichermedien, die nun ausgewertet werden müssen. Beim Betreten eines Cafes in Bad Cannstatt stellten die Einsatzkräfte um 6 Uhr zudem eine illegale Pokerrunde mit acht Teilnehmern fest. Die Teilnehmer, von denen einer sich mit einem offensichtlich gefälschten Personalausweis auswies, erwartet nun eine Anzeige.

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Wann sind Kinder reif für ein Smartphone?

Smartphones, Tablet-PCs und das mobile Internet in Kinderhänden stellen Eltern vor neue Herausforderungen. Die Geräte sind begehrte Statussymbole und stehen zu Weihnachten auf vielen Wunschzetteln. Aber Kinder müssen über Kostenfallen und Datenschutz-Risiken aufgeklärt werden. Experten geben Tipps.

Eine pauschale Altersempfehlung, ab wann Kinder ein Smartphone haben dürfen, ist nicht sinnvoll. Eltern sollten sich stattdessen fragen: „Ist mein Kind schon reif dafür? Kann es Gefahren erkennen? Hält es sich an vereinbarte Regeln?“, erklärt Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Eltern müssen vor allem darauf achten, dass ihre Kinder verantwortungsvoll mit dem Gerät umgehen können, erklären Experten der EU-Initiative „Klicksafe“ bei der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen. Bei der Auswahl eines Handys sollten sich Eltern daran orientieren, was sie ihrem Kind zutrauen können und für welche Zwecke es das Gerät benutzen möchte, beispielsweise telefonieren, Nachrichten schreiben, im Internet surfen oder spielen.

Junge Handy- und Smartphone-Nutzer sollten wissen, wo sie persönliche Daten preisgeben dürfen und wo nicht. Nötig sei auch ein vernünftiger Umgang mit Geld und generelle Erfahrung mit dem Internet. Auch wenn Kinder ausgemusterte Smartphones oder Tablets der Eltern übernehmen, sollte man ihnen den Wert des Geräts verdeutlichen und sie gegebenenfalls an den Kosten beteiligen.

Experten raten von Kinderhandys ab

Zwar gibt es auch spezielle Kinderhandys mit reduzierten Funktionen, doch weil sie sich deutlich von Modellen für Erwachsene unterscheiden, bestehe die Gefahr, dass die Kinder dem Spott Gleichaltriger ausgesetzt seien. Die Medienexperten empfehlen deshalb, dem Nachwuchs lieber gleich ein richtiges Handy oder Smartphone zu geben und klare Regeln für den Gebrauch zu vereinbaren oder problematische Dienste sperren zu lassen. Kleinere Kinder, die auf dem Handy hauptsächlich spielen wollen, kann man ein ausgemustertes Gerät ohne SIM-Card geben.

Viele Eltern haben Apps und Spiele für die Kinder auf ihr eigenes Smartphone geladen. Ein simpler Trick schützt vor teuren Überraschungen: Einfach den Flugmodus einschalten, bevor die Kinder auf dem Handy spielen dürfen. Dann sind sämtliche Funkverbindungen gekappt und der Sprössling gelangt weder ins Internet, noch kann er telefonieren. Die Spiele funktionieren trotzdem.

Regeln für das Versenden von Fotos vermitteln

Von vielen Kindern und Jugendlichen werden Messenger-Programme wie WhatsApp oder Snapchat intensiv genutzt, ebenso Apps für Soziale Netzwerke wie Facebook. Die Nutzer müssen wissen, dass sie keine privaten oder intimen Bilder und Filme verschicken dürfen – vor allem nicht von anderen Personen, weil deren Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Das gilt selbst bei Apps wie Snapchat, die die Nachrichten nach kurzer Zeit automatisch wieder löschen.

Auch Urheberechtsverletzungen sind eine heikle Angelegenheit. Eltern sollten ihren Nachwuchs für den Umgang mit fremden Werken wie Fotos, Texten und Filmen sensibilisieren, über Urheberrechte im Netz aufklären und vor illegalem Download und Kopieren von Kinofilmen, Musikdateien, Computerspielen und Apps warnen.

Apps können Kostenfallen und Datenkraken sein

Apps gibt es wie Sand am Meer. Für jüngere Kinder geeignete Anwendungen sind laut „Klicksafe“ leicht zu bedienen, gewaltfrei, regen die Fantasie an, verzichten auf Werbung und Verlinkung zu sozialen Netzwerken oder App-Stores, und sie bieten keine Möglichkeit, kostenpflichtige Erweiterungen zu kaufen.

Das sollten Eltern beachten:

  • Kostenfallen vermeiden
  • Kinder müssen abschalten und aushalten können, einmal nicht erreichbar zu sein
  • klären, welche privaten Bilder von sich selbst und der Familie gepostet werden

Grundsätzlich sollten Kinder und Jugendliche in der Lage sein, die Programme richtig einzuschätzen. Dazu gehört zum Beispiel, kostenpflichtige Angebote und Datenkraken zu erkennen und im Zweifel lieber nicht zu installieren – auch wenn es sich dabei um Spaß-Apps handelt, die im Freundeskreis gerade angesagt sind. Vorsicht ist geboten, wenn Apps Zugriff auf sensible Daten wie gespeicherte Kontakte, Fotos oder Lokalisierungsdaten verlangen.

Trauen Eltern ihrem Kind die Einschätzung noch nicht zu, können sie das Herunterladen neuer Apps mit einem Passwort blockieren. Neue Programme und Spiele können Kinder dann nur zusammen mit Mutter oder Vater installieren.

Drittanbietersperre schützt vor Abzocke

Manchmal führt schon ein unbedachter Mausklick auf ein Werbebanner in eine Abo-Falle. Der sicherste Schutz vor Abzocke durch kostenpflichtige Abos und Mehrwertdienste, beispielsweise für Klingeltöne oder Spieleerweiterungen, ist die Drittanbietersperre. Damit kann man alle Dienste blockieren lassen, die außer dem bestehenden Mobilfunkvertrag Kosten verursachen. Eltern können die Drittanbietersperre für das Handy der Kinder von ihrem Mobilfunkanbieter einrichten lassen. In der Regel ist dies über die Hotline des Anbieters möglich.

Gefahr in öffentlichen WLAN-Netzen

Die Medienexperten raten, die Kinder mit den Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen des Geräts vertraut zu machen. Sie weisen darauf hin, dass öffentliche WLANs in Cafés und Schnellrestaurants meistens ungesichert sind und so ein Zugriff von Dritten auf das eigene Handy möglich wird. Deshalb sollte die automatische Einwahl in öffentliche WLAN-Netze deaktiviert sein. Junge Smartphone-Nutzer sollten auch darauf achten, dass sie die Bluetooth-Funktion zur Datenübertragung von Handy zu Handy nur so lange aktivieren wie sie wirklich benötigt wird.

Diese Tipps von „Klicksafe“ können Eltern ihren Sprößlingen vermitteln:

Zehn App-Tipps für Kinder und Jugendliche

  1. Weniger ist mehr
    Niemand braucht über 100 Apps auf dem Handy. Installiere nur Programme, die du wirklich brauchst.
  2. Bleibe kritisch
    Kundenbewertungen sagen nichts über die Sicherheit einer App aus. Recherchiere im Netz, was andere zur App sagen und ob es Warnungen vor Abzocke gibt.
  3. Vermeide unbekannte Downloadquellen
    Apps nur bei offiziellen App-Stores herunterladen.
  4. Prüfe, was die App von dir will
    Prüfe die Berechtigungen der App vor dem Download. Verlangt beispielsweise eine Spiele-App Zugriff auf das Adressbuch? Im Zweifel ablehnen und eine andere App suchen.
  5. Prüfe die AGBs
    Besonders im Hinblick auf kostenpflichtige Dienste gilt es, die allgemeinen Geschäftsbedingungen gut durchzulesen und aufmerksam nach Passagen mit Hinweisen auf Euro oder Dollar zu schauen. Frage die Eltern, wenn du etwas nicht verstehst.
  6. Behalte die Kontrolle über Updates
    Apps sollten sich nicht automatisch aktualisieren. Updates selbst vornehmen und auf Änderungen bei Zugriffsrechten achten.
  7. Verrate nicht grundlos deinen Standort
    Schalte GPS- und Standortdienste nur an, wenn du sie wirklich brauchst, zum Beispiel bei einer Navigations-App. Das gilt auch für WLAN und Bluetooth.
  8. Nicht alles ist kostenlos
    Kostenfreie Apps finanzieren sich oft über Werbeanzeigen. Weil der Inhalt oder Funktionen dahinter unklar sind, sollte man sie nicht anklicken. Das gilt auch für Käufe direkt aus der App heraus. Diese Funktion kann man blockieren.
  9. Virenschutz fürs Handy
    Wer mit dem Handy ins Internet geht, sollte eine Virenschutz-App installieren. Fotos und Kontaktdaten sichert man am besten regelmäßig auf anderen Geräte, beispielsweise den PC.
  10. Aktuell bleiben
    Installiere regelmäßig Updates für das Betriebssystem und für Apps. Aber prüfe danach immer, ob sich Zugriffsrechte und Sicherheitseinstellungen geändert haben.

Zehn Handy-Tipps für Eltern

  1. Erkennen Sie die Bedeutung des Handys, beziehungsweise Smartphones für Heranwachsende an.
  2. Machen Sie das Thema „Handy“ zur Familiensache.
  3. Vereinbaren Sie klare Handyregeln.
  4. Weisen Sie auf Risiken hin.
  5. Gestalten Sie handyfreie Zeiten und seien Sie Vorbild.
  6. Schauen Sie nicht heimlich auf das Handy Ihres Kindes.
  7. Vermeiden Sie ein Handyverbot.
  8. Machen Sie das Handy immer mal wieder zum Thema.
  9. Machen Sie Ihr Kind zum Handyprofi.
  10. Nutzen Sie das Handy kreativ.

Weitere Infos zu Handy, Apps und mobilem Internet

Der Eltern-Ratgeber „Smart mobil?!“ ist unter klicksafe und auf den Seiten der Landesmedienanstalt NRW kostenlos als Download erhältlich. Die Initiative „Klicksafe“ hat auch ein „Smart mobil“!“-Quiz erstellt, mit dem Kinder und Jugendliche ihr Wissen über Smartphones und Apps testen können.

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15-jähriger Radfahrer von Auto erfasst

Ein Autofahrer hat in Südhessen mit seinem Wagen das Rad eines 15-Jährigen erfasst und den Jungen rund 20 Meter durch die Luft geschleudert. Er wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Der 15-Jährige wollte demnach in Riedstadt (Kreis Groß-Gerau) an einem Fußgängerüberweg eine Bundesstraße überqueren. Das Auto des 32-jährigen Fahrers erfasste dabei das Vorderrad seines Fahrrads. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Junge in die Luft geschleudert. Die Polizei sucht nun Zeugen, die den Unfall am Montagabend beobachtet haben.

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Smartphones bald wichtiger als Eltern und Freunde?

Kinder werden künftig mehr von elektronischen Medien als von den Eltern oder der Schule beeinflusst. Laut einer aktuellen Umfrage glaubt das eine Mehrheit der Deutschen.

Einer entsprechenden Aussage stimmten 58 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragten Bundesbürger zu. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Hamburger Opaschowski Institut für Zukunftsforschung erstellt.

Die wachsende Bedeutung der Medien bei den Jugendlichen geht nach Meinung von 55 Prozent der Befragten mit einem „Respektverlust von amtlichen Autoritäten wie z.B. Lehrern und Politikern“ einher. Von den Jüngeren im Alter von 14 bis 24 Jahren unterstützten diese Aussage nur 43 Prozent.

Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski warnte vor voreiligen Schlüssen: „Im Alltag bleiben Eltern, Geschwister und beste Freunde die wichtigsten Berater und Einflussfaktoren im Leben.“ Wenn Jugendliche im Internet chatteten, kommunizierten sie meist mit ihrem Freundeskreis.

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Depressionen bei Kindern: Jeden zweiten Tag tötet sich ein Teenager

Das Kind hat keine Lust mehr zu spielen. Es wirkt ständig traurig. Das Mittagessen bleibt fast unberührt stehen. Hinzu kommen Schlafprobleme und unbegründete Ängste: Diese Anzeichen deuten auf eine Depression hin. Wichtig ist eine schnelle Diagnose, um eine Therapie einzuleiten. Denn laut Statistik stirbt jeden zweiten Tag in Deutschland ein Jugendlicher durch Selbstmord.

Der Verein Deutsches Bündnis gegen Depressionen geht davon aus, dass in Deutschland etwa ein Prozent der Vorschulkinder, knapp zwei Prozent der Grundschulkinder und drei bis zehn Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren an einer Depression leiden.

Während man vor 20 Jahren Depressionen bei Kindern noch ausschloss, werden heute bereits bei Klein- und Vorschulkindern depressive Anzeichen beobachtet. Die Häufigkeit einer Depression nimmt aber vor allem ab dem zwölften Lebensjahr zu. Von den Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren haben 18 Prozent mindestens einmal eine Depression durchgemacht, wie eine Jugendstudie der Universität Bremen in Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Universität Münster ermittelte.

Typische Symptome für eine Depression je nach Alter

Eine Depression beim Kind zu erkennen, ist für Eltern nicht leicht. Selbst Ärzte und Psychologen haben oft Probleme die Krankheit bei Kindern auf Anhieb richtig zu deuten. Grundsätzlich gilt, je jünger die Kinder sind, desto schwieriger fällt die Diagnose. Kleine Kinder sind kaum in der Lage, über ihre Gefühle zu sprechen. Bei älteren Kindern und Teenagern besteht hingegen eher das Problem, dass sie sich das oft nicht trauen oder es ihnen während der Pubertät ohnehin schwer fällt, sich gegenüber den Eltern und anderen Erwachsenen zu öffnen.

Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Kinder genau beobachten und je nach Alter bei folgenden Symptomen und Verhaltensweisen hellhörig werden.

Symptome einer Depression bei Kindern und Jugendlichen

Babys: Schon bei Babys können sich depressive Symptome zeigen. Dies ist dann meistens die Folge vom Verlust von Bezugspersonen oder von Misshandlungen. Anfänglich schreien und weinen diese Babys sehr viel, dann werden sie zunehmend teilnahmslos. Die Depressionen wirken sich auch auf die Entwicklung der Kleinen aus: Sie bleiben häufig mager, wachsen eher langsam und greifen, brabbeln und krabbeln später als andere Kinder in ihrem Alter.

Kleinkinder bis drei Jahre: Auch bei Kleinkindern hängt der Ausbruch der Krankheit oft damit zusammen, dass die Kinder eine wichtige Bezugsperson verloren haben, zum Beispiel durch einen Todesfall oder auch durch Scheidung. Die Kinder liegen dann ebenfalls in ihrer Entwicklung zurück: Sie lernen später laufen und sprechen und sind im Umgang mit ihren Händen weniger geschickt als Altersgenossen.

Zudem leiden depressive Kleinkinder häufig unter Schlafproblemen und Albträumen. Manche essen auch sehr wenig, verhalten sich ausgesprochen teilnahmslos und jammern sehr viel. Andere lutschen wiederum exzessiv am Daumen oder schaukeln ständig vor und zurück. Extremfälle schlagen sich sogar den Kopf an die Wand oder reißen sich Haare aus.

Kinder im Vorschulalter: Bei Kindern im Vorschulalter wirkt sich die Depression in zwei Extremen im Verhalten aus. Manche sind stark in sich gekehrt und sehr ängstlich. Sie haben keine Lust mit anderen Kindern zu spielen, was sich wiederum in ihrer Entwicklung niederschlägt. So lernen sie beispielsweise erst spät mit dem Laufrad zu fahren oder an Gerüsten zu klettern.

Bei anderen Kindern verhält es sich fast gegensätzlich: Sie sind launisch und aggressiv und neigen dazu, mit anderen Kindern zu streiten oder sie beim Spielen zu stören. Hinzu kommen oft Ess- und Schlafstörungen sowie Kopf- und Bauchschmerzen.

Schulkinder: In diesem Alter zeigen sich Depressionen nun schon deutlicher. Die Schüler sind traurig, ängstlich und übermäßig kritisch sich selbst gegenüber. Aktivitäten, die ihnen noch vor kurzem Freude bereitet hatten, machen ihnen plötzlich keinen Spaß mehr.

Da die Kinder in ihren eigenen Gedanken gefangen sind, werden sie zunehmend unkonzentriert, worunter schließlich auch die schulischen Leistungen leiden. Auch im Schulkindalter sind Schlaf- und Essstörungen Auswirkungen der Depression. Außerdem werden in dieser Phase auch Suizidgedanken konkreter.

Jugendliche: Depressive Teenager schwanken in ihrer Stimmung zwischen „himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“. Sie zweifeln an der Welt, sind unzufrieden und sehr nachdenklich. Ihre Probleme versuchen viele mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen. Bei anderen, besonders Mädchen, gipfeln die Essstörungen nicht selten in Magersucht oder regelmäßigen Fressattacken wie auch im sogenannten Ritzen.

Dabei sind die Jugendlichen für ihre Eltern und andere Erwachsene kaum zu greifen: Nachfragen werden als lästig empfunden. Selbstmord wird für manche zum einzigen vorstellbaren Ausweg – wie Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Hellmuth Braun-Scharm „Spiegel Online“ berichtet, haben 50 Prozent der Kinder zwischen zehn und 14 Jahren einmal in ihrem Leben Suizidgedanken. Und tatsächlich sind Suizide nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei den 15- bis 20-Jährigen. Jeden zweiten Tag stirbt in Deutschland ein Jugendlicher durch Selbstmord.

Unbedingt mit professioneller Hilfe die Ursache ermitteln

Wenn Eltern solche Symptome bei ihren Kindern wahrnehmen und eine Depression vermuten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Behauptet der wiederum, dass sich Depressionen mit der Zeit „auswachsen“, sollten Eltern skeptisch reagieren. Es besteht das Risiko, dass das Kind später immer wieder depressiv wird – auch als Erwachsener. Rückfälle sind sehr häufig.

Deshalb ist es wichtig mit Hilfe des Arztes oder eines Kinderpsychiaters die Gründe für die Krankheit herauszufinden.

Typische Ursachen für Depressionen bei Kindern

  • Scheidung der Eltern und das anschließende Fehlen eines Elternteils in der Erziehung
  • der Tod eines Familienmitglieds oder einer anderen Bezugsperson des Kindes
  • sehr häufiger Streit zwischen den Eltern
  • körperliche oder seelische Krankheit eines Elternteils
  • Misshandlung oder starke Vernachlässigung
  • traumatisches Erlebnis, zum Beispiel ein schwerer Unfall oder Flucht und Heimatverlust durch Krieg
  • Hochbegabung

Ein Problem besteht allerdings darin, dass Deutschland stark unterversorgt ist mit Kinder- und Jugendpsychiatern. Die Wartezeiten für Termine sind sehr lang. Oft ist der einzige Weg zur professionellen Hilfe die Notaufnahme einer Klinik.

Medikamente allein sind nicht ausreichend

Der Großteil der depressiven Kinder wird ambulant behandelt. In schwereren Fällen und wenn sich die Kinder von häuslichen oder schulischen Problemen erholen sollen, kann aber auch ein Klinikaufenthalt sinnvoll sein, beispielsweise um bei Essstörungen ein gesundes Essverhalten zu trainieren.

Bei stationären Therapien kümmert sich ein Team von Experten aus Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern und Pädagogen um die Kinder. Die verschiedenen Arten der Psychotherapie sollen den Kindern und Jugendlichen helfen, sich selbst besser zu verstehen und besser mit Stress und den eigenen Problemen und Zweifeln umzugehen.

Bei besonders schwer ausgeprägter Depression können Medikamente den Therapieerfolg verbessern. Sie können den Zustand des Patienten stabilisieren, sollten aber auf keinen Fall die einzige Form der Behandlung sein, sondern nur als Teil einer umfassenden Therapie eingesetzt werden.

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Fast jeder zweite Schüler leidet unter Stress

Vollgestopfte Lehrpläne und zahlreiche Hobbies am Nachmittag setzten Kinder unter Druck. Fast jeder zweite Schüler in Deutschland leidet unter Stress.

In einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit gaben 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, dass ihnen die Belastung in der Schule zu viel ist. Mädchen fühlen sich dabei häufiger gestresst als Jungen. Während jede zweite Schülerin (49 Prozent) sehr oft oder oft Stress hat, sind es bei den männlichen Mitschülern nur 37 Prozent.

Stress führt zu gesundheitlichen Beschwerden

Bei zahlreichen Jugendlichen führt das zu gesundheitlichen Beschwerden. Am häufigsten klagen Schüler demnach über Kopfschmerzen (55 Prozent) und Bauchschmerzen (51 Prozent) sowie Rückenschmerzen (43 Prozent). Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) hat Schlafstörungen, gut ein Drittel (32 Prozent) berichtet über Schwindel. Unter den stressgeplagten Schülern klagen mindestens doppelt so viele über Beschwerden als unter den nicht gestressten Schülern.

Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) befragte für die Studie knapp 7000 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn in sechs Bundesländern.

Bedenkliche Leistungssteigerung mit Koffein

Daraus geht auch hervor, dass viele Kinder vor und während der Schule koffeinhaltige Energydrinks trinken. Schon unter Fünftklässlern hat bereits ein Viertel Erfahrungen mit Energydrinks. Bei den Achtklässlern sind es bereits zwei Drittel (69 Prozent) und bei den Zehntklässlern 84 Prozent, die koffeinhaltige Brausen trinken.

„Gerade für Kinder und Jugendliche sind diese Getränke bedenklich“, warnte Studienleiter Reiner Hanewinkel vom IFT Nord. „Sie enthalten viel Koffein, sind extrem gesüßt und stecken voller synthetischer Zusatzstoffe.“

Viele probieren auch Alkohol und Drogen

Auch mit Alkohol und Cannabis kommen Schüler teils früh in Berührung. Knapp 60 Prozent berichten über Erfahrungen mit Alkohol. Während es bei den Fünftklässlern 22 Prozent sind, steigt dieser Wert bis zur zehnten Klasse auf 89 Prozent an. Cannabis ist nicht ganz so weit verbreitet: Insgesamt 13 Prozent der Befragten haben Cannabis bereits ausprobiert – bei den Zehntklässlern sind es 29 Prozent.

Zusätzlich fällt die schlechte Ernährung auf

Auf der anderen Seite ernähren sich viele Schüler schlecht. Nur rund die Hälfte isst täglich Obst oder Gemüse. 41 Prozent greifen hingegen täglich zu süßen Snacks. Bei einem Viertel steht zudem mehrmals pro Woche oder noch öfter Fastfood auf dem Speiseplan.

Wer regelmäßig gemeinsam mit der Familie isst, ernährt sich der Studie zufolge gesünder: Die Schüler verzehren regelmäßiger Obst und Gemüse, greifen seltener zu Fastfood und sind auch seltener übergewichtig.

DAK-Chef Andreas Storm forderte ein Schulfach Gesundheit. „Die Schüler können komplexe Matheaufgaben lösen und fließend Englisch sprechen, wissen aber nicht, wie schädlich Zucker und langes Sitzen sind“, erklärte Storm.

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Anis Amri als Vorbild: Hamburger Attentäter erwog Lkw-Anschlag

Am 28. Juli tötet Ahmad A. in einem Hamburger Supermarkt mit einem Messer einen anderen Menschen. Dass es nur einen Toten gab, bedauert er einem Bericht zufolge. Gerne hätte er wie Anis Amri in Berlin möglichst viele „Christen und Jugendliche“ umgebracht.

Der Messerangreifer von Hamburg hat ein Attentat mit einem Lastwagen nach dem Vorbild des Berliner Weihnachtsmarktanschlags in Betracht gezogen. In einem umfangreichen Geständnis habe der 26-jährige Ahmad A. ausgesagt, er habe bei der Tat möglichst viele „Christen und Jugendliche“ töten wollen, berichteten die „Süddeutsche Zeitung“ sowie der Nord- und der Westdeutsche Rundfunk. A. habe als „Märtyrer“ sterben wollen und bedaure, dass er nicht mehr Menschen getötet habe.

Der Berliner Attentäter Anis Amri hatte am 19. Dezember mit einem gekaperten Lastwagen 12 Menschen auf einem Weihnachtsmarkt getötet. Dem Bericht zufolge erwog A. zunächst ebenfalls, mit einem Lastwagen oder Auto anzugreifen. Dann habe er sich spontan für ein Messer als Waffe entschieden. Der Palästinenser aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte am 28. Juli in einem Hamburger Supermarkt ein Messer aus einer Auslage genommen, einen Mann getötet und sieben weitere Menschen verletzt.

Demnach hat sich A. seit 2014 mit der radikalen Ideologie des Islamischen Staates (IS) beschäftigt. Von einem Kontakt zur Terrorgruppe sei den Ermittlern aber nichts bekannt, heißt es in dem Bericht. In A.s Spind in einer Geflüchtetenunterkunft im Norden Hamburgs fanden Ermittler zwar einen Stoffwimpel mit dem IS-Logo. Gegenüber den Ermittlern habe A. jedoch erklärt, dass er die Tat nicht im Namen des IS begangen habe.

Freitagsgebet als Auslöser

Offen ist noch, welche Rolle eine psychische Auffälligkeit A.s bei dem Attentat spielte. Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte nach Hinweisen aus seinem Umfeld schon am 3. November 2016 mit ihm gesprochen, ihn als psychisch labil eingeschätzt und am 10. Januar 2017 der Polizei empfohlen, den sozialpsychiatrischen Dienst einzuschalten. Warum dann nichts geschah, muss noch aufgeklärt werden.

Auslöser der Bluttat soll das Freitagsgebet in einer nahen Moschee gewesen sein. Das Gotteshaus nahe dem Supermarkt habe er kurz vor seiner Tat aufgesucht. Der Imam dort habe in seiner Predigt vom Tempelberg in Jerusalem gesprochen, was A. dem Bericht zufolge aufgewühlt habe. Sich extremistisch geäußert oder Gewalt befürwortet habe der Imam nicht.

In der Vergangenheit hatte die Moschee aber bereits Probleme mit Radikalen. 2015 soll dort ein salafistischer Prediger unterrichtet haben, ehe sich die Moschee von ihm trennte.

A. sitzt in Hamburg in Untersuchungshaft. Er war den Sicherheitsbehörden schon vor seinem Attentat als Islamist bekannt und ausreisepflichtig.



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Originale in der Backstube: Schwarzwälder Kirschtorte mundet

Die Schwarzwälder Kirschtorte ist schon über 100 Jahre alt. Aber heute backen wir eine frische“, sagt Elisabeth Bizenberger trocken, als die Backvorführung im Café „Zum gscheiten Beck“ in der kleinen Ortschaft Bärental am Feldberg beginnt. Schallendes Gelächter tönt aus der Besuchergruppe. Die Tortenbäckerin trägt eine Schürze und steht hinter ihrer großen Schaubackfläche, an deren Seiten kleine Puppen mit roten Bollenhüten angebracht sind. Ein großer Deckenspiegel sorgt dafür, dass der Zuschauer von allen Stellen des Vorführraums beste Sicht auf die Backfläche hat. „Die Sahne sollte man unbedingt kalt schlagen“, lautet ihr erster Tipp und viele der Besucher schauen erkenntnisvoll auf.

Schnapshäuschen und Brennereimuseum

Die schlanke, quirlige 61-Jährige arbeitet seit ihrem 15. Lebensjahr als Konditorin. Zuerst arbeitete sie als Gehilfin in Rottenburg, später zog es sie mit ihrem Mann Erich, ebenfalls Konditor und Bäcker, in den Hochschwarzwald. Als sich aber in Titisee-Neustadt drei Großbäckereien niederließen, war das Brötchenbacken für die Familie Bizenberger nicht mehr rentabel, deshalb schauten sie sich nach alternativen Konzepten um.

So gibt es neben dem Café, das sich das Ehepaar vor 40 Jahren aufgebaut hat, seit 22 Jahren ein Brennereimuseum und ein Schnapshäuschen, in dem Erich seiner Leidenschaft frönt: dem Destillieren von Schnaps, vor allem von Schwarzwälder Kirschwasser. Vor zehn Jahren kam ihnen dann die Idee, Besuchern zu zeigen, wie man Schwarzwälder Kirschtorte zubereitet. In dem neuen Vorführraum, der aufgrund des Erfolgs für größere Gruppen erweitert wurde, backt Elisabeth Bizenberger mehrmals in der Woche und ist in der Zwischenzeit mit einem der wichtigsten Bestandteile der Torte beschäftigt. „Die Kirschen müssen aus der Region sein“, betont sie, während sie diese liebevoll und gleichmäßig auf dem Kuchenboden verteilt.

Zu jedem Hof gehörte früher ein Kirschbaum

Doch bis die Kirsche ein nicht wegzudenkender Teil des Schwarzwalds wurde, legte sie eine lange Reise zurück: Von dem kleinasiatischen Küstengebiet des Schwarzen Meeres wurde sie von den Römern zu uns gebracht. Zu jedem Bauernhof im Schwarzwald gehörte früher ein Kirschbaum. „Die Bauernhöfe damals waren geschlossene Wirtschaftsgüter und auf diese Nahrungsquelle angewiesen“, erklärt Emese Ehling-Lukovics, Obst- und Gartenbauberaterin des Landwirtschaftsamtes Emmendingen. Jedoch war nur ein kleiner Teil des Ertrages, den der wuchtige, hochstämmige Baum abwarf, zum Verzehr im Sommer gedacht. Neben dem haltbar geräucherten Schwarzwälder Schinken waren die eingekochten, zu Saft oder Schnaps verarbeiteten Kirschen notwendig, um den langen, harten Winter zu überstehen.

Ab 45 Prozent ist es richtig

Auch wenn sich der Kirschanbau über die Jahre in die Vorbergzone des Schwarzwalds und in die Rheinebene verlagert hat, da hier die klimatischen Bedingungen besser und ein wirtschaftlich produktiver und maschineller Anbau einfacher zu bewerkstelligen sind, ist die Kirsche bis heute fest im Schwarzwald verankert und Namensgeberin der berühmtesten deutschen Torte. Nachdem die Konditorin die Kirschen mit einer weiteren Schicht Sahne und einem Biskuitboden bedeckt hat, blickt sie zufrieden auf ihr bisheriges Werk und greift dann neben sich zur Flasche mit dem hauseigenen Kirschwasser. „Erst mit einem viertel Liter Kirschwasser ab 45 Prozent ist es eine richtige Schwarzwälder Kirschtorte“, merkt sie heiter, aber bestimmt an und träufelt den kostbaren Schnaps direkt auf den Biskuitboden. „So zieht der Alkohol durch die gesamte Torte und verleiht ihr einen intensiveren Geschmack, als wenn er der Sahne oder den Kirschen beigemischt wird.“

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Idealisten und ihr Traum vom besseren Leben

Idealisten und ihr Traum vom besseren Leben

Mit größter Freude säge ich den Ast ab, auf dem ich sitze“, sagt Tobi Rosswog, der vor eineinhalb Jahren das Liebermenschhaus in Mainz ins Leben gerufen hat, „denn ich möchte nicht oben sitzen, wenn andere unten stehen und ihn stützen.“ Die globale soziale Ungerechtigkeit, auf die er anspielt, ist den meisten bekannt, doch wirklich bewusst machen sie sich die wenigsten. Der Kapitalismus treibe Menschen dazu an, egoistisch zu handeln. So würden im „Hamsterrad der Selbstverwirklichung“ diejenigen ökonomisch belohnt, die andere ausbeuten, indem sie unfair produzierte Waren kaufen oder der Umwelt schaden, indem sie Flugzeuge benutzen. Sein Ausweg aus diesem Dilemma: „Radikale Suffizienz.“ Der Minimalist macht sich bewusst, was er wirklich zum Leben braucht und worauf er verzichten kann. Rosswog lebt vegan, ökologisch, drogenfrei und weitgehend geldfrei.

Der Gemeinschaftskleiderschrank steht allen offen

Diesen Lebensstil setzt er zusammen mit zehn anderen Weltverbesserern im Liebermenschhaus um, einem Ort, der ihnen als Selbstverwirklichungs- und Rückzugsraum dient. Hier wird so nachhaltig gelebt wie möglich. Lebensmittel werden beim Supermarkt in der Nähe vor der Mülltonne gerettet und in der „Mampfkammer“ gelagert, in der es fast aussieht wie in einem Unverpackt-Laden. Eimer mit Getreide und anderen Nahrungsmitteln reihen sich aneinander, Obst und Gemüse lagern in Kisten. Teebeutel entziehen der Luft die Feuchtigkeit. Die Lebensmittel sind wie so vieles hier Gemeingut, fast immer kann man sich bei den Köstlichkeiten bedienen, die jemand gekocht oder gebacken hat und die hübsch angerichtet in der Küche stehen. Die Miete wird in der Kommune solidarisch geteilt, der Gemeinschaftskleiderschrank steht allen offen.

Auch Geld wird gespendet

Die wenigsten der Bewohner, die zwischen vier Monate und 30 Jahre alt sind, gehen einer Erwerbsarbeit nach. Viel Geld brauchen sie nicht, da sie von Spenden leben, all den Dingen, die andere gerade nicht brauchen. Auch Geld wird gespendet; denn, wenn man es sich einmal überlege, liege auch dieses oft einfach nur auf der Bank und werde gerade nicht gebraucht. Durch Vorträge und Konferenzen wird ein wenig Geld eingenommen, frei nach dem Motto: „Bildung darf keine Ware sein, aber wenn du Knatze hast, hau rein!“ Die meisten hier motivieren ihr Schaffen lieber intrinsisch, als fremdbestimmt zu arbeiten. Tobi Rosswog steht um 5.30 Uhr auf, um „zu wuppen“. Er reist durch ganz Deutschland, um Vorträge zu halten, Workshops zu veranstalten und andere zum Andersdenken und Andershandeln zu motivieren.

Man kann ihr angstfrei folgen, sagt der Aktivist

Er ist überzeugt, dass sich in unserer Gesellschaft alles zum Besseren wenden wird. Er glaubt daran, dass es keine soziale Ungerechtigkeit mehr geben und wir nicht mehr voneinander, sondern mit- und nebeneinander leben werden. Dass wir selbstbestimmt „arbeiten“ und die Früchte dieser Arbeit unseren Mitmenschen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, zur Verfügung stellen werden – aus purer Menschlichkeit heraus. Der Aktivist mit den schulterlangen Locken lebt vor, dass es auch anders geht, als wir es kennen, und dass man dieser Utopie angstfrei folgen kann. Denn eine Utopie sei es, von der er träume, gesteht er ein. Im gleichen Atemzug zitiert er den Dichter Fernando Birri: „Die Utopie, sie steht am Horizont. Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu. Und sie entfernt sich um zwei Schritte. Ich mache weitere zehn Schritte. Und sie entfernt sich um zehn Schritte. Wofür ist sie also da, die Utopie? Dafür ist sie da: Um zu gehen!“ Besucher sind gerne gesehen. Die monatliche Liebermenschsause bringt Freidenker von überall her zusammen bei Essen, Musik und einer Atmosphäre voller gegenseitiger Anerkennung und Bestätigung.

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