Kategorie -Jugendliche

Hunderte Jugendliche prügeln sich ohne ersichtlichen Grund

In einem Dorf in Rheinland-Pfalz ist ein Fastnachtsabend eskaliert. Rund 150 Jugendliche beteiligten sich an einer Massenschlägerei. Die Polizei rätselt über die Ursache.

Drei Stunden hat die Polizei gebraucht, um nach einem Fastnachtsumzug im Kreis Bernkastel-Wittlich (Rheinland-Pfalz) eine teils aggressive Gruppe von 150 bis 200 Jugendlichen unter Kontrolle zu bringen. Immer wieder sei es am Samstagabend in Rivenich zu Schlägereien gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Sechs Menschen kamen ins Krankenhaus, gegen drei junge Männer wird wegen Körperverletzung ermittelt.

„Es war absolut unübersichtlich“, sagte der Polizeisprecher. Nachdem der „Nachtumzug“ in dem 700-Einwohner-Ort Rivenich an sich friedlich verlaufen sei, sei die Situation vor der Veranstaltungshalle gegen 21.30 Uhr eskaliert. Flaschen und Feuerwerkskörper wurden geworfen. Laut Polizei waren die Jugendlichen teils stark alkoholisiert und aggressiv. „Woran sich das entzündet hat, wissen wir auch nicht“, erklärte der Sprecher.

Die Polizei war mit sieben Streifenwagen im Einsatz. Die Polizisten sprachen zahlreiche Platzverweise aus. Die alarmierten Feuerwehrleute und Rettungskräfte hätten sich von der Aggressivität schockiert gezeigt, sagte der Polizeisprecher.

Verwendete Quellen:

  • dpa

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Was Jugendlichen im Leben wichtig ist

Gute Freunde haben, Erfüllung im Beruf oder politisch engagiert sein? Was ist Jugendlichen wichtig? Welche Werte und Lebensziele haben sie? Das Bundesumweltministerium wollte das mit einer Studie herausfinden.

Stabile soziale Bindungen stehen für Jugendliche an erster Stelle. Das ist ein Ergebnis der Studie „Zukunft? Jugend fragen!“ des Bundesumweltministeriums. Einen Partner oder eine Partnerin zu haben, dem oder der man vertrauen kann, außerdem gute Freunde, die einen anerkennen, und ein gutes Familienleben sind für junge Menschen Werte, die sie anstreben.

Privater Rückhalt ist Jugendlichen wichtig

Das heißt, sie wollen sich in verlässlichen persönlichen Beziehungen aufgehoben fühlen. „Diese herausragende Bedeutung von privatem Rückhalt ist angesichts einer Welt, die von krisenhaften und nicht vorhersehbaren Entwicklungen geprägt ist und in der sich soziale und wirtschaftliche Strukturen rasch wandeln, nicht überraschend“, heißt es dazu in der Studie. Einen sichereren Hafen würden dann eben vor allem die persönlichen Beziehungsstrukturen bieten.

Aber auch Unabhängigkeit, eine gute Ausbildung und das Leben in vollen Zügen genießen zu können ist für junge Menschen demnach wichtig.

 (Quelle: Statista GmbH) (Quelle: Statista GmbH)

Die meisten jungen Menschen sind offen für Neues

Für eine überwältigende Mehrheit der jungen Menschen ist es zudem wichtig und richtig, die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren. Insgesamt 90 Prozent der Befragten finden dies „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Dabei hat ein Drittel der Teilnehmer der Befragung selbst einen Migrationshintergrund – sie selbst oder ihre Eltern kommen also aus einen anderen Land. Viele haben ausländische Freunde oder sind mit den Gepflogenheiten in anderen Ländern durch Reisen beziehungsweise Auslandsaufenthalte gut vertraut.

Wie die Grafik zeigt, sind die Befragten auch offen für Neues: So ist es nur wenigen der Befragten wichtig, an Althergebrachtem festzuhalten. 90 Prozent möchten hingegen immer wieder neue Erfahrungen machen können.

Wie die Studie ablief

Die Studie hat darüber hinaus ergeben, dass das Kennenlernen und Entdecken fremder Länder und Kulturen sowie Abenteuer jungen Menschen wichtiger als das neueste Smartphone oder trendige Klamotten. Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) bewertete es als persönlich sehr wichtig, viele Reisen zu unternehmen und viel zu erleben. Die neuste Technik und Kleidung der neuesten Mode finden dagegen nur 18 beziehungsweise 13 Prozent sehr wichtig.

Für die repräsentative Studie waren im Sommer 2017 mehr als 1.000 Teilnehmer zwischen 14 und 22 Jahren online befragt worden. Nach Angaben des Ministeriums war die Zielgruppe auch an der Erstellung der Studie sowie an ihrer Auswertung beteiligt.

Verwendete Quellen:

  • Studie „Zukunft? Jugend fragen!“
  • Statista
  • dpa
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Drei Jugendliche sterben bei Fahren ohne Führerschein

Drei Jugendliche im Alter von 14,15 und 17 Jahren sind in der Nacht zu Samstag bei illegalen Touren ohne Führerschein in Niedersachsen ums Leben gekommen. 

Im ostfriesischen Westrhauderfehn sind zwei Jugendliche ohne Führerschein mit einem Auto in einem Kanal verunglückt. Beide starben. Auch im Kreis Rotenburg kam ein 17-Jähriger bei einer unerlaubten Fahrt ohne Führerschein ums Leben.

Das mit dem 14- und dem 15-Jährigen besetzte Auto in Ostfriesland sei mittig über einen Kreisverkehr gefahren, dann nach links von der Fahrbahn abgekommen und schließlich in den Kanal gestürzt, teilte die Polizei mit. Weil das Fahrzeug dabei noch einen Teil des Brückenpfeilers traf, habe es sich gedreht und sei mit dem Dach im Wasser gelandet. Die beiden Jungen konnten nur noch tot aus dem Fahrzeug geborgen werden. Laut Sprecher hatten die beiden Jugendlichen sich unerlaubt das Auto der Eltern des 14-Jährigen für die Spritztour genommen.

Das habe auch der 17-Jährige getan, der im Kreis Rotenburg verunglückte und starb, teilte die Polizei dort mit. Der Jugendliche kollidierte in Visselhövede mit einem an der Straße abgestellten Kranwagen. Er wurde noch schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, starb aber bald darauf. Wahrscheinlich war er zu schnell unterwegs und stand unter Alkoholeinfluss. Einen Führerschein hatte er nicht.

