Kategorie -Jugendliche

Wo darf man ohne Führerschein Autofahren?

Da wird vielen Eltern sicher der Schreck in die Glieder fahren. Denn Hand aufs Herz: Wer hat Tochter oder Sohn nicht schon mal ans Steuer gesetzt, um das Autofahren zu üben? Was viele dabei vergessen: Wer ohne Führerschein eine Spritztour im Auto unternimmt, macht sich strafbar.

Anders, als manche glauben, spielt es keine Rolle, ob die Jugendlichen auf einer öffentlichen Straße oder dem Supermarktparkplatz erste „Fahrstunden“ von den Eltern bekommen.

Üben auf ausgewiesenen Verkehrsübungsplätzen

Trotzdem müssen angehende Fahrschüler nicht auf eine Ausfahrt verzichten. Erlaubt ist das Autofahren ohne Führerschein nämlich auf ausgewiesenen Verkehrsübungsplätzen. Dazu muss der Fahranfänger je nach Anbieter mindestens 16 oder 17 Jahre alt sein und der Begleiter einen gültigen Führerschein besitzen.

„Eltern sollten sich vor dem Besuch des Übungsplatzes erkundigen, ob eine sogenannte Tageshaftpflichtversicherung und eine Vollkaskoversicherung im Preis eingeschlossen sind oder ob Sie diese zusätzlich abschließen können“, sagt Karl Walter, Kfz-Experte beim R+V-Infocenter. „Dadurch vermeiden sie, dass Sie bei einem Unfall in der eigenen Kfz-Versicherung höhergestuft werden.“

Privatgelände: Nur mit Einverständnis des Besitzers

Auch auf einem Privatgelände können Fahranfänger üben, wenn der Besitzer damit einverstanden ist. Entscheidend ist, dass das Grundstück nicht für jeden zugänglich und zum Beispiel durch einen Zaun klar abgegrenzt ist. Na dann: Gute Fahrt.

Erhebliche Konsequenzen bei Verstößen

Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen. Und obendrein kann der Gesetzgeber dem Führerscheinanwärter verbieten, zur Prüfung anzutreten – sogar für mehrere Jahre.

Auch der Fahrzeughalter muss mit erheblichen Konsequenzen rechnen: Ihm droht neben einer Geldstrafe auch der Entzug seines Führerscheins, wenn er zulässt, dass jemand ohne Fahrerlaubnis sein Fahrzeug fährt – auch wenn es nur zu Übungszwecken ist.

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Zahlreiche Verhaftungen: Russland geht gegen Nationalisten vor


Über 300 mutmaßliche Nationalisten seien in Moskau festgenommen worden, teilt das russische Innenministerium mit. Bei den bewaffneten Nationalisten handelt es sich größtenteils um Jugendliche. 100 von ihnen mussten die Nacht in Gewahrsam verbringen.

Die russische Polizei hat mehr als 100 mutmaßliche Anhänger einer verbotenen Nationalistengruppe über Nacht in Gewahrsam behalten. Gegen einige würden Strafverfahren eingeleitet, berichtete das Bürgerrechtsportal OVD-Info in Moskau. Am Vortag waren ihrer Zählung nach landesweit zunächst 412 Anhänger der Bewegung Artpodgotovka (vorbereitendes Artilleriefeuer) und anderer Oppositionsgruppen festgenommen worden. Der Anführer der verbotenen Gruppe, der nationalistische Videoblogger Wjatscheslaw Malzew, hatte seinen jugendlichen Anhängern verkündet, in Russland werde erneut die Revolution ausbrechen. Sie sollten sich deshalb an zentralen Plätzen versammeln und ausharren, bis Präsident Wladimir Putin zurücktritt.

Malzews Ankündigung steht im Zusammenhang mit dem 100. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917. Allein im Zentrum von Moskau seien mehr als 300 Menschen festgenommen worden, teilte das Innenministerium mit. Viele Jugendliche seien mit Messern, Reizgas oder Pistolen mit Gummigeschossen bewaffnet gewesen. Die meisten wurden aber noch am gleichen Tag wieder freigelassen. Wie bei Kundgebungen des Oppositionellen Alexej Nawalny schickten Bürgerrechtsgruppen Anwälte in die Polizeistationen, um den Festgenommenen zu helfen. Am Freitag hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB nach eigenen Angaben eine Terrorzelle von Artpodgotovka ausgehoben.



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Darum hat die 13-Jährige die Entführung vorgetäuscht

Polizeieinsatz in FilderstadtDarum hat die 13-Jährige die Entführung vorgetäuscht

  Foto: dpa

Plattenhardt – Ein vermeintlicher Entführungsfall hat am Dienstag im Filderstädter Ortsteil Plattenhardt für Aufregung gesorgt. Denn ein 13-jähriges Mädchen hatte sich bei der Polizei gemeldet und gesagt, ein Mann habe sie in den Wald geschleift und an einen Baum gebunden. Was auf diesen Anruf folgte, war ein Großalarm: Ein Polizeihubschrauber stieg auf und suchte gemeinsam mit den Besatzungen mehrerer Streifenwagen nach dem Kind. Sie fanden das Mädchen nahe der Straße Auf der Heid an einen Baum gefesselt. Es stellte sich schnell heraus, dass sich das Kind selbst an den Baum gebunden hatte.

Der Polizeisprecher Thomas Wörner nennt als möglichen Grund, dass das Mädchen Aufmerksamkeit erreichen wollte. „So etwas kommt gelegentlich mal vor.“ Wirkliche Entführungen seien sehr selten.

Warum die 13-Jährige die Tat vorgetäuscht hat, ist unklar. Eine Mitarbeiterin des Notfallnachsorgedienstes kann hingegen allgemein etwas zu früheren Fällen sagen, bei denen sie im Einsatz war. „Dabei war es so, dass die Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizit hatten. Durch die vorgetäuschte Entführung wollten sie zeigen, dass sie wichtig sind“, berichtet die Frau, die anonym bleiben möchte. Ein anderer Grund sei, dass Kinder sich über die Folgen keine Gedanken gemacht hätten. Sie beschreibt ihre Arbeit bei Eltern, die dachten, ihr Kind sei entführt worden: „Wir sind in diesen Akutsituationen dabei und hören zu.“

Der Hochschullehrer Niels Habermann möchte sich aus der Ferne nicht direkt zu den Vorkommnissen in Filderstadt äußern. Er gibt als Leiter des Master-Studiengangs Rechtspsychologie an der SRH Hochschule in Heidelberg aber eine allgemeine Einschätzung zu solchen Fällen ab: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass junge Menschen, die verunsichert sind oder sich vernachlässigt fühlen, Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen.“ Und es sei normal, dass diese Grenzen austesten und auch überschreiten, etwa durch Prügeleien oder Automatenaufbrüche. „Pubertierende machen auch Quatsch. Das gesteht die Gesellschaft Jugendlichen ja auch zu.“ Gut sei es, wenn sich schnell heraus stelle, dass eine Entführung nicht echt war. „Wenn die Kinder schnell in die Rolle des Opfers rutschen, trauen sie sich oft nicht mehr zu sagen, dass sie sich das ausgedacht haben.“

Unklar ist noch, ob die Eltern der 13-Jährigen die Kosten für den Polizeieinsatz zahlen müssen. „Das wird gerade geprüft“, sagt Polizeisprecher Wörner. Das würde dann 52 Euro pro eingesetzten Beamten und angefangene Stunde kosten.

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Schönheitswahn beim Nachwuchs: So gehen Eltern damit um

Vor allem in der Pubertät ändert sich bei Kindern die Sicht auf den eigenen Körper: Sie vergleichen sich stärker und stören sich vielleicht an dem einen oder anderen Makel. Wie Eltern sich in dieser Zeit verhalten sollten.

Der selbstkritische Umgang in der Pubertät ist erst einmal normal und für Eltern kein Anlass zur Sorge. „In dieser Phase ist es gut, wenn Eltern von ihren eigenen Erfahrungen während der Pubertät erzählen“, sagt Dana Urban von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Schönheitsideale spielen für Jugendliche oft eine große Rolle

Merken Eltern, dass ihre Kinder bestimmten Schönheitsidealen nacheifern und sich sehr darin verbeißen, fragen sie am besten als Erstes nach: „Was steckt hinter dem Wunsch, so auszusehen wie xy? Was befürchtest du? Wie siehst du dich selbst?“ Auf keinen Fall sollten Erwachsene das Ideal vorschnell abtun, rät Urban.

Wichtig ist, dranzubleiben und zu überlegen: Was kann mein Kind machen, um gesund und fit zu bleiben, was ist realistisch? Können wir als Familie vielleicht gemeinsam Sport machen oder gesünder essen?

Mit dem eigenen Verhalten ein Vorbild sein

Mütter und Väter sollten sich außerdem bewusst machen, dass sie in Sachen Körperwahrnehmung ihre Kinder prägen. Welches Selbstbild vertreten sie nach außen? Wer ständig an der eigenen Figur herummäkelt oder sich kein Eis oder Tiramisu gönnt, hat natürlich schlechte Karten, wenn er der Tochter oder dem Sohn die Diät ausreden will.

Wenn Eltern sich Sorgen machen, dass ihr Kind ernsthaft in eine Essstörung abdriften könnte oder wenn sich die Jugendlichen zurückziehen und nicht mehr erreichbar sind, sollten sich Erwachsene unbedingt beraten lassen. Hier ist es laut Urban wichtig, so früh wie möglich auf Alarmzeichen zu reagieren.

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Jugendliche bedrohen 14-Jährigen mit Messer

Straßenraub im Kreis LudwigsburgJugendliche bedrohen 14-Jährigen mit Messer

Die Polizei fahndete nach den Tätern – ohne Erfolg (Symbolbild). Foto: dpa-Zentralbild

Vaihingen an der Enz – Vier Jugendliche haben am Mittwoch in Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) einen 14-Jährigen mehrfach bedroht. Die Polizei sucht nun nach Zeugen zu dem Vorfall.

Der Schüler war mit seinem Fahrrad zunächst in der Stuttgarter Straße unterwegs und bog dann in die Planckstraße ab. Auf Höhe einer Bäckerei hielten ihn vier junge Männer an und forderten Bargeld von dem 14-Jährigen. Als eine Person zufällig in diesem Moment die Bäckerei verließ, ließen die vier Tatverdächtigen von ihrem Opfer ab und der Junge konnte flüchten.

Die Täter forderten das Handy und Geld von dem Jugendlichen

Zwei der Unbekannten verfolgten ihn und bremsten ihn vor einer Tanzschule erneut aus. Die Täter bedrohten den Jungen mit einem Messer und forderten nun Geld und das Handy des Jugendlichen. Eine Passantin schien die Räuber zu verunsichern, sodass sich die Beiden in Richtung Innenstadt davon machten.

Der 14-Jährige vertraute sich einer Mitarbeiterin der Tanzschule an, die die Polizei verständigte. Eine Fahndung erbrachte kein Ergebnis.

Die vier Täter wurden als 17 bis 18 Jahre alt beschrieben. Sie hatten alle schwarze Haare. Einer der Täter war dick, trug einen schwarz-weißen Tarnmuster-Pullover, eine schwarze Jogginghose und eine Baseballkappe. Einer hatte ein schwarze Bauchtausche bei sich, ein anderer hatte einen Oberlippenbart und war mit einem schwarzen Pullover mit weißem Aufdruck bekleidet. Der vierte Jugendliche trug ebenfalls einen Oberlippenbart.

Zeugen und besonders die beiden Personen, die die Taten vermutlich beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 07141/18-9 zu melden.

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Cybermobbing verursacht Suizidgedanken bei Teenagern

Cybermobbing verursacht Suizidgedanken bei Teenagern

Cybermobbing bleibt nach einer neuen Studie ein ernstes Problem für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Rund jeder achte Befragte (13 Prozent) zwischen 10 und 21 Jahren berichtete von Beleidigungen, Beschimpfungen oder Bloßstellungen über das Internet, teilte das Bündnis gegen Cybermobbing mit.

Chatten mit dem Smartphone

Dabei nutzten Täter heute vorwiegend zentrale Kommunikationsplattformen wie Chatdienste per Handy. Soziale Netzwerke und Computer spielten dagegen nicht mehr so eine große Rolle wie bei der ersten Befragung vor vier Jahren. Damals hatten 16,6 Prozent der befragten Schüler Cybermobbing erlebt. 

Betroffene haben Suizidgedanken

Für die neue Studie wurden neben Eltern und Lehrern rund 1500 Schüler mit Fragebögen interviewt. Fast jeder siebte Schüler gab dabei zu, selbst schon einmal andere über Internet-Kanäle gemobbt zu haben. Die Motive reichten von Ärger mit dem Opfer bis hin zu Langeweile oder „weil es cool ist“. Jedes fünfte Opfer gab an, schon einmal Suizidgedanken wegen Cybermobbings gehabt zu haben.

Rund um die Uhr online

Nach der jüngsten Studie des Digitalbranchen-Zusammenschlusses Bitkom haben 87 Prozent der Jugendlichen ab 10 Jahren in Deutschland heute ein eigenes Smartphone und sind damit fast rund um die Uhr online. Auch bei dieser Befragung unter rund 650 Teenagern zwischen 10 und 18 Jahren klagte rund jeder achte unter den Älteren (14 bis 18 Jahre) über Cybermobbing.

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Perücken für ein neues Selbstbewusstsein

Perücken für ein neues Selbstbewusstsein

Anfangs schlugen meine Eltern die Hände über dem Kopf zusammen: ,Oh Gott, ein eigener Laden?‘ Ich wollte es aber unbedingt ausprobieren“, erinnert sich Tatjana Richartz. „Ohne meine Familie und meine Freunde wäre das gar nicht möglich gewesen. Wir haben alles zusammen hergerichtet – vom Streichen bis zur Einrichtung.“ Ihr Geschäft in der Kölner Innenstadt liegt ein wenig versteckt in einer Gasse. Doch viele Menschen finden den Weg in den Salon der Friseurin, Maskenbildnerin und Perückenmacherin. Das hat einen ganz besonderen Grund: „In erster Linie betreuen wir Menschen, die Probleme mit ihren Haaren haben.“ Viele ihrer Kunden leiden an Krebs oder Alopezie, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die Haarausfall verursacht.

Ehrgeizig weitergebildet

Was ihren Salon, der seit Januar 2016 besteht, ebenfalls so besonders macht: „In Deutschland ist unser ganzheitliches Konzept einzigartig. Wir haben Maskenbildner, Friseurmeister und Perückenmacher bei uns. Jeder macht alles, aber meist das, was er am besten kann.“ Für die junge Frau mit den blauen Augen ist das Handwerk, das hinter ihrem Beruf steckt, „mehr als nur das Haareschneiden“. Bereits in ihrer Ausbildung zur Friseurin hat sie sich für die Wertschätzung ihrer Arbeit engagiert und sich ehrgeizig weitergebildet. Sie assistierte bei Fortbildungen und leitete Seminare. Nachdem sie die Ausbildung abgeschlossen hatte, machte sie ein Praktikum als Maskenbildnerin und arbeitete freiberuflich in dieser Branche. Erst dann ließ sie sich am Theater zur Maskenbildnerin ausbilden.

In ihrem Körper wohlfühlen

Als die Freundin ihrer Schwägerin an Krebs erkrankte, kam die Frage auf, ob Richartz ihr eine Perücke anfertigen könne. „Beim Theater haben wir das jeden Tag gemacht. Warum sollte man es nicht auch für die, die es brauchen, machen?“ So entstand die Idee für den eigenen Laden. Die Perücken werden individuell angepasst und sollen alle Wünsche der Kunden erfüllen. Mit jedem neuen Kunden kommen auch neue Bedürfnisse auf, so dass ständig neue Herausforderungen auf die Mitarbeiter des Salons warten. „Ich liebe es, meinen Kopf anzustrengen.“ Neben Kunst- und Echthaarperücken gibt es auch Bärte oder ähnliche Produkte, die oftmals von anderen Maskenbildnern ausgeliehen werden. Zum ganzheitlichen Konzept von Tatjana Richartz gehört, dass ihre Kunden rundum versorgt werden. Neben Frisuren wird sich um das Make-up und die Augenbrauen gekümmert. Die Kunden sollen sich in ihrem Körper wohl fühlen und selbstsicher aus dem Salon treten. „Wir haben Kunden jeden Alters. Viele sind über dreißig, aber teilweise sind sie durchaus recht jung.“ So auch ein zehnjähriges Mädchen, das an Alopezie leidet und vor kurzem eine Perücke bekommen sollte. „Auf die Frage hin, was sie für eine Frisur haben wollen würde, antwortete sie mir: ,Zöpfe!’“

180 Stunden für eine Perücke

Teilweise werden die Perücken handangefertigt. Das bedeutet, dass jedes Haar einzeln eingeknüpft werden muss. So etwas dauert in der Regel um die 150 bis 180 Stunden. Ihre Arbeitszeit und ihre Freizeit trennt Tatjana Richartz ganz bewusst. Gerne macht sie ihren Freunden Frisur und Haare, allerdings nicht außerhalb der Arbeitszeit. „Mein Freund hat mich schon oft gefragt, ob ich nicht einfach die Schere mit nach Hause nehmen könnte. Da habe ich ihm gesagt: Du kannst gerne in meinem Salon vorbeikommen“, erzählt sie lachend. In ihrer Freizeit geht Richartz essen, näht oder verbringt Zeit mit ihren Freunden. Die lebensfrohe Friseurin sagt: „Mir ist es wichtig, dass das Thema Krebs oder Perücke kein Tabuthema mehr ist.“ Deshalb ist der Salon auch ganz besonders gestaltet. Der offene Arbeitsbereich, der sich seitlich des Tresens befindet, soll die tägliche Arbeit an den Perücken transparent und nachvollziehbar machen. Insgesamt sind die Räumlichkeiten im Retrostyle eingerichtet. Dort, wo die Kunden ihre neue Frisur bekommen, ziert eine beigefarbene, längsgestreifte Tapete die Wände. Große, runde Spiegel hängen dort neben Fotos, die größtenteils aus Richartzs Zeit beim Theater entstanden sind. Einladende, sesselartige, grüne Friseurstühle versprühen einen ganz besonderen Charme. „Die Stühle sind mein ganzer Stolz“, sagt sie, während sie über einen Kratzer an einer Armlehne streicht. „Ich habe mich vehement dagegen gewehrt, sie neu beziehen zu lassen.“

Andere sollen aufgeklärt werden

Auch Kunden, die nicht von Krankheiten betroffen sind, sollen aufgeklärt und zum Nachdenken angeregt werden. Die Menschen sollen sich in dem Salon so wohl wie in ihrem Wohnzimmer fühlen und in Kontakt miteinander treten. „Vor kurzem fragte mich eine Kundin, der ich die Haare geschnitten habe: ,Hatte die Frau gerade eine Perücke an?‘ Als ich daraufhin mit ,Ja‘ antwortete, meinte sie erstaunt: ,Das hat man ja gar nicht gesehen!‘ Natürlich nicht! Perücken, die man sieht, sind keine guten Perücken“, findet Richartz. Besonders schön sei es, wenn genesene Kunden in ihren Salon kommen, sich die Perücke vom Kopf reißen und stolz ihre nachgewachsenen Haare zeigen. Mit strahlenden Augen erzählt sie: „Dann machen wir aus dem, was da ist, eine neue Frisur, und die Kunden können ohne Perücke aus der Tür gehen.“

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Vier Jugendliche bereiten Obdachlosen eine Freude

Stuttgart-SillenbuchVier Jugendliche bereiten Obdachlosen eine Freude

Julian Tirauf, Anna-Sophia Gronbach, Claire Meyer und Michael Fischer (v.l.n.r.)  haben sich etwas Besonderes für Obdachlose ausgedacht. Foto: Fritsch, LG Piechowski

Sillenbuch/S-Mitte – Zwei Männer halten je ein Stück Schokoladenkuchen in der Hand und stoßen damit an wie mit einem Glas Sekt. „Prost“, sagen sie und freuen sich sichtlich über das Geschenk. Mehr als dieses Stück Kuchen und einen Rucksack voller warmer Kleider und Decken besitzen die beiden nicht.

Vier Mitglieder der Projektgruppe Jugendrat aus Sillenbuch haben sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht, um Obdachlosen eine Freude zu bereiten. Mit großen Kartons voller Müsliriegel und Salzstangen, etlichen Flaschen Wasser und guter Laune sind Anna-Sophia Gronbach, Claire Meyer, Michael Fischer und Julian Tirauf losgezogen. Kurz vor Weihnachten gab es das Projekt schon einmal. „Spontaner ging’s nicht“, sagt Fischer. Mittags habe er die Idee gehabt, den Obdachlosen für den Winter Socken zu schenken, abends seien sie bereits unterwegs gewesen. Ganz so spontan war es dieses Mal nicht.

Jugendräte arbeiten mit Obdachlosen und Flüchtlingen

Es ist kalt an diesem Montagabend. Die Königstraße ist wie leergefegt. An den Ecken, an denen sonst die Bettler sitzen, ist niemand. Die Pappkartons der Jugendlichen sind vom Regen schon ganz aufgeweicht. Die Stimmung leidet aber keinesfalls. „Wir geben doch jetzt nicht auf“, sagt Gronbach und zieht die Gruppe weiter in Richtung Schlossplatz. Und tatsächlich: In einer kleinen Passage steht ein Dutzend Männer und Frauen mit großen Rucksäcken, sie schützen sich vor dem kalten Regen. Als die Jugendlichen auf die Gruppe zugehen und ihnen ein paar Salzstangen und Müsliriegel anbieten, ist die Freude groß. „Ihr seid voll cool, ich möchte euch die Hand geben“, sagt einer von ihnen und hat beinahe Tränen in den Augen. Das Essen rückt für die Obachlosen und für die Jugendlichen aber schnell in den Hintergrund; zu reden ist wichtiger.

Die Männer und Frauen zeigen sich interessiert. „Von welcher Organisation kommt ihr?“, wollen sie wissen. Die Vier erklären, dass sie sich in ihrem Stadtbezirk für die Wünsche der Jugendlichen einsetzen. Aber auch von Flüchtlingen. Mit den vorübergehenden Bewohnern der Unterkunft an der Gorch-Fock-Straße haben die Jugendlichen unter anderem ein Fußballturnier organisiert.

Das Gremium besteht aus rund zehn Jugendlichen, die regelmäßig an Sitzungen und Projekten teilnehmen. Auf die kommende Aktion freuen sich Gronbach, Meyer, Fischer und Tirauf jetzt schon. „Wir machen im Sommer ein Fest für die Kinder der Flüchtlinge. Da grillen wir wieder alle zusammen“, erzählt Gronbach, die Sprecherin der Projektgruppe.

Die Augen der Obdachlosen an der Königstraße strahlen vor Freude über die Spenden der Jugendlichen. Trotzdem sagt einer: „Verteilt es doch lieber an Leute, die es verdient haben.“ Er erzählt von einem Freund, dem es noch schlechter gehe als ihm. Julian Tirauf holt eine Flasche Wasser heraus und reicht sie dem Mann. „Die schenkst du ihm, wenn er wiederkommt“, sagt er. Der Mann nimmt die Flasche dankbar entgegen.

Nachdem die Kartons mit den Geschenken leer sind, brechen die Jugendlichen auf. Auch ihnen hat das Ganze gut getan. „Das war ein Erfolgserlebnis für mich“, sagt Gronbach und strahlt. „Ab jetzt pass’ ich in der Schule auf“, meint Tirauf. Eindrücke wie diese seien auch das Ziel der Aktion gewesen. „Wir machen das ja nicht nur für die Menschen, sondern auch ein bisschen für uns“, gibt Meyer zu.

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Im Dienst für die Opfer: Rechtsmedizinerinnen über ihr Fach

Im Dienst für die Opfer: Rechtsmedizinerinnen über ihr Fach

Temperance Brennon kniet über einer Leiche mitten auf der Straße. Um sie herum hetzen Polizisten, das Absperrband flattert im Wind. Sie geht rational und analytisch vor. Auf ihrem Gebiet ist sie mit Abstand die Beste und wird von vielen Experten um Rat gebeten. Brennon, besser bekannt unter ihrem Spitznamen „Bones“, ist die Hauptfigur der gleichnamigen Fernsehserie, gefeierte forensische Anthropologin und für viele Frauen ein Vorbild. Der Alltag in der Rechtsmedizin ist für Außenstehende dagegen eher ernüchternd. Dennoch zieht es viele junge Mediziner, Biologen oder Toxikologen in diesen Bereich.

Sie macht DNA-Abgleiche

Die Rechtsmedizin in Homburg befindet sich in einem grauen Gebäude am Rande des Universitätsklinikums. Tritt man durch die Tür, erwartet einen ein schlichter Eingangsbereich; im Obergeschoss sind die Labore. Es laufen keine aufgeregten Wissenschaftler mit wehenden Labormänteln durch die Flure, auch gibt es keine großen Hallen, in denen mehrere Leichen nebeneinander aufgereiht untersucht werden. Im Institut arbeiten viele Frauen. Sabine Cappel-Hoffmann ist eine von ihnen. Sie ist Biologin und beschäftigt sich hauptsächlich mit DNA-Abgleichen. „Wir führen Analysen für die Kriminalpolizei durch. Es geht zum Beispiel um die Identifizierung von Leichen, wenn dies durch auffällige äußerliche Körpermerkmale wie ein Tattoo oder Ähnliches nicht möglich ist“, erklärt sie. Die Faszination für die Rechtsmedizin entstand bei ihr ebenfalls durch die Medien. Das dort gezeigte Rollenvorbild der klugen und schlagfertigen Rechtsmedizinerin scheint seine Wirkung zu zeigen.

Probe im Wunderschrank

Dass die Realität anders aussieht, weiß sie mittlerweile aus eigener Erfahrung nur zu gut: „Einmal kam eine Polizistin und meinte, ich solle die Probe in meinem Wunderschrank machen und sie hätte dann schnell ein Ergebnis. Als ich ihr sagte, dass dies nicht möglich sei, meinte sie, sie würde einfach ins Fernsehen gehen, ,weil da geht das ja‘.“ Es ist Cappel-Hoffmanns letzter Tag, zumindest für die nächsten zwei Monate. Sie erwartet ein Kind, ihr erstes und steht nun vor der großen Aufgabe, Familie und Beruf zu vereinen. Laut einer bundesweiten Umfrage aus dem Ärzteblatt legen 97 Prozent aller Medizinstudenten einen großen Wert auf ein harmonisches Zusammenspiel der beiden Bereiche. In der Realität ist dies jedoch nicht immer leicht umzusetzen.

Toxikologin in Homburg

„In Deutschland muss man sich leider oft noch entscheiden für Familie oder Job“, wirft Anna Kiefer ein. Die Ärztin ist 27 und arbeitet seit anderthalb Jahren im Institut. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Identifikation von Leichen. Aber nicht nur die Obduktionen sind Arbeitsalltag der Rechtsmediziner. Auch einfache Gutachten bezüglich der Fahruntüchtigkeit oder Schuldfähigkeit aufgrund von Alkohol müssen erstellt und vor Gericht vertreten werden. Nadine Schäfer arbeitet als Toxikologin im rechtsmedizinischen Institut in Homburg. „Wir führen neben den Drogentests oder Ähnlichem auch toxikologische Untersuchungen von Leichen durch. Besonders faszinierend finde ich, wie manche Heilmittel in höheren Dosen tödlich wirken können. Aus diesem Grund habe ich vermutlich auch von der Pharmazie in die Rechtsmedizin gewechselt.“ Nadine Schäfer arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt. Viel Raum für Hobbys oder Familie bleibt nicht.

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Weniger beschleunigte Jugendverfahren vor den Gerichten

Immer weniger jugendliche Kriminelle werden in Brandenburg in beschleunigten Gerichtsverfahren verurteilt. 2012 fällten die Amtsgerichte noch in 351 Prozessen spätestens vier Wochen nach einer Straftat ein Urteil. 2016 hatte sich deren Zahl mit 142 mehr als halbiert, wie das Justizministerium auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Eichelbaum antwortete. Eichelbaum äußerte sich besorgt: „Gerade bei jugendlichen Straftätern muss die Strafe auf dem Fuß folgen, um einen hohen Wirkungseffekt zu erzielen.“ Der Landesregierung warf er vor, Staatsanwaltschaften und Gerichten eine angemessene Personalausstattung zu verweigern. 

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