Kategorie -Jugendliche

Adipositas – was ist das?

Wann wird bei Kindern von Übergewicht, wann von Adipositas gesprochen? Diese Abgrenzung ist wichtig, weil die Einstufung als „adipös“ eine Reihe von medizinischen Maßnahmen betrifft. In Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig, 800.000 davon sogar adipös. Die WHO spricht von einer weltweiten Epidemie.

Adipositas bedeutet Fettsucht. Sie ist gekennzeichnet durch über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1997 festgelegt, dass Fettsucht anhand des sogenannten Body-Mass-Index (BMI) definiert wird. Bei Erwachsenen beginnt Übergewicht bei einem BMI von 25 bis 29 kg/m², Fettsucht beginnt bei 30 kg/m². Bei Kindern und Jugendliche werten andere Werte zugrunde gelegt. Dabei spielt auch das Gewicht im Verhältnis zu Alter eine Rolle. Ein 13-Jähriger darf somit zum Beispiel bei gleicher Größe mehr wiegen als ein 11-Jähriger. Auch darf sinnvoller Weise ein Mädchen nach der Pubertät etwas schwerer sein als ein Mädchen vor der Pubertät.

In der Deutschland sind etwa 15 bis 18 Prozent übergewichtig, sieben Prozent sind adipös. Dabei werden die Fälle immer extremer „Im Vergleich zu vor zehn Jahren haben unsere Patienten im Durchschnitt heute zehn Kilo mehr Übergewicht“, so die Bilanz von Hanspeter Goldschmidt, Chefarzt der Spessart-Klinik. Weltweit sind rund eine Milliarde Menschen übergewichtig, etwa 300 Millionen haben Fettsucht.

Adipositas-Behandlung wird von Kassen übernommen

In medizinischer Hinsicht ist die Unterscheidung von Übergewicht und Adipositas wichtig, weil die Diagnose Adipositas eine Reihe von medizinischen Maßnahmen ausgelöst, die von den Krankenkassen übernommen werden. Eltern suchen jedoch von sich aus häufig erst einen Arzt auf, wenn „es weh tut“, wenn die Kilos auf die Knochen drücken und Schmerzen in den Knien verursachen. Eine Behandlung könnte aber schon viel früher einsetzen, wenn ein Jugendlich sein Gewicht nicht „erträgt“ und seelisch leidet infolge der Hänseleien in der Schule.

Body-Mass-Index für Kinder

Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2]. Die Formel lautet: BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)2. Die Einheit des BMI ist demnach kg/m2. Hier können Sie einfach den .

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Lehrgang in Sachen Argumente

„Du bist dran“ in MöhringenLehrgang in Sachen Argumente

In vier bunt gemischten Gruppen stellen die Jugendlichen vor Eltern, Lehrern und Sponsoren ihre Projekte vor. Foto: Sabine Schwieder

Möhringen – Und schließlich holen wir uns die Unterstützung durch die Bürgermeister.“ Ein kleiner Seitenblick zu Bürgermeisterin Susanne Eisenmann, dann fährt der junge Mann fort und lässt sich auch durch das leise Gelächter im Publikum nicht aus der Ruhe bringen. Bei der Abschlussveranstaltung des Projekts „Du bist dran – Anschub zum Engagement“ in den Räumen der Dekra in Möhringen stellten 32 Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren vor, was sie in drei Tagen in Gruppen erarbeitet haben. Dazu eingeladen waren sie von Common Purpose, einer Organisation, die Programme für Führungskräfte, aber auch für Jugendliche anbietet.

In Stuttgart wurde das Projekt zum vierten Mal angeboten, 32 Schüler aus zehn Schulen nahmen in diesem Jahr teil. Nominiert wurden die Teilnehmer von den Lehrern. Es sind Jugendliche, die sich für das Gemeinwohl hervorgetan haben, sei es als Schulsprecher oder als Betreuer beim Sport oder in der Nachhilfe. Bei „Du bist dran“ werden sie auf Gruppen verteilt, in denen sie in der Theorie ein Projekt erarbeiten, mit Unterstützung von Erwachsenen aus unterschiedlichen Berufssparten. „Alle Schularten, Jungs und Mädchen, Herkunft, Alter – wir versuchen, die Gruppen möglichst durchzumischen“, erläuterte Purpose-Programmdirektorin Birgit Klein. Beteiligt waren die Bertha-von Suttner-Realschule, Elise-von-König-Schule, Freie Evangelische Schule, Freie Waldorfschule am Kräherwald, Fritz-Leonhard-Realschule, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Körschtalschule Plieningen, Jahn-Realschule, Gymnasium Rutesheim, Realschule Am Goldberg Sindelfingen.