Quelle:
– dpa

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So sieht Gewalt an Schulen typischerweise aus

Gewalt unter Schülern kann sich in verschiedenen Formen ausdrücken. Verbale und psychische Gewalt wie Beschimpfungen, böse Kommentare, Mobbing oder Gerüchte sind Schulforschern der Universität Potsdam zufolge am weitesten verbreitet. Seltener gebe es physische Aggression wie Schläge oder Gewalt gegen das Leben.

Die jüngste Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt für Deutschland im Schuljahr 2013/14 fest, dass rund 8 Prozent der 11- bis 15-Jährigen regelmäßig Opfer von Gewalt wurden – von verbal bis physisch.

Bei einem Vergleich mit der HSBC-Studie von 2002 zeigt sich, dass die Anzahl derjenigen Schüler anstieg, die weder Gewaltopfer noch Täter waren: von 74 Prozent auf 83 Prozent.

Fast zehn gewaltbedingte Unfälle auf 1.000 Schüler

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) errechnete in ihrer jüngsten Erhebung von 2014, dass 9,57 gewaltbedingte Unfälle auf 1.000 Schüler kommen. Im Jahr 2000 waren es noch knapp 14. Die DGUV verzeichnete zuletzt einen kontinuierlichen Rückgang. Zu etwa 70 Prozent waren Jungen betroffen. Laut Versicherern kam es am häufigsten an Hauptschulen zu gewaltbedingten Unfällen, am seltensten an Grundschulen und Gymnasien.

Die Potsdamer Forscher weisen aber darauf hin, dass wegen nur weniger repräsentativer Trendanalysen nicht abschließend gesagt werden könne, ob Gewalt an Schulen zuletzt abgenommen habe oder nicht.

Quelle:
– dpa

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Verrohung und Gewalt: Ab wann ist ein Kind „unbeschulbar“?

Nach der Gewalttat von Lünen wird klar: Der mutmaßliche Täter war der Polizei bekannt, der 15-Jährige galt als aggressiv und auch als „unbeschulbar“. Doch ab wann ist ein Jugendlicher eigentlich „unbeschulbar“? Und wie oft kommt das vor?

Sie stören massiv den Unterricht oder bedrohen andere Kinder, auch Lehrer sind da oft machtlos: Immer wieder gibt es Schüler, die in der regulären Schule einfach nicht zurechtkommen. Der Junge oder das Mädchen sei „unbeschulbar“ oder „nicht beschulbar“, heißt es dann.

So war es auch bei dem mutmaßlichen Messerstecher in Lünen bei Dortmund. Nach dem tödlichen Angriff auf einen 14-Jährigen in einer Gesamtschule teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in dieser Woche mit: „Nach Einschätzung der Sozialarbeiterin gilt der 15-Jährige als aggressiv und unbeschulbar.“ Unklar ist aber nach wie vor, wann ein Kind eigentlich „unbeschulbar“ ist.

„Unbeschulbar“ ist keine juristische Kategorie

Rein rechtlich ist die Sache erst einmal klar: „Juristisch gibt es die Kategorie unbeschulbar nicht“, sagt ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Schulministeriums. Denn es gilt die Schulpflicht: Laut Schulgesetz hat jeder Jugendliche ein Recht auf schulische Bildung – und auch eine Schulpflicht. Doch was, wenn Kinder sich einfach nicht in der Schule integrieren?

Fallen Jugendliche immer wieder negativ auf, greifen zunächst die „erzieherischen Maßnahmen“. Diese Maßnahmen zählt zum Beispiel Nordrhein-Westfalens Schulgesetz in Paragraf 53 auf. Die Lehrer ermahnen Schüler, sie bestellen die Eltern zum Gespräch ein, es gibt Gruppengespräche mit Schülern und Eltern, der Schüler wird einer Unterrichtsstunde verwiesen und es werden Förderpläne aufgestellt.

Es gibt verschiedene Ordnungsmaßnahmen

Erst wenn das nichts bringt, dürfen die „Ordnungsmaßnahmen“ eingesetzt werden. Auch hier gibt es wieder Eskalationsstufen: Es beginnt mit einem schriftlichen Verweis und der Versetzung des Schülers in eine Parallelklasse, und es reicht bis zur Entlassung aus der Schule oder im schlimmsten Fall dem Verweis von allen öffentlichen Schulen des Landes.

„Der Schulverweis ist für das Kind natürlich eine dramatische Maßnahme“, sagt Carolin Ischinsky. Sie ist Schulamtsdirektorin in Münster und zuständig für die Förderschulen. Soll ein Kind in ihrem Bereich der Schule verwiesen werden, muss sie zustimmen. Zu einem Schulverweis kommt es, wenn ein „wiederholtes und schwerwiegendes“ Fehlverhalten vorliegt. Außerdem werde die Vorgeschichte des Kindes berücksichtigt, das Ganze muss zudem verhältnismäßig sein. Eltern können gegen so eine Entscheidung klagen.

Schulverweise sind gar nicht so selten. Zwei Beispiele aus der Statistik: Im Regierungsbezirk Köln – dort leben etwa 4,3 Millionen Einwohner – wurden im Schuljahr 2016/2017 sogar 534 Schüler von einer weiterführenden Schule entlassen. Im Regierungsbezirk Arnsberg (3,6 Millionen Einwohner) waren es 237.

Was mit einem Jugendlichen passiert, der der Schule verwiesen wird

Wird ein Jugendlicher der Schule verwiesen, muss eine neue Schule für ihn gefunden werden. Hier helfe dann die Schulaufsicht, sagt Ischinsky. Dass ein Jugendlicher in letzter Zeit aller öffentlichen Schulen in NRW verwiesen wurde, die drastischste Ordnungsmaßnahme, war zumindest nicht bekannt.

Funktioniere der Regelschulunterricht einfach nicht, gebe es dann häufig auch den Versuch, die Kinder aus der Regelschule herauszunehmen. In Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe werde dann versucht, sie im Einzelunterricht oder in ganz kleinen Gruppen wieder fit für die Regelschule zu machen, erläutert Dorothea Schäfer, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW.

