Kategorie -Jugendliche

Lars Eidinger als Bertolt Brecht: „Man darf nicht auf seinen Hype reinfallen“


Er gilt vielen als bester Schauspieler des Landes – wohl auch, weil er es einfach selbst behauptet hat. Shakespeares Hamlet setzte er die Krone verkehrt herum auf, dann war da noch diese Geschichte mit der Wurst. Doch Lars Eidinger ist schon lange nicht mehr nur der Star des deutschen Theaters, sondern auch ein besonders gefragter Filmdarsteller. Gerade ist er als Bertolt Brecht in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ zu sehen. n-tv.de erzählt er, wieso er Skrupel hatte, die Rolle überhaupt anzunehmen, was ihn an dem berühmten Theatermacher beeindruckt und wie er selbst mit seinem Image umgeht.

n-tv.de: Brecht ist Pflichtlektüre. Hatten Sie Ihre erste Begegnung mit seinem Werk auch in der Schule?

Lars Eidinger: Ja, ich habe damals tatsächlich Arturo Ui in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ gespielt.

Genau. Wir hatten in der Schule Darstellendes Spiel. Ich habe am Ende auch eine Zensur bekommen, die ins Abitur eingeflossen ist.

Und wie wurden Sie benotet?

Während des Schauspielstudiums hat Brecht sicher auch eine Rolle gespielt?

Am Ende des Studiums hat Angelica Domröse bei uns eine Studioinszenierung gemacht. Kennen Sie die? Sie war in den 70er- und 80er-Jahren ein Star in der DDR. Es gibt diesen Film mit ihr und Winfried Glatzeder: „Die Legende von Paul und Paula“. Der ist echt super. Jedenfalls hat Angelica Domröse bei uns „Happy End“ von Dorothy Lane inszeniert. Es läuft unter „Dorothy Lane“, ist aber eigentlich ein Brecht-Stück. (Mittlerweile gilt Elisabeth Hauptmann als Autorin, Brecht hatte das Projekt an sie übergeben. Er selbst steuerte die Texte zu Kurt Weills Liedern bei; Anm. d. Red.) Da habe ich mitgespielt zusammen mit Nina Hoss, Devid Striesow und Mark Waschke.

Sie hatten also schon Brecht-Stücke gespielt. Mit welchen Gefühlen sind Sie die Rolle des berühmten Theatermachers selbst angegangen?

Das war nicht so, dass ich sofort gedacht habe: Den muss ich spielen! Ich hatte erst einmal Skrupel. Brecht ist ein echter Held von mir. Ich orientiere mich an ihm. Das wollte ich mir nicht kaputt machen, indem ich mir anmaße, Brecht zu spielen und es gelingt mir dann nicht. Was mir dann geholfen hat, war Brechts Lehre selbst: Es ging mir weniger darum, ihn zu imitieren, sondern darum, ihn zu interpretieren.

Ich habe Kollegen, die können super andere Leute nachmachen. Ich kann das nicht. Brecht hat ja aber gerade gesagt: „Zeigt, dass ihr zeigt.“ Er wollte das Prozesshafte der Schauspielerei ausstellen. Es ging mir also nicht um die perfekte Illusion, ich musste nicht zu Brecht werden. Viel interessanter ist es doch vielleicht umgekehrt, einem Schauspieler dabei zuzusehen, wie er Brecht spielt.

Jetzt spricht Ihr Brecht nur in Zitaten.

Eidingers Brecht spricht in Zitaten.

Teilweise sind es Zitate aus mitnotierten Gesprächssituationen wie Interviews. Das war dann nicht so schwer. Aber teilweise entstammen die Zitate auch Brechts schriftlich verfasster Lehre. Das sind komplexe Gedanken. Da ist es natürlich schwierig, die als Schauspieler so zu verkaufen, als würden sie sich in dem Moment entspinnen. Beim Film sagt man, man hört das Drehbuch rascheln, wenn man das Gefühl hat, da sagt einer einfach nur Text auf. Aber bei diesem speziellen Film ist das vielleicht gar nicht so schlimm. Brecht wollte den Zuschauer gerade nicht einlullen. Er sollte stattdessen analytisch auf das Gezeigte schauen. Deswegen hat er gesagt: „Glotzt nicht so romantisch!“. Ich musste die Illusion also gar nicht bedienen. Selbst wenn ich den Text einfach aufgesagt hätte: Der Inhalt wäre auch so transportiert worden.

„Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, wie wir durchsetzen“ oder „Die Widersprüche sind die Hoffnung“. Das sind Zitate aus dem Film, die in Erinnerung bleiben, auch weil sie sich so aktuell anfühlen. Aber sind sie auch wahr?

„Die Widersprüche sind die Hoffnung“ ist auf jeden Fall mein absolutes Lieblingszitat von Brecht. Es ist wie der Schlüssel zu allem – zu Brechts Persönlichkeit genauso wie zum Mensch sein im Allgemeinen. Das menschliche Sein folgt keiner Logik und es ist auch nicht stimmig, sondern fehlerhaft. Brecht war bekanntermaßen Antikapitalist und Kommunist. Und er hat Werbung für eine große Autofirma gemacht. Das auszuhalten und zu sagen: Genau das macht den Menschen aus! Das imponiert mir. Der Widerspruch ist nicht das Ende eines Gedankens, sondern der Anfang.

Was beeindruckt Sie an Brecht am meisten?

Er hatte den Anspruch, freundlich zu sein. Wenn ich jetzt zu Ihnen sage: „Sie sind nett“, dann denken Sie sich: „Na toll.“ Man will nicht nett sein. Nett ist mittlerweile fast negativ konnotiert. Man will lieber aufregend sein, provokant, rebellisch oder so was. Aber Brecht hat die Menschen geliebt. Er war kein Zyniker! Die Welt heute ist extrem zynisch und menschenverachtend geworden.

Freundlich sein klingt gut. Gar nicht so leicht, wenn die Zustände zuweilen so düster scheinen, oder?

Es ist schlimm, dass sich die Geschichte immer wiederholt. Die rechtsextremen Tendenzen sind erschreckend. Da denkt man schon manchmal, der Mensch lerne nicht dazu. Als wäre man verdammt dazu, die gleichen Fehler immer wieder zu machen. Ich laufe natürlich total Gefahr, zum Zyniker zu werden. Ich verliere teilweise wirklich den Glauben an die Menschheit. Ich empfinde einfach nur Wut und Verzweiflung. Aber so war Brecht eben nicht!

Halten Sie Brecht für unterschätzt?

Mit Brecht ist es ein bisschen wie mit Galilei. Der hat gesagt: Die Erde ist nicht das Zentrum des Universums, sie kreist um die Sonne. Für die Aussage wurde er bestraft und gefoltert. So war es bei Brecht auch: Der hat es eigentlich schon gewusst und wir haben es überhört. Deswegen lohnt es, sich heute mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Bei Brechts Kunst geht es um Freiheit. Die haben die Nationalsozialisten durch ihre Propaganda und ihre Vorschriften, wie Kunst dargeboten werden muss, zerstört. Die wenigsten wissen, welchen Einfluss die Lehren des Propagandaministeriums noch heute haben. Goebbels diktiert viel mehr, wie wir Filme machen, als Brecht.

Zu Beginn Ihrer Kino-Karriere haben Sie immer sehr selbstbewusst von Ihrem Talent als Schauspieler gesprochen. Jetzt sind Sie wohl so populär wie nie zuvor. Bestätigt Sie das in Ihrer Selbstsicherheit?

Weil ich gesagt habe: „Ich bin der größte Schauspieler der Welt!“? Ich habe das damals ja nur gemacht, um zu thematisieren, dass man als Schauspieler immer zweifelt – oder als Mensch. Das hört auch nicht auf. Es wäre vermutlich schrecklich, wenn die Zweifel auf einmal weg wären. Im Grunde sind sie es ja, die einen antreiben. Ich habe natürlich nie gedacht, dass ich der größte Schauspieler der Welt bin. Aber ich habe gedacht, ich könne es ja einfach mal behaupten. Wenn einer sagt, er könne fünf Meter hoch springen, muss er das unter Beweis stellen. Bei meiner Arbeit ist es schwierig, Kriterien der Messbarkeit zu finden.

Was ist mit positiven Kritiken? Fans?

Ich fühle mich in gewisser Weise geschmeichelt, befriedigt und auch bestätigt durch das Feedback. Aber es ist ja nicht so, dass mich alle toll finden. Es gibt auch viele Leute, die mich nicht mögen. Man muss lernen, mit Prominenz umzugehen. Je populärer man ist, desto schärfer wird auch das Bild, das die Leute von einem haben. Das existiert losgelöst von der eigenen Persönlichkeit. Die Zeitungen schreiben: Der ist ein Egozentriker und eine Rampensau. Eben hat mich eine Journalistin einen Sexgott genannt … Man darf nicht den Fehler machen, auf seinen eigenen Hype reinzufallen und zu seinem eigenen Klischee zu verkommen. Ich kann mit meinem Image leben, aber es entspricht mir nicht.

Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, Sie würden sich oft mit Zwanzigjährigen identifizieren. Warum denn das?

Ich würde mal behaupten, dass das nicht nur mein Problem ist. Irgendwann beginnt man auszublenden, dass der Körper zerfällt. Man sieht sich weiter so wie früher einmal und bleibt irgendwie bei einem gewissen Alter stehen. Es gibt doch diesen Laden, Forever21. Als ich neulich daran vorbeigelaufen bin, habe ich gedacht: Eigentlich wollen alle für immer 21 bleiben. Da bin ich ja nicht alleine mit, oder?

Mit Lars Eidinger sprach Anna Meinecke

„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ läuft derzeit im Kino.



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Abi-Krawalle: Sind G8-Schüler bei Reifeprüfung zu unreif?

Sind das die Folgen von G8? Sind Abiturienten wegen der Schulzeitverkürzung zu jung und zu unreif? Oder sind dies die Auswüchse von „Wohlstandsverwahrlosung“? Nach der Abitur-Randale in Köln hat die Ursachenforschung begonnen. Manche Experten machen es sich dabei allerdings zu leicht.

Bis zu 200 Schüler gingen aufeinander los, zwei wurden schwer verletzt – die Gewaltexzesse rund um das Kölner Humboldt-Gymnasium in der Nacht vom 14. auf den 15. März werfen einen Schatten auf den Abiturjahrgang 2016. Die Kölner Oberbürgermeisterin, Henriette Reker, bringt auf den Punkt, was viele denken: „Früher sprach man von einem „Reifezeugnis“, hier aber ist die Unreife offenkundig.“

Vermerk im Abizeugnis?

Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, empfiehlt härtere Strafandrohungen, wenn Schüler derart über die Stränge schlagen. „Die schlimmste Sanktion wäre ein Vermerk im Abiturzeugnis, dass es da gewisse Vorfälle in der Schullaufbahn gab.“ Offen sei, ob eine solche Strafe vor Gerichten Bestand hätte.

Schüler wetteifern um die heftigste Abi-Party

Meidinger sieht generell einen „Niveauverlust“ bei vielen Scherzen und sogenannten „Motto-Wochen“ angehender Abiturienten. „Abi-Streiche gibt es ja seit den 70er Jahren, teilweise waren sie auch schon früher nicht immer freundlich“, sagt Meidinger. „Aber was jetzt passiert, ist etwas Anderes: Welche Schule toppt die andere, und zwar nicht bei Intelligenz oder Feinsinnigkeit des Abiturscherzes, sondern in der Heftigkeit.“

Folge von G8: unreif zur Reifeprüfung

Meidinger vermutet: „Vielleicht liegt es daran, dass die Schüler bei der Reifeprüfung zu jung sind. Dass G8-Schüler teilweise schon mit 17 ihr Abi machen, hat die persönliche Reife sicher nicht befördert.“ 

Seit dem G8-Start vor rund 15 Jahren werden die Ergebnisse mit Spannung beobachtet. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ermittelt, dass die Reform das Durchschnittsalter der Abiturienten statistisch um 10,3 Monate reduziert hat. Bei einer Einschulung mit fünf Jahren ist ein Schüler – und das gar nicht so selten – beim Abitur erst 17, also noch nicht einmal volljährig.

Den Eindruck einer Gymnasiallehrerin, dass „in dieser Lebensphase ein Jahr eine ganze Welt bedeuten kann“, bestätigt der Bildungsforscher Marko Neumann. Allerdings lasse sich persönliche Reife kaum messen. „Es gibt natürlich die Klagen von Hochschullehrern, dass Abiturienten, die jetzt in die Hörsäle strömen, unreifer sind. Aber empirisch belastbar ist das nicht“, sagt der Abitur-Experte des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF).

Abi-Randale als Zeichen von „Wohlstandsverwahrlosung“?

Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) untersuchte Daten von 2005 bis 2012 – mit dem Ergebnis, „dass G8 extrovertiertere, aber emotional weniger stabile Abiturienten hervorbringt“. DIPF-Experte Neumann warnt allerdings davor, daraus für Fälle wie Köln zu viel abzuleiten: „Es gibt doch auch gesamtgesellschaftliche Aspekte. Jugendliche wachsen heute anders auf als früher, auch so verändern sich Persönlichkeitsmerkmale. Es ist also schwierig, nun alles auf den Faktor Schulzeitverkürzung zurückzuführen.“ Auch Kölns Oberbürgermeisterin Reker bringt den Begriff „Wohlstandsverwahrlosung“ ins Spiel.

Schulstress ist keine Ausrede fürs Ausflippen

Hat denn der von Schülern und Eltern beklagte Stress durch eine verkürzte Gymnasialzeit tatsächlich zugenommen? Es gebe „klare Hinweise, dass sich größere Belastungen bei G8-Schülern zeigen“, sagt Neumann. Als Ausrede fürs Ausflippen bei der Abi-Feier sei der G8-Stress gleichwohl inakzeptabel. 

Nicht erst seit den Kölner Ausschreitungen wird über Sinn und Unsinn von Abi-Scherzen, „Mottowochen“ und Saufgelage vor Abschlussprüfungen diskutiert. Die Bonner Kulturwissenschaftlerin Katrin Bauer sagt, dass Schulen die Abi-Gags in den vergangenen Jahren stärker reglementiert hätten, nicht zuletzt wegen Vorfällen mit Alkohol. Abiturienten müssten teilweise Verträge unterschreiben und würden für eventuelle Schäden haftbar gemacht. Teilweise seien Abi-Gags verboten oder abgesagt worden.

An anderen Gymnasien registrieren Schulleiter hingegen, dass viele Schüler wegen der anstrengenden Prüfungen zu erschöpft für Abi-Scherze waren. Bildungsforscher Neumann fände eine solche Entwicklung „ein Stück weit schade, weil es ja ein Teil der Schultradition ist. Man kann nur hoffen, dass bei künftigen Abi-Generationen für moderate, kreative Scherze noch genügend Kraft ist.“ 

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Jugendliche begehen 36 Einbrüche

EsslingenJugendliche begehen 36 Einbrüche

 Foto: dpa (Symbolbild)

Esslingen – 15 Einbrüche in Kirchheim und 21 Einbrüche in Nürtingen seit Ende des vergangen Jahres sollen auf das Konto von neun polizeibekannten Jugendlichen gehen, die die Polizei jetzt ermittelt hat. Die Tatverdächtigen gingen zu zweit oder zu dritt in wechselseitiger Besetzung vor. Durch ihre brachiale Vorgehensweise richteten sie Sachschaden in Höhe von etwa 35.000 Euro an. Die Jugendlichen klauten hauptsächlich Bargeld. Der Gesamtwert ihrer Beute beläuft sich auf etwa 5000 Euro.

Wie die Polizei mitteilte, brachen am Montagabend drei Jugendliche in das Markthaus am Stadtplatz in Wernau ein. Einer der Tatverdächtigen verlor auf der Flucht seinen Geldbeutel. In derselben Nacht konnten das Trio im Autohof Kruichling in Kirchheim beim Verzocken der Beute an einem Geldspielautomaten festgenommen werden. Die drei mutmaßlichen Einbrecher im Alter von 16 und 19 Jahren stammen aus Kirchheim. Weitere Recherchen führten die ermittelnden Beamten auf die Spur von sechs weiteren Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren aus Nürtingen, die ebenfalls in Geschäfte in den beiden Städten eingebrochen waren.

Ein 16-Jähriger, der schon einmal in Haft saß, wurde erneut inhaftiert. Die Ermittlungen nach weiteren Tatverdächtigen dauern an.

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Kriminelle junge Flüchtlinge sollen in geschlossene Einrichtung

Bremen und Hamburg wollen straffällig gewordene junge Flüchtlinge künftig in einer neuen geschlossenen Einrichtung unterbringen. Diese soll bis Ende 2017 auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses im Bremer Blockland entstehen. Beide Bundesländer sollen nach Plänen der Bremer Landesregierung jeweils 16 Plätze belegen. Die Einrichtung richte sich an Jugendliche, bei denen alle anderen Instrumente der Jugendhilfe versagten, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag. Dabei handelt es sich nach Angaben des Innenressorts um eine Gruppe von etwa 50 Migranten, die hauptsächlich aus den Maghreb-Staaten stammten. Ein Drittel aller von Jugendlichen in Bremen begangenen Straftaten gingen auf ihr Konto.