Zertifikate von der Kulturbürgermeisterin

„Wir möchten, dass Schüler ab Klasse 8 in der Mittagspause das Schulgelände verlassen dürfen“, hat sich eine Gruppe zum Thema „Mitsprache“ zum Ziel gesetzt, dafür Argumente gesammelt und eine Art Fahrplan erstellt. Eine andere Gruppe hat sich vorgenommen, die Klassenzimmer zu verschönern. „An vielen Schulen ist die Einrichtung kaputt, sind die Wände schmutzig und es gibt zu wenig Sitzgelegenheiten“, erklärten deren Sprecher ihre Motivation. Die dritte Gruppe setzte sich dafür ein, im Heimatort bestehende Sportplätze zu erweitern und attraktiver zu machen. „Wir wollen mit Mülleimern für Sauberkeit und Ordnung sorgen“, sagte ein Sprecher. Nach Absprache mit dem Jugendrat und mit Fachleuten sollen mögliche Sponsoren mit Argumenten überzeugt werden.

Einen Klub 14, in dem Jugendliche unter 16 Jahren regelmäßig feiern dürfen, hat sich die vierte Gruppe zum Ziel gesetzt, die nicht nur Eltern, sondern auch das Jugendamt von ihrem Vorhaben überzeugen wollte. Mit Bürgermeisterin Eisenmann hatten die Planer gleich eine Vertreterin der Stadt da, um zu prüfen, ob ein solcher Klub Chancen auf Verwirklichung hat.

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Auf Mast geklettert: 19-Jähriger stirbt an Stromschlag


Vor den Augen seiner Freundin klettert ein 19-Jähriger auf die Masten einer Bahn-Oberleitung und kommt dabei den Kabeln zu nah: Der leichtsinnige Spaß kostet den jungen Mann das Leben. Immer wieder sterben Jugendliche bei solchen riskanten Aktionen.

Beim Klettern an der Bahnlinie zwischen Hannover und Wolfsburg hat ein 19-Jähriger einen tödlichen Stromschlag erlitten. Wie die Polizei im niedersächsischen Gifhorn mitteilte, hatte der junge Mann am Samstagabend im Beisein seiner 17-jährigen Freundin einen Masten der Oberleitung erklommen, als es zu einem sogenannten Spannungsüberschlag kam. Er wurde von einem Stromschlag getroffen und stürzte zu Boden.

Obwohl die Freundin sofort die Rettungskräfte verständigte, konnte ein Notarzt nur noch den Tod des 19-Jährigen feststellen. Im Einsatz waren die Bundespolizei, ein Notfallmanager der Deutschen Bahn und ein Notfallseelsorger.

In der Vergangenheit kam es deutschlandweit immer wieder zu solchen tödlichen Unfällen. Erst Anfang Mai hatte eine 17-Jährige in Sachsen beim Klettern auf eine Elektrolokomotive einen tödlichen Stromschlag erlitten, als sich aufgrund der Nähe zu einer Hochspannungsleitung im Bahnhof von Pirna ein Lichtbogen bildete. Im Februar wurde ein 15-jähriges Mädchen in Leipzig beim Herumklettern auf Güterwaggons getötet.

Insbesondere von der stromführenden Oberleitung auf Bahnanlagen geht der Bundespolizei zufolge eine erhebliche Gefahr aus. Bei 15.000 Volt reicht demnach ein Unterschreiten des Sicherheitsabstands von anderthalb Metern aus, um einen Spannungsüberschlag auszulösen.



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„Kraterface“: Wenn Akne den Teenie-Alltag bestimmt

Kaum etwas fürchten Teenager mehr, als Akne zu bekommen und unattraktiv zu sein. Denn gegen die hartnäckige Hautkrankheit gibt es kein schnell wirkendes Wundermittel. Oft leiden Jugendliche mehrere Jahre an Pickeln und Pusteln. Doch wer frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt, bekommt das Problem meist in den Griff.

Akne ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. 80 Prozent der Teenager leiden im Laufe der Pubertät an Pickeln und Pusteln. In der Altersgruppe der Zwölf- bis Vierzehnjährigen sind häufiger Jungs betroffen, später eher Mädchen. Bei 60 Prozent ist die Krankheit schwach ausgeprägt, bei 40 Prozent verläuft Akne dagegen in einer schwereren Form, die oftmals eine mehrjährige Behandlung bis ins Erwachsenenalter erfordert.

Männliche Hormone als Hauptverursacher

Bei Akne kommt es zu einer Überproduktion von Talg. Er kann nicht ungehindert abfließen, weil die abgestorbenen Hautzellen verhornen und den Drüsenkanal verstopfen. So entsteht unter der Haut ein idealer Nährboden für Bakterien, durch die es zu einer Entzündung kommt. Das infizierte Gewebe weitet sich schließlich aus und bricht durch die obere Hautschicht.

Die Folge: Pickel, Pusteln, Eiterbläschen oder sogar Knötchen, die im Gesicht, am Rücken und auf der Brust „blühen“ und schlimmstenfalls zu großflächigen Entzündungsherden mit Abszessen und Fisteln mutieren können.

