Kategorie -Jugendliche

So läuft der Sex der Jugend: Aufgeklärt, sicher und später

Sie wissen heute mehr, aber tun es auch nicht früher. Von wegen Sex und Porno – Jugendliche sind zurückhaltender, als viele annehmen. Das zeigt die Studie „Jugendsexualität 2015“. Eltern können aufatmen: Generell kommt es nicht eher zum „ersten Mal“ als früher.

Sexuelle Erfahrungen sind bei deutschen 14-Jährigen einer neuen Studie zufolge eine Ausnahme. Insgesamt sei die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren, sagte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss.

Sie erkennt einen Wertewandel. „Bis 2005 haben sich die sexuellen Aktivitäten nach vorne verschoben.“ Inzwischen sei der Trend aber gestoppt, wenn nicht sogar rückläufig. 

Mädchen haben früher Sex

Mit 17 hat demnach mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits Erfahrung mit Sex. Dabei sind insgesamt betrachtet Mädchen früher aktiv als Jungen. Außerdem machen deutschstämmige Jugendliche in fast allen Altersgruppen früher erste Erfahrungen als Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln.

Das erste Mal

Von jungen Frauen mit deutscher Herkunft haben mit 19 Jahren 90 Prozent das „erste Mal“ erlebt, während es bei den gleichaltrigen Frauen mit ausländischen Wurzeln nur 61 Prozent sind. Männliche Jugendliche machen ihre ersten Erfahrungen oft später. Mit 19 Jahren hatten 73 Prozent der deutschen Jugendlichen und 70 Prozent der jungen Männer mit ausländischen Wurzeln bereits Sex.

Das Fehlen des oder der „Richtigen“ ist nach Angaben der Bundeszentrale „unabhängig von Geschlecht und Herkunft der Hauptgrund für Zurückhaltung“. Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielten zudem „moralische Bedenken“ eine wichtige Rolle.

Zu den Themen Sex, Aufklärung und Verhütung befragt die BZgA seit 1980 vorrangig Jugendliche, seit 2005 auch Jugendliche mit Migrationshintergrund. Einbezogen wurden diesmal 5750 Jugendliche bundesweit. 

Jugendliche denken an Verhütung

Verhütungsmittel Nummer eins ist das Kondom. Seit den ersten Befragungen hat sich das Bewusstsein für Verhütung deutlich verändert: Lediglich acht Prozent der jungen Frauen und sechs Prozent der jungen Männer zwischen 14 und 17 trafen beim ersten Mal keine Vorkehrungen, wie aus der Studie hervorgeht. 1980 machten sich laut BZgA noch 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Gedanken um Kondom, Pille oder andere Verhütungsmittel. Thaiss wertete die Veränderung als „beachtlichen Erfolg“.

Noch deutlicher und schneller schrumpfte die Zahl der Nicht-Verhüter bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Verzichtete in dieser Gruppe 2005 noch rund ein Drittel der Jungen auf Verhütung, so war es nun nur noch ein Zehntel. Bei den Mädchen sank der Anteil von knapp 20 Prozent auf zwei Prozent.

Aufgeklärt wird von den Eltern

Aufgeklärt wird insbesondere von den Eltern, sagte Thaiss. Aber auch in der Schule begegnet fast jeder Jugendliche dem Thema Sex. Gerade für Jungen und für die Kinder muslimischer Eltern, die das Thema zu Hause eher tabuisieren, seien auch Lehrer wichtige Ansprechpartner. Viel Wissen wird auch aus dem Internet gezogen. Die gesamte Studie wird laut BZgA im kommenden Jahr veröffentlicht.

Geschichten über Teenie-Mütter, ungeschützten Sex und heimlichen Porno-Konsum machen Eltern Angst. Das sagen die Zahlen:

  • Junge Mütter: Die Zahl minderjähriger Mütter ist nach Daten des Statistischen Bundesamts seit Jahren rückläufig: Hatten 2010 noch knapp 4600 Kinder eine Mutter unter 18 Jahren, waren es 2013 nur noch rund 4110 – bei insgesamt steigender Zahl der Geburten.
  • HIV: Bei Menschen zwischen 15 und 19 Jahren wird seltener als bei älteren eine HIV-Neudiagnose gestellt, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Jahr 2014 hervorgeht. Der Gebrauch von Kondomen lässt laut Bundeszentrale für gesundheitlicher Aufklärung (BZgA) trotz zunehmender hormoneller Verhütung nicht nach.
  • Porno: Zwischen 60 und 80 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren haben der EU-Initiative Klicksafe zufolge Erfahrungen mit Pornos gemacht. Davon gucken aber die wenigsten regelmäßig. Konsumiert werde bei Jungs eher in Gruppen, bei Mädchen mit dem Partner.