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Haftbefehl erlassen: 17-Jähriger soll Anschlag geplant haben


In Hessen wird gegen einen 17-jährigen Deutschen ermittelt, der einen islamistischen Anschlag geplant haben soll. Der Jugendliche hat offenbar den Bau einer Bombe mit hochexplosivem Sprengstoff vorbereitet. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Weil er einen islamistisch motivierten Anschlag im Rhein-Main-Gebiet geplant und vorbereitet haben soll, ist ein 17-jähriger Deutscher aus dem hessischen Florstadt im Wetteraukreis festgenommen worden. In der Vernehmung durch den Haftrichter habe der Jugendliche die Pläne gestanden, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main heute mit. Ihm wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat mit hochexplosivem Sprengstoff vorgeworfen.

Der junge Mann soll sich laut Staatsanwaltschaft eine Anleitung zum Bau einer Bombe besorgt haben. Außerdem soll er versucht haben, über einen Internetversand Chemikalien für den Sprengstoff Triacetontriperoxid zu bestellen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler nach eigenen Angaben geringe Mengen von Bestandteilen, die zum Bau einer Bombe geeignet gewesen wären.

Den Hinweis auf den Jugendlichen bekamen die Ermittler vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Festnahme erfolgte den Angaben zufolge bereits am 1. September. Am Folgetag wurde Haftbefehl erlassen. Seither sitzt der Jugendliche in Untersuchungshaft. Das hessische Landeskriminalamt übernahm die weiteren Ermittlungen.



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Jugendliche mit Messer bedroht

Blaulicht vom 8. MärzJugendliche mit Messer bedroht

Symbolbild Foto: dpa

Stuttgart-Nord: In der Friedhofstraße an der Stadtbahnhaltestelle Pragfriedhof haben zwei unbekannte Jugendliche am Montag zwei 16-jährige Jungen mit einem Messer bedroht und ein Handy im Wert von rund 300 Euro gestohlen. Anschließend flüchteten sie in Richtung Nordbahnhof. Die beiden aus Ludwigsburg stammenden 16-Jährigen erstatteten erst später Anzeige bei der Polizei an ihrem Wohnort.

Die 16-Jährigen waren laut Angaben der Polizei mit ihren Skateboards in Richtung Nordbahnhof unterwegs und wurden an der Stadtbahnhaltestelle Türlenstraße von den Tätern angesprochen, nach ihren Handys gefragt und aufgefordert, sie herauszugeben. Alle vier Jungen fuhren anschließend mit der Stadtbahn bis zur Haltestelle Pragfriedhof und stiegen dort aus. Als einer der 16-Jährigen sein altes Handy zurückbekam und der andere sein neues hochwertiges Handy zurückforderte, nahm einer der Täter plötzlich ein Messer in die Hand und bedrohte die beiden Jungen. Anschließend rannten sie mit ihrer Beute in Richtung Nordbahnhof davon. Die Ermittlungen nach den Tätern haben die Beamten des Dezernats für Jugenddelinquenz übernommen.

Die gesuchten Jungen sind 14 bis 15 Jahre alt, zirka 170 Zentimeter groß und südländischer Abstammung. Einer trug eine blaue Kapuzenjacke mit rotem Aufdruck im Schulterbereich, Bluejeans und goldfarbene Schuhe der Firma Nike. Der Junge mit dem Messer trug eine weiße Kapuzenjacke und Bluejeans. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0711/8990-5461 entgegen.

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Kriminelle junge Flüchtlinge sollen in Spezialeinrichtung

Bremen und Hamburg wollen straffällig gewordene junge Flüchtlinge künftig in einer neuen geschlossenen Einrichtung unterbringen. Diese soll bis Ende 2017 auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses im Bremer Blockland entstehen. Beide Bundesländer sollen nach Plänen der Bremer Landesregierung jeweils 16 Plätze belegen. Die Einrichtung richte sich an Jugendliche, bei denen alle anderen Instrumente der Jugendhilfe versagten, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag.

Dabei handelt es sich nach Angaben des Innenressorts um eine Gruppe von etwa 50 Migranten, die hauptsächlich aus den Maghreb-Staaten stammten. Ein Drittel aller von Jugendlichen in Bremen begangenen Straftaten gingen auf ihr Konto.