Ein Auslöser für Akne – insbesondere in der Pubertät – sind Sexualhormone. „Vor allem männliche Geschlechtshormone, die Androgene, die im geringen Maß auch von Mädchen und Frauen gebildet werden, führen zu einer verstärkten Talgproduktion“, erläutert die Berliner Hautärztin Meike Schröder auf ihrer Webseite. Ob jemand Akne bekommt, ist aber auch Veranlagung. Hatten die Eltern schon problematische Haut, sind die Kinder später eher betroffen.

Akne geht auch seelisch unter die Haut

Gerade für Jugendliche, für die Attraktivität auf ihrem Weg zur Selbstfindung einen besonders hohen Stellenwert hat, sind Hautproblemen extrem belastend. Sie fühlen sich entstellt und ausgegrenzt, müssen kränkende Spitznamen wie „Pizzakopf“, „Streuselkuchen“ oder „Kraterface“ ertragen. Akne geht so in doppelter Hinsicht unter die Haut. Zahlreiche Erfahrungsberichte Betroffener in Internetforen verdeutlichen das:

„Mit der Zeit wollte ich gar nicht mehr in den Spiegel schauen, besonders morgens. Ich wäre dann am liebsten wieder zurück ins Bett verschwunden und nie mehr in die Schule gegangen, geschweige denn abends auf einer Party erschienen“, erzählt ein 17-jähriges Mädchen.

Eine 15-Jährige klagt: „Ich bin total verzweifelt, probiere ständig neue Salben und Cremes aus und spachtel mir das Gesicht mit dickem Makeup zu. Aber nichts hilft. Ich sehe grässlich aus. Keine Chance, wenn ich einen Jungen kennen lernen wollte. Der würd mir ja zuerst ins Gesicht schauen.“

Manche Teenager mit Problemhaut leiden so sehr, dass sie Depressionen bekommen. Eine norwegische Studie, bei der rund 3.800 junge Menschen mit Akne befragt wurden, fand heraus, dass die Betroffenen um so häufiger Selbstmordgedanken hatten, je ausgeprägter das Krankheitsbild war.

Akne muss vom Arzt behandelt werden

Um die Pickel und damit auch die seelischen Nöte zu lindern, braucht es Disziplin, Geduld und am so früh wie möglich auch ärztliche Begleitung. Aus einer leichten kann immer eine schwere Akne mit Narben werden. „Die optimale Behandlung der Akne kann nur durch einen Hautarzt erfolgen“, so Dermatologin Schröder. „Nur er kann entscheiden, welche Wirkstoffe bei der jeweiligen Akneform die richtigen sind. Außerdem sind einige der wichtigsten Arzneimittel verschreibungspflichtig.“

Kombi-Therapien können helfen

Bewährt haben sich Kombi-Therapien. Dazu gehören Antibiotika gegen die Entzündungen oder Mittel wie Salizylsäure beziehungsweise Abkömmlinge der Vitamin-A-Säure, die die obersten Hautschichten abschälen und die Hornzellverstopfungen mit der Zeit verschwinden lassen. Schließlich gibt es noch Präparate, die die Talgproduktion drosseln.

Einen positiven Effekt kann bei Mädchen auch die Antibabypille haben, denn die darin enthaltenen Östrogene hemmen die Neubildung von Pickeln.

Als Unterstützung zu diesen Behandlungsmöglichkeiten empfiehlt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft regelmäßige, manuelle Anwendungen zur gründlichen Hautreinigung und Desinfektion bei der Kosmetikerin. Sie werden allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Tipps für eine besseres Hautbild

Stress, wenig Schlaf, Alkohol- oder Zigarettenkonsum können die Problemhaut zusätzlich verschlimmern. Schädlich ist es auch, Pickel selbst ausdrücken. Denn die Keime an den Händen können eine Infektion befeuern und damit die Entstehung von Narben begünstigen.

Ebenso kontraproduktiv ist das wilde Experimentieren mit Kosmetika. Insbesondere Duftstoffe und zu fette, sogenannte komedogene (Mitesser fördernde) Rezepturen in Cremes sind Gift für Aknehaut – genauso wie stark deckendes Makeup, das die Poren noch mehr verstopft.

Übertriebene Wasch- und Reinigungsprozeduren, die die Haut reizen und austrocknen, sollten ebenfalls vermieden werden. Denn das Sprießen von Pickeln hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Bei leichter Akne helfen am besten pH-neutrale, parfümfreie Waschlotionen und leichte Pflegeprodukte auf Öl-in-Wasser-Basis. Sanfte Peelings, die die Talgdrüsen öffnen, tun ebenfalls gut, vorausgesetzt, auf der Haut blühen keine eitrigen Pusteln.

Negativen Einfluss kann auch die Ernährung haben. Deshalb sollten Eltern darauf achten, dass Jugendliche wenig Süßigkeiten und Milchprodukte konsumieren. Auch kohlehydrathaltige Lebensmittel wie Fast-Food, Weißbrot oder Weizenpasta sollten selten auf dem Speiseplan stehen. Günstig aufs Hautbild können sich dagegen Sojaprodukte, Gemüse, insbesondere Tomaten, oder Fischgerichte mit gesunden Omega-3-Fettsäuren auswirken, so die Empfehlung von Dermatologin Schröder.