Grafik Jugendsexualität 2015 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

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Studie zur Jugendsexualität: Porno ja, schneller Sex nein

Jugendliche sind zwar mit Pornos vertraut, haben dennoch eine eher konservative Einstellung zum Sex. Das sind die Ergebnisse der Studie „Jugendsexualität 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Studie:

Warum warten Jugendliche mit dem ersten Mal?

Die Studie nennt unabhängig vom Geschlecht und von der Herkunft als wichtiges Motiv: Oft fehle der richtige Partner. Bei Frauen mit ausländischen Wurzeln spielen auch Moralvorstellungen und Angst vor den Eltern eine Rolle. Wenn Jugendliche Sex haben, dann zunehmend mit einem festen Partner. Das gilt für Jungen wie für Mädchen, für Deutschstämmige ebenso wie für Jugendliche mit ausländischen Wurzeln.

Woher kommt das Bedürfnis nach Sicherheit?

Beziehungen sind heute oft unverbindlich, sexuelle Identitäten wandelbar. Auch die Ehe ist nicht mehr nur Mann und Frau vorbehalten. Für den Hamburger Trendforscher Peter Wippermann liegt der Schluss nahe: „Alles was verschwindet, gewinnt an Wert.“ Die romantischen, konservativen Vorstellungen der Jugend sieht er daher auch als „Trotzkultur“ oder Gegenbewegung. Das Problem: Am Ende hielten auch diese Beziehungen nicht.

Wie verhüten Jugendliche?

Der Schutz nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern auch vor HIV und Geschlechtskrankheiten ist ihnen wichtig: Das Kondom ist bei beiden Geschlechtern zwischen 14 und 25 Jahren das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, vor der Pille. Im Vergleich zu früher beschreiben die BZgA-Fachleute die heutigen Jugendlichen als gewissenhafter. Die Präventionsansätze in Deutschland funktionierten, sagt die Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe, Ute Hiller. Das sei aber kein Grund zum Nachlassen: „Wissen vererbt sich nicht.“

Wo hapert es noch?

Sexologin und TV-Aufklärerin Ann-Marlene Henning („Make Love“) schätzt das Wissen von Jugendlichen als eher oberflächlich ein: Sie schnappten zwar vieles auf und fragten nach Stellungen und Techniken, alles verstehen würden sie aber nicht. Das gelte auch in emotionaler und kommunikativer Hinsicht. Wo Henning Nachholbedarf sieht: „Dass man Spaß dabei haben kann, dass man was lernen kann über Liebe, oder: Wie blockiert man bestimmte Anmachen?“ Auch alte Klischees sind nicht vom Tisch. „Wenn mal ein Mädchen mehr weiß, gilt sie gleich als Schlampe. Der Junge dagegen ist dann ein toller Hecht.“ Gerade Mädchen schämten sich, über das eigene Geschlecht zu sprechen. „Dabei gehört auch das zu Aufklärung.“

Wie groß ist der Einfluss von Pornografie?

Mit eindeutigen Bildern sind viele Jugendliche vertraut. „Aber die haben ein Gefühl dafür, dass es Show ist“, sagt Henning. Dennoch verglichen sich Jugendliche mit den Körpern aus Pornos und fühlten sich daher weniger wohl in ihrer Haut. „Der Druck da draußen steigt. OPs, Diäten – jetzt hat es auch noch die Jungs erfasst“, so Henning.

Welche Menschen sind Jugendlichen bei der Aufklärung am wichtigsten?