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Jugendliche drohen Schüler anzuzünden

SinsheimJugendliche drohen Schüler anzuzünden

 Foto: dpa (Symbolbild)

Sinsheim – Um Geld zu erpressen, haben drei Jugendliche in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) einen 14-Jährigen mit Diesel übergossen und zur Einschüchterung ein Feuerzeug entzündet. Erst als Zeugen auf die Hilferufe des Jungen aufmerksam wurden, ließen die drei von ihrem Opfer ab und flüchteten, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag mit. Der mutmaßliche 16-jährige Haupttäter sitzt seit Dienstag wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und versuchter schwerer Körperverletzung in Untersuchungshaft.

Er soll am vergangenen Montag nach dem Unterricht mit zwei Freunden im Alter von 14 Jahren den Schüler der achten Klasse verfolgt und ihn an einem Lieferanteneingang eines Einkaufszentrums angegriffen haben. Die drei forderten zunächst Geld. Um ihre Forderung zu untermauern, überschütte einer der drei den Jungen mit dem Kraftstoff aus einem Kanister, den sie dort gefunden hatten. Der 16-Jährige soll daraufhin noch ein Feuerzeug entzündet haben.

Die Täter wurden etwa eine Stunde in ihren Wohnungen gestellt. Die beiden 14-Jährigen kamen wieder frei. Die Ermittlungen dauern an.

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Umfrage zu Bildungs-Wünschen: Sexuelle Belästigung als Unterrichtsthema


Erwachsene und Jugendliche sind sich einig: Sexuelle Belästigung muss im Unterricht thematisiert werden. Außerdem soll es schon in Bildungseinrichtungen vor der Schule um Geschlechterunterschiede gehen.

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet einer Umfrage zufolge die Behandlung des Themas sexuelle Belästigung in den Schulen. Wie aus dem in München veröffentlichten Bildungsbarometer des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo hervorgeht, sehen 45 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer sexuelle Belästigung in Deutschland als ernsthaftes Problem. Jeweils drei Viertel der Befragten sind dafür, dass im Schulunterricht Themen wie Gleichstellung, Gewalt von Männern gegenüber Frauen und sexuelle Belästigung behandelt werden.

68 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer befürworten es außerdem, wenn bereits in Kindergärten darauf geachtet würde, keine geschlechtsspezifischen Rollenbilder zu vermitteln. So können zum Beispiel Bücher verwendet werden, in denen Frauen und Männer gleichermaßen dieselben Hausarbeiten verrichten.

Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der Befragten dafür ist, dass Lehrkräfte in ihrer Aus- und Fortbildung lernen, wie sie im Unterricht besser auf Geschlechterunterschiede eingehen können. Getrennten Unterricht für Jungen und Mädchen in Mathematik und Sprachen sowie den Ausbau von getrennten Schulen lehnt die deutliche Mehrheit hingegen ab.

Die meisten würden sich indes wünschen, dass der Frauenanteil in IT-Berufen und der Männeranteil in Pflegeberufen steigen. In Deutschland liegt der Frauenanteil in IT-Berufen wie Informatik oder Programmierung derzeit bei etwa 16 Prozent, der Männeranteil in Pflegeberufen bei etwa 17 Prozent. Befragt wurden für das Bildungsbarometer insgesamt mehr als 4000 Erwachsene.

Schulnoten sollen bleiben

Erstmals befragte das ifo-Bildungsbarometer auch tausend Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Auch hier ist eine deutliche Mehrheit der Mädchen und der Jungen dafür, dass Themen wie Gleichstellung von Mann und Frau, Gewalt und sexuelle Belästigung im Unterricht behandelt werden.

Außerdem sind die Jugendlichen ähnlich wie die Erwachsenen demnach mehrheitlich für die Einführung von deutschlandweit einheitlichen Abschlussprüfungen, für einheitliche Vergleichstests in verschiedenen Jahrgangsstufen, gegen die Abschaffung von Schulnoten und für Klassenwiederholungen bei schlechten Leistungen. Im Gegensatz zu den Erwachsenen würden die Jugendlichen aber eher zusätzliche Lehrmittel anschaffen als Klassen zahlenmäßig verkleinern.



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Michael Schulte-Markwort spricht über unglückliche Superkids

Nie waren Kinder so umsorgt, so selbstbewusst und so reflektiert wie heute. Gleichzeitig klagen sowohl Kinder als auch Eltern über die Anforderungen, die heute an sie gestellt werden. Professor Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, erklärt, wie wir uns aus der Optimierungsfalle befreien können.

Der zweifache Vater Schulte-Markwort spricht in seinem neuen Buch von „Superkids“, die allerdings darunter leiden, dass sie immer perfekt und erfolgreich sein sollen.

t-online.de: Der Untertitel ihres Buches heißt „Warum der Erziehungsehrgeiz unsere Familien unglücklich macht“. Ist es nicht positiv, wenn Eltern sich bemühen, ihrem Kind das Beste zu ermöglichen?

Michael Schulte-Markwort: Natürlich ist das positiv und ich freue mich auch sehr darüber, dass ich heute Eltern eher bremsen muss. Sie kommen viel eher. Früher mussten wir den Eltern immer wieder sagen: Fühlt Euch ein in Eure Kinder, seid näher dran. Insofern ist das eine gute Entwicklung. Aber ich glaube, dass Erziehung ebenfalls unter dem Zwang der Optimierung steht. Eltern sind ratlos, weil sie angesichts der unglaublich vielen Angebote nicht mehr herausfinden, was gut ist für ihr eigenes Kind. Sie trauen sich nicht mehr, sich auf ihre Intuition zu verlassen.

Immer wieder hört man, Eltern hätten ihre Intuition verloren, würden mehr auf Ratgeber denn auf ihre innere Stimme hören.

Grundsätzlich sehe ich heute schon viel mehr Einfühlungsvermögen. Aber die Eltern sind verwirrt. Bei der Erziehung geht es nicht um richtig oder falsch, es geht um angemessen. Und man muss sich trauen, Grenzen zu setzen. Einzig die Eltern sind die wahren Experten für ihr Kind. Ich frage dann immer: Was würde Sie sagen, was ist der nächste richtige Schritt? Wenn ich Eltern ermuntere, sich darauf zu besinnen, trauen sie sich oft auch mehr.

Welche Gefahr birgt es, Superkids zu erziehen?

Noch nie waren Kinder so gut begleitet. Aber ich beobachte auch, dass Eltern heute die Trainer ihrer Kinder sind und sich mit anderen Trainern darüber austauschen, welche Trainingsmethode die erfolgreichste ist. Es scheint, als müsste man beweisen, dass man sich um eine optimale Förderung gekümmert hat. Doch dieser Wunsch ist Chance und Fluch zugleich.

Schwierig wird es, wenn die elterlichen Förderimpulse und die kindlichen Möglichkeiten nicht zusammenpassen. Dann werden die Kinder und Jugendlichen zu hyperangepassten Leistungsträgern. Sie lassen sich wie Marshmallows eindellen und verbiegen, um möglichst leicht und rosa zu wirken. Und sind dabei unglücklich.

Aber auch das Gegenteil – „Bullerbü“, die ideale Kinderwelt – kommt in Ihrem Buch nicht gut weg. Warum?

Viele glauben, man müsste nur die Bedingungen von damals wieder herstellen und dann ist alles gut. Die Kinder sind draußen an der frischen Luft, regeln ihre Konflikte  untereinander und kommen abends glücklich und müde nach Hause. Unter modernen Aspekten wäre „Bullerbü“ aber eine Form der Vernachlässigung. Kindheit ist heute verhäuslicht. Das kann man beklagen, man kann es aber auch positiv sehen.

Frei nach dem Motto: Kinder bereiten sich im Spiel auf ihr späteres Leben vor? Und das ist heute nun mal anders als zu „Bullerbü“-Zeiten?

Auf jeden Fall. Kinder sind wissbegierig, und dabei gehen sie auch mit den Medien viel entspannter um als wir es tun. Sie sind damit aufgewachsen und werden diese Fähigkeiten später auch brauchen. Aber natürlich wollen sie sich auch bewegen, brauchen frische Luft. Brauchen Räume, in denen sie unbeobachtet sind. Es ist wie bei der Ernährung: Die Mischung macht es. 

Man muss Kinder auch einmal laufenlassen und dabei nicht mit einer App verfolgen. Kontrolle ist gut, aber Vertrauen ist besser. Sonst entstehen keine Beziehungen, kein Selbstbewusstsein. Es genügt, wenn ein Kind einen freundlich liebevollen Blick in seinem Rücken weiß.

In vielen Familien scheint alles nach Plan zu verlaufen: Musikunterricht, Sport, Schulwahl, Harmonie bis ins Erwachsenenalter hinein. Es scheint, als bräuchten diese Superkids gar keine Abnabelungsphase mehr.

Pubertät hat sich tatsächlich gewandelt. Die Spannkraft, die sie vor zwanzig Jahren noch hatte, gibt es in dieser Form nicht mehr. Viele Jugendliche fühlen sich ausreichend geliebt und verstanden, ihre Eltern warten vergebens darauf, dass es zu Protest und Provokation kommt.

Natürlich entstehen Autonomie und Identität dadurch, dass man sich von den Eltern ablöst. Das ist nach wie vor eine schwere Aufgabe, aber man muss es nicht mit einem Knall machen. Das ist auch persönlichkeitsabhängig. Zu uns kommen aber auch häufig Jugendliche, die sich fremdgesteuert fühlen und erst sehr spät in ihrer Pubertät, die ja bis zum 25. Lebensjahr dauern kann, dagegen protestieren.

Wenn wir alle Superkids haben, warum machen es sich Eltern gegenseitig so schwer?

Das ist ein Phänomen, das mit dem Optimierungsdruck zu tun hat. Das hat es tendenziell schon immer gegeben, nur die Themen waren andere. Viele Eltern leiden darunter, können es aber nur schwer abstellen. Wer kann sich schon dem Leistungsdruck entziehen und sagen: Mein Kind braucht nicht gut zu sein. Denn „gut“ heißt immer Lebenserfolg und der wiederum ist vielfach gleichgesetzt mit dem Schulabschluss und der Leistungsfähigkeit.

Die Währung, mit der unsere Kinder unsere Bemühungen „bezahlen“, ist also ihr Erfolg?

Im Prinzip ja. Eltern, deren Kinder diesen Erfolg nicht haben, brauchen oft Trost. Wir versuchen dann mit ihnen herauszufinden, was das individuelle Profil ihres Kindes ist, was es gut kann, was möglich ist. Schließlich müssen es nicht immer Abitur und Studium sein. Man kann auch mit einem Lehrberuf erfolgreich und zufrieden sein.

Wann ist der richtige Moment, ein Kind loszulassen?

Wahrscheinlich viel später als man bisher dachte. Je genauer man an den jungen Menschen dranbleibt, desto mehr Zeit brauchen sie. Aus der Praxis kann ich sagen, dass gerade die jungen Erwachsenen bisher unversorgt waren. Für die Kinderstation waren sie zu groß, für die Erwachsenenstation zu jung. Es ist also eine wichtige klinische Erfahrung, dass wir uns dieser Phase mehr zuwenden müssen, im Sinne von „fürsorglich hinschauen“. 

Es ist also nicht mehr zeitgemäß, die Kinder mit 18 in ihr eigenes Leben zu entlassen? Ist also der Begriff „Hotel Mama“ viel zu negativ besetzt?

Es ist doch nicht schlecht, wenn sich ein junger Mensch zu Hause wohlfühlt, seine Zeit braucht, einen verständnisvollen, unterstützenden Raum, um zu reifen und seine Persönlichkeit zu entwickeln.  Wir leben in einer Zeit, in der wir viele Fragen stellen. Da sollten wir uns auch die Frage stellen, wie unsere Kinder aufwachsen sollen, welche Werte wir ihnen vermitteln wollen.

Viele beklagen, die Kinder von heute würden immer ernsthafter. Stimmt das denn?

Die Kinder heute sind anders als früher, viel reflektierter. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Gedanken sie sich machen, welche Fragen sie stellen. Begegnet man ihnen voller Respekt auf Augenhöhe, dann entstehen Entwicklungsräume. Aber es stimmt, die Kinder werden ernster.

Unsere Welt hat sich verändert und Ernsthaftigkeit kann ja auch Spaß machen. Mit Kindern ernsthaft in Kontakt sein ist eine eigene Form von Lebensfreude. Das darf man nicht verwechseln mit Traurigkeit. Wichtig ist, sich auf die Ebene einzulassen, auf der das Kind sich gerade befindet: das eigene Vokabular anpassen ohne kindisch zu werden, das Kind ernst nehmen, auf es eingehen und sich interessieren für das, was es tut.

Und so findet man die Balance zwischen Fördern und Fordern?

Das Geheimnis ist Beziehung statt Erziehung. Das ist bei Erwachsenen nicht anders, da fragt man sich doch auch, was trägt uns gemeinsam, was wünsche ich mir von Dir, was kannst Du von mir erwarten. Dafür gibt es keine Patentrezepte. Kinder sind keine Arbeitsabläufe, die man „effektiver“ machen kann. Sie sind dynamische Wesen, die nur in der liebevollen Beziehung zu uns so wachsen können, dass sie eine gute Entwicklung nehmen.

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