Selbstbewusst trotz Pickeln und Pusteln

Akne stellt das Selbstbewusstsein von Jugendlichen auf eine harte Probe. Wer Glück hat, wird vom Freundeskreis und der Familie immer wieder bestärkt und aufgebaut. Ist die psychische Belastung jedoch so groß, dass Depressionen entstehen, brauchen Jugendliche psychotherapeutische Hilfe.

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Ein Bier auf Ex

Trinkspiel erobert FacebookEin Bier auf Ex

Jugendliche fordern sich im Internet gegenseitig zum Trinken auf Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart – „Vielen Dank für die Nominierung zum Mitläufer des Tages“ sagt ein junger Mann in die laufende Kamera, prostet mit einem vollen Bierglas in die Luft und trinkt es in einem Zug leer. „Social Beer Game“ nennt sich ein virtuelles Trinkspiel, das seit einigen Tagen bei Facebook und andern sozialen Netzwerken die Runde macht und sich innerhalb weniger Tage deutschlandweit verbreitet hat.

Die Spielregeln sind simpel: Wie bei einem Kettenbrief werden jeweils drei Personen von Freunden aufgefordert, einen halben Liter Bier in einem Zug zu leeren, sich dabei zu filmen und über das Internet wiederum selbst drei Kandidaten zu nominieren. Diese müssen der Aufforderung zum Biertrinken dann innerhalb von 24 Stunden nachkommen. Wer nicht mitmacht, bekommt nicht nur den Spott seiner Online-Freunde zu spüren, sondern auch eine Strafe aufgebrummt, muss beispielsweise einen Kasten Bier kaufen. Und so macht das Spiel rasend schnell die Runde: Hippe Radiomoderatoren, bayerische Bürgermeister-Kandidaten, angehende Lehrer oder schottische Erasmus-Studenten tummeln sich Bier-trinkend auf den Facebook-Seiten. Sogar ganze Städte werden mittlerweile nominiert, woraufhin sich Jugendliche dann gruppenweise zum gemeinsamen Trinken verabreden.

Seinen Ursprung nahm das „Social Beer Game“ angeblich vor über einem Jahr unter dem Namen „NekNomination“ in Großbritannien. Unter dem Motto „neck your drink, nominate another“ – exe dein Getränk und nominiere einen anderen – schwappte der Trend bald auch nach Australien und Südafrika über. In den englischsprachigen Ländern allerdings geht es dabei weit wilder zu als hierzulande: Im Vereinigten Königreich überbieten sich die Jugendlichen in den Videos mittlerweile gegenseitig mit besonders heftigen Trinkmischungen. Statt zu einem halben Liter Bier wird dann auch mal zur Wodkaflasche gegriffen – ganz nach dem Motto „je mehr und je härter, desto cooler“.

Während in Deutschland die jungen Leute ihr Bier meist recht unspektakulär und an einem Tisch sitzend leeren, werden im Ausland besonders riskante Aktionen beim Trinken immer beliebter. In Australien exte ein junger Mann sein Bier auf einem Skateboard und fuhr dann eine befahrene Straße hinunter – mit dem Glas in der Hand. Zwei andere Australier leerten ihr Getränk, während sie einhändig und ungesichert an einem fliegenden Helikopter hingen.

Dass die Aktion bei weitem nicht harmlos ist, zeigte sich vor wenigen Tagen auch in Irland: Dort starb ein junger Mann an einer Alkoholvergiftung – angestachelt von dem Online-Wettstreit. Ein zweiter Ire ertrank, als er für das Video beim Trinken in einen Kanal springen wollte. In Irland kippte danach die Stimmung, viele Politiker und Jugendliche warnen dort vor der Aktion. Was aber veranlasst junge Leute, sich dem Massen-Trinken anzuschließen? „Vermutlich ist es der Wunsch, Teil eines großen Ganzen zu sein“, meint ein 24-Jähriger auf Facebook. „Es fasziniert mich, wie dieses Phänomen um die Welt geht, wie rasend schnell es sich verbreitet.“ Mehr als 23 000 Nutzer sind allein innerhalb von zehn Tagen der deutschen Seite „SocialBeerGame“ bei Facebook beigetreten .

„Die jungen Leute lechzen vor allem nach Aufmerksamkeit und positiver Bestätigung“, sagt Ingrid Bounin vom Landesmedienzentrum in Stuttgart. „Und zunächst einmal bekommen sie auch Aufmerksamkeit, positive Kommentare und viele ‚Likes’, wenn sie bei so etwas mitmachen“, sagt die Medienpädagogin. Dabei zeige sich aber, dass die Biertrinker nicht über die längerfristigen Folgen von solchen Aktionen nachdenken. „Die Jugendlichen tun sich mit so etwas keinen Gefallen. Wenn es um Bewerbungen geht, informiert sich heute jeder auch in den sozialen Netzwerken.“ Man solle sich besser vorher überlegen, was man über das Internet öffentlich mache – und ob man damit auch in zehn Jahren noch einverstanden wäre. Eine Gefahr sei auch, dass solche Aktionen dazu genutzt würden, andere auszugrenzen, sagt Bounin – wenn diese dem Gruppenzwang widerstehen, beispielsweise. „Es gehört viel Stärke und Selbstbewusstsein dazu, da nicht mitzumachen.“