Das Internet ist Alltag für diese Generation. Sich dort Wissen über Sex und Verhütung anzulesen, ist verbreitet. Offline ist bei Mädchen die Mutter die erste Adresse. Jungs nennen die Eltern zwar als wichtig, bevorzugen aber häufig Lehrer als Bezugsperson. Neben dem Austausch mit Gleichaltrigen scheint Aufklärung nach dem Stil von Dr. Sommer nicht ganz passé: „Mädchen haben auch noch eine Affinität zu Jugendzeitschriften“, sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss.

Homo-Ehe, Geschlechtsumwandlungen, Bisexualität: Die Gesellschaft ist bunter geworden. Wie gehen Jugendliche damit um?

„Die machen sich Gedanken, ‚was bin ich eigentlich?'“, beobachtet Henning. Sie habe bei Gesprächen mit Jugendlichen bemerkt, dass diese große Freiheiten beim Ausprobieren ihrer Sexualität haben und diese auch nutzen. Gleichgeschlechtliches Knutschen etwa werde getestet: „Damit spielen sie. Sie legen sich nicht fest.“ 

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„Smombie“ macht das Rennen: Jugendwort 2015 ist gekürt

„Smombie“ ist das Jugendwort des Jahres 2015. Das hat der Langenscheidt Verlag bekannt gegeben. „Smombie“ ist aus den Wörtern Smartphone und Zombie zusammengesetzt und beschreibt jemanden, der auf sein Smartphone statt auf die Straße schaut.

In einer Online-Abstimmung hatte das Verb „merkeln“ vorne gelegen, das soviel bedeutet wie „nichts tun, keine Entscheidung treffen, keine Äußerung von sich geben“. Eine Jury fällte aber letztlich die Entscheidung, welche der zehn im Netz-Voting am häufigsten angeklickten Neuschöpfungen zum Jugendwort gekürt wird. Wir haben Jugendliche befragt, ob sie wirklich so sprechen.

Kritiker ziehen jedes Jahr wiederholt in Zweifel, ob die von einer Jury nominierten Jugendwörter des Jahres auch tatsächlich benutzt werden. Im vergangenen Jahr wurde die Redewendung gekürt – eine aus unserer Sicht richtige Entscheidung, denn sie wird tatsächlich benutzt. Andere Wörter wie „Assistempel“ oder „GOML“, die ebenfalls zur Auswahl standen, waren dagegen unbekannt. „Babo“ war das Jugendwort 2013.

Schüler machen den Realitäts-Check

Wir haben eine kleine Stichprobe genommen und sechs Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren zu den vermeintlichen Jugendwörtern befragt, die zur Wahl standen. Fast durchweg bekannt ist „merkeln“, fünf der Befragten kannten es. Bei den anderen sieht es deutlich schlechter aus: 

Jugendwort kenne ich benutze ich
Merkeln (keine Entscheidung treffen) 5 1
Rumoxidieren (chillen) 2 1
Earthporn (schöne Landschaft) 0 0
Smombie (Smartphone-Starrer) 0 0
Bambus (cool, krass) 0 0
Tinderella (Tinder-Nutzerin) 2 0
Swaggetarier (jemand, der aus Imagegründen Vegetarier ist) 3 0
Augentinnitus (Gefühl, von Dummen umgeben zu sein) 0 0
Shippen (Beziehung führen) 0 0
Discobumper (trainiert nur für gutes Aussehen in Diskotheken) 2 0

Fazit: Das gewählte Wort und die anderen Favoriten halten unserem Realitäts-Check nicht stand. Nur wenige Wörter sind den Jugendlichen bekannt, benutzt werden sie fast überhaupt nicht. Selbst wer sich beispielsweise in Bus und Bahn unter Jugendliche mischt, schnappt diese Ausdrücke nicht auf. 

Der Begriff „merkeln“ dagegen stand schon im vergangenen Jahr auf der Liste. 

Eltern können entspannt bleiben, wenn ihre Kinder bei den obigen Begriffen nur die Nase rümpfen oder gar verständnislos mit den Schultern zucken. Der Langenscheidt-Verlag, der das Jugendwort des Jahres wählen lässt, hat vielleicht nicht ganz den Nerv der Zeit getroffen.

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Immer mehr Jugendliche gehören zur Generation Krummer Rücken

Stundenlang am Smartphone wischen, chatten oder am Tablet Videos anschauen: Das gehört für viele Kids und Teenager heute zu ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung. Doch zu wenig Bewegung und zu viel virtuelle Aktivität sind eine ungesunde Kombination, die langfristig nicht nur die Wirbelsäule schädigen kann.

Seit das Mobiltelefon zur permanenten Verlängerung des Armes geworden ist, bewegt sich ein Großteil der Teenager bevorzugt mit gesenktem Kopf durchs Leben. Die Halswirbelsäule und die Schulterpartie rücken daher immer mehr in den Fokus der Fachärzte. 

Stundenlanges Display-Starren mit gesenktem Kopf

Im Durchschnitt starren die Kids zwischen zwei und sechs Stunden täglich auf ihre Displays. Das haben internationale Untersuchungen herausgefunden. Der Nachwuchs in den USA ist dabei mit über sechs Stunden Spitzenreiter, während die Nutzungszeiten in Deutschland etwas niedriger liegen.

Diagnose: Handy-Nacken und WhatsAppitis

Für den Körper ist diese typische eingerollte Haltung mit gekrümmtem Rücken, Hängekopf und vorgeschobenen Schultern auf Dauer Gift. So kann es mit der Zeit zu Muskelverhärtungen kommen. Die Medizin hat für diese noch relativ neue Volkskrankheit der jungen Generation bereits Namen wie iPhone-Schulter, Handy-Nacken oder WhatsAppitis in ihr Fachvokabular aufgenommen.

Die Folgen sind besonders schwerwiegend, wenn der Kopf in der abgeknickten Position verharrt. Die überdehnten Muskeln führten in vielen Fällen zu schmerzhaften Verspannungen, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall zu frühzeitigen Verschleiß der Bandscheiben, warnen Ärzte.

Nicht nur die Wirbelsäule leidet

Endloses Hantieren mit Handys strapaziert aber auch noch andere Körperteile. Der SMS-Daumen etwa kann durch Dauereinsatz so sehr gereizt werden, dass sich eine Sehnenscheidenentzündung entwickelt.

Wer täglich mehrere Stunden Spielkonsolen und Touchscreens bedient, kann nicht nur sein Schultergelenk überbeanspruchen, sondern läuft auch Gefahr, einen schmerzhaften Maus-Arm beziehungsweise Gorilla-Arm zu bekommen. Dabei handelt es sich um eine einseitige Ermüdungserscheinung, die durch eine permanente, horizontale Haltung hervorgerufen wird. Außerdem kann es hier mit der Zeit zu Bewegungseinschränkungen des Arms kommen, genauso wie zu neurologischen Störungen, die sich durch Kribbeln und Taubheitsgefühle bemerkbar machen.

Fitness hat drastisch abgenommen

Dass Kinder sich immer mehr zu degenerierten Bewegungsmuffeln entwickeln, bestätigen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. So hat beispielsweise die Fitness der Kids pro Jahrzehnt um rund fünf Prozent abgenommen. Dies ergab 2013 eine Vergleichsstudie der American Heart Association, bei der Laufdaten von 25 Millionen Kindern ausgewertet wurden.

Chronische Rückenleiden schon bei den Jüngsten

Vor allem Mädchen und Jungen aus westlichen Industrieländern bewegen sich zu wenig: Eine wachsende Anzahl von ihnen hat zu viel Speck auf den Rippen und eine untrainierte, schwache Muskulatur, so dass das Knochengerüst nicht ausreichend stabilisiert wird und Haltungsschäden entstehen.

Orthopäden schlagen deshalb schon seit längerem Alarm. Denn wer bereits in jungen Jahren Probleme mit seiner Körperstatik hat, läuft Gefahr, an chronischen Rückenleiden zu erkranken. Inzwischen sind mehr als 50 Prozent aller Schüler zwischen sieben und 14 Jahren davon betroffen. In der Altersgruppe der Acht- bis 18-Jährigen haben sogar über 60 Prozent Haltungsprobleme, ergab eine Patienten-Analyse des orthopädischen Marianowicz-Zentrums in München.