Aber nimmt die Zahl solcher Schüler in NRW zu? Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, hat zumindest den Eindruck: „Schon länger weisen wir darauf hin, dass Konflikte schneller und öfter eskalieren und mit derberen Mitteln ausgetragen werden“, teilte er am Mittwoch mit. Er fordert deshalb: Die Politik müsse die Gewalttat von Lünen zum Anlass nehmen, das Ausmaß an Verrohung und Gewalt in der Gesellschaft ernstzunehmen und zu handeln.

Quelle:
– dpa

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Jugendschutzgesetz 2020: Was darf ich in welchem Alter?

Bis wann dürfen Jugendliche in die Disco? Was sagt das Jugendschutzgesetz zum Konsum von Zigaretten und Alkohol? Ab welchem Alter dürfen Jugendliche Sex haben? Solche Fragen beschäftigen viele. Hier erfahren Sie die wichtigsten Aspekte des Jugendschutzes.

Überblick
  • Wie lange dürfen Jugendliche ausgehen?
  • Wie lange dürfen Jugendliche in Diskotheken und Clubs feiern?
  • Welche Kinofilme sind für Jugendliche erlaubt?
  • Wie lange dürfen sich Jugendliche in Gaststätten aufhalten?
  • Ausnahmen im Jugendschutzgesetz
  • Ab welchem Alter darf man Alkohol und Energy Drinks trinken?
  • Ab wann dürfen Jugendliche rauchen?
  • Wie lange dürfen Minderjährige arbeiten?
  • Welche Altersgrenzen gelten für Tattoos und Piercings?
  • Was sagt das Gesetz zum Thema Sexualität?
  • Wann dürfen Jugendliche einen Führerschein machen?

Das Jugendschutzgesetz (JuSchG) ist dazu da, Kinder und Jugendliche vor Gefahren und negativen Einflüssen in der Öffentlichkeit zu schützen. Es soll sie stärken und schützen, indem es spezifische Aktivitäten und Handlungen an bestimmte Altersstufen bindet. Das Jugendschutzgesetz und weitere Regelungen liefern Eltern eine Orientierungshilfe für die verantwortungsbewusste Erziehung ihrer Kinder.

Erwachsene sind für Jugendschutz verantwortlich

Das Jugendschutzgesetz richtet sich insbesondere an Gewerbetreibende und Veranstalter, aber auch an Eltern und Erziehende. Für sie hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz das Internetportal „Jugendschutz aktiv“ eingerichtet, um über die gesetzlichen Bestimmungen zum Jugendschutzgesetz zu informieren. Einen Link zum Portal finden Sie in den Quellenangaben.

Die wichtigsten Punkte haben wir Ihnen hier zusammengestellt:

Disco, Kino & Co.: Wie lange dürfen Jugendliche ausgehen?

Kinder oder Jugendlichen wollen abends mit ihren Freunden ausgehen. Eltern müssen sich dann von ihrem Nachwuchs häufig anhören, dass alle anderen länger wegbleiben dürfen. Das spielt aber keine Rolle, denn grundsätzlich ist es die Sache der Eltern, wie lange ihre Kinder unterwegs sein dürfen.

Das Jugendschutzgesetz regelt den Aufenthalt an bestimmten öffentlichen Orten. In der Disco oder im Kino etwa dürfen Kinder nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit bleiben.

Wann dürfen Kinder allein ins Kino und wie lange dürfen sie in der Disco oder Kneipe feiern? Diese Tabelle gibt den Überblick:

Was Alter Uhrzeit Bemerkungen
Disco unter 16 ohne Einschränkung nur in Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person
Disco 16-18 bis 24 Uhr auch ohne Begleitung
Öffentliche Tanzveranstaltungen von anerkannten Trägern der Jugendhilfe, bei künstlerischer Betätigung oder zur Brauchtumspflege unter 14 bis 22 Uhr auch ohne Begleitung
Öffentliche Tanzveranstaltungen von anerkannten Trägern der Jugendhilfe, bei künstlerischer Betätigung oder zur Brauchtumspflege 14 bis 18 bis 24 Uhr auch ohne Begleitung
Konzerte keine offizielle Beschränkung keine offizielle Beschränkung findet das Konzert in einer Gaststätte statt, gelten die Jugendschutzregeln für Gaststätten; ansonsten erlässt der Veranstalter häufig die gleichen Regeln wie beim Besuch einer Disco
Kino 6 bis 14 bis 20 Uhr Film muss um 20 Uhr zu Ende sein (oder sie werden von den Eltern oder einer erziehungsbeauftragten Person begleitet)
Kino 14 bis 16 bis 22 Uhr Film muss um 22 Uhr zu Ende sein (oder sie werden von den Eltern oder einer erziehungsbeauftragten Person begleitet)
Kino 16 bis 18 bis 24 Uhr Film muss um 24 Uhr zu Ende sein (oder sie werden von den Eltern oder einer erziehungsbeauftragten Person begleitet)
Gaststätten unter 16 5 Uhr bis 23 Uhr  ohne Begleitung nur, wenn sie eine Mahlzeit oder ein Getränk einnehmen
Gaststätten  16 bis 18 5 Uhr bis 24 Uhr  ohne Begleitung
Gaststätten unter 18 ohne Einschränkung mit Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person

Wie lange dürfen Jugendliche in Diskotheken und Clubs feiern?

Unter 16 Jahren dürfen Jugendliche nur in eine Disco, wenn ein Erziehungs- oder Sorgeberechtigter dabei ist. Ab 16 dürfen sie sich auch ohne eine solche Begleitung bis 24 Uhr in einer Disco aufhalten.

Personensorgeberechtigte Personen sind alle jene, die das Sorgerecht für ein Kind haben, also in der Regel die Eltern. Eine erziehungsbeauftragte Person hingegen kann jede Person ab 18 Jahren sein, die eine Vereinbarung mit den Eltern über die Beaufsichtigung getroffen hat.

Ausnahmen gibt es bei Veranstaltungen von einem „anerkannten Träger der Jugendhilfe“. Das sind zum Beispiel Jugendtreffs von Gemeinden, Vereinen oder der Kirche. Dann ist allen unter 14 die Anwesenheit bis 22 Uhr gestattet, für die 15-, 16- und 17-Jährigen ist um 24 Uhr Schluss. Außerdem kann die „zuständige Behörde“ Ausnahmen genehmigen.

Konzerte sind von diesen Regelungen ausgenommen, denn sie gelten nicht als Tanzveranstaltungen. Somit gelten auch die zeitlichen Beschränkungen nicht. Manchmal werden aber Altersbeschränkungen von der zuständigen Behörde oder vom Veranstalter angeordnet. Oftmals dürfen Jugendliche unter 16 Jahren nur in Begleitung eines Elternteils oder Außerdem brauchen Jugendliche immer die Erlaubnis ihrer Eltern.

Der Aufenthalt in Nachtbars oder -clubs ist für alle unter 18 Jahren verboten.

Welche Kinofilme sind für Jugendliche erlaubt?

Die „FSK“ steht für die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und gibt vor, ab welchem Alter, welcher Film gesehen werden darf. Dabei gibt es die Altersbeschränkungen

  • ab 6,
  • ab 12,
  • ab 16 und
  • ab 18 Jahre.

Auch wenn Erziehungsberechtigte dabei sind, ändert das nichts. Ausnahme: Filme ab 12 dürfen Kinder ab 6 Jahren sehen, wenn ein Erziehungsberechtigter dabei ist. Eine erziehungsbeauftragte Person reicht als Begleitung nicht aus. Zudem gibt es bezüglich der Uhrzeiten, zu denen ein Film endet, bei Kinobesuchen Beschränkungen für Kinder und Jugendliche (siehe Tabelle oben).

Wie lange dürfen sich Jugendliche in Gaststätten aufhalten?

Ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person dürfen sich Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur zur Einnahme einer Mahlzeit oder eines Getränks zwischen 5 Uhr und 23 Uhr in einer Gaststätte aufhalten. Dabei gilt als Richtwert für das Trinken eines Getränks eine halbe Stunde und für den Verzehr einer Mahlzeit eine Stunde.

Jugendliche ab 16 Jahren dürfen sich ohne Begleitung zwischen 5 Uhr und 24 Uhr in Gaststätten aufhalten. In Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person dürfen sich Kinder und Jugendliche zeitlich unbeschränkt in Gaststätten aufhalten.

Ausnahmen im Jugendschutzgesetz

Soweit die gesetzlichen Regelungen. Aber diese allein werden in einer Familie nicht ausreichen, um Lösungen zu finden, mit denen alle zufrieden sind. Außerdem werden private Feten und auch der Aufenthalt im Freien mit Freunden damit nicht geregelt. Hier kommt es darauf an, dass Eltern und Jugendliche Absprachen treffen.

Ab welchem Alter darf man Alkohol und Energy Drinks trinken?

unter 14 14 bis 16 16 bis 18 über 18
Bier verboten nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten erlaubt erlaubt
Wein/Sekt verboten nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten erlaubt erlaubt
Mixgetränke mit Wein oder Bier verboten nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten erlaubt erlaubt
Mixgetränke mit Spirituosen verboten verboten verboten erlaubt
Spirituosen verboten verboten verboten erlaubt
Energydrinks erlaubt erlaubt erlaubt erlaubt

Das Gesetz regelt den Konsum von Alkohol und gibt vor, ab welchem Alter und wie lange sich Jugendliche in Discos, Spielhallen und Gaststätten aufhalten dürfen. Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz, beispielsweise wenn an Jugendliche unter 16 Jahren Alkohol ausgeschenkt wird, drohen Gewerbetreibenden und Veranstaltern Bußgelder.

Eine Regelung für den Konsum von Energydrinks ist aktuell nicht in Aussicht. In manchen anderen Ländern verkaufen einige Discounter die Wachmacher nicht mehr an Kinder und Jugendliche unter 16 beziehungsweise unter 18 Jahren. Organisationen wie Foodwatch oder die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen sprechen sich auch in Deutschland für eine Regelung aus, die eine Altersbeschränkung für den Konsum von Energydrinks vorsieht.

Ab wann dürfen Jugendliche rauchen?

Für unter 18-Jährige gilt ein Rauchverbot. Das Jugendschutzgesetz regelt zudem, dass Tabakwaren und nikotinhaltige Erzeugnisse nicht an Kinder und Jugendliche abgegeben werden dürfen.

Wie lange dürfen Minderjährige arbeiten?

 Demnach dürfen Kinder bis zu einem Alter von 13 Jahren überhaupt nicht arbeiten, und auch ältere Jugendliche nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Schüler ab 13 Jahren dürfen ihr Taschengeld durch leichte Arbeiten aufbessern – Zeitungen austragen oder Babysitten zum Beispiel. Während der Schulzeit dürfen Kinder und Jugendliche maximal zwei Stunden pro Tag und nur zwischen 8 Uhr morgens und 18 Uhr Geld verdienen.

Schüler ab 15 Jahren können dagegen bis zu vier Wochen im Jahr, also 20 Arbeitstage zu jeweils acht Stunden, einem Ferienjob nachgehen.

Welche Altersgrenzen gelten für Tattoos und Piercings?

Derzeit gibt es für Tätowierungen und Piercings in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze. Das liegt daran, dass man nicht genau sagen kann, ab welchem Alter ein Jugendlicher die Folgen der „mutwilligen Körperverletzung“ abschätzen kann.

Auch die verbreitete Praxis, Jugendliche ab einem bestimmten Alter zu tätowieren, wenn sie eine Einwilligungserklärung der Eltern vorlegen oder von ihnen begleitet werden, hat keine sichere rechtliche Grundlage.

Was sagt das Gesetz zum Thema Sexualität?

Wenn der Sohn die erste Freundin hat, oder die Tochter mit Freund losziehen will, dann schrillen bei Eltern die Alarmglocken. Kein Wunder, denn eine unerwünschte Schwangerschaft im Teenie-Alter ist für viele Familien eine Horrorvorstellung.

Im Jugendschutzgesetz selbst ist nichts zum Thema Sex geregelt.  Wenn zum Beispiel ein 13-jähriges Mädchen mit ihrem 14-jährigen Freund intim wird, könnten die Eltern des Mädchens theoretisch Strafanzeige erstatten.

Wann dürfen Jugendliche einen Führerschein machen?

Ab wann Jugendliche welchen Führerschein machen dürfen, regelt die Fahrerlaubnisverordnung, nicht das Jugendschutzgesetz.  Mit 15 Jahren dürfen Jugendliche ein Mofa oder einen Roller fahren, mit 16 Jahren bestimmte Motorräder. Einen Führerschein fürs Auto gibt es bereits ab 17 Jahren (begleitetes Fahren).

Verwendete Quellen:

  • Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz: Jugendschutz aktiv
  • Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend: „Jugendschutz – verständlich erklärt“
  • Jugendschutzgesetz (JuSchG)
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
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Schlaganfall bei Kindern: Das sind Ursachen und Symptome

Auch Kinder und Jugendliche können einen Schlaganfall bekommen. Jährlich werden etwa 300 Fälle in Deutschland registriert – das scheint zwar wenig, doch Experten vermuten, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, weil ein Schlaganfall bei Kindern oft nicht erkannt wird. Umso wichtiger ist es, die Warnsignale zu kennen, sonst kann es zu Spätfolgen kommen.

Eric traf es mit elf Jahren auf dem Fußballplatz. Der siebenjährige Marc erhielt die Diagnose, nachdem die Ärzte drei Tage nach der Ursache seiner heftigen Kopfschmerzen gesucht hatten. Emma und Max erlitten schon im Mutterleib einen Schlaganfall. 

Oft haben die Kinder ihr ganzes Leben unter den Folgen zu leiden. „Die frühzeitige Erkennung von Schlaganfällen bei Kindern ist von großer Bedeutung, um Einschränkungen in der motorischen und geistigen Entwicklung soweit wie möglich zu verhindern“, betont Hans-Jürgen Nentwich vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Symptome: Das sind die Warnzeichen für einen Schlaganfall

Ein  wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn ausgelöst. Ursache dafür ist entweder eine Verstopfung der Blutgefäße oder eine Hirnblutung. Wenn das Gehirn in Folge dessen nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, fallen wichtige Funktionen schlagartig aus und Zellen sterben ab.

Anzeichen für einen Schlaganfall können Lähmungen, Schwäche oder Zuckungen bei einer Körperhälfte sein. Auch starke Kopfschmerzen, eventuell mit Erbrechen, eine undeutliche Sprache oder Schluckbeschwerden sind Warnsignale. Außerdem sollten Eltern alarmiert sein, wenn Kinder über Sehstörungen, wie Doppelbilder oder verschwommene Sicht, klagen oder ihr Gang unsicher wirkt.

Schlaganfall bei Kindern: Sehstörungen, einseitige Lähmungen und Zuckungen sind Warnsignale. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Sehstörungen, einseitige Lähmungen und Zuckungen können bei Kindern auf einen Schlaganfall hindeuten.

Schlaganfall während der Geburt

Ein Drittel aller registrierten Schlaganfälle bei Kindern tritt während der Geburt auf, ausgelöst durch den Geburtsstress. Tückisch ist, dass solche Schlaganfälle oft erst spät diagnostiziert werden, weil die  erst nach mehreren Monaten Symptome entwickeln. Den Eltern fällt dann zum Beispiel auf, dass das Kind eine Hand nicht beziehungsweise weniger zum Greifen einsetzt oder beim Krabbeln eine Seite weniger benutzt als die andere.

Risikofaktoren: Welche Kinder besonders gefährdet sind

Während bei Erwachsenen vor allem Faktoren, wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum, das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, müssten bei Kindern mehrere Faktoren zusammenkommen, sagt der Neurologe Matthias Spranger aus Bremen. Dazu gehören genetisch bedingte Blutgerinnungsstörungen, Herzfehler oder Verengungen der Gefäße (Arteriosklerose). Kinder mit Krebs haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Infektionen: Gefährdet sind Kinder, die gerade eine Infektion überstanden haben. So ereigne sich ein Schlaganfall bei Vorschulkindern häufig infolge eines Infekts, vor allem mit Windpocken, erklärt Kinderarzt Netwich. In Ländern ohne routinemäßige Windpockenimpfung ließen sich bis zu einem Drittel aller Schlaganfälle im Kindesalter auf diese Virusinfektion zurückführen.
  • Pubertät: Auch zu Beginn der Pubertät ist die Gefahr eines Schlaganfalls nach Angaben des „Fördervereins Schlaganfall und Thrombosen im Kindesalter“ groß. Das hängt mit der Hormonumstellung zusammen, aber auch mit dem Rauchen und der Einnahme der Antibabypille.
  • Gefäßverletzungen: Ein weiterer Risikofaktor sind Gefäßverletzungen, die bei insbesondere bei Jugendlichen beim Sport passieren können. Auch durch ruckartige Halsbewegungen in rasanten Fahrgeschäften auf Volksfesten kann unter Umständen die Halsschlagader reißen.

Folgen: Auswirkungen eines Schlaganfalls bei Kindern

Ein Schlaganfall bei Kindern ist häufig zunächst nicht lebensbedrohlich. Im Unterschied zu Erwachsenen würden Kinder nach einem Schlaganfall schneller wieder gesund. Die neurologischen Ausfälle könne das kindliche Gehirn gut ausgleichen, legt eine Langzeitstudie der Universität Münster, die bundesweite Daten von Schlaganfällen bei Kindern sammelt. Der Grund: Das kindliche Gehirn ist in gewisser Hinsicht „flexibler“. So können die Aufgaben von geschädigten Bereichen des Gehirns von anderen Hirnarealen übernommen werden. Dies gilt jedenfalls bei Schlaganfällen bei jungen Kindern bis zum Jugendalter von etwa 14 Jahren. Im Pubertätsalter nehmen die Möglichkeiten der Kompensation durch andere Hirnregionen dann deutlich ab.

Es gibt allerdings auch Hinweise, dass ein unerkannter Schlaganfall bei Kindern eine bleibende Narbe im Gehirn hinterlässt, die im weiteren Lebenslauf zu schwerwiegenden Problemen führen kann. In der Schule können Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Lernstörungen auftreten, die wiederum komplexe psychosoziale Probleme verursachen. Das zeigt sich in Verhaltensstörungen, Depressionen, Angst und Aggressionen. „Die Folgen eines Schlaganfalls zeigen sich oft erst viele Jahre später“, sagt der Schlaganfallexperte Spranger. Wichtig sei deshalb, betroffene Kinder langfristig zu fördern.

Zudem gilt grundsätzlich: Bleibt ein Hirninfarkt unerkannt und wird er entsprechend nicht behandelt, besteht ein erhöhtes Risiko von weiteren und folgenreicheren Hirninfarkten, die in der Folge tödlich sein können. Sollten Sie bei Ihrem Kind beschriebene Auffälligkeiten feststellen, ist umgehend ein Arzt zu konsultieren. Je schneller die Symptome gedeutet werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für bleibende Hirnschäden.

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Experte: Schulen sind auf dem Holzweg

Wie steht es um die Bildung unserer Schüler? Die Politik versucht nicht zuletzt mit Reformen, Schüler schnell schlau zu machen. Vorsicht, mahnen Experten. Richtige Bildung habe viel mit Entschleunigung zu tun.

Ein schlechtes Zeugnis stellt der österreichische Philosoph, Autor und Bildungsexperte Konrad Paul Liessmann den Bildungspolitikern in Deutschland und Österreich aus. In den Schulen dominiere der Glaube an den Erwerb von Kompetenzen, egal, an welchen Texten, Aufgaben und Theorien diese geübt würden, sagt der 64-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Für ihn ein Irrweg. „Die effizienz- und kompetenzorientierte Schule hindert junge Menschen, die nötige Fantasie und Kreativität zu entwickeln.“

Deutsche Presseagentur: Die deutschen Schüler sind laut Pisa-Studie recht gut in „Teamarbeit“. Teilen Sie die Freude?

Konrad Paul Liessmann: Ich stehe Pisa-Studien prinzipiell skeptisch gegenüber. Darüber hinaus glaube ich, dass Teamarbeit wenig mit Bildung zu tun hat und überschätzt wird. Zudem wurde diese Kompetenz nicht in realen Situationen, sondern in Computersimulationen getestet. Das ist ein sehr zeitgeistiger Ansatz. Bildung ist eine Sache von Einzelnen und auch von Einsamen.

Was ist Bildung?

Die Bildung des Menschen beinhaltet Formung, Entfaltung, Orientierung, Selbstgestaltung und das Gewinnen einer auch ästhetischen Urteilskraft. Bildung lässt sich nicht reduzieren auf den Erwerb von Wissen, aber auch nicht auf den Erwerb von Kompetenzen. Bildung meint immer, wie kann ein Mensch seine Haltung, seinen Charakter, seine Fähigkeiten zu einer Mündigkeit entwickeln. Bildung kennt also letztlich keine definierbaren Ziele, sondern ist ein offener Prozess.

Was hat die Bildungspolitik in Österreich und Deutschland mit Bildung zu tun?

Gar nichts. Es geht ihr nicht mehr um die Bildung des Menschen, sondern es geht ihr um das Schulen und Testen von einzelnen Fähigkeiten. Es geht ihr nicht mehr, und da wage ich eine Trendwende zu prognostizieren, um die Inhalte der Bildung. In den Lehrplänen geht es um den Erwerb der Lesekompetenz, aber dabei wird völlig ausgeklammert, was gelesen wird. Dabei sind Inhalte entscheidend. Denn nur diese berühren Menschen. Kompetenzen lassen kalt.

Sind die Lehrer die neuen Coaches fürs Leben?

Ich würde Lehrer davor warnen, ihr Selbstverständnis in dieser neuen Form des Coachings und der Begleitung der Schüler zu sehen. Lehrer sollen Lehrer sein. Pädagogen müssen das Gefühl haben, dass sie etwas Wichtiges weitergeben wollen, gerne mit persönlicher Färbung und persönlichem Stil. Der gute Deutschlehrer begnügt sich nicht damit, Leseprozesse zu coachen, sondern ist von der Notwendigkeit überzeugt, Kafka, Thomas Mann oder Peter Handke zu lesen.

Die Lehrer leiden Ihrer Ansicht nach unter einer selbst auferlegten „Zerknirschungsstrategie“. Was meinen Sie damit?

Das ist eine neue Mode in der Lehreraus- und fortbildung: Ständige Selbstreflexion und Selbstrechenschaft, ständige Selbstüberprüfung von eigenen Defiziten und dem Nicht-Erreichen von Zielen. Das Selbst-Monitoring ist eine Variante der pietistischen Selbstbeobachtung. Natürlich braucht man kritische Distanz zu sich und seiner Tätigkeit. Aber wir müssen weg von diesem Phantasma permanenter Kontrollierbarkeit und der permanenten Vergleichstest. Das schafft nur unglückliche Lehrer und damit unglückliche Schüler.

Was haben Bildung und Muße miteinander zu tun?

In der Antike wusste man, dass Bildungsprozesse keine Arbeitsprozesse sind. Muße bedeutet, dass ich mich mit Dingen um ihrer selbst willen befassen kann und nicht ständig darauf schielen muss: Erreiche ich damit ein Ziel, löse ich damit ein Problem? Nur Freiräume befördern die Bildung. Effizienz allein bedeutet keinen Fortschritt. Gerade heute wäre nichts so sehr nötig wie Fantasie. Die effizienz- und kompetenzorientierte Schule hindert junge Menschen, die nötige Fantasie und Kreativität zu entwickeln.

Kann man einfach das Ruder herumreißen?

Das ist keine unmögliche Aufgabe. Man kann natürlich Zeitordnungen und Lehrpläne an Schulen und Universitäten anders gestalten. Man kann aus den Bildungssystemen den dramatischen Druck nehmen. Wir sind die reichste Gesellschaft aller Zeiten mit der höchsten Lebenserwartung aller Zeiten – wir können problemlos 40 bis 45 Jahre arbeiten und hätten noch viel Zeit für Bildungsprozesse mit Muße. Ich sehe keinen Grund für den Zeitdruck im Bildungssystem.

Wo mangelt es auffallend an Bildung?

In den sozialen Netzwerken. Dort herrscht Bildungsmangel schon durch den Mangel an Kinderstube und Selbstbeherrschung. Viele wissen nicht, wie man argumentiert, wie man unterscheidet zwischen Argumenten einer Sache gegenüber und unzulässigen Argumenten einer Person gegenüber. Dabei wäre eine profunde Diskussion mit auch scharfer Kritik hilfreich. Ich sehe eine Paradoxie. Wir machen Bildungseinrichtungen zu schmerzfreien Räumen, wo nichts mehr gedacht werden darf, was jemand als anstößig empfinden könnte. Dieser Hyper-Empfindlichkeit steht gleichzeitig eine Vulgarisierung der Öffentlichkeit gegenüber. Beides ist das Gegenteil von Bildung.

Welche Rolle spielen Intellektuelle in Zeiten der „Political Correctness“?

Intellektuelle tendieren dazu, das Volk zu bevormunden. Diese Gefahr muss man sehen. Die einfachste Art, sich mit den Positionen des Anderen nicht auseinanderzusetzen, ist, ihn zu pathologisieren wie bei der Flüchtlingsfrage. Da wurden Skeptiker zu Kranken erklärt: Islamophobie. Wenn Erwachsene Angst haben, Anstoß zu erregen, führt das zu einer Verkümmerung des Sprech- und Denkvermögens. Es muss aber auch klar sein: Niemand ist verpflichtet, sich mit anderen unter seinem Niveau auseinanderzusetzen. Ich muss mich wirklich nicht mit den primitivsten Vorurteilen und Hassorgien befassen.

Was erwarten Sie vom EU-Bildungsgipfel 2018?

Es wäre eine schöne Bildungsinitiative, einen Kanon von 20 bis 25 Schlüsselwerken europäischer Literatur von der griechischen Antike bis zu James Joyce zu empfehlen. Diese Bücher waren und sind doch die Grundlage für die kulturelle Identität Europas. Meine Prognose ist, dazu wird es nicht kommen. Es wird wieder nur um Standardisierung gehen, darum wie man Kompetenzen noch präziser evaluieren kann, noch effizienter die Arbeitsmärkte bedienen kann und den Internet-Konzernen im Bildungsbereich noch mehr Spielwiesen verschaffen kann.

Zur Person:
Der 64-Jährige lehrt an der Universität Wien, ist Autor vieler Publikationen und befasst sich seit langem intensiv mit der Bildungspolitik. Zuletzt erschien sein Buch „Bildung als Provokation“. Der Rennradfahrer ist Kritiker des Autoverkehrs und Karl-May-Fan.

Quelle:
– Nachrichtenagentur dpa, Matthias Röder

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Kinderärzte lehnen Sandwesten für Grundschüler ab

Seit einigen Wochen wird darüber diskutiert, ob schwere Sandwesten unkonzentrierte Schüler im Unterricht beruhigen können. Jetzt äußert sich der Verband der Kinderärzte.

Kinderärzte lehnen den Einsatz von sogenannten Sandwesten bei Grundschülern ab. Der therapeutische Nutzen der Sandwesten bei zappeligen und unkonzentrierten Schülern sei bisher nicht belegt, erklärt Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Zudem warnt er davor, unruhige Kinder dadurch „als Störenfriede oder gar als ADHS-Patienten zu stigmatisieren“.

Sandwesten sollen zappelige Kinder beruhigen

Im Dezember 2017 hatten Medienberichte über den Einsatz von Sandwesten an Grund- und Förderschulen für Wirbel gesorgt. Die Westen wiegen bis zu sechs Kilo und sollen zappelige und unkonzentrierte Grundschüler im Unterricht beruhigen.

Sandwesten seien „kein Ersatz“ für eine Therapie einer sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), erklärt Kahl. „Unruhige, unkonzentrierte Kinder brauchen eine gründliche Abklärung, jedoch nicht durch die Lehrerin.“

Bis zu fünf Prozent haben ADHS

Etwa drei bis fünf Prozent eines Jahrgangs sind dem Experten zufolge ADHS-Patienten, die eine Therapie brauchen. Die vielen anderen Kinder, die sich nicht konzentrieren können oder den Unterricht stören, hätten Kahl zufolge meist einfach nicht gelernt, sich den Erfordernissen des Unterrichts anzupassen und eine bestimmte Zeit still zu sitzen. 

In vielen Schulen seien aber auch die Klassen zu groß, die Räume zu eng und überforderte Lehrer berücksichtigten die individuellen Bedürfnisse der Kinder nicht ausreichend.

„Unruhige Kinder als krank ‚auszusortieren‘ und ihnen die Sandweste überzuziehen, löst diese Probleme nicht“, warnt der Ärzteverband. Sinnvoller wäre es, die Kinder besser zu fördern, kleinere Klassen einzurichten und mehr Bewegung in den Unterricht zu integrieren.

Quelle:
dpa

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Sexuelle Spannungen verwirren Väter von Teenagertöchtern

Missbrauch rückt immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Wir sind alarmiert und achten auf Anzeichen. Aber vor allem Männer sind auch verunsichert. Wie viel Zärtlichkeit ist eigentlich erlaubt mit dem eigenen Kind? Wie geht man damit um, wenn die Tochter zur Frau wird? Und welche natürliche Rolle spielt die Erotik in der Vater-Tochter-Beziehung?

Papas kleine Prinzessin

Papa ist der Mann, den sie später mal heiraten will. Sie schmiegt sich an ihn, sitzt auf seinem Schoß, himmelt ihn an … und plötzlich ist alles anders. Das Mädchen ist kein Mädchen mehr, sondern wird zur Frau. Viele Männer sind jetzt verwirrt, wissen nicht, was sie denken und fühlen dürfen, wie sie sich verhalten sollen – und möchten auf keinen Fall in irgendwelche unberechtigten Verdachtsmomente geraten. „Dabei ist der Vater für das positive Selbstbild eines Mädchens sehr wichtig. Er ist der personifizierte männliche Blick, die männliche Rückmeldung“, erklärt der Diplompsychologe Andreas Engel. Vor allem Töchter in der Pubertät brauchen ihre Väter zur Orientierung, sie brauchen aber auch eine gewisse Distanz.

Gemeinsames Baden in der Wanne ist unangebracht, das ist jedem klar. Aber wie viel und was ist erlaubt? Darf die zwölfjährige Tochter sich noch auf dem Schoß des Vaters räkeln oder muss sie liebevoll in Schranken gewiesen werden? Darf der Vater mit der Tochter Unterwäsche kaufen gehen? Wie soll er reagieren, wenn er sie beim Umarmen aus Versehen an der Brust angefasst hat? Darf man(n) hingucken, Veränderungen feststellen?

Wo früher Vertrautheit war, ist plötzlich Scham

Die Verwandlung vom Mädchen zur Frau führt nicht nur beim Kind zu Verunsicherung. Auch die Erwachsenen sind verunsichert. Schwierig für die Mutter, die durch das Erwachsenwerden der Tochter in einen Generationenkonflikt gerät. Schwierig für den Vater, der in seiner eigenen Jugend die aufblühenden Mädchen um sich herum spannend und sexy fand und nur schwer akzeptieren kann, dass seine eigene Tochter nun Teil der erotischen Fantasien anderer sein könnte. „Aber es liegt in der Natur der Sache, dass ein junger Mensch erotische Signale aussendet“, so der Erziehungsberater.

„Kompliziert wird es, wenn unbewusste Besitzansprüche entstehen. Denn die Tochter gehört nicht dem Vater, sondern sich selbst.“ Schwierig aber auch für das Mädchen, das sich zu Beginn der Pubertät der Ausstrahlung ihres sich verändernden Körpers vielleicht gar nicht bewusst ist und sich durch die plötzliche Distanz des Vaters zurückgestoßen fühlt.

Mit den eigenen Emotionen im Reinen sein

Durch den Vater erlebt ein Mädchen die erste männliche Zuneigung und sein Verhalten, zum Beispiel auch gegenüber der Mutter oder anderen Frauen, prägt ihr Männerbild. Und kann, das hat der berühmte Väterforscher Wassilios E. Fthenakis herausgefunden, unter anderem vor Drogen und Essstörungen schützen. Väter dürfen ihre Töchter also auch über das zwölfte Lebensjahr hinaus vergöttern, wenn die Bedürfnisse des Mädchens an Distanz und Eigenständigkeit nicht verdrängt werden.

Aber ein Vater ist nur dann fähig, seine Tochter bei der Bewältigung ihrer Konflikte zu unterstützen, wenn er mit sich und seinen Emotionen im Reinen ist. „Unsere Wahrnehmung ist immer subjektiv geprägt von bewussten und unbewussten Wünschen und Motiven – manch ein Vater sieht gar nicht, dass seine Tochter zur Frau wird, weil er es nicht sehen will. Umso überraschter ist er dann, wenn sie anfängt, sich für Jungs zu interessieren oder die Blicke anderer Männer auf sich zieht.“ 

Patchwork erschwert die Situation

Dass die eigene kleine Tochter zur Frau wird, ist eine schleichende Entwicklung. Väter sollten ihre Töchter dabei so wahrnehmen, wie sie sind, sich für sie und ihre Probleme interessieren, sich Zeit nehmen – wenn eine gute Bindung besteht, dann bleibt man mit dem Kind auch in dieser Phase in Kontakt und ist offen für das, was sich entwickelt. „Ich war überrascht, dass ich dann doch so gut loslassen konnte“, erinnert sich Uwe. Seine Tochter ist inzwischen 17 und natürlich hat er wahrgenommen, dass sie zur Frau wird. „Das geht ja nicht von heute auf morgen, aber irgendwann wollte sie auch gar nicht mehr, dass ich sie ins Bett bringe oder wir gemeinsam im Bad sind. Und wenn ich es selbst mal nicht gemerkt habe, dann hat ihre Mutter mich schon darauf hingewiesen“, schmunzelt der 48-Jährige.

Schwieriger haben es da Patchworkfamilien. Sie hatten nicht die Möglichkeit, hineinzuwachsen, werden oft mehr oder weniger von heute auf morgen zusammengewürfelt. In vielen Foren beklagen Frauen, dass sie das Verhältnis ihrer neuen Partner zu deren Töchtern befremdlich finden. Fragen sich, ob das Mädchen sie eifersüchtig machen möchte, etwas beim Papa sucht, was es bei einem Freund noch nicht findet, ob es ihm nur schmeichelt oder ihn auch erregt oder ob alles normal ist und sie überreagieren. Auch getrennte Frauen, deren Ex-Männer ihre Töchter nur noch selten sehen, haben oft Bedenken, ob die Väter die natürlichen Grenzen der Intimsphäre überhaupt erkennen. „Ich-Botschaften sind da der Königsweg“, rät Andreas Engel. „Ohne Vorwurf über die eigene Wahrnehmung sprechen kann helfen, die Situation zu entzerren.“

Inzest: der Ursprung aller Tabus

Kein Mann möchte in irgendeiner Weise mit sexuellen Absichten zu jungen Mädchen in Verbindung gebracht werden. Und hat sie ja im Normalfall auch nicht. Trotzdem erhalten bisher völlig selbstverständliche Zärtlichkeiten eine neue Qualität. Das zur Frau werdende Mädchen und ihr weiblicher Körper bringen sexuelle Dimensionen ins Spiel, die unter ein Tabu fallen und über die man am liebsten nicht einmal nachdenken möchte. „Der Inzest gehört quer durch alle Gesellschaften zu den größten Tabus, er ist sozusagen der Ursprung aller Tabus. Gleichzeitig ist aber auch ein Vater nicht blind. Er sollte sich daher damit auseinandersetzen, dass aufkommende Fantasien in gewisser Weise normal sind, aber eben nicht ausgelebt werden dürfen“, so der Psychologe. Um schwierige Situationen zu meiden, könnte jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Morgenmantel und einen Schlüssel zum Bad sein – denn Intimsphäre und der Respekt derselben gehören zum Erwachsenwerden dazu.

Nicht hinter flapsigen Bemerkungen verstecken

Vorsichtig sein sollten Erwachsene auch mit flapsigen Bemerkungen, mit denen sie peinliche Situationen vermeintlich optimal überspielen. „Ich kann es nicht ausstehen, wenn mein Vater mich mit so einem doofen Grinsen fragt, wozu ich denn einen BH brauchen würde, da wäre ja nichts, was man da rein tun könnte“, ärgert sich die vierzehnjährige Fenja. Die psychologische Erklärung für so ein Verhalten: „Hinter solchen Bemerkungen verstecken sich Unsicherheit und Hilflosigkeit, die auf diese Weise in eine Überlegenheit umgewandelt werden. Erotische Fantasien werden so unbewusst gebannt und richten sich gegen die Tochter. Die sich dann sozusagen stellvertretend schämt.“

Grenzen setzen – bei Tochter und Sohn

Das Problem besteht natürlich nicht nur bei Mädchen. Aber wer denkt sich schon etwas dabei, wenn ein Junge mit seiner Mutter intensiv kuschelt, wenn er bei Albträumen in ihr Bett kriecht? Intensiver Körperkontakt, bei dem ein Mann längst einen schrägen Blick abbekommen würde, gilt bei Müttern als ganz normal. Aber auch hier gibt es Grenzen. In einer Forenunterhaltung bringt AnnKathrin die Lösung auf den Punkt: „Mein Sohn darf mich knuddeln und streicheln und abknutschen, aber wenn ich spüre, dass er an mir Sexualität üben will, blocke ich, so freundlich wie möglich, ab. Das muss er wegstecken können, denn er muss lernen, dass ich nicht das Objekt seiner Begierde sein kann.“ Genau wie die Tochter lernen muss, dass Papa sie nie heiraten wird.

Verwendete Quellen:

  • Eigene Recherchen

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