Das Sozialministerium in Stuttgart hält das Trinkspiel für „gefährlichen Schwachsinn“. Man hoffe, dass sich möglichst wenige Leute an der Aktion beteiligen werden, so eine Sprecherin. Das Unternehmen Facebook selbst kommentierte die weltweit umgehende Aktion eher am Rande: Man toleriere keine Inhalte, die in direkter Weise schädlich sind. Allerdings verstoße kontrovers diskutiertes Verhalten nicht zwingend gegen die Regeln des Netzwerks, heißt es in einem Schreiben.

Doch längst nicht jeder „Bier-Nominierte“ macht den fragwürdigen Trend einfach unbedacht mit. Auf den sozialen Plattformen regt sich mittlerweile heftiger Widerstand: So wandelten die Hockey-Nationalspieler Christopher Wesley und Tobias Hauke das Spiel einfach um. Statt ein Bier zu trinken, spendete Wesley Geld für einen guten Zweck, filmte dies und nominierte anschließend Hauke, es ihm gleich zu tun. Viele Jugendliche und Prominente wie die Schauspielerin Janina Uhse schließen sich auch der Gegenbewegung „AntiBiernominierung“ an, spenden Lebensmittel an Obdachlose, „exen“ statt des Bieres ein Fruchtzwerg-Joghurt oder filmen sich beim Blutspenden – ganz nach dem Motto: „Einen dämlichen halben Liter Bier kann ja jeder leeren. Aber man braucht wirklich Mut, um einen halben Liter Blut zu spenden.“

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Medienerziehung: Internet ist für viele Jugendliche eine Droge

Ohne Smartphone und Internet geht bei Kindern und Jugendlichen heute nichts mehr. Aus Sicht eines Suchtforschers nehmen Eltern eine ausufernde Internetnutzung allerdings noch zu selten als Problem wahr. Frühe Warnzeichen – wie beispielsweise bei Cannabis oder Alkohol – gibt es bei Internetsucht nicht, so der Experte. 

„Man muss das Bewusstsein stärken, dass Online-Spiele und soziale Netzwerke eine hohe Bindungskraft haben können. Jugendliche kommen immer früher in Kontakt mit einem potenziell abhängig machenden Verhalten“, sagte Professor Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie.  

Mehr Mädchen betroffen

Als internetabhängig gelten nach einer maßgeblichen Studie aus dem Jahr 2011 mehr als 560.000 Menschen hierzulande. Bei den 14- bis 16-Jährigen sind demnach vier Prozent betroffen, Mädchen etwas häufiger als Jungs. Eine steigende Tendenz wird angenommen.

Bislang ist Internetsucht aber nicht offiziell von den Kostenträgern als Krankheit anerkannt. Unter anderem die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) betont aber schon länger, sie halte die Forderung nach einer einheitlichen Diagnose für berechtigt.

Nicht die Zeit vor dem Bildschirm ist ausschlaggebend

„Je früher internetbasierte Spiele und Medien für Jugendliche verfügbar sind und schon ins Kinderzimmer einziehen, desto mehr ist zu erwarten, dass die Zahlen weiter zunehmen“, erläuterte Kiefer. Da es keine Normen für Internetnutzung gebe, herrsche bei Eltern große Unsicherheit.

Die Kriterien für Internetsucht ähneln denen einer Alkohol- oder Drogensucht. Ausschlaggebend ist aber nicht die Zeit vor dem Bildschirm: Bei Abhängigen treten starke negative Konsequenzen durch Online-Spiele oder das Surfen in sozialen Netzwerken auf, die sie wie angefixt in Kauf nehmen oder ausblenden. Betroffene lassen zum Beispiel in der Schule nach, ziehen sich von Familie und Freunden zurück und verlieren die Kontrolle, wie Falk Kiefer erläutert. „Es funktioniert meist nicht, nach einer Stunde den Rechner wieder auszumachen.“

Hilfe wird oft zu spät gesucht

Anders als bei Alkohol etwa fehlten aber Effekte wie Trunkenheit, die das Umfeld auf das Problem aufmerksam machen, beobachtet Kiefer. Entsprechend spät kämen Jugendliche und ihre Eltern in Beratungsstellen. Gerade Mädchen, die sich in sozialen Netzwerken verlieren, würden noch viel zu wenig erreicht.

Kiefer hofft darauf, dass sich mehr Betroffene im Zweifelsfall früh Hilfe suchen: „Man kann zeitweise ein problematisches Verhalten haben, aber es muss nicht in eine Sucht hineinlaufen. Es ist entscheidend, frühzeitig mit Betroffenen zu reden und Grenzen auszuhandeln.“ Wenn Jugendliche bemerkten, dass sie eigene Vorsätze wie eine gewisse Spieldauer pro Tag nicht einhalten können, sei das ein Ansatz, ins Gespräch zu kommen. Entscheidend sei, dass die Verhaltensänderung nicht verordnet, sondern nachvollziehbar und mit positiven Konsequenzen verbunden ist.

Internetsucht-Checkliste für Eltern

Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet auf der Website klicksafe.de für Eltern eine Broschüre zu Internet- und Computerspielabhängigkeit an. Sie enthält eine Checkliste, die Eltern einen ersten Anhaltspunkt geben kann, ob ihr Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, sollten Eltern reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

  • die Gedanken des Kindes kreisen auch bei anderen Beschäftigungen ständig um Computer, Internet oder Spielkonsole
  • das Kind spielt und surft bis tief in die Nacht
  • dem Kind fällt es schwer, die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen
  • das Kind reagiert gereizt, wenn es auf Computer, Internet oder Spielkonsole verzichten muss
  • es zieht sich immer mehr von Familie und Freunden zurück
  • Internetnutzung verdrängt andere Interessen und Hobbies
  • die Leistungen in der Schule haben sich deutlich verschlechtert
  • das Kind verzichtet auf Mahlzeiten, um am Computer zu bleiben
  • es hat stark ab- oder zugenommen und wirkt übermüdet
  • das Kind reagiert Gefühle wie Ärger oder Frust mit Computerspielen ab

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Umstrittene „Ankerzentren“: Vor allem für junge Flüchtlinge ungeeignet


Fast die Hälfte der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Vor allem für sie sind die geplanten Ankerzentren gar keine gute Idee, heißt es in einem offenen Brief von zahlreichen Sozialverbänden.

Zahlreiche Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen sehen die geplanten Ankerzentren für Flüchtlinge äußerst kritisch. In einem gemeinsamen offenen Brief an Städte und Gemeinden sowie die Ministerien für Inneres und Familie äußern sie sich sehr besorgt. Auf Grundlage der bisher bekannten Pläne von Bundesinnenminister Horst Seehofer sei klar: „Ankerzentren sind keine geeigneten Orte für Kinder und Jugendliche“, erklärte Meike Riebau, rechtspolitische Sprecherin von Save the Children Deutschland.

In der Debatte um die Ankerzentren müssten die Rechte und das Wohl von Kindern geachtet werden, fordern neben Save the Children unter anderen der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, der Paritätische Gesamtverband, das Deutsche Kinderhilfswerk, Pro Asyl und SOS Kinderdorf.

Die insgesamt 24 Organisationen verweisen darauf, dass 45 Prozent der im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge Kinder und Jugendliche waren. „Ihre Rechte müssen in allen Verfahren berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel der Besuch von Schulen und Kindergärten und eine Umgebung, in der Kinder sicher und gesund aufwachsen können“, heißt es in dem Schreiben.

Vorrang für das Kindeswohl

Es sei pädagogisch und rechtlich außer Frage, dass Kinder nicht nur besonderen Schutz benötigten, sondern ihnen elementare Rechte nicht vorenthalten werden dürften, erklärte Riebau. „Das Kindeswohl muss Vorrang vor sicherheitspolitischen Erwägungen haben.“

Für einen gelungenen Start in Deutschland bräuchten Flüchtlingskinder Zugang zu Bildungsangeboten sowie Gesundheitsleistungen, um Krankheiten zu behandeln oder traumatisierende Erlebnisse zu bearbeiten. Auch Rückzugsräume, um zur Ruhe zu kommen, seien wichtig. „Die Pläne der Bundesregierung lassen diese Erkenntnisse nicht nur außer acht – sie laufen ihnen zuwider“, kritisierte Riebau.

In den Ankerzentren sollen nach dem Willen Seehofers künftig Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht werden. Damit sollen Asylverfahren und Abschiebungen nach einer möglichen Ablehnung beschleunigt werden. Der Betrieb der neuen Ankerzentren soll zunächst in Pilotversuchen getestet werden. Dafür sollen im September und Oktober bis zu fünf solcher Zentren in großen Bundesländern mit ihrer Arbeit starten, allerdings lehnen viele Bundesländer dies bislang ab.



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Reif genug für die Wahl?

Wählen mit 16Reif genug für die Wahl?

Sophie Wende, Clemens Horn und Richard Boell (von links) machen sich Gedanken um ihre Zukunft Foto: Peter Petsch

Stuttgart – Cornelius Carl ist politisch engagiert. Für den 17-Jährigen hat vor kurzem die zweite Amtszeit als Jugendrat begonnen. „Wir haben schon ziemlich viel auf die Beine gestellt“, sagt der Abiturient des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart. Clemens Horn wurde ebenfalls wieder in den Jugendrat gewählt. „Wir haben einen Spielplatz neu gestaltet“, sagt er. Zurzeit machen sich die beiden für eine Busverbindung vom Killesberg nach Botnang stark. Obwohl Cornelius Carl politisch aktiv ist, fühlt er sich teilweise noch zu wenig informiert. Das Verfahren bei der Kommunalwahl ist kompliziert. Dass das Land eine Kampagne „Wählen ab 16“ startet, sieht er als gute Sache an.

Vor einem Jahr hat der Landtag das neue Gesetz verabschiedet. Nun dürfen Jugendliche schon ab 16 bei Kommunalwahlen ihre Stimme abgeben. Im vergangenen Jahr fanden vielerorts Bürgermeisterwahlen statt – Jugendliche zeigten dabei nur geringes Interesse. Dennoch findet Gemeinschaftskundelehrer Andreas Böhringer: „16-Jährige gehen mit mehr Verantwortung zur Wahl als Ältere.“

Nach oben ist beim Wahlalter auch keine Grenze gesetzt

Er unterrichtet die Kursstufe zwei am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. In der Regel werde Kommunalpolitik in der achten oder neunten Klasse behandelt. Mit dem neuen Wahlrecht könnten Jugendliche das Gelernte direkt anwenden, meint Böhringer. Daher sei es durchaus positiv, wenn man den Jugendlichen mehr Verantwortung gebe. Die Wählerschaft werde schließlich immer älter.

Ähnlich sehen es die Schülerinnen der zehnten Klasse am Stuttgarter Sankt-Agnes-Gymnasium. „Manche Schüler machen sich mehr Gedanken als andere – das hängt wahrscheinlich vom Schultyp ab“, sagt Jule Fischer. Was Kommunalpolitik betrifft, fühlen sich die Jugendlichen nicht ausreichend informiert. Einige Schüler haben bisher noch gar nicht mitbekommen, dass das Wahlalter von 18 auf 16 herabgesetzt wurde. Gerade in Hinblick auf die anstehende Wahl wünschen sie sich, dass sie als neue Zielgruppe wahrgenommen werden. Ein weiterer Wunsch: Politiker könnten an Schulen kommen und ihre Ziele vorstellen.

Nicht alle Schüler fühlen sich reif genug für eine Wahl. „Mit 18 hat man sicherlich mehr Erfahrungen gesammelt“, sagen Ja­nine Schlosser, Esther Heitkamp und Vanessa Hildenbrand. Einig sind sie sich darin, dass sie sich nicht an der Bundestagswahl beteiligen wollen. „Mit 18 ist es früh genug“, sagt Theresa Moosmann. „Nur manche Themen betreffen uns Jugendliche“, sagt die 15-jährige Antonia Qujitsch.

Andere wiederum freuen sich auf den Gang ins Wahllokal. „Der Gedanke ist zwar ungewohnt, aber gut“, sagt Katharina Mack (15). Die 16-jährige Ann-Karolin Krause glaubt, dass dadurch „neuer Pep“ in den Gemeinderat kommt. Denn Gemeinderäte passen sich wohl den Interessen von jungen Leuten an, glaubt sie.

So manche Schülerin würden sich gern lokalpolitisch engagieren. „Wobei die Gefahr besteht, dass man als 16-Jährige nicht ernst genommen wird“, befürchtet Josephine Lang (15). Eine frühe Beteiligung an der Kommunalpolitik erachtet auch Schulleiterin Marietta Steidle-Rieger als sinnvoll: „Schüler sind besser informiert als viele Erwachsene.“

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Lehrer in Deutschland lernen zu wenig über Unterricht mit Migranten

Lehrer sind nicht ausreichend auf den Unterricht mit Einwandererkindern vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.

Im Lehramtsstudium seien nur in fünf Ländern Kurse zum Umgang mit sprachlicher Vielfalt per Gesetz verpflichtend, stellt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) fest. In der Lehrerfortbildung gebe es immer noch zu wenig Qualifizierungsangebote für Sprachförderung und kulturelle Vielfalt.

Ein Jahr Rückstand in der Grundschule

Bundesweit hat jedes dritte Schulkind einen Migrationshintergrund. Es gebe zwar eine deutliche Verbesserung in den letzten 15 Jahren. Dennoch lägen Kinder, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, zum Ende der Grundschule im Lesen und Rechnen durchschnittlich ein Jahr hinter Klassenkameraden ohne Migrationshintergrund zurück, heißt es in der Studie.

„Ungleichheiten nehmen weiter zu“

„Nach dem Übergang in die weiterführenden Schulen nehmen diese Ungleichheiten weiter zu: Jugendliche mit Migrationshintergrund sind an Hauptschulen überrepräsentiert, haben öfter Lernschwierigkeiten und brechen die Schule häufiger ab.“

„Wenig Fortbildung zu sprachlicher und kultureller Vielfalt“

Eine Auswertung zentraler Fortbildungskataloge der 16 Länder ergab, dass es in Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen „einen vergleichsweise niedrigen Anteil an Fortbildungen zu sprachlicher und kultureller Vielfalt“ gibt.

In Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein würden jetzt alle angehenden Lehrer verpflichtet, im Studium einen oder mehrere Kurse zum Thema Sprachbildung zu absolvieren.

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Jugendliche wählen fleißig wie nie zuvor

JugendratswahlJugendliche wählen fleißig wie nie zuvor

Eine Wahlurne. 5000 junge Stuttgarter haben ihre Vertretung gewählt Foto: dpa

Stuttgart – Rund 5000 Stuttgarter Jugendliche und damit 31,5 Prozent der Wahlberechtigten haben in einem rund zweiwöchigen Zeitraum an der zehnten Stuttgarter Jugendratswahl teilgenommen. Damit war die Quote der Wahlbeteiligung höher als je zuvor, seit 1995 die ersten Jugendratswahlen über die Bühne gingen.

Es gibt aber auch einen Wermutstropfen: Gewählt wurden nur elf Jugendratsgremien, nämlich in zehn einzelnen Stadtbezirken sowie im Doppelbezirk Plieningen/Birkach. 2012 hatten die Jugendlichen noch in 20 Stadtbezirken abstimmen und insgesamt 16 Gremien bestimmen dürfen. Damals war auch noch ein Jugendrat Obere Neckarorte zustande gekommen – diesmal nicht, weil es in Untertürkheim, Obertürkheim, Wangen und Hedelfingen nicht genug Kandidaten gab. Im Ergebnis erhielten 2014 in Stuttgart dann auch weniger Jugendliche ein Mandat: nur noch 139. Sie werden am 17. Februar von OB Fritz Kuhn (Grüne) im Rathaus begrüßt und in ihr neues Amt eingeführt. Ende März finden dann die ersten Sitzungen statt.

Wo es zu wenig Kandidaten gegeben hatte, bildeten sich vereinzelt Projektgruppen, die konkrete Themen in ihrem Stadtbezirk bearbeiten wollen. Einen gesamtstädtischen Jugendgemeinderat gibt es nicht. Grund: In den Großstädten ist die Erfahrung, dass Jugendliche nur in ihrem Sprengel, wo sie Umfeld und Kandidaten kennen, fleißig wählen. Einmal im Monat treffen sich aber je drei Vertreter aus den Bezirksjugendräten und ein Vertreter der Projektgruppen unter dem Namen „gesamtstädtischer Arbeitskreis Stuttgarter Jugendrat“, um Themen zu besprechen, die die ganze Stadt betreffen.

Die hohe Wahlbeteiligung in diesem Jahr wurde mit Interesse und Wohlgefallen registriert. „Das Ergebnis freut mich sehr. Wir haben engagierte Jugendräte, die sich einmischen und bei öffentlichen Sitzungen des Bezirksbeirates auch das Wort ergreifen. Bürgerbeteiligung heißt auch Jugendbeteiligung“, meint Martin Körner, Bezirksvorsteher im Stuttgarter Osten.

„Zunächst ist die hohe Wahlbeteiligung eine Bestätigung und Anerkennung der Jugendlichen für die erfolgreiche Arbeit der Jugendräte“, urteilt Roland Kelm, Koordinator für Jugendbeteiligung in der Stuttgarter Stadtverwaltung. Einen weiteren Grund für die hohe Wahlbeteiligung sieht er in der verbesserten Organisation. Die Urnenwahl in Schulen und Jugendhäusern sei hervorragend von den Lehrern und Einrichtungsleitern unterstützt worden. Außerdem sei den Wahlunterlagen erstmals ein Kandidatenplakat des jeweiligen Bezirks beigelegen. „Das hat möglicherweise zum Wählen animiert“, meint Kelm.

Die hohe Wahlbeteiligung mag also von einem gewachsenen Vertrauen in die Jugendräte herrühren, doch die Mitglieder der Gremien müssen auch gute Arbeitsmöglichkeiten haben. Hier hat die Stadt Stuttgart in letzter Zeit etwas getan und den Jugendräten immer mehr Gehör verschafft. So kann der gesamtstädtische Arbeitskreis Stuttgarter Jugendrat, weil der Gemeinderat dies im Juli 2013 beschlossen hat, direkt Anfragen und Anträge an den Oberbürgermeister stellen. Mittlerweile haben Vertreter der Jugendräte zu eigenen Anträgen auch Rederecht im Gemeinderat. Das sei „eine erhebliche Ausweitung der Rechte für die Stuttgarter Jugendräte“, findet Kelm. Es gelte nun, diese Rechte auch ausgiebig zu nutzen.

Welche Themen in der kommenden Legislaturperiode anstehen, lässt sich im Moment noch schwer sagen. Zunächst steht das gegenseitige Kennenlernen auf dem Programm. Denn für viele ist nicht nur eine neue Legislaturperiode angebrochen, sondern auch eine ganz neue Arbeit, wenn sie zum ersten Mal in den Jugendrat gewählt worden sind. Danach erst werden gemeinsam Themen bestimmt und Projekte für die nächste Zeit geplant. Aller Voraussicht nach werden die Jugendlichen bei der Planung von Freiflächen zukünftig stärker mit einbezogen.

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