Sport kann bei Haltungsschäden gegensteuern

Erwachsene können mit bewussten Ausgleichsübungen vorbeugen. Bei Kindern ist das nur schwer einzufordern. Orthopäden empfehlen deshalb, dass sich junge Dauer-User möglichst ein sportliches Hobby mit regelmäßigen Trainingseinheiten suchen. Sport bietet nicht nur Abwechslung und Spaß in der analogen Welt, sondern sorgt auch dafür, dass die Knochen stützende Muskulatur gestärkt wird. Eltern stehen in der Pflicht, für ihre Kinder den körperlichen Ausgleich durchzusetzen.

 

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Flüchtlinge: Deutsche Lehrer stoßen an Belastungsgrenzen

Unter den vielen Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland leben, gibt es auch eine große Anzahl an schulpflichtigen Kindern. Bei der Integration in den Schulbetrieb stoßen Lehrer zunehmend an ihre Grenzen. „Die Kinder sind traumatisiert, manche können noch nicht einmal schreiben“, sagt Michael Gomolzig.

Der Landessprecher des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg erklärt weiter: „Man sieht schon, dass sich die Regierung bemüht, aber wir werden genauso überrollt.“ Die Lehrer seien zwar hilfsbereit, fühlten sich aber alleingelassen. „Es gibt auch welche, die sagen: ‚Ich kann nicht mehr jetzt!'“.

30.000 Flüchtlingskinder im Südwesten

Baden-Württemberg rechnet 2015 insgesamt mit rund 30.000 Flüchtlingskindern an den Schulen im Südwesten. In den Vorbereitungsklassen an den Grund- und Hauptschulen und den Klassen an Berufsschulen werden die jungen Flüchtlinge auf den regulären Schulbesuch oder eine Ausbildung vorbereitet. Zu Beginn des Schuljahres gab es in Baden-Württemberg 1500 Vorbereitungsklassen und 300 Klassen an Berufsschulen.

Kinder sind traumatisiert

Viele Lehrer seien für den Umgang mit den traumatisierten Kindern aber nicht ausgebildet, sagt Matthias Schneider, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Das sind Kinder, die noch vor zwei, drei Monaten teilweise in Kriegsgebieten waren oder schlimme Erfahrungen auf der Flucht machen mussten“, stellte er fest.

Lehrer fühlen sich überfordert

Zwar seien Flüchtlingskinder sehr lernbegierig. „Gleichzeitig sind Kinder und Jugendliche durch den Alltag auf der Flucht nicht mehr gewohnt, einem regelmäßigen Schulalltag nachzukommen“, sagte er. Lehrer seien deshalb häufig überfordert. Schneider verlangt mehr Unterstützung durch die Schulsozialarbeit und eine engere Kooperation der Schulen mit Jugendhilfe und Beratungsstellen.

Reden mit Händen und Füßen

Auch das Kultusministerium erkennt die Herausforderungen in den Klassenzimmern. „Die Lehrer müssen mit allen Methoden arbeiten, zum Teil mit Zeichensprache und Händen und Füßen“, sagte ein Sprecher. Lehrer seien zwar nicht für den Umgang mit traumatisierten Schülern ausgebildet. „Was Schule aber leisten kann, ist Alltagsstrukturierung, ein positives Klima zu gestalten und sensibel mit Erfahrungen der Flucht umzugehen“, sagte er.

Neues Lehrkonzept nötig

„Jeder rechnet mit dem guten Willen der Lehrer – die werden das schon irgendwie schaukeln -, aber sie haben noch die Inklusion, den neuen Bildungsplan. Da sind gerade viele Baustellen an der Schule“, kritisierte der Bildungsexperte Gomolzig. Es geht nicht darum, einfach Deutsch zu vermitteln – sondern Deutsch als Zweitsprache. „Deutschlehrer unterrichten deutsche Kinder in der deutschen Sprache. Bei Flüchtlingen brauche ich ein ganz anderes pädagogisches Konzept“, meinte er.

Die Zusatzqualifikation ist nach Angaben des Kultusministeriums aufgrund mangelnder Nachfrage in den vergangenen Jahren an den Hochschulen zurückgefahren worden. „Diese Kompetenz können wir nicht so schnell wieder ausbauen wie wünschenswert“, sagte ein Sprecher. Studienanfänger stünden dem Arbeitsmarkt erst nach sieben oder acht Jahren zur Verfügung.

Es fehlen Lehrer

Außerdem: Unabhängig von der Qualifikation gibt es zu wenige Lehrer im Land. „Es ist eine erhebliche Herausforderung, geeignetes pädagogisches Personal zu finden“, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Zwar sei die Versorgung der Flüchtlinge an den allgemeinbildenden Schulen derzeit gewährleistet. Problematisch sei die Lage aber an den Berufsschulen. „Die 19- und 20-Jährigen, die noch berufsschulische und schulische Bildung benötigen, sind nicht alle zeitnah versorgt worden“, räumte er ein. Dort sollen aber weitere Klassen eingerichtet werden.

Chancen für Quereinsteiger

Das Land wirbt bei Pensionären um Hilfe, stellte Hunderte Lehrer ein, der Nachtragshaushalt sieht viele weitere Stellen vor. Aber der Arbeitsmarkt ist gespannt. „Wir brauchen weitere Flexibilisierung – die befristete Beschäftigung von Pädagogen, die die Laufbahnvoraussetzungen nicht erfüllen“, sagte ein Sprecher. Das Land will verstärkt Quereinsteiger an die Schulen holen. „Da kommen zum Beispiel auch studierte Germanisten zum Zuge.“

„Es brennt an allen Ecken und Enden“

„Man holt die letzte Reserve, weil man sieht, es brennt an allen Ecken und Enden“, sagt Gomolzig. Neben dem Personal seien aber auch die Schulräume begrenzt. „Entweder wir fahren den Standard runter und sagen, wir kürzen Pflichtunterricht für die Regelklassen“, sagte Gomolzig. Das könnte aber zu Unmut gegenüber Flüchtlingen führen. „Oder wir stellen Lehrer ein, die wir nicht haben.“

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Bahnstrecke zwischen Stuttgart und Ulm fast zwei Stunden gesperrt

Polizeieinsatz in Geislingen an der SteigeBahnstrecke zwischen Stuttgart und Ulm fast zwei Stunden gesperrt

In Geislingen an der Steige ist es wegen eines Polizeinsatzes gerade zu einer Sperrung der Bahnstrecke gekommen. Foto: dpa

Stuttgart – Eine Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Stuttgart und Ulm hat am Donnerstag für erhebliche Behinderungen im Nah- und Fernverkehr gesorgt. Wie die Bundespolizei mitteilte, kam es zu einem Zwischenfall in Geislingen an der Steige.

Demnach sollen ein Güterzug und eine sogenannte Schublok von bislang unbekannten Wurfgeschossen getroffen worden sein. An einer Lok war eine Scheibe kaputtgegangen. An einem anderen Zug, einem Güterzug, wurde das Blech beschädigt. Wie es dazu kam, blieb auch nach dem Ende des Einsatzes an der Strecke zunächst völlig unklar.

Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Neben der Bundespolizei war unter anderem auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Die Strecke wurde nach Angaben der Bahn gegen 21.45 Uhr wieder freigegeben, es kam aber zunächst noch zu Verzögerungen, da die Züge nur nach und nach wieder losfahren konnten.

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Brutaler Straßenraub in Essen: 16-Jähriger wegen Mordes vor Gericht

Nach einem brutalen Straßenraub in Essen ist Anklage gegen einen 16-Jährigen erhoben worden. Der Jugendliche muss sich wegen Raubes mit Todesfolge und Mordes aus Habgier verantworten, wie die Essener Staatsanwaltschaft am Freitagmorgen mitteilte.

Sein 15 Jahre alter Freund wurde wegen Raubes angeklagt. Am 7. Oktober hatten die Beiden einen 43-Jährigen auf offener Straße überfallen. Das Raubopfer habe sich zwar nicht gewehrt, dennoch habe der 16-Jährige zugeschlagen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der Pferdepfleger schlug mit dem Hinterkopf auf das Pflaster und verletzte sich so schwer am Kopf, dass er später starb. Die Jugendlichen raubten ihm das Handy und ergriffen die Flucht.

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Hubschrauber-Besatzung findet 80-jährigen Vermissten

Ostfildern im Kreis EsslingenHubschrauber-Besatzung findet 80-jährigen Vermissten

Die Polizei suchte mit einem Hubschrauber nach dem Vermissten. Foto: SDMG

Ostfildern – Gut ausgegangen ist die Suche nach einem vermissten Senior am Dienstagvormittag: Die Besatzung eines Polizeihubschraubers hat den Vermissten im Scharnhauser Park in Ostfilndern (Kreis Esslingen) gefunden.

Gegen sechs Uhr meldeten Pflegekräfte eines Seniorenzentrums, dass bei ihnen ein 80-jähriger, an Demenz leidender Bewohner fehle. Die Pflegekräften befürchteten, dass der Mann bereits im Laufe der Nacht und dazu noch leicht bekleidet das Gebäude verlassen hatte. Aufgrund dessen wurden sofort umfangreiche Suchmaßnahmen eingeleitet. Mehrere Streifenwagen machten sich auf die Suche nach dem Senior. Weiterhin kamen Reiter der nahegelegenen Reiterstaffel des Polizeipräsidiums zum Einsatz in den Stadtteil. An der Fahndung beteiligten sich weiterhin Such- und Mantrailer-Hunde des Rettungsdienstes und der Polizei sowie der Polizeihubschrauber.

Die Besatzung des Hubschraubers entdeckte gegen elf Uhr den Vermissten beim Skate Park des Trendsportfelds in einer hilflosen Lage. Daraufhin setzte der Pilot sofort zur Landung an. Zusammen mit einer Streifenwagenbesatzung wärmte die Hubschrauberbesatzung den stark unterkühlten Mann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes auf und leistete Erste Hilfe. Nach einer notärztlichen Versorgung vor Ort wurde der 80-Jährige vom Rettungsdienst in eine Klinik gebracht.

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Kaiserslautern: Amateurfilmer lösen Polizeieinsatz aus

Mehrere Maskierte mit Baseballschlägern haben die Polizei in Kaiserslautern auf den Plan gerufen. In einem Notruf hatte die Mitarbeiterin einer Psychiatrie die Beamten informiert, dass die Männer in einem leerstehenden Haus verschwunden seien, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Allerdings gab es schnell Entwarnung. Wie sich herausstellte, hatten drei Jugendliche am Freitagnachmittag ein Video drehen wollen. Dabei seien sie sich offenbar nicht im Klaren gewesen, was ein solcher Auftritt auslösen könne.

Nach Sichtung der Videosequenzen und Erteilung eines Platzverweises durften die Amateurfilmer den Drehort verlassen. „Es wird nun geprüft, inwieweit die Kosten für den Einsatz den Filmstars in Rechnung gestellt werden“, erklärte die Polizei.

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Fünfter Einbruch in Bäckerei

NürtingenFünfter Einbruch in Bäckerei

Möglicherweise ist die  Polizei in Nürtingen einem Serientäter auf die Spur gekommen. Foto: dpa

Nürtingen – Auf frischer Tat ertappt und festgenommen worden ist am Sonntagmorgen kurz nach Mitternacht ein 29 Jahre alter Mann, der in eine Bäckerei in der Nürtinger Katharinenstraße (Kreis Esslingen) eingebrochen war. Möglicherweise ist die Polizei damit einem Serientäter auf die Spur gekommen. Das zuständige Polizeirevier Nürtingen prüft derzeit, ob der jetzt ins Netz gegangene Täter als Verantwortlicher für eine ganze Reihe von Einbrüchen infrage kommt, die in der zurückliegenden Zeit ausnahmslos ein- und dieselbe Bäckerei in der Katharinenstraße zum Ziel gehabt haben.

Der aktuelle Einbruch ist nach Einschätzung der Ermittler der mittlerweile fünfte in einer Serie, die Ende September begonnen hat. Zuletzt war die Bäckerei nur zwei Tage zuvor, in der Nacht auf Freitag, ins Visier eines Einbrechers geraten. Der Täter war über ein nach dem letzten Einbruch nur behelfsmäßig mit Holz gesichertes Lagerraumfenster in die Geschäftsräume eingedrungen und hatte aus der Backstube anschließend einen kleineren Bargeldbetrag gestohlen. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Einbrüchen richtete er bei seinen jüngsten Beutezügen keinen nennenswerten Sachschaden an.

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