Kategorie -Jugendliche

Jugendschutz: Betreiber von Younow räumt Probleme bei Schutz vor Missbrauch ein

Die Video-App Younow ist bei Kindern und Jugendlichen der Renner, für Jugendschützer ein rotes Tuch. Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig warnt davor, weil die jungen Nutzer leicht Opfer von Mobbing und sexueller Belästigung werden können. Nun hat sich das in den USA ansässige Unternehmen erstmals zu der Kritik aus Deutschland geäußert.

Die Nutzer der Younow-App filmen sich und übertragen die Aufnahmen live ins Netz. Jeder kann zusehen und im Chat Kontakt aufnehmen. Offiziell müssen Nutzer der Streaming-Plattform mindestens 13 Jahre alt sein, aber bislang konnten auch jüngere Kinder ungehindert ein Profil anlegen. „Online-Striptease aus dem Kinderzimmer“ oder „Tummelplatz für Pädophile“ lauteten zuletzt die Schlagzeilen über das Portal.

„Kommunikationsplattformen wie Younow sind hoch problematisch“, sagte ein Sprecher des Familienministeriums. Das Netzwerk verleite junge Nutzer, Einblicke in deren Privatsphäre zuzulassen – meistens seien sie eindeutig identifizierbar. Die Nutzer „erleichtern so Mobbing durch Gleichaltrige und sexuelle Belästigungen durch Erwachsene.“

„Vereinzelt Schwierigkeiten bei Ahndung von Missbrauch“

Die Betreiber von Younow verwiesen auf strenge Nutzungsregeln, deren Einhaltung von Moderatoren geprüft werde. Gleichzeitig räumten sie Probleme bei der Kontrolle ein. „Insbesondere durch das schnelle Wachstum der Nutzerschaft in Deutschland gab es Ende 2014 vereinzelt Schwierigkeiten bei der durchgängigen Überwachung und der Ahndung von missbräuchlicher Nutzung der Plattform“, erklärte das Unternehmen.

„Younow ist für Kinder ungeeignet“

Younow „betreibt keine Vorsorge, um Kinder und Jugendliche wirkungsvoll vor Übergriffen und Gefährdungen zu schützen“, kritisierte ein Sprecher des Familienministeriums. Für Kinder sei der Dienst nicht geeignet.

Ministerin Schwesig forderte die Anbieter auf, dafür zu sorgen, dass das Angebot von Kindern nicht genutzt werde und für Jugendliche geschützte Räume geschaffen würden. „Ich erwarte auch, dass der Anbieter sofort auf Beschwerden der Nutzer regiert“, sagte Schwesig gegenüber der „Bild“-Zeitung.

Sechs Ratschläge für junge Nutzer von Younow

In einem Rundbrief an Schulen in Hessen hat Günter Steppich, Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt Wiesbaden, Lehrer und Eltern für die Gefahren sensibilisiert. Es sei alarmierend, wie sorglos sich Kinder dort mit echtem Namen präsentieren und öffentlich private Dinge von sich preisgeben. „Wenn dort tausende Nutzer im Chat schreiben, lässt sich das nicht moderieren oder kontrollieren,“ sagt der Medienexperte im Gespräch mit t-online.de. Er rät Eltern, sich gemeinsam mit dem Kind anzuschauen, was auf Younow passiert, und auf die Risiken hinzuweisen. Für Kinder und Jugendliche hat er diese sechs Grundregeln zusammengestellt:

  • Zur Anmeldung in Apps und bei Websites eine neutrale Emailadresse anlegen, die keine persönlichen Angaben wie Name, Alter, Geschlecht preisgibt.
  • Sichere Passwörter verwenden.
  • In Apps und auf Websites niemals unter dem echten Namen agieren.
  • In Chats keinerlei persönliche Informationen wie Telefonnummer, Wohnort, Schule, Hobbies an Unbekannte herausgeben.
  • Keine Fotos in sexy Posen per Handy verschicken oder online stellen.
  • Live ist live, wie bei einer Fernsehsendung: Nichts lässt sich löschen oder zurücknehmen. Man muss dabei sehr überlegt vorgehen.

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Schüler: Smartphones an Schulen – verbieten oder sinnvoll nutzen?

Handys, beziehungsweise Smartphones sind ständige Begleiter von Jugendlichen – klar, dass sie sich in der Schule nicht davon trennen wollen. Handyverbot auf dem Schulgelände ist deshalb immer wieder ein Streitthema. Medienexperten raten dazu, die neuen Medien generell stärker in den Unterricht einzubeziehen – auch für Smartphones gebe es sinnvolle Einsatzmöglichkeiten im Schulalltag.

Schon in der fünften Klasse packen Schüler ihr Smartphone so selbstverständlich in den Ranzen wie das Pausenbrot und die Trinkflasche. Laut der KIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest – KIM steht dabei für Kinder und Medien, Computer und Internet – gibt es immer mehr Smartphones in Kinderhänden. Demnach besitzt inzwischen jeder vierte Schüler zwischen sechs und 13 Jahren ein Smartphone. Bei den Zwölfjährigen ist es schon jeder zweite. Für die repräsentative Studie sind 1200 Kinder und deren Eltern befragt worden.

Der Branchenverbande Bitkom hat in einer Umfrage die Handy-Nutzung älterer Schüler ermittelt. Demnach haben 92 Prozent der 14- bis 19-Jährigen ihr Handy in der Schule dabei. Sie hören Musik und chatten, recherchieren aber auch Lösungen oder fotografieren Tafelbilder.

Offiziell allerdings ist 66 Prozent der Jugendlichen die Nutzung von Mobiltelefonen im Unterricht untersagt. 18 Prozent berichten gar von einem generellen Handyverbot in ihrer Schule. Aber: Langfristig kann das Smartphone nicht von den Schulfluren verbannt werden, darüber sind sich Experten einig.

So bereichern neue Medien den Unterricht

Auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover demonstrieren zahlreiche Aussteller derzeit, welche Vorteile neue Medien für Unterricht und Schulorganisation haben können.

Das „Digitale Schwarze Brett“ zum Beispiel wird nach Angaben des Unternehmens Heinekingmedia bereits in etwa 6500 Schulen genutzt, rund 700.000 Mal wurde die dazugehörige App heruntergeladen. „Die Schüler können so morgens auf ihrem Smartphone den Vertretungsplan anschauen und erfahren nicht erst in der Schule, dass die erste Stunde ausfällt“, sagt Geschäftsführer Andreas Noack.

Auch die Schulbuch-Verlage haben längst Apps für das virtuelle Klassenzimmer entwickelt. Die digitalen Inhalte könnten den Unterricht erweitern und Schülern wenigstens teilweise das Schleppen von Büchern ersparen. Voraussetzung ist allerdings, dass die entsprechenden Geräte zur Verfügung stehen und sie von den Lehrern bedient werden können.

Beim Einsatz digitaler Medien in Schulen ist Deutschland noch ein Entwicklungsland. Laut der KIM-Studie 2014 nutzen gerade einmal 30 Prozent der sechs- bis 13-jährigen Schüler einen Computer oder ein Laptop in der Schule. Und dies auch nur gelegentlich.

„Das Thema Smartphones gehört in den Unterricht hinein“

Der Kölner Lehrer André Spang koordiniert das Tablet-Projekt seiner Schule und stellt Entwürfe für einen papierfreien Unterricht ins Netz. Er kritisiert, dass Lehrer bei der Nutzung Neuer Medien alleingelassen würden und fordert eine bessere Grundausstattung an den Schulen. „Das Thema Smartphones gehört unaufgeregt in den Unterricht hinein. Die neuen Medien sind im Alltag überall, nur die Schule fällt da raus“, kritisiert Spang.

Schülervertretungen wollen Handyverbot kippen

Dieses Missverhältnis macht viele Jugendliche wütend. Der Landesschülerrat Sachsen etwa liefert Argumentationshilfen unter der Überschrift „Generelles Handyverbot an Schulen?! Nicht mit uns!“. Die Schüler der Theodor-Storm-Schule in Husum an der Nordsee haben mit monatelangen Protesten eine Lockerung der „Mediennutzungsregelung“ erzielt. „Ein Verbot ist überflüssig. Man sollte eher durch Prävention vor Cybermobbing und ähnlichem schützen und den Umgang mit neuen Medien erlernen“, sagt Schülersprecher Jan Perner.

Es ist ein Vorurteil, dass Schüler ihre Smartphones nur dazu nutzen, Nachrichten und Fotos an Freunde zu verschicken und Beiträge auf Facebook zu „liken“ und zu kommentieren. Genauso gibt es gut organisierte Hausaufgaben- und Nachhilfe-Netzwerke von Schülern, die sich gegenseitig per What’sApp Physikformeln und Grammatikregeln erklären.

Über Risiken aufklären, statt Smartphones verbieten

Das Handy hilft beim Schummeln, Gewaltvideos werden auf dem Schulhof gemeinsam angeschaut, Nacktfotos von Schülerinnen sind im Umlauf: Häufig kommen nur die negativen Aspekte in die Schlagzeilen. Kinder müssen informiert und aufgeklärt werden über das Recht am eigenen Bild, die Vertraulichkeit des Wortes und Urheberrechtsfragen. Viele wissen nicht, wann sie in einen strafbaren Bereich kommen“, sagt Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. Nicht alle Eltern seien dazu in der Lage, ihre Kinder zu beraten.

Ältere Schüler als Medienscouts

Die Expertin sieht daher die Schulen in der Verantwortung, Präventionsprojekte zu etablieren. Besonders gut funktioniere dies, wenn Jugendliche als Medienscouts Gleichaltrige und Jüngere beraten, sagt Kimmel: „Die Älteren sind dann Ansprechpartner bei der Nutzung von Handys, aber auch bei Problemen wie Mobbing oder Sexting.“

Fakten aus der Bitkom-Umfrage zur Handynutzug an Schulen

  • Neun von zehn Schülern zwischen 14 und 19 Jahren nehmen ihr Smartphone mit in die Schule.
  • 87 Prozent nutzen das Smartphone vor allem zum Musikhören.
  • 74 Prozent fotografieren Tafelbilder vom Unterricht.
  • 70 Prozent chatten mit anderen Schülern oder lesen Nachrichten in sozialen Netzwerken.
  • 56 Prozent suchen während des Unterrichts Informationen zum Lerninhalt.

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13-Jähriger gesteht Mord

Ein 13 Jahre alter Junge hat den Mord an einem Bauarbeiter in England gestanden. Er hatte den 53 Jahre alten Mann nach einem Streit vor einem Häuserblock im Norden Londons erstochen.

Der Junge räumte die Tat vor dem Londoner Strafgerichtshof Old Bailey ein. Er soll am 10. April verurteilt werden.

Es ist nicht der einzige Mordfall mit jugendlichen Tätern, der Großbritannien derzeit beschäftigt: Auch zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren sind im nordostenglischen Verwaltungsbezirk Teesside wegen Mordes an einer 39 Jahre alten Frau angeklagt. Die Frau hatte versucht, die Jugendlichen am Eindringen in einen Wohnblock zu hindern, in dem eine Party stattfand. Die beiden Verdächtigen sollen sich am 20. Mai schuldig oder nicht schuldig bekennen.

Schwere Kriminalität von Jugendlichen ist ein großes Problem in Großbritannien. Eine Viertel aller Straftaten wird von Menschen im Alter von unter 18 Jahren begangen. Nach Angaben der Organisation Prison Reform Trust sind in Großbritannien ständig zwischen 2000 und 3000 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 17 Jahren im Gefängnis.

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Jugendliche: Ein Teenager im Haus verändert das Familienleben

Wer ein Kind in der Pubertät zuhause hat, braucht Vertrauen, denn eins ist sicher: Es wird einiges ausprobieren und anstellen. Kein Wunder, dass das Wort „Pubertät“ für Eltern wie eine Bedrohung klingt. Zu Unrecht. Aber es ist eine Zeit, in der sich einiges verändert. Nicht nur bei dem jungen Menschen, sondern im ganzen Familiensystem. Das sind die nervigsten Marotten der Teenager.

Ein Teenager, der immer das macht, was seine Eltern für richtig halten, hat aus der Sicht der Entwicklungspsychologie Probleme. Es gelingt ihm nämlich nicht, sich abzulösen. Dies nur im Vorfeld als Trost für diejenigen Eltern, deren jugendliche Kinder den Ablösungsprozess etwas ausführlicher gestalten.

So wie Cora. Die Fünfzehnjährige war von einem Tag auf den anderen nicht mehr wiederzuerkennen. Sie trägt Klamotten, die an japanische Comics erinnern, ihre Augen sind schwarz umrandet und die Haare so rosa wie ihr Hello Kitty-Armband, an dem zusätzlich Totenköpfe baumeln. Der Grund dafür ist ganz einfach: Cora hat Anschluss an eine neue Clique gefunden und pflegt den Emo-Style bis ins Detail. „Inklusive der Tatsache, dass plötzlich alles andere wichtiger ist als die Schule“, verdreht ihr Vater die Augen. Auch, dass ihre Röcke für seinen Geschmack deutlich zu kurz sind, nervt ihn. „Dauernd gibt es Diskussionen. Dabei dachte ich schon, wir kommen um all das herum. Schließlich war sie bis vor ein paar Wochen noch völlig normal. Aber jetzt könnte man meinen, unsere Tochter käme von einem anderen Planeten!“

„Ich frag mich ja manchmal, warum sich Marco mit seinen Kumpels nicht einfach trifft, so wie wir früher“, wundert sich Gernot über seinen 16-jährigen Sohn. „Da hockt jeder blass und mit Augenringen in seiner vollgemüllten Bude am PC und chattet. Und wenn sie mal ‚live‘ zusammen sind, dann glotzen alle in ihr Handy, als würde das Leben sich dort abspielen.“ Und er ergänzt: „Weiß ja keiner, was die Jungs sich da alles so anschauen und runterladen. Das gibt mir manchmal schon ganz schön zu denken.“ 

Die zehn nervigsten Situationen mit Teenagern

  • Chaos im Zimmer
  • Chillen in Perfektion
  • Nachtaktiv und am liebsten bis mittags im Bett
  • Diskussionen und Widerspruch
  • Gähnende Leere im Kühlschrank
  • Das Bad ist dauerbesetzt
  • Kommunikation funktioniert nur noch digital
  • Jugendsprache
  • Streit ums Weggehen
  • Liebeskummer

Teenager stellen die Toleranz ihrer Eltern auf die Probe

Es klingt eben nur theoretisch ganz einfach, was uns Experten wie Jesper Juul oder Jan-Uwe Rogge mit auf den Weg geben: Kinder, die erwachsen werden, suchen die Auseinandersetzung, brauchen den Konflikt mit den Eltern, aber auch deren Fürsorge. Sie wollen Grenzen, die nicht zu eng sind. Man soll sie loslassen, ihnen aber auch nicht zu viel Freiheit geben. Frei nach Goethe: Es gibt zwei Dinge, die wir unseren Kindern mitgeben sollten: Wurzeln und Flügel. Wir Eltern sollen die Zeit zwischen Ablösung und Bindung genießen und für uns das Beste daraus machen. Eine reichlich anspruchsvolle Aufgabe.

Baustelle im Gehirn, hormonelle Umstellung und dann meist auch noch die erste Liebe – eigentlich ist es logisch, dass die Launen eines Teenagers so unberechenbar sind wie Aprilwetter. Auch die elterlichen Toleranzgrenzen variieren. Zum Beispiel wenn man nachts versucht wachzubleiben, um das flügge gewordene Töchterlein sicher um ein Uhr morgens von einer Party abzuholen und dafür dann als „voll peinlich“ beschimpft wird.

Dabei kann es sehr bereichernd sein, einen oder mehrere Jugendliche im Haus zu haben. Ihre Ansichten über Mode und Gesellschaft, über Politik und Umweltschutz sind unverbraucht. Die Argumente so, dass man sich als Erwachsener bisweilen dafür schämen könnte, seinen Idealismus unterwegs irgendwo verloren zu haben. Das Schöne ist, jetzt hätte man die Zeit, ihn zu suchen, denn man braucht keinen Babysitter mehr, um das Haus zu verlassen.  

Kuschelige Familientage sind passé

Vorbei die Zeiten der netten Spielerunden in der Familie, das gemeinsame Gucken von süßen Disney-Filmen, die Ausflüge zum Spielplatz, das Basteln vor Weihnachten und Ostern, aber es gibt auch keine am Kinderbett durchwachten Fiebernächte mehr und ewig lange Wartezeiten in der Notfallpraxis, weil eine Platzwunde genäht werden muss. Manchmal kommt bei Teenager-Eltern Wehmut auf, Sehnsucht auch nach diesen behüteten Momenten.

Die Tatsache, dass Jugendliche nicht mehr am Familienleben teilnehmen wollen und Freunde immer wichtiger werden, ist schmerzhaft. Manche Eltern versuchen, unbedingt an den alten Gewohnheiten festzuhalten, andere lassen den Teenager komplett laufen. Beides, so der Diplompsychologe Ulrich Gerth, wirkt sich negativ auf die Entwicklung aus: „Wenn man sich über alles aufregt, dann provoziert man nur unnötige Eskalation und verstärkt die ganz natürlichen Abgrenzungsbedürfnisse des Jugendlichen hin zu einem ‚Dann mach ich’s erst recht nicht!'“

Es macht aber auch keinen Sinn, einem Teenager zu erwarten, von heute auf morgen erwachsen zu werden. „Unsere Kinder wollen trotzdem, dass wir uns um sie kümmern. Einen gesunden Mittelweg zu finden, ist dabei eine ständige Herausforderung. Schließlich sind viele Gefühle im Spiel. Den Jugendlichen ernst nehmen, reagieren, wenn es nötig ist und ansonsten eine Form der Gelassenheit entwickeln.“

Der Respekt sollte schon gewahrt bleiben

Man sollte sich, so raten die Experten, innerlich davor wappnen, alles, was gesagt wird, auch gleich persönlich zu nehmen. Was nicht bedeutet, dass man sich alles gefallen lassen muss. „Jugendliche wissen genau, womit sie ihre Eltern treffen können. Letztendlich sollte man das schätzen, denn sie sind ehrlich mit uns und sie kommunizieren mit uns, statt sich zurückzuziehen“, gibt der Erziehungsberater Hoffnung. „Die Tatsache, dass sie die Auseinandersetzung suchen, zeigt, dass die Eltern etwas richtig gemacht haben. Wird es allerdings respektlos, dann sollte man sich das selbstbewusst verbitten und notfalls das Gespräch auch einfach erst einmal vertagen.“

Seit Jahrtausenden kostet jede Generation ihre Eltern Nerven

Sensibilität, Humor und auch mal das Zurückdenken an die eigene Jugend – all das kann dabei helfen, den berühmten „gesunden Mittelweg“ zu finden. Jugendliche haben sich schon immer durch Extreme versucht abzugrenzen. Sie brauchen ihren eigenen Stil und ihre eigene Sprache, um klar zu machen, dass sie keine Kinder mehr sind. Und um Teil einer Gruppe zu sein, die sich auf diese Weise äußerlich von anderen unterscheidet.

Aufhorchen sollte man aber dann, wenn die Extreme zu extrem werden: Wenn Rassismus ins Spiel kommt, zum Beispiel in Form von Liedtexten, wenn der Verdacht darauf besteht, dass der Jugendliche in Kontakt mit Drogen kommt, im Freundeskreis Koma-Saufen angesagt ist oder Seiten im Netz besucht werden, die Pornografie, Suizid oder Essstörungen verherrlichen. Es ist schwer, hier das richtige Maß zu finden zwischen Vertrauen und kritischem Misstrauen. Und manchmal ist es auch ratsam, sich Unterstützung zu suchen.

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Wie viel Alkohol dürfen Jugendliche bei der Konfirmation trinken?

Wer konfirmiert wird, ist schon ein bisschen erwachsen. Alkohol spielt bei der Feier oft eine große Rolle. Verhindern müssen Eltern das nicht. Aber sie sollten klar machen, dass das Anstoßen mit Sekt nur eine Ausnahme ist.

Ein schicker Anzug, ein tolles Kleid, dazu ein Fest mit vielen Gästen und jede Menge Geschenke: Die Konfirmation ist für viele Teenager eine große Feier. Auf Familienfesten wird mit Alkohol angestoßen, in einigen Regionen Deutschlands ist es sogar üblich, dass die Konfirmanden von Haus zu Haus ziehen und alkoholische Getränke ausgeschenkt bekommen.

Erst Konfirmation, dann Alkoholvergiftung

Harald Nolte, Diplom-Sozialpädagoge von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege, kennt die Folgen: „Wir erleben in jedem Jahr, dass Jugendliche am Tag der Konfirmation so viel Alkohol trinken, dass sie erbrechen oder sogar mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus müssen.“

Trinken hat Tradition

Dass die Konfirmation ein Startschuss zum Trinken ist, hat laut Nolte eine lange Tradition: „Die Konfirmation steht in ihren Ursprüngen als Übergangsritual von der Kindheit zur Erwachsenenwelt.“ Auch im 20. Jahrhundert war es noch lange so, dass die Jugendlichen zeitgleich zur Konfirmation eine Lehre anfingen und damit dann auch Alkohol trinken durften.

Gesetz: Alkohol für 14-Jährige verboten

Heute sieht das anders aus: Laut Jugendschutzgesetz ist es 14-Jährigen verboten, Alkohol zu trinken – zumindest in der Öffentlichkeit. „Zu Hause im geschützten Rahmen unter der Aufsicht eines Erwachsenen kann ein Jugendlicher aber schon mal probieren“, sagt Nolte. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage: Muss das überhaupt sein?

Was kommt ins ins Glas: Sekt oder Limo?

Nötig wird die Antwort spätestens am festlichen Tisch. Das Essen ist serviert, die Gäste warten auf das Anstoßen des Gastgebers. Doch was bekommt der ins Glas: Sekt oder Limo? „In so einer Festsituation können Eltern ein Nippen oder Anstoßen mit einer kleinen Menge Sekt ruhig einmal zugestehen“, sagt Ralf Kremer, DAK-Experte für Suchtthemen. So ein Brauch verbinde und nehme den Jugendlichen den Reiz des Verbotenen. Schnaps oder andere harte Sachen sind aber tabu. „Wichtig ist, dass den Kindern der Ausnahmecharakter des Festes deutlich wird.“

Mit den Gästen sprechen

Ist der Brauch also Pflichtprogramm? „Nein, natürlich nicht“, sagt Nolte. Nicht alle Jugendlichen seien scharf darauf, endlich trinken zu dürfen. Manche 14-Jährige haben schon längst Erfahrungen gemacht, andere sind noch völlig ahnungslos. Wenn der Konfirmand also lieber Limo trinkt, sollten Eltern auf keinen Fall auf den Sekt zum Anstoßen bestehen.

Das gilt auch für die Gäste. „Kinder lernen am Vorbild, deshalb sollte gerade an einer Konfirmation ein maßvoller Umgang mit Alkohol üblich sein“, sagt Kremer. Bei Verwandten, von denen man weiß, dass sie gerne den Verführer spielen, sei es ratsam, schon vorher über seine Erwartungen zu sprechen: „Ich würde dem Gast persönlich sagen, dass ich Zurückhaltung wünsche“, rät Kremer.

Was tun bei Trinkspielen?

Komplizierter wird es für Eltern, wenn vor Ort Trinkspiele unter Konfirmandengruppen üblich sind. Kremer appelliert an die elterliche Verantwortung: „Man darf nicht vergessen, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in der Öffentlichkeit weder Bier, noch Wein, Sekt oder anderen Alkohol trinken dürfen.“ Doch die Teilnahme einfach zu untersagen, sei in vielen Familien schwierig, sagt Klaus Hurrelmann, Sozial- und Bildungswissenschaftler an der Hertie School of Governance in Berlin: „Viele Eltern können das gar nicht mehr umsetzen, weil die Jugendlichen sowieso nicht darauf hören würden.“

„Keinen Alkohol zur Verfügung stellen“

Eltern dürfen nicht zum Mittäter werden: „Stellen Sie selbst keinen Alkohol zur Verfügung“, rät Hurrelmann. Nolte empfiehlt, mit anderen Eltern das Gespräch zu suchen, zum Beispiel in Form eines Elternabends. „Äußeren Sie Ihre Bedenken gegenüber den Trinkritualen. Sie werden sicher nicht die einzigen sein.“ Auf diese Weise können alle Eltern über Alternativen nachdenken und diese zu Hause leichter umsetzen.

„Das Trinken zu Hause üben“

Auch Hurrelmann begrüßt eine Kooperation der Eltern, glaubt aber, dass es dafür häufig schon zu spät ist. Er gibt Eltern daher einen unkonventionellen Ratschlag: „Wenn Sie spüren, dass Ihr Kind ganz scharf auf Alkohol ist, dann üben Sie den Umgang damit zu Hause.“ Wie fühlt sich der Körper nach einem Bier an? Wie nach zweien? „Ihr Kind soll sich dabei natürlich nicht betrinken. Aber es erlebt, dass der Alkohol die Wahrnehmung und das Körpergefühl deutlich verändert.“ Diese Erfahrung sei wichtig, um einen gefährlichen Rausch zu verhindern.

Vor dem Fest mit dem Kind über Alkohol sprechen

Nolte empfiehlt Eltern, das Konfirmationsfest gemeinsam mit dem Kind zu planen: „Dabei kann dann auch der Umgang mit Alkohol besprochen werden.“ Wenn Treffen oder regionale Trinkbräuche mit anderen Konfirmanden zur Diskussion stehen, sollten Eltern auch auf die Bedeutung des Festes für die ganze Familie eingehen, frei nach dem Motto: „Wir wollen alle mit dir feiern, da kannst du dich nicht woanders betrinken gehen.“ Um bewusst ein Zeichen gegen Alkohol zu setzen, könnten Eltern sich gemeinsam mit dem Jugendlichen leckere alkoholfreie Getränke, zum Beispiel Cocktails, überlegen. „Die kann der Konfirmand auch selbst zubereiten und seinen Gästen servieren.“

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Abi-Party in Göttingen eskaliert nach Polizeieinsatz

Mit Parolen wie „Bullenschweine“, „Scheißbullen“ und „All Cops are Bastards“ sind zwei Polizeistreifen bei einer Abi-Party in Göttingen empfangen worden. Die Beamten waren angerückt, nachdem über Notruf eine Schlägerei auf der Party gemeldet worden war, an der mehrere Personen beteiligt gewesen sein sollen. Das gab die Polizei in Göttingen bekannt.

Bei dem Einsatz gaben sich dann aber weder Opfer noch Täter einer Schlägerei oder anderen Straftaten zu erkennen.

Bild der Verwüstung

Dafür trafen die Beamten auf zahllose stark betrunkene Jugendliche. Vor dem Gebäude und auf der Tanzfläche war der Boden übersät mit zerschlagenen Flaschen und Gläsern. Die Veranstalter der Party entschlossen sich dann in Absprache mit der Polizei, die Party gegen zwei Uhr in der Nacht zu beenden, weil sie außer Kontrolle zu geraten drohte.

Jugendlicher schlägt Polizistin ins Gesicht

Nachdem sich einige Partygäste geweigert hatten, die Feier zu verlassen, sprach die Polizei Platzverweise aus und nahm drei Jugendliche vorübergehend fest. Ein 17-Jähriger leistete dabei Widerstand und verletzte eine Beamtin mit einem gezielten Faustschlag im Gesicht. Vorsorglich waren zu dem Einsatz von umliegenden Polizeidienststellen insgesamt zehn Streifenwagen zusammengezogen worden.

Bereits vor Mitternacht war es zu einem Polizeieinsatz auf der gleichen Feier gekommen, weil ein 17-Jähriger mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Die Veranstalter hatten laut Polizeiangaben ursprünglich mit 200 Gymnasiasten auf ihrer „AbiExtreme-Party“ gerechnet. Erschienen seien dann im Laufe des Abends über 400 Personen, von denen mindestens die Hälfte keinerlei Bezug zu Göttinger Gymnasien gehabt habe.

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Macht Internet Jugendliche einsam?

Schreckensszenario für Eltern: Der Computer oder das Smartphone wird zum besten Freund des Kindes – und ab und zu auch zum einzigen. Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz hat nun untersucht, wie stundenlanges Streunen durch virtuelle Welten und echte Einsamkeit zusammenhängen.

Mit einem Nachtelfen lässt sich schlecht ins Kino gehen. Und ein Troll wird einen wohl kaum auf ein Eis einladen. Dennoch sind Helden wie diese aus dem Onlinespiele-Klassiker „World of Warcraft“ vielen Jugendlichen so vertraut wie reale Freunde. Kann es sein, dass vor lauter Online-Zockerei die Freundschaft zum Nachbarsjungen zerbricht? Und die Schulnoten in den Keller sacken? Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz, wollte das auch wissen. Er hat daher die gefragt, um die es geht: die Jugendlichen.

Drei Prozent sind internetsüchtig

Rund 2400 junge Menschen zwischen zwölf und 18 Jahren haben an seiner Befragung teilgenommen. Dabei ging es nicht nur um Onlinespiele, sondern auch um viele andere Dinge, die sich im Netz abspielen – etwa die sozialen Netzwerke wie Facebook oder youtube. Beutel stieß dabei auf einige echte Hardcore-Surfer. Bei rund drei Prozent der Befragten geht er von einer suchtartigen Nutzung des Internets aus – und von echten Problemen in der Welt jenseits von Pixeln und Gigabytes.

Internetsucht: Das sind Symptome

Bei den Suchtkriterien habe er sich an der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung orientiert, sagt Beutel. „Da ist zum Beispiel der ausufernde Gebrauch: Ist man immer länger online? Kann man es eingrenzen oder ist man länger online als man vorhatte? Geht der erste Gang zum Computer? Und gibt es schädliche Folgen?“ Dazu zählen etwa Streit mit den Eltern oder schlechte Schulnoten.

„Reale Kontakte werden vernachlässigt“

Jugendliche, die häufig online zocken und auf Sexseiten unterwegs sind, haben demnach eine schlechtere Bindung zu ihren Freunden. Sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden nicht so sehr und fühlen sich entfremdet. Bei den sozialen Netzwerken ist es etwas anders gelagert. Probleme gibt es aber auch dort.

„Die vorwiegend soziale Nutzung der Internets – beispielsweise von Facebook – geht zunächst einher mit mehr Vertrauen und Kommunikation“, sagt Beutel. „Dennoch: Bei den drei Prozent, bei denen es suchtartig ist, treten auch die negativen Wirkungen auf. Dann werden reale Kontakte vernachlässigt.“

Jungs suchen nach Sex und Spielen, Mädchen nach sozialen Kontakten

Laut Beutel treffen die Suchtkriterien bei Jungen und Mädchen ähnlich häufig zu – wobei Jungs eher bei den Onlinespielen, Glücksspiel und Sexseiten zu finden sind, Mädchen eher bei den sozialen Netzen. Auf die Frage, ob das Internet einsam macht oder ob es vor allem Einsame ins Internet zieht, sagt Beutel, er gehe von einem Teufelskreis aus.

Anonymität macht attraktiv

„Wir sehen beides. Wir sehen auch eine gewisse Veranlagung“, sagt Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Dresden. Es gebe verschiedene Gründe, warum das Internet attraktiv für Jugendliche sei. Einer sei die Anonymität. „Man muss nicht die Angst haben, als Person verletzt zu werden. Eine Online-Abfuhr ist etwas anderes als wenn man wirklich zu einem Mädchen hingeht und einen Korb kriegt.“

Computerspiele sind auch ein Gemeinschaftserlebnis

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) betont, dass Computerspiele oft auch ein Gemeinschaftserlebnis seien. „Das gemeinsame Spielen ist seit jeher eine zentrale Komponente vieler Spiele und ist in den vergangenen Jahren durch die zunehmende Internet-Nutzung noch deutlich wichtiger geworden“, sagt BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk. „Im Gegensatz zu anderen Medien wie dem Fernsehen stärken Computer- und Videospiele Beziehungen und Freundschaften.“

„Man kann nicht online küssen“

Auch Mediziner Rößner benennt Vorteile. „Unsere Arbeitswelt verändert sich immer mehr zum schnellen Multitasking und zur Computernutzung“, sagt er. Feinmotorik der Hand, Aufmerksamkeitsleistung oder räumliche Wahrnehmung – Computerspieler seien da häufig gut trainiert. „Auf der anderen Seite kann man das Soziale nur näherungsweise erlernen“, sagt Rößner. „Man kann nicht online küssen.“

Was Eltern tun können

Doch was können Eltern tun, wenn der Sohn sich bereits abgekapselt hat, nur noch vor dem Computer hockt, und dafür die Schule sausen lässt? Oder die Tochter nicht mehr vom Smartphone wegkommt? Der Psychologe Beutel kennt solche Fälle aus seiner Praxis.

Interesse zeigen

„Ich würde Eltern empfehlen, sich frühzeitig damit vertraut zu machen, was ihre Kinder online machen“, sagt Beutel. Das bedeute auch, Kindern zu helfen, ihre Online-Zeiten zu regulieren. „Sie müssen frühzeitig lernen, dass es Zeiten für Online-Aktivitäten gibt, aber auch genug Zeiten für Offline-Aktivitäten.“

Sozialkontakte fördern

„Eltern sollten darauf achten, wie die Sozialkontakte ihrer Kinder sind, und nach Möglichkeit helfen. Also lieber einmal mehr zu den Freunden fahren oder Einladungen aussprechen“, sagt Beutel. Sie dürften sich nicht nur auf den Online-Aspekt fixieren, sondern auch im Blick haben, was das Kind ansonsten macht.

Vorbild sein

Es sei wichtig, den Umgang mit Medien in der Familie zu betrachten, sagt Beutel. Wenn im Wohnzimmer ständig der Fernseher läuft, sei von einem Jugendlichen kaum zu erwarten, dass er seinen Computer ausschaltet.

Alternativen bieten

„Ich frage die Eltern und Kinder auch immer: Was macht ihr denn gemeinsam, was gibt es für gemeinsame Aktivitäten? Das ist dann manchmal etwas dünn“, sagt Beutel. Es sei aber wichtig, dass Eltern Alternativen bieten.

Ist mein Kind süchtig? Checkliste für Eltern

Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de für Eltern eine Broschüre zu Internet- und Computerspielabhängigkeit an. Sie enthält eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben können, ob ihr Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

  • Die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen Beschäftigungen ständig um Computer, Internet oder Spielkonsole.
  • Das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht.
  • Dem Kind fällt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen.
  • Das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss.
  • Es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurück.
  • Internetnutzung verdrängt andere Interessen und Hobbys.
  • Die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert.
  • Das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben.
  • Es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt übermüdet.
  • Das Kind reagiert Gefühle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab.

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Kinder mit Depressionen: „Sie denkt, sie ist nichts wert“

Keine Lust aufzustehen, Freunde zu treffen, in die Schule zu gehen. Kinder und Jugendliche mit Depressionen kämpfen tagtäglich gegen ihre Schwermut an. Die 14-jährige Annabel aus Leipzig (Name geändert) ist eine von ihnen.

Ein zarter Händedruck, ein schüchterner Blick. Nur leise kommen die Worte aus Annabels Mund. „Vor zwei Jahren hat es angefangen. Ich hatte keine Lust zu nichts, wollte nur im Bett liegen. Ich war sehr traurig.“ Annabel wendet sich ab. Nur ein kurzer Augenkontakt, dann huscht ihr Blick zu Boden. Ein unsicheres Lachen, dann Stille.

Annabel ist 14 Jahre alt und depressiv. Heute wissen es ihre Mitschüler, besten Freunde und ihre Mutter. Ihr hat sich Annabel erst spät anvertraut. „Am Anfang habe ich ihr Verhalten auf die Pubertät geschoben. Doch irgendwann waren die Stimmungsschwankungen nicht mehr normal“, berichtet sie. Vor einem Jahr haben Mutter und Tochter dann professionelle Hilfe gesucht. Seitdem steht die Diagnose Depression fest.

Zahl der depressiven Kinder drastisch angestiegen

Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen wird mittlerweile eine Depression diagnostiziert, wie Statistiken zeigen. Danach leidet jeder 20. Jugendliche bundesweit daran. Schaut man auf die stationären Klinikaufenthalte, hat sich die Zahl sogar versechsfacht: Im Jahr 2000 zählte das Statistische Bundesamt noch 2145 Fälle in Deutschland. Zwölf Jahre später wurden 12.567 Jugendliche wegen einer Depression stationär behandelt. Auch Annabel war fünf Monate lang in einer Tagesklinik.

Der Kinder- und Jugendpsychologe Martin Holtmann vom Universitätsklinikum Hamm erklärt sich diesen Anstieg nicht allein mit der verbesserten Diagnostik und größeren Bereitschaft, sich mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen. „Auch höhere Leistungsanforderungen in der Schule sowie Veränderungen im Familienbild können eine Depression begünstigen“, sagt Holtmann. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) verweist auf das frühere Eintreten der Pubertät, das die Wahrscheinlichkeit einer Depression wiederum erhöht.

Die Ursachen sind oft nicht bekannt

Was genau eine Depression auslöst, lässt sich selten herausfinden. Oftmals ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Das könne von Stress in der Schule bis zur Trennung der Eltern reichen, so Holtmann. Auch Annabel kennt die Gründe für ihre Depression nicht genau. „Schulisch und persönlich“ flüstert sie. Mehr verrät die Realschülerin nicht.

Ihre Mutter ist ratlos: „Ich sage ihr immer wieder, sie muss mir das erklären. Ich kann mich nicht in ihre Lage versetzen.“ Doch Annabel schweigt. Sie vertraut sich anderen an. Auch zu ihrem Psychologen musste sie erst einmal Vertrauen fassen. Heute geht sie einmal die Woche zu ihm, spricht über ihr Gefühlsleben, über das, was sie belastet. Ab und an ist auch ihre Mutter dabei. Denn die Psychotherapie von Kindern ist auch immer eine Familienbehandlung, weiß Holtmann. Annabels Mutter bleibt dennoch oft hilflos zurück. „Wenn ich denke, jetzt sind wir auf einem guten Weg, dann fällt Annabel wieder in ein Loch.“

„Sie denkt, sie ist nichts wert“

Damit umzugehen, fällt beiden schwer, Mutter und Tochter. „Jedes Tief ist anders“, sagt Annabel fast entschuldigend. Es fange bei ihr immer mit schlechter Laune an und dann setze es sich fest, versucht sie zu erklären. Manchmal würden schon Schlafstörungen reichen. Sie sind ein Symptom der Krankheit neben Konzentrationsproblemen, Antriebsarmut und vermindertem Selbstvertrauen.

„Sie denkt, sie ist nichts wert und alle haben sich gegen sie verschworen“, erzählt ihre Mutter fassungslos. Woher diese schweren Gedanken kommen, weiß sie nicht. Sie hat Angst um ihre Tochter, versteht nicht, was in Annabel vorgeht.

Hat Annabel Suizidgedanken?

Vielleicht könne ihr der Austausch mit ebenfalls betroffenen Eltern helfen, sagt Julia Ebhardt, Projektleiterin von Fideo, einer Internetplattform zum Thema Depression. Auf Fideo (Fighting Depression Online) können Angehörige und Betroffene anonym diskutieren und sich über die Krankheit informieren. „Viele Jugendliche quälen sich mit Themen wie Mobbing, schlechten Schulnoten oder dem Umgang mit ihren Eltern“, sagt Julia Ebhardt.

Annabel will sich nicht mit Fremden beraten. Es fällt ihr schwer. „Dafür redet sie mit anderen depressiven Jugendlichen, die sie aus der Therapie kennt. Das gefällt mir gar nicht“, klagt Annabels Mutter. „Ich weiß nicht, worüber sie reden und ob sie sich auf dumme Gedanken bringen“, fügt sie hinzu.

Mit dummen Gedanken meint sie Selbstmordgedanken. Nicht selten bei depressiven Jugendlichen, erklärt Kinder- und Jugendpsychologe Holtmann. Annabel ist verstummt. Schüttelt nur abwehrend den Kopf. Ein letztes Lächeln, ein Händedruck und sie huscht in ihr Zimmer.

Topthema auf Twitter: #NotJustSad

Dass das Thema Depression bei jungen Menschen längst die Tabuzone verlassen hat, zeigte zuletzt auch der Fall von Jana Seelig. Seit die junge Berlinerin auf dem Social-Media-Kanal Twitter öffentlich über ihre Depression sprach, wurde es eines der bestimmenden Themen in dem sozialen Netzwerk. Tausende von Tweets befinden sich inzwischen unter dem Hashtag #NotJustSad.

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Steuererklärung: Anlage Kind – Tipps für Eltern

Die Steuererklärung macht keiner gern, Eltern können hier aber Geld vom Staat zurückbekommen. Dazu müssen sie bei der Einkommenssteuererklärung die „Anlage Kind“ für jedes Kind einzeln ausfüllen. Der Aufwand lohnt sich: Eltern können von Kinderfreibeträgen profitieren und Ausgaben für die Betreuung und Ausbildung ihrer Kinder von der Steuer absetzen.

Kinder sind etwas Schönes, aber sie kosten auch Geld. Deshalb fördert der Staat Familien mit Steuervergünstigungen. In der Anlage Kind tragen Eltern in Zeile 6 ein, wie viel Kindergeld sie im vergangenen Jahr erhalten haben. Für die ersten beiden Kinder sind das je 2208 Euro, für das Dritte 2280 Euro und für alle weiteren Kinder je 2580 Euro. Das Geld bekommen Eltern unabhängig vom Einkommen von der zuständigen Familienkasse (Zeile 7).

Wer mehr verdient, profitiert vom Kinderfreibetrag

„Ab einer bestimmten Einkommenshöhe profitieren Eltern zudem von Kinderfreibeträgen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Das Finanzamt prüft nach Abgabe der Steuererklärung automatisch, ob Eltern durch die Kinderfreibeträge mit größeren Steuerersparnissen rechnen könnten. „Die Freibeträge werden dann mit dem bereits ausgezahlten Kindergeld verrechnet.“

Freibetrag soll das Existenzminimum sichern

Anspruch auf die Freibeträge haben beide Elternteile. Wer dauerhaft getrennt lebt oder nicht verheiratetet ist, bekommt jeweils 2184 Euro. Bei gemeinsam veranlagten Eltern verdoppelt sich der Betrag auf 4368 Euro, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Zum Freibetrag, der das Existenzminimum sichern soll, kommt ein Freibetrag für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1320 Euro je Elternteil hinzu.

Das Kind muss im Haushalt leben

Auch Adoptiv-, Pflege-, Stief- oder Großeltern können Freibeträge beantragen, wie Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) ergänzt (Zeilen 10 bis 14 beziehungsweise 41 bis 43). „Voraussetzung dafür ist, dass das Kind bei ihnen im Haushalt lebt oder sie dem Sprössling gegenüber unterhaltspflichtig sind.“

Kindergeld gibt es auch für Erwachsene

Kindergeld gibt es grundsätzlich für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr. „Wer eine Ausbildung absolviert, wird sogar bis zum 25. Lebensjahr steuerlich berücksichtigt“, sagt Klocke. Vor Abschluss der ersten Berufsausbildung oder eines Erststudiums werde das Kindergeld unabhängig vom Einkommen des Nachwuchses gezahlt (Zeilen 15 bis 27). „Wer sich in einer zweiten Ausbildung befindet, erhält die Familienförderung nur, wenn er wöchentlich regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden nebenbei oder in einem Minijob arbeitet“, sagt Klocke.

„Auch Volljährige, die 2014 einen Ausbildungsplatz gesucht, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolviert oder einen begünstigten Freiwilligendienst im In- oder Ausland geleistet haben, erhalten Kindergeld“, erklärt Rauhöft. Wer gesetzlichen Grundwehr- oder Zivildienst geleistet hat, trägt die Dauer der Dienste ein (Zeile 22). Dann verlängern sich die Altersgrenzen um den Zeitraum.

Mit entsprechenden Unterlagen könnten Eltern zudem belegen, was das Kind in dieser Zeit genau gemacht habe, so Rauhöft. „Die Familienkasse zahlt für Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr sogar, wenn diese in Deutschland, einem EU-Land oder der Schweiz als arbeitssuchend gemeldet sind“, sagt er. „Die Altersgrenzen entfallen jedoch, wenn ein Kind vor seinem 25. Lebensjahr eine geistige oder körperliche Behinderung erleidet und sich dadurch finanziell nicht um sich kümmern kann“, sagt Rechtsanwalt Nöll (Zeile 21).

Bei Bedarf den Ausbildungsfreibetrag beantragen

„Wenn der Nachwuchs für eine Ausbildung oder ein Studium in einer anderen Stadt lebt, können Eltern zusätzlich zum Kindergeld den Ausbildungsfreibetrag beantragen“, ergänzt Erich Nöll. Dadurch können sie zusätzlich 924 Euro als außergewöhnliche Belastung steuermindernd geltend machen (Zeilen 50-52).

Das gilt für Alleinerziehende

Alleinerziehende können den halben Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf sich übertragen lassen, wenn der etwa seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt (Zeilen 38 und 39). „Erhält ein Elternteil den vollen Kinderfreibetrag, muss es auch den vollen Kindergeldbetrag angeben – und zwar unabhängig davon, an wen das Kindergeld ausgezahlt wurde“, sagt Nöll. Ist das Kind nur bei einem Elternteil gemeldet, könne dieser auch die Übertragung des halben Betreuungsfreibetrags oder Ausbildungsbetrags beantragen (Zeile 40).

Zusätzlich können Alleinerziehende vom Entlastungsbetrag profitieren, der bislang bei 1308 Euro pro Jahr lag (Zeilen 44 bis 49). Die Voraussetzung dafür ist laut Klocke, „dass ein Anspruch auf Kindergeld besteht und das Kind im selben Haushalt lebt.“ Es dürfe aber kein weiterer Erwachsener dort wohnen – es sei denn, es handelt sich dabei um volljährige Geschwister, für die ebenfalls noch ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag besteht.

Am 16. April haben hat die Regierungskoalition sich darauf verständigt, die Alleinerziehenden stärker zu entlasten. Geplant ist, dass der Freibetrag mit Wirkung zum 1. Januar 2015 auf 1908 Euro erhöht wird.

Betreuungskosten bis 4000 Euro absetzbar – pro Kind

Für Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können Eltern Kosten bis 6000 Euro abrechnen – davon werden dann zwei Drittel steuerlich berücksichtigt (Zeilen 67 bis 69). „Der Höchstbetrag von 4000 Euro pro Jahr gilt für jedes Kind“, sagt Klocke. „Unter Betreuungskosten fallen Ausgaben für den Kindergarten, den Hortplatz, aber auch für eine Tagesmutter“, so Nöll.

Im Sinne der Kinder – Entscheidungen des Bundesfinanzhofes: Der Bundesfinanzhof hat mehrere Urteile gefällt, die Eltern von Volljährigen in Ausbildung begünstigen: So erhalten sie von der Familienkasse weiterhin Kindergeld, auch wenn der Nachwuchs beispielsweise in einem dualen Studiengang nach Ende der integrierten Ausbildung bis zu 20 Stunden pro Woche arbeitet (BFH, Az. III R 52/13) oder wenn er während der Ausbildung geheiratet hat. Das gilt unabhängig vom Einkommen des Angetrauten (BFH, Az. III R 22/13).

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Akne bei Teenagern behandeln

Unreine Haut, Mitesser oder Pickel: Sieben von zehn Teenagern leiden an Akne. „Akne lässt sich gut behandeln, aber man braucht Geduld. Die ersten Erfolge zeigen sich oft erst nach mehreren Wochen“, sagt Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. Was aber hilft wirklich gegen Pickel und Akne und wie lässt sich Narbenbildung vermeiden?

Gegen leichte Akne helfen rezeptfreie Medikamente, bei schwereren Formen kann der Hautarzt Cremes oder Tabletten verordnen. Die fachgerechte Behandlung vermeidet nicht nur Akne-Narben – Jugendliche mit „blühender“ Akne werden von Gleichaltrigen oft ausgegrenzt oder haben sogar Schwierigkeiten, einen guten Ausbildungsplatz zu finden.

Pickel nicht einfach ausdrücken

Typisch für Akne sind Mitesser und Pickel. Mitesser sind Talgdrüsen, die durch einen Pfropf aus Talg und Horn verstopft sind. Sie bilden sich, wenn in der Haut zu viel Talg produziert wird und dieser Überschuss nicht abfließen kann. Offene Mitesser sind auf der Haut als dunkle Punkte erkennbar, geschlossene (weiße) Mitesser liegen unter der Hautoberfläche. Entzündet sich ein Mitesser, bildet sich ein Pickel. Das unsachgemäße „Herumdrücken“ an Mitessern oder Pickeln verschlimmert das Hautbild. Eine regelmäßige professionelle Hautreinigung hingegen beugt Narben vor.

Welche Präparate helfen gegen Akne?

Gegen Akne werden oft rezeptfreie Präparate mit dem Wirkstoff Benzoylperoxid eingesetzt. Sie wirken hornhautauflösend, dadurch kann der Talg besser abfließen, erläutert Engelen. Die Präparate zum Abwaschen oder zum Verbleib auf der Haut werden auf die gesamte erkrankte Haut aufgetragen, nicht nur punktuell auf Pickel und Mitesser. Ein Nebeneffekt: Der Wirkstoff wirkt wie ein Bleichmittel. Deshalb sollte man während der Behandlung weiße Handtücher und Bettwäsche benutzen, sonst gibt es Flecken. Bessert sich die Haut nach mehreren Wochen täglicher Anwendung nicht, kann der Arzt andere Wirkstoffe zum Auftragen oder Einnehmen verschreiben.

Grundlage der Behandlung von Akne ist die richtige Hautpflege

Basis jeder Akne-Behandlung ist eine an den Hauttyp angepasste Hautpflege. Die Kosmetika sollen die überschießende Talgbildung eindämmen, dürfen die Haut aber nicht zu stark reizen. Aknepatienten brauchen zur Hautreinigung pH-neutrale Syndets oder Waschgele. Hoch konzentrierte alkoholhaltige Gesichtswasser sind ungünstig: Sie wirken stark entfettend und können eine Nachproduktion von Talg auslösen.

Peelings sind bei unreiner Haut oder leichter Akne empfehlenswert, da sie die verstopften Talgdrüsen öffnen. Jugendliche, die sehr viele Pickel haben, verzichten aber besser darauf. Sonst wird durch das Rubbeln der Eiter über die gesamte Haut verteilt